Im Urlaub verbringe ich garantiert nicht die Zeit am Straßenrand um ein Fehlverhalten der 'Ordnungshüter' auszusitzen. Hätte es genau so gemacht wie Freshy.
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Adolf
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Cruiser schrieb:Im Urlaub verbringe ich garantiert nicht die Zeit am Straßenrand um ein Fehlverhalten der 'Ordnungshüter' auszusitzen. Hätte es genau so gemacht wie Freshy.
100%ige Zustimmung. Ich vergeude meine wertvolle Lebens- und Afrikazeit sicher nicht mit endlosen Diskussionen mit Polizisten/innen... Mzeekenya
freshyThemenstarter3’883 Beiträge · seit 201122. Nov. 2019 ·
Hallo Beate, trotz der gelegentlichen Widrigkeiten - oder vielleicht wegen 😕 ? - würde ich gerne noch einmal nach Sambia reisen. Mich hat das Land fasziniert. Ein bisschen haben mich verschiedene Erfahrungen an unsere Türkeireise vor 45 Jahren erinnert, die uns weit in den Osten führte. Das war damals so exotisch und mindestens so abenteuerlich wie heute z.B. Sambia. Damals haben wir anders reagiert, waren unbekümmerter und risikobereiter. Ich freue mich auf morgen, werde ab heute wenig essen, weil ich viel zu viel zu essen bestellt habe 😉 .
freshyThemenstarter3’883 Beiträge · seit 201122. Nov. 2019 ·
Hallo Cruiser und Mzeekenya, es tut gut, von euch erfahrenen Afrikareisenden zu lesen, dass wir nicht so ganz falsch gehandelt haben. Keine Ahnung, wie alt ihr seid, aber ich denke, dass man mit den Jahren Vieles aus anderer Sicht betrachtet. Hinzu kommt die Unsicherheit bei einem ersten Vorfall. Und wer könnte schon von sich behaupten, immer alles richtig zu machen?
freshyThemenstarter3’883 Beiträge · seit 201122. Nov. 2019 ·
27. 09.: Erholung im Pioneer‘s Camp, Lusaka
Wir haben eine so kalte Nacht hinter uns, dass die Schlafsäcke gegen Morgen nicht mehr warmhalten. Wir wärmen uns unter der Dusche auf. Nach dem Frühstück trudelt Antje, unsere Gesprächspartnerin von gestern Abend ein, und wir plaudern miteinander bis die Sonne das Camp aufheizt, doch in unserem Bambushain ist es schön schattig, dass es sich aushalten lässt. Ab Mittag füllen sich die Stellplätze mit Wochenendcampern, das Areal ist bis auf den letzten Platz belegt und entsprechend unruhig. Eine Familie mit zwei Kindern tobt durch den Staub, und im Nu gesellen sich mehrere einheimische Jungs aus der Nachbarschaft hinzu. Ein Glück, dass es Wasser und Seife gibt! Das Abendessen nehmen wir wieder in Gesellschaft von Antje ein, trinken ein Fläschchen Wein dazu und verschwinden im Camper. Suchbild: Wo ist der Vogel?
Blick auf die Campsite
Schattiger Platz unter Bambus
Straßenszenen
Die vergangene Nacht war nicht so kalt wie die davor, trotzdem starten wir früh gen Osten, weil wir einen weiten Weg vor uns haben. Die Rappelpiste bis zur Straße macht uns hellwach. Der Verkehr aus Lusaka hinaus ist heute am frühen Samstagmorgen heftig, die Schlaglöcher im Asphalt sind es auch. Doch von Kilometer zu Kilometer bessert sich der Zustand in beiderlei Hinsicht. Auf Plakaten lesen wir, dass die EU diese Great East Road mitfinanziert. So sieht es aus, wenn die EU mitbaut 😉
Zufahrt zur Brücke
Touristenmarkt an der Brücke
Wie heißen diese Früchte?
Die Luangwabrücke
Samstagsritual: Wäsche waschen und Kinder baden
Kurz vor der Brücke über den Luangwa, die nur nach Aufforderung wechselseitig befahren werden darf, hat sich ein Markt für Touristen entwickelt. Wir halten kurz an, um uns umzuschauen, finden aber nichts, was wir kaufen würden. Unter der Brücke wird Wäsche gewaschen und auf Büschen getrocknet. Eine Mutter nutzt die Gelegenheit, ihre drei Kinder zu baden. Dieses Wochenendritual kenne ich aus meiner Kindheit aus. Uns wird erstmals bewusst, dass der Luangwa viel weniger Wasser als der Kafue führt. Wir passieren kleine Dörfer, die uns viele Humps bescheren, blicken auf das Leben am Rande der Straße. Frauen verkaufen Tomaten, Melonen und kleine, uns unbekannte Früchte. Holzkohle wird in Massen angeboten. Das Handwerk boomt, ob Schreinerei oder Ziegelei, es wird gearbeitet. Dorf in traditioneller Bauweise
Öffentlicher Personennahverkehr auf sambisch
Am frühen Nachmittag fahren wir in Petauke ein, belegen einen Platz im Chimwemwe Camp und fahren in den Ort, um Trinkwasser zu kaufen. Hier tanzt der Bär! Eine Popgruppe hat ihre Technik aufgebaut und ersetzt Können durch Lautstärke. Wir wagen ein paar Schritte ins Marktgewusel hinein, wo Schuhe, Gartengeräte, T-Shirts und Konserven neben Melonen verkauft werden. Da wir als einzige Weiße angestarrt werden, fahren wir nach kurzer Zeit ins Camp zurück. Nach einem Abendessen aus Resteverwertung sitzen wir noch lange am Lagerfeuer. Popgruppe mit viel Krach in Petauke
Marktszene in Petauke
Stellplatz auf Beton hält die Füße sauber
Anstatt Gutenachtgeschichte ein heimeliges Feuerchen
Was falsche Karten anrichten können
Viele Wege führen zum Wildlife Camp, manche schwierig, manche einfach zu befahren. Die Strecke über die Missionsstation lehnen wir nach wenigen hundert Metern ab, zu holprig, zu ungewiss, nur als Track eingezeichnet. Manchmal sind wir Schisser. Wir fahren weiter auf der Great East Road bis Chipata, von wo eine neue Straße (D 104) über Mfuwe zum Wildlife Camp führen soll. Da unsere Papierkarte und das Navi unterschiedliche Strecken angeben, sind wir verunsichert, bis nach knapp 30 km ein Hinweisschild nach Mfuwe kommt. Der richtungsweisende Hinweis
Glücklicherweise war die Strecke im Navi korrekt geroutet, denn Herbert verlässt sich darauf. Dass eine Straßenbezeichnung in der Papierkarte an völlig falscher Stelle steht, das hatten wir bisher nicht. Merke: Papier ist geduldig – auch bei Landkarten!
Obst, Gemüse, Früchte - kunstvoll dekoriert
Kinder am Weg
Nachdenklich? traurig?
Gärtnerei
Trotz schwerer, schmutziger Arbeit lächeln uns die Menschen freundlich an
Sekten und religiöse Gemeinschaften sind in Sambia allgegenwärtig
Sie trägt stolz das Portrait ihres Prasidenten auf dem Po
Eine der vielen Kontrollstellen
Der Fernbus Sambia - Malawi biegt von der Umleitung auf die Teerstraße ab
Erholungspause nach den Tagen auf der Straße
Das Camp ist DIE Adresse vor dem Gate des South Luangwa Nationalparks. Hier treffen sich Lodgegäste, Reisegruppen und Selbstfahrer mit Campingausrüstung wie wir. Das Fahrzeug und wir müssen dringend überholt werden. Der Pool lädt ein, zumindest uns abzukühlen. In der weiten Flusslandschaft zu unseren Füßen leben viele Wasservögel; Hippos, Giraffen und Elefanten sind in der Ferne unterwegs. Herbert sammelt Holz für ein Lagerfeuer direkt am Fluss. Für morgen melden wir uns zum Dinner an. Im Dunst über dem breiten Flusstal geht die Sonne unter und verspricht einen weiteren schwülheißen Tag. Trotz 29°C im „Schlafzimmer“ schlafen wir fest. Ziegelbrennerei
Hallo Freshy, ich lese interessiert euren Bericht und bin schon gespannt was ihr über das Wildlife Camp berichtet. Ihr seid bewundernswert, dass ihr im fortgeschrittenen Alter so eine anstrengende Reise gemacht habt. LG austria
freshyThemenstarter3’883 Beiträge · seit 201123. Nov. 2019 ·
austria schrieb:Hallo Freshy, ich lese interessiert euren Bericht und bin schon gespannt was ihr über das Wildlife Camp berichtet. Ihr seid bewundernswert, dass ihr im fortgeschrittenen Alter so eine anstrengende Reise gemacht habt. LG austria
Guten Morgen austria, die Reise an sich war für uns nicht anstrengend - wir sind seit vielen Jahren als Selbstfahrer mit Camper unterwegs - aber das Klima hat uns zum ersten Mal zugesetzt. So anhaltend lange warm hatten wir es bisher noch nie in Afrika. Doch wir haben tapfer bis zum letzten Tag durchgehalten 🙂 . Wir sind keine Sissys 😄 . Ein Bekannter, um die 50 Jahre, hat Ende September nach 10 Tagen die Segel gestrichén, weil er die Hitze nicht ertrug. Über das Wildlife Camp berichte ich als Nächstes.
freshy schrieb:Hallo Cruiser und Mzeekenya, es tut gut, von euch erfahrenen Afrikareisenden zu lesen, dass wir nicht so ganz falsch gehandelt haben. Keine Ahnung, wie alt ihr seid, Danke für die Unterstützung, freshy
Hallo Freshy, ich amüsiere mich regelmässig über die "Gutmenschen", die moralisierend verkünden, man solle, ja müsse sich der afrikanischen Korruption widersetzen. Mich nerven die Gesetzeshüter meist weniger als die Touris, die mit generösen Trinkgeldern um sich werfen und die "ortsüblichen" versauen. Ich bin ein älterer Afrikahase, der den Schwarzen Kontinent 1966 zum ersten Mal für sechs Monate bereist und inzwischen über 100 Reisen durch das östliche und südliche Afrika "auf dem Buckel" bzw. mehrmals Jahre dort verbracht hat. Die nächste Monate lange Safari startet Anfang 2020... Alles Gute Mzeekeny (78+)
Hallo freshy, vielen Dank für deinen Bericht, ich lese eifrig mit und freue mich auf die Fortsetzung, und Respekt für eure Art zu reisen und die klare Sprache. @das Schmieren in Afrika und bei uns Vor über zwanzig Jahren (also vor Mobiltelefon und Internet) hatte ich in Beitbridge an ein und demselben Tag zwei Erlebnisse mit Umkehr der Guten- und Bösenrollen. Zuerst hatte ich inmitten von 1000en Menschen und endlos langen Schlangen an der Grenze keine Lust, für einen Fehler von Britz zu büßen und ein Wochenende dort zu verbringen oder überhaupt nicht nach Zimbabwe einreisen zu können….und dem (ohnehin darauf wartenden) Zöllner das angeboten, was in der Situation eben notwendig war bzw. war er damit zufrieden, was ich zur Lösung des Problems „beitragen“ konnte. War einfach nötig, weil blöd gelaufen und an Ort und Stelle gar nicht sanierbar. Schlechtes Gewissen hatte/habe ich keines, weil ich so was nicht gewohnheitsmäßig mache. ..…dann rasch über die Grenze, die Bank gerade noch vor Sperrzeit geschafft und hurra, jetzt kann’s losgehen….und kaum auf der Straße, auch schon wieder angehalten, weil meine Frau (noch) nicht angeschnallt war. Der junge Polizist musste das natürlich rügen und abstrafen. Ich habe ihm gesagt, dass ich absolut seiner Meinung bin und dass so etwas unbedingt bestraft gehört, dass ich aber die Buße meiner Frau nicht bezahlen werde, weil sie das ja selber verursacht hat und daher selber bezahlen müsse, er solle daher die Strafe bei meiner Frau und nicht bei mir eintreiben. Dann habe ich ihm noch viel Glück mit Madam gewünscht und mich zurück gelehnt. Das hat ihn einerseits amüsiert aber auch verunsichert und nach einigen Schrecksekunden mit inneren Konflikt zwischen good und bad cop, hat er sich für den Freund und Helfer entschieden, Madam förmlich angefleht, das nie wieder zu machen und sie/uns mit einer Verwarnung entlassen….und ich weiß schon, dass es in Zimbabwe so gemütlich nicht weitergegangen ist. Und so alleinig typisch afrikanisch ist die Bereitschaft zum Nehmen und Einstecken außerdem auch nicht. Ein Schlüsselerlebnis als korrekt/gesetzestreuer Bürger @ Korruption im Alltag hatte ich vor zig Jahren, als ich für meinen Verein einen Vortrag mit „Multimediashow“ organisierte. Der angereiste Referent befand den Projektionsraum des Gemeindesaals für ungeeignet für seine mitgebrachte Technik. Die einzige Möglichkeit war, diese im Mittelgang des Saales aufzubauen, was der Saalwart untersagte, weil dieser ein Fluchtweg ist und frei bleiben muss. Deadlock, nichts ging mehr, die ersten Leute kamen, nichts hergerichtet….Ratlosigkeit. Dann fragte ein Freund: Warum schmierst du ihn nicht einfach?...worauf ich nie im Leben selber gekommen wäre. Ich fragte den Saalwart ob ich ihn die Verantwortung „abkaufen“ könnte, er war gleich einverstanden und gut war’s, wir starteten mit 15 Minuten Verspätung. Den Sportwagen des kleinen Referenten im Bauamt der Gemeinde odgl. habe ich ab dann mit anderen Augen gesehen, ich dachte nämlich immer, dass die Leute so viele Überstunden machen. Die folgenden Jahre habe ich mit ganz wenigen Ausnahmen (siehe oben) trotzdem als korrekter Bürger verbracht. Grüße
freshy schrieb:Keine Ahnung, wie alt ihr seid, ...
55 😉
Best Regards
Adolf
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freshyThemenstarter3’883 Beiträge · seit 201124. Nov. 2019 ·
Hallo Cruiser und MzeeKenya, nun weiß ich wie alt ihr seid 😄 😄 😄 , nach den beiden negativen Kommentaren auf den Vorfall in Lusaka, dachte ich schon, wir seien die einzigen, die sich nicht verhalten, wie es Touris tun sollten. Eure Antworten und die von @loser haben mich beruhigt, dass es nicht an unserem fortgeschrittenen Alter liegt 😉 . Gestern auf dem Treffen in Büsnau stellte sich heraus, dass viele versierte Touris ähnlich reagieren (würden) wie wir. Mag sein, dass das Folgen für die Erwartungshaltung vieler Einheimischer hat. Wir sollten uns jedoch alle damit abfinden, dass wir Menschen bleiben und nicht wie gesteuerte Roboter reagieren.
@MzeeKenya: O je, wie lange habt ihr denn gebraucht, bis ihr aus der Matsche heraus wart? Deine Körperhaltung wirkt nicht optimistisch 😉 🤨 .
Nun werde ich mich an die Fortsetzung unserer Sambiatour machen. Es wird vorübergehend etwas gemütlicher.
WÜWüstenruhe78 Beiträge · seit 201724. Nov. 2019 ·
Um es vorweg zu sagen: Auch wir haben schon gezahlt, obwohl wir etwas jünger sind. Das hat natürlich immer auch etwas mit Bequemlichkeit zu tun. Problematisch (und falsch) ist es trotzdem. Umso leichter es ist, an Bestechungsgeld zu kommen, umso mehr Nachahmer gibt es und umso größer werden die Forderungen. Gerade (der Staat) Sambia unternimmt große Anstrengungen, Korruption zu bekämpfen. Ist übrigens genauso, wie mit Überfällen: wenn Touristen ohne jeden Widerstand ihr Hab und Gut herausrücken, werden immer mehr Kleinkriminelle auf diesen "Zug aufspringen", weil sich der Lebensunterhalt so ganz einfach verdienen lässt. Das ist eine unendliche Spirale. Bitte nicht falsch verstehen: Es liegt mir fern, hier irgendjemanden zu kritisieren. Das muss jeder - sicherlich auch situationsabhängig und von den individuellen Möglichkeiten bestimmt - für sich entscheiden. Sind nur ein paar Gedanken zum Thema
WÜWüstenruhe78 Beiträge · seit 201724. Nov. 2019 ·
Ach so, ganz vergessen, was ich eigentlich sagen wollte: Schöner Reisebericht und alle Achtung dafür, was ihr in dem Alter noch hinbekommt. Lasst euch nicht den Mut nehmen. Sambia ist auch nicht ganz einfach. Wie ihr wisst, sind Namibia und Botswana deutlich leichter zu bereisen. Vielleicht ist es auch eine Alternative mit Fahrerguide zu reisen?
freshyThemenstarter3’883 Beiträge · seit 201124. Nov. 2019 ·
01. 10.: Wildlife Camp: Pirschfahrt und kleine Ausflüge
Sie sind überall, wir können uns kaum vor ihnen schützen. Paviane und Grüne Meerkatzen! In Horden toben sie über den Campingplatz, sitzen heimlich unter unserem Tisch und lehren uns Touris Respekt. In Ruhe Frühstück richten ist nicht möglich, frühstücken selbst vergeht in Hektik. Neugieriger Waran
Diebische Nachbarin
Gate des South Luangwa NPs
Hippos in der Brühe
Um halb acht fahren wir durchs South Luangwa Nationalparkgate und bezahlen unsere 75 US-Dollar Eintritt. Dafür wollen wir etwas zu sehen bekommen. Der Park ist nicht groß, hat zwar viele Lagunen und Flussläufe, die wir nach und nach abfahren, doch die meisten sind ausgetrocknet. Wir treffen Zebras, betrachten die unmutig grunzenden Hippos, die sich eine Pfütze mit unappetitlichen Algen teilen müssen, beobachten Sattelstörche und Silberreiher und hoffen auf mehr. Ein Zebra steht Portrait
Sattelstorch und Silberreiher
Hammerkopf auf Hippokopf
Doch da es sehr heiß ist, verziehen sich die meisten Tiere schon sehr früh in die Büsche. Campingnachbarn hatten von Leoparden berichtet. Obwohl ich die großen Bäume inspiziere, ob vielleicht ein Leopard seinen Riss in einer Astgabel bewacht, werde ich nicht fündig. Um die Mittagszeit geben wir auf und fahren enttäuscht ins Camp zurück.
Wir beschließen, einen Einkaufsbummel ins Dorf Mfuwe zu unternehmen. In einer Grocerie erstehen wir ein paar Grundnahrungsmittel, kaufen Salat an einem Marktstand, dann geht es weiter zu Tribal Textiles, einer Organisation, die Kunsthandwerk herstellt und vertreibt. Interessant ist vor allem das Recycling von Flaschen. Doch die Preise sind überteuert, wir haben den Verdacht, dass die Einnahmen nicht jenen Menschen zugutekommen, die in den Werkstätten arbeiten. Eingang zum Showroom
Die Holztiere sehen irgendwie chinesisch aus 😕
Junger Künstler
künstlerisches Flaschen Recycling
Schön, aber viel zu teuer
Zurück im Camp zeigt das Thermometer inzwischen 38°C und kein Lüftchen regt sich. Die schwüle Hitze macht mir zu schaffen, ich fläze mich in den Safaristuhl und rege mich ebenfalls nicht mehr. Auch der Kühlschrank schafft es trotz Strom nicht, seine Arbeit zu verrichten. Wir haben Sorge, dass unsere Lebensmittel verderben. Am Nachmittag bezieht sich der Himmel. Auf unserem Weg am Fluss entlang zum Dinner zieht frühzeitig die Dunkelheit herein. „Dinner“ klingt großartig, doch wir essen nur Lasagne und Spaghetti und trinken kaltes Wasser und kühlen Wein dazu. Die Nachtwanderung am Fluss entlang wird Herbert aus Sicherheitsgründen verwehrt, wir werden zu unserem Bushcamper zurückgefahren. Es wetterleuchtet und blitzt, später donnert es. Mit dem Rest Holz von gestern pöffelt Herbert. Doch wir können das Feuer nicht lange genießen, weil heftige Sturmböen es unberechenbar machen. Schon fallen die ersten Tropfen, die sich im Nu zu einem Wolkenbruch ausweiten. Wir schließen unsere Dachluken zu spät und schlafen in feuchter Bettwäsche ein. Frühstück mit Ausblick
Heute ist es bewölkt und die Temperaturen bewegen sich bei angenehmen 25 – 30°C. Wir lassen den Tag langsam angehen und fahren noch einmal nach Mfuwe, um Trinkwasser und Speiseöl zu kaufen, weil Herbert das letzte Sonnenblumenöl fürs Pöffeln aufgebraucht hat. Nun müssen wir mit Sojaöl vorlieb nehmen. Anschließend fahren wir die alte Route nach Petauke ein Stück weit ab, um eine Entscheidung zu treffen, ob wir sie übermorgen befahren wollen. Unterwegs treffen wir auf ein Quartett Kronenkraniche, die sich jedoch immer weiter entfernen, so dass uns nur ein paar Beweisfotos gelingen.
fotoscheue Kronenkraniche
Nach dem Regen sehen die ersten 30 km der Strecke gut aus. Ein Deutscher aus Pforzheim schildert uns auf dem Campingplatz die Vor- und Nachteile, aber alles sei machbar, und wir beschließen, die Strecke zu befahren. Vorausgesetzt, es regnet nicht mehr, warnt er uns, denn bei Matsch in den tiefen Flussquerungen, säßen wir hoffnungslos fest. Bei lauen Temperaturen genießen wir im Sonnenuntergang auf unserer Terrasse über dem Flussbett Bratkartoffeln (Sojaöl schmeckt vor 🙁 ) mit Ei und Käse dazu Tomaten-Gurken-Salat. Noch immer ist es bewölkt, was angenehm ist und einen spannenden Sonnenuntergang verursacht. Morgen werden wir das Camp wechseln.
@MzeeKenya: O je, wie lange habt ihr denn gebraucht, bis ihr aus der Matsche heraus wart? Deine Körperhaltung wirkt nicht optimistisch 😉 🤨 . LG freshy
Hallo freshy, die im Bild gezeigte Person bin nicht ich, sondern ist mein verstorbener Massaifreund Simon Ole Tanyasi. Ihm habe ich es zu verdanken, dass mein LandCruiser nach 1 1/2 Tagen wieder frei gekommen ist. Ich vermute allerdings, dass meine Körperhaltung auch nicht viel optimistischer ausgesehen hat, als die von Simon... 🙁 Gruss Mzeekenya
ich lese weiter gerne mit. Im Moment sind wir noch "auf der gleichen Tour" und ich erfreue mich an dem Bericht und an den Bildern. Da ist man glatt noch einmal unterwegs. Erstaunlich wie ähnlich sich doch manchmal die Motive sind 🙂 Den ersten Blick auf den Luangwa, die Brücke, ein Kontrollposten...all das haben wir auch so festgehalten
Hallo freshy, ja, bei der Hitze verziehen sich die Tiere in den Schatten, aber der South Luangwa ist unser Lieblingspark. Schade, dass ihr so wenig gesehen habt! 😠 Allerdings sind wir mehrfach im Juli und August dort gewesen, gute vier Wochen vor euch. 🙄 38° Grad hatten wir nicht, es war etwas kühler. Der Park ist voll mit Tieren, wir sahen so viele Büffel, Giraffen, Lechwe, Kudus, selbst Hyänen und Löwen am Tage. Zwischen 12.00 und 15.00 Uhr ruhen viele Tiere, aber es sind immer noch viele Vögel da. Von der Mainroad kann man nach Osten oder Westen abbiegen und tief in den Park vordringen. Es ist so schön dort. Euer Parkticket gilt auch für den Nsefu Sektor mit den heißen Quellen. An der alten Petaukeroad sind wir dieses Jahr von den Tse-Tse-Fliegen förmlich zerfressen worden. 🤢 😈 Wir sind aus dem Grunde umgedreht. Auch auf dem Wildlife Camp sieht man regelmäßig Giraffen, Elefanten und Löwen. Man muss gar nicht immer in den Park einreisen. Es tut mir leid, dass ihr wenig Sichtungen hattet. 😊 Trotzdem verfolge ich weiterhin deinen Bericht, vielen Dank dafür. 🙂 Übrigens zählt mein Mann auch zu der Generation 75+. Es sollte nicht eure letzte Selbstfahrertour sein, überlegt noch einmal. Was ihr alleine erlebt, erlebt ihr in der Gruppe nicht! 🤨 Solange es gesundheitlich manchbar ist, fahrt, fahrt, reist! Eure Erlebnisse kann euch keiner mehr nehmen. Und korrupte Polizisten haben nichts mit eurem Alter zu tun (schau mal in meinen Sambiabericht von 2017) Herzlichst Biggi
durch das Treffen in Büsnau habe ich Euch persönlich kennengelernt und hab jetzt eine Vorstellung von dem, was sich hinter "freshy" verbirgt. Und weil ich ein ganz neugieriges Bürschchen bin, hab ich heute nachmittag gleich mal Euren Reisebericht von Sambia nachgelesen. 🙂
Vielen Dank für den offenen und schön bebilderten Bericht , auch wenn nicht alles so rund gelaufen ist, wie man sich das im Urlaub wünscht. Gestatte mir, auch kurz von unserem Grenzübertitt in Kazungula zu berichten. Zwar ist das schon etliche Jahre her und es ist auch nicht Sambia, aber das war schon auch eine heiße Sache. Wir wurden derart über den Tisch gezogen und wir waren sowas von wütend, dass wir nach unserem Urlaub an die Botschaft von Zimbabwe geschrieben haben. Und stell Dir vor - der Herr Botschafter höchstpersönlich hat an einem Nachmittag bei uns zu Hause angrufen und sich für seine Landsleute entschuldigt. Ich hab das damals in meinem RB alles genau beschrieben und von daher kann ich nur zu gut verstehen, dass man, wenn man von korrupten Beamten regelrecht überfallen wird, ganz einfach überfordert ist.
Aber egal - wir hatten eine tolle Reise, Ihr hattet Sie ebenso. Wenn einer eine Reise tut, dann hat er was zu erzählen. Und Deine / Eure Erzählungen lese ich sehr gerne.
Herzliche Grüße, es war schön, dass wir Euch in Büsnau kennenlernen durften. der bayern schorsch
freshyThemenstarter3’883 Beiträge · seit 201124. Nov. 2019 ·
Hallo liebe Fomis, danke an alle DankedrückerInnen und KommentatorInnen 😉 😄 , ich melde mich noch (versprochen), aber im Moment stresse ich mich, damit der Bericht möglichst bis zum 1. Advent fertig wird. Okay, das klappt sowieso nicht 😕 , aber ich gebe mir wenigstens Mühe.
03.10.: Geocaching in Sambia
Unser Nachbar im Wildlife Camp hat einen Metzger in Mfuwe genannt, bei dem er Fleisch kauft. "Wenn du reinkommst, ziemlich am Ende rechts, rotes neues Haus!" Wir fahren erneut in den Ort. Auf dem Markt kaufe ich Tomaten, Paprika, Aubergine und Zwiebeln für „Reis mit Scheiß“ zum Abendessen. Erstaunlicherweise hat der Metzger nicht nur Fleischwaren, sondern außer Wein aus Südafrika sogar Chips für Herbert! Entlang der „Dorfstraße“ wird nicht nur verkauft, sondern auch gearbeitet: Friseure, Fahrrad- und andere Reparaturwerkstätten. Wir inspizieren einen tiefen Dorfbrunnen und eine Schreinerei und dürfen bereitwillig fotografieren. Stolze Besitzer eines selbst gemauerten Brunnens
Schuhsalon
Barbier
Schreiner mit ihren Arbeitsergebnissen
Dieses Stockbett hält ewig
Er gibt der Couch den letzten Schliff
Danach machen wir uns auf den Weg zum Croc Valley Camp, in dessen Nähe ein Geocache versteckt sein soll. Herbert findet ihn in einem Leberwurstbaum und ist sehr zufrieden mit sich, weil er nun Sambia seiner Länderliste hinzufügen kann. Found it!
Der Empfang im Croc Valley dagegen ist zum Abgewöhnen. Der Manager behandelt uns, als wollten wir ihn betrügen, obwohl wir ihm den Voucher vorlegen. Erst nachdem er seine Buchhaltung ausgiebig konsultiert hat, dürfen wir auf den Campingplatz. Leider sind alle Stellflächen am Luangwa belegt und für uns nur noch ein Platz im Hinterhof frei. Die frühzeitige, gezielte Buchung „Platz am Flussufer“ hat sein Hirn nicht erreicht. Positiver Effekt, wir haben viel Schatten und sogar Elektrizität, um den Kühlschrank zu füttern. Jetzt sitze ich auf unserem Platz und vervollständige das Tagebuch. Es soll heute Nachmittag Strom und damit Internet geben, dann können wir endlich eine Nachricht nach Hause schicken. Morgen starten wir auf die lange Rückreise Richtung Kasane. Wir setzen uns eine Weile ans Flussufer und schauen der Herde Hippos zu. Da ist was los! Lautstark wird jeder Fleck des klein gewordenen Reviers verteidigt. Wenn nicht bald kräftiger Regen kommt, wird es sehr eng für die aggressiven Klopse. Das Internet klappt nicht, obwohl Herbert sehr viel Geduld zeigt. Zum Abkühlen verschwindet er im Pool, der seiner Ansicht nach der größte und sauberste dieser Reise ist. Ich verteidige unterdessen unser Hab und Gut gegen die Affen. Unerwarteter Besuch gleich hinter unserem Stellplatz
Attraktion im Camp ist die ansässige Herde Hippos
Schönes Motiv: Das Bett des Luangwa
04. 10.: The Old Petauke Road ist eine Herausforderung
Anstatt 240 km über besten Asphalt wollen wir bis Petauke den 170 km langen Hardcore-Track fahren. Der Hupe-Reiseführer schreibt, dafür seien von Petauke bis ins Luangwatal 6 – 7,5 Stunden erforderlich. Zu betonen ist, dass es in dieser Richtung im Wesentlichen abwärts geht, während wir stetig bergauf fahren müssen. Ein Unterschied, wie wir noch feststellen werden. Am Anfang ist die Strecke gut gepflegt, doch sobald wir die Lodge-Gegend hinter uns lassen, wird es ruppiger. Der Boden in dieser Gegend besteht aus Lehm, der beim Befahren in nassem oder feuchtem Zustand zu überdimensionalen Würsten geknetet wird. Dazwischen sucht sich das Wasser blöderweise seinen Weg quer und hinterlässt zum Teil tiefe „Canyons“. Die Flussdurchfahrten schaffen wir ohne große Probleme. Umleitung
Sie sind alle trocken, jedoch mit steilen Abhängen und einem Sandkasten an der tiefsten Stelle zum Teil herausfordernd. Wir fahren durch abgelegene Dörfer, in denen uns die Menschen zuwinken. Den Track teilen wir uns mit Waldarbeitern und ihren Gerätschaften, Frauen mit kleinen Kindern auf dem Rücken, Lasten auf dem Kopf und in den Händen. Fahrräder mit überdimensioniertem Gepäck versuchen uns auszuweichen und schwer beladene Motorräder überholen uns oder kommen uns entgegen. Als wir vor einer besonders steilen Flussdurchfahrt anhalten, sehen wir mit Entsetzen, wie auf der anderen Seite ein Motorradfahrer mit seiner Last rückwärts ins Rutschen gerät, doch schließlich schafft er es hinauf. An vielen Stellen durchqueren wir abgeholzte Wälder, in denen gearbeitet wird. Hier wird also die Holzkohle gewonnen, die in riesigen Mengen an den Durchgangsstraßen verkauft wird. Einige Felder wurden angelegt und sind bewirtschaftet. Die Gegend ist Tsetsefliegen verseucht, die den Weg ins Auto finden, sobald wir die Tür oder ein Fenster öffnen. Jedes Mal beginnt die Jagd auf die Biester, bei der wir nicht immer Sieger bleiben, wie Stiche auf Waden und sogar Bauch beweisen. Wir sehen zwar Fallen für die Plagegeister in der Nähe von Ansiedlungen, ob sie helfen, weiß ich nicht.
Hier werden Felsbrocken unter menschenunwürdigen Bedingungen zu Kieseln verarbeitet
Dorf unter schattigen Mangobäumen
Die meisten Menschen winken uns freundlich zu
Tsetsefliegenfalle
Mittelschwerer Anstieg
Haarige Piste
Bemalte Häuser sind in dieser Gegend selten
Ein Stück massakrierter Wald
Wer verdient an dieser neuen Ackerfläche?
Inzwischen ist uns der schwer bepackte Motorradfahrer weit voraus