Liebe Fomis, das Wetter ist mies, der Tag noch lang, die Reise nach Sambia noch gegenwärtig. Ich beginne deshalb den versprochenen Reisebericht. Es kann aber sein, dass Fortsetzungen lange auf sich warten lassen.
11. bis 17. September2019: Von Johannesburg bis zur Grenze in Katima Mulilo (1 550km)
Da ich mich in meinem Bericht im Wesentlichen auf Sambia konzentrieren will, fasse ich mich auf der langen Zufahrt kurz. In unserem Alter hetzt man nicht mehr dem Ziel entgegen, sondern legt Pausen ein. Wir übernachten in Bela Bela, im Marakele NP, im Khama Rhino Sanctuary, auf der Nata Lodge Campsite sowie der Island Lodge Campsite in Katima Mulilo.
Nachdem wir den Bushcamper bei Bushlore übernommen haben, tätigen wir im nächsten Supermarkt den Großeinkauf. Unsere Wohnung für die nächsten 5 Wochen
Bei der ersten Übernachtung fällt uns bzw. mir auf, dass ich zu klein bin, um ins Bett zu steigen. Als ich die Aufstiegshilfe mühsam an einem Gürtel ins Auto ziehe, um die 2. Etage zu erreichen, fährt mir eine Hexe ins Kreuz. Glücklicherweise können wir in einem Hardware Shop in Bela Bela einen weiteren 2-Stufen-Tritt kaufen. Herbert muss einen Geocache finden, während ich im Supermarkt noch ein paar Dinge z.B. eine helle Campingleuchte erstehe, die uns bisher fehlten. Trotzdem nehmen wir uns unterwegs die Zeit, in Thabazimbi eine Freiluftausstellung mit riesigen aussortierten Gerätschaften der ansässigen Mine zu besichtigen. An der Thabezimbi Mine Die Mine ist noch in Betrieb. Kamen uns bis dahin vollbeladene LKWs entgegen, so haben wir sie im weiteren Verlauf vor uns. Wir kommen so spät im Marakele NP an, dass es leider nur noch zu einem kurzen Game Drive reicht. Impalabock im Marakele NP Marakele NP
Der Limpopo kennzeichnet den Grenzverlauf zwischen Südafrika und Botswana.
Mit Beles Pula bezahlen wir am Grenzposten die Straßengebühren und befolgen brav die Maßnahmen der Disease Control. Brrr, wie ich die matschigen Matten mit Desinfektionsmittel hasse! Ärgerlich ist, dass wir wegen der Maul- und Klauenseuche auch verarbeitete Lebensmittel der Klauenträger entsorgen müssen. Produkte von Geflügel hätten wir behalten dürfen, sagt der Kontrolleur. Ich bezweifle jedoch, dass alle botswanischen Grenzer das wissen.
Im Khama Rhino Sanctuary verbringen wir zwei Nächte. Den Weg zum Bird Hide kennen wir vom letzten Mal und sind voller Erwartung, was uns vor die Linse laufen oder fliegen wird. Auf dem Weg dahin lugt so allerlei Wild aus dem Busch: Schwarzfersenimpalas, Gnus, Zebras, Warzenschweine und eine bunte Vogelschar. Am Hide beglücken uns hektische Perlhühnchenscharen, Zebras, Warzenschweine im Schlamm, ein Wasserbock, Mangusten und zu unserer Freude zwei weiße Nashörner. Der Gaukler hoch im Baum sitzt im Gegenlicht und tut uns nicht den Gefallen, sich zu bewegen. Über Mittag machen wir Siesta, setzen uns dann ins Restaurant, um unsere Mails zu checken und Bushlore zu schreiben, weil ein paar kleine Probleme aufgetreten sind. Heute ist Samstag und es wird laut auf dem Campingplatz, viel zu viele Overlander und Großfamilien fallen ein und sind bis nach Mitternacht fidel. Zebras am Bird Hide Nashörner am Bird Hide
Auf der Weiterfahrt plagen mich Rückenschmerzen, während sich bei Herbert ein Magen-Darm-Infekt entwickelt. Das Essen in der Nata Lodge lassen wir ausfallen. Ich steige früh ins Bett, denn im Liegen geht es mir am besten. Herbert legt mehrfach die Strecke zur Toilette zurück.
Trotz vieler Potholes kommen wir ab Nata gut voran. Ich versuche, meine Rückenschmerzen zu ignorieren. Am Straßenrand sehen wir Steinböckchen, Hornraben, Giraffen und hurrah! den ersten Elefanten. Bei Bushlore in Kazungula erledigen erfolgreich ein paar Probleme und fahren ins Senyati SC, wo uns am Anfang der Zufahrt eine kleine Gruppe Elefanten begrüßt. So gerne wir hier sind, diesmal gibt es Unannehmlichkeiten, denn unser Klo ist in wüstem Zustand. Die Chefin ist – wie bekannt – nicht besonders freundlich. Doch die Putzfrau, diese arme Person, erledigt ihre unerfreuliche Aufgabe bestens. Herbert geht es etwas besser, er widmet sich später den Elefantenfamilien am Wasserloch. Ich lege mich zeitig ins Bett, höre aber noch lange das tiefe Brummen und ärgerliche Trompeten der großen Grauen. Wie schön, wieder hier zu sein! Abmarsch nach erfolgreichem Schlammbad
Seit unserer Pirschfahrt 2018 durch den gesamten Chope NP vom Ngoma Gate bis nach Kasane, träumten wir von der bis Ihaha abenteuerlichen Strecke und die vielen abwechslungsreichen Tiersichtungen. Diesmal starten wir am Sedudu Gate und sind statt der geplanten 3,5 Stunden 5 unterwegs, weil sich der Zustand der Wege verschlechtert hat. Einfahrt ins Sedudu-Gate Karminspint an der Chobe Riverfront An der Chobe Riverfront 3 Giraffen an der Chobe Riverfront
Während bis Ihaha noch viele Tiere zu sehen sind, können wir uns im 2. Teil bis Ngoma nur noch auf die abenteuerliche Wegstrecke konzentrieren. Am Grenzübergang nach Namibia dauert es wie gewohnt bürokratisch lang.
Wir fahren nach Katima M., kaufen ein, tanken und suchen unseren Campingplatz Namwi Island auf. Der Platz unter unserem Baum ist frei, und wir stellen uns in seinen tiefen Schatten. Erstmals gelingt es uns, den Trompeter Hornvogel zu fotografieren, der hier seit langem seine Wohnung hat. Wir freuen uns, auch wenn es nur für ein Beweisfoto reicht. Der Trompeter Hornvogel mag sich nicht fotografieren lassen
Fortsetzung folgt demnächst
Teil 218. Nov. 2019
Liebe Fomis, herzlichen Dank allen, die sich für einen Reisebericht über Sambia interessieren. Ich bemühe mich, euch nicht zu lange auf die Fortsetzungen warten zu lassen. Entschuldigt bitte, wenn meine Antworten auf eure Kommentare, über die ich mich selbstverständlich freue, deshalb nur im Einzelfall ausführlich ausfallen. Entweder beeile ich mich oder plausche nett mit euch 🙂 .
21.09. bis 23.09.: Vom Ikithe Resort zur Kasabushi Lodge
Das Leben spielt sich in Sambia auf den Straßen ab Kein Wasser morgens in den Ablutions des „Luxury“ Resorts, wir behelfen uns mit Wasser aus dem eigenen Tank und machen, dass wir wegkommen. Auf dem Weg zurück bis Mongu stellen wir mit Erstaunen fest, dass das liegengebliebene Fahrzeug weg ist. Ist der Asphalt löchrig, ist Sand die bessere Alternative.
Ab mittags tragen die Menschen heute sonntägliche Kleidung, schließlich ist der Samstag ein Ausgehtag. Müssen wir an einer Kontrollstelle anhalten, kommen Händler ans Auto und reichen uns Bastmatten, Gemüse oder lebende Hühner herein. Nie werde ich die erwartungsvollen Augen des Hühnerhändlers vergessen, der nicht versteht, wieso wir ihm kein Huhn abkaufen – hier stoßen Welten aufeinander. Bisher ist uns im südlichen Afrika nicht aufgefallen, dass sich das pralle Leben an den Straßen abspielt. Wir fahren mitten hindurch. Sobald sich eine Möglichkeit bietet, fotografieren wir aus dem Auto heraus. Wir lächeln und zeigen auf den Fotoapparat. Meist lächeln die Menschen zurück und winken, manche schauen misstrauisch, doch nicht alle sind einverstanden. Hier wird der abgebrannte Wald verkauft
Die Straße bis zum Kafuefluss ist miserabel, auch die M9 wird nicht besser. Die Humps sind so gestaltet, als ob möglichst viele Autos Schaden nehmen sollten, und machen ein Viertel der Strecke aus. Wir überqueren den Kafue wegen Bauarbeiten auf einer Behelfsbrücke und steuern Roy’s Camp an. Kurz vor der Einfahrt überholt uns ein Hippo, das ins Wasser will. Uuups! Das Camp liegt fast schattenlos am Ufer des Flusses, die Einrichtungen sind zwar spartanisch einfach aber funktional – beinahe luxuriös. Wir duschen erst einmal ausgiebig! Später hören wir den Unterhaltungen der Hippos zu und gehen früh zu Bett. Der einzige Schattenplatz bei Roy
Der Donkey wird zuverlässig beheizt
Tolle Aussicht aus der Tür des "Örtchens" auf den Kafue Händewaschen nicht vergessen! Merke: Echter Luxus ist, wenn alles funktioniert!
Wir entern den Kafue Nationalpark Kurz vor dem Gate Verfahren können wir uns nicht
Die Einfahrt zum Nationalpark liegt einige Kilometer zurück auf der westlichen Seite des Kafue. Das Schild „Spinal Road“ und der Hinweis auf unsere nächste Unterkunft „Kasabushi Camp“ sind nicht zu übersehen. Wir blasen am Gate die Backen auf, weil wir für die 5 Tage NP incl. Fahrzeug 320 US$ bezahlen müssen. Die Spinal Road ist gut befahrbar, der Busch jedoch ist verdorrt, an vielen Stellen verbrannt. Alle Wasserdurchfahrten und Swamps sind ausgetrocknet, hinter uns her weht eine riesige Staubwolke. Wild sehen wir nur gelegentlich. Das wunderschöne Kasabushi Camp liegt direkt am Fluss, aus dem uns eine Hippogang lautstark begrüßt. Die Ablutions sind liebevoll designet, gleichzeitig architektonisch durchdacht und funktionieren einwandfrei. Sie sind ein Werk der Besitzer Andy und Lib Wilson.
Abends unternehmen wir mit Andy eine Flussfahrt. Er berichtet, dass sein Boot aus Maun stammt und aus dickerer Haut als üblich hergestellt wurde, da der Kafue mit Felsen durchsetzt, nicht mit dem Okavangodelta zu vergleichen ist. Langsam gleiten wir dahin, zwängen uns durch Stromschnellen, kratzen an Felsen entlang, beobachten Vögel und winken den Hippos zu, die uns beobachten.
Gut, dass ich vor der Tour die Linsensuppe vorgekocht habe, so muss ich sie nur noch aufwärmen. Sobald wir in der Dunkelheit Licht brauchen, werden wir von Insekten umschwirrt. Eine Tsetsefliege beißt mich schmerzhaft in die Schulter. Während Herbert im Schlaf dicke Bäume zersägt, werde ich vor Mitternacht wach, weil in nächster Nähe ein Elefant am Buschwerk knackt und frisst. Eine lichtstarke Lampe irrlichtert durchs Gebüsch. Ich wage mich nicht zur Toilette! Als ich Herbert morgens bitte, mir Fenistil auf den juckenden Fliegenbiss zu schmieren, findet er den Stachel, den eine Biene dort hinterlassen hat. Von wegen Tsetsefliege! Andy fragt uns beim Abschied, ob wir die Elefanten nachts gehört hätten. Sein Wächter hätte sie verjagt.
Fortsetzung folgt
Teil 319. Nov. 2019
Liebe Fomis, ab heute fasse ich mich kürzer und lade weniger Fotos hoch. Gestern habe ich die riesige Menge mehrfach durcheinander gebracht. @CuF: Guck mal, ich habe den "Bream" korrigiert 🙂 . @Eulenmuckels: Ja, Ikithe hätte schön sein können, wenn das Fachpersonal anwesend gewesen wäre 🙁 . @Franzicke: Sambia ist eine andere Welt als die südlichen Länder. Es hat eine Weile gedauert, bis wir mental angekommen sind. Ich bin froh, dass wir diese Reise unternommen haben.
23. 09.: Durch den Kafue Nationalpark zur New Kalala Lodge mit Campsite
Traurig, wie ausgetrocknet der Busch auf unserem weiteren Weg nach New Kalala ist. Dazwischen immer wieder verbrannte Flächen. In Sambia wird anscheinend der gesamte Wald zu Holzkohle verarbeitet. Teils ist der Weg gut befahrbar, dann wieder rattern wir über Wellblech, knallen durch tiefe Senken und schwanken durch betonierte Flussdurchfahrten, von denen keine Wasser führt. Trockenflussüberquerung und abgebranntes Waldstück
Selten lugt ein Kudu, eine Antilope oder ein Warzenschwein aus dem Gebüsch und hetzt von dannen. Ergebnis der ruppigen Piste: Chaos im Kühlschrank, 3 kaputte Eier, ausgelaufener O-Saft, eine zerbrochene Halterung für Besteck. Nach knapp drei Stunden erreichen wir den Itezhi Tezhi Stausee, aus dem ein Wald toter Baumgerippe herausragt. Drunten liegt wohl Old Kalala
Das Bild erinnert mich ans Dead Vlei
Ansprechende Einfahrt zur Lodge
Die New Kalala Lodge und Campsite liegt romantisch am Berg, aber die gesamte Einrichtung ist in die Jahre gekommen. Es dauert, bis wir das Auto waagerecht und gleichzeitig schattig gestellt haben, denn wir wollen zwei Nächte bleiben. Auch hier sind wir die einzigen Gäste. Vom überdachten Sitzplatz aus habe ich beim Schreiben einen herrlichen Blick über den See und auf die Staumauer. Unser Premium-Stellplatz
Den Abend beschließen wir an einem kleinen Lagerfeuer. ---
Gestern Abend in der aufkommenden Dunkelheit haben wir zugeschaut, wie sich die Lichter der vielen Fischerboote über den See bewegten. Sie fischen Sardellen, sagt man uns. Es sieht aus wie ein wandernder Sternenhimmel im See. Außer den Sternen über uns, dem Ort Itezhi Tezhi auf der anderen Seite des Sees und unserem Lagerfeuer sind sie die einzigen Lichter. Vom Hügel hinter uns hören wir rhythmisches Trommeln und Gesänge. Wir fühlen uns wie in einer anderen Welt. --- Fischerboote wie wandernde Sterne
Heute machen wir es uns gemütlich. fotografieren ein bisschen die Gegend und verschiedene tierische Bewohner. Graufischer auf Beobachtungsposten
Kormoran beim Trockenfönen
Überall wuseln Dassies durchs Gelände
Herbert nutzt den Pool, wir ordern ein Dinner im Restaurant der Lodge, deren Lage über dem See beneidenswert ist. Doch Gebäude und Interieur sind in einem Zustand, der aus unserer Sicht als Sperrmüll bezeichnet werden muss. Aber diese Klobeleuchtung funktioniert (im Gegensatz zum pompösen Ikithe)
Offensichtlich wurde hier vor Jahren ein einziges Mal investiert und nie wieder etwas erneuert oder restauriert. Doch alles ist sauber und gut organisiert. Dass der Strom zeitweise ausfällt, ist der wirtschaftlichen Situation Sambias geschuldet. Das Personal ist sehr freundlich, es gibt Internet, wir genießen das Dinner und den Wein. Ohne Sonnenuntergänge und Lagerfeuer sind die Abende in Afrika nur halb so schön 🙂
Fortsetzung folgt
Teil 420. Nov. 2019
25. 09.: Eine abenteuerliche Fahrt durch den Busch
Wir brechen früh auf, hoffen, über den Staudamm fahren zu können und wollen in ItezhiTezhi ein paar Dinge besorgen.
Hier werden die Sardellen verkauft und verladen
In der Ferne die Zufahrt zu einer Mine
Weder dürfen wir über den Staudamm fahren, noch ist dort Fotografieren erlaubt. Keine Ahnung, was am Damm so besonders ist. Die Einkäufe beschränken sich auf Brot, H-Milch, Klo- und Küchenrollen, unsere weiteren Bedürfnisse decken sich nicht mit denen der Einwohner. Die Grocerie ist nicht für unsere Bedürfnisse bestückt
Die Straße hat uns wieder: Potholes, Humps der grausamsten Sorte, laaange Umleitungen durch Staub, Sand oder über getrocknete Lehmwege sowie verschiedene Kontrollen sorgen für Kurzweil. Ein Polizist will uns weismachen, wir bräuchten einen sambischen Führerschein. Wir vermuten, dass es der erste Internationale Führerschein in seinem Leben war und er nicht wusste, was „international“ bedeutet. An der Straße spielt das Leben: Stände mit Gemüse, Obst, Backsteinen, Mengen an Holzkohle in Kiepen. Ob das Heizmaterial in großen Mengen zum Heizen gebraucht wird, ob die Wälder für mehr Ackerland zerstört werden oder um die Tstsefliegen auszurotten, ist ungewiss. Nicht auszuschließen ist, dass die Chinesen ihren gierigen Blick auf die fruchtbaren freiwerdenden Flächen werfen. Wir fahren an einer Stelle vorbei, wo Kinder und junge Menschen ohne Schutzvorrichtungen große Steinbrocken zu Kies unterschiedlicher Größe zerklopfen, wagen aber nicht anzuhalten, um zu fotografieren. Für jedes Dorf eine eigene Schule und eine eigene Religionsgemeinschaft
Technik für das Mobilfunknetz
Endlich erreichen wir die 34 km lange Zufahrt zur KaingU Lodge, wo wir zwei Nächte bleiben wollen. Hier biegen wir Richtung KaingU Lodge ab
Auf einem einspurigen Fahrweg durch verkohlten, teils verschonten, teils brennenden Wald geht es zur Lodge. Auf den Fenstergummis und den Scheibenwischern sitzen Hunderte Tsetsefliegen neben- und übereinander. Ganze Schwärme umschwirren das Auto. Wir fühlen uns unwohl. Einmal kommt uns ein Expeditionsfahrzeug entgegen, sonst sind wir allein. Wir diskutieren, ob wir statt zwei Nächten nur eine bleiben wollen. Kurz darauf wird uns die Entscheidung abgenommen: Quer über dem Weg liegt eine riesige Baumkrone, abgebrannt am Fuß des Stammes, der noch glimmt und raucht. Ein Umfahren ist nicht möglich, zu dicht stehen die Stubben. Wir erwägen auszusteigen, nach dem Beil zu suchen, das Abschleppseil zu aktivieren, die Lodge per SAT Phon zu informieren, doch die Tsetsefliegen hindern uns daran, die Türen oder nur ein Fenster zu öffnen. Das SAT Phon sucht und sucht ohne Erfolg einen Satelliten. Wir müssen KaingU streichen. Nach einer längeren Strecke Rückwärtsfahren finden wir ein Fleckchen, um vorsichtig zu wenden. Furchterregender Stachel
Brennender Wald auf beiden Seiten des Wegs
Hier ist Schluss!
Der Baum hätte uns erschlagen können
Nachmittags landen wir wieder in Roy’s Camp, nehmen unseren Schlafbaum ein und begrüßen Marc, Roy’s Assistenten, sowie die Hippos im Kafue. Wenige Meter entfernt von der Dusche legt ein Elefant eine Pause ein, hinterlässt ein paar saftige Bollen und zieht weiter. Zum Essen gibt es Schweinegulasch mit Kidneybohnen und ein Gläschen Wein bzw. Bier im Licht der untergehenden Sonne. Wir sind enttäuscht, dass wir KaingU nicht erreichen konnten, es hätte ein Höhepunkt der Reise sein sollen. Besuch im Camp
Momente, die wir vermissen werden
26. 09.: In Lusaka werden wir abgezockt
Eigentlich wollten wir in Lusaka nur einkaufen und eine Nacht im Pioneer’s Camp verbringen, bevor wir ins South Luangwa Tal weiterfahren. Weil wir einen Tag KaingU übrig haben, bleiben uns zwei Nächte im Pioneer‘s Camp. Aber noch sind wir nicht da. Die M 9 bis Lusaka ist gut zu fahren. Je näher wir der Hauptstadt kommen, desto stärker wird der Verkehr, verdichtet sich immer mehr, bis wir uns in einem Verkehrsknäuel aus Fahrzeugen, Fußgängern, aufdringlichen Straßenhändlern, Lastenkarren und Gegenverkehr wiederfinden. Mir ist unbegreiflich, dass wir ohne Blessuren hindurchgekommen sind. Der Tankwart berichtet, die Technik für die Koordination der Ampeln sei ausgefallen. Es dauert, bis wir eine Lücke finden, um uns erneut ins Verkehrsgewühl einzufädeln. Kaum haben wir es geschafft, winkt uns eine Polizistin zur Seite, dirigiert uns in eine Nebenstraße, behauptet, unser Navi sei eine Kamera, das sei verboten. Der Versuch ging daneben. Dann: Wir seien bei Rot über die Ampel gefahren – doch die stand hinter unserer Fahrtrichtung. Großes Palaver, bis ich sie von einer Bankeinzahlung auf ihr Konto über 750 Kwacha auf 300 Kwacha in bar herunterhandeln kann. Quittung? Nix da. Erst jetzt erhält Herbert seinen Führerschein zurück. Korruptes Aas! Die beobachtende Kollegin bekommt einen Wink, wir sind entlassen.
Kurz vor unserer Erfahrung mit der Lusakaer Polizei
Als wir die Mandu Hill Mall erreichen, wissen wir, dass wir das Schlimmste überstanden haben, wir befinden uns auf der anderen Seite der City. Shoprite hat alles, was es bei uns auch gibt. Der Grund ist das internationale Publikum der ausländischen Vertretungen und Firmen. Dorf in "moderner" anstatt traditioneller Architektur
Wir packen das Auto voll und fahren zu unserem Ziel Pioneer’s Camp, wo wir einen wunderschönen Stellplatz in einem Bambushain belegen. Den Abend verbringen wir in geselliger Runde mit einer sympathischen Frau aus Hannover, die seit Jahren ihre Urlaube allein in Afrika verbringt.
Teil 522. Nov. 2019
27. 09.: Erholung im Pioneer‘s Camp, Lusaka
Wir haben eine so kalte Nacht hinter uns, dass die Schlafsäcke gegen Morgen nicht mehr warmhalten. Wir wärmen uns unter der Dusche auf. Nach dem Frühstück trudelt Antje, unsere Gesprächspartnerin von gestern Abend ein, und wir plaudern miteinander bis die Sonne das Camp aufheizt, doch in unserem Bambushain ist es schön schattig, dass es sich aushalten lässt. Ab Mittag füllen sich die Stellplätze mit Wochenendcampern, das Areal ist bis auf den letzten Platz belegt und entsprechend unruhig. Eine Familie mit zwei Kindern tobt durch den Staub, und im Nu gesellen sich mehrere einheimische Jungs aus der Nachbarschaft hinzu. Ein Glück, dass es Wasser und Seife gibt! Das Abendessen nehmen wir wieder in Gesellschaft von Antje ein, trinken ein Fläschchen Wein dazu und verschwinden im Camper. Suchbild: Wo ist der Vogel?
Blick auf die Campsite
Schattiger Platz unter Bambus
Straßenszenen
Die vergangene Nacht war nicht so kalt wie die davor, trotzdem starten wir früh gen Osten, weil wir einen weiten Weg vor uns haben. Die Rappelpiste bis zur Straße macht uns hellwach. Der Verkehr aus Lusaka hinaus ist heute am frühen Samstagmorgen heftig, die Schlaglöcher im Asphalt sind es auch. Doch von Kilometer zu Kilometer bessert sich der Zustand in beiderlei Hinsicht. Auf Plakaten lesen wir, dass die EU diese Great East Road mitfinanziert. So sieht es aus, wenn die EU mitbaut 😉
Zufahrt zur Brücke
Touristenmarkt an der Brücke
Wie heißen diese Früchte?
Die Luangwabrücke
Samstagsritual: Wäsche waschen und Kinder baden
Kurz vor der Brücke über den Luangwa, die nur nach Aufforderung wechselseitig befahren werden darf, hat sich ein Markt für Touristen entwickelt. Wir halten kurz an, um uns umzuschauen, finden aber nichts, was wir kaufen würden. Unter der Brücke wird Wäsche gewaschen und auf Büschen getrocknet. Eine Mutter nutzt die Gelegenheit, ihre drei Kinder zu baden. Dieses Wochenendritual kenne ich aus meiner Kindheit aus. Uns wird erstmals bewusst, dass der Luangwa viel weniger Wasser als der Kafue führt. Wir passieren kleine Dörfer, die uns viele Humps bescheren, blicken auf das Leben am Rande der Straße. Frauen verkaufen Tomaten, Melonen und kleine, uns unbekannte Früchte. Holzkohle wird in Massen angeboten. Das Handwerk boomt, ob Schreinerei oder Ziegelei, es wird gearbeitet. Dorf in traditioneller Bauweise
Öffentlicher Personennahverkehr auf sambisch
Am frühen Nachmittag fahren wir in Petauke ein, belegen einen Platz im Chimwemwe Camp und fahren in den Ort, um Trinkwasser zu kaufen. Hier tanzt der Bär! Eine Popgruppe hat ihre Technik aufgebaut und ersetzt Können durch Lautstärke. Wir wagen ein paar Schritte ins Marktgewusel hinein, wo Schuhe, Gartengeräte, T-Shirts und Konserven neben Melonen verkauft werden. Da wir als einzige Weiße angestarrt werden, fahren wir nach kurzer Zeit ins Camp zurück. Nach einem Abendessen aus Resteverwertung sitzen wir noch lange am Lagerfeuer. Popgruppe mit viel Krach in Petauke
Marktszene in Petauke
Stellplatz auf Beton hält die Füße sauber
Anstatt Gutenachtgeschichte ein heimeliges Feuerchen
Was falsche Karten anrichten können
Viele Wege führen zum Wildlife Camp, manche schwierig, manche einfach zu befahren. Die Strecke über die Missionsstation lehnen wir nach wenigen hundert Metern ab, zu holprig, zu ungewiss, nur als Track eingezeichnet. Manchmal sind wir Schisser. Wir fahren weiter auf der Great East Road bis Chipata, von wo eine neue Straße (D 104) über Mfuwe zum Wildlife Camp führen soll. Da unsere Papierkarte und das Navi unterschiedliche Strecken angeben, sind wir verunsichert, bis nach knapp 30 km ein Hinweisschild nach Mfuwe kommt. Der richtungsweisende Hinweis
Glücklicherweise war die Strecke im Navi korrekt geroutet, denn Herbert verlässt sich darauf. Dass eine Straßenbezeichnung in der Papierkarte an völlig falscher Stelle steht, das hatten wir bisher nicht. Merke: Papier ist geduldig – auch bei Landkarten!
Obst, Gemüse, Früchte - kunstvoll dekoriert
Kinder am Weg
Nachdenklich? traurig?
Gärtnerei
Trotz schwerer, schmutziger Arbeit lächeln uns die Menschen freundlich an
Sekten und religiöse Gemeinschaften sind in Sambia allgegenwärtig
Sie trägt stolz das Portrait ihres Prasidenten auf dem Po
Eine der vielen Kontrollstellen
Der Fernbus Sambia - Malawi biegt von der Umleitung auf die Teerstraße ab
Erholungspause nach den Tagen auf der Straße
Das Camp ist DIE Adresse vor dem Gate des South Luangwa Nationalparks. Hier treffen sich Lodgegäste, Reisegruppen und Selbstfahrer mit Campingausrüstung wie wir. Das Fahrzeug und wir müssen dringend überholt werden. Der Pool lädt ein, zumindest uns abzukühlen. In der weiten Flusslandschaft zu unseren Füßen leben viele Wasservögel; Hippos, Giraffen und Elefanten sind in der Ferne unterwegs. Herbert sammelt Holz für ein Lagerfeuer direkt am Fluss. Für morgen melden wir uns zum Dinner an. Im Dunst über dem breiten Flusstal geht die Sonne unter und verspricht einen weiteren schwülheißen Tag. Trotz 29°C im „Schlafzimmer“ schlafen wir fest. Ziegelbrennerei
01. 10.: Wildlife Camp: Pirschfahrt und kleine Ausflüge
Sie sind überall, wir können uns kaum vor ihnen schützen. Paviane und Grüne Meerkatzen! In Horden toben sie über den Campingplatz, sitzen heimlich unter unserem Tisch und lehren uns Touris Respekt. In Ruhe Frühstück richten ist nicht möglich, frühstücken selbst vergeht in Hektik. Neugieriger Waran
Diebische Nachbarin
Gate des South Luangwa NPs
Hippos in der Brühe
Um halb acht fahren wir durchs South Luangwa Nationalparkgate und bezahlen unsere 75 US-Dollar Eintritt. Dafür wollen wir etwas zu sehen bekommen. Der Park ist nicht groß, hat zwar viele Lagunen und Flussläufe, die wir nach und nach abfahren, doch die meisten sind ausgetrocknet. Wir treffen Zebras, betrachten die unmutig grunzenden Hippos, die sich eine Pfütze mit unappetitlichen Algen teilen müssen, beobachten Sattelstörche und Silberreiher und hoffen auf mehr. Ein Zebra steht Portrait
Sattelstorch und Silberreiher
Hammerkopf auf Hippokopf
Doch da es sehr heiß ist, verziehen sich die meisten Tiere schon sehr früh in die Büsche. Campingnachbarn hatten von Leoparden berichtet. Obwohl ich die großen Bäume inspiziere, ob vielleicht ein Leopard seinen Riss in einer Astgabel bewacht, werde ich nicht fündig. Um die Mittagszeit geben wir auf und fahren enttäuscht ins Camp zurück.
Wir beschließen, einen Einkaufsbummel ins Dorf Mfuwe zu unternehmen. In einer Grocerie erstehen wir ein paar Grundnahrungsmittel, kaufen Salat an einem Marktstand, dann geht es weiter zu Tribal Textiles, einer Organisation, die Kunsthandwerk herstellt und vertreibt. Interessant ist vor allem das Recycling von Flaschen. Doch die Preise sind überteuert, wir haben den Verdacht, dass die Einnahmen nicht jenen Menschen zugutekommen, die in den Werkstätten arbeiten. Eingang zum Showroom
Die Holztiere sehen irgendwie chinesisch aus 😕
Junger Künstler
künstlerisches Flaschen Recycling
Schön, aber viel zu teuer
Zurück im Camp zeigt das Thermometer inzwischen 38°C und kein Lüftchen regt sich. Die schwüle Hitze macht mir zu schaffen, ich fläze mich in den Safaristuhl und rege mich ebenfalls nicht mehr. Auch der Kühlschrank schafft es trotz Strom nicht, seine Arbeit zu verrichten. Wir haben Sorge, dass unsere Lebensmittel verderben. Am Nachmittag bezieht sich der Himmel. Auf unserem Weg am Fluss entlang zum Dinner zieht frühzeitig die Dunkelheit herein. „Dinner“ klingt großartig, doch wir essen nur Lasagne und Spaghetti und trinken kaltes Wasser und kühlen Wein dazu. Die Nachtwanderung am Fluss entlang wird Herbert aus Sicherheitsgründen verwehrt, wir werden zu unserem Bushcamper zurückgefahren. Es wetterleuchtet und blitzt, später donnert es. Mit dem Rest Holz von gestern pöffelt Herbert. Doch wir können das Feuer nicht lange genießen, weil heftige Sturmböen es unberechenbar machen. Schon fallen die ersten Tropfen, die sich im Nu zu einem Wolkenbruch ausweiten. Wir schließen unsere Dachluken zu spät und schlafen in feuchter Bettwäsche ein. Frühstück mit Ausblick
Heute ist es bewölkt und die Temperaturen bewegen sich bei angenehmen 25 – 30°C. Wir lassen den Tag langsam angehen und fahren noch einmal nach Mfuwe, um Trinkwasser und Speiseöl zu kaufen, weil Herbert das letzte Sonnenblumenöl fürs Pöffeln aufgebraucht hat. Nun müssen wir mit Sojaöl vorlieb nehmen. Anschließend fahren wir die alte Route nach Petauke ein Stück weit ab, um eine Entscheidung zu treffen, ob wir sie übermorgen befahren wollen. Unterwegs treffen wir auf ein Quartett Kronenkraniche, die sich jedoch immer weiter entfernen, so dass uns nur ein paar Beweisfotos gelingen.
fotoscheue Kronenkraniche
Nach dem Regen sehen die ersten 30 km der Strecke gut aus. Ein Deutscher aus Pforzheim schildert uns auf dem Campingplatz die Vor- und Nachteile, aber alles sei machbar, und wir beschließen, die Strecke zu befahren. Vorausgesetzt, es regnet nicht mehr, warnt er uns, denn bei Matsch in den tiefen Flussquerungen, säßen wir hoffnungslos fest. Bei lauen Temperaturen genießen wir im Sonnenuntergang auf unserer Terrasse über dem Flussbett Bratkartoffeln (Sojaöl schmeckt vor 🙁 ) mit Ei und Käse dazu Tomaten-Gurken-Salat. Noch immer ist es bewölkt, was angenehm ist und einen spannenden Sonnenuntergang verursacht. Morgen werden wir das Camp wechseln.
Teil 724. Nov. 2019
Hallo liebe Fomis, danke an alle DankedrückerInnen und KommentatorInnen 😉 😄 , ich melde mich noch (versprochen), aber im Moment stresse ich mich, damit der Bericht möglichst bis zum 1. Advent fertig wird. Okay, das klappt sowieso nicht 😕 , aber ich gebe mir wenigstens Mühe.
03.10.: Geocaching in Sambia
Unser Nachbar im Wildlife Camp hat einen Metzger in Mfuwe genannt, bei dem er Fleisch kauft. "Wenn du reinkommst, ziemlich am Ende rechts, rotes neues Haus!" Wir fahren erneut in den Ort. Auf dem Markt kaufe ich Tomaten, Paprika, Aubergine und Zwiebeln für „Reis mit Scheiß“ zum Abendessen. Erstaunlicherweise hat der Metzger nicht nur Fleischwaren, sondern außer Wein aus Südafrika sogar Chips für Herbert! Entlang der „Dorfstraße“ wird nicht nur verkauft, sondern auch gearbeitet: Friseure, Fahrrad- und andere Reparaturwerkstätten. Wir inspizieren einen tiefen Dorfbrunnen und eine Schreinerei und dürfen bereitwillig fotografieren. Stolze Besitzer eines selbst gemauerten Brunnens
Schuhsalon
Barbier
Schreiner mit ihren Arbeitsergebnissen
Dieses Stockbett hält ewig
Er gibt der Couch den letzten Schliff
Danach machen wir uns auf den Weg zum Croc Valley Camp, in dessen Nähe ein Geocache versteckt sein soll. Herbert findet ihn in einem Leberwurstbaum und ist sehr zufrieden mit sich, weil er nun Sambia seiner Länderliste hinzufügen kann. Found it!
Der Empfang im Croc Valley dagegen ist zum Abgewöhnen. Der Manager behandelt uns, als wollten wir ihn betrügen, obwohl wir ihm den Voucher vorlegen. Erst nachdem er seine Buchhaltung ausgiebig konsultiert hat, dürfen wir auf den Campingplatz. Leider sind alle Stellflächen am Luangwa belegt und für uns nur noch ein Platz im Hinterhof frei. Die frühzeitige, gezielte Buchung „Platz am Flussufer“ hat sein Hirn nicht erreicht. Positiver Effekt, wir haben viel Schatten und sogar Elektrizität, um den Kühlschrank zu füttern. Jetzt sitze ich auf unserem Platz und vervollständige das Tagebuch. Es soll heute Nachmittag Strom und damit Internet geben, dann können wir endlich eine Nachricht nach Hause schicken. Morgen starten wir auf die lange Rückreise Richtung Kasane. Wir setzen uns eine Weile ans Flussufer und schauen der Herde Hippos zu. Da ist was los! Lautstark wird jeder Fleck des klein gewordenen Reviers verteidigt. Wenn nicht bald kräftiger Regen kommt, wird es sehr eng für die aggressiven Klopse. Das Internet klappt nicht, obwohl Herbert sehr viel Geduld zeigt. Zum Abkühlen verschwindet er im Pool, der seiner Ansicht nach der größte und sauberste dieser Reise ist. Ich verteidige unterdessen unser Hab und Gut gegen die Affen. Unerwarteter Besuch gleich hinter unserem Stellplatz
Attraktion im Camp ist die ansässige Herde Hippos
Schönes Motiv: Das Bett des Luangwa
04. 10.: The Old Petauke Road ist eine Herausforderung
Anstatt 240 km über besten Asphalt wollen wir bis Petauke den 170 km langen Hardcore-Track fahren. Der Hupe-Reiseführer schreibt, dafür seien von Petauke bis ins Luangwatal 6 – 7,5 Stunden erforderlich. Zu betonen ist, dass es in dieser Richtung im Wesentlichen abwärts geht, während wir stetig bergauf fahren müssen. Ein Unterschied, wie wir noch feststellen werden. Am Anfang ist die Strecke gut gepflegt, doch sobald wir die Lodge-Gegend hinter uns lassen, wird es ruppiger. Der Boden in dieser Gegend besteht aus Lehm, der beim Befahren in nassem oder feuchtem Zustand zu überdimensionalen Würsten geknetet wird. Dazwischen sucht sich das Wasser blöderweise seinen Weg quer und hinterlässt zum Teil tiefe „Canyons“. Die Flussdurchfahrten schaffen wir ohne große Probleme. Umleitung
Sie sind alle trocken, jedoch mit steilen Abhängen und einem Sandkasten an der tiefsten Stelle zum Teil herausfordernd. Wir fahren durch abgelegene Dörfer, in denen uns die Menschen zuwinken. Den Track teilen wir uns mit Waldarbeitern und ihren Gerätschaften, Frauen mit kleinen Kindern auf dem Rücken, Lasten auf dem Kopf und in den Händen. Fahrräder mit überdimensioniertem Gepäck versuchen uns auszuweichen und schwer beladene Motorräder überholen uns oder kommen uns entgegen. Als wir vor einer besonders steilen Flussdurchfahrt anhalten, sehen wir mit Entsetzen, wie auf der anderen Seite ein Motorradfahrer mit seiner Last rückwärts ins Rutschen gerät, doch schließlich schafft er es hinauf. An vielen Stellen durchqueren wir abgeholzte Wälder, in denen gearbeitet wird. Hier wird also die Holzkohle gewonnen, die in riesigen Mengen an den Durchgangsstraßen verkauft wird. Einige Felder wurden angelegt und sind bewirtschaftet. Die Gegend ist Tsetsefliegen verseucht, die den Weg ins Auto finden, sobald wir die Tür oder ein Fenster öffnen. Jedes Mal beginnt die Jagd auf die Biester, bei der wir nicht immer Sieger bleiben, wie Stiche auf Waden und sogar Bauch beweisen. Wir sehen zwar Fallen für die Plagegeister in der Nähe von Ansiedlungen, ob sie helfen, weiß ich nicht.
Hier werden Felsbrocken unter menschenunwürdigen Bedingungen zu Kieseln verarbeitet
Dorf unter schattigen Mangobäumen
Die meisten Menschen winken uns freundlich zu
Tsetsefliegenfalle
Mittelschwerer Anstieg
Haarige Piste
Bemalte Häuser sind in dieser Gegend selten
Ein Stück massakrierter Wald
Wer verdient an dieser neuen Ackerfläche?
Inzwischen ist uns der schwer bepackte Motorradfahrer weit voraus
Hier breche ich ab, Fortsetzung folgt
Teil 825. Nov. 2019
Abgesehen von dem Gewitter vor ein paar Tagen bleibt es weiterhin bei 34 bis 38°C, was nicht einfach auszuhalten ist, da es nachts bis in die frühen Morgenstunden viel zu warm bleibt. Ich träume davon, die nächste Reise in Eis und Schnee zu verbringen.
05. 10.: Dichter Verkehr zwischen Petauke und Lusaka
Wir brechen früh auf, um das 400km entfernte Lusaka frühzeitig zu erreichen, denn wir müssen vor dem Wochenende einkaufen. Potholes, Humps vor, in und nach Ansiedlungen sowie schwerbeladene Lkws an Berghängen im Schritttempo erschweren das Vorwärtskommen. Immer wieder müssen wir wegen Haustieren auf dieser stark frequentierten Hauptroute nach Malawi bremsen und anhalten. An der Brücke über den Luangwa ist so früh nichts los, so dass wir ohne Verzögerung hinüberfahren dürfen. Kein Verkehr auf der Brücke über den Luangwa
Das sieht knautschig aus
Auf der anderen Seite zeigen verräterische Spuren, dass Fahrzeuge manchmal ein Hindernis zu spät wahrnehmen. Wir halten uns beim Brückenmarkt nur kurz auf, denn bis Lusaka ist es noch weit. Leben am Fluss
Irgendwann übersieht auch Herbert ein Hindernis und erfasst es. Es rumpelt heftig, so dass ich denke, wir haben einen Plattfuß. Doch die Reifen sind in Ordnung, während die Unterfütterung des Kotflügels Schaden genommen hat und am Reifen schabt. Wir halten an und Herbert repariert kreativ mit Glue und Wäscheleine. Improvisierte Reparaturwerkstatt
Ohne weitere Zwischenfälle erreichen wir Lusaka, kaufen ein und schwenken auf das Pioneer‘s Camp ein. Es ist Freitag und voll. Eine riesige Gruppe südafrikanischer Radfahrer, die wie geklonte Papageien aussehen, mischt die Beschaulichkeit auf. Leider besetzen ihre Fahrräder und anderes Equipment den schattigen Bambushain, während sie selbst in der Lodge übernachten.
06. 10.: Zwischenstopp auf der Mooringsfarm
Zwischen Lusaka und der Farm liegen 170 km Straße, die leider ab der Kafue Brücke eine Baustelle ist. Mindestens 50 km weit müssen wir uns einen holprigen Feldweg mit Radfahrern, riesigen Lkws mit dick verschnürten Planen, vermutlich beladen mit den Erzeugungen aus den Minen, teilen. Manchmal geht es nur im Schritttempo vorwärts, was Nerven und Zeit kostet. Mittags kommen wir auf der Farm an und werden als Erstes desinfiziert, um keine Keime mitzubringen. Zu unserer Verblüffung müssen wir eine Bahnlinie überqueren, vermuten jedoch, dass sie stillgelegt ist. Wir finden einen sehr schönen Platz an einem Rondell unter schattenspendenden Bäumen. Hier könnten wir es länger aushalten
Vermutlich unser letztes Feuerchen auf dieser Reise
Auf der Farm hat ein kleines Mädchen kochendes Wasser über sein Bein gegossen. Mir wird schlecht, als ich das rohe Fleisch sehe, doch ich kann nicht helfen. Die Brand- und Desinfektionspflaster in unserer Notfallbox sind zu klein für die großflächige Verletzung. Also decke ich das Bein vorsichtig mit Mullbinden ab, damit Fliegen und Staub nicht noch mehr Unheil anrichten können. Ich gebe der Tante(?) halbierte Schmerztabletten mit genauer Gebrauchsanweisung und hoffe, das Kind wird morgen zum Arzt gebracht.
07. 10.: Wir erreichen unser letztes Ziel in Sambia ohne Komplikationen
Wir verlassen Moorings Farm vor acht Uhr morgens. Der Platz hat uns gut gefallen, doch das verletzte Mädchen geht uns nicht aus dem Kopf. Man sei frühmorgens mit ihr nach Monze ins Krankenhaus gefahren, informiert uns die Farmerin. Ich kann nur hoffen, dass das stimmt. Die 300 km bis Livingstone legen wir auf einer neuen Teerstraße zurück, die an der Bahnlinie entlang führt. Ein Werbeschild weist darauf hin, dass sich auch in diesem Fall die EU an den Kosten beteiligt hat. Na denn!!! Irgendwann überholen wir einen Zug, der laut Hupe 2 x wöchentlich zwischen Kitwe und Livingstone verkehrt. Bahnlinie Kitwe - Livingstone
Am Straßenrand die immer gleichen Szenen: Gemüsestände, Holzkohlekiepen, Handyprovider im Dutzend, kleine Läden mit Dingen, von denen man sich wundert, dass sie Käufer finden. Kleines Business am Straßenrand
Fahrzeugkontrollen finden in Abständen statt. Interessant ist die Disease Control auf sambische Art: Wir werden gebeten, uns die Hände zu waschen. Um an den blauen Flüssigkeitsbehälter zu kommen, müssen wir üppig getränktes Stroh durchqueren. Demnach ist das Händewaschen eine List, damit die Leute durch das Stroh mit Desinfektionsmittel laufen. Das ist weniger eklig als die matschigen Schaumstofffliesen in Botswana. Disease Control - beachte das Stroh am Boden
Der Trick mit dem Händewaschen
Ochsengespanne sind die Lkws der kleinen Bauern
Umschlagplatz für Waren und Bushaltestelle
Bevor wir nach Livingstone kommen, fällt uns ein riesiges Reklameschild auf. Livingstone hat ein SOS-Children‘s Village. Wir durchqueren den Touristenort Richtung Süden und finden die Maramba Lodge sogleich. Die beiden südafrikanischen Ehepaare, die seit Lusaka die gleichen Ziele haben wie wir, sind auch schon da. Der Campingplatz soll schattig sein, jedoch spenden ausgetrocknete Baumriesen wenig kühlenden Schatten. Wir weichen auf die Bar mit Pool aus. Die Echse zog umgehend aus, als wir uns nah an ihrer Behausung breitmachten
Letzter Stellplatz in Sambia
Am Abend kommt Wachpersonal vorbei. Sie warnen uns vor Elefantenherden, die zurzeit ab und zu durchs Camp ziehen würden. Die Hinterlassenschaften hatten wir schon registriert. Es ist zwar beruhigend, dass die Wächter in der Nacht über uns Camper wachen, aber es erschwert mir den Gang zur Toilette.
Teil 926. Nov. 2019
08. 10.: Wanderung durch den ausgetrockneten Sambesi an den Victoriafällen
Tor zur Maramba Lodge und Campsite
Frühmorgens ist was los im Camp, denn auf der anderen Seite des Wasserarms am Rand des Campingplatzes versammelt sich eine große Elefantenfamilie. Einige Camper reagieren hysterisch. Sind die sambischen Elefanten etwa bösartiger als die in Botswana? Die Wachleute schießen zur Warnung mehrmals in die Luft, was die Tiere nervös macht, so dass sie schließlich abziehen. Elefantenherde im Anmarsch
Später hören wir heftigen Lärm aus einem nahegelegenen Dorf, wo versucht wird, die Elefanten zu verjagen. Wenn nur die Myriaden von Mücken nicht wären! Sie sind zwar harmlos, wie uns versichert wird, ihre Stiche jucken trotzdem. Trotz Doom und Peaceful Sleep fallen sie über uns her, schwirren durch den Camper, als wäre er ihr Zuhause. Wir geben schließlich auf, uns dagegen zu wehren.
In Livingstone hat die Abzockerei Hochkonjunktur. Das fängt schon an der Rezeption an, wo man uns unbedingt eine Tour anstatt einer Taxifahrt vermitteln will. Wir wollen zu einem Parkplatz in der Nähe des Wasserfalls, werden aber zu dem kleinen Nationalpark Mosi oa Tunya gebracht, der 20 US$ Eintritt pP kostet. Dort werden wir von einem Guide erwartet, der uns durch das ausgetrocknete Flussbett des Sambesi begleiten soll. Einige Zeit später gesellt sich ein zweiter Mann hinzu, den wir für einen Bekannten des Guides halten und ihm keine Beachtung schenken. Die Fußtour durch das trockene Flussbett des Sambesi ist schwierig, weil sich immer wieder tiefe Spalten und Löcher auftun. Der Blick in den Canyon des Sambesi, über dem zu dieser frühen Tageszeit ein Regenbogen liegt, ist schwindelerregend. Blick zum NP-Board Trail in Simbabwe
Brücke zwischen Sambia und Simbabwe mit Station für Bungee Jumping
Regenbogen über dem Canyon
Wassersport im Canyon
Für 170 US$ pP wären wir dabei
Wildwasserfahrer
Der Regenbogen sinkt immer tiefer
Ich will nicht weiter wandern, weil mir in dem unwegsamen Gelände schwindelig wird. Der „Freund“ des Guides bietet an, Herbert zu begleiten, während der Guide bei mir bleibt. Ehe ich Einspruch erheben kann, sind die beiden weg und lassen sich vierzig Minuten lang nicht blicken. Ich schicke den Guide hinterher, der ebenfalls lange nicht zu sehen ist. Endlich am Horizont Herberts rote Kappe! Ich bin wütend, denn wir hatten noch einen anderen Weg laufen wollen. Nun reicht es zeitlich nur bis zum Parkplatz, wo der Taxifahrer wartet. Hier strömt zu anderen Zeiten das Wasser des Sambesi über die Kante
Der tief zerklüftete Grund des Sambesi
Ein letzter Blick in die Schlucht
Hier erwartet uns eine Überraschung: Der „Freund“ fordert 20 US$, obwohl er weder gebucht, noch eingeladen war, uns zu begleiten. Vorgestellt hatte er sich uns auch nicht. Er habe schließlich meinen Mann allein ans andere Ufer begleitet! So ganz Unrecht hat er leider nicht. Es entwickelt sich ein handfester Streit, bei dem wir letztlich nachgeben, weil der Kerl ausgesprochen aggressiv reagiert. Der Platz, an dem wir stehen, ist geschickt ausgewählt, denn wir sind allein. Keine Ahnung, ob uns jemand geholfen hätte, der Guide ist nicht einmal bereit, uns den Namen des Halunken zu nennen. Ich bin stinksauer, dass wir uns haben hereinlegen lassen. Nach Rückkehr ins Camp fahren wir nach Livingstone und kaufen im Shoprite Doom, Getränke und Brot ein. Dort geht es turbulent zu, weil die Mitarbeiter damit beschäftigt sind, Weihnachtsdeko aufzuhängen. Anschließend machen wir es uns am Pool gemütlich, nutzen das Wifi und ertränken abends beim Dinner im Restaurant unseren Ärger in einem Glas Wein bzw. Bier.
09. 10.: Besuch im SOS-Kinderdorf
Das Billboard erweckte unsere Aufmerksamkeit
Nein, da machen wir nicht mit: 170 US$ pP, um 15 Minuten lang über die VicFalls zu fliegen, halten wir für Wucher! Spontan beschließen wir, stattdessen ins Kinderdorf zu fahren und eine Spende zu überbringen. Als Gastgeschenk kaufen wir zwei riesige Tüten Äpfel. Ich bin seit Jahrzehnten Spenderin im SOS-Kinderdorfverein Deutschland und war noch nie in einer Einrichtung der weltweiten Organisation. Der Herr Director in seinem Büro
Wir werden offiziell vom Herrn Director empfangen, der viel über die SOS-Kinderdörfer berichtet, wovon wir nur einen Teil verstehen. Das Dorf ist viel größer, als wir vermutet hätten. Anstatt zwei bis drei Familien leben hier insgesamt hundertfünfundvierzig Kinder, die zu dieser Tageszeit im Kindergarten oder in der Schule sind. Ich entschuldige mich wegen der zu geringen Apfelmenge. „Wir machen ganz kleine Schnitze, dann bekommt jedes Kind ein Stück“, ulkt der Director. Eine Kinderdorfmutter zeigt uns die Wohnung für ihre elf Kinder und sich selbst. Trotz Ärmlichkeit wirkt alles wohnlich und sauber, überall ist aufgeräumt, um die kleinen Doppelhäuser herum sind Hecken, Büsche und Blumen gepflanzt. Schmucke Häuser mit viel Grün drumherum
Gemütlicher Wohnraum
Die Kinder in dieser Einrichtung haben Glück, dass sie hier aufgenommen wurden, wer weiß, was sonst aus ihnen geworden wäre. Die Mütter tot, drogensüchtig oder (AIDS-)krank, die Väter – wie fast überall in Afrika – fühlen sich nicht für sie verantwortlich. Die Kinderdorfmutter berichtet über das Leben im Kinderdorf und informiert uns nebenbei, dass die Mückenplage jedes Jahr im Oktober über Livingstone hereinbrechen würde. Im Computerraum
Mädchen und Jungen lernen gleichermaßen Anschließend werfen wir noch einen Blick in den Computerraum, in dem 9 – 11-Jährige zu zweit vor den Bildschirmen sitzen, und besuchen eine Grundschulklasse. Herbert bewundert einen perfekten Tafelanschrieb, während ich mich unwohl fühle, weil die Kinder der Grundschulklasse zur Begrüßung auf Kommando aufstehen. Die Jüngsten SchülerInnen mit Lehrerinnen des Dorfs
Im Einkaufszentrum von Livingstone essen wir zu Mittag, warten 2 Stunden aufs Essen, dann fahren wir ins Camp zurück. Es ist schon wieder drückend heiß geworden, und am Nachmittag beginnt es zu regnen. Leider bringt das keine Abkühlung, und die Mückenschwärme fühlen sich ebenfalls nicht gestört. Weder Doom, noch Peaceful Sleep retten uns vor den Biestern.
Morgen werden wir Sambia verlassen und über die Grenze nach Botswana fahren. Gut, dass wir noch nicht wissen, was uns erwartet!
Fortsetzung folgt
Teil 1027. Nov. 2019
Liebe Fomis,
diesmal müsst ihr tapfer sein, denn es gibt fast keine Fotos vom Grenzübergang. Wir waren viel zu beschäftigt 😠 ! Wenn ihr aber Spannung liebt, euch mit uns aufregen wollt, empfehle ich euch, unsere folgenden Erfahrungen nachzulesen:
10. 10. Grenzwertige Grenzerfahrungen in Kazungula
Von Livingstones sind es nur siebzig Kilometer bis zum Grenzposten, deshalb lassen wir es gemütlich angehen an diesem Morgen. Ich werfe noch einen Blick in die Notizen über die Zustände an den Grenzübergängen Botswana – Sambia. Alle Informationen beziehen sich auf die Richtung nach Sambia, was mich dahingehend beruhigt, dass unsere Richtung problemlos sein müsste. Vorsorglich haben wir sämtliche Fleischprodukte, Milch, Obst und Gemüse aufgegessen.
Die Bauarbeiten für die Brücke über den Sambesi, die künftig die Fähre nach Botswana ersetzen soll, kündigen sich frühzeitig an. Was hier an Erde und Gestein bewegt wird, ist gigantisch! Die Beschilderung ist miserabel, aber freundliche Bauarbeiter winken uns vorbei an Baufahrzeugen und anderen Lkws auf den richtigen Pfad. Endlich fahren wir auf die Grenzbaracken zu. Ein riesiges Eisentor versperrt die Weiterfahrt. Bevor wir uns orientieren können, werden wir von wild gestikulierenden jungen Männern umringt. Wir sollen uns hinter einem Pkw einreihen. Ein Typ in petrolfarbigem T-Shirt mit einem vermutlich gefakten Ausweis auf der Brust dient sich uns als Lotse an. Er bietet Hilfe bei Zoll und Passkontrolle und will das Ticket für die Fähre für 30 US$ besorgen. In meinen Unterlagen lese ich 28US$, aber vielleicht sind ja die Preise gestiegen. Als wir aussteigen, bestürmen uns mehrere Männer, auf unser Auto aufpassen zu wollen, 50 Kwacha seien der Preis. Wir sagen einem der Männer, dass wir ihn nach Rückkehr bezahlen. Der Typ mit dem Ausweis schleust uns in kurzer Zeit durch Zoll und Passkontrolle, nach ca. 20 Minuten stehen wir wieder am Auto. Dort treffen wir auf einen Mitarbeiter von Bushlore, der uns kurz begrüßt, ob wir Probleme hätten. Die haben wir in diesem Moment noch nicht. Ob 50 Kwacha für das kurze Aufpassen aufs Auto okay wären, frage ich ihn. „10 Kwacha sind genug“; antwortet er und verschwindet im Gewühl. Ich gebe dem jungen Mann zehn Kwacha und ernte lautstarken Protest. Neben ihm taucht ein Verkäufer mit geschnitzten Tierfiguren auf, der wortreich seine Produkte anpreist. Ich ignoriere ihn ebenso wie den Aufpasser, weil der Typ mit dem gefakten Ausweis die Dollars haben will, um das Ticket für die Fähre zu bezahlen. Für seine Dienste verlangt er zusätzlich 5 US$. Hätte ich mir das nicht denken können, ich Blödel? Er öffnet das riesige Eisentor und wir reihen uns vor den Lkws ein, die ebenfalls nach Botswana wollen. Der Lotse kommt zurück mit einem Mitarbeiter der Fähre, der das Ticket in den Händen hält und uns zeigt, dass wir schon mit der nächsten Fahrt mitkommen. Spätestens ab jetzt wird es unübersichtlich. Der Aufpasser ist wieder zur Stelle und fordert mehr Geld. Der Händler mit den Holztieren versucht zu handeln, erst zwei, dann drei, dann vier Tiere zum Sonderpreis. No! Er gibt nicht nach. No! Ich schreie ihn an, was er an dem Wort „No“ nicht verstanden hätte! Er ist kurz verblüfft und sagt: „N.O.?“ Herbert fährt das Fenster hoch, bis der Lotse anklopft, und uns gegen weitere 50 Kwacha (Für den Fährmann um bevorzugt zu werden.) das Ticket aushändigt. Verdammt, ich habe nur noch 100-Kwacha-Scheine. „Kann jemand wechseln“, versuche ich mein Glück, doch das wird nur als Devisentausch verstanden. Was soll ich machen? Bevor ich dem Lotsen einen Schein aushändige, lasse ich ihn versprechen, dass ich 50 Kwacha zurückbekomme. Really? Really! Hahahah! Im Fenster erscheint wieder eine Handvoll geschnitzter Tiere. Der Aufpasser steht daneben und greint. Herbert fährt die Scheibe hoch. Wir werden auf die Fähre gewinkt. Die Meute marschiert mit. Ich steige aus und fordere von dem Lotsen die fehlenden 50 Kwacha. „Immediately!“ sagt er und verschwindet. Schon legt die Fähre an – wir sind in Botswana und müssen die Fähre verlassen, denn hinter uns röhrt ungeduldig der Motor eines Lkws. Das gut eingespielte Team der Grenzmafia ist verschwunden, meine 50 Kwacha sehe ich nicht wieder. Was hatte ich denn erwartet? Zoll und Passkontrolle in Botswana bringen wir problemlos hinter uns, nach Fleisch und Gemüse fragt niemand. Das gesamte Prozedere an der Grenze hat nicht einmal eineinhalb Stunden gedauert. Während wir durch ein Gewirr von Umleitungen nach Kazungula und weiter nach Kasane fahren, werfe ich einen Blick auf die fast fertige Brücke. Ein paar Meter fehlen noch. In Kasane kaufen wir im Superspar Frisches für Dinner und Frühstück ein. Hier gibt's viel zu viel zu essen!
Anschließend lunchen wir in einem Fast Food Restaurant, dessen Speisekarte sich angenehm von den üblichen Burger Kings und McDonalds abhebt. Total erledigt checken wir in der Kubu Lodge auf dem Campingplatz ein, weil wir den Camper ausräumen und packen müssen. Alles muss raus! Die unangenehmen Erfahrungen an der Grenze haben uns heftig zugesetzt. „Nie wieder mache ich so etwas mit!“, betont Herbert.
Adieu Bushcamper!
Ein letztes Frühstück auf dem Campingplatz, dann fahren wir unser Gepäck zur Rezeption der Lodge, wo es aufbewahrt wird, bis die Chalets gereinigt sind. Die beiden letzten Nächte werden wir in der Lodge verbringen. Unser heimeliges Chalet Nr. 1
Bushlore ist nicht weit entfernt, wir werden - bzw. das Fahrzeug wird - sogleich in Empfang genommen. Eine junge Frau schaut sich gemeinsam mit uns den Camper genau an, wir weisen auf Mängel hin (SAT Phon funktioniert nicht, Porta Potti ist undicht, Gasventil ebenfalls) und beichten die Beule im Kotflügel, die wir uns auf dem Weg nach KaingU geholt haben. Die Abwicklung geht zügig vonstatten, wir haben den Eindruck, hier sind Fachleute beschäftigt. Danach werden wir zurück zur Lodge gefahren, wo wir als Nächstes unser Chalet beziehen und relaxen. Ein Nachteil ist, dass es im Chalet noch wärmer als draußen ist und auch die Ventilatoren keine Abhilfe schaffen. Wir erkunden das riesige Gelände der gemütlichen Lodge, wo wir einigen Mitbewohnern begegnen: Warzenschweine, Buschböcke und jede Menge Baboons.
Die Anlage hat etwas Romantisches, wir fühlen uns wohl hier. Das Dinner nehmen wir mit Blick auf den Chobe ein, in dessen Bett richtig viel Wasser fließt. Endlich ein Fluss, der seinen Namen verdient, eine Seltenheit auf dieser Reise! Als wir später ins Chalet zurückkommen, hat ein guter Geist das Moskitonetz sorgfältig um die Betten drapiert und alle Vorhänge geschlossen. Wir öffnen alles, was sich öffnen lässt und verbringen noch eine Zeitlang auf der Terrasse. Zu viel Fürsorge kann einengend sein
Morgen wollen wir per Boot einen Ausflug auf den Chobe machen. Deshalb ein letztes Mal:
Fortsetzung folgt
Teil 1128. Nov. 2019
In Arbeit
12. 10. Bootsfahrt auf dem Chobe
Schon Anfang 2019 hatte ich mit unserer Agentur, die auch die Unterkünfte vorgebucht hat, eine private Bootsfahrt auf dem Chobe ohne Lunch und sonstigen Schnickschnack vereinbart. Nach einigem Hin und Her fiel die Entscheidung auf einen selbstständigen Anbieter der Chobe Safari Lodge in Kasane. Um halb sieben Uhr holt uns der Shuttle ab und bringt uns zur Chobe Safari Lodge, die einen eigenen Bootssteg hat. Unser Bootsführer, dessen Namen ich leider vergessen habe, bringt eine Kiste Eis mit, um darin unser Frühstück und Getränke kaltzuhalten. Er zeigt wegen der gemieteten sieben Stunden Bedenken, doch wir beruhigen ihn, dass er langsam tun kann, weil wir in aller Ruhe unseren letzten Tag genießen wollen. Wir einigen uns auf zwei Pausen, klären ab, dass wir fotografieren wollen und nicht nur an den Big 5, sondern auch an kleineren Tieren und Vögeln interessiert sind, danach geht es los. Langsam gleiten wir über den Chobe, vorbei an vielen großen und kleinen Vögeln, haben alle Zeit der Welt zu fotografieren, was uns interessiert. Es entstehen spektakuläre Fotos von Fischadlern im Flug, von Marabus in grotesken Verrenkungen und Goliathreihern, die sich neben dem Boot in die Luft erheben. Silberreiher
Schlangenhalsvogel
Weiß jemand seinen Namen? Flussuferläufer (danke Matthias)
In Sambia und Botswana gleichermaßen Lieblingsraubvogel: Fisheagle
Ein Prachtkerl seiner Gattung
Goliathreiher im Wind
Goliathreiher mit Flagge auf dem Sedudu Island
Um es mit Guggu zu sagen "So was kann nur eine Mutter lieben": Der Marabu
Langzehen-StrandläuferRegenpfeifer (li.) und Kampfläufer = Ruff (danke Matthias)
Kormoran
Langzehen-Kiebitz
Hippos beobachten uns, faule Büffel käuen wider und tun, als ob sie sich nicht für uns interessieren würden. Unser Guide macht uns auf Vögel aufmerksam, die wir ohne seine Hinweise nicht entdeckt hätten. Er ist ganz stolz auf die vermutlich neue Vogel-App auf seinem Smartphone. Lechwe
Eins der 5 hässlichsten Tiere, das Krokodil
Als Kudumann würde ich mich in ihre Ohren verlieben
Büffelmädchen mit Seidenreiher
Waran auf Wanderschaft
Wasserböcke
Puku
Er schmatzt beim Essen
Nach der ausgiebigen Vesperpause sind die Vierbeiner und last but not least die Elefanten dran, die sich bisher noch nicht haben blicken lassen. Sie würden grundsätzlich erst später am Tag ihren Durst löschen, erläutert der Guide. Und dann kommen sie aus dem Busch, einzeln oder in Familien. Da kommen sie, die Lieblinge der Touristen
Wir sind inzwischen nicht mehr allein unterwegs, um sie zu beobachten. An der Chobe Riverfront fahren Tourigruppen in Safarifahrzeugen entlang, Boote mit zwanzig bis dreißig Gästen an Bord schlagen Wellen, die unser Boot schaukeln lassen. So sehen die Game Driver an der Chobe Riverfront vom Wasser aus
Andrang, um Fotos zu knipsen
Idyllischer Pausenplatz ...
mit schöner Aussicht
Wir beglückwünschen uns, dass wir Boot und Führer für uns allein haben, nicht mit anderen „Knipsern“ um die besten Plätze kämpfen müssen. Um die Mittagszeit wird unser Guide allmählich müde, zudem weht eine heftige Brise und setzt dem Wasser Krönchen auf. Ans Fotografieren ist nicht mehr zu denken. Der Guide schlägt vor, die zweite Pause an Land zu verbringen, und wir stimmen zu.
Wir verlassen das Boot am Steg der Chobe Safari Lodge und müssen am Pool und der üblichen Fleischbeschau vorbeigehen. Als wir uns in der Eingangshalle niederlassen, werden wir zum Manager zitiert, um uns auszuweisen und eine der üblichen Listen auszufüllen. Da Herbert ohne Pass unterwegs ist, entspinnt sich ein hitziger Disput mit dem arroganten Kerl. Endlich lässt er gnädig zu, dass wir trotz fehlendem Pass nicht verhaftet werden und in die Lodge zurückfahren dürfen. Der Beruf Polizist hätte ihm gut zu Gesicht gestanden.
Nicht zum ersten Mal muss dieser Baum für unser letztes Foto auf dem Chobe herhalten
In unserem Chalet setzen wir zum Endspurt an: Reisetaschen packen, Reiseklamotten zurechtlegen, Box mit allerlei Krimskrams für das Personal füllen. Wir duschen ausgiebig, checken noch einmal unsere Mails und fläzen uns dann auf die Veranda unseres Chalets, bis es Zeit fürs Dinner ist. Nach einem längeren Plausch mit anderen Urlaubern gehen wir ins Chalet und auf dieser Reise zum letzten Mal in ein fremdes Bett.
13. 10. Abschied
Ein letztes Frühstück
Beim Frühstück auf der Terrasse des Restaurants packt mich die Wehmut. Der Chobe und die gepflegte Parkanlage der Lodge im frischen Morgenlicht sind schuld daran. Noch sind die Temperaturen angenehm, und wir genießen Frühstück und Ausblick in vollen Zügen. Am Chalet hat die Putzkraft bereits gut sichtbar ihre Utensilien abgestellt, was wir als indirekte Aufforderung verstehen. Wir gehen zur Rezeption und lassen die Reisetaschen holen. Es ist erst 10:00 Uhr, um 11:30 Uhr soll uns der Shuttle zum Flughafen bringen. Die Sonne heizt allmählich auf, es wird schwierig, ein schattiges Sitzplätzchen zu finden. An der Rezeption werden wir informiert, dass die Lodge den Shuttle zum Flughafen stellt, nicht der Anbieter auf unserem Voucher. Auf meine Frage, ob das Flughafengebäude klimatisiert sei, ertönt mehrstimmige Zustimmung. Na dann nix wie los! So ein Provinzflughafen hat Charme. Dieser ist neu, sauber, die Klimaanlage arbeitet zuverlässig, der Betrieb hält sich in Grenzen. Das Personal am Zoll, bei der Passstelle und Sicherheitskontrolle ist sehr freundlich. Hier lässt es sich bis zum Abflug nach Johannesburg gut aushalten. Mit Airlink geht's nach Johannesburg
Im O.R. Tambo bummeln wir durchs Gebäude, statten einigen Shops Besuche ab und setzen uns schließlich an die große Scheibe mit Blick auf das Rollfeld. Das Boarding beginnt pünktlich und würde im Flugzeug prima funktionieren, wenn sich alle Passagiere an die Hinweise halten würden, wann sie einsteigen sollen. Irgendwann legt sich der Kuddelmuddel, und wir werden vom Finger getrennt. Nachdem wir informiert worden sind, dass es gleich losgehen wird, passiert erst einmal nichts. Doch, es wird warm in der Kabine. Dann die Durchsage, wir müssen zurück an den Finger, irgendwas tut nicht, was es soll. Mehrmals werden die Turbinen kurzfristig angeworfen – ersterben aber ganz schnell wieder. Ich ziehe meine Jacke aus und krempele die Blusenärmel hoch, da die Klimaanlage ebenfalls erstirbt. Nach zwei Stunden erheben wir uns endlich in die Luft.