Hallo, folgendes liegt schon ein paar Jahre zurück: Als Bob und Co sich zu der Ansicht durch gerungen hatten, dass das Abkassieren von Touristen der Dollarbeschaffung schadet, weil es abschreckt das Land zu besuchen, wurden die Polizisten angewiesen, Touristen zu (ver-)schonen. Eine Zeit lang hielt das wohl auch, hier wurde dann auch oft berichtet, wie "easy" und "entspannt" Zimbabwe geworden sei. Weniger bekannt wurde, dass die Bürger von Zimbabwe diesen Einkommensausfall kompensieren mussten und nun bis zum letzten Cent ausgequetscht wurden. Es gab Massendemonstrationen deswegen, Taxi- und Busfahrer haben massenhaft verweigert zu fahren, weil sie nur mehr für die Polizei arbeiteten, die Fahrgäste blieben gestrandet. So stand das damals in lokalen Medien, wo kann ich nicht mehr sagen. Grüße
Als wir letztes Jahr in Zimbabwe waren, berichteten uns die Einheimischen ebenfalls, dass die Polizisten sich auf Anweisung der Regierung bei den Touristen zurückhalten und dafür die einheimische Bevölkerung umso stärker zur Kasse bitten.
schau mal hier: https://www.thestandard.co.zw/2017/05/14/black-market-thrives-banks-run-dry/ Der Schwarzmarkt ist deswegen, weil man die Bond notes in Dollar tauschen will - aber der Kurs ist eben nicht 1:1 und wird sich wohl in nächster Zeit zu Ungunsten der Bonds noch verschlechtern. Erinnert mich etwas an die DDR Mark - da gab es auch einen Schwarzmarkt, war damals meist 1DM = 4 Ostmarkt - in der Wendezeit bis 1:10.
travelNAMIBIA33,4k Beiträge · seit 200606. Juli 2017 ·
Hi toumtoum,
Schwarzmarkt verstehe ich, nicht aber warum sich Menschen im Ausland (Botswana, Sambia etc) mit den Bondnotes eindecken wollen. Wenn selbst in Sim nicht 1 zu 1 getauscht wird, dann ist der Kurs im Ausland ja noch deutlicher schlechter.
Viele Grüße Christian
Vom 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
Topobär schrieb:Als wir letztes Jahr in Zimbabwe waren, berichteten uns die Einheimischen ebenfalls, dass die Polizisten sich auf Anweisung der Regierung bei den Touristen zurückhalten und dafür die einheimische Bevölkerung umso stärker zur Kasse bitten.
Hallo Christian, da gibt es viele Möglichkeiten. Erst einmal arbeiten ja viele Zimbabwer im Ausland (brauchst nur Grenzübergang Beitbridge anzuschauen). Dort verdienen sie Rand etc. jedenfalls keine Bonds. Zu Hause können sie aber mit Bonds zahlen - also warum nicht ein Teil vom Geld in Bonds tauschen - macht +10% oder so. Weiterhin wäre noch Handel möglich - Produkte aus Zimbabwe (jetzt frag mich nicht welche) im Ausland verkaufen, dafür Rand ... bekommen, danach getauscht in Bonds, zurück und wieder neu gekauft usw. - könnte eine gute Marge geben. War in der DDR auch möglich. Ostmark in DM getauscht, dann DM in Rubel, zurück in die DDR und da auf der Staatsbank die Rubel wieder in Ostmark getauscht usw. Marge lag im 3-stelligen Bereich. Man darf sich nicht immer davon leiten lassen, daß die Bonds (damals Ostmark) nichts wert sind. Im System gibt es oftmals einige Lücken. Nehmen wir zum Beispiel mal obiges Beispiel mit Produkten in Zimbabwe. Wenn man die Produkte in Südafrika verkauft und dann wieder mit Rand in Zimbabwe einkauft, wäre der Staat wahrscheinlich nicht sauer, weil er ausländische Währung bekommt. Tauscht man aber vorher die Rand wieder in Bonds, kann man damit 10% mehr Produkte kaufen und der Staat bekommt in seinen Kreislauf wieder nur Bonds (möchte aber Dollar, Rand ,,,) - das stinkt ihn natürlich an, Ich hoffe, das es jetzt etwas mehr klar ist.
Topobär schrieb:Als wir letztes Jahr in Zimbabwe waren, berichteten uns die Einheimischen ebenfalls, dass die Polizisten sich auf Anweisung der Regierung bei den Touristen zurückhalten und dafür die einheimische Bevölkerung umso stärker zur Kasse bitten.
Ja, das war auch meine Hoffnung. Dies bestätigte sich dieses Jahr allerdings überhaupt nicht. Hauptsache Geld.
Hallo Fomis Gerade zurück von 3 Wochen Zim zwischen Lake Kariba und Chimanimani. Nur kurz: - Roadblocks: immer noch viele, aber wer mit einem 4x4 Hilux unterwegs ist, wie wir waren, hat nie Probleme, wird praktisch immer durchgewunken. 1x Driver Licence gezeigt, sonst nichts, allerdings auf dieser Strecke wohl mehr als 20 Roadblocks passiert 😉 - Zahlen mit Kreditkarten: bei allen Puma Tankstellen möglich; für Visum am Flughafen bei Einreise; bei OK, TM/Pick'n pay, Spar. Zum Teil in Kleiderläden. Bei Barzahlung ist das Rückgeld meistens in Bond notes, aber manchmal auch US$.
Mehr dann später mal in einem thread. Herzlich, Manaslu
Zimbabwe haut jetzt je nach Quelle noch mal 200 oder 300 Mio. USD an neuen Bondnoten raus. Der Lebensmittel-Einzelhandel in Zimbabwe sagt, das es demnächst zu Versorgungseinschränkungen kommen wird. Alle alternativen Wege um an Devisen zu kommen sind für die mittlerweile ausgeschöpft. Die hatten die letzten Monate auf dem Schwarzmarkt harte Währung gekauft, aber da sind die Aufschläge mittlerweile zu hoch.
“Empty shelves are not far; very soon they will become the thing given that local manufacturers are also failing to secure forex allocations to import raw materials crucial in the manufacturing process,” Confederation of Zimbabwe Retailers (CZR) president, Denford Mutashu, said. “Furthermore, as retailers, we have lines that need to be imported but have not been getting allocations from the banks to procure them. In this situation, most of us have been forced to buy forex on the black market in order to import these products but there is a problem with that.”
Die Regierung strampelt sich ab, um mit weiteren Krediten (600 Mio. USD von der Afreximbank) wenigstens die Versorgung mit Sprit und Strom zu sichern. Auch die Platin- und Chrom-Minen werden mittlerweile gezwungen, ihre Exporteinnahmen zu 80% über die Zentralbank abzuwickeln, damit die Zentralbank an deren Deviseneinnahmen kommt. Kehrseite: Diese Minen könnten in einiger Zeit dann auch Produktionsprobleme bekommen, weil sie Lieferanten (Ersatzteile, Sprengstoff, ...) auch nicht mehr fristgerecht bezahlen können.
Es gibt auch positive Nachrichten: Die Ernten fallen dank mehr Regen erheblich besser aus. Das prozentual große Handelsdefizit Zimbabwes ist leicht gesunken (6%). Das im letzten Jahr aufgestellte Importverbot für bestimmte Produkte (z.B. diverse Lebensmittel in Dosen) hat wohl durchaus einige Firmen in Zimbabwe wiederbelebt und war insofern erfolgreich. Die Kehrseite: Diese Firmen erzielen Einnahmen im Inland, importieren aber Rohstoffe/Vorprodukte aus dem Ausland und heizen so auch die Nachfrage nach harter Währung an. Die Börse in Zimbabwe boomt extrem und hat sich in 3 Monaten fast verdoppelt. Ursache sind aber wohl nicht rosige Wirtschaftsaussichten, sondern das einheimische Privatleute und Firmen wertlose Bondnotes und und nicht abziehbare nominale Beträge auf Bankkonten in etwas umwandeln wollen, was den nächsten Finanzkollaps eher übersteht: Firmenanteile.
Auch die Verschuldung der Regierung galoppiert schon wieder davon (primär über sogenannte Treasury Bills bei Inlandsbanken). Ich würde tippen, dass sich Zimbabwe noch bis zur Wahl in 2018 durchhangelt. Dann braucht es zumindest ein mittleres Wunder, sonst bricht vermutlich wieder alles zusammen. Zanu-PF-Spitzenkandidat Mugabe (wäre am Ende der nächsten Legislaturperiode 99 Jahre alt) wirkt zunehmend klapprig, aber die Kandidaten mit den aktuell besten Chancen auf seine Nachfolge sind wohl auch alte Recken aus dem Befreiungskampf, was grundlegende Reformen eher unwahrscheinlich macht. Immerhin scheint Gucci-Grace aus dem Rennen zu sein. Die Opposition ist zumindest bislang noch tief zerstritten und deshalb eher chancenlos - kann sich bis zur Wahl ja noch ändern.
Zimparks hat übrigens seit einigen Wochen eine neue Website. Von der seit Jahren immer wieder als unmittelbar bevorstehend angekündigten Einführung eines Online-Buchungssystems mit Online-Kreditkartenzahlung ist leider nichts zu sehen. Zimparks hatte mit der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft im Dezember einen gemeinsamen Trust gebildet, der zukünftig den Gonarezhou Nationalpark verwalten soll. Auch da sollte es schon vor Monaten eine Website und ein Online-Buchungssystem geben. Davon ist auch noch nichts zu sehen. http://zimparks.org/
im Land zahlt wohl jeder, fast immer mit Plastikgeld für das Alltägliche.
Dollar und Bond Notes wurden immer 1:1 verrechnet. Überall, auch an Tankstellen, Grenzen, Polizei, Straße.... Bond Notes wurden immer akzeptiert.
Jeder im Land freut sich aber über US Dollar. Wenn ich mit US Dollar zahlte hab ich auf Anfrage auch immer US Dollar Wechselgeld bekommen, soweit möglich. Unter 1$ gings natürlich nicht, mangels Münzen.
Wir hatten viel zu viele kleine Scheine dabei. Hierbei nicht übertreiben 😉
In Harare werden heute die Warteschlangen vor den Tankstellen länger. Quelle: twitter
Gruß Gina
TOtoumtoum322 Beiträge · seit 201225. Sept. 2017 ·
Die Situation wird sich noch zuspitzen. Der Herald in Zimbabwe berichtet, daß Kreditkarten von vielen Verkäufern nicht mehr akzeptiert werden oder mit 20% Aufschlag. Wer mit Bond notes zahlt, muß 10% mehr zahlen, als wenn er direkt mit US-Dollar zahlt. Kleines Beispiel: 20 kg Paket brauner Zucker 13 US$ oder 14,50$ in Bonds oder 18$ mit Karte. Bin gespannt, wohin das führt. Die Menschen dort tun mir leid.
Südafrikas Stromversorger Eskom hat angekündigt, Ende September die Stromlieferungen nach Zimbabwe einzustellen, wenn Zimbabwe nicht endlich die Schulden bezahlt. Grundsätzlich schuldet Zim Eskom wohl rund 100-120 Mio. USD. Im Mai hatten Eskom und Zim deshalb einen Zahlungsplan abgesprochen, um die Schulden abzubauen. Den hat Zim aber auch wieder nicht eingehalten. Überfällige 44 Mio. aus diesem Plan will Eskom nun endlich sehen. Die Zentralbank von Zim hat erneut versprochen, das nun zu zahlen. Sollte Eskom abschalten, würde das zu Stromausfällen führen, da Zimbabwe aktuell selbst nicht genug Strom erzeugt, um den eigenen Bedarf zu decken.
All diese Dinge würden sich in einer Abwärtsspirale gegenseitig verstärken. Kein Benzin/kein Strom = weniger Touristen/Produktion/Investitionen/Export = weniger USD-Einnahmen. Weniger USD = noch weniger Strom und Benzin »»» Nächste Umdrehung in der Abwärtsspirale. Aber wenn einige Medienberichte und Aussagen der Regierung stimmen, soll Zimbabwe noch diese Woche Zugriff auf 600 Mio. USD von der Afreximbank haben. Damit kann sich Zim in Sachen Benzin und Strom vielleicht noch bis zur Wahl durchhangeln.
Aber letztlich geht nach 2008 anscheinend erneut das Vertrauen in Währung/Bondnotes und Zentralbank verloren. Geld hat heute keinen inhärenten Wert mehr und Geld/Banking funktionieren nur über Vertrauen. Das Vertrauen wieder aufzubauen, dürfte mehr Zeit benötigen, als Zimbabwe noch hat und damit steht der nächste Kollaps in Zim wohl unausweichlich vor der Tür. Wenn es kein mittleres Wunder gibt, ist nur noch die Frage, wie lange sich das noch hinauszögern lässt. Und die große Frage ist, was danach kommt?
Beste Grüße
Guido
GinaChris4’984 Beiträge · seit 201626. Sept. 2017 ·