CRCrocVThemenstarter186 Beiträge · seit 201518. Okt. 2026 ·
Und
kommen so zu der dahinter erbauten Mastaba des Nikauisesi.
Das
Grab von Nikauisesi (Nekau Essi) stammt ebenfalls aus der
Regierungszeit Tetis. Er trug die Titel Aufseher von Oberägypten,
Aufseher aller Arbeiten des Königs und Schatzmeister des Königs von
Unterägypten. Wie die meisten Gräber besteht Nikauisesis Grab aus
zwei Teilen: Der unzugänglichen unterirdischen Grabkammer und den
Grabräumen darüber in der Mastaba, in denen die Kulthandlungen für
die Grabinhaber praktiziert wurden. Nikauisesis Grabkapelle besteht
aus sieben Kammern. Eine der Kammern ist dabei deutlich erkennbar als
Opferraum eingerichtet, wo die Familie Opfergaben für den Grabherrn
darbringen konnte.
Hier wurden wohl sogar wirklich Schlachtungen durchgeführt.
Ein Schacht führt von dieser Kammer hinab ins Grab, damit das Blut
der Schlachtopfer dort hinunter fließen konnte.
Die Mastaba enthält
zahlreiche Inschriften und gemalte Szenen, darunter eine in der
ersten Kammer, die Nikauisesi beim Vogelfang im Papyrusdickicht
zeigt.
Die Wand daneben zeigt eine Vielzahl anderer Aktivitäten.
Darunter Schleppnetzfischerei und Boote, die alle möglichen Waren
wie Enten, Fische, ein Kalb, Obst, Gemüse und Blumen transportieren.
Das Grab ist auch mit vielen anderen Szenen des täglichen Lebens
geschmückt, wie Weide- und Viehzucht, das Holen von Getreide aus
einem Getreidespeicher, das Backen von Brot und Brauen von Bier, das Schlachten
des Viehs.
Brauen von Bier:
Alles wird wie üblich vom Grabherrn überwacht:
Und natürlich sehen wir an den Wänden viele
Opfergabenträger, die dem Grabherrn Gaben an seinen Tisch tragen.
Wir
besuchen dann auch noch
das Grab von Kagemni, Wesir zu Beginn der
Regierungszeit des Pharaos Teti.
Seine Mastaba befindet sich direkt
nördlich der Pyramide von Teti. Kagemni war der Vorgänger von
Mereruka im Amt des Wesirs. Und er war ebenfalls mit einer Tochter
des Pharaos verheiratet. Ihr Name war Nebti-nub-chet. Beidseitig des
Eingangs empfängt uns wieder der Grabherr samt Inschriften mit
seinen Titeln.
Die
Mastaba besteht aus mehreren Kammern, die mit Szenen des täglichen
Lebens dekoriert sind wie Tanz-, Jagd-, Geflügelzucht- und
Opferszenen.
Tänzer:
Fischer. Man beachte die detailliert dargestellten Heuschrecken, Frösche und Libellen auf den Stengeln der Lotuspflanzen. Die Fischfangszene gehört zu "Fahrt des Grabherrn in das Papyrusdickicht".Daneben eine sehr lebensechte Melkszene: Die Kuh, deren Hinterbeine mit dem Kopf zusammengebunden sind, streckt als Zeichen der Auflehnung die Zunge weit heraus. Eine Rinderherde durchquert den Fluss. Diese Reliefs sind außerordentlich fein gearbeitet. Ein Hirte säugt ein Jungtier, indem er ihm Milch aus seinem Mund einflößt.Schmetterlinge und einzelne Fischarten sind zu erkennen.Und es werden auch verschiedene Reiherarten dargestellt.
Die erfolgreiche Jagd auf die Flusspferde (Symbol Gott Seth), welche eine Gefahr für den Grabherrn darstellen könnten, wird ebenfalls nicht vergessen.
Genauso wenig wie die Vogeljagd mit Klappnetzfallen. Links die Falle, rechts die Fänger mit Seil zum zuziehen des Fangnetzes.
Diener mit Opfergaben dürfen auch nicht fehlen:
Das auch systematisch Geflügel gezüchtet und gemästet wird, zeigt diese Fütterungsszene. Auch hier muss wieder an die ägyptische Perspektive gedacht werden. Die Pferche mit dem eingesperrten Geflügel werden von oben gezeigt, das Geflügel selbst von der (besten) seitlichen Ansicht.
Auch geschlachtete, auf dem Rücken liegende Rinder sind in langen Reihen vorhanden.
Und natürlich überwacht auch hier der Grabherr alles.
Eine der Kammern diente wohl
als Opferkammer, hier befindet sich auch die von einem dreifachen
Türrahmen umgebene Scheintür.
Im oberen Teil wird wieder der
Grabherr vor dem Tisch mit Speisen dargestellt, daneben die Texte
„Tausende von Broten, tausende Süßspeisen, tausende Krüge Bier“,
die dem Verstorbenen auf ewig die für das Weiterleben im Jenseits
notwendigen Nahrungsmittel garantieren sollten.
Auch hier tragen auf den Wänden seitlich der Scheintür endlose Reihen von Dienern Gaben heran.
Die Dekoration eines
der Räume des Grabes ist speziell dem Transport der sieben heiligen
Öle gewidmet, die für das Auferstehungsritual unerlässlich sind
und ihrer Präsentation gegenüber Kagemni.
Hieroglyphen oberhalb der Releifs beschrieben den Inhalt der Gefäße.
Dies ist auch der einzige
Bereich des Grabes, wo die Originalfarben noch weitgehend erhalten
sind.
CRCrocVThemenstarter186 Beiträge · seit 201518. Okt. 2026 ·
Wir
wenden uns nun der Pyramide von Pharao Teti, (6.
Dynastie ca. 2318-2300 v. Chr.) zu. Äußerlich schaut
diese genau gekommen wie ein unscheinbarer Erdhügel aus, da sie über
die Jahrhunderte immer wieder als Steinbruch genutzt und dadurch
stark beschädigt, fast schon zerstört wurde. So ist auch von den
üblichen Bauten des Bezirks um die Pyramide wie Totentempel, Aufweg,
Magazine oder Kultpyramide kaum noch etwas zu erkennen. Auch von den
beiden dazugehörenden kleinen Königinnenpyramiden für seine
Gemahlinnen Iput und Chuit sind kaum noch sichtbare Überreste
vorhanden. Dennoch sind im Inneren dieser Pyramide die Zeugnisse
einer gewaltigen Veränderung der religiösen
Vorstellungen erhalten geblieben. Am Eingang zum Abstieg in die
Pyramide steht eine größere Touristengruppe samt Guide. Abdel führt
uns an der wartenden Gruppe vorbei. Natürlich kennt auch dieser
Guide unseren Führer und begrüßt ihn zuvorkommend. Abdel zeigt auf
uns mit einer Geste „nur zwei Gäste“ und so dürfen wir vor der
Gruppe den Abstieg in die Pyramide beginnen.
Steil
geht es im Schacht hinunter. In gebückter Haltung, beide für
Besucher angebrachten Handläufe und auch die quer am Boden
befestigen Querstreben nutzend steigen wir erstmals in die Pyramide
eines ägyptischen Pharaos hinab.
Erfreulicherweise sind wir
praktisch alleine, da uns die größere Gruppe nicht sofort folgt.
Was für ein Gefühl. Unten angekommen, geht es in einem mal höheren,
mal niedrigeren Gang weiter,
bis wir dann endlich allein mit einem
dort postierten Wächter in der zweigeteilten Grabkammer stehen.
Zwei Wände der vorderen Grabkammer sind von oben bis unten mit
Hieroglyphen beschrieben.
Zusammen mit den Hieroglyphentexten in der
Pyramide seines Vorgängers Unas handelt es sich dabei um die
ältesten Pyramidentexte überhaupt, vor denen wir nun
ehrfürchtig und tief beeindruckt stehen. Bei diesen Texten handelte
es sich um mehrere hundert verschiedene Verklärungstexte wie Sprüche
zum Opferritual, Hymnen, dramatischen Texte, Zauber- und
Schutzsprüche.
Warum plötzlich diese Texte in den Pyramidenkammern?
Bis zur 4. Dynastie war man der Ansicht, der Pharao ist schon zu
Lebzeiten ein Gott. Daher brauchte es keine Dekoration oder Texte in
den Pyramidenkammern von Snofru, Cheops etc. In der 5. Dynastie hat
der Pharao diesen Gott-Status verloren. Er ist „nur“ noch der Sohn des
Sonnengottes, der nach seinem Tod zu diesem in den Himmel
zurückkehrt. Er war dort also ebenfalls „Bittsteller“ und darauf
angewiesen, dass er von den Göttern in ihre Mitte aufgenommen und
versorgt wurde. Die Pyramidentexte dienten der Verklärung des
Pharaos und sollten durch ihre in Stein gemeißelte Existenz auf
magische Weise den Pharao dabei unterstützen zum ewigen Herrscher in
der Jenseitswelt zu werden. Und somit seinen „Vater“, den
Sonnengott Re auf dessen Jenseitsreise (Regeneration /Wiedergeburt)
begleiten zu können.
Daher
finden wir ab der 5. Dynastie auch wesentlich prächtiger
ausgestattete Mastaba-Gräber. Denn dieser Wechsel im Status des
Pharaos hatte auch für seine Untergebenen gravierende
Auswirkungen. Sie konnten sich nicht mehr allein darauf verlassen,
das ihre treuen Dienste für den Pharao zu Lebzeiten ausreichten, um
ihnen ewiges Leben und Versorgung auch im Jenseits durch den
göttlichen Pharao gewährt wurde. Die Untertanen mussten/konnten
jetzt selbst um die Gunst der Götter bitten. Damit sie dafür einen
„Ansprechpartner“ unter den Göttern hatten, trat nun der
(Jenseits-)Gott Osiris erstmals auf. Sein
Kult wird im Lauf der Zeit
stetig komplexer und zu
einem zentralen Element der religiösen Vorstellungen werden.
Dabei tauchte hier in den Texten auch schon die Vorstellung
auf, den verstorbenen Pharao mit dem Herrn des Totenreichs Osiris
gleichzusetzen. Eine Vorstellung, die im Neuen Reich in den Gräbern
im Tal der Könige ein ganz zentrales Element werden wird.
Im zweiten
Teil der Grabkammer befindet sich der Steinsarkophag des Pharaos
mit der Namenskartusche und weiteren Texten im Inneren.
Die
spitzwinklig zusammen laufenden Decke der Grabkammer ist mit einen
Sternenhimmel-Relief dekoriert als Zeichen für die Unvergänglichkeit
der Seele des Pharaos in der Jenseitswelt. Als nach einiger Zeit die
ersten aus der größeren Gruppe in der Grabkammer ankommen, machen
wir uns auf den Rückweg zu Abdel, der wie alle Führer vor der
Pyramide auf uns wartet.
CRCrocVThemenstarter186 Beiträge · seit 201518. Okt. 2026 ·
Vom Pyramidenkomplex von Pharao Teti geht unser Blick vorbei an der Stufenpyramide von Pharao Djoser Richtung Süden zu unserem nächsten Ziel: Dem Pyramidenfeld von Dashur.
Wir
verlassen nun also den Pyramidenbezirk Sakkara. Vorbei an den Resten des
Taltempels von Pharao Unas (5. Dynastie, 2380 – 2350 v. Chr.)
fahren wir eine halbe Stunde am Rand der Oase Fayyum entlang die 15
Kilometer bis zum Pyramidenbezirk von Dahshur. Bis Mitte der 1990er Jahre war der Bereich militärisches Sperrgebiet. Zunächst steuern wir den Parkplatz der Knickpyramide von Pharao Snofru an. Erst seit dem Sommer 2019 können die beiden Pyramiden von Snofru hier wieder von Innen besichtigt werden. Das hat sich anscheinend noch nicht so sehr herumgesprochen, denn es stehen nur zwei weitere Fahrzeuge auf dem Parkplatz. Ansonsten absolute Leere ringsum.
Abdel erklärt uns, wohin wir laufen müssen und so machen wir
uns auf den Weg zum Eingang der vor uns aufragenden Pyramide, einer
von drei (!) großen Pyramiden, die Pharao Snofru während seiner
Regierungszeit bauen ließ. Sein Sohn Pharao Cheops hat zwar die
größte Pyramide bauen lassen, aber der Vater Snofru hat bei Bau
seiner drei großen und zwei kleineren Pyramiden mehr als 3,6
Millionen Kubikmeter Stein verbauen lassen. 1 Million Kubikmeter mehr
als sein Sohn Cheops. Genau genommen beginnt also mit Snofru die
Glanzzeit des Pyramidenbaus im Alten Reich.
Zunächst hat er in
Meidum auch eine Stufenpyramide bauen lassen, diese aber nach der
Verlegung seiner Residenz zwischen dem 12. und 15. Regierungsjahr
aufgegeben.
Als dann in seinem 29. Regierungsjahr die „Knickpyramide“
wegen massiven Bauschäden ebenfalls aufgegeben werden musste, ließ
Pharao Snofru neben dem nochmals neu begonnenen Bau der „Roten
Pyramide“ zeitgleich auch die Stufenpyramide in Meidum verkleiden,
um ihr das Aussehen einer echten Pyramide zu geben. Sie trägt daher
den Namen „Scheinpyramide“. Sie stand somit für den Fall
des plötzlichen Ablebens während der Bauzeit der „Roten Pyramide“
als standesgemäße Grabstätte bereit. Letztlich lebte Snofru aber
lange genug, um die Fertigstellung seiner dritten Pyramide zu erleben
und so wurde die „Rote Pyramide“ seine Grabstätte. Wir werden
die „Scheinpyramide“ von Meidum morgen bei unserer Fahrt nach Beni Hassan
von Weitem sehen.
Mit
der „Knickpyramide“ vollzog sich ein einzigartiger
baulicher Schritt hin zur reinen Form der Pyramide. Keine andere
Kultur, die Stufenpyramiden erbaute, hat diesen Schritt vollzogen. Er
stellte natürlich auch ein großes Wagnis dar und schon wenige Jahre
nach dem Baubeginn zeigten sich große Risse an der Pyramide. Der
Neigungswinkel war mit 60 Grad wohl zu steil gewählt worden und auch
der mergelige Schieferboden war als Untergrund nicht hart genug, um
das gewaltige Gewicht der Pyramide zu tragen. Mit einem geringeren
Neigungswinkel von 43 Grad im oberen Bereich wurde die Pyramide
weitergebaut, was ihr das heutige markante Aussehen den Namen
Knickpyramide einbrachte. Letztlich wurde aber nach 15 Jahren Bauzeit
klar, das diese Pyramide aufgrund der Schäden nicht als Grabstätte
für Snofru geeignet war. So wurde also der Bau einer dritten großen
Pyramide (Rote Pyramide) begonnen. Die Knick- wie auch die
Scheinpyramide wurden aber äußerlich dennoch fertiggestellt und
durch Aufstellung von Stelen ebenfalls zu Orten der Anbetung des
göttlichen Pharaos Snofru.
Als wir uns der Knickpyramide
nähern, sehen wir das hier große Teile der gewaltigen äußeren
Verkleidung der Pyramide noch vorhanden sind.
Und wir nehmen auch die
zusätzliche Ummantelung der unteren Hälfte der Pyramide mit
massiven Steinblöcken in einem Neigungswinkel von 54 Grad wahr. Ein
erster Rettungsversuch der Baumeister zur Stabilisierung des
Bauwerkes, der aber nicht ausreichte.
Auch
das Innere dieser Pyramide ist besonders. Die Knickpyramide verfügt
über ein sehr komplexes System von zwei unabhängig voneinander
angelegten Gang- und Kammersystemen. Einmal mit einem Eingang an der
Nordseite und zum anderen mit einem Eingang an der Westseite. Sollte
das nördliche System Grabräuber täuschen und das westliche Systeme
so verbergen und schützen? Der heutige Einstieg in der Pyramide
erfolgt über den Nordeingang. Im Eingangsschacht beginnt ein sehr
langer und steiler 18 Meter langer Abstieg.
Blick zurück zum Eingang über uns. Man kann die Steilheit des Abstiegs so erahnen:
Fast unten angekommen befindet sich vor uns ein
amerikanisches Paar, bei dem die Frau aufgrund eines steifen Beins
große Probleme beim Abstieg hat. Mehrmals müssen wir Warten, da sie
eine Pause braucht. Letztlich bitten wir sie, uns vorbei zu lassen.
So kommen wir unten an, wo es aber nach wenigen Metern bereits wieder
einen Schacht auf einer Treppe aufwärts geht bis zu einer Kammer mit hohem Gewölbe.
Einen hohen hölzernen Turm mit Treppe steigen wir hier
mehrere Etagen hoch.
Oben angekommen stehen wir in der nördlichen
Kammer mit hohem Gewölbe.
Von hier haben Grabräuber einen
Quergang zum westlichen Gang- und Kammersystem gegraben.
Sie müssen
Insiderwissen besessen haben, denn sie erreichten zielsicher das
westliche System und umgingen damit mehrere Schachtfallen und mit
Fallsteinen blockierte Abschnitte des gut gesicherten westlichen
Gangsystems. Tief gebückt, teils auf allen Vieren kriechen auch wir
nun durch den niedrigen, engen, sich steil aufwärts schlängelnder
Grabräubergang nach oben.
Man erkennt die Steilheit nicht auf dem Bild. Auf allen Vieren krabbeln wir hoch, teils rutschen die Füße auf dem steilen, glatten Boden ab.Meine Frau ist schon ein Stück weiter, jetzt krabble ich hoch.
Sehr sehr abenteuerlicher, richtig toller
Abschnitt. Jetzt endlich oben im westlichen System angekommen, folgen
wir einem ebenen Gang und gelangen in einen weiteren senkrechten
Schacht, den wir über ein Holztreppe hochsteigen. Oben angekommen,
betreten wir eine Kammer und blicken in einen breiten Schacht einige
Meter unter uns:
Hier sollte die Grabkammer entstehen, aber soweit
kam es aufgrund des erzwungenen Bauabbruchs nicht mehr. Die Kammer
ist mit Zedernholzbalken aus dem heutigen Libanon erbaut worden.
Dieses harte und beständige Holz hat hier die Jahrtausende
unbeschadet überdauert.
In
alten Ägypten war Holz Mangelware und es wurden schon im Alten Reich
regelmäßig ganze Schiffsladungen importiert. Ohne dieses Holz wäre
der Pyramidenbau nicht möglich gewesen. Es diente nicht nur als
Baumaterial für die Pyramiden selbst, sondern war auch notwendig für
den Bau von Schiffen für den Transport der Steinblöcke. Die starken
Stämme dienten auch aus Holzpfosten, um Seile darum zu wickeln und
mittels dieser Seilzüge eine größere Zugkraft beim Transport der
Steinblöcke auf Holzschlitten zu erhalten. Eine entsprechende Rampe
mit Bodenlöchern für Rundhölzer in regelmäßigen Abständen zu
beiden Seiten wurden in einem Steinbruch am Roten Meer entdeckt. Ein
Teil der Arbeiter zog den Granitblock nicht direkt nach oben, sondern
legte Seile links und rechts um nächsthöheren Holzpfeiler und zog
dann abwärts = deutlich höhere Krafteinwirkung durch diese
Seilzüge. Sarkophage und Statuen wurden ebenfalls aus dem Holz
geschaffen. Außerdem ist das Öl der Zedernbäume eines der sieben
heiligen Öle, das man zur Einbalsamierung benötigt. Heute haben
Fledermäuse hier Quartier bezogen.
Wir sehen etliche an den Wänden
des Schachts hängen. Der Rückweg verläuft ohne Probleme.
Am
Eingang genießen wir noch einen Moment den Blick in die Landschaft
mit mehreren weiteren Pyramide im Blickfeld. Nicht ohne den beiden Wächtern jeweils den obligatorischen 1 USD Trinkgeld zu geben.🤗 Nördlich liegen die Rote Pyramide und im Hintergrund die Stufenpyramide von Sakkara.
Seitlich der Knickpyramide erheben sich die Reste der Pyramide von Pharao Amenemhet III., 12. Dynastie, Mittleres Reich, 1842 – 1795 v. Chr. , genannt die schwarze Pyramide, die ursprünglich mit 80 Metern Höhe wohl die sechsthöchste Pyramide Ägyptens war.
Der
Kern der Pyramide besteht aus Lehmziegeln. Die Außenverkleidung
bestand aus Tura-Kalkstein und ist heute verloren. Hier wurde das
schwarze Pyramidion gefunden, das wir gestern in Kairo im Museum
bewundert hatten.
Einen Eindruck von der Besichtigung der Pyramide liefert dieses Video:
Zurück
bei Abdel besteigen wir unseren Bus und fahren weiter zur Roten
Pyramide, die zwei Kilometer
entfernt aufragt. Aufgrund der gewaltigen Höhe von 105 Metern, sie
ist damit die dritthöchste
Pyramide Ägyptens,
täuscht man sich leicht in den Entfernungen. Vor der Knickpyramide
stehend mit Blick auf die Rote Pyramide hat man das Gefühl, diese
wäre viel näher.
Mittlerweile haben wir
schon „Routine“. Abdel
erklärt uns am Parkplatz, wo der Eingang ist und dann laufen wir
beide los. Immer gewaltiger ragt die Pyramide vor uns empor, je näher
wir ihr kommen.
Der Einstieg befindet sich weiter
oben, so das wir an der Pyramidenseite ein gutes Stück hochsteigen
müssen.
Die Wärter am Eingang teilen uns mit, das momentan
nur 2 Personen in der Pyramide sind. Wir beginnen den Abstieg
und
schon nach wenigen Metern kommen uns die beiden entgegen und steigen
weiter hoch zu Ausgang. Wir haben nun also diese ganze, gewaltige
Pyramide für uns alleine!🤩
Der Abstieg kommt uns nicht ganz so steil
und lang vor.
Unten angekommen geht es ebenerdig einen niedrigen Gang
entlang
und dann stehen wir schon in der ersten Vorkammer mit einem
sehr hohen, eindrucksvollen Kraggewölbe.
Ein niedriger Durchlass
bringt uns in eine zweite baugleiche Vorkammer.
Hier wurde ein
hölzerner Treppenaufgang eingebaut, den wir hochsteigen
und dann sind wir in der zerstörten Grabkammer angekommen.
Über uns auch hier ein sehr hohes
Kraggewölbe.
Die Kraggewölbe hier in der Roten Pyramide sind mit 15
Metern Höhe sogar deutlich größer als die bekannte große Galerie
der Cheops-Pyramide. In
der Grabkammer herrscht ein beißender, modriger Geruch. Eine von
Barbara mitgebrachte Corona-Schutzmaske bringt zwar etwas Linderung,
aber wir steigen doch
schnell wieder hinab in die
Vorkammern, zumal es in der
Grabkammer auch nur einen Grabschacht mit Steinbrocken darin zu sehen
gibt. Da bewundern wir lieber
noch etwas die hohen
Kraggewölbe in den Vorkammern, wo die Luft deutlich besser ist,
bevor wir uns auf den Rückweg machen. Und auch auf dem ganzen Rückweg kommen uns keine weiteren Besucher entgegen. Unglaublich, was für ein Gefühl. Ganz allein in den Gängen dieser Pyramide auf Entdeckertour zu sein. 🥰
Am Eingang zurück bewundern wir auch hier den Blick Richtung Norden, wo etliche Pyramiden bzw. der Überreste zu erkennen sind.
In diesem Video bekommt man einen schönen Eindruck, wie es im Inneren der Roten
Pyramide aussieht.
Dann
geht es zurück zu Abdel und wir fahren nun ein Stück weiter zu
einem Restaurant in der Oase Fayyum,
wo Abdel für uns ein typisch ägyptisches Essen bestellt hat.
Das
Anwesen des Restaurants gefällt
uns auf Anhieb. Wir sitzen
überdacht halb offen zu Garten, was sehr angenehm ist.
Abdel und unser Fahrer „fremdeln“
noch etwas und setzen sich
an einen separaten Tisch zum Essen. Wir waren ja noch in der „Kennenlern-Phase“. 🙂Es sollte das
einzige Mal auf dieser „außergewöhnlichen Reise“ (O-Ton Abdel
täglich) sein, das wir nicht zusammen an
einem Tisch sitzend gegessen
haben.
Da
es mittlerweile schon 14 Uhr durch ist
und das Essen mit
Vorspeisen,
Hauptgericht mit einer Vielzahl Beilagen und Nachspeisen typisch
ägyptisch sehr lecker und sehr, sehr umfangreich war, wurde es
gleichzeitig auch unser Abendessen. 🤗 Denn
wir mussten einfach zuschlagen. Von den Frauen des Hauses frisch im
Holzofen im Hof gebackenes
Fladenbrot – so lecker und frisch bekamen wir es nie mehr auf der
Reise - , Sesamsoße, Kohlwickel mit Reis gefüllt, scharf gefüllte
Auberginen und absolut leckere Falafel. Tja und das waren nur die
Vorspeisen, wie
wir bemerken sollten, als nach dem Abräumen ein kleiner
Holzkohlegrill mit Hühnchen und Rind vor mir und ein großer
Gemüsetopf vor Barbara aufgebaut wurden. Dazu natürlich jeweils
noch Schüsseln mit Reis, Okra und Würzsoße. Zum Nachtisch bekamen
wir frische Datteln serviert, die wir aber laut Wirt besser schälen
sollten. Der Rat war gut gemeint, aber da wir randvoll waren, blieb
es sowieso jeweils
bei einer „Anstandsdattel“ bei Barbara und mir.
Danach
machten wir uns um 15 Uhr auf den Weg zurück. Wir hatten bereits am
Morgen einen von Abdel angebotenen Besuch einer „Papyrusfabrik“
dankend abgelehnt, so das wir um 15:20 Uhr am Hotel ankamen. Gerade
rechtzeitig, um die Ankunft
einer Person, gekleidet wie wir uns einen Scheich aus den Emiraten
vorstellen samt Gefolge beobachten
zu können. Begrüßt und
begleitet wird diese Delegation vom Hotelmanager bis
zu einem der Aufzüge. Dann wendet dieser sich uns zu, als wir
ebenfalls zu den Aufzügen laufen. Er ruft uns den zweiten Aufzug und
begleitet uns bei der Fahrt hoch in unseren 8. Stock. Während der
Fahrt fragt er uns, ob auch alles in Ordnung sei. Naja, noch denken wir uns nichts dabei. Den Rest des Tages
bzw. Abends verbringen wir mit Ausruhen. Ich schreibe schon mal
einiges an Notizen auf. Bei der Fülle an Eindrücken jeden Tag
absolut sinnvoll und notwendig.
Im
Lauf des Tages hat Barbara einmal kurz gegenüber Abdel erwähnt, das
sie recht schlecht schlafen würden wegen der ungewohnten einteiligen
Matratze. Sofort hat er angeboten, wir könnten das Zimmer wechseln,
was wir aber für diese eine letzte Nacht in Kairo dankend abgelehnt
haben. Aber ab dem nächsten Tag hatten wir in allen Hotels auf der
Reise jeweils ein Doppelzimmer mit zwei Einzelbetten. 😇
Fazit: Der Umbau des Programmes hat sich sowas von gelohnt. Die Eindrücke in den Mastabas waren schon toll, aber die Besichtigung der beiden Pyramiden von Snofru haben einen unglaublich tiefen Eindruck bei uns hinterlassen. Gerade auch, weil wir meist völlig allein in den Gängen unterwegs waren. Keine anderen Besucher, keine Wärter. Da kamen richtig Entdeckergefühle auf. Unfassbar schön, eine große Pyramide wie die Rote Pyramide für uns allein. Das hätten wir uns niemals träumen lassen. 🤩