Reisebericht Ägypten 2024 - Entlang des Nils von Kairo bis zu den Toren Afrikas

Reisebericht 22 Antworten · 298 Aufrufe · gestartet 11. Okt. 2026 von CrocV
Themenstarter186 Beiträge · seit 201518. Okt. 2026 ·

Und kommen so zu der dahinter erbauten Mastaba des Nikauisesi.

Das Grab von Nikauisesi (Nekau Essi) stammt ebenfalls aus der Regierungszeit Tetis. Er trug die Titel Aufseher von Oberägypten, Aufseher aller Arbeiten des Königs und Schatzmeister des Königs von Unterägypten. Wie die meisten Gräber besteht Nikauisesis Grab aus zwei Teilen: Der unzugänglichen unterirdischen Grabkammer und den Grabräumen darüber in der Mastaba, in denen die Kulthandlungen für die Grabinhaber praktiziert wurden. Nikauisesis Grabkapelle besteht aus sieben Kammern. Eine der Kammern ist dabei deutlich erkennbar als Opferraum eingerichtet, wo die Familie Opfergaben für den Grabherrn darbringen konnte. 

Hier wurden wohl sogar wirklich Schlachtungen durchgeführt. Ein Schacht führt von dieser Kammer hinab ins Grab, damit das Blut der Schlachtopfer dort hinunter fließen konnte. 

Die Mastaba enthält zahlreiche Inschriften und gemalte Szenen, darunter eine in der ersten Kammer, die Nikauisesi beim Vogelfang im Papyrusdickicht zeigt. 


Die Wand daneben zeigt eine Vielzahl anderer Aktivitäten. Darunter Schleppnetzfischerei und Boote, die alle möglichen Waren wie Enten, Fische, ein Kalb, Obst, Gemüse und Blumen transportieren. 


Das Grab ist auch mit vielen anderen Szenen des täglichen Lebens geschmückt, wie Weide- und Viehzucht, das Holen von Getreide aus einem Getreidespeicher, das Backen von Brot und Brauen von Bier, das Schlachten des Viehs. 


Brauen von Bier:



Alles wird wie üblich vom Grabherrn überwacht:


Und natürlich sehen wir an den Wänden viele Opfergabenträger, die dem Grabherrn Gaben an seinen Tisch tragen.


Wir besuchen dann auch noch das Grab von Kagemni, Wesir zu Beginn der Regierungszeit des Pharaos Teti. 


Seine Mastaba befindet sich direkt nördlich der Pyramide von Teti. Kagemni war der Vorgänger von Mereruka im Amt des Wesirs. Und er war ebenfalls mit einer Tochter des Pharaos verheiratet. Ihr Name war Nebti-nub-chet. Beidseitig des Eingangs empfängt uns wieder der Grabherr samt Inschriften mit seinen Titeln.

Die Mastaba besteht aus mehreren Kammern, die mit Szenen des täglichen Lebens dekoriert sind wie Tanz-, Jagd-, Geflügelzucht- und Opferszenen. 

Tänzer:

Fischer. Man beachte die detailliert dargestellten Heuschrecken, Frösche und Libellen auf den Stengeln der Lotuspflanzen. 

Die Fischfangszene gehört zu "Fahrt des Grabherrn in das Papyrusdickicht".

Daneben eine sehr lebensechte Melkszene: Die Kuh, deren Hinterbeine mit dem Kopf zusammengebunden sind, streckt als Zeichen der Auflehnung die Zunge weit heraus. 

Eine Rinderherde durchquert den Fluss. 

Diese Reliefs sind außerordentlich fein gearbeitet. Ein Hirte säugt ein Jungtier, indem er ihm Milch aus seinem Mund einflößt.

Schmetterlinge und einzelne Fischarten sind zu erkennen.

Und es werden auch verschiedene Reiherarten dargestellt.

Die erfolgreiche Jagd auf die Flusspferde (Symbol Gott Seth), welche eine Gefahr für den Grabherrn darstellen könnten, wird ebenfalls nicht vergessen.


Genauso wenig wie die Vogeljagd mit Klappnetzfallen. Links die Falle, rechts die Fänger mit Seil zum zuziehen des Fangnetzes.

Diener mit Opfergaben dürfen auch nicht fehlen:


Das auch systematisch Geflügel gezüchtet und gemästet wird, zeigt diese Fütterungsszene. Auch hier muss wieder an die ägyptische Perspektive gedacht werden. Die Pferche mit dem eingesperrten Geflügel werden von oben gezeigt, das Geflügel selbst von der (besten) seitlichen Ansicht.



Auch geschlachtete, auf dem Rücken liegende Rinder sind in langen Reihen vorhanden.

Und natürlich überwacht auch hier der Grabherr alles.


Eine der Kammern diente wohl als Opferkammer, hier befindet sich auch die von einem dreifachen Türrahmen umgebene Scheintür. 

Im oberen Teil wird wieder der Grabherr vor dem Tisch mit Speisen dargestellt, daneben die Texte „Tausende von Broten, tausende Süßspeisen, tausende Krüge Bier“, die dem Verstorbenen auf ewig die für das Weiterleben im Jenseits notwendigen Nahrungsmittel garantieren sollten. 

Auch hier tragen auf den Wänden seitlich der Scheintür endlose Reihen von Dienern Gaben heran.


Die Dekoration eines der Räume des Grabes ist speziell dem Transport der sieben heiligen Öle gewidmet, die für das Auferstehungsritual unerlässlich sind und ihrer Präsentation gegenüber Kagemni. 

Hieroglyphen oberhalb der Releifs beschrieben den Inhalt der Gefäße.


Dies ist auch der einzige Bereich des Grabes, wo die Originalfarben noch weitgehend erhalten sind.

Äthiopien 2019: www.namibia-forum.ch/forum/168-diverses/298975-reisebericht-drei-wochen-aethiopien-mit-dem-rotel.html Indien Tigersafari 2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/139-off-topic/296690-reisebericht-tigersafari-indien-mai-2018.html Uganda 2015: https://www.namibia-forum.ch/forum/160-diverses/287855-uganda-ruanda-nicht-nur-primaten.html?limitstart=0
Themenstarter186 Beiträge · seit 201518. Okt. 2026 ·

Wir wenden uns nun der Pyramide von Pharao Teti, (6. Dynastie ca. 2318-2300 v. Chr.) zu. Äußerlich schaut diese genau gekommen wie ein unscheinbarer Erdhügel aus, da sie über die Jahrhunderte immer wieder als Steinbruch genutzt und dadurch stark beschädigt, fast schon zerstört wurde. So ist auch von den üblichen Bauten des Bezirks um die Pyramide wie Totentempel, Aufweg, Magazine oder Kultpyramide kaum noch etwas zu erkennen. Auch von den beiden dazugehörenden kleinen Königinnenpyramiden für seine Gemahlinnen Iput und Chuit sind kaum noch sichtbare Überreste vorhanden. Dennoch sind im Inneren dieser Pyramide die Zeugnisse einer gewaltigen Veränderung der religiösen Vorstellungen erhalten geblieben. Am Eingang zum Abstieg in die Pyramide steht eine größere Touristengruppe samt Guide. Abdel führt uns an der wartenden Gruppe vorbei. Natürlich kennt auch dieser Guide unseren Führer und begrüßt ihn zuvorkommend. Abdel zeigt auf uns mit einer Geste „nur zwei Gäste“ und so dürfen wir vor der Gruppe den Abstieg in die Pyramide beginnen.

Steil geht es im Schacht hinunter. In gebückter Haltung, beide für Besucher angebrachten Handläufe und auch die quer am Boden befestigen Querstreben nutzend steigen wir erstmals in die Pyramide eines ägyptischen Pharaos hinab. 


Erfreulicherweise sind wir praktisch alleine, da uns die größere Gruppe nicht sofort folgt. Was für ein Gefühl. Unten angekommen, geht es in einem mal höheren, mal niedrigeren Gang weiter, 

bis wir dann endlich allein mit einem dort postierten Wächter in der zweigeteilten Grabkammer stehen. Zwei Wände der vorderen Grabkammer sind von oben bis unten mit Hieroglyphen beschrieben. 


Zusammen mit den Hieroglyphentexten in der Pyramide seines Vorgängers Unas handelt es sich dabei um die ältesten Pyramidentexte überhaupt, vor denen wir nun ehrfürchtig und tief beeindruckt stehen. Bei diesen Texten handelte es sich um mehrere hundert verschiedene Verklärungstexte wie Sprüche zum Opferritual, Hymnen, dramatischen Texte, Zauber- und Schutzsprüche. 

Warum plötzlich diese Texte in den Pyramidenkammern? 

Bis zur 4. Dynastie war man der Ansicht, der Pharao ist schon zu Lebzeiten ein Gott. Daher brauchte es keine Dekoration oder Texte in den Pyramidenkammern von Snofru, Cheops etc. In der 5. Dynastie hat der Pharao diesen Gott-Status verloren. Er ist „nur“ noch der Sohn des Sonnengottes, der nach seinem Tod zu diesem in den Himmel zurückkehrt. Er war dort also ebenfalls „Bittsteller“ und darauf angewiesen, dass er von den Göttern in ihre Mitte aufgenommen und versorgt wurde. Die Pyramidentexte dienten der Verklärung des Pharaos und sollten durch ihre in Stein gemeißelte Existenz auf magische Weise den Pharao dabei unterstützen zum ewigen Herrscher in der Jenseitswelt zu werden. Und somit seinen „Vater“, den Sonnengott Re auf dessen Jenseitsreise (Regeneration /Wiedergeburt) begleiten zu können.

Daher finden wir ab der 5. Dynastie auch wesentlich prächtiger ausgestattete Mastaba-Gräber. Denn dieser Wechsel im Status des Pharaos hatte auch für seine Untergebenen gravierende Auswirkungen. Sie konnten sich nicht mehr allein darauf verlassen, das ihre treuen Dienste für den Pharao zu Lebzeiten ausreichten, um ihnen ewiges Leben und Versorgung auch im Jenseits durch den göttlichen Pharao gewährt wurde. Die Untertanen mussten/konnten jetzt selbst um die Gunst der Götter bitten. Damit sie dafür einen „Ansprechpartner“ unter den Göttern hatten, trat nun der (Jenseits-)Gott Osiris erstmals auf. Sein Kult wird im Lauf der Zeit stetig komplexer und zu einem zentralen Element der religiösen Vorstellungen werden. Dabei tauchte hier in den Texten auch schon die Vorstellung auf, den verstorbenen Pharao mit dem Herrn des Totenreichs Osiris gleichzusetzen. Eine Vorstellung, die im Neuen Reich in den Gräbern im Tal der Könige ein ganz zentrales Element werden wird. 


Im zweiten Teil der Grabkammer befindet sich der Steinsarkophag des Pharaos mit der Namenskartusche und weiteren Texten im Inneren.


Die spitzwinklig zusammen laufenden Decke der Grabkammer ist mit einen Sternenhimmel-Relief dekoriert als Zeichen für die Unvergänglichkeit der Seele des Pharaos in der Jenseitswelt. Als nach einiger Zeit die ersten aus der größeren Gruppe in der Grabkammer ankommen, machen wir uns auf den Rückweg zu Abdel, der wie alle Führer vor der Pyramide auf uns wartet.

Äthiopien 2019: www.namibia-forum.ch/forum/168-diverses/298975-reisebericht-drei-wochen-aethiopien-mit-dem-rotel.html Indien Tigersafari 2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/139-off-topic/296690-reisebericht-tigersafari-indien-mai-2018.html Uganda 2015: https://www.namibia-forum.ch/forum/160-diverses/287855-uganda-ruanda-nicht-nur-primaten.html?limitstart=0
Themenstarter186 Beiträge · seit 201518. Okt. 2026 ·


Vom Pyramidenkomplex von Pharao Teti geht unser Blick vorbei an der Stufenpyramide von Pharao Djoser Richtung Süden zu unserem nächsten Ziel: Dem Pyramidenfeld von Dashur. 

Wir verlassen nun also den Pyramidenbezirk Sakkara. Vorbei an den Resten des Taltempels von Pharao Unas (5. Dynastie, 2380 – 2350 v. Chr.) 

fahren wir eine halbe Stunde am Rand der Oase Fayyum entlang die 15 Kilometer bis zum Pyramidenbezirk von Dahshur. Bis Mitte der 1990er Jahre war der Bereich militärisches Sperrgebiet. Zunächst steuern wir den Parkplatz der Knickpyramide von Pharao Snofru an. Erst seit dem Sommer 2019 können die beiden  Pyramiden von Snofru hier wieder von Innen besichtigt werden. Das hat sich anscheinend noch nicht so sehr herumgesprochen, denn es stehen nur zwei weitere Fahrzeuge auf dem Parkplatz. Ansonsten absolute Leere ringsum.

Abdel erklärt uns, wohin wir laufen müssen und so machen wir uns auf den Weg zum Eingang der vor uns aufragenden Pyramide, einer von drei (!) großen Pyramiden, die Pharao Snofru während seiner Regierungszeit bauen ließ. Sein Sohn Pharao Cheops hat zwar die größte Pyramide bauen lassen, aber der Vater Snofru hat bei Bau seiner drei großen und zwei kleineren Pyramiden mehr als 3,6 Millionen Kubikmeter Stein verbauen lassen. 1 Million Kubikmeter mehr als sein Sohn Cheops. Genau genommen beginnt also mit Snofru die Glanzzeit des Pyramidenbaus im Alten Reich. 

Zunächst hat er in Meidum auch eine Stufenpyramide bauen lassen, diese aber nach der Verlegung seiner Residenz zwischen dem 12. und 15. Regierungsjahr aufgegeben. 

Als dann in seinem 29. Regierungsjahr die „Knickpyramide“ wegen massiven Bauschäden ebenfalls aufgegeben werden musste, ließ Pharao Snofru neben dem nochmals neu begonnenen Bau der „Roten Pyramide“ zeitgleich auch die Stufenpyramide in Meidum verkleiden, um ihr das Aussehen einer echten Pyramide zu geben. Sie trägt daher den Namen „Scheinpyramide“. Sie stand somit für den Fall des plötzlichen Ablebens während der Bauzeit der „Roten Pyramide“ als standesgemäße Grabstätte bereit. Letztlich lebte Snofru aber lange genug, um die Fertigstellung seiner dritten Pyramide zu erleben und so wurde die „Rote Pyramide“ seine Grabstätte. Wir werden die „Scheinpyramide“ von Meidum morgen bei unserer Fahrt nach Beni Hassan von Weitem sehen.

Mit der „Knickpyramide“ vollzog sich ein einzigartiger baulicher Schritt hin zur reinen Form der Pyramide. Keine andere Kultur, die Stufenpyramiden erbaute, hat diesen Schritt vollzogen. Er stellte natürlich auch ein großes Wagnis dar und schon wenige Jahre nach dem Baubeginn zeigten sich große Risse an der Pyramide. Der Neigungswinkel war mit 60 Grad wohl zu steil gewählt worden und auch der mergelige Schieferboden war als Untergrund nicht hart genug, um das gewaltige Gewicht der Pyramide zu tragen. Mit einem geringeren Neigungswinkel von 43 Grad im oberen Bereich wurde die Pyramide weitergebaut, was ihr das heutige markante Aussehen den Namen Knickpyramide einbrachte. Letztlich wurde aber nach 15 Jahren Bauzeit klar, das diese Pyramide aufgrund der Schäden nicht als Grabstätte für Snofru geeignet war. So wurde also der Bau einer dritten großen Pyramide (Rote Pyramide) begonnen. Die Knick- wie auch die Scheinpyramide wurden aber äußerlich dennoch fertiggestellt und durch Aufstellung von Stelen ebenfalls zu Orten der Anbetung des göttlichen Pharaos Snofru. 

Als wir uns der Knickpyramide nähern, sehen wir das hier große Teile der gewaltigen äußeren Verkleidung der Pyramide noch vorhanden sind. 

Und wir nehmen auch die zusätzliche Ummantelung der unteren Hälfte der Pyramide mit massiven Steinblöcken in einem Neigungswinkel von 54 Grad wahr. Ein erster Rettungsversuch der Baumeister zur Stabilisierung des Bauwerkes, der aber nicht ausreichte. 

Auch das Innere dieser Pyramide ist besonders. Die Knickpyramide verfügt über ein sehr komplexes System von zwei unabhängig voneinander angelegten Gang- und Kammersystemen. Einmal mit einem Eingang an der Nordseite und zum anderen mit einem Eingang an der Westseite. Sollte das nördliche System Grabräuber täuschen und das westliche Systeme so verbergen und schützen? Der heutige Einstieg in der Pyramide erfolgt über den Nordeingang. Im Eingangsschacht beginnt ein sehr langer und steiler 18 Meter langer Abstieg. 

Blick zurück zum Eingang über uns. Man kann die Steilheit des Abstiegs so erahnen:


Fast unten angekommen befindet sich vor uns ein amerikanisches Paar, bei dem die Frau aufgrund eines steifen Beins große Probleme beim Abstieg hat. Mehrmals müssen wir Warten, da sie eine Pause braucht. Letztlich bitten wir sie, uns vorbei zu lassen. So kommen wir unten an, wo es aber nach wenigen Metern bereits wieder einen Schacht auf einer Treppe aufwärts geht bis zu einer Kammer mit hohem Gewölbe. 

Einen hohen hölzernen Turm mit Treppe steigen wir hier mehrere Etagen hoch. 

Oben angekommen stehen wir in der nördlichen Kammer mit hohem Gewölbe. 

Von hier haben Grabräuber einen Quergang zum westlichen Gang- und Kammersystem gegraben. 

Sie müssen Insiderwissen besessen haben, denn sie erreichten zielsicher das westliche System und umgingen damit mehrere Schachtfallen und mit Fallsteinen blockierte Abschnitte des gut gesicherten westlichen Gangsystems. Tief gebückt, teils auf allen Vieren kriechen auch wir nun durch den niedrigen, engen, sich steil aufwärts schlängelnder Grabräubergang nach oben. 

Man erkennt die Steilheit nicht auf dem Bild. Auf allen Vieren krabbeln wir hoch, teils rutschen die Füße auf dem steilen, glatten Boden ab.

Meine Frau ist schon ein Stück weiter, jetzt krabble ich hoch.

Sehr sehr abenteuerlicher, richtig toller Abschnitt. Jetzt endlich oben im westlichen System angekommen, folgen wir einem ebenen Gang und gelangen in einen weiteren senkrechten Schacht, den wir über ein Holztreppe hochsteigen. Oben angekommen, betreten wir eine Kammer und blicken in einen breiten Schacht einige Meter unter uns: 

Hier sollte die Grabkammer entstehen, aber soweit kam es aufgrund des erzwungenen Bauabbruchs nicht mehr. Die Kammer ist mit Zedernholzbalken aus dem heutigen Libanon erbaut worden. Dieses harte und beständige Holz hat hier die Jahrtausende unbeschadet überdauert.

In alten Ägypten war Holz Mangelware und es wurden schon im Alten Reich regelmäßig ganze Schiffsladungen importiert. Ohne dieses Holz wäre der Pyramidenbau nicht möglich gewesen. Es diente nicht nur als Baumaterial für die Pyramiden selbst, sondern war auch notwendig für den Bau von Schiffen für den Transport der Steinblöcke. Die starken Stämme dienten auch aus Holzpfosten, um Seile darum zu wickeln und mittels dieser Seilzüge eine größere Zugkraft beim Transport der Steinblöcke auf Holzschlitten zu erhalten. Eine entsprechende Rampe mit Bodenlöchern für Rundhölzer in regelmäßigen Abständen zu beiden Seiten wurden in einem Steinbruch am Roten Meer entdeckt. Ein Teil der Arbeiter zog den Granitblock nicht direkt nach oben, sondern legte Seile links und rechts um nächsthöheren Holzpfeiler und zog dann abwärts = deutlich höhere Krafteinwirkung durch diese Seilzüge. Sarkophage und Statuen wurden ebenfalls aus dem Holz geschaffen. Außerdem ist das Öl der Zedernbäume eines der sieben heiligen Öle, das man zur Einbalsamierung benötigt. Heute haben Fledermäuse hier Quartier bezogen. 

Wir sehen etliche an den Wänden des Schachts hängen. Der Rückweg verläuft ohne Probleme. 

Am Eingang genießen wir noch einen Moment den Blick in die Landschaft mit mehreren weiteren Pyramide im Blickfeld. Nicht ohne den beiden Wächtern jeweils den obligatorischen 1 USD Trinkgeld zu geben.🤗 Nördlich liegen die Rote Pyramide und im Hintergrund die Stufenpyramide von Sakkara.


Seitlich der Knickpyramide erheben sich die Reste der Pyramide von Pharao Amenemhet III., 12. Dynastie, Mittleres Reich, 1842 – 1795 v. Chr. , genannt die schwarze Pyramide, die ursprünglich mit 80 Metern Höhe wohl die sechsthöchste Pyramide Ägyptens war. 


Der Kern der Pyramide besteht aus Lehmziegeln. Die Außenverkleidung bestand aus Tura-Kalkstein und ist heute verloren. Hier wurde das schwarze Pyramidion gefunden, das wir gestern in Kairo im Museum bewundert hatten.

Einen Eindruck von der Besichtigung der Pyramide liefert dieses Video:

Im Inneren der Knickpyramide, der einzigartigsten und geheimnisvollsten in ganz Ägypten! ↗


Zurück bei Abdel besteigen wir unseren Bus und fahren weiter zur Roten Pyramide, die zwei Kilometer entfernt aufragt. Aufgrund der gewaltigen Höhe von 105 Metern, sie ist damit die dritthöchste Pyramide Ägyptens, täuscht man sich leicht in den Entfernungen. Vor der Knickpyramide stehend mit Blick auf die Rote Pyramide hat man das Gefühl, diese wäre viel näher. 

Mittlerweile haben wir schon „Routine“. Abdel erklärt uns am Parkplatz, wo der Eingang ist und dann laufen wir beide los. Immer gewaltiger ragt die Pyramide vor uns empor, je näher wir ihr kommen. 

Der Einstieg befindet sich weiter oben, so das wir an der Pyramidenseite ein gutes Stück hochsteigen müssen. 

Die Wärter am Eingang teilen uns mit, das momentan nur 2 Personen in der Pyramide sind. Wir beginnen den Abstieg 

und schon nach wenigen Metern kommen uns die beiden entgegen und steigen weiter hoch zu Ausgang. Wir haben nun also diese ganze, gewaltige Pyramide für uns alleine! 🤩

Der Abstieg kommt uns nicht ganz so steil und lang vor. 

Unten angekommen geht es ebenerdig einen niedrigen Gang entlang 

und dann stehen wir schon in der ersten Vorkammer mit einem sehr hohen, eindrucksvollen Kraggewölbe. 

Ein niedriger Durchlass bringt uns in eine zweite baugleiche Vorkammer. 

Hier wurde ein hölzerner Treppenaufgang eingebaut, den wir hochsteigen 

und dann sind wir in der zerstörten Grabkammer angekommen. 

Über uns auch hier ein sehr hohes Kraggewölbe. 

Die Kraggewölbe hier in der Roten Pyramide sind mit 15 Metern Höhe sogar deutlich größer als die bekannte große Galerie der Cheops-Pyramide. In der Grabkammer herrscht ein beißender, modriger Geruch. Eine von Barbara mitgebrachte Corona-Schutzmaske bringt zwar etwas Linderung, aber wir steigen doch schnell wieder hinab in die Vorkammern, zumal es in der Grabkammer auch nur einen Grabschacht mit Steinbrocken darin zu sehen gibt. Da bewundern wir lieber noch etwas die hohen Kraggewölbe in den Vorkammern, wo die Luft deutlich besser ist, bevor wir uns auf den Rückweg machen. Und auch auf dem ganzen Rückweg kommen uns keine weiteren Besucher entgegen. Unglaublich, was für ein Gefühl. Ganz allein in den Gängen dieser Pyramide auf Entdeckertour zu sein. 🥰

Am Eingang zurück bewundern wir auch hier den Blick Richtung Norden, wo etliche Pyramiden bzw. der Überreste zu erkennen sind.


In diesem Video bekommt man einen schönen Eindruck, wie es im Inneren der Roten Pyramide aussieht.

What's Inside the Red Pyramid? | Cosa c'è dentro la Piramide Rossa? ↗


Dann geht es zurück zu Abdel und wir fahren nun ein Stück weiter zu einem Restaurant in der Oase Fayyum, wo Abdel für uns ein typisch ägyptisches Essen bestellt hat. 

Das Anwesen des Restaurants gefällt uns auf Anhieb. Wir sitzen überdacht halb offen zu Garten, was sehr angenehm ist. Abdel und unser Fahrer „fremdeln“ noch etwas und setzen sich an einen separaten Tisch zum Essen. Wir waren ja noch in der „Kennenlern-Phase“. 🙂Es sollte das einzige Mal auf dieser „außergewöhnlichen Reise“ (O-Ton Abdel täglich) sein, das wir nicht zusammen an einem Tisch sitzend gegessen haben.

Da es mittlerweile schon 14 Uhr durch ist und das Essen mit Vorspeisen, Hauptgericht mit einer Vielzahl Beilagen und Nachspeisen typisch ägyptisch sehr lecker und sehr, sehr umfangreich war, wurde es gleichzeitig auch unser Abendessen. 🤗 Denn wir mussten einfach zuschlagen. Von den Frauen des Hauses frisch im Holzofen im Hof gebackenes Fladenbrot – so lecker und frisch bekamen wir es nie mehr auf der Reise - , Sesamsoße, Kohlwickel mit Reis gefüllt, scharf gefüllte Auberginen und absolut leckere Falafel. Tja und das waren nur die Vorspeisen, wie wir bemerken sollten, als nach dem Abräumen ein kleiner Holzkohlegrill mit Hühnchen und Rind vor mir und ein großer Gemüsetopf vor Barbara aufgebaut wurden. Dazu natürlich jeweils noch Schüsseln mit Reis, Okra und Würzsoße. Zum Nachtisch bekamen wir frische Datteln serviert, die wir aber laut Wirt besser schälen sollten. Der Rat war gut gemeint, aber da wir randvoll waren, blieb es sowieso jeweils bei einer „Anstandsdattel“ bei Barbara und mir.

Danach machten wir uns um 15 Uhr auf den Weg zurück. Wir hatten bereits am Morgen einen von Abdel angebotenen Besuch einer „Papyrusfabrik“ dankend abgelehnt, so das wir um 15:20 Uhr am Hotel ankamen. Gerade rechtzeitig, um die Ankunft einer Person, gekleidet wie wir uns einen Scheich aus den Emiraten vorstellen samt Gefolge beobachten zu können. Begrüßt und begleitet wird diese Delegation vom Hotelmanager bis zu einem der Aufzüge. Dann wendet dieser sich uns zu, als wir ebenfalls zu den Aufzügen laufen. Er ruft uns den zweiten Aufzug und begleitet uns bei der Fahrt hoch in unseren 8. Stock. Während der Fahrt fragt er uns, ob auch alles in Ordnung sei. Naja, noch denken wir uns nichts dabei. Den Rest des Tages bzw. Abends verbringen wir mit Ausruhen. Ich schreibe schon mal einiges an Notizen auf. Bei der Fülle an Eindrücken jeden Tag absolut sinnvoll und notwendig.

Im Lauf des Tages hat Barbara einmal kurz gegenüber Abdel erwähnt, das sie recht schlecht schlafen würden wegen der ungewohnten einteiligen Matratze. Sofort hat er angeboten, wir könnten das Zimmer wechseln, was wir aber für diese eine letzte Nacht in Kairo dankend abgelehnt haben. Aber ab dem nächsten Tag hatten wir in allen Hotels auf der Reise jeweils ein Doppelzimmer mit zwei Einzelbetten. 😇

Fazit: Der Umbau des Programmes hat sich sowas von gelohnt. Die Eindrücke in den Mastabas waren schon toll, aber die Besichtigung der beiden Pyramiden von Snofru haben einen unglaublich tiefen Eindruck bei uns hinterlassen. Gerade auch, weil wir meist völlig allein in den Gängen unterwegs waren. Keine anderen Besucher, keine Wärter. Da kamen richtig Entdeckergefühle auf.  Unfassbar schön, eine große Pyramide wie die Rote Pyramide für uns allein. Das hätten wir uns niemals träumen lassen. 🤩


Äthiopien 2019: www.namibia-forum.ch/forum/168-diverses/298975-reisebericht-drei-wochen-aethiopien-mit-dem-rotel.html Indien Tigersafari 2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/139-off-topic/296690-reisebericht-tigersafari-indien-mai-2018.html Uganda 2015: https://www.namibia-forum.ch/forum/160-diverses/287855-uganda-ruanda-nicht-nur-primaten.html?limitstart=0
zuletzt bearbeitet 18. Okt. 2026