Immer wieder in den Süden

Reisebericht 121 Antworten · 11,1k Aufrufe · gestartet 01. März 2026 von solitaire
Themenstarter1’989 Beiträge · seit 201110. Okt. 2026 ·
Uff, schön langsam muss ich mich sputen (man beachte, welch lustige Spielarten unsere Sprache hervorbringt; jetzt mal kluggeschissen - das nennt man Oxymoron 😉).

In zwei Monaten startet meine nächste Reise nach Namibia und ich bin mit diesem Bericht immer noch nicht fertig. 

Nach Sandstürmen, Gischtfontänen und netten Begegnungen verlasse ich Oranjemund. Mein nächstes Ziel ist Grünau. Vorher mache ich aber noch einmal einen Abstecher nach Rosh Pinah, um das Geocenter zu besuchen. Gisela Hinder hat hier ein kleines, feines Museum aufgebaut, in dem man in die Welt der Steine, Kristalle, Fossilien und Artefakte der San eintauchen kann. Bereitwillig und voller Begeisterung gibt sie bei einer Führung Einblick in ihr Reich. Das Geocenter liegt auf einem kleinen Hügel und bietet einen guten Ausblick auf die "schlafende Dame".





Danach geht es weiter Richtung Aussenkehr. Zu Beginn der D212 sind die Berge schroff, hoch und manchmal eng zusammen. Ganz ungewohnt. Aber bald öffnet sich wieder der Blick auf den Oranje, diesmal ohne Sandsturm und bei strahlendem Sonnenschein. 


Kurvenreich und eng geht es bergauf und bergab. 


Teerstraßen sind nicht so meins und daher biege ich bei Aussenkehr auf die C37 und bin völlig baff, plötzlich grün zu sehen. Mitten zwischen Staub, Steinen und kahlen Bergen sind grüne Flächen. Ich kann mir gar nicht vorstellen, was das ist. Erst als ich näher komme, erkenne ich, dass es Trauben sind. 


Bei einer kurzen Rast überkommt mich die wahnwitzige Idee, mein Kameraobjektiv zu reinigen. Damit nur ja kein Körnchen Staub reibt, trage ich die Putzflüssigkeit nicht mit einem Tuch auf, sondern tröpfle sie direkt auf das Objektiv. So dumm muss man einmal sein. Wahrscheinlich haben mir die 43 Grad Außentemperatur das Hirn zerstört. Das Gehäuse ist natürlich nicht wasserdicht und sofort beschlägt sich das Glas. Innen! Nach der ersten Schrecksekunde bin ich froh, wenigstens mit dem Handy fotografieren zu können und schreibe meine Kamera ab. Trotzdem ist meine Laune auf dem Tiefpunkt. Und als Alleinreisende habe ich niemanden, an dem ich meine Wut (über mich selbst) auslassen könnte. 

Die Wut auf mich selbst steigert sich sogar noch, als ich an einer Brücke das erste Mal in meinem Leben afrikanische Löffler sehe. Die Aufnahmen haben gerade mal Erinnerungswert 😡



 




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zuletzt bearbeitet 10. Okt. 2026
Themenstarter1’989 Beiträge · seit 2011gestern 10:12 ·
Wie schon ein paar Mal erwähnt, bin ich kein Fan der Teerstraßen und biege bei Außenkehr auf die C37. Härter könnte der Kontrast nicht sein: Ein kurzes Stück geht es zwischen den grünen, üppigen Traubenhainen hindurch und dann ist man unvermittelt  im staubigen, felsigen Nichts. Die paar dürren Halme, die sich aus dem trockenen Boden kämpfen, kann man an einer Hand abzählen. Ich bin ja nicht gerade zart besaitet, aber angesichts der unendlich scheinenden  Fläche aus Steinen, Staub und weit im Hintergrund ein paar Bergen kann einem schon mulmig werden. Kein Fuzzelchen Schatten und die Sonne knallt auf das Autodach. An einen Platten oder sonstige Widrigkeiten, die einem aus dem Auto zwingen, darf man da nicht denken. 




Ein einziges Auto kommt mir entgegen, ein Transporter mit Pferden, die in der prallen Sonne auf dem Anhänger stehen. Ansonsten glaubt man wirklich, am Ende der Welt angekommen zu sein. Trotzdem bin ich so fasziniert, dass ich immer wieder stoppe und die Gegend nach etwas Lebendigem absuche. Aber trotz meines guten Fernglases sehe ich keinen einzigen Vogel oder irgend etwas, das sich bewegt.

Nach der Abzweigung zu Ai-Ais biege ich auf die C10. Nun wird die Umgebung wieder "lebendiger", es gibt Büsche, sogar manchmal Bäume, und hin und wieder taucht eine Farm vor mir auf. Nach stundenlanger Fahrt durch einsame Einöde fahre ich das letzte Stück doch auf die B1, die riesigen LKW rasen nur so an mir vorbei, dass mir ganz bang wird. 

Und dann - Grünau. Wie die Siedlung zu diesem Namen kommt, kann ich mir nicht vorstellen. Ich sehe weder Grün noch Au-Gebiet. Dafür eine große Raststätte, vor der Busse und LKW stehen. Grünau ist ein Verkehrsknotenpunkt, B1 und B3 überschneiden sich hier, auf den Straßen ist einiges los. Der Ort ist nicht groß, hier leben nur ein paar Hundert Einwohner.

Mein Ziel ist das White House. Einige Kilometer von der Straße entfernt ist das Farmhaus mit der Rezeption, an der ich von der Besitzerin ganz nett empfangen werde. Dann geht es noch ein Stück weiter zu den Unterkünften für die Gäste. Es gibt das große "White House" mit etlichen Zimmern. Man kann sie als Gruppe aber natürlich auch einzeln nutzen. Es gibt kleine, voll ausgestattete Häuschen und auch einen Campingplatz. 

Ich wohne in einem kleinen Häuschen und nach der langen, staubigen Fahrt erhole ich mich erst einmal am Pool. Ich habe keine Lust, selbst zu kochen und bestelle Abendessen. Es wird "frei Haus" geliefert, ist köstlich und so reichlich, dass die Hälfte davon in den Kühlschrank wandert. Den Abend genieße ich mit einem Bier auf meiner kleinen Terrasse, sobald es dunkel wird, flitzen die Fledermäuse um mich herum.






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