Tourismus in Namibia im Aufwärtstrend
https://www.namibian.com.na/hospitality-delivers-landmark-performance
Hallo Pollux,
es ist durchwachsen. Es gibt Augenschein (hier grüne Schriftfarbe), es gibt Messungen und es gibt Spekulationen (hier grüne Schriftfarbe).
Eine aktuelle Analyse der Hauptsaisonzahlen Juli-September ist frisch hier: (schwarze Schriftfarbe)
https://www.namibiansun.com/mw-main/luxury-lodges-defy-tourism-slowdown-NMH020436-3015-25025
Die gemeldeten HAN- Hotel Association of Namibia Quartalszahlen Zahlen sind in meinen Augen allerdings mit sehr viel Vorsicht zu genießen. Diese Analyse geht auf Meldungen von nur 122 Unterkünften zurück, bei insgesamt ca. 2.200 Unterkünften (ohne AirBnB) ca. 5,5 % (geändert durch Hinweis Karnevalkind) der buchbaren Unterkünfte in Namibia.
Tenor dieser Analyse: Die günstigen Zeltlodges, vor allem die Namibia2go´s und die luxuriösen Unterkünfte sind die Gewinner. Die Standardnormallodges eher nicht.
Auch die Nachfrage im Campingsektor schwächte sich ab. Die Zahl der internationalen Campinggäste sank um 17,9 %
(Das sehen wir auch bei den Botswana-Buchungen, wo wir immer noch sehr viele Campingplätze bekommen, da dieses Jahr sehr viel weniger von Namibia aus nach Botswana starten. Auch haben wir häufig auch kurzfristig noch Campingfahrzeuge in der Hauptsaison bekommen ).
Europäische Gäste machten in dieser Analyse im dritten Quartal 68,26 % der belegten Betten aus – ein Anstieg gegenüber 57,31 % im Jahr 2019. Besucher aus Deutschland, Österreich und der Schweiz stellten dabei einen Anteil von 34,33 %.
Namibianer und Südafrikaner haben kein Geld mehr zum Reisen.
Die Analyse macht u.a. den deutlich schlechteren Wechselkurs im Vergleich zu letzem Jahr mitverantwortlich.
Das halte ich nicht für ganz so relevant, da die Buchungen für die Hauptsaison in der Regel ein Jahr im Voraus gemacht werden, und ein Wechselkurskursgewinn oder -verlust dann reine Spekulation ist. Ich sehe immer noch das Visumchaos am Flughafen als eine der Hauptursachen, was Bestandteil nahezu jedes Social Media posts ist und seit April letzten Jahres zu massiver Verärgerung und wohl auch zum Verzicht auf eine (erneute) Namibia-Reise in 2026 geführt hat. Wie dumm muss man sein, einen QR code auf dem Visumsantrag zu haben, aber keinen QR-Code Leser am Flughafen für die Einreise bereit zu stellen?
Den starken Einbruch bei den Camping-Selbstfahrerreisen sehe ich eher in den stark gestiegenen Dachzelt/Bushcamper Fahrzeugmietpreisen, da für dieses Jahr die Nach-Covidflottenerneuerung anstand und die Preise dementsprechend planbar sehr stark ansteigen mussten. Für nächstes Jahr sind die Preissteigerungen bei den Campingfahrzeugen eher moderat.
Augenscheinliches:
Gefühlt waren viel mehr junge Leute als Selbstfahrer unterwegs als früher, auch mehr Familien. Deutlich weniger alte Leute. Kaum Südafrikaner.
Swakopmund hörten wir von vielen etablierten Unterkünfte bis zu 60% weniger Buchungen (Juni, Juli). Restaurants teilweise bis zu 80 % weniger Umsatz (Juni, Juli). Joes Beerhouse war in diesem Jahr fast keinmal ausgebucht und überlebt nur durch den täglichen Chinesenbus.
Ob sich im nächsten Jahr die 20 Direktflüge pro Woche aus Europa auswirken ist noch nicht absehbar. Tatsächliche Buchungen sind bei uns noch sehr verhalten.
Das Land ist für die Hauptsaison Mai-Oktober 27 bereits ziemlich Block-gebucht. Wir haben es bereits in 2025 gesehen, als alle über die hohen Auslastungszahlen gejubelt haben und dann bei der Jahresendabrechnung dann tatsächlich ca. 34% weniger Touristen aus Europa im Land gewesen waren.
Kurz: Auf Grund der Datenlage ist der Namibia-Tourismus immer noch eine Black Box.
Mit sonnigen Grüßen aus Windhoek
Carsten Möhle
Carsten, danke für den Update. Interessant für mich war: "Namibianer und Südafrikaner haben kein Geld mehr zum Reisen".
Also die weiße Mittelschicht, die gereist ist, hat kein Geld mehr? Viele haben doch 4x4 Camper, die dafür nichts mehr investieren müssen. In Lodges sind gerade die Südafrikaner doch eher nicht gegangen. Können dazu vielleicht Locals noch was schreiben?
Gruß, chrisanna
pollux schrieb:Carsten, danke für den Update. Interessant für mich war: "Namibianer und Südafrikaner haben kein Geld mehr zum Reisen".
Also die weiße Mittelschicht, die gereist ist, hat kein Geld mehr? Viele haben doch 4x4 Camper, die dafür nichts mehr investieren müssen. In Lodges sind gerade die Südafrikaner doch eher nicht gegangen. Können dazu vielleicht Locals noch was schreiben?
Da ich nicht campe, habe ich keinen Einblick ob da mehr oder weniger Südafrikaner (als echte Touristen) im Land sind. Lokalreisen (bei Weißen) hat zumindest in der kleinen namibischen Mittel- bis Oberschicht meiner Meinung nach nicht abgenommen. Gut, da wird auch viel gecampt, aber auch weiterhin viele Lodges, Self-Catering etc genutzt. Aber wir bekommen natürlich auch Lokalrabatt, was es dann alles etwas erschwinglicher macht. Aber das ist in absoluten Zahlen verschwindend gering und spielt touristisch (außer in COVID-Zeiten, wo eben alle auf Lokalreisende angewiesen waren) wohl kaum eine Rolle. Dezember/Januar dürfte Swakopmund, Henties Bay usw. aber wieder mehr als gut gefüllt mit Namibiern, Südafrikanern und seit einigen Jahren auch Botswanern sein. Das spielt aber absolut, vor allem finanziell für den Tourismussektor, auch nicht die entscheidende Rolle.
Viele Grüße
Christian
Bwana Tucke-Tucke schrieb:Meldungen von nur 122 Unterkünften zurück, bei insgesamt ca. 2.200 Unterkünften (ohne AirBnB) ca. 0,5 % der buchbaren Unterkünfte in Namibia
Kann es sein, dass das Komma bei der Prozentzahl verrutscht ist? 🤔
122/2.200 sind gerundet 5,5%, bei 2.200 gesamt jede 18. Unterkunft.
Hallo Karnevalkind, danke für den Hinweis. Habe die fehlende 5 ergänzt.
Mit sonnigen Grüßen aus Windhoek
Carsten Möhle
travelNAMIBIA Aber wir bekommen natürlich auch Lokalrabatt, was es dann alles etwas erschwinglicher macht.Viele Grüße
Christian
Wie in meinem Beitrag Nr. 801 geschrieben, sind auch die hohen Übernachtungspreise in Namibia ein Grund für viele Europäer nicht mehr dorthin zu reisen. In drei Jahren zwischen der erst geplanten aber aufgrund gesundheitlichen Probleme gecancelten Tour und der dann durchgeführten Reise wurden Unterkünften bis zu 70 % teurer. Im Vergleich zu den sonst günstigen Lebenshaltungskosten stimmt die Relation nicht. Der Lokalrabatt der Vermieter zeigt, dass Luft bei der Preisgestaltung besteht.