auch wenn's schon recht voll ist hier, bin ich gerne dabei. Madagaskar ist ein interessantes Reiseziel, mit dem ich mich bisher noch kaum beschäftigt habe.
Ich habe gerade nochmal sehr aufmerksam deinen Indien Bericht gelesen und hoffe, dass sich in Büsnau die Gelegenheit ergibt, euch die eine andere Frage dazu zu stellen ☺️
H.BadgerThemenstarter1’866 Beiträge · seit 201624. Aug. 2026 ·
Liebe Leute!
Ich bin total begeistert davon, dass sich so viele von euch hier mit Interesse gemeldet haben! Das motiviert dazu, bald loszulegen. Zu zwei Dritteln sind die Fotos bereits gesichtet. In den nächsten Tagen wird die Reise hier also irgendwann beginnen können.
Toll, dass so viel Interesse an Madagaskar zu bestehen scheint. Die Insel hat es verdient (und dringend nötig...).
H.BadgerThemenstarter1’866 Beiträge · seit 201627. Aug. 2026 ·
Kapitel 1: Willkommen in und auf Madagaskar!
Es ist nicht ganz so einfach, von Deutschland aus nach
Madagaskar zu gelangen. Direktflüge gibt es keine. Ein knappes Jahr im Voraus
haben wir unsere Flüge mit Ethiopian Airlines gebucht. Die Preisgestaltung (vor
allem in den Schulferien) zeigte uns eindrucksvoll, dass auf der Strecke nach
Antananarivo nicht sehr viel Konkurrenz unterwegs ist. Wir haben für
Flugtickets bisher noch nie mehr Geld ausgeben müssen. Dafür sind die
Flugzeiten ganz okay. Der Flug von Frankfurt nach Addis Abeba startet kurz nach
22 Uhr und bietet damit Gelegenheit zu einem kleinen Nickerchen. Das ist in
Vorbereitung auf den Stopp in Äthiopien sehr willkommen, denn von circa vier
Uhr früh bis acht Uhr morgens müssen wir am internationalen Terminal ausharren.
Zu dieser Tageszeit ist das eine durchaus quälende Erfahrung, die dadurch nicht
besser wird, dass hier Nahrung, Getränke und auch alles andere zu Mondpreisen
in US-Dollar zu haben ist. Ein Snickers für 11 Dollar ist wohl
rekordverdächtig. Ein zuhause vergessenes Kontaktlinsenplastikdöschen können
wir immerhin für fünf Dollar erstehen. 🙃
Irgendwann geht zum Glück aber auch die längste Warterei
ihrem Ende entgegen und so schleppen wir uns mehr oder weniger müde und
grummelig ins Flugzeug, das uns in Richtung Terra incognita bringen soll.
Nach einigen Stunden ruhigen Weiterflugs können wir aus dem
Fenster erste Blicke auf Madagaskar werfen. Es dominiert das für den Südwinter
typische Braun. Die weitgehende Entwaldung der Insel ist bereits aus der Luft
eindrucksvoll zu erkennen. Unterbrochen wird die Trockenheit von glänzenden
Reisfeldern, die sich im Anflug auf Antananarivo (im Folgenden den
Einheimischen nacheifernd silbensparend-zärtlich auch Tana genannt) unserem
Blick präsentieren.
Sanft setzt das Flugzeug auf der Landebahn auf. Und trotzdem
versteife ich mich in diesem Moment. Alles also wie immer – Fliegen und ich
werden keine innigen Freunde mehr werden.
Das Einreiseprozedere ist dann ein wenig stressig. Wir
marschieren zum Empfangsgebäude. Dort gibt es eine lange Zentralschlange, in
die wir uns müde einreihen. Bald wird deutlich, dass von jedem Wartenden Einreisekärtchen
auszufüllen sind. Gern hätten wir das in Ruhe an einem Tisch oder gar bereits
im Flugzeug erledigt. So müssen wir dies mit Zeitdruck in einer Menschenmenge
erledigen, die dem Drängeln leider gar nicht abgeneigt ist. Dies nach einer
sehr kurzen und nicht gerade bequemen Nacht… Die Nerven liegen schnell ein
wenig blank. Denn die Kärtchen wünschen sich dummerweise ausführliche
Informationen zu Passdaten, Herkunft, Beruf, Impfstatus (Gelbfieber und
Covid!), Aufenthalt in Madagaskar… Mit Hilfe von Rücken und Reiseführer sind die
nötigen Informationen gerade vor Erreichen der ersten Kontrollstelle mehr oder
minder leserlich zusammengetragen. Puh.
Der gesundheitsbezogene Teil des Blättchens wird an der
ersten Schalterstation kurzerhand abgetrennt und fachmännisch in einen großen
Karton geworfen. Nun denn.
Dann folgt alsbald das Visa-Prozedere an zwei Schaltern.
Hier (und fürderhin an vielen Stationen unserer Reise) hilft es ungemein, dass
meine Frau sehr gut Französisch spricht. Das Visum schlägt derzeit mit 35
Dollar pro Person zu Buche, die problemlos per Kreditkarte gezahlt werden
können. Nach der Transaktion sind schnell die Stempel in den Pass gedrückt, ein
Lächeln gibt es gratis dazu und endlich sind wir ganz wirklich in Madagaskar
eingereist.
In der Eingangshalle werden wir bereits von Onisoa erwartet,
mit der wir die Reise im Vorfeld gemeinsam geplant haben. Nach einer intensiven
Austauschzeit via WhatsApp sind wir gespannt, uns nun persönlich
kennenzulernen. Schnell sind am ATM des Flughafens noch erste Bündel der
Landeswährung Ariary gezogen – viele Scheine mit noch mehr Nullen. Bargeld ist
bei einer Reise über die Insel im Vergleich zu anderen Ländern elementar. Nur
an wenigen Orten (und Hotels!) ist eine Bezahlung per Kreditkarte möglich.
Auf dem Parkplatz vor dem Flughafengebäude lernen wir
unseren Fahrerguide Alain kennen, der uns im ersten Segment der Reise begleiten
wird. Der drahtige Madagasse mit gewinnendem Lächeln macht auf uns einen sehr
sympathischen Ersteindruck.
Ein Kleinbus wird mit unserem Gepäck beladen, während wir
sogleich von einer Traube bettelnder Menschen umringt werden. Nicht zum letzten
Mal wird uns die Armut weiter Teile der madagassischen Bevölkerung schmerzlich
bewusst. So unvermittelt sind wir ein wenig überfordert mit der Situation – vor
allem für die Kinder sind die entgegengestreckten Hände eine schwierige
Erfahrung. Soll man etwas geben? Wenn ja: Wie viel? Und jedem? Oder nur der
Mutter mit dem Säugling auf dem Arm? Was löst das aus? Hält man den Blickkontakt
aus? Ist ein stoisches Wegsehen eine rüde Kapitulation? Wir sind froh, als wir
die Autotüren schließen können.
Die Fahrt führt uns vom Flughafen ins Zentrum Antananarivos.
Vorbei an Reisfeldern werden Bebauung und Verkehr immer dichter. Der Trubel ist
ein erster Vorgeschmack darauf, warum man in Madagaskar nur im Ausnahmefall
entspannt am Steuer sitzen kann.
Nach etwa vierzig Minuten erreichen wir unser erstes Hotel: Le
Chalet des Roses. Beim Aussteigen kommen sofort Straßenverkäufer mit
Musikinstrumenten und Stofflemuren auf uns zu. Eine Erfahrung, die wir zum
Glück nur hier und heute in Tana machen werden.
Beim Chalet des Roses handelt sich um ein solides Stadthotel
ohne viel Schnickschnack. Unser Familienzimmer im dritten Stock ist eher klein,
erfüllt für eine erste Übernachtung aber seinen Zweck. Über das enge
Treppenhaus werden unsere Koffer nach oben gewuchtet. Für die Gäste gibt es
sogar einen kleinen Aufzug. Rückblickend ist so etwas in Madagaskar eher eine
Besonderheit. Und auch der Fakt, dass es hier zuverlässig und schnell warmes
Wasser gibt, erscheint uns zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht erwähnenswert.
Blick ins Zimmer
Blick aus dem Fenster
Nachdem wir in der kleinen Lobby des Hotels mit Onisoa und
Alain den Plan für den kommenden Tag besprochen haben, fragen wir die beiden,
ob es eine gute Idee wäre, am fortgeschrittenen Nachmittag noch ein wenig auf
eigene Faust das Zentrum Tanas zu erkunden. Die Blicke und zögerlichen
Antworten lassen uns von dieser Idee aber Abstand nehmen – auch wenn uns gesagt
wird, dass dies ohne Mitnahme von Wertsachen generell möglich wäre. Man sollte
nur bei Tageslicht unbedingt zurück im Hotel sein.
Als Madagaskar-Neulinge überwiegt heute bei uns noch die
Sorge. Wir verbringen also einige entspannte Stunden im kleinen Zimmer
(schwierig, wenn man in neuen Ländern am Beginn einer Reise immer eher „Hummeln
im Hintern“ hat).
Dem Hotel ist eine kleine Pizzeria angeschlossen, in der wir
nach Einbruch der Dunkelheit (und diese kommt im Südwinter bekanntlich früh und
schnell) ein schmackhaftes und gut bezahlbares Abendessen einnehmen. Es ist auch
Zeit für die erste Dosis unserer Malariaprophylaxe, die wir glücklicherweise
ohne jede Nebenwirkung vertragen werden. Unsere Kleine schluckt die Tablette
routiniert. Unsere Große wächst an der Aufgabe.
Früh geht es gut gesättigt in die Betten. Die Flugzeugnacht
steckt uns noch in den Gliedern und so fallen schnell die Augen zu. Am nächsten
Morgen steht ein früher Start an: Wir werden weit nach Osten zum Canal des
Pangalanes fahren, wo das Palmarium Reservat – und damit erste
Lemurenbegegnungen – unser Ziel sein werden. Die Fahrt über die geteerte Nationalstraße
2 wird uns rund 270 Kilometer durch das Hochland führen. Für die Strecke sind
mit Pausen rund neun Stunden veranschlagt.
gerne fahre ich auch noch mit, wenn ich darf. Sowohl dein Intro, als auch dein erstes Kapitel lassen die Neugier auf Madagaskar bei mir wachsen... ein Reiseziel, das ich bisher so gar nicht auf dem Schirm hatte. Von daher lasse ich mich hier gerne inspirieren und freue mich auf viele Bilder.
H.BadgerThemenstarter1’866 Beiträge · seit 201630. Aug. 2026 ·
@ Anke und Peter
Herzlich willkommen an Bord!
Es freut mich, dass auch ihr mit uns durch Madagaskar touren mögt. Ich zeige gern ganz viele Bilder und hoffe, euch die Insel so ein wenig näherbringen zu können.
Trotz so mancher Herausforderung lohnt sich eine Reise dorthin nämlich auf jeden Fall.
BikeAfrica7’328 Beiträge · seit 200630. Aug. 2026 ·
Hallo Sascha,
da Du die Problematik des schwindenden Lebensraumes für
Tiere angesprochen hast, habe ich mal einen Buchtipp für Dich – „Die Letzten
ihrer Art“ von Douglas Adams.
Der Autor ist ja bekannt für seinen skurrilen Humor, aber es
gibt auch zwei Bücher mit einem ernsthaften Hintergrund. Das genannte ist eines
davon. Für dieses Buch war er mit einem Zoologen weltweit unterwegs, um vom
Aussterben bedrohte Tierarten aufzuspüren. Den Anfang macht der Aye-Aye (oder
Fingertier) aus Madagaskar. Der Autor schafft es aber, das ernste Thema mit
seinem bekannten Schreibstil zu verbinden.
Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
H.BadgerThemenstarter1’866 Beiträge · seit 201631. Aug. 2026 ·
Hallo Wolfgang,
vielen Dank für den Tipp!
Der Buchtitel (und natürlich der Autor) sind mir bekannt. Gelesen habe ich "Die letzten ihrer Art" noch nicht. Muss ich mal nachholen.
H.BadgerThemenstarter1’866 Beiträge · seit 201631. Aug. 2026 ·
Kapitel 2: Der Weg ins Paradies ist kurvig und weit
Beginnen wir das Kapitel mit einem kleinen Auszug aus der
Reisebeschreibung unserer Agentur:
„Die Fahrt zum abgelegenen Dorf Akanin'ny Nofy führt Sie
durch eine atemberaubende Landschaft, die die ganze Familie verzaubern wird.
Stellen Sie sich vor, wie die Kinder auf den Sitzen kichern, während sie die
verschiedenen Tiere und Pflanzen entlang der Route entdecken. Es gibt viele
Kleinigkeiten zu sehen, von bunten Vögeln bis hin zu leuchtenden Blumen –
perfekt für kleine Naturköpfe!“
Uiuiui! Großes Kino. 🤩
O-Ton unserer Großen: „Ich bin KEIN Naturkopf!“ 😡
Behalten wir diese kitschig-klebrigen Formulierungen, die zu
einem kleinen Running-Gag unserer Tour geworden sind, ruhig im Hinterkopf, wenn
wir uns nun der Reise an die Ostküste Madagaskars zuwenden.
----------------------------------
In aller Herrgottsfrühe verlassen wir die Betten. Zum
Leidwesen des Nachwuchses gar nicht so untypisch für unsere „Urlaube“…
Das Hotelfrühstück wird in einer kleinen Café-Ecke der Lobby
serviert. Eier werden auf Wunsch zubereitet, frische Früchte werden gereicht, dazu
Brot mit Aufstrich. Eine kleine und durchaus feine Mahlzeit.
Bald darauf verstauen wir unser Gepäck wieder in unserem
Kleinbus. Jeweils zu zweit besetzen wir eine Reihe und haben damit sehr
großzügigen Platz zum Ausstrecken auf der nun anstehenden Fahrt, die eine der
längsten auf der gesamten Tour werden wird. Den Musikinstrument- und
Spielzeugverkäufern, die auch heute nach Verlassen des Hotels dezent um unsere
Gunst werben, geben wir ein kleines Trinkgeld in Anerkennung der
Kunstfertigkeit der angebotenen Waren und dann geht die Reise auch schon los.
Wir verlassen den Trubel Tanas und können vom Stadtrand aus
recht schöne Blicke auf die über mehrere Hügel verteilt sich erstreckende Stadt
werfen. In einer Woche werden wir wieder hierher zurückkehren und wir freuen
uns durchaus darauf, die Stadt dann tatsächlich etwas näher kennenlernen zu
können.
Jetzt sind wir aber erstmal ganz froh darüber, dem Trubel zu
entkommen. Die Fahrt führt uns über die Nationalstraße 2 nach Osten. Es gibt
dabei immer etwas zu sehen. Das Hochland der Insel ist geprägt von landwirtschaftlichen
Flächen und hübschen Bergkuppen. Vor allem Reisfelder bleiben hier im Gedächtnis.
Immer wieder sehen wir Menschen, die hier ohne schweres Gerät die Felder
bestellen. Echte Knochenarbeit.
Auch führt der Weg regelmäßig durch größere und kleinere
Siedlungen. Hier prägen Fahrrad-Rikschas das Straßenbild.
Zwischen den Ortschaften teilen wir uns die Straße mit den
Taxis-Brousse – Kleinbussen, die oft bis über die Belastungsgrenze hinaus mit Menschen
und Gepäck beladen sind. Manchmal steht die Hintertür des Fahrzeugs offen,
damit ein bis zwei Menschen noch halb hinaushängen können. Wir sind froh, dass
wir auf der Reise nicht auf den ÖPNV angewiesen sein werden. Das wäre sicher
authentischer – aber eben nochmal eine ganz andere Hausnummer. 🙃
Neben den Buschtaxen wird die N2 vor allem von
Schwerlastverkehr befahren. Private PKW gibt es nicht sehr viele auf der Insel.
Die wirklich zahlreichen LKW – darunter ganz prominent Tanklaster – pendeln im
Schneckentempo zwischen Madagaskars großem Hafen Toamasina an der Ostküste und
der Hauptstadt. Der allergrößte Teil des Güterverkehrs wird auf diesem Wege
abgewickelt. Und das macht unsere Fahrt anstrengend und immer wieder
abenteuerlich, denn sie ist geprägt von einem Wechsel aus langsamem Am-Heck-eines-Trucks-Kleben
und waghalsigen Überholmanövern bei mehr oder weniger Gegenverkehr. Dazu kommen
die durchaus schwierigen Straßenverhältnisse. Die N2 ist zwar geteert, aber über
weite Teile durchsiebt von tiefen und ausufernden Schlaglöchern, die stete
Aufmerksamkeit und Slalommanöver erfordern. Immer wieder tauchen auch Passagen
auf, an denen der Teer komplett aufgelöst ist und man über eine steinige
Dirtroad bis zur nächsten Asphalt-Schwelle rumpelt. An solchen Stellen sieht
man manchmal Menschen, die die schlimmsten Stellen mit Kies auffüllen und die
vorbeifahrenden Fahrzeuge um einen finanziellen Beitrag für ihre Arbeit bitten.
An guten Stellen der N2 kann am auf vielleicht 60 km/h beschleunigen. In der
Regel ist man aber viel langsamer unterwegs. Alain meistert jede Herausforderung
souverän, sodass wir uns insgesamt gut entspannen können. Vor allem im Angesicht
des Schwerlastverkehrs bin ich froh, hier nicht selbst fahren zu müssen.
Irgendwo unterwegs halten wir für ein einfaches Mittagessen –
eine gute Gelegenheit, unseren Driver-Guide etwas besser kennenzulernen.
Für europäische
Geldbeutel gibt es außerhalb der Hotels und Lodges auf Madagaskar Nahrung für
ganz kleines Geld. Zum ersten Mal essen wir hier Ravitoto sy henakisoa. Das ist
das wohl berühmteste Nationalgericht des Landes. Es besteht aus gestampften
Maniokblättern und fettem Schweinefleisch, gereicht mit Reis. Da der Maniok für
uns aber wie gekochter Schwarztee bitterster Ausprägung schmeckt, wird es auch
das letzte Mal sein.
Je näher man der Grenze des Hochlands kommt und sich der
Ostküste nähert, desto kurviger wird die Straße. Jetzt heißt es konzentriert
aus dem Fenster sehen. Trotzdem fordern die Lenkmanöver über kurz oder lang
ihren Tribut… Spätestens jetzt hört man kein Kichern der „kleinen Naturköpfe“
von der Rückbank mehr. 🤢
Nach vielen Stunden Fahrt, die der Nachwuchs erstaunlich duldsam
über sich ergehen lässt, erreichen wir am späten Nachmittag Manambolo am Ufer
des Canal des Pangalanes. Hier verabschieden wir uns für die kommenden zwei
Nächte von Alain und steigen an einem schönen Sandstrand auf ein Boot um, das
uns in gut einstündiger Fahrt über den Kanal bis zum Palmarium Reservat bringen
wird.
Die Fahrt ist entspannt und dazu landschaftlich überaus
reizvoll. Zuerst geht es über einen großen See, bis wir in einen engeren Kanal
einbiegen. Dessen Ufer ist geprägt von üppig-grüner Vegetation.
Vereinzelt liegen
kleine Dörfer am Ufer, die mit ihren Holzhütten und Grasdächern für unsere Augen
überaus malerisch wirken.
Menschen waschen
ihre Wäsche und ihr Geschirr. Kinder baden im seichten Wasser. Immer wieder
sehen wir Fischer auf Einbäumen. Nur allzu leicht vergisst man, wie entbehrungsreich
das Leben in dieser paradiesisch anmutenden Umgebung sein kann.
Manchmal kommt
uns ein größeres Taxi-Boot entgegen.
Sieht man von dem Tuckern unseres Motors
ab, herrscht hier eine wunderbare Ruhe. Wir genießen die Szenerie und das
herrliche Licht. Nach der langen und kurvigen Autofahrt stellt sich neben dem
Reise- nun auch echtes Urlaubsgefühl ein. Zu unserer Freude entdeckt unsere
Kleine sogar einen Malegassenzwergfischer. Also zur Ehrenrettung des „Programm-Teasers“
doch noch ein bunter Vogel auf der heutigen Etappe! Für ein Foto reicht die
kurze Begegnung aber leider nicht. Hoffen wir also, dass wir später noch ein
Exemplar sehen werden.
Kurz bevor wir das Palmarium erreichen, weitet sich der
Kanal erneut zum riesigen Ampitabe-See. Eindrucksvoll nähern sich hier Horizont
und Sonne an. Warum die Gegend hier auf Madagasy Akanin’ny Nofy genannt wird –
was auf Deutsch „Nest der Träume“ bedeutet – können wir bereits bei der Anfahrt
erahnen.
Wir steuern das Palmarium Beach Hotel an, das wunderschön
direkt am Seeufer liegt. Nur elf Häuschen umfasst diese Anlage. Hier sind Ruhe
und Abgeschiedenheit ein großer Teil des Programms. (Fotos des Hotels folgen an den
Folgetagen.)
Viel Zeit für die Erkundung der Umgebung bleibt mir nicht,
denn spontan entscheiden wir, dass ich bereits heute eine (Sicherheits-)Exkursion
zur Fingertier-Beobachtung machen werde, für die das Reservat berühmt ist.
Viele der im Netz zu findenden Fotos des skurrilen Tiers sind hier entstanden.
Am Folgeabend werden wir dies dann en famille wiederholen. Das Palmarium ist
auf Madagaskar sicher der beste Ort, um das Fingertier einmal live erleben zu
können.
Während Frau und Kinder also erstmal in aller Ruhe unsere direkt
am Strand gelegene Hütte erobern und die Abenddämmerung am und im See genießen,
fahre ich alsbald eine ganze Weile auf einem Boot und
gemeinsam mit Guide, vier anderen Hotelgästen und einem selbstverliebten
Volunteer durch die Dunkelheit wieder über den See in Richtung einer Insel, auf der eine habituierte
Fingertier-Population lebt.
Dort angekommen, ist es nur ein kurzer Fußmarsch zu einer
dezent beleuchteten Futterstelle. Jeden Abend werden hier die Aye-Ayes mit
Kokosnüssen – einer ihrer Lieblingsspeisen – vor die Kameras der Besucher
gelockt. Ein weiteres Boot aus der Hauptlodge des Palamariums hat bereits am
Steg festgemacht und so sind es vielleicht 15 Menschen, die sich nun geleitet
von einem Guide leise und vorsichtig auf den Weg machen.
Bereits einige Meter vor Erreichen des Orts ist ein
kratzendes Nagen deutlich zu vernehmen: Mit emsigen Knabbern arbeitet sich ein
Fingertier durch die harte Schale einer Nuss. Beim ersten Sichtkontakt bin ich
erstaunt über die Gestalt dieses ganz besonderen Lemuren: Sein zottliges Fell,
der besenartige Schwanz, die weitauseinander stehenden und leuchtend gelben Augen,
seine spinnenartigen Finger, von denen der Mittelfinger überproportional verlängert
ist – all das macht das Aye Aye zu einem Anblick, den man nicht so schnell vergisst.
Keine klassische Schönheit, aber eine unverwechselbare Erscheinung.
Nur wenige Meter trennen die Betrachter von dem emsig
nagenden Fingertier. Das Fotografieren ist durch das herrschende Dämmerlicht
nicht ganz einfach. Alle Anwesenden verhalten sich aber absolut ruhig und
respektvoll. Man ist merklich fasziniert von dem seltsamen Primaten. So macht
Tierbeobachtung in der Gruppe Freude.
Nach einer Zeit kommt ein zweites Fingertier hinzu – ein Jungtier,
das bis auf seine Größe den adulten Tieren sehr ähnlich ist. Es übernimmt die
bereits angenagte Kokosnuss, denn seine Zähne sind noch nicht dazu in der Lage,
die unversehrte Schale zu durchnagen. Spannend ist es zu sehen, wie immer
wieder der verlängerte Mittelfinger in die Nuss gesteckt wird, um das Kokosmark
herauszupulen.
Später zeigt sich sogar noch ein drittes Aye Aye, das aber etwas
entfernt im Schummerlicht verbleibt und sich daher unmöglich fotografieren
lässt.
Wir dürfen für eine ganze Weile bei den Aye Ayes bleiben, bis
der Guide irgendwann die Beleuchtung der Futterstelle dimmt und uns leise zum
Aufbruch bittet. Tief zufrieden mit dem Erlebten geht es zurück aufs Boot und
ich lächele auf der Rückfahrt durch die rabenschwarze Nacht immer wieder in
mich hinein. Die Strapazen der langen Anfahrt sind spätestens jetzt vergessen.
wow, das Fingertier - Foto ist dir super gelungen. Ich war fast ehrfürchtig mit bei deiner Exkursion. Ich verstehe nur nicht warum du etwas von Sicherheitstraining schreibst. Da stehe ich vermutlich gerade auf der Leitung.
Wow, was für ein krönender Abschluss für diese lange Anfahrt.
Danke für die genaue Schilderung des Besuchs beim Aye Aye. Gut zu wissen, dass man auch 2x hin kann.
Hast du einen Vorschlag, wie man die schreckliche lange Anfahrt zum Palmarium anders organisieren kann?
Ich habe gelesen, dass es einen Flug gibt zumindest zur Küste. Aber Flüge sind ja eher unzuverlässig und mit einchecken und warten würde es wahrscheinlich ähnlich lange dauern?
der Aufenthalt im Palmarium hat sich auch über das Aye Aye hinaus sehr gelohnt. Ich kann einen Besuch wirklich empfehlen.
Es gibt tatsächlich Flüge von Tana nach Toamasina. Madagascar Airlines möchte, dass man drei Stunden vor Abflug am Flughafen ist - auch wenn wir das an den kleinen Airports ein wenig unterlaufen haben... Und die Airline zählt ja nicht zu den Zuverlässigsten. Wir haben bei Inlandsflügen also immer mit einem kleinen Puffer geplant.
Aber die Fahrt von Tana zum Palmarium Reservat ist tatsächlich ein ganz schöner Ritt. Jeden Tag würde ich das auf keinen Fall machen wollen und die Rückfahrt haben wir dann wenigstens auch zweigeteilt. Aber rückblickend möchte ich die Fahrt gar nicht missen, weil wir auf diese Weise eine Seite Madagaskars erlebt haben, die uns ohne den Transfer entgangen wäre. Ein solcher Tag ist dann zwar kein Erholungsurlaub, aber eine intensive Erfahrung. Und es zeigt einem eben auch die Insel jenseits von Schutzgebieten und anderen touristischen Höhepunkten.
Champagner8’796 Beiträge · seit 201002. Sept. 2026 ·
H.Badger schrieb:Ich stehe jetzt aber auch wohl etwas auf der Leitung: Wann schreibe ich denn etwas von einem Sicherheitstraining?
Darf ich hier vermittelnd eingreifen 😉? Nacho meint wohl (wobei sie vielleicht ein falsches Wort gewählt oder etwas missverstanden hat) diesen Satz:
H.Badger schrieb:
Viel Zeit für die Erkundung der Umgebung bleibt mir nicht,
denn spontan entscheiden wir, dass ich bereits heute eine (Sicherheits-)Exkursion
zur Fingertier-Beobachtung machen werde, für die das Reservat berühmt ist.
Ich verstehe das so, dass du, um sicher zu gehen, dieses erstaunliche Tier zu sehen, eine zusätzliche Exkursion vorab mitgemacht hast, bevor dann die mit der Familie stattfindet.
Danke für den einmal mehr sehr lebendig und anschaulich geschriebenen Bericht - ich bin mit Genuss dabei (zumal Madagaskar erst neulich ins Gespräch kam...).
Die Bilder von dem Aye Aye sind toll und das Wesen auf seine Art entzückend!
der Aufenthalt im Palmarium hat sich auch über das Aye Aye hinaus sehr gelohnt. Ich kann einen Besuch wirklich empfehlen.
Es gibt tatsächlich Flüge von Tana nach Toamasina. Madagascar Airlines möchte, dass man drei Stunden vor Abflug am Flughafen ist - auch wenn wir das an den kleinen Airports ein wenig unterlaufen haben... Und die Airline zählt ja nicht zu den Zuverlässigsten. Wir haben bei Inlandsflügen also immer mit einem kleinen Puffer geplant.
Aber die Fahrt von Tana zum Palmarium Reservat ist tatsächlich ein ganz schöner Ritt. Jeden Tag würde ich das auf keinen Fall machen wollen und die Rückfahrt haben wir dann wenigstens auch zweigeteilt. Aber rückblickend möchte ich die Fahrt gar nicht missen, weil wir auf diese Weise eine Seite Madagaskars erlebt haben, die uns ohne den Transfer entgangen wäre. Ein solcher Tag ist dann zwar kein Erholungsurlaub, aber eine intensive Erfahrung. Und es zeigt einem eben auch die Insel jenseits von Schutzgebieten und anderen touristischen Höhepunkten.
Herzliche Grüße
Sascha
Viel Zeit für die Erkundung der Umgebung bleibt mir nicht, denn spontan entscheiden wir, dass ich bereits heute eine (Sicherheits-)Exkursion zur Fingertier-Beobachtung machen werde, für die das Reservat berühmt ist.
ich bin auch noch schnell zugestiegen. Wenn ich nicht eh schon ein Fan deiner Reiseberichte wäre, hättest du mich spätestens jetzt mit den tollen Aufnahmen vom Aye Aye am Haken!
H.BadgerThemenstarter1’866 Beiträge · seit 201604. Sept. 2026 ·
Fortsetzung Kapitel 2
Nach meiner Rückkehr machen wir gemeinsam eine kleine
Ruhepause in der schönen Hütte. Das Häuschen bietet uns zwei (offene) Etagen
und damit genug Platz. Alles ist liebevoll mit Naturmaterialien gestaltet und
sehr gut in Schuss. Hier kann man sich wohlfühlen. Wichtig ist nur, dass man
sämtliche Nahrungsmittel nach der Ankunft im Restaurant abgibt, um nicht
ungebetene Besucher in die Hütte zu locken. Denn Türen und Fenster schließen
nicht vollständig dicht ab und man ist eben mitten in der Natur. Auf der einen
Seite der See-Strand, auf der anderen dichter Wald.
Meine Frau und ich machen vor dem Abendessen noch einen
kleinen Spaziergang auf den Waldwegen, die sich als verzweigtes Netz hinter den
Hütten entfalten. Es ist bereits stockdunkel. daher bewaffnen wir uns mit
Taschenlampen und sind gespannt, ob wir nachtaktives Leben entdecken können.
Sehr weit müssen wir gar nicht gehen, bis unweit des Pfades
große und kreisrunde Augen im Schein der Lampen aufblitzen. Vorsichtig sehen
wir genauer hin und entdecken gleich unseren ersten östlichen Wollmaki (Avahi
laniger), der interessiert zurückblickt. Ein überaus putziges Kerlchen!
Auf dem Weg zum Abendessen zeigen wir den Kindern den
pelzigen Gesellen und sie sind ebenso entzückt.
Das Restaurant des Palmarium Beach Hotels ist als zu den
Seiten offene Plattform auf einem Hügelkamm zwischen See und Wald gebaut. Von
hier aus schaut man direkt in die Bäume. Das Essen ist lecker und bezahlbar –
im Vergleich zu Lokalen außerhalb von Hotels aber natürlich recht teuer. Man is(s)t
hier schließlich auch gefühlt am Ende der Welt, an das alles via Boot
transportiert werden muss. (Ganz bewusst haben wir die Reise nur mit Frühstück
gebucht. Der Aufschlag für die Halbpension war bei ohnehin nicht ganz günstigem
Gesamtpreis beträchtlich und gerade bei dem oft kleinen Hunger unserer Kinder
lohnt sich eine solche Pauschalregelung nur selten. Erstaunlicherweise haben
beide in Madagaskar aber nach und nach einen ausgeprägten Appetit entwickelt…😉)
Nach dem Abendessen chillen die Kinder in der Hütte, während
die Eltern spontan einen Guide anheuern, der sie für eine gute Stunde über die
nahen Waldpfade führt.
Bei dem Spaziergang begegnen uns mehrmals weitere Wollmakis,
die hoch in den Bäumen mit der Nahrungssuche beschäftigt sind.
Besonders spannend wird es, als der Guide uns ein
klitzekleines Stummelschwanzchamäleon präsentiert. Wie er diesen Zwerg an einem
bodennahen Zweig entdecken konnte, ist uns ein echtes Rätsel. Es handelt sich
bei dem Tier um die Unterart Brookesia Nofy, die nur knapp 3,3 cm lang wird.
Die Art wurde erst 2024 entdeckt.
Ungleich größer ist dagegen
das Riesenchamäleon (Oustalet’s Chameleon), das bis zu seiner Schwanzwurzel stolze
28 Zentimeter messen kann.
Neben Wollmakis und Chamäleons entdecken wir noch einige
Insekten, von denen es diese zwei Meister der Tarnung auf ein Foto schaffen.
Nach dieser schönen kleinen Exkursion geht es zurück in die
Hütte – natürlich nicht, ohne unserem selbst entdeckten Wollmaki noch eine gute
Nacht zu wünschen.
Die Kinder hatten währenddessen eine entspannte Zeit mit
Spiel und Spaß. Bald darauf verkrümeln wir uns unter unsere Moskitozelte. Nach
dem Motto „Doppelt hält besser“ haben wir eigene Moskito-Iglus mitgebracht, die
sich im weiteren Verlauf der Reise als wirklich lohnende Investition erweisen
werden. (Unser Dank geht an Kordula für diesen sehr guten Tipp!). Einer ruhigen
Nacht steht damit kaum etwas im Wege.
Morgen geht es erstmals bei Tageslicht auf Lemurensuche. Wir
sind voller Vorfreude.