Heute hieß es Abschied nehmen von der Grootberg Lodge und den vielen schönen Erinnerungen. Gleichzeitig stand aber auch ein entspannter Fahrtag auf dem Programm – inklusive Ausschlafen. Der Wecker klingelte deshalb erst um 7 Uhr, das Frühstück war für 8 Uhr geplant. Eigentlich wollten wir das Frühstück in aller Ruhe genießen, doch die Vorfreude auf das tierische Highlight unserer Reise war einfach zu groß. Also brachen wir doch etwas früher auf, denn unser Ziel war der berühmte Etosha-Nationalpark.Doch wie heißt es so schön: Vor das Vergnügen haben die Götter die Kilometer gesetzt. Also fuhren wir durch das wunderschöne Namibia, das inzwischen tagsüber angenehme 25 bis 29 Grad erreichte. Zunächst ging es den Pass hinunter und anschließend über eine gut befahrbare Gravel Road. Schon nach kurzer Zeit huschte ein kleines Steinböckchen über die Straße und verschwand blitzschnell im dichten Busch. Willkommen zur ersten Wildtiersichtung des Tages – der Auftakt war gemacht.
Kaum hatten wir unseren Blick etwas geschärft, entdeckten wir wenig später eine Riesentrappe. Leider kamen wir ihr etwas zu nahe, sodass sie uns mit sichtbar schlechter Laune davonflog. Vermutlich stand unser Name danach auf ihrer persönlichen Liste unerwünschter Touristen.

Weiter ging die Fahrt, und eigentlich waren wir schon fast an unserem geplanten Tankstopp angekommen, als wir erneut kräftig bremsen mussten. Nur etwa zehn Meter neben der Straße stand hinter einem Zaun eine Gruppe Giraffen zwischen den Büschen. Zunächst machten wir die obligatorischen Fotos, bis wir bemerkten, dass sich mitten in der Gruppe eine winzige Giraffe befand. Damit war unser Ehrgeiz geweckt. Durch geduldiges Parallelfahren versuchten wir, ein schönes Bild von Mutter und Kind zu bekommen. Ein entgegenkommendes Auto schien zunächst ebenfalls anhalten zu wollen, fuhr dann aber einfach weiter. Offenbar gehören Giraffen für manche Menschen zum Alltag – für uns definitiv nicht. Nach rund 15 Minuten Geduld wurden wir schließlich mit einigen wunderschönen Aufnahmen belohnt.

Der Tankstopp in Kamanjab war dann mit dem Auffüllen unserer Wasservorräte und dem freundlichen Abwehren zahlreicher Händler verbunden. Nur dem Verkäufer der geschnitzten Schlüsselanhänger aus Makalani-Nüssen konnten wir nicht widerstehen. Immerhin handelten wir den Preis erfolgreich herunter – schließlich gehört Feilschen hier fast schon zum guten Ton.
Anschließend ging es zunächst über Asphalt, später wieder über Nebenstraßen weiter. Nach einem weiteren kurzen Tankstopp kurz vor dem Parkeingang – inklusive Bäumen voller riesiger Papayas und einem Baum, der aussah, als hätte ihn jemand komplett mit Schmetterlingen dekoriert – standen wir endlich vor dem Etosha-Nationalpark.



Der Etosha-Nationalpark gehört mit seinen rund 22.000 Quadratkilometern zu den größten Nationalparks Afrikas. Zum Vergleich: Er ist deutlich größer als das deutsche Bundesland Hessen und etwa so groß wie Rheinland-Pfalz und das Saarland zusammen.
Am Eingang wurden zunächst die üblichen Fragen gestellt: Feuerwaffen dabei? Woher kommen sie? Wie lange bleiben sie im Park? Anschließend unterschrieben wir noch die Hinweise zum Seuchenschutz. Alles darf in den Park eingeführt werden, Fleisch und andere tierische Produkte dürfen allerdings nicht wieder hinaus. Danach nahm eine ausgesprochen resolute Beamtin unsere Daten auf und schickte uns zum Bezahlen in unser Camp weiter.
Bevor wir jedoch dorthin fuhren, machten wir noch einen kurzen Abstecher zum ersten Wasserloch. Dort wurden wir direkt von Springböcken, Oryx-Antilopen und einem Warzenschwein begrüßt. Auf dem weiteren Weg begegneten uns außerdem Impalas, eine Warzenschwein-Mama mit ihren zwei Frischlingen und mehrere Gnus. Wahnsinn – und das alles auf den ersten Kilometern im Park.


Im Camp Okaukuejo angekommen warteten zunächst zwei Warteschlangen auf uns: eine zum Bezahlen des Parkeintritts und eine zweite für die Ausgabe der Schlüssel. Typisch staatliche Verwaltung – zu wenig Personal für viel zu viele Besucher. Rund 30 Minuten später hielten wir endlich unseren Schlüssel in den Händen.


Dann folgte die wohl größte Überraschung des Tages: Unser Chalet lag direkt am berühmten Wasserloch und vom Balkon hatten wir einen freien Blick auf die Wasserstelle, an der gerade mehrere Zebras tranken. Besser kann man wohl kaum begrüßt werden.




Eigentlich hätten wir den Rest des Tages einfach dort sitzen bleiben können. Aber irgendwie waren wir viel zu neugierig. Also beschlossen wir, noch eine kleine Runde zu drehen und drei weitere Wasserlöcher anzufahren.

Das erste war leider komplett trocken – entsprechend war dort auch kein einziges Tier zu sehen. Das zweite (Okondeka) hingegen war einfach spektakulär. Giraffen, Gnus, Springböcke und Strauße standen gemeinsam am Wasser, und wir kamen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Am liebsten hätten wir dort den ganzen Nachmittag verbracht.


Da der Park jedoch pünktlich schließt, mussten wir langsam zurückfahren. Eigentlich wollten wir noch ein drittes Wasserloch besuchen, doch das schien sich erfolgreich vor uns zu verstecken. Wahrscheinlich hatte es früher Feierabend gemacht.
Auf einer anderen Strecke fuhren wir schließlich zurück zum Camp und entdeckten unterwegs Grautokos, einen Gleitaar, Weißflügeltrappen, Schakale und viele weitere Tiere. Man wusste irgendwann gar nicht mehr, wohin man zuerst schauen sollte.






Zurück im Camp gingen wir direkt zu unserem traumhaften Chalet – keine Sekunde zu früh. Gerade traf eine größere Elefantengruppe ein und marschierte zielstrebig zum Wasserloch.







Nachdem sie ihren Durst gestillt hatte, näherten sich zwei Spitzmaulnashörner vorsichtig der Wasserstelle. Das gefiel jedoch zwei stattlichen Elefantenbullen überhaupt nicht. Sie stürmten förmlich nach vorne und machten unmissverständlich klar, wer hier Vorfahrt am Wasserloch hatte. Die Nashörner warteten geduldig in sicherem Abstand und kamen erst trinken, als die Dickhäuter fertig waren. Afrikanische Verkehrsregeln – wer größer ist, fährt beziehungsweise trinkt zuerst.






Leider mussten wir uns von diesem Naturschauspiel losreißen, denn wir hatten einen Tisch im Restaurant reserviert. Rückblickend wäre es besser gewesen, einfach auf dem Balkon zu bleiben.
Das Abendessen entwickelte sich nämlich zur mit Abstand schlechtesten Erfahrung unserer gesamten Reise. Der Service war völlig überfordert. Teilweise kam das Essen vor den Getränken, die Hälfte der ohnehin nur sieben Gerichte war nicht verfügbar, und das Essen, das schließlich serviert wurde, war bereits kalt und kaum genießbar. Selten waren wir so froh, als das Abendessen endlich vorbei war.
Etwas enttäuscht liefen wir zurück zu unserem Chalet und beschlossen, uns kurzerhand ein Wurstbrot zu schmieren. Doch kaum hatten wir das Messer in der Hand, blieb uns fast die Luft weg: Zwei Nashörner standen bereits am Wasserloch und warteten scheinbar nur darauf, dass wir endlich zurückkehrten.
Also nahmen wir wieder auf unserem Balkon Platz. Im Laufe des Abends kamen Oryx-Antilopen, Giraffen, Hyänen, Springböcke und Zebras vorbei. Kurz bevor wir – eigentlich widerwillig – schlafen gehen wollten, erschienen sogar vier Nashörner gleichzeitig. Allerdings schienen sie sich nicht besonders gut zu verstehen, denn immer wieder kam es zu kleineren Rangeleien um den besten Platz am Wasser.
Ein herrlicher Abschluss eines fantastischen Tages. Das Desaster im Restaurant war längst vergessen. Stattdessen gingen wir mit unzähligen Tierbildern im Kopf ins Bett – und träumten wahrscheinlich von noch viel mehr davon.


P.S. Als ich das hier gerade alles hochladen schaue ich noch einmal vom Bett auf und sehe einen großen Elefantenbullen am Wasserloch steht und ein Nashorn was badet. Wahnsinn.



















































































































































































































































































