THEMA: Im Camper durch Botswana im Dezember 2010
20 Jun 2011 14:35 #191877
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Hallo Zusammen, ich wage es und stelle den ersten Teil meines Reiseberichtes hier hinein. Nach all den wunderbaren Berichten von guten Schreiberlingen fällt das etwas schwer. Trotzdem viel Spaß.
Gruß Edith



REISEBERICHT - Windhoek - Botswana - Zimbabwe - Botswana - Windhoek
Dezember 2010

Teil 1 - Ankunft Windhoek, Zentral Kalahari

BOTSWANA mit einem kleinen Abstecher nach ZIMBABWE (Victoria Fälle) soll in diesem Jahr besucht werden. Dort wollen wir unsere leeren Körper-Batterien auftanken, die Seele baumeln lassen, tief durchatmen, Neues entdecken und uns so richtig erholen. So war es geplant!
Durchaus Afrika erfahren spürten wir beim Lesen der entsprechenden Lektüre, dass diese Reise eine andere Herausforderung sein würde als unsere vorherigen Reisen durch das südliche Afrika.
Für unsere Fahrt durch Botswana entschieden wir uns für ein Fahrzeug 4x4 Camper Nissan Patrol, da wir auch Gegenden besuchen wollten, die keine Unterkünfte wie Lodges oder Gästefarmen vorweisen konnten. Vorweisen konnten aber wir auch keine Erfahrung mit einem solchen Gefährt, geschweige denn mit Camping überhaupt!
Ein ganztägiges 4x4Training (sehr zu empfehlen), gerade noch rechtzeitig 14 Tage vor unserer Abreise, brachte uns ein wenig Sicherheit. Viele gute Tipps aus dem Namibia-Forum (Danke Formis!) wurden verinnerlicht und bei der Tourensuche war uns Hans Schoelink eine echt wertvolle Hilfe. Aus Sicherheitgründen buchten wir ein Satellitentelefon und ein GPS, welches Hans mit den gewünschten Daten fütterte.

Die letzten Tage vor der Abreise sind wie immer hektisch. Unsere traditionelle Benefiz-Nikolausfeier - in diesem Jahr fiel sie auf den 5.12.2010- mit der Familie und unseren Freunden musste noch organisiert werden um die „Patenkinder“ in Namibia zu unterstützen. An dieser Stelle sei allen von ganzem Herzen gedankt, die jedes Jahr dazu beitragen, dass Stella, Betty und Stanley in Katutura die Schule besuchen dürfen. Auch in diesem Jahr war die Bereitschaft zur Spende ungebrochen und sehr erfolgreich.

Der Tag der Abreise kommt und.... wie könnte es anders sein, die eigens für diesen Campingurlaub angeschafften Taschen sind noch nicht vollständig gepackt. Rudij arbeitet noch bis zur letzten Minute und so muss ich mich alleine sputen um die letzten Dinge noch rechtzeitig zu verstauen. Wäre ja auch kein Problem, wenn ich mich entscheiden könnte was ich an Kleidung mitnehmen möchte. So geht das rote T-Shirt raus und ein Weißes dafür rein - oder doch lieber umgekehrt? Kurze Hosen, ja klar - aber welche und wie viele? Na egal, alles was in meine Tasche passt wird reingestopft. Rudij kommt pünktlich um 13.00 Uhr und somit kommen auch die Taschen auf die Waage. Gut gemacht, die 20 kg pro Gepäck sind nur ein wenig überschritten.
Später am Flughafen sollte sich herausstellen, dass wir 3 kg Übergepäck haben, die mit einer energischen Bitte auch bezahlt werden sollen. Dazu müssen wir an einen anderen Schalter, es wird gerechnet und noch bevor es an das Bezahlen geht, fällt mir ein, dass wir nicht nur stolze Besitzer einer Air Berlin Bonus-Service-Karte sind, sondern auch eben deswegen jeder 30 kg Freigepäck haben sollte! Mann, was hätte ich da noch alles einpacken können!
So, das Gepäck ist jetzt weg und nun kommt der Urlaub uns endlich entgegen.
Der Nachtflug verläuft ruhig, wir können auch ein wenig schlafen und kommen planmässig am frühen Morgen in Windhoek an. Nach der Passkontrolle - was ist heute los (?) - die Damen und Herren sind ja so freundlich, kümmert sich Rudij um das Gepäck und ich gehe schon durch den Zoll und in die Empfangshalle. Mit einem Blick entdecke ich linker Hand auch schon den Fahrer der Autovermietung, zuvor will ich aber nach rechts hinten zum Bankschalter. Bares muss in Nam-Dollar und Pula umgetauscht werden. Schnell ist das erledigt. Ich bin die Erste an diesem Morgen, denn der Rest steht ja noch am Gepäckband! Ich drehe mich um und ....da kommt Rudij auch schon mit unseren Taschen.

Prima, da wurde unser Gepäck mal zuerst aus dem Flugzeug und auf das Band gespuckt. Wir melden uns beim Fahrer, der uns nach Windhoek bringen soll um unseren Camper in Empfang zu nehmen. Mit den Hufen scharrend stehen wir zur Abfahrt bereit, wollen unseren Camper sehen, einkaufen und dann ab in die Wildnis.

Leider müssen wir noch auf andere Reisende warten, die den gleichen Autovermieter haben und das zieht sich - gefühlte mehrere Stunden - letztendlich sind es 45 Minuten! Bei der Autovermietung angekommen, können wir unseren Camper besichtigen und checken - das macht Rudij! - ich kümmere mich um das Satellitentelefon, will wissen wie es funktioniert, wie ich angerufen werden kann und was zu beachten ist. Ganz geduldig wird es mir erklärt und als ich es ausprobieren will geht es nicht. Kein Empfang! Das macht mich nervös. Wie soll das in der Wildnis werden? Kein Problem wird mir versichert, ich soll nur aus der Halle gehen. Ich tue es, muss auch keinen Gipfel erklimmen oder auf ein Autodach steigen und siehe da - das Sat-Telefon steht auf Empfang! Als auch alle anderen Formalitäten erledigt sind, können wir endlich los und in das Einkaufszentrum mit dem bewachten Parkhaus. Als wir hineinfahren wollen, kommen uns Zweifel, ob wir überhaupt mit dem Camper (der Höhe wegen) reinpassen. Ich steige aus und winke Rudij hinein - alles geht gut, eine Handbreite ist noch dazwischen.
Gut vorbereitet haben wir die Einkaufsliste schon zu Hause erstellt. Voller Tatendrang teilen wir uns auch hier die Aufgaben, ich bin zuständig für Obst, Gemüse, Fleisch und Wurst, Käse, Butter und Öl, Dosen aller Art, Waschmittel, Alufolie, Grillkohle etc. und Rudij für die Getränke. Ich beginne links und arbeite mich zur Mitte vor, der Laden ist voll! Es ist heiß! Die Müdigkeit regt sich und ich will fertig werden, habe aber noch längst nicht alles. Der Wagen wird schwerer - wo ist eigentlich Rudij? Ich entdecke ihn mit seinem Einkaufswagen voller Wasser, Bier und Savanna dry. Auch er sieht müde aus und auch er hat immer noch nicht alles, was auf seiner Liste steht. Mühsam kämpfen wir uns durch, es wird noch voller u n d wir gereizter.
Die Waren an der Kasse rauf auf das Band, hinten wieder eingepackt (wir helfen den Boys und Girls, damit es schneller geht) und bezahlen. Die Rucksäcke auf unseren Rücken werden immer schwerer - sie ziehen uns regelrecht runter, während wir mit den schwer beladenen Einkaufswagen zu unserem Camper gehen. Da stehen wir nun, wir Greenhorns in Sachen Camping und wissen nicht so recht, wie wir alles verstauen sollen. Uns wird jetzt schon klar, wir haben viel zu viel eingekauft!
Beide wollen wir schnell raus aus der Stadt und beeilen uns. Ich gebe Rudij die Waren an - er kennt die Schränke und Kisten ja schon vom checken - er befüllt sie, sortiert wieder aus und befüllt noch einmal neu. Das dauert eben. Als wir endlich auf der Piste sind und die Gereiztheit nachgelassen hat freuen wir uns riesig auf die kommende Zeit mit unseren - so hoffen wir - vielen, schönen Abenteuern!
Hinaus aus Windhoek und gen Osten führt uns unsere Teerstrasse (B6) zu unserem ersten Etappenziel: Die Kalahari Bush Breaks Lodge kurz vor Botswana. Wir kommen gegen Abend dort an, das Licht ist wunderbar und wir fühlen uns wohl. Niemand anderes ist da und wir können aussuchen, wo wir stehen wollen. Die Entscheidung ist nahe dem Ablutionblock, es ist schliesslich die erste Nacht für Herrn und Frau Greenhorn im Camper. Man weiss ja nie, was da nachts so kreucht und fleucht. Unsere Reisetaschen nehmen wir aus dem Camper heraus um Innen alles inspizieren zu können. Die Kühlbox ist uns noch ein Buch mit sieben Siegeln und alle, aber wirklich alle Schränke und Kisten sind voll mit Proviant. Müde wie wir sind, entscheiden wir uns heute für ein Dinner in der Lodge. Und weil es so gut geschmeckt hat melden wir uns auch gleich für den nächsten Morgen zum Frühstück an. So fängt das Campen gut an. Im Dunkeln fahren wir unser mobiles Zimmer wieder an seinen Platz und fallen todmüde ins Bett.



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Als wir am nächsten Morgen weiterfahren - Ghanzi ist unser nächstes Ziel - erstehen wir noch etwas Grillwurst und Springbockfleisch, sodass auch die letzten Kubikzentimeter in der Kühlung ausgenutzt sind.


Grenzübergang Buitepos. Ausreise Namibia - Einreise Botswana. Wir müssen uns daran gewöhnen, neben unseren Passdaten auch die Daten unseres Campers, einschliesslich Motornummer etc. stets parat zu haben. Am Ende unserer Reise haben wir nach den vielen Grenzübergängen - es sollten insgesamt 14 werden - unsere gesamten Daten im Kopf.


Bis Ghanzi fahren wir auf einer guten Teerstrasse und der Verkehr ist noch geringer als in Namibia. Ghanzi erweist sich als übersichtlich, mit vielen freundlichen Gesichtern und wir finden schnell einen Supermarkt. Benötigen ja nicht viel, nur etwas Brot, Wasser und Saft. Natürlich landen dann noch einige Dinge im Korb, die eigentlich gar nicht nötig sind. Beim Verlassen des Supermarktes sehen wir „Orange“. Dort erstehen wir noch eine botswanische Telefoncard und wir hoffen, damit nach Hause telefonieren zu können, weil mein tolles Mobilteil sich nicht einwählt und das Satellitentelefon nur für Notfälle da sein soll. Für Chobe und Moremi haben wir noch kein Park Permit. Zu Hause habe ich mir ein Bild des Büros eines Forumsmitgliedes ausgedruckt und nur nach einmaligem Nachfragen finden wir es sehr schnell. Die freundlichen Beamtinnen checken die Daten, mit den Fingern werden die zu bezahlenden Tage immer wieder nachgezählt und als alles zu stimmen scheint, können wir sogar mit Kreditkarte bezahlen. Dass wir aus Deutschland kommen erkennen die Beamtinnen natürlich an unseren Pässen. Sie sprechen uns darauf an und fragen, ob wir einen Mann mit dem Namen St. E. kennen. Wir wundern uns und verneinen. Dann zeigen sie uns ein Schreiben der deutschen Botschaft in dem steht, dass dieser Mann vermisst wird, und zwar in der Cental Kalahari. Beim letzten telefonischen Kontakt mit seiner Familie sagte er, dass er in die Centralkalahari will. Unbehagen bei diesem Gedanken überfällt mich, denn wir sind auf dem Weg dorthin. Der Mann soll mit einem roten Fahrzeug unterwegs sein und wir sollen die Augen offen halten. Nicht mehr ganz so leichten Schrittes verlassen wir das Büro und sind beide ganz nachdenklich geworden.
Unser heutiges Ziel ist die Tautona Lodge Campsite in Ghanzi. Wunderschön gelegen und wir sind wieder allein auf dem riesigen Campinggelände. Unseren Camper stellen wir direkt neben den Ablutionblock, dort können wir auch Strom „tanken“. Weil es dort so schön ist und es auch ein Restaurant gibt, bleibt im Camper wieder die Küche kalt. Das Gleiche gilt für den Morgen.




Wir frühstücken gemütlich und verlassen dann Ghanzi. Biegen von der geteerten Hauptstrasse links ab in Richtung Xade. Die Wellblechstrasse lässt sich gut befahren und wir machen uns weiter mit unserem GPS vertraut. Aufgehalten werden wir nur durch Esel, die immer wieder die Strasse überqueren wollen oder durch die vielen Rindviecher. Macht ja nichts - wir sind im Urlaub und nicht auf der Flucht. An einer Gabelung, eigentlich steht ein Schild da, aber nun ist nur noch das metallene Gerüst zu sehen, führt uns unser Navi auf die richtige Piste nach rechts. Weiter geht die Fahrt auf der rubbeligen Pad bis wir ca. 70 km vor Xade abrupt im Tiefsand landen und uns sofort festfahren. Nun hilft uns wirklich unser Fahrtraining und nur nach einem Anlauf hat Rudij uns aus dem Sand manövriert. Die 70 km in diesem Tiefsand haben es in sich und später tun mir die Zähne vom Zähne zusammenbeissen und die Arme vom Festhalten weh.

Dann stehen wir vor dem Eingang von Xade - aber kein Mensch ist zu sehen, wir warten, steigen aus, versuchen uns bemerkbar zu machen - es tut sich nichts. Also wieder hinein ins Auto und erkunden ein wenig die Gegend, sehen den Ablutionblock und die Campsites, fahren wieder zurück zum Eingangstor, in der Hoffnung nun dort einen Officer zu finden.
Wir finden jemanden sitzend auf einer Bank, der nicht wie ein Officer aussieht, der aber ohne Worte weiss, was wir wollen. Er zeigt uns seinen einzigen Zahn als er uns lächelnd begrüsst und rennt los, um den Officer aus seinem Vormittagsschlaf zu holen.

Die Augen auswischend kommt nun auch der Officer angerannt und freut sich riesig, dass wir da sind. Fast führt er einen Freudentanz auf, fragt wie es uns geht und sucht nach dem obligatorischen Buch, in das wir uns eintragen sollen und nach einem Stift, der e b e n noch da war. Wir kramen nach unseren gefragten Papieren und haben auch einen Kugelschreiber dabei. Ich trage alle Daten ein. Während ich das tue, fragt er uns, ob wir ein Löwenbaby, das ganz in der Nähe unter einem Baum liegt, sehen wollen. Ja, und ob wir das sehen wollen! Zum Dank schenken wir ihm unseren Kugelschreiber, den er „most beautiful“ findet. Für uns kein Verlust - wir haben mehrere davon mitgenommen. Ein letzter Blick in das Buch, in das sich ja jeder eintragen muss, sagt mir, dass die letzten Menschen vor 14 Tagen in der Central Kalahari waren. Prima, so haben wir die ganzen 52.800 Quadratkilometer für uns allein. Jetzt verstehe ich auch, warum der Officer sich so auf uns gefreut hat.

Bevor wir unsere Campsite (wir dürfen wieder wählen, weil - es ist ja keiner da) in Besitz nehmen, geht es erst einmal auf Löwenbabyjagd. Der Officer fährt auf seinem Traktor ca. 20 Meter vor und wir mit dem Camper hinterher. Er bleibt stehen und zeigt von seinem Traktorthron auf einen Busch unter dem das ganz abgemagerte Löwenbaby liegt. Wir versuchen es zu filmen und zu fotografieren. Es will nicht so recht gelingen, denn es liegt sehr im Schatten. Ganz verschüchtert und matt liegt es da, so dass man es am liebsten trösten und Nahrung zukommen lassen möchte. Die Frage nach der Löwenmutter beantwortet er wie ganz selbstverständlich: Ja, die haben wir noch nicht gefunden, aber irgendwo hier muss sie sein! OK!???

Etwas unwohl fahren wir die 20 Meter zurück und setzen unseren Camper unter einen schattigen Baum. Wir haben uns wieder dazu entschieden nahe dem Ablutionblock zu stehen - falls „Frau“ mal nachts „raus“ muss. Nun müssen aber erst einmal die Arme und Beine „gestretched“, die fremde Luft inhaliert und in die Gegend geschaut werden. Beim so umherstreifen finden wir uns beim Ablutionblock wieder. Die Abteilung „Geschirr spülen“ liegt aussen und die Becken sind voller dicker schwarzer Käfer. Wir lassen sie dort und gehen um das Haus herum um den Rest der sanitären Anlagen zu begutachten, sorry - zu beschlechtachten. Ich beschliesse, dass ich heute weder „raus“ noch duschen muss. Rudij will duschen und tut es auch. Sein Kommentar: wenn Du die Augen zu machst, ist das gar nicht so schlimm!


Während er Körperpflege betreibt, filme ich zwei Gelbschnabeltokos, die sich an unserer noch ganz sauberen Stoßstange spiegeln wollen und immer lustig dort hinauf hüpfen. Auch die Seitenspiegel werden von ihnen unter die Lupe genommen und für akzeptabel befunden. Innen im Camper höre ich rumoren und Rudij irgend etwas murmeln, aber ich bin zu sehr auf das Filmen konzentriert (neue Kamera) und reagiere nicht. Im Hinterkopf habe ich nur, dass wir Hunger haben und gleich grillen wollen. Ich filme weiter aber nun höre ich doch etwas barsch: Nun hilf mir doch mal!





Dein Wunsch sei mir Befehl, denke ich und bewege mich in Richtung Eingang, will die Stufen hoch und mein Blick erhaschen erst die Beine von Rudij, dann die Hände und schliesslich sein Gesicht und dann kann ich vor Lachen überhaupt kein Wort mehr herausbringen. Da steht er vor mir und sieht so schwarz aus, als hätte er einen Schornstein gefegt. Als ich mich endlich ein wenig beruhigt hatte, wollte ich natürlich wissen, wie er das geschafft hat.
Und das kam so: Es gab keinen Grund vorher in die Kiste zu schauen, da wir zuvor in den Restaurants abends und morgens gegessen hatten. Zu Anfang schrieb ich bereits, wie wir versuchten unsere Einkäufe zu verstauen. Alle Schränke wurden vollgepfropft, so auch die Kiste unter der Sitzbank. Da dort am meisten Platz war, wurde da auch am meisten verstaut. Dosen, Reis, Nudeln, Obst, Gemüse, Zwiebeln, Wasserflaschen, Süssigkeiten (u.a. auch Marsh Mallows, die Lieblingssüßigkeit meines Göttergatten) alles wurde dahin gepackt - neben die Gasflaschen. Ebenso habe ich schon von unserer 70 km Tiefsandfahrt berichtet und beides zusammen ergaben nun ein verheerendes Ergebnis. Durch die Rüttelei rissen die Tüten mit der Grillkohle, verteilten sich in der ganzen Kiste und durch den Hitzestau explodierten die Tüten mit den Marsh Mallows. Alles, aber auch alles was in und zur Kiste gehörte war schwarz und verklebt. Beim Öffnen der Kiste kamen meiner besseren Hälfte eine schwarze Wolke und die explodierten Marsh Mallows entgegen. Jetzt beim Niederschreiben muss ich immer noch Lachen.
Schön und gut. Das musste nun schnellstens wieder in Ordnung gebracht werden, es war schon später Nachmittag und der Hunger wurde immer grösser. Auf die Idee, den Camper direkt neben die „Geschirrspülabteilung zu placieren, kamen wir erst nach getaner Arbeit.
Und so kann man sich lebhaft vorstellen, wie wir mit vollen Armen immer wieder zwischen Ablutionsblock und Camper hin und her liefen und versuchten alle Teile mit kaltem Wasser zu reinigen. Die dicken shwarzen Käfer interessierten mich nicht mehr. Allerdings hatten wir das dichte Gebüsch im Rücken und nicht zu vergessen, die Löwin war ja hier irgendwo in der Nähe!
Gegen 17.30h waren wir dann endlich soweit (und ich von der Geschirrspülabteilung vorne mehr als geduscht) die Grillkohle anzuzünden, das Fleisch in Alufolie zu wickeln auf den Grill zu werfen und den Abend mit Bier und Savanna Dry zu beginnen. Die Dämmerung kam und wir verzogen uns vorsichtshalber schon mal in unser mobiles Wohn/Schlafzimmer, wo wir unser üppiges Mahl einnahmen und ganz erschöpft in die Betten fielen. Ich träumte von der Löwenfrau, die ihr Löwenbaby suchte und danach brüllte.
BRÜLLTE?????? Ich riss die Augen auf, es war schon hell und neben mir Rudij riss ebenfalls die Augen auf. War das doch kein Traum? Und tatsächlich noch ein Brüller. Wir erspähten ein paar Meter von unserem Camper die Löwin! Sie lag im Gras, kaum erkennbar, hob ab und zu ihren Kopf, stand auf um ein ein paar Schritte zu laufen, legte sich wieder hin, aber alles ohne uns aus den Augen zu lassen. Wir fotografierten und filmten was das Zeug hält, waren sehr aufgeregt und uns wurde klar - heute kein Frühstück outside.
Sehr dünn war unsere Löwin und bald sollten wir auch erkennen, warum. Sie war schwer verletzt und hatte seitlich eine tiefe Stichwunde, so als hätte sie sich mit einer Oryxantilope angelegt. Darum war auch ihr Baby so schwach, sie konnte es nicht mehr ausreichend füttern. Mit der Zeit entfernte sie sich immer mehr in Richtung Entrance Gate und wir verloren sie aus den Augen, hatten jedoch immer im Blick, dass sie ja nicht weit von uns entfernt war. Der Officer kam mit seinem Trecker um uns auf die Löwin aufmerksam zu machen - etwas spät, oder?







Nun, wir wollten heute Morgen noch weiter bis zur Piper Pan. Vorsichtig wagen wir uns aus unserer Behausung, schauen uns immer wieder nach der Löwin um. Alles ging gut. Nanu, was kommt denn da? Wähnten wir uns doch allein hier auf den vielen Quadratkilometern. Ein 4x4 rollt vom Gate heran an das Waschhaus, ein Mann steigt aus und betätigt den Außenwasserhahn, wäscht sich das Gesicht, trinkt daraus, füllt die Flaschen für seine Familie und braust davon. Ich bin baff, denn niemals würde ich es wagen, hier aus dem Wasserhahn zu trinken.
Letzte Änderung: 28 Jun 2011 14:52 von estefe.
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20 Jun 2011 14:42 #191878
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Der Weg zur Piper Pan mit anfänglichen Tiefsandpassagen, war dank unseres Trainings gut zu befahren. Vor unserer Reise hatte ich über die verheerenden Buschbrände in ganz Botswana gelesen. An Hand einer demographischen Landkarte waren die betroffenen Gebiete gekennzeichnet. Hier konnten wir einen großen Teil der Buschbrände noch sehr gut erkennen. Erstaunlich jedoch, wie die Natur sich so schnell erholt. Überall spross neues Grün aus der Erde. Getier sahen wir wenig, lediglich ein paar Springböcke und Oryxantilopen kreuzten unseren Weg. Aber wir genossen die Landschaft, freuten uns über einen Falken, der am Wegesrand direkt in Augenhöhe seine Beute aus zu spähen schien.
Die weissen Gebilde der Termitenhügel ragten meterhoch wie Skulpturen zwischen den Büschen hervor und so langsam näherten wir uns unserer nächsten Bleibe für die kommende Nacht.
Das Schild der Campsite Piper Pan verriet uns, dass wir angekommen waren. Nur - der Platz war besetzt und es schien nur diesen Platz zum campen zu geben. Wir wurden auch etwas fragend von der jungen, hier zeltenden Familie angeschaut und da erkannte ich den Mann wieder, der in Xade am Wasserhahn hing. Das ist ihm, seiner Frau und seinen zwei kleinen Kindern anscheinend gut bekommen. Das Wasser meine ich. Freundlich fragten wir nach und es klärte sich schnell auf, dass wir hier bei Piper Pan 1 waren und wir ein paar Kilometer weiter über den Hügel fahren sollten - dort war unser Platz Nr. 2 zu finden. Mehr Campsite gab es hier nicht. Auch könnte man dort eine Löwenfamilie in der Nähe des Wasserloches beobachten. Ja - was soll man dazu sagen. Das ist ja das, wozu man diese Reise gemacht hat. Aber wieder so nah an unserem Platz? Mir wurde ein bisschen mulmig und Rudij sagte nichts. Ich auch nicht. Also die paar Kilometer über den Hügel und in der Pan angekommen wurden wir sogleich von einer Giraffenmama mit zwei Giraffenkindern kritisch beäugt. So toll fanden sie unsere Gesellschaft nicht und machten sich schnell aus dem Staub. Wir bemerkten erst etwas später, dass sie direkt an den Löwen, die schlafend und faul unter einem Busch lagen, vorbei galoppiert waren. Am Wasserloch hielten die Geier eine Versammlung ab und ein einsamer Kuhreiher gesellte sich zu ihnen. Später wollten wir noch einmal zurück zu den Löwen und zum Wasserloch aber zuerst wollte unsere Campsite gesucht werden. Wir fanden sie in ca. 150 m Entfernung und da standen bzw. saßen wir wieder ratlos im Auto, Herr und Frau Greenhorn in Sachen „Camping in Afrika.“
Da war ein wunderbarer Baum, unter den wir unseren Camper stellen könnten, ein Betongrill, auf dem wir wunderbar unser „Game“ hätten grillen können und mitten im dichten Gebüsch eine wunderbare Möglichkeit zwei 2 m hohe Holzschnecken zu besuchen. In der einen Holzschnecke war die Dusche (aufgehängten Eimer mit Wasser befüllen und an der Kordel ziehen) und in der anderen Holzschnecke befand sich das WC.
Wieder einmal beschloss ich, heute nicht „raus“ zu müssen und das Duschen ebenfalls ausfallen zu lassen. Hallo - wie soll das gehen? Hat man uns nicht vorher im Krüger Nationalpark oder in der Etoschapfanne unter hoher Strafe angedroht ja nicht aus zu steigen? Na klar, weiss ich es - habe es doch gelesen, dass es hier in Botswana anders ist. Aber nun sind wir in der Wirklichkeit. Hier sollen wir aussteigen, uns frei bewegen, alles genießen, alles hinter uns lassen - Auge in Auge mit den Löwen?

An dieser Stelle sei schon mal vorweg genommen, dass wir noch einige ähnliche Situationen zu bewältigen hatten. Für alle, die viel entspannter mit diesen Dingen umgehen, und das sind glaube ich die meisten - unseren grossen Respekt. Bei den weiteren Abenteuern, die hier noch folgen, werden sicherlich viele von euch schmunzeln - ihr dürft es! Wir sind bekennende „Angsthasen“, was das Land Botswana mit seiner Tierwelt betrifft.

Rudij verzieht keine Miene, ihm ist nicht an zu sehen, was er denkt, aber ich kenne doch meinen Mann. Nun machen wir erst einmal einen Gamedrive um die Pfanne. Auch hier ist wenig Wild zu entdecken - ausser Springbock, das geht immer. Selbst das Kleingetier hat sich gut versteckt. Der Himmel trägt sein schönstes Blau und zeichnet sich kleine weisse Wattebäusche hinein. Die Hitze legt sich ein wenig zum späten Nachmittag, die Luft wird erträglicher und rollen langsam wieder zu unserem Platz. Nur, dass wir uns diesmal nicht unter den hübschen, schattenspendenden Baum stellen, sondern schon bei der Zufahrt stoppen. Dort kann man bis zur Pfanne sehen. An diesem Abend gab es Butterbrote, Bier und Wein „inside“. Mit Hans haben wir vereinbart, täglich eine SMS zu senden mit den Worten: „Alles OK“. Das tun wir auch heute wieder und verraten ihm nicht, dass wir solche Angsthasen sind.





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Der nächste Morgen verspricht wieder ein wunderschöner Tag zu werden. Zum Frühstücken fahren wir direkt zur offenen Pfanne, wo man einen rundherum Blick hat.
Rudij gräbt hinter dem Camper in der trockenen Erde zwei Löcher - ihr wisst schon wofür. Es wird getan, was getan werden muss und jeder schaufelt sein Loch wieder zu.
Nun wollen wir endlich mal in freier Natur frühstücken. Das tun wir. Wir wandern mit unserem Butterbrot in der Hand immer um den Camper herum, jeder auf der entgegengesetzten Seite, damit wir a l l e s im Blick haben und falls sich etwas auf uns zubewegen sollte, wir es dem anderen zurufen können. Ich kann mir gerade vorstellen, wie ihr erfahrenen Formis den Kopf über uns schüttelt und uns auslacht. Gut so. Dürft ihr auch.
Nachdem unsere Butterbrote verspeist und unsere Camperumwanderung ohne weitere Vorkommnisse erledigt ist, machen wir uns wieder auf den Weg. Unterwegs zum Kori Camp begegnen wir einem Gnu, einem Glanzstar, einem Schakal, einer grossen Herde Springböcke und einer Schildkrötenfamilie (Mutter mit zwei Kindern). Am Kori Camp angekommen, bemerken wir, dass es hier mehrere Campsites gibt. Für uns etwas unübersichtlich aber schliesslich finden wir doch einen Platz, von dem wir der festen Überzeugung sind - der gehört uns. Kein Mensch ist uns bisher begegnet und auch hier ist keiner zu sehen. Im Prinzip unterscheidet sich dieser Platz nicht sehr von dem in der Piper Pan. Nur das es hier nicht so verbuscht ist, dafür das Gras (ich sage immer Löwengras der Farbe wegen) viel höher!
Ach ja, ich vergaß zu erwähnen, dass wir auf unserer Fahrt hierher feststellten, doch bald mal irgendwo zu tanken. In Ghanzi tankten wir zuletzt und seitdem ist uns keine Tankmöglichkeit untergekommen. Ich wusste aus dem Forum von einer Tankstelle in Rakops. Das ist vom Parkausgang Matswere nur noch 50 km entfernt. Also vom Kori Camp insgesamt noch 100 km. Kein Problem, das schaffen wir.

Hunger meldete sich, es war bereits Mittag und ich schlug vor, doch endlich unsere große Wassermelone zu köpfen. Bereits gefühlte 100 Mal fiel sie irgendwo herunter und kullerte durch den Wagen seit wir aus Windhoek abfuhren, aber sie war immer noch heil. Jetzt aber musste sie daran glauben. Schwierig war nur, diese mit einem Messer aus dem Campingequipment zu durchschneiden. Zu stumpf. Schweizer Messer - zu klein. Brotmesser - ebenfalls zu stumpf aber letztendlich siegte das Brotmesser und die Melone war zerkleinert. Sie schmeckte gut und wir wanderten wieder, diesmal aber ein wenig entspannter. Mutig holten wir sogar unsere zwei Campingsessel heraus und machten es uns gemütlich. Die Gemütlichkeit dauerte gerade mal zwei Minuten. Ein Auto war in Sichtweite und kam immer näher.
Es war die Familie mit den zwei Kindern, die wir schon in Xade sahen und in der Piper Pan sprachen. Schön! Sie hatten anscheinend das Zelten schadlos überlebt.
Sie stiegen aus dem Auto und inspizierten die Gegend, suchten eine gute Ebene um das Zelt zu platzieren. Vor allem ohne Ameisen. Mark, so hieß der Herr, kam zu uns und wir sprachen über Dies und Das. Ich freute ich schon, nicht allein hier zu campen, doch diese Freude währte nicht lange. Es sollte sich herausstellen, dass wir mal wieder nicht richtig unsere Papier lesen konnten. Es stand da zwar Kori Camp drauf, dazu aber noch viele Ziffern und mitten zwischen den Ziffern auch eine Nummer. Pech gehabt, dass waren dann zwei Plätze weiter. Sorry, sorry, sorry!
Wir packten unsere zwei Campingsessel also wieder ein und bevor wir losfuhren fragte Rudij noch Mark ob er evtl. wüsste, wie der Zusatztank umzufüllen war. Eine Bedienungsanleitung war nicht im Auto und - ja, man hat es uns erklärt - aber wir haben es wieder vergessen. Mark setzte sich in unser Auto, prüfte hier und prüfte ja, fragte dies und fragte das um danach zu meinen: I think you are in trouble! OK, gaaaaaaaaanz ruhig!
Noch einmal alles überprüft und unter das Auto gelegt und die Tank abgeklopft. Und siehe da, ein Lichtblick - in einem Tank war doch noch etwas Benzin. Gott sei dank! Ich weiss zwar nicht mehr wie, aber es klappte mit dem Umfüllen. Wir wussten aber nicht wieviel Benzin dadrin war, da sich die Benzinnadel nur gaaaaanz langsam bewegte. Um sicher zu gehen, verliessen wir Kori Camp und fuhren direkt nach Matswere zum Ausgang, in der Hoffnung dort irgendwie an Benzin zu kommen.
Nein, natürlich gab es dort kein Benzin, aber wie konnten unseren Camper zum Übernachten direkt neben das Gate stellen. Die Freude war jedenfalls groß, wenigstens bis dort gekommen zu sein. Auf dem Weg nach Matswere verbesserte sich der Benzinstand und so konnten wir etwas entspannter den Abend angehen. Die nächste Tankstelle sei zwar in Rakops, so wurde uns berichtet, aber wenn es dort kein Benzin gibt, sollten wir bis Mopipi. Und Mopipi lag nun nicht gerade auf unserer Route, jedoch immer schön optimistisch bleiben.
Als wir m nächsten Morgen die Central Kalahari verlassen, wird uns noch einmal bewusst, dass wir 52.800 Quadratkilometer mit nur einer kleinen Familie teilten.
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