THEMA: NEEEF-Konzept
09 Aug 2016 13:29 #440336
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  • fordfahrer am 09 Aug 2016 13:29
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Lieber Beginner,
ich denke, dass meine Aussage durch das kleine mE durchaus nicht polemisch ist.

Es wäre für mich durchaus interessant, in welchem afrikanischen Land aktuell eine Demokratie nach unserem Verständnis funktionieren können. Also wir reden nicht über sowas wie in NAM oder RSA, wo die ehemaligen "Revolutionäre" immer noch mit historischem Bonus arbeiten, sondern sowas, wo eine konstruktive Diskussion zur Lösung von Problemen geführt wird und das Land nicht als großer Selbstbedienungsladen für die politische Elite und ihre Freunde betrachtet wird. Da fällt mir aktuell keins ein. Ich bin mir auch nicht sicher, ob "unsere" Demokratie überall funktioniert. Im nahen und mitleren Osten zB mE überhaupt nicht. Da fehlt uns auch das Verständnis für die komplexen historischen, relegiösen und strategischen Zusammenhänge.

Ich finde, es macht Spass unterschiedliche Positionen zu lesen und sich selbst ein Bild zu machen.

Und ja, ich glaube historische Werke zeichnen manchmal schon verzerrte Bilder, zumal da auch oft voneinander abgeschrieben wird. Das zentrale Werkzeug des Historikers sind Primärquellen und die haben wir noch nicht mal in der neueren ostdeutschen Geschichtsschreibung bemüht - noch weniger in der afrikanischen ... . Das Wort "bias" umschreibt das im Englischen schön. In D gibt's da kein richtiges Wort dafür.

Gruss und happy writing :)

Christian
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09 Aug 2016 14:28 #440346
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  • Topobär am 09 Aug 2016 14:28
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fordfahrer schrieb:
Es wäre für mich durchaus interessant, in welchem afrikanischen Land aktuell eine Demokratie nach unserem Verständnis funktionieren können. Also wir reden nicht über sowas wie in NAM oder RSA, wo die ehemaligen "Revolutionäre" immer noch mit historischem Bonus arbeiten, sondern sowas, wo eine konstruktive Diskussion zur Lösung von Problemen geführt wird und das Land nicht als großer Selbstbedienungsladen für die politische Elite und ihre Freunde betrachtet wird. Da fällt mir aktuell keins ein.
Von Politikwissenschaftlern wird Ghana als das demokratisch Musterland in Afrika angesehen. Dort gab es schon mehrere friedliche Regierungswechsel nach Wahlen.
Mit einigen Abstrichen läuft es wohl auch in Botswana recht gut. Dort ist zwar bislang durchgehend die Unabhängigkeitspartei an der Macht, die Präsidenten haben sich aber alle an die verfassungsmäßige Amtszeit gehalten und hinsichtlich Korruption steht das Land ebenfalls sehr gut da. Alle Wahlen galten als fair und transparent.
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09 Aug 2016 16:29 #440373
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  • leser am 09 Aug 2016 16:29
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…..hatte einiges nachzulesen….kommt also auf noch mehr off topics nicht mehr an.

@ „Derartige Themen“ sind für mich ein Hauptmotiv zum Lesen hier und ich fände es (wie Rodrigo u. a) schade, wenn sie nicht stattfinden würden, erkenne aber unbedingt an, dass meine Erwartungshaltung atypisch ist.

@Abschaffung der Apartheid durch Volksentscheid um 1975 (!!) bleibe ich dabei, dass diese so nicht stattgefunden hat, sofern man damit nicht nur die „petty“ Apartheid meint (und das war auch erst später), sondern das Gesamtsystem, siehe folgend. Und Swakop1952, deine Einschätzung dazu interessiert mich unbedingt, authentische Wahrnehmungen sind (auch) Geschichte. Es gibt wohl auch noch andere Forumsmitglieder, die dazu aus eigenem Erlebnissen etwas sagen könnten.

@Danke Beginner für den Lesetipp. Ich sehe das auch so, dass der SA-Masterplan für Namibia eben ein „südafrikanischer“ war….Homelands, Mehrkammersystem, Minderheitenvertretungen anstelle von Grundrechten, allgemeinem Wahlrecht etc., an dem aber einige sogenannt "traditionelle Führer“ (wie in SA) durchaus ein Interesse hatten, alleine schon aus Angst vor Dominanz durch SWAPO/Ovambos. Das lässt sich auch leicht belegen, man braucht nur die dortigen Zeitungen aus dieser Zeit zu lesen (die ja aus Sicht von Swakop1952 wohl nicht als Lügenpresse einzustufen sind?)…etc. Als Namibia 1979 erstmals (!) legislative Befugnisse erhielt und tatsächlich Pettyapartheid-Bestimmungen abschaffte hat SA geschäumt (siehe z. B. obigen Artikel von Mudge selber).

@ petty apartheid. Wenn andere Anekdoten schreiben, darf ich auch, folgende gibt den Zeitgeist bez. „Abschaffung der Apartheid“ m. E. gut wieder.
Als die internationalen Boykotte (Peter Hain, Anti-Apatheid-Bewegung etc.) so richtig bissen (in der Öffentlichkeit hat vor allem der (Quasi-) Ausschluss vom internationalen Sport sehr geschmerzt), hat die Regierung als Gegenstrategie 1973 in Pretoria die (gemischtrassigen!) South African Games veranstaltet, an welchen auch tatsächlich einige nichtweiße Sportler teilnahmen. Blöderweise hatte man vergessen, die örtliche Polizei auf diese Situation vorzubereiten und die haben dann prompt ein paar farbige Sportler bei Spazierengehen und Sitzen auf der slegs blankes Parkbank verhaftet, peinlich. Im Eilverfahren wurden dann „internationale Zonen“ mit Ausnahmeregeln verordnet, für z. B. Burgers Park in Pretoria. Oder siehe auch die Verleihung des Status „Ehrenweiße“ für die mittlerweile wirtschaftlich wichtigen Japaner.

@Botswana sehe ich nicht so positiv wie Topobär und ich bin der Meinung, dass der korrupte Khama-Clan und seine BDP das Land genauso ausplündern und gegen die Wand fahren wie Zuma etc. Aber in die internationalen Medien kommt davon überhaupt nichts durch, die wenige Presse ist durchaus positiv, die örtlichen Medien zeichnen aber ein ganz anders Bild. Die PR-Abteilung in der Präsidentenkanzlei dürfte wohl die erfolgreichste des Systems sein.


@SADF in Angola ein Lesetipp:
Edward George:
The Cuban Intervention in Angola, 1965 – 1991
From Che Guevaran to Cuito Cuanavale
Das gibt es im Buchhandel aber hier als gratis pdf:
www.cabinda.net/The-...ention-in-Angola.pdf
Das Thema ist der Krieg in Angola, dessen ursächliche Verknüpfung mit Namibia wird aber auch ausführlich behandelt.
Vor allem die Einschätzung von Swakop1952 würde mich sehr interessieren.

Grüße
Letzte Änderung: 09 Aug 2016 17:38 von leser.
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09 Aug 2016 16:48 #440380
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@ leser
Wie kannst Du behaupten es hätte kein Referendum stattgefunden? Du warst natürlich dabei. Als Militärangehörige haben wir in Unterstützung der Polizei die Wahllokale geschützt vor Terroranschlägen, in Zivilkleidung. Aber das muß ich mir wohl auch eingebildet haben. Danke.
Hier werden die üblichen Mainstreamansichten im Propagandaformat mal wieder in den Raum gestellt, da erübrigt sich die weitere Diskussion (Hauptsache Parkbänke). Das betrifft aber auch den Präsidenten von Botswana.
Letzte Änderung: 09 Aug 2016 17:31 von Swakop1952.
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09 Aug 2016 17:17 #440388
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  • Rodrigo am 09 Aug 2016 17:17
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Guten Nachmittag,
seht, jetzt fängt's an, interessanter werden. Dank an die Initiatoren, das Spektrum etwas zu erweitern.
@Swakop: Meinst Du nicht, Du könntest Dich und Deine Erfahrungen stärker einbringen, wenn Du Deinen schweren Säbel (wohl in SWA gelernt; man merkt das leicht an den div. Leserbriefen der AZ) gegen das Florett austauschen würdest?
@ Alle: Fragen nach Toiletten werden natürlich auch in Zukunft ernsthaft behandelt. Immerhin gehört das zu den drei wichtigsten Fragen der Menschheit .... Widerspruch?
Ich wünsche einen vergnüglichen Abend!
Rodrigo
Rodrigo
Omnia vincit amor
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09 Aug 2016 17:34 #440390
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  • leser am 09 Aug 2016 16:29
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Hallo Swakop1952, habe ich ein Verständnis- oder ein Verständigungsproblem?

Du schreibst:
..diese Apartheidsgesetze sind in Namibia gemeinsam mit der Apartheid bereits um 1975 abgeschafft worden auf Betreiben von Dirk Mudge…
und später:
….suchte Mudge in der Mitte der 1970er Jahre das Gespräch mit den schwarzen Bevölkerungsgruppen bzw. Parteien, was später zur Turnhallen-Konferenz führte, um die Unabhängigkeit vor zu bereiten. Dem vorangegangen war dein Referendum unter weißen Wählern, das dieses alles ermöglichte, inklusive der Aufhebung der Apartheidsgesetze….
Das bedeutet für mich: In einem Referendum wurde zur Aufhebung der Apartheidgesetze ermächtigt und das war/wurde dann (um) 1975 umgesetzt, dann war die Apartheid in Namibia weg. Meinst du das nun so oder nicht und vor allem welche „Art von Apartheid“ meinst du denn?
Nachtrag: Es wäre eine echte Bereicherung der Diskussion, wenn jemand den Referendumstext beisteuern könnte und auch Daten und Fakten zur Umsetzung.
Grüße
Letzte Änderung: 09 Aug 2016 17:40 von leser.
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