in den nächsten Tagen/Wochen möchte ich hier aus dem Reisetagebuch unserer Äthiopienreise 2019 berichten. Damit unsere Freunde und Bekannten sowie alle Interessierten hier Nachlesen können was wir erlebt, erfahren und empfunden haben. Denn wann immer wir gefragt werden, wie unsere Äthiopienreise war, fällt uns die Antwort schwer. Einfach weil die Eindrücke so vielfältig waren, dass wir es nicht in wenigen Worten, ja nicht mal in wenigen Sätzen sagen können.
Da es sich um unser Reisetagebuch handelt, ist es oft sehr detailliert. Wenn es euch zu langatmig wird, einfach weiterscrollen und die Bilder anschauen. 😄
Teil 218. Jan. 2020
Uns hat vor allem die alte christliche Kultur Äthiopiens zu dieser Reise bewogen und daher wollten wir diese in einer Reisegruppe mit Reiseleitung unternehmen. Um bei den Besichtigungen die Dinge nicht nur zu Sehen, sondern auch erklärt zu bekommen, WAS wir da sehen. Unsere Wahl ist auf Rotel Tours gefallen, da wir hier schon einige Male mit sehr guten Reiseleitern unterwegs waren. Vorne weg: Auch diesmal hatten wir eine sehr gute Reiseleiterin, die Äthiopien schon lange bereist, sich in Äthiopien und die Menschen richtig verliebt hat und mit sehr viel Herzblut ihr Wissen an uns weitergegeben hat. (Siehe Stichwort oben: Weiterscrollen und Bilder anschauen, wenn es euch irgendwann zu viel wird. 🙄 )
Das Konzept von Rotel Tours ist kurz gesagt etwas ungewöhnlich und sicher nicht jedermanns Sache. Gefahren wird in einem großen LKW mit Fahrgastkabine für 20 Personen und dahinter den Schafkabinen. Diese sind tagsüber nicht erreichbar. Erst abends wird die Seitenwand des LKWs aufgeklappt und so entsteht ein Zugang zu den Kabinen. Jeweils 3 Kabinen sind dabei platzsparend übereinander angebracht. Hinten am LKW ist auch noch eine Küche integriert um Abendessen und Frühstück zu machen. Auch hier wird abends die Rückwand aufgeklappt und dann ist die Küche einsatzbereit. Der Fahrer ist auch Koch und zusätzlich ist auch eine deutsche Reiseleiterin (die amharisch recht gut beherrscht) mit uns unterwegs. In Äthiopien hat uns zusätzlich noch ein einheimischer Guide begleitet.
Das Ausklappen der Seitenwände und Anbringen der Plane für den Gang zu den Kabinen übernehmen wir Reisegäste. Wenn am Rotel gekocht wird, helfen wir auch beim Schnippeln und Abwasch. Keine große Sache für jeden einzelnen. Was wir aber gleich bei unserem ersten "Rotel-Versuch" vor vielen Jahren bemerkt haben: Durch diese Zusammenarbeit der Gäste entsteht oftmals aus der bunt zusammengewürfelten Gruppe Unbekannter eine richtige Gemeinschaft.
Wir empfinden dies als echte Bereicherung, die vielen Eindrücke einer Reise in solch einer Gemeinschaft zu erleben.
Die Gruppengröße mit 20 Personen mag zwar recht groß erscheinen. Aber jetzt mal ganz unter uns: Es ist dabei wie im echten Leben. Mit manchen Leuten versteht man sich super und mit anderen - naja, nicht so. Das war auch auf der Reise (in ganz, ganz wenigen Fällen) so. 😗 Und bei 20 Leuten kann man viel leichter den "Nicht-so"-Leuten aus dem Weg gehen wie bei einer Kleingruppe mit 4-8 Leuten. 😈
Teil 318. Jan. 2020
16.11.2019 Anreise Dieses Jahr geht es nach Äthiopien. Die uralte christliche Kultur und der blaue Nil locken uns. Aber erst mal ist wieder die Anreise zu bewältigen. Mit Bus und Zug geht es am Samstagvormittag nach Frankfurt. Der Flieger hebt pünktlich um 12:50 Uhr ab. Der Flug verläuft ruhig. Am Abend erreichen wir ohne besondere Vorkommnisse Addis Abeba. Und auch unsere Reisetaschen sind da. Nur die Einreise verläuft etwas chaotisch. In der Halle des Flughafens vor den Einreiseschaltern hat sich eine sehr große Menschenmenge aufgestaut. Wo jetzt genau anstellen ? Die Schalter gerade aus ? Oder doch die Schalter links ? Oder die Schalter hinter uns an der Wand ? Nach einigem Hin und her schiebt mich eine resolute junge Flughafenangestellte Richtung der Schalter hinter uns. Und siehe da: Die Einreise erfolgte hier innerhalb weniger Minuten. Schon stehen wir in der Vorhalle bei den Ausgängen des Flughafens. Hier warten einige äthiopische Guides auf die Reisenden. Hmmm, naja. Zumindest die ANDEREN Guides. Denn wir sehen kein Rotel-Schild. Wir drehen noch eine Runde mit einigen Mitreisenden und werden dabei von einigen Guides angesprochen. Ob sie helfen können. Irgendwo anrufen ? Ein Guide klärt uns auf: Um in den Flughafen von Addis zu kommen, braucht es eine besondere Akkreditierung. Und die hat nicht jeder. Wir sollen rausgehen und dort werden wir dann unsere Reiseleitung treffen. Zögerlich verlassen wir mit etlichen Mitreisenden den Flughafen, obwohl es sonst immer bei Gruppenreisen heißt: Nie den Flughafen verlassen. Immer auf den Guide warten. Wir steigen draußen eine Treppe runter und sind auf dem Parkplatz. Kein Guide zu sehen. Ich fasse mir ein Herz und laufe ein Stück weiter nach rechts: Und siehe da. Hinter einer von Polizisten bewachten Schranke warten weitere Guides. Und da sehe ich auch das Rotel-Schild. Ich führe unsere Reiseleiterin zur Gruppe und dann geht es zu den bereitstehenden Bussen. Nachdem sich auch der Rest der Gruppe nach und nach aus dem Flughafen traut, fahren wir zum Ghion-Hotel und checken durch den Hintereingang ein, da der Haupteingang eine Baustelle ist. Gegen Mitternacht haben wir unser Zimmer bezogen und eiskalt geduscht (der Durchlauferhitzer wollte nicht so richtig). Da Addis auf 2.400 Metern liegt, wird die Nacht recht frisch. Wir haben richtig gefroren unter der dünnen Bettdecke.
Teil 418. Jan. 2020
17.11.2019 Start mit Verzögerung Nach dem Frühstück im Hotel geht es raus auf den Parkplatz zum Rotel. Wir klappen es auf und stopfen unsere Reisetaschen in unsere Kabinen. Eigentlich sollte jetzt die Tour losgehen. ABER in Addis Abeba ist am heutigen Sonntag ein Marathon. Und die Strecke führt direkt am Hotel vorbei. Alles ist abgesperrt. Kein Rauskommen. Also erst mal warten. Wir nutzen die Zeit, um schon mal die Rotelkabine einzurichten: Moskitonetz aufhängen, Leinen für Handtücher spannen etc. Im vorderen Garten des Hotels war gestern ein Fest. Wohl wegen des Marathons. Hier stehen ein paar Zeltpavillons. Jetzt wird aufgeräumt. Wir spazieren etwas durch den hinteren Park des Hotels. Der muss mal schön gewesen sein. Jetzt ist er aber sehr verwildert. An einigen Stellen verfallen Brunnen, Gartenhäuschen und Bänke vor sich hin. Gegen 11.30 Uhr ist der Marathon vorbei und wir starten endlich Richtung Süden.
Wobei das Thema Uhrzeit und Datum in Äthiopien nicht so einfach ist. Laut Mitteleuropäischer Zeit wäre es 9:30 Uhr, nach ostafrikanischer Zeitzone eben 11:30 Uhr. Also 2 Stunden Zeitumstellung. Die Uhren gehen in Äthiopien aber ganz anders! Da das Land nah am Äquator liegt, dauern die Tage und Nächte im Jahresverlauf ungefähr gleich lang. Darum werden die Tage jeweils in 12 Tag- und 12 Nachtstunden eingeteilt. Der äthiopische Tag beginnt mit Sonnenaufgang, das bedeutet um 6 Uhr unserer Zeit. Für die Äthiopier ist es dann 0 Uhr. 7 Uhr „unserer“ Zeit ist 1 Uhr in Äthiopien; „unser“ 18 Uhr ist äthiopisches 12 Uhr usw. Unsere Reisegruppe wird die ganze Reise über nach der ostafrikanischen Zeit leben, denn diese Uhrzeit/Tageszeit sind wir einfach gewohnt.
Damit aber nicht genug. Der äthiopische Kalender ist eine Variante des koptischen Kalenders und läuft unserem gregorianischen Kalender 7 Jahre und 8 Monate hinterher. Das Jahr wird in 13 Monate eingeteilt. 12 Monate zu je 30 Tagen und 1 Schaltmonat mit 5 bis 6 Tagen. Das neue Jahr beginnt an unserem 11. oder 12. September. Statt des 17.11.2019 haben wir heute also den 8. Hadar 2012. Statt 11:30 Uhr haben wir also 5:30 Uhr äthiopische Zeit. Alles klar ?
Teil 518. Jan. 2020
Wie auch immer: Nach einigen Stunden Richtung Süden auf der B51 erreichen wir Tiya. Das Gebiet wird von Mitgliedern der Volksgruppen der Oromo und Gurage bewohnt. Wir laufen einige Meter von der Straße weg und stehen am Eingang des Stelenfeldes. Mehr als 30 Stelen sind hier in drei Gruppen aufgereiht.
Manche der Stelen tragen eingemeißelte Zeichen und Symbole. Tiya ist einer von neun megalithischen Standorten in der Region, an denen Menhire dieser Art gefunden wurden. Mittlerweile wurden ca. 300 Steinstelen registriert. Die Symbole auf den Stelen hier zeigen Schwerter, welche auf Krieger hinweisen könnten und teils auf den gleichen Stelen auch pflanzenähnliche Bilder.
Die Pflanze ist möglicherweise die Ensete (falsche Banane). Diese wird bei den südlichen Stämmen wie den in dieser Region lebenden Gurage, aber auch bei mehreren südlicher lebenden Ethnien wie den Wolaytta und Dorze kultiviert. Aus der Ensete kann eine teigähnliche Stärke gewonnen werden, die zu Brotfladen gebacken wird. Diese Stärke enthält neben Kohlehydraten viele Vitamine und Mineralien. Das so hergestellte Brot ist also eine vollwertige Nahrung für die Völker des Südens. Wo die Ensete angebaut wird, herrscht nie Hunger und Mangelernährung. Es wäre also durchaus möglich, das auf den Stelen eine derart wichtige Nahrungspflanze dargestellt wird. Eine Stele zeigt auch deutlich weibliche Brüste. Hier ist offensichtlich eine Frau dargestellt.
Hinter den Stelen fanden die Archäologen meist Gräber. Die Toten wurden in fast allen Fällen in Hockstellung beigesetzt. Die Stelen werden ins 12. bis 14. Jahrhundert n. Chr. datiert und sind seit 1980 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Am Eingang des Stelenfeldes bieten einheimische Frauen Kaffee an. Wir nutzen die Gelegenheit und trinken unseren ersten traditionellen äthiopischen Kaffee. Etliche werden noch folgen.
Teil 618. Jan. 2020
Nun führt unsere Reise in den Ostafrikanischen Graben hinab auf etwa 1.600 Meter. Am Grabenbruch halten wir an einer Stelle mit Obsidianvorkommen. Ein kleines scharfes Steinchen verirrt sich dabei auch in unsere Tasche.
Wir erreichen Ziway am gleichnamigen See und bauen unser Rotel im Hof des Hotel Bethelhem auf. Die Anlage ist sehr gepflegt und sauber. Außerdem liegt sie nur wenige Meter vom See entfernt.
Unsere Reiseleiterin ruft uns zusammen. Wir müssen etwas besprechen. Vor einige Tagen haben Moslems in Harar eine christliche Kirche angezündet. Die Region ist zur Zeit sehr unruhig. Der lange schwelende Konflikt zwischen den Oromo und Amharen bricht immer wieder aus. Wir erfahren, das dies wohl nicht immer so war. Früher fühlten sich alle Einwohner Äthiopiens als Äthiopier. Noch unter dem diktatorischen und grausamen Mengisto-Regime von 1977 bis 1991 wurde die Einheit der Äthiopier betont. So spielte es wohl in der Bevölkerung keine entscheidende Rolle, wer Oromo, Amhare oder von sonstiger Ethnie war. Auf unseren Fahrten durch Äthiopien haben wir in allen Regionen auch dieses Mit- und Nebeneinander der verschiedenen Ethnien erlebt: In Gebieten der Oromo gab es neben Moscheen auch immer christliche Kirchen. Und in den Gebieten der Amharen und Tigray neben Kirchen auch immer Moscheen. Aber unter Meles Zenawi ab 1995 bis 2012 wurde die regionale Identität der Ethnien in den Vordergrund gestellt. 1998 wurden die Verwaltungsregionen neu nach ethnischen Gruppen aufgeteilt. Was angesichts der oben erwähnten Vermischung der Bevölkerungsgruppen in allen Landesteilen natürlich schwierig war und für Konflikte sorgen sollte. Es entstanden die Regionen Oromia, Amharta, Tigray, Somali, Afar und drei weitere Regionen, welche die kleineren Ethnien zusammenfassen. Die Regionen erhielten größere Befugnisse. Unter anderem auch jeweils eine regionale Polizeitruppe aufzustellen. Heute fühle sich kaum noch jemand in erster Linie als Äthiopier. Viele identifizieren sich jetzt anscheinend zuerst mit ihrer Ethnie. Traditionell waren die im Norden lebenden christlichen Amharen und Tigray die wichtigsten und somit staatstragenden Volksgruppen in Äthiopien. Entsprechend fühlen sich die Oromo als zweitgrößte Volksgruppe bis heute benachteiligt. Zumal die Oromo historisch gesehen erst spät endgültig ins äthiopische Herrschaftsgebiet integriert wurden und vorher sowohl von amharischen Christen, aber auch vom südlichen Königreich Kaffa bis ins 19. Jahrhundert als Sklaven gefangen und verkauft wurden. Aktuell hat Äthiopien mit Abiy Ahmed jetzt zwar erstmals einen Oromo als Ministerpräsidenten (der für seinen Friedensschluss mit Eritrea den Friedensnobelpreis erhielt), aber bei den Oromo gärt es immer noch. Der Internetaktivist und Regierungskritiker Jawar Mohammed, ebenfalls ein Oromo, half Abiy Ahmed ursprünglich an die Macht. Mittlerweile haben die beiden Männer sich aber entzweit und der radikalmuslimische, von Saudi-Arabien unterstützte Jawar Mohammed kritisiert jetzt auch die aktuelle Regierung. Zunehmend erhält der bisher eher ethnisch begründete Konflikt zwischen Oromo, Amharen und Tigray jetzt auch noch eine immer stärkere religiöse Dimension. Die Oromo sind Musline, die Amharen und Tigray orthodoxe Christen. Heute betrachten viele Äthiopier das brutale Mengisto-Regime aufgrund der damals herrschenden nationalen Einheit sogar wieder in einem positiven Licht. In Diktaturen werden eben neben den freiheitlichen auch die radikalen Kräfte unterdrückt und an ihrer Entfaltung gehindert. Bei vielen Menschen herrscht große Angst vor einem Krieg. In der Woche vor unserer Ankunft haben Priester in allen orthodoxen Kirchen in Äthiopien 7 Tage lang rund um die Uhr für den Frieden gebetet. Und diese Gebete wurden auch rund um die Uhr wie üblich per Lautsprecher nach draußen in die Orte übertragen. Wir wussten schon, das Äthiopien mit über 80 unterschiedlichen ethnischen Volksgruppen eine der komplexesten und vielfältigsten Staaten Afrikas ist. Das wir uns aber nun so intensiv mit dieser Tatsache auseinandersetzen müssen, hätten wir nicht geahnt. Jetzt ist es jedenfalls so, dass vom Militär alle Straßen nach Harar gesperrt wurden und der Notstand in der Region ausgerufen wurde. Wir können also morgen nicht nach Osten Richtung Harar aufbrechen. Das gesamte Programm unserer ersten Reisewoche ist somit hinfällig. Unsere Reiseleiterin schlägt vor, am nächsten Tag in einer gewaltigen Fahretappe ca. 370 Kilometer nach Süden bis Arba Minch zu fahren. Raus aus dem Gebiet der Oromo. Was bleibt uns auch anders übrig ? Bei Abendessen im Hotel lernen wir erstmals Injera kennen. Es handelt sich um ein weiches, säuerliches und schwammartiges Fladenbrot, welches aus der glutenfreiem Hirseart Teff, oft unter Zugabe des ertragreicheren Sorghum, hergestellt wird und bei kaum einer äthiopischen Mahlzeit fehlen darf. Einigen schmeckt es nicht so, aber wir mögen es.
Teil 718. Jan. 2020
18.11.2019 Auf Abwegen unterwegs in Äthiopien Am Morgen werde ich um 5 Uhr von den Gebetsgesängen der orthodoxen Priester geweckt: Die Morgenandacht hat begonnen. Diese per Lautsprecher aus den Kirchen übertragenen Gebete werden uns die ganze Reise begleiten. Die Morgenandacht dauert jeweils 1-2 Stunden. Vor dem Frühstück laufe ich vom Hotel aus zum See. Erste Fußgänger und Pferdegespanne sind auf der Straße unterwegs.
Überall in den Bäumen stehen Marabus. Ein Marabu gleitet in 3 Metern Höhe die Dorfstraße entlang direkt über mir vorbei. Am See wimmelt es vor Vögeln: Reiher, Triele, Kingfisher, Pelikane, Ibisse etc. Die Morgensonne taucht die Szenerie in ein goldenes Licht. Afrika wie aus dem Bilderbuch.
Hagedasch
Heiliger Ibis
Kuhreiher ?
Morgens fahren wir zunächst auf der A7 (dem East African Highway) bis Shashemene, einer Hochburg der Oromo. Daneben ist es auch als Siedlungsort der Rastafari-Bewegung bekannt.
Bei der Fahrt durch Shashemene fallen uns die teils finsteren Blicke der Passanten auf. Zwar gibt es immer wieder auch Menschen, die uns freundlich zuwinken. Aber viele bleiben sehr reserviert und es wird in unsere Richtung auch manch eine Geste gemacht, die eindeutig kein freundlicher Gruß ist. Wir spüren erstmals eine gewisse Spannung in der Luft. Nach Shashemene folgen wir weiter der A7. Wir verlassen jetzt die Region „Oromia“ und kommen in die „Region der südlichen Nationen, Nationalitäten und Völker“, eine der drei Regionen, welche die kleineren Volksgruppen zusammen fassen. Wir sehen in der trockenen Region immer wieder Eselskarren mit vielen gelben Kanistern, die Wasser vom nächsten Brunnen oft kilometerweit ins Dorf transportieren. Wer keinen Esel besitzt muss den Wasserkanister selbst tragen. Dies ist Aufgabe der Frauen und Kinder.
Teil 818. Jan. 2020
Wir sind jetzt im Gebiet der Hadiya. Wir halten beim Dorf Halaba, welches Besuchergruppen willkommen heißt. In der ersten Reihe die schön bemalten Hütten.
Dahinter dann die unbemalten Hütten:
Hier kann man die Bauweise gut erkennen, da etwas renovierungsbedürftig.
Die Bewohner zeigen uns ihre Hütten:
Und auch den Nutzgarten, wo unter anderem auch Khat angebaut wird. Dieses Kraut ist auch in Äthiopien weit verbreitet und entfaltet beim Kauen eine berauschende Wirkung.
Khat
Teil 918. Jan. 2020
Mittagspause machen wir in einem schön gelegenen, noblen Restaurant oberhalb der Stadt Soddo.
Ich stehe etwas früher vom Tisch auf, um in einer daneben befindlichen Tankstelle noch Wasser zu kaufen. Die Tankstelle ist aber schon länger verlassen. Dennoch haben sich einige Frauen auf dem Gelände einen provisorischen Verkaufsstand eingerichtet und so bekomme ich doch noch Wasser. Während ich so mit meinem Sixpack Wasser am Straßenrand stehe und auf die Gruppe warte, kommen immer wieder Passanten vorbei. Vor allem die Jugendlichen, die gerade aus der Schule kommen, sind besonders neugierig. Manch kurzer Gruß und Händedruck folgt. Für mehr reicht leider bei den meisten das Englisch nicht. Irgendwann kommt der Wachmann des Restaurants auf mich zu und reicht mir die Hand. Neben dem Händedruck zieht er dreimal meine Schulter an seine. Die übliche äthiopische Art, um vertraute Menschen zu begrüßen oder einem Menschen seine Hochachtung zu zeigen. Der Wachmann erklärt mir, das er in all den Jahren noch niemals einen Gast des Restaurants erlebt habe wie mich. Einer der sich einfach an die Straße stellt und mit den einfachen Menschen redet. Wir fahren jetzt durch das Gebiet der Wolaytta nach Arba Minch am Abaja-See.
Am Ufer des Sees leben die Gamo und in den Guge-Bergen dahinter die Dorze. In engen Hof eines Hotels bauen wir unser Rotel auf. Heute abend gibt es erstmals Rotelküche.
Teil 1018. Jan. 2020
19.11.2019 Besuch bei den Dorze Morgens laufe ich wieder einige Meter auf der Straße vor dem Hotel. Auch hier stehen vielen Marabus auf ihren Übernachtungsbäumen. Am Straßenrand sind Säcke mit Holzkohle zum Verkauf aufgestellt. Einige Einwohner und TukTuks sind im ersten Licht der Morgensonne bereits unterwegs.
Afrikanischer Paradiesfliegenschnäpper ??
Die Fahrt hoch in die Berge zu den Dorze führt uns auf einer unbefestigten Straße in Serpentinen steil nach oben.
Zwischen den beiden Bildern liegen nur 10 Minuten - und etliche Höhenmeter.
Hier ist es deutlich kühler. Nebel hängt noch in der Luft und verbirgt die Sonne, als wir ankommen. Makonnen, unser Dorze-Guide erwartet uns bereits vor seinem Haus. Er erklärt uns, das die Form der Häuser an die einstmals hier lebenden Elefanten erinnern soll. Uns erinnern sie auch etwas an Bienenstöcke.
Das besondere an diesen ca. 10 Meter hohen, aus Bambus und den Blättern der Ensete gefertigten Hütten ist, dass diese mit den Jahren schrumpfen ! Wie das ? Die Termiten fressen die Hütten von unten. Mit den Jahren werden die Hütten so nach und nach kleiner. Der Eingangsbereich wird immer wieder neu so ausgeschnitten, so das ein Mensch gut durchgehen kann. Auf diese Art können die Hütten zwischen 70-100 Jahre genutzt werden. Bei Makonnen stehen 3 Hütten unterschiedlicher Größe (sprich: Alter) nebeneinander. Die mittlerweile kleinste Hütte hat sein Großvater gebaut und wird heute nur noch zum Brotbacken genutzt, da hierbei viel Rauch entsteht.
Teil 1118. Jan. 2020
Wir werden ins neue, große Haus gebeten. Dort bekommen wir erklärt: Rechts ist ein Bereich für die Tiere, links der Schlafbereich, hinten der Braubereich und in der Mitte der Wohnbereich. Und tatsächlich, als sich unsere Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben, bemerken wir einige Kühe und Ziegen im abgetrennten rechten Hüttenbereich. Bei der Kälte in den Bergen eine willkommene Wärmequelle. Seitlich gibt es eine separate Öffnung, durch die der Mist aus der Hütte geschafft werden kann. Wir bekommen Kaffee auf einem kleinen rauchigen Feuer zubereitet. Über uns hängt in der Hütte ein Braugetreide. Nach einigen Monaten hier im Rauch ist es automatisch getrocknet und geräuchert und somit bereit zum Bierbrauen. Durch die bienenkorbartige Bauweise trägt sich die Struktur selbst. Anders als zum Beispiel bei den Rundhütten der Hadiya braucht es hier also keinen Stamm als Stützpfeiler in der Mitte der Hütte. Das schafft zusätzlichen Raum.
Sorry, aber mit Blitzlicht wollte ich nicht fotografieren....
Hinter der Hütte zeigt uns eine Frau das Spinnen mit der Hand. Die Dorze sind in ganz Äthiopien bekannt als Weber. Die Webarbeiten werden aber von den Männern durchgeführt.
Bild mit Weberutensilien der Dorze aus dem Nationalmuseum in Addis. Aufgenommen am letzten Reisetag. Das Weben ist noch heute ein Haupterwerb und keine Tourishow. Unser Fahrer hat sich bei seinem letzten Besuch eine Jacke bestellt. Und die hat er diesmal bekommen.
Neben der Baumwollspinnerei zeigt uns eine weitere Frau, wie die uns bereits seit den Stelen von Tiya bekannte Ensete verarbeitet wird. Es beginnt damit, den mittleren Teil der Blätter auszuschaben.
Dabei wird Stärke gewonnen, die drei Monate lang unter trockenen Bananenblättern fermentiert.
Sobald diese ausreichend gegoren ist, wird sie als bröckelige Masse mit Wasser vermischt und zu einem Teig geknetet.
Als Nächstes wird der Teig mit Hilfe von frischen Bananenblättern zu einem Fladen geformt und mitsamt dem grünen Blatt auf eine Feuerstelle gelegt und gebacken.
Ach ja, und so schaut die Ensete aus:
Man versteht die Bezeichnung "falsche Banane".
Makonnen führt uns zu einer offenen pavillonartigen Hütte mit Sitzgelegenheiten. Jetzt ist es Zeit für den Arak (Schnaps). Die erste Runde dient der Begrüßung der Gäste, die zweite Runde dann dem Genuss und die dritte Runde schließlich, dass die Gäste weiterhin ein gute Reise haben. Der Schnaps ist etwas likörartig und nicht besonders scharf. Dazu bekommen wir das gerade gebackene Ensete-Fladenbrot, eine scharfe Berbere-Paste sowie Honig gereicht.
Alles hat uns sehr gut geschmeckt 🙂 Und der Alkohol hat dann doch etwas reingehauen. So nach dem 4. Schnaps. 😗 Beim Sichten der Fotos bin ich noch auf Bilder gestoßen, wo ich danach (?) aus der Kalebasse von Makonnen (?) auch noch irgendein selbst gebrautes Bier (?) trinke... 😣 Bild zensiert. 😛
Anscheinend kam es dann auch noch zu einer Verabredung, das Makonnen abends mit seinem Moped zu uns runter in die Stadt kommt und wir das Tasting der einheimischen Alkoholika fortsetzen. (Ich glaube, ich bin unschuldig.) Allerdings musste er später am Tag telefonisch bei unserer Reiseleiterin absagen: Sein Moped ist kaputt. (Meine Vermutung: Seine Frau weiß Bescheid, wie sie kurzfristig elementare Funktionen an seinem Moped lahmlegen kann. 😈 )
Teil 1218. Jan. 2020
So gestärkt war wir nun so was von bereit für Gesang und Tanz. Die Dorfbewohner/innen samt Kinderschar haben sich bereits versammelt und beginnen zu singen und tanzen.
Als wir zum Mittanzen aufgefordert werden, gibt es kein Halten mehr. Es wird ein kurzes, spontanes Tanzfest.
Sorry, ab hier gibt's keine Bilder mehr. Jetzt ist Party !
Zu guter Letzt kaufen wir hier auch eine traditionelle Kaffeekanne als Souvenir. Uns hat der Besuch bei den Dorze sehr gut gefallen. Auch weil es hier wirklich sehr unverkrampft zuging. Die Dorfbewohner hatten sich nicht „verkleidet“, sondern sind in ihrer heutigen, modernen Kleidung erschienen. Lediglich ein paar junge Burschen haben sich darüber Leopardenfelle geworfen und tanzten mit alten Sperren und Schilder. Dabei mussten sie aber selbst am meisten über sich lachen wegen dieser Verkleidung. Sehr sympatisch.
Teil 1318. Jan. 2020
Am Nachmittag fahren wir zum Chamosee und unternehmen eine Bootsfahrt. Wir sehen neben den einheimischen Fischern auch Pelikanen, Flusspferde und Krokodile.
Zurück an Land beobachten wir einige Meerkatzen direkt hinter dem abgestellten Rotel.
Am Abend gibt es noch einmal Rotelküche. Nur diese beiden Male auf dieser Reise wird der Fahrer für uns kochen. Ansonsten essen wir abends immer im Restaurant des Hotels auf dessen Gelände wir unser Lager aufgeschlagen haben. Die Nacht wird etwas unruhig, denn ein heftiges Gewitter bringt stundenlangen starken Regen.
Teil 1419. Jan. 2020
20.11. Langsam zurück Richtung Norden. Heute fahren wir von Arba Minch nach Awassa wieder Richtung Norden. Die Situation im Oromogebiet ist immer noch angespannt, aber nicht weiter eskaliert. Wir fahren entlang der Seen auch durch ein Gebiet, wohin in den 80er Jahren nach der Hungerkatastrophe von der Regierung viele Menschen aus dem Norden zwangsweise umgesiedelt wurden. Nachdem diese den Tod durch Hunger entgangen waren, wurden hier im Süden im Grabenbruch nun viele ein Opfer der Malaria. Denn die Hochlandbewohner des Nordens hatten keinerlei Erfahrung, wie man sich gegen die Mücken schützen muss. Und natürlich kam es auch zu vielen Konflikten mit den bereits hier lebenden Menschen, die eine ganz andere Kultur und Sprache hatten. Letztlich sind viele der Überlebenden doch wieder nach Norden zurückgekehrt. Mittag machen wir wieder im bereits bekannten Restaurant oberhalb von Soddo. Kaffee und leckere frisch zubereitete Fruchtsäfte gibt es hier. Hier ein paar Eindrücke der heutigen Fahrt. Mich hat immer wieder tief beeindruckt, wie fleißig alle Menschen auf dem Land arbeiten. Ganz im Gegensatz zu den größeren Orten und Städten, wo wir viele anscheinend beschäftigungslose junge Männer an den Straßenrändern "abhängen" sahen bei Bier, Kaffee, Billard, Kicker etc.
Bodenerosion aufgrund Abholzung ist ein weiteres Riesenproblem in Äthiopien.
Dazu gab es vor kurzen auch einen Aktionstag in Äthiopien, an dem Millionen junge Bäume gepflanzt wurden.
Bei der Weiterfahrt erzählt uns unsere Reiseleiterin einige Anekdoten, die zeigen, das die Ordnungskräfte in Äthiopien einen feinen Sinn für eine „lehrreiche Bestrafung“ haben. Folgendes hat sie auf früheren Fahrten erlebt: Ein Reisegast hat Militärs fotografiert, obwohl dies streng verboten ist. Anstatt den Reisegast zu verhaften oder einen Geldbetrag als „Bußgeld“ zu fordern wurde verlangt, das der Reisegast seinen kompletten Speicherchip löscht. Das nenne ich mal eine lehrreiche Buße für einen Touristen. Wow. Auf der gerade beendeten Tour durch Südäthiopien kam unser Fahrer auf einer völlig leeren breiten Sandpiste an einen – Kreisverkehr. Mitten im nichts. Anstatt den Kreis zu fahren, fuhr er gerade aus darüber. Sofort sprang ein Polizist hinter einem Busch hervor, stoppte ihn und fragte, warum er den Kreisverkehr nicht gefahren sei. Unser Fahrer versuchte sich herauszureden, sein LKW würde diesen engen Kreisverkehr nicht schaffen. Da ließ der Polizist unseren Fahrer zurückstoßen und den Kreisverkehr nun korrekt fahren. Damit er sieht, dass der LKW doch durch den Kreisverkehr passt. Das war die Strafe.
Teil 1519. Jan. 2020
Am Nachmittag erreichen wir unseren schönsten Standplatz dieser Reise im weitläufigen, parkähnlichen Gelände des United Africa Group Hotel in Awassa. Awassa liegt im Siedlungsgebiet der Sidama. Schon bei der Einfahrt sehen wir eine Gruppe Mantelaffen ( Colobusaffen ) in den Bäumen. Wir haben diese Affen in anderen Teilen Afrikas als recht scheu erlebt. Hier können wir sie lange Zeit aus wenigen Metern Entfernung beobachten. Das Hotelgelände bietet aber auch vielen Vogelarten eine Heimat: Von Hammerkopf über Marabus bis zu Geiern ist alles vertreten. Das Hotel liegt direkt am Awassa-See. Durch eine Gartentür kommen wir auf die Seepromenade. Hier machen auch viele wohlhabende Äthiopier Urlaub. Der Uferbereich ist abgesperrt. Man bleibt ungestört. Keine Verkäufer, Bettler etc. Aber viele Vögel sieht man nicht im Uferbereich, dafür einigen Plastikmüll am Ufer und im Wasser. Schnell kehren wir wieder zurück auf das viel schönere Hotelgelände.
Silberwangenhornvogel
Hammerkopf
Immer wieder beeindruckend: Das Riesennest des Hammerkopf
Schwarzkielralle ?
Kappengeier ?
Wir erfahren, das der Hotelbesitzer ein Tigray ist. Die Tigray sind eine kleine christliche Ethnie ganz im Norden Äthiopiens. Damit sind wir wieder bei der politischen Situation in Äthiopien angelangt. Der vorherige Präsident Meles Zenawi war ein Tigray. Und hat natürlich nach seinem Amtsantritt 1995 zunächst mal dafür gesorgt, das es „seinen“ Leuten gut ging. Viele Tigray erhielten lukrative Posten und kamen zu Besitz. Die Korruption blühte. Als der jetzige Präsident Abiy 2018 an die Macht kam, ging er als erstes gegen die Korruption vor, sprich gegen viele Tigray. Etliche wurden verhaftet, einer davon als er gerade mit Koffern voller US-Dollar das Land verlassen wollte. Dem Besitzer unseres Hotel gelang die Flucht nach Kenia. Jetzt wird das Hotel von einem Manager vom Volk der Wolaytta verwaltet. Auch alle Angestellten sind Wolaytta. Einer Minderheit hier in Awassa. Und auch diese sind besorgt, denn auch in Awassa ist zur Zeit der Notstand ausgerufen. In der Region brodelt es bereits seit längerem, da die Sidama eine eigene Region für sich fordern. Aktuell wurde der Notstand ausgerufen, da ausgerechnet heute (!) das mehrfach verschobene Referendum zur Schaffung einer eigenen Region „Sidama“ stattfindet und die Behörden Unruhen befürchten.
Also sorgen nicht nur die Oromo für Unruhe in Äthiopien. Die Situation ist sehr viel komplexer. Denn das es auch bei den Tigray im Norden brodelt, da sie den Machtverlust nach dem Sturz „ihres“ Präsidenten Meles Zenawi noch nicht verwunden haben, werden wir im späteren Verlauf unserer Reise zu spüren bekommen. Aber davon ahnen wir jetzt zum Glück noch nichts...
Teil 1619. Jan. 2020
21.11. Besuch auf dem Fischmarkt Am Morgen fahren wir zum Fischmarkt von Awassa. Ganz hinten am Strand, an dem die Fischer gerade ihre Netze wieder in die Boote laden, steht eine langgezogene Holzhalle, in der die Fische sofort ausgenommen werden. Der Geruch war so „einladend“, das wir auf das Betreten dieser Halle verzichtet haben. Natürlich fanden sich am Strand auch viele Pelikane, Marabus und Reiher ein, um den einen oder anderen Happen abzubekommen. Wir konnten hier mitten durch diese großen Vögel spazieren.
Asienmittelreiher ???
Rosa Pelikan
Wir kommen mit einigen Studenten der örtlichen Uni ins Gespräch, die sich gerade ihre gekauften Fische ausnehmen und in kleine mundgerechte Happen filetieren lassen.
Dazu kaufen sie noch einige Limetten und schon ist ihr Frühstück fertig, zu dem sie uns auch einladen. Da wir aber gerade erst gefrühstückt haben, verzichten wir dankend und ziehen uns lieber unter einen großen Baum zurück, wo Kaffee auf einem Feuer frisch zubereitet wird.
Während sich meine Frau einen Kaffee gönnt, versuche ich eine im Baum herum hüpfende Meerkatze zu fotografieren.
Irgendwann zieht diese sich auf das Dach der Kaffeehütte zurück und belauert die darunter sitzenden Äthiopier. Eine Frau isst dort ein Fladenbrot. Als sie kurz abgelenkt ist, schlägt der kleine Räuber blitzschnell zu. Ich beobachte ihn noch einige Zeit, wie er wieder auf dem Dach sitzend mit dicken Backen seine Beute futtert.
Bezeichnend auch mal wieder die Reaktion der Einheimischen. Ein kurzes Lachen, eine ärgerliche Handbewegung – und fertig. Niemand kommt auf die Idee den Affen etwa mit Steinwürfen zu vertreiben. Wie würden wir in Deutschland wohl reagieren ? Gift auslegen ? Fallen aufstellen ? Affe erschießen ?
Am Eingang des Fischmarktes gab es auch Fisch zu essen. Aber wir kamen ja gerade vom Frühstück...
Straßenverkehr in Awassa
Teil 1719. Jan. 2020
Danach fahren wir weiter nach Norden. Zurück ins Oromogebiet. Nochmals durchqueren wir Shashemene. Im gesamten Oromogebiet fallen uns immer wieder Frauen auf, die komplett verschleiert sind. Ein Phänomen, das es laut unserer Reiseleiterin so vor 5 Jahren in Äthiopien kaum gab. Bei der Weiterfahrt auf der A7 sehen wir ab Arsi Negele zunächst viele große Maisfelder, dann große Weinfarmen und zuletzt bis kurz vor Ziway endlose Reihen riesiger Gewächshäuser.
Laut unserer Reiseleiterin waren hier bis vor wenigen Jahren überall kleine Gehöfte von Bauern, die sich in Subsistenzwirtschaft selbst versorgten. Nun sehen wir hier die Auswirkungen des in ganz Afrika grassierenden „Land Grappings“ . Große Flächen werden von der Regierung an ausländische Investoren verkauft und die dort teils seit Generationen lebenden Menschen einfach vertrieben. Besitztitel oder gar ein Grundbuch gibt es nicht. Die Menschen sind rechtlos. Und da sich in einer wahren Bevölkerungsexplosion die Anzahl der Äthiopier von 40 Millionen in den 80er Jahren auf heute über 110 (!) Millionen erhöht hat, gibt es für die so Vertrieben auch nirgends mehr freie, für die Landwirtschaft nutzbare Flächen. Wir sehen neben großen Feldern vor allem auch endlose Reihen von Gewächshäusern, in denen meist Blumen (!) für den europäischen Markt angebaut werden. Etliche Schilder weisen auf französische und holländische Firmen hin. Andererseits versucht der Staat aber auch die Landflucht Richtung der Städte einzudämmen. Denn wenn Landbewohner in die Städte ziehen, landen diese fast automatisch in Elendsquartieren am Stadtrand. Um diese Verelendung zu verhindern, möchte der Staat mit viele Projekten „die Stadt aufs Land bringen“. Überall in Äthiopien sehen wir große Neubausiedlung, oft mitten auf dem Land im Nirgendwo. Teilweise bewohnt, oft noch im Bau befindlich. Der Gedanke dahinter ist: Die Landbewohner sollen in ihrer Gegend bleiben und weiter ihre Felder bestellen. Dennoch können sie durch diese neuen Siedlungen auch städtische Vorzüge genießen. Die neuen Häuser sind massiv aus Stein gebaut mit Blechdächern. Anders als die bisherigen Hütten aus Eukalyptusstangen mit einem Lehm/Dung-Verputz. Der äthiopische Staat plant anscheinend, bis zu 8000 solche Siedlungen im Land zu bauen.
Mittags erreichen wir unser bereits bekanntes Hotel in Ziway am See. Wir genießen einen Kaffee samt Weihrauch.
Dann bemerken wir plötzlich über das Dach einige Meerkatzen heranpirschen. Das ungewohnte Rotel lockt sie an.
Als ich um das Rotel rumlaufe, sehe ich gerade noch eine Meerkatze von einem offenen Fenster der Fahrgastkabine wegspringen. Zum Glück war jemand im Bus, so das der freche Räuber sich doch nicht getraut hat, rein zuklettern. Nach und nach schließen alle ihre Kabinenfenster, denn die „Belauerung“ durch die Meerkatzen geht noch einige Zeit weiter. Danach laufen wir alle zum See und sehen dort wieder viele Vögel. Einige unternehmen spontan einen Bootsausflug auf eine Insel, wo es ein altes Kloster mit Bibliothek gibt. Aber ob das Kloster offen ist, wisse der örtliche Guide nicht. Wir verzichten daher. (Gut so. Das Kloster war geschlossen.) Auf der größten der fünf Inseln (Tullu Gudo) im Ziway-See soll nach der Zerstörung der Stadt Axum einige Zeit die Bundeslade in Sicherheit gebracht worden sein. Über die Geschichte des axumitischen Reiches und der Bundeslade werden wir noch mehr hören, wenn wir im späteren Verlauf der Reise die Stadt Axum erreichen - was aber leider deutlich schwieriger werden würde, als wir jetzt ahnen.
Zurück auf beim Hotel gehe ich erst mal auf Fotopirsch.
Weissbrauenweber ?
Senegalamarant ??
Dorfweber ?
Afrikadrossel ?
Mennigbrust-Nektarvogel ?
Blaubrustspint ?
Teil 1820. Jan. 2020
22.11.2019 Auf nach Norden Am Morgen laufe ich wieder alleine im Morgenlicht zum See. Genieße nochmals den Anblick der vielen Vögel – und sehe meinen ersten Wiedehopf in Afrika !
Silberreiher
Haubenzwergfischer ?
Schafstelze ?
Wir fahren heute zunächst wieder nach Addis Abeba. Ein langes Stück davon auf der neuen, vierspurigen Autobahn, die einige Zeit parallel zur neuen Eisenbahnlinie nach Dschibouti verläuft. Es hat wieder zu regnen begonnen. Auf der Autobahn kommen wir auch an Bishoftu (ehemals Debre Zeyit) mit seinen bekannten Kraterseen vorbei. Hier in der Nähe ist auch die Maschine der Ethiopian Airline aufgrund des Softwarefehlers von Boeing abgestürzt. Die Einfahrt nach Addis Abeba gestaltet sich aufgrund einer Baustelle recht chaotisch, Wir müssen zeitweise auf eine nicht geteerten Umleitung, die einfach durch Brachland geebnet wurde. Richtige Fahrspuren sind kaum erkennbar, so das sich der Verkehr in beide Richtungen jeweils einen eigenen Weg bahnt. Mittags besorgen meine Frau und ich uns in Addis Abeba in einem Cafe/Bäckerei nur einige Gebäckstücke für unterwegs. Dann laufen wir beide noch zur Medhane Alem Kathedrale.
Da heute ein Feiertag für St. Michael ist, findet ein Gottesdienst statt. Wir laufen durch das Tor auf das Gelände, bleiben dann aber zögernd stehen. Bei äthiopischen Gottesdiensten ist es wie gesagt üblich, dass die Gebete der Priester per Lautsprecher nach draußen übertragen werden, denn viele der Gläubigen bleiben außerhalb der Kirche und beten dort. Daher sind überall auf dem Gelände in Andacht versunkene Gläubige verteilt. Ein alter Wächter sieht uns beide und winkt uns heran. Auf unsere Frage teilt er uns mit, wir könnten ruhig herumlaufen. Nur in der Kirche sollen wir nicht fotografieren. Aber wir wollen eh nicht als Touris in den laufenden Gottesdienst in der Kirche platzen. Wir laufen nur eine langsame Runde um die Kirche, beobachten die Menschen und lassen die Stimmung auf uns wirken.
Teil 1920. Jan. 2020
Danach geht die Fahrt weiter nach Norden. Wir kommen jetzt ins Hochland auf 2.800 Meter. Wieder gibt es Regenschauer.
Unsere Reiseleiterin ist seit 13 Jahren in Äthiopien zu dieser Jahreszeit unterwegs und hat noch NIE Regen erlebt. Langsam machen sie und der Fahrer sich Sorgen. Wenn es weiter regnet, bekommen wir im Norden Probleme. Eine Tagesetappe führt uns auf einer nicht asphaltierten Piste nach Mekele. Bei Regen ist die Strecke nicht zu fahren. Hoffen wir also auf ein Ende des Regens. Auch die Bauern können diesen gerade gar nicht brauchen. Überall läuft die Teff-Ernte. Dazu ist trockenes Wetter notwendig. Um den langen Fahrtag etwas zu verkürzen, erzählt uns unsere Reiseleiterin unter anderem eine schöne Legende aus Äthiopien: Die orthodoxen Äthiopier glauben, zur Geburt kommt ein Engel zu jedem Baby und erzählt ihm alles über das Leben. Das Baby schreie in dem Moment zum ersten Mal, wo der Engel ihm vom Sterben berichtet. Hier im Hochland nördlich von Addis Abeba sehen wir viele neu gebaute chinesische Fabriken. Alle meterhoch eingezäunt. Die Chinesen sind in Äthiopien überall präsent. Sie bauen viele Straßen. Aber leider nicht besonders gut. Einfache Teerdecke auf Schotter. Fertig. Geht schnell, ist aber spätestens nach 10 Jahren komplett kaputt und nicht mehr befahrbar. Die Äthiopier haben einen eigenen, spöttischen Namen dafür: Ghiro Road. (Ghiro = Kichererbenbrei). Auch die neue Hochbahn in Addis Abeba stammt von den Chinesen. Dafür erhalten Sie aber auch alle Einnahmen aus den Fahrkartenverkauf. Auch sehen wir viele oft rote LKWs „Made in China“ auf Äthiopiens Straßen. Die Äthiopier nennen diese LKWs „Roter Terror“.
Denn die Bauart ist veraltet. Die LKWs sind noch mit uralter Plattenfedern-Technik ausgestattet. Es sind Blattfedern, die auch heute noch bei uns verwendet werden. (Dank an Stefan-Hannover)
Was für eine sehr schlechte Kurvenlage sorgt.
Die mangelhafte bis gar nicht vorhandenen Fahrausbildung der äthiopischen Fahrer und der verbreiteten Neigung, die LKW hoffnungslos zu überladen, sorgt für viele verheerende LKW-Unfälle. Wir kommen auf unserer Reise täglich an solchen Unfällen vorbei.
Die Dörfer der hier ansässigen Amharen und Oromo (hier sind auch die Oromo meist christlich) liegen alle auf Anhöhen und sind durch Mauern mit Toren als Durchlass eingefasst. Richtige Wehrdörfer also.
Teil 2020. Jan. 2020
Am späten Nachmittag erreichen wir Debre Berhan. Nachdem die bis 1974 in Äthiopien herrschende salomonische Dynastie (die sich auf die alten axumitische Könige berief) im Jahr 1270 der Zwage-Dynastie (Lalibela) die Macht entrissen hatte, wurde Debre Berhan unter dem neuen König Yakunno Amlak (1270-85) zur ersten Hauptstadt dieser Herrscherlinie. Die nächsten 300 Jahre bevorzugten es die salomonischen Herrschen dann allerdings, keine feste Residenzstadt zu haben, sondern wie unsere mittelalterlichen Kaiser von Pfalz zu Pfalz zu ziehen. Ein riesiger Hofstaat zog mit und so wurden die Regierungsgeschäfte jeweils direkt vor Ort erledigt. Erst Kaiser Fasilidas (1632-1667) baute dann in Gondar eine neue, ständige Hauptstadt. Aber dazu jeweils mehr, wenn wir auf unserer weiteren Reise Lalibela, Axum und Gondar erreichen werden.
Am Stadtrand kommen wir auch an den hier ansässigen Brauereien Habesha und Dashen vorbei. Beim Hotel Getva direkt an der Hauptstraße bauen wir auf. Das Hotel gehört der bekannten Läuferin Gete Wami. Sie war Weltmeisterin und zweifache Medaillengewinnerin bei Olympia. Von ihren Preisgeldern hat sie das Hotel für ihre Familie gebaut.
Da wir etwas Zeit haben und heute ja ein kirchlicher Feiertag ist, laufen meine Frau und ich noch ein Stück durch die Stadt zu Kirche des Lichts Debre Birhan Selassie. Laut der Überlieferung soll der Kaiser Zara Yaqob an der Stelle ein übernatürliches Licht gesehen haben und daraufhin den Bau der Kirche angeordnet haben. Historiker vermuten, das dies 1456 stattfand und der Kaiser den Hally´schen Kometen gesehen hat. Auf dem Weg dorthin sehen wir bereits viele Menschen in weißen Festtagsgewändern (Netala). Vor dem Gelände der Kirche halten wir wieder einen Moment. Wir sehen, das die Frauen rechts durch ein Tor auf das Gelände gehen, Männer links. Wir beide machen es genauso. Niemand hindert uns. Ich laufe bis vor zur Kirche. Hier sind Stühle aufgestellt. Viele junge Männer sitzen hier und beobachten mich etwas skeptisch, wie mir scheint. Nach einiger Zeit kommt ein alter Würdenträger aus einer Seitentür der Kirche und läuft quer über den Platz nahe an mir vorbei. Ich grüße ihn mit erhobener Hand und „Salam“. Er spricht mich sofort auf englisch an, fragt wie es mir geht. Ich frage ihn, ob es in Ordnung ist, wenn ich hier stehe. Er bejaht dies. Natürlich, gar kein Problem. Ich zeige auf meine Kamera, ob ich ein Foto der Kirche machen dürfe. Aber ja, meint er, ich könne sehr gerne hier fotografieren. Er verabschiedet sich von mir und geht weiter. Da die jungen Männer alle gesehen haben, wie der Würdenträger mit mir gesprochen hat und meine Anwesenheit legitimiert hat, beobachten sie mich jetzt auch nicht mehr. Jedenfalls kommt es mir so vor. Ich mache dezent 1-2 Fotos der Kirche, um die Andacht der Gläubigen , die zumeist im gartenartigen Kirchengelände hinter mir stehen, nicht zu stören.
Ich laufe ein Stück weiter, treffe dort meine Frau, welche die Kirche umrundet hat und möchte aus dieser Position noch ein Foto machen. Sofort ist ein ungepflegter Mann mit fanatischem Blick, (der kein Festtagsgewand trägt), zur Stelle und bedeutet mir, keine Fotos zu machen. Ich lasse es. Mit solchen Menschen kann man nicht reden. Später erzählt mir meine Frau, das dieser wohl selbsternannter „Religionswächter“ ihr bereits argwöhnisch um die gesamte Kirche gefolgt ist. Innerhalb kürzester Zeit erlebe ich hier also die die beiden Extreme des Glaubens: Zum einen die menschenfreundliche Toleranz, ja Nächstenliebe des alten Würdenträgers, der Verständnis und Nachsicht mit mir neugierigen Touristen hat. Und dann die extreme Intoleranz des selbsternannten Religionswächters. Wir laufen zügig zurück, da erneut dunkle Wolken aufziehen. Es regnet wieder die ganze Nacht.
Was wir während der Reise noch nicht ahnen: Es handelt sich bei den ungewöhnlichen Regenfällen möglicherweise um die ersten Vorboten eines besonders starken "Indischen Ozean Dipol", das Gegenstück zum El Nino im Pazifik. Diese Wetteranomalie sorgt durch ungewöhnlich kaltes Wasser vor Australien für eine langanhaltende Trockenheit, was dort zu den starken Bränden geführt hat. Vor Ostafrika dagegen führt ungewöhnlich warmes Wasser zu verstärkten Regenfällen - und diese Regenfälle haben dort mittlerweile eine riesige Heuschreckenplage in Äthiopien, Somalia, Tansania, Uganda ausgelöst. Die sich leider nach verstärken könnte, wenn dort im März die regulären Regenfälle beginnen. 🙁 Die Menschen dort treffen diese durch den Klimawandel verstärkten natürlichen Phänomene mal wieder besonders hart. 🙁
Nachtrag im Jahr 2021: Einer Beobachtung habe ich damals keinerlei Bedeutung beigemessen. Unser Rotel stand in dieser Nacht im Garten des Hotels direkt an der Hauptstraße nach Norden. Ich bin mehrmals in der Nacht aufgewacht durch das Brummen einer langen Kolonne von Militärtransportern russischer Bauart der äthiopischen Armee. Das äthiopische Militär verlagerte anscheinend in dieser Nacht Militäreinheiten. Was mich im Halbschlaf wunderte: Warum fahren die nach Norden Richtung Tigray ? Im Süden um Harar rumort es doch gerade im Gebiet der Oromo ?? Mittlerweile wissen wir, was in der Region Tigray seither geschehen ist. Es herrscht Krieg. Die andauernden Gebete der Priester für Frieden haben nichts bewirkt. Leider. Ob diese Militärbewegungen damals schon Vorboten des Kommenden waren oder einfach "normale" Militärbewegungen im Land kann ich natürlich nicht sagen. Dennoch ist mir dies sofort wieder eingefallen, als die ersten Nachrichten vom Einmarsch der äthiopischen Armee in die Region Tigray mit den damit verbundenen Kämpfen bei uns ankamen.
Teil 2120. Jan. 2020
3.11.2019 Durchs äthiopische Hochland Nach dem Frühstück habe ich am Hotel eine kurze Unterhaltung mit einem äthiopischen Mitarbeiter der deutschen Botschaft, der in Leipzig studiert hat: Ja, die Lage in Harar ist immer noch problematisch. Mehr wisse er aber auch nicht. Wir fahren weiter auf der A2 nach Norden. Es beginnt wieder zu regnen.
Über Serpentinen geht es hoch auf über 3.100 Meter in Richtung Tarmaber Pass und dann durch einen 1938 durch die Italiener während der Besatzungszeit erbauten Tunnel in Richtung Debre Sina. Direkt hinter dem Tunnel sehen wir einige Dschelada (Blutbrustpaviane) am Straßenrand sitzen.
Blicke kurz hinter der Passhöhe ins Land:
In der Umgebung von Debre Sina lebt das Volk der Argobba. Muslime, die der Überlieferung nach von arabischen Einwanderern aus dem Stamm des Propheten Mohammed abstammen, die den Islam nach Äthiopien brachten. Tatsächlich gibt es historische Quellen, die belegen, das Mohammed 614 und 615 mehrere gefährdete Familien seiner engsten Anhänger, darunter auch seine beiden späteren Ehefrauen Umm Habiba und Umm Salama heimlich aus Mekka nach Äthiopien in Sicherheit bringen ließ. Dies wird als die erste Hidschra (Flucht) aus Mekka bezeichnet. Der in Mekka herrschende Stamm der Quraisch, der enge Handelsbeziehungen nach Äthiopien unterhielt, verlangte darauf am Hof in Axum die Auslieferung dieser Flüchtlinge. Der König von Axum lehnte dies jedoch ab und gewährte den Moslems sichere Zuflucht. Dies soll Mohammed später veranlasst haben zu verkünden, dass das christliche Äthiopien von der gewaltsamen Verbreitung des Islam mit Feuer und Schwert ausgenommen bleiben soll.
Aufgrund der jahreszeitlich sehr ungewöhnlichen Regenfälle der letzten Tage überqueren wir einen reißenden Fluss bei Jewaha.
Mittagspause in Ataya. Meine Frau und ich laufen mal wieder die Hauptstraße entlang. Schon bei der Einfahrt ist uns ein Militärposten aufgefallen. Jetzt sehen wir in kurzem Abstand im Ort zwei weitere Militärposten. Auch einige bewaffnete Zivilisten sind unterwegs. Wir kehren nun doch lieber um und setzen uns auch ins Lokal und trinken etwas. Wir erfahren hier, dass es die letzte Tage auch in Ataya Unruhen gegeben hat. Daher die hohe Militärpräsenz. Während wir so mit Blick auf die Straße dasitzen hält vor dem Lokal ein alter Mercedes-LKW. Den nehme ich natürlich genauer unter die Lupe. Mit viel Kreativität wurde der Laster immer wieder repariert.
Am Nachmittag fahren wir weiter bis Kombolcha und bauen unser Rotel beim Hotel Sunnyside auf.
Nachts regnet es schon wieder.
Teil 2220. Jan. 2020
24.11.2019 Auf nach Lalibela Am Morgen geht es nach Kombolcha sofort steile Serpentinen nach oben. Zunächst haben wir noch einen tollen Blick zurück ins sonnige Tal. Aber als wir höher kommen, tauchen wir in die tiefhängenden Wolken ein.
Immer wieder gibt es kurze Regenschauer.
Bei einer Buschpause am Vormittag kommen vom Berghang einige Bauern mit ihren Kühen und einem Dromedar zu uns herunter, während wir noch unsere Blase erleichtern. Ich blicke zu einem der Bauern und zucke lachend mit den Schultern. Er lacht zurück. Ja, auch die Ferenji (Fremden) müssen mal pinkeln. Das Eis ist gebrochen. Meine Bitte um ein Foto wird freudig bejaht.
Danach stellen wir noch fest, das ich viel weniger Haare auf dem Kopf haben als einer der Bauern. Wer den Schaden hat, braucht nicht für den Spott zu sorgen.
Zwei junge Frauen unterhalb auf einem Feld winken uns zu. Auch sie lassen sich gerne fotografieren.
Wir sind jetzt im Gebiet der christlichen Amharen. Und was soll ich sagen: Uns kommen die Menschen hier viel entspannter und fröhlicher vor. Wir bleiben bis Weldiya auf der A2 und machen dort im Lal-Hotel Mittagspause.
Wieder laufen meine Frau und ich lieber etwas die Straße auf und ab, als im Hotelrestaurant zu essen. Wir möchten geröstetes Sorghum (die größte Hirseart) kaufen, das geschmacklich an Popcorn erinnert. In einem kleinen Laden versuchen wir uns mit Händen und Füßen verständlich zu machen, da wir leider die Bezeichnung des „Popcorns“ nicht kennen. Irgendwie begreift der Inhaber, was wir wollen, hat es aber nicht. Er nimmt uns am Arm und führt uns in den Nachbarladen. Dort liegt das Objekt unserer Begierde in der Auslage. Danach kaufen wir noch Wasser und nahe am Hotel an einem Straßenstand Bananen zum Ferenji-Preis. Trotz hartnäckigen Handeln unsererseits zahlen wir letztlich zu viel (wie wir durch ähnliche Käufe an anderen Tagen merken). Wir zahlen für 6 Bananen nicht die geforderten 50, sondern nur 35 Birr. 1 Euro entspricht etwas 32 Birr. Später zahlen wir für 4 Bananen ehrlichere 15 Birr. Letztlich tun uns die Ferenji-Preise nicht wirklich weh. Es geht immer nur um Cent-Beträge für uns. Der Birr hat in den letzten 10 Jahren unglaublich an Kaufkraft gegenüber dem Euro verloren. Vor 10 Jahren bekam man für 1 Euro etwas 12 Birr, heute rund 33 Birr !
Teil 2320. Jan. 2020
Wir biegen nach der Mittagspause auf die B52 ab. Diese führt gen Westen und würde uns bis zum Tana-See bringen. Wir biegen aber in Gashena auf eine unbefestigte Sandpiste ab. Ehrlich gesagt, bei uns würde man sagen: Ein schmaler Feldweg. Das ist die Straße nach Lalibela ! Auf einer kurvenreichen Piste geht es jetzt mit teils spektakulären Ausblicken auf einer steilen Serpentinenstraße am Hang eines langen Bergtals immer höher hinauf. Die Hänge des Tals sind mit terrassierten Teff-Feldern überzogen. Ein atemberaubender Anblick.
Teil 2420. Jan. 2020
Oben sind wir einige Zeit auf einer Hochebene mit vielen Rundhütten und Gehöften unterwegs.
Dann geht es wieder in steilen Serpentinen bergab. Dunkle Wolken ziehen auf. Wir fahren durch einen doppelten Regenbogen und erreichen gerade noch rechtzeitig den bereits asphaltierten Teil der Straße, bevor wieder ein starker Regenschauer einsetzt.
Als es schon dunkel wird, erreichen wir das Seven Olives Hotel in Lalibela. Hier werden wir 3 Nächte verbringen. Nach der langen Anreise gönnen wir uns 2 volle Tage in Lalibela. Und hier werden wir auch jeweils im Hotel frühstücken. Die Rotelküche bleibt also auch morgens zu.
Teil 2520. Jan. 2020
EXKURS zum historischen Hintergrund des Ortes Lalibela und des von der Zagwe-Dynastie gegründeten Reiches: Als das Aksumitische Reich (wir werden das 300 km nördlich liegende Axum noch besuchen) ab 600 n. Chr. nach und nach an Einfluss verlor, begann das „dunkle Zeitalter“. Hierüber gibt es leider kaum Aufzeichnungen. Gesichert ist nur, dass das Christentum unter dem Druck eines jüdisches Reiches nach Süden in die unzugängliche Region um Lalibela ausweichen musste. Lalibela war die Hauptstadt der Zagwe-Dynastie, die nach dem Niedergang des Aksumintisches Reiches und dem „Dunklen Zeitalter“ hier vom 10. - 13 Jahrhundert ein mächtiges politisches und religiöses Reich begründeten. Die semitische Sprache Ge´es als religiöse Sprache war bei den Zagwe genauso etabliert wie zuvor im aksumitischen Reich und alle religiösen Schriften sind in Ge´es verfasst. Überhaupt führten sie die religiöse Praxis nahtlos weiter und es lässt sich kaum ein Unterschied zu vorherigen und nachfolgenden Dynastien feststellen. Anders als die aksumitischen Könige, die in regen Austausch mit Europa und dem Vorderen Orient standen, beschränkte sich der Kontakt der Zagwe vornehmlich auf Ägypten, Jemen und Jerusalem. Besonders der Handel mit Ägypten florierte, da dieser Handelsweg damals sicher war und die Karawanen ihn ohne Störungen nutzen konnten. Die Zagwe betreiben auch Fernhandel per Schiff, bevorzugt über den Hafen von Zeila, ganz im nördlichsten Somalia, an der Grenze zu Dschibuti. Es gelang auch die Piraterie im Roten Meer einzuschränken, weshalb keine Woche verging, an dem nicht ein äthiopisches Schiff im Hafen von Aden im Jemen anlegte. Heute neigen die Historiker zu der Ansicht, das die Kirchen vermehrt im beginnenden 13 Jahrhundert vor und während der Regentschaft von König Lalibela (ca. 1200-1225) entstanden. Vermutlich sollte mit der nördlichen Kirchengruppe ein neues Jerusalem für christliche Pilger entstehen, denn zur Zeit Lalibelas waren die Pilgerwege nach Jerusalem von Feinden blockiert. 1268 endete die Herrschaft der Zagwe-Dynastie durch die Wiedereinsetzung der salomonischen Dynastie, die dann bis zu Kaiser Haile Selassie im 20. Jahrhundert über Äthiopien herrschten. Über das Leben des hochverehrten Königs Lalibela gibt es folgende Überlieferungen: Bereits seine Wiege soll von einem Schwarm Bienen umschwirrt worden sein, was seine Mutter als Zeichen seiner späteren Königsherrschaft deutete. Aber zunächst herrschte sein älterer Bruder, der ihn nach der Legende aus Angst vor einer Entmachtung vergiften wollte. Drei Tage schlief Lalibela daraufhin und in einem Traumgesicht zeigte ihm Gott Jerusalem und forderte ihn auf, ein zweites Jerusalem zu bauen. Einer anderen Legende zufolge soll Lalibela tatsächlich in Jerusalem gewesen sein. Überliefert ist aus dortigen Quellen zumindest, das Sultan Sala ad-Din, genannt Saladin (1137-1193) den Äthiopiern gestattete, eine Kirche in Jerusalem zu bauen. Als Lalibela dann König wurde, begann er laut der Legende den Bau der Kirchen mit Hilfe von Engeln, die Nachts die am Tag begonnenen Arbeiten der Steinmetze fortsetzten. Einige architektonische Elemente der Kirchen lassen aber darauf schließen, das auch ausländischen Handwerker beteiligt waren, vermutlich aus Ägypten, Indien und Armenien. Laut Legende sollen so in nur zwanzig Jahren Bauzeit die elf Kirchen entstanden sein. Historiker gehen heute eher davon aus, das die Kirchen mindestens über drei Generationen erbaut wurden. Eine weitere Legende erzählt, das König Lalibela häufig längere Zeit den Herrscherhof verlassen habe, um unter einfachen Bedingungen beim Bau der Kirchen mitzuhelfen. Einmal folgte ihm heimlich seine Ehefrau, die nicht daran glaubte, das er wirklich ständig auf den Baustellen weilte und eher eine Nebenbuhlerin vermutete. Als sie sah, das alles wahr ist, soll sie sich so geschämt haben, das sie selbst eine Kirche erbauen ließ. Wir werden auch diese am morgigen Nachmittag besuchen.
Teil 2621. Jan. 2020
25.11.2019 Die Felsenkirchen von Lalibela Der Ort Lalibela hieß ursprünglich Roha und wurde erst zu Ehren des Königs Lalibela nach diesem benannt. Lalibela liegt inmitten der Lasta-Berge auf 2.700 Metern. Entsprechend frisch ist es am Morgen. In eine Jacke gehüllt und mit Mütze auf dem Kopf verlasse ich das Hotelgelände und beobachte das erwachende Leben in Lalibela. Besonders interessieren mich heute die an vielen Orten in Äthiopien am Straßenrand aufgestellten Kicker. Ein paar Jungs sind schon am Spielen und ich betrachte es mir mal etwas näher, denn irgendwie hört sich das Geräusch anders an als bei uns. Und tatsächlich, anstelle der wohl längst kaputten Bälle spielen die Jungs mit abgerundeten kleinen Steinen.
Durch die Sonne wärmt sich die Luft sehr schnell wieder auf, so das wir um 9 Uhr ohne Jacken zur Besichtigung der ersten Kirchengruppe starten können.
Vorher haben wir uns sicherheitshalber die Socken und Hosenbeine mit Flohgift eingesprüht. Soll es doch in den Teppichen der Felsenkirchen möglicherweise diese kleinen Untermieter geben. Wir laufen von unserem Hotel die kurze Strecke bergab zum Eingang der nördlichen Kirchengruppe. Als Tourist sieht man hier nur noch wenige Gläubige, denn seit einigen Jahren wurden die Gebetszeiten von den Besichtigungszeiten getrennt. Morgens ab 5 Uhr finden die Morgenandachten statt. Von 8-12 und 14-17 Uhr „gehören“ die Kirchen dann den Touristen.
Am Eingang erfolgt wie immer eine Taschenkontrolle sowie eine Leibesvisitation. Dann können wir endlich den Kirchenbezirk betreten. Direkt nach dem Eingang kommen wir zur Kirche Beta Medane Alem (Haus des Erlösers der Welt), die wie einige andere von einer gewaltigen Stahlkonstruktion aus den 60er Jahren zum Schutz von Erosion überspannt wird.
Die Kirche ist angelehnt an die Alt-Aksumitische Architektur aus dem Fels gehauen worden und die größte Kirche in Lalibela. Die Fenster der unteren Reihe imitieren alt-aksumitische Vorbilder mit den „Affenköpfe“ genannten Balkenenden.
Was oft nicht erwähnt bzw. wertgeschätzt wird: Neben den aus den Fels geschlagenen Kirchen existiert ein ausgeklügeltes System zu Entwässerung mit über das ganze Areal verteilten, separat in den Felsen geschlagenen Gräben. Eine großartige planerische und handwerkliche Leistung
Nachdem wir unsere Schuhe ausgezogen haben, treten wir ins Innere und sehen den von Säulen durchzogenen großen Innenraum. Die Säulen sind durch Halbbögen miteinander verbunden.
In einem der Rundbögen sind drei Schilde angebracht. Einer davon soll der Schild König Lalibelas sein. Etliche Gemälde mit zumeist christlichen Darstellungen sind im Raum verteilt.
Eines der Gemälde zeigt vier Könige. Der zweite von rechts ist König Lalibela.
Daneben gibt es drei längliche Vertiefungen, welche die Gräber von Abraham, Isaak und Jakob symbolisieren.
Praktisch alles in Lalibela ist von solch symbolischer Bedeutung erklärt man uns.
Teil 2721. Jan. 2020
Wir verlassen die Kirche, ziehen unsere Schuhe wieder an und laufen durch einen schmalen, tunnelartigen Durchgang in den nächsten Hof zur Kirche Beta Mariam (Haus der Maria). Dies ist vermutlich die älteste Kirche Lalibelas und soll die Lieblingskirche von König Lalibela gewesen sein. Im Hof sehen wir ein im Boden eingelassenes Taufbecken.
Etwas abseits sitzen mehrere Frauen und bereiten Mehl für das Brot zur Speisung während der Gottesdienste.
Die Fassade der viereckigen Kirche ist mit einer Vielfalt unterschiedlicher Fenster und drei hervorstehenden Eingangsportalen versehen. Das Hauptportal wird von zwei gemeißelten Reitern überragt, die einen Drachen töten.
Die Fenster sind in Form des Andreaskreuzes und des indisches Schwastika (Glücksbringer) gestaltet. Nach der Überlieferung sollen auch indische Arbeiter beim Bau der Kirchen beteiligt gewesen sein.
Zunächst zeigt uns aber ein Priester aus der daneben liegenden kleinen Kirche Bete Meskel (Kreuzkirche) ein 900 Jahre altes Kreuz im Lalibela-Stil.
Auch hier ziehen wir wieder unsere Schuhe aus und geben sie in die Obhut einer Äthiopierin, der „Hüterin unserer Schuhe“, welche uns den ganzen Tag begleiten wird.
Sich solch eine Hüterin zu engagieren ist ein sinnvolle Investition. Zum einen findet man so seine Schuhe wieder heil vor und zum anderen sind die Kirchen teils aneinander gebaut, so das wir dort ohne Schuhe von Kirche zu Kirche wechseln – und am Ende an ganz anderer Stelle unsere freundlich lächelnde Hüterin samt unseren Schuhen vorfinden. Wir treten in die sehr kleine Bete Meskel ein. Der Priester macht uns auf das Kreuz anstelle eines Gewölbes im rechten Teil der Kirche aufmerksam.
Diese kleine Kirche war ursprünglich von sehr hoher Bedeutung, soll hier doch ein Teil des Kreuzes Christi aufbewahrt worden sein. Daher auch der Name Kreuzkirche. Auch hier gibt es einige Gemälde.
Teil 2821. Jan. 2020
Aufgrund der Enge sind wir schnell wieder draußen und betreten durch das Hauptportal nun die Beta Mariam. Welch ein Kontrast. Die Kirche ist reich mit Fresken, Malereien und Verzierungen versehen.
Die 13 Meter hohe Kirche besitzt eine zweite galerieartige Etage, die nur von den Priestern betreten werden darf und als Aufbewahrungsort für Kirchenreliquien dient.
Die Wandmalereien zeigen Szenen aus dem Leben Christi und Marias sowie verschiedene geometrische Motive (griechische Kreuze, Hakenkreuze, Davidsterne, Sonnenscheiben).
Auch Tiere werden abgebildet. So ein roter und schwarzer Stier im Kampf als Sinnbild des Kampfes zwischen Gut und Böse.
Am Wichtigsten ist hier allerdings die verhüllte „Säule des Lichts“. Diese Säule soll bis ins 16. Jahrhundert geleuchtet haben.
Auf ihren 4 Seiten sind in griechisch und Ge´es die 10 Gebote, die Geschichte von der Entstehung und von Ende der Welt und die Entstehungsgeschichte der Kirchen von Lalibela eingraviert sein. Die Säule ist verhüllt, weil es sehr gefährlich sein soll für den einfachen Menschen. Allenfalls „hochgestellte“ Priester dürfen sie anzusehen.
Teil 2921. Jan. 2020
Nach dem Verlassen der Kirche betreten wir im gleichen Hof noch die Kirche Beta Denagel ( Jungfrauenkapelle ), die ursprünglich wohl von Nonnen im Dienst des Königs genutzt wurden.
Die Kirche ist deutlich gröber aus dem Fels gehauen. Hier sehen wir ein sehr altes Gemälde von St. Georg.
Wir verlassen nun auch diesen Hof, steigen eine Treppe hinab und folgen rechts einem Graben zum dritten Hof des nördlichen Kirchenkomplexes.
Wieder ziehen wir unsere Schuhe aus und betreten die Kirche Bete Debre Sina (Heiliger Berg Sinai) . Die Kirche ist sehr schlicht gehalten mit ihren kreuzförmigen Säulen. Durch eine Tür kommt man in die Kirche Debre Golgota – wenn man ein Mann ist. Frauen haben keinen Zutritt. Hier fallen sofort mehrere lebensgroße Reliefs von Heiligen ins Auge. Einige der Reliefs sind noch gut erhalten, so das sich anhand der Inschriften die äthiopischen Märtyrer Cherkos und Georg sowie der Evangelist Johannes bestimmen lassen. Neben den südlichen Relief sind an der Wand auch noch lebensgroße Wandmalereien von Heiligen zu erkennen.
Hinter einem Vorhang befindet sich der Priesterbereich mit dem symbolischen Grab Jesu. Hinter dem Priesterbereich liegt der Zugang zur Selassie-Kapelle, die nur von Priestern betreten werden darf. Sie ist der heiligste Platz in Lalibela. Dort befinden sich drei Altäre, die dem Vater, dem Sohn und dem heiligen Geist gewidmet sind. Diese Kapelle, so vermuten Historiker, könnte ursprünglich die Totenkapelle der Könige von Zagwe gewesen sein. Nach Verlassen der ineinander übergehenden Kirchen kommt man durch eine Art Turm aus der nördlichen Kirchengruppe heraus. Dreht man sich nun um, entdeckt man am Turm ein Kreuzfenster, welches das Grab Adams symbolisieren soll.
Wir laufen jetzt ein Stück an einigen doppelstöckigen Tukuls, den traditionellen Rundhäusern der Region vorbei.
Die Bewohner hat man vor einigen Jahren daraus vertrieben, um hier eine Art „Freilichtmuseum“ einzurichten. Oder auch nur, weil man meint, der Anblick der einfachen Bevölkerung könnte die Touristen stören ? Jetzt warten hier jedenfalls aufdringliche junge Souvenirverkäufer auf uns. Als wir uns durchgearbeitet haben, laufen wir ein kurzes Stück auf einer Straße nach rechts und biegen dann auf einen Fußweg ein
Teil 3021. Jan. 2020
Leicht zu erkennen, das es hier zur bekanntesten Kirche Lalibelas geht: Entlang des Weges haben Souvenirhändler ihre Stände aufgebaut. Wir nähern uns von oben der Kirche Beta Giyorgis, die mit ihrer Kreuzform weltweit viele Reiseführer und Bücher über Äthiopien als Titelbild ziert.
Auf einem kleinen Hügel oberhalb haben wir nun genau diesen Postkartenblick. Und der ist wirklich sehr eindrucksvoll. Die Kirche wurde in einem Stück in den Fels hineingeschlagen.
Durch einen schmalen ebenfalls tief in den Fels geschlagenen Graben steigen wir schließlich nach einiger Zeit zur Kirche hinab. An einer Seite des Grabens sollen die Hufspuren des Pferdes von St.Georg zu sehen sein, dem diese Kirche geweiht ist.
Durch zwei in den Fels geschlagene Durchgänge kommen wir schließlich unten im Hof der Kirche an.
In der Wand einer Seite ist eine Vertiefung geschlagen. Hier liegen die Gebeine von 3 Pilgern, die auf dem Rückweg aus Jerusalem hier gestorben sind.
Auch in diesem Innenhof gibt es Vertiefungen, in denen heiliges Wasser gesammelt wird. In der Kirche sind in einer Truhe die Werkzeuge von König Lalibela aufbewahrt, die dieser nach Beendigung der Bauarbeiten hier niedergelegt haben soll.
Denn diese Kirche war wohl die letzte erbaute Felsenkirche in Lalibela. Dazu ist noch ein 500 Jahre altes Gemälde von St. Georg zu sehen. An der Decke wieder Kreuze und die 12 Säulen, welche die 12 Apostel symbolisieren. Nach diesen Besichtigungen laufen wir zurück zum Hotel, um erst einmal Mittagspause zu machen. Wir setzen uns an einen Tisch im Garten, bestellen Kaffee und ich notiere alles, was mir noch einfällt von den vielen Erläuterungen.
Teil 3123. Jan. 2020
Um 14 Uhr brechen wir wieder auf. Diesmal geht es zur südlichen Kirchengruppe. Die Bauten dieser Gruppe wurden vermutlich zunächst für weltliche Zwecke erbaut. Die Umwidmung zu Kirchen erfolgte wohl erst später. Wir erreichen den Eingang neben einem tiefen grabenartigen Einschnitt, der den Jordan symbolisieren soll.
Das Areal ist komplett umgeben von tiefen Gräben und ähnelt daher eher einer Burgfestung. Vor dem Zugang zur Doppelkirche Beta Gabriel und Raphael über eine neuere Brücke ziehen wir wieder unsere Schuhe aus. Schon die Fassade der Kirche lässt eher an eine ursprünglich funktionale Nutzung als Palastbezirk für den Adel oder Klerus denken als einen Kirchenbau.
Unten im 30 Meter tiefen Innenhof sehen wir die Öffnungen zur Wasserzisterne. Ein weiteres Indiz, das dieser Gebäudekomplex ursprünglich als befestigter Palast mit autarker Versorgung für den Ernstfall angelegt wurde.
Auch beim Eintreten fällt sofort auf, das die übliche Einteilung in Kirchenschiffe fehlt. Eher grob gehauene Säulen stützen die Decke ab. Wir sehen auch hier wieder etliche christliche Gemälde und ein Priester zeigt uns ein Kreuz.
Durch eine weitere Tür kommt man in die Raphael-Kirche, von der man auf den Balkon kommt. Von hier hat man einen guten Blick zum Eingang und in den Innenhof.
Wieder zurück über die Brücke ziehen wir unsere Schuhe an, die wie am Morgen, gut gehütet wurden. Durch eine Tür und einen Tunnel gelangen wir weiter in den Komplex der Bauten. Wieder im Freien im inneren Areal laufen wir zum halb verfallenen Beta Lehem (Haus des Brotes), in dem vermutlich das während der Gottesdienste gereichte Brot gebacken wurde.
Wir steigen einen steilen in den Fels gehauenen Weg hinab zum Fuß des Baus. Hier begeben wir uns in einen 40 Meter langen Gang in völliger Dunkelheit. Natürlich hätten wir Lampen dabei. Aber wir folgen dem Rat unseres Guide und tasten uns wirklich in völliger Dunkelheit durch den Tunnel. Ein eindrucksvolles Erlebnis. Am Ende des Tunnels gelangen wir zur Kirche Beta Mercurios. Einige der Kammern des Gebäudes wurden wohl auch einmal als Gefängnis genutzt, wie Kettenfunde nahe legen. Das Gebäude wurde bei einem Erdbeben bereits im 16. Jahrhundert teilweise zerstört. Nur ein kleiner Teil des Gebäudes ist noch erhalten.
Hier sehen wir sehr alte Wandmalereien, die teilweise nur noch schwer zu erkennen sind. Dargestellt sind hier die 12 Apostel und die drei Weisen aus dem Morgenland.
Ein Priester zeigt uns ein weiteres Kreuz.
Einige der Kreuze haben wie dieses hier Gravuren auf der Vorder- und Rückseite:
Durch eine Tür können wir den Bau verlassen und kommen in den durch das Erdbeben zerstörten Teil. Die Größe der Säulen und der Trümmer lässt erahnen, wie gewaltig dieses Gebäude ursprünglich gewesen sein muss.
Teil 3223. Jan. 2020
Zurück im Gebäude kommen wir nach zwei weitere Kammern durch eine Tür ins Freie und über eine Steile Treppe in der Innenhof der Emmanuel-Kirche. Die prachtvoll aus dem Fels gehauenen Fassade weist die klassische aksumitische Bänderung auf und war wohl im Gegensatz zu den vorherigen Gebäuden von Anfang an als Kirche geplant.
Sie diente wohl als königliche Kapelle und war über einen Gang direkt mit der Residenz verbunden. Ein Teil dieses Ganges ist der dunkle Tunnel, durch den wir uns zuvor getastet haben. Wir sehen wieder Gemälde und ein Kreuz im Inneren.
Wir verlassen den Kirchhof über einen kleinen Tunnel, der als Regenwasserabfluss dient und befinden uns nun im südlichen Teil des Grabens, der die ganze Anlage umschließt. Unser Weg führt über Treppen hinab zu einem weiteren Wasserbecken und schließlich durch einen schmalen Felsspalt zur letzten Kirche.
Die Abba-Libanos-Kirche, die der Legende nach von der reumütigen Ehefrau Lalibelas mit Hilfe der Engel in einer Nacht erbaut wurde, weist eine Besonderheit auf: Sie wurde seitlich in den Fels geschlagen und ist oberhalb noch mit dem Muttergestein verbunden. Der Anblick erinnert ein wenig an die Felsenstadt Petra in Jordanien.
Dennoch gibt es einen frei gehauenen Rundgang, der auch dieser Kirche an allen vier Seiten eine Fassade verschafft. Im Innern wurden die Säulen, Rundbögen und Vorsprünge sehr sorgfältig aus dem Fels gearbeitet.
Teil 3323. Jan. 2020
Mit dieser Kirche endet – eigentlich - unsere Besichtigungstour durch die Kirchen, aber ich habe bereits am Vormittag zufällig dem Guide einer anderen Besuchergruppe zugehört wie dieser seinen Gästen erklärt hat, dass das Eintrittsticket für die Kirchen mehrere Tage lang gültig ist und die Gäste somit auch am nächsten Tag nochmals ohne erneut zu zahlen die Kirchen besuchen könnten. Da wir ein einziges Gruppenticket haben, bitte ich unsere Reiseleiterin, uns Kopien anfertigen zu lassen, damit wir morgen nachmittag nochmals auf eigene Faust zu den Kirchen gehen können. Außerdem möchten auch jetzt 6 von uns mit dem Gruppenticket die verbleibenden 45 Minuten nutzen, um nochmals in die nördliche Kirchengruppe zu gehen. Da unsere „Hüterin der Schuhe“ auch in diese Richtung nach Hause gehen will, zeigt sie uns den Weg. Zunächst gehen wir einen engen Pfad an ursprünglichen Tukuls vorbei. Hier wurden die Bewohner nicht vertrieben. Dann erreichen wir die Verbindungsstraße zur anderen Kirchengruppe. Von hier haben wir auch einen beeindruckenden Blick auf die Landschaft, die von der Sonne in ein tolles Licht getaucht wird.
Bei der nördlichen Kirchengruppe kommen wir tatsächlich zunächst problemlos durch den Eingang, aber der Zugang zu den Kirchen ist bereits abgesperrt. Einer der Wächter würde uns sogar nochmals öffnen, ein anderer macht uns aber auf das Museum aufmerksam. Wir beschließen, das Museum an der Rückseite der Eingangsgebäude zu besichtigen. Es liegt in einem Raum unterhalb der Toiletten - und ist ebenfalls bereits abgesperrt. Ich bin ehrlich gesagt sehr skeptisch. Afrikanische „Museen“ dieser Art waren bisher eher eine herbe Enttäuschung. Aber der Wärter ist bereits los geeilt und kommt mit einem Mann zurück, der das Museum öffnet und uns durch die Ausstellung führen will.Das Museum besteht aus einem langgezogenen Raum. An den Wänden ringsum und nochmals in einer Doppelreihen in der Mitte stehen hohe Glasvitrinen voller Ausstellungsgegenstände. Alle Vitrinen sind regelrecht überfüllt. OK, ich sehe auf den ersten Blick, meine Skepsis war unbegründet. Der Inhalt der Vitrinen würde für einen eigenen Museumsbau mit mehreren Ausstellungsräumen reichen. Und tatsächlich zeigt uns unser Führer zum Schluss den Außenentwurf eines geplanten Museumsbau. Leider dürfen wir keine Fotos machen. Unser Führer erklärt uns nach und nach den Inhalt der Vitrinen. Wir sehen zunächst alte Altäre, vier Kronen der alten Könige von Lalibela und sehr viele alte Kreuze im Axum-, Lalibela- und Gondarstil. Dann folgen alte Bücher, riesige Folianten, die auf Lesepulten in den Glasvitrinen aufgeschlagen liegen. Kein Mensch könnte diese Bücher zum Lesen in der Hand halten. Die Bücher sollen 500-900 Jahre alt sein und sind in der alten Sprache Ge´es geschrieben. Ge´es ist die antike, äthio-semitische Wurzel des heutigen Tigrinya, der Sprache der Tigray-Region, in der auch unser nächstes Reiseziel Axum liegt. Ge´es ist bis heute die liturgische Sprache der Gottesdienste. Alle Priester beten, singen und lesen in Ge´es. Plötzlich liest uns unser Führer eine Seite aus dem 900 Jahre alten Buch auf Ge´es vor. Als er endet, applaudieren wir spontan. Es herrscht plötzlich eine besondere Stimmung. Aus dem schnell mal durchs Museum laufen wird eine längere, ausführliche Führung. Wir bekommen jetzt auch ein dreisprachiges Buch auf arabisch, altgriechisch und in Ge´es gezeigt ! Ich muss an die berühmte dreisprachige Stele von Ezana in Axum denken, die in archäologischen Kreisen als ähnlich bedeutend wie der Stein von Rosette angesehen wird. Und hier liegt ein ebenfalls dreisprachiges Buch einfach so in dieser Glasvitrine. In der nächsten Vitrine liegt ein aufgeschlagener, ebenfalls sehr alter Foliant. Es handelt sich um ein 500 Jahre altes Liederbuch, ebenfalls auf Ge´es. Unser Führer singt uns eines dieser alten Lieder auf Ge´es vor. Es ist einfach wunderschön. Wir sechs hier allein mit unserem Führer. Es ist, als würde die Zeit einen Moment still stehen. Wir sind jetzt im Ende des Raumes angekommen und wenden uns der Vitrinenreihe an der Stirnseite des Raumes zu. Hier sind Gemälde und Zeichnungen zu sehen. Die alle in einem erkennbar sehr alten, einfachen Stil gehalten sind und sich deutlich von den meisten neueren und kunstvolleren Bildern in den Kirchen unterscheiden, die wir bisher gesehen haben. Sie ähneln im Stil den alten Wandbildern in der Kirche Beta Mercurios. Wir kommen nun zu den Vitrinen der gegenüberliegenden Wand und bewegen uns somit langsam zurück Richtung Ausgang. Hier sind zwei sehr große Trommeln ausgestellt. Eine ist aus Silber die andere aus Gold. Bisher haben wir in den Kirchen nur Trommeln aus Holz gesehen. Weiter geht es mit alten, reich verzierten Weihrauchbehältern mit vielen Schellen zum Schwenken, einem großen Korb für das heilige Brot, etlichen alten Behältern für heiliges Öl und alten und neuen Gewändern von Priestern und Patriarchen. Daneben noch ein Zepter und Gebetsstab der Könige von Lalibela und alte Musikinstrumenten wie Washint (Flöten), Krar (sechsseitige Leier), Massinko (einseitige Fidel), Begena (mehrseitige Harfen), Rasseln, etc. Dann kommen wir zu einer Vitrine mit Holzmodellen, die als Vorlagen für die Baumeister der Kirchen von Lalibela gedient haben sollen. Laut unserem Führer wurden die Entwürfe der Kirchen zunächst aus dem Holzklotz heraus geschnitzt und dann nach diesem Modell durch die Steinmetze eins zu eins aus dem Felsgestein geschlagen. Nach knapp einer halben Stunde verlassen wir das Museum und bedanken uns mit einem großzügiges Trinkgeld bei unserem Führer. Die anderen streben schnell zum Ausgang, denn das Ende der Öffnungszeiten um 17 Uhr ist ja bereits erreicht. Ich sehe vor dem Museum ein Besucherbuch und da ich von anderen Reisen in Afrika weiß, das die Menschen sehr stolz sind, wenn wir Reisende uns darin eintragen, schlage ich es auf und schreibe auf deutsch ehrlich gemeint hinein: Ein tolles Museum, das man unbedingt besuchen sollte und ein wunderbarer Führer. Dann übersetze ich das Geschriebene unserem Führer. Er strahlt und verrät mir jetzt sein Geheimnis: Unter seinem Umhang holt er ein Priesterkreuz hervor. Er ist gar kein Museumsguide, sondern einer der Priester Lalibelas. Ich sage ihm, das ich so etwas schon vermutete, seit er uns in fließendem Ge´es aus dem Buch vorgelesen und dann auch noch einen liturgischen Gesang vorgetragen hat. Er nimmt mich bei der Hand und wir laufen Hand in Hand zum Ausgang, wo uns bereits ein Wächter (ich erfahre vom Priester das es ein Polizist in Zivil ist) erwartet. Der Priester verabschiedet vor dem Eingang nun noch jeden einzelnen von uns mit einem Händedruck und dann laufen wir beschwingt die Straße bergan zurück zu unserem Hotel.
Bis zum Abendessen ist noch etwas Zeit, dieses wunderbare, unerwartet intensive Erlebnis in Ruhe nachwirken zu lassen.
Teil 3423. Jan. 2020
26.11. Bergauf Morgens wandern wir mit einem Teil unserer Gruppe samt unserem lokalen Guide auf den Mount Asheton.
Der Weg beginnt direkt neben unserem Hotel. Es ist kein Wanderweg, sondern ein Fußpfad, der ebenfalls von vielen Einheimischen genutzt wird. Ziel ist das Asheton Maryam Kloster. Der Rest unserer Gruppe, der sich die Wanderung den Berg hoch nicht zutraut, wird mit einem Bus über eine Straße folgen. Der Weg führt bergan zunächst noch an Häusern vorbei. Etliche Leute sind hier unterwegs. Ein Stück folgen wir nun einer Piste, dann biegen wir auf einen Bergpfad ein und jetzt geht es richtig steil nach oben. Schon eine kurze Zeit später bietet sich ein beeindruckender Blick auf das in der Morgensonne unter uns liegende Lalibela.
Je höher wir steigen, umso grandioser wird der Blick in die Landschaft. Ein junges Mädchen überholt uns mit einem in ihren Umhang auf den Rücken gebundenen Korb.
Immer wieder machen wir Platz für Einheimische.
Auch zwei Reiter auf Eseln kommen den schmalen Bergpfad herauf geritten.
Wir steigen über ein Grat weiter bergan.
Oberhalb der steilen Wand öffnet sich unvermutet ein grünes, fruchtbares Plateau mit vielen Gehöften vor dem dahinter aufragenden Mount Asheton. Wir laufen auf Pfaden zwischen den Feldern und Gehöften bergan.
Wir erreichen den Eingang zum Anstieg auf das Kloster gerade, als auch der Rest unserer Gruppe gefahren kommt. Da der Eintritt für das Kloster innerhalb eines Jahres fast verdoppelt wurde auf jetzt 350 Birr, haben meine Frau und ichschon am Morgen entschieden, dieses Kloster nicht zu besuchen, sondern stattdessen wieder nach Lalibela hinab zu steigen und mit unserem immer noch gültigen Ticket nochmals den Bezirk der Felsenkirchen in Ruhe zu besuchen. Wir lassen unsere Gruppe zurück und beginnen alleine den Abstieg, bei dem uns zwei sehr junge Mädchen mit großen Säcken auf dem Rücken überholen, die sichtlich sehr schwer für die beiden sind.
Ein Stück weiter müssen sie Rast machen und wir überholen sie wieder. Ein Stück weiter müssen wir erneut Platz machen: Einige Rinder kommen auf dem Pfad den Berg herunter.
Auf dem weiteren Weg bergab drehe ich mich immer mal um und sehe, wie die Mädchen sich auch auf den Weg gemacht haben. Eines spricht dem anderen dabei wohl immer wieder Mut zu.
Das Leben der Frauen und auch der Mädchen ist hier wirklich sehr schwer.
Teil 3523. Jan. 2020
Zurück am Hotel stärken wir uns erst mal mit einem Fruchtsaft. Mittlerweile wurde auch unser Gruppenticket kopiert. Mit dieser machen wir uns auf den Weg zum Eingang der nördlichen Gruppe. Sicherheitshalber begleitet uns unserer lokaler Guide, falls es Schwierigkeiten gibt. Aber wir werden ohne Probleme durchgelassen. Nun können wir zu zweit in Ruhe das Areal erkunden. Wir haben nicht mehr vor, in die Kirchen zu gehen. Wir wollen eher das Ambiente in Ruhe nochmals genießen. Schon bei der ersten Kirche Beta Medane Alem hören wir den typischen Gebetsgesang.
Wir steigen aus den Kirchenhof nach oben zum Bethlehem-Turm. Hier sitzen zwei Priester.
Diese erklären uns, das in der nur durch die Beta Debre Sina und die Debre Golgotakirche erreichbare und nur für Priester zugängliche Selassie-Kapelle ein hoher Würdenträger einen Gottesdienst hält. Ob es sich wohl um jenen Würdenträger handelt, der gestern Abend ebenfalls im Restaurant unseres Hotels gespeist hat ? Unsere äthiopischen Guides jedenfalls sind bei seinem Anblick sofort aufgestanden und an seinen Tisch gegangen, um sich von ihm segnen zu lassen. Ein Verhalten, das sie bei „einfachen“ Priestern während unserer Besichtigungen nicht an den Tag gelegt haben. Die Priester jedenfalls meinen, wir können ruhig zu diesen Kirchen gehen. Das wäre völlig in Ordnung. Aber vorher sollen wir doch noch auf den Felsbogen zwischen den Kirchen Beta Medane Alem und Beta Mariam laufen. Dort hätten wir einen guten Blick auf das Kirchengelände und auch auf die sich außerhalb verteilten Gläubigen, die mittels der Übertragung per Lautsprecher am Gottesdienst teilnehmen.
Tatsächlich sehen wir auch außerhalb des Kirchenkomplexes einige Gläubige in Gruppen unter Bäumen in Andacht versunken stehen.
Uns fällt auch auf, das heute nur 2-3 kleine Gruppen Touristen in der Anlage sind. Zögerlich überlegen wir nach Verlassen des Kirchenhofes der Beta Mariam in Richtung der Kirchen zum Gottesdienst zu laufen oder das Areal zu verlassen und auf der Straße zur Kreuzkirche Beta Giyorgis zu gehen. Nach kurzer Überlegung siegt unser Respekt vor den Gläubigen und wir gehen zur Kreuzkirche. Hier sehen wir etliche Eidechsen auf den Felsen. Und irgendwie ist da plötzlich auch ein Moment, in dem die Sonne durch die Wolkendecke ein ganz besonderes Licht erzeugt. Die Fassade der Kirche ist überzogen mit Moos und wir bilden uns ein, dieses leuchtet plötzlich besonders intensiv.
Da heute sehr wenige Touristen unterwegs sind, können wir den Innenhof der Kirche ganz in Ruhe für uns genießen. Auf dem Rückweg beschließen wir, durch den Turm mit Adams Grab doch noch mal zur Kirchengruppe um die Beta Debre Sina zu schauen. An der Mauer der Kirche lehnen immer noch Gläubige im Gebet versunken.
Als wir im Graben unterhalb der Steinbrücke durchgelaufen sind, die zum Eingang der Kirchen führt, strömen plötzlich die Gläubigen aus der Kirche. Wir bleiben etwa 15 Meter entfernt stehen und beobachten das Schauspiel, wie immer neue Menschen aus der Kirche treten, ihre Schuhe anziehen und sich über die kleine Steinbrücke zum Ausgang schieben.
Wir staunen, wie viele Leute da nach und nach aus der Kirche kommen. Ganz zum Schluss kommen sogar noch einige Touristen mit ihrem einheimischen Guide, die wir zuvor bei den ersten Kirchen schon gesehen haben, aus der Kirche. Nach diesem Erlebnis laufen wir durch die Gräben und Kirchhöfe zurück zum Eingang und weiter zum Hotel.
Nach dem Abendessen hat unsere Reiseleiterin noch einige einheimische Musiker und Tänzer/innen engagiert. Kein typischer Folkloreabend, hat sie uns versichert. Wir sind gespannt. Vier Musiker sowie je zwei Tänzerinnen und Tänzer spielen für uns auf. Der Tanzstil des Eskista-Tanzes ist für uns faszinierend zu beobachten. Die Beinarbeit ist hierbei nicht so relevant. Entscheidend ist das Rollen und blitzschnelle ruckartige Schütteln mit den Schultern und dem Kopf. Hierbei entsteht eine unglaubliche Dynamik, die aber auch ein hohes Maß an Spannkraft im Oberkörper voraussetzt. Die Tänzer beherrschen dies perfekt. Das dies keine Folklore für Touris ist, merken wir schnell daran, das es weder unsere Guides noch die Bedienung an ihren Plätzen hält. Immer wieder mischen sie sich unter die Tänzer. Aber auch wir werden aufgefordert, mitzutanzen. Da meine Frau und ich vorne sitzen, werden wir immer wieder von verschiedenen Tänzer und Tänzerinnen auf die Tanzfläche geholt. Da wir nach dem Essen auch den einheimischen Honigwein Tej verkostet haben, (ab dem zweiten Schluck hat er uns geschmeckt) lassen wir uns nicht lange bitten. Unterbrochen werden die Tänze immer wieder von Liedern, die der lokal wohl sehr bekannte Chef der Musiker vorträgt. Er spielt dabei auf der traditionellen Massinko, einer einseitigen Fidel. Dann sind wieder die Tänzer dran. Diesmal mit einem Sora-Tanz. Die Tänzer stehen sich gegenüber, beugen sich vor, so dass ihre Köpfe nebeneinander sind und dann wirbeln sie im Takt der Musik wild ihre Köpfe hin und her. Uns stockt der Atem, aber ihre Köpfe knallen nicht gegeneinander. Am Nebentisch sitzt währenddessen eine italienische Reisegruppe und isst stoisch zu Abend, ohne die Musiker und Tänzer zu beachten. Auch einen demonstrativ bereits mit unseren Geldscheinen gefüllten Sammelkorb ignorieren sie. Als sie fertig gespeist haben, verlassen sie grußlos das Restaurant. Sehr zur Freude aller Äthiopier ausgerechnet, als ein Tänzer mit Schwert zum Adua-Lied einen wilden Tanz aufführt. Der Adua-Tanz hat wieder funktioniert und die Italiener in die Flucht geschlagen ! In Adua haben die Äthiopier unter Menelik II. im Jahr 1896 die italienische Armee besiegt. Der einzige Sieg einer traditionellen afrikanischen gegen eine moderne europäische Armee. Dieser Sieg sicherte die äthiopische Unabhängigkeit. Jetzt drehen die Musiker und Tänzer richtig auf. Auch bei den Kellnern und Kellnerinnen gibt es kein Halten mehr. Alles tanzt. Selbst die Köchinnen haben ihre Küche verlassen und klatschen im Rhythmus mit. Auch wir sind jetzt endgültig nicht mehr zu halten und tanzen, was das Zeug hält. Viel zu schnell geht die Zeit vorüber und irgendwann ertönt das letzte Lied. Zeit zu Bett zu gehen. Morgen früh verlassen wir mit etwas schwerem Herzen Lalibela.
Teil 3626. Jan. 2020
27.11.2019 Erneut auf Abwegen Heute wollen wir Richtung Axum aufbrechen. Da dies an einem Tag aber zu weit ist, lautet unser Tagesziel Mekele, der Hauptstadt der Region Tigray. Auch das ist ein weiter Weg, daher gibt es bereits um 6 Uhr Frühstück, 7 Uhr Abfahrt. Wir fahren abseits der großen Fernstraßen auf einer Piste durch eine atemberaubende Landschaft.
Viele Bauern sind auf den Feldern, ernten und dreschen auf traditionelle Art mit dem Vieh das Getreide.
Traditionelle Tukuls drängen sich auf den Höhen der Hügel zu kleinen Dörfern zusammen.
Wo schon ein bisschen mehr Wohlstand vorhanden ist, sind die Rundhütten eckigen Hütten mit Blechdächern gewichen.
Noch vor Mittag erreichen wir das Städtchen Sekota nahe der Grenze der Regionen Amhara und Tigray. Hier in der Region war in den 80er Jahren die Hungersnot mit am stärksten. Am Stadtrand sehen wir eine große Halle. Ein Verteilzentrum für Lebensmittel.
Noch heute werden Nahrungsmittelhilfen in einige Teile Äthiopiens geliefert und einmal im Monat an die Bevölkerung verteilt. Die Waren werden über eine Hafen in Djibouti angelandet und dann per LKWs in die Verteilzentren transportiert. Am Verteiltag kommen die Menschen aus der ganzen Umgebung hierher. Wie sinnvoll diese „Hilfe“ ist, mag ich nicht beurteilen, denn in Äthiopien hat es seit vielen Jahren keine Dürre und Missernten mehr gegeben. Sollten die Hilfsorganisationen nicht besser die Menschen dabei helfen, wieder selbst ihre notwendigen Nahrungsmittel anzubauen ? 5 bis 6 Millionen Menschen sind nach offiziellen Angaben dauerhaft von Lebensmittellieferungen abhängig. Es kursiert der bittere Spruch in der Region: „Die Bauern beten für Regen in Kanada“. Auch in Äthiopien regen sich kritische Stimmen. Die Zeit hat ihr ihrer Ausgabe 17 von 2003 bereits darüber berichtet. https://www.zeit.de/2003/17/Aethiopien/seite-6 Und auch Arte hat über diesen Teufelskreislauf bereits im Jahr 2004 anhand der Situation in Sambia berichtet: https://www.youtube.com/watch?v=5_4o9dOL0Ck
Nachdenklich fahren wir weiter.
Teil 3726. Jan. 2020
Hinter Sekota haben das Militär und später auch die regionale Tigray-Police verstärkt Check-Points eingerichtet. Nach einer weiteren Stunde halten wir am Pistenrand mit Blick auf die Schlucht des Tekeze und machen Mittagsrast.
Natürlich kommen auch hier schnell einige Anwohner von den Feldern herbei, um die Ferenji zu begutachten.
Nach einer Stunde fahren wir weiter. Wir liegen gut in der Zeit. Mekele ist nicht mehr fern. Die Piste ist gut befahrbar. Die Gegend wird wieder bergiger.
Am Hang der Tekeze-Schlucht sehen wir etliche Baobabs stehen.
In Serpentinen geht es abwärts, bis vor uns einige LKWs stehen.
Aus irgendeinem Grund geht es nicht mehr weiter. Kurze Zeit später sehen wir mit eigenen Augen das Problem. In einer engen Kehre hat der Fahrer eines LKWs mit einem Bagger auf dem Auflieger die Kurve falsch angefahren und die rechten Hinterreifen des Aufliegers in den Graben gesetzt. Der Bagger ist halb herabgerutscht. Das Ganze ist bereits gestern Abend passiert. Aktuell fährt in Zeitlupentempo eine Planierraupe die Serpentinen hoch. Als sie endlich da ist, wird versucht, mit ihr den Bagger wieder auf den Auflieger zu schieben.
Aber naja, beim Versuch bleibt es. Nach einiger Zeit geben die vielen Helfer auf. Da wird wohl heute nichts mehr passieren.
Am Ende der Reise erzählt unsere Reiseleiterin, was sie in der Zeit, als wir an der Unglücksstelle die Bergungsversuche beobachtet haben, versucht hat: Ein Bus aus dem nur noch 100 Kilometer entfernten Mekele sollte gechartet werden, um uns entgegenzufahren. Wir hätten das Rotel komplett geräumt und die Reise als Hotelreise fortgesetzt. Denn ihr war sofort klar: Das wird Tage dauern, bis die Piste wieder frei ist. Aber es war einfach kein Bus aufzutreiben. Dann erkundete der Fahrer die Piste und fand tatsächlich etwa 100 Meter zurück eine etwas breitere Stelle, an der er möglicherweise unseren überlangen LKW wenden könnte. Letztlich blieb nur dieses Manöver, das dann auch in fünf Zügen gelang. Wir saßen dabei mit etwas Beklemmung im Fahrzeug. Wir fahren jetzt also die Piste mehrere Stunden zurück nach Sekota. Unser äthiopischer Guide hatte herausgefunden, das in Sekota ein Hotel mit Hof existiert, in dem wir das Rotel sicher abstellen und aufbauen können. Wie es dort genau aussehen würde, wusste aber natürlich niemand. Als wir etwa eine Stunde zurück gefahren waren, plötzlich ein Knall und Splittern von Glas. Die linke vordere Scheiben des Fahrgastraums ist zertrümmert. Was ist passiert ? Zwei Jungs haben Steine geworfen. Einer der faustgroßen Steine hat das Fenster getroffen. Zum Glück hatte unsere Mitreisende auf dem Platz eine große Tasche am Fenster aufgehängt. Diese hat die Wucht des Steines abgebremst, so das sie unverletzt blieb. Ein längerer Stopp folgte, die Scherben wurden aus dem Fahrgastraumraum gekehrt und der Fahrer dichtete mit einer Plane und Panzerband die Öffnung ab. Eine Verfolgung der Jungs wäre völlig sinnlos gewesen. Welches Gesetz würde uns hier mitten im Hochland beistehen ? Betroffen fahren wir weiter. Kurz vor Sekota sehe ich einen weiteren Jugendlichen drohend einen Stein in der Hand halten. Er wirft ihn zum Glück nicht. Was ist hier los ? Nachdem wir wieder den Militär-Checkpoint passiert haben, suchen und finden wir das Hotel. Im Hof steht ein UN-Fahrzeug, also kann es hier wohl nicht so schlecht sein. Das Hotel ist zwar nur halb fertig ausgebaut, aber einige Zimmer sind bezugsbereit. Zusätzlich gibt es noch Etagenduschen und -toiletten. Reisender, was willst du mehr ? Abends sitzen wir in der Rezeptionshalle und warten auf ein improvisiertes Abendessen aus von uns besorgten Nudeln und Tomaten. Es dauert recht lang, da die Hotelküche nicht darauf ausgelegt ist, für 20 Personen Nudeln zu kochen. Als das Essen dann doch gelingt, erfreuen wir uns an einem Teller Nudeln mit 1 kleinen Löffel Tomatensoße und ein Stück Weißbrot. Dazu ein Bier. Ich schlafe in dieser Nacht sehr gut.
Teil 3826. Jan. 2020
28.11.2019 Gewaltmarsch nach Axum Am Morgen stehen wir bereits um 5 Uhr auf, Frühstück um 6 Uhr, Abfahrt um 7 Uhr. Denn der Plan ist klar: Erst fahren wir eine ca. 100 Kilometer lange, völlig unbekannte Querverbindung zur A2. Dieser folgen wir dann über Mekele bis Adigrat. Von dort dann über einen hohen Gebirgspass über Adua nach Axum. Praktisch 2 Tagesetappen. 500 Kilometer. In Afrika. An einem Tag. Aber sonst müssten wir nach Harar auch noch Axum aus unserem Reiseprogramm streichen. Zunächst geht es einige Kilometer auf der uns bekannten Piste zurück. Dann biegen wir auf die Querverbindung ein. Die Piste ist gar nicht mal so schlecht. Keine Schlaglöcher, aber es geht stundenlang Serpentinen hoch, oben auf den Grat sieht man ins nächste schmale Tal, es geht sofort wieder Serpentinen runter und unten angekommen sofort wieder Serpentinen hoch. Am Grat angekommen, sieht man ins nächste Tal usw.
Wir fahren dabei durch eine Wahnsinns Landschaft. Irre schön. Mir wird keine Minute langweilig.
In den Tälern immer wieder Gehöfte und Bauern bei der Arbeit. Hier sind wir wirklich weit ab von jeglichen Tourismus.
Wir merken dies sofort bei der ersten Buschpause. Lediglich ein Mädchen kommt scheu in unsere Nähe.
Ansonsten ist da niemand weit und breit. Niemals sonst hatten wir soviel ungestörte Zeit für unsere Buschpause. Und weiter geht es durch diese atemberaubende Landschaft.
Endlich, es ist schon nach 11 Uhr haben wir diese ersten 100 Kilometer (!) geschafft. Bei Korem erreichen wir die A2. Ab jetzt geht es zügiger.
Teil 3926. Jan. 2020
Mittags halten wir wieder am Straßenrand und machen eine Stunde Picknick. Immer wieder laufen Einheimische zu Fuß an der Straße entlang an uns vorbei.
Wir sind schon ein echt befremdlicher Anblick mit unseren Klappsitzen am Straßenrand auf unserer Abwegen durch Äthiopien ! Aber die Menschen reagieren alle sehr freundlich auf uns. Ganz anders wird das dann einige Zeit später an einem Checkpoint der Tigray-Police. Diese regionalen Polizeikräfte haben eigentlich keinerlei Befugnis, Touristenfahrzeuge zu kontrollieren. Dies dürfen nur Bundespolizei und Militär. Aber die Tigray sind nach dem Machtverlust nach dem Sturz ihres Präsidenten und der jetzt eingeläuteten Verfolgung und Vertreibung korrupter Tigray durch die amtierende Regierung einfach ganz wild darauf zu zeigen, wer hier das Sagen hat. Eine längere, heftige Diskussion folgt. Es hilft nichts. Die Polizisten verlangen, das wir aussteigen. Ausweiskontrolle, Leibesvisitation und am Ende wohl noch Busdurchsuchung drohen. Da platzt unserem äthiopischen Guide der Geduldsfaden. Wütend schreit er die Polizisten an, wenn ihr uns kontrolliert, will ich auch eure ID-Cards sehen, damit ich euch an das Tourismus-Ministerium in Addis Abeba melden kann. Da ist es plötzlich vorbei mit dem forschen Auftreten der Polizisten. Nach einem kurzen Moment macht einer eine unwirsche Geste, das wir einsteigen und weiterfahren sollen. Um 15 Uhr erreichen wir endlich Mekele. Ab hier wären wir, wenn gestern alles planmäßig gelaufen wäre, heute morgen um 8 Uhr zu einem Fahrtag nach Axum aufgebrochen. Jetzt haben wir diesen kompletten Fahrtag noch vor uns. Zunächst werden wir in Mekele aber plötzlich von einem Zivilisten auf einem Motorrad gestoppt. Er ruft einen Tigray-Polizisten hinzu: Wir hätten eine Check-Point durchfahren, ohne zu stoppen. Ein erneuter Disput beginnt. Unser Fahrer stellt sich dem Polizisten in den Weg, als dieser unbedingt in den Fahrgastraum möchte. „No way“ ruft er, ihr habt nicht das Recht Touristen zu kontrollieren. Mehrere weitere Passanten sammeln sich langsam. Die Situation wird immer hitziger. Zum Glück kommt auch ein Bundespolizist in Uniform vorbei. Er hat die einfache Lösung: „Wenn Sie keinen Check-Point gesehen haben, können Sie ihn ja auch nicht missachtet haben.“ Das klingt für alle Beteiligten logisch. Plötzlich dreht die Stimmung. Alle lachen, schütteln sich die Hände und wir können weiterfahren. Für uns ist das erst mal nicht verständlich. Denn nach unserem deutschen Rechtsempfinden ist ein Vergehen ein Vergehen. Und muss bestraft werden. Aber mit Blick auf die uns erzählten Anekdoten (Foto und Kreisverkehr) des äthiopischen Sinns der Bestrafung, nämlich hier auch immer eine Belehrung erfolgen sollte, macht es dann doch Sinn: Wenn wir den Check-Point nicht gesehen haben, müssen wir ja nicht belehrt, sprich nicht bestraft werden, da wir ja nicht bewusst gegen etwas verstoßen haben. Eine Strafe ist also unnötig. Logisch. Wieder einmal komme ich ins Grübeln: Ist unsere deutsche Sicht der Dinge wirklich immer die beste oder einzig Wahre ? Hinter Mekele müssen wir sofort wieder Höhe machen. Die Serpentinen schrauben sich in engen Kurven nach oben. Danach kommen wir in ein immer trockeneres Gebiet. Als wir Adigrat erreichen, setzt schon die Dämmerung ein. Und jetzt müssen wir in völliger Dunkelheit, da es fast Neumond ist, die engen und steilen Serpentien hoch fahren zur Passhöhe der zwischen uns und Axum liegenden Berge. Zum Glück haben wir ab der Passhöhe einen einheimischen LKW vor uns, der ein ähnliches Tempo wie wir fährt. Bei der extrem steilen Abfahrt können wir uns hinter ihn hängen, um so vom Wissen des einheimischen Fahrers zu profitieren. Die Verständigung der LKW-Fahrer ist international. Der einheimische Fahrer erkennt schnell, das wir ihn als Lotsen brauchen. Vor jeder engen Kurve blinkt er um uns diese anzuzeigen. So folgen wir ihm bald eine Stunde durch die stockdunkle afrikanische Nacht und können die Abfahrt von der Passhöhe sicher bewältigen. Als es flacher wird, fährt es langsamer werdend rechts zu Seite, um uns passieren zu lassen. Mit Lichtzeichen bedankt sich unser Fahrer bei unserem unbekannten Helfer. Die Fahrt zieht sich hin, bis endlich die Lichter von Adua auftauchen und dann dauert es gefüllt nochmals ewig, bis endlich die Lichter von Axum in Sicht kommen. Gegen 21:30 Uhr erreichen wir unser Hotel. Dort wurde extra für uns das Buffet nochmals befüllt. Es schmeckt uns allen ganz besonders gut. Unser Fahrer hat an diesem Tag mit uns 504 Kilometer zurückgelegt und ist dabei 9.144 Höhenmeter hoch (und auch wieder runter) gefahren. Eine irre Fahrt. Müde, aber auch etwas aufgedreht fallen wir in die Koje.
Teil 4026. Jan. 2020
EXKURS 1: Liegt Äthiopien in Afrika ? Aus unserer europäischen Sicht des durch den Geschichtsunterricht geprägten Bildes der klassischen Antike des (europäischen) Mittelmeerraumes betrachtet liegt Äthiopien zunächst mal ganz klar in Afrika. Aber stimmt das ? Meine Sichtweise bzw. Blickwinkel wurde durch unsere Reise nach Äthiopien stark verändert bzw. erweitert. Wobei hier nur der von uns bereiste nördliche Teil Äthiopiens gemeint ist, wenn ich Äthiopien schreibe. Die völlig andere Geschichte und Kultur des östlichen Teils des heutigen, muslimischen Äthiopiens um die Stadt Harar musste ja leider außen vor bleiben bei unserer Reise. Von diesem neuen Blickwinkel aus betrachtet ergibt sich ein viel umfänglicheres Bild der antiken Welt: Beispielsweise bemühen sich viele Historiker seit langem, das sagenhafte Land Punt zu lokalisieren. Erwähnt wird dieses Land in den antiken Quellen häufiger. So auch auf den Reliefs des Totentempels der Pharaonin Hatschepsut, die um 1470 v. Chr. eine große Handelsexpedition ins Land Punt entsandte. Weitere ägyptische Inschriften verorten das Land Punt mal im Süden (also dem heutigen Nordäthiopien,Eritrea), dann wieder im Osten (also Oman und Jemen, dem Reich der Sabäer ). Einig ist man sich in einem: Aus dem Land Punt kommen Weihrauch und Myrrhe. Beides hochbegehrte Handelsgüter in der antiken Mittelmeerregion. Neuere Entdeckungen der Archäologen haben nun in der Nähe von Aden im Jemen Siedlungsreste aus dem 14.-13. Jahrhundert v. Chr. zutage gefördert. Das besondere dabei: Es waren Rundhütten, wie sie zu der Zeit nicht im Jemen, dafür aber in Äthiopien und Eritrea üblich waren. Dazu Keramikscherben, deren Stil und Machart eindeutig auf Äthiopien und Eritrea als Herkunftsland wiesen. Paläobotaniker konnten schließlich sogar den endgültigen Beweis liefern: Sie fanden Pflanzenreste von der afrikanischen Seite des Roten Meeres in einem der Gefäße. Auf der anderen Seite des roten Meeres in Eritrea und Nordäthiopien das gleiche Bild. Hier fanden die Archäologen ab etwa 1.000 v. Chr. Siedlungsspuren der Sabäer. Diese Siedlungen mit ihren typischen, rechteckigen Steinbauten mit sabäischen Inschriften tauchen hier parallel zu den Siedlungen der Afrikaner mit ihren Rundhütten auf. Das besondere: Anders als im Jemen sind die Siedlungen der Sabäer hier in Afrika nicht befestigt. Dies deutet auf eine friedliche Koexistenz hin. Der Grund für die Siedlungen der Sabäer in Nordäthiopien sehen die Historiker in der ab 1.000 v. Chr. belegten stark steigenden Nachfrage nach Weihrauch. Die arabischen Regionen Jemen und Oman konnten die Nachfrage allein nicht decken. Ab 1.000 v. Chr. pflanzten die Sabäer daher auch in Äthiopien und Eritrea in geeigneten Gebieten ganze Gärten von Weihrauchbäumen an. Neuere Forschungen am Relief im Totentempel der Hatschepsut von 1470 v. Chr. legen nun nahe, das die darauf abgebildeten Bewohner des Landes Punt teils schwarzer, teils hellbrauner Hautfarbe waren. Die alten ägyptischen, römischen und griechischen Quellen sowie diese archäologischen Befunde zusammen lassen bei vielen Historikern mittlerweile die Vermutung reifen, beim legendären Land Punt handelt es sich im eine größere Region auf beiden Seiten des Roten Meeres. Also Nordäthiopien, Eritrea, Jemen und Oman. Wir haben es hier also mit einer gemeinsamen Region zu tun, die schon über viele Jahrtausende hindurch von gegenseitigem Austausch geprägt war. Was wäre daher also natürlicher, als das Sabäer mit Weihrauchbaumpflanzen in dieser gemeinsamen Region über das Rote Meer ziehen, um dort ihren Lebensunterhalt mit dem so stark nachgefragten Weihrauch zu verdienen ? Und umgekehrt Menschen aus dem afrikanischen Teils Punts über das Rote Meer ziehen, um dort durch Handel oder Viehzucht ihren Lebensunterhalt zu bestreiten ? Von diesem Standpunkt aus gesehen, liegt Äthiopien plötzlich gar nicht mehr so eindeutig in Afrika.
Teil 4126. Jan. 2020
Exkurs 2: Axum, ein afrikanisches Reich der Antike ? Ab 150 v. Chr. entwickelt sich im Norden Ähiopiens, der heutigen Region Tigray das Reich Axum. Hier werden in der Architektur neben den bisherigen sabäisch-jemenitschen Einflüssen neu auch hellenistische, ägyptische und römische Einflüsse sichtbar. Axum entwickelt sich zu einem großen Reich, das einen festen Platz im Gefüge des spätantiken Mittelmeerraums hatte. Über die Handelshäfen an der Küste des roten Meeres unterhielt das Reich einen regen Handelsaustausch mit den Ländern des Mittelmeeres, aber auch zu den Ländern des Indischen Ozeans bis Indien, wie griechische Quellen des 1. Jahrhunderts n. Chr. belegen. Ab dem 3. Jahrhundert n. Chr. wurden nach griechischem Vorbild Münzen eingeführt, ab dem 4. Jahrhundert n. Chr. wurde das Christentum Staatsreligion. Axumitische Gesandte weilten am Hof der römischen Kaiser und später des Papstes, aber auch in Jerusalem. Sprachlich entwickelte sich Ge´es, die axumitische Sprache aus einer Mischung der Sprache der Sabäer und der Sprache der abessinischen Bergvölker der Region. Daneben war im Reich aber auch das Griechische die internationale Handelssprache, die auch am axumitischen Hof zeitweise als Herrschaftssprache diente. Unser europäischer Blick auf die Antike fiel bisher immer nur auf den Mittelmeerraum und hört in Ägypten auf. Die Archäologen und Historiker erweitern diesen Blick aber in den letzten Jahrzehnten: Das Reich Axum gehörte mit zu den antiken Hochkulturen und war während seiner Hochphase ab 300-600 n. Chr. auch mit dem Mittelmeerraum eng verbunden. Die äthiopischen Herrscher beziehen sich alle auf König Salomon und die Königin von Saba, die sogenannte salomonische Linie. Der Legende nach reiste die Königin von Saba nach Jerusalem und wurde von König Salomon schwanger. Der Spross wurde als Menelek I. der Stammvater des äthiopischen Herrscherhauses. Auch in dieser Legende spiegeln sich also die Verbindungen zu Arabien und dem Mittelmeerraum wieder.
Teil 4202. Feb. 2020
29.11.2019 Axum Mit all diesen Informationen, die wir von unserer Reiseleiterin während unserer langen Fahrten Richtung Axum erhalten haben, sind wir nun also endlich in Axum. Wir starten am Morgen mit einem einheimischen Bus samt lokalen Führer zu unserer Besichtigung von Axum. Zunächst müssen wir aber erst mal (wieder) einen Umweg machen. Klar, das zieht sich wie ein roter Faden durch die Reise 😎 Die Innenstadt von Axum ist wegen der Marienfeiertage Hidar Zion gesperrt. Schließlich erreichen wir doch das nördliche Stelenfeld vom Axum. Das Stelenfeld wird dominiert von den drei großen Stockwerkstelen.
Die Oberflächen sind mit Reliefs versehen, die an die turmartigen Bauten im Jemen erinnern.
Zu sehen sind neben Scheintüren etliche Stockwerke mit Scheinfenstern.
Die größte Stele (Stele 1) liegt umgestürzt und zerbrochen am Boden.
Wahrscheinlich stürzte sie bereits beim Aufstellen um. Vermutlich entstand sie als letzte im 4. Jahrhundert n. Chr. zur Zeit von König Ezana, als das Christentum bereits Einzug gehalten hat. Es könnte sogar sein, dass der Einsturz der Stele beim Aufstellen als Machtbeweis des neuen christlichen Gottes gegenüber diese aus heidnischer Zeit stammenden Tradition des Stelenbaus angesehen wurde. Und die zerborstene Stele daher als Mahnmal liegen gelassen wurde. Danach kann jedenfalls in Axum kein Stelenbau mehr nachgewiesen werden. Wir beobachten auch einige christliche Äthiopier, welche in Andacht versunken die am Boden liegende Stele berührten.
Eine umgestürzte und dabei in sechs Stücke zerbrochene Stele (Stele 2) wurde während der italienischen Besatzungszeit (1936-1941) als Beutegut nach Italien geschafft und erst vor wenigen Jahren zurück gegeben.
Leider wurde sie einige Meter von ihrem ursprünglichen Standort ohne ausreichendes Fundament neu aufgestellt, so dass sie nun mit einer Konstruktion aus Masten und Seilen gestützt werden muss, um nicht erneut umzufallen. Interessanterweise haben Archäologen nachgewiesen, das diese Stele irgendwann absichtlich untergraben wurde, um sie zu Fall zu bringen. Möglicherweise im 10. Jahrhundert bei der Zerstörung der Stadt Axum ?
Einzig Stele 3 steht seit ihrer Aufrichtung unverändert an ihrem Platz.
Betrachtet man die Stelen genauer, stellt man fest, das sich oberhalb der Scheintür ein Stockwerk mit quadratischen Fenstern befindet, darüber dann längliche Fenster.
Diese quadratische Fensterreihe stellt wohl die Oberlichter einer Eingangshalle dar, die länglichen Fenster darüber dann Zimmerfenster. Man geht daher davon aus, das die Stelen reale Paläste der axumitischen Herrscher abbilden. Zumal hier die real existierende turmartige altäthiopische Holzbauweise mit ihren das Mauerwerk durchbrechenden Querbalkenenden (sog. Affenköpfe) in Stein gemeißelt dargestellt wird. Am oberen Abschluss der Stelen befinden sich Löcher. Hier waren wohl Metallplatten aus Gold, Silber oder Bronze befestigt. Vermutlich mit Inschriften und heidnischen Symbolen, die den vorchristlichen, auch in Südarabien verehrten Gestirngottheiten (Sonne, Mond, Venus) huldigten.
Daneben gibt es auch noch etliche kleinere Stelen ohne Reliefs.
Mehrere mit Reliefs verzierten Stelen liegen am Boden in der näheren Umgebung des Areals. Insgesamt gibt es allein in Axum und Umgebung fünf Stelenfelder mit meist schmucklosen Stelen. Alle diese Stelenfelder waren Nekropolen. Die Stelen des nördlichen Stelenfeldes hier in Axum waren Teil der Begräbnisstätte der axumitischen Elite. Die als Bauten stilisierten Stelen waren als Heimstatt der Verstorbenen im Jenseits gedacht. So gibt es neben der umgestürzten Riesenstele eine unterirdische Kammer, das sogenannte Mausoleum.
Es wird ebenfalls in die Zeit von König Ezana im 4. Jahrhundert n. Chr. datiert. Weitere Grabkammern und Katakomben, deren Zugangstreppen bis zu 10 Meter unter die Erdoberfläche führen, wurden bei anderen Stelen gefunden. Die Stelen stammen aus den 5 Kilometer westlich von Axum liegenden Gobreda-Steinbrüchen, zu denen wir am Nachmittag auch noch kommen werden.
Teil 4302. Feb. 2020
Etwas abseits der Stelen liegt das sogenannte Scheintürgrab.
Am Rand sehen wir Vertiefungen für Eisenklammern, mit denen die Steine zusammengehalten wurden und tatsächlich ist hier noch eine dieser alten Klammern erhalten.
Über eine Treppe gelangt man hinunter in einen Vorraum, vom dem aus wir in die Grabkammer mit einem liegenden Steinblock blicken können.
Unser örtlicher Guide steigt in die Kammer und klopft mit einem Stein auf den Block. Es erklingt ein Ton ähnlich den Klangsteinen in Namibia. Das Grab wird auf das 4. bis 5. Jahrhundert n. Chr. datiert. Auf dem Gelände gibt es auch ein archäologisches Museum, in dem leider nicht fotografiert werden darf. Hier sind etliche der bei den Ausgrabungen entdeckten Keramiken, Figuren, Steinblöcke mit Reliefs und auch einige gefundene Münzen aus verschiedenen axumitischen Perioden zu sehen. Zu guter Letzt beobachten wir noch einige Minuten die sich im Gelände tummelnden Borstenhörnchen.
Teil 4402. Feb. 2020
Dann laufen wir zum nahen Kirchenkomplex St. Maria von Zion.
Schon im umzäunten Gelände des modernen Kirchengebäude sehen wir viele Gläubige, die hier teils unter Bäumen ihr Nachtlager eingerichtet haben. Wir laufen um die Kirche, ziehen unsere Schuhe aus und betreten den sehr geräumigen Innenraum.
Es ist der ersten der beiden Marienfeiertage. Daher ist der Andrang der Pilger noch gering und wir schaffen es ohne Probleme ins Innere zu kommen. Am Marienfeiertag liegt es wohl, das überwiegend Frauen in der Kirche sind.
Der Raum selbst ist mit vielen farbenfrohen Bildern ausgeschmückt.
Ein altes Bild befindet sich auch in der Kirche. Es zeigt die Entführung der Bundeslade durch Menelik, der Sohn von König Salomon und der Königin von Saba, dem Gründer der salomonischen Herrscherlinie.
Im 1. Buch der Könige wird im Alten Testament der Besuch der Königin von Saba bei König Salomon geschildert. Laut der äthiopischen Überlieferung handelte es sich bei der Königin von Saba um eine abessinische Prinzessin. Und aus einer Liebesnacht mit König Salomon gebar sie auf der Rückreise nach Äthiopien einen Sohn. Laut der Legende wuchs der junge Menelik in Äthiopien auf, wollte aber als junger Mann seinen Vater Salomon in Jerusalem kennenlernen. Dieser war natürlich hocherfreut und erklärte ihn zu seinem Thronerben. Nach einiger Zeit wollte Menelik aber doch zurück nach Äthiopien. König Salomon soll daraufhin seinen Hofstaat verpflichtet haben, das sein Erstgeborener von deren Erstgeborenen begleitet wird. Diese jungen Adligen der zwölf Stämme wollten aber ihre Heimat nicht ohne die heilige Bundeslade mit den Gesetzestafeln verlassen. Bei ihrem Aufbruch nahmen sie diese daher heimlich mit. Als das Verschwinden bemerkt wurde, schickte man ihnen Verfolger hinterher. Aber Gott verbarg sie vor ihren Verfolgern. Was sie als Zeichen dafür nahmen, das es Gottes Wille sei, die Bundeslade nach Äthiopien zu bringen. Menelik soll von der Entführung der Bundeslade erst bei der Ankunft in Äthiopien erfahren haben.
Teil 4502. Feb. 2020
Neben der Kirche gibt es ein Museum. Hier müssen wir unsere Fotoapparate, Rucksäcke, Handys etc. in Schrankfächer einschließen. Erst dann dürfen wir das Museum betreten. Es ist ähnlich dem Museum in Lalibela ein langgezogener Raum mit Vitrinen an den langen Wandseiten und in einer Doppelreihe in der Mitte. Da scheint es einen Masterplan zu geben, wie die äthiopische Kirche sich Museen vorstellt. Der Raum ist etwas größer. Zu sehen sind deutlich mehr Ausstellungsstücke. So zum Beispiel sehr viele Kronen der Herrscher ab dem 17. Jahrhundert. Reich verziert. Und daneben noch zwei „sehr alte“ Kronen, die in ihrer Schlichtheit auffällig den vier Kronen in Lalibela ähneln. Hinten im Raum befindet sich das Bett von Kaiser Haile Selassie. Dazu wie in Lalibela diverse Kreuze, Hostienbehälter, alte Gewänder und Musikinstrumente. Aber trotz der Vielzahl der Ausstellungsstücke bleibt bei mir doch der Eindruck, hier viele „neuere“ Gegenstände ab dem 17. Jahrhundert zu sehen. Jetzt wird mir erst richtig klar, dass wir im Museum in Lalibela tatsächlich sehr alte Stücke gesehen haben. Die Zeitangaben unseres Führers dort, die ich ehrlich gesagt etwas angezweifelt habe, erscheinen mir nun im Vergleich durchaus realistischer. Vor allem fehlen hier im Museum in Axum die uralten, auf Pergamentpapier geschriebenen großen Folianten, welche wir in Lalibela im Museum bewundern konnten. Das Museum in Axum hat mich nicht so beeindruckt. Der Besuch war aber dennoch wichtig. Hat er mir doch noch mehr verdeutlicht, wie besonders unser Museumsbesuch in Lalibela war. Nach dem Museum heißt es für die Frauen mal wieder zurückbleiben. Mit einem neuen Guide gehen wir Männer zur alten Kathedrale St. Maria von Zion, vorbei an dem Bau, in dem die Bundeslade aufbewahrt wird. Jedenfalls sind sich da alle Äthiopier sicher. Wir dürfen bis zu einer Markierung etwa 10 Meter vor dem Gebäude heran treten. Er hat schon was, dieser legendenumwobener Bau.
Natürlich mache ich mir Gedanken, was an der Geschichte mit der Bundeslade dran sein könnte. Steckt in solch überlieferten Legende nicht oft ein wahrer Kern ? Erst vor kurzem lief hierzu auf Arte ein interessanter Bericht. Ein Historiker führte dort aus, das es wohl mehrere Bundesladen gab. Die Bundeslade sollte nach seinen Worten als Symbol für den Pakt Gottes mit dem jüdischen Volk gesehen werden. Möglicherweise war es daher so, das jeder der 12 Stämme eine Truhe besaß, welche die Bundeslade als Symbol dieses Paktes darstellte. Die Stämme führten demnach dieses machtvolle Symbol auch mit, wenn sie zu Kriegszügen aufbrachen. Wurde die Bundeslade dabei zerstört oder verfiel das Holz im Lauf der Zeit, wurde eben eine neue Truhe/Bundeslade als Symbol für den Pakt mit Gott gebaut. So gesehen könnte es durchaus sein, das frühe jüdische Auswanderer in den ersten Jahrhunderten tatsächlich solch eine Truhe mit sich führten und sich somit eine Bundeslade in Äthiopien befindet. Die aber dann bestimmt auch in späteren Jahrhunderten erneuert wurde. Denn Holz ist nun mal vergänglich. Wir werden es wohl nie erfahren, denn die äthiopische Kirche verweigert konsequent jegliche Untersuchungen durch Wissenschaftler, nicht nur hier in Axum. Auf dem Platz vor der alten Zionskatherdrale wurden wohl schon die axumitischen Herrscher, später bis in die Neuzeit jedenfalls die äthiopischen Kaiser gekrönt.
Durch ein "Torhaus" kommt man zu einer Art Prozessionsweg. Gesäumt von etlichen sockelartige Thronunterbauten, die wohl von verschiedenen axumitischen Herrschern errichtet wurden, um an bedeutende Siege zu erinnern. Leider sind wohl wirklich nur noch die Fundamentsteine dieser „Throne“ erhalten. Weshalb uns unser neuer Guide aus nicht dorthin geführt hat. 🙁 Außerdem wurde auf einer Mauer direkt bei der alten Kathedrale das Fragment einer weiteren Stele abgelegt. Es liegt so unscheinbar auf der Mauer neben einem ebenfalls hier „gelagerten“ alten axumitsichen Wasserspeier auf einem in die Mauer eingearbeiteten Stein mit alter Inschrift, das ich es vor Ort leider komplett übersehen habe.
Und unser kurzzeitiger neuer äthiopischer Guide fand dies natürlich auch nicht erwähnenswert. 😈 Sein Auftrag war ja, uns Männer in die alte Kathedrale zu führen. Ich habe es zufällig auf einem der Bilder, die ich von diesem Platz machte, entdeckt und entsprechend recherchieren können: Das Fragment stammt von der als Stele 4 bezeichneten vor der heutigen Rundkirche Enda Yesus liegende Stele mit sechs Reliefstockwerken. Es handelt sich um oberste Stockwerksfenster mit zwei Lanzen darüber. Man kann auch noch ein kleines Stück des darüber beginnenden Kopfendes der Stele erkennen. Die dargestellten Lanzenspitzen sind einzigartig und ihre Bedeutung unklar. Keine andere Stele weist solche Reliefs auf.
Jetzt heißt es wieder Schuhe ausziehen. Diesmal sollen wir sie laut unserem Guide mit in die Kirche nehmen und Innen an der Wand abstellen. Draußen seien schon mehrfach Schuhe verschwunden. Im Inneren der Kathedrale zeigt uns unser Führer ein altes Buch, das in etliche Tücher eingewickelt ist.
Nach und nach packt er es aus und zeigt uns einige Seiten. Es ist sichtbar abgegriffen von den vielen Gottesdiensten im Lauf der Zeit.
Wir sehen noch einige Reste des alten Mauerwerks eines der Vorgängerbauten. Sie stellen die Form des Gebetsstabes sowie ein Kreuz mit Früchten darunter dar.
Im Hauptraum sind einige Gläubige und Priester im Gebet.
Das große Gemälde oben am Eingang zum Allerheiligsten stellt oben die heilige Dreifaltigkeit (Selassie) dar.
In der Mitte sind die 12 Apostel mit Engeln abgebildet. Und unten links König Salomon und die Königin von Saba, unten mittig die Versuchung im Garten Eden und unten rechts die Vertreibung aus dem Paradies. Ein weiteres Gemälde stellt unter der Gottesmutter mit Jesuskind den Kaiser Fasilidas und darunter die „neun Heiligen“ dar.
Unter Kaiser Fasilidas wurde um 1650 n. Chr. die etwa 100 Jahre zuvor zum wiederholten Male von Feinden zerstörte Kathedrale im bis heute erhaltenen frühen Gondar-Stil neu aufgebaut. Über Kaiser Fasilidas werden wir bei unserer nächsten Station in Gondar mehr hören. Neben weiteren Bildern sehen wir hier zwei unterschiedliche Darstellungen der Maria: Einmal als die uns vertraute Version als Europäerin, einmal als Afrikanerin.
Teil 4602. Feb. 2020
Nachdem wir vor dem modernen Kirchenbau die Frauen wieder getroffen haben, laufen wir zum sogenannten Bad der Königin von Saba, dem Wasserbecken May Shum.
Das Wasserreservoir wird ausschließlich durch die zwei Regenzeiten des Jahres mit Wasser gefüllt und diente wahrscheinlich auch in der Antike schon als Zisterne. Heute findet hier auch die Wasserweihe (Timkat-Fest) statt. Nun ja, und außerdem dient es den Menschen immer noch als Wasserquelle, wie wir bei unserem Besuch beobachten konnten. Mit dem Bus fahren wir ein Stück weiter bis zu einer kleinen Hütte. Im Innern in einer Glasvitrine der dreisprachige Stein des Ezana.
König Ezana ließ diese Stelen als Grenzsteine aufstellen, auf denen in sabäisch, Alt-Griechisch und Ge´es von seinem siegreichen Feldzug im heutigen Sudan berichtet wird.
Unter König Ezana wurde Axum christlich und es begann eine mehr als 200jährige Blütezeit. Unser letztes Zeil am Vormittag ist eine Doppelgrabanlage etwa zwei Kilometer nördlich von Axum. Es handelt sich vermutlich um die Gräber von König Kaleb (um 500-540 n.Chr.) und seinem danach regierenden Sohn Gebre Masqal. Ursprünglich bestand der Komplex aus zwei großen, länglichen zweistöckigen Gebäuden, die sich gegenüber standen. Im Innern der Gebäude, die wohl als Gedenkstätten errichtet wurden, gelangte man über Treppen hinunter in die jeweilige Grabkammer.
Heute ist von den Gebäuden außer ein paar Mauerresten nichts mehr erhalten. Wir gehen zuerst in die Grabkammer von Gebre Masqual. Die eigentliche Grabkammer wird flankiert von zwei leeren Kammern. In der Grabkammer stehen noch drei offene Steinsärge. Mehr ist leider über die Jahrhunderte nicht zurück geblieben. In der Grabkammer seines Vaters Kaleb ist sogar die Grabkammer leer. Dafür erkennt man hier deutlich, wie exakt die großen Steinblöcke bearbeitet wurden, um passgenau aufeinander gesetzt zu werden.
Mich erinnert diese sehr exakte Bearbeitung etwas an die Bauten der Inka, die knapp 1000 Jähre später in Peru entstanden und von aller Welt (zurecht) bewundert und bestaunt werden. Jetzt kehren wir aber erst mal zur Mittagsrast zurück zum Hotel.
Teil 4702. Feb. 2020
Am Nachmittag fahren wir Richtung Westen aus Axum heraus. Unser Ziel ist zunächst der als „Palast der Königin von Saba“ bezeichnete Palast von Dungur. Viel ist über diesen Palast leider nicht bekannt. Die Mauerreste, die wir sehen, wurden vor einigen Jahrzehnten entsprechend der im Boden liegenden originalen Grundmauern „restauriert“.
Entsprechen aber in ihrer Bauweise leider keinesfalls der Originalbauweise. Die wenigen sichtbaren Reste des originalen Mauerwerken zeigen, das hier ursprünglich mit wesentlich größeren, aufwendig zurecht gearbeiteten Steinquadern gebaut wurde.
Sicher ist nur, das es sich um einen Palast der adligen Elite Axums gehandelt hat. Daneben haben Archäologen die Überreste eines Handwerkerviertels mit Brennöfen und Schlacken aus der Kupfergewinnung entdeckt. Ob es ein Königspalast war, darf bezweifelt werden, da in Axum selbst die Fundamente eines größeren Palastareals nachgewiesen werden konnte. Teils leider durch moderne Bauten überlagert. Auch gibt es keinerlei historische Belege für die tatsächliche Existenz der „Königin von Saba“.
Ein Stück weiter liegt der Gobreda-Hügel, an dem sich mehrere Steinbrüche befanden. Wir steigen den Hügel ein Stück hinauf durch eine wunderbare Pflanzenwelt.
Vorbei an etlichen blühenden Pflanzen erreichen wir das Felsrelief des „Löwen von Gobreda“.
Ob das Relief zeitgleich mit der Steinbruchnutzung entstanden ist, lässt sich nicht sagen. Anhand eines neben der Löwin befindlichen Kreuzes wird es aber vorsichtig auf das 4.-5. Jahrhundert n.Chr. datiert. Ein Stück oberhalb des Löwenreliefs kann man noch einige der Bohrlöcher im Gestein erkennen, in die dann die Holzkeile getrieben und befeuchtet wurden. Das ausdehnende Holz entwickelte die notwendige „Strengkraft“, um die Felsblöcke aus dem Gestein zu lösen.
Die Rohlinge wurden vermutlich über Rampen zu ihrem Aufstellungsort gebracht und erst dort von Steinmetzen und Bildhauern fertig bearbeitet. Auf der Fahrt zurück nach Axum passieren wir einen Check-Point der Tigray-Police, an dem etliche Kleinbusse Schlange stehen. Aufgrund des wichtigen Marien-Feiertages sind die Kontrollen besonders sorgfältig und dauern entsprechend. Daher lassen etliche Kleinbusse ihre Gäste hier aussteigen, wenden und fahren zurück aufs Land, um weitere Touren zu machen. Hinter der zeitraubenden Kontrolle stehen TukTuks und andere Kleinbusse bereit, um die „verlassenen“ Fahrgäste aufzunehmen und weiter in die Stadt zu befördern. Unser lokaler Fahrer manövriert seinem Kleinbus mit uns an Bord durch das Gewirr und wird von der Tigray-Police ohne Kontrolle durchgewunken. Man kennt sich eben. Zurück im Hotel sehen wir, das die Vorbereitungen für die zusätzlichen Übernachtungsgäste aufgrund des Marienfeiertages im Untergeschoss weiter fortgeschritten sind. Im rechten Teil des Untergeschosses wurden kleine Zelte aufgebaut. Daneben jeweils ein Stuhl mit Handtuch, Toilettenpapier und Seife für die Pilger. Die andere Hälfte des Untergeschosses wurde als Matratzenlager hergerichtet. Für uns ungewohnt: Die Matratzen liegen auf Tischen.
Vor dem Abendessen möchte ich noch unsere Wasservorräte aufstocken für die nächsten Tage. In einem kleinen Laden ein Stück vom Hotel entfernt werde ich fündig. Aber hier fasziniert mich vor allem die Verkäuferin, welche unter einem Kopftuch dennoch deutlich sichtbar eine beeindruckende Frisur trägt. Wir haben die traditionelle Shiruba-Frisur vor allem der älteren Tigray-Frauen in den letzten Tagen während unserer Fahrten durch die Region Tigray schon öfters gesehen. Und auch die deutlich prachtvolleren Shiruba-Frisuren der jüngeren Frauen. Hier stehe ich aber direkt vor einer Trägerin dieser sehr schönen Haartracht. Da sie aber leider kein englisch spricht, kommt keine Verständigung zustande. Mit dem Wasser zurück am Hotel erzähle ich meiner Frau davon und wir beschließen, nochmals dorthin zu laufen, damit auch sie die Frisur bewundern kann. Mittlerweile ist im Laden auch der Ladeninhaber und Ehemann der Frau sowie der kleine Sohn anwesend. Da der Mann englisch spricht, können wir jetzt endlich auch näheres zu der Frisur erfahren. Mich interessiert zunächst, wie lange es denn am Morgen dauert, bis die Frisur hergerichtet ist. Das gehe recht schnell, übersetzt der Ehemann. Keine 30 Minuten. Die Frau nimmt sogar das Kopftuch für uns ab, so das wir die Frisur noch besser bewundern können. Und dann verrät sie uns ein Geheimnis: Es handelt sich um die moderne Form der Shiruba. Das sich so extrem prachtvoll entfaltenden Haar am Hinterkopf kommt zustande – durch ins Haar geflochtene Extensions aus Kunsthaar. Diese Extension wird einfach in die eng am Kopf anliegenden Zöpfe aus Echthaar, die denn vorderen Teil der Shiruba-Frisur darstellt, eingeflochten. Tatsächlich bemerke ich am nächsten Tag jetzt auch vor einem Friseurladen die angebotenen Packungen mit Extensions.
Wir würden gerne ein Foto von der Frau machen, merken aber schnell, das dies dem Ehemann nicht recht wäre und verzichten daher. Wir bedanken uns bei beiden ganz herzlich für ihre Freundlichkeit und gehen lächelnd zurück zum Abendessen ins Hotel. Nach dem Abendessen machen wir noch einen kleinen Spaziergang durch die anliegenden Straßen und beobachten das beginnende Nachtleben. Hierbei kommen wir auch wieder an dem kleinen Laden vorbei. Als uns die Inhaber bemerken, winken sie uns durch das Schaufenster nochmals sehr freundlich zu. Anscheinend haben sie diese kurze Begegnung mit uns Ferenji genauso genossen wie wir die Begegnung mit ihnen.
Teil 4802. Feb. 2020
Exkurs: Beta Israel, Christentum und das Reich Axum Bereits weit in vorchristlicher Zeit müssen jüdische Einwanderer in die Berge Abessiniens gekommen sein. Woher sie kamen, ist ungewiss. Evt. aus Ägypten oder dem Jemen. Jedenfalls tauchen sie irgendwann unter den kuschitischen Bergvölkern auf. Sie bezeichnen sich bis heute als Beta Israel oder Fallaschas. Ihr Glaube ist sehr archaisch und geht auf das Judentum vor dem babylonischen Exil zurück. Alles danach folgendes Entwicklungen des Judentums lehnen sie ab. So kennen sie auch keinen Talmud und feiern weder Purim noch Chanukka. Als das Reich Axum christlich wurde, soll sich nordwestlich davon in Semien das jüdische Königreich Semien, teils auch als Königreich Beta Israel bezeichnet, gegründet haben. Der Legende nach kam der Stammvater dieser jüdischen Königslinie zusammen mit Menelik und der Bundeslade nach Äthiopien. Das Christentum kam durch zwei schiffbrüchige Brüder einer christlich-phoenikischen Familie nach Äthiopien. Ihr Schiff wurde im Roten Meer gekapert und sie als Sklaven an den Hof des in Axum regierenden Königs Ousanas verkauft. Nach seinem Tod ließ die Witwe die beiden Brüder frei und machte einen von ihnen, Frumentios aufgrund seiner umfassenden griechischen Bildung zum Hauslehrer des Thronfolgers Ezana. 327 n. Chr. reiste Frumentios nach Alexandria zum Bischof Athanasios und bat um die Entsendung christliche Missionare. Der Bischof weihte daraufhin Frumentios selbst zum Priester und sandte ihn mit mehreren Mönchen zurück. Eine der ersten Handlungen nach seiner Rückkehr war die Taufe des mittlerweile gekrönten Königs Ezana und des Hofes und so wurde bereits 340 n. Chr. das Christentum zur Staatsreligion in Axum. Nach dem Konzil von Chaldekon (Türkei) im Jahr 451, auf dem sich von den vielen unterschiedlichen christlichen Glaubensrichtungen die römischen, orthodoxen und altorientalischen Richtungen durchsetzen, wurden die syrische und ägyptische (und somit auch die äthiopische) Glaubensrichtung der Häresie bezichtigt. Viele ihrer Anhänger mussten daher aus dem übrigen Mittelmeerraum fliehen. Damit hängt vermutlich die Ankunft der sogenannten neun Heiligen in Äthiopien zusammen. Die legendären Heiligen waren wohl syrische und ägyptische Mönche auf der Flucht und sie leiteten die Missionierung weiterer Landesteile in Äthiopien und Eritrea ein. Ab 600 n. Chr. verlor das Reich Axum langsam an Bedeutung. Beschleunigt wurde der Niedergang durch den Siegeszug des Islam. Die Gebiete am Roten Meer unter axumitischen Einfluss (Eritrea, Somalia) gingen an muslimische Herrscher verloren und damit der Zugang zu den Handelsrouten über das Meer Richtung Mittelmeer, Arabien und Indien. Axum verlor rasch an Einfluss. Das Reich erstreckte sich aber weiterhin über große Gebiete Nordäthiopiens. In dem dunklen Jahrhunderten des Niedergangs des Reiches Axum kam es zu Konflikten mit dem jüdisches Königreich „Beta Israel“. Deren König Gideon IV. führte im 10. Jahrhundert n. Chr mehrere Angriffskriege gegen Axum. Bei diesen Kämpfen starb er. Angeblich erbte seine Tochter Judith (die historisch nicht belegt werden kann) von ihm das Reich, eroberte die Stadt Axum, tötete den König und zerstörte aus Rache für ihren Vater alle Monumente der Stadt. Aufgrund dieser Ereignisse verlagerte sich das Zentrum des christliches Reiches in die Lasta-Berge nach Lalibela und die Bundeslade soll in den Süden Äthiopiens in Sicherheit gebracht worden sein. Eben auf die Insel Tullu Gudo im Ziway-See, bevor sie dann nach dem wieder erstarken der salomonischen Dynastie nach Axum zurückgebracht wurde.
Teil 4909. Feb. 2020
30.11.2019 Auf zu neuen Höhen Am Morgen verlassen wir Axum auf der B30 Richtung Westen. Als wir nach nach einiger Zeit die Stadt Shire erreichen, ist dort wegen einem Radrennen die Hauptdurchgangsstraße gesperrt. Wir müssen mit dem Rotel auf engen Nebenstraße durch die Stadt. Eine besondere Herausforderung sind dabei die teils sehr niedrig hängenden Stromleitungen über die Straße. Zu niedrig für unseren hohen LKW. Etliche Male müssen mit Besenstiel und ähnlichen Hilfsmitteln die stromführenden Leitungen angehoben werden, damit unser Fahrzeug langsam passieren kann. Wir können dabei das Leben in den Seitenstraßen ausgiebig beobachten.
Fast bedauern wir es, als wir wieder die große Hauptstraße erreichen. Dann nähern wir uns der Schlucht des Flusses Tekeze erneut.
Unser 1. Versuch, den Tekeze weiter östlich vor Mekele zu überqueren scheiterte ja wegen dem auf der Serpentine runter ins Tekeze-Tal verunglückten LKW, der unsere Umkehr und den anschießenden Gewaltmarsch nach Axum zur Folge hatte. Wir halten oberhalb der Schlucht. Buschpause mit kombinierten Fotostopp. Wir können gut den weiteren Verlauf der Straße sehen, wie diese sich in Serpentinen in die Schlucht hinab windet.
Aber wir können auch nochmals die traditionelle Shiruba-Frisur einer Frau bewundern, die zu Fuß entlang der Straße aus der Schlucht gelaufen kommt.
Bei der Weiterfahrt sehen wir überall an den Hängen der Schlucht Weihrauchbäume stehen.
Unten am Fluß angekommen, ist vor der Brücke ein Check-Point der Tigray-Police. Aber sie lassen uns problemlos passieren. Danach können wir uns wieder der schönen Landschaft widmen.
Hier im Flusstal wachsen auch Baobabs.
Danach fahren wir über lange Serpentinen erneut ins Hochland.
Wieder traumhafte Panoramablicke auf die abessinische Bergwelt. Aber leider holt uns hier auch die harte Realität ein. Wir passieren ein UN-Flüchtlingslager, in dem viele Flüchtlinge des langen Krieges mit Eritrea leben. Mittlerweile entstehen im Lager bereits viele feste Gebäude. Irgendwann wird darauf wohl eine richtige Stadt. Deren Bewohner aber weiterhin auf Lebensmittelhilfe angewiesen sind, da das umliegende Land niemals so viele Menschen ernähren könnte. Auffällig viele Check-Points der Tigray-Police und des Militärs gibt es in der Gegend und verzögern immer wieder kurz unsere Weiterfahrt. In der Region sehen wir auch viele bewaffnete Zivilisten. Wir haben uns mittlerweile aber schon daran gewöhnt hier im Land überall Bewaffnete, auch Zivilisten, zu sehen. Wir verlassen jetzt die Tigray-Region und kommen wieder in die Amharen-Region.
Teil 5009. Feb. 2020
Kurz darauf machen wir Mittagspause in der kleinen Bergstadt Addi Arkay. Schon bei der Einfahrt sehen wir, das hier heute ein regionaler Markttag ist. Das Marktgelände am Ortseingang wimmelt vor Menschen und auch auf der Hauptstraße sind viele Fußgänger unterwegs. Wir halten an einem Lokal und setzen uns auf die Stühle vor dem Lokal, um das Treiben zu beobachten. Dazu trinken wir einen Kaffee. Danach mischen meine Frau und ich uns unter die Menschen und laufen zum Markt.
Dabei genießen wir, zwischen den Häusern hindurch, immer wieder den Blick auf die umliegende Bergwelt.
Beim Markt angekommen haben wir schnell einige kleine Kinder als Begleitung. Sie rufen immer wieder etwas, was ich nicht verstehe. Auf deutsch antworte ich ihnen immer wieder lachend mit erhobenen Finger, das ich sicher bin, das ihr Schlingel uns hier veräppelt mit euren Rufen. Sie kreischen vor Begeisterung und toben immer wieder wild um uns herum, auch als wir die Hauptstraße zurück laufen. Wir wiederholen das Spiel immer wieder, bis wir zurück beim Lokal sind. Wir hatten dabei alle unseren Spaß und oh Wunder, keines der Kinder hat uns angebettelt. Der Spaß mit den lustigen Ferenji war ihnen genug. Fotos gibt es davon nicht, denn manche Bilder mache ich lieber mit dem Herz.
Nach der Pause geht unsere Fahrt durch die Bergwelt weiter.
Am späten Nachmittag schraubt sich die von den Italienern während der Besatzungszeit gebaute Straße, abenteuerliche, immer enger und steiler werdende Serpentinen hoch durch die Semien Mountains Richtung Wolkefit-Pass auf 3.050 Meter.
Als wir eine schmale Einbuchtung finden, machen wir eine kombinierte Busch- und Fotopause. Die Landschaft und Vegetation sind atemberaubend.
Aufgrund der hohen Feuchte hier im Gebirge wächst ein dichter Bergwald. Aber dazwischen finden sich immer wieder auch Blüten, unter anderem von der abessinischen Rose.
Aus der asphaltierten Straße ist eine schmale Piste geworden, die sich abenteuerlich an den Bergflanken direkt an tiefen Abgründen entlang schlängelt.
(Im Bild rechts auf halber Höhe in der Steilwand verläuft die Piste.)
Als wir die Passhöhe erreicht haben, öffnet sich ein Hochplateau. Nach einiger Zeit erreichen wir die Stadt Debark auf 2.850 Metern. Von hier aus starten viele Trekkingtouren in die Semien Mountains. Im Hof des neu errichteten Jemala Hotels bauen wir unser Rotel auf. Die Betreiber des Hotels sind wirklich mit sehr viel Enthusiasmus um uns bemüht und so genießen wir hier einen schönen Abend mit gutem Essen. Die ganze Nacht hören wir die Gebetsgesänge des christlichen Gottesdienstes anlässlich des Marien-Feiertages.
Teil 5109. Feb. 2020
01.12.2019 Gondar Im ersten Morgenlicht kann ich längere Zeit zwei Erzraben vor am Nachbargebäude beobachten.
Zwei unserer Nachtwächter wärmen sich auch im ersten Sonnenlicht.
Nach dem Frühstück fahren wir über die Hochebene weiter Richtung Gondar.
In der ländlich geprägten Region sehen wir immer wieder viele Gläubige in ihren weißen Festtagsgewändern auf dem Heimweg von den nächtlichen Andachten in den Kirchen aufgrund des Feiertages.
Immer wieder beeindruckend: Die äthiopischen Baugerüste.
Teil 5209. Feb. 2020
Nach gut 2 Stunden erreichen wir Gondar. Unser erstes Ziel ist die wegen ihrer Wandmalereien berühmte Kirche Debre Berhan Selassie. Die Malereien stammen aus dem 17 Jahrhundert und diese Kirche ist die einzige nicht von den Anhängern des Mahdi zerstörte Kirche in Gondar. Nach dem Fall von Karthoum 1885 kam es auch am Grenzgebiet zwischen Sudan und Äthiopien immer wieder zu Zusammenstößen zwischen Mahdisten und Äthiopiern, die mal von der einen, mal von der anderen Seite ausgingen. 1887 eroberten die Mahdisten schließlich Stadt und Region Gondar für kurze Zeit. Hierbei kam es auch zur Zerstörung fast aller Kirchen. Am Eingang der Kirche stehen bewaffnete Wachen.
Die Kirche wird rund um die Uhr bewacht, da in den letzten Jahren von Moslems mehrere Brandanschläge auf diese verübt wurden. Wir werden wieder einer Leibesvisitation unterzogen und dürfen dann das von Mauern und Türmen umgebene Kirchengelände betreten.
Mit unserem örtlichen Guide betreten wir die Kirche und staunen ob der Pracht und Vielzahl der Malereien. Alle vier Wände sowie die Decke sind komplett bemalt. Die Malereien wurden auf Stoffe/Leinwände aufgebracht und diese dann an die Wände geklebt.
(Hier am unteren Absatz der Wand erkennt man dies gut)
Unser Guide erklärt uns die Bedeutung jedes einzelnen Bildes, während der anwesende Priester tief und fest auf seinem Stuhl halb sitzend, halb liegend schläft. Auch er hat die ganze Nacht hindurch aufgrund des Marien-Feiertages gebetet. An der Stirnseite des Raumes ist zentral die heilige Dreifaltigkeit abgebildet, auf die während des Gottesdienstes die Priester schauen.
Die Gläubigen stehen sich dabei, getrennt nach Männern und Frauen, im Raum gegenüber. Die Männer schauen dabei auf die Längsseite der Kirche mit den Abbildungen des Leben Jesu, während die Frauen auf die Wand mit den Darstellungen des Lebens der Maria blicken. Bei den Malereien im Gondarstil sind böse bzw. unwissende oder ungläubige Menschen stets im Profil mit nur einem Auge dargestellt. So ist zum Beispiel beim letzten Abendmahls nur Judas so dargestellt.
Wir sehen auf den Wänden unter anderem den abgeschlagenen Kopf von Johannes, der nach der äthiopischen Legende von Gott mit Flügeln versehen wurde und so noch Jahre weiter das Christentum verbreitete.
Auf der Marienseite sehen wir den heiligen Thomas, der zur Zeit von Marias Tod in Indien weilte und so nicht persönlich bei ihrer Himmelfahrt anwesend sein konnte, auf einer von Gott gesandten Wolke, die in doch noch zu Marias Himmelfahrt trug.
(Rechts oben Maria umringt von 5 Engeln und Thomas auf der Wolke.)
Wir hören auch, das sich laut der äthiopischen Version Maria bis zu ihrem 15. Lebensjahr in einer Klosterschule aufhielt und schwanger aus dem Kloster kam. Später soll sich Maria auch einige Zeit in Äthiopien aufgehalten haben. Besonders beeindruckt die reich verzierte Decke, die komplett mit geflügelten Engelsköpfen bemalt ist.
Weitere Eindrücke der Malereien, die alle vier Innenwände zieren. Leider konnte ich mir zur Bedeutung nicht alles merken, was wir unserem Guide in Gondar dazu erklärt bekamen. 🙁
Teil 5309. Feb. 2020
Nach der Besichtigung fahren wir ins Zentrum zur Mittagspause. Meine Frau und ich mögen (wie fast immer) nicht im Lokal sitzen und laufen einige Zeit in einem großen Bogen durch die Straßen bis hin zu den Außenmauern des Gemp, den wir nachmittags besichtigen werden. Dann kaufen wir uns eine Flasche Wasser, machen es einigen äthiopischen Senioren nach und setzen uns auf eine Bank unter den Bäumen vor einem kleinen, parkähnlichen Restaurant mit Blick auf die Piassa mit dem Standbild von Kaiser Theodor II. (1818-1868), der heute aufgrund seines tragischen Kampfes gegen die Engländer als Nationalheld Äthiopiens gefeiert wird.
Er war eine schillernde Persönlichkeit der äthiopischen Geschichte. Als Sohn eines Statthalters sollte er zunächst Priester werden, floh dann wegen einer blutigen Familienfehde in die Berge, wo er Anführer einer Räuberbande wurde. Später selbst zum Statthalter ernannt, besiegte er in rascher Folge etliche lokale Machthaber in der Region um Gondar und wurde schließlich 1855 selbst zum Kaiser von Äthiopien gekrönt. Er stabilisierte und modernisierte das Land und stemmte sich vehement gegen jede Einflussnahme seitens des Osmanischen Reiches oder Englands über Äthiopien. Als er 1862 in einem Schreiben die englische Königin um Beistand beim Kampf gegen die Osmanen bat, blieb dieses Schreiben unbeantwortet. Erbost über diese Missachtung seiner Person nahm er einige Europäer, darunter Missionare und Gesandte, als Geiseln. Die Engländer schickten letztlich ein Expeditionsheer zur Befreiung der Geiseln. Theodor verschanzte sich in der Bergfestung Magdala. Kurz vor der Erstürmung durch die Engländer nahm er sich das Leben, um der Schmach der Gefangennahme zu entgehen. Er wurde am Tag nach der Erstürmung mit allen Ehren beerdigt. Das Expeditionsheer zog sich mit den befreiten Geiseln zurück, nicht ohne alle ihnen hier in die Hände gefallenen Wertgegenstände des Kaiserhauses als Beute mit zu nehmen. Die Stücke befinden sich wohl noch heute in britischen Museen und deren Depots. Einer unserer lokalen Guides hat uns bei den Besichtigungen am Nachmittag auf die Frage, ob denn Gegenstände aus der Kaiserzeit Gondars erhalten seinen, nur lakonisch geantwortet: „Wissen wir nicht. Fragt mal die Engländer.“
Teil 5409. Feb. 2020
Nach der Mittagspause fahren wir die kurze Strecke zum Eingang des Gemp, des Palastbezirkes von Gondar. Nach Jahrhunderten erbitterter kriegerischer Konflikte, die auf die Zagwe-Dynastie mit ihrer Hauptstadt Lalibela folgten und die salomonischen Herrscher veranlassten ohne feste Residenzstadt durch das Reich zu ziehen um immer wieder vor Ort persönlich die politische Stabilität zu sichern, wurde von Kaiser Fasilidas (1632-1667) ab 1636 Gondar zur neuen Hauptstadt des Reiches ausgebaut. Im Jahrhundert vor Fasilidas war es den äthiopischen Kaisern, auch mit Hilfe der Portugiesen gelungen, den Griff der muslimischen Sultanate ( z.B. Sultan Adal in Region Harar) nach dem abessinischen Hochland nach langen, erbitterten Kämpfen abzuwehren. Infolge dieser verlustreichen Kämpfe waren beide Parteien so geschwächt, das aus Kenia eine große Expansionsbewegung der Oromo stattfinden konnte, welche sich im Süden, Osten und dem Zentrum des heutigen Äthiopiens ansiedelten. Mit König Fasilidas begann eine neue Blütezeit Äthiopiens, die unter der Herrschaft seiner Familiendynastie bis zum Ende der Regierungszeit der Kaiserin Mentewab 1755 anhalten sollte und während derer nach und nach etliche Gebiete des heutigen Äthiopiens erobert wurden. Danach kam es aufgrund von Streitigkeiten und Rivalitäten in der Herrscherfamilie zu einem Jahrhundert der feudalen Zersplitterung, die dann eben von Theodor II. beendet wurde. In dieser Zeit musste das Kaiserreich weite Teile des Oromo-Gebietes wieder aufgeben und mehrere Königreiche der Oromo entstanden. Diese wurde dann erst Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts von Kaiser Menelik II. , den Helden von Adua, neu annektiert. Menelik II. war es auch, der weite Teile des heutigen Südens Äthiopiens mit der Region Kaffa und das Gebiet der Afar eroberte und so das heutige Staatsgebiet von Äthiopien entscheidend mitgestaltete. Wir betreten durch das Wember-Tor den Palastbezirk, in dem die Herrscher im Lauf der Jahrhunderte nach und nach Palast um Palast hinzugefügt haben. Natürlich nicht ohne die übliche Leibesvisitation. Der Gemp wird von einer 900 Meter langen Stadtmauer mit 12 Türmen umschlossen. Sofort fällt der Blick des Besuchers auf das Schloss von Kaiser Fasilidas, das eher an eine trutzige schottische Burg erinnert.
Über eine große Freitreppe steigen wir zum Eingang empor.
Die Innenräume sind alle leer. Wir bewundern die Holzbalkendecke, die mit Rundbögen gestalteten Durchgänge, den offenen Kamin und die teils noch im Original vorhandenen schweren, eisenbeschlagenen Holztüren.
Auch die Äthiopier identifizieren sich sehr mit der Geschichte ihres Landes - und machen Selfies im Königsschloss. 🙂
(Der Schreiber dieses Reiseberichts musste dann auch noch für eine Selfie mit der junge Dame herhalten. Merke: Äthiopische Touris sind genauso fotoversessen wie wir. 😎 )
Daneben war einst ein Bau von Johannes I., von dem allerdings kaum noch etwas übrig geblieben ist. Als nächstes kommen wir zum Palast von Iyassu I. (1682-1706).
Hier ist leider sowohl die Zwischendecke des einst mehrstöckigen Palastes wie auch das Dach des großen Saals zerstört.
Im daneben liegenden kleineren Raum ist die Dachkonstruktion mit ihren Steinbögen aber noch vorhanden und lässt uns erahnen, wie eindrucksvoll dieser Palast einst war.
Blick auf den seitliche Ausgang des kleineren Raumes des Palastes.
Blick auf Rückseite das Schloss des Fasilidas.
Rückseite des Palast von Iyassu I.
Und beide Paläste nebeneinander. Rück- und Vorderansicht.
Teil 5509. Feb. 2020
Wir laufen einige Meter durch das parkartige Gelände und kommen zur Festhalle des Kaisers Dawid III. (1716-1721), von der ebenfalls nur noch die eindrucksvollen Außenmauern erhalten sind.
Vorbei an den Löwenkäfigen, in den die Herrscher stets mehrere Exemplare des Königs der Tiere hielten kommen wir zum Sauna- und Badehaus.
Der Wellness-Oase der damaligen Herrscher. Hier sind nur noch die Grundmauern und der unterirdische Teil mit den Feuerkammern für die Sauna erhalten. Weiter geht es zur sehr großen und langgezogenen Festhalle des Kaisers Bekaffa (1721-1730) und den daneben liegenden, ebenfalls sehr lang gezogenen Pferdeställen des royalen Gestüts.
Rechts daneben liegt schließlich noch das Schloss der Kaiserin Mentewab (1730-1755).
Quasi in der Mitte des Gemp umringt von den Palästen der Herrschen befinden sich noch zwei kleinere Bauten: Das kaiserliche Archiv und die Bibliothek.
(Kaiserliches Archiv)
(Links Bibliothek, rechts Schloss Fasilidas)
Zum Abschluss der Besichtigung kaufen wir bei einem Aufseher der Anlage zwei sehr schöne Ansichtskarten. Eine absolut erwähnenswerte Sache, denn Ansichtskarten sahen wir nur selten angeboten in den drei Wochen. Und wenn dann waren Karten mit schönen Motiven und guter Fotoqualität die absolute Ausnahme.
Mit einem letzten Blick auf das Schloss von Fasilidas verabschieden wir uns vom Gempp.
Teil 5609. Feb. 2020
Dann ging es mit dem Rotel weiter durch den Verkehr in Gondar zum „Bad des Fasilidas“.
Hierbei handelt es sich wohl um einen Sommerpalast, der mitten in ein Wasserbecken gebaut wurde und heute malerisch von alten Bäumen mit mächtigen Wurzeln umringt daliegt. Als wir darauf zulaufen, bietet sich uns ein eindrucksvoller Anblick, denn dutzende große Vögel kreisen in der Thermik über dem Schloss.
Der Bau wurde entweder von Kaiser Fasilidas oder seinem Enkel Iyassu I. erbaut. Das Wasserbecken wird heutzutage einmal im Jahr über einen kleinen Kanal mit Wasser aus dem nahen Fluss gefüllt. Was immerhin eine ganze Woche dauert. Und dann wird hier das Timkat-Fest gefeiert, in dem tausende Gläubige sich mit dem von den Priestern geweihten Wasser reinigen oder gleich ganz hineinspringen.
Durch die mächtige Wurzeln der umstehenden Bäume, die teils über, teils durch die Umrandungsmauer wuchern, erhält das ganzen Areal das Flair eines vergessenen, verwunschenen Platzes.
Da der Nachmittag bereits weit fortgeschritten ist, fahren wir durch Gondar über mehrere steile und sehr enge Spitzkehren hoch zu unserem Übernachtungsplatz beim Goha Hotel. Das Goha Hotel liegt in traumhafter Lage über der Stadt. Neben einem Swimming Pool gibt es noch einen großen Springbrunnen mit leuchtendem Farbenspiel.
Im letzten Abendlicht kreisen unzählige Vögel über der Stadt. Wir genießen diese traumhafte Aussicht zum Abschluss des heutigen Tages.
Teil 5709. Feb. 2020
2.12.2019 Fahrt zum Tana-See Am Morgen verlassen wir Gondar in Richtung Tana-See. Vor uns auf der A3 fährt ein Konvoi völlig überfüllter Busse mit Fußballfans, die gestern ein Spiel in Gondar besucht haben. Ein unglaublicher Anblick, denn selbst auf den Dächern sitzen einige Fans und schwenken sogar Fahnen.
Der Buskonvoi wird angeführt von einen Pickup, auf dessen Ladefläche etliche Bewaffnete sitzen. Ein Stück außerhalb der Stadt wird die Fahrt bei einem Check-Point gestoppt. Als wir uns an den Bussen vorbei quetschen, werden wir von den Uniformierten zum Glück durchgewunken. Wir sehen einen Soldaten an der Sperre etwas ratlos telefonieren. Klar, wenn sie jetzt all diese Fahrgästen in und auf den Bussen einzeln kontrollieren sollen, wird das zig Stunden dauern. Eine Entscheidung von oben muss her. Außerdem fällt uns auf, das auch die Busse auf den Dächern Bewaffnete als Begleitschutz dabei haben.
Die Sicherheitslage in Äthiopien ist eben sehr volatil.
Danach geht es wieder durch eine ländlich geprägte Gegend. Viele Bauern ernten auf ihren Feldern.
Oder bereiten die Äcker bereits für die nächste Aussaat vor.
Am sogenannten Geierfelsen machen wir einen kurzen Fotostopp.
Dann geht die Fahrt weiter. Wir merken langsam, das wir tiefer kommen. Die A3 verläuft hier parallel zum Tana-See, der auf 1.500 Meter liegt. Es ist deutlich wärmer und feuchter. Die Felder sind üppiger bewachsen.
Gegen Mittag erreichen wir Bahir Dar am Südende des Sees. Hier machen wir Mittag in einem Restaurant. Die Gegend wirkt nicht besonders einladend, so das hier sogar unser Fahrer im Führerhaus des Rotel zurückbleibt. Sicher ist sicher.
Teil 5809. Feb. 2020
Nach der Mittagspause fahren wir zu den Tissisat-Wasserfällen. Nach wenigen Kilometern auf der B31 folgen 35 Kilometer Piste. Auf den ersten Kilometern der Piste geht es an einer permanenten Bebauung vorbei. Hier steht Hütte an Hütte. Uns kommt es vor wie die Außenbezirke der Stadt, in dem die neu ankommenden Menschen vom Land notgedrungen ihre Hütten gebaut haben. Hier haben wir wieder den Eindruck, das es nicht nur freundliche Blicke in unsere Richtung gibt. Erst nach und nach lockert sich die die Bebauung auf und wir kommen wieder an den für den ländlichen Bereich so typischen einzeln stehenden Gehöften vorbei. Nach über einer Stunde Fahrt erreichen wir das Dorf Tissisat. Von hier aus laufen wir eine halbe Stunde zu den Wasserfällen. Zunächst geht es hinunter und auf einer sehr alten Steinbrücke über eine Schlucht.
Danach führt der Pfad leicht ansteigend entlang eines Bergrückens bis zur Schlucht mit den Wasserfällen.
Hier geht es auf einer Seilbrücke über die Schlucht und dann kann man bis an den Fuß der Fälle laufen.
Seit für ein Kraftwerk ein Großteil des Wassers des Blauen Nils abgeleitet wird, sind die Fälle aber nur noch einen Bruchteil so mächtig wie früher. Dennoch genießen wir die schöne Wanderung und den Anblick des herab stürzenden Wassers.
Nachdem wir zurück gelaufen sind, müssen wir einige Zeit warten, bis auch die letzten unserer Gruppe endlich den Weg zurück geschafft haben. In der Zeit wird unser Rotel von den einheimischen Kindern und Jugendlichen natürlich immer mehr umringt. Kugelschreiber, Wasserflaschen und und und. Die Kinder fragen nach allem. Es ist schon recht spät als wir endlich die Rückfahrt starten können. Auf den letzten Kilometern der Piste kommen wir wieder an der dichteren Bebauung vorbei. Und die Stimmung ist nicht besser geworden. Ein kleines Mädchen wirft mit einer Handvoll Kiesel nach uns, ein Jugendlicher deutet einen Steinwurf an. Zum Glück hatte er doch keinen in der Hand. Zwei Jungs heben vor unserem näher kommenden Fahrzeug demonstrativ Steine von der Piste auf. Hier schaut unser Fahrer beim Vorbeifahren ganz genau aus dem Fenster und lässt die Jungen nicht aus den Augen. Es ist das einzige Mal auf dieser Reise, das ich mich persönlich etwas unwohl gefühlt habe. 🙁 So bin ich froh, als wir endlich die asphaltierte B31 erreichen und die Hütten hinter uns lassen. Wenig später erreichen wir unser Hotel direkt am See. Es ist bereits dunkel, als wir im Garten neben dem Tana Hotel (Blue Nil Resort) unser Rotel aufbauen. Und ordentlich Mückenschutz auftragen.
Teil 5909. Feb. 2020
3.12.2019 Auf dem Tana-See Früh morgens gehe ich auf Fotopirsch. Teils im Sitzen direkt vom Frühstückstisch aus. 😁
Brillenweber ?
Abessinische Drossel ?
Palmtaube ?
Graukopfspecht ?
Waaliataube ?
Nach dem Frühstück fahren wir mit TukTuks zum Hafen. Dabei müssen wir (mal) wieder einen Umweg machen. Denn heute ist ein Feiertag zu Ehren von St. Georg und für die große Kirchenfeier wurden einige Straßen um die Kirche herum gesperrt. Im Hafen wartet bereits unser Ausflugsboot auf uns. Etwa drei Stunden fahren wir nun über den See. Beobachten einzelne Fischer auf Papyrusbooten (Tankwa) sowie einzelne Pelikane oder eine ganz langsam vorbei ziehende Insel.
Unser Ziel ist die Rundkirche Narga Selassie auf dem kleinen, der Insel Dek vorgelagerten, Inselchen Narga.
Die Kirche wurde 1746 auf Befehl der Kaiserin Mentewab erbaut und enthält einige der schönsten Malereien des späten Gondar-Stils. Der Priester empfängt uns, als wir das Gelände der Rundkirche betreten.
Er erklärt uns, dass die Rundkirche 29 Säulen hat, die für die 29 Heiligen im Himmel stehen. Wieder ziehen wir unsere Schuhe aus. Und der Priester erklärt uns diesmal auch den Grund dafür: Gott habe Moses schließlich auch geheißen, barfuß zum Berg Sinai zu laufen, um die 10 Gebote zu erhalten.
Teil 6009. Feb. 2020
Die Kirche wird fast komplett von einem viereckigen Innenbau ausgefüllt, in dessen Inneren das Allerheiligste liegt, welches nur die Priester betreten dürfen. Die vier Seitenwände des Allerheiligsten sind außen prachtvoll bemalt und ein recht schmaler Rundweg führt uns zu allen vier Seiten.
Auch hier bekommen wir wieder Bilder für Bilder erklärt von unserem lokalen Guide. Wir sehen unter anderem Darstellungen von der Flucht aus Ägypten. Interessant ist, das die im Roten Meer versinkenden ägyptischen Soldaten Schusswaffen haben.
Unter einem Marienbild ist liegend die den Bau stiftende Kaiserin Mentewab abgebildet.
Und wir sehen auch eine seltene Abbildung der Maria, wie diese Jesus stillt.
Interessant auch die bildliche Darstellung, wie Eva aus der Rippe Adams erschaffen wurde.
(Ziemlich in der Bildmitte)
Natürlich darf auch der heilige Georg samt den heiligen Reitern nicht fehlen.
Und auch Moses, der die 10 Gebote erhält.
(Rechts oben) Die Engel Gabriel und Michael stehen als Wächter am Eingang zum Allerheiligsten.
Und auch König Fasilidas ist abgebildet: Einmal als Heiliger, einmal als Kaiser.
Und noch eine Szene mit Maria im Bett nach dem ihr ein Giftbecher gereicht worden war. Wieder eine Erzählung aus der Zeit, als Maria sich in Äthiopien aufgehalten haben soll ?
Die Versuchung Jesu.
Die Bilder sind mehrere Meter hoch übereinander gemalt. Hier mal der Versuch, dies zu zeigen:
Weitere Eindrücke der Malereien:
Teil 6109. Feb. 2020
Danach führt uns der Priester durch das Kirchengelände zu einem Haus. Auf dem Weg dorthin sehen wir riesigen Netze voller Spinnen in den Bäumen und Büschen über uns hängen. Ein etwas gruseliger Anblick, aber bestimmt hier am See wirkungsvolle Verbündete, um der Mücken Herr zu werden. Der Priester holt aus der Hütte mehrere prachtvoll verzierte Kreuze.
Und mehrere alte, in Ge´es geschriebenes Bücher, teils mit sehr schönen Bildern. Interessant ist, das immer wieder Worte im Text rot geschrieben sind. Dies sind die Worte, die im Gebet betont ausgesprochen werden.
Zu guter Letzt holt er noch einen reich verzierten Säbel hervor. Ein Stiftungsgeschenk des Kaiserhauses.
Danach machen wir uns auf die Rückfahrt mit unserem Boot. Als wir die Küste erreichen, machen wir noch einen Abstecher in die Mündung des kleines Nil (kleiner Abbay), der neben rund 30 anderen Zuflüssen den Tana-See speist.
Hier sehen wir nochmals Flusspferde, quasi erstmals echte NILpferde. 😉
Unser Boot steuert nun direkt den Anleger unseres direkt am See liegenden Hotels an.
Home, sweet Home 😎
Teil 6209. Feb. 2020
4.12.2019 Es geht langsam Richtung Addis Heute geht es Richtung Süden bis Debre Markos. Die Fahrt am Morgen verläuft ereignislos. Zur Mittagspause setzen meine Frau und ich uns vor das Lokal und lassen uns einen Kaffee schmecken, genießen nochmals bewusst die Sonne und das Treiben auf der Straße vor uns.
Einen weiteren Stopp am Nachmittag nutzt unser äthiopischer Guide, um für Kollegen mehrere Flaschen Schnaps einzukaufen, für den die Gegend hier berühmt ist.
Da Debre Markos wieder auf 2.400 Metern liegt, ist es sehr frisch. Die Jacken werden wieder hervorgeholt. Ich setze mich noch etwas auf die schmale Terrasse vor dem Shebel Hotel, um meine Notizen zu ergänzen. Hierbei komme ich mit einem älteren, offensichtlich recht vermögenden Äthiopier ins Gespräch. Wir tauschen die üblichen Fragen aus. Eben wie es einem geht, wie es der Familie geht etc. Dann erzählt er mir von einem alten äthiopisch-deutschen Projekt, das ich ja sicher kenne. Es sagt mir aber nichts. Bis mir klar wird, das er von der kommunistischen Zeit des Mengisto-Regimes spricht. Als das kommunistische Äthiopien auch enge Partnerschaften zur UDSSR und DDR unterhielt. Ich erkläre ihm, das ich aus dem westlichen Teil Deutschlands komme und daher über die vor der deutschen Wiedervereinigung im Osten erfolgten Projekte nichts weiß. Meinen Versuch, das Gespräch auf die aktuelle Lage in Äthiopien zu lenken, weicht er dann aber doch aus obwohl ich den Eindruck habe, das er im politischen oder militärischen Leben der Region eine Rolle spielen könnte oder ggf. im Mengisto-Regime gespielt hat ? Ja es gäbe wohl ein paar Probleme. Schließlich verabschieden er und sein Begleiter sich von mir. Informationen aus erster Hand sind hier wirklich schwer zu bekommen. Die meisten hier im Bericht geschilderten Informationen zur aktuellen Situation hat unsere sehr engagierte deutsche Reiseleiterin von ihren lokalen Kontaktleuten oder den Hotelangestellten erhalten. Zu denen sie in den 13 Jahren, die sie bereits Äthiopien bereist, einen vertrauensvollen und oft freundschaftlichen Kontakt aufgebaut hat.
Teil 6316. Feb. 2020
5.12.2019 Der Kreis schließt sich Unser heutiges Ziel ist Addis. Der Kreis unserer Runde durch Äthiopien, besser Nordäthiopien schließt sich also. Wir starten nochmals eine Stunde früher. Frühstück also um 6, Abfahrt um 7 Uhr. Wir fahren weiter auf der A3. Schon nach einer Stunde blicken wir auf die vor uns liegende mächtige Schlucht des Blauen Nil.
In steilen Serpentinen geht nun die Fahrt von 2.400 Meter runter auf 1.000 Meter und nach Überquerung der Nilbrücke sofort wieder rauf auf 2.400 Meter.
(Alte Nilbrücke)
(Neue Nilbrücke)
Uns zeigen sich nochmals tolle Ausblicke. Gegen Mittag erreichen wir das Kloster Debre Libanos. Schon bei der Anfahrt merken wir, das unheimlich viele Fahrzeuge sich die schmale Zufahrtsstraße zum Kloster entlang drängen. Als wir ankommen, erfahren wir den Grund. Eine wichtige Persönlichkeit sei gestorben. Die Beerdigung findet hier statt und unglaublich viele Trauergäste sind dazu angereist, teils auch aus der Hauptstadt. Wir laufen in der Menschenmenge zum Eingang des Klosters.
Der Mönch, der uns führen wird, meint wir werden erst das Museum besuchen. Bis dahin sei die Beerdigung soweit vorbei, das wir problemlos die Kirche besuchen können. Im Museum herrscht natürlich wieder Fotografierverbot. Wir sehen wieder die üblichen Ausstellungsstücke, die hier allerdings alle jüngeren Datums sind. Kein Vergleich zu Axum oder gar Lalibela. Als wir den Museumsbau seitlich der Kirche verlassen, sehen wir auf einem vertieften Platz neben der Kirche die zu Ende gehende Beerdigungszeremonie. Etliche kirchliche Würdenträger, Weihrauchträger und viele Trauergäste haben sich hier versammelt. Aus Respekt gehen wir in einiger Entfernung vorbei in Richtung Kirche. Die Kirche ist ein moderner Bau mit großen Glasfenstern eines bekannten äthiopischen Künstlers.
Immer noch sitzen viele Gläubige in der Kirche. Vorne liest ein Priester unter einem Baldachin vor.
Rechts neben dem Baldachin befindet sich ein Bereich, der den Frauen vorbehalten ist.
Vor der Kirche ziehen wir unter den neugierigen Blicken der sehr freundlichen Gläubigen wieder unsere Schuhe an.
Auch auf dem Rückweg zu unserem Bus laufen wir wieder in der Menge der Trauernden.
Wir erleben hier nochmals eindrucksvoll, wie die christlichen Zeremonien hier einen großen Teil der Lebenswelt dieser Menschen mitgestalten. Wie es in früheren Zeiten ja auch bei uns der Fall war.
Teil 6416. Feb. 2020
Als wir die schmale Zufahrt zum Kloster zurückfahren, sehen wir nach einigen Kilometern nochmals eine ganze Horde Dschelada. Wir halten an und genießen den Anblick eine kurze Zeit.
Die folgenden drei Bilder entstanden als Serienbild innerhalb einer Sekunde:
Und hier noch einige Bilder dazu:
Das für die Mittagsrast geplante Restaurant ganz in der Nähe hatte leider geschlossen, so das wir weiterfahren und uns im nächsten Ort kurz an den Straßenständen mit Obst versorgen. Durch diese kurze Mittagspause kommen wir zeitig im Einzugsbereich von Addis an und kommen ohne größeren Stau über den Entoto, einen der fünf Berge rings um die Hauptstadt ins Zentrum zum uns bereits bekannten Ghion-Hotel. Hier heißt es jetzt, die Rotelkabine und auch den Fahrgastraum räumen und all unsere Habseligkeiten in unser Hotelzimmer schleppen. Zwei Hotelangestellte helfen uns zum Glück beim Tragen. Im Zimmer packen wir dann die Reisetaschen schon mal fertig für den Flug. Und diesmal frieren wir nachts auch nicht, denn wir packen uns entsprechend warm ein. 😉
Teil 6516. Feb. 2020
6.12.2019 Addis Abeba Am Morgen würden wir am liebsten im Bett liegen bleiben. Wir sind etwas lustlos. Die letzten Wochen haben uns so viele Eindrücke beschert, die wollen erst mal verarbeitet werden. Und etwas Ruhe würde uns auch guttun, da die letzten Wochen doch recht anstrengend waren. Haben wir doch in den drei Wochen aufgrund der notwendigen Abwege 3.766 Kilometer zurückgelegt und dabei 46.709 Höhenmeter (!) überwunden. Aber nach einem guten Frühstück machen wir uns dann doch fertig und es geht mit einem Kleinbus und einem einheimischen, deutsch sprechenden Guide auf Stadtbesichtigung. Zwei Kirchen, zwei Museen und der große Mercado stehen auf dem Plan, bevor wir abends zum Flughafen fahren. Wir nehmen uns aber vor, es heute ruhig angehen zu lassen. Zunächst fahren wir zur Dreifaltigkeitskirche. In der Krypta sind Haile Selassie, seine Frau und der letzte Präsident Meles Zenawi beigesetzt. Während die Gruppe die Kirche und das Museum besichtigt, bleiben wir aber lieber im Bereich vor der Kirche.
Zum einen können wir hier nochmals in Ruhe die Gläubigen beobachten sowie ein letztes Mal die warme Sonne genießen. Außerdem ist rings um die Kirche ein Friedhof mit teils sehr beeindruckenden Grabsteinen und Grabmalen.
(Abuna Paulos)
(Miruts Yifter) Um die Kirche sehen wir auch immer wieder Schüler und Schülerinnen in ihren Uniformen. Uns kommt es so vor, als würden sie hier die freie Zeit (Freistunde?) zwischen zwei Unterrichtstunden verbringen. Jedenfalls benehmen sie sich, wie sich Teenager überall auf der Welt benehmen. Köpfe zusammen stecken, tuscheln, lachen. Und eben einfach um die Kirche herumstreifen. Manchmal, wenn sie mit ihrem Gegacker zu laut werden kommt ein Aufseher und schickt sie weiter. Als nächstes sollte jetzt ein Museum dran kommen, aber der Fahrer unseres Kleinbusses meint zum Guide, wir sollten jetzt zum Mercator fahren, da sei jetzt richtig Betrieb. Der Mercator wird allgemein als der größte im Freien stattfindende Markt Afrikas bezeichnet. Wir machen die äthiopische Art der Besichtigung: Unser einheimischer Fahrer zwängt sich mit seinem Kleinbus durch die überfüllten Straßen und Gassen des Marktes. Immer durch das offenen Fenster lautstark den Passanten, Lastenträgern, Autos, LKWs klar machend, das er hier jetzt durch will.
An einem anderen Tag wären wir hier gerne zu Fuß auf Erkundung gegangen, aber heute sind wir ganz froh über diese andere Art des Marktbesuches. Wir sind doch etwas müde. So staunen wir nur über das Gewimmel um uns herum. Anschließend fahren wir noch zur Sankt Georgs-Krönungs-Kathedrale. Auch hier machen wir die Besichtigung nicht mehr mit, sondern laufen einmal um die Kathedrale und setzen uns auf eine Bank unter Bäumen und genießen wieder die Sonne und die Ruhe bei den betenden Gläubigen vor der Kirche. Auf dem Weg zum Nationalmuseum fahren wir vorbei an einer Nachbildung der großen Kanone, die Kaiser Theodor II. Ende des 19. Jahrhunderts bauen ließ, als er Äthiopien modernisieren wollte. Die Kanone gab aber leider nur einen Schuss ab - der sie zerstörte.
Teil 6616. Feb. 2020
Mittagspause machen wir im Garten eines sehr schönen Lokals neben dem Nationalmuseum, zu dem wir danach hinüber gehen.
Im Garten des Museums ist unter anderem eine kleine Stockwerkstele aus Axum zu sehen.
Im mehrstöckigen Museum gehen wir zuerst ins Untergeschoss. Hier sehen wir eine Nachbildung des Skeletts von Lucy. Von den Äthiopiern wird sie Dinkenesh (die Wundersame) genannt. Das besondere an Lucy ist, das hier wirklich 40 Prozent (!) des Skeletts eines 3,2 Millionen alten aufrecht gehenden Vormenschen der Gattung Australopithecus gefunden wurden. Sonst müssen sich die Paläontologen meist mit ein paar wenigen Knochenfunden zufrieden geben. Außerdem handelt es sich bei Lucy quasi um das Bindeglied vom Australopithecus am Übergang zum Frühmenschen der Gattung Homo.
In den 2000er Jahren wurde in der Afar-Region ein weiteres ähnlich vollständiges 4,4 Millionen Jahre altes Skelett einer älteren Vormenschen-Periode (Ardipithecus-Periode) gefunden wurde. Ihr Name lautet Ardi. Auch dieses Skelett sehen wir hier.
Und daneben noch etliche andere, teils bis zu 5,8 Miliionen Jahre alte einzelnen Knochenfunde und Schädel.
Handelt es sich beim Grabenbruch hier in Äthiopien bis in den Norden Kenias doch um die Wiege der Menschheit. Die Forscher machen hier regelmäßig weitere spektakuläre Funde.
Teil 6716. Feb. 2020
Im Erdgeschoss sehen wir viele Fundstücke aus axumitischer und voraxumitischer Zeit. Unter anderem die Kalksteinstatue einer sitzenden Frau, gefunden bei Wuqro in der Region Tigray.
Es handelt sich wohl um eine Sitzfigur, welche aus dem 4.-5. Jahrhundert v. Chr. stammt und auf den Stufen eines alten äthio-sabäischen Tempels oder Opferaltars stand. In der gleichen Vitrine weitere Fundstücke aus der Region Tigray. In Stein gemeißelte religiöse Texte in sabäischer Sprache und auch ein Opfergefäß mit Symbolen des sabäischen Göttertrias mit dem Mondgott Almaqah ( der liegende Halbmond mit Vollmond darüber) und den beiden weiblichen Sonnengottheiten Dhat Hamyim und Dhat Badan.
Diese wurden neben dem die Venus verkörpernden Hauptgott Athtar aus Südarabien auch auf diese Seite des Roten Meeres ins abessinische Hochland verehrt. Ähnliche, den Gestirnsgottheiten gewidmete Symbole waren vermutlich oben an den großen Stelen in Axum angebracht. Aber auch der beeindruckende „Thron von Hawelti“, ein steinerner Schrein mit Flachreliefs der wohl eine Kultstatue beinhaltete, die aber nicht erhalten ist. An der Frontseite ranken sich Steinböcke um die Öffnung, ein typisches Motiv der sabäischen Kunst.
An den Seitenwänden sind eine kleinere Person und dahinter eine größere Gestalt mit Fächer und Wedel abgebildet.
Eine Datierung ist schwierig, wird aber grob mit 1.-2. Jahrhundert v.Chr. vermutet. Weiterhin sehen wir mehrere Vitrinen mit Keramik, Figuren, Münzen und anderen Gegenständen aus axumitischer Zeit.
Sowie zwei aus dem Mittelmeerraum im 4.-7. Jahrhundert n.Chr. nach Axum importierten Wein- und Olivenölamphoren.
Und schließlich noch eine Vitrine mit Fundstücken der Ausgrabungen beim Palast von Dungur, dem sogenannten „Palast der Königin von Saba“.
Teil 6816. Feb. 2020
Im nächsten Raum sehen wir dann Kronen, Thronsessel, Kleidung und Waffen aus der Zeit der letzten Kaiser Äthiopiens.
(Krone Haile Selassie)
Im ersten Stock gibt es eine Gemäldesammlung moderner äthiopischer Künstler
und im zweiten Stock schließlich noch eine Art Heimatmuseum. Hier werden Gerätschaften der Bauern wie ein Holzpflug (wir haben diesen überall auf dem Land im Einsatz gesehen !) ausgestellt,
aber auch Gegenstände einiger der südlichen Völker wie den von uns besuchten Dorze.
Teil 6916. Feb. 2020
Zu guter Letzt besuchen wir noch das ethnologische Museum. Wir sehen traditionelle Buchbinderwerkzeuge, wieder Waffen und festliche Kleidungsstücke der letzten Kaiser, Totenstelen der Konso und Gurage und Utensilien für die Kaffeeverarbeitung.
(Decke des alten Palastes, der dem Museum überlassen wurde.)
Da das Museum sich im alten Palast von Kaiser Haile Selassie befindet, das dieser bis zum Palastneubau in den 60er Jahren bewohnte, kommen wir dann in den Teil mit dem Schlafzimmern des Kaiser und der Kaiserin und den jeweiligen Badezimmern.
Weiter geht es in einem Bereich mit etlichen Kreuzen und Ikonenmalereien und danach noch in einem Raum mit sehr vielen traditionellen Musikinstrumenten.
Abschließend fahren wir noch zum alten Bahnhof der Djibouti-Bahn, der zu einem Hotel umgebaut wurde.
Zurück im Hotel müssen wir das alles erst mal etwas sacken lassen. Unser äthiopischen Guide, der die drei Wochen mit uns unterwegs war, hat heute für uns zusammen mit seiner Frau Kaffee und Gewürze vom Markt besorgt. Einfach weil er für die Sachen keinen Ferenji-Preis bezahlen muss. Während wir dann so in der Vorhalle sitzen, kommen nach und nach immer mehr Gäste in traditioneller Kleidung der südlichen Stämme ins Hotel. Der Strom reist gar nicht ab. Wir erfahren, das am Wochenende ein großes Festival der südlichen Nationen stattfindet und dazu Musik- und Tanzgruppen aller Stämme aus dem Süden anreisen. Anscheinend sind etliche hier in unserem Hotel untergebracht. Die Zeit bis zum Abendessen wird dadurch recht kurzweilig. Unser Abschiedsessen findet daher auch in einem separaten Raum statt, da der normale Speisesaal komplett von den Stammesgruppen belegt ist. Anschließend ist es Zeit sich von unserem äthiopischen Guide und unserem Fahrer zu verabschieden, die uns drei Wochen lang sicher durch Äthiopien geleitet haben. Unsere Reiseleiterin wird mit uns zum Flughafen kommen, da es ihre letzte Tour für dieses Jahr war und sie auch nach Deutschland zurück fliegt. Als ich meine Reisetasche aus dem Gemeinschaftstageszimmer der Männer hole und wieder in die Eingangshalle komme, ist diese wieder voller Menschen. Ich erkenne Konso, Mursi und Hama an ihrer Kleidung und Haartracht. Aber etliche andere Ethnien sind auch da. Mich fröstelt es richtig, wenn ich die teilweise sehr kurzen und dünnen Trachten sehe. Addis liegt doch höher und jetzt am Abend ist die Temperatur bereits bei kaum noch 10 Grad. Da haben wir bewusst nicht die Südäthiopien-Tour gebucht und jetzt kommen die ganzen Völker hier zu uns ins Hotel ! Ein junger Hama kommt zu mir und fragt, woher wir kommen. Da er englisch spricht, können wir uns etwas unterhalten. Es gibt wohl Probleme, da das Hotel total überbucht ist. Und jetzt all die Leute hier in der Eingangshalle nicht wissen, wo sie unterkommen sollen. Mittlerweile haben sich etliche weitere Mitglieder unserer Gruppe hier in einer Ecke der Halle versammelt und staunen auch nur. Eine Frau einer anderen Ethnie schimpft währenddessen immer wieder in unsere Richtung. Auf unseren fragenden Blick hin übersetzt ein weiterer. Sie regt sich auf, weil wir Weißen ihnen hier die Zimmer wegnehmen. Wir schütteln den Kopf und erklären, das wir nicht ankommen, sondern abreisen und hier auf unseren Bus warten der uns zum Flughafen bringt. Wie das Problem der Überbuchung gelöst wurde, erfahren wir nicht mehr. Denn jetzt ist unser Bus da und wir brechen auf zum Flughafen. Schade, das Festival am Wochenende hätte ich gern besucht. Am Flughafen müssen wir bereits auf dem Parkplatz unsere Ausweise und Tickets zeigen, dann dürfen wir die Auffahrt zum Flughafengebäude hoch laufen. Am Eingang folgt eine Taschenkontrolle und dann wird das Gepäck durchleuchtet und schließlich kommen die CheckIn-Schalter. Alles läuft reibungslos und zügig. Danach kommt nochmals eine Handgepäckkontrolle und der Ausreiseschalter. In der Abflughalle haben wir dann noch Zeit, um durch die Geschäfte zu schlendern. Der Flug startet pünktlich um 23:50 Uhr und nach einer ruhigen Nacht, die wir meist schlafend verbracht haben landen wir um 6 Uhr in Frankfurt. Das Gepäck kommt auch schnell und so erwischen wir einen recht frühen ICE, der dann leider unterwegs eine deutliche Verspätung einfährt, so das wir doch erst gegen Mittag zu Hause sind.
Teil 7016. Feb. 2020
Fazit 1: Äthiopien als Reiseziel Nord- und Zentraläthiopien hat uns mit seinen vielfältigen, atemberaubenden Landschaften, den unterschiedlichen Menschen und ihrer kulturellen Vielfalt tief beeindruckt und einfach begeistert.
Die unterschiedlichen Landschaften sind atemberaubend schön. Und dabei sind wir ja gar nicht in der Danakil gewesen und haben die Gheralta-Berge auf unserem Weg nach Axum im Dunkeln nicht sehen können. Und auch die Semien Mountains haben wir nur gestreift. Und, und, und…..
Der Verlauf der Geschichte des Landes ist unglaublich spannend und von einer Unzahl an Kämpfen und kriegerischen Konflikten geprägt. Es gibt hier auch etliche archäologische Stätten. Wir haben bei weitem nicht alle besucht. So habe ich die sog. D`amant-Kultur (Äthio-sabäische Vorläuferkultur von Axum) gar nicht erwähnt, da wir die entsprechenden Fundstätten wie den Tempel in Yeha nicht besichtigt haben. Drei Wochen sind einfach zu kurz für ein Land wie Äthiopien !
Das äthiopische Christentum im Norden war zu allen Zeiten umringt von anderen Religionen. In einer Art Isolation hat es überdauert. Der Bibelkanon der äthiopischen Kirchen umfasst auch einige Texte wie das Buch Henoch, das 3. Buch der Makkabäer und weitere, die in anderen christliche Kirchen im Laufe der Jahrhunderte „aussortiert“ wurden. Für Reisende bietet sich hier die wohl einmalige Gelegenheit, über den „Zaun“ unserer heutigen europäischen Kirchenlehre hinweg auf ein geradezu biblisch anmutendes Christentum zu blicken.
Aber gerade auch der persönliche Kontakt zu den Menschen war tief beeindruckend. Die Menschen leben noch größtenteils vom Ertrag ihrer Felder. Die Landwirtschaft ist nicht mechanisiert, so das tagsüber überall die Menschen auf den Feldern bei der Arbeit sind. Es war für uns eine Reise zurück in eine Zeit, die wir nur aus den Erzählungen unserer Großeltern kennen: Als auch bei uns noch Pferd und Ochse die „Maschinen“ des Bauern waren. Und das Leben sich nach den kirchlichen Riten orientiert hat. Äthiopien bietet auf dem Land genau das, was wir Touristen so sehr suchen und erleben wollen: Eine ursprüngliche, traditionell lebende Bevölkerung. Wir werden diese Eindrücke nie vergessen.
Die Menschen sind uns gegenüber nicht immer nur freundlich aufgetreten. Wir waren darauf innerlich vorbereitet. Denn es ist kein Zufall, das Äthiopien als einziges Land in Afrika NIE dauerhaft kolonisiert wurde. Die Menschen sind stolz, unbeugsam und tief mit ihrem Landstrich verwurzelt. Und dies führt wohl zu einem ausgeprägten „Territorialverhalten“. Und einige sind dabei eben der Meinung, wir hätten kein Recht, ihr Gebiet zu betreten. ABER ! Diese Ablehnung haben wir meist nur im Vorbeifahren zu spüren bekommen. Sobald wir zu Fuß unterwegs waren, den Menschen in die Augen geschaut und sie mit einem Salam begrüßt haben, sind wir sehr freundlich behandelt worden. Selbst wenn wir allein unterwegs waren, hatten wir nie ein Gefühl der Unsicherheit.
Da die Sicherheitslage in den einzelnen Regionen, ja manchmal sogar in einzelnen Orten sich zur Zeit schnell verändern kann, halte ich unsere Entscheidung eine geführte Reise zu unternehmen für richtig. Unsere deutsche Reiseleiterin und auch unser äthiopischer Guide waren mit Vertrauensleuten vor Ort, anderen Guide und dem Büro der Agentur in Kontakt, um die Lage aktuell einschätzen zu können. Und so haben wir ja auch die Reiseroute entsprechend spontan geändert. Ich hätte keine Bedenken, in dieser Form wieder nach Äthiopien zu Reisen. Und das Land hat mich so tief bewegt, das ich eine weitere Reise nicht für gänzlich unwahrscheinlich halte.
Zumal wir die Kaffeezeremonien mit dem milden äthiopischen Weihrauch wirklich sehr vermissen. 🙁
Ich hoffe, mit meinem offenen und detaillierten Bericht niemanden abzuschrecken, sondern euch im Gegenteil etwas von meiner großen Begeisterung zu vermitteln.
Teil 7116. Feb. 2020
Fazit 2: Gruppenreise mit Rotel Wir hatten wie erhofft eine sehr gute Reiseleiterin, die uns mit Herzblut die äthiopischen Völker und ihre Kultur nahe gebracht hat und dabei auch die aktuellen Entwicklungen im Land immer wieder mit einbrachte. Und dies in einer Tiefe, die nur durch jemanden möglich ist, der das Land wirklich liebt und sich permanent damit beschäftigt. Um so besser für mich, das sie auch noch studierte Archäologin war. Mein Faible für Geschichte und Archäologie ist „vielleicht“ dem einen oder anderen beim Lesen aufgefallen ? 😗 Von daher war die Entscheidung mit Rotel zu reisen, für uns richtig. Obwohl dies natürlich einen ordentlichen Komfortverzicht bei den Übernachtungen bedeutet hat. Und uns im Lauf der Reise das eine oder andere mal neidisch auf andere, im Hotel übernachtende Reisende, blicken ließ. 😈 Die eingangs beschriebene Gemeinschaft hat sich auch bei dieser Reise gebildet. Erfahrungsgemäß trifft man bei Rotelreisegruppen keine typischen Pauschaltouristen. Sondern meist erfahrene, vom Reisefieber infizierte Vielreisende. Die aufgrund der besonderen Nähe/Enge gerade auch im Gang vor den Kabinen die notwendige Bereitschaft zur Rücksichtnahme und Toleranz mitbringen. Und die auch bereit sind, die unausweichlichen kleineren Beschwerden und Unannehmlichkeiten einer solchen Reise ohne Jammern auf sich zu nehmen, um in entlegene Gegenden der Welt zu gelangen. Ob dies jetzt Staub, Hitze, Kälte oder eben auch mal eine eingeworfene Fensterscheibe ist. Insoweit waren auch die Mitreisenden unserer Reisegruppe alle auf der gleichen Wellenlänge. Einziger kleiner Wermutstropfen war, das unserer Meinung nach mehrere Mitreisende altersbedingt körperlich kaum noch in der Verfassung für solch eine Reise waren. Da wurde unsere Geduld in der Enge des Kabinenganges doch das eine oder andere Mal etwas auf die Probe gestellt, wenn es beim Ankleiden oder Einräumen mal wieder nur sehr langsam vorwärts ging beim Nachbarn. 😣 Aber ich weiß aus Erzählungen, das dies wohl ein Phänomen unserer alternden Gesellschaft ist, welches auch bei anderen Reiseveranstaltern anzutreffen ist. Und ehrlich: Wir sind auch „reiseinfiziert“ und werden versuchen, bis ins hohe Alter „on the Road“ zu sein ! 😎 Für Rotel unüblich wurde fast immer abends im Hotel gegessen anstelle des vom Fahrer in der Küche am Heck des Fahrzeuges zubereiteten „Rotel-Abendessens“. Dies war auch gut so. Etwas Verwöhnprogramm am Abend bei dieser doch recht intensiven Reise tat echt gut. 😁 Die oft tagelangen Fahrten waren, natürlich noch verstärkt durch die notwendigen Änderungen der ersten Woche und die blockierte Straße vor Mekele, manchmal etwas zermürbend. Dennoch haben wir uns bewusst im Vorfeld dafür entschieden. Andere Veranstalter bieten ähnliche Rundreisen durch den Norden mit ein oder sogar zwei Inlandsflugetappen an. Wir wollten aber genau auch das Land „zwischen“ den touristischen Hochburgen sehen und erleben. Wir möchten diese Eindrücke und Erlebnisse auch keinesfalls missen. Hier wiederum hat der Komfort des Rotel einiges erleichtert im Vergleich zu einem einheimischen Kleinbus. Das Fahrzeug hat mit 570 PS die notwendige Kraft am Berg, durch den LKW-Unterbau von Mercedes Benz die notwendige Geländegängigkeit und durch die Luftdruckfederung dabei den notwendigen Sitzkomfort für uns Fahrgäste. (Unter uns gesagt, sogar soviel Sitzkomfort, das viele Mitreisende oft dem "gefürchteten" Rotelschlaf während der Fahrt "zum Opfer" fallen. Selbst mich hat es 1-2 mal "erwischt" 😐 🤨 😄 ) Im Vorfeld einer Reise schauen wir uns immer etliche Reiseanbieter an, die unser Reiseziel im Programm haben. Je nach Reiseroute wählen wir dann den unseren Vorstellungen und Wünschen an nächsten kommenden Veranstalter aus. Und daher waren wir schon mit einigen Veranstaltern/Agenturen unterwegs. Und genießen dann zur Abwechslung gerne auch Lodge- und Hotelübernachtungen 😄 😎 In Fall Äthiopien kam die Reisebeschreibung von Rotel unseren Vorstellungen am nächsten. Und unsere Erwartungen wurden voll erfüllt.