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Reisebericht · namibia-forum.ch

#safaribrothers on Tour Vol. VI - «Wo Problem?»

von kalachee · Jan. – Feb. 2018 · 45 Tage · Selbstfahrer · 40 Teile

Über diesen Reisebericht

Von Januar bis Februar 2018 sind wir, zwei Brüder, sechs Wochen lang mit einem gemieteten Toyota Hilux samt Dachzelt und einem zusätzlichen Bodenzelt selbst durch Namibia und Botswana unterwegs, unsere sechste gemeinsame Reise auf dem Kontinent. Von den Erongo-Bergen und der Spitzkoppe geht es über die einsame Mirabib-Campsite im Namib-Naukluft-Nationalpark und das NamibRand-Reservat in die Tirasberge, bevor wir fast zwei Wochen im Kalahari Transfrontier Park verbringen, inklusive der abgelegenen Mabuasehube-Pfanne.

Dort marschieren uns zwei Nächte hintereinander Löwen mitten durch unser Lager, einmal schleicht ein Leopard nur wenige Meter am Zelt vorbei. Braune Hyänen und ganze Löffelhund-Familien begegnen uns immer wieder, einmal beobachten wir, wie sich ein Erdhörnchen gegen eine jagende Kapkobra wehrt. Im Moremi Game Reserve finden wir einen Leoparden mit seinem Riss ganz für uns allein, bevor uns am Kavango bei Divundu an einem einzigen Nachmittag geschätzte 200 Elefanten am gegenüberliegenden Ufer verzaubern.

Kleinere Rückschläge nehmen wir mit Humor, denn diese Reise ist für uns beide eine der schönsten überhaupt: Route, Etappen, Wetter und die gemeinsame Zeit haben einfach gepasst.

Teil 130. März 2018

#safaribrothers on Tour Vol. VI - «Wo Problem?»
Zwei Brüder sechs Wochen unterwegs in Afrika - Ein Reisebericht

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Prolog & Vorstellung
Nach über zwölf Jahren mehr oder weniger aktiver Mitgliedschaft in diesem Forum und darüber hinaus schon Mitglied im Vorgängerforum ist es nun wirklich an der Zeit, dass auch ich mich einmal an einen Reisebericht wage. Das wird also meine absolute Premiere und ich freue mich sehr darauf. An dieser Stelle also herzlich willkommen zu unserem kleinen Abenteuer - die #safaribrothers on Tour.

Mein lieber Bruder Beenie und ich waren vom 11. Januar bis 24. Februar 2018 während sechs Wochen in Namibia und Botswana unterwegs. Es war unsere insgesamt sechste gemeinsame Reise (eigentlich sieben, wenn man einen Kurztrip nach Marokko zusammen mit unserem anderen Bruder noch mitzählen will) auf dem afrikanischen Kontinent. Für mich persönlich war es bereits der vierzehnte Trip und was uns natürlich verbindet, ist die nach wie vor ungebremste Liebe zu Afrika, der Natur, den Tieren, den Menschen, den offenen, weiten Landschaften, dem Freiheitsgefühl, dem abendlichen Lagerfeuer, einem schönen Braai, dem Draussensein. Es ist sicherlich nicht übertrieben zu behaupten, dass wir perfekte Reisepartner sind und uns wunderbar ergänzen.

Bei YouTube ansehen ↗

Leider habe ich noch nicht herausgefunden, wie man es schafft, YT-Videos hier in einem grösseren Fenster einzubinden. Die Untertitel sind deshalb etwas schwierig zu lesen.

Beenie - The Driver
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Unser «Driver», Chef-Grilleur, Marinaden-Meister und zuständig für's Feuermachen. Von Beruf Gärtner und deshalb idealerweise im europäischen Winter am ehesten verfügbar für ausgedehnte Afrika-Reisen. Single, 37 Jahre, ein gelassener Typ, den fast nichts aus der Ruhe bringt und sich für einen dummen Spruch niemals zu schade ist. Aus seiner Jugendzeit brachte er auch das Interesse für die Vogelwelt mit und daher ist er auch unser Chef-Bestimmer.

Sam - The Manager
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Der «Manager», zuständig für die Tourplanung, Organisation, Verhandlungen mit aufdringlichen Strassenverkäufern, Übersetzer und Chefberichterstatter. Hobbyfotograf und leidenschaftlicher Langstreckenläufer. 39 Jahre alt, im «richtigen» Leben IT-Berater, wohnhaft in Zürich, auch Single. Ebenfalls eher ein ruhiger Typ aber weltoffen und zugänglich, Perfektionist und irgendwie doch immer für die eine Spur verrücktere Idee zu haben.

Die Reiseroute
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Mit den Jahren und all den vielen Reisen wird man glaube ich wie von selbst etwas langsamer. Haben wir auf unseren ersten Reisen noch wahre Gewaltstouren auf uns genommen, ist es uns heute sehr viel wichtiger, nur wenige Ziele anzusteuern und dafür auch mal etwas mehr Zeit vor Ort zu haben. Insbesondere die Tierfotografie benötigt sehr viel Zeit und deshalb verbringen wir auch sehr gerne viel davon in den verschiedenen Nationalparks und anderen Schutzgebieten. Zum Glück macht es auch meinem Bruder nichts aus, mal etwas länger an einem Wasserloch zu stehen, auch wenn er in dem Sinne nichts zu tun hat ausser einfach das Geschehen zu beobachten während ich mit meiner Kamera herumhantiere. Es macht ihm nicht nur nichts aus, er liebt es genauso und ist dann einfach ganz bei sich.

Für diese Reise war schnell klar, dass wir nochmals in die Kalahari (KTP und Okavango-Delta) wollten, aber auch die Landschaft sollte nicht zu kurz kommen. So haben wir uns diese Route zusammengestellt - auch unter Inspiration von einigen anderen Reiseberichten hier. Es waren einige Orte dabei, die wir schon kannten, aber auch die eine oder andere Neuentdeckung kam dieses Mal wieder hinzu.

Die einzelnen Etappen im Überblick:
Tag Datum Etappe / Ort Übernachtung
1 11.01.2018 Flug Zürich - Doha - Windhoek
2 12.01.2018 Windhoek Palmquell Hotel, Klein Windhoek
3 13.01.2018 Windhoek - Omaruru River Guesthouse
4 14.01.2018 Omaruru - Omandumba Gästefarm «Die Höhle» Campsite
5 15.01.2018 Omandumba - Spitzkoppe Spitzkoppe Community Campsite
6 16.01.2018 Spitzkoppe Spitzkoppe Community Campsite
7 17.01.2018 Spitzkoppe - Namib-Naukluft National Park Mirabib Campsite
8 18.01.2018 Namib-Naukluft National Park - NamibRand Nature Reserve NamibRand Family Hideout, Orion Campsite
9 19.01.2018 NamibRand Nature Reserve NamibRand Family Hideout, Orion Campsite
10 20.01.2018 NamibRand Nature Reserve - Tirasberge Koiimasis Ranch, Campsite
11 21.01.2018 Tirasberge - Maltahöhe Hotel Maltahöhe
12 22.01.2018 Maltahöhe - Köcherbaumwald Mesosaurus Fossil Bush Camp, Campsite
13 23.01.2018 Köcherbaumwald Mesosaurus Fossil Bush Camp, Campsite
14 24.01.2018 Köcherbaumwald - Kalahari Transfrontier Park (KTP) Mata Mata Restcamp, Campsite
15 25.01.2018 KTP Mata Mata Restcamp, Campsite
16 26.01.2018 KTP Rooiputs Campsite
17 27.01.2018 KTP Polentswa Campsite
18 28.01.2018 KTP Polentswa Campsite
19 29.01.2018 KTP Polentswa Campsite
20 30.01.2018 KTP Nossob Restcamp, Campsite
21 31.01.2018 KTP Twee Rivieren Restcamp, Campsite
22 01.02.2018 KTP Twee Rivieren Restcamp, Campsite
23 02.02.2018 KTP Nossob Restcamp, Campsite
24 03.02.2018 KTP - KTP Mabuasehube Mabuasehube Pan, Campsite 2
25 04.02.2018 KTP Mabuasehube Mabuasehube Pan, Campsite 2
26 05.02.2018 KTP Mabuasehube - Ghanzi Thakadu Bush Camp
27 06.02.2018 Ghanzi - Maun Motsebe Backpackers
28 07.02.2018 Maun - Moremi Game Reserve 3rd Bridge Campsite
29 08.02.2018 Moremi Game Reserve 3rd Bridge Campsite
30 09.02.2018 Moremi Game Reserve Xakanaxa Campsite
31 10.02.2018 Moremi Game Reserve Xakanaxa Campsite
32 11.02.2018 Moremi Game Reserve North Bridge Campsite
33 12.02.2018 Moremi Game Reserve North Bridge Campsite
34 13.02.2018 Moremi Game Reserve - Guma Lagoon Guma Lagoon, Campsite 1
35 14.02.2018 Guma Lagoon Guma Lagoon, Campsite 1
36 15.02.2018 Guma Lagoon Guma Lagoon, Campsite 1
37 16.02.2018 Guma Lagoon - Divundu Ngepi Camp, Campsite 3
38 17.02.2018 Divundu Ngepi Camp, Campsite 3
39 18.02.2018 Divundu Ngepi Camp, Campsite 3
40 19.02.2018 Divundu Ngepi Camp, Campsite 3
41 20.02.2018 Divundu - Otjiwarongo C'est Ci Bon Hotel
42 21.02.2018 Otjiwarongo - Immanuel Wilderness Lodge Immanuel Wilderness Lodge
43 22.02.2018 Immanuel Wilderness Lodge Immanuel Wilderness Lodge
44 23.02.2018 Flug Windhoek - Doha - Zürich
Insgesamt sind wir 6'997,8km gefahren. Das ist eigentlich ziemlich viel, doch aufgeteilt auf die sechs Wochen und aufgrund der doch sehr gelungenen Etappen-Planung sind wir absolut nie in Stress geraten. Die Route hat sich so sehr entspannt fahren lassen, einzig die langen Gamedrives im Kalahari Transfrontier Park wurden mit der Zeit etwas viel und wir hatten nur wenige reine, lange Fahrtage.

Das Auto
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Den Toyota Hilux Expedition 3.0 TDI Doublecab haben wir von Safari Car Rental gemietet und wir würden das jederzeit wieder tun - wir waren wirklich sehr zufrieden damit. Dieses Auto ist einfach ein Spitzenfahrzeug mit sehr viel Power, viel Bodenfreiheit und guter, bequemer Innenausstattung. Das Canopy mit dem Dachzelt, Wassertank (für Brauchwasser) und die ganze Campingausrüstung war in gutem bis sehr gutem Zustand und es fehlte grundsätzlich an nichts. Von der praktischen Nutzung her wäre ein Schubladensystem mit mehr Plasticboxen wünschenswert gewesen, aber das ist Jammern auf sehr hohem Niveau.

Zusätzlich zum Dachzeit haben wir von SCR ein Bodenzelt von Howling Moon gemietet für einen lächerlich tiefen Zusatzpreis. Wir sind ja Brüder und kein Paar, von daher wollten wir uns noch etwas persönlichen Raum geben und das war eine sehr gute Entscheidung. Während mein Bruder im Dachzelt sein Zuhause hatte und von dort nächtlichen Leopardenbesuch beobachten konnte, habe ich jeweils im Bodenzelt geschlafen und nichts dergleichen mitbekommen. Das Zelt liess sich sehr einfach und schnell aufbauen und da wir sowieso meistens zwei Nächte und mehr auf einer Campsite geblieben sind, hat uns der Auf- und Abbau absolut nicht gestresst.

Das Auto haben wir schon sehr früh, nämlich im Juni 2017, reserviert. Wegen der Nebensaison - wobei es in der Boom-Destination Namibia gemäss Besitzer Vincent für ihn eigentlich sowieso keine eigentliche Nebensaison mehr gibt - und der frühen Buchung haben wir einen wirklich sehr guten Preis von EUR 61.00 pro Tag erhalten. Der Kontakt im Vorfeld mit dem Vermieter war immer sehr angenehm, sehr kompetent und immer wahnsinnig schnell. Bei der Übernahme des Fahrzeugs gab es ein bisschen Probleme mit der Hinterlegung der Kaution (unser Verschulden) und SCR war diesbezüglich unglaublich hilfsbereit und hat sich tagelang, während wir schon unterwegs waren, nach Lösungen bemüht und uns bestens unterstützt. Story dazu dann im Bericht.

Im Moremi hat es uns wegen der sagenhaft schlechten Pisten und den hohen Absätzen im Tiefsand zwei Schrauben der Aufhängung des Ersatzrades hinten am Heck zerbrochen und einmal haben wir beim Zurücksetzen im Mabua den Sandwall am Pistenrand geküsst, worauf ein Schlammschutz abgebrochen ist. Das wäre ja dann eher unsere Schuld gewesen, aber da wir die Windschutzscheibe wegen eines Steinschlags ersetzen mussten (ca. CHF 240.00), hat man von der Verrechnung für diese Schäden grosszügig abgesehen. Der zweite Boss der Firma, ich habe den Namen leider vergessen, hat das bei der Rückgabe mit uns besprochen und man hat uns da wirklich sehr fair und entgegenkommend behandelt.

Von daher also in jedem Fall eine Empfehlung für diesen Verleiher!

Der Flug
Geflogen sind wir ZRH - DOH - WDH und WDH - DOH - ZRH mit Qatar Airways. Für uns Schweizer gibt es nach Namibia keine Direktflüge, weshalb ein Umstieg auf einem Hub so oder so notwendig ist. Daher fällt die etwas längere Flugzeit als zum Beispiel über Jo'burg nicht allzu sehr ins Gewicht und QR ist aus meiner Warte sowieso eine der besseren Airlines. Wir haben CHF 759.00 pro Person bezahlt, so günstig sind wir noch nie nach Afrika geflogen. Die Umsteigezeiten in Doha waren sehr angenehm mit nicht ganz drei Stunden Aufenthalt, so dass man gemütlich etwas die Beine vertreten und eine Kleinigkeit essen konnte. Ich würde, wenn Flugzeiten und Preis stimmt, jederzeit wieder mit QR fliegen.

So. Dann hoffe ich auf ein paar Mitreisende hier und an dieser Stelle auch liebe Grüsse an alle «ausserhalb» des Forums, welche ich zu diesem kleinen Bericht gelotst habe.

Es sollte noch an diesem Osterwochenende losgehen mit der oder den ersten Etappe(n).

Viel Spass bei der Lektüre!

Liebe Grüsse
Sam

P.S.: Der Bericht ist besonnt - wer also keine Kommentare lesen will, kann oben rechts auf die Sonne klicken.

Teil 202. Apr. 2018

Kapitel 1
Anreise & der erste Tag in Windhoek

Donnerstag, 11. Januar 2018
Zürich - Windhoek

Und plötzlich ist er dann doch da, der grosse Tag. Und trotz aller Routine steigt ganz am Schluss dann doch auch noch eine freudige Aufregung in mir auf. Es geht endlich wieder nach Afrika!

Punkt 12.30 Uhr drehe ich den Schlüssel meiner Wohnungstüre und mit meinem riesigen Rollkoffer im Schlepptau mache ich mich auf in Richtung Zürich Hauptbahnhof. Direkt am Zug zum Flughafen treffe ich auch schon auf einen gut gelaunten Beenie und wir feiern das Ereignis gleich mal mit einer ersten Prise Schnupftabak. Die Fahrt ist nur kurz und da wir früh unterwegs sind, haben wir Zeit, in einem Café auf meine beste Freundin B. zu warten, die sich den Nachmittag extra frei genommen hat, um uns verabschieden zu kommen.

Bald aber wollen wir los und geben unser Gepäck am Dropoff-Schalter ab. Meine Tasche wiegt sage und schreibe 30.2kg und mein Fotorucksack als Handgepäckstück ganze 14.2kg. Das ist natürlich viel zu schwer - erlaubt wären 7kg. Trotzdem hätte ich nicht mit soviel gerechnet, aber mein Kamerageraffel wird unerklärlicherweise auch von mal zu mal schwerer… Jedenfalls drückt der freundliche Mitarbeiter aber sowas von beide Augen zu und hängt den «Cabin Approved»-Sticker an meinen Rucksack. Der Flieger nach Doha sei nicht gut besetzt und daher würde das ausnahmsweise schon gehen. Dann sagen wir B. adieu und gehen durch die magische Pforte, sprich, in den exklusiven Bereich, wo nur Inhaber einer Bordkarte Einlass gewährt erhalten.

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Flughafen Zürich, Dock E: wir sind abflugbereit

Zeit für das traditionelle Abflugsbier. Für mich heutzutage natürlich in Form eines ohne die lustig machenden chemischen Verbindungen, aber an Traditionen soll man ja festhalten. Bald darauf wird auch schon zum Boarding aufgerufen und wir betreten zum ersten Mal in unserem Leben die Kabine einer brandneuen Airbus A350-900.

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An Bord der Airbus A350-900 der Qatar Airways. Wie man sieht in der Tat nur sehr schwach besetzt, so dass wir auch reichlich Platz hatten.

Mit dem wirklich sehr guten und umfangreichen Bordunterhaltungssystem ist der erste Flug von gut fünfeinhalb Stunden schnell vorbei, ebenso der dreistündige Aufenthalt auf dem riesigen und blitzblank herausgeputzten, topmodernen Hamad International Airport von Doha. Wir schlendern ein bisschen durch die Geschäfte, essen eine Kleinigkeit und trinken einen Doppio, der nicht nur im Geschmack sondern auch locker mit dem Preisniveau der Schweiz mithalten kann. Nachtflugverbot gibt es in den Golf-Staaten keines und so herrscht an diesem internationalen Drehkreuz 24h-Dauerbetrieb.

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In der Haupthalle vom Hamad International Airport, Doha, Qatar. Hochbetrieb auch um 1 Uhr nachts!

Dann steigen wir in die nächste Maschine, einer Boeing 787-8 Dreamliner und heben ab in den arabischen Nachthimmel, vorbei an der beeindruckenden Skyline und vielen modernen Reihenhaus-Siedlungen. Die neun Stunden ziehen sich und wir schlafen beide nur ziemlich wenig und schlecht.

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Die lange Flugzeit mit dem ein oder anderen Film überbrücken. Beenie voll konzentriert auf das Inflight Entertainment.

Aber am Morgen, bei Tageslicht über endlose Wolkenfelder quer über den afrikanischen Kontinent hinweg gleitend, steigt die Vorfreude und wir nähern uns Windhoek peu à peu.

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11'000 Meter über dem Norden von Namibia - schönes Wetter und vermutlich sommerlich warm da unten.


Freitag, 12. Januar 2018
Windhoek

Kurz vor dem Mittag ist es dann soweit und wir setzen scheinbar mitten im Nirgendwo auf dem kleinen internationalen Flughafen von Windhoek auf. Weil die Stadt selber von Bergen umgeben ist, musste ein Platz für die Landebahn rund 40km ausserhalb gesucht werden und daher befindet sich der Flughafen eigentlich mitten im Busch. Wir steigen aus dem Flieger, laufen über das Vorfeld und atmen ein erstes Mal die würzige afrikanische Luft ein (vermischt mit etwas Kerosin in der Duftnote). Die Einreise dauert und dauert, wir sind noch nicht so an das afrikanische Tempo gewöhnt. Die wie immer schlecht gelaunten Damen von der Einwanderungsbehörde lassen sich sehr viel Zeit und wechseln schon auch mal die Schicht in einer Seelenruhe, auch wenn in den Schlangen gut und gerne 200 Leute stehen. Aber wir müssen trotzdem Lachen, jetzt sind wir definitiv wieder in Afrika angekommen.

Die Abholung durch den bestellten Taxifahrer klappt einwandfrei und eine halbe Stunde später rollen wir auf den Hof vom Hotel Palmquell. Frau Pfaffenthaler, die nette Besitzerin, freut sich sichtlich über unser Erscheinen, sind wir doch schon vor zwei Jahren hier abgestiegen. Endlich raus aus den langen Hosen und als allererstes gleich mal in den Pool hüpfen!


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Am kleinen Pool im hübschen Garten vom Palmquell Hotel, Klein Windhoek

Wir ruhen uns kurz aus, nehmen eine Dusche und schon steht mein Freund Willi vor unserer Zimmertür. Er ist in Namibia aufgewachsen, lebte lange in der Schweiz und ist nun seit ein paar Jahren wieder zurück. Mit ihm fahren wir zuerst kurz in eine Shoppingmall, um ein kleines Ersatzteil für unsere Gopro zu besorgen, dann geht es in die «Bush Bar» am Stadtrand auf einen kühlen Drink.

Zum Abendessen fahren wir anschliessend zum «The Stellenbosch» - für Steaks eine der absolut besten Adressen in ganz Windhoek. Wir lassen es uns schmecken und gönnen uns ein wirklich sensationelles Sirloin Steak. Vom allerfeinsten ist das und ich muss fast heulen, weil es so gut schmeckt. Wir sind sogar versucht, einfach noch ein zweites zu bestellen, belassen es dann aber doch bei einer Käseplatte zum Dessert.

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Weltklasse Sirloin Steak vom «The Stellenbosch» in Klein Windhoek - dringende Empfehlung! (Smartphone-Foto)

Wir sind aber hundemüde und wollen deswegen früh wieder zurück ins Hotel. Schon kurz nach halb zehn sind wir im Bett und nach einem halben Kapitel in meinem Buch fangen die Äuglein an, schwer zu werden.

Teil 304. Apr. 2018

Kapitel 2
Von Windhoek mit Verspätung nach Omandumba

Samstag, 13. Januar 2018
Windhoek - Omaruru

Den Schlaf können wir aber auch wirklich gut gebrauchen, die lange Reise hat uns doch ziemlich geschlaucht und heute haben wir viel vor. Also früh raus aus den Federn und zuerst noch gemütlich zum Frühstück im wunderschönen Garten unter Palmen (der Name des Hotels muss ja auch von irgendwoher kommen). Um Punkt 08:00 Uhr werden wir von Vincent, dem Chef unseres Autoverleihers höchstpersönlich, abgeholt und zur Mietstation gut 20km ausserhalb der Stadt gebracht. Die Übernahme unseres Gefährts für die nächsten sechs Wochen dauert eine gute Stunde, der nette und witzige Mitarbeiter erklärt uns alles genau. Da haben wir ein wirklich einwandfreies Auto gebucht mit allem Schnickschnack und einer starken 3.0 Liter Turbomaschine.

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Es schaut zwar grad überhaupt nicht danach aus, aber wir haben ziemlich viel Spass bei der Autoübergabe und flachsen mit dem Mitarbeiter rum. Aber natürlich wird alles mit der notwenigen Sorgfalt überprüft, alles ist an seinem Platz und da wir mit derart ausgerüsteten Autos schon ein paar Mal unterwegs waren, kennen wir die Geräte, Ersatzrad-Aufhängung, etc. schon ganz gut.

Als alles erledigt ist, nehmen wir die ersten Kilometer zurück zum Hotel unter die Räder, wo wir auschecken und unser Gepäck einstellen. Dann geht es ab zur Maerua Mall zum Grosseinkauf. Wir treffen nochmals kurz Willi, der uns noch eine Plastikkiste und einen Wasserfilter aus unserem alten Bestand, den wir ihm vor zwei Jahren überlassen haben, mit auf den Weg gibt. Wie so oft dauert alles viel länger als einmal angenommen und so kommen wir erst gegen Mittag wieder zum Palmquell zurück. Auf dem Hof räumen wir die Einkäufe ein, sortieren das Gepäck notdürftig und dann geht es noch rasch zu “Nando’s”, wo wir das gestern verpasste, traditionelle Peri-Peri Chicken zu Mittag verschlingen. Wie war das nochmals; mit Traditionen soll man ja nicht brechen. Dann noch Volltanken und Eis für die Coolbox kaufen, so dass es schon 14:20 Uhr ist, bis wir endlich auf Pad kommen.

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Riesenchaos nach dem Grosseinkauf.

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Schaut aber nach dem Einräumen doch schon wesentlich besser aus!

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Sehr praktischer «Einbauschrank» auf der Seite, wo das ganze Geschirr, Becher und Gläser, Teekanne und eine kleine Schublade mit Besteck-Etui und Platz für Kleinzeugs wie Lappen, Waschmittel und Schwämme sowie das für Namibia-Fahrer obligatorische Tischtuch untergebracht sind.

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Dann noch unsere eigens mitgebrachten Magnetkleber mit unserem Logo auf die Türe gepappt und los kann es gehen! Schaut schon sehr cool aus, nicht?

Eigentlich sind wir ja recht erfahren und schätzen Distanz und Fahrzeit meist recht gut ein mittlerweile. Und trotzdem waren wir dann doch ein bisschen zu “Laisser faire” eingestellt, denn wir hatten nicht so richtig überlegt, was es bedeutet, wenn wir die zwar viel schönere, dafür aber auch weitere und wegen den vielen Kurven, dem Auf und Ab und dem Strassenzustand entsprechend langsamere Strecke über den Bosua-Pass nehmen anstatt die schnellere, direktere auf der Teerstrasse.

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Vor dem Boshua-Pass im Khomas-Hochland

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Kurz vor der Passhöhe

Trotzdem ist die Fahrt wirklich wunderschön und wir geniessen die vielen tollen Ausblicke über die endlosen Weiten Namibias. Es herrscht so gut wie kein Verkehr, wir begegnen bis Karibib gerade mal zwei entgegenkommenden Autos und treffen auf eine Familie, die einen platten Reifen wechseln muss.

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Regenzeit in Namibia! Zwischen Boshua-Pass und Karibib

Die Sonne steht immer tiefer und irgendwann kurz vor Karibib realisieren wir, dass es wirklich nicht mehr reichen wird bis zu unserem eigentlichen Tagesziel, der Omandumba Gästefarm in den Erongo-Bergen. Also fahren wir noch bis Omaruru, einem kleinen Städtchen am gleichnamigen (Trocken-) Fluss und nehmen ein einfaches, aber sauberes Zimmer im «River Guesthouse». Auf Omandumba rufen wir kurz an und geben Bescheid, dass wir es nicht mehr schaffen. Denn als wir ankommen, ist es wirklich grad am eindämmern. Da haben wir uns aber ziemlich verschätzt. Nun, wir sind wohl noch nicht so richtig in unserem Afrika-Modus angekommen. Doch wir machen uns nichts draus (Wo Problem?) und gehen im benachbarten Restaurant “Kashana” ein leckeres T-Bone Steak essen. Den Abend beschliessen wir wieder früh - auch heute war es noch ein ziemlich anstrengender Tag und so schlafen wir schnell ein in Vorfreude auf den Busch und die Ruhe da draussen.

Roadmovie:

Bei YouTube ansehen ↗


Tageskilometer: 322km
Gesamtreisezeit: 5h
Tageshöchstemperatur: 36° C

Teil 405. Apr. 2018

Sonntag, 14. Januar 2018
Omaruru - Omandumba

Viel an Strecke hat gestern ja nicht mehr gefehlt und so können wir es heute sehr gemächlich angehen. Natürlich sind wir früh wach, liegen noch etwas im Zimmer rum und können dann um 08:00 Uhr zum Frühstück. Das ist klassisch einfach, aber im gepflegten und gemütlichen Garten ist es schön lauschig, ein paar Frankoline kommen vorbei und zum ersten Mal nehmen wir den für das südliche Afrika so typische Ruf der Kapturteltaube wahr. Hernach müssen wir noch ein bisschen rumtelefonieren, weil es mit der Hinterlegung der Kaution für das Mietauto ein kleines Problemchen gab, packen noch ein paar Sachen im Auto um und machen uns dann auf den kurzen Weg nach Omandumba.

Sowie wir Omaruru verlassen und an den letzten Ansiedlungen etwas ausserhalb vorbei kommen, erheben sich in der Ferne die ersten Kämme des Erongo-Gebirges. Viele rötlich-braune Felshügel ragen aus der Landschaft, dazwischen überall goldenes Gras und grüne Sträucher.


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Auf der D2315 zwischen Omaruru und dem Erongo-Gebirge

Es ist aber knochentrocken, flächendeckenden Regen gab es hier offenbar schon sehr lange nicht mehr. Wir fahren auf der Schotterpiste auf und ab, durch Senken von ausgetrockneten Flussbetten, ein Steinböckchen flitzt aufgeschreckt direkt vor unserem Auto über die Strasse. Eine Manguste sehen wir und auf einem kurzen Teil der Strecke fliegen ständig Schwalben kreuz und quer, vor und über uns her, es scheint, als würden sie Insekten, die wir durch unseren Bakkie aufschrecken, jagen.

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Kurz vor dem Abzweig zur Omandumba-Gästefarm. Eine typisch namibische Schotterstrasse, kein Verkehr, afrikanischer XXL-Himmel mit Deko-Wölkchen, schönes Wetter... Hach! 😎

Nach nicht mal einer Stunde erreichen wir die Farm und checken ein für die «Höhle». Das Farmgebäude und die Bungalows des Gästebetriebs liegen nahe der Strasse, wir aber müssen für noch etwa eine weitere halbe Stunde einen Farmweg tief ins Gelände hinein nehmen. Etliche Kurven später gelangen wir an die letzte kleine Abzweigung, umrunden einen grösseren Steinhügel und rumpeln über eine grosse Felsplatte und schon liegt sie vor uns:


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«Die Höhle» auf der Omandumba-Farm

In eine «Schlucht» zwischen zwei grossen Felsbrocken hinein gebaut mit zwei Terassen auf zwei Stockwerke verteilt und einer verschliessbaren Glasfront als Windschutz und unglaublichem Blick über das ganze Tal. Ausser einem ziemlich starken Wind, der durch die Felsen zischt, herrscht hier die absolute Ruhe. Wir sind überwältigt und begeistert von der tollen Idee, so etwas an diesem wundervollen Ort zu bauen.

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Fantastischer Ausblick von der oberen Terasse über das ganze Tal.

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Coolness-Level10: die Freilufttoilette mit ebenfalls fantastischem Ausblick. Normalerweise mache ich echt keine Klo-Fotos auf meinen Reisen, aber es gibt auch mal Ausnahmen. Taking a shit with a view, sozusagen.

Wir richten uns ein und machen uns einen bombastisch gemütlichen Nachmittag. Endlich können wir das tun, was wir so gerne tun und worauf wir uns wieder so lange gefreut haben: draussen in der Wildnis, fernab der Zivilsation und Hektik, auf einer Campsite zu sitzen, einen Kaffe schlürfen, eine Partie Würfelspiel, mit dem Fernglas die Büsche und Bäume nach Vögel oder anderem Getier absuchen, ihnen mit der Kamera hinterher schleichen, runterfahren, ankommen. Ein unvergleichlich schöner Nachmittag, wir könnten zufriedener nicht sein.

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Von der unteren Terasse aus hat man direkten Blick auf diverse Felsen, auf denen sich hin und wieder Tiere zeigen wie zum Beispiel diese Siedleragame...

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... oder natürlich der eine oder andere gefiederte Freund. An diesem Nachmittag starten wir auch «offiziell» mit der Vogelbestimmung und führen ab sofort die Bestimmungsliste nach. Einer der allerersten Einträge für diese Reise bekommt dieser Familiar Chat / Rostschwanzschmätzer (Cercomela familiaris).

Während Beenie das Abendessen vorbereitet, schmeisse ich mich ein erstes Mal in meine Laufklamotten und laufe bei tiefstehender Sonne zwei Runden auf der Piste um «unseren» Felsenberg. Es ist unglaublich schön und ich schätze mich sehr glücklich, in dieser Wahnsinnsgegend Laufen zu können.

Als ich zurück komme, ist das Essen schon fast fertig. Noch die Steaks auf den Grill und dann sind wir erst recht im siebenten Himmel. Es gibt Sirloin in Peri-Peri mariniert mit Folienkartoffeln und Schmatze, gedämpftes Gemüse und Chili-Öl. Der totale Abriss!

Nach dem Essen und Sonnenuntergang klettern wir auf den Felsen hinter der Höhle und machen ein paar Fotos in der “blauen Stunde”.

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Noch hat es ein paar Wölkchen am eindunkelnden Himmel - aber für ein Foto in dieser Stimmung natürlich gerade perfekt!

Dann ist auch schon bald wieder Schlafenszeit. Beenie klettert ein erstes Mal in sein Dachzelt, ich mache es mir oben auf der Terasse gemütlich und schlafe unter dem Sternenhimmel.

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Only in Africa...


Tageskilometer: 58km
Gesamtreisezeit: 1h
Tageshöchsttemperatur: 34° C

Teil 512. Apr. 2018

Kapitel 3
Nimm's mal mit Gemütlichkeit - Zur Spitzkoppe

Montag, 15. Januar 2018
Omandumba - Spitzkoppe

Ein- oder Zweimal wache ich auf in der Nacht und merke vor allem eines: es ist unvergleichlich ruhig hier draussen. Nichts, aber auch gar nichts ist zu hören, nicht einmal Grillen zirpen, kein Kauz ruft und, klar, schon gar nicht irgendwelche Zivilisationsgeräusche sind zu vernehmen. So schlafe ich natürlich bestens unter dem freien Himmel und der Kaffee nach dem Aufstehen schmeckt gleich doppelt so gut wie sonst.

Wir lassen es äusserst gemütlich angehen, denn auch heute haben wir keine allzu lange Strecke vor uns. Es ist ein wunderschöner Morgen und wir sitzen auf der Terasse, glotzen in das Tal, geniessen die Sonne und beobachten Vögel.

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African Red-eyed Bulbul / Maskenbülbül

Nach einem späten Frühstück fangen wir an, unser Küchenmaterial und Gepäck wieder zum Auto runterzutragen und zusammen zu packen. Aber eben, wir nehmen uns Zeit und so fahren wir erst kurz vor dem Mittag los.

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Unterwegs auf dem Gelände der Omandumba-Gästefarm. Was für eine Landschaft!

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Typisches Gestein der Erongo Berge

Schon ein paar Kilometer nach Verlassen der Farm wird die Landschaft zusehends flacher und vor uns tut sich eine endlose Ebene auf, nur mehr vereinzelt ragen Felsformationen hinaus. Allen voran natürlich die Spitzkoppe, die wir schon von weit weg erblicken können.

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Wie zwei «Büppis» erheben sich die beiden markanten Gipfel des Spitzkoppe-Massivs aus der flachen Ebene. Und es ist brüllend heiss hier draussen. Foto machen und schnell wieder ins klimatisierte Auto hüpfen!

An der Rezeption angekommen, werden wir freundlich begrüsst und wir dürfen uns eine freie Campsite aussuchen. Diese sind weit verteilt über das ganze Gelände rund um die Grosse Spitzkoppe, Pontok Mountains und Sugarloaf und eine ist schöner als die andere. Sie sind allesamt sehr einfach ausgestattet und verfügen lediglich über ein Plumpsklo, eine Feuerstelle und eine Abfalltonne. Dafür sind sie aber alle für sich alleine und man bekommt von den Nachbarn absolut nichts mit. Wir kurven ein bisschen rum, einige wenige aber halt auch besten Plätze sind bereits besetzt, mit der «Secret B» finden wir dann aber doch eine tolle Site und vor allem auch mit Schatten. Wir richten uns ein, die Abläufe funktionieren schon wieder besser - wir sind zurück im Camping-Leben.

Am späteren Nachmittag gehen wir auf «Vogeljagd». Es gibt einige Rosy-faced Lovebirds hier, aber auf Chip kann ich sie leider nicht bannen, viel zu schnell sind sie immer davon geflattert.

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Dafür den da, aber wie es scheint, haben wir diesen nicht bestimmt oder dann ergeben meine Listen keinen Sinn. Irgend ein Schmätzer? - Mountain Wheatear / Bergschmätzer (Danke an @Bele und @fotomatte!)

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Ein Birder mit seinem brandneuen Spitzenfernglas (Swarowski SLC 10x 56) schleicht durch den Busch auf der Suche nach Rosenpapageien.

Und kurz vor Sonnenuntergang machen wir ein paar (überhaupt nicht gestellte) Fotos von mir in Aktion beim Laufen über das Gelände.

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Trailrunning am Fusse der Spitzkoppe.

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Vorbildlicher Laufstil in Bilderbuchlandschaft!

Zum Abendessen schmeissen wir ein monströses T-Bone auf den Grill und machen uns eine grosse Schüssel Griechischen Salat dazu. Es schmeckt wieder fantastisch, wir kommen aus dem Schwärmen fast nicht mehr raus. Nach dem Essen bestaunen wir den Sternenhimmel und geniessen die Ruhe hier draussen. Auch hier fällt mir wieder auf, wie unglaublich still es ist. So lässt sich dann in meinem Bodenzelt natürlich auch wunderbar einschlafen.

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Sternenhimmel am Fusse vom Sugarloaf und Grosse Spitzkoppe.


Tageskilometer: 105km
Gesamtreisezeit: 3h 20min
Tageshöchsttemperatur: 36° C

Teil 612. Apr. 2018

Dienstag, 16. Januar 2018
Spitzkoppe

Ein wunderbarer Morgen begrüsst uns und mit der Sonne stehen auch wir schon auf.

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Aufwachen, Zelt aufmachen - «boooah» machen 😮

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Es gibt wohl nicht viel auf dieser Welt, was mit so einem Morgen in Afrika mithalten kann. Das verzaubert mich immer und immer wieder und wenn ich ein Foto wie dieses für den Reisebericht aufbereite und darüber schreibe, läuft es mir kalt den Rücken runter und ich will nichts mehr als grad wieder dort sein.

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Die Campsite «Secret B» am Fusse der Spitzkoppe mit meinem Bodenzelt im Vordergrund - meinem lieb gewonnenen Zuhause für die sechs Wochen.

Heute haben wir so gesehen unseren ersten richtigen Ferientag auf dem Programm. Heisst; wir haben nichts zu tun, fahren nirgendwohin und haben keinerlei sonstige Pläne geschmiedet. Das kosten wir auch ausgiebig aus und machen den lieben langen Tag eigentlich gar nichts. Ausser die Aussicht zu geniessen, Kaffee zu trinken, Würfel zu spielen, Vögel zu bestimmen, dumme Sprüche zu kloppen und fiese Nachrichten mit schönen Fotos an die Daheimgebliebenen zu verschicken.

Am frühen Morgen im schönsten Sonnenlicht bekommen wir Besuch von einer Agame, die sich auf einem Stein direkt neben uns sonnt.

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Siedleragame

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Ein Pale-winged Starling / Bergstar inspiziert unseren Grillrost und findet ein paar kleine Überreste von den, ach, ich muss es halt schon wieder erwähnen, bombastischen Steaks vom Vorabend.

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Monteiro's Hornbill / Monteiro-Toko

So. Und jetzt, geschätzte Leserschaft, haben wir ein Problem: in meinem Tagebuch kommt an dieser Stelle ein neuer Absatz mit einfach nur:
...
Ich glaube, ich habe mir das so als Platzhalter dafür hingeschrieben, dass beim Nachführen des Tagebuches dort noch der restliche Verlauf des Vor- und früheren Nachmittags zu beschreiben ist. Aber da steht jetzt nichts weiter und es ist anzunehmen, dass wir den oben angekündigten Ruhetag auch wirklich als solchen zugebracht haben. Also: wo Problem? 😁

Am späten Nachmittag schnüre ich wieder meine Laufschuhe und drehe eine wunderschöne 9.5km-Runde um den Felsenbogen und wieder zurück, zum Teil auch querfeldein. In diesem Gelände mit dem weichen Untergrund und dem Auf und Ab ist es sehr viel anstrengender, aber es ist echt ein Privileg in einer solchen Umgebung laufen zu können. Fantastisch!

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Die Spitzkoppe in ihrer vollen Pracht. Ein wirklich bezaubernder Ort (das Foto ist vom nächsten Tag in der Früh).

Zum Abendessen gibt es feine Spaghetti Bolognese. Die Sauce hat schon seit dem Nachmittag vor sich hingeköchelt und schmeckte fantastisch. Mit vollen Bäuchen sitzen wir noch eine Weile auf unseren Campingstühlen und starren in den Sternenhimmel, bis uns der Nacken schmerzt.


Tageskilometer: 0km
Tageshöchsttemperatur: 33° C

Teil 715. Apr. 2018

Kapitel 4
Magische Momente in der stillen Wüste

Mittwoch, 17. Januar 2018
Spitzkoppe - Mirabib

Wieder stehen wir mit den ersten Sonnenstrahlen auf und setzen uns noch ein paar Minuten mit einem leckeren Kaffee hin. Dann aber machen wir uns gleich an den Abbau unseres Camps und fahren vor zur Rezeption und Restaurant des Spitzkoppe Community Camps. Dort gibt es für die Camper einen Ablution Block, wo wir eine Dusche nehmen. Frisch gemacht machen wir uns auf den Weg nach Swakopmund. Schnell sind wir auf der Teerstrasse B2, eine der zwei Hauptverbindungsachsen Namibias und selbst da realisieren wir, wie wenig Verkehr es auch auf dieser gibt. So kommen wir rasch voran und erreichen die kultige Küstenstadt - wie nicht anders zu erwarten mit ziemlich grauem und kühlem Wetter - schon gegen halb zehn Uhr.

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Typisches Bild für Swakopmund; historisches Gebäude aus der deutschen Kolonialzeit.

Als erstes gehen wir zum «Garden Café», wo wir uns ein Frühstück einverleiben. So sind wir dann auch nicht nur frisch geduscht, sondern auch frisch gestärkt und machen uns hernach auf zu «Woermann & Brock», um unsere Einkaufsliste abzuarbeiten.

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Hinterhofansicht vom ebenso historischen «Woermann & Brock»-Kaufhaus.

Jetzt noch rasch ans Meer, ein, zwei Fotos schiessen - unser wohl kürzeste Aufenthalt an einem Meer überhaupt -, dann tanken und noch zum Cymot, einen Stecker-Adapter für den Zigarettenanzünder kaufen.

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Die berühmte Jetty von Swakopmund. 2003, auf unserer ersten gemeinsamen Reise im südlichen Afrika, haben wir uns dort in der Bar zum Sundowner ziemlich die Kante gegeben. 😄 #memories

So können wir um 13:00 Uhr weiter fahren, zunächst noch einmal gut 30km dem Meer und den Sanddünen der Namib entlang bis Walvis Bay. Dort drehen wir wieder landeinwärts und gleiten auf der breiten, bestens geschobenen Piste nach Osten, bis nach einer Weile der Abzweig auf die D2186 folgt. Ab hier ist Permit-Pflicht und wir sind weit und breit die einzigen. Die Wüste ist hier wieder komplett flach und der Blick schweift in eine unfassbar endlose Weite.

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An der D2186 in Richtung Gobabeb/ Mirabib im Namib-Naukluft Nationalpark. Endlose Weiten, flirrende Hitze, nur wir, unser Bakkie und sonst keine Menschenseele. Irre!

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Ein Traum für alle Misanthropen! 😁 Aber auch irgendwie etwas beklemmend, so ganz alleine hier draussen. Wenn man anhält und mal aus dem Fahrzeug aussteigt, kann man sich in dieser unfassbaren Weite und surrealen Stille den hektischen und lärmigen Alltag zuhause in der Schweiz/ Europa schon gar nicht mehr vorstellen.

Trotzdem sichten wir ein paar Springböcke und als dann etwas später die Erhebung des Mirabib-Felsen am Horizont flimmert, können wir sogar Wildpferde ausmachen. Ich dachte, diese können vor allem im Süden der Namib um die Garub Pfanne bei Aus beobachtet werden und so sind wir schon sehr erstaunt, diese hier, so weit nördlich, anzutreffen. Auch Zebras grasen in den weiten Ebenen - wobei man sich schon fragt, von wie wenig diese Tiere hier überleben können. Es ist wirklich knochentrocken und rund um Mirabib gibt es zwar schon Gras, aber dieses ist sehr kurz und nur noch in einzelnen, sehr kleinen Büscheln vorhanden.

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Ein surreales Bild. Wildpferde (womöglich auch nicht ganz so wild, mir ist im Nachhinein zu Ohren gekommen, dass sie auch den in der Gegend lebenden Einheimischen gehören könnten?) in der scheinbar lebensfeindlichen Wüste.

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Knochentrocken, staubig und leer. Und heiss. So stellt man sich doch eine Wüste vor, nicht?

Am Felsen angekommen suchen wir uns eine Campsite aus und entscheiden uns für eine mit einem schattigen Felsüberhang. Ein paar Meter daneben gibt es eine tolle Toilette mit Plumpsklo, die zwischen zwei Felsspalten gebaut und ist und so hat man einen herrlichen Blick über die Ebene beim Scheissen. Von wegen herrlicher Blick: dieser ist hier wirklich atemberaubend und es ist wiederum einfach unglaublich still. Aber die Sonne knallt und wir verziehen uns in den Schatten. Die Nachbars-Campsite ist auch belegt von einem jüngeren Paar aus Deutschland, welche wir vor Sonnenuntergang für ein Bier und einen Schwatz besuchen.

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Ausblick vom Mirabib-Felsen etwas oberhalb unserer Campsite. Was ich sehr schade finde, sind die der Sandpiste entlang zur Abgrenzung oder was auch immer aneinandergehäuften Steine. Das stört die Aussicht und macht die Fotos irgendwie ziemlich zur Sau.

Zum Sonnenuntergang bereiten wir Aufnahmen für ein Zeitraffer-Video und dann auch das Abendessen vor. Heute gibt es einen Beef Stew-Eintopf mit Kartoffeln, was wieder herausragend schmeckt.


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Magischer Moment in der Wüste. Was will man dazu noch gross in die Bildunterschrift schreiben?

Nach Einbruch der Dunkelheit erhalten wir Besuch. Ich bin grad irgendwas am Tisch am fuhrwerken und lasse kurz meinen Blick mit meiner Stirnlampe nach links schweifen und gewahre ein rot reflektierendes Augenpaar wenige Meter neben mir unter dem Felsvorsprung. Wegen der markanten Ohren erkenne ich das Tier sofort als Kapfuchs, auch wenn ich bisher nur sehr selten einen zu Gesicht bekommen habe. Zunächst rennt er durch die Felsen davon, aber kurze Zeit später schleicht er zurück und hält sich mehrere Minuten lang ganz unerschrocken in der Nähe von uns auf. Einmal legt er sich sogar kurz auf den Boden und schaut ganz gebannt zu uns rüber.

Ich versuche noch ein paar weitere Sternenfotos und eines von unserer Campsite im Feuerschein, danach geht es gegen halb elf Uhr für unsere Verhältnisse reichlich spät in die Heia.

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Camping auf Mirabib unter schützendem Felsvorsprung mit Blick in die Weiten und zauberhaftem Sternenhimmel.


Tageskilometer: 331km
Gesamtreisezeit: 8h
Tageshöchsttemperatur: 33° C

Teil 828. Apr. 2018

Kapitel 5
Die rote Namib


Donnerstag, 18. Januar 2018
Mirabib - NamibRand Family Hideout

Ach, eigentlich geht es uns einfach nur gut hier. Was ist das für ein Leben, wenn man in solch einer Umgebung aufstehen und mit einem Becher heissen Kaffee in der Hand den Blick über so eine Landschaft schweifen lassen darf. Jetzt sind wir ein paar Tage hier und völlig an- und runtergekommen. Der Alltag zuhause ist weit weg, die Smartphones aus- und der Entspannungsmodus definitiv eingeschaltet.

Und wir haben auch schon das afrikanische Tempo in all unseren Bewegungen und Abläufen angenommen. Es wird ja auch schnell heiss, da mag man einfach gar nicht schnell machen. Trotzdem sind wir nach dem Frühstück rasch wieder parat für die Weiterfahrt.

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Ein letzter Blick zurück zum Mirabib-Felsen. Hierher würden wir jederzeit wieder kommen - ein wahrhaftig spezieller und wunderschöner Ort.

Wir fahren gen Nordosten und bis wir zurück auf die C14 kommen, rüttelt und schüttelt es uns noch ziemlich durch.

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Dann geht es auf und ab, links und rechts durch das Gebiet des Kuiseb Canyon, eine schroffe Landschaft wie auf dem Mond, aber unten im Trockenflussbett doch mit einigen Kameldornbäumen und Akazien. Danach öffnet sich die Landschaft wieder, links von uns kommen die ersten Erhebungen des Naukluft-Gebirges ins Blickfeld. Auch nimmt der Verkehr zu, wenn man das so sagen kann, aber man merkt, dass es in Richtung eines der absoluten Touristen-Hotspots, dem Sossusvlei, geht. In Solitaire machen wir Mittagspause und genehmigen uns einen Burger. Aus dem einst so legendären, kleinen Tankstellenshop mit angeschlossener Bäckerei ist eine echte Touristenfalle geworden, es gibt jetzt schon zwei Cafés. Selbst jetzt in der vermeintlichen Nebensaison ist mächtig was los, viele weisse Touri-Autos stehen auf dem Parkplatz.

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Autowrack, Kakteen und weite Wüstenlandschaft bei der legendären Solitaire-Tankstelle. Ein ziemlich ausgelutschtes Fotomotiv, aber es hat eben doch was. Als ich das Foto fertig habe, kommt Beenie angefahren und gabelt mich für die Weiterreise auf. Neben uns hält ein anderes Touristen-Auto mit zwei Damen und lachend machen sie mit ihrem Smartphone ein Foto von uns bzw unserem Auto - wohl wegen des Aufklebers auf der Seite von unserem Wagen. Ob sie uns erkannt haben und auch hier im Forum unterwegs sind?

Weiter geht es bis Sesriem, wo wir nochmals eine Pause einlegen. Nachtanken und Reparaturen an unserer Ausrüstung wären angesagt: unser Campingtisch hat ein gebrochenes Scharnier und die rückseitige Klappe am Canopy rüttelt sich auf den Pisten immer wieder auf. Am Tisch lässt sich nichts machen, wir müssen für die nächsten fünf Wochen wohl mit einem kapputten ebensolchen auskommen. Die Klappe kann der Tankwart vermeintlich reparieren, aber schon nach wenigen Kilometern ist auch diese wieder auf. Nun gut, wo Problem?

Dann nehmen wir den letzten Abschnitt unter die Räder. Je südlicher wir kommen, desto spürbar heisser wird es. Steigen wir für Fotos mal kurz aus dem klimatisierten Auto, schlägt einem eine Ofenhitze entgegen und es weht ein heftiger, föhnheisser Wüstenwid.

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Unterwegs in der Namib zwischen Sesriem und dem NamibRand Nature Reserve.

Die Farbe des Bodens ändert sich auch merklich, der Sand hier am Rande der Namib wird rot und röter, einzelne Sanddünen schmiegen sich an schwarze Steinhügel. Eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch, wir können kaum aufhören mit Staunen. Wir gelangen nun in das Gebiet des NamibRand Naturreservats, rund 200’000ha gross und aus einem Zusammenschluss von 16 ehemaligen Farmen entstanden, die sich einem nachhaltigen, sanften Öko-Tourismus verschrieben haben. Unser Ziel ist das NamibRand Family Hideout. Von der Strasse ab geht es noch 16km auf einer schmalen Sandpiste bis zum Farmhaus, wo wir schon erwartet werden. Es wird uns ein Walkietalkie mitgegeben und schon können wir bis zu unserer gebuchten Campsite “Orion” weiterfahren. Als wir dort ankommen, können wir uns kaum halten vor Begeisterung. Mann, ist das schön hier! In einem Dünental, bewachsen mit einigen weit auseinander stehenden Bäumen, wurde eine wunderschön eingerichtete Campsite gebaut mit Schattendach und einem Häuschen aus Holz und Zeltplachen, wo sich Dusche, WC und aussen ein Spültrog befinden. Solarbetriebenes Licht gibt es und einen Sonnenkollektor für das Warmwasser. Direkt vor der Campsite ein kleines Wasserloch, wo wir abends auch prompt Besuch von einer Oryx bekommen.

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Die Campsite «Orion» vom NamibRand Family Hideout. Nicht ganz billig, dafür unvergleichlich schön und abgelegen in der puren Natur draussen.

Ein zauberhafter Sonnenuntergang spielt sich ab, während wir das Abendessen vorbereiten (der Vollständigkeit halber: Ribeye Steaks in einer Ingwer-Knoblauch Marinade in der Alufolie gegrillt, in ebensolcher gebratene Kartoffeln mit Zwiebeln, Knoblauch und Rosmarin sowie je einem Maiskolben mit Peri-Peri Extrahot einbalsamiert). Geschafft vom langen Fahrtag begeben wir uns zum Lesen in unsere Zelte. Aber wie immer an den letzten Abenden komme ich nicht weit mit meinem Buch, schon nach knapp einer Seite werden die Lider schwer und ich schlafe schnell ganz friedlich ein.


Tageskilometer: 356km
Gesamtreisezeit: 8h 10min
Tageshöchsttemperatur: 41° C

Teil 903. Mai 2018

Freitag, 19. Januar 2018
NamibRand Family Hideout

Erst kurz vor acht Uhr erwache ich heute. Die tiefstehende Morgensonne leuchtet den roten Sand aus, dekorative Wölkchen zieren den blauen afrikanischen XXL-Himmel und am Wasserloch vor dem Campingplatz kommen Namaqua Sandgrouse in Scharen zum Trinken. Wir sitzen im Schatten, trinken Kaffee und schauen den Oryx zu, die nach und nach auftauchen, um sich ebenfalls den morgendlichen Schluck zu genehmigen. Es ist so friedlich hier und wir haben einen ganz entspannten, ruhigen Ausruhtag vor uns.

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Oryx vor roten Namib-Sanddünen - direkt vor unserem Campingplatz, fotografiert von meinem Campingstuhl aus.

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Das Bild ist zwar vom Abend vorher, zeigt aber wunderbar die herrliche Stimmung im Dünental, wo sich unsere Campsite befindet.

Die Sonne steigt schnell und mit ihr die Temperatur; war es am frühen Morgen schon gut 27° C, steht das Quecksilber gegen 11 Uhr bei bereits 39° C im Schatten! Und diesem folgen auch wir, indem wir ständig unsere Position entsprechend verschieben. Da ja unser Campingtisch hinüber ist, improvisieren wir und legen diesen auf der defekten Seite ohne ausgeklappte Tischbeine auf die Heckklappe des Bakkies. Und da dort, wo unser Auto steht, erst gegen Mittag Schatten ist, warten wir solange mit dem Frühstück. Man muss sich halt zu helfen wissen. Wo Problem?

Ein erstes Mal spanne ich auch meine Hängematte auf und verbringe dort drin einige Zeit mit Lesen. Dazwischen schweift der Blick immer wieder in die Landschaft und wir müssen einander wiederholt versichern, wie unglaublich schön das hier ist und dieser Platz definitiv ganz weit oben auf der Liste der schönsten Campsites, auf denen wir je waren, kommt.

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Blick über das weitläufige Tal in Richtung Westen. Ein Traum von einer Landschaft.

Gegen halb fünf machen wir uns dann auf die 4x4-Rundfahrt, für die wir im voraus das entsprechende Permit gebucht haben. Damit darf man eigenständig eine Runde über das weitläufige Gelände auf einer Sandpiste fahren. Wir sind einfach nur hin und weg. Über jede Düne oder Kuppe, über die man fährt, öffnet sich eine neue, grandiose Landschaft mit gelb leuchtendem Gras, knallrotem Wüstensand, graublaue Berge am Horizont und einem knallblauen, offenen Himmel.

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Fabelhafte Landschaften und zwei zufriedene Safaribrüder auf dem 4x4-Drive über das Gelände des NamibRand Nature Reserve.

Bei YouTube ansehen ↗

Boahs und Ooohs machen die Runde und wir sehen Oryx am Laufmeter, ein paar Bergzebras und Springböcke. Gut zwei Stunden kurven wir so durch die Gegend und mir gehen langsam die Superlativen aus, das zu beschreiben. Einmalig ist das, wirklich einmalig. Es hat so eine erhabene, überwältigende Ruhe, das muss man einfach erlebt haben.

Und es ist heiss heute. Sehr heiss, sogar. Aber immer am Nachmittag kommt von Westen her ein teilweise starker Wind auf, so dass man die Hitze nicht ganz so sehr wahrnimmt. Erstaunlich ist aber die Regelmässigkeit, mit der dieser Wind jeden Nachmittag kommt und spätestens nach Einbruch der Dunkelheit wieder weg ist. Das haben wir bis jetzt ausnahmslos jeden Tag so erlebt.

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Nachmittags um 15 Uhr hat es 43° C, zwei Stunden später sollte das Thermometer gar noch um drei Grad höher klettern.

Zurück im Camp fangen wir bald an, uns um das Abendessen zu kümmern. Heute wandert auf den Grill: ein wiederum fantastisches Sirloin Steak und ein in Alufolie auf der Glut gebackener Butternut-Kürbis. Dazu machen wir in Butter glasierte grüne Bohnen und Weisskohl.

Ein wenig Abseits vom Campingplatz in den Dünen hatte ich vor Einbruch der Dunkelheit Stativ und Kamera aufgestellt, um wieder etwas Sternenfotos zu machen. Nach dem Essen spazieren wir mit unseren Lampen dahin, machen die Bilder und liegen dann einfach noch ein paar Minuten in den Sand und starren in diesen grandiosen, riesigen, von Lichtverschmutzung völlig befreiten Blinkehimmel. So etwas kann man wirklich nur hier erleben.

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Tageskilometer: 46km
Tageshöchsttemperatur: 46° C

Teil 1005. Mai 2018

Kapitel 6
Das Zeltstangenmassaker


Samstag, 20. Januar 2018
NamibRand Family Hideout - Koiimasis Ranch

Das feste Ritual auf unseren Reisen; wer zuerst aufsteht, macht den Kaffee - mit oberster Priorität und vor allem anderen - wird auch dieses Mal eisern durchgeführt. Dann setzt du dich mit der Tasse mit dem wohlriechenden Brühgetränk in den Campingstuhl, schaust in die Natur hinaus und bist einfach nur zufrieden.

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Ein schöner Morgen draussen in der Wüste? Bittesehr.

Heute nehmen wir es gemütlich, frühstücken irgendwann und machen uns dann an den Abbau unseres Lagers. Der erfahrene Camper weiss: beim Zusammenräumen des (Boden-) Zelts immer vorsichtig anheben und unter den Zeltboden schauen. Skorpione verkriechen sich gerne dort drunter. Und siehe da; auch heute wieder einmal hat sich einer seinen Schlafensplatz unter meinem Zelt ausgesucht. Also immer schön dran denken!

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Ein stattliches Exemplar von einem Skorpion, der es sich da unter meinem Zelt gemütlich gemacht hat. Wenn man sie "aufdeckt", verkriechen sie sich so schnell als möglich in ein Versteck. Dieser hier sucht sich eine unserer Plasticboxen neben unserem Frühstückstisch aus und als wir diese nachher anheben, bin ich schon bereit für das Foto.

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Nun zischt der Skorpion schnell zum nahen Kameldornbaum, was aber von dieser schönen Echse sofort bemerkt wird. So etwas haben wir noch nie gesehen; die Echse kennt gar nichts und attackiert den Skorpion blitzartig. Dieser sticht nicht einmal zu und verzieht sich so schnell er kann in einem Rindenloch.

Kurz vor Elf sind wir Abfahrbereit und so begeben wir uns wieder auf Pad. Es geht weiter gen Süden, der Tag ist schön und die Laune gut. Auf etwa der Hälfte der Strecke liegt Betta, ein winzig kleiner Ort mit ein paar Farmhäuser, einer Tankstelle und einem wirklich kleinen Minishop. Dort halten wir kurz an und stocken unsere Wasservorräte auf. Dann geht es aber gleich weiter und wir biegen auf die D707 ein, oft als die schönste Strasse Namibias bezeichnet.

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An der D707 in den Tirasbergen.

Und ja, es ist mit Sicherheit eine der schönsten Strecken hier. Rote Sanddünen schmiegen sich an aus der ferne Schwarz schimmernde Berge, riesige Ebenen erstrecken sich über anscheinend endlose Weiten mit einsam dastehenden Akazien drauf. Die Hitze flimmert und manches Mal wirkt es aus der Distanz, als liege ein flacher See dort.


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Nach einer Weile erreichen wir das Farmtor zur Koiimasis Ranch, unserem heutigen Tagesziel.

Die Farm ist so riesengross, dass alleine die Zufahrt zum Farmhaus und Campsite 20km lang ist. Für uns einfach unvorstellbare Grössenverhältnisse. Aber kein Wunder, bei solch spärlichem Bewuchs braucht das Vieh natürlich viel mehr Weidefläche und dementsprechend riesig sind die Farmen auch hier in Namibia. Man stellt sich vor, wie das damals gewesen sein muss, als die weissen Siedler sich dieses Land genommen und hier Farmen aufgebaut haben. Und heute verdienen sie sich mit dem Gästebetrieb natürlich etwas dazu, es gibt auch eine Lodge hier.

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Auf dem Farmgelände der Koiimasis Ranch.

Wir fangen an, uns einzurichten, spannen dann aber doch erstmal die Hängematten auf und machen ein wenig Pause. Als der Schatten der Berge unsere Campsite erreicht, baue ich mein Bodenzelt auf. Beziehungsweise will es aufbauen. Schock! Es fehlen zwei Zeltstangen…

So sehr ich mich beim Zeltabbau auf die Skorpione geachtet habe, so wenig habe ich selbiges in Bezug auf diese beiden Stangen gemacht. Es ist nämlich so: das von unserem Autovermieter geliehene Bodenzelt hat ein Stangensystem aus Metall, die man zusammensteckt und dann wie ein Gerüst über vier Ecken spannt. Und diese Stangen sind alle mit einer Schnur verbunden, so dass beim Auseinanderstecken keine verloren gehen kann. Aber zwei davon waren uns lose mitgegeben worden und anstatt dass wir diese einmal selber mit einer Schnur wieder an den restlichen angebunden hätten, habe ich diese jeweils einfach so wieder mit eingepackt. Und ich sag beim Zusammenräumen auf der Family Hideout Campsite noch so: «Hmmm, wo sind denn jetzt die anderen zwei Stangen? Na, dann werde ich sie wohl schon mit den anderen zusammen in die Zelttasche gepackt haben». So kann man sich täuschen.

Nun also stehen wir, also vor allem ich, ziemlich dumm da. Und ich werde für einen Moment echt wirklich sauer. Also so richtig angepisst. Mann, was kann ich mich darüber ärgern! Das führt dann auch dazu, dass mein Bruderherz mir «befiehlt», sofort in meine Laufklamotten zu steigen und eine Runde zu drehen. Das mache ich dann auch tatsächlich und kann mich dabei bestens wieder abreagieren. Da schon nach 17 Uhr ist, ist auch keiner mehr am Farmhaus/ Reception erreichbar, wo wir allenfalls nach Hilfe für unser Zeltstangenproblem hätten fragen können.

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Auf den Felsen direkt um unsere Campsite (Nr 3 haben wir uns übrigens ausgesucht; diese hat auch tagsüber etwas schatten und für Hängematten-Liebhaber bieten sich gute Möglichkeiten zum Aufspannen) wuseln auch ständig Rock Dassies herum. Wie es scheint, werden sie von «netten» Touristen auch immer mal wieder angefüttert, anders können wir uns jedenfalls nicht erklären, dass sie fast jegliche Scheu vor uns verloren haben.

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Denn das erlaubt mir dann auch eine solche Portraitaufnahme aus ein paar wenigen Metern Entfernung.

Es ist nebenbei bemerkt aber auch eine wunderbare Laufrunde, denn es gibt über das Farmgelände einen schönen Rundwanderweg. Im schönsten Abendlicht ballere ich da also so durch die Gegend und scheuche dabei noch einen armen Steinbock auf, der in Panik vor mir davongaloppiert sowie eine grössere Herde Springböcke, die ebenfalls das Weite suchen.

Zurück auf der Campsite verschieben wir die Beratschlagung auf Morgen und widmen uns dann gescheiter wieder angenehmerem zu, nämlich dem Abendmahl. Wir haben noch einen Resten an Bolognese über und machen die mit Penne zusammen warm. Dazu einen Gurkensalat und in Butter gedünstete Karotten. Das schmeckt dann auch sehr gut und mit vollem Bauch und meiner Bettdecke lege ich mich in die Hängematte - aufgrund des Zeltstangendramas für heute auch meine Ruhestätte.


Tageskilometer: 157km
Gesamtreisezeit: 3h
Tageshöchsttemperatur: 36° C

Teil 1106. Mai 2018

Sonntag, 21. Januar 2018
Koiimasis - (NamibRand Family Hideout) - Maltahöhe


So eine Hängematte ist ja wirklich eine tolle Sache, um ein paar Stunden abzuhängen, aber eine ganze Nacht drin schlafen dann doch eine ganz andere. Zumal es ausnahmsweise auch Mücken gab, die mich mit ihrem grellen Surren und fiesen Stichen plagten. Dementsprechend etwas gerädert wache ich auf.

Nach dem Morgenkaffee latsche ich den Kilometer zur Farm rüber und ersuche um Rat oder Hilfe betreffs das Zeltstangenmassakers. Die gute Dame des Hauses ist aber nicht sehr hilfsbereit und will mir stattdessen ein Zimmer andrehen angesichts der Tatsache, dass ich ja über kein nutzbares Zelt mehr verfügen würde. Oder ob uns vielleicht ein abgesägter Besenstil zu Hilfe kommen könnte? Das lehne ich dann dankend ab und gehe unverrichteter Dinge wieder zum Bruder zurück. Diesem lege ich die Fakten dar und wir beschliessen, was sich ohnehin schon abzeichnete: wir fahren zurück zum Family Hideout und holen uns die Scheissdinger halt wieder. Eine Überlegung wäre noch gewesen, in Keetmanshoop, wo wir ohnehin vorbeikommen würden, nach einem Laden für Campingbedarf Ausschau zu halten. Aber dass dieser dann über genau die benötigten Ersatzteile für diese Art von Zelt verfügen würde, wäre doch eher der Kategorie Glückstreffer zuzuordnen. Also ändern wir unseren Plan und fahren zurück und dann noch weiter ostwärts bis Maltahöhe, einem kleinen regionalen Versorgungsstädtchen. So könnten wir dann am nächsten Tag auf guter Teerstrasse bis Keetmanshoop und zum Köcherbaumwald durchfahren, wo wir halt einfach einen Tag eher als geplant aufschlagen würden.

So ist das halt bei uns - es wäre was ganz Neues gewesen, einmal eine Tour von A bis Z wie geplant durchzuführen. Wir nehmen es locker und mit Humor, der Ärger von gestern Abend ist ja ohnehin schon längst verraucht.

So packen wir nach dem Frühstück zusammen und rollen um 11 Uhr wieder vom Hofe. Weil 11 Uhr eine Stunde nach Checkout-Zeit sei, müsse man uns leider zwei Nächte berechnen und wir hätten ja ohnehin schon fest gebucht. Da zeigt man sich unserer Ansicht nach etwas sehr unflexibel, aber wir haben null Bock auf Diskussionen und bezahlen zähneknirschend.

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Unterwegs zwischen Tirasberge und NamibRand.

Die Strecke kennen wir jetzt ja, dennoch lassen wir uns nicht hetzen und halten auch dann und wann für ein Foto.

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In der Namib gibt es durchaus auch Farmen, wie an den Zäunen unschwer zu erkennen ist.

Am frühen Nachmittag sind wir wieder beim Hideout und eine doch ziemlich erstaunte Arbeiterin, die uns schon zwei Tage zuvor empfangen hat, kommt uns entgegen. Ich erkläre unser Dilemma und sie lacht und deutet auf einen Bakkie direkt neben uns, auf dessen Ladefläche sich Mülltüten und sonstiger Gerümpel stapelt. Wir seien «lucky guys», meint sie. Morgen würden sie den Müll wegbringen und die Stangen sind auch tatsächlich schon dort drin deponiert, sie hätte sie beim Aufräumen und Putzen unserer Campsite im Sand liegend gefunden. Was sind wir froh!

An der Kreuzung gleich nach dem Eingang zum Family Hideout biegen wir links ab und damit für heute auch wieder auf eine noch unbekannte Strecke. Nach etwa 50km fängt die Landschaft an sich zu verändern und die Pad steigt merklich an. Wir fahren die Schwelle ins Hochland von Namibia wieder rauf über einen kleinen Pass, vorbei an beeindruckenden Tafelbergen.

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Tafelberglandschaft an der D830.

Es wird auch zunehmend grüner und an einigen Stellen am Pistenrand gibt es noch sichtbar ausgewaschene Stellen - es hat also etwas geregnet in letzter Zeit. Über uns hängen für einmal auch etwas dichtere Wolkenfelder und ein paar wenige Regentropfen berühren zaghaft unsere Windschutzscheibe.

Dann kommen wir nach Maltahöhe, ein wirklich trostloses Kaff irgendwo im Nirgendwo. Eine Hauptstrasse, eine Kirche, zwei, drei kleine Läden - die aber wegen des Sonntags eh geschlossen haben -, eine Polizeistation und fast keine Menschen sind hier unterwegs.

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Wie in einem Roadmovie - Tankstelle in Maltahöhe.

Das “Hotel Maltahöhe” ist schnell gefunden und wir sind vorerst auch die einzigen Gäste. Ein kurliger Ort ist das, in der Bar und im Restaurant hängen überall Bilder, Flaggen und Texte aus der Südwester-Zeit. Als ich dann oben an der Decke die Reichskriegsflagge ausmache, denke ich mir so meinen Teil. Aber die Leute sind nett und das Zimmer für eine Nacht absolut ausreichend. Einfach und sauber, mehr brauchen wir ja auch gar nicht.

Nach einer erfrischenden Dusche gehen wir in die Bar und kredenzen uns einen Rock Shandy und bestellen das Abendessen. Hernach setzen wir uns noch in den Garten und lassen den Tag bei einer Partie «Yatzy» und einem Bierchen - es gibt sogar auch Erdinger Alkoholfrei hier - ausklingen.


Tageskilometer: 265km
Gesamtreisedauer: 5h 10min
Tageshöchsttemperatur: 36° C

Teil 1211. Mai 2018

Kapitel 7
Von Bäumen, die keine sind, Vogelgezwitscher und einem Forum-Treffen


Montag, 22. Januar 2018
Maltahöhe - Mesosaurus Fossil Bush Camp

An einem der ersten Tage unserer Tour haben wir ein Motto ausgegeben: «immer das Positive sehen!». Und drum: zwischendurch in einem richtigen Bett zu schlafen hat eben schon auch was. Wir stehen früh auf und gehen um 07:30 Uhr zum Frühstück. Das verdient keine Bestnoten, ist aber sonst ganz okay. Eine Stunde später sind wir abfahrbereit, biegen um die Ecke zur Tanke und lassen volllaufen und die Reifen auf asphaltgeeignete 2.2 Bar aufpumpen.

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Denn ab Maltahöhe bis Keetmanshoop haben wir eine aalglatte Teerstrasse vor uns. Tempomat auf 120km/h einstellen und los gehts. Selbst auf der B1, der Hauptverbindungsachse von Nord nach Süd, herrscht verhältnissmässig sehr wenig Verkehr und so kommen wir flott voran und rauschen fast ohne Pause in knapp drei Stunden durch.

«Keetmans» ist eine wichtige Stadt im Süden, aber trotzdem ebenfalls ein ziemlich trostloses Kaff. Irgendwie können wir uns mit diesen schäbigen Städtchen einfach nie so recht anfreunden. Aber egal, wir bekommen alles, was wir brauchen, fahren von Laden zu Laden, lassen noch eine der Gasflaschen auffüllen und essen in einem Fastfoodschuppen bei der Shoprite-Mall eine Kleinigkeit zu Mittag und dann fahren wir wieder raus in den Busch. Gut 40km sind es bis zum Mesosaurus Fossil Bush Camp.

Die Gegend hier ist bekannt für ihre Köcherbaum-«Wälder» und absonderlichen Gesteinsformationen. Die Köcherbäume, die eigentlich gar keine Bäume sind sondern Aloen und damit eine Sukkulentenart, haben ihren Namen daher, dass die San (Buschmänner) tatsächlich die hohlen Äste als Pfeilköcher verwendeten. Auf dem Gelände der Farm, auf der die Campsite steht, wurden etliche versteinerte Dinosaurier, eben Mesosaurus, gefunden.

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Bezaubernde Landschaft mit dem typischen Doloritgestein und den Aloen, direkt an der Campsite.

Als wir ankommen, ist zunächst keiner da, aber wir müssen nur ein paar Minuten warten, bis Giel, der kurlige Besitzer, auftaucht. Er war gerade in der Stadt und hat auf seinem Bakkie einen neuen, riesigen Kühlschrank geladen. Voller Stolz erzählt er uns, dass er sich diesen und einen Flachbildfernseher gekauft habe. Er ist ein echtes Unikat, kantig aber sehr herzlich und unkompliziert. Wir sollen einfach auf die Campsite fahren und es uns gemütlich machen, alles andere regeln wir dann schon.

Die Campsite selber liegt etwa 4km abseits der Farm im Gelände, in so etwas wie einem kleinen Tal zwischen Steinhügeln und umgeben von hunderten von Köcherbäumen und wie von Riesenhand aufeinandergeschichteten Steinhaufen. Es gibt ein einfaches Klo- und Duschhaus, pro Stellplatz eine Feuerstelle und bei zwei Kameldornbäumen riesige Webervogelnester.

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Unser Lager auf der Mesosaurus Fossil Bush Campsite, im Baum in der Mitte ist das grosse Nest zu sehen.

Die Siedelweber sind wahre Meister der tierischen Architektur und bauen sich für Kolonien von hunderten von Vögeln riesige Nester in vorzugsweise flach herausragendes Geäst, manchmal so gross, dass die Äste irgendwann das Gewicht nicht mehr halten können und runterkrachen.

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Sociable Weaver / Siedelweber. Die Vögel hier scheinen sich sehr an die Anwesenheit von Menschen gewöhnt zu haben, dass sie mich mit dem Makro bis auf wenige Zentimeter an ihr Gesicht ranlassen. «Gwunderig» inspizieren sie meine Kamera und hoffen wohl auch auf einen Krümel von mir.

Hier gefällt es uns ausnehmend gut und wir sind froh, morgen mal wieder einen autofreien Tag vor uns zu haben. Wir richten uns ein, chillen rum und würfeln eine Partie. Als die Sonne tiefer steht, streiche ich ein wenig durch die Felsen und Bäume und mache mit diesem fantastischen Licht ein paar Fotos.

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Währenddessen entfacht Beenie ein Feuer und wir bereiten das Abenessen vor. Heute auf der Speisekarte: Sirloin Steak in einer Chili-Knoblauch-Marinade, Folienkartoffeln mit Schmatze, gegrillte Zwiebeln und Salat.

Pappsatt begeben wir uns in unsere Zelte und ich versuche, noch ein paar Seiten zu lesen. Da scheitere ich auch heute grandios und die Zelen im Buch fangen wieder schnell an zu verschwimmen.


Tageskilometer: 376km
Gesamtreisedauer: 7h 25min
Tageshöchsttemperatur: 34° C

Teil 1311. Mai 2018

Dienstag, 23. Januar 2018
Mesosaurus Fossil Bush Camp

Aus unseren Zelten raus beobachten wir halbwach einen fantastischen Sonnenaufgang. Bei Familie Weber im Baum nebenan ist auch schon Hochbetrieb, es ist ein Geträllere und ein Geflattere, dass es eine wahre Freude ist. Hier ist es tatsächlich aber mal ein wenig frisch so am frühen Morgen.

Nach dem Kaffeeritual schnappen wir unsere Kameras und Ferngläser und spazieren ein wenig in den Felsen und Bäumen herum auf der Suche nach Schlangen und Echsen oder Vögeln. Aber sehr erfolgreich sind wir nicht gerade. Eine oder zwei Agamen können wir entdecken, Schlangen aber sind sehr viel schwieriger auszumachen. Da müsste man sich natürlich auch besser auskennen, ihr Verhalten und ihre Verstecke erahnen, aber dieses Wissen haben wir nicht und unter irgendwelche Steine zu gucken trauen wir uns dann auch nicht unbedingt.

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Beenie versucht sich mit dem Makro ebenfalls an Nahaufnahmen.

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Scaly-feathered Finch / Schnurrbärtchen

Den Rest des Vormittags und den frühen Nachmittag machen wir Urlaub. Entweder sitzen wir unter dem Siedelwebernest und beobachten das Treiben der kleinen Kerle, legen uns ins Zelt zum Lesen oder Dösen.

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Gar nicht so einfach, mal einen der Webevögel beim Rein- oder Rausflattern aus dem Nesteingang zu erwischen, auch wenn man stundenlang drunter hockt und die Kamera im Anschlag bereit hält.

Irgendwann am Nachmittag dann kommt ein Auto angefahren - wir bekommen Besuch! Es sind nicht etwa einfach andere Gäste sondern aus dem Gefährt steigt Matthias. Wir haben uns mit ihm verabredet, da sich unsere Wege hier kreuzen würden. Bisher kannten wir uns lediglich virtuell aus dem Forum hier und als wir mal herausgefunden hatten, dass wir zur gleichen Zeit unterwegs sein würden, haben wir unsere Routenpläne abgeglichen und dann eben hier ein Treffen ausgemacht. Matthias ist wie wir ein schon ziemlich alter Hase und begeisterter Birdwatcher. Schnell tauschen wir die neuesten Neuigkeiten aus dem Busch aus - er kommt gerade aus dem Kalahari Transfrontier Park, wo wir dann morgen hinwollen. Unter Gleichgesinnten kann es schnell gehen, wir verstehen uns jedenfalls auf Anhieb bestens und verquatschen den ganzen Nachmittag bis in den Abend hinein.

Aber auch heute ist das Abendlicht wieder fantastisch und wir stolpern dann noch ein wenig zwischen Steinen und Köcherbäumen umher, um ein paar Fotos zu schiessen.

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Währenddessen brutzelt auf dem Gaskocher stundenlang ein Beef Stew vor sich hin, auf das wir Matthias einladen.

Vorher aber gibt es noch einen «Sundowner». Nach Sonnenuntergang ist die Stimmung besonders schön mit dem bläulich und rosa schimmernden Lichtschein am Horizont und den dunklen Silhoutten der Köcherbäume.

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Matthias offeriert Beenie einen Drink:

«Beenie, magst du auch einen Gin Tonic?»
«Na klar, es ist ja jetzt auch PGTL!»
«Bitte, was?»
«Perfect Gin Tonic Light!»

😁

Das Abendessen schmeckt mal wieder vorzüglich und auch jetzt gehen uns die Gesprächsthemen nicht aus. Wir bleiben noch eine Weile sitzen, dazwischen bereite ich noch ein Sternen-Foto vor. Da der Mond inzwischen schon recht hell geworden ist und erst nach 23 Uhr untergeht, stelle ich mir den Wecker auf 3 Uhr in der Früh und stehe dann auch tatsächlich nochmals auf.

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Tageskilometer: 0km
Tageshöchsttemperatur: 33° C

Teil 1413. Mai 2018

Kapitel 8
Eigentlich seid ihr ja eh nur wegen den Tierfotos hier: ab in die Kalahari!

Mittwoch, 24. Januar 2018
Mesosaurus Fossil Bush Camp - Kalahari Transfrontier Park (Mata Mata Restcamp)

Bevor wir zusammenräumen und weiterfahren, sitzen wir noch gemütlich bei einem Kaffee mit Matthias im Schatten. Dann bauen wir langsam ab und gegen halb Zehn verabschieden wir uns.

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Abschieds-«Selfie» (klassisch mit Stativ und Selbstauslöser - wie früher) vom so netten Forum-Treffen. Jederzeit gerne wieder, lieber Matthias!

Vorne an der Rezeption halten wir noch einen Schwatz mit Giel. Das ist auch einfach ein feiner Kerl und er hat sichtlich Freude daran, dass wir schon zum zweiten Mal nach 2013 bei ihm zu Besuch waren.

Zunächst geht es noch durch ödes, weites Flach- und Farmland, dafür auf teilweise frisch geglätteter Piste. Wir kommen gut voran und schon bald erheben sich in der Ferne die ersten roten Dünen der Kalahari. Wie auf Wellen geht es auf eine Düne hoch, hinunter ins Tal und gleich wieder hoch.

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Eine auch sehr spektakuläre Strecke in Namibias Südosten. Genuss pur in den so typisch roten Kalahari-Dünen. Auf der ganzen Fahrt begegnen uns vielleicht zwei andere Autos. Purer Genuss!

Wohl hunderte Dünentäler durchfahren wir so, bis wir schliesslich ins Auob-Tal einbiegen und diesem dann bis an die namibisch-südafrikanische Grenze und zum Parkeingang von Mata Mata folgen.

Die Ausreise aus Namibia ist unkompliziert und in Rekordzeit erledigt, wir sind gerade die einzigen. Direkt hinter dem Grenzposten liegt auf südafrikanischer Seite das Mata Mata Restcamp. Es gibt einen Campingplatz, Bungalows, eine kleine Tankstelle und einen Shop, wo man Feuerholz, Getränke, Fleisch aus der Gefriertruhe, Dosenfood und sonstiges Kleinzeugs kaufen kann. Wir checken für die nächsten beiden Nächte hier ein und suchen uns einen Stellplatz aus. Ein netter Nachbar aus Südafrika leiht uns für das Einschlagen der Hering seinen Gummihammer aus und seine Frau macht uns dann darauf aufmerksam, dass im grossen Baum gleich neben dem Shop eine Ginsterkatze mit zwei Jungen liegen würde. 🤩 Wir natürlich nichts wie hin und wir können die drei auch tatsächlich gleich entdecken.

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Mama Ginsterkatze

Achtung Jööö-Alarm!:

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Baby Ginsterkatze

Diese kleinen Jäger sind eigentlich gar keine Katzen, haben aber, wie der Name sagt und man sieht, ein katzenähnliches Aussehen und sind wenn, dann vor allem Nachts zu beobachten. Tagsüber verstecken sie sich meist in Erdlöchern oder Baumhöhlen und so ist es natürlich schon sehr ausserordentlich, dass wir sie in dieser Umgebung beobachten dürfen.

Nun gönnen wir uns eine Abkühlung im campeigenen Pool - das hat natürlich schon auch was, so mitten in der Halbwüste bei 37° C im Schatten. Aber frag mich nicht, wie die das mit dem Wasser hier machen, denn das ist natürlich ein rares Gut.

Gegen halb fünf Uhr machen wir uns dann auf unseren ersten Gamedrive dem Auob-Tal entlang. Wir stellen fest, dass es grösstenteils noch immer sehr trocken ist, nur an einzelnen Stellen scheint es kürzlich etwas wenig Regen gegeben zu haben. Im flachen Talboden gibt es da und dort ganz frisch spriessendes Gras. Dementsprechend ist sehr wenig Wild anwesend. Hier mal ein paar Springböcke, da ein, zwei Oryx. Nur die Giraffen, die sind wie immer ortstreu, denn die Kameldornbäume haben immer Blätter, von denen sie essen können.

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Gaaanz schwieriges Motiv für mich und nach diesem Bild habe ich es so gut wie aufgegeben, Giraffen zu fotografieren. Giraffenkopf vor blauem Himmel-HIntergrund schon eine Million mal gesehen, funktioniert aber einfach nicht. Zeige es aber trotzdem mal.

Sonst sehen wir nicht sehr viel, ein paar Vögel sind zu bestimmen, darunter auch eine Verraux’s (Giant) Eagle Owl und gegen Ende unserer Pirschfahrt sehen wir ein oder zwei Autos am Wegesrand stehen. Immer ein Zeichen, dass etwas spannendes zu sehen ist. Und da sehen wir etwa 50 Meter von der Piste entfernt doch tatsächlich eine Löffelhundmama mit drei Jungen bei ihrem Bau! Die drei kleinen spielen und fressen und tollen etwas herum, für ein annehmbares Foto kommen wir aber leider nicht nah genug heran.

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Verreux's (Giant) Eagle Owl / Milchuhu - mit seinen rosa Augenlidern unverwechselbar. Einfach ein toller Vogel!

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Pale Chanting Goshawk (juv.) / juveniler Singhabicht - auch genannt «Kalahari Chicken»

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Eine Agame (wie heissen die schon wieder genau?) sonnt sich in der Abendsonne

Aber immerhin! Beim letzten Besuch vor zwei Jahren haben wir mal auf einer organisierten Nachtpirschfahrt Löffelhunde gesehen, ansonsten aber noch nie das Glück gehabt. Wir sind zufrieden und fahren zurück zum Camp. Weil wir etwas weit gefahren sind, müssen wir uns etwas sputen und wir erreichen das Tor auf die Minute pünktlich zur «Gate closing time».

Zum Abendessen machen wir uns einen Nudelsalat und legen uns zwei schöne Steaks auf den Grill. Da zu dieser Jahreszeit die Parktore erst um 19:30 Uhr schliessen, wird es recht spät, bis wir essen, und so geht es mehr oder weniger direkt nach dem Abendmahl in die Heia.


Tageskilometer: 285km (Gamedrive #1: 68km)
Gesamtreisedauer: 3h 30min
Tageshöchsttemperatur: 37° C

Teil 1517. Mai 2018

Donnerstag, 25. Januar 2018
KTP (Mata Mata Restcamp)

Der Wecker klingelt um fünf und um zehn nach stehen wir auf, brühen einen Kaffee für die Thermobecher und los geht es auf den Gamedrive. Die Parktore werden um 05:30 Uhr geöffnet zu dieser Jahreszeit und man kann so direkt mit der aufgehenden Sonne rausfahren. Noch ist sie gerade unter dem Horizont und im grauen Licht sehe ich, nur ein paar hundert Meter nach dem Tor, etwas von der Piste links ins Gras weghuschen. Zuerst denke ich an Schakale, aber auf den zweiten Blick sehen wir, dass das vom Gang her nicht sein kann und dann erkennen wir auch gleich, dass es sich um zwei Wildkatzen handelt! Sie sind aber flink und so schnell verschwunden, wie sie in unser Blickfeld geraten sind, so dass es auf ein Foto keine Chance gibt.

Nur eine oder zwei Minuten später sehen wir zwei Löffelhunde im Gebüsch davon huschen. Na, das lässt sich ja schon mal gut an. Als wir an das erste Wasserloch heranfahren, sehen wir schemenhaft ein Tier am Trinken. Es ist eine einzelne Tüpfelhyäne. Wir halten an und beobachten sie eine Weile. Sie ist ganz gelassen, trinkt immer etwas, schaut sich in der Umgebung um, trinkt wieder, läuft einen oder zwei Meter weg, nur um dann wieder zum Wasser zurück zu kehren. Beenie meint dann plötzlich: «Schau, was ist das da hinten?». Wir zücken die Ferngläser und dürfen mit Freuden feststellen, dass es sich um eine Braune Hyäne handelt. Na, das lässt sich ja wirklich sehr gut an! Sie steht gut 100 oder mehr Meter vom Wasserloch entfernt und beobachtet die Tüpfelhyäne ganz genau, traut sich aber nicht näher ran. Ganz offensichtlich will sie auch zum Trinken, aber eine Konfrontation ist eher nicht in ihrem Sinne. Sie wartet lange ab und trottet dann langsam über die Düne davon.

Die Tüpfelhyäne seinerseits ist inzwischen fertig mit ihrem Frühschoppen und macht zuerst Anstalten, von uns weg ebenfalls über die Düne zu ziehen. Doch dann dreht sie um und läuft uns entgegen genau in das nun gerade einfallende Sonnenlicht und es gelingt mir ein ganz annehmbares Bild von ihr.

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Wir fahren weiter dem Auob-Tal entlang und klappern diverse Wasserlöcher ab. Es hat auffallend wenig Wild, was aber nicht sehr verwunderlich ist, denn es ist wirklich sehr trocken.

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Black-shouldered Kite / Gleitaar

Wir werden dann aber doch noch verwöhnt - und wie! Ein Auto stoppt neben uns und eine Schweizer Familie, die auch auf der Campsite war, fragt uns, ob das gerade eben Löwengebrüll war von da drüben. Wir so; äh, Löwengebrüll? Doch im selben Moment hören wir es auch. Ja, das ist Löwengebrüll! Ein paar hundert Meter weiter vorne treffen wir sie dann auch gleich; zehn Katzen ziehen über die Talebene nordwärts, es sind drei vier Weibchen und sechs halbwüchsigen Jungtiere (eine der Damen ist auf dem Foto nicht zu sehen).

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Gerade befinden wir uns auf einer geteilten Piste, die weiter vorne wieder zusammen kommt. Also wollen wir zur Weggabelung vorfahren, um dann auf der anderen Talseite mit den marschierenden Löwen «mitzufahren». Auf dem Weg dorthin hören wir wieder Gebrüll, von der Frauengruppe kommt das aber nicht. Und schon rückt auch ein mächtiger Löwenmann an, den wir aber nur kurz beobachten können. Noch etwas weiter vorne taucht gleich noch einmal ein Männchen auf und brüllt nur ein paar Meter neben uns. Mittlerweile sind wir von anderen Fahrzeugen eingekeilt, der Mähnenlöwe passiert zwischen den Autos unbekümmert die Piste und entschwindet wieder im Busch.

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Nun also setzen wir unser Vorhaben in die Tat um und fahren zur Weggabelung. Aber wir werden wieder aufgehalten: eine Wildkatze huscht durch das Unterholz.

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Die ist aber dann schnell wieder weg. Nun können wir bei der Weggabelung drehen und haben das Löwenrudel auch rasch wieder eingeholt. Immer mehr Fahrzeuge machen dasselbe wie wir und als dann bald mal sieben oder acht Autos vor uns rumstehen und um die Löwen rangieren, wird es uns zu blöd und wir drehen wieder um.

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Eine der Chefinnen geht immer voraus, aber nie zu weit, um im Blick zu haben, was ihr Gefolge so treibt und alle in Sicherheit sind.

Zwanzig Minuten später hält uns ein Italiener an und macht uns auf zwei weitere Löwen aufmerksam. «There are-e two Lion ova di hill! Giraffa looka di Lion!». Und so ist es dann auch, ein Männchen und ein Weibchen liegen unterhalb des Dünenkamms im Schatten, in etwas Abstand ein paar Giraffen, die ihnen gebannt entgegen blicken.

Unweit von dort befindet sich der Bau der Löffelhunde, die wir gestern schon gesehen haben. Sie sind immer noch da, bewegen sich aber wirklich nur im direkten Umkreis ihres Heimes und sind daher immer noch zu weit weg für ein Foto.

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Am «Auchterlonie Kamqua»-Picknickplatz machen wir eine kurze Müsli-Pause.

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Fork-tailed Drongo / Trauerdrongo - für mich ein heimlicher Star der Kalahari und ein oft gesehener, aber schwer fotografierbarer Vogel.

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Agame - nur welche genau?

Dann geht es auf den langen Weg zurück. Es ist jetzt nichts mehr los, die Sonne steht schon hoch und die Tiere verziehen sich in den Schatten. Hier und da bestimmen wir einen Vogel, vereinzelt stehen Gnus oder Oryx unter einer grossen Akazie, Springböcke zupfen Treiblinge. Eine nette Dame in einem entgegenkommenden Auto erzählt uns, dass sich das Löwenrudel nun am «Craig Lockhard»-Wasserloch befände. Als wir dort ankommen, liegen sie tatsächlich allesamt inklusive dem einen Männchen unter dem riesigen Baum am Wasserloch. Rund um den Baum kann man das Auto parken und auf das Wasserloch gucken, auf diesem Platz aber liegen nun elf wunderschöne Löwen und machen das, was Löwen am meisten tun: Pennen. Eine der Löwinnen liegt nur etwa vier Meter neben uns und wir können beobachten, wie schnell und heftig sie bei dieser Hitze atmen. Wir nehmen an, dass das Rudel hier den ganzen Tag liegen bleiben würde und fahren drum zurück ins Camp.

Es ist brüllend heiss und wir hüpfen daher gleich mal in den Pool. Danach ist Hängematten-Chillout angesagt und wir ruhen etwas unsere Augen aus.

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Viel Hängematte aber zu wenig Baum? Was nun? Ein Chillout-Profi weiss sich eben zu helfen. Wo Problem?

Der heisse Wüstenwind schiebt eine Gewitterzelle vor sich her und am Himmel türmen sich riesige Wolken. Es kommen bei uns aber nur gerade ein paar wenige Tropfen runter, später sehen wir weit im Osten am Horizont, wie es abregnet.

Nach vier Uhr fahren wir wieder zum Wasserloch und wie vermutet sind unsere Kumpels immer noch da.

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Zwischendurch bewegen sie sich sogar ein wenig und einmal, wie auf ein stilles Kommando, gehen alle nach und nach zum Wasserloch zum trinken. Sie flätzen sich dann aber gleich wieder hin und einige der Katzen versichern sich der gegenseitigen Zuwendung, indem sie lange und alle miteinander schmusen. Ein herrliches Bild.

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Im Seitenspiegel auf meiner Seite sehe ich plötzlich eine Bewegung und realisiere, dass sich vier Giraffen dem Wasserloch genähert haben. Sie stehen vielleicht 30 Meter von den Löwen weg und starren diese unentwegt an. Sie zögern, kommen zwischendurch aber doch ein paar Schritte näher, drehen dann aber wieder ab und starten einen neuen Versuch. Es ist offensichtlich, dass sie sich nicht trauen, der Durst aber ist wohl einfach stärker. Mindestens eine halbe Stunde lang geht das so, am Ende entschliessen sich die Langhälse aber trotzdem für den Rückzug.

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Für Fotografen sind Giraffen ja echt ziemlich schwierig. So sage ich zu Beenie im Scherz: «Giraffen sind einfach zu gross, deren Scheissköpfe sind auf den Fotos einfach immer im Himmel!»

Nach fast drei Stunden am Wasserloch haben wir Stalldrang und fahren wieder zurück. Wir kochen uns Salzkartoffeln mit weissen Bohnen und stellen beim Essen fest, dass so ein Gamedriver-Leben schon sauhart ist mit der ewigen Rumkurverei, Fotografiererei, Gegendabsucherei und so. Deshalb sind wir schlapp wie Fabrikarbeiter und hauen uns mehr oder weniger wieder direkt vom Tisch weg aufs Ohr.


Tageskilometer: 155km (Gamedrive #2: 121km, Gamedrive #3: 34km)
Tageshöchsttemperatur: 37° C

Teil 1627. Mai 2018

Kapitel 9
Von Gewitterstürmen und magischen Abenden in der Kalahari

Freitag, 26. Januar 2018
Mata Mata Restcamp - Rooiputs Campsite

Aufstehen, Camp abbauen, losfahren. Heute ziehen wir um auf die Rooiputs Campsite auf der botswanischen Seite des Parks und im Nossob-Tal gelegen. Also nutzen wir die Fahrt von Mata Mata bis zum Twee Rivieren Restcamp und Grenzstation ganz im Süden natürlich gleich auch als ausgedehnten Gamedrive. Kurz nach sechs Uhr sind wir abfahrbereit und tuckern los.

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Ein Schabrackenschakal zeigt sich im allerbesten Morgenlicht

Schon nach kurzer Zeit sehen wir wieder Löffelhunde an einem Bau. Es sind drei andere Tiere, aber wieder eine Mutter mit drei Jungen.

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Nein, ich habe mich nicht verzählt. Aber auf dem Bild (Ausschnittsvergrösserung) sind zwei der Löffelhundekids zu sehen. Zucker!

Beim «Craig Lockhard» sind die Löwen mittlerweile verschwunden, aber offenbar haben sie etwas geschlagen in der Nacht. Denn wir sehen ein gutes Dutzend oder mehr Schakale an den Resten eines Kadavers rumnagen und sich um die besten Stücke streiten. Sind Löwen nicht an einem Riss anzutreffen, kann man eigentlich sicher sein, dass sie weg sind, denn ansonsten würden sie ihn natürlich verteidigen. Das Rudel dürfte demnach satt geworden sein, es handelte sich wohl um ein Gnu oder eine Oryx.

Wir witzeln, dass dieses Hufgetier eigentlich schon arg blöd sei, denn die Löwen sind ja den ganzen Tag und Abend an dem Wasserloch rumgelegen. Man könnte daher meinen, die Beutetiere hätten mehr als genug Zeit gehabt, sich aus dem Staub zu machen. Aber nein! 😉

Den Rest der Fahrt sehen wir praktisch nichts mehr. Nur etwas Wild, darunter zum ersten Mal auch Kuhantilopen und natürlich wieder einige Greifvögel. Einmal wundere ich mich und frage meinen Bruder rhetorisch, ob hier neuerdings eigentlich auch alle Geier ausgestorben seien. Zehn Minuten später sehe ich dann aber doch einen einzelnen im Baum hocken, ein paar hundert Meter weiter noch einen zweiten.

In Twee Rivieren tanken wir voll (ganze 136l lassen wir in den 155l-Doppeltank füllen), kaufen Feuerholz im Shop und fahren dann noch rüber zum Grenzposten, um in Botswana einzureisen. Die Regeln in diesem Transfrontierpark erlauben es, dass man nicht in Südafrika einreisen muss, auch wenn wir uns zeitweise auf Boden dieses Landes aufhalten. Entscheidend ist einfach, in welches Land man reinfährt, wenn man den Park wieder verlässt. Die Formalitäten sind superschnell erledigt und so sind wir bereits um die Mittagszeit auf Rooiputs, das nur etwa 25km von Twee Rivieren entfernt liegt.

Anders als in den südafrikanischen Camps gibt es hier keinerlei Zäune und man ist also mitten in der freien Natur. Es ist aber fürchterlich heiss heute und etwas düppig, von Westen her ziehen wieder Gewitterwolken auf. Daher spannen wir erstmal lediglich die Hängematten unter das auf der Campsite vorhandene Schattendach und machen für ein paar Stunden einen auf Löwe.

Auf dem Abendgamedrive fahren wir zunächst bis zum Wasserloch «Kij Kij». Dort haben wir schon oft Löwen gesehen, bis auf ein paar Springböcke ist heute aber sonst keiner da. Dafür kommt eine riesige schwarze Wand auf uns zugerollt und dann geht ein kurzes, aber umso heftigeres Gewitter über uns nieder. Innert weniger Minuten kühlt es von weit über 30 bis auf 18° C runter. Von der einen Seite scheint noch die Sonne rein, so dass wir auch noch einen schönen Regenbogen bewundern können.

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Die schwarze Wand rollt auf uns zu. Das sieht ziemlich gefährlich aus, dafür ist die Stimmung umso eindrücklicher!

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Dann schüttet es für ein paar Minuten wie aus Kübeln, die Springböcke scheinen das Weite suchen zu wollen.

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Nach dem Sturm ist es gespenstig ruhig und die Ebenen haben sich sofort mit Wasser gefüllt.

Wir fahren noch ein Stück weiter nach Norden bis nach «Melkvlei», aber es ist tiersichtungstechnisch nicht wirklich ergiebig.

Zurück auf der Campsite erleben wir einen Wahnsinnsonnenuntergang mit dramatischen Gewitterwolken, Regenschleiern und Blitzen, die aus den Wolken zucken. Eine Stimmung, wie es sie nur in Afrika gibt.

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Sobald die Dämmerung hereinbricht, fangen hunderte Bellgekos ihr eindrückliches Konzert an. Mit dem Abendhimmel, fernem Donnergrollen und immer noch knapp 30° C im Schatten ist das eine friedliche Stimmung, die wir einsaugen und wie wir sie nicht besser haben könnten.

Während dem Essen (Lamm-Steaks, Bratkartoffeln mit Zwiebeln und einem gegrillten Butternut-Kürbis) bekommen wir noch Besuch von einem unerschrockenen Kapfuchs. Der will an unsere Essenskisten, die noch grad neben uns im Sand stehen, und kommt bis auf knapp zwei Meter ran. Er schleicht sich immer wieder weg, nur um dann unvermittelt aus der Dunkelheit wieder aufzutauchen. Irgendwann hat er es aber doch satt, ständig von uns weggescheucht zu werden und zieht von dannen.

Perfekt zum Einschlafen ist noch ein paar Mal der ferne Ruf einer Spotted Eagle Owl zu hören.


Tageskilometer: 191km (Gamedrive #4: 140km, Gamedrive #5: 51km)
Tageshöchsttemperatur: 36° C

Teil 1731. Mai 2018

Samstag, 27. Januar 2018
Rooiputs Campsite - Polentswa Campsite

Eigentlich hatten wir gestern ja gehofft, dass wir Abends ausser der Spotted Eagle Owl noch ein paar andere typische Rufe der Kalahari zu hören bekommen wie zum Beispiel Löwengebrüll oder das langgezogene «Wuuuh-uh!» der Hyänen. Letzteres bekommen wir dann aber immerhin am frühen Morgen kurz vor der Abfahrt.

Eine weite Strecke liegt vor uns, wir fahren dem Nossob-Tal entlang nordwärts bis zur Polentswa Campsite, ebenfalls auf botswanischer Seite gelegen.

Am ersten Wasserloch direkt unterhalb der Rooiputs Campsite ist noch nix los, aber kurz vorm zweiten, «Kij Kij», treffen wir schon wieder auf Löwen. Es ist eine Mutter mit zwei Jungen und zuerst kauern sie alle drei am Boden und lecken irgendwas ab, vermutlich etwas salzhaltiges. Immer, was die Mama macht, wird von den zwei Kleinen nachgemacht. Sie wirkt aber etwas unschlüssig, läuft hin und her, legt sich wieder zum Lecken hin, steht wieder auf. Und die Jungen immer hinterher.

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Wir reissen uns los und fahren weiter bis «Melkvlei». Doch kurz bevor wir dort ankommen, laufen uns geradewegs zwei prächtige Mähnenlöwen praktisch ins Auto. Sie marschieren in südlicher Richtung das Tal abwärts. So drehen wir um und folgen ihnen ein paar hundert Meter und machen noch ein paar Fotos. Da aber noch ein gutes Stück Weg vor uns liegt, lassen wir die beiden ziehen.

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Pale Chanting Goshawk / Singhabicht (bin mal wieder unsicher mit dem Deutschen Namen; Grau- oder Weissbürzel?) - meistens sehr schwierig zu fotografieren, weil sie für gewöhnlich sehr hoch liegende Ansitze wählen. Dieser hier tat uns ausnahmsweise den Gefallen, einerseits nahe an der Piste zu bleiben und andererseits einen Ast auf Augenhöhe zu wählen. Ein Lieblingsfoto von mir.

Ein Stück weiter begegnen wir schon wieder einem Kapfuchs, er liegt neben der Pad neben einem Strauch und guckt uns interessiert an.

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Kurz vor dem Nossob Restcamp verlangsamen wir, weil oben in einem Baum ein Greifvogel sitzt. Wir erkennen ihn als einen der unzähligen Pale Chanting Goshawk und wollen grad weiterfahren, als Beenie noch eine Bewegung am Boden wahrnimmt. «Hier, ein Honigdachs!». Ich sehe ihn noch für einen ganz kleinen Augenblick, bevor er hinter einem Busch und vermutlich in seinem Bau verschwindet.

Kurz vor Mittag erreichen wir das Nossob Restcamp. Hier legen wir eine ausgiebige Pause ein. Als erstes gibt es natürlich eine wohltuende Abkühlung im Pool, dann machen wir uns einen Brunch mit Bratkartoffeln, Speck und Spiegelei. Bis nach 16:00 Uhr chillen wir rum, hüpfen in den Pool, waschen ein, zwei Shirts und fahren dann wieder weiter nordwärts. In drei Tagen werden wir wieder herkommen für vier Nächte.

Je weiter wir nach Norden kommen, desto trockener wird die Landschaft nun wieder und dementsprechend wenig Tiere sehen wir. Doch schon am übernächsten Wasserloch stehen unvermittelt fünf Autos. Wenn das nicht ein eindeutiges Zeichen ist! Und tatsächlich: sieben Löwen, sechs Mädels und ein vielleicht ein paar Wochen oder wenige Monate altes Jungtier liegen dösend im Schatten. Wie immer ist eine der Frauen wach und beobachtet aufmerksam die Gegend, das Junge fängt mit der Zeit an, aktiver zu werden, guckt aus einem Knäuel von erwachsenen Katzen hervor.

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Eine der Löwinnen steht auf und geht zum Trinken, das Junge ihr hinterher und nach und nach bewegen sich auch die anderen Tiere. Bei den Menschen in ihren Vehikeln bricht schon fast Panik aus, bei jeder Bewegung der Löwen wird herumrangiert für eine noch bessere Position. Das Junge ist natürlich zuckersüss und erlaubt mir aus nächster Nähe ein paar tolle Aufnahmen:

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Die Alten legen sich mitten auf die Piste und nach einer Weile verlassen wir die Szene.

Löwenzähler: 26

Auf dem weiteren Weg bis Polentswa ist es ausnehmend ruhig. Hier oben hat es noch weniger Tiere als im sonst schon leeren Park, so extrem haben wir das in all den Besuchen hier nun wirklich noch nicht erlebt. Belohnt werden wir trotzdem wie immer: unterwegs sehen wir noch einmal einen Kapfuchs, der unter einem Busch direkt am Pistenrand sich ausruht.

Die Campsite erreichen wir gegen 19:00 Uhr und wir sind begeistert von diesem Platz. Der Blick geht leicht erhöht über die ganze Polentswa-Pfanne und es ist ausgesprochen ruhig und abgeschieden hier.

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Polentswa Campsite // Hier übrigens noch zu erkennen unsere behelfsmässige Lösung für den kaputten Campingtisch; die Seite mit den nicht mehr funktionierenden Tischbeinen einfach auf die ausgeklappte Heckklappe legen. Wo Problem?

Noch sind wir die einzigen Besucher, die beiden anderen Stellplätze sind leer. Nachdem das Lager eingerichtet ist und wir das Essen zubereiten, kommt schon wieder ein frecher Kapfuchs bei uns vorbei.

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Am Himmel spielen sich wieder dramatische Szenen ab, erneut gehen überall Gewitter nieder und der Sonnenuntergang ist gigantisch.

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Sobald der Wind nachgelassen hat, herrscht eine gespenstige Stille hier draussen. Keine Bellgeckos, keine Käuze oder Eulen, kein Grillengezirpe, keine Hyänen, nix.


Tageskilometer: 200km (Gamedrive #6: 138km, Gamedrive #7: 62km)
Tageshöchsttemperatur: 39° C

Teil 1803. Juni 2018

Kapitel 10
Erdhörnchen gegen Kobra und ein Besuch am Ende der Welt


Sonntag, 28. Januar 2018
Polentswa Campsite

Gestern hatten wir uns entschieden, heute Morgen nicht extra den Wecker zu stellen für den Gamedrive. So haben wir ausgeschlafen und sind «erst» um 06:15 Uhr aufgestanden. Die Sonne geht gerade auf und während wir Beenies Dachzelt einklappen und uns für die Pirschfahrt fertig machen, sehen wir weit draussen in der Pfanne drei Löffelhunde umherstreunen.

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Wunderschöne Morgenstimmung über der Polentswa-Pfanne.

Die Fahrt selber ist, gelinde gesagt, wenig ergiebig. Wir sehen vier oder fünf Gnus, ein paar Schakale, drei Steinböckchen, sonst absolut nix.

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Typische Steinböckchen-Pose: sind sie zu nahe an der Pad, springen sie erstmal auf Fluchtdistanz davon, halten an und drehen sich dann zum potenziellen Quell der Gefahr um, um diesen lange und intensiv zu «studieren».

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Nördlich von Polentswa gibt es zwei so genannte Loops, die man von der Piste abgehend befahren kann. Nach dem zweiten drehen wir wieder südwärts auf die Hauptpiste ein und entdecken Tatzenspuren im Sand direkt auf der Pad. Raubkatzen laufen famoserweise sehr oft auf den Pisten. Als absolute Laien ordnen wir die Spuren mit Hilfe meines Bestimmungsbuches einem Leoparden zu. Sie folgen der Piste für einige hundert Meter und verschwinden dann im Busch. Also fahren wir zurück und machen den Loop in umgekehrter Richtung noch einmal und suchen die ganze Ebene ab, glasen intensiv in jeden in Frage kommenden Baum, können die Katze aber natürlich nicht finden. Eine Schwierigkeit beim Spurenlesen ist natürlich auch das Bestimmen des Alters der Spuren. Da es aber am Abend zuvor geregnet und die Piste auch gerade frisch geschoben wurde, konnten sie noch wirklich nicht so alt sein. Aber so ist es nunmal, Leoparden zu sichten ist sowieso der reinste Lottogewinn.

Den Rest des Vormittags und den ganzen Nachmittag verbringen wir grossmehrheitlich in der Hängematte. Einerseits kann man gar nicht viel machen hier draussen (und wollen wir auch nicht), andererseits ist es dafür eh viel zu heiss.

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Im Gebüsch direkt neben dem Schattendach raschelt es ab und zu und mit der nötigen Vorischt und Geduld kann man sich mit einer 500mm-Linse nah genug an die dort zu Werke gehenden Grasmäuse schleichen.

Am späten Nachmittag fahren wir nochmals eine kleine Runde. In den paar Stunden hat sich in Bezug auf das Vorkommen der verschiedenen Tierarten noch nichts geändert. Die Laune sinkt aber vorübergehend etwas, zumal Beenies iPad beim Hängemattenchillen auf den Boden geknallt ist und jetzt eine «Spider App» drauf hat und darüber hinaus auch noch eines seiner beiden Ferngläser - zum Glück «nur» das alte - plötzlich und wie aus dem Nichts einen Schlagschaden hat.

Als wir an einem Wasserloch stehen, geht wieder ein Gewitter über uns nieder und es entsteht eine zauberhafte Stimmung mit einem riesigen Regenbogen.

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Leider mit üblen Flecken auf dem Objektiv, die auch mit Photoshop kaum wegzubekommen sind. 😕 Aber es vermittelt hoffentlich trotzdem einen Eindruck der tollen Stimmung!

Und trotzdem: auch heute sollten wir noch mit einer tollen Sichtung belohnt werden. Auf der Rückfahrt entdeckt Beenie unglaublicherweise eine Kapkobra auf der Jagd. Sie ist wohl 30 bis 50 Meter weit entfernt auf der Ebene draussen, trotzdem merkt er beim vorbei fahren, dass es sich nicht um einen verdorrten Ast handeln kann, die hier überall rumliegen. Die gelbe, rund 1.5m oder längere Schlange bewegt sich rasch vorwärts und genau in dem Moment, als ich meine Kamera bereit habe, taucht plötzlich ein todesmutiges Erdhörnchen auf und greift die Giftschlange an. Es beisst ihr in den Schwanz und die Schlange versucht sofort, zuzuschlagen.

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Erdhörnchen (Kap-Borstenhörchen, um genau zu sein) greift an, Kobra schlägt zu, Nagetier bringt sich mit einem schnellen, grossen Satz ausser Gefahr! (Ausschnittvergrösserungen)

Dann macht sich die Schlange davon und verschwindet blitzschnell in einem Erdloch. Wir nehmen an, dass sie in einem Bau der Erdhörnchen wildert. Nach ein paar Minuten kommt sie nochmals kurz an die Erdoberfläche, dann sehen wir sie nicht mehr wieder.

Uns ist bewusst: eine absolut einmalige und sensationelle Sichtung!

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White-backed Mousebird

Etwas früher als gewohnt fahren wir auf die Campsite zurück und kochen uns superfeine Nudeln an Tomatensauce mit Thunfisch. Und wieder kommt uns Ruedi, unser Kapfuchsfreund, besuchen. Während wir essen, fliegt plötzlich ein riesiger Käfer an unseren Tisch und klammert sich an der Taschenlampe, die Beenie neben uns hingestellt hat, fest. Das rabenschwarze Insekt ist sicher 7cm lang und hat weit ausladende Fühler mit einer Breite von gut 15cm, macht beim Fliegen einen Mordslärm und ist einfach nur beeindruckend. Nach einer Weile schüttelt mein Bruder das Viech von der Taschenlampe und es trollt sich ein paar Meter neben uns in den Sand - immer aufmerksam beobachtet von Ruedi. Wir wenden uns wieder dem Essen zu und als wir grad nicht schauen, ist der schlaue Fuchs schon zur Stelle und zack - mit einem hörbaren Knacken und zwei schnellen Bissen ist Hugo, der Käfer, dann auch schon Geschichte.

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Just another beautiful African sunset... 😎

Und unsere Geschichte vom Tag endet mit dem üblichen Procedere. Geschirr wegräumen, Bettfein machen, ein erneut grandios gescheiterter Versuch zu lesen; gute Nacht.


Tageskilometer: 85km (Gamedrive #8: 55km, Gamedrive #9: 30km)
Tageshöchsttemperatur: 37° C

Teil 1907. Juni 2018

Montag, 29. Januar 2018
Polentswa Campsite

Wenn man auf der Piste im Nossob-Tal immer weiter nach Norden fährt, kommt man irgendwann an den schon seit langem geschlossenen Grenzübergang «Union’s End» am Dreiländereck von Südafrika, Botswana und Namibia. Da wir ohnehin nix besseres zu tun haben, beschlossen wir gestern Abend, da einfach mal hin zu fahren.

Um fünf Uhr stehen wir auf, es fängt gerade erst an zu dämmern.

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Noch schnell den Kaffe für unterwegs brühen, Dachzelt einklappen, und schon fahren wir los.

Die Fahrt ist sehr schön, es ist einsam und das Tal ist breit, gelbes Gras zieht sich über weite Ebenen, durchsetzt von Akazien und Kameldornbäumen.

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Nach einer Weile sehen wir unvermittelt eine Tüpfelhyäne aus dem hohen Gras neben uns auftauchen.

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Sie hat eine Verletzung am linken Hinterlauf und humpelt stark. Es schaut so aus, als würde die Pfote fast komplett fehlen. Aber es ist keine neue Wunde, sie scheint schon länger ganz gut damit klar zu kommen. Schnell ist das Tier dann auch wieder verschwunden.

Auf der Weiterfahrt dann doch immerhin noch zwei Premieren für diesen Besuch im KTP: zwei Warzenschweine und zwei Kudus entdecken wir. Beim Wasserloch «Geinab», das in unserer Karte gar nicht eingezeichnet ist, sehen wir einige Schakale an einem War-einmal-Oryx. Es ist nur das Wirbelsäulengerippe und der Schädel mit dem Gehörne da, alles andere bereits weggefressen. Wir fahren weiter, doch nach ein paar Metern taucht links auf meiner Seite wie aus dem Nichts eine Braune Hyäne auf. Wow!

Ganz offensichtlich will sie zum Wasserloch, also drehen wir um und fahren auch dort hin. Sie trinkt aber nicht, sondern macht sich sofort über die Knochen vom Oryx her. Die Schakale halten einen kleinen Sicherheitsabstand und die Hyäne scheucht sie ab und zu etwas davon. Mit ihren starken Kiefern reisst sie sich einen Teil des Gerippes weg und überlässt den Schakalen den Rest.

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Leider meldet sich bei uns die Blase und wir reissen uns schweren Herzens los. Auf der Hälfte des Weges gibt es einen Picknick-Platz mit scheusslichen WCs, aber unterwegs aussteigen und in den Busch pinkeln geht natürlich nicht.

«Union’s End» selber ist eher unspekatulär. Es sieht jetzt nicht anders aus als sonst in der Gegend, ausser dem Grenzzaun, der gleichzeitig auch die östliche Parkgrenze ist, und einem Wegweiser, der die Luftliniendistanz zu den drei Hauptstädten Windhoek, Gaborone und Pretoria angibt. Aber hey, wir waren wenigstens einmal in unserem Leben dort.

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Dann fahren wir die knapp 75km gemütlich wieder zurück. Schon um 10:15 Uhr sind wir wieder auf unserer Campsite und haben viel Zeit und nur wenig Schatten. Aber genau dort hängen unsere Hängematten und genau dort installieren wir uns deshalb auch für die nächsten paar Stunden. Heute wird es sehr heiss werden, es weht für einmal nur ein laues Lüftchen und schon um 09:00 Uhr morgens war das Thermometer auf 31° C geklettert. Wir liegen da wie die toten Fliegen, es ist still und man hört höchstens das Summen der lebendigen (Fliegen).

Der Abendgamedrive ist dann erwartungsgemäss auch nicht besonders ergiebig. Wir fahren zuerst die Wasserlöcher südlich von unserer Campsite ab, stellen uns jeweils einige Zeit hin und warten ab, aber überall passiert dasselbe: nichts. Hier mal ein Gnu, dort ein Springbock, einige «Kalahari Chicken» (Pale Chanting Goshawk), einmal ein Tawny Eagle. Wir treffen unsere Campsite-Nachbarn an einem der Wasserlöcher und schwatzen kurz mit ihnen. Sie hätten gehört, dass am «Polentswa»-Wasserloch heute ganz früh am Morgen ein männlicher Löwe gewesen sei. Das checken wir auf dem Rückweg natürlich auch noch aus und tatsächlich liegt der auch wirklich wieder da. Es ist ein echter Brocken - von all den vielen Löwen, die ich schon gesehen habe mit eines der grössten Männchen überhaupt. Ob er wohl kein Rudel mehr unter seiner Führung hat?

Leider verhält er sich nicht besonders kundenfreundlich, er dreht seinen Kopf nur einmal kurz in unsere Richtung.

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Doch dann steht er plötzlich auf und läuft zwei Meter an unserem Auto vorbei. Woah, ist das ein Pfundskerl! Ein, zwei Meter hinter unserem Auto bleibt er stehen und fängt an zu brüllen.

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Das geht aber nun wirklich durch Mark und Bein. Man kann den Bass in seiner Stimme förmlich am Auto spüren. Der pure Wahnsinn!

Zum Sonnenuntergang sind wir zurück auf der Campsite und als wir so mit den Vorbereitungen fürs Abendessen rumfuhrwerken, taucht zuverlässig unser Freund Ruedi auf. Die Wolken verziehen sich heute vollständig und es gibt einen klaren Abend. Der Mond ist nun schon fast voll und es ist nach Einbruch der Dunkelheit gar nicht mehr wirklich dunkel. Immer wieder eindrücklich, wie hell der Mond in so einer Umgebung scheinen kann.

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Kurz vorm Schlafengehen leuchte ich noch einmal mit der starken Pfunzel in die Gegend und sehe zwei rote Augenpaare im Gras unten auf der Ebene aufleuchten. Von der Grösse und vom Gang her müsste es eine Tüpfelhyäne gewesen sein. Von einem allfälligen Besuch später in der Nacht bekommen wir aber nichts mit, auch heute ist ihr Gejaule nicht zu hören.


Tageskilometer: 202km (Gamedrive #10: 148km, Gamedrive #11: 54km)
Tageshöchsttemperatur: 40° C

Teil 2009. Juni 2018

Kapitel 11
Planänderung: zurück in den grünen Süden


Dienstag, 30. Januar 2018
Polentswa Campsite - Nossob Restcamp

Heute ist wieder Ortswechsel angesagt und so lassen wir den Tag geruhsam angehen. Beenie liegt noch im Zelt und ich koche mir einen Kaffee, sitze gemütlich unter dem Schattendach und bearbeite ein paar Fotos. Einmal schaue ich auf und gucke in die Gegend, als ich mir plötzlich einer Schlange gewahr werde, die sich grad von unserem Auto in Richtung eines Gebüsches daneben schiebt. Es könnte wieder eine Kapkobra gewesen sein. Natürlich scheuche ich meinen Bruder aus dem Dachzelt und hole meine Kamera. Aber bis ich wieder am Ort bin, ist die Schlange schon nicht mehr zu sehen. Und wir sind jetzt definitiv auch wach!

Wir bauen unser Lager ab und fahren los in südlicher Richtung. Sichtungen unterwegs zum Nossob Restcamp: keine Nennenswerten.

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Na, dann halten wir halt auch mal extra für Gnus an! 😉

Schon gegen halb zehn sind wir dort und suchen uns einen Stellplatz aus. Zufällig landen wir wieder neben den vier netten Südafrikanern, die auch schon auf Polentswa unsere Nachbarn waren.

Nach dem Aufbau der Zelte haben wir Urlaub. Es ist fürchterlich heiss heute und etwas schwül, also betätigen wir uns mal wieder als Schattenmenschen und wechseln zwischen Hängematte, Campingstuhl, Zelt und Pool hin und her. Ach ja, einmal laufen wir zum kleinen Shop rüber und kaufen ein paar Kleinigkeiten ein. Es gab wohl grad eine frische Lastwagenlieferung und so bekommen wir zwei schöne Steaks aus dem Upington Slaghuis. Zudem kann man dort auch Brot bestellen, dass dann frisch für einen gebacken wird und man kann dieses später am Abend kurz vor Ladenschluss abholen. Sehr empfehlenswert!

Wir entscheiden uns gegen eine Abendpirsch und nehmen uns dafür schön Zeit zum kochen und Abendessen. Es gibt die wirklich grandiosen Steaks mit Folienkartoffeln und Salat.

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Anschliessend gehen wir in den neu gebauten Hide und gucken mal, was sich dort so tut. Mit einem Riesenauflauf an Tieren haben wir nicht gerechnet, eine starke Delegation an Schakalen ist da, dann tut sich lange nichts. Aber wir sind mal wieder zur richtigen Zeit am richtigen Ort, denn auf einmal taucht eine Braune Hyäne aus der Nacht auf und kommt zum trinken und baden. Die sind aber irgendwie immer auf Zack und schon nach ein paar Minuten ist sie auch schon wieder in die Dunkelheit entschwunden. Beenie hat etwas Kopfweh und einen steifen Nacken und zieht sich ins Bett zurück. Ich bleibe noch eine Weile und bearbeite Fotos, ausser ein paar weiteren Schakalen bleibt es am Wasserloch aber lange ganz ruhig. Irgendwann mag ich dann auch nicht mehr und gehe ebenfalls in die Horizontale.

Kaum liege ich im Bett und fange an zu lesen, höre ich von draussen ein knackendes, schmatzendes Geräusch. Ich guck so durch das Moskitonetz und sehe zuerst einen, dann zwei und am Schluss fünf Schakale, die direkt vor meinem Zelt irgendwas aus dem Sandboden klauben und knabbern. Können es Käfer sein? Die hundeartigen kommen bis auf wenige Zentimeter an meine Zeltwand heran und scheinen sich überhaupt nicht um mich zu kümmern.


Tageskilometer: 63km (Gamedrive #12: 63km)
Tageshöchsttemperatur: 40° C


Mittwoch, 31. Januar 2018
Nossob Restcamp - Twee Rivieren Restcamp

Spontane Planänderungen gehören ja zu unseren Afrikareisen einfach dazu und so dachten wir, dass heute ein guter Zeitpunkt dafür ist. Als wir von unserem Morgendrive zurück kommen (Ausbeute: eine Molesnake auf der Böschung direkt am Pistenrand),

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schwatzen wir mit unseren Nachbarn und sie erzählen uns, wie ihnen berichtet wurde, dass unten im Süden nun alles schön grün sei und die ganzen Weide-Tiere wieder zurück kommen. Wir überlegen, ob wir nicht einfach zwei Nächte in Twee Rivieren einlegen sollen, anstatt hier in Nossob rumzuhängen mit wenig Aussicht auf viele Tierbegegnungen. Also watscheln wir zu Rezeption und fragen mal, ob wir für zwei Nächte umbuchen können. Geht nicht, wir haben über eine Agentur gebucht und das könne nur durch die angepasst werden.

Etwas konsterniert latschen wir unverrichteter Dinge wieder zurück, denn wir können hier in Ermangelung einer Netzabdeckung nicht telefonieren. Unsere netten Nachbarn haben ihren Platz inzwischen schon geräumt und sind weggefahren, kommen nach ein paar Minuten aber extra nochmals zurück zu uns. Sie hätten mit der Dame in der Rezeption gesprochen und diese könne vielleicht doch etwas für uns tun. So hilfsbereit können Südafrikaner manchmal sein! Also nochmals zurück und die nun sehr zuvorkommende Lady ruft für uns über das Büro bei Bwana Tucke Tucke an und organisiert zwei Nächte in Twee Rivieren. Wow!

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Intermezzo: hIer übrigens eine der Inspirationen für den Titel dieses Reiseberichts: aus Gewichtsgründen habe ich im letzten Moment vor der Abreise darauf verzichtet, die eigentlich dafür vorgesehene Caffetiera von Bialetti mitzunehmen. In Windhoek haben wir dann leider nur eine kleine und ziemlich schrottige Mokamaschine gefunden. Also hatten wir dann in Swakopmund die Idee, uns Kaffefilter zu besorgen. Aber trotz intensiver Suche konnten wir keine passenden Trichter auftreiben. Also haben wir uns kurzerhand selber eine «Kaffemaschine» gebastelt. Wo Problem?

Wir packen unseren Krempel zusammen und machen uns auf den langen Weg gen Süden. Auf der Fahrt ist nicht viel zu sehen, es ist ja auch schon nach Mittag und wieder brüllend heiss. Ein Stück südlich vom Picknickplatz «Dikbaardskolk» und gleichnamigen Wasserloch liegt eine Gang von drei jungen Löwenmännchen direkt neben der Piste im Schatten. Einer von Ihnen hat sich einen super Platz ausgesucht und verkroch sich praktisch unter die Wurzeln des Schattenbaumes:

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Bateleur (juv.) / Gaukler. Zu dieser Jahreszeit ein sehr präsenter Vogel, wir haben recht viele Jungvögel gesehen im ganzen Park.

Kurz vor «Kij Kij» verändert sich die Landschaft dann plötzlich. Es wird immer grüner und immer mehr Gazellen und Antilopen äsen vom frischen, satten Grün. Vor vier Tagen sind wir hier ja schon durchgefahren und haben den Regen hautnah erlebt. Unglaublich, wie schnell die Natur reagiert und auch faszinierend, wie rasch die Tiere buchstäblich Wind davon bekommen haben und zurückgekehrt sind. DIe Jäger in Gestalt von Gepard, Leopard und Konsorten lassen aber offenbar noch etwas auf sich warten.

Nach knapp fünf Stunden und 168km kommen wir kurz nach 17:00 Uhr völlig geplättet in Twee Rivieren an und schnell ist klar, dass wir heute nicht mehr rausfahren. Im Shop kaufen wir uns eine Boerewors und machen diese dann in der Bratpfanne mit einer Zwiebel-Rahmsauce und Teigwaren. Lekker!

Lange halten wir es nach dem Essen wieder einmal auch nicht aus und sind schon nach 21:00 Uhr in unseren Zelten.


Tageskilometer: 223km (Gamedrive #13: 55km, Gamedrive #14: 168km)
Tageshöchsttemperatur: 38° C

Teil 2110. Juni 2018

Donnerstag, 1. Februar 2018
Twee Rivieren Restcamp

Wenn man auf einer Campsite wie Twee Rivieren nächtigt, braucht man gar keinen Wecker zu stellen. Die zuschlagenden Autotüren und startenden Motoren der Nachbarn übernehmen das zuverlässig. Also sind wir auch heute rechtzeitig zur Öffnung der Parktore auf - sogar zu früh. Denn ab heute ist Februar und neu darf man erst ab 06:00 Uhr reinfahren.


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Ein prächtiger Vollmond steht über den Kalahari-Dünen, während die Morgendämmerung anbricht.

Wir fahren das Nossob-Tal hoch bis zum Picknickplatz «Melkvlei» und noch ein paar Meter weiter. Sichtungen: 1 Braune Hyäne direkt am Strassenrand zwischen «Rooiputs» und «Kij Kij» sowie zwei Löwen recht weit weg auf einem Dünenkamm. Die Hyäne hat sich rasch entfernt, sobald wir uns genähert haben und sich hinter einem Busch versteckt. Ein-, zwei Mal hat sie dann noch hervorgeguckt, wollte aber ihre Ruhe haben und nicht mehr rauskommen.


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Einfach immer eine tolle Sichtung! Lange hatten wir darauf gewartet, nie haben wir eine gesehen. Auf der letzten Reise im 2016 dann plötzlich fünf Stück und auf dieser Reise jetzt auch wieder deren 4!


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Bei den Springböcken ist gute Stimmung angesagt bei dem üppigen Angebot an frischem Gras und die Böcke strotzen vor Kraft und Selbstvertrauen, was natürlich unter Beweis gestellt werden muss.

Auf dem Picknickplatz hat Beenie kurz mit einem Südafrikaner geschwatzt, welcher ihm erzählt hat, dass «just around the corner» (= mehrere Kilometer) drei Löwen wären. Also fahren wir noch etwas weiter hoch und drehen dann scheinbar erfolglos wieder um. Doch genau beim Wendemanöver guckt mein Bruder nochmals in die Runde und sieht die beiden Löwenweibchen oben am Dünenkamm liegen. Nummer 31 und 32!

Zurück bei «Melkvlei» biegen wir nach rechts in die Dünenstrasse, welche für 50km quer durch die wunderschöne Dünenlandschaft der Kalahari rüber ins Auob-Tal führt. An Tieren sehen wir nicht viel, ein paar Strausse, Riesentrappen, Pale Chanting Goshawk, Oryx und Steinböckchen geben sich die Ehre.


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Kori Bustard / Riesentrappe

Am Anfang der Fahrt ist es noch sehr grün und überall spriessen auch Blumen unterhalb der roten Dünenkämme.

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Northern Black Korhaan / Weissflügeltrappe

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Pale Chanting Goshawk / Singhabicht im Anflug. Leider, leider mit Bewegungsunschärfe wegen zu kurzer Belichtungszeit. Ärgerlich! Aber ich zeige es jetzt trotzdem mal.

Etwa in der Mitte kann man auf einen kleinen Aussichtspunkt hochfahren und hat von dort einen fantastischen Blick über das Dünenmeer.

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Zurück im Auob-Tal halten wir uns links und fahren zurück nach Twee Rivieren, wo wir uns ein spätes Frühstück einverleiben. Etwas später sind wir grad unterwegs zum Pool, als wir ein Auto aus der Schweiz mit Aargauer Kennzeichen stehen sehen. «Guck mal, Aargauer!», sagt Beenie zu mir. Die beiden Inhaber, Joel und Mirjam, kommen just in dem Moment von der Dusche zurück und hören das, so kommen wir natürlich sofort ins Gespräch. Sie sind knapp sechs Monate im südlichen Afrika unterwegs. Nach einem erfrischenden Bad im Pool setzen wir uns mit den beiden auf unserer Campsite zusammen und erzählen uns gegenseitig Afrika-Geschichten, bis es Zeit für den Abendgamedrive ist.

Vorher gehen wir noch bei der Rezeption vorbei um anzufragen, ob wir einen Nightdrive bei ihnen buchen können. Das ginge heute nicht, wird uns beschieden, es gäbe erst gebuchte Gäste auf dem Sunsetdrive, der zuvor stattfindet. Dieser müsse zuerst gefüllt werden, erst dann mache man zustätzlich einen Nightdrive. Aber das steht doch im Angebot und wir bezahlen ja auch dafür? Ja neee, das geht nicht, zuerst muss der Sunsetdrive voll werden. Afrika verstehen? Nein.

Es hilft auch nichts, dass der nette Mann an der Rezeption unser «Freund» Marius ist. Er hatte vor zwei Jahren noch im Nossob Camp gearbeitet und uns mit unserem damaligen Kupplungsscheiben-Desaster extrem nett geholfen und viel für uns rumtelefoniert und organisiert. Er konnte sich natürlich an uns erinnern und hatte sichtlich Freude am Wiedersehen.

Unser eigener Abenddrive war dann wieder wenig ergiebig. Die Springböcke, Gnus und Kuhantilopen haben sich rund um «Kij Kij» scheinbar fest installiert - kein Wunder bei dem frischen, leckeren Gras.

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Süsser Springbock-Kitz für Zwischendurch

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Pale Chanting Goshawk (juv.)

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Leopardschildkröte

Am Abend machen wir ein gemeinsames Lagerfeuer auf unserer Campsite und wir braten für uns fantastische Hamburger, während Joel und Mirjam sich Wild grillieren. Wir verbringen einen langen, lustigen Abend bei interessanten Gesprächen und kommen erst kurz vor Mitternacht ins Bett.

Heute war übrigens einer der heisseren Tage, ich habe mir den Temperaturverlauf mal etwas gemerkt den Tag über:

06:00: 16° C, 08:00: 30° C, 09:00: 32° C, nachmittags bis zu 44° C, 19:30: 38° C


Tageskilometer: 209km (Gamedrive #15: 136km, Gamedrive #16: 73km)
Tageshöchsttemperatur: 44° C

Teil 2201. Juli 2018

Freitag, 2. Februar 2018
Twee Rivieren Restcamp - Nossob Restcamp

Nach einer kurzen Nacht sind wir trotzdem früh auf, machen Kaffee, duschen und bauen unser Camp wieder ab. Jetzt fahren wir den ganzen Weg halt wieder zurück nach Nossob.

Es bleibt aber weitgehend ereignislos, einen Geparden verpassen wir offenbar nur um eine oder zwei Minuten. Unsere beiden Schweizer Freunde können ihn beobachten und wie wir so dazu fahren - wir sehen von weitem zwei, drei Autos stehen und wissen sofort, da muss etwas besonderes sein - können wir in ihren Gesichtern ablesen, wie viel Freude sie haben. Ihr erster Gepard überhaupt!

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Springbock-Kindergarten in der Umgebung von «Kij Kij»

Rund um «Jan se Draai» hat es auffallend viele Kuhantilopen und auch bereits welche mit Nachwus. Bei «Dikbaardskolk» machen wir Müsli-Pause und beobachten ein paar Vollidioten (keine neu entdeckte Tierart sondern leider zur menschlichen Rasse gehörend), die sich zuerst auf dem Picknickplatz respektlos benehmen und dann mit vollem Karacho die Dünenstrasse raufbrettern. Scheinbar hielten sie sich für supercool und dachten sich, dass die Parkregeln nicht für sie gelten, haben aber die Rechnung ohne die Ranger gemacht. Kaum sind die jungen Kerle davongebraust, folgte nämlich grad ein Auto der Parkverwaltung, dass sie dann hoffentlich auch erwischt hat.

Gegen Mittag sind wir zurück in Nossob. Am Gate treffen wir zufällig auf Forums-Teilnehmerin «Clamat» und ihren Mann - sie hat uns an unseren Aufklebern am Auto erkannt und angesprochen. Sie sind aber grad unterwegs zu einem Gamedrive und wir schwatzen dann später auf der Campsite nochmals kurz.

Wir sind ziemlich geplättet und der vielen Fahrerei grad etwas überdrüssig und entschliessen uns deshalb, auf eine abendliche Ausfahrt zu verzichten. So chillen wir im Camp rum, hüpfen in den Pool und gehen im Verlaufe des Nachmittags im Shop noch eine Kleinigkeit einkaufen. An der Theke bezahlen wir und ich frage noch wegen einem Brot. «Too late!», schnauzt mich die Verkäuferin knapp an. Es stehe hier, bis wann man bestellen muss, damit das Brot am Abend geliefert werden kann (14:30 Uhr). Es ist 15:15 Uhr und wir sind sicher, dass die Bäckerin noch nicht angefangen hat mit dem Brotbacken. Aber sei es drum…

Am späten Nachmittag setzen wir uns noch ein Stündchen oder anderthalb an den Hide. Es ist mal wieder absolut tote Hose, einziges Highlight: ein Ovambo Sparrowhak (rare black morph.) zeigt sich - eine Seltenheit und wir brauchen eine Ewigkeit, ihn im Bestimmungsbuch zu finden.

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Hoffen wir, dass die Bestimmung auch wirklich richtig ist...

Nach einem leckeren Abendessen (Fleisch vom Grill; Rumpsteak für mich, eine Boerewors für Beenie mit Folienkartoffeln und grünen Bohnen) sind wir schon sehr früh im Bett. Der fehlende Schlaf von gestern will nachgeholt werden und morgen haben wir eine abenteuerliche und lange Fahrt vor uns.


Tageskilometer: 157km (Gamedrive #17: 157km)
Tageshöchsttemperatur: 37° C

Teil 2301. Juli 2018

Kapitel 12
Raus in die Wildnis - Löwen und Leoparden hautnah (wirklich nah!)


Samstag, 3. Februar 2018
Nossob Restcamp - Mabuasehube Pan

Abfahrt ist um Punkt 06:00 Uhr. Vom Nossob Restcamp aus ist es nur etwa zwei Kilometer bis zum Abzweig auf die Stichstrasse nach Mabuasehube ganz im Osten des KTP. Die Piste ist schlecht bis sehr schlecht und es geht ewigs links, rechts, links, rechts, auf, ab, auf ab. Am Anfang fahren wir noch durch sehr schöne Dünenlandschaft und rasch nimmt die Vegetation zu, bis es nach 30 oder 40km dichter Busch wird. Es ist ist jetzt auch flacher geworden und so kurven wir eine halbe Ewigkeit ununterbrochen durch den Busch, man sieht links und rechts der Piste so gut wie nichts. Etliche Steinböckchen scheuchen wir auf, ein paar Oryx und einige Kuhantilopen huschen vor uns davon.

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Die Distanzen im KTP sind wirklich nicht zu unterschätzen - aber kein Wunder, der ganze Park ist in seiner Ausdehnung ja auch nur etwa gleich gross wie die Schweiz. Nach Mabua sind es 200km Tiefsandpiste.

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Zu Beginn ist die Landschaft noch etwas offener, später fährt man stundenlang durch dichten Busch.

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Steinböckchen - wieder einmal in ihrer typischen Position, die sie nach dem Aufscheuchen und Wegspringen einnehmen

Nach fast sechs Stunden erreichen wir die Mabuasehube-Region, zuerst die Bosobogolo Pan ganz im Süden, dann müssen wir noch einmal durch den Busch nach Norden fahren, bis wir schliesslich nach sieben Stunden die Mabuasehube Pan erreichen. Der beschwerliche und anstrengende Weg hat sich aber definitiv gelohnt. Die Campsite selber besticht für das viele Geld, das man dafür liegen lässt, jetzt nicht gerade damit, dass sie gut in Stand gehalten wäre. Wieder gibt es dieses A-Frame Schattendach, eine Feuerstelle und ein Plumpsklo. Aber: man hat einen fantastischen Rundblick über die ganze Pfanne und man kann da und dort Tiere ausmachen. Springböcke sind da, Oryx, Gnus und, nur etwa 150m von uns entfernt am Pfannenrand bei einem dichten Gebüsch und Bäumen, drei Löwinnen.

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Die Mabuasehube-Pfanne im schönen Abendlicht. Dafür lohnt sich der lange Weg absolut, oder etwa nicht?

Wir haben wieder sehr nette Nachbarn auf dem Stellplatz nebenan. Ein englischer ehemaliger Golfprofi, der mit seiner Frau aus Deutschland in der Nähe von Hamburg einen Golfplatz und -Club betreibt, verbringt jedes Jahr von Dezember bis Februar drei Monate hier in der Gegend und man merkt sofort, dass er das schon lange macht und ein wahrer Enthusiast ist. Sie erzählen, dass die Löwen die Tage vorher auf unserer Campsite unter dem Schattendach gelegen hätten und in der Nacht zuvor direkt unten am Pfannenrand gejagt haben.

Es ist der absolute, pure Frieden hier draussen. Wir sind an einem extrem abgelegenen Ort, es ist wild, ruhig, die Natur in ihrem ganz ursprünglichen Zustand, rau und gnadenlos. Wenn da nur nicht diese komischen Arschlöcher wären, die völlig unbekümmert einfach auf unsere Campsite gefahren kommen und sich mit ihren Autos direkt zwischen uns unter dem Schattendach und den Löwen unten an der Pfanne stellen. Es scheint sie überhaupt nicht zu kümmern, dass 1) die Campsite belegt ist, 2) sie uns die Aussicht versperren und 3) wir eigentlich einen Riesenarsch voll Kohle dafür bezahlen, ein exklusives Naturerlebnis und unsere Ruhe zu haben. Wir sind echt nur noch sprachlos ob soviel Dreistheit und Ignoranz.

Irgendwann fahren sie dann wieder weg und wir geniessen den Ausblick, beobachten die Löwen und anderen Tiere, kochen unser Abendessen (Bolognese), spielen Würfel und sind entspannt und glücklich, so etwas erleben zu dürfen.

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Hier lässt es sich aushalten - unser Camp auf Mabua 01.

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«Room with a view» 🙂

Schon gegen 20:00 Uhr bin ich im Zelt, lese noch ein bisschen und schlafe dann bald ein. Geweckt werde ich durch ein aufziehendes Gewitter, die Fallwinde rütteln an meinem Zelt. Schnell die Umgebung ausleuchten, aus dem Zelt hüpfen und das Regenzelt überziehen und Eingänge verschliessen. Gefühlt ist es drei Uhr nachts, aber es ist erst 22:00 Uhr. Doch das Gewitter zieht vorbei ohne Regen und ich schlafe schnell wieder ein. Ich werde aber noch zwei oder dreimal von Löwengebrüll geweckt. Was kann es schöneres geben?


Tageskilometer: 191km
Gesamtreisezeit: 7h
Tageshöchtstemperatur: 37° C

Teil 2407. Juli 2018

Sonntag, 4. Februar 2018
Mabuasehube Pan

Noch schöner ist es natürlich, wenn die Löwen einem gleich auch direkt auf der Campsite besuchen. Ja, ein bisschen unheimlich natürlich auch. Aber für solche Erlebnisse kommen wir ja auch her. Doch der Reihe nach:

Während der Nacht hören wir zwei, drei Mal Löwengebrüll aus gar nicht mal so grosser Entfernung. Irgendwann muss Beenie mal raus und leuchtet vorher natürlich ausgiebig die Umgebung ab. Alles scheint sicher, er öffnet das Moskitonetz seines Dachzelts ganz und setzt seine Füsse auf die oberste Leiter. Noch einmal ein prüfender Blick in die Umgebung und schon kommen wie aus dem Nichts zwei grosse Löwenmännchen um die Ecke geschlichen… SIe marschieren mitten durch unsere Campsite und am nächsten Morgen können wir die Spuren im Sand analysieren. Keine vier Meter neben meinem Zelt sind sie durchgelaufen.

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Spuren im Sand - ca. 4m von unserem Zelt / Auto entfernt!

Mit einer Rückwärtsrolle und dem lapidaren Kommentar “Na gut, dann geh ich eben nicht Schiffen!” lässt sich mein Bruder ins Zelt zurückfallen.

Bei Sonnenaufgang sind wir wach und hören zum Aufstehen noch einmal Löwengebrüll, diesmal etwas weiter weg. Mit dem Fernglas können wir sie am anderen Ende der Pfanne ausmachen und sie dabei beobachten, wie sie sich langsam dem Rand der Senke entlang wieder in unsere Richtung bewegen. Vielleicht 150m von unserem Stellplatz entfernt legen sie sich schliesslich im Schatten schlafen.

Unser Nachbar Roger vermutet, dass die beiden jüngeren Männchen ins Revier des alten mit seinen drei Löwinnen eingefallen seien und nun versuchen, dieses zu übernehmen. Von den Damen ist nichts mehr zu sehen und erst in der darauffolgenden Nacht sollten wir dann erfahren, wie es in dieser Affaire weiter geht.

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Der Morgen erwacht und die Sonne geht auf über der endlosen Ebene der Kalahari.

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Nochmals ein Blick über die Mabuasehubepfanne. Im Gebüsch links unten lagen am Tag zuvor die drei Löwendamen rum.

Ebenfalls am frühen Morgen können wir weit draussen in der Pfanne vier oder fünf Eland ausmachen. Eher eine seltene Beobachtung, denn diese grossen Antilopen sind äusserst scheu und leben sehr zurückgezogen.

Heute machen wir dann erstmal Urlaub. Von hier oberhalb der Pfanne haben wir einen fantsastischen Rundblick, ansonsten aber ist die Vegetation in diesem Teil des Parks extrem verbuscht. Da wäre nicht viel an Tieren auszumachen, wir sind müde und daher entscheiden wir, das Auto heute mal stehen zu lassen und uns einfach einen gemütlichen Tag zu machen. Wir machen echt gar nichts ausser rumliegen, lesen, dösen und dann das Ganze nochmals von vorn. Ich kann gar nicht genug betonen, wie fantastisch ruhig und friedlich es hier ist.

Von Zeit zu Zeit werfen wir mit dem Fernglas einen Blick in die Büsche und überprüfen, ob die Löwen sich bewegen. Aber das ist das Schöne an so einem Ort. Im Wissen, dass Löwen tagsüber nichts anderes tun als pennen, können wir uns auf unserer Campsite recht frei bewegen.

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Nein, das Foto ist auch überhaupt nicht gestellt. 😏 Aber da ich ja meistens hinter dem Sucher bin, gibt es nicht so viele Bilder mit mir drauf und drum hier mal für euch.

So verbummeln wir den lieben langen Tag und wärmen uns zum Abendessen den Rest von der Bolognese. Nachher sitzen wir noch eine Weile mit den netten Nachbarn zusammen und quasseln über unser geliebtes Afrika.

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Zu unserem Stellplatz sind es vielleicht nur hundert Meter, doch die Rückkehr zu Fuss im dunkeln ist dann schon arg unheimlich. Und kaum liegen wir in unseren Zelten, geht auch schon das nächtliche Konzert der Löwen los.

Uuuhmpf!!!


Tageskilometer: 0km
Tageshöchtstemperatur: 36° C

Teil 2507. Juli 2018

Montag, 5. Februar 2018
Mabuasehube Pan - Ghanzi (Thakadu Bush Camp)


«Was für eine Nacht!», wird Roger es später so treffend zusammenfassen. Die ganze Nacht über war von scheinbar überall her das Löwengebrüll zu hören. Wie gerne hätten wir genauer gewusst, was da alles vor sich gegangen ist, aber es scheint so zu sein, als wäre der ältere Löwenmann zurück gekommen, um die beiden Eindringle aus seinem Revier zu vertreiben. Denn einmal in der Nacht und einmal am frühen Morgen sollte dieser Prachtskerl mitten durch unsere Campsite marschieren.

Immer wieder wachen wir auf und lauschen dem Hin und Her der Löwen. Und wieder muss Beenie einmal raus. Natürlich leuchtet er wieder alles aus und weil er vom Erlebnis von der letzten Nacht gelernt hat, streckt er dieses Mal zuerst seinen Kopf aus dem halb geöffneten Dachzelt. Noch ein letzter prüfender Blick und ich höre nur: «Woah, Leopard!!!». Dieser huscht direkt neben dem Auto vorbei, praktisch unter dem Dachzelt hindurch vorbei und ist für Beenie vielleicht eine Sekunde lang zu sehen, ehe er im Dunkel gleich wieder verschwindet. Adrenalinschub pur!

Später einmal muss dann ich raus und ich habe nach intensivem Ableuchten freie Bahn und stelle mich halt kurz direkt neben meinen Zelteingang. Dann meine ich so zu meinem Bruder; «Gib Bescheid, wenn der Löwe vorbei kommt…». Zwei Minuten später er so: «Da, ein Löwe!». Dieser läuft vielleicht vier oder fünf Meter von uns entfernt vorbei, Beenie kann ihn kommen hören, weil er beim Gehen grummelt.

Phä-no-me-nal!

Mit der Dämmerung stehen wir auf und räumen unser Lager. Wieder hören wir den Löwen brüllen und unser Nachbar Roger fährt mit dem Auto rasch in die Richtung, aus der das Ge-umpfe gekommen ist. Ein paar Minuten später hören wir sein Auto gemächlich zurück tuckern und wir sind grad fertig mit einpacken und abfahrbereit. Ich überlege noch, ob ich rasch zum Plumpsklo rüber soll, da schaut Beenie in Richtung Roger’s Auto und sagt ganz cool, während er mit der Hand nach drüben zeigt: «Darf ich vorstellen; Herr Löwe!».

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Der Riesenlöwe kommt ganz ruhig durch die beiden Campsites gewatschelt, hebt seine Nase in die Luft und wittert, streicht seinen Kopf an die Büsche und guckt interessiert zu uns rüber. Wir sind natürlich längst ins Auto eingestiegen und können ihm nun langsam hinterher fahren. Jetzt ist klar, wer hier wieder der Chef am Platze ist und er geht direkt auf der Piste entlang und markiert setzt überall seine Duftnoten.

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Witterung aufnehmen - sind die Eindringlinge wieder weg?

Derart können wir ihm so etwa 20 Minuten folgen und ein paar schöne Fotos schiessen, bis er bei der Abzweigung, wo wir nach rechts müssen, links abbiegt.

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Ihre Majestät, der König der Löwen

Wir fahren einmal um die Pfanne und dann in Richtung vom Parkausgang, vorbei an zwei weiteren Pfannen. Bei der Monamodi-Senke erblicken wir recht weit weg eine Tüpfelhyäne mit vier Jungen aus zwei verschiedenen Würfen. Am Gate tragen wir uns aus und verlassen nach fast zwei Wochen den Kalahari Transfrontier Park.

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Es geht nach links noch ein Stück der Parkgrenze entlang, dann drehen wir endgültig nach Norden immer geradeaus durch den Busch bis nach Hukuntsi. Die Piste ist recht gut und man kann teilweise problemlos 80km/h schnell fahren.

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Durch die Kalahari - zwischen dem Gate und Hukuntsi.

Bei YouTube ansehen ↗

Und hier noch der Grund, warum es nicht mehr so viele und ab hier dann gar keine Videos von unserer GoProp mehr gibt... Oder: wenn zwei Jungs beim Spielen immer Sachen kaputt machen müssen. 😄

Ab Hukuntsi dann ist alles allerfeinste Teerstrasse und jetzt geht es erst recht flott voran. Bei Kang biegen wir auf den Trans Kalahari Highway, eine wichtige Verbindung von Südafrika quer durch Botswana nach Namibia und Nordost-Botswana. Trotzdem herrscht sehr wenig Verkehr, aber mit der Zeit zieht sich die Strecke dann schon. Dann erreichen wir Ghanzi und quartieren uns im Thakadu Bush Camp ein.

Wir sind kaputt und dreckig, eine Dusche und ein erfrischender Drink an der Bar macht uns wieder munter. Es gibt auch Internet hier und nach zwei Wochen digitaler Entgiftungskur können wir uns so auch mal wieder bei den Lieben zu hause melden.

Das Thakadu ist zwar etwas in die Jahre gekommen, aber für einen anständigen Preis ist das ein ganz guter Übernachtungsstopp. Zum Abendessen gönnen wir uns ein unglaublich zartes, saftiges Kudu Entrecote. Es schmeckt himmlisch und zufrieden begeben wir uns zu Bett.


Tageskilometer: 534km
Gesamtreisezeit: 8h 50min
Tageshöchsttemperatur: 34° C

Teil 2621. Juli 2018

Kapitel 13
Von der Herausforderung, eine Gasflasche zu befüllen und Schlammschlachten im Moremi


Dienstag, 6. Februar 2018
Ghanzi (Thakadu Bush Camp) - Maun (Motsebe Backpackers)

Da die heutige Etappe nicht allzu weit ist, können wir den Morgen gemütlich angehen. Zuerst genehmigen wir uns einen Kaffee auf der Terasse unseres Safarizeltes, danach schlendern wir zum Frühstück rüber.

Vor dem Checkout reden wir noch ein halbes Stündchen mit einem Schweizer und einem Deutschen Paar, die gestern Abend auch noch ziemlich geplättet angekommen sind. Dann gehen wir die Zeche bezahlen bei der netten Besitzerin und machen uns auf den Weg nach Maun. Die 285km sind recht gut zu fahren, nur die vielen Esel, Rinder und Pferde, die in Botswana praktisch überall an den Strassenrändern grasen, bremsen uns immer wieder aus.

Doch kurz nach dem Mittag erreichen wir schon Maun, das im Empfinden seit unserem letzten Besuch vor zwei Jahren noch etwas trubeliger und vor allem verkehrsreicher geworden ist. Als erstes steuern wir gleich «Kalahari Canvas» an, einen super Laden für allerlei Camping-Bedarf. Wir müssen nämlich einen neuen Campingtisch kaufen, da der unsrige vor zwei Tagen nun ganz kaputt gegangen ist. Nach kurzer Rücksprache mit dem Autoverleiher sollen wir uns einen besorgen gehen, man werde das anstandslos erstatten. Wir werden auch rasch fündig, laden das Ding ins Auto und fahren die paar Meter rüber zum «Bon Arrivée» gleich gegenüber vom Flughafen. Beziehungsweise wollten wir, denn das legendäre Restaurant gibt es gar nicht mehr. Wir sind doch recht erstaunt, denn da war eigentlich immer Vollbetrieb und wir hatten das gar nicht mitbekommen. Schade, da muss unser schon fast traditionelles Mittagessen dort eben ins «Nando’s» verschoben werden.

Nach dem kurzen Lunch fahren wir zum «Motsebe Backpackers». Nach meiner Recherche ist dieser Laden eigentlich noch ziemlich neu, aber es wirkt alles schon ziemlich heruntergekommen und schäbig. Von meiner Reservierung weiss man nichts, aber da ohnehin fast keine Gäste da sind, bekommen wir problemlos ein Safarizelt mit zwei Doppelbetten, WC und Dusche. Das ist soweit ganz okay und reicht für die Nacht.

Wir laden unseren Krempel aus und nun heisst die nächste Mission: «Gasflasche auffüllen». Ein leichtes Unterfangen, könnte man meinen, denn so was müsste man doch eigentlich an jeder Ecke rasch erledigen können. Nicht so in Maun. Beim Reinfahren in die Stadt hatte ich zwei vielversprechende Schilder gesehen am Strassenrand. Also fahren wir da hin, aber es heisst, man fülle hier keine Gasflaschen auf. «Easigas» heisst die Firma, und in einem Gitterverschlag stehen hunderte von Gasflaschen rum. Nanu? Nicht so easy. Also auf zum nächsten Anbieter. Die selbe Leier. Dann gehen wir halt erstmal noch rasch bei einem Kleiderladen neue Flipflops für mich kaufen. Und wo wir grad in der Nähe sind, holen wir uns noch gleich 100l Trinkwasser bei «Aquarite» (Mophane Av., guter Tipp! Man kann 25l Kanister kaufen und sich diese vor Ort abfüllen lassen. Sind praktisch zum Verstauen im Canopy). Dort fragen wir auch noch nach einem Gashändler und werden wieder irgendwo hingeschickt. Die Adresse finden wir erstmal gar nicht, also gehen wir halt mal zum Spar und erledigen unsere Lebensmitteleinkäufe. Dann rüber zur Tankstelle zum Diesel bunkern. Der fröhliche Tankwart gibt uns einen weiteren Tipp, das klingt dann wieder etwas vielversprechender. Das ist allerdings am anderen Ende der Stadt und auch dort fragen wir uns noch drei Mal durch, bis wir endlich so einen verblödeten Schuppen finden. Fünf verschiedene Orte, um eine 3kg Gasflasche gefüllt zu bekommen und gefühlt etwa fünfzehn verschiedene Auskünfte…

Es ist schon nach 18:00 Uhr geworden, wir sind knapp 4 Stunden für unsere ganzen Besorgungen rumgeiert in diesem Drecksloch von Stadt. Wir haben schon wieder hunger und suchen uns aus dem Reiseführer die viel gerühmte «Sports Bar» etwas ausserhalb aus. Dort angekommen, stehen wir vor verschlossenen Türen. Auch das scheint nicht mehr offen zu sein. Also zurück zum Flughafen, wo wir vis-à-vis vom einstigen «Bon Arrivée» bei einem Inder ein Curry und eine Pizza verdrücken.

Zurück im Backpackers verstauen wir unsere Einkäufe (für Fleisch übrigens: «Delta Deli», bei «Riley’s Garage» - auch ein super Tipp!) und beladen den Bakkie, so dass wir morgen gleich ganz früh losfahren können in Richtung Moremi.

Während ich auf meinem kleinen Drucker noch selbstgemachte Postkarten ausdrucke, die wir dann in den nächsten Tagen schreiben können, nimmt Beenie eine Dusche. Vermutlich kommt das Wasser direkt aus dem Tamalakane, denn es stinkt plötzlich im ganzen Zelt bestialisch nach Moder und Siff, dass es einem fast schlecht wird. Echt ekelhaft! Die Betten sind aber bequem und wir schlafen nach diesem langen, anstrengenden Tag ganz ordentlich.


Tageskilometer: 345km (davon ca. 50km alleine das Herumgekurve in Maun)
Gesamtreisedauer: 3h 20min
Tageshöchsttemperatur: 28° C

Teil 2721. Juli 2018

Mittwoch, 7. Februar 2018
Maun (Motsebe Backpackers) - Moremi Game Reserve (3rd Bridge Campsite)

Um Punkt 06:10 fahren wir beim Motsebe vom Hofe. Fazit: als günstige Übernachtungsstätte gerade noch so okay, aber wir würden jederzeit, wenn es dann nach den Renovationsarbeiten wieder offen ist, im «Old Brigde Backpackers» absteigen, sollten wir wieder mal in Maun Station machen.

Die ersten etwa 30km bis Sherobe sind bekanntermassen noch geteert, dann kommt bis zum Abzweig nach dem Moremi GR eine gut ausgebaute Sandpiste. Der Himmel ist wolkenverhangen und ein paar erste Regentropfen platschen auf unsere Windschutzscheibe. Wir lassen Luft aus den Reifen, denn eine Asphaltstrasse werden wir nun für längere Zeit keine mehr sehen. Ein Safarifahrzeug mit Touristen überholt uns, sie verlangsamen und der Guide fragt uns, ob alles okay ist. Daumen hoch, sie fahren weiter. So macht man das eben im Busch. Doch schon ein paar Kilometer weiter vorne treffen wir sie wieder, dieses Mal stehen sie am Pistenrand. Sie winken uns herbei und melden uns, dass links im Gebüsch Elefanten seien und sie hätten da ein kleines Problem mit ihrer Batterie. Der Landrover startet nicht mehr und ob wir vielleicht mit einem Überbrückungskabel aushelfen könnten? Na klar können wir. Doch etliche Versuche scheitern, die beiden Guides sind sichtlich nervös, es ist ihnen peinlich und sie wollen wohl ihre Gäste nicht allzu lange warten lassen. Doch es hilft alles nix und so kommt der Fahrer auf die Idee, die Batterie von unserem Auto auszubauen und mit dieser ihren Landy zu starten. Das funktioniert dann auch tatsächlich und nach etwa einer Stunde ist unsere Batterie bei uns wieder eingebaut und wir können weiter fahren.

Sobald wir auf die Piste zum South Gate abgebogen sind, wird es zunehmend ruppiger und nasser. Unzählige Wasser- und Schlammpfützen sind zu durchpflügen und wir kommen nur langsam voran. Dafür sehen wir schon erste Giraffen und Zebras, der Park ist nicht eingezäunt und die Tiere können sich frei bewegen. Etwas später: Elefanten! Links von uns können wir einige der grauen Riesen ausmachen, sie machen sich gerade daran, die Piste vielleicht fünfzig Meter vor uns zu queren. Immer mehr Elefanten tauchen auf und am Schluss sind es nicht weniger als 70 Tiere!

Um 10:00 Uhr erreichen wir das Gate, wir tragen uns ins berühmte Buch ein und schon sind wir endlich wieder im Moremi. Wir tuckern gemächlich durch den Park, nehmen uns Zeit und entdecken vor allem viele Vögel. Auf den etwa 46km bis zum 3rd Bridge Camp sollten wir nicht weniger als 26 neue Arten in unsere Sichtungsliste eintragen. Für Vogelkundler ist das Okavango Delta wirklich ein Paradies.


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Swainson's Spurfowl

In etwa auf Höhe des Abzweigs zur Xini Lagoon tauchen direkt am Pistenrand unvermittelt zwei Wildhunde in unserem Sichtfeld auf! Sie ruhen sich dort aus und scheinen ganz entspannt. Erst, als wir auf gleicher Höhe mit ihnen sind, stehen sie auf und verziehen sich langsam ins Gebüsch. Das fängt doch vielversprechend an.

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Banded Mongoose (?) Dwarf Mongoose / Zwergmanguste - Vielen Dank, @fotomatte!

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In einem der vielen hundert Tümpel hier in der Gegend können wir für einmal etwas näher einen kurzen Blick auf dieses Hippo erhaschen, bevor er sich etwas angepisst weiter zurück zieht.

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Bei und auf abgestorbenen Bäumen auf einer offenen Ebene tummeln sich Dutzende von Weissrückengeiern (White-backed Vulture), die wohl auf besseres Flugwetter warten...

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... und derweil ihr Fluggerät trocknen lassen.

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Eine imposante Erscheinung sind auch Sporengänse (Spur-winged Goose), die zahlreich zugegen sind und bis einen Meter gross werden können.

Um 14:00 Uhr erreichen wir endlich das 3rd Bridge Camp und beziehen wie die beiden letzten Male die Campsite Nr 7. Schnell das Lager einrichten, einen happen Essen und dann sind wir wenig später auch schon bereit für einen kleinen Gamedrive in der näheren Umgebung.

Kurz nach Verlassen des Camps tauchen links und rechts von uns Karminspinte auf, die neben uns herfliegen auf der Jagd nach Insekten, die wir mit dem Auto offenbar aufscheuchen. Die schönen Vögel sind extrem geschickt und fliegen blitzschnell neben, vor und über dem Auto, auf ein Foto habe ich keine Chance.

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Nur so sind die Karminspinte (Southern Carmine Bee-eater) gut auf Chip zu bannen.

In der Nähe eines Teiches in offener Graslandschaft äsen in friedlicher Koexistenz Impalas, Gnus, Zebras und einige wenige Tsessebe.

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Wir fahren ein paar Wege ab und geniessen die wunderschöne Landschaft. Es hat wohl schon ziemlich viel geregnet, es ist knallend Grün und das Gras steht schon sehr hoch. Plötzlich geht Beenie voll in die Eisen - eine Schlange überquert direkt vor uns die Piste. Es ist eine Felsenpython und die schöne Schlange verzieht sich unter einem kleinen Busch und rollt sich dort zusammen. Beim Vorbeifahren würde man sie so wohl kaum entdecken. Eine tolle Sichtung!

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Bei der südlichen Einfahrt in den Rundweg um die Mboma Island kommt man am Anfang in ein waldartiges Stück mit riesigen Bäumen und ein paar einzelnen Makalanipalmen. Dort gibt es eine private HATAB-Campsite, die wunderschön gelegen ist und man hat einen tollen Blick auf eine grössere, weite Ebene aus Moorlandschaft. Diesen Platz haben wir bei unserem ersten Besuch hier entdeckt und hier machen wir immer gerne ein paar Minuten halt, stellen den Motor aus und lauschen in die Natur. Heute ist ein Trupp Paviane da, die wir längere Zeit beobachten können. Dann ist es auch schon wieder an der Zeit, zum Camp zurück zu fahren.

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Das Feuer ist entfacht, die Sonne geht unter, Grillen zirpen, Frösche quaken. Die Hippos fangen an zu grunzen und in der ferne brüllt ein Löwe. Eine wirklich unvergleichlich schöne Atmosphäre ist das hier.

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Zum Abendessen grillen wir uns ein saftiges Stück Entrecôte und je einen Maiskolben. Dazu einen leckeren Salat mit Gurken, Rüebli, Paprika, Feta und Zwiebeln. Es geht uns echt verdammt gut hier draussen.


Tageskilometer: 156km (Maun - 3rd Bridge: 132km, Gamedrive #18: 24km)
Gesamtreisedauer: 7h 40min
Tageshöchsttemperatur: 28° C

Teil 2822. Juli 2018

Donnerstag, 8. Februar 2018
Moremi Game Reserve (3rd Bridge Campsite)

Unserer Meinung nach eine der schönsten Strecken, die man von 3rd Bridge aus gut fahren kann, ist der rund 27km lange Rundweg um die Mboma Island. Hierbei handelt es sich um eine Landzunge, die recht tief ins Okavango Delta hineinragt und die auch während der jährlichen Flut später im Jahr trocken bleibt. Die Fahrt geht durch wunderschöne Landschaft, mal dichter Wald mit riesigen Leberwurstbäumen, Gestrüpp und Makalanipalmen, mal durch offene Grassavannen, vorbei an kleineren und grösseren Tümpeln, wo man wunderbar die verschiedenen Wasservögel beobachten kann und mit etwas Glück kann man auch Papageien oder die African Green Pigeon entdecken. Und am Sichtungsbrett wurden gestern zwei Leopard-Sichtungen von anderen Reisenden markiert, weshalb wir uns entschieden hatten, den Loop heute früh zu fahren.

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Leider herrscht wie schon die Tage zuvor sehr trübes Wetter, eine dichte Wolkendecke hängt ständig über dem Okavango-Delta. Aber die Landschaft hier im Moremi ist trotzdem wundeschön - für mich einer der absolut schönsten Flecken dieser Erde.

Wir nehmen uns auf der einen Seite viel Zeit, auf der anderen kommt man wegen der schlechten, sehr tiefsandigen Piste auch ohnehin nicht so schnell vorwärts. Sehr viele Säugetiere sichten wir nicht, aber nebst den allgegenwärtigen Impalas doch immerhin ein paar Kudus und zum ersten Mal auf dieser Reise auch Wasserböcke. Bis ich mit meinem Foto parat bin, sind sie natürlich aber längst verschwunden. Und natürlich entdecken wir sehr viele Vögel, es Zwischert und Flattert im Walde, dass es eine wahre Freude ist.

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Dafür ist dank dem vielen Regen das Gras saftig grün und schon sehr hoch, was natürlich auch das Entdecken der Tiere etwas erschwert.

Bei der Mboma Boat Station ganz am nördlichen Ende der Rundstrecke halten wir kurz an, steigen aus und strecken die Beine auf dem Bootssteg. Von hier kann man Bootstouren auf den natürlichen Kanälen des Deltas machen.

Dann fahren wir weiter und wir gucken natürlich auf jeden Baum, auf dem sich Leoparden aufhalten könnten. Gerade fahren wir durch eine weite Ebene mit hohem Gras und nur vereinzelten Bäumen, da meint Beenie so im Spass: «Hallo Leopärdchen, na, wo bist du denn?». Fünfzig Meter weiter vorne: «Da!» Und tatsächlich können wir einen Leoparden gerade noch so von seinem Baum springen sehen. Er versteckt sich im hohen Gras, zwei Mal kann ich durch das Fernglas noch ganz kurz seine Ohren hervorlugen sehen. Wir fahren noch vor bis zu seinem Baum und sehen, dass er einen Impala-Riss dort in einer Astgabel hat. Wir warten so 20 Minuten, fahren etwas weiter zurück, weil er vom Wind her wohl unsere Witterung aufnehmen kann, aber er will sich nicht mehr zeigen. Der dritte Leopard in meinem Leben überhaupt und das für wohl weniger als eine Sekunde. Da müssen wir noch einmal hin und weil wir wissen, dass Leoparden oft mehrere Tage bei einem Riss bleiben können, wollen wir am Nachmittag noch einmal unser Glück versuchen.

Auf dem Rückweg sehen wir einmal noch eine kleinere Herde Elefanten, die gerade ein Staubbad nehmen.

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Dann sind wir zurück im Camp und machen nach einem ausgiebigen Frühstück eine längere Siesta.

Da wir für den Leoparden noch einmal den ganzen Mboma Loop fahren wollen, sind wir schon um halb vier Uhr wieder auf der Piste.

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Frau Buschbock mit Nachwus

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Grey Lourie (Grey Go-away Bird) / Graulärmvögel

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Swallow-tailed Bee-eater / Schwalbenschwanzspint

Auf dem Hinweg zum Leoparden-Baum schrecken wir ein Hippo auf, das mitten am hellichten Tag am Grasen ist. Es trabt davon, wirft einen bösen Blick zu uns rüber und verschwindet dann im Gebüsch.

Zurück beim Baum sehen wir, dass der Riss immer noch in der gleichen Astgabel hängt, von der Fleckenkatze ist aber nichts zu sehen. «Der hat sich bestimmt in dem Gebüsch da drüben versteckt», sage ich zu meinem Bruder. Dieser schaut mit dem Fernglas genau hin und findet das schöne Tier tatsächlich zwischen Blättern und einem abgestorbenen Ast. Yes! Wir fahren etwas näher ran und finden dann eine Position, von der aus wir das ausgewachsene Männchen in seiner vollen Pracht bestaunen können. Würde man ohne Wissen vorbei fahren, müsste man schon verdammt gut hinschauen, um ihn entdecken zu können. Etwas mehr als eine halbe Stunde bleiben wir beim Leoparden, einmal verändert er seine Position, aber er liegt immer auf dem Boden und starrt aufmerksam zu uns rüber.

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Dann ist es leider auch schon wieder Zeit, uns an die Rückfahrt zu machen, damit wir vor Toresschluss wieder im Camp sind. Viel passiert nicht mehr, aber wir sind natürlich hoch zufrieden mit unserer Sichtung. Wir hatten den Leoparden ganz für uns alleine und das macht es irgendwie auch besonders schön.

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Wie zur Krönung öffnet sich dann für kurze Zeit die Wolkendecke ein bisschen und beschert uns noch ein paar Minute schönes Abendlicht.

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Long-toed Lapwing (Plover)


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Das Foto ist jetzt nichts besonderes, zeigt aber schön die so typischen Szenen an den unzähligen Tümpeln. Ein Löffler, zwei Klunkerkraniche, irgend eine Limikole und etwas undefinierbar flatterndes geben sich die Ehre. 🙂

Während auf dem Gaskocher ein mittlerweile schon fast legendäres Beef Stew vor sich hin köcherlt, essen wir als Vorspeise einen Salat. Da die Stirnlampe zum Essen sowieso an ist, kann man zwischendurch einfach den Kopf heben und einen prüfenden Blick in die Runde werfen. Die Augen allfälliger Besucher reflektieren sowieso und während ich das mal so mache, gewahre ich keine zehn Meter von uns entfernt ein rötlich leuchtendes Augenpaar. Ich springe sofort auf und warne, dann sehen wir, dass es «nur» ein Schakal ist. Dieser entfernt sich dann auch rasch und wir gucken ihm nach. Aber Moment, was ist das denn für einer? Wir schauen im Buch nach und es kann sich tatsächlich eigentlich nur um einen Side-striped Jackal gehandelt haben! Wir hören dann noch einen Schakal-artigen Ruf aus der Richtung, in die er fortgegangen ist und dieser tönt definitiv auch nicht so wie von den Schabrackenschakalen. Das wäre dann auch eine Premiere für uns.

Wenig später, unser hammerleckeres Stew ist nun fertig, höre ich hinter unserem Auto ein Rascheln. Natürlich leuchten wir alles ab, können aber kein Tier entdecken. Wir geben Entwarnung, setzen uns wieder hin und essen weiter. Ich gucke nochmals nach links und jetzt leuchtet uns wieder ein Augenpaar aus dem Busch entgegen. Dieses Mal ist es eine Tüpfelhyäne, ich springe wieder auf und warne: «Hyäne!». Sofort sind wir neben dem Auto und schauen, was sie macht. Sie guckt noch ein, zwei Mal kurz zu uns rüber, scheint aber nicht sonderlich interessiert zu sein und schon ist sie auch wieder im Dunkeln verschwunden.

In der Nacht wache ich ein paar Mal von Hyänengeheul auf, eine Grille zirpt so nah an unserem Camp, dass es schon fast weh tut in den Ohren, die Frösche veranstalten ebenfalls ihr Gezetere. Auch wenn man so natürlich nicht wirklich durchschläft, gibt es einfach nichts auf dieser Welt, was friedlicher wäre zum Einschlafen.


Tageskilometer: 61km (Gamedrive #19: 33km, Gamedrive #20: 28km)
Tageshöchsttemperatur: 29° C

Teil 2928. Juli 2018

Freitag, 9. Februar 2018
Moremi Game Reserve (3rd Bridge Campsite - Xakanaxa Campsite)

Heute ist wieder Camp-Wechsel angesagt. In solchen Fällen stellen wir keinen Wecker und stehen einfach dann auf, wenn wir wach werden. Das ist in dieser Umgebung aber nicht wirklich viel später und mit dem heute zum ersten Mal wunderbar klaren Himmel beim Sonnenaufgang sind wir schon auf den Beinen. Schnell das Lager abbauen und dann nutzen wir die gar nicht so weite Fahrt nach Xakanaxa gleich auch als Gamedrive.

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Die berühmte Wasserdurchfahrt bei der dritten Brücke ist dieses Jahr recht easy zu meistern. Es hat viel weniger Wasser als auch schon und so sind wir schnell drüben. Ab dort beginnt das weit verzweigte Wegenetz zwischen 3rd Bridge und Xakanaxa, wir bleiben aber vorerst auf der Hauptpiste. Ein erstes Mal erblicken wir Lechwe Antilopen, die Landschaft ist abwechslungsreich, das Wetter freundlich, die Stimmung gut.

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Woodland Kingfisher - einer meiner Lieblingsvögel und sooo schwer zu fotografieren. Gerade im Moremi allgegenwärtig, insbesondere durch seine unaufhörlichen, gut erkennbaren, langgezogenen hellen Rufe. Sie flattern aber schnell davon und sitzen dann meistens auf Ästen hoch über dem Boden. Habe es immer wieder versucht, aber nicht ein einziges wirklich gutes Bild hinbekommen, weil man seine Linse einfach praktisch immer gegen den grellen Himmel richten müsste, so auch hier. Bei diesem Foto musste ich arg an der Belichtung schrauben, aber ich möchte es trotzdem zeigen, weil ich mit diesem Vogel soviel mit Afrika und eben die Gegend um den Okavango und Caprivi verbinde.

Beim Abzweig zur «Dead Tree Island» biegen wir ab und holpern durch den Wald. Die Pisten hier sind erbärmlich, es hat viele, zum Teil tiefe Schlammlöcher und Pfützen. Von Zeit zu Zeit lichtet sich der Wald und es tun sich schöne Ebenen mit kleineren oder grösseren Tümpeln auf, in denen das Leben tobt. Hippos, Goliathreiher, Schlangenhalsvögel und Schreiseeadler tummeln sich hier und von überall her hört man Woodland Kingfisher, die allgegenwärtigen Tauben, Graulärmvögel und sonstige Quitscherle.

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Irgendwo im Wald zwischen der 4th Bridge und Xakanaxa.

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Ein African Darter / Schlangenhalsvogel trocknet sein Gefieder in den wärmenden Strahlen der Morgensonne.

Irgendwie schaffen wir es dann, die eigentliche Zufahrt zur «Dead Tree Island» zu verpassen und landen direkt bei Xakanaxa. Wir drehen noch eine kleine Runde und entdecken unsere ersten beiden Büffel auf dieser Reise. Kurz vor der Einfahrt in die Campsite höre ich von links aus dem Gebüsch zwei, drei zischende Warnrufe und entdecke zwei Honigdachse. Zuerst starren sie uns an, dann verschwinden sie schnurstracks im Gebüsch.

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Ein einziges Foto kann ich auf die Schnelle schiessen, dann sind sie auch schon weg.

Auf der sehr schön gelegenen Campsite Nr 1 richten wir uns ein und kredenzen uns ein Frühstück mit Spiegeleier und Speck, Brote und Müsli. Anschliessender Punkt auf der Tagesordnung: die obligate Siesta. Es ist wieder herrlich warm heute mit nur wenig Wolken am Himmel. Von der Campsite aus überblickt man eine sehr breite, offene Ebene mit meterhohem Schilf, den Khwai, der hier durchfliesst, kann man eigentlich nur erahnen.

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Direkt auf der Nachbar-Campsite grasen völlig unbeeindruckt und in aller Seelenruhe eine Bushbock-Mama mit einem Kitz.

Zum Abenddrive begeben wir uns wieder auf das Wegenetz südlich von Xakanaxa. Wir fahren einfach ziellos umher und sichten als erstes, nicht ganz alltäglich, zwei Hornraben. Bei den «Sitshi Pools» und «Jesse’s Pools» bietet sich eine wirklich zauberhaft schöne Seenlandschaft.

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Ground Hornbill / Hornrabe - nun, macht seinem (englischen) Namen alle Ehre und lässt sich am Boden rumstreichend ablichten.

Bei einem grösseren Tümpel halten wir und beobachten länger eine grosse Gruppe von 19 Hippos.

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Moremi at it's best - kann es ein typischeres Bild dafür geben als dieses? Tümpel- und Grasland, Wald, Hippos im Wasser und an Land mit Kuhreiher und eine Letschwe-Antilope. 🙂

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Die Sonne steht schon tief und langsam kommt Bewegung in die Truppe. Wohl machen sie sich auf, zum Grasen an Land zu gehen. Wie wir feststellen, stehen wir nur ein paar Meter neben der ausgetrampelten Schneise, die sie für den Aus- und Einstieg aus dem Wasser nutzen. Zwei, drei Kolosse nähern sich im seichten Wasser immer mehr und als dann einer halb aus dem Wasser aufgestanden anfängt, uns zu drohen, verstehen wir die Botschaft und machen uns vom Acker:

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Great Egret

Nicht weit davon treffen wir auf einen einzelnen, grossen Elefantenbullen, der gemütlich am Gras zupfen ist. Er ist ganz entspannt und steht wunderbar im schönen Abendlicht.

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Nun ist es an der Zeit, wieder zum Camp zurück zu fahren, aber eigentlich haben wir keinen blassen Schimmer, wo genau wir uns befinden. Wir schlagen einfach die ungefähre Richtung ein und kämpfen uns durch weitere Schlammlöcher. Aber irgendwie landet man immer wieder auf der Hauptpiste und so finden wir dann doch noch rechtzeitig zu unserem Stellplatz zurück.

Wir machen ein schönes Feuer und geniessen die tolle Abendstimmung. Hippos grunzen, weit weg brüllt ein Löwe und mit Einbruch der Dunkelheit leuchten immer wieder kleine, farbige Punkte aus dem Gebüsch: Glühwürmer. Das T-Bone Steak mit Kartoffeln und in Folie gegrilltem Gemüse schmeckt mal wieder herausragend.


Tageskilometer: 41km (Gamedrive #21: 22km, Gamedrive #22: 19km)
Tageshöchsttemperatur: 35° C

Teil 3029. Juli 2018

Samstag, 10. Februar 2018
Moremi Game Reserve (Xakanaxa Campsite)

Es ist ein kühler Morgen, aber die Wärme der aufgehenden Sonne zaubert eine fantastische Stimmung herbei mit Schwaden von Bodennebel über den Schwemmebenen.

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Unser heutiges Morgenausfährtlein führt uns in südlicher Richtung zum Bodumatau Loop, wo wir einen Teil davon abfahren wollten. Auf dem Weg dorthin begegnen wir einem Hippo, das mitten auf der Piste steht und grimmig* zu uns rüberblickt.

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* eigentlich tut man den Tieren ja auch unrecht, wenn wir immer vermeintlich menschliche Emotionen oder Verhaltensweisen hineininterpretieren. Viel wahrscheinlicher ist, dass wir dem Hippo mehr oder weniger scheissegal sind so lange wir es nicht bedrängen und es einfach ganz normal zu uns rübergeschaut hat, weder grimmig noch interessiert noch sonstirgendwas. 😄

Auf dem Loop selber herrscht vorwiegend dichte Vegetation vor, so dass man nicht allzu viel an Tieren entdecken kann. Auf der einen oder anderen Lichtung gibt es sehr schöne kleine Tümpel. Auf einem davon schwimmt eine Erstsichtung für uns: African Pygmy Goose. Bei einem grösseren Teich versammeln sich namhafte Vertreter der Wasservogelwelt wie zum Beispiel Schreiseeadler, Graureiher, Nimmersatt und Löffler, natürlich auch Kuhreiher und Great Egret.

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Kurz vor dem Abzweig der Piste zurück zur 4th Bridge entdeckt Beenie noch einen African Pygmy Kingfisher. Der ist aber so flink, dass für ein Foto nicht mal im Ansatz eine Chance besteht. Am Abzweig selber müssen wir dann feststellen, dass die auf der Karte eingezeichnete Piste gar nicht mehr existiert beziehungsweise komplett zugewachsen ist. Die ganze Bodumatau-Runde wäre viel zu weit, also bleibt uns nix anderes übrig, als umzukehren und den ganzen Weg wieder zurück zu fahren.

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Ein geiler Keiler - man möge mir den albernen Wortwitz verzeihen. Von den Warzenschweinen sieht man eigentlich sehr viele, aber die armen Kerle werden kaum fotografiert (zumindest von mir, wie ich beim Durchschauen meiner Bilder feststellen muss). Also hier trotzdem mal einen zum zeigen. 😎

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Gibt es eigentlich irgend ein Foto auf dieser Welt von Wasserböcken, die nicht in genau dieser Pose drauf sind?

So rumpeln wir zurück ins Camp und just vor der Ankunft in demselbigen treffen wir noch auf drei grosse Büffel. Zum Frühstück wärmen wir uns die Reste vom Rindfleischeintopf und gestalten dann unsere heutige Siesta mal etwas anders: wir sitzen im Schatten und schreiben unsere Postkarten. Beenie kocht dann noch eine Bolognese für das Abendessen vor, während ich noch eine Runde im Zelt dösen darf. Ich fühle mich etwas schlapp heute. Entweder spüre ich etwas die Malaria-Tabletten oder leide unter leichtem Vitaminmangel.

Der Abenddrive ist dann ausgesprochen ereignisarm. Wir sehen drei Wasserböcke, Impalas natürlich, zwei Giraffen, ein Lechwe, ein paar Hippos an Land, drei Paviane. Das war’s. Offenbar halten sich viele Tiere in anderen Regionen des Deltas auf, aber das ist eigentlich nicht weiter erstaunlich. Wasser gibt es ja ohne Ende und es ist unwahrscheinlich Grün, so dass Futter für alle überall zu finden ist.

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Burchell's Starling

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Bei diesem Toko bin ich jetzt beim nochmaligen Betrachten unsicher geworden. Ist das jetzt ein Southern Red-billed oder eben doch ein Yellow-billed? Für den Gelbschnabel sprechen die roten Hautlappen/ Flecken unter dem Auge und am Hals sowie das Gefieder, aber der Schnabel ist ja hier eindeutig rot gefärbt. Anyone? Southern Red-billed Hornbill / Rotschnabeltoko

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Daher kehren wir für einmal früh ins Camp zurück und sind lange vor Torschluss wieder «daheim». Das bedeutet auch, dass wir ausnahmsweise noch bei Tageslicht zu Abend essen. Das hat auch mal was und schon gegen halb Acht liegen wir in den Zelten und lesen in unseren Büchern.


Tageskilometer: 63km (Gamedrive #23: 40km, Gamedrive 24#: 23km)
Tageshöchsttemperatur: 34° C

Teil 3101. Aug. 2018

Sonntag, 11. Februar 2018
Moremi Game Reserve (Xakanaxa Campsite - North Gate Campsite)

Durch das Moskitonetz meines Zeltes kann ich einen hammermässigen Sonnenaufgang beobachten. Hippos grunzen, ein Löwe brüllt, Frösche klicken, die Vögel begrüssen den neuen Tag mit ihrem fröhlichen Gesang.

Um 07:00 Uhr fahren wir ab in Richtung North Gate. Der grösste Teil der Strecke führt durch dichtes Buschwerk und vor allem auch unzählige Pfützen. Wir werden an unser Erlebnis von vor sechs Jahren erinnert, wo wir uns auf dieser Piste in praktisch genau gleichen Verhältnissen einmal übelst eingegraben haben und rund anderthalb Stunden richtig hart arbeiten mussten, um uns wieder aus dem Schlamm befreien zu können. Dieses Mal geht alles gut, aber die Piste ist echt in einem erbärmlichen Zustand und wir sind mehr am Bremsen und vorsichtig durch Schlammlöcher fahren als irgendwas anderes.

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An Tieren sehen wir so gut wie nichts. Beim Dombo Hippo Pool lichtet sich der Wald und eine grosse Ebene mit einem ansehnlichen See, gespeist vom Khwai, öffnet sich vor uns. Es gibt einen Turm mit einer Aussichtsplattform, wo man über eine lottrige, schiefe Treppe raufkraxeln kann. Lohnt sich aber durchaus, denn hier spielt das Leben; wir beobachten eine grössere Herde Lechwe, die am Ufer des Sees äst, die Böcke festigen mit spielerischen Kämpfen ihre Ränge, Wasservögel sind auf der Jagd, ein Graufischer steht in der Luft wie ein Helikopter, ein grosses Krokodil wärmt sich in der Sonne, die Hippos draussen im See grunzen.

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Nach etwa einer Stunde fahren wir weiter und quälen uns die letzten 10km bis zur North Gate Campsite. Dort werden wir von Sydney, dem sehr netten Camp Warden begrüsst und er meint, da heute sowieso nicht viel los sei, können wir uns selber einen Stellplatz aussuchen - bei der Buchung werden sie sonst zugewiesen. Wir entscheiden uns für die Nr 9, welche wunderschön unter riesigen Bäumen mit viel Schatten liegt. Zuerst wird ausgiebig gefrühstückt, dann stellen wir unsere Zelte auf und lesen/dösen noch eine Runde. Vor der Abendrundfahrt spielen wir eine Partie Würfel, dann machen wir uns auf in der Hoffnung auf ein paar gute Sichtungen.

Es geht in östlicher Richtung in für uns noch völlig unbekanntes Gebiet. Auf der gegenüberliegenden Seite vom Khwai Airstrip und den Logdes dort in der Nähe gibt es eine grosse Schwemmebene, zu dieser Jahreszeit mit sehr hohem, frischen Gras bewachsen. Einige Herden Lechwes lassen es sich schmecken, ansonsten aber ist nicht viel Wild da. Die Landschaft allerdings ist wunderschön und wir sind ganz alleine unterwegs.

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African Fish Eagle / Schreiseeadler

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Bateleur / Gaukler (juv.). Nach einem «traumatischen» Erlebnis im KTP vor ein paar Jahren, wo wir einmal ewig lange für die Identifizierung eines solchen Jungtieres brauchten, können wir sie jetzt ziemlich routiniert zuordnen.

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Zur Abwechslung auch mal ein hübsches Blümelein.

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Coppery-tailed Coucal

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Landschaft in der Schwemmebene östlich vom North Gate und in der Nähe vom Khwai Airstrip.

Einige Wasserdurchfahrten sind nicht ganz ohne, die Fahrspuren sind teils sehr tief und im dunklen Wasser sieht man nicht, wie tief rein in den Schlamm es wirklich geht. Wir kommen wieder in etwas dichteren Busch und plötzlich steht ein einzelner Elefantenbulle vielleicht 30m vor uns auf dem Weg. Er hat sich ob unserem unvermittelten Auftauchens wohl etwas erschreckt und ist ziemlich aggressiv, droht uns mit Ohrenwedeln und heftigem Kopfschütteln. Wir fahren ein Stück zurück, dennoch kommt er ein paar Schritte auf uns zu. Dann empfindet er die Distanz zwischen sich und uns als gross genug und dreht ab in die Büsche. Wir unsererseits lassen den kurzzeitig in die Höhe geschnellten Adrenalinspiegel absinken, bevor wir weiterfahren.

Inzwischen haben wir zwar keine Ahnung mehr, wo wir genau sind, wollen jetzt aber mal langsam zurück zum Camp fahren. Also nehmen wir einfach bei der nächsten Abzweigung den Weg, der in Richtung untergehender Sonne führt, denn etwa dort muss es sein. Wir kommen an eine grössere Pfütze, Beenie fährt erstmal am rechten Rand hinein, aber das Auto kippt bedrohlich stark nach links. Er setzt zurück und wir versuchen eine Umfahrung, aber das geht nicht, das Buschwerk ist zu dicht. So muss ich wohl oder übel aussteigen, in der Hoffnung, es möge trotz genauem Hinschauen kein gefährliches Tier in der Nähe rumlungern, und wate durch die Pfütze. Das Wasser ist aber zum Glück maximal knietief.

Wie es scheint, haben wir instinktiv richtigen Weg genommen.. Auf dem Rückweg treffen wir aber nochmals auf zwei Elefantenbullen, einer davon auch wieder sehr nahe am Weg und riesengross. Der ist aber ziemlich entspannt und lässt uns problemlos passieren.

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Auf einem abgestorbenen Baum hockt ein Geier. Eine Erstsichtung, wie sich herausstellen sollte: White-headed Vulture:

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Als wir, zurück im Camp, am Abendessen vorbereiten sind, hören wir zum ersten Mal in diesem Urlaub eine African Scops Owl. Endlich! Denn dieser Sound gehört für uns zu Afrika einfach dazu und wir hatten es schon sehr vermisst.

Gerade sind unsere Steaks fertig, da hören wir von weiter weg einen Löwen brüllen. Ein paar Minuten später brüllt er wieder, dieses Mal aber schon deutlich näher. Dann noch einmal, wir hören auf zu kauen und lauschen gebannt in die Nacht. Jetzt brüllt er wieder und viel weiter weg als 50m war das nicht, dann aber kommt das Brüllen aus wieder weiterer Entfernung. Ein ziemlicher Nervenkitzel, muss man schon sagen! Wäre die Katze einfach ohne Rufen am Camp vorbei marschiert, wären wir seelenruhig sitzen geblieben.

Unter diesen Umständen aber gehen wir dann nach dem Essen doch lieber gleich in die Zelte. Da fühlt man sich schon wesentlich sicherer, irgendwie.


Tageskilometer: 69km (Gamedrive #25: 52km, Gamedrive #26: 17km)
Tageshöchsttemperatur: 34° C

Teil 3201. Aug. 2018

Montag, 12. Februar 2018
Moremi Game Reserve (North Gate Campsite)

Wozu auch ausgedehnte Gamedrives machen, wenn es sowieso nichts zu sehen gibt? Ganz so fatalistisch denken wir zwar noch nicht wirklich, aber mit der Zeit schwingt zugegebenermassen schon ein kleiner Frust mit. Heute Morgen fahren wir auf der westlichen Seite vom North Gate durch die Flutebenen des Khwai umher, doch Impalas, Lechwes, ein paar Zebras, Kudus und zwei Hornraben ist unsere ganze Ausbeute. Die Landschaft aber entschädigt für so einiges, es ist einfach sauschön hier:

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Habe dann kurzfristig das Metier gewechselt und jetzt mache ich neuerdings Portraitfotografie von schönen Frauen. 🙂

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Ground Hornbill / Hornrabe

Schon gegen 08:00 Uhr sind wir zurück im Camp und machen uns erstmal einen leckeren Kaffee. Wir lassen die Seele baumeln, haben einen gemütlichen Morgen unter den schattigen Bäumen und essen ein spätes Frühstück.

Aus einer dummen Idee heraus machen wir uns anschliessend etwas dreckig:

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#schlammschlacht

Danach ist natürlich eine gründliche Dusche angesagt, wir waschen Kleider und nach getaner Arbeit folgt - wer hätte das gedacht - logischerweise wieder eine Siesta. Irgendwann kommt der nette Camp Warden Syndey vorbei und quatscht ein bisschen mit uns. Wir können auch noch Feuerholz bei ihm bestellen, dass er uns später bringen will. Er empfiehlt uns, für den heutigen Abenddrive noch die nördliche Seite ausserhalb des Nationalparks rund um den Airstrip zu versuchen. Dort hätte es immer auch viele Elefanten.

Das tun wir dann auch, haben aber weiterhin kein Glück. Zurück beim Camp entdecken wir noch ein paar Zebras, die im schönen Abendlicht ganz entspannt neben der Piste am Grasen sind.

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Ziemlich beste Freunde: wo Zebras sind, sind oft auch Gnus nicht weit:

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Etwas weit weg, eine schöne Sichtung ist es aber allemal:

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Green Wood-Hoopoe

Sowie wir zu unserem Stellplatz zurück kommen, treffen wir wieder Syndey. Er ist total konsterniert, dass wir keine guten Sichtungen hatten und entschuldigt sich schon fast dafür. Er ist dann aber froh, als wir ihm versichern, dass das für uns kein Problem ist und wir es akzeptieren, weil die Natur halt einfach so ist. Wir tauschen dann noch ein paar Geschichten aus und er erklärt, dass die Paviane hier oft den Camping-Gästen das Leben schwer machen. Was spannend ist: vor ihnen, den schwarzen Angestellten, hätten die Tiere genügend Respekt und trollen sich, wenn sie weggescheucht werden. Nicht so aber bei den weissen Touristen. Offenbar haben die Paviane gelernt, dass diese sich meistens nicht so richtig trauen, sich zu wehren und die Affen richtig wegzujagen. Ich erzähle ihm dann die Geschichte von einem Elefanten bei Linyanti, die mir zu Ohren gekommen ist: der Elefant habe gelernt, dass in den grossen weissen Autos der Touristen hinten drin immer Essen ist. So habe er angefangen, mit den Stosszähnen die Canopys der Mietwagen aufzubohren und sich so das Essen dort drin zu holen. Der lapidare Kommentar von Syndey: «You see, white colour is a problem!». Wir schauen uns einen Moment lang etwas doof an, dann brechen wir in schallendes Gelächter aus.

Während dem Abendessen - wir haben uns Pasta mit dem Rest Bolognese aufgewärmt - fliegt plötzlich eine African Barred Owlet (Kapkauz) direkt hinter mir in einen Baum. Zuerst reicht es gerade so knapp, meinen Fotoapparat zu holen und ein Bild zu machen, dann fliegt er wieder davon. Doch zehn Minuten später kommt der Kauz noch einmal zurück und hält anscheinend völlig ohne Angst für ein paar Fotos still:

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African Barred Owlet / Kapkauz - vielen Dank @maddy für die Bestimmung! Und ein Dank gebührt natürlich auch noch meinem Bruder, der hier mit der LED-Lampe mit der Ausleuchtung geholfen hat. Mit hoher ISO konnte ich dann doch ein ziemlich gelungenes Foto schiessen - ich freue mich noch heute sehr über dieses Bild!


Tageskilometer: 43km (Gamedrive #27: 17km, Gamedrive #28: 26km)
Tageshöchsttemperatur: 33° C

Teil 3305. Aug. 2018

Kapitel 14
Urlaubstage am Okavango


Dienstag, 13. Februar 2018
Moremi Game Reserve (North Gate Campsite) - Guma Lagoon Camp

Ein langer Fahrtag steht an. Deshalb fackeln wir nicht lange rum und sind schon kurz nach sieben Uhr in den Startlöchern.

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So sieht unser Gefährt nach ein paar Tagen Schlammschlacht im Moremi aus. 😛

Wir fahren über den Khwai und durch das gleichnamige Dorf und dann geht es im Prinzip in einem grossen Bogen rund um das Konzessionsgebiet und das Moremi Game Reserve vorbei auf recht guter Piste bis zurück nach Maun. Dort statten wir dem «Wimpy» einen Besuch ab und essen Frühstück, tanken voll und kaufen im «Choppies» daneben zwei, drei Kleinigkeiten ein. Danach fahren wir noch zur Post und geben unsere Postkarten auf, dann sind wir auch schon wieder weg.

Es folgen mehrere Stunden eintöniger Fahrt auf einem schnurgeraden Asphaltband. Zuerst knapp 100km in südwestlicher Richtung bis zur Kreuzung bei Sehithwa, dann noch einmal fast 250km direkt nach Norden. Nach Gumare tauchen plötzlich immer mehr Schlaglöcher vor uns auf, die Strasse wird schlechter und schlechter. Wir fragen uns mal wieder, wie so etwas nur möglich ist, in der einen Provinz ist die Strasse tiptop, in der anderen wird seit zehn oder mehr Jahren nicht ein einziges Loch geflickt. Nun, das Geld dafür verschwindet wohl in irgend einer Tasche irgend eines hochrangigen Lokalpolitikers - auch wenn Botswana bekanntermassen als eines der am wenigsten korrupten Länder Afrikas gilt. Viele Reisen haben wir in Afrika schon gemacht, es erstaunt uns aber immer wieder auf’s Neue.

Bei einem kleinen Örtchen mit dem lustigen Namen Etsha 13 kommt unsere Abzweigung endlich in Sicht. Zuerst geht es noch für ein paar Kilometer auf breiter, guter Schotterpiste bis zur Ortsmitte. Dort fragen wir nach dem Weg und werden von einem jungen, sehr coolen Kerl, der auch ziemlich zugedröhnt scheint, mit einem fröhlichen «What’s up, Bro?» begrüsst und dann auch auf die richtige Piste geschickt. Wir müssen wieder Luft aus den Reifen ablassen, denn es folgen jetzt 13km sehr tiefsandige Zufahrt. Doch dann haben wir es geschafft und wir biegen auf den Parkplatz vom Guma Lagoon Camp ein.

Freundlich werden wir empfangen und herumgeführt, das Camp ist zauberhaft gelegen direkt an der namensgebenden Lagune. Von unserem Golfprofi-Freund Roger hatten wir empfohlen bekommen, die Campsite Nr 1 zu reservieren. Und dieser Tipp war wirklich Gold wert. Ein unbeschreiblich schöner Platz unter schattigen Bäumen und Palmen mit eigenem, ganz kleinem Sandstrand (an dem man aber auf gar keinen Fall baden sollte - es gäbe nämlich Krokodile hier und Hippos natürlich sowieso). Hier werden wir es definitiv ein paar Tage aushalten können.

Ein kleiner Dämpfer ist aber, dass wir kein Abendessen mehr bekommen können. Dieses muss vorangemeldet werden, doch leider seien wir zu spät dran, da liesse sich nichts mehr machen. Es ist noch nicht mal 16:00 Uhr und aus unserer Sicht dann doch etwas unflexibel. Ab heute nämlich wollen wir nicht mehr selber kochen, es kommen nur noch Unterkünfte mit Küche. Deshalb haben wir nichts mehr eingekauft, aber easy, wir können schon noch was aus den Resten zusammenbasteln.

Wir bauen unser Camp auf und genehmigen uns dann einen Rock Shandy auf der tollen Terasse der Lapa/ Bar. Es ist echt gemütlich und entspannt hier.

Nach dem Abendessen checken wir nochmals die Lage an der Bar, es sind aber nur wenige Gäste da und alles ist ruhig. Macht nichts, nach dem langen Fahrtag sind wir sowieso ziemlich erledigt und verkriechen uns daher schon bald wieder in unsere Zelten.


Tageskilometer: 443km
Gesamtreisedauer: 8h 40min
Tageshöchsttemperatur: 36° C


Mittwoch, 14. Februar 2018
Guma Lagoon Camp

Vom heutigen Tag gibt es nicht besonders viel zu erzählen, wir machen nämlich Urlaub. Der Platz ist so gemütlich, wir haben ja unsere Hängematten dabei und ein gutes Buch auf dem iPad zum Lesen und alle Zeit der Welt.

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Für das Frühstück haben wir uns auch angemeldet und das ist auch ganz in Ordnung. Es gibt je einen Teller mit Rührei, Speck, Würstchen und Champignons, dazu Brot und ein Müsli-Buffet mit frischen Früchten.

Dann liegen wir einfach rum, entweder in den Hängematten oder am Pool, spielen Karten, warten auf eine funktionierende Internetverbindung oder kurz: wir haben es einfach gut.

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Am Nachmittag zieht auch eine Familie Meerkatzen an unserer Campsite vorbei. Am Morgen veranstalten sie jeweils einen Heidenlärm, wenn sie über das Blechdach des Küchengebäudes rabautzen. Und natürlich gäbe es auch etliches an Vögeln hier zum beobeachten und bestimmen, unter anderem auch der so typische Doppelruf der Swamp Boubous erfreut uns. Aber wir sind grad etwas Safari-Müde und mögen die Kamera nicht mehr so oft hervorholen.

Es ist ziemlich bewölkt heute und daher nicht allzu warm. Drum mache ich mich so nach 15:00 Uhr endlich wieder mal auf eine Laufrunde. Die 7,3km im Tiefsand sind sauanstrengend und fühlen sich nach wesentlich mehr an, aber es tut unheimlich gut, mal wieder zu Laufen nach all den Wochen in den Nationalparks.

Nach einer erfrischenden Dusche ist Rock Shandy- und dann auch schon bald Abendessen-Time. Es gibt eine Auberginen-Lasagne zur Vorspeise, gefüllte Hähnchenbrust mit Kartoffeln, Kürbis und Blumenkohl und zum Dessert irgendwas leckeres süsses mit Banane. Auch heute ist wenig los und so sind wir schon bald wieder zurück auf unserer Campsite.


Tageskilometer: 0km
Tageshöchsttemperatur: 25° C

Teil 3426. Aug. 2018

Donnerstag, 15. Februar 2018
Guma Lagoon Camp

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Noch einmal ein frühmorgendlicher Blick von der Campsite über die Lagune. Einfach schön.

Nach dem Frühstück packen wir Sonnencrème, Wasser und ein paar Snacks ein und begeben uns zum Bootssteg, wo unser Guide James schon auf uns wartet. Heute machen wir einen Ausflug mit dem Mokoro, dem Jahrhunderte alten Fortbewegungsmittel des Deltas, einem Einbaumboot. Ein so genannter Poler steuert im Stehen diese langen, schmalen Boote mit einem langen Stecken, die er zum Abstossen und damit der Vorwärtsbewegung verwendet.

Zunächst fahren wir mit einem Motorboot über die Lagune und dann einem breiteren Kanal entlang bis zu einer kleinen Insel, wo die Mekoro verstaut sind. Unterwegs sehen wir schon einige Vögel, darunter auch gleich ein paar Arten wie Malachite Kingfisher oder Blue-cheecked Bee-eater, die noch nicht auf unserer Liste markiert sind.

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Malachite Kingfisher

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Pied Kingfisher / Graufischer - ein Männchen; gut zu erkennen am doppelten Brustband, Weibchen haben nämlich nur einen schwarzen Streifen über der Brust.

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Das James sehr routiniert ist, merkt man insbesondere auch daran, dass er auch bei schneller Fahrt mit dem Motorboot kleine Krokodile entdecken kann, die sich im Ufergehölz gut getarnt verstecken. Sehr schwierig, mit der Kamera zu erwischen, denn meistens verziehen sie sich schnell und bis man auf dem wackeligen Boot «schussbereit» ist, ist es schon zu spät.

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Habe mein Bestimmungsbuch nicht zur Hand, aber das müsste ein Squacco Heron (Rallenreiher) sein, korrekt?

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White-throated Bee-eater

Auf der Insel angekommen, klettern wir an Land und marschieren ein paar Meter durch den Busch zu einem engen Kanal, wo die Einbäume liegen.

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James bereitet unseres vor - leider sind es keine echten aus Holz mehr. Die Moderne hat auch hier Einzug gehalten und wir zwängen uns auf ein leichtes Fieberglas-Mokoro. Dazu werden zwei Plasticsitze auf den Boden gelegt, wo wir uns hinsetzen können. Gekonnt nimmt James seine Position hinten auf dem Boot stehend ein und stösst uns vom Land los. Ganz ruhig und gemählich geht es nun vorwärts, links und rechts von uns ist das Ufer von undurchdringlichem Schilf und Papyrus gesäumt. Hunderte und Aberhunderte von Wasserlilien ziehen am Boot vorbei, die Stimmung ist absolut magisch und so friedlich.

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Etwa anderthalb Stunden pflügen wir so durch die Flusslandschaft. Leider ist die Batterie meiner Kamera schon nach den ersten paar Fotos leer und meine Ersatzbatterie steckt natürlich schön brav im Ladegerät in unserem Auto. Also lege ich die Kamera beiseite und geniesse einfach. Auf einer etwas grösseren Insel machen wir halt und unternehmen einen kleinen Spaziergang durch den Busch. James erklärt mit leiser Stimme aber echter Begeisterung die Spuren der Tiere, allerhand wissenswertes über die Pflanzen und wie sie verwendet werden von den Bajeji, einem einst hier ansässigen Volk. Es ist immer wieder erstaunlich, wie viel uns die Natur geben kann und wie über Jahrhunderte dieses Wissen von Generation zu Generation weitergegeben wird.

Dann plätschern wir gemütlich zurück zur Mokoro-Insel. Es ist so ruhig und voller Demut geniessen wir dieses einmalige Stück Natur. Einmal hüpft ein kleiner Frosch direkt zu uns ins Boot und auf Beenie’s T-Shirt. Kleine Krokodile entdecken wir, und allenthalben fliegt ein Kingfisher oder Reiher auf, Sporengänse schnattern, von irgendwoher ist der durchdringende Ruf eines Schreiseeadlers zu hören.

Der Himmel zieht immer mehr zu und James fährt uns dann rasant mit dem Motorboot zum Camp. Gerade rechtzeitig vor einem kleinen Regenguss und gegen 14:00 Uhr sind wir zurück und können unsere Sachen ins Trockene bringen.

Den Rest des Tages verbringen wir gemütlich mit Lesen, Schreiben, Fotos bearbeiten oder Kaffee trinkend auf der Campsite oder dem Sonnendeck.

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Hier noch eine Overview über die Campsite #1 auf Guma Lagoon. Ein extrem friedlicher Platz, abgeschottet von allen anderen, sehr gepflegt und mit eigenem Ablution. Hier lässt sich gut aushalten. In schöner Erinnerung ist mir auch der exotische «Doppel»-Ruf der Swamp Boubou's, ein Vogel, der zum Okavango-Delta und Caprivi gehört wie Schinken zum Sandwich und immer so ein Gefühl von Tropen verbreitet.

Wir haben uns wieder zum Abendessen angemeldet, welches auf die Minute pünktlich um 19:00 Uhr serviert wird. Heute essen keine anderen Gäste hier und die Damen von der Küche schaffen es, alle drei Gänge innerhalb von 32 Minuten auf den Tisch zu knallen. Das amüsiert uns sehr, aber es schmeckt wieder hervorragend - es gab Salat, Panierte Schnitzel mit Kartoffelstock und Gemüse sowie einer Mousse au Chocolat zum Dessert.

Eben, andere Gäste sind keine da, die Bar ausgestorben und daher begeben auch wir uns wieder früh zurück auf unsere Campsite. Ich lese gerade ein sauspannendes Buch über eine junge Deutsche, die in Südafrika und Botswana die Ausbildung zum Safari Guide gemacht hat und fange selber an, ein bisschen davon zu träumen...


Tageskilometer: 0km
Tageshöchsttemperatur: 26° C

Teil 3526. Aug. 2018

Freitag, 16. Februar 2018
Guma Lagoon Camp - Ngepi Camp

Die heutige Fahrt zurück nach Namibia und ins Ngepi Camp ist nicht weit und daher können wir den Tag gemütlich angehen. Am frühen Morgen liegt die Lagune ganz still da, kein Lüftchen weht, und im flachen Wasser spiegeln sich die Wolken des afrikanischen Riesenhimmels.

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Wir frühstücken und bauen dann gemütlich unser Lager ab. Gegen 10 Uhr sind wir abfahrbereit und machen uns auf den Weg gen Norden. Der Grenzübergang bei Mohembo ist klein und es ist nicht viel los hier, so dass wir keine 15 Minuten später schon wieder in Namibia eingereist sind. Direkt hinter der Grenze liegt der kleine Mahango National Park, den man im Transit kostenlos durchqueren kann. Es sind nur etwa 12km und unterwegs sehen wir ausser etwas Wild, ein paar Pavianen und drei Giraffen noch nicht allzu viel.

Nicht weit nach dem Nationalpark kommt auch schon der Abzweig zum Ngepi Camp. Wir sind schon zum vierten Mal hier und das liegt schlicht daran, dass es einer unserer absoluten Lieblingsplätze in Afrika ist. Das Camp liegt direkt am Okavango und ist äusserst liebevoll gestaltet und zieht ein eher jüngeres Publikum an. Es gibt eine grosse Bar und verschiedene Plattformen, wo man direkt über dem Fluss abhängen kann. Die ganze Atmosphäre ist einfach herrlich «laid back», die Leute super freundlich und man trifft immer mal wieder andere Reisende an. Und natürlich ist es gut gelegen für Ausflüge in den Mahango oder die Buffalo Core Area auf der gegenüberliegenden Flussseite. Zudem ist die Vogelwelt sehr artenreich vertreten, so dass uns bestimmt nicht langweilig werden wird in den nächsten vier Tagen.

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Auf der etwa 4km langen Zufahrt zum Camp fährt man auch durch ein ganz kleines Village von einheimischen Bauern, die hier Vieh halten und etwas Mais anbauen. Bei einer kleinen Farm haben diese drei Kids einen Plastickanister in eine Trommel umfunktioniert und kommen herbeigeilt, sobald ein Touristen-Auto angefahren kommt. Sie tanzen und singen etwas für uns, wir lachen uns einen Schranz, weil es nicht wirklich einstudiert ist, aber es ist einfach nur zuckersüss. Dafür darf ich ein paar Fotos schiessen, die sich die drei dann mit Begeisterung auf dem Kameradisplay anschauen.

Nach dem Check-in beziehen wir unsere Campsite und genehmigen uns hernach an der Bar einen Rock Shandy. Am späteren Nachmittag wollen wir dann ein erstes Mal die Buffalo Core Area erkunden und fahren zu diesem Zweck zuerst rauf nach Divundu und über die Brücke über den Fluss. Nun geht es noch einmal etwa 10km bis zum Abzweig und der Piste zum Parktor. Wie wir dort in Erfahrung bringen, schliesst dieses bereits um 18 Uhr, so dass wir nur noch einen kurzen Gamedrive unternehmen können. Dieser ist aber sehr schön, zuerst geht es durch dichtesten Busch oben auf der Uferkante entlang, dann führt der Weg hinunter ans Wasser und die weiten Schwemmebenen. Wir sehen eine Herde Elefanten im Dickicht, sehr viele Kudus, einen Riedbock weit draussen und noch weiter draussen Grasen etliche Hippos.

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Aber schon bald müssen wir wieder umkehren und wir schaffen es noch kurz vor knapp wieder raus aus dem Park. Gleich hinter dem Gate treffen wir noch einmal auf eine Herde Elefanten, aber wie es scheint, waren sie schon am Wasser zum Trinken und sie ziehen sich Blätter mampfend immer weiter in den Busch zurück.

Im Camp hüpfe ich noch rasch unter die einmalig schöne Buschdusche und dann reicht es noch knapp für einen Drink an der Bar, bevor wir zum Essen gerufen werden. Es gibt Hähnchen an einer fantastischen Zwiebelsauce, Reis und Gemüse vom Buffet und wir schlagen uns mächtig die Ranzen voll. Danach geht es zurück an die Bar, wo wir kurz mit ein paar jungen Schweizern schwatzen, die mit einer Overlander-Gruppe in 24 Tagen (!) von Kapstadt über Namibia, Botswana und Victoria Falls nach Johannesburg reisen.


Tageskilometer: 205km (Etappe: 142km, Gamedrive #29: 63km)
Gesamtreisezeit: 3h 10min
Tageshöchsttemperatur: 31° C

Teil 3627. Aug. 2018

Samstag, 17. Februar 2018
Ngepi Camp

Vogelgezwitscher und Hippogrunzen weckt mich auf, die Sonne geht gerade auf und ein neuer Tag in Afrika begrüsst uns mit angenehmen 20° C. Ich giesse uns einen Kaffee auf, für mich gehören diese Momente am frühen Morgen - ich wiederhole mich - mit zu den allerschönsten.

Etwas später schlendern wir rüber zur Bar, trinken nochmals einen Kaffee und lesen News in den Online-Zeitungen der Heimat; zum ersten Mal seit fast fünf Wochen. Wie es scheint, haben wir nicht allzu viel verpasst und die Erde dreht sich immer noch. Der ganz normale Wahnsinn geht also auch ohne uns weiter.

Auf der gegenüberliegenden Flussseite grasen und trinken fünf, sechs Büffel. Da Beenie sein Fernglas grad bei sich hat, können wir sie gut beobachten vom Camp aus. Ein Mitarbeiter spricht meinen Bruder an, ob wir denn auch an Vögel interessiert seien, wenn er schon so ein tolles Glas mit habe. Na klar! Es stellt sich heraus, dass Christopher einer der Guides hier ist und seit 16 Jahren im Ngepi arbeitet. Er ist der Vogelkundler und das merkt man sofort. Voller Begeisterung zeigt er uns gleich ein paar Vögel, erzählt, was es hier alles für Arten gibt und nimmt uns direkt mit zu einer der Campsites, wo immer die und die Vögel zu sehen seien. Wir versprechen ihm, dass wir noch einen Bird-Walk mit ihm machen werden - das wird sicher grandios.

Der Morgen plätschert dahin, wir bestellen uns was zum Frühstück und dann lümmeln wir gemütlich auf einem der Sonnendecks rum bis in den Nachmittag hinein.

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Frühstück und Mittagessen bestellt man sich an der Bar und kann es nachher hier bei der Küche abholen. Aber das Foto habe ich natürlich wegen dem coolen Schild gemacht. (Foto mit Smartphone). 😎

Wie gesagt ist Ngepi sehr liebevoll gestaltet und so unternehme ich einmal auch eine kleine Tour über das Gelände zum dokumentieren, was ich damit meine. Es gibt insbesondere wirklich coole Freiluftduschen, Bäder und Klos (ansonsten gehöre ich sicher nicht zu den Klo-Fotografen, aber hier kann man ja fast nicht anders):

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Taking a shit with a view, könnte man sagen. 😄

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Coolste Dusche überhaupt (Foto aus 2016)

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Coolster Swimmingpool überhaupt - der erste Hippo- und Krokodilsichere Pool der Welt, wie ihn das Camp selber anpreist. Ansonsten wäre es völlig undenkbar, im Kavango zu baden, aber durch diesen Käfigpool wird sogar das möglich gemacht. (Foto aus 2016)

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Und noch die coolste Bar weit und breit. (Foto aus 2016)

Am späteren Nachmittag brauche ich dann doch etwas Bewegung und ich schmeisse mich in meine Laufklamotten. Ich laufe die 4km auf der Piste bis zur Teerstrasse und dann auf dieser noch ein Stück in Richtung Bagani und wieder zurück, so dass es am Ende mal wieder 12km gibt. Dieses Mal forciere ich das Tempo etwas, aber bei etwa 28° C, Tiefsand, und viel zu wenig Training in den letzten sechs Wochen wurde es eine knüppelharte Angelegenheit. Unterwegs habe ich aber ein Riesenfest, immer wieder winken mir Kinder oder Jugendliche zu, die alten grüssen freundlich. Zwei kleine Knirpse laufen sogar zwei- oder dreihundert Meter mit mir mit und lachen sich einen, ein junger Bursche klatscht mich ab. Als ich wieder kurz vor dem Camp bin, fährt in mehreren Autos grad ein Fussballteam zur Hauptstrasse zurück, sie feuern mich an und klopfen Sprüche (gut, vielleicht haben sie auch mit üblen Beleidigungen um sich geworfen, ich verstehe ja nix von der lokalen Sprache :)).

Völlig erledigt aber happy komme ich ins Camp zurück. Wir müssen uns bis 18.00 Uhr etwas von der Snack-Karte bestellen, denn nur für uns beide wollen sie hier verständlicherweise kein ganzes, dreigängiges Abendessen zubereiten. Ich hüpfe noch schnell unter die Dusche, dann sind auch schon unsere Burger mit Fritten und Salat fertig.

Nach dem Essen spielen wir noch eine Partie Karten an der Bar. Es ist aber absolut tote Hose, so dass der unterbeschäftigte Barkeeper schon gegen 20:00 Uhr die Schotten dicht machen darf.


Tageskilometer: 0km
Tageshöchsttemperatur: 30° C

Teil 3728. Aug. 2018

Sonntag, 18. Februar 2018
Ngepi Camp

Mit ausgeschaltetem Motor stehen wir direkt am Ufer des Okavango und beobachten andächtig vier grosse Büffelbullen. Offenbar befinden wir uns in ihrer «Alarmzone», denn sie starren mit äusserster Aufmerksamkeit zu uns rüber und scheinen abzuwägen, ob das grosse weisse Ding eine Gefahr für sie darstellt oder nicht. Wir denken, dass es vier so genannte «Dagga Boys» sind. Ältere Bullen verlassen die Herden und weil ihre Haut mit dem altern brüchig wird und sich abzuwetzen beginnt, suhlen sie sich sehr oft im Schlamm und sind daher meist von einer dicken Schlammschicht bedeckt. Sie sind die aggressivsten und gefährlichsten Büffel. Minutenlang stehen wir uns so gegenüber, mit schnellen Kopfbewegungen schütteln die schwarzen Riesen immer wieder die Kuhreiher von ihrem Leib. In dieser Phase benötigen sie jetzt ganz sicher keine Fellpflege. Der am nächsten zu uns stehende wird irgendwann nervös, scharrt mit seinen Hufen und auf einmal rennen alle vier mit grossem Getöse davon. Wir gucken um die Ecke und sehen, dass sie nur die äusserste Vorhut einer grossen Herde bildeten, die jetzt aufgeschreckt das Weite sucht.

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Wir befinden uns auf unserem morgendlichen Gamedrive in der «Buffalo Core Area». Mit den ersten Sonnenstrahlen sind wir aufgestanden und haben uns gleich auf den Weg auf die gegenüberliegende Flussseite gemacht in der Hoffnung auf Elefanten. Diese sind heute Morgen zwar noch nicht zum Fluss unterwegs, aber wenig später und nach einer Wasserdurchfahrt am Ende des fahrbaren Weges hier im Nationalpark treffen wir auf eine zweite, noch grössere Büffelherde. Aufgeschreckt durch unsere Ankunft ziehen sie sich zunächst etwas in die Büsche zurück, doch schon nach ein paar Minuten lugen sie wieder vorsichtig aus der Deckung hervor und wagen sich dann einer nach dem anderen heraus und Grasfressend arbeiten sie sich langsam in Richtung Fluss vor. Sehr beeindruckend, so eine 200 - 300 Tiere starke Herde.

Nach einer Weile machen wir uns auf den Rückweg und fahren gemächlich dem Schwemmland und Ufer entlang. Jacanas, Waffenkiebitze, verschiedene Reiher, Schlangenhalsvögel, Stelzenvögel und ein Schreiseeadler fliegen vor uns davon. Mit hochgereckten Schwänzen wie Antennen flitzt etwas Graues durchs Gebüsch: Warzenschweine. Eine einzelne Grünmeerkatze schaut uns skeptisch an. Eine wunderbare Stimmung herrscht hier an diesem schönen Morgen.

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Wattled Crane / Klunkerkranich

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Hamerkop / Hammerkopf

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Water Thick-knee / «Wassertröpfchen» by Friederike 😄 (Wassertriel)

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African Jacana / Blaustirn Blatthühnchen - Zu Hunderten, wenn nicht Tausenden gesehen, aber so gut wie nie fotografiert...

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Monitor Lizard / Nilwaran

Gegen halb Elf sind wir zurück im Camp, trinken einen Kaffee und bestellen das Frühstück. Neue Gäste kommen an und wir belagern dann wieder das Sonnendeck. Wie wir so am Lesen oder Reisetagebuch schreiben sind, hören wir von drüben im Gehölz einen Elefanten trompeten. Wir schauen rüber, aber noch tut sich nichts im sichtbaren Bereich des anderen Ufers. Ein paar Minuten später wieder ein lautes Prusten und das unverkennbare Grummeln. Da, eine Herde Elefanten kommt den Hang hinunter und steuert zielstrebig zum Wasser! Wir gucken uns das Spektakel an und stellen schnell fest, dass es sich um eine grössere Herde handeln muss. Schnell einmal sind wir bei 50 Tieren angelangt beim zählen, es hört aber nicht auf und immer mehr ohrenschlackernde Rüsselschwinger tauchen aus dem Dickicht auf. Am Ende sollten es um die 200 Tiere sein, die sich zu einem grossen Herdenverband zusammengeschlossen haben und uns nun für praktisch den ganzen Nachmittag ein Wahnsinnsschauspiel bieten sollten. Wir sitzen einfach da auf unserer Terasse und gucken stundenlang ans andere Ufer rüber. Die Elefanten trinken, baden, essen, spielen und tröten und grummeln um die Wette. Meine Kamera hole ich erst gar nicht aus dem Auto, nur rasch ein paar verwackelte Handyvideos machen wir. Ansonsten geniessen wir einfach diesen einmaligen Moment; die wohl grösste Ansammlung von Elefanten auf einem Haufen, die wir bisher erleben durften.

Bei YouTube ansehen ↗

Als sich die Lage etwas beruhigt, machen wir unseren Birding-Walk für morgen früh klar, trinken einen Rock Shandy an der Bar und widmen uns dann unserem Kartenspiel. Doch wieder taucht eine neue Herde auf und wieder schauen wir gebannt und andächtig über den Fluss. Einfach nur magisch!

Ein Gewitter zieht auf und wir räumen unsere Sachen weg und begeben uns schleunigst unters grosse Dach bei der Bar. Doch es zieht vorbei und dann ist auch schon bald Abendessenszeit. Es gibt Lamm und Boerewors mit Miliepap, Spinat und Kürbis und zum Dessert einen völlig überzuckerten Kuchen mit Schokoguss. Das bringen wir dann beim besten Willen nicht mehr runter - viel zu süss und mastig. Komplett überfressen und mit einem gehörigen Zuckerschock gehen wir zurück auf unsere Campsite und bald danach schon wieder zum Lesen und Träumen in die Zelte. Nachts gegen zwei Uhr wachen wir auf, drüben aus dem Wald ist wieder lautes Trompeten zu hören.


Tageskilometer: 104km (Gamedrive #30: 104km)
Tageshöchsttemperatur: 28° C

Teil 3829. Aug. 2018

Montag, 19. Februar 2018
Ngepi Camp

Um Punkt 06:30 Uhr stehen wir verschlafen an der Rezeption, doch von Christopher fehlt jede Spur. Wir warten und warten, doch niemand taucht auf. Nach einer halben Stunde sagt uns einer der Angestellten, sie würden den Guide nicht erreichen können, da gehe keiner ans Telefon. Wir geben Bescheid, dass wir auf unserer Campsite warten und machen uns erstmal einen Kaffee. Irgendwo haben sie einen Ersatzguide aufgetrieben und der wird nun bei uns vorstellig. Dann machen wir den Walk eben mit ihm.

Wir laufen in der näheren Umgebung vom Camp durch den Busch und der Mann zeigt uns ein paar Vögel. Irgendwie werden wir das Gefühl nicht los, dass er nicht so ganz bei der Sache oder nicht besonders motiviert ist, der Funke mag nicht so recht rüberspringen. Trotzdem, ein paar neue Arten können wir für unsere Liste notieren und ein Foto von einem Little Bee-eater gelingt mir dann auch noch:

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Little Bee-eater / Zwergspint

Nach etwas mehr als einer Stunde sind wir auch schon wieder zurück. Da haben wir uns ein bisschen mehr erhofft, aber sei es drum. Wir holen uns einen neuen Kaffee und bestellen dann mal etwas zum Frühstück.

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Yellow-bellied Greenbul

Den Rest des Tages vertrödeln wir wieder mit Ferien machen. Es geht uns gut, wir lassen die Seele baumeln und geniessen die entspannte Atmosphäre hier einfach sehr. Irgendwie sind wir auch grad etwas durch mit Gamedriven und so schaffen wir es doch tatsächlich, in vier Tagen nicht einmal in den Mahango gefahren zu sein. 😄 Langsam kommen so die ersten dunklen Gedanken an das Ende unserer Reise auf, morgen geht es auf grosse Fahrt zurück in Richtung Windhoek.

Gegen Abend gehe ich nochmals auf eine Laufrunde. Dieses Mal lasse ich es etwas ruhiger angehen und mache 13km in entspanntem, tiefpulsigem Bereich. Dann unter die schönste Buschdusche, die man sich nur vorstellen kann, gehüpft.

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Zufriedener Sam nach einem schönen Lauf.

Und schon ist es auch wieder Zeit für das Abendessen. Heute gibt es sensationell leckere Spareribs vom Grill, gebackene Kartoffeln, Karotten und Brokkoli. Da wir keinen Lunch hatten und ich nach dem Laufen echt einen Bärenhunger hatte, habe ich mir satte drei Teller reingehauen.

Nach dem Essen steht noch der obligate Abstecher an die Bar an. Wir kommen mit einer jungen Deutschen und ihrem Freund, der offenbar auch im Camp hier arbeitet, ins Gespräch und plaudern eine Weile. Aber wir sind müde und vollgefressen, weshalb wir wieder recht früh die Segel streichen. Andere machen das offenbar nicht, denn es wird später am Abend recht laut an der Bar. Bis morgens gegen drei Uhr dauert die Party.


Tageskilometer: 0km
Tageshöchsttemperatur: 25° C

Teil 3929. Aug. 2018

Kapitel 15
Zurück nach Windhoek und leider auch nach Hause

Dienstag, 20. Februar 2018
Ngepi Camp - Otjiwarongo (C’est Ci Bon Hotel)

Ein langer, ziemlich ereignisloser Fahrtag ohne ein einziges Foto steht an. Wie üblich stehen wir mit der Sonne zusammen auf und nach einem schnellen Kaffee bauen wir unser Lager ab. An der Rezeption schmeisse ich noch ein Trinkgeld für die Crew ins Kässeli, wir verabschieden uns von den netten Leuten hier - «Oh no! You must stay, please! We need you here!», sagt uns der Kerl von der Bar - und sind um 08:10 Uhr ready to hit the road.

Zunächst holpern wir die 4km zurück zur Strasse, dann die 14km auf glattem Teer bis Divundu. Dort tanken wir voll und lassen die Reifen aufpumpen und dann geht es los mit immer schön geradeaus und Tempomat auf 120km/h. Es ist sehr angenehm zu fahren, die B8 in einem Topzustand und nur wenig Verkehr. So sind wir flugs auch schon in Rundu, wo wir uns an der Tanke ein paar Sandwiches und Snacks für unterwegs holen.

Ziel ist es, einfach so weit wie Beenie fahren mag in Richtung Windhoek zu kommen. In Grootfontein sind wir schon um die Mittagszeit und kurz vor Otavi meint mein Bruder, er fühle sich fit und wir können locker bis Otjiwarongo durchfahren. Erst auf den letzten 60, 70km kommt etwas Müdigkeit auf, aber wir sind sehr gut vorangekommen und nach 16 Uhr erreichen wir die Stadt. Im Reiseführer habe ich ein B&B rausgesucht, das an der angegebenen Adresse aber nicht zu finden ist. Also steuern wir das «C’est Si Bon»-Hotel an. Das ist zwar etwas unpersönlich und etwas grösser, aber die Zimmer sind modern, sauber und es gibt ein A la Carte-Restaurant. Perfekt für uns.

Etwas platt von der langen Fahrt sind wir dann doch und ruhen uns daher mal ein Stündchen oder zwei im Zimmer aus. Nach einer erfrischenden Dusche gehen wir zum Abendessen. Ich gönne mir mal wieder ein schönes T-Bone, der Bruder kredenzt sich ein Kudu-Cordonbleu. Viel gibt es hier aber nicht zu tun und so sind wir schon bald nach dem Mahl zurück im Zimmer, spielen auf unseren iPads und Lesen. Ganz ungewohnt, wieder in einem geschlossenen Raum zu nächtigen und dementsprechend schwer fällt es mir heute, Schlaf zu finden.


Tageskilometer: 664km
Gesamtreisedauer: 8h 30min
Tageshöchsttemperatur: 32° C


Mittwoch, 21. Februar 2018
Otjiwarongo - Immanuel Wilderness Lodge

Da wir gestern schon so viele Kilometer abgerissen haben, können wir uns heute Zeit nehmen. Nach dem Aufwachen chillen wir noch einen Moment im Zimmer und gehen dann zum Frühstück. Das ist echt gar nicht mal so übel, es gibt ein grosses Buffet mit einer reichlichen Auswahl.

Dann nehmen wir die knapp 178km bis Okahandja unter die Räder. Auf diesem Abschnitt der B1 gibt es schon bedeutend mehr Verkehr, aber für unsere Verhältnisse ist das immer noch sehr angenehm zu fahren und so kommen wir rasch voran. In Okahandja befindet sich der berühmte Holzschnitzermarkt und das ist immer wieder ein Erlebnis. Zwar gibt es natürlich praktisch nur Nepp zu kaufen und woher das Holz für die geschnitzten Figuren stammt, mag ich mir gar nicht erst vorstellen. Trotzdem wollen wir uns hier noch mit ein paar Souvenirs eindecken.

Vorher halten wir noch kurz bei einem «Pick & Pay», um uns mit «Nando’s» Peri-Peri Saucen einzudecken für zuhause sowie im Liquorstore noch fünf Flaschen feinsten Brandy für Beenie.

Wir parken unser Auto auf der gegenüberliegenden Strassenseite vom Holzschnitzermarkt und schon beim Aussteigen werden wir von zwei tüchtigen Verkäufern in Empfang genommen. Sie stellen sich mit Namen vor und laden uns auf einen Besuch in ihrem Stand ein. Dieser befände sich im hinteren Teil und dort kämen ja überhaupt nie Touristen vorbei und überhaupt, wir seien jetzt ihre Freunde und sie könnten uns wirklich die besten Preise von allen machen. Von allen Seiten werden wir nun von Verkäufern belagert, man redet auf uns ein und jeder will uns das Versprechen abringen, auch bei seinem Laden vorbeizuschauen. «Only looking, my friend!».

Es ist sehr anstrengend, aber wir haben ein Riesenfest mit all den Verkäufern, flachsen rum, feilschen und wimmeln allzu nervige Zeitgenossen gekonnt ab. Als einmal allzu viele «Friends» auf Beenie einreden, nimmt er kurzerhand einen Schemel aus dem Laden, setzt sich mitten auf den Platz und verkündet mit verschränkten Armen: «Enough! I need a break now, please give me some time!». Das Gelächter ist natürlich gross und alle Sympathien auf seiner Seite.

Als wir eigentlich schon fertig sind mit Einkaufen, kommt noch John zu mir und meint in ganz ruhigem, freundlichen Ton, wir hätten ihm ja ganz am Anfang versprochen, auch bei ihm vorbeizukommen. Das stimmt sogar und deshalb zupfe ich meinen Bruder am Ärmel und wir gehen dann mal dort vorbei. Beenie findet eine wunderschöne Figur von Shaka Zulu, dem berühmt-berüchtigten Krieger aus dem 19. Jahrhundert. Rund 60cm hoch ist sie und der aufgerufene Preis lächerlich hoch. Sie gefällt ihm aber ausgesprochen gut und wir handeln lange und gekonnt, am Schluss erzielen wir einen sehr fairen Preis, den auch John und seinen Kumpel Dieter glücklich macht:

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Schlechtes Handyfoto nach erfolgreichem Deal mit Dieter (links) und John. Ich habe es John nachher noch geschickt und er hatte sooo Freude daran! 🙂

Dann gehen wir zum Auto zurück, schenken den Leuten noch ein paar übrig gebliebene Lebensmittel und wimmeln dann alle Verkäufer nach und nach ab. Im Laden nebenan holen wir uns zur Stärkung eine Fanta und fahren anschliessend die letzten paar Kilometer bis zur Immanuel Wilderness Lodge. Diese befindet sich unweit der B1 etwa 20km nördlich von Windhoek und ist nicht zuletzt für die grandiose Küche des Inhabers Stephan Hocke bekannt. Wir werden sehr freundlich empfangen und von der netten Mitarbeiterin zu unserem Zimmer begleitet. Den Rest des Nachmittags spannen wir am Pool aus, trinken einen Kaffee und lesen in unseren Büchern.

Gegen 18 Uhr mache ich mich wieder auf eine kleine Laufrunde. Es ist immer noch sehr warm und auf dieser Höhe hier im Khomas Hochland dementsprechend auch anstrengend. Aber langsam geht es wieder besser, die Form wird wieder kommen.

Frisch geduscht und sogar mit einem Hemd bekleidet schreiten wir zum Abendessen. Man wird persönlich von Stephan zum Tisch begleitet und dann kommt auch schon der erste Gang: eine wahnsinnig feine, geschmackvolle Spinat-Cappucchino Suppe erfreut unseren Gaumen. Als Zwischengang gibt es einen knackigen Blattsalat, zum Hauptgang gibt es ein perfekt auf den Punkt gebratenes, saftiges Rindersteak mit Nudeln an einer Speck-Champignons-Weissweinsauce. Zum krönenden Abschluss dann ein luftiges, perkfetes Mousse au Chocolat. Einfach nur himmlisch.

Nach einem feinen Kaktusfeigen-Schnaps für Beenie und einem doppelten Espresso für mich verabschieden wir uns und rollen den Kiesweg zu unserem Zimmer runter.


Tageskilometer: 238km
Gesamtreisedauer: 5h 30min
Tageshöchsttemperatur: 34° C

Teil 4029. Aug. 2018

Donnerstag, 22. Februar 2018
Immanuel Wilderness Lodge

Unser letzter, ganzer Ferientag in Afrika. Wer den Bericht bis hierhin verfolgt hat, weiss, was jetzt kommt. Genau: wir machen heute einfach mal gar nichts. Nein, halt, stimmt nicht ganz; wir packen und räumen das Mietauto aus/ auf. Das machen wir aber schön in Tranchen über den ganzen Tag verteilt, wir wollen uns ja schliesslich nicht überarbeiten.

Mein Bruderherz steht leider mit Kopfschmerzen auf. Aber das tolle Frühstück hier lässt er sich natürlich auch nicht entgehen. Es gibt jeden Morgen frisch gebackene, selber gemachte Brötchen, feinen namibischen Käse, Rauchfleisch vom Kudu, Zebrasalami und Aufschnitt vom Oryx. Dazu natürlich verschiedene Cerealien, Früchte, hausgemachte Konfitüren, Saft, Eier. Also eigentlich lohnt sich ein Aufenthalt auf Immanuel schon alleine wegen dem Frühstück.

Beenie mit Kopfschmerzen und wir beide zusammen mit eher melodramatischer Stimmung, irgendwie haben wir grad überhaupt keine Lust, wieder nach hause zu müssen. Dieses Mal fühlte ich mich praktisch von Anfang an so richtig angekommen, ich wusste einfach, dass ich am richtigen Ort bin, ja, dass ich hierher nach Afrika gehöre. Umso schwieriger ist es, sich mit dem Gedanken anzufreunden, dass es morgen wieder zurück in die kalte, nasse, neblige Schweiz geht. Aber es hilft alles nix und wir fangen nach dem Frühstück an, unsere Sachen aus dem Auto zu holen, im Zimmer zu sortieren, wegzupacken, wegschmeissen und vorbereiten zum Einlagern.

Dann ist eine Pause angesagt und wir hängen in echt depressiver Stimmung auf unseren Betten im klimatisierten Zimmer rum. Gegen Mittag esse ich im Restaurant einen Griechischen Salat, dann machen wir weiter mit dem Auto, putzen die Kisten und Coolerbox, prüfen, ob alles noch da ist für die Rückgabe an den Vermieter morgen.

Am späten Nachmittag, natürlich nach einer weiteren, eher ausgedehnten Pause, schnüre ich ein letztes Mal meine Laufschuhe und drehe nochmals eine ganz lockere, 40-minütige Runde in der näheren Umgebung. Anschliessend ist auch schon wieder Zeit für den Sundowner.

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Rock Shandy-Time!

Zum Abendessen heute auf dem Programm:
1. Gang: Gemüsecrèmesuppe
2. Gang: Blattsalat
3. Gang: Kuhantilopensteak mit Kartoffelgratin
4. Gang: Crèpe mit Puderzucker und Sahneschaum

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Mmmnomnomnom…

Ein so leckeres Essen macht das mit der Melancholie schon weit weniger schlimm und so gehen wir dann doch ganz zufrieden zu Bett.


Tageskilometer: 0km
Tageshöchsttemperatur: 36° C


Freitag, 23. Februar 2018
Heimreise

...

Tageskilometer: 49,9km
Total Kilometer: 6997,8km


So schaut der Eintrag in meinem Reisetagebuch aus. Ich habe diesen leider nicht mehr nachgeführt und deshalb lasse ich das jetzt einfach mal so mehr oder weniger unkommentiert im Raume stehen. Es war halt das so, wie ein Urlaub in Namibia immer endet für die meisten von uns hier; Frühstück, Fahrt zum Mietwagenverleiher Safari Car Rental, Auto zurück geben, mit dem Shuttlebus zum Flughafen, Einchecken, ein letzter Drink in der unsäglichen Bar dort in der unsäglichen Wartehalle, der Gang über den Flugplatz zum Flieger, der lange, lange Flug zurück nach Zürich.

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Aber, ich will euch natürlich nicht ohne ein kleines Fazit ziehen lassen. Darum:


Fazit
#safaribrothers on Tour

Wie eingangs und im Titel erwähnt, war das bereits unsere sechste gemeinsame Reise durch vornehmlich das südliche Afrika. Nach der Heimkehr habe ich jemandem, ich weiss grad nicht mehr wem, gesagt, dass es dieses Mal für mich eine unserer besten und schönsten Reisen auf unserem Herzenskontinent war. Irgendwie hat einfach alles gepasst, von der Route her, den einzelnen Etappen, der Abwechslung aber auch Kontinuität her, vom Wetter, von unseren Erlebnissen, von unserer gemeinsamen Zeit. Es ist eine nicht ganz alltägliche Konstellation, aber im Moment ist es die für uns allerbeste. Wir sind beide Single, haben beide einen coolen Arbeitgeber, der uns eben auch mal ermöglicht, für sechs Wochen am Stück (oder auch mal länger wie 2012 oder 2016) zu verreisen und wie mehrfach erwähnt, ergängzen wir uns einfach sehr gut. Für mich persönlich ist mein Bruder mein #1 Reisepartner und weil das so ist, haben wir bereits unsere nächste gemeinsame Reise für den Januar 2019 («KTP Total») dingfest gemacht.

Highlights
«Die Höhle» Omandumba Guestfarm
Die Omandumba Gästefarm in den Erongo Mountains ist ein wahres Kleinod und die Campsite in der Felsenhöhle einfach ein echter Knaller. Offenbar noch nicht allzu bekannt, aber sicher auch kein Geheimtipp mehr, aber ich kann jedem, der dort in der Gegend vorbei kommt, dringend empfehlen, dort mal Halt zu machen.

Mirabib Campsite im Namib Naukluft National Park
Abgelegen, einsam, wild, «ohrenbetäubende» Stille mitten in der Wüste. Einfach ein magischer Ort. Mehr brauche ich dazu nicht mehr zu sagen.

Kalahari Transfrontier Park / Mabuasehube
Der KTP geniesst insbesondere in diesem Forum ja einen aus unserer Sicht absolut herausragenden Ruf. Für Beenie und mich einer unserer absoluten Lieblingsparks, wenn nicht der Lieblingspark (ich schwanke da immer etwas zwischen Moremi und KTP). Es ist sicher eher ungewöhnlich, wie wir fast zwei Wochen am Stück dort zu verbringen, aber für uns ist das perfekt so und wir lieben es einfach, die beiden Täler auf und ab zu fahren und nach Tieren ausschau zu halten. Wir wurden dieses Mal sehr mit ganz besonderen Sichtungen verwöhnt (Löffelhunde, Kapfüchse, Schlangen, Braune Hyänen), dazwischen war aber für einmal recht mau, weil sehr viele der Huftiere abgewandert waren. Dafür aber haben wir es endlich auch in die Mabuasehube geschafft und da sind wir augenblicklich grosse Fans geworden. Eine derart fantastische Gegend, dass wir beim nächsten Mal planen, gleich für vier Nächte zu bleiben.

Moremi Game Reserve
Was soll ich sagen? Also wenn man an Afrika denkt, denkt man ja sofort an die Bilder aus der Serengeti mit den weiten Grasebenen, den Akazien, den Zebras und Giraffen. Wenn ich an Afrika denke, denke ich fast immer als allererstes an den Moremi. Diese raue, ursprüngliche Wildnis mit dem Gras, den vielen Tümpeln, den grossen Bäumen, den abgestorbenen Bäumen, dem unwahrscheinlichen Tierreichtum, ach... Ein extremer, für mich persönlich ein ganz besonderer Ort, der mir Kraft gibt und den ich oft, als es mir vor ein paar Jahren sehr schlecht ging, «hervorgeholt» habe in meinen Gedanken. Wäre es nur nicht so saumässig teuer, würde ich dort wann immer möglich wieder hin. Auf der nächsten Reise leider nicht, aber ich/wir werde(n) ganz bestimmt wieder im Moremi auf Pirsch gehen.

«Wo Problem?»
Ich weiss nicht, wie das für euch als Leser so war. Viele Namibia-/Südafrika-Reisende hier haben oft ein ziemlich volles Programm und unternehmen an den einzelnen Stationen meist viele Sachen wie Gamedrives, Guided Walks, Wandern, Besichtigungen, etc., etc. Unseres ist das nicht so beziehungsweise haben wir unsere Reisen in dieser Hinsicht ziemlich «entschleunigt». Ich hoffe, dass das in meinem kleinen Bericht hier nicht als irgendwie langweilig empfunden wurde oder so. Okay, auch wenn, es ist ja unser Ding. Aber trotzdem. Unser Ding ist Gamedriven und dazwischen die Ruhe, die Geräusche, die Natur zu geniessen. Das lieben wir und ich hoffe, das ist auch so rübergekommen. Ich denke, wir beide sind ziemlich in sich gekehrte Typen, die so schnell nichts aus der Ruhe bringt. Aus irgend einer Situation ziemlich am Anfang der Reise hat sich dann dieses «Wo Problem?» ergeben und das wurde dann so zu unserem internen Running Gag. Aber es wiedergibt ganz einfach auch generell unsere Haltung. Wir lassen uns nicht stressen, wenn etwas passiert, das unsere Pläne durchkreuzt, lamentieren wir nicht lange und machen es halt andersrum (Zeltstangen, z.B.) und wenn wir keine Mokamaschine finden, basteln wir halt unseren eigenen Coffemaker. Also, wo Problem? 😎


Dankeschön!
Allen treuen Mitlesern, Dankebuttondrücker und Mitkommentierer danke ich von ganzem Herzen sehr für's dabei sein in diesem kleinen Bericht! Es war das erste Mal, dass ich einen Reisebericht in dieser Form und auch in dieser Öffentlichkeit gemacht habe und es hat mir sehr viel Spass gemacht. Was alle anderen Berichteschreiber in diesem Forum es auch erleben, kann ich nun bestätigen: es ist einfach eine wunderbare Art, seine eigene Reise noch einmal nachzuerleben, revue passieren zu lassen. Und es motiviert nämlich auch sehr, dran zu bleiben und den Bericht auch fertig zu machen, weil man weiss, dass es durchaus Leute gibt, die das mitverfolgen und offenbar auch gerne lesen. Das ist etwas ganz besonderes und es ist auch sehr schön, das alles mit Gleichgesinnten zu teilen. Ich schätze mal, dass es auch beim nächsten Mal wieder einen Bericht geben wird - vorausgesetzt, die Leserschaft hier interessiert sich dafür. 😉

Merci!

Beenie & Sam

#safaribrothers on Tour Vol. VI - «Wo Problem?» von kalachee

Quelle: www.namibia-forum.ch/forum/thema/295160-safaribrothers-on-tour-vol-vi-wo-problem

Stand: letzter Berichtsteil vom 29. Aug. 2018

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