Reisebericht

#safaribrothers on Tour Vol. VI - «Wo Problem?»

von kalachee · begonnen 30. März 2018 · 40 Teile

Über diesen Reisebericht

Von Januar bis Februar 2018 sind wir, zwei Brüder, sechs Wochen lang mit einem gemieteten Toyota Hilux samt Dachzelt und einem zusätzlichen Bodenzelt selbst durch Namibia und Botswana unterwegs, unsere sechste gemeinsame Reise auf dem Kontinent. Von den Erongo-Bergen und der Spitzkoppe geht es über die einsame Mirabib-Campsite im Namib-Naukluft-Nationalpark und das NamibRand-Reservat in die Tirasberge, bevor wir fast zwei Wochen im Kalahari Transfrontier Park verbringen, inklusive der abgelegenen Mabuasehube-Pfanne.

Dort marschieren uns zwei Nächte hintereinander Löwen mitten durch unser Lager, einmal schleicht ein Leopard nur wenige Meter am Zelt vorbei. Braune Hyänen und ganze Löffelhund-Familien begegnen uns immer wieder, einmal beobachten wir, wie sich ein Erdhörnchen gegen eine jagende Kapkobra wehrt. Im Moremi Game Reserve finden wir einen Leoparden mit seinem Riss ganz für uns allein, bevor uns am Kavango bei Divundu an einem einzigen Nachmittag geschätzte 200 Elefanten am gegenüberliegenden Ufer verzaubern.

Kleinere Rückschläge nehmen wir mit Humor, denn diese Reise ist für uns beide eine der schönsten überhaupt: Route, Etappen, Wetter und die gemeinsame Zeit haben einfach gepasst.

Reisezeitraum
11. Januar bis 24. Februar 2018 (sechs Wochen)
Gruppe
zwei Brüder
Reiseart
Selbstfahrer, durchgehend eigenes Mietfahrzeug, überwiegend Camping
Fahrzeug
Toyota Hilux Expedition 3.0 TDI Doublecab (Safari Car Rental), Dachzelt plus separat gemietetes Bodenzelt (Howling Moon)
Unterkunftsart
Campsites in Nationalparks und Community-Camps, einzelne Nächte in Hotels/Lodges (u.a. Palmquell Hotel, Hotel Maltahöhe, Thakadu Bush Camp, C'est Si Bon Hotel, Immanuel Wilderness Lodge)
Route
Windhoek – Omaruru – Omandumba/Erongo – Spitzkoppe – Namib-Naukluft-Nationalpark (Mirabib) – NamibRand Nature Reserve – Tirasberge (Koiimasis) – Maltahöhe – Köcherbaumwald (Mesosaurus) – Kalahari Transfrontier Park (Mata Mata, Rooiputs, Polentswa, Nossob, Twee Rivieren, Mabuasehube) – Ghanzi – Maun – Moremi Game Reserve (3rd Bridge, Xakanaxa, North Gate) – Guma Lagoon – Ngepi Camp/Divundu – Otjiwarongo – Immanuel Wilderness Lodge – Windhoek
Fahrstrecke
6'997,8 km gesamt (laut Bericht)
Flug/Anreise
Zürich – Doha – Windhoek und zurück mit Qatar Airways
Besonderheit
Fast zwei Wochen am Stück im Kalahari Transfrontier Park inkl. Mabuasehube, wo Löwen an zwei aufeinanderfolgenden Nächten durch das Lager liefen; am Kavango bei Ngepi zog an einem Nachmittag eine Elefantenherde von geschätzt 200 Tieren vorbei
Gebiete
Erongo-Gebirge · Namib-Naukluft-Nationalpark · NamibRand Nature Reserve · Tirasberge · Kalahari Transfrontier Park · Mabuasehube · Moremi Game Reserve · Bwabwata National Park Mahango Core Area · Bwabwata National Park Buffalo Core Area · Zambezi-Region · Caprivi
Orte
Windhoek · Spitzkoppe · Maltahöhe · Mata Mata · Twee Rivieren · Maun · Divundu · Otjiwarongo
Unterkünfte
Omandumba «Die Höhle» · Mirabib Campsite · NamibRand Family Hideout · Mesosaurus Fossil Bush Camp · Motsebe Backpackers Maun · Guma Lagoon Camp · Ngepi Camp · Immanuel Wilderness Lodge · C'est ci bon Hotel
Reiseart
Selbstfahrer · Dachzelt · Bodenzelt
Bedingungen
Regenzeit · Tiefsandpisten
Natur
Löwen · Leopard · Braune Hyäne · Löffelhund · Kapkobra · Erdhörnchen · Elefantenherde
Teil 130. März 2018
#safaribrothers on Tour Vol. VI - «Wo Problem?»
Zwei Brüder sechs Wochen unterwegs in Afrika - Ein Reisebericht

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Prolog & Vorstellung
Nach über zwölf Jahren mehr oder weniger aktiver Mitgliedschaft in diesem Forum und darüber hinaus schon Mitglied im Vorgängerforum ist es nun wirklich an der Zeit, dass auch ich mich einmal an einen Reisebericht wage. Das wird also meine absolute Premiere und ich freue mich sehr darauf. An dieser Stelle also herzlich willkommen zu unserem kleinen Abenteuer - die #safaribrothers on Tour.

Mein lieber Bruder Beenie und ich waren vom 11. Januar bis 24. Februar 2018 während sechs Wochen in Namibia und Botswana unterwegs. Es war unsere insgesamt sechste gemeinsame Reise (eigentlich sieben, wenn man einen Kurztrip nach Marokko zusammen mit unserem anderen Bruder noch mitzählen will) auf dem afrikanischen Kontinent. Für mich persönlich war es bereits der vierzehnte Trip und was uns natürlich verbindet, ist die nach wie vor ungebremste Liebe zu Afrika, der Natur, den Tieren, den Menschen, den offenen, weiten Landschaften, dem Freiheitsgefühl, dem abendlichen Lagerfeuer, einem schönen Braai, dem Draussensein. Es ist sicherlich nicht übertrieben zu behaupten, dass wir perfekte Reisepartner sind und uns wunderbar ergänzen.

Bei YouTube ansehen ↗

Leider habe ich noch nicht herausgefunden, wie man es schafft, YT-Videos hier in einem grösseren Fenster einzubinden. Die Untertitel sind deshalb etwas schwierig zu lesen.

Beenie - The Driver
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Unser «Driver», Chef-Grilleur, Marinaden-Meister und zuständig für's Feuermachen. Von Beruf Gärtner und deshalb idealerweise im europäischen Winter am ehesten verfügbar für ausgedehnte Afrika-Reisen. Single, 37 Jahre, ein gelassener Typ, den fast nichts aus der Ruhe bringt und sich für einen dummen Spruch niemals zu schade ist. Aus seiner Jugendzeit brachte er auch das Interesse für die Vogelwelt mit und daher ist er auch unser Chef-Bestimmer.

Sam - The Manager
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Der «Manager», zuständig für die Tourplanung, Organisation, Verhandlungen mit aufdringlichen Strassenverkäufern, Übersetzer und Chefberichterstatter. Hobbyfotograf und leidenschaftlicher Langstreckenläufer. 39 Jahre alt, im «richtigen» Leben IT-Berater, wohnhaft in Zürich, auch Single. Ebenfalls eher ein ruhiger Typ aber weltoffen und zugänglich, Perfektionist und irgendwie doch immer für die eine Spur verrücktere Idee zu haben.

Die Reiseroute
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Mit den Jahren und all den vielen Reisen wird man glaube ich wie von selbst etwas langsamer. Haben wir auf unseren ersten Reisen noch wahre Gewaltstouren auf uns genommen, ist es uns heute sehr viel wichtiger, nur wenige Ziele anzusteuern und dafür auch mal etwas mehr Zeit vor Ort zu haben. Insbesondere die Tierfotografie benötigt sehr viel Zeit und deshalb verbringen wir auch sehr gerne viel davon in den verschiedenen Nationalparks und anderen Schutzgebieten. Zum Glück macht es auch meinem Bruder nichts aus, mal etwas länger an einem Wasserloch zu stehen, auch wenn er in dem Sinne nichts zu tun hat ausser einfach das Geschehen zu beobachten während ich mit meiner Kamera herumhantiere. Es macht ihm nicht nur nichts aus, er liebt es genauso und ist dann einfach ganz bei sich.

Für diese Reise war schnell klar, dass wir nochmals in die Kalahari (KTP und Okavango-Delta) wollten, aber auch die Landschaft sollte nicht zu kurz kommen. So haben wir uns diese Route zusammengestellt - auch unter Inspiration von einigen anderen Reiseberichten hier. Es waren einige Orte dabei, die wir schon kannten, aber auch die eine oder andere Neuentdeckung kam dieses Mal wieder hinzu.

Die einzelnen Etappen im Überblick:
Tag Datum Etappe / Ort Übernachtung
1 11.01.2018 Flug Zürich - Doha - Windhoek
2 12.01.2018 Windhoek Palmquell Hotel, Klein Windhoek
3 13.01.2018 Windhoek - Omaruru River Guesthouse
4 14.01.2018 Omaruru - Omandumba Gästefarm «Die Höhle» Campsite
5 15.01.2018 Omandumba - Spitzkoppe Spitzkoppe Community Campsite
6 16.01.2018 Spitzkoppe Spitzkoppe Community Campsite
7 17.01.2018 Spitzkoppe - Namib-Naukluft National Park Mirabib Campsite
8 18.01.2018 Namib-Naukluft National Park - NamibRand Nature Reserve NamibRand Family Hideout, Orion Campsite
9 19.01.2018 NamibRand Nature Reserve NamibRand Family Hideout, Orion Campsite
10 20.01.2018 NamibRand Nature Reserve - Tirasberge Koiimasis Ranch, Campsite
11 21.01.2018 Tirasberge - Maltahöhe Hotel Maltahöhe
12 22.01.2018 Maltahöhe - Köcherbaumwald Mesosaurus Fossil Bush Camp, Campsite
13 23.01.2018 Köcherbaumwald Mesosaurus Fossil Bush Camp, Campsite
14 24.01.2018 Köcherbaumwald - Kalahari Transfrontier Park (KTP) Mata Mata Restcamp, Campsite
15 25.01.2018 KTP Mata Mata Restcamp, Campsite
16 26.01.2018 KTP Rooiputs Campsite
17 27.01.2018 KTP Polentswa Campsite
18 28.01.2018 KTP Polentswa Campsite
19 29.01.2018 KTP Polentswa Campsite
20 30.01.2018 KTP Nossob Restcamp, Campsite
21 31.01.2018 KTP Twee Rivieren Restcamp, Campsite
22 01.02.2018 KTP Twee Rivieren Restcamp, Campsite
23 02.02.2018 KTP Nossob Restcamp, Campsite
24 03.02.2018 KTP - KTP Mabuasehube Mabuasehube Pan, Campsite 2
25 04.02.2018 KTP Mabuasehube Mabuasehube Pan, Campsite 2
26 05.02.2018 KTP Mabuasehube - Ghanzi Thakadu Bush Camp
27 06.02.2018 Ghanzi - Maun Motsebe Backpackers
28 07.02.2018 Maun - Moremi Game Reserve 3rd Bridge Campsite
29 08.02.2018 Moremi Game Reserve 3rd Bridge Campsite
30 09.02.2018 Moremi Game Reserve Xakanaxa Campsite
31 10.02.2018 Moremi Game Reserve Xakanaxa Campsite
32 11.02.2018 Moremi Game Reserve North Bridge Campsite
33 12.02.2018 Moremi Game Reserve North Bridge Campsite
34 13.02.2018 Moremi Game Reserve - Guma Lagoon Guma Lagoon, Campsite 1
35 14.02.2018 Guma Lagoon Guma Lagoon, Campsite 1
36 15.02.2018 Guma Lagoon Guma Lagoon, Campsite 1
37 16.02.2018 Guma Lagoon - Divundu Ngepi Camp, Campsite 3
38 17.02.2018 Divundu Ngepi Camp, Campsite 3
39 18.02.2018 Divundu Ngepi Camp, Campsite 3
40 19.02.2018 Divundu Ngepi Camp, Campsite 3
41 20.02.2018 Divundu - Otjiwarongo C'est Ci Bon Hotel
42 21.02.2018 Otjiwarongo - Immanuel Wilderness Lodge Immanuel Wilderness Lodge
43 22.02.2018 Immanuel Wilderness Lodge Immanuel Wilderness Lodge
44 23.02.2018 Flug Windhoek - Doha - Zürich
Insgesamt sind wir 6'997,8km gefahren. Das ist eigentlich ziemlich viel, doch aufgeteilt auf die sechs Wochen und aufgrund der doch sehr gelungenen Etappen-Planung sind wir absolut nie in Stress geraten. Die Route hat sich so sehr entspannt fahren lassen, einzig die langen Gamedrives im Kalahari Transfrontier Park wurden mit der Zeit etwas viel und wir hatten nur wenige reine, lange Fahrtage.

Das Auto
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Den Toyota Hilux Expedition 3.0 TDI Doublecab haben wir von Safari Car Rental gemietet und wir würden das jederzeit wieder tun - wir waren wirklich sehr zufrieden damit. Dieses Auto ist einfach ein Spitzenfahrzeug mit sehr viel Power, viel Bodenfreiheit und guter, bequemer Innenausstattung. Das Canopy mit dem Dachzelt, Wassertank (für Brauchwasser) und die ganze Campingausrüstung war in gutem bis sehr gutem Zustand und es fehlte grundsätzlich an nichts. Von der praktischen Nutzung her wäre ein Schubladensystem mit mehr Plasticboxen wünschenswert gewesen, aber das ist Jammern auf sehr hohem Niveau.

Zusätzlich zum Dachzeit haben wir von SCR ein Bodenzelt von Howling Moon gemietet für einen lächerlich tiefen Zusatzpreis. Wir sind ja Brüder und kein Paar, von daher wollten wir uns noch etwas persönlichen Raum geben und das war eine sehr gute Entscheidung. Während mein Bruder im Dachzelt sein Zuhause hatte und von dort nächtlichen Leopardenbesuch beobachten konnte, habe ich jeweils im Bodenzelt geschlafen und nichts dergleichen mitbekommen. Das Zelt liess sich sehr einfach und schnell aufbauen und da wir sowieso meistens zwei Nächte und mehr auf einer Campsite geblieben sind, hat uns der Auf- und Abbau absolut nicht gestresst.

Das Auto haben wir schon sehr früh, nämlich im Juni 2017, reserviert. Wegen der Nebensaison - wobei es in der Boom-Destination Namibia gemäss Besitzer Vincent für ihn eigentlich sowieso keine eigentliche Nebensaison mehr gibt - und der frühen Buchung haben wir einen wirklich sehr guten Preis von EUR 61.00 pro Tag erhalten. Der Kontakt im Vorfeld mit dem Vermieter war immer sehr angenehm, sehr kompetent und immer wahnsinnig schnell. Bei der Übernahme des Fahrzeugs gab es ein bisschen Probleme mit der Hinterlegung der Kaution (unser Verschulden) und SCR war diesbezüglich unglaublich hilfsbereit und hat sich tagelang, während wir schon unterwegs waren, nach Lösungen bemüht und uns bestens unterstützt. Story dazu dann im Bericht.

Im Moremi hat es uns wegen der sagenhaft schlechten Pisten und den hohen Absätzen im Tiefsand zwei Schrauben der Aufhängung des Ersatzrades hinten am Heck zerbrochen und einmal haben wir beim Zurücksetzen im Mabua den Sandwall am Pistenrand geküsst, worauf ein Schlammschutz abgebrochen ist. Das wäre ja dann eher unsere Schuld gewesen, aber da wir die Windschutzscheibe wegen eines Steinschlags ersetzen mussten (ca. CHF 240.00), hat man von der Verrechnung für diese Schäden grosszügig abgesehen. Der zweite Boss der Firma, ich habe den Namen leider vergessen, hat das bei der Rückgabe mit uns besprochen und man hat uns da wirklich sehr fair und entgegenkommend behandelt.

Von daher also in jedem Fall eine Empfehlung für diesen Verleiher!

Der Flug
Geflogen sind wir ZRH - DOH - WDH und WDH - DOH - ZRH mit Qatar Airways. Für uns Schweizer gibt es nach Namibia keine Direktflüge, weshalb ein Umstieg auf einem Hub so oder so notwendig ist. Daher fällt die etwas längere Flugzeit als zum Beispiel über Jo'burg nicht allzu sehr ins Gewicht und QR ist aus meiner Warte sowieso eine der besseren Airlines. Wir haben CHF 759.00 pro Person bezahlt, so günstig sind wir noch nie nach Afrika geflogen. Die Umsteigezeiten in Doha waren sehr angenehm mit nicht ganz drei Stunden Aufenthalt, so dass man gemütlich etwas die Beine vertreten und eine Kleinigkeit essen konnte. Ich würde, wenn Flugzeiten und Preis stimmt, jederzeit wieder mit QR fliegen.

So. Dann hoffe ich auf ein paar Mitreisende hier und an dieser Stelle auch liebe Grüsse an alle «ausserhalb» des Forums, welche ich zu diesem kleinen Bericht gelotst habe.

Es sollte noch an diesem Osterwochenende losgehen mit der oder den ersten Etappe(n).

Viel Spass bei der Lektüre!

Liebe Grüsse
Sam

P.S.: Der Bericht ist besonnt - wer also keine Kommentare lesen will, kann oben rechts auf die Sonne klicken.
Teil 202. Apr. 2018
Kapitel 1
Anreise & der erste Tag in Windhoek

Donnerstag, 11. Januar 2018
Zürich - Windhoek

Und plötzlich ist er dann doch da, der grosse Tag. Und trotz aller Routine steigt ganz am Schluss dann doch auch noch eine freudige Aufregung in mir auf. Es geht endlich wieder nach Afrika!

Punkt 12.30 Uhr drehe ich den Schlüssel meiner Wohnungstüre und mit meinem riesigen Rollkoffer im Schlepptau mache ich mich auf in Richtung Zürich Hauptbahnhof. Direkt am Zug zum Flughafen treffe ich auch schon auf einen gut gelaunten Beenie und wir feiern das Ereignis gleich mal mit einer ersten Prise Schnupftabak. Die Fahrt ist nur kurz und da wir früh unterwegs sind, haben wir Zeit, in einem Café auf meine beste Freundin B. zu warten, die sich den Nachmittag extra frei genommen hat, um uns verabschieden zu kommen.

Bald aber wollen wir los und geben unser Gepäck am Dropoff-Schalter ab. Meine Tasche wiegt sage und schreibe 30.2kg und mein Fotorucksack als Handgepäckstück ganze 14.2kg. Das ist natürlich viel zu schwer - erlaubt wären 7kg. Trotzdem hätte ich nicht mit soviel gerechnet, aber mein Kamerageraffel wird unerklärlicherweise auch von mal zu mal schwerer… Jedenfalls drückt der freundliche Mitarbeiter aber sowas von beide Augen zu und hängt den «Cabin Approved»-Sticker an meinen Rucksack. Der Flieger nach Doha sei nicht gut besetzt und daher würde das ausnahmsweise schon gehen. Dann sagen wir B. adieu und gehen durch die magische Pforte, sprich, in den exklusiven Bereich, wo nur Inhaber einer Bordkarte Einlass gewährt erhalten.

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Flughafen Zürich, Dock E: wir sind abflugbereit

Zeit für das traditionelle Abflugsbier. Für mich heutzutage natürlich in Form eines ohne die lustig machenden chemischen Verbindungen, aber an Traditionen soll man ja festhalten. Bald darauf wird auch schon zum Boarding aufgerufen und wir betreten zum ersten Mal in unserem Leben die Kabine einer brandneuen Airbus A350-900.

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An Bord der Airbus A350-900 der Qatar Airways. Wie man sieht in der Tat nur sehr schwach besetzt, so dass wir auch reichlich Platz hatten.

Mit dem wirklich sehr guten und umfangreichen Bordunterhaltungssystem ist der erste Flug von gut fünfeinhalb Stunden schnell vorbei, ebenso der dreistündige Aufenthalt auf dem riesigen und blitzblank herausgeputzten, topmodernen Hamad International Airport von Doha. Wir schlendern ein bisschen durch die Geschäfte, essen eine Kleinigkeit und trinken einen Doppio, der nicht nur im Geschmack sondern auch locker mit dem Preisniveau der Schweiz mithalten kann. Nachtflugverbot gibt es in den Golf-Staaten keines und so herrscht an diesem internationalen Drehkreuz 24h-Dauerbetrieb.

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In der Haupthalle vom Hamad International Airport, Doha, Qatar. Hochbetrieb auch um 1 Uhr nachts!

Dann steigen wir in die nächste Maschine, einer Boeing 787-8 Dreamliner und heben ab in den arabischen Nachthimmel, vorbei an der beeindruckenden Skyline und vielen modernen Reihenhaus-Siedlungen. Die neun Stunden ziehen sich und wir schlafen beide nur ziemlich wenig und schlecht.

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Die lange Flugzeit mit dem ein oder anderen Film überbrücken. Beenie voll konzentriert auf das Inflight Entertainment.

Aber am Morgen, bei Tageslicht über endlose Wolkenfelder quer über den afrikanischen Kontinent hinweg gleitend, steigt die Vorfreude und wir nähern uns Windhoek peu à peu.

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11'000 Meter über dem Norden von Namibia - schönes Wetter und vermutlich sommerlich warm da unten.


Freitag, 12. Januar 2018
Windhoek

Kurz vor dem Mittag ist es dann soweit und wir setzen scheinbar mitten im Nirgendwo auf dem kleinen internationalen Flughafen von Windhoek auf. Weil die Stadt selber von Bergen umgeben ist, musste ein Platz für die Landebahn rund 40km ausserhalb gesucht werden und daher befindet sich der Flughafen eigentlich mitten im Busch. Wir steigen aus dem Flieger, laufen über das Vorfeld und atmen ein erstes Mal die würzige afrikanische Luft ein (vermischt mit etwas Kerosin in der Duftnote). Die Einreise dauert und dauert, wir sind noch nicht so an das afrikanische Tempo gewöhnt. Die wie immer schlecht gelaunten Damen von der Einwanderungsbehörde lassen sich sehr viel Zeit und wechseln schon auch mal die Schicht in einer Seelenruhe, auch wenn in den Schlangen gut und gerne 200 Leute stehen. Aber wir müssen trotzdem Lachen, jetzt sind wir definitiv wieder in Afrika angekommen.

Die Abholung durch den bestellten Taxifahrer klappt einwandfrei und eine halbe Stunde später rollen wir auf den Hof vom Hotel Palmquell. Frau Pfaffenthaler, die nette Besitzerin, freut sich sichtlich über unser Erscheinen, sind wir doch schon vor zwei Jahren hier abgestiegen. Endlich raus aus den langen Hosen und als allererstes gleich mal in den Pool hüpfen!


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Am kleinen Pool im hübschen Garten vom Palmquell Hotel, Klein Windhoek

Wir ruhen uns kurz aus, nehmen eine Dusche und schon steht mein Freund Willi vor unserer Zimmertür. Er ist in Namibia aufgewachsen, lebte lange in der Schweiz und ist nun seit ein paar Jahren wieder zurück. Mit ihm fahren wir zuerst kurz in eine Shoppingmall, um ein kleines Ersatzteil für unsere Gopro zu besorgen, dann geht es in die «Bush Bar» am Stadtrand auf einen kühlen Drink.

Zum Abendessen fahren wir anschliessend zum «The Stellenbosch» - für Steaks eine der absolut besten Adressen in ganz Windhoek. Wir lassen es uns schmecken und gönnen uns ein wirklich sensationelles Sirloin Steak. Vom allerfeinsten ist das und ich muss fast heulen, weil es so gut schmeckt. Wir sind sogar versucht, einfach noch ein zweites zu bestellen, belassen es dann aber doch bei einer Käseplatte zum Dessert.

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Weltklasse Sirloin Steak vom «The Stellenbosch» in Klein Windhoek - dringende Empfehlung! (Smartphone-Foto)

Wir sind aber hundemüde und wollen deswegen früh wieder zurück ins Hotel. Schon kurz nach halb zehn sind wir im Bett und nach einem halben Kapitel in meinem Buch fangen die Äuglein an, schwer zu werden.
Teil 304. Apr. 2018
Kapitel 2
Von Windhoek mit Verspätung nach Omandumba

Samstag, 13. Januar 2018
Windhoek - Omaruru

Den Schlaf können wir aber auch wirklich gut gebrauchen, die lange Reise hat uns doch ziemlich geschlaucht und heute haben wir viel vor. Also früh raus aus den Federn und zuerst noch gemütlich zum Frühstück im wunderschönen Garten unter Palmen (der Name des Hotels muss ja auch von irgendwoher kommen). Um Punkt 08:00 Uhr werden wir von Vincent, dem Chef unseres Autoverleihers höchstpersönlich, abgeholt und zur Mietstation gut 20km ausserhalb der Stadt gebracht. Die Übernahme unseres Gefährts für die nächsten sechs Wochen dauert eine gute Stunde, der nette und witzige Mitarbeiter erklärt uns alles genau. Da haben wir ein wirklich einwandfreies Auto gebucht mit allem Schnickschnack und einer starken 3.0 Liter Turbomaschine.

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Es schaut zwar grad überhaupt nicht danach aus, aber wir haben ziemlich viel Spass bei der Autoübergabe und flachsen mit dem Mitarbeiter rum. Aber natürlich wird alles mit der notwenigen Sorgfalt überprüft, alles ist an seinem Platz und da wir mit derart ausgerüsteten Autos schon ein paar Mal unterwegs waren, kennen wir die Geräte, Ersatzrad-Aufhängung, etc. schon ganz gut.

Als alles erledigt ist, nehmen wir die ersten Kilometer zurück zum Hotel unter die Räder, wo wir auschecken und unser Gepäck einstellen. Dann geht es ab zur Maerua Mall zum Grosseinkauf. Wir treffen nochmals kurz Willi, der uns noch eine Plastikkiste und einen Wasserfilter aus unserem alten Bestand, den wir ihm vor zwei Jahren überlassen haben, mit auf den Weg gibt. Wie so oft dauert alles viel länger als einmal angenommen und so kommen wir erst gegen Mittag wieder zum Palmquell zurück. Auf dem Hof räumen wir die Einkäufe ein, sortieren das Gepäck notdürftig und dann geht es noch rasch zu “Nando’s”, wo wir das gestern verpasste, traditionelle Peri-Peri Chicken zu Mittag verschlingen. Wie war das nochmals; mit Traditionen soll man ja nicht brechen. Dann noch Volltanken und Eis für die Coolbox kaufen, so dass es schon 14:20 Uhr ist, bis wir endlich auf Pad kommen.

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Riesenchaos nach dem Grosseinkauf.

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Schaut aber nach dem Einräumen doch schon wesentlich besser aus!

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Sehr praktischer «Einbauschrank» auf der Seite, wo das ganze Geschirr, Becher und Gläser, Teekanne und eine kleine Schublade mit Besteck-Etui und Platz für Kleinzeugs wie Lappen, Waschmittel und Schwämme sowie das für Namibia-Fahrer obligatorische Tischtuch untergebracht sind.

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Dann noch unsere eigens mitgebrachten Magnetkleber mit unserem Logo auf die Türe gepappt und los kann es gehen! Schaut schon sehr cool aus, nicht?

Eigentlich sind wir ja recht erfahren und schätzen Distanz und Fahrzeit meist recht gut ein mittlerweile. Und trotzdem waren wir dann doch ein bisschen zu “Laisser faire” eingestellt, denn wir hatten nicht so richtig überlegt, was es bedeutet, wenn wir die zwar viel schönere, dafür aber auch weitere und wegen den vielen Kurven, dem Auf und Ab und dem Strassenzustand entsprechend langsamere Strecke über den Bosua-Pass nehmen anstatt die schnellere, direktere auf der Teerstrasse.

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Vor dem Boshua-Pass im Khomas-Hochland

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Kurz vor der Passhöhe

Trotzdem ist die Fahrt wirklich wunderschön und wir geniessen die vielen tollen Ausblicke über die endlosen Weiten Namibias. Es herrscht so gut wie kein Verkehr, wir begegnen bis Karibib gerade mal zwei entgegenkommenden Autos und treffen auf eine Familie, die einen platten Reifen wechseln muss.

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Regenzeit in Namibia! Zwischen Boshua-Pass und Karibib

Die Sonne steht immer tiefer und irgendwann kurz vor Karibib realisieren wir, dass es wirklich nicht mehr reichen wird bis zu unserem eigentlichen Tagesziel, der Omandumba Gästefarm in den Erongo-Bergen. Also fahren wir noch bis Omaruru, einem kleinen Städtchen am gleichnamigen (Trocken-) Fluss und nehmen ein einfaches, aber sauberes Zimmer im «River Guesthouse». Auf Omandumba rufen wir kurz an und geben Bescheid, dass wir es nicht mehr schaffen. Denn als wir ankommen, ist es wirklich grad am eindämmern. Da haben wir uns aber ziemlich verschätzt. Nun, wir sind wohl noch nicht so richtig in unserem Afrika-Modus angekommen. Doch wir machen uns nichts draus (Wo Problem?) und gehen im benachbarten Restaurant “Kashana” ein leckeres T-Bone Steak essen. Den Abend beschliessen wir wieder früh - auch heute war es noch ein ziemlich anstrengender Tag und so schlafen wir schnell ein in Vorfreude auf den Busch und die Ruhe da draussen.

Roadmovie:

Bei YouTube ansehen ↗


Tageskilometer: 322km
Gesamtreisezeit: 5h
Tageshöchstemperatur: 36° C
Teil 405. Apr. 2018
Sonntag, 14. Januar 2018
Omaruru - Omandumba

Viel an Strecke hat gestern ja nicht mehr gefehlt und so können wir es heute sehr gemächlich angehen. Natürlich sind wir früh wach, liegen noch etwas im Zimmer rum und können dann um 08:00 Uhr zum Frühstück. Das ist klassisch einfach, aber im gepflegten und gemütlichen Garten ist es schön lauschig, ein paar Frankoline kommen vorbei und zum ersten Mal nehmen wir den für das südliche Afrika so typische Ruf der Kapturteltaube wahr. Hernach müssen wir noch ein bisschen rumtelefonieren, weil es mit der Hinterlegung der Kaution für das Mietauto ein kleines Problemchen gab, packen noch ein paar Sachen im Auto um und machen uns dann auf den kurzen Weg nach Omandumba.

Sowie wir Omaruru verlassen und an den letzten Ansiedlungen etwas ausserhalb vorbei kommen, erheben sich in der Ferne die ersten Kämme des Erongo-Gebirges. Viele rötlich-braune Felshügel ragen aus der Landschaft, dazwischen überall goldenes Gras und grüne Sträucher.


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Auf der D2315 zwischen Omaruru und dem Erongo-Gebirge

Es ist aber knochentrocken, flächendeckenden Regen gab es hier offenbar schon sehr lange nicht mehr. Wir fahren auf der Schotterpiste auf und ab, durch Senken von ausgetrockneten Flussbetten, ein Steinböckchen flitzt aufgeschreckt direkt vor unserem Auto über die Strasse. Eine Manguste sehen wir und auf einem kurzen Teil der Strecke fliegen ständig Schwalben kreuz und quer, vor und über uns her, es scheint, als würden sie Insekten, die wir durch unseren Bakkie aufschrecken, jagen.

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Kurz vor dem Abzweig zur Omandumba-Gästefarm. Eine typisch namibische Schotterstrasse, kein Verkehr, afrikanischer XXL-Himmel mit Deko-Wölkchen, schönes Wetter... Hach! 😎

Nach nicht mal einer Stunde erreichen wir die Farm und checken ein für die «Höhle». Das Farmgebäude und die Bungalows des Gästebetriebs liegen nahe der Strasse, wir aber müssen für noch etwa eine weitere halbe Stunde einen Farmweg tief ins Gelände hinein nehmen. Etliche Kurven später gelangen wir an die letzte kleine Abzweigung, umrunden einen grösseren Steinhügel und rumpeln über eine grosse Felsplatte und schon liegt sie vor uns:


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«Die Höhle» auf der Omandumba-Farm

In eine «Schlucht» zwischen zwei grossen Felsbrocken hinein gebaut mit zwei Terassen auf zwei Stockwerke verteilt und einer verschliessbaren Glasfront als Windschutz und unglaublichem Blick über das ganze Tal. Ausser einem ziemlich starken Wind, der durch die Felsen zischt, herrscht hier die absolute Ruhe. Wir sind überwältigt und begeistert von der tollen Idee, so etwas an diesem wundervollen Ort zu bauen.

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Fantastischer Ausblick von der oberen Terasse über das ganze Tal.

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Coolness-Level10: die Freilufttoilette mit ebenfalls fantastischem Ausblick. Normalerweise mache ich echt keine Klo-Fotos auf meinen Reisen, aber es gibt auch mal Ausnahmen. Taking a shit with a view, sozusagen.

Wir richten uns ein und machen uns einen bombastisch gemütlichen Nachmittag. Endlich können wir das tun, was wir so gerne tun und worauf wir uns wieder so lange gefreut haben: draussen in der Wildnis, fernab der Zivilsation und Hektik, auf einer Campsite zu sitzen, einen Kaffe schlürfen, eine Partie Würfelspiel, mit dem Fernglas die Büsche und Bäume nach Vögel oder anderem Getier absuchen, ihnen mit der Kamera hinterher schleichen, runterfahren, ankommen. Ein unvergleichlich schöner Nachmittag, wir könnten zufriedener nicht sein.

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Von der unteren Terasse aus hat man direkten Blick auf diverse Felsen, auf denen sich hin und wieder Tiere zeigen wie zum Beispiel diese Siedleragame...

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... oder natürlich der eine oder andere gefiederte Freund. An diesem Nachmittag starten wir auch «offiziell» mit der Vogelbestimmung und führen ab sofort die Bestimmungsliste nach. Einer der allerersten Einträge für diese Reise bekommt dieser Familiar Chat / Rostschwanzschmätzer (Cercomela familiaris).

Während Beenie das Abendessen vorbereitet, schmeisse ich mich ein erstes Mal in meine Laufklamotten und laufe bei tiefstehender Sonne zwei Runden auf der Piste um «unseren» Felsenberg. Es ist unglaublich schön und ich schätze mich sehr glücklich, in dieser Wahnsinnsgegend Laufen zu können.

Als ich zurück komme, ist das Essen schon fast fertig. Noch die Steaks auf den Grill und dann sind wir erst recht im siebenten Himmel. Es gibt Sirloin in Peri-Peri mariniert mit Folienkartoffeln und Schmatze, gedämpftes Gemüse und Chili-Öl. Der totale Abriss!

Nach dem Essen und Sonnenuntergang klettern wir auf den Felsen hinter der Höhle und machen ein paar Fotos in der “blauen Stunde”.

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Noch hat es ein paar Wölkchen am eindunkelnden Himmel - aber für ein Foto in dieser Stimmung natürlich gerade perfekt!

Dann ist auch schon bald wieder Schlafenszeit. Beenie klettert ein erstes Mal in sein Dachzelt, ich mache es mir oben auf der Terasse gemütlich und schlafe unter dem Sternenhimmel.

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Only in Africa...


Tageskilometer: 58km
Gesamtreisezeit: 1h
Tageshöchsttemperatur: 34° C
Teil 512. Apr. 2018
Kapitel 3
Nimm's mal mit Gemütlichkeit - Zur Spitzkoppe

Montag, 15. Januar 2018
Omandumba - Spitzkoppe

Ein- oder Zweimal wache ich auf in der Nacht und merke vor allem eines: es ist unvergleichlich ruhig hier draussen. Nichts, aber auch gar nichts ist zu hören, nicht einmal Grillen zirpen, kein Kauz ruft und, klar, schon gar nicht irgendwelche Zivilisationsgeräusche sind zu vernehmen. So schlafe ich natürlich bestens unter dem freien Himmel und der Kaffee nach dem Aufstehen schmeckt gleich doppelt so gut wie sonst.

Wir lassen es äusserst gemütlich angehen, denn auch heute haben wir keine allzu lange Strecke vor uns. Es ist ein wunderschöner Morgen und wir sitzen auf der Terasse, glotzen in das Tal, geniessen die Sonne und beobachten Vögel.

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African Red-eyed Bulbul / Maskenbülbül

Nach einem späten Frühstück fangen wir an, unser Küchenmaterial und Gepäck wieder zum Auto runterzutragen und zusammen zu packen. Aber eben, wir nehmen uns Zeit und so fahren wir erst kurz vor dem Mittag los.

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Unterwegs auf dem Gelände der Omandumba-Gästefarm. Was für eine Landschaft!

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Typisches Gestein der Erongo Berge

Schon ein paar Kilometer nach Verlassen der Farm wird die Landschaft zusehends flacher und vor uns tut sich eine endlose Ebene auf, nur mehr vereinzelt ragen Felsformationen hinaus. Allen voran natürlich die Spitzkoppe, die wir schon von weit weg erblicken können.

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Wie zwei «Büppis» erheben sich die beiden markanten Gipfel des Spitzkoppe-Massivs aus der flachen Ebene. Und es ist brüllend heiss hier draussen. Foto machen und schnell wieder ins klimatisierte Auto hüpfen!

An der Rezeption angekommen, werden wir freundlich begrüsst und wir dürfen uns eine freie Campsite aussuchen. Diese sind weit verteilt über das ganze Gelände rund um die Grosse Spitzkoppe, Pontok Mountains und Sugarloaf und eine ist schöner als die andere. Sie sind allesamt sehr einfach ausgestattet und verfügen lediglich über ein Plumpsklo, eine Feuerstelle und eine Abfalltonne. Dafür sind sie aber alle für sich alleine und man bekommt von den Nachbarn absolut nichts mit. Wir kurven ein bisschen rum, einige wenige aber halt auch besten Plätze sind bereits besetzt, mit der «Secret B» finden wir dann aber doch eine tolle Site und vor allem auch mit Schatten. Wir richten uns ein, die Abläufe funktionieren schon wieder besser - wir sind zurück im Camping-Leben.

Am späteren Nachmittag gehen wir auf «Vogeljagd». Es gibt einige Rosy-faced Lovebirds hier, aber auf Chip kann ich sie leider nicht bannen, viel zu schnell sind sie immer davon geflattert.

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Dafür den da, aber wie es scheint, haben wir diesen nicht bestimmt oder dann ergeben meine Listen keinen Sinn. Irgend ein Schmätzer? - Mountain Wheatear / Bergschmätzer (Danke an @Bele und @fotomatte!)

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Ein Birder mit seinem brandneuen Spitzenfernglas (Swarowski SLC 10x 56) schleicht durch den Busch auf der Suche nach Rosenpapageien.

Und kurz vor Sonnenuntergang machen wir ein paar (überhaupt nicht gestellte) Fotos von mir in Aktion beim Laufen über das Gelände.

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Trailrunning am Fusse der Spitzkoppe.

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Vorbildlicher Laufstil in Bilderbuchlandschaft!

Zum Abendessen schmeissen wir ein monströses T-Bone auf den Grill und machen uns eine grosse Schüssel Griechischen Salat dazu. Es schmeckt wieder fantastisch, wir kommen aus dem Schwärmen fast nicht mehr raus. Nach dem Essen bestaunen wir den Sternenhimmel und geniessen die Ruhe hier draussen. Auch hier fällt mir wieder auf, wie unglaublich still es ist. So lässt sich dann in meinem Bodenzelt natürlich auch wunderbar einschlafen.

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Sternenhimmel am Fusse vom Sugarloaf und Grosse Spitzkoppe.


Tageskilometer: 105km
Gesamtreisezeit: 3h 20min
Tageshöchsttemperatur: 36° C
Teil 612. Apr. 2018
Dienstag, 16. Januar 2018
Spitzkoppe

Ein wunderbarer Morgen begrüsst uns und mit der Sonne stehen auch wir schon auf.

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Aufwachen, Zelt aufmachen - «boooah» machen 😮

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Es gibt wohl nicht viel auf dieser Welt, was mit so einem Morgen in Afrika mithalten kann. Das verzaubert mich immer und immer wieder und wenn ich ein Foto wie dieses für den Reisebericht aufbereite und darüber schreibe, läuft es mir kalt den Rücken runter und ich will nichts mehr als grad wieder dort sein.

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Die Campsite «Secret B» am Fusse der Spitzkoppe mit meinem Bodenzelt im Vordergrund - meinem lieb gewonnenen Zuhause für die sechs Wochen.

Heute haben wir so gesehen unseren ersten richtigen Ferientag auf dem Programm. Heisst; wir haben nichts zu tun, fahren nirgendwohin und haben keinerlei sonstige Pläne geschmiedet. Das kosten wir auch ausgiebig aus und machen den lieben langen Tag eigentlich gar nichts. Ausser die Aussicht zu geniessen, Kaffee zu trinken, Würfel zu spielen, Vögel zu bestimmen, dumme Sprüche zu kloppen und fiese Nachrichten mit schönen Fotos an die Daheimgebliebenen zu verschicken.

Am frühen Morgen im schönsten Sonnenlicht bekommen wir Besuch von einer Agame, die sich auf einem Stein direkt neben uns sonnt.

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Siedleragame

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Ein Pale-winged Starling / Bergstar inspiziert unseren Grillrost und findet ein paar kleine Überreste von den, ach, ich muss es halt schon wieder erwähnen, bombastischen Steaks vom Vorabend.

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Monteiro's Hornbill / Monteiro-Toko

So. Und jetzt, geschätzte Leserschaft, haben wir ein Problem: in meinem Tagebuch kommt an dieser Stelle ein neuer Absatz mit einfach nur:
...
Ich glaube, ich habe mir das so als Platzhalter dafür hingeschrieben, dass beim Nachführen des Tagebuches dort noch der restliche Verlauf des Vor- und früheren Nachmittags zu beschreiben ist. Aber da steht jetzt nichts weiter und es ist anzunehmen, dass wir den oben angekündigten Ruhetag auch wirklich als solchen zugebracht haben. Also: wo Problem? 😁

Am späten Nachmittag schnüre ich wieder meine Laufschuhe und drehe eine wunderschöne 9.5km-Runde um den Felsenbogen und wieder zurück, zum Teil auch querfeldein. In diesem Gelände mit dem weichen Untergrund und dem Auf und Ab ist es sehr viel anstrengender, aber es ist echt ein Privileg in einer solchen Umgebung laufen zu können. Fantastisch!

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Die Spitzkoppe in ihrer vollen Pracht. Ein wirklich bezaubernder Ort (das Foto ist vom nächsten Tag in der Früh).

Zum Abendessen gibt es feine Spaghetti Bolognese. Die Sauce hat schon seit dem Nachmittag vor sich hingeköchelt und schmeckte fantastisch. Mit vollen Bäuchen sitzen wir noch eine Weile auf unseren Campingstühlen und starren in den Sternenhimmel, bis uns der Nacken schmerzt.


Tageskilometer: 0km
Tageshöchsttemperatur: 33° C
Teil 715. Apr. 2018
Kapitel 4
Magische Momente in der stillen Wüste

Mittwoch, 17. Januar 2018
Spitzkoppe - Mirabib

Wieder stehen wir mit den ersten Sonnenstrahlen auf und setzen uns noch ein paar Minuten mit einem leckeren Kaffee hin. Dann aber machen wir uns gleich an den Abbau unseres Camps und fahren vor zur Rezeption und Restaurant des Spitzkoppe Community Camps. Dort gibt es für die Camper einen Ablution Block, wo wir eine Dusche nehmen. Frisch gemacht machen wir uns auf den Weg nach Swakopmund. Schnell sind wir auf der Teerstrasse B2, eine der zwei Hauptverbindungsachsen Namibias und selbst da realisieren wir, wie wenig Verkehr es auch auf dieser gibt. So kommen wir rasch voran und erreichen die kultige Küstenstadt - wie nicht anders zu erwarten mit ziemlich grauem und kühlem Wetter - schon gegen halb zehn Uhr.

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Typisches Bild für Swakopmund; historisches Gebäude aus der deutschen Kolonialzeit.

Als erstes gehen wir zum «Garden Café», wo wir uns ein Frühstück einverleiben. So sind wir dann auch nicht nur frisch geduscht, sondern auch frisch gestärkt und machen uns hernach auf zu «Woermann & Brock», um unsere Einkaufsliste abzuarbeiten.

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Hinterhofansicht vom ebenso historischen «Woermann & Brock»-Kaufhaus.

Jetzt noch rasch ans Meer, ein, zwei Fotos schiessen - unser wohl kürzeste Aufenthalt an einem Meer überhaupt -, dann tanken und noch zum Cymot, einen Stecker-Adapter für den Zigarettenanzünder kaufen.

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Die berühmte Jetty von Swakopmund. 2003, auf unserer ersten gemeinsamen Reise im südlichen Afrika, haben wir uns dort in der Bar zum Sundowner ziemlich die Kante gegeben. 😄 #memories

So können wir um 13:00 Uhr weiter fahren, zunächst noch einmal gut 30km dem Meer und den Sanddünen der Namib entlang bis Walvis Bay. Dort drehen wir wieder landeinwärts und gleiten auf der breiten, bestens geschobenen Piste nach Osten, bis nach einer Weile der Abzweig auf die D2186 folgt. Ab hier ist Permit-Pflicht und wir sind weit und breit die einzigen. Die Wüste ist hier wieder komplett flach und der Blick schweift in eine unfassbar endlose Weite.

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An der D2186 in Richtung Gobabeb/ Mirabib im Namib-Naukluft Nationalpark. Endlose Weiten, flirrende Hitze, nur wir, unser Bakkie und sonst keine Menschenseele. Irre!

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Ein Traum für alle Misanthropen! 😁 Aber auch irgendwie etwas beklemmend, so ganz alleine hier draussen. Wenn man anhält und mal aus dem Fahrzeug aussteigt, kann man sich in dieser unfassbaren Weite und surrealen Stille den hektischen und lärmigen Alltag zuhause in der Schweiz/ Europa schon gar nicht mehr vorstellen.

Trotzdem sichten wir ein paar Springböcke und als dann etwas später die Erhebung des Mirabib-Felsen am Horizont flimmert, können wir sogar Wildpferde ausmachen. Ich dachte, diese können vor allem im Süden der Namib um die Garub Pfanne bei Aus beobachtet werden und so sind wir schon sehr erstaunt, diese hier, so weit nördlich, anzutreffen. Auch Zebras grasen in den weiten Ebenen - wobei man sich schon fragt, von wie wenig diese Tiere hier überleben können. Es ist wirklich knochentrocken und rund um Mirabib gibt es zwar schon Gras, aber dieses ist sehr kurz und nur noch in einzelnen, sehr kleinen Büscheln vorhanden.

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Ein surreales Bild. Wildpferde (womöglich auch nicht ganz so wild, mir ist im Nachhinein zu Ohren gekommen, dass sie auch den in der Gegend lebenden Einheimischen gehören könnten?) in der scheinbar lebensfeindlichen Wüste.

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Knochentrocken, staubig und leer. Und heiss. So stellt man sich doch eine Wüste vor, nicht?

Am Felsen angekommen suchen wir uns eine Campsite aus und entscheiden uns für eine mit einem schattigen Felsüberhang. Ein paar Meter daneben gibt es eine tolle Toilette mit Plumpsklo, die zwischen zwei Felsspalten gebaut und ist und so hat man einen herrlichen Blick über die Ebene beim Scheissen. Von wegen herrlicher Blick: dieser ist hier wirklich atemberaubend und es ist wiederum einfach unglaublich still. Aber die Sonne knallt und wir verziehen uns in den Schatten. Die Nachbars-Campsite ist auch belegt von einem jüngeren Paar aus Deutschland, welche wir vor Sonnenuntergang für ein Bier und einen Schwatz besuchen.

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Ausblick vom Mirabib-Felsen etwas oberhalb unserer Campsite. Was ich sehr schade finde, sind die der Sandpiste entlang zur Abgrenzung oder was auch immer aneinandergehäuften Steine. Das stört die Aussicht und macht die Fotos irgendwie ziemlich zur Sau.

Zum Sonnenuntergang bereiten wir Aufnahmen für ein Zeitraffer-Video und dann auch das Abendessen vor. Heute gibt es einen Beef Stew-Eintopf mit Kartoffeln, was wieder herausragend schmeckt.


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Magischer Moment in der Wüste. Was will man dazu noch gross in die Bildunterschrift schreiben?

Nach Einbruch der Dunkelheit erhalten wir Besuch. Ich bin grad irgendwas am Tisch am fuhrwerken und lasse kurz meinen Blick mit meiner Stirnlampe nach links schweifen und gewahre ein rot reflektierendes Augenpaar wenige Meter neben mir unter dem Felsvorsprung. Wegen der markanten Ohren erkenne ich das Tier sofort als Kapfuchs, auch wenn ich bisher nur sehr selten einen zu Gesicht bekommen habe. Zunächst rennt er durch die Felsen davon, aber kurze Zeit später schleicht er zurück und hält sich mehrere Minuten lang ganz unerschrocken in der Nähe von uns auf. Einmal legt er sich sogar kurz auf den Boden und schaut ganz gebannt zu uns rüber.

Ich versuche noch ein paar weitere Sternenfotos und eines von unserer Campsite im Feuerschein, danach geht es gegen halb elf Uhr für unsere Verhältnisse reichlich spät in die Heia.

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Camping auf Mirabib unter schützendem Felsvorsprung mit Blick in die Weiten und zauberhaftem Sternenhimmel.


Tageskilometer: 331km
Gesamtreisezeit: 8h
Tageshöchsttemperatur: 33° C
Teil 828. Apr. 2018
Kapitel 5
Die rote Namib


Donnerstag, 18. Januar 2018
Mirabib - NamibRand Family Hideout

Ach, eigentlich geht es uns einfach nur gut hier. Was ist das für ein Leben, wenn man in solch einer Umgebung aufstehen und mit einem Becher heissen Kaffee in der Hand den Blick über so eine Landschaft schweifen lassen darf. Jetzt sind wir ein paar Tage hier und völlig an- und runtergekommen. Der Alltag zuhause ist weit weg, die Smartphones aus- und der Entspannungsmodus definitiv eingeschaltet.

Und wir haben auch schon das afrikanische Tempo in all unseren Bewegungen und Abläufen angenommen. Es wird ja auch schnell heiss, da mag man einfach gar nicht schnell machen. Trotzdem sind wir nach dem Frühstück rasch wieder parat für die Weiterfahrt.

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Ein letzter Blick zurück zum Mirabib-Felsen. Hierher würden wir jederzeit wieder kommen - ein wahrhaftig spezieller und wunderschöner Ort.

Wir fahren gen Nordosten und bis wir zurück auf die C14 kommen, rüttelt und schüttelt es uns noch ziemlich durch.

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Dann geht es auf und ab, links und rechts durch das Gebiet des Kuiseb Canyon, eine schroffe Landschaft wie auf dem Mond, aber unten im Trockenflussbett doch mit einigen Kameldornbäumen und Akazien. Danach öffnet sich die Landschaft wieder, links von uns kommen die ersten Erhebungen des Naukluft-Gebirges ins Blickfeld. Auch nimmt der Verkehr zu, wenn man das so sagen kann, aber man merkt, dass es in Richtung eines der absoluten Touristen-Hotspots, dem Sossusvlei, geht. In Solitaire machen wir Mittagspause und genehmigen uns einen Burger. Aus dem einst so legendären, kleinen Tankstellenshop mit angeschlossener Bäckerei ist eine echte Touristenfalle geworden, es gibt jetzt schon zwei Cafés. Selbst jetzt in der vermeintlichen Nebensaison ist mächtig was los, viele weisse Touri-Autos stehen auf dem Parkplatz.

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Autowrack, Kakteen und weite Wüstenlandschaft bei der legendären Solitaire-Tankstelle. Ein ziemlich ausgelutschtes Fotomotiv, aber es hat eben doch was. Als ich das Foto fertig habe, kommt Beenie angefahren und gabelt mich für die Weiterreise auf. Neben uns hält ein anderes Touristen-Auto mit zwei Damen und lachend machen sie mit ihrem Smartphone ein Foto von uns bzw unserem Auto - wohl wegen des Aufklebers auf der Seite von unserem Wagen. Ob sie uns erkannt haben und auch hier im Forum unterwegs sind?

Weiter geht es bis Sesriem, wo wir nochmals eine Pause einlegen. Nachtanken und Reparaturen an unserer Ausrüstung wären angesagt: unser Campingtisch hat ein gebrochenes Scharnier und die rückseitige Klappe am Canopy rüttelt sich auf den Pisten immer wieder auf. Am Tisch lässt sich nichts machen, wir müssen für die nächsten fünf Wochen wohl mit einem kapputten ebensolchen auskommen. Die Klappe kann der Tankwart vermeintlich reparieren, aber schon nach wenigen Kilometern ist auch diese wieder auf. Nun gut, wo Problem?

Dann nehmen wir den letzten Abschnitt unter die Räder. Je südlicher wir kommen, desto spürbar heisser wird es. Steigen wir für Fotos mal kurz aus dem klimatisierten Auto, schlägt einem eine Ofenhitze entgegen und es weht ein heftiger, föhnheisser Wüstenwid.

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Unterwegs in der Namib zwischen Sesriem und dem NamibRand Nature Reserve.

Die Farbe des Bodens ändert sich auch merklich, der Sand hier am Rande der Namib wird rot und röter, einzelne Sanddünen schmiegen sich an schwarze Steinhügel. Eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch, wir können kaum aufhören mit Staunen. Wir gelangen nun in das Gebiet des NamibRand Naturreservats, rund 200’000ha gross und aus einem Zusammenschluss von 16 ehemaligen Farmen entstanden, die sich einem nachhaltigen, sanften Öko-Tourismus verschrieben haben. Unser Ziel ist das NamibRand Family Hideout. Von der Strasse ab geht es noch 16km auf einer schmalen Sandpiste bis zum Farmhaus, wo wir schon erwartet werden. Es wird uns ein Walkietalkie mitgegeben und schon können wir bis zu unserer gebuchten Campsite “Orion” weiterfahren. Als wir dort ankommen, können wir uns kaum halten vor Begeisterung. Mann, ist das schön hier! In einem Dünental, bewachsen mit einigen weit auseinander stehenden Bäumen, wurde eine wunderschön eingerichtete Campsite gebaut mit Schattendach und einem Häuschen aus Holz und Zeltplachen, wo sich Dusche, WC und aussen ein Spültrog befinden. Solarbetriebenes Licht gibt es und einen Sonnenkollektor für das Warmwasser. Direkt vor der Campsite ein kleines Wasserloch, wo wir abends auch prompt Besuch von einer Oryx bekommen.

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Die Campsite «Orion» vom NamibRand Family Hideout. Nicht ganz billig, dafür unvergleichlich schön und abgelegen in der puren Natur draussen.

Ein zauberhafter Sonnenuntergang spielt sich ab, während wir das Abendessen vorbereiten (der Vollständigkeit halber: Ribeye Steaks in einer Ingwer-Knoblauch Marinade in der Alufolie gegrillt, in ebensolcher gebratene Kartoffeln mit Zwiebeln, Knoblauch und Rosmarin sowie je einem Maiskolben mit Peri-Peri Extrahot einbalsamiert). Geschafft vom langen Fahrtag begeben wir uns zum Lesen in unsere Zelte. Aber wie immer an den letzten Abenden komme ich nicht weit mit meinem Buch, schon nach knapp einer Seite werden die Lider schwer und ich schlafe schnell ganz friedlich ein.


Tageskilometer: 356km
Gesamtreisezeit: 8h 10min
Tageshöchsttemperatur: 41° C
Teil 903. Mai 2018
Freitag, 19. Januar 2018
NamibRand Family Hideout

Erst kurz vor acht Uhr erwache ich heute. Die tiefstehende Morgensonne leuchtet den roten Sand aus, dekorative Wölkchen zieren den blauen afrikanischen XXL-Himmel und am Wasserloch vor dem Campingplatz kommen Namaqua Sandgrouse in Scharen zum Trinken. Wir sitzen im Schatten, trinken Kaffee und schauen den Oryx zu, die nach und nach auftauchen, um sich ebenfalls den morgendlichen Schluck zu genehmigen. Es ist so friedlich hier und wir haben einen ganz entspannten, ruhigen Ausruhtag vor uns.

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Oryx vor roten Namib-Sanddünen - direkt vor unserem Campingplatz, fotografiert von meinem Campingstuhl aus.

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Das Bild ist zwar vom Abend vorher, zeigt aber wunderbar die herrliche Stimmung im Dünental, wo sich unsere Campsite befindet.

Die Sonne steigt schnell und mit ihr die Temperatur; war es am frühen Morgen schon gut 27° C, steht das Quecksilber gegen 11 Uhr bei bereits 39° C im Schatten! Und diesem folgen auch wir, indem wir ständig unsere Position entsprechend verschieben. Da ja unser Campingtisch hinüber ist, improvisieren wir und legen diesen auf der defekten Seite ohne ausgeklappte Tischbeine auf die Heckklappe des Bakkies. Und da dort, wo unser Auto steht, erst gegen Mittag Schatten ist, warten wir solange mit dem Frühstück. Man muss sich halt zu helfen wissen. Wo Problem?

Ein erstes Mal spanne ich auch meine Hängematte auf und verbringe dort drin einige Zeit mit Lesen. Dazwischen schweift der Blick immer wieder in die Landschaft und wir müssen einander wiederholt versichern, wie unglaublich schön das hier ist und dieser Platz definitiv ganz weit oben auf der Liste der schönsten Campsites, auf denen wir je waren, kommt.

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Blick über das weitläufige Tal in Richtung Westen. Ein Traum von einer Landschaft.

Gegen halb fünf machen wir uns dann auf die 4x4-Rundfahrt, für die wir im voraus das entsprechende Permit gebucht haben. Damit darf man eigenständig eine Runde über das weitläufige Gelände auf einer Sandpiste fahren. Wir sind einfach nur hin und weg. Über jede Düne oder Kuppe, über die man fährt, öffnet sich eine neue, grandiose Landschaft mit gelb leuchtendem Gras, knallrotem Wüstensand, graublaue Berge am Horizont und einem knallblauen, offenen Himmel.

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Fabelhafte Landschaften und zwei zufriedene Safaribrüder auf dem 4x4-Drive über das Gelände des NamibRand Nature Reserve.

Bei YouTube ansehen ↗

Boahs und Ooohs machen die Runde und wir sehen Oryx am Laufmeter, ein paar Bergzebras und Springböcke. Gut zwei Stunden kurven wir so durch die Gegend und mir gehen langsam die Superlativen aus, das zu beschreiben. Einmalig ist das, wirklich einmalig. Es hat so eine erhabene, überwältigende Ruhe, das muss man einfach erlebt haben.

Und es ist heiss heute. Sehr heiss, sogar. Aber immer am Nachmittag kommt von Westen her ein teilweise starker Wind auf, so dass man die Hitze nicht ganz so sehr wahrnimmt. Erstaunlich ist aber die Regelmässigkeit, mit der dieser Wind jeden Nachmittag kommt und spätestens nach Einbruch der Dunkelheit wieder weg ist. Das haben wir bis jetzt ausnahmslos jeden Tag so erlebt.

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Nachmittags um 15 Uhr hat es 43° C, zwei Stunden später sollte das Thermometer gar noch um drei Grad höher klettern.

Zurück im Camp fangen wir bald an, uns um das Abendessen zu kümmern. Heute wandert auf den Grill: ein wiederum fantastisches Sirloin Steak und ein in Alufolie auf der Glut gebackener Butternut-Kürbis. Dazu machen wir in Butter glasierte grüne Bohnen und Weisskohl.

Ein wenig Abseits vom Campingplatz in den Dünen hatte ich vor Einbruch der Dunkelheit Stativ und Kamera aufgestellt, um wieder etwas Sternenfotos zu machen. Nach dem Essen spazieren wir mit unseren Lampen dahin, machen die Bilder und liegen dann einfach noch ein paar Minuten in den Sand und starren in diesen grandiosen, riesigen, von Lichtverschmutzung völlig befreiten Blinkehimmel. So etwas kann man wirklich nur hier erleben.

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Tageskilometer: 46km
Tageshöchsttemperatur: 46° C
Teil 1005. Mai 2018
Kapitel 6
Das Zeltstangenmassaker


Samstag, 20. Januar 2018
NamibRand Family Hideout - Koiimasis Ranch

Das feste Ritual auf unseren Reisen; wer zuerst aufsteht, macht den Kaffee - mit oberster Priorität und vor allem anderen - wird auch dieses Mal eisern durchgeführt. Dann setzt du dich mit der Tasse mit dem wohlriechenden Brühgetränk in den Campingstuhl, schaust in die Natur hinaus und bist einfach nur zufrieden.

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Ein schöner Morgen draussen in der Wüste? Bittesehr.

Heute nehmen wir es gemütlich, frühstücken irgendwann und machen uns dann an den Abbau unseres Lagers. Der erfahrene Camper weiss: beim Zusammenräumen des (Boden-) Zelts immer vorsichtig anheben und unter den Zeltboden schauen. Skorpione verkriechen sich gerne dort drunter. Und siehe da; auch heute wieder einmal hat sich einer seinen Schlafensplatz unter meinem Zelt ausgesucht. Also immer schön dran denken!

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Ein stattliches Exemplar von einem Skorpion, der es sich da unter meinem Zelt gemütlich gemacht hat. Wenn man sie "aufdeckt", verkriechen sie sich so schnell als möglich in ein Versteck. Dieser hier sucht sich eine unserer Plasticboxen neben unserem Frühstückstisch aus und als wir diese nachher anheben, bin ich schon bereit für das Foto.

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Nun zischt der Skorpion schnell zum nahen Kameldornbaum, was aber von dieser schönen Echse sofort bemerkt wird. So etwas haben wir noch nie gesehen; die Echse kennt gar nichts und attackiert den Skorpion blitzartig. Dieser sticht nicht einmal zu und verzieht sich so schnell er kann in einem Rindenloch.

Kurz vor Elf sind wir Abfahrbereit und so begeben wir uns wieder auf Pad. Es geht weiter gen Süden, der Tag ist schön und die Laune gut. Auf etwa der Hälfte der Strecke liegt Betta, ein winzig kleiner Ort mit ein paar Farmhäuser, einer Tankstelle und einem wirklich kleinen Minishop. Dort halten wir kurz an und stocken unsere Wasservorräte auf. Dann geht es aber gleich weiter und wir biegen auf die D707 ein, oft als die schönste Strasse Namibias bezeichnet.

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An der D707 in den Tirasbergen.

Und ja, es ist mit Sicherheit eine der schönsten Strecken hier. Rote Sanddünen schmiegen sich an aus der ferne Schwarz schimmernde Berge, riesige Ebenen erstrecken sich über anscheinend endlose Weiten mit einsam dastehenden Akazien drauf. Die Hitze flimmert und manches Mal wirkt es aus der Distanz, als liege ein flacher See dort.


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Nach einer Weile erreichen wir das Farmtor zur Koiimasis Ranch, unserem heutigen Tagesziel.

Die Farm ist so riesengross, dass alleine die Zufahrt zum Farmhaus und Campsite 20km lang ist. Für uns einfach unvorstellbare Grössenverhältnisse. Aber kein Wunder, bei solch spärlichem Bewuchs braucht das Vieh natürlich viel mehr Weidefläche und dementsprechend riesig sind die Farmen auch hier in Namibia. Man stellt sich vor, wie das damals gewesen sein muss, als die weissen Siedler sich dieses Land genommen und hier Farmen aufgebaut haben. Und heute verdienen sie sich mit dem Gästebetrieb natürlich etwas dazu, es gibt auch eine Lodge hier.

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Auf dem Farmgelände der Koiimasis Ranch.

Wir fangen an, uns einzurichten, spannen dann aber doch erstmal die Hängematten auf und machen ein wenig Pause. Als der Schatten der Berge unsere Campsite erreicht, baue ich mein Bodenzelt auf. Beziehungsweise will es aufbauen. Schock! Es fehlen zwei Zeltstangen…

So sehr ich mich beim Zeltabbau auf die Skorpione geachtet habe, so wenig habe ich selbiges in Bezug auf diese beiden Stangen gemacht. Es ist nämlich so: das von unserem Autovermieter geliehene Bodenzelt hat ein Stangensystem aus Metall, die man zusammensteckt und dann wie ein Gerüst über vier Ecken spannt. Und diese Stangen sind alle mit einer Schnur verbunden, so dass beim Auseinanderstecken keine verloren gehen kann. Aber zwei davon waren uns lose mitgegeben worden und anstatt dass wir diese einmal selber mit einer Schnur wieder an den restlichen angebunden hätten, habe ich diese jeweils einfach so wieder mit eingepackt. Und ich sag beim Zusammenräumen auf der Family Hideout Campsite noch so: «Hmmm, wo sind denn jetzt die anderen zwei Stangen? Na, dann werde ich sie wohl schon mit den anderen zusammen in die Zelttasche gepackt haben». So kann man sich täuschen.

Nun also stehen wir, also vor allem ich, ziemlich dumm da. Und ich werde für einen Moment echt wirklich sauer. Also so richtig angepisst. Mann, was kann ich mich darüber ärgern! Das führt dann auch dazu, dass mein Bruderherz mir «befiehlt», sofort in meine Laufklamotten zu steigen und eine Runde zu drehen. Das mache ich dann auch tatsächlich und kann mich dabei bestens wieder abreagieren. Da schon nach 17 Uhr ist, ist auch keiner mehr am Farmhaus/ Reception erreichbar, wo wir allenfalls nach Hilfe für unser Zeltstangenproblem hätten fragen können.

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Auf den Felsen direkt um unsere Campsite (Nr 3 haben wir uns übrigens ausgesucht; diese hat auch tagsüber etwas schatten und für Hängematten-Liebhaber bieten sich gute Möglichkeiten zum Aufspannen) wuseln auch ständig Rock Dassies herum. Wie es scheint, werden sie von «netten» Touristen auch immer mal wieder angefüttert, anders können wir uns jedenfalls nicht erklären, dass sie fast jegliche Scheu vor uns verloren haben.

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Denn das erlaubt mir dann auch eine solche Portraitaufnahme aus ein paar wenigen Metern Entfernung.

Es ist nebenbei bemerkt aber auch eine wunderbare Laufrunde, denn es gibt über das Farmgelände einen schönen Rundwanderweg. Im schönsten Abendlicht ballere ich da also so durch die Gegend und scheuche dabei noch einen armen Steinbock auf, der in Panik vor mir davongaloppiert sowie eine grössere Herde Springböcke, die ebenfalls das Weite suchen.

Zurück auf der Campsite verschieben wir die Beratschlagung auf Morgen und widmen uns dann gescheiter wieder angenehmerem zu, nämlich dem Abendmahl. Wir haben noch einen Resten an Bolognese über und machen die mit Penne zusammen warm. Dazu einen Gurkensalat und in Butter gedünstete Karotten. Das schmeckt dann auch sehr gut und mit vollem Bauch und meiner Bettdecke lege ich mich in die Hängematte - aufgrund des Zeltstangendramas für heute auch meine Ruhestätte.


Tageskilometer: 157km
Gesamtreisezeit: 3h
Tageshöchsttemperatur: 36° C
Teil 1106. Mai 2018
Sonntag, 21. Januar 2018
Koiimasis - (NamibRand Family Hideout) - Maltahöhe


So eine Hängematte ist ja wirklich eine tolle Sache, um ein paar Stunden abzuhängen, aber eine ganze Nacht drin schlafen dann doch eine ganz andere. Zumal es ausnahmsweise auch Mücken gab, die mich mit ihrem grellen Surren und fiesen Stichen plagten. Dementsprechend etwas gerädert wache ich auf.

Nach dem Morgenkaffee latsche ich den Kilometer zur Farm rüber und ersuche um Rat oder Hilfe betreffs das Zeltstangenmassakers. Die gute Dame des Hauses ist aber nicht sehr hilfsbereit und will mir stattdessen ein Zimmer andrehen angesichts der Tatsache, dass ich ja über kein nutzbares Zelt mehr verfügen würde. Oder ob uns vielleicht ein abgesägter Besenstil zu Hilfe kommen könnte? Das lehne ich dann dankend ab und gehe unverrichteter Dinge wieder zum Bruder zurück. Diesem lege ich die Fakten dar und wir beschliessen, was sich ohnehin schon abzeichnete: wir fahren zurück zum Family Hideout und holen uns die Scheissdinger halt wieder. Eine Überlegung wäre noch gewesen, in Keetmanshoop, wo wir ohnehin vorbeikommen würden, nach einem Laden für Campingbedarf Ausschau zu halten. Aber dass dieser dann über genau die benötigten Ersatzteile für diese Art von Zelt verfügen würde, wäre doch eher der Kategorie Glückstreffer zuzuordnen. Also ändern wir unseren Plan und fahren zurück und dann noch weiter ostwärts bis Maltahöhe, einem kleinen regionalen Versorgungsstädtchen. So könnten wir dann am nächsten Tag auf guter Teerstrasse bis Keetmanshoop und zum Köcherbaumwald durchfahren, wo wir halt einfach einen Tag eher als geplant aufschlagen würden.

So ist das halt bei uns - es wäre was ganz Neues gewesen, einmal eine Tour von A bis Z wie geplant durchzuführen. Wir nehmen es locker und mit Humor, der Ärger von gestern Abend ist ja ohnehin schon längst verraucht.

So packen wir nach dem Frühstück zusammen und rollen um 11 Uhr wieder vom Hofe. Weil 11 Uhr eine Stunde nach Checkout-Zeit sei, müsse man uns leider zwei Nächte berechnen und wir hätten ja ohnehin schon fest gebucht. Da zeigt man sich unserer Ansicht nach etwas sehr unflexibel, aber wir haben null Bock auf Diskussionen und bezahlen zähneknirschend.

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Unterwegs zwischen Tirasberge und NamibRand.

Die Strecke kennen wir jetzt ja, dennoch lassen wir uns nicht hetzen und halten auch dann und wann für ein Foto.

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In der Namib gibt es durchaus auch Farmen, wie an den Zäunen unschwer zu erkennen ist.

Am frühen Nachmittag sind wir wieder beim Hideout und eine doch ziemlich erstaunte Arbeiterin, die uns schon zwei Tage zuvor empfangen hat, kommt uns entgegen. Ich erkläre unser Dilemma und sie lacht und deutet auf einen Bakkie direkt neben uns, auf dessen Ladefläche sich Mülltüten und sonstiger Gerümpel stapelt. Wir seien «lucky guys», meint sie. Morgen würden sie den Müll wegbringen und die Stangen sind auch tatsächlich schon dort drin deponiert, sie hätte sie beim Aufräumen und Putzen unserer Campsite im Sand liegend gefunden. Was sind wir froh!

An der Kreuzung gleich nach dem Eingang zum Family Hideout biegen wir links ab und damit für heute auch wieder auf eine noch unbekannte Strecke. Nach etwa 50km fängt die Landschaft an sich zu verändern und die Pad steigt merklich an. Wir fahren die Schwelle ins Hochland von Namibia wieder rauf über einen kleinen Pass, vorbei an beeindruckenden Tafelbergen.

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Tafelberglandschaft an der D830.

Es wird auch zunehmend grüner und an einigen Stellen am Pistenrand gibt es noch sichtbar ausgewaschene Stellen - es hat also etwas geregnet in letzter Zeit. Über uns hängen für einmal auch etwas dichtere Wolkenfelder und ein paar wenige Regentropfen berühren zaghaft unsere Windschutzscheibe.

Dann kommen wir nach Maltahöhe, ein wirklich trostloses Kaff irgendwo im Nirgendwo. Eine Hauptstrasse, eine Kirche, zwei, drei kleine Läden - die aber wegen des Sonntags eh geschlossen haben -, eine Polizeistation und fast keine Menschen sind hier unterwegs.

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Wie in einem Roadmovie - Tankstelle in Maltahöhe.

Das “Hotel Maltahöhe” ist schnell gefunden und wir sind vorerst auch die einzigen Gäste. Ein kurliger Ort ist das, in der Bar und im Restaurant hängen überall Bilder, Flaggen und Texte aus der Südwester-Zeit. Als ich dann oben an der Decke die Reichskriegsflagge ausmache, denke ich mir so meinen Teil. Aber die Leute sind nett und das Zimmer für eine Nacht absolut ausreichend. Einfach und sauber, mehr brauchen wir ja auch gar nicht.

Nach einer erfrischenden Dusche gehen wir in die Bar und kredenzen uns einen Rock Shandy und bestellen das Abendessen. Hernach setzen wir uns noch in den Garten und lassen den Tag bei einer Partie «Yatzy» und einem Bierchen - es gibt sogar auch Erdinger Alkoholfrei hier - ausklingen.


Tageskilometer: 265km
Gesamtreisedauer: 5h 10min
Tageshöchsttemperatur: 36° C
Teil 1211. Mai 2018
Kapitel 7
Von Bäumen, die keine sind, Vogelgezwitscher und einem Forum-Treffen


Montag, 22. Januar 2018
Maltahöhe - Mesosaurus Fossil Bush Camp

An einem der ersten Tage unserer Tour haben wir ein Motto ausgegeben: «immer das Positive sehen!». Und drum: zwischendurch in einem richtigen Bett zu schlafen hat eben schon auch was. Wir stehen früh auf und gehen um 07:30 Uhr zum Frühstück. Das verdient keine Bestnoten, ist aber sonst ganz okay. Eine Stunde später sind wir abfahrbereit, biegen um die Ecke zur Tanke und lassen volllaufen und die Reifen auf asphaltgeeignete 2.2 Bar aufpumpen.

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Denn ab Maltahöhe bis Keetmanshoop haben wir eine aalglatte Teerstrasse vor uns. Tempomat auf 120km/h einstellen und los gehts. Selbst auf der B1, der Hauptverbindungsachse von Nord nach Süd, herrscht verhältnissmässig sehr wenig Verkehr und so kommen wir flott voran und rauschen fast ohne Pause in knapp drei Stunden durch.

«Keetmans» ist eine wichtige Stadt im Süden, aber trotzdem ebenfalls ein ziemlich trostloses Kaff. Irgendwie können wir uns mit diesen schäbigen Städtchen einfach nie so recht anfreunden. Aber egal, wir bekommen alles, was wir brauchen, fahren von Laden zu Laden, lassen noch eine der Gasflaschen auffüllen und essen in einem Fastfoodschuppen bei der Shoprite-Mall eine Kleinigkeit zu Mittag und dann fahren wir wieder raus in den Busch. Gut 40km sind es bis zum Mesosaurus Fossil Bush Camp.

Die Gegend hier ist bekannt für ihre Köcherbaum-«Wälder» und absonderlichen Gesteinsformationen. Die Köcherbäume, die eigentlich gar keine Bäume sind sondern Aloen und damit eine Sukkulentenart, haben ihren Namen daher, dass die San (Buschmänner) tatsächlich die hohlen Äste als Pfeilköcher verwendeten. Auf dem Gelände der Farm, auf der die Campsite steht, wurden etliche versteinerte Dinosaurier, eben Mesosaurus, gefunden.

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Bezaubernde Landschaft mit dem typischen Doloritgestein und den Aloen, direkt an der Campsite.

Als wir ankommen, ist zunächst keiner da, aber wir müssen nur ein paar Minuten warten, bis Giel, der kurlige Besitzer, auftaucht. Er war gerade in der Stadt und hat auf seinem Bakkie einen neuen, riesigen Kühlschrank geladen. Voller Stolz erzählt er uns, dass er sich diesen und einen Flachbildfernseher gekauft habe. Er ist ein echtes Unikat, kantig aber sehr herzlich und unkompliziert. Wir sollen einfach auf die Campsite fahren und es uns gemütlich machen, alles andere regeln wir dann schon.

Die Campsite selber liegt etwa 4km abseits der Farm im Gelände, in so etwas wie einem kleinen Tal zwischen Steinhügeln und umgeben von hunderten von Köcherbäumen und wie von Riesenhand aufeinandergeschichteten Steinhaufen. Es gibt ein einfaches Klo- und Duschhaus, pro Stellplatz eine Feuerstelle und bei zwei Kameldornbäumen riesige Webervogelnester.

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Unser Lager auf der Mesosaurus Fossil Bush Campsite, im Baum in der Mitte ist das grosse Nest zu sehen.

Die Siedelweber sind wahre Meister der tierischen Architektur und bauen sich für Kolonien von hunderten von Vögeln riesige Nester in vorzugsweise flach herausragendes Geäst, manchmal so gross, dass die Äste irgendwann das Gewicht nicht mehr halten können und runterkrachen.

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Sociable Weaver / Siedelweber. Die Vögel hier scheinen sich sehr an die Anwesenheit von Menschen gewöhnt zu haben, dass sie mich mit dem Makro bis auf wenige Zentimeter an ihr Gesicht ranlassen. «Gwunderig» inspizieren sie meine Kamera und hoffen wohl auch auf einen Krümel von mir.

Hier gefällt es uns ausnehmend gut und wir sind froh, morgen mal wieder einen autofreien Tag vor uns zu haben. Wir richten uns ein, chillen rum und würfeln eine Partie. Als die Sonne tiefer steht, streiche ich ein wenig durch die Felsen und Bäume und mache mit diesem fantastischen Licht ein paar Fotos.

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Währenddessen entfacht Beenie ein Feuer und wir bereiten das Abenessen vor. Heute auf der Speisekarte: Sirloin Steak in einer Chili-Knoblauch-Marinade, Folienkartoffeln mit Schmatze, gegrillte Zwiebeln und Salat.

Pappsatt begeben wir uns in unsere Zelte und ich versuche, noch ein paar Seiten zu lesen. Da scheitere ich auch heute grandios und die Zelen im Buch fangen wieder schnell an zu verschwimmen.


Tageskilometer: 376km
Gesamtreisedauer: 7h 25min
Tageshöchsttemperatur: 34° C
Teil 1311. Mai 2018
Dienstag, 23. Januar 2018
Mesosaurus Fossil Bush Camp

Aus unseren Zelten raus beobachten wir halbwach einen fantastischen Sonnenaufgang. Bei Familie Weber im Baum nebenan ist auch schon Hochbetrieb, es ist ein Geträllere und ein Geflattere, dass es eine wahre Freude ist. Hier ist es tatsächlich aber mal ein wenig frisch so am frühen Morgen.

Nach dem Kaffeeritual schnappen wir unsere Kameras und Ferngläser und spazieren ein wenig in den Felsen und Bäumen herum auf der Suche nach Schlangen und Echsen oder Vögeln. Aber sehr erfolgreich sind wir nicht gerade. Eine oder zwei Agamen können wir entdecken, Schlangen aber sind sehr viel schwieriger auszumachen. Da müsste man sich natürlich auch besser auskennen, ihr Verhalten und ihre Verstecke erahnen, aber dieses Wissen haben wir nicht und unter irgendwelche Steine zu gucken trauen wir uns dann auch nicht unbedingt.

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Beenie versucht sich mit dem Makro ebenfalls an Nahaufnahmen.

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Scaly-feathered Finch / Schnurrbärtchen

Den Rest des Vormittags und den frühen Nachmittag machen wir Urlaub. Entweder sitzen wir unter dem Siedelwebernest und beobachten das Treiben der kleinen Kerle, legen uns ins Zelt zum Lesen oder Dösen.

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Gar nicht so einfach, mal einen der Webevögel beim Rein- oder Rausflattern aus dem Nesteingang zu erwischen, auch wenn man stundenlang drunter hockt und die Kamera im Anschlag bereit hält.

Irgendwann am Nachmittag dann kommt ein Auto angefahren - wir bekommen Besuch! Es sind nicht etwa einfach andere Gäste sondern aus dem Gefährt steigt Matthias. Wir haben uns mit ihm verabredet, da sich unsere Wege hier kreuzen würden. Bisher kannten wir uns lediglich virtuell aus dem Forum hier und als wir mal herausgefunden hatten, dass wir zur gleichen Zeit unterwegs sein würden, haben wir unsere Routenpläne abgeglichen und dann eben hier ein Treffen ausgemacht. Matthias ist wie wir ein schon ziemlich alter Hase und begeisterter Birdwatcher. Schnell tauschen wir die neuesten Neuigkeiten aus dem Busch aus - er kommt gerade aus dem Kalahari Transfrontier Park, wo wir dann morgen hinwollen. Unter Gleichgesinnten kann es schnell gehen, wir verstehen uns jedenfalls auf Anhieb bestens und verquatschen den ganzen Nachmittag bis in den Abend hinein.

Aber auch heute ist das Abendlicht wieder fantastisch und wir stolpern dann noch ein wenig zwischen Steinen und Köcherbäumen umher, um ein paar Fotos zu schiessen.

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Währenddessen brutzelt auf dem Gaskocher stundenlang ein Beef Stew vor sich hin, auf das wir Matthias einladen.

Vorher aber gibt es noch einen «Sundowner». Nach Sonnenuntergang ist die Stimmung besonders schön mit dem bläulich und rosa schimmernden Lichtschein am Horizont und den dunklen Silhoutten der Köcherbäume.

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Matthias offeriert Beenie einen Drink:

«Beenie, magst du auch einen Gin Tonic?»
«Na klar, es ist ja jetzt auch PGTL!»
«Bitte, was?»
«Perfect Gin Tonic Light!»

😁

Das Abendessen schmeckt mal wieder vorzüglich und auch jetzt gehen uns die Gesprächsthemen nicht aus. Wir bleiben noch eine Weile sitzen, dazwischen bereite ich noch ein Sternen-Foto vor. Da der Mond inzwischen schon recht hell geworden ist und erst nach 23 Uhr untergeht, stelle ich mir den Wecker auf 3 Uhr in der Früh und stehe dann auch tatsächlich nochmals auf.

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Tageskilometer: 0km
Tageshöchsttemperatur: 33° C
Teil 1413. Mai 2018
Kapitel 8
Eigentlich seid ihr ja eh nur wegen den Tierfotos hier: ab in die Kalahari!

Mittwoch, 24. Januar 2018
Mesosaurus Fossil Bush Camp - Kalahari Transfrontier Park (Mata Mata Restcamp)

Bevor wir zusammenräumen und weiterfahren, sitzen wir noch gemütlich bei einem Kaffee mit Matthias im Schatten. Dann bauen wir langsam ab und gegen halb Zehn verabschieden wir uns.

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Abschieds-«Selfie» (klassisch mit Stativ und Selbstauslöser - wie früher) vom so netten Forum-Treffen. Jederzeit gerne wieder, lieber Matthias!

Vorne an der Rezeption halten wir noch einen Schwatz mit Giel. Das ist auch einfach ein feiner Kerl und er hat sichtlich Freude daran, dass wir schon zum zweiten Mal nach 2013 bei ihm zu Besuch waren.

Zunächst geht es noch durch ödes, weites Flach- und Farmland, dafür auf teilweise frisch geglätteter Piste. Wir kommen gut voran und schon bald erheben sich in der Ferne die ersten roten Dünen der Kalahari. Wie auf Wellen geht es auf eine Düne hoch, hinunter ins Tal und gleich wieder hoch.

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Eine auch sehr spektakuläre Strecke in Namibias Südosten. Genuss pur in den so typisch roten Kalahari-Dünen. Auf der ganzen Fahrt begegnen uns vielleicht zwei andere Autos. Purer Genuss!

Wohl hunderte Dünentäler durchfahren wir so, bis wir schliesslich ins Auob-Tal einbiegen und diesem dann bis an die namibisch-südafrikanische Grenze und zum Parkeingang von Mata Mata folgen.

Die Ausreise aus Namibia ist unkompliziert und in Rekordzeit erledigt, wir sind gerade die einzigen. Direkt hinter dem Grenzposten liegt auf südafrikanischer Seite das Mata Mata Restcamp. Es gibt einen Campingplatz, Bungalows, eine kleine Tankstelle und einen Shop, wo man Feuerholz, Getränke, Fleisch aus der Gefriertruhe, Dosenfood und sonstiges Kleinzeugs kaufen kann. Wir checken für die nächsten beiden Nächte hier ein und suchen uns einen Stellplatz aus. Ein netter Nachbar aus Südafrika leiht uns für das Einschlagen der Hering seinen Gummihammer aus und seine Frau macht uns dann darauf aufmerksam, dass im grossen Baum gleich neben dem Shop eine Ginsterkatze mit zwei Jungen liegen würde. 🤩 Wir natürlich nichts wie hin und wir können die drei auch tatsächlich gleich entdecken.

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Mama Ginsterkatze

Achtung Jööö-Alarm!:

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Baby Ginsterkatze

Diese kleinen Jäger sind eigentlich gar keine Katzen, haben aber, wie der Name sagt und man sieht, ein katzenähnliches Aussehen und sind wenn, dann vor allem Nachts zu beobachten. Tagsüber verstecken sie sich meist in Erdlöchern oder Baumhöhlen und so ist es natürlich schon sehr ausserordentlich, dass wir sie in dieser Umgebung beobachten dürfen.

Nun gönnen wir uns eine Abkühlung im campeigenen Pool - das hat natürlich schon auch was, so mitten in der Halbwüste bei 37° C im Schatten. Aber frag mich nicht, wie die das mit dem Wasser hier machen, denn das ist natürlich ein rares Gut.

Gegen halb fünf Uhr machen wir uns dann auf unseren ersten Gamedrive dem Auob-Tal entlang. Wir stellen fest, dass es grösstenteils noch immer sehr trocken ist, nur an einzelnen Stellen scheint es kürzlich etwas wenig Regen gegeben zu haben. Im flachen Talboden gibt es da und dort ganz frisch spriessendes Gras. Dementsprechend ist sehr wenig Wild anwesend. Hier mal ein paar Springböcke, da ein, zwei Oryx. Nur die Giraffen, die sind wie immer ortstreu, denn die Kameldornbäume haben immer Blätter, von denen sie essen können.

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Gaaanz schwieriges Motiv für mich und nach diesem Bild habe ich es so gut wie aufgegeben, Giraffen zu fotografieren. Giraffenkopf vor blauem Himmel-HIntergrund schon eine Million mal gesehen, funktioniert aber einfach nicht. Zeige es aber trotzdem mal.

Sonst sehen wir nicht sehr viel, ein paar Vögel sind zu bestimmen, darunter auch eine Verraux’s (Giant) Eagle Owl und gegen Ende unserer Pirschfahrt sehen wir ein oder zwei Autos am Wegesrand stehen. Immer ein Zeichen, dass etwas spannendes zu sehen ist. Und da sehen wir etwa 50 Meter von der Piste entfernt doch tatsächlich eine Löffelhundmama mit drei Jungen bei ihrem Bau! Die drei kleinen spielen und fressen und tollen etwas herum, für ein annehmbares Foto kommen wir aber leider nicht nah genug heran.

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Verreux's (Giant) Eagle Owl / Milchuhu - mit seinen rosa Augenlidern unverwechselbar. Einfach ein toller Vogel!

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Pale Chanting Goshawk (juv.) / juveniler Singhabicht - auch genannt «Kalahari Chicken»

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Eine Agame (wie heissen die schon wieder genau?) sonnt sich in der Abendsonne

Aber immerhin! Beim letzten Besuch vor zwei Jahren haben wir mal auf einer organisierten Nachtpirschfahrt Löffelhunde gesehen, ansonsten aber noch nie das Glück gehabt. Wir sind zufrieden und fahren zurück zum Camp. Weil wir etwas weit gefahren sind, müssen wir uns etwas sputen und wir erreichen das Tor auf die Minute pünktlich zur «Gate closing time».

Zum Abendessen machen wir uns einen Nudelsalat und legen uns zwei schöne Steaks auf den Grill. Da zu dieser Jahreszeit die Parktore erst um 19:30 Uhr schliessen, wird es recht spät, bis wir essen, und so geht es mehr oder weniger direkt nach dem Abendmahl in die Heia.


Tageskilometer: 285km (Gamedrive #1: 68km)
Gesamtreisedauer: 3h 30min
Tageshöchsttemperatur: 37° C
Teil 1517. Mai 2018
Donnerstag, 25. Januar 2018
KTP (Mata Mata Restcamp)

Der Wecker klingelt um fünf und um zehn nach stehen wir auf, brühen einen Kaffee für die Thermobecher und los geht es auf den Gamedrive. Die Parktore werden um 05:30 Uhr geöffnet zu dieser Jahreszeit und man kann so direkt mit der aufgehenden Sonne rausfahren. Noch ist sie gerade unter dem Horizont und im grauen Licht sehe ich, nur ein paar hundert Meter nach dem Tor, etwas von der Piste links ins Gras weghuschen. Zuerst denke ich an Schakale, aber auf den zweiten Blick sehen wir, dass das vom Gang her nicht sein kann und dann erkennen wir auch gleich, dass es sich um zwei Wildkatzen handelt! Sie sind aber flink und so schnell verschwunden, wie sie in unser Blickfeld geraten sind, so dass es auf ein Foto keine Chance gibt.

Nur eine oder zwei Minuten später sehen wir zwei Löffelhunde im Gebüsch davon huschen. Na, das lässt sich ja schon mal gut an. Als wir an das erste Wasserloch heranfahren, sehen wir schemenhaft ein Tier am Trinken. Es ist eine einzelne Tüpfelhyäne. Wir halten an und beobachten sie eine Weile. Sie ist ganz gelassen, trinkt immer etwas, schaut sich in der Umgebung um, trinkt wieder, läuft einen oder zwei Meter weg, nur um dann wieder zum Wasser zurück zu kehren. Beenie meint dann plötzlich: «Schau, was ist das da hinten?». Wir zücken die Ferngläser und dürfen mit Freuden feststellen, dass es sich um eine Braune Hyäne handelt. Na, das lässt sich ja wirklich sehr gut an! Sie steht gut 100 oder mehr Meter vom Wasserloch entfernt und beobachtet die Tüpfelhyäne ganz genau, traut sich aber nicht näher ran. Ganz offensichtlich will sie auch zum Trinken, aber eine Konfrontation ist eher nicht in ihrem Sinne. Sie wartet lange ab und trottet dann langsam über die Düne davon.

Die Tüpfelhyäne seinerseits ist inzwischen fertig mit ihrem Frühschoppen und macht zuerst Anstalten, von uns weg ebenfalls über die Düne zu ziehen. Doch dann dreht sie um und läuft uns entgegen genau in das nun gerade einfallende Sonnenlicht und es gelingt mir ein ganz annehmbares Bild von ihr.

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Wir fahren weiter dem Auob-Tal entlang und klappern diverse Wasserlöcher ab. Es hat auffallend wenig Wild, was aber nicht sehr verwunderlich ist, denn es ist wirklich sehr trocken.

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Black-shouldered Kite / Gleitaar

Wir werden dann aber doch noch verwöhnt - und wie! Ein Auto stoppt neben uns und eine Schweizer Familie, die auch auf der Campsite war, fragt uns, ob das gerade eben Löwengebrüll war von da drüben. Wir so; äh, Löwengebrüll? Doch im selben Moment hören wir es auch. Ja, das ist Löwengebrüll! Ein paar hundert Meter weiter vorne treffen wir sie dann auch gleich; zehn Katzen ziehen über die Talebene nordwärts, es sind drei vier Weibchen und sechs halbwüchsigen Jungtiere (eine der Damen ist auf dem Foto nicht zu sehen).

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Gerade befinden wir uns auf einer geteilten Piste, die weiter vorne wieder zusammen kommt. Also wollen wir zur Weggabelung vorfahren, um dann auf der anderen Talseite mit den marschierenden Löwen «mitzufahren». Auf dem Weg dorthin hören wir wieder Gebrüll, von der Frauengruppe kommt das aber nicht. Und schon rückt auch ein mächtiger Löwenmann an, den wir aber nur kurz beobachten können. Noch etwas weiter vorne taucht gleich noch einmal ein Männchen auf und brüllt nur ein paar Meter neben uns. Mittlerweile sind wir von anderen Fahrzeugen eingekeilt, der Mähnenlöwe passiert zwischen den Autos unbekümmert die Piste und entschwindet wieder im Busch.

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Nun also setzen wir unser Vorhaben in die Tat um und fahren zur Weggabelung. Aber wir werden wieder aufgehalten: eine Wildkatze huscht durch das Unterholz.

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Die ist aber dann schnell wieder weg. Nun können wir bei der Weggabelung drehen und haben das Löwenrudel auch rasch wieder eingeholt. Immer mehr Fahrzeuge machen dasselbe wie wir und als dann bald mal sieben oder acht Autos vor uns rumstehen und um die Löwen rangieren, wird es uns zu blöd und wir drehen wieder um.

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Eine der Chefinnen geht immer voraus, aber nie zu weit, um im Blick zu haben, was ihr Gefolge so treibt und alle in Sicherheit sind.

Zwanzig Minuten später hält uns ein Italiener an und macht uns auf zwei weitere Löwen aufmerksam. «There are-e two Lion ova di hill! Giraffa looka di Lion!». Und so ist es dann auch, ein Männchen und ein Weibchen liegen unterhalb des Dünenkamms im Schatten, in etwas Abstand ein paar Giraffen, die ihnen gebannt entgegen blicken.

Unweit von dort befindet sich der Bau der Löffelhunde, die wir gestern schon gesehen haben. Sie sind immer noch da, bewegen sich aber wirklich nur im direkten Umkreis ihres Heimes und sind daher immer noch zu weit weg für ein Foto.

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Am «Auchterlonie Kamqua»-Picknickplatz machen wir eine kurze Müsli-Pause.

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Fork-tailed Drongo / Trauerdrongo - für mich ein heimlicher Star der Kalahari und ein oft gesehener, aber schwer fotografierbarer Vogel.

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Agame - nur welche genau?

Dann geht es auf den langen Weg zurück. Es ist jetzt nichts mehr los, die Sonne steht schon hoch und die Tiere verziehen sich in den Schatten. Hier und da bestimmen wir einen Vogel, vereinzelt stehen Gnus oder Oryx unter einer grossen Akazie, Springböcke zupfen Treiblinge. Eine nette Dame in einem entgegenkommenden Auto erzählt uns, dass sich das Löwenrudel nun am «Craig Lockhard»-Wasserloch befände. Als wir dort ankommen, liegen sie tatsächlich allesamt inklusive dem einen Männchen unter dem riesigen Baum am Wasserloch. Rund um den Baum kann man das Auto parken und auf das Wasserloch gucken, auf diesem Platz aber liegen nun elf wunderschöne Löwen und machen das, was Löwen am meisten tun: Pennen. Eine der Löwinnen liegt nur etwa vier Meter neben uns und wir können beobachten, wie schnell und heftig sie bei dieser Hitze atmen. Wir nehmen an, dass das Rudel hier den ganzen Tag liegen bleiben würde und fahren drum zurück ins Camp.

Es ist brüllend heiss und wir hüpfen daher gleich mal in den Pool. Danach ist Hängematten-Chillout angesagt und wir ruhen etwas unsere Augen aus.

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Viel Hängematte aber zu wenig Baum? Was nun? Ein Chillout-Profi weiss sich eben zu helfen. Wo Problem?

Der heisse Wüstenwind schiebt eine Gewitterzelle vor sich her und am Himmel türmen sich riesige Wolken. Es kommen bei uns aber nur gerade ein paar wenige Tropfen runter, später sehen wir weit im Osten am Horizont, wie es abregnet.

Nach vier Uhr fahren wir wieder zum Wasserloch und wie vermutet sind unsere Kumpels immer noch da.

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Zwischendurch bewegen sie sich sogar ein wenig und einmal, wie auf ein stilles Kommando, gehen alle nach und nach zum Wasserloch zum trinken. Sie flätzen sich dann aber gleich wieder hin und einige der Katzen versichern sich der gegenseitigen Zuwendung, indem sie lange und alle miteinander schmusen. Ein herrliches Bild.

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Im Seitenspiegel auf meiner Seite sehe ich plötzlich eine Bewegung und realisiere, dass sich vier Giraffen dem Wasserloch genähert haben. Sie stehen vielleicht 30 Meter von den Löwen weg und starren diese unentwegt an. Sie zögern, kommen zwischendurch aber doch ein paar Schritte näher, drehen dann aber wieder ab und starten einen neuen Versuch. Es ist offensichtlich, dass sie sich nicht trauen, der Durst aber ist wohl einfach stärker. Mindestens eine halbe Stunde lang geht das so, am Ende entschliessen sich die Langhälse aber trotzdem für den Rückzug.

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Für Fotografen sind Giraffen ja echt ziemlich schwierig. So sage ich zu Beenie im Scherz: «Giraffen sind einfach zu gross, deren Scheissköpfe sind auf den Fotos einfach immer im Himmel!»

Nach fast drei Stunden am Wasserloch haben wir Stalldrang und fahren wieder zurück. Wir kochen uns Salzkartoffeln mit weissen Bohnen und stellen beim Essen fest, dass so ein Gamedriver-Leben schon sauhart ist mit der ewigen Rumkurverei, Fotografiererei, Gegendabsucherei und so. Deshalb sind wir schlapp wie Fabrikarbeiter und hauen uns mehr oder weniger wieder direkt vom Tisch weg aufs Ohr.


Tageskilometer: 155km (Gamedrive #2: 121km, Gamedrive #3: 34km)
Tageshöchsttemperatur: 37° C
Teil 1627. Mai 2018
Kapitel 9
Von Gewitterstürmen und magischen Abenden in der Kalahari

Freitag, 26. Januar 2018
Mata Mata Restcamp - Rooiputs Campsite

Aufstehen, Camp abbauen, losfahren. Heute ziehen wir um auf die Rooiputs Campsite auf der botswanischen Seite des Parks und im Nossob-Tal gelegen. Also nutzen wir die Fahrt von Mata Mata bis zum Twee Rivieren Restcamp und Grenzstation ganz im Süden natürlich gleich auch als ausgedehnten Gamedrive. Kurz nach sechs Uhr sind wir abfahrbereit und tuckern los.

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Ein Schabrackenschakal zeigt sich im allerbesten Morgenlicht

Schon nach kurzer Zeit sehen wir wieder Löffelhunde an einem Bau. Es sind drei andere Tiere, aber wieder eine Mutter mit drei Jungen.

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Nein, ich habe mich nicht verzählt. Aber auf dem Bild (Ausschnittsvergrösserung) sind zwei der Löffelhundekids zu sehen. Zucker!

Beim «Craig Lockhard» sind die Löwen mittlerweile verschwunden, aber offenbar haben sie etwas geschlagen in der Nacht. Denn wir sehen ein gutes Dutzend oder mehr Schakale an den Resten eines Kadavers rumnagen und sich um die besten Stücke streiten. Sind Löwen nicht an einem Riss anzutreffen, kann man eigentlich sicher sein, dass sie weg sind, denn ansonsten würden sie ihn natürlich verteidigen. Das Rudel dürfte demnach satt geworden sein, es handelte sich wohl um ein Gnu oder eine Oryx.

Wir witzeln, dass dieses Hufgetier eigentlich schon arg blöd sei, denn die Löwen sind ja den ganzen Tag und Abend an dem Wasserloch rumgelegen. Man könnte daher meinen, die Beutetiere hätten mehr als genug Zeit gehabt, sich aus dem Staub zu machen. Aber nein! 😉

Den Rest der Fahrt sehen wir praktisch nichts mehr. Nur etwas Wild, darunter zum ersten Mal auch Kuhantilopen und natürlich wieder einige Greifvögel. Einmal wundere ich mich und frage meinen Bruder rhetorisch, ob hier neuerdings eigentlich auch alle Geier ausgestorben seien. Zehn Minuten später sehe ich dann aber doch einen einzelnen im Baum hocken, ein paar hundert Meter weiter noch einen zweiten.

In Twee Rivieren tanken wir voll (ganze 136l lassen wir in den 155l-Doppeltank füllen), kaufen Feuerholz im Shop und fahren dann noch rüber zum Grenzposten, um in Botswana einzureisen. Die Regeln in diesem Transfrontierpark erlauben es, dass man nicht in Südafrika einreisen muss, auch wenn wir uns zeitweise auf Boden dieses Landes aufhalten. Entscheidend ist einfach, in welches Land man reinfährt, wenn man den Park wieder verlässt. Die Formalitäten sind superschnell erledigt und so sind wir bereits um die Mittagszeit auf Rooiputs, das nur etwa 25km von Twee Rivieren entfernt liegt.

Anders als in den südafrikanischen Camps gibt es hier keinerlei Zäune und man ist also mitten in der freien Natur. Es ist aber fürchterlich heiss heute und etwas düppig, von Westen her ziehen wieder Gewitterwolken auf. Daher spannen wir erstmal lediglich die Hängematten unter das auf der Campsite vorhandene Schattendach und machen für ein paar Stunden einen auf Löwe.

Auf dem Abendgamedrive fahren wir zunächst bis zum Wasserloch «Kij Kij». Dort haben wir schon oft Löwen gesehen, bis auf ein paar Springböcke ist heute aber sonst keiner da. Dafür kommt eine riesige schwarze Wand auf uns zugerollt und dann geht ein kurzes, aber umso heftigeres Gewitter über uns nieder. Innert weniger Minuten kühlt es von weit über 30 bis auf 18° C runter. Von der einen Seite scheint noch die Sonne rein, so dass wir auch noch einen schönen Regenbogen bewundern können.

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Die schwarze Wand rollt auf uns zu. Das sieht ziemlich gefährlich aus, dafür ist die Stimmung umso eindrücklicher!

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Dann schüttet es für ein paar Minuten wie aus Kübeln, die Springböcke scheinen das Weite suchen zu wollen.

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Nach dem Sturm ist es gespenstig ruhig und die Ebenen haben sich sofort mit Wasser gefüllt.

Wir fahren noch ein Stück weiter nach Norden bis nach «Melkvlei», aber es ist tiersichtungstechnisch nicht wirklich ergiebig.

Zurück auf der Campsite erleben wir einen Wahnsinnsonnenuntergang mit dramatischen Gewitterwolken, Regenschleiern und Blitzen, die aus den Wolken zucken. Eine Stimmung, wie es sie nur in Afrika gibt.

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Sobald die Dämmerung hereinbricht, fangen hunderte Bellgekos ihr eindrückliches Konzert an. Mit dem Abendhimmel, fernem Donnergrollen und immer noch knapp 30° C im Schatten ist das eine friedliche Stimmung, die wir einsaugen und wie wir sie nicht besser haben könnten.

Während dem Essen (Lamm-Steaks, Bratkartoffeln mit Zwiebeln und einem gegrillten Butternut-Kürbis) bekommen wir noch Besuch von einem unerschrockenen Kapfuchs. Der will an unsere Essenskisten, die noch grad neben uns im Sand stehen, und kommt bis auf knapp zwei Meter ran. Er schleicht sich immer wieder weg, nur um dann unvermittelt aus der Dunkelheit wieder aufzutauchen. Irgendwann hat er es aber doch satt, ständig von uns weggescheucht zu werden und zieht von dannen.

Perfekt zum Einschlafen ist noch ein paar Mal der ferne Ruf einer Spotted Eagle Owl zu hören.


Tageskilometer: 191km (Gamedrive #4: 140km, Gamedrive #5: 51km)
Tageshöchsttemperatur: 36° C
Teil 1731. Mai 2018
Samstag, 27. Januar 2018
Rooiputs Campsite - Polentswa Campsite

Eigentlich hatten wir gestern ja gehofft, dass wir Abends ausser der Spotted Eagle Owl noch ein paar andere typische Rufe der Kalahari zu hören bekommen wie zum Beispiel Löwengebrüll oder das langgezogene «Wuuuh-uh!» der Hyänen. Letzteres bekommen wir dann aber immerhin am frühen Morgen kurz vor der Abfahrt.

Eine weite Strecke liegt vor uns, wir fahren dem Nossob-Tal entlang nordwärts bis zur Polentswa Campsite, ebenfalls auf botswanischer Seite gelegen.

Am ersten Wasserloch direkt unterhalb der Rooiputs Campsite ist noch nix los, aber kurz vorm zweiten, «Kij Kij», treffen wir schon wieder auf Löwen. Es ist eine Mutter mit zwei Jungen und zuerst kauern sie alle drei am Boden und lecken irgendwas ab, vermutlich etwas salzhaltiges. Immer, was die Mama macht, wird von den zwei Kleinen nachgemacht. Sie wirkt aber etwas unschlüssig, läuft hin und her, legt sich wieder zum Lecken hin, steht wieder auf. Und die Jungen immer hinterher.

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Wir reissen uns los und fahren weiter bis «Melkvlei». Doch kurz bevor wir dort ankommen, laufen uns geradewegs zwei prächtige Mähnenlöwen praktisch ins Auto. Sie marschieren in südlicher Richtung das Tal abwärts. So drehen wir um und folgen ihnen ein paar hundert Meter und machen noch ein paar Fotos. Da aber noch ein gutes Stück Weg vor uns liegt, lassen wir die beiden ziehen.

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Pale Chanting Goshawk / Singhabicht (bin mal wieder unsicher mit dem Deutschen Namen; Grau- oder Weissbürzel?) - meistens sehr schwierig zu fotografieren, weil sie für gewöhnlich sehr hoch liegende Ansitze wählen. Dieser hier tat uns ausnahmsweise den Gefallen, einerseits nahe an der Piste zu bleiben und andererseits einen Ast auf Augenhöhe zu wählen. Ein Lieblingsfoto von mir.

Ein Stück weiter begegnen wir schon wieder einem Kapfuchs, er liegt neben der Pad neben einem Strauch und guckt uns interessiert an.

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Kurz vor dem Nossob Restcamp verlangsamen wir, weil oben in einem Baum ein Greifvogel sitzt. Wir erkennen ihn als einen der unzähligen Pale Chanting Goshawk und wollen grad weiterfahren, als Beenie noch eine Bewegung am Boden wahrnimmt. «Hier, ein Honigdachs!». Ich sehe ihn noch für einen ganz kleinen Augenblick, bevor er hinter einem Busch und vermutlich in seinem Bau verschwindet.

Kurz vor Mittag erreichen wir das Nossob Restcamp. Hier legen wir eine ausgiebige Pause ein. Als erstes gibt es natürlich eine wohltuende Abkühlung im Pool, dann machen wir uns einen Brunch mit Bratkartoffeln, Speck und Spiegelei. Bis nach 16:00 Uhr chillen wir rum, hüpfen in den Pool, waschen ein, zwei Shirts und fahren dann wieder weiter nordwärts. In drei Tagen werden wir wieder herkommen für vier Nächte.

Je weiter wir nach Norden kommen, desto trockener wird die Landschaft nun wieder und dementsprechend wenig Tiere sehen wir. Doch schon am übernächsten Wasserloch stehen unvermittelt fünf Autos. Wenn das nicht ein eindeutiges Zeichen ist! Und tatsächlich: sieben Löwen, sechs Mädels und ein vielleicht ein paar Wochen oder wenige Monate altes Jungtier liegen dösend im Schatten. Wie immer ist eine der Frauen wach und beobachtet aufmerksam die Gegend, das Junge fängt mit der Zeit an, aktiver zu werden, guckt aus einem Knäuel von erwachsenen Katzen hervor.

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Eine der Löwinnen steht auf und geht zum Trinken, das Junge ihr hinterher und nach und nach bewegen sich auch die anderen Tiere. Bei den Menschen in ihren Vehikeln bricht schon fast Panik aus, bei jeder Bewegung der Löwen wird herumrangiert für eine noch bessere Position. Das Junge ist natürlich zuckersüss und erlaubt mir aus nächster Nähe ein paar tolle Aufnahmen:

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Die Alten legen sich mitten auf die Piste und nach einer Weile verlassen wir die Szene.

Löwenzähler: 26

Auf dem weiteren Weg bis Polentswa ist es ausnehmend ruhig. Hier oben hat es noch weniger Tiere als im sonst schon leeren Park, so extrem haben wir das in all den Besuchen hier nun wirklich noch nicht erlebt. Belohnt werden wir trotzdem wie immer: unterwegs sehen wir noch einmal einen Kapfuchs, der unter einem Busch direkt am Pistenrand sich ausruht.

Die Campsite erreichen wir gegen 19:00 Uhr und wir sind begeistert von diesem Platz. Der Blick geht leicht erhöht über die ganze Polentswa-Pfanne und es ist ausgesprochen ruhig und abgeschieden hier.

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Polentswa Campsite // Hier übrigens noch zu erkennen unsere behelfsmässige Lösung für den kaputten Campingtisch; die Seite mit den nicht mehr funktionierenden Tischbeinen einfach auf die ausgeklappte Heckklappe legen. Wo Problem?

Noch sind wir die einzigen Besucher, die beiden anderen Stellplätze sind leer. Nachdem das Lager eingerichtet ist und wir das Essen zubereiten, kommt schon wieder ein frecher Kapfuchs bei uns vorbei.

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Am Himmel spielen sich wieder dramatische Szenen ab, erneut gehen überall Gewitter nieder und der Sonnenuntergang ist gigantisch.

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Sobald der Wind nachgelassen hat, herrscht eine gespenstige Stille hier draussen. Keine Bellgeckos, keine Käuze oder Eulen, kein Grillengezirpe, keine Hyänen, nix.


Tageskilometer: 200km (Gamedrive #6: 138km, Gamedrive #7: 62km)
Tageshöchsttemperatur: 39° C
Teil 1803. Juni 2018
Kapitel 10
Erdhörnchen gegen Kobra und ein Besuch am Ende der Welt


Sonntag, 28. Januar 2018
Polentswa Campsite

Gestern hatten wir uns entschieden, heute Morgen nicht extra den Wecker zu stellen für den Gamedrive. So haben wir ausgeschlafen und sind «erst» um 06:15 Uhr aufgestanden. Die Sonne geht gerade auf und während wir Beenies Dachzelt einklappen und uns für die Pirschfahrt fertig machen, sehen wir weit draussen in der Pfanne drei Löffelhunde umherstreunen.

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Wunderschöne Morgenstimmung über der Polentswa-Pfanne.

Die Fahrt selber ist, gelinde gesagt, wenig ergiebig. Wir sehen vier oder fünf Gnus, ein paar Schakale, drei Steinböckchen, sonst absolut nix.

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Typische Steinböckchen-Pose: sind sie zu nahe an der Pad, springen sie erstmal auf Fluchtdistanz davon, halten an und drehen sich dann zum potenziellen Quell der Gefahr um, um diesen lange und intensiv zu «studieren».

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Nördlich von Polentswa gibt es zwei so genannte Loops, die man von der Piste abgehend befahren kann. Nach dem zweiten drehen wir wieder südwärts auf die Hauptpiste ein und entdecken Tatzenspuren im Sand direkt auf der Pad. Raubkatzen laufen famoserweise sehr oft auf den Pisten. Als absolute Laien ordnen wir die Spuren mit Hilfe meines Bestimmungsbuches einem Leoparden zu. Sie folgen der Piste für einige hundert Meter und verschwinden dann im Busch. Also fahren wir zurück und machen den Loop in umgekehrter Richtung noch einmal und suchen die ganze Ebene ab, glasen intensiv in jeden in Frage kommenden Baum, können die Katze aber natürlich nicht finden. Eine Schwierigkeit beim Spurenlesen ist natürlich auch das Bestimmen des Alters der Spuren. Da es aber am Abend zuvor geregnet und die Piste auch gerade frisch geschoben wurde, konnten sie noch wirklich nicht so alt sein. Aber so ist es nunmal, Leoparden zu sichten ist sowieso der reinste Lottogewinn.

Den Rest des Vormittags und den ganzen Nachmittag verbringen wir grossmehrheitlich in der Hängematte. Einerseits kann man gar nicht viel machen hier draussen (und wollen wir auch nicht), andererseits ist es dafür eh viel zu heiss.

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Im Gebüsch direkt neben dem Schattendach raschelt es ab und zu und mit der nötigen Vorischt und Geduld kann man sich mit einer 500mm-Linse nah genug an die dort zu Werke gehenden Grasmäuse schleichen.

Am späten Nachmittag fahren wir nochmals eine kleine Runde. In den paar Stunden hat sich in Bezug auf das Vorkommen der verschiedenen Tierarten noch nichts geändert. Die Laune sinkt aber vorübergehend etwas, zumal Beenies iPad beim Hängemattenchillen auf den Boden geknallt ist und jetzt eine «Spider App» drauf hat und darüber hinaus auch noch eines seiner beiden Ferngläser - zum Glück «nur» das alte - plötzlich und wie aus dem Nichts einen Schlagschaden hat.

Als wir an einem Wasserloch stehen, geht wieder ein Gewitter über uns nieder und es entsteht eine zauberhafte Stimmung mit einem riesigen Regenbogen.

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Leider mit üblen Flecken auf dem Objektiv, die auch mit Photoshop kaum wegzubekommen sind. 😕 Aber es vermittelt hoffentlich trotzdem einen Eindruck der tollen Stimmung!

Und trotzdem: auch heute sollten wir noch mit einer tollen Sichtung belohnt werden. Auf der Rückfahrt entdeckt Beenie unglaublicherweise eine Kapkobra auf der Jagd. Sie ist wohl 30 bis 50 Meter weit entfernt auf der Ebene draussen, trotzdem merkt er beim vorbei fahren, dass es sich nicht um einen verdorrten Ast handeln kann, die hier überall rumliegen. Die gelbe, rund 1.5m oder längere Schlange bewegt sich rasch vorwärts und genau in dem Moment, als ich meine Kamera bereit habe, taucht plötzlich ein todesmutiges Erdhörnchen auf und greift die Giftschlange an. Es beisst ihr in den Schwanz und die Schlange versucht sofort, zuzuschlagen.

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Erdhörnchen (Kap-Borstenhörchen, um genau zu sein) greift an, Kobra schlägt zu, Nagetier bringt sich mit einem schnellen, grossen Satz ausser Gefahr! (Ausschnittvergrösserungen)

Dann macht sich die Schlange davon und verschwindet blitzschnell in einem Erdloch. Wir nehmen an, dass sie in einem Bau der Erdhörnchen wildert. Nach ein paar Minuten kommt sie nochmals kurz an die Erdoberfläche, dann sehen wir sie nicht mehr wieder.

Uns ist bewusst: eine absolut einmalige und sensationelle Sichtung!

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White-backed Mousebird

Etwas früher als gewohnt fahren wir auf die Campsite zurück und kochen uns superfeine Nudeln an Tomatensauce mit Thunfisch. Und wieder kommt uns Ruedi, unser Kapfuchsfreund, besuchen. Während wir essen, fliegt plötzlich ein riesiger Käfer an unseren Tisch und klammert sich an der Taschenlampe, die Beenie neben uns hingestellt hat, fest. Das rabenschwarze Insekt ist sicher 7cm lang und hat weit ausladende Fühler mit einer Breite von gut 15cm, macht beim Fliegen einen Mordslärm und ist einfach nur beeindruckend. Nach einer Weile schüttelt mein Bruder das Viech von der Taschenlampe und es trollt sich ein paar Meter neben uns in den Sand - immer aufmerksam beobachtet von Ruedi. Wir wenden uns wieder dem Essen zu und als wir grad nicht schauen, ist der schlaue Fuchs schon zur Stelle und zack - mit einem hörbaren Knacken und zwei schnellen Bissen ist Hugo, der Käfer, dann auch schon Geschichte.

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Just another beautiful African sunset... 😎

Und unsere Geschichte vom Tag endet mit dem üblichen Procedere. Geschirr wegräumen, Bettfein machen, ein erneut grandios gescheiterter Versuch zu lesen; gute Nacht.


Tageskilometer: 85km (Gamedrive #8: 55km, Gamedrive #9: 30km)
Tageshöchsttemperatur: 37° C
Teil 1907. Juni 2018
Montag, 29. Januar 2018
Polentswa Campsite

Wenn man auf der Piste im Nossob-Tal immer weiter nach Norden fährt, kommt man irgendwann an den schon seit langem geschlossenen Grenzübergang «Union’s End» am Dreiländereck von Südafrika, Botswana und Namibia. Da wir ohnehin nix besseres zu tun haben, beschlossen wir gestern Abend, da einfach mal hin zu fahren.

Um fünf Uhr stehen wir auf, es fängt gerade erst an zu dämmern.

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Noch schnell den Kaffe für unterwegs brühen, Dachzelt einklappen, und schon fahren wir los.

Die Fahrt ist sehr schön, es ist einsam und das Tal ist breit, gelbes Gras zieht sich über weite Ebenen, durchsetzt von Akazien und Kameldornbäumen.

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Nach einer Weile sehen wir unvermittelt eine Tüpfelhyäne aus dem hohen Gras neben uns auftauchen.

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Sie hat eine Verletzung am linken Hinterlauf und humpelt stark. Es schaut so aus, als würde die Pfote fast komplett fehlen. Aber es ist keine neue Wunde, sie scheint schon länger ganz gut damit klar zu kommen. Schnell ist das Tier dann auch wieder verschwunden.

Auf der Weiterfahrt dann doch immerhin noch zwei Premieren für diesen Besuch im KTP: zwei Warzenschweine und zwei Kudus entdecken wir. Beim Wasserloch «Geinab», das in unserer Karte gar nicht eingezeichnet ist, sehen wir einige Schakale an einem War-einmal-Oryx. Es ist nur das Wirbelsäulengerippe und der Schädel mit dem Gehörne da, alles andere bereits weggefressen. Wir fahren weiter, doch nach ein paar Metern taucht links auf meiner Seite wie aus dem Nichts eine Braune Hyäne auf. Wow!

Ganz offensichtlich will sie zum Wasserloch, also drehen wir um und fahren auch dort hin. Sie trinkt aber nicht, sondern macht sich sofort über die Knochen vom Oryx her. Die Schakale halten einen kleinen Sicherheitsabstand und die Hyäne scheucht sie ab und zu etwas davon. Mit ihren starken Kiefern reisst sie sich einen Teil des Gerippes weg und überlässt den Schakalen den Rest.

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Leider meldet sich bei uns die Blase und wir reissen uns schweren Herzens los. Auf der Hälfte des Weges gibt es einen Picknick-Platz mit scheusslichen WCs, aber unterwegs aussteigen und in den Busch pinkeln geht natürlich nicht.

«Union’s End» selber ist eher unspekatulär. Es sieht jetzt nicht anders aus als sonst in der Gegend, ausser dem Grenzzaun, der gleichzeitig auch die östliche Parkgrenze ist, und einem Wegweiser, der die Luftliniendistanz zu den drei Hauptstädten Windhoek, Gaborone und Pretoria angibt. Aber hey, wir waren wenigstens einmal in unserem Leben dort.

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Dann fahren wir die knapp 75km gemütlich wieder zurück. Schon um 10:15 Uhr sind wir wieder auf unserer Campsite und haben viel Zeit und nur wenig Schatten. Aber genau dort hängen unsere Hängematten und genau dort installieren wir uns deshalb auch für die nächsten paar Stunden. Heute wird es sehr heiss werden, es weht für einmal nur ein laues Lüftchen und schon um 09:00 Uhr morgens war das Thermometer auf 31° C geklettert. Wir liegen da wie die toten Fliegen, es ist still und man hört höchstens das Summen der lebendigen (Fliegen).

Der Abendgamedrive ist dann erwartungsgemäss auch nicht besonders ergiebig. Wir fahren zuerst die Wasserlöcher südlich von unserer Campsite ab, stellen uns jeweils einige Zeit hin und warten ab, aber überall passiert dasselbe: nichts. Hier mal ein Gnu, dort ein Springbock, einige «Kalahari Chicken» (Pale Chanting Goshawk), einmal ein Tawny Eagle. Wir treffen unsere Campsite-Nachbarn an einem der Wasserlöcher und schwatzen kurz mit ihnen. Sie hätten gehört, dass am «Polentswa»-Wasserloch heute ganz früh am Morgen ein männlicher Löwe gewesen sei. Das checken wir auf dem Rückweg natürlich auch noch aus und tatsächlich liegt der auch wirklich wieder da. Es ist ein echter Brocken - von all den vielen Löwen, die ich schon gesehen habe mit eines der grössten Männchen überhaupt. Ob er wohl kein Rudel mehr unter seiner Führung hat?

Leider verhält er sich nicht besonders kundenfreundlich, er dreht seinen Kopf nur einmal kurz in unsere Richtung.

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Doch dann steht er plötzlich auf und läuft zwei Meter an unserem Auto vorbei. Woah, ist das ein Pfundskerl! Ein, zwei Meter hinter unserem Auto bleibt er stehen und fängt an zu brüllen.

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Das geht aber nun wirklich durch Mark und Bein. Man kann den Bass in seiner Stimme förmlich am Auto spüren. Der pure Wahnsinn!

Zum Sonnenuntergang sind wir zurück auf der Campsite und als wir so mit den Vorbereitungen fürs Abendessen rumfuhrwerken, taucht zuverlässig unser Freund Ruedi auf. Die Wolken verziehen sich heute vollständig und es gibt einen klaren Abend. Der Mond ist nun schon fast voll und es ist nach Einbruch der Dunkelheit gar nicht mehr wirklich dunkel. Immer wieder eindrücklich, wie hell der Mond in so einer Umgebung scheinen kann.

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Kurz vorm Schlafengehen leuchte ich noch einmal mit der starken Pfunzel in die Gegend und sehe zwei rote Augenpaare im Gras unten auf der Ebene aufleuchten. Von der Grösse und vom Gang her müsste es eine Tüpfelhyäne gewesen sein. Von einem allfälligen Besuch später in der Nacht bekommen wir aber nichts mit, auch heute ist ihr Gejaule nicht zu hören.


Tageskilometer: 202km (Gamedrive #10: 148km, Gamedrive #11: 54km)
Tageshöchsttemperatur: 40° C
Teil 2009. Juni 2018
Kapitel 11
Planänderung: zurück in den grünen Süden


Dienstag, 30. Januar 2018
Polentswa Campsite - Nossob Restcamp

Heute ist wieder Ortswechsel angesagt und so lassen wir den Tag geruhsam angehen. Beenie liegt noch im Zelt und ich koche mir einen Kaffee, sitze gemütlich unter dem Schattendach und bearbeite ein paar Fotos. Einmal schaue ich auf und gucke in die Gegend, als ich mir plötzlich einer Schlange gewahr werde, die sich grad von unserem Auto in Richtung eines Gebüsches daneben schiebt. Es könnte wieder eine Kapkobra gewesen sein. Natürlich scheuche ich meinen Bruder aus dem Dachzelt und hole meine Kamera. Aber bis ich wieder am Ort bin, ist die Schlange schon nicht mehr zu sehen. Und wir sind jetzt definitiv auch wach!

Wir bauen unser Lager ab und fahren los in südlicher Richtung. Sichtungen unterwegs zum Nossob Restcamp: keine Nennenswerten.

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Na, dann halten wir halt auch mal extra für Gnus an! 😉

Schon gegen halb zehn sind wir dort und suchen uns einen Stellplatz aus. Zufällig landen wir wieder neben den vier netten Südafrikanern, die auch schon auf Polentswa unsere Nachbarn waren.

Nach dem Aufbau der Zelte haben wir Urlaub. Es ist fürchterlich heiss heute und etwas schwül, also betätigen wir uns mal wieder als Schattenmenschen und wechseln zwischen Hängematte, Campingstuhl, Zelt und Pool hin und her. Ach ja, einmal laufen wir zum kleinen Shop rüber und kaufen ein paar Kleinigkeiten ein. Es gab wohl grad eine frische Lastwagenlieferung und so bekommen wir zwei schöne Steaks aus dem Upington Slaghuis. Zudem kann man dort auch Brot bestellen, dass dann frisch für einen gebacken wird und man kann dieses später am Abend kurz vor Ladenschluss abholen. Sehr empfehlenswert!

Wir entscheiden uns gegen eine Abendpirsch und nehmen uns dafür schön Zeit zum kochen und Abendessen. Es gibt die wirklich grandiosen Steaks mit Folienkartoffeln und Salat.

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Anschliessend gehen wir in den neu gebauten Hide und gucken mal, was sich dort so tut. Mit einem Riesenauflauf an Tieren haben wir nicht gerechnet, eine starke Delegation an Schakalen ist da, dann tut sich lange nichts. Aber wir sind mal wieder zur richtigen Zeit am richtigen Ort, denn auf einmal taucht eine Braune Hyäne aus der Nacht auf und kommt zum trinken und baden. Die sind aber irgendwie immer auf Zack und schon nach ein paar Minuten ist sie auch schon wieder in die Dunkelheit entschwunden. Beenie hat etwas Kopfweh und einen steifen Nacken und zieht sich ins Bett zurück. Ich bleibe noch eine Weile und bearbeite Fotos, ausser ein paar weiteren Schakalen bleibt es am Wasserloch aber lange ganz ruhig. Irgendwann mag ich dann auch nicht mehr und gehe ebenfalls in die Horizontale.

Kaum liege ich im Bett und fange an zu lesen, höre ich von draussen ein knackendes, schmatzendes Geräusch. Ich guck so durch das Moskitonetz und sehe zuerst einen, dann zwei und am Schluss fünf Schakale, die direkt vor meinem Zelt irgendwas aus dem Sandboden klauben und knabbern. Können es Käfer sein? Die hundeartigen kommen bis auf wenige Zentimeter an meine Zeltwand heran und scheinen sich überhaupt nicht um mich zu kümmern.


Tageskilometer: 63km (Gamedrive #12: 63km)
Tageshöchsttemperatur: 40° C


Mittwoch, 31. Januar 2018
Nossob Restcamp - Twee Rivieren Restcamp

Spontane Planänderungen gehören ja zu unseren Afrikareisen einfach dazu und so dachten wir, dass heute ein guter Zeitpunkt dafür ist. Als wir von unserem Morgendrive zurück kommen (Ausbeute: eine Molesnake auf der Böschung direkt am Pistenrand),

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schwatzen wir mit unseren Nachbarn und sie erzählen uns, wie ihnen berichtet wurde, dass unten im Süden nun alles schön grün sei und die ganzen Weide-Tiere wieder zurück kommen. Wir überlegen, ob wir nicht einfach zwei Nächte in Twee Rivieren einlegen sollen, anstatt hier in Nossob rumzuhängen mit wenig Aussicht auf viele Tierbegegnungen. Also watscheln wir zu Rezeption und fragen mal, ob wir für zwei Nächte umbuchen können. Geht nicht, wir haben über eine Agentur gebucht und das könne nur durch die angepasst werden.

Etwas konsterniert latschen wir unverrichteter Dinge wieder zurück, denn wir können hier in Ermangelung einer Netzabdeckung nicht telefonieren. Unsere netten Nachbarn haben ihren Platz inzwischen schon geräumt und sind weggefahren, kommen nach ein paar Minuten aber extra nochmals zurück zu uns. Sie hätten mit der Dame in der Rezeption gesprochen und diese könne vielleicht doch etwas für uns tun. So hilfsbereit können Südafrikaner manchmal sein! Also nochmals zurück und die nun sehr zuvorkommende Lady ruft für uns über das Büro bei Bwana Tucke Tucke an und organisiert zwei Nächte in Twee Rivieren. Wow!

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Intermezzo: hIer übrigens eine der Inspirationen für den Titel dieses Reiseberichts: aus Gewichtsgründen habe ich im letzten Moment vor der Abreise darauf verzichtet, die eigentlich dafür vorgesehene Caffetiera von Bialetti mitzunehmen. In Windhoek haben wir dann leider nur eine kleine und ziemlich schrottige Mokamaschine gefunden. Also hatten wir dann in Swakopmund die Idee, uns Kaffefilter zu besorgen. Aber trotz intensiver Suche konnten wir keine passenden Trichter auftreiben. Also haben wir uns kurzerhand selber eine «Kaffemaschine» gebastelt. Wo Problem?

Wir packen unseren Krempel zusammen und machen uns auf den langen Weg gen Süden. Auf der Fahrt ist nicht viel zu sehen, es ist ja auch schon nach Mittag und wieder brüllend heiss. Ein Stück südlich vom Picknickplatz «Dikbaardskolk» und gleichnamigen Wasserloch liegt eine Gang von drei jungen Löwenmännchen direkt neben der Piste im Schatten. Einer von Ihnen hat sich einen super Platz ausgesucht und verkroch sich praktisch unter die Wurzeln des Schattenbaumes:

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Bateleur (juv.) / Gaukler. Zu dieser Jahreszeit ein sehr präsenter Vogel, wir haben recht viele Jungvögel gesehen im ganzen Park.

Kurz vor «Kij Kij» verändert sich die Landschaft dann plötzlich. Es wird immer grüner und immer mehr Gazellen und Antilopen äsen vom frischen, satten Grün. Vor vier Tagen sind wir hier ja schon durchgefahren und haben den Regen hautnah erlebt. Unglaublich, wie schnell die Natur reagiert und auch faszinierend, wie rasch die Tiere buchstäblich Wind davon bekommen haben und zurückgekehrt sind. DIe Jäger in Gestalt von Gepard, Leopard und Konsorten lassen aber offenbar noch etwas auf sich warten.

Nach knapp fünf Stunden und 168km kommen wir kurz nach 17:00 Uhr völlig geplättet in Twee Rivieren an und schnell ist klar, dass wir heute nicht mehr rausfahren. Im Shop kaufen wir uns eine Boerewors und machen diese dann in der Bratpfanne mit einer Zwiebel-Rahmsauce und Teigwaren. Lekker!

Lange halten wir es nach dem Essen wieder einmal auch nicht aus und sind schon nach 21:00 Uhr in unseren Zelten.


Tageskilometer: 223km (Gamedrive #13: 55km, Gamedrive #14: 168km)
Tageshöchsttemperatur: 38° C
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