von Topobär · Dez. 2016 – Jan. 2017 · 32 Tage · Selbstfahrer · 32 Teile
Über diesen Reisebericht
Wir reisen von Ende Dezember 2016 bis Ende Januar 2017 zu viert, mit einem gemieteten Geländewagen und unserem eigenen Bodenzelt, als Selbstfahrer durch Tansania. Von Arusha aus geht es über das grüne Usambara-Gebirge und die Küste bei Bagamoyo und Dar es Salaam hinunter ins Selous Game Reserve, weiter durch den Ruaha-Nationalpark und über Dodoma zurück nach Norden in den Tarangire-Nationalpark, den Lake Manyara Nationalpark und an den Lake Natron, bevor wir die letzten zwei Wochen in der Serengeti, im Ndutu-Gebiet und im Ngorongoro-Krater verbringen.
Die Leoparden sind das große Thema dieser Reise. In der zentralen Serengeti lernen wir, beim Absuchen der Baumkronen gezielt nach senkrechten Linien zwischen den waagrechten Ästen zu suchen, und finden so gleich mehrere Tiere – eines sogar mit frisch gerissener Beute im Baum. Am eindrücklichsten wird es an unserem Zeltplatz bei den Moru Kopjes: Direkt hinter meinem Rücken springt ein Leopard aus der Baumkrone zu Boden und verschwindet im Gebüsch, ohne dass wir ihn zuvor bemerkt haben. Daneben erleben wir Elefanten aus nächster Nähe, jagende und ruhende Löwen, Geparden, einen jagenden Serval und, im Ngorongoro-Krater, zwei Nashörner – damit sind für uns die Big Five komplett.
Ruhig verläuft die Reise nicht durchgehend: Sechs Reifenpannen, ein wiederholt ausfallender Kühlschrank und ein nächtlicher Diebstahl von Bargeld, Kredit- und EC-Karte sowie Personalausweis und Führerschein aus dem Zelt bei Kisaki begleiten uns unterwegs. Trotzdem kommen wir gut durch und würden jederzeit wieder als Selbstfahrer nach Tansania reisen.
Diese Zusammenfassung wurde automatisch erstellt und vom Autor freigegeben.
Teil 102. Feb. 2017
Jambo!
Jetzt bin ich schon seit einer Woche zurück aus dem heißen Tansania im kalten Deutschland. Es wird Zeit mit dem Reisebericht zu beginnen. Diesmal waren wir wieder einmal in Tansania. Ähnliche Route wie beim letzten Mal, aber mit 10 Tagen mehr Zeit und komplett anderem Klima. War es vor 4 Jahren extrem regnerisch, so war es diesmal extrem trocken. Normales Wetter scheint es auch in Tansania nicht mehr zu geben. So hatten wir aber oftmals das Gefühl wo ganz anders zu sein. Es ist unglaublich, wie sich die Landschaft zwischen Regen- und Trockenzeit verändert.
Warum schreibe ich eigentlich Reiseberichte? Hauptsächlich aus ganz egoistischen Gründen. Man erlebt so die Reise ein zweites Mal und lässt die vielen Erlebnisse noch einmal in Ruhe zu Hause Revue passieren. Daneben möchte ich dem Forum aber auch aktuelle Informationen zur Verfügung stellen, die anderen Reisenden hoffentlich bei ihren Touren helfen können. Gerade bei Tansania ist mir das als Selbstfahrer ein wichtiges Anliegen, denn noch immer halten sich hartnäckig die Gerüchte, man könne Tansania gar nicht, bzw. nur unter größten Schwierigkeiten und Entbehrungen als Selbstfahrer bereisen. Wir haben das nicht so empfunden, aber urteilt selbst.
Wir waren diesmal zu viert. Mit Hans & Hedda hatten wir diesmal zwei Afrika-Rookies mit dabei. Fernreiseerfahrung auf anderen Kontinenten war bei den beiden aber reichlich vorhanden. Mit den beiden machen wir schon seit vielen Jahren gemeinsame Kletterreisen und jetzt wollten wir auch mal etwas anderes zusammen unternehmen.
Wie immer freue ich mich über einen lebendigen Reisebericht. Jeder Kommentar ist willkommen. Egal ob Ihr Fragen, Anmerkungen, Vorschläge, Ratschläge, Hinweise oder was auch immer habt - haut in die Tasten.
Für alle, die den Reisebericht pur lesen wollen, scheint die Sonne.
Kwaheri Thomas
Teil 206. Feb. 2017
Anreise + 1.Tag (Fr./Sa. 23./24.12.2016) Hannover – Arusha – Arusha National Park 94km mit dem Auto
Wie bei allen unseren Ostafrika-Reisen sind wir wieder mit KLM geflogen. Die Verbindung von Hannover über Amsterdam direkt zum Kilimanjaro International Airport ist einfach unschlagbar. Da schauen wir beim Preis dann auch nicht mehr auf den letzten Euro.
Sehr angenehm bei KLM ist, dass wir pro Person 2 Gepäckstücke je max. 23kg mitnehmen können. Das nutzen wir auch voll aus und stehen mit 4 Gepäckstücken am Check In. Zwei Dufflebacks mit Klamotten, so dass wir auch bei fast 5 Wochen Reise nicht unterwegs waschen müssen. Eine Küchenkiste mit Utensilien, Lebensmitteln und Zutaten, die man in Ostafrika nicht bekommt. Unser Bodenzelt mit Tarp ist das vierte Gepäckstück.
Beide Flüge sind pünktlich und die Maschinen gut ausgelastet. Das Entertainmentprogramm lässt keine Wünsche offen und das Essen ist für Bordverpflegung absolut in Ordnung.
Da es letztes Mal mit dem Visum vor Ort sehr schnell ging, haben wir auch dieses Mal darauf verzichtet, schon in Deutschland das Visum zu beantragen. Würde ich nächstes Mal anders machen, denn es hat ganz schön gedauert. Vor allem, da sich die Reiseleiter einiger Gruppen mit den Pässen der ganzen Gruppe vorgedrängelt haben. So sind wir fast die letzten die zum Gepäckband kommen, wo unser Gepäck schon auf uns wartet. Auch bei Hans & Hedda ist alles angekommen. Danach wartet schon die nächste Schlange auf uns. Das gesamte Gepäck muss vor Verlassen des Flughafens noch einmal geröntgt werden. Das unser Zeltsack nicht durch den Apparat passt interessiert auch niemanden, dann wird das Gepäckstück eben nicht geröntgt. Wozu die Nummer gut war entzieht sich sowieso meinem Verständnis. Ich verbuche es unter Arbeitsbeschaffungs-Maßnahme.
Unser Shuttle von 4x4 Adventures wartet bereits auf uns und nach weniger als eine Stunde, um 23:00Uhr, können wir schon im African Tulip Hotel einchecken. Danach noch das erste Tusker des Urlaubs als Schlummertrunk und ich falle ins Bett.
Das Frühstücksbuffet am nächsten Morgen ist riesig und lässt keine Wünsche offen. Es sollte auch auf der gesamten folgenden Reise nicht mehr getoppt werden. Auch ansonsten hat uns das Hotel sehr gut gefallen und wir würden es immer wieder für die erste Nacht in Arusha wählen. Ein weiterer Vorteil ist, dass man in 5min. am Office von 4&4 Adventures ist.
Die Fahrzeugübernahme ging diesmal ruckzuck. Man kennt sich. Da wir mit 4 Personen unterwegs sind, haben wir diesmal die Langversion mit 4 Sitzreihen. Wunschgemäß wurden die letzten beiden Sitzreihen und auch das Gitter, welches den Gepäckraum normalerweise abtrennt demontiert. So haben wir ein riesiges Gepäckabteil, welches wir aber auch brauchen.
Dann stehen die üblichen Erledigungen an, ohne die man nicht auf Safari gehen kann. Als erstes Bargeld ziehen und dann eine einheimische Simcard kaufen. Dabei haben wir ein wenig unterschätz, wie billig telefonieren in Tansania ist. Trotz zahlreicher Telefonate vor Ort, aber auch nach Deutschland schaffen wir es in 5 Wochen noch nicht einmal die Hälfte des Guthabens von 50€ zu vertelefonieren.
Dann kommt der Großeinkauf. Der ehemalige Shoprite ist jetzt ein Nakumatt. Die Auswahl an Lebensmittel ist besser geworden, dafür gibt es keine Campingausrüstung mehr. Was beim Einkauf sofort auffällt – die Plastikflasche hat Einzug in Tansania gehalten. Dominierten vor 4 Jahren bei Softdrinks noch Glasflaschen, so wurden diese jetzt komplett von Plastikflaschen abgelöst. Für die Umwelt sicher nicht ideal, aber zum verpacken im Auto tausendmal besser. Wenn ich da an das Gescheppere unserer letzten Tour denke…
Mit 3 randvollen Einkaufswagen und einer Rechnung von 700 Euro verlassen wir den Supermarkt. Alles was haltbar ist, haben wir schon hier eingekauft, denn Supermärkte, wie man sie aus Europa oder dem südlichen Afrika kennt, gibt es nur in Arusha und Daressalam.
Es dauert einige Zeit, bis alles im Auto verstaut ist. Selbst unsere riesige Gepäckfläche ist jetzt durchgehend bis auf Höhe der Kopfstützen vollgepackt.
Durch dichten Verkehr geht es aus der Stadt. Trotzdem ist der Weg zum Arusha National Park schnell gefahren. Der Eintritt kann per Kreditkarte gezahlt werden. Ruckzuck sind wir im Park.
Unser erstes Ziel ist die Campsite. Vorher müssen wir allerdings noch kurz am Headquarter halten, um die Schlüssel zu den Sanitäranlagen abzuholen. Die Campsite liegt sehr romantisch auf einer Lichtung im dichten Bergwald.
In den Bäumen rund um die Campsite toben jede Menge Colobus-Affen. Da sie sich aber vornehmlich in den Baumkronen aufhalten und ständig in Bewegung sind, ist ein vernünftiges Foto nicht möglich. Wir genießen es aber auch, die Tiere einfach nur zu beobachten.
Nach einer verspäteten Mittagspause machen wir uns auf den Weg, zu einem kurzen nachmittäglichen Gamedrive. Unser erstes Ziel ist der Ngurdoto Crater. Wir steuern den Leitong Viewpoint an, die höchste Erhebung des Kraterrandes. Pünktlich mit unserer Ankunft am Parkplatz des Aussichtspunktes fängt es an zu regnen. Wir lassen uns davon nicht abhalten, zum Aussichtspunkt hoch zu laufen, auch wenn die Aussichten eher trübe sind.
In den Wäldern am Hang des Kraters sehen wir immer wieder Diadem-Meerkatzen. Eine von ihnen hält sogar so lange still, dass ich sie auch fotografieren kann.
Unser nächstes Ziel sind die Momella Seen. Unterwegs sehen wir viele Wasserböcke, die hier sehr häufig vorzukommen scheinen. Ich mag diese puscheligen Antilopen sehr.
An den Momella Seen finden sich wieder sehr viele Flamingos. Da die Seen tiefer als andere Salzseen sind, sieht man die Vögel nicht nur stehend, sondern auch schwimmend bei der Nahrungssuche. Ein seltener Anblick.
Im Bereich der Seen finden sich auch viele Antilopen und Büffel, aber das Wetter lädt einfach nicht zum fotografieren ein.
Zum Abendessen entzünden wir ein kleines Lagerfeuer und ich koche Rindergeschnetzeltes mit grünen Bohnen in Pfefferrahm.
Später wird dann noch ein bewaffneter Ranger auf der Campsite abgesetzt, der die Nacht über uns wachen soll. Er macht es sich im Küchengebäude bequem und wir haben ihn nicht weiter gesehen.
Teil 309. Feb. 2017
2.Tag (So. 25.12.2016) Arusha National Park – Mambo 310km
Die Nacht war sehr ruhig und auch von den Temperaturen her sehr angenehm, so dass wir alle gut geschlafen haben.
Beim Frühstück und Abbau des Camps werden wir dann allerdings von sehr aggressiven Ameisen geplagt, deren Biss sehr schmerzhaft ist. Wo kommen die denn plötzlich her, damit hatten wir am gestrigen Abend noch keine Probleme.
Den Himmel hat es über Nacht blank gefegt. Es ist keine Wolke zu sehen.
Wir verlassen den Park nicht auf direkten Weg, sondern fahren zunächst zum Boma La Megi Viewpoint. Von hier hat man einen klasse Blick auf den alles überragenden Mount Meru sowie auf die unter uns liegenden Momella-Seen. Im Laufe des Tages wird der Berg sicherlich wieder in den Wolken verschwinden, aber jetzt am frühen Morgen zeigt er sich in seiner vollen Pracht.
Nachdem wir uns von diesem schönen Flecken Erde losreißen können, verlassen wir auf direktem Wege den Park und fahren auf gutem Asphalt nach Same. Von unseren früheren Reisen kann ich mich nicht daran erinnern, dass es schon immer so viele Tempo50-Zonen gab. Es reiht sich eine an die andere. Da passiert es schnell, dass man mal eine solche Zone übersieht und schon werden wir geblitzt. Ich hatte an der Stelle nicht gewusst, dass wir noch in einer Tempo50-Zone waren. Das Foto zeigt 69km/h und so darf ich 30.000,-TSH zahlen.
In Same verlassen wir die Fernstraße Arusha – Daressalam und fahren lieber die landschaftlich wesentlich schönere Strecke östlich der South Pare Mountains. Dafür nehmen wir auch gerne in Kauf, dass weite Streckenabschnitte raue Naturpiste sind.
Inzwischen mussten wir auch feststellen, dass unser Kühlschrank nur sehr wenig Leistung bringt. Er schafft max. 15°C Temperaturdifferenz gegenüber der Umgebungstemperatur. Bei Tagestemperaturen jenseits der 30°C nicht so gut.
Dann kommen so langsam die Usambara-Mountains ins Blickfeld. Wir fahren direkt auf die höchste Erhebung zu, auf der unser heutiges Tagesziel, die Mambo View Point Lodge liegt. Obwohl es Luftlinie nur wenige Kilometer sind, haben wir noch rund 50km Fahrstrecke vor uns.
Oberhalb der markanten Felswand liegt die Mambo Viewpoint Lodge.
Wir fahren auch dieses Jahr wieder die Abenteuer-Strecke, welche im Nordwesten der Usambara-Mountains von Mnazi direkt hoch nach Mtae führt. Die größten Schwierigkeiten haben wir entgegen meiner Erwartungen noch im Dorf Mnazi. Hier hat es zum Teil metertiefe Erosionsrillen und es ist mehrmals Zentimeterarbeit, um zwischen den Hütten und den Erosionsrillen hindurch zu passen. Dann finden wir die Einfahrt ins Bachbett nicht. Ein PikiPiki-Fahrer hilft uns weiter. Ein umgestürzter Baum liegt in der Einfahrt, so dass sie nicht mehr zu erkennen war. Auf Kosten einiger Büsche können wir den Baum umfahren und kommen ins Bachbett, wo wir Mittagspause machen.
Die nun folgende Auffahrt ist dagegen trotz großer Felsstufen, steiler Steigung (1000 Höhenmeter in 6km) und reichlich grobem Geröll gut zu fahren. 1./2. Gang in Untersetzung gepaart mit ausreichend Gelassenheit lassen uns ganz gemütlich den Berg hochtuckern. Hans & Hedda waren bislang noch nie mit dem Auto im Gelände unterwegs und staunen, was für Strecken man mit einem Auto so fahren kann.
Skurile Situation unterwegs: Wie beim letzten Mal sehen wir kein einziges Auto auf der Strecke, wohl aber einige PikiPikis. Auf halber Strecke am Berg kommt mir ein PikiPiki entgegen und der Fahrer zeigt sich stark beeindruckt, dass wir mit dem Wagen sie Strecke fahren. Ich hingegen war noch viel beeindruckter, dass er mit einer Straßenmaschine und insgesamt 3 Personen diese Strecke fährt. Selbst mit meiner Erfahrung aus mehreren Motorrad-Rallyes würde ich hier nur sehr ungern die in dieser Konstellation unterwegs sein.
Als wir an der Mambo View Point Lodge ankommen, tritt dort gerade ein Kinderzirkus auf. Wie wir später erfahren, handelt es sich dabei um eines der vielen lokalen Projekte der Lodge. Bevor wir einchecken und die Zelte aufbauen, schauen wir uns erst einmal die Vorstellung an. Mindestens ebenso interessant wie die Vorstellung selbst, ist es die Zuschauer zu beobachten. Die schauen alle so gebannt zu, als würde es sich um eine Vorstellung des chinesischen Staatszirkus handeln.
Diesmal haben wir eine gemütliche windgeschützte Campsite, die wir auch mit dem Auto anfahren können. Bis zum Restaurant und den Sanitäranlagen sind es nur 20m den Berg hoch. Trotzdem ist die Campsite außer Sicht- und Hörweite.
Zum Abendessen gibt es ein sehr leckeres, abwechslungsreiches und reichhaltiges Buffet. Das ist eine deutliche Steigerung gegenüber unserem Aufenthalt vor 4 Jahren. Auch das Restaurant ist seitdem neu gebaut worden. Dem Küchenpersonal sieht man deutlich an, dass sie direkt an der Quelle arbeiten. Mir sind ja dicke Köchinnen immer sehr sympathisch. Da weiß man, dass sie sich mit ihrer Arbeit identifizieren.
Beim Essen setzt sich Herman, der Besitzer der Lodge, zu uns an den Tisch. Es entwickelt sich ein sehr interessantes Gespräch, bei dem wir viel über die Lodge und das Leben in den umliegenden Dörfern erfahren. Herman und seine Frau waren früher in der Entwicklungshilfe tätig und haben auch jetzt noch etliche von ihnen initiierte Projekte in der Umgebung laufen.
Nach dem Abendessen singen und tanzen einige Frauen des Dorfes auf der Terrasse vor dem Restaurant. Hedda als leidenschaftliche Chorsängerin ist gleich mit dabei.
Teil 415. Feb. 2017
3.Tag (Montag 26.02.2016) Mambo 20km Mountainbike & 5km zu Fuß
Bereits 2h vor Sonnenaufgang nervt der Muezzin. Am schlimmsten ist, dass er es nicht bei einem kurzen „Allahu akbar“ belässt, sondern über eine viertel Stunde ins Mikro brüllt.
Nach einem leckeren Frühstück begann einer der anstrengendsten Tage seit langen. Wie anstrengend, war mir zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht klar. Schon im Vorfeld unserer Reise haben wir für heute eine halbtägige Montainbike-Tour und anschließend eine halbtägige Wanderung gebucht.
Bei der Topografie der Landschaft war von vornherein klar, dass die Mountainbike-Tour kein Zuckerschlecken wird. Es geht gleich von der Lodge steil hinunter ins Dorf und man hat danach die ganze Zeit im Hinterkopf, dass man sich hier ganz am Ende der Tour wieder hochkämpfen muss.
Im Hintergrund sieht man ganz oben auf den Hügel die Lodge.
Mit Gijs haben wir einen tollen Guide. Der Niederländer betreut viele Projekte der Lodge und hat vor allem zu den Kindern einen sehr guten Draht. So wundert es uns nicht, dass er auch hinter dem Projekt des Kinderzirkus steht. Nachdem wir das Dorf durchquert haben, fahren wir lange durch ein sehr fruchtbares Hochtal. Wir kommen gut voran, denn es geht die ganze Zeit leicht bergab.
Bald kommen wir zu einem Aussichtspunkt. Von hier kann man einen weiten Blick in die Ebene unter uns, aber auch auf die bewirtschafteten Hänge werfen. Hier wird jeder Fleck genutzt. Selbst an steilsten Hängen wird Gemüse gepflanzt. Terassenfeldbau ist dabei unbekannt.
Überall stehen kleine Gehöfte verteilt und es wimmelt nur so von Kindern, die uns zuwinken und laut „Muzungu“ schreien. Die Hälfte der Bevölkerung Tansanias ist unter 12 Jahren. Was diese Bevölkerungsentwicklung für die Zukunft des Landes bedeutet, mag man sich gar nicht ausmahlen. Es ist meiner Meinung nach eine der größten Zukunftsrisiken des Landes.
Nach dem Aussichtspunkt geht es dann erstmals bergauf, gleich so steil, dass ich teilweise Probleme habe dass Vorderrad am Boden zu halten und zum Schluss wie alle anderen das Rad schiebe.
Meine Kondition ist nicht die Beste. Es ist schon über 10Jahre her, dass ich das letzte Mal auf dem Fahrrad gesessen habe und ich bin ordentlich am schnaufen. Viel schlimmer ist aber mein Hinterteil. Auf dem schmalen Sportsattel kann ich schon nach zwei Dritteln der Tour nicht mehr sitzen und muss von da an entweder im stehen fahren oder schieben. Kathrin hat ganz andere Probleme. Da sie auch zu Hause regelmäßig Mountainbike fährt, hat sie konditionell keinerlei Probleme. Dafür verschaltet Sie sich an einer besonders steilen Stelle mit der ungewohnten Gangschaltung, erwischt einen zu hohen Gang und fällt stumpf um, wobei sie sich heftig das Knie aufschürft. Da heißt es für den Rest des Tages Zähne zusammenbeißen.
Den steilen Schlussanstieg zur Lodge versuche ich erst gar nicht zu fahren, sondern entscheide mich von Beginn an fürs schieben. Abschließend muss ich aber betonen, dass die Räder absolut top waren. An denen war nichts auszusetzen. Die persönlichen Unzulänglichkeiten ließen sich leider nicht auf das Material abwälzen.
Zurück auf der Lodge sind erst einmal 2 Stunden Pause angesagt, bevor die Wanderung losgeht. Ich hadere stark mit mir, die Wanderung ausfallen zu lassen, kann mich letztendlich aber doch aufraffen mitzugehen.
Das wichtigste elektronische Gerät auf Reisen ist für mich mein E-Reader. Entsprechend groß war mein Entsetzen, als er keinen Mucks von sich gab, als ich in der Pause ein wenig lesen wollte. Ich hatte den E-Reader im Auto hinter der Windschutzscheibe liegen lassen und ich vermute, dass er sich dadurch überhitzt hatte. Ich konnte ihn zunächst nicht in der Hand halten, so heiß war das Gerät. Erst als er sich abgekühlt hatte und nach vielen Resets konnte ich ihn wieder zum Leben erwecken. Der Urlaub war gerettet.
Wir werden wieder von Gijs begleitet, der aber noch 3 Jungs aus dem Dorf angeheuert hat, die jetzt in den Ferien Zeit haben, sich gut auskennen und die Tätigkeit als Guide erlernen wollen. Gijs kümmert sich darum, ihnen näher zu bringen, worauf es Touristen bei einem guten Guide ankommt.
Von der Strecke her ist die Wanderung nicht weit, aber es geht zunächst 500 Höhenmeter runter und die wollen später auch wieder bergauf bewältigt werden.
Ziel der Wanderung ist ein großer Felsüberhang auf halber Höhe zwischen der Ebene und den Bergen. Hier gibt es auch einige Kultstätten, die aber für fremde tabu sind. Auch wenn die Bewohner alle Christen oder Moslems sind, haben die alten Kulte trotzdem überdauert.
Sind wir bergab noch den Haupt-Fußweg von Mambo in die Ebene gegangen, so geht es jetzt fast weglos und sehr steil wieder bergauf. In einem kleinen Hain scheuchen wir dabei eine Eule auf, die leider gleich davon fliegt.
Ich schnaufe mal wieder wie eine Dampflock wogegen Kathrin mit Ihrer super Kondition keinerlei Problem hat. Für irgendetwas muss Ihr tägliches Joggen ja gut sein. Dafür kämpft sie mit dem weglosen Gelände, was mir überhaupt nichts ausmacht. So hat jeder seine Stärken und Schwächen, wodurch wir unterm Strich gleichermaßen gut bzw. schlecht vorankommen.
Auf dem letzten Stück der Wanderung nutzen die Jungs noch die Gelegenheit und schneiden nebenbei Grünfutter für die Haustiere, die hier jeder besitzt. Nach getaner Arbeit machen sie es sich dann auf der Dorfwiese gemütlich
Ich bin völlig fertig und froh, dass ich mich die nächsten Tage kaum bewegen muss.
Nach dem wieder sehr leckeren Abendessen konnten wir noch einem sehr interessanten Vortrag von Herman beiwohnen. Er referierte sehr kurzweilig und informativ über die aktuelle Situation in Tansania, die Arbeit der NGO’s im Land und die Projekte der Lodge. Dabei zeigte sich, dass aufgrund des neuen Präsidenten eine positive Aufbruchsstimmung im Land herrscht, gleichzeitig aber ein Berg von Problemen zu bewältigen ist. Auf den Vortrag folgten interessante Gespräche für den Rest des Abends.
Teil 521. Feb. 2017
4.Tag (Di. 27.02.2017) Mambo – Ushongo Beach 242km
Wir verlassen Mambo, um über Lushoto die Usambara Mountains zu verlassen. Vorher gibt es aber noch ein Abschiedsfoto. Das macht Herman von allen seinen Gästen.
Die Strecke nach Lushoto ist etwas besser als vor 4 Jahren. Die sehr abenteuerlichen Holzbrücken wurden durch solide Betonkonstruktionen ersetzt. Ab Lushoto geht es dann über Asphalt aus den Bergen hinaus in die heiße Ebene. Der Klimaunterschied ist schon heftig.
Auf einer großen Raststätte machen wir Pause. Die unterscheidet sich nicht großartig von den Raststätten in Europa. Hier findet mach auch nur die wohlhabenden Reisenden. Matatus sucht man vergebens. Dafür halten hier die großen Überlandbusse. Einer hubt als ich direkt daneben stehe; 😈 solch eine laute Hupe habe ich noch nie gehört. Das ist schon Körperverletzung und wäre in dieser Lautstärke in Europa sicher nicht erlaubt.
Überall blühen die Flammenbäume. Leuchtende Farbtupfer in einer ansonsten ausgedörrten Landschaft.
Die Fähre über den Pangani River will gerade ablegen, wartet dann aber noch, bis auch wir an Bord sind.
Ich muss feststellen, dass die Arretierung des Scheibenwischers sehr schwach ist. Bei Wellblech, oder Speed-Riffeln schaltet er sich häufig von selbst an. Je nach Situation kann das mehr als nur nervig sein.
Gegen 15:00Uhr erreichen wir das Beach Crab Resort, für mich der Inbegriff eines Südseeparadieses.
Den Campingbereich haben wir komplett für uns allein, so dass wir uns die schönsten Plätze aussuchen können. Im Schatten unter Bäumen, mit Blick auf dass nur wenige Meter entfernte Meer.
Es gibt ein neues Waschhaus und das Leitungswasser ist nicht mehr so salzig, da ein neues Bohrloch weiter im Landesinneren in Betrieb genommen wurde.
Schnell baue ich das Zelt auf und springe dann gleich ins Meer. Das Wasser selbst stellt keinerlei Abkühlung dar. Die stellt sich erst beim Verlassen des Wassers durch die Verdunstungskühle ein.
Danach mache ich noch einen kleinen Strandspaziergang. Ein bisschen Bewegung tut gerade an den langen Fahrtagen besonders gut.
Ich nehme mir dabei auch die Zeit, auf Fotopirsch nach den scheuen namensgebenden Strandkrabben zu gehen. Sowie man nur in ihre nähe kommt verschwinden sie in Ihren Löchern. Ich lege mich direkt neben ein Loch, in dem eine der flüchtenden Krabben verschwunden ist und dann heißt es Geduld zu haben. Ich werde aber belohnt und bekomme die Krabbe formatfüllend vor die Linse
Da ich bei dem Spaziergang auch an der Bar vorbei komme, gönne ich mir erst einmal ein Kaltgetränk. Damit kann unser Kühlschrank nämlich nicht dienen, was bei den hier herrschenden Temperaturen ziemlich ärgerlich ist.
Zum Abendessen gehen wir ins Restaurant. Es gibt ein sehr leckeres Fisch-Curry. Die Portionen sind so großzügig, dass hinterher noch nicht einmal mehr ein Absacker reinpasst. Trotzdem sitzen wir noch lange vorm Zelt. Jetzt sich die Temperaturen angenehm, denn es weht eine leichte Brise vom Meer.
Die Nacht habe ich nicht gut geschlafen. Die Stelle an der ich das Zelt aufgebaut hatte war nicht optimal. Zwar hatten wir Schatten und einen traumhaften Blick aufs Meer, dafür ging es aber zum Kopfende hin leicht bergab. Damit ich gut schlafe, muss der Kopf eher etwas höher liegen. Den Rest der Reise werde ich darauf besonders achten.
Beim Frühstück müssen wir gut auf unsere Lebensmittel achten und ich lege auch lieber die Schleuder als Warnung auf den Tisch. Grund dafür ist die Gruppe Meerkatzen, die uns nicht aus den Augen lässt und auf einen Moment der Unachtsamkeit lauert.
Wir wählen den direkten Weg durch den Saadani National Park. Kostet uns zwar den Eintritt, aber ansonsten müssten wir einen Umweg von mehreren Stunden hinnehmen. Der Park ist genauso tierarm, wie vor 4 Jahren. Absolut tote Hose.
Gegen Mittag erreichen wir Bagamoyo und suchen uns einen schönen schattigen Platz zum zelten. Die Wiese ist riesig und wir sind die einzigen Camper. So haben wir die freie Auswahl.
Bereits beim einchecken haben wir nach einem Guide für eine Stadtführung durch die koloniale Altstadt gefragt. Wir haben kaum die Zelte aufgebaut, da stellt sich Tobias vor. Mit ihm werden wir die Stadt erkunden. Wir verabreden uns für 16:00Uhr.
Bis es losgeht verbringen wir einen chilligen Nachmittag auf der Campsite und am Strand vor der Campsite. Hier am Stadtrand ist natürlich sehr viel mehr los, als am einsam gelegenen Beach Crab Resort. Dafür gibt es auch mehr zu sehen.
Das Lodgegelände selbst ist parkähnlich angelegt und es finden sich jede Menge exotischer Planzen.
Wer kann mir sagen, um war für eine Frucht es sich bei diesem prächtigen Exemplar handelt? Ich habe so etwas vorher noch nie gesehen. Es ist eine Padanus (danke Strelizie).
Pünktlich um 16:00Uhr ist Tobias wieder da. Die Altstadt ist ziemlich runtergekommen und strahlt einen morbiden Charme aus. Ich mag so etwas ja sehr gerne. Das ist nicht so steril und lässt einen das Alter der Gebäude anschaulicher werden. Viele Häuser sind dem Verfall Preis gegeben. Vor allem die Häuser in privatem Besitz.
Die öffentlichen und religiösen Gebäude sind da schon besser gepflegt.
Die alte deutsche Boma wird gerade frisch renoviert.
Aber wir schauen uns nicht nur alte Gebäude an, sondern besuchen auch den Fischereihafen. Darunter darf man sich aber keinen Hafen im klassischen Sinne vorstellen. Hier gibt es keine Kaimauern, Piers oder ähnliches. Der Hafen ist lediglich ein Stück Strand vor dem die Fischerboote vertäut sind und an dem der Fang angelandet und sofort verkauft wird. Was sich nicht sofort verkaufen lässt, wird gleich vor Ort weiter verarbeitet und mittels trocknen und räuchern haltbar gemacht.
Danach gehen wir weiter zur alten Karawanserei. Dies ist ein vorkoloniales Gebäude, in dem die arabischen Sklavenhändler ihre „Ware“ vor der Verschiffung gefangen hielt. Heute befindet sich hier ein kleines Museum.
Auf dem Weiterweg kommen wir noch an einem Fußballplatz vorbei, auf dem sich Sportler und Kühe den Rasen teilen. Solch ein Bild würde ich gerne mal bei uns in Deutschland sehen.
Als es anfängt zu dämmern sind wir am anderen Ende der Stadt. Die Zeit verging viel zu schnell, denn Tobias war ein sehr guter Guide, der viel zu erzählen wusste. Wir gehen noch bis zum direkt am Strand gelegenen alten deutschen Friedhof und nehmen uns von dort ein Taxi zurück zur Lodge.
Zum Abendessen gehen wir ins Restaurant der Lodge. Wie es sich hier an der Küste gehört, entscheiden wir uns alle für Fisch oder Seafood.
Meine mit dem Hinflug begonnene Erkältung hat sich inzwischen leider ziemlich verstärkt und ich bin die ganze Zeit am bellen. Ziemlich nervig für mich und meine Mitreisenden.
Teil 728. Feb. 2017
7.Tag (Do. 29.12.2016) Bagamoyo – Dar es Salam 79km
Hier an der Küste kühlt es nachts so gut wie gar nicht ab. Dazu ist es extrem schwül. Ich kann mich nicht daran erinnern nachts schon einmal so geschwitzt zu haben, wie in dieser Nacht. Es ist, als hätte ich in einer Badewanne übernachtet.
Beim Frühstück können wir eine Hauskatze beobachten, die versucht eine Zebramanguste zu fangen, jedoch keinen Erfolg hat.
Kurz vor den Außenbezirken von Dar es Salam finden wir am Straßenrand einen sehr gut sortierten Obst- und Gemüsestand, an dem wir uns für die Nächte im/am Selous mit Frischware eindecken können.
Als wir Dar es Salam dann erreichen, kommt ein kurzer aber sehr heftiger Schauer über uns runter. Die Kanalisation ist in kürzester Zeit überfordert und zahlreiche Straßen überflutet, so dass sie zumindest für normale PKW nicht mehr passierbar sind. Oftmals treibt auf den Fluten ein großer Müllteppich.
Während unsere Fahrspur frei befahrbar war, ist die Gegenspur durch die Wasser- und Müllmassen unpassierbar.
Unser erstes Ziel ist die Mlimani City Shopping Mall. Ein riesiges Einkaufzentrum, welches man so eher in Europa oder Nordamerika vermuten würde. Aber auch in Tansania gibt es genug wohlhabende Menschen, um einen solchen Konsumtempel auszulasten. Hier erstehen wir die restlichen haltbaren Lebensmittel für den Rest der Reise. Anschließend geht Kathrin noch shoppen, denn Sie hat zu Hause beim packen alle Ihre Shorts vergessen, und nur ihre Zip-Hosen eingepackt. Nicht so gut bei den hohen Temperaturen vor Ort.
Dann fahren wir direkt zur Kivukoni-Ferry, die uns über die Hafeneinfahrt zum South Beach übersetzen wird. Diesmal haben wir Glück und nur eine sehr kurze Wartezeit. Dass kennen wir auch anders. Im Auto darf nur der Fahrer bleiben, so dass die anderen zum Passagier-Terminal gehen müssen, wo ein ordentliches Gedrängel herrscht. Mir will derweil ein Straßenhändler irgendwelche billigen Werkzeug-Tools aus China andrehen. Als ich ihm mein Gerber-Tool zeige weiß er, dass er hier kein Geschäft machen wird, lacht freundlich und geht zum nächsten Wagen.
Insgesamt war die Durchquerung von Dar es Salam wieder vollkommen unproblematisch. Im Gegensatz zu vielen andern Metropolen in Afrika wird hier sehr entspannt und rücksichtsvoll Auto gefahren. Kein drängeln, kein hupen.
Die Campsite des Kipepeo Resorts ist seit dem letzten Mal auch nicht schöner geworden, aber die Lage ist günstig und die Sanitäranlagen sauber.
Im Wasser schwimmt leider viel Seegras, so dass ich aufs baden verzichte. Ich finde es fühlt sich unangenehm an, durch Seegras zu schwimmen.
Abends gehen wir zum Fisch essen ins Restaurant, was wieder sehr lecker ist. Ein weiterer Pluspunkt dieser Unterkunft. Es ziehen Gewitterwolken über dem Meer auf und nach dem Essen setze ich mich noch eine Weile an den Strand und beobachte das Wetterleuchten in der Ferne.
Teil 803. März 2017
7.Tag (Fr. 30.12.2016) Dar es Salam – Selous Game Reserve 236km
Früh aufstehen – frühstücken - Zelt abbauen – Abfahrt. Alles schon Routine. Auf direktem Weg geht es zum Selous Game Reserve.
Wir sind noch nicht lange unterwegs, da werden wir von der Polizei gestoppt. Man präsentiert mir ein Foto, aus dem ersichtlich ist, dass ich 57km/h gefahren bin. Der Clou ist, dass die Messung 5m hinter dem Verkehrsschild mit der Geschwindigkeitsbegrenzung war. Die Wegelagerer nutzen hier jedes Schlupfloch um abzukassieren.
Unterwegs decken wir uns noch mit Tomaten und Limetten ein. Damit ist das Frühstück und der GinTonic gesichert.
Wie die Tage vorher, gibt es auch heute am späten Vormittag einen heftigen Regenschauer. Da wir inzwischen auf unbefestigter Piste unterwegs sind, hat der Wagen jetzt auch die für Afrika typische Patina. Die Tourguides waschen ja gefühlt täglich ihre Fahrzeuge, ich habe da im Urlaub besseres zu tun. So wird der Wagen von Tag zu Tag dreckiger. Allerdings muss ich ständig irgendwelche Menschen abwimmeln, die sich mit dem Waschen des Wagens ein paar Dollar verdienen wollen.
Da das Selous Game Reserve sehr teuer ist, wollen wir erst morgen das Gate passieren und suchen uns deshalb in der Nähe des Mtemere Gates eine Unterkunft. Die Auswahl ist recht groß. Zunächst versuchen wir es beim Seluos River Camp, da dies am nächsten zum Gate liegt. Die Campsites liegen aber mitten im dichten Busch, ohne jede Aussicht. Das mag ich gar nicht. Ich muss den Blick schweifen lassen können. So fahren wir weiter zum Hippo Camp, wo wir schon beim letzten Mal übernachtet haben. Hier steht man sehr schön direkt am Ufer des Rufiji.
Nachmittags machen wir eine Bootsfahrt auf dem Fluss. Der Preis beträgt 25,-US$ pro Person. Hedda schafft es ein Arrangement 4 Personen zum Preis von 3 heraus zu handeln. Vom Wasser aus sieht man die schöne Lage des Camps.
In erster Linie geht es bei der Bootstour um das Beobachten von Vögeln. Zunächst kommen wir zu einer großen Kolonie Webervögel, die eine ganze Schilfinsel in Beschlag genommen haben. Hier gelingt mir kein einziges akzeptables Foto. Die Viecher halten einfach nicht still und wenn doch bringen die vielen Schilfhalme den Autofocus durcheinander. Da sind die Kingfisher und Bienenfresser wesentlich einfacher zu fotografieren, wenn sie auf ihrem Ansitz auf Beute warten.
Neben den Vögeln sehen wir auch Krokodile und Warane.
Da die Bootstour außerhalb des Nationalparks stattfindet, ist das Ufer auch relativ dicht besiedelt. Wir sehen viele Einheimische beim Fischfang, Wasser holen oder waschen. Es liegen viele Einbäume am Ufer vertäut.
Als sich die Sonne so langsam dem Horizont nähert, begeben wir uns in Flussmitte und fahren flussaufwärts.
Nach rund einer viertel Stunde kommen wir zu einer Sandbank, auf der wir aussteigen und uns die Füße vertreten können.
Direkt vor der Sandbank liegt eine laut prustende Herde Hippos im Wasser. Beim Ausatmen der Tiere schillert eine Aerosolwolke im Gegenlicht.
Die Sonne sinkt immer tiefer und das Licht wird immer besser. Unser Guide holt den Sundowner hervor und wir genießen den Augenblick
So breit der Rufiji auch ist, überwiegend ist er sehr flach und so kommt es, dass wir uns auf dem Rückweg festfahren. Der Mechanismus mit dem man den Außenborder hochklappen kann ist kaputt und jetzt steckt der Motor im Grund. Unser Skipper macht und tut. Er steigt sogar aus und versucht uns zu ziehen. Es nützt alles nichts. Wir kommen erst frei, als uns ein anderes Boot zur Hilfe kommt und uns frei schleppt.
Nach Sonnenuntergang setzt eine wahre Insektenplage ein. Kochen und Essen ist erst möglich, nachdem ich unsere Akkulampe auf volle Leistung gestellt und hoch in den Baum über uns gehängt habe. Das sorgte dafür, dass unsere auf ganz schwach eingestellten Kopflampen von den Insekten nicht wahrgenommen wurden.
Teil 908. März 2017
8.Tag (Sa. 31.12.2016) Selous Game Reserve 83km
An diesem Morgen sind wir richtig früh losgefahren, um zeitig mit dem Gamedrive beginnen zu können, nur um dann am Gate ausgebremst zu werden.
Man hat ein neues Bezahlsystem eingeführt, von dem ich trotz intensiver Vorbereitung auf die Reise noch nicht einmal eine Andeutung gehört hatte. Der Eintritt muss vorher auf einer Bank eingezahlt werden und am Gate muss dann nur noch der Überweisungsbeleg als Legitimation vorgelegt werden. Der Zug ist für uns natürlich abgefahren, denn die nächsten Banken befinden sich in Dar es Salam und werden aufgrund der Feiertage auch frühestens in 2 Tagen wieder öffnen. Glücklicherweise kennt man in Afrika so etwas wie eine strickte Zurückweisung nicht. Es wird wie immer ein großes Palaver veranstaltet, bei dem das Ziel ist, die Interessen aller Beteiligter zu berücksichtigen - Kathrin mitten drin. So wird viel diskutiert und telefoniert. Nach einer Stunde konnten die Ranger am Gate dann das OK ihrer Vorgesetzten verkünden, dass wir ausnahmsweise in Bar bezahlen dürfen. Bargeld hatten wir ausreichend und so wechselten stolze 800US$ für zwei Tage plus Camping den Besitzer. Das Selous Game Reserve ist einer der teuersten Parks in Tansania.
Endlich konnten wir auf Gamedrive starten. Erstes Ziel ist die vom Rufiji gespeiste Seenlandschaft, die schon kurz hinter dem Gate beginnt. Ein Traum, der ein wenig ans Okavango-Delta erinnert. An Tieren dominieren hier die Hippos. Die Seen quellen schier über vor den Tieren. Auch jeder Menge Krokodile liegen im Uferbereich.
Im und am Wasser finden sich darüber hinaus jede Menge Vögel.
Die Tiere an Land sind wie gehabt sehr scheu. Da hat sich in den letzten 4 Jahren nichts geändert. Hauptursache dürfte dass massive Wildererproblem sein. Es dominieren ganz klar die Giraffen. So viele von Ihnen trifft man sonst nirgends und Kathrin ist glücklich überall Ihre Lieblingstiere zu entdecken. Leider ergreifen sie sofort die Flucht, wenn man sich ihnen nähert.
Diese Giraffen konnten wir nur deshalb so nah fotografieren, weil sie zwischen Büschen, See und unserm Auto eingekeilt waren und keinen Fluchtweg mehr hatten.
Die Wilderei auf Elefanten soll im Selous GR besonders heftig sein. Wir sahen den ganzen Tag nur einen einzigen Elefanten aus der Ferne. Vor 4 Jahren haben wir noch zahlreiche große Herden beobachten können. 🙁
Gegen Mittag steuern wir die Campsite am Lake Tagalala an. Die Navigation im Park ist trotz T4A auf dem Navi nicht einfach, da es keine Landkarten vom Park gibt und auf T4A längst nicht alle Pisten erfasst sind. Fahrtechnisch waren die Ansprüche unproblematisch, da alles trocken war.
Auf der Campsite hat sich einiges gegenüber vor 4 Jahren verändert. Es wurde eine dritte Lapa errichtet und unter den Lapas stehen jetzt Tische und Bänke. Außerdem wurde ein Waschhaus errichtet. Es gibt im Waschhaus auch Wasser, jedoch war der Wassertank vollkommen veralgt, so dass das Wasser knallgrün war und man es noch nicht einmal zum duschen nutzen konnte. Man ist also weiterhin auf die Mitnahme ausreichender Wasservorräte angewiesen.
Außer uns war niemand auf der Campsite und wir konnten uns die schönste Lapa aussuchen. Durch die Büsche hindurch konnten wir den Lake Tagalala sehen, auf dessen Hochufer die Campsite liegt. Da wir ohne Frühstück gestartet sind, haben wir alle ordentlich Hunger. Danach ist Siesta angesagt. Bei der enormen Hitze sind wir dankbar für diesen schönen schattigen Platz.
Unser Gamedrive am Nachmittag führt uns an die Ufer des Lake Tagalala und zu den kleinen weiter südlich gelegenen Seen. Großwild sehen wir in dieser Region so gut wie gar nicht. Nur direkt an den Ufern ist etwas los.
Achtet mal darauf, was hier vor den Krokodilen im Wasser liegt. Ist mir auch erst auf dem Foto aufgefallen.
Zwischendurch machen wir einen Abstecher zu den westlich des Lake Tagalala gelegenen Hotsprings. Vom Parkplatz läuft man noch 100m durch dichten Busch und steht dann vor dieser kleinen grünen Oase inmitten der ansonsten verdorrten Landschaft. Während Hans & Hedda die Gelegenheit zum baden nutzen, können Kathrin und ich uns nicht dazu überwinden, bei den hohen Temperaturen ins heiße Wasser zu steigen.
Vogelliebhaber kommen im Selous Game Reserve wahrscheinlich eher auf Ihre Kosten, als andere Besucher, da die Vögel hier nicht scheuer sind als anderswo. So bin auch ich auf dem Gamedrive hauptsächlich beschäftigt Vögel zu fotografieren, auch wenn ich da mit den Profis hier im Forum nicht mithalten kann.
Zum Sundowner fahren wir ans Seeufer direkt unterhalb der Campsite, wo wir zusammen mit vielen lautstarken Hippos den Tag beenden. Leider müssen wir mit lauwarmen Bier anstoßen, da der Kühlschrank seine Arbeit inzwischen vollständig eingestellt hat.
Aufgrund des defekten Kühlschranks steht auch noch einiges an unangenehmen Arbeiten an, bevor ich mit der Zubereitung des Abendessens beginnen kann. Unsere gesamte Butter ist geschmolzen. Bevor sie sich vollständig im Kühlschrank verteilt, kann ich einen Großteil retten und in eine Frühstücksbox umfüllen. Eine ganz schön schmierige Angelegenheit.
Zum Abendessen mache ich dann einen Schweizer Wurstsalat. Eigentlich ganz lecker, aber mit kalten Zutaten aus dem Kühlschrank wäre es sicher noch viel leckerer gewesen.
Nach den Abendessen können wir immer wieder ein Genet beobachten, wie es um unsere Campsite schleicht. Zwischen unseren Füßen wuseln immer wieder große Tausendfüßler und kleine Walzenspinnen umher, so dass man gut aufpassen muss, wohin man tritt.
Schon lange vor Mitternacht liegen wir alle im Zelt. Sylvester findet dieses Jahr ohne uns statt.
Vom in allen Reiseführern genannten obligatorischen Ranger, den man als Askari für die Campsite braucht, war vor Ort nie die Rede. Wir waren auch die Nacht über ganz allein auf der Campsite.
Teil 1010. März 2017
9.Tag (So. 01.01.2017) Selous Game Reserve – Kisaki 125km
Die Nächte hier im Selous sind brutal heiß. Unglaublich was man hier über Nacht an Flüssigkeit verliert.
Heute Vormittag wollen wir die Gegend zwischen Lake Manze und Lake Nzelakela bis hinunter zum Rufiji erkunden. Die Gegend zeigt sich recht tierreich, aber durch die große Fluchtdistanz verzichte ich weitgehend aufs fotografieren und banne die Eindrücke lieber auf meine interne Festplatte anstatt mich zu ärgern, dass mir die Viecher immer aus dem Bild rennen. Wir sehen auch ein paar Elefanten.
Der Rufiji teilt sich in diesem Bereich in mehrere Arme auf und bildet ein kleines Binnendelta. Als wir den nördlichsten Arm erreichen, ist dieser bis auf ein paar schlammige Tümpel vollkommen ausgetrocknet. Der Schlamm scheint im ersten Eindruck zu kochen, es sind jedoch tausende Welse, die hier eingeschlossen sind. Das haben natürlich auch die Pelikane mitbekommen, für die hier ein Festmahl bereit steht. Zu hunderten belagern sie die Tümpel. Für so leichte Beute beschmutzen sie auch gerne mal ihr weißes Gefieder mit Schlamm.
Etwas weiter kommen wir zu einem schönen Aussichtspunkt an der Abbruchkante des Hochufers. Hier kann man mal den Blick etwas über die flache Landschaft schweifen lassen.
Da die Seen alle vom Rufiji gespeist werden, ist deren Wasserstand ebenfalls sehr niedrig und sie weisen derzeit alle einen sehr breiten Uferstreifen aus getrocknetem Schlamm auf. Hier halten sich viele Tiere auf und man hat gute Beobachtungsmöglichkeiten. Wir sehen die erste Hyäne dieser Reise. Die ist aber zügig unterwegs und nicht bereit für ein Foto zu posieren.
Als es immer heißer wird, machen wir uns auf den Rückweg ins Camp und sind um 11:00Uhr zurück. Jetzt erst einmal ein schöner Brunch, dann Siesta und danach wird gepackt. Inzwischen haben wir schon Routine und es ist erstaunlich in welch kurzer Zeit unsere Gepäckmassen im Auto verschwinden. Inzwischen haben wir auch das ideale Packsystem gefunden, so dass nichts mehr klappert und scheppert. Außer ein Paar durchgescheuerte Bierdosen haben wir auch keine Verluste zu beklagen.
Um 14:00Uhr brechen wir auf. Entlang des Beho Beho River fahren wir zum Matambwe Gate. Hier hat es anscheinend schon ein wenig geregnet, denn erstes zartes Grün sprießt aus dem Boden. Es sind viele Gnus und Giraffen in der Gegend unterwegs.
Am Gate erfahren wir, dass die für morgen geplante Strecke über den Shortcut direkt zum Mikumi National Park nicht mehr zu befahren ist. Mehrere heftige Regenzeiten haben der ohnehin anspruchsvollen Strecke so sehr zugesetzt, dass sie jetzt unpassierbar ist. Gut, dass wir nachgefragt haben, denn am Abzweig des Shortcuts steht sogar ein Schild „ Mikumi 144km“, aber kein Hinweis, dass die Strecke nicht mehr passierbar ist. Das kann schnell mal böse enden, denn die Strecke ist extrem einsam und es gibt keinen Handyempfang.
Mein Fazit zum Selous Game Reserve ist sehr zwiegespalten. Einerseits ist die Landschaft eine der schönsten in ganz Tansania. Man begegnet kaum anderen Touristen. So ein Gefühl von Wildnis hat man nur noch in sehr wenigen Gegenden des Landes. Sehr ärgerlich sind dagegen die extrem hohen Preise und die große Scheu der Tiere. Insgesamt haben wir auch deutlich weniger Tiere gesehen als vor 4 Jahren. Wir wollen auf jeden Fall wiederkommen, allerdings erst, wenn die Preise günstiger werden, oder das Problem der Wilderei gelöst wird. Letzteres wäre uns erheblich lieber, dann zahlen wir auch gerne die hohen Preise.
Wir errichten unsere Zelte im Selous Mbega Kisaki Annex Camp (was für ein Name). Hier waren wir schon vor 4 Jahren und die Duschen sind noch genauso gut, wie wir sie in Erinnerung haben. Ein Genuss nach 2 Tagen Hitze, Schweiß und Staub.
Hedda kocht und ich habe frei. Hedda und ich wechseln uns beim kochen ab. Kathrin und Hans sind für den Abwasch zuständig.
Teil 1114. März 2017
10.Tag (Mo. 02.01.2017) Kisaki – Mikumi 265km
Das wird ein Scheißtag. Das steht schon 30 Sekunden nach dem Aufwachen fest, als ich vergeblich meine Hose suche und den geöffneten seitlichen Reißverschluss am Zelt sehe. Nachts müssen sich Diebe ans Zelt geschlichen haben und während ich schlief den Reißverschluss geöffnet und die direkt darunter liegende Hose gegriffen haben. Mit der Hose ist mein Portemonnaie weg, d.h. ein viertel unserer Bargeldreserven, meine Visa und Maestro-Karte sowie Perso und Führerschein. Es hätte allerdings noch schlimmer kommen können. Normalerweise war auch der Autoschlüssel in der Hose und nur weil gestern noch einer von uns kurz an den Wagen musste, nachdem ich schon im Zelt lag, war es diese Nacht anders. Der Dieb hätte zwar mit Sicherheit den Wagen nicht gestohlen und noch nicht einmal leise das Fahrzeug öffnen können, aber der Schlüssel wäre weg gewesen und wir hätten ein paar Tage hier festgesessen. Auch mein Smartphone ist noch da, da es zwischen uns lag. Unsere wichtigsten Dokumente (Reisepass und internationaler Führerschein) sind sowieso sicher separat gelagert. Am meisten ärgere ich mich über mich selbst. Selbstverständlich habe ich schon von dieser Art Diebstähle gehört und früher haben wir auch entsprechend Vorsorge getroffen. Über 20 Jahre Reisen in Afrika, ohne dass etwas passiert ist, haben uns aber sorglos werden lassen. Das wurde jetzt bestraft und wir deponieren jetzt auch unsere Wertsachen wieder unter den Isomatten, wo keiner ran kommt, wenn wir darauf schlafen.
Der Camp-Manager und der Askari machen einen rat- und hilflosen Eindruck. Angeblich ist so etwas hier bislang noch nie vorgekommen. Nach dem Frühstück begleiten uns die beiden zur Polizeistation des Dorfes. Die hätten wir ansonsten auch niemals gefunden. Es ist eine armselige Baracke in einer Seitenstraße. Einen Hinweis, dass es sich um eine Polizeistation handelt, sucht man vergeblich. Der Askari wird gleich in die Gemeinschaftszelle der Station gesperrt. Als deren Tür geöffnet wird, weht ein strenger Uringeruch durch die Wache. Nähere Details über die Zelle will man gar nicht wissen. Ob das Einsperren des Askaris nur Aktionismus uns gegenüber ist, oder ob die Massai, die in dieser Region eine Minderheit sind, unter Generalverdacht stehen, entzieht sich meiner Kenntnis.
Danach wird über eine Stunde lang eine Kladde nach der anderen mit unserer Anzeige und dem Sachverhalt gefüllt. Nachdem mehrere Seiten Papier handschriftlich gefüllt wurden, reißt der Polizist einen Fetzen braunes Packpapier von einem größeren Bogen ab, schreib eine Nummer darauf und versieht das ganze mit Stempel und Unterschrift. Das ist das Aktenzeichen, unter dem wir in einigen Tagen auf der Regionalwache in Morogoro eine Kopie des Berichts erhalten können. Man gut, dass die gestohlenen Sachen sowieso nicht über die Reisegepäckversicherung versichert sind, denn es wäre sicher ein Spaß geworden, wenn ich der Versicherung den Papierfetzen vorgelegt hätte.
Jetzt kann es endlich weiter gehen, allerdings nur für 20km. Dann höre ich veränderte Abrollgeräusche von hinten rechts und stelle fest, dass wir dort einen Platten bekommen. Reifenwechsel sind für mich Routine und so ist der Wagen schnell neu besohlt. Allerdings muss ich feststellen, dass beide Reservereifen einen viel zu niedrigen Luftdruck aufweisen. So geht es zunächst sehr vorsichtig weiter bis ins nächste Dorf. Dort stehen wie üblich die Piki Piki-Fahrer unter einem großen Baum und warten auf Kundschaft. Wir fragen, ob einer eine Luftpumpe hat und haben Glück. Der Besitzer der Pumpe lässt es sich nicht nehmen, persönlich zu Pumpen und langsam aber sicher nimmt der Reifen eine akzeptable Form an. Irgendwann ist dann die Pumpe überfordert und mit einem lauten Knall platzt der Schlauch der billigen Chinaware. Wir geben ihm 10US$ für seine Hilfe und eine neue Pumpe und er scheint damit zufrieden zu sein. So ist allen geholfen.
Die Piste verlässt langsam die Ebene und führt durch die Uluguru Mountains. Dabei verändert sich die Landschaft komplett. Die verdorrte Vegetation wird durch dichten grünen Bergwald ersetzt. Um die Dörfer herum sieht man bestellte Felder. Immer wieder ragen bizarre Felsen aus dem Dickicht. Schade, dass wir schon so unter Zeitverzug stehen und deshalb durchfahren müssen, anstatt Pausen zu machen, um zu schauen und zu fotografieren. Motive hätte es sicher reichlich gegeben. Die Straße ist teilweise asphaltiert, weist aber zahlreiche tiefe Schlaglöcher auf, so dass man nur langsam vorankommt. Bergauf kommt unser schwerer Wagen auch nicht sonderlich schnell voran.
In Morogoro hat uns dann die Zivilisation wieder. Wir können tanken, Luftdruck checken und Bargeld am ATM ziehen. Was uns nicht gelingt ist Lebensmittel einzukaufen. Es ist unglaublich, das eine Distrikthauptstadt an der wichtigsten Verkehrsachse des Landes und mit 250.000 Einwohnern noch nicht einmal einen kleinen Supermarkt aufweist.
Als Übernachtungsziel für den heutigen Tag haben wir uns für die Tan-Swiss Lodge in Mikumi entschieden. Bevor wir dort ankommen führt die Straße noch durch den Mikumi National Park. Auf der Transitstrecke muss man keinen Eintritt zahlen, darf aber auch nicht anhalten. So sehen wir zwar viele Tiere, verzichten aber auf das Fotografieren. An der Straße stehen Schilder mit Tarifen, was das Überfahren der verschiedenen Tierarten kostet. Bei einem Baboon kommt man mit 120US$ noch relativ günstig davon; ein Elefant reißt mit 15.000US$ schon ein größeres Loch in die Reisekasse.
Die Tan-Swiss Lodge ist super gemanagt. Da funktioniert alles reibungslos. Die Campsite liegt im hinteren Teil, so dass man von der Straße kaum etwas hört. Flammenbäume spenden Schatten. Mit Pools hab ich es nicht so, aber alle die Spaß am baden haben, kommen hier in der Lodge voll auf ihr Kosten.
Zum Abendessen geht’s ins Restaurant der Lodge. Ist nix dolles, aber der Service ist schnell und freundlich. Am wichtigsten ist aber, dass es kaltes Bier gibt.
Teil 1221. März 2017
11.Tag (Di. 03.01.2017) Mikumi – Iringa 202km
Während sich die anderen um den Abbau des Camps kümmern, fahre ich nach Mikumi zu einem Reifen-Fundi, der unseren kaputten Reifen flicken soll. Die Empfehlung habe ich in der Lodge bekommen, die dort auch die Reifen ihrer Fahrzeuge flicken lässt. Der Reifen ist schon so verschlissen, dass er sich nicht mehr flicken lässt, sondern ein Schlauch eingezogen werden muss.
Durch das Baobab Valley führt uns dann die sehr schöne Strecke entlang des Ruaha River. Nach dem Verlassen des Tals führt uns eine recht steile Paßstraße hinauf ins Hochland von Iringa. Die Paßstraße gilt als eine der gefährlichsten Strecken Tansanias und so kommen wir auch an einigen Wracks verunglückter LKWs vorbei.
Schon kurz vor Mittag erreichen wir das Rivervalley Camp welches einige Kilometer südlich von Iringa liegt. In manchen Reiseführern wird das Camp auch Little Ruaha Camp genannt. Es handelt sich dabei um ein und dasselbe Camp. Zu unserer großen Freude und Überraschung werden wir gleich von dem großen schwarzen Schmusehund begrüßt, der uns schon vor 4 Jahren Gesellschaft leistete. Er war damals schon nicht mehr der Jüngste und da Hunde in Afrika allgemein nicht so alt werden, hätten wir niemals vermutet, dass er noch lebt. Unsere Zelte schlagen wir auf einer schönen grünen Wiese unter großen Schattenbäumen auf.
Nach einem kurzen Mittagssnack machen wir uns auf den Weg nach Iringa. Wir haben uns auf der Campsite nach einem Fundi für Kühlschränke erkundigt und auch eine Empfehlung bekommen. Nur dank dieser Empfehlung finden wir den Fundi überhaupt, denn die Werkstatt liegt in einer Seitengasse und ist nicht beschildert. Einzig ein paar vor der Tür stehende Kühlschränke lassen erahnen, welchem Handwerk man hier nachgeht. Man nimmt sich sofort unseres Engel-Kühlschrankes an. Wir müssen zunächst einiges im Wagen umräumen, um den Kühlschrank auszubauen und dann machen sich die beiden Handwerker sofort an die Fehlersuche. Sie stellen fest, dass Kühlmittel fehlt und dass ein Kabel sich gelöst hatte. Das erklärt, weshalb der Kühlschrank erst schlecht und dann gar nicht mehr funktioniert hat. Nach einer Stunde ist unser Fahrzeug wieder mit einem funktionierenden Kühlschrank ausgestattet. Die Rechnung beläuft sich auf 60.000TSH. Jetzt können wir auf erfrischende Kaltgetränke im heißen Ruaha National Park hoffen.
Danach kümmern wir uns um einen Teil der Einkäufe für die Tage im Ruaha National Park. Hier in Iringa gibt es einen kleinen, aber gut sortierten Supermarkt, wo wir alles an Getränken und Lebensmitteln für die nächsten Tage einkaufen. Einzig Obst und Gemüse werden wir morgen früh auf dem Markt kaufen.
Den Nachmittag verdaddeln wir dann gemütlich auf der Campsite. Es fängt zwischenzeitlich leicht zu tröpfeln an und kühlt so weit ab, dass ich mir das erste Mal seit einer Woche eine dünne Jacke überziehe.
Abends gehen wir ins Restaurant der Camps. Wie beim letzten Mal gibt es Buffet. Es ist einfach, aber lecker. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist sehr gut.
Teil 1323. März 2017
12.Tag (Mi. 04.01.2017) Iringa – Ruaha National Park 175km
Als erstes geht es heute auf den Markt nach Iringa, um uns für die drei Tage im Ruaha National Park mit frischem Obst und Gemüse zu versorgen. Da wir uns in Ostafrika überwiegend vegetarisch ernähren, kommt da einiges zusammen.
Die Strecke zum Ruaha National Park ist von vielen Dörfern und einfacher Landwirtschaft geprägt. Verwundert sind wir, dass in dieser trockenen Region häufig Nassreis angebaut wird. Wir verlassen dabei das Hochplateau auf dem Iringa liegt und kommen in tiefer gelegene Regionen, in denen es auch wieder deutlich heißer ist. Die Piste ist zum Teil übelstes Wellblech. Das hat Folgen, denn als wir am Gate ankommen, müssen wir feststellen, dass unser Kühlschrank erneut den Dienst quittiert hat. 😈
Hier am Gate nehmen sie es ganz genau. Solange ich nach Tansania reise, werden die normalen Safari-Geländewagen immer in die Klasse bis 2.000kg eingestuft. So wenig wiegen die Fahrzeuge natürlich schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Hier im Ruaha werden wir erstmals in die nächst höhere und damit auch teurere Klasse eingestuft. Sollte auf dieser Reise das einzige Mal sein, bei dem so verfahren wurde, aber ich bin gespannt, ob das in Zukunft um sich greift und Reisen in Tansania noch teurer macht.
Schon kurz nach dem Gate begegnen wir den ersten Elefanten. Die verhalten sich uns gegenüber aber derart aggressiv, dass wir schnell weiterfahren.
Am Picknickplatz bei der Ruaha-Brücke machen wir einen Fotostop. Von der Brücke aus hat man einen schönen Blick über das Flussbett. Der Ruaha fließt derzeit nicht und es sind lediglich noch vereinzelte Tümpel vorhanden, in denen sich die Hippos und Krokodile gesammelt haben.
Weiter geht es auf direktem Weg zur Campsite. Diese ist traumhaft schön am Ufer des derzeit leider trockenen Ruaha gelegen. Die Campsite ist gut besucht, außer uns sind noch zwei weitere Parteien hier. Da die Campsite aber auch sehr weitläufig ist, bekommt man nicht viel voneinander mit. Ein Nachteil der Campsite ist, dass es so gut wie keinen Schatten gibt. Deshalb bauen wir zusätzlich zu unseren Zelten diesmal auch das Tarp als Schattendach auf.
Als wir am Nachmittag zu einem ersten kleinen Gamedrive aufbrechen, hat es ziemlich zugezogen, worunter die Fotos etwas leiden. Es bleibt aber trocken.
Nur wenige hundert Meter von unserer Campsite in Richtung Park Headquarter entdecken wir ein Paar Löwen unter einem Busch. Es wäre mir schon recht, wenn die heute Abend nicht noch näher kommen.
Danach fahren wir entlang des Ruaha in Richtung Osten. Wir müssen einige Umwege fahren, da die Tracks teilweise weggespült und nicht mehr passierbar sind. Hier haben die letzten starken Regenzeiten einige Spuren hinterlassen. Wir sehen die üblichen Verdächtigen und genießen es, in einem Nationalpark zu sein, wo die Tiere nicht gleich die Flucht ergreifen, wenn man kommt. Einzige Ausnahme sind die Elands, aber die sind überall sehr scheu.
Durch die Bewölkung fiel der Sundowner leider aus, was angesichts der fehlenden Kaltgetränke aber auch nicht allzu schlimm war. Wir versuchen die Getränke mit Wasser zu kühlen, was angesichts der Wassertemperaturen aber auch kaum etwas bringt. Die Erkenntnis des Tages ist, das GinTonic mit reichlich Limettensaft (eine Limette je Glas) warm besser schmeckt als Bier oder Weißwein.
Heute bin ich wieder mit kochen dran. Da wir auf dem Markt Auberginen, Paprika und Zucchini bekommen haben, mache ich Ratatouille.
Heute gibt es mal wieder Busch-TV. Auf der Campsite liegt Feuerholz bereit und da der Untergrund aus Sand besteht, brauchen wir uns auch keine Sorgen machen, dass sich das Feuer ausbreitet.
Als es dunkel wird kommen die Insekten. Diesmal wieder sehr viele, so dass ich unsere starke Akkulampe wieder als Lichtfalle in einiger Entfernung aufstelle.
Ebenfalls mit der Dunkelheit werden auch die Löwen aktiv. Rings um unser Camp hören wir sie brüllen. Wir können mindestens 3 Parteien ausmachen und sie hören sich sehr nah an. Immer wieder leuchte ich mit der Taschenlampe die Umgebung ab. Das Gelände ist aufgrund der vielen Büsche sehr unübersichtlich, so dass ich die Löwen nicht entdecken kann. Lediglich ein paar Schakale kann ich dabei beobachten, wie sie um uns herum schleichen.
Teil 1431. März 2017
13.Tag (Do. 05.01.2017) Ruaha National Park 128km
Heute Nacht hat unsere Wildtierkamera erstmals auf dieser Reise angeschlagen. Ein Hippo ist mitten durch unser Camp gelaufen. Wir alle haben tief und fest geschlafen und nichts davon mitbekommen.
Wir bauen heute weder das Camp ab, noch frühstücken wir. Dafür starten wir früh zu einem ganztägigen Gamedrive im Nationalpark. Zunächst führt uns unsere Fahrt zum Unterlauf des Mdonya Sand River. Die Strecke ist landschaftlich sehr schön, Tiere sehen wir aber erst einmal so gut wie keine. Unsere erste nennenswerte Sichtung ist dann ein Frankolin auf einem Findling direkt neben dem Weg, wo es sich perfekt in Pose stellt.
Weiter geht es entlang des Mdonya Sand River, der momentan kein Wasser führt und dem Begriff Sand River voll gerecht wird. Unweit der alten Mdonya Campsite entdecke ich ein Löwenpaar, das die ersten Strahlen der Sonne genießt.
Im weiteren Verlauf der Strecke entlang des Mdonya Sand River und auch auf der weiteren Strecke über die Mwajembe Springs zum Oberlauf des Mwagusi Sand River wimmelt es von TseTse-Fliegen. Mal mehr und mal weniger, aber immer so sehr störend, dass man keine Lust hat, bei Tierbeobachtungen länger zu verweilen. Das ist sehr schade, da es am Oberlauf des Mdonya Sand River und bei den Mwajembe Springs einiges zu sehen gab.
Ich hätte mir auch gerne einmal eine der riesigen Ameisenstraßen, die es hier immer wieder gab, aus der Nähe angesehen, aber nicht bei der TseTse-Plage.
Je weiter wir dem Mwagusi Sand River abwärts in Richtung Ruaha River folgen umso weniger werden die TseTse-Fliegen. Nach wenigen Kilometern haben wir es hinter uns. Gerade zum richtigen Moment, denn bei einer Gruppe von Wasserlöchern hat sich eine riesige Herde Büffel versammelt. Die Rindviecher machen nur wiederwillig Platz und schon bald stehen wir mitten in der Herde und können die Tiere perfekt beobachten.
Danach kommen wir in sehr unübersichtliches Gelände mit dichtem Busch. Ausgerechnet hier wimmelt es vor Elefanten und nach unserer gestrigen Begrüßung bevorzuge ich einen sehr respektvollen Umgang mit den Dickhäutern. Ich habe absolut kein Interesse um die Ecke zu fahren und plötzlich Aug in Aug mit einem schlecht gelaunten Elefanten zu stehen. Aus den genannten Gründen brauchen wir sehr lange für diese Passagen und es gibt auch keine Elefantenbilder. Fotos habe ich hier lieber von harmloseren Tieren gemacht.
Suchbild - wie viele Affen seht Ihr?
Inzwischen sind wir alle hungrig und machen uns auf die Suche nach einem schönen Picknickplatz für ein verspätetes Frühstück oder ein frühes Mittagessen – das liegt allein im Auge des Betrachters. Schon bald werden wir fündig. Ein großer Schattenbaum steht inmitten einer Wiese direkt am Ufer des Mwagusi Sand River. Perfekt!
Wir lassen uns viel Zeit, denn inzwischen ist es sehr heiß geworden und nur im Schatten des Baumes ist es noch einigermaßen erträglich. Erst als Elefanten am Waldrand jenseits der Wiese auftauchen, räumen wir lieber zusammen. Sollten sie uns zu nahe kommen, möchte ich jederzeit zurückweichen können. Sie lassen uns aber links liegen.
Da wir nun schon zusammengeräumt haben, machen wir uns auch auf den Weg, weiter am Mwagusi Sand River entlang in Richtung Ruaha River.
Plötzlich ruft Kathrin: „Da liegt eine Giraffe.“ Ich schaue in die angezeigte Richtung und entgegne: „Die liegt nicht, die ist tot. Da steht schon ein Schakal daneben.“ Darauf schaut auch Kathrin genauer hin und meint: „Stimmt. In den Büschen ringsum liegen jede Menge Löwen:“ Ohne die tote Giraffe hätten wir die Löwen niemals in den Büschen entdeckt. Sie waren mit Ihrem Fell unter den vertrockneten Blättern der Büsche perfekt getarnt. Wir verbleiben hier eine ganze Weile und werde für unsere Geduld belohnt. Ein Löwe ist durstig und kommt zu einer Pfütze ganz in unserer Nähe. So komme ich doch noch zu ein paar weiteren Löwenfotos. Bei den in den Büschen liegenden Löwen wäre ein Foto sinnlos gewesen.
Unser nächstes Ziel ist der Confluence point, wo der Mwagusi Sand River in den Ruaha River mündet. Derzeit nur eine riesige Sandfläche. Allerdings gibt es hier einen schattigen Hide und zahlreiche Tiere an den Ufern und in den Bäumen zu entdecken.
Irgendwo in der riesigen Sandfläche scheint es auch noch Wasser zu geben, denn immer wieder können wir Hippos hören, ohne sie zu sehen. Dafür macht sich eine Gruppe Impalas auch den Weg, die weite Fläche zu durchqueren. Man merkt den Tieren an, dass sie sich lieber in der Deckung des Buschs aufhalten, anstatt sich schutzlos auf dieser weitern Fläche zu präsentieren.
Als sich die Sonne so langsam dem Horizont nähert, brechen wir auf in Richtung Camp. Die Strecke führt entlang des Ruaha River und auch hier sehen wir immer wieder Tiere, es springt aber kein richtiges Fotomotiv ins Auge.
Zurück auf der Campsite will ich gar nicht glauben, was ich höre. Es zischt aus dem in Mikumi reparierten Reifen. Der war anscheinend schon so vorgeschädigt, dass auch der zusätzlich reingezogene Schlauch nichts mehr ausrichten kann. Zum Glück bin ich heute nicht fürs kochen zuständig. So kann ich den Reifen wechseln, während Hedda das Abendessen zubereitet.
Teil 1506. Apr. 2017
14.Tag (Sa. 07.01.2017) Ruaha National Park 94km
Auch für heute ist wieder ein ganztägiger Gamedrive angesetzt, so dass wir wieder sehr früh starten. Unser erstes Ziel ist der Kimiramatonge Hill, den wir fast ganz umrunden. Schöne Landschaft, bestes Licht, aber keine Tiere.
Unser eigentliches Ziel für den heutigen Tag ist aber der Mittellauf des Mwagusi, wo es uns schon gestern sehr gut gefallen hat. Außerdem ist hier die größte Tierdichte. Wir werden nicht enttäuscht. Vor allem Elefanten hat es jede Menge, so dass wir eine spannende Fahrt haben.
Mal eine Frage an die vielen Birder unter Euch: Hat die kahle Stelle auf der Brust der Sattelstörche eine Funktion oder Bedeutung?
Gestern hatten wir am gegenüber liegenden Ufer einen Picknickplatz entdeckt, der auf keiner Karte verzeichnet ist. Das ist unser Ziel zum Brunch. Der Picknickplatz ist ein paradiesischer Ort. Zwischen großen Felsen und unter hohen Bäumen direkt am Ufer gelegen und mit Tischen, Bänken und Sanitäranlagen top ausgestattet. Man kann weit das Flussbett überblicken. Was will man mehr?
Während wir essen, sorgen mehrere Baumhörnchen für Unterhaltung, die überhaupt nicht scheu sind und darauf hoffen, dass etwas für sie abfällt. Was das Füttern von Wildtieren angeht sind wir aber sehr streng, so dass die kleinen Racker leer ausgehen.
Im Flussbett haben sich in der Zwischenzeit zahlreiche Elefanten versammelt. Es ist ein ständiges kommen und gehen, da es hier auch einige der wenigen verbliebenen Wasserstellen gibt. Da uns der Platz gefällt und es viel zu sehen gibt, beschließen wir, die nächsten Stunden bis zum Nachmittag hier zu verbringen.
Auch für körperliche Ertüchtigung ist gesorgt, denn als ich zwischendurch kurz am Auto bin, stelle ich fest, dass der rechte Hinterreifen platt ist. Ärgerlich ist vor allem, dass wir jetzt keinen intakten Ersatzreifen mehr haben. Der Reifenwechsel selbst ist Routine und in 5 Minuten erledigt.
Wir lassen uns aber die gute Laune nicht verderben und bleiben noch eine Weile hier.
Unser Platz hier ist so geschützt, dass wir auch bleiben, als die Dickhäuter ganz in unserer Nähe vorbei ziehen. Als Kathrin nach einer Pinkelpause das Klohäuschen verlassen will, steht sie vor einer grauen Wand, genauer gesagt vor dem Hinterteil eines großen Elefantenbullen. Nach Ihrer Aussage hätte sie den Elefanten berühren können, hat sich aber nicht getraut.
Als ein Safariwagen vorbeikommt, fragt Kathrin nach der Möglichkeit hier im Nationalpark den Reifen flicken zu lassen und tatsächlich soll es im Headquarter einen Reifenflicker geben. Da es vom Picknickplatz eine direkte Piste zum Headquarter gibt beschließen wir zunächst dort den Reifen versorgen zu lassen und anschließend eine abendliche Runde entlang des Ruaha zu drehen.
Von unseren beiden Reifen ist einer, wie schon gesagt, nicht mehr zu gebrauchen. Beim anderen handelt es sich um einen Schlauchreifen auf Sprengringfelge. Das ist glücklicherweise die ideale Kombination für einen Fundi hier im Park. Innerhalb einer halben Stunde ist der Reifen geflickt. Gefühlt am längsten dauert es, bis er mit seinem batteriebetriebenen Spielzeugkompressor den Reifen wieder gefüllt hat. Meine Mitfahrer finden das spannend und beobachten die Reparatur. Ich habe derweil etwas viel interessanteres entdeckt - die Kantine für die Nationalpark-Mitarbeiter. Hier kann ich ein eiskaltes Bier erstehen. Ein echtes Highlight, nachdem es seit Iringa nur „Heißgetränke“ gab.
Entlang des Ruaha River ist heute schon mehr los als gestern. Eine junge Giraffe zeigt überhaupt keine Scheu, was ich für ein Portrait nutzen kann, zumal sich der Kopf auch noch in akzeptabler Höhe befindet.
Es wimmelt hier aber auch vor Mangusten. Wir sehen Zwerg-, Zebra- und Fuchs-Mangusten. Alle mehrfach und fast immer sehr scheu.
Den Sundowner begehen wir auf unserer Campsite. Hier hat man einen schönen Blick, auf die Sonne, wie sie hinter dem Escarpment untergeht.
Heute bin ich wieder dran mit kochen. Die Insektenplage ist deutlich geringer als an den letzten Abenden. Während wir essen hören wir Schritte im Hintergrund. Mit der Taschenlampe entdecken wir ein Hippo, welches aus dem Flussbett steigt und zum Grasen ins Hinterland marschiert. Wenig später schleicht dann eine Hyäne ums Camp und es gesellt sich auch noch ein Schakal hinzu. So gibt es auch jetzt ein abwechslungsreiches Programm, bis es uns auf die Matratzen zieht.
Teil 1625. Apr. 2017
15. Tag (Sa. 07.01.2017) Ruaha National Park – Iringa 147km
Lt. unserer Wildtierkamera waren in der Nacht sowohl Schakale, als auch Hyänen im Camp. Leider sind die Aufnahmen sehr unscharf.
Geweckt werden wir dann vom Brüllen der Löwen. Das ist besser als jeder Wecker. So wie es sich anhört, sind die Großkatzen wieder rings ums Camp verstreut.
Heute frühstücken wir im Camp, denn es wird keinen Gamedrive mehr geben. Nach dem Essen räumen wir zusammen und machen uns auf den Weg zurück nach Iringa.
Wir sind gerade einmal 40km unterwegs, da ereilt uns der nächste Platten. Diesmal hinten links. Damit sind jetzt beide Original-Hinterräder hin und wir sind mit den beiden Ersatzreifen unterwegs.
Der Reifen ist wieder schnell gewechselt, aber die weitere Strecke bin ich doch recht angespannt, da wir jetzt ohne einsatzfähigen Reservereifen unterwegs sind. Selbstverständlich würden wir bei einem weiteren Platten nicht in der Wildnis stranden, dafür ist auf der Strecke zu viel los. Trotzdem würde ein weiterer Platten aber ziemlichen Aufwand mit sich bringen, worauf wir gut verzichten können. Man wird dann auch leicht paranoid. Bei jeder Veränderung der Fahrgeräusche und jedem seitlichen wegdriften des Fahrzeugs schreckt man auf und wirft einen prüfenden Blick in den Rückspiegel, bzw. aus dem Fenster, um den Zustand der Reifen zu prüfen. Letztendlich kommen wir aber ohne weitere Panne in Iringa an.
Auf der Strecke sind uns die vielen griechisch-orthodoxen Kirchen aufgefallen. Die müssen hier in der Gegend einen Schwerpunkt ihrer Missionsarbeit haben.
In Iringa setzten wir uns kurz mit unserem Autovermieter zusammen, um über die Reifensituation zu beraten. Da die beiden ursprünglichen Hinterreifen schon sehr kaputt sind, kommen wir zu folgender Lösung: Wir bekommen die Freigabe, einen neuen Reifen auf Kosten des Vermieters zu erwerben. Dafür entsorgen wir den schlechtesten Reifen. Den anderen Reifen lassen wir flicken. Ein Fahrer von 4x4 Adventures bringt uns dann noch einen weiteren Reifen in den Tarangire National Park.
Der Grund weshalb die Reifen trotz gutem Profil schon so runter sind, liegt daran, dass die Fahrzeuge bei den geführten Touren immer mit sehr niedrigem Luftdruck gefahren werden, da dies den Komfort für die Gäste deutlich erhöht. Dadurch walken die Reifen allerdings so stark, dass die inneren Strukturen noch vor dem Profil das Ende des Reifens einläuten.
Nachdem mit den Reifen alles geregelt ist geht es zu unserer heutigen Unterkunft, der African Garden Lodge, welche auf ihrem Gelände auch eine Campsite betreibt. Die Lodge gehört einem sehr netten tansanisch-deutschen Paar, die mit Ihren drei kleinen Kindern vor ein paar Jahren nach Tansania ausgewandert sind, um sich hier mit der Lodge selbstständig zu machen. Die beiden sind sehr hilfsbereit. So können wir unsere Getränke in deren Kühlschrank kühlen, damit wir heute zum Abendessen endlich mal wieder kalte Getränke haben.
Ganz in der Nähe der Lodge liegt die Isimilia-Schlucht. Hier befinden sich zum einen steinzeitliche Ausgrabungsstätten, als auch eine mit Erdpyramiden gesäumte Schlucht. Das Gelände ist ein nationales Monument und darf nur mit einem Guide betreten werden. Wir können direkt von der Campsite loslaufen. Als erstes kommen wir zu den Ausgrabungsstätten, aber ich muss gestehen, dass sich für uns die Steinwerkzeuge kaum bis gar nicht von den übrigen Steinen der Umgebung unterscheiden.
Danach folgen wir einem schmalen Bachbett, welches die eigentliche Isimilia-Schlucht bildet. Auf beiden Seiten erheben sich eindrucksvolle Formationen. Man fühlt sich an den Bryce Canyon in den USA erinnert, wobei das Gelände hier nicht so weitläufig ist. Entstanden sind die Erdpyramiden nachdem ein Vulkanausbruch eine Schwemmtonebene mit einer Schicht Lava überlagert hat. Nur dort wo die Lavaschicht erodierte, wurde der darunter liegende Schwemmton abgetragen. Ansonsten schützt die Lavaschicht die darunter liegenden weichen Sedimente. So sind fantastische Erosionsformen entstanden: Schlanke Säulen, mächtige Pfeiler, Orgelpfeifen und bizarre Wände. Leider hat der Himmel an diesem Nachmittag zugezogen. Bei Sonnenschein wäre es sicher noch beeindruckender gewesen. Insgesamt waren wir etwas über 2h unterwegs. So ein kleiner Spaziergang ist immer eine schöne Abwechslung zum langen Sitzen im Auto
Abends kochen wir. Die Katzen und Hunde der Lodge leisten uns Gesellschaft, ohne jedoch aufdringlich zu betteln.
Teil 1727. Apr. 2017
16.Tag (So. 08.01.2017) Iringa – Dodoma 274km
Nachts hat uns die Lodgekatze ein Geschenk vorbei gebracht. Wir finden bei Aufstehen eine tote Maus in der Apsis unseres Zelts.
Nach dem Frühstück kommen Kerstin & Saidy bei uns vorbei und wir unterhalten uns lange mit den beiden. Die beiden haben bis vor ein paar Jahren in Berlin gelebt und dort ein Restaurant mit afrikanischer Erlebnisgastronomie betrieben, bevor sie sich entschieden, in Saidys Heimat eine Lodge zu eröffnen. Die Erlebnisse der beiden sind sehr Interessant. Man erfährt viel über das Alltagsleben in Tansania. Saidy beklagt sich vor allem über die Arbeitsmoral seiner Landsleute. Das ist seiner Ansicht nach einer der großen Unterschiede zu Deutschland. Am schlimmsten sind Mitglieder des eigenen Stammes. Die meinen Sonderrechte zu haben, weshalb die meisten Angestellten der beiden aus anderen Landesteilen kommen. Solche Gespräche erweitern ungemein den eigenen Horizont.
Bevor wir uns auf den Weg machen, untersuchen Hans und ich noch einmal genau den Kühlschrank und werden tatsächlich fündig. Durch das heftige Wellblech zum Ruaha National Park hat sich ein Kabel losgerüttelt. Wir können den Schaden selbst reparieren und haben für den Rest der Reise endlich einen gut funktionierenden Kühlschrank. Eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität.
Dann steht ein Großeinkauf in Iringa an. Im kleinen Supermarkt und auf dem großen Markt bekommen wir alles, was wir brauchen.
Von Kerstin & Saidy hatten wir noch den Tip bekommen, die alte Deutsche Boma zu besuchen, wo Kerstins Mutter ein Cafe betreibt. Wir treffen Kerstins Eltern dann sogar in der Boma und es stellt sich heraus, dass Kerstins Vater (ein pensionierter Architekt) die Restaurierung der Boma initiiert und organisiert hat. Während wir uns einen leckeren Kuchen gönnen, erfahren wir viel über die Restaurierung und so verfliegt die Zeit und wir kommen erst um 14:00Uhr aus Iringa los.
Glücklicherweise ist die Strecke nach Dodoma bis auf einige sehr kurze Baustellenabschnitte inzwischen komplett asphaltiert, wobei sich allerdings schon jetzt erste Schlaglöcher zeigen. Sowie wir die Hochebene von Iringa verlassen und ins trockene Tiefland kommen, steigen die Temperaturen drastisch und es wird sehr heiß.
Auf einem der Baustellenabschnitte überfahre ich beinahe in kleines Chamäleon. Ich schaffe es gerade noch das Tierchen zwischen die Räder zu nehmen. Danach muss es dann noch eine ausführliche Fotosession über sich ergehen lassen. Als Kathrin es dann retten und ins Gebüsch setzen will, zeigt es sich sehr undankbar und beißt gleich zu. Da Chamäleons aber keine Zähne haben ist das nur ein kleines Zwicken. Das schlimmste war der Schreck.
Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir Dodoma. Wir übernachten wieder in New Dodoma Hotel. Noch immer nix dolles und trotzdem die beste Unterkunft in der Hauptstadt Tansanias.
Teil 1804. Mai 2017
17.Tag (Mo. 09.01.2017) Dodoma – Tarangire National Park (350km)
Nachts gab es einen derart heftigen Wolkenbruch, dass wir davon sogar in unserem Hotelzimmer aufgewacht sind. Das war ja eine glückliche Fügung, dass wir ausgerechnet diese Nacht nicht gezeltet haben. Morgens ist es immer noch am tröpfeln.
Das Frühstück im Hotel ist sehr dürftig. Das habe ich von unserem letzten Aufenthalt besser in Erinnerung.
Die Strecke von Dodoma bis Babati ist fast durchgehend Baustelle. Auf 90% der Strecke sind die Bauarbeiten aber schon so weit fortgeschritten, dass wir auf Asphalt fahren können.
Unterwegs haben wir die Reifenpannen Nummer 5 & 6. Bei der ersten Panne ziehen wir den alten geflickten Reifen auf, da ich mich wohler fühle, wenn wir den neuen Reifen als letzte Reserve aufheben. Der kommt dann allerdings nur 20 Minuten später zum Einsatz, da sich der alte geflickte Reifen schon nach wenigen Kilometern wieder verabschiedet hat. Bei unserer zweiten Reifenpanne an diesem Tag befinden wir uns leider gerade auf einer schmalen weichsandigen Baustellenumfahrung. Ich muss ganz am Rand anhalten, damit andere Fahrzeuge passieren können. Beim Hochbocken mit dem Highlift rutscht der Wagen dann im weichen Sand etwas seitlich weg und das lange Gestänge des Highlifts drückt eine dicke Beule in die Karosserie. Sehr dumm gelaufen. Zu dieser Zeit hat der Reisebericht noch den Arbeitstitel „Plattfuß in Afrika“.
Das längste Stück noch nicht asphaltierter Straße ist die steile Abfahrt aus den Bergen hinunter nach Babati. Das ist noch die altbekannte Lehmpiste und genau auf diesem Abschnitt erwischen wir einen kurzen aber heftigen Regenschauer, der die Lehmpiste in kürzester Zeit in eine Rutschbahn verwandelt. Da ist es dann gar nicht mehr so einfach, unser schweres Gefährt auf der Spur zu halten.
Schon auf vielen Strecken dieser Reise ist uns die starke Vermüllung der Straßenränder negativ aufgefallen. Als wir von Babati bis zum Abzweig in den Tarangire Nationalpark hinter einem Überlandbus herfahren, können wir miterleben, wie es dazu kommt. Alle paar Minuten fliegt eine leere Trinkflasche oder anderer Müll im hohen Bogen aus dem Fenster. Es ist wirklich erschreckend, dass bei den Menschen hier anscheinend überhaupt kein Bewusstsein für die Umwelt Ihres Landes zu bestehen scheint.
Wer schon einmal im Tarangiere National Park war, kennt die Wellblechpiste zum Gate. Alles im Wagen klappert und scheppert. Plötzlich kommt ein neues und sehr lautes Geräusch hinzu. Ich halte sofort an und muss feststellen, dass sich unser linkes Trittbrett verabschiedet hat. Eine Schweißnaht ist durch die ständigen Erschütterungen und Vibrationen gebrochen. Nicht zum ersten Mal, wie es aussieht. Glücklicherweise habe ich für genau solche Fälle ein paar Spanngurte aus Deutschland mitgenommen. Zwar muss ich mich für die Reparatur im Staub wälzen, aber danach steht unserem Besuch im Tarangire National Park nichts mehr im Weg.
Am Gate in den Nationalpark können wir dann auch den von 4x4 Adventures für uns dort deponierten Reifen übernehmen. Der ist zwar nicht neu, aber doch in erheblich besseren Zustand als unser alter Ersatzreifen. Diesen verfrachte ich aufs Dach, wo ich ihn mit einem weiteren Spanngurt befestigen kann. So ist er aus dem Wege und stört niemanden.
Nachdem wir eingecheckt haben, fahren wir auf direktem Weg zur Public Campsite, welche in der Nordwest-Ecke des Parks unweit des Tarangire Rivers liegt. Die Campsite ist mit mehreren Waschhäusern gut ausgestattet. Hier sind wir auch erstmals nicht die einzigen Gäste. Es ist aber reichlich Platz, damit man sich nicht zu sehr auf der Pelle sitzt.
Zum Abend hin entschließen wir uns noch zu einem sehr kurzen Gamedrive, der uns lediglich ans Ufer des Tarangire River führt. In diesem Bereich ist der Fluss komplett ausgetrocknet und es gibt lediglich ein paar von Elefanten gegrabene Wasserlöcher im sandigen Flussbett. Dafür wimmelt es nur so von Tieren.
Während wir hier stehen und das Treiben im und am Fluss beobachten, zieht der Himmel schnell immer mehr zu und es kommen heftige Böen auf. Genauso schnell wie der Spuk begonnen hat, ist er aber auch wieder vorbei, ohne dass auch nur ein einziger Tropfen gefallen ist.
Die Elefanten sind hier deutlich entspannter als bei unseren bisherigen Begegnungen auf dieser Reise. Wir stehen lange Zeit direkt neben einer Herde mit vielen Jungtieren. Es ist sehr interessant zu beobachten wie die Mütter die Kälber sortieren. Die Kälber versuchen bei allen Kühen an der Milchbar anzudocken, werden aber von den Kühen abgewiesen, solange es nicht das eigene Kalb ist.
Wir fangen erst relativ spät an zu kochen. Beim Essen bekommen wir dann Gesellschaft. Ein Elefant bedient sich gleich nebenan von einem großen Busch.
Teil 1909. Mai 2017
18.Tag (Di. 10.01.2017) Tarangire National Park 130km
In dieser Nacht war Highlife auf unserer Campsite. Mindestens zweimal befanden sich Elefantengruppen unmittelbar an den Zelten. Woher ich das so genau weiß? Mindestens ein Elefant hat sich direkt von dem Baum bedient, unter dem unser Zelt stand. Wenn dabei ständig Blätter und kleine Zweige aufs Zelt rieseln, hat man eine ziemlich konkrete Vorstellung, wo sich der gefräßige Dickhäuter gerade befindet. Meine größte Sorge war deshalb auch, dass der Elefant einen dicken Ast abbricht, der dann auf unser Zelt fällt. Ansonsten hat man im Zelt wenig von Elefanten zu befürchten. Kathrin hat mal wieder alles verschlafen. Hans & Hedda waren beeindruckt von der Nacht. Sehr cool für Afrika-Neulinge.
Ergänzt wird der ganze Rummel in dieser Nacht noch vom Brüllen der Löwen und den Rufen der Hyänen, die anscheinend auch nicht allzu weit von der Campsite entfernt sind.
Da sich die Public Campsite im äußersten Nordwesten des Nationalparks befindet, ist ein Ganztages-Gamedrive die einzige Möglichkeit, auch die südlichen Teile des Parks kennenzulernen. Wir starten deshalb kurz nach Sonnenaufgang ohne zu frühstücken. Unser erstes Ziel ist ein Aussichtspunkt mit Picknickplatz oberhalb des Tarangire-Rivers. Sehr schön hier, aber da wir erst eine halbe Stunde unterwegs sind, noch viel zu früh für eine lange Pause.
Geprägt wird der heutige Tag ganz eindeutig von den Elefanten. Sie laufen einem permanent über den Weg. Ich habe längst nicht jede Begegnung fotografisch festgehalten. Sehr angenehm war, dass alle Elefanten, ohne Ausnahme, sehr ruhig und entspannt unterwegs waren, so dass man für beide Seiten stressfrei ganz in ihrer Nähe stehen konnte. Ein besonders schönes Erlebnis hatten wir gleich am frühen Morgen. Wir trafen auf eine mächtige Elefantenkuh, die mit ihrem noch sehr kleinen Kalb allein unterwegs war. Der Kleine war unglaublich knuffig. Die ganze Zeit war er dabei seine Umwelt zu entdecken. Dabei war ihm sein Rüssel häufiger im Wege, als dass er ihm half. So etwas niedliches und tollpatschiges kann man sich stundenlang ansehen.
Es viel uns sehr schwer, uns von dieser Szene loszureißen, aber wir wollten ja noch etwas mehr von diesem schönen Nationalpark sehen.
Nach wenigen Kilometern trafen wir auf den Wiesen am Flussufer auf eine kleine Herde Elands, die sich zusehends vergrößerte. In einem fort rannten weitere Tiere den Hang hinunter und sprangen in einem großen Satz über den Weg. Dieses Schauspiel dauerte ca. 20min. und danach hatte sich am Flussufer die größte Herde dieser stattlichen Antilopen zusammengefunden, die ich je gesehen habe. Leider ist diese größte Antilopenart auch der größte Schisser unter den Antilopen. Die Fluchtdistanz ist immer viel zu groß für gute Fotos. Ich frage mich, wieso die Elands so viel ängstlicher sind, als ihre kleineren Artgenossen.
Unser Ziel für eine ausgedehnte Mittagspause ist die Picknicksite am Silale Swamp. Hier hat man mit der weiten grasigen Sumpfebene ein ganz anderes Landschaftsbild als im Tal des Tarangire River. Wir lassen uns Zeit und verbringen mehrere Stunden auf der Picknicksite.
Wie auf jeder Picknicksite, so haben auch hier einige Tiere den Menschen als Futterquelle entdeckt. Diesmal sind es Vögel.
Zur Mittagszeit ist die Picknicksite gut besucht. Da das Gelände aber sehr weitläufig ist und sich alle sehr gesittet verhalten, ist das kein Problem. Wenn man sich umschaut, kann man auch leicht die verschiedenen Preisklassen der Safari-Touren erkennen. Während bei einigen nur Lunchpakete verteilt werden, die aus der Hand gegessen werden, wird bei anderen mit Tischtuch, Porzellan und Kristallglas eingedeckt und der Lunch mit einem kühlen Weißwein serviert. Gut, den kühlen Weißwein hätten wir auch noch gehabt, beim Rest müssen wir aber passen. Eine kuriose Szene spielt sich dann an unserm Nachbartisch ab, dort schafft es ein extrem übergewichtiger Mann nicht, ohne sich abzustützen aufzustehen, und reißt dabei Tisch und Bänke um. Er selbst schlägt lang hin und tut sich dadurch auch sehr weh. Krass ist dann, dass er aufgrund seines Gewichtes nicht in der Lage ist, selbstständig vom Boden aufzustehen. Nur mit den vereinten Kräften des Guides und einiger Familienmitglieder bekommen sie ihn wieder in die Vertikale. Unter solchen Voraussetzungen hätte ich nicht den Mut nach Afrika zu reisen.
Auf der Rückfahrt entdeckt Kathrin dann noch ein Rudel Löwen. Allerdings sind diese weit weg und weitgehend unter Büschen verborgen. Ein Wunder, dass Kathrin die entdeckt hat.
Ansonsten ist der Rückweg in hohem Maße von Vögeln geprägt, die ich hier gut vor die Linse bekomme.
Später treffen wir dann noch auf eine Herde Büffel, in der sehr große Aufregung herrscht. Wir entdecken auch einen Büffel, der aus mehreren Wunden aus der Flanke blutet. Da liegt die Vermutung nahe, dass der Grund für die Aufregung in einem erst vor kurzen stattgefundenen Löwenangriff zu sehen ist.
Ganz in der Nähe der Campsite gibt es eine sandige Furt, mittels der der Tarangire River an dieser Stalle bei Niedrigwasser durchquert werden kann. Momentan ist hier gar kein Wasser, allerdings noch einmal viele Tiere.
Diese Nacht haben wir die Campsite fast für uns allein. Außer uns ist nur noch ein Paar mit Ihrem Tourguide und der Warden anwesend. Der Warden ist im Übrigen ein ganz sparsamer. Ständig stellt er am Hauptschalter, bzw. Haupthahn Wasser und Strom ab. Das ist echt nervig, zumal wenn man erst einmal herausbekommen muss, wo sich der Hauptschalter und der Haupthahn befinden. Auch denkt man nicht immer daran, dass mal wieder alles abgestellt ist, was auch zu blöden Situationen führen kann.
Während wir kochen, hören wir sehr häufig Hyänen in der Nähe, ohne jedoch auch nur ein einziges Mal welche zu sehen.
Teil 2012. Mai 2017
19.Tag (Mi. 11.01.2017) Tarangire National Park – Mto wa Mbu 302km
Am morgen berichten die Anderen, dass auch in dieser Nacht jede Menge Tiere auf der Campsite waren. Diesmal habe ich nichts mitbekommen und alles verschlafen. Die Wildtierkamera zeigt dann auch Massen von Impalas und Zebras.
Nach dem Frühstück heißt es Abschied nehmen von diesem schönen Nationalpark. Hier könnte man auch gut mehrere Tage verbringen. Für unseren nächsten Besuch ist eine Nacht auf einer Special Campsite im Süden des Parks fest eingeplant.
Dort wo die Nationalpark-Zufahrt auf die Hauptstraße trifft, ist ein kleiner Versorgungspunkt mit Läden und Werkstätten entstanden. Hier lassen wir den Besseren unser beiden platten Reifen flicken und das Trittbrett wieder fest schweißen. Schweißbrillen scheinen sie hier nicht zu kennen. Da fragt man sich, wie lange das die Augen mitmachen. Es wird auch mitten durch den Dreck geschweißt. Wenn man bedenkt, welch Aufwand bei uns in die Sauberkeit der zu schweißenden Stelle gesteckt wird, fragt man sich schon, wie lange das wohl hält. Nun gut, es hat zumindest für den Rest unserer Reise gehalten.
Da unser eigentliches Ziel für heute der Lake Easy ist, entscheiden wir uns für die Strecke südlich des Lake Manyara entlang und via Mbulo zum Lake Easy.
Die Auffahrt auf das Escarpment ist zwar sehr steil, aber für so eine kleine Nebenstraße erstaunlich gut ausgebaut. Unterwegs ergeben sich immer wieder spektakuläre Ausblicke in die Ebene und auf den Lake Manyara.
Auch im fruchtbaren Hochland gefällt uns die Strecke sehr gut. Den in der Landkarte verzeichneten Shortcut zum Lake Easy können wir allerdings nicht finden, so dass wir den Umweg über Karatu in Kauf nehmen müssen.
Von Karatu zum Lake Easy verlieren wir schnell wieder an Höhe und die Landschaft wird immer trockener. 10km vor dem See müssen wir an einer Schranke 20US$ „Einritt“ für die Region zahlen. Beim hier angesiedelten Office versucht man uns mit aller Macht eine Ethno-Tour zu den Hadzebe aufzudrängen. So eine Tour wollen wir zwar machen, aber da lt. Reiseführer solche Touren auch von unserer Campsite angeboten werden, wollen wir das lieber dort organisieren, da wir uns davon weniger Fahrerei versprechen. Außerdem sind uns die Typen in dem Office sehr suspekt. Sie sprechen so gut wie kein Englisch, sind extrem ausdringlich und machen alle den Eindruck als würden sie unter Drogen stehen.
Unser Ziel ist das am See gelegene Kisima Ngeda Tented Camp, welches dort auch eine Campsite betreibt. Das entpuppt sich dann leider ebenfalls als große Enttäuschung. Obwohl es sich bei dem Camp um eine teure Luxuslodge handelt, ist die Campsite nichts anderes als eine vermüllte Lichtung im dichten Wald. Vom See ist nichts zu sehen und die Sanitäranlagen stehen kurz vor den Zusammenbruch. Das Personal passt zu diesem Eindruck und ist ebenfalls ziemlich neben der Spur. Niemand ist in der Lage, einen Preis für die Campsite zu nennen, noch kann man uns irgendwelche Auskünfte zu Ausflügen und Touren geben. Ich stelle mir vor, wie es ist, wenn man hier in der sauteuren Lodge gebucht hat und dann mit solch einem “Service“ konfrontiert wird.
Uns scheint in der ganzen Region um den See der Wurm drin zu sein. Die laufen hier alle wie benebelt durch die Gegend. So etwas kenne ich aus Regionen, wo z.B. Khat weit verbreitet ist. Weiß da jemand genaueres drüber, was hier los ist? Wir beschließen jedenfalls den Lake Easy zu canceln und noch heute weiter nach Mto wa Mbu zu fahren. So haben wir morgen dafür einen ganzen Tag im Lake Manyara National Park. Davon versprechen wir uns nach den hier gemachten Eindrücken deutlich mehr.
Zwischen Karatu und Mto wa Mbu kommen wir in eine Polizeikontrolle. Die Polizisten beanstanden dass ich barfuß Auto fahre und wollen eine Strafe kassieren. Das passt ja bestens ins Bild des heutigen Tages und wir sind nicht gewillt uns noch weiter verarschen zu lassen. Ich verlange Auskunft, gegen welche Vorschrift ich verstoßen habe, denn ich war schon in Dutzenden Polizeikontrollen und fahre immer barfuß Auto. Da es solch eine Vorschrift natürlich nicht gibt, versuchen sie zu diskutieren und auf Zeit zu spielen, worauf sich Kathrin demonstrativ ihre Personalnummern aufschreibt, die jeder tansanische Polizist auf seiner Uniform stehen hat. Jetzt wird die Diskussion hitziger. Sie verlangen Auskunft, weshalb wir die Personalnummern notieren und wir sagen, dass wir den neuen Präsidenten bei seinem Kampf gegen Korruption unterstützen, nicht bereit sind eine ungerechtfertigte Strafe zu zahlen und sie bei ihrem Vorgesetzten und der Anti-Korruptionsstelle melden werden. Ich mache mir schon Sorgen, dass das Ganze eskaliert, da lenken die beiden doch noch ein und wir können weiterfahren.
In Mto wa Mbu schauen wir uns mehrere Unterkünfte an und entscheiden uns dann für die recht zentral gelegene Twiga Lodge, die auch Campingmöglichkeiten anbietet. Hier gibt es zudem WLAN und im angeschlossenen Restaurant bekommt man für wenig Geld einfaches, aber leckeres Essen.
Teil 2118. Mai 2017
20.Tag (Do. 12.01.2017) Lake Manyara National Park 116km
So mitten in einem belebten Ort ist es natürlich schon etwas unruhiger, als in der freien Natur. Dafür haben wir aber dennoch recht gut geschlafen.
Der heutigen Tag ist komplett dem Lake Manyara National Park gewidmet. Deshalb brechen wir auch ohne Frühstück zum Sonnenaufgang auf.
Während sich Kathrin am Gate um unsere Registration und Bezahlung kümmert, öffne ich schon einmal das Safari-Hubdach. Ich habe den Wagen dann gerade wieder verlassen, da taucht wie aus dem Nichts eine Diadem-Meerkatze auf und entert den Wagen. Noch bevor ich sie wieder verscheuchen kann, greift sie sich zielsicher eine Banane und verschwindet wieder in den Büschen.
Nach dem Passieren des Gates geht es zunächst durch den dichten, von Bächen durchzogenen, Grundwasserwald, wo es vor allem jede Menge Affen gibt.
Auf dem weiteren Weg Richtung Süden sehen wir nur sporadisch Tiere am Wegesrand. Durch die buschige Vegetation ist es hier auch nicht so einfach, welche zu entdecken.
In erster Linie ist der Lake Manyara ein Paradies für Vogelfreunde. Für diese gibt es zwei Hotspots im Park. Einer davon sind die Hotsprings, welche unser nächstes Ziel sind. Hier wurde ein Steg errichtet, der über die schlammige Uferzone hinaus auf den See führt und ideal zur Vogelbeobachtung ist. Es wimmelt hier nur so von Flamingos, Pelikanen, Störchen und Watvögeln.
Nach einem ausgiebigen Aufenthalt fahren wir noch weiter in den Süden. Hier gibt es einen weitläufigen mit Gras bewachsenen Uferstreifen, auf dem sich jede Menge Tiere tummeln.
In der Ferne sehen wir auch eine Löwin am Ufer liegen, haben aber leider keine Möglichkeit, näher heran zu kommen. Unweit der Löwin liegen zwei Büffel. Man beäugt sich misstrauisch.
Das Südende des Parks ist erreicht und wir wenden zurück in Richtung Norden. Es geht inzwischen auf Mittag zu und so steuern wir die Endala Picknick-Site für eine ausgiebige Mittagspause an. Von der Picknick-Site hat man einen sehr guten Blick auf den See. Immer wieder ziehen Tiere an uns vorbei. Vor allem fragt man sich, was die vielen Giraffen auf dem Uferstreifen wollen, wo es für sie nichts zum Fressen gibt.
Auf der Picknicksite gibt es, wie üblich, auch wieder sehr viele Vögel, welche darauf hoffen, dass ein paar Krümel für sie abfallen.
Nach ein paar Stunden brechen wir wieder auf. Unser Ziel ist der zweite Hotspot für Birder im Park, der Hippopool. Dabei handelt es sich um den Bereich, an dem die Bäche des Grundwasserwalds in den Lake Manyara fließen, weshalb dieser Teil des Sees Süßwasser aufweist. Hippopool ist eigentlich auch ein irreführender Begriff, denn gerade Hippos sehen wir hier überhaupt nicht. Dafür stehen mehrere Büffel bis über den Bauch im Sumpf und lassen sich das saftige grüne Schwimmgras schmecken.
Hier am Hippopool darf man auch ganz offiziell das Auto verlassen. Es gibt sogar einen Aussichtssteg. Auf dem Weg dorthin gehen wir nur wenige Meter an den Büffeln vorbei, die aber überhaupt keine Notiz von uns nehmen. Da sie im tiefen Schlamm stehen, ist auch nicht damit zu rechnen, dass sie plötzlich auf uns lossprinten. Einer der Büffel ist ein besonders mächtiges Tier. Es ist das erste Mal, dass mit beim Gehörn auffällt, dass es sich am Ende wieder nach hinten biegt.
Ansonsten gibt es hier riesige Schwärme von Pelikanen, Weißstörchen und Nimmersatts. Dazu noch jede Menge weitere Wasservögel.
Auf dem Rückweg zum Gate durchqueren wir noch ein letztes Mal den Grundwasserwald und treffen an einer Furt auf eine große Gruppe Paviane. Wir halten an und beobachten das Treiben der Gruppe. Mit der Zeit verlieren die Affen immer mehr die Scheu an uns. Nach und nach beginnen sie das Auto zu entern. Als sie mir zu dreist werden starte ich den Motor und die Affen springen in Panik, wie von der Tarantel gestochen, vom Auto herunter.
Teil 2223. Mai 2017
21.Tag (Fr. 13.01.2017) Mto wa Mbu – Lake Natron 109km
Nach dem Frühstück war zunächst einmal Großeinkauf für die nächsten 10 Tage in der Wildnis angesagt. Während die Mädels und Hans sich auf dem Markt um Obst und Gemüse kümmerten, klapperte ich die kleinen Läden auf der Suche nach Getränken und Brot ab. Ich bin auch recht schnell fertig, aber auf dem Markt sind wir über eine Stunde beschäftigt. Das liegt in erster Linie daran, das viele Händler nur eine sehr eingeschränkte Vielfalt an Waren anbieten, so dass man mit sehr vielen Händlern ins Geschäft kommen muss, bis alles Benötigte beisammen ist. Es zeigt sich auch wieder, dass Rechnen in diesem Land sehr schlecht geschult wird. Ohne Taschenrechner sind die Händler noch nicht einmal zu den einfachsten Rechenaufgaben in der Lage.
Nachdem alles verpackt ist, starten wir zum Lake Natron. Am Ortsende von Mto wa Mbu zweigt die Piste in Richtung Norden von der Hauptstraße ab. Schon nach wenigen Kilometern treffen wir auf die erste Straßensperre. Ein offiziell aussehender Ranger will von uns ein Permit für die Region sehen. Er kann uns auch solch ein Permit zeigen, welches ebenfalls einen offiziellen Eindruck macht und anscheinend in Arusha erworben werden muss. Trotz sehr intensiver Vorbereitung auf diese Reise, mit umfangreichen Recherchen in Reiseführern und im Internet hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nie etwas von einem solchen Permit mitbekommen. Auch eine Recherche im Anschluss an die Reise brachte keine neuen Erkenntnisse zutage. Kann mir irgendjemand näheres dazu sagen. Mich würde vor allem interessieren, wie und wo man dieses Permit erwerben kann. Zu unserem Glück war der Ranger sehr verständnisvoll. Wir konnten ihm unsere Situation erklären und da wir auch nur im Transit zur Serengeti die Region durchqueren wollten, lies er uns auch ohne Permit passieren. Geldforderungen wurden an diesem Gate nicht gestellt.
Je mehr wir Richtung Norden fuhren, umso mehr verloren wir auch an Höhe. Es wurde immer heißer und trockener. Überall steigen Staubtornados in die Luft. Zeitweise sehen wir ein halbes Dutzend gleichzeitig. Es wehnte auch die ganze Zeit ein starker heißer Wind. Es war als würde man in einem Föhn stehen. Durch den vielen Staub in der Luft ist es sehr diesig.
Die Landschaft wirkt sehr archaisch, wozu auch die vereinzelten Manyattas der Massai beitrugen. Ebenso die Massai-Hirten mit ihren Tieren, wobei dieser Eindruck häufig schnell verflog, wenn sie zum betteln lauthals schreiend angerannt kamen, kaum dass man mal irgendwo eine Pause machte.
Folglich gibt es auch keine Fotos von Massai, dann das ist nur gegen Bargeld möglich.
Bald kam dann der Oldonyo Lengai ins Blickfeld. Ein formschöner aktiver Vulkan und heiliger Berg der Massai. Kurz darauf tauchte auch schon der Lake Natron in dunstiger Ferne auf.
Die Piste weißt auf lange Strecken extremes Wellblech auf. Um diesem zu entgehen, haben sich zahlreiche Nebenspuren in der Savanne gebildet, auf denen dafür extremer Bulldust geboten wird. Man hat also nur die Wahl zwischen Pest und Cholera. Auf den letzten 20km sind dann noch zahlreiche Bachbetten und alte Lavaströme zu queren, die vom Oldonyo Lengai herunter ziehen, so dass die Fahrt durch die vielen Kanten und Absätze noch etwas ruppiger wird.
Je näher wir dem See kommen, umso mehr Wildtiere mischen sich unter das Vieh der Massai. Wir sehen Zebras, Gnus, Giraffen, Strauße und Gazellen.
Insgesamt gibt es auf der Strecke 3 Zahlstellen. Zunächst sind an zwei Distriktgrenzen jeweis 10US$ pro Person zu zahlen. Abschließend ist für das Lake Natron Nature Reserve 15US$ pro Person und 2.000TSH für das Auto zu entrichten. Alles ganz offiziell mit Quittung.
Als Übernachtungsplatz haben wir uns wieder für die World View Campsite entschieden, die auf einer Tarasse am Hang des Tals liegt. Die Campsite ist noch genauso schön, wie wir sie von unserem letzten Besuch in Erinnerung haben. Jetzt eine grüne Oase inmitten der Trockenheit, die ringsum herrscht. Die Sanitäranlagen sind noch immer in gutem Zustand.
Den Rest des Tages verbringen wir lesend im Schatten der Bäume auf der Campsite.
Zum Sonnenuntergang gehe ich nach vorn an die Abbruchkante der Hangterrasse. Hier zeigt sich, dass die Campsite ihren hochtrabenden Namen völlig zurecht trägt.
Teil 2301. Juni 2017
22.Tag (Sa. 14.01.2017) Lake Natron – Serengeti National Park (Lobo Area) 196km
Gleich nach dem Aufstehen zieht es mich wieder zum Aussichtspunkt. Der Blick geht gen Osten und so kann ich miterleben, wie sich die Sonne langsam über die Berge erhebt und das Tal in sanftes Licht taucht.
Dann ist erst einmal Frühstück angesagt, bevor wir zur Wasserfall-Wanderung aufbrechen. Für diese Tour haben wir einen Massai als Guide engagiert.
Unweit der Campsite wird die mächtige Wand des Escarpments von einer tiefen Schlucht durchschnitten, aus der ein Bergbach fließt, welcher nur wenige Kilometer weiter in den Lake Natron mündet. Wir betreten die Schlucht und je tiefer wir hinein wandern, umso üppiger wird die Vegetation. Ein herrlicher Kontrast zur Wüstenlandschaft die einen hier ansonsten umgibt. Der Weg ist nicht ohne. Immer wieder müssen wir den Bach durchqueren und hin und wieder auch die Hände zur Hilfe nehmen.
Kathrin scheint es dennoch nicht spannend genug zu sein, und so entscheidet sie sich noch für eine kleine Canyoning-Einlage. Wir hatten gerade sicher die schwierigste Kletterstelle gemeistert, da rutscht Sie auf einer glatten Platte aus und landet im Bach. Der hat an dieser Stelle einige ordentliche Stromschnellen. Da geht’s durch und erst in einem tiefer gelegenen Pool hat sie die Möglichkeit wieder aus dem Wasser zu krabbeln.
Hier sieht man die Kletterstelle und die Stromschnelle, die Kathrin „durchschwommen“ hat.
Die Platte im Vordergrund wurde Kathrin zum Verhängnis.
Letztlich ist alles gut gegangen und Kathrin ist mit ein paar blauen Flecken davon gekommen. Auch wissen wir jetzt, dass unsere Smartphones halten, was die Werbung verspricht und tatsächlich wasserdicht sind. Auch Reisepässe sind erstaunlich unempfindlich gegen Wasser. Der Internationale Führerschein besteht allerdings nur noch aus einzelnen losen Blättern, die wir sogfältig trocknen.
Der Wasserfall am Ziel unserer Wanderung übertrifft alle meine Erwartungen. Er fällt als breiter Vorhang aus einem an der Felswand klebenden Palmenhain. Darunter liegt ein Pool, der zum baden einlädt.
Auf dem Rückweg, kurz vor der Campsite kommt, was kommen muss. Eine Gruppe Frauen und Mädchen versucht uns Massaischmuck zu verkaufen. Glücklicherweise scheint man mir schon von weitem anzusehen, dass ich für so etwas überhaupt nicht empfänglich bin und so werden nur die Anderen bestürmt, während ich meine Ruhe habe.
Gegen Mittag brechen wir dann auf. Bis in die Serengeti haben wir noch ein ganzes Stück zu fahren. Von der ersten Escarpment-Stufe haben wir eine tolle Aussicht auf den See, der ein klasse Farbenspiel bietet. Weite Flächen leuchten in kräftigem rosa.
Die nun folgende Strecke durch das Massai-Hochland lässt sich über weite Strecken gut fahren. Hin und wieder starkes Wellblech, aber die meiste Zeit gutes Geläuf.
Um 16:00Uhr sind wir dann am Kleins Gate in die Serengeti. Hier können wir mit Visa bezahlen, was angesichts der zu zahlenden Summe sehr vorteilhaft ist.
Wir wollen nicht direkt zur Campsite fahren, sondern vorher die Zeit noch für einen Gamedrive nutzen. Laut Karte würde der Grumeti-Loop sich dafür anbieten. Der Loop beginnt auch sehr gut. Es ist eine deutliche Fahrspur zu sehen und es gibt auch einiges an Tieren zu sehen.
Dann aber wird die Spur immer schwächer und ist zeitweise kaum noch zu erkennen. Immer wieder sind Umfahrungen notwendig, weil die Strecke weggespült ist, oder umgestürzte Bäume den Weg versperren. Vom Fahrersitz ist die Strecke teilweise nicht zu finden und so bin ich froh über den Ausguck am Hubdach. Entschädigt werden wir durch jede Menge Tiere, die wir zu sehen bekommen. Allerdings bin ich so beschäftigt mit dem Fahren, dass ich einfach nicht die Ruhe und Muße zum Fotografieren habe. Dies ist in erster Linie durch den Zeitdruck bedingt, denn wir kommen nur sehr langsam vorwärts und die Sonne nähert sich rasch dem Horizont. Die anderen sind für meine Anspannung immun und freuen sich über die großen Herden an Elands, Büffel, Elefanten, Zebras und Giraffen. Auch eine große Gruppe Hyänen kreuzt im Laufschritt unseren Weg.
Im letzten Büchsenlicht kommen wir dann auf der Hauptpiste an, von der aus es nur noch ein Katzensprung bis zur Campsite ist. Der Grumeti-Loop scheint nur noch sehr selten befahren zu werden und ist sicherlich eine der anspruchsvollsten Strecken in der Serengeti. Wenn man es genießen will, sollte man sich den ganzen Tag dafür Zeit nehmen. Er sollte nur bei trockenen Bedingungen befahren werden. Die Strecke ist extrem einsam. Wenn man dort eine Panne hat, hat man ein Problem. Ich weiß nicht, ob man auf der Strecke Handyempfang hat.
Kurz vor der Campsite halten wir ein letztes Mal, um zu sehen, wie das letzte Licht verblasst und sich der Himmel verfärbt.
An der Lobo-Campsite hat es wieder Büffel. Die scheinen hier dauerhaft zu leben. Das Waschhaus war schon vor 4 Jahren nicht gut und ist inzwischen vollkommen heruntergekommen. Eine Frechheit, wenn man bedenkt, dass man 30US$ pro Person und Nacht bezahlt.
Als es schon lange Dunkel ist und wir gerade das Essen auf die Teller füllen kommt ein Ranger, um das Permit zu kontrollieren. Super Timing. 😠
Teil 2421. Juni 2017
23.Tag (So. 15.01.2017) Serengeti National Park (Lobo Area – Seronera) 122km
Heute verzichten wir auf den morgendlichen Gamedrive. Zu schön ist der Tagesbeginn auf der Campsite, als dass wir ihn verpassen wollen. Hinter den Hügeln auf der gegenüber liegenden Seite des Tals kommt langsam die Sonne hervor und lässt die Kopjes hinter uns im goldenen Licht erstrahlen. Unser Frühstück nehmen wir zusammen mit den Büffeln ein, die unweit von uns auf der anderen Seite des Weges friedlich grasen.
Als wir fertig mit Frühstück sind, steht die Sonne schon hoch am Himmel. Wir brechen das Camp ab und machen uns auf den Weg. Noch ein letzter Blick zurück zur Lobo Campsite.
Bevor wir uns in Richtung Seronera auf den Weg machen, gibt es noch einen kleinen Gamedrive in der Lobo Area. Die Guides und Touristen, die wir bislang trafen, berichteten alle, dass es in Lobo sehr tierarm sei. Das können wir beim besten Willen nicht nachvollziehen. Klar ist hier weniger los, als wenn man sich im Zentrum der Migration befindet, aber es gibt noch immer mehr Tiere als in den meisten anderen afrikanischen Nationalparks. Wir sind jedenfalls voll zufrieden.
An einem verendeten Büffel ist großes Geier-Meeting. Hier ist richtig Action. Interessant zu sehen, wie sich die großen Vögel ständig um die besten Plätze am Kadaver balgen. Insgesamt ist es aber eine ziemlich ekelige Angelegenheit. Der Büffel ist in weiten Teilen noch unversehrt. Nur die hintere Bauchhöhle wurde geöffnet und dort quillt eine übel stinkende Masse aus Innereien und Scheiße heraus, in die die Geier mit Begeisterung Ihre Köpfe stecken. Guten Appetit.
Die ekeligen Bilder erspare ich Euch lieber. 🤢
Dann machen wir uns auf dem Hauptweg auf nach Seronera. Zum Teil übles Wellblech, aber dafür werden wir auch hier immer wieder mit Tiersichtungen belohnt.
Ale erstes entdeckt Kathrin ein großes Löwenrudel mit einem Riss. Leider haben sich die Tiere ins dichte Gebüsch verzogen, so dass die Beobachtungsmöglichkeiten ziemlich schlecht sind.
Wenig später entdecke ich dann einen Klippspringer, der vor uns auf einen großen Felsbrocke flüchtet und dort dann sehr fotogen posiert. Immer wieder beeindruckend, wie sich die kleinen Antilopen im felsigen Geläuf bewegen; selbst für mich als Kletterer.
Mittagspause machen wir am Retima Hippopool. Die Picknick-Site und die dazu gehörigen Sanitäreinrichtungen sind in erstklassigem Zustand. Der Warden ist sehr engagiert. Den Hippos geht es da ganz anders. Der Wasserstand im Hippopool ist sehr niedrig und man hat den Eindruck, dass die Dreckstiere mehr in Ihren eigenen Exkrementen, als im Wasser liegen.
Wir folgen dem Banagi Loop entlang eines Bachlaufs. Wo Wasser ist, ist es auch gleich viel grüner.
Schon bald entdecken wir ein Löwenpaar, welches sich vom Rest des Rudels abgesondert hat, um sich in Ruhe der schönsten Nebensache der Welt zu widmen. Wir warten keine 10min. bis das Liebesspiel beginnt. Dafür verschwinden sie aber sehr diskret hinter einem Busch.
Nur wenige Kilometer weiter entdecken wir schon wieder Löwen, genauer gesagt 3 Löwinnen. Vielleich das restliche Rudel des Liebespaares. Die Drei liegen in einem Bachbett und wir sehen in der Ferne eine große Büffelherde, die genau in diese Richtung zieht. Dass könnte interessant werden und wir beschließen hier zu bleiben, um zu beobachten, was weiter passiert. Die Löwinnen bemerken die Büffel schon recht bald. Eine Löwin verschwindet nach hinten aus dem Blickfeld, die anderen verbleiben im Bachbett. Planen die etwa einen Hinterhalt? Als die Büffel dann die Löwen entdecken kommt alles ganz anders als erwartet. Nicht die Löwen gehen auf die Jagd, sondern die Büffel. Mit gesenkten Hörnern gehen zwei Büffel auf die Löwinnen los und die sehen auch schnellstens zu, sich aus der Gefahrenzone zu bringen. Das Ganze war so spannend, das ich gar nicht daran gedacht habe Fotos zu machen.
Danach gehen wir zum Visitorscenter, wo sich Hedda & Hans um Ihre Ballonfahrt kümmert. Kathrin und ich widmen uns so lange lieber den Dassies, die hier sehr zutraulich sind.
Danach suchen wir uns eine schönen Zeltplatz. Auf den Public Campsites ist überall viel los. Sie werden alle von den Safari-Agenturen wie feste Zeltcamps genutzt. Die Zelte bleiben die ganze Zeitz stehen und auch die Camp-Crew ist durchgehend da. Nur die Gäste sind jeden Tag andere. Wir entscheiden uns wieder einmal für die Dik-Dik-Campsite. Hier können wir wieder ganz am westlichen Rand der Campsite unsere Zelte aufstellen. So haben wir die anderen Zelte im Rücken und einen weiten unverstellten Blick in die Landschaft vor uns. Da der Blick nach Westen geht, ist unser Zeltplatz gleichzeitig auch ein idealer Sundowner-Platz. Heute ist es allerdings schon den ganzen Tag über recht stark bewölkt und es hat auch hin und wieder geregnet. So fällt der Sonnenuntergang an diesem Tag recht bescheiden aus.
Heute hat es eine große Gruppe Amis in den Zelten hinter uns, die ein riesiges Lagerfeuer entzünden und ein Heidenspektakel veranstalten. Da fühlt man sich eher wie beim Springbreak, als in der afrikanischen Wildnis.
Teil 2506. Juli 2017
24.Tag (Mo. 16.01.2017) Serengeti National Park (Seronera Area) 93km
Für unsere Zeit in der Seronera Area haben wir uns zwei Ziele gesetzt. Zum einen wollen wir die großen Herden der Migration finden und zum anderen geht es auf die Pirsch nach Leoparden.
Die Migration verläuft im Moment nicht nach Plan. Eigentlich sollten die großen Herden jetzt schon im Gebiet rund um den Lake Ndutu sein. Dort ist allerdings noch nicht genug Regen gefallen und das Gras spriest noch nicht. Vielmehr kommt es in der gesamten südlichen Serengeti zu vereinzelten Regenschauern. Die Tiere sind verwirrt und ziehen kreuz und quer durch die südliche Serengeti auf der Suche nach Nahrung.
Bei Sonnenaufgang machen wir uns auf den Weg.
Heute ist unser Plan, die östlichen Bereiche der Seronera Area zu erkunden, d.h. die Gebiete am Seronera River, Wadamu River und den Massai Kopjes. Kaum verlassen wir die buschigen Regionen des zentralen Seronera Valley, sehen wir Massen an Gnus und Zebras über die weiten Ebenen verteilt. Die Tiere ziehen nicht in großen Gruppen, sondern sind mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt.
Wir umrunden die Massai Kopjes, aber hier sind nur wenige Tiere zu sehen. Dafür sind die Kopjes immer wieder ein herrlicher Blickfang in den flachen Grasebenen.
Wir hatten heute schon mehrfach Hyänen gesehen, aber die waren alle sehr scheu. Bei den Kopjes können wir dann eine junge Hyäne lange dabei beobachten, wie sie einen alten Gnubalg gegen aufdringliche Geier verteidigt. Das Teil ist nur noch das reine Leder und mit Sicherheit ohne jeden Nährwert. Es sieht mehr so aus, als würde die Hyäne um ihre Schmusedecke kämpfen.
So, der erste Teil unserer To Do Liste ist abgehakt. Jetzt wollen wir einen Leoparden suchen. Das ist nirgends so einfach, wie hier in der zentralen Serengeti. Zum einen hat es hier eine sehr starke Leopardenpopulation und zum anderen sind sie nirgends so einfach zu spotten wie hier. Durch die ebenfalls sehr starke Löwenpopulation in dem Gebiet ruhen die Leoparden hier fast ausschließlich auf Bäumen und wie alle Katzen ruhen Leoparden viel. Glücklicherweise gibt es in den großen Plains nicht sehr viele Bäume. Also heißt es die Bäume zu scannen. Bei den Baumkronen herrschen horizontale Linien vor, weshalb wir explizit auf vertikale Linien achten, denn dabei hat man gute Chancen, dass es sich um einen Leopardenschwanz handelt. Unsere Taktik funktioniert auch diesmal wieder sehr gut und wir werden noch vor der Mittagspause fündig. Ein sehr hübsches Tier liegt sehr fotogen auf den dicken Ästen. Ein Fahrweg führt direkt unter dem Baum hindurch, so dass sich sehr gute Fotopositionen finden lassen.
Hier kann man gut erkennen, worauf man beim scannen der Bäume achten muss.
Der Leopard selbst ist extrem cool, und ignoriert uns die erste halbe Stunde komplett.
Dann wird er langsam wach – sehr langsam.
Allerdings hält das nicht lange vor. Er schaut ein wenig in die Runde und schläft dann weiter. Die schöne Katze sieht so flauschig aus, dass ich am liebsten auf den Baum klettern würde, um ihn zu streicheln.
Inzwischen haben wir ordentlich Hunger. Es wird Zeit für die Mittagspause. In der Nähe der Massai Kopjes hatten wir eine geeignete Baumgruppe gesehen, die wir jetzt ansteuern, um in ihrem Schatten die Mittagszeit zu verbringen.
Je heißer es wird, umso mehr Fliegen kommen auf. Zum Glück keine TseTses, aber auch wenn sie nicht stechen, sind sie doch ziemlich nervig.
So sind wir froh weiterzufahren und die Fliegen hinter uns zu lassen.
An einer Furt des Seronera Rivers treffen wir auf eine sehr große Herde Gnus und Zebras, die hier ihren Durst stillen. Ich habe immer den Eindruck, je mehr der Tiere auf einem Fleck sind, umso panischer verhalten sie sich. Einzelne Gnus und Zebras machen dagegen immer einen recht entspannten Eindruck.
Jetzt am Nachmittag bilden sich rasend schnell Gewitterwolken und wir können ringsum viele kräftige Schauer beobachten. Ein Gewittersturm schiebt eine große Staubwolke vor sich her. Den kräftigsten Schauern entgehen wir, müssen aber trotzdem auf den vom Regen aufgeweichten Pisten fahren. Natürlich hatte ich noch in Erinnerung, dass es bei Regen in der Serengeti sehr glatt wird. Wie extrem glatt der nasse Black Cotton Soil wird hatte ich aber doch verdrängt. Nach Eisregen auf deutschen Straßen fährt es sich einfacher.
Am Nachmittag sehen wir auch zweimal Löwen. Bei ersten Mal sind es zwei Löwinnen auf der Wanderschaft. Wir fahren für längere Zeit in größerem Abstand hinter ihnen her. Bei Durchqueren eines Bachbettes springt plötzlich direkt vor der Nase einer der Löwinnen ein Rietbock aus dem Schilf. Er hatte sich dort versteckt gehalten bis die erste Löwin fast über ihn gestolpert ist. Die Löwinnen sind viel zu überrascht, um dem Rietbock nachzustellen und so kommt dieser ungeschoren davon.
Nach dem Regen finden für noch einen prächtigen Löwen mit seinen beiden Frauen. Nasse Katzen machen immer einen etwas kläglichen Eindruck. Das ist auch bei diesen Dreien der Fall.
Als wir kurz vor Sonnenuntergang zurück auf unsere Campsite kommen, reißt der Himmel schon wieder in weiten Teilen auf und wir erleben wieder vorm Zelt sitzend einen tollen Sundowner.
Teil 2613. Juli 2017
25.Tag (Di. 17.01.2017) Serengeti National Park „Seronere Area“ 118km
Hans und Hedda werden schon über eine Stunde vor Sonnenaufgang zu Ihrer Ballonfahrt abgeholt. Dabei sind sie so leise, dass wir nichts davon mitbekommen. Somit sind Kathrin und ich heute Vormittag zunächst allein unterwegs. Wir erkunden die Ebenen westlich von Seronera. Hier ist auch der Ballon unterwegs, den wir immer mal wieder am Horizont sehen. Wir sehen reichlich Tiere, wobei sich die Kleindarsteller deutlich fotogener zeigen, als z.B. die Löwen, die wir an zwei Stellen entdecken. So gibt es viele Fotos von Kleinvieh und keines vom König der Tiere.
Um 10:00Uhr holen wir Hans und Hedda vom Visitorscenter ab. Sie sind von der Ballonfahrt genauso begeistert wie wir beim letzten Mal. Ziel für den Rest des Tages sind die Ebenen und Bachläufe südwestlich von Seronera.
An der großen Furt des Seronera River ist heute eine noch viel größere Herde als gestern. Dicht an dicht drängen sich die Gnus und Zebras bis zum Horizont. Ein Meer aus Tierleibern. Die Geräuschkulisse dazu ist unbeschreiblich.
Wenig später entdecken wir in einem Baum einen Leoparden. Anscheinend war er erst vor kurzem erfolgreich bei der Jagd, denn das neben ihm im Baum hängende Beutetier sieht noch unversehrt aus. Leider ist der Baum sehr weit vom Track entfernt und der Leopard ist auch nicht bereit, für uns groß zu posieren. Er schläft die meiste Zeit tief und fest. Für das Foto hat er wenigstens kurz den Kopf gehoben.
So langsam ist es Zeit für unsere Mittagspause, die wir diesmal auf der sehr schön auf einem Hügel gelegenen Songore Picknick Site verbringen. Der Blick geht weit über die umliegenden Ebenen. Der Nachteil an offiziellen Picknicksites sind die bettelnden und klauenden Tiere. Hier sind es vor allem die Vögel. Einer versucht mir mein Marmeladenbrot aus der Hand zu reißen. Dabei fällt es runter auf meine Hose, natürlich mit der Marmelade nach unten, so dass ich jetzt aussehe, wie ein Schwein.
Am frühen Nachmittag machen wir uns dann wieder auf den Weg. Immer wieder sehen wir Löwen und Hyänen, leider immer im Tiefschlaf. Die Hyänen bevorzugen es dabei, im Wasser oder Schlamm zu liegen.
Es ist sehr heiß und die meisten Tiere suchen Schutz im Schatten der wenigen Bäume. Natürlich sortiert nach Beutetieren und Beutegreifern.
Unter einem Busch sehe ich eine verdächtige Bewegung. Das sieht mir sehr nach Raubtier aus, ich kann aber nicht erkennen, ob Wildhund oder Hyäne. Ein mit Gästen vorbeifahrender Guide hält kurz an, meint lapidar „Warthog“ und fährt weiter. Das passt nach meiner Ansicht überhaupt nicht zu meinen Beobachtungen und so beschließen wir zu warten. Letztendlich zeigen sich zwei Hyänen. Soviel zur Qualität der Guides.
Noch immer ist es sehr warm und nur wenige Tiere zeigen sich in der Sonne.
Am besten scheinen immer die Vögel mit der Hitze zurecht zu kommen. Die sieht man selbst bei der größten Hitze in der prallen Sonne.
Auf dem Rückweg zur Campsite entdecken wir noch eine Löwin unter einem Baum. Neben ihr liegt ein Riss, den wir als Rietbock identifizieren können. Ein ungewöhnliches Beutetier für Löwen. Das Rätsels Lösung zeigt sich, als wir unseren Blick von der Löwin lösen und den Baum näher betrachten. Seht Ihr die vertikale Linie, die nicht zur sonstigen Silhouette des Baums passt?
Richtig: Auf dem Baum liegt ein Leopard. Wir sind uns sicher, dass der Rietbock vom Leoparden gerissen wurde und dieser dann von der Löwin überrascht wurde, bevor er den Rietbock auf dem Baum in Sicherheit bringen konnte. Dafür spricht auch, dass sich die Löwin überhaupt nicht für den Rietbock interessiert. Es zeigt sich auch mal wieder, dass Leoparden die „coolsten“ aller Katzen sind. Der Leopard scheint völlig unbeeindruckt von der Situation zu sein und schläft tief & fest, als würde ihn der Verlust der Beute und die Bedrohung durch die Löwin überhaupt nicht betreffen.
Die Löwin ist ein mächtiges Tier. Ihr dicker Leib deutet darauf hin, dass Sie in kürze Nachwuchs zur Welt bringen wird. Dafür sprechen auch die deutlich hervorstehenden Zitzen. Vollgefressene Löwen sehen dagegen anders aus. Die haben eher einen Kugelbauch.
Zum Abendessen gibt es Lapskaus. Das Hamburger Seemanngericht ist auch für lange Reisen in Afrikas Wildnis gut geeignet, da sich die Zutaten lange ungekühlt transportieren lassen. Die Spiegeleier, die es dazu geben sollte fallen allerdings leider aus. Die Eier sind alle verdorben. Das ist uns bislang noch nie passiert.
Teil 2718. Juli 2017
26.Tag (Mi. 18.01.2018) Serengeti National Park (Seronera – Moru Kopjes) 103km
Als der Wecker klingelt sind wir schon längst wach, denn ganz in der Nähe brüllen Löwen. Das ist der deutlich coolere Wecker. Heute verlassen wir die DikDik-Campsite, weshalb es nicht gleich los zum Gamedrive geht, sondern wir in Ruhe auf der Campsite frühstücken und dann das Camp abbrechen.
Danach geht es aber auch gleich los auf Gamedrive. Wir fahren heute wieder in das Gebiet am Wadamu River. Schon von weitem sehe ich eine Silhouette über die Savanne ziehen, die von den Bewegungen her ganz klar ein Raubtier vermuten lässt. Von der Größe her würde ich auf einen Löwen schließen. Das wollen wir natürlich aus der Nähe sehen und stellen dann fest, dass es sich um einen gewaltigen Leopardenkater handelt. So einen großen und kräftigen Leoparden habe ich noch nie gesehen. Der hat einen richtigen Stiernacken. Über einen Kilometer lang begleiten wir den Leoparden, der beständig auf der Wanderschaft ist und uns gar nicht beachtet. Sein Ziel ist eine kleine Akazie mit einer sehr dichten Dornenkrone. Der Grund dürfte in dem Zebrakadaver liegen, der in der Baumkrone hängt. Der Leopard macht erst noch ein wenig Pause und springt dann in den Baum, um zu fressen. Sieht sehr unbequem aus, aber dafür kommen an diese Speisekammer garantiert nur Leoparden. Die Dornen scheinen dem Kater selbst dann nichts auszumachen, wenn sie ihm ganz eindeutig ins Gemächt stechen. Sowie der Leopard satt ist, verlässt er den Baum wieder und sucht einen deutlich bequemeren Baum auf. Mit den breiten horizontalen Ästen bietet sich dieser wesentlich besser zum schlafen an.
So wie wir Katzen kennen, wird sich hier die nächsten Stunden rein gar nichts mehr tun, weshalb wir beschließen, weiter zu fahren.
Gerade mal 5 Minuten später entdecke ich auf der Ebene zwei Geparde. Leider sind sie sehr weit entfernt und es sind auch keine Fahrspuren vorhanden, die es uns ermöglichen würden, näher ran zu kommen. Sie veranstalten einen halbherzigen Jagdversuch auf eine Herde Thommys, werden aber frühzeitig entdeckt, so dass sie abbrechen und sich daraufhin zur Ruhe unter einen Busch begeben.
Am Seronera Swamp treffen wir auf jede Menge Grasfresser.
Heute haben wir das erste neugeborene Gnukalb gesehen. Die Nabelschnur hing noch unter dem Bauch. Die Zebras scheinen da etwas früher mit den Geburten dran zu sein, denn wir haben schon die letzten Tage jede Menge niedliche Zebrafohlen über die Ebenen springen sehen.
Morgen laufen die Versicherungen für unser Auto ab. Da wir schon so lange unterwegs sind, waren die Versicherungsnachweise bei unserem Start noch nicht vorhanden. Jetzt hat unser Vermieter die Dokumente einem Piloten mitgegeben. Die fungieren hier auch als Kurier und so fahren wir zum Flugplatz, wo die Übergabe problemlos von statten geht. Das Ganze hatten wir telefonisch so mit unserem Vermieter abgesprochen.
Dann wird es Zeit zu unserem heutigen Tagesziel aufzubrechen, den Moru-Kopjes. So gut unsere Karte und auch T4A im Gebiet um Seronera sind, so schlecht sind sie im Gebiet der Moru-Kopjes. Da gibt es Wege auf den Karten, die in Realität nicht existieren und umgekehrt. So sind wir länger als geplant unterwegs, bis wir unsere für diese Nacht reservierte Special Campsite Moru Nr. 4 erreichen. Unterwegs viele Tiere aber keine besonderen Motive. Man ist da mit der Zeit schon recht verwöhnt.
Auf der Campsite angekommen schauen wir uns erst einmal um, wo wir uns genau hinstellen wollen. Wie bei Special Campsites üblich gibt es keinerlei Infrastruktur. Lediglich an die zentral auf der Campsite stehenden Euphobie ist ein Schild mit dem Namen der Campsite genagelt.
Als ich an dem Schild stehe, höre ich direkt hinter mir ein Geräusch, dass jeder Katzenbesitzer kennt, wenn seine Katze von der Fensterbank auf den Boden springt. Nur um einiges lauter. Gleichzeitig höre ich die erschreckten Ausrufe der anderen. Ich drehe mich um und sehe gerade noch einen Leoparden fluchtartig zwischen den Büschen verschwinden. Die anderen berichten, dass der Leopard direkt hinter mir aus dem Baum auf den Boden gesprungen ist. Genauso gut hätte er mir auch ins Genick springen können. Das ist das große Problem mit der Routine. Die vielen Jahre in Afrika haben uns ein wenig sorglos werden lassen. In der dichten Baumkrone hätte man den Leoparden nur entdecken können, wenn man diese zunächst sehr genau abgesucht hätte. Genau das habe ich aber nicht getan, sondern mich durch das Campingplatz-Schild in trügerischer Sicherheit gefühlt. Eine Campsite suggeriert Sicherheit. Jetzt kennt Ihr die Geschichte zum Titel dieses Reiseberichts.
Nachdem wir uns von dem Schreck erholt haben, machen wir da weiter, wo wir aufgehört haben und suchen uns einen schönen Platz für die Zelte aus. Leider können wir sie aber nicht gleich aufbauen, denn das Auto lässt uns nicht an die Ausrüstung. Die Hecktür ging schon von Tag zu Tag schlechter auf und hat jetzt ganz den Dienst quittiert. Das Schloss klemmt. Zunächst versuche ich das Schloss auszubauen, aber die Schrauben sitzen alle so fest, dass ich sie auch mit einer Zange nicht lösen kann. Also Plan B. Aus einer zerschnittenen Plastikflasche bastele ich eine Rinne, mit der ich Olivenöl durch die Türdichtung zum klemmenden Riegel leiten kann. Zu meiner großen Freude und Verwunderung funktioniert das tatsächlich und der Riegel lässt sich für den Rest der Reise wieder problemlos betätigen.
Nachdem die Zelte stehen ist der Tag schon so weit fortgeschritten, dass wir auf einen abendlichen Gamedrive verzichten und lieber das Areal der Campsite näher erkunden. Zur Sicherheit nehme ich unsere Machete mit. Ob das etwas bringen würde weiß ich nicht, aber man fühlt sich zumindest besser. Wir besteigen den Kopje hinter unserer Campsite und genießen den Ausblick. Die Lage der Campsite ist perfekt. Auf einem kleinen Hochplateau gelegen bietet sie einen weiten Blick über die Ebenen.
Während des Abendessens hören wir ständig die Zebras in der Ebene. Hin und wieder auch Hyänen. Kurz bevor wir zum Schlafen in den Zelten verschwinden, tauchen Büffel auf der Campsite auf.
Teil 2818. Aug. 2017
27.Tag (Do. 19.01.2017) Moru Kopjes – Lake Ndutu 123km
Nachts ist Highlife auf unserer Campsite. Wir hören deutlich Büffel und Hyänen. Eine halbe Stunde vor dem Wecker werden wir von Löwengebrüll ganz in der Nähe geweckt. Da man im Bodenzelt leider nicht rausschauen kann, läuft kräftig Kopfkino. Als ich das Zelt in der Morgendämmerung verlasse, lagert ganz in der Nähe eine Gruppe Büffel.
Wir frühstücken auf der Campsite und werden dabei aufmerksam von einer Gruppe Paviane beobachtet. Die halten jedoch ausreichend Abstand, so dass kein Risiko für uns besteht, von den Affen beklaut zu werden.
Danach wird das Camp eingeräumt und wir starten zu einem ausgedehnten Gamedrive durch die Moru Kopjes. Schon nach wenigen Minuten kommt uns ein Löwe im hohen Gras entgegen und gleich danach entdecken wir ein Löwenrudel, welches sich auf einem Kopje in der Morgensonne räkelt.
Die Landschaft ist ein Traum. Die schönste Gegend der Serengeti. Dazu noch sehr tierreich. Nur wenige Minuten später finden wir die nächsten Löwen, diesmal am Fuße eines Felsens.
Es handelt sich um Junglöwen, die wahrscheinlich erst vor kurzem aus ihrem Rudel verstoßen wurden und jetzt auf eigenen Beinen stehen müssen. Einer der Löwen klettert dann noch auf den Fels und verschwindet dort in den Büschen. Leider zu schnell für mich, so dass ich kein Foto hinbekomme.
Hier in den Moru Kopjes finden sich auch Massai Paintings. Die Felsen sind allerdings von dichtem Gebüsch umgeben, so dass wir uns bei der hier herrschenden Löwendichte nicht trauen, das Auto zu verlassen.
Bei den Gong Rocks sieht das schon viel besser aus. Hier ist die Landschaft übersichtlicher. Man bewegt sich überwiegend auf einer großen Felsplatte. Der Name rührt von den Tönen, die die Felsen von sich geben, wenn man mit einem harten Gegenstand dagegen schlägt.
Nur wenige Kilometer nördlich der Moru Kopjes liegt der Lake Makgadi. Der einzige See in der zentralen Serengeti. Er ist unser nächstes Ziel, doch unterwegs dahin gibt es schon wieder Löwen zu sehen.
Am Lake Makgadi machen wir eine längere Pause. Die Landschaft gefällt uns gut und es weht ein frischer Wind. Nach und nach sammeln sich dann Gnus und Zebras am Ufer und wir kommen in den Genuss, ein Crossing durch den See mitzuerleben.
Jetzt wird es Zeit, die Region der Moru Kopjes zu verlassen. Es geht weiter zu den Simba Kopjes. Hier gibt es jede Menge Thommys. Da sollten sich eigentlich auch Geparden finden lassen, wir haben aber keinen Erfolg. Auch von den namensgebenden Löwen ist nichts zu sehen.
Weiter geht unsere Kopjes Tour. Wir wollen nicht die Hauptpiste mit ihrem üblen Wellblech zum Naabi Hills Gate fahren und nehmen lieber den Umweg über die Gol Kopjes unter die Räder. Hier bei den Gol Kopjes ist es extrem trocken. Es scheint noch kein einziges Gewitter niedergegangen zu sein.
Wir sind daher umso stärker überrascht, dass sich trotzdem recht viele Tiere finden lassen.
In einer Höhle unter einem Felsüberhang entdecken wir eine Hyäne. Die sieht echt gruselig aus und hat etwas von einem Zombie.
Der Wechsel vom Serengeti National Park in die Ngorongoro Crater Conservation Area verlangt dann von Kathrin einen bürokratischen Kraftakt. Es dauert rund eine Stunde, bis alle Papiere ausgefüllt und geprüft sind. Es tröstet dabei auch nicht, dass die professionellen Guide genauso lange brauchen. Geteiltes Leid ist eben doch nicht immer halbes Leid.
Auf direktem Weg geht es dann weiter zum Lake Ndutu. Der Tag ist schon recht weit fortgeschritten. Am See ist es gar nicht so leicht unsere Unterkunft, die Lake Ndutu Luxury Tented Lodge, zu finden, denn die ist ganz neu und noch nicht bei T4A erfasst. Auch die Ranger am Naabi Hills Gate kannten sie noch nicht und auf der Landkarte ist sie ebenfalls nicht verzeichnet. Das Wege-Labyrinth rund um den Lake Ndutu macht die Sache auch nicht leichter, denn nur ein kleiner Teil der Wege ist in T4A enthalten. Wichtigster Anhaltspunkt waren für mich daher die Fotos von der Homepage der Lodge. So wusste ich zumindest, dass man von der Lodge aus den See sehen kann und hatte aufgrund der Perspektive eine Vorstellung von der Lage der Lodge gegenüber dem See. Das passte dann auch und wir erreichten unsere Unterkunft rechtzeitig vor Sonnenuntergang.
Näheres zur Lodge gibt es am nächsten Tag, denn wir bleiben für 2 Nächte hier.
Teil 2925. Aug. 2017
28.Tag (Fr. 20.01.2017) Lake Ndutu 84km
Trotz luxuriöser Unterkunft und sehr bequemen Betten sind wir wie immer früh aufgestanden. Das Frühstücksbuffet war auch zu so früher Stunde schon eröffnet und so stand unseren morgendlichem Gamedrive nichts im Wege.
Unser erstes Ziel waren die Ndutu-Swamps, denn hier gibt es selbst bei der aktuell herrschenden Trockenheit noch Wasser, was auf eine reiche Tierwelt hoffen lässt. Wir wurden nicht enttäuscht. Obwohl die Herden der großen Migration noch nicht eingetroffen waren, gab es doch reichlich Tiere zu beobachten. So schließen sich z.B. nicht alle Gnus und Zebras der großen Migration an. Einige sind standorttreu und halten sich das ganze Jahr über im Gebiet um den Lake Ndutu auf.
Im Bereich wo die Swamps an die großen Plains grenzen entdeckt Kathrin einen unter einem Busch sitzenden Geparden. Er beobachtet aufmerksam die Umgebung und wir hoffen auf ein bisschen Action. Anstatt auf die Jagd zu gehen, legt er sich aber nach einiger Zeit schlafen – faules Tier.
Etwas später entdecken wir eine Gruppe Löwinnen auf der Wanderschaft. Sie ziehen durch das Sumpfgebiet und wir folgen ihnen am Rand. An einem Wasserloch wird ausgiebig getrunken und danach suchen sie sich einen schattigen Platz zum Ausruhen.
Als sich nichts mehr tut, fahren wir weiter. Da es bis zum Lunch noch Zeit hat, machen wir einen Abstecher zum Lake Masek. Tiere gibt es hier deutlich weniger als in den Swamps, dafür ist es landschaftlich ausgesprochen schön. Das Wasser des Sees ist in einem kräftigen violett gefärbt. Wir vermuten, dass die Farbe von Algen oder Kleinstlebewesen stammt, da es hier im Gegensatz zu Lake Ndutu reichlich Flamingos hat, die sich bekanntlich von so etwas ernähren.
Die Fahrspur entlang des Ufers ist teilweise nur schwach ausgeprägt und weist zum Teil starke Schräglagen auf. Solche Fahrsituationen sagen mit gar nicht zu.
Dann geht es zum Mittagessen. Die Zeit bis zum abendlichen Gamedrive verbringen wir danach in der Lodge. Gelegenheit ein wenig über die Lake Ndutu Luxury Tented Lodge zu schreiben. Um es gleich vorweg zu nehmen – hier gibt es nichts auszusetzen. Der Service, die Unterkünfte und das Essen sind von bester Qualität. Das Maindeck um den Swimmingpool mit Restaurant, Bar und Lapa ist aufgeständert, so dass der Blick über die Bäume zum Lake Ndutu geht. Unser Zelt liegt am Rand des Lodgegeländes und wir haben von der Veranda einen schönen Blick auf die angrenzenden Plains, wo es Giraffen, Zebras und Impalas hat. Das Essen ist nicht nur gut, sondern auch reichhaltig. Was ich in den letzten 4 Wochen abgenommen habe ist hier mit Sicherheit in 2 Tagen wieder auf den Hüften. Auf dem gesamten Gelände hat es schnelles WLAN.
Zum Abend hin machen wir nur einen kleinen Gamedrive. Leider hat es zugezogen und es sieht nach Regen aus. Es fällt dann aber doch kein Tropfen. So erhält die trockene Landschaft wieder nicht den benötigten Regen und wir nicht die für schöne Fotos benötigte Abendsonne. Die Natur ist ungerecht.
Zunächst fahren wir entlang des Lake Ndutu, der aktuell aufgrund der Trockenheit stark geschrumpft ist. Hier tut sich aber nix. Also fahren wir wieder in die Swamps, um nach den Löwinnen von heute Vormittag zu suchen. Die sind noch immer an der Stelle, wo wir sie verlassen haben, allerdings ist in der Zwischenzeit ein Gnu hinzugekommen. Das wurde aber anscheinend nur auf Vorrat erlegt, weil es dem Rudel direkt vor die Nase gelaufen ist. Anders können wir uns die Situation zumindest nicht erklären. Auf jeden Fall ist es abgesehen davon, dass es tot ist, noch komplett unversehrt und die Katzen machen auch nicht den Eindruck, als wollten sie in Kürze mit dem Abendessen beginnen. Das dumme Gnu muss quasi über die Löwen gestolpert sein. So langsam trudeln auch die ersten Geier ein, und obwohl die Löwinnen noch keinen Hunger haben, wird der Kadaver gegen die Aasfresser vehement verteidigt.
Wir werden morgen auf jeden Fall noch einmal hier vorbei schauen. Mal sehen, in welchen Zustand sich das Gnu dann befindet.
Teil 3001. Sept. 2017
29.Tag (Sa. 21.01.2017) Lake Ndutu – Ngorongoro Crater 128km
Morgens fahren wir gleich nach dem Frühstück los. Unsere Sachen hatten wir schon vorher gepackt. Unser Ziel sind natürlich wieder die Swamps, da wir die Löwen noch einmal besuchen wollen und gespannt sind, was vom Gnu noch übrig ist. Schon auf dem Weg zu den Swamps können wir die reiche Tierwelt genießen.
Die Löwen sind gerade am fressen, als wir eintreffen. Bedauerlicherweise sind sie aber Spielverderber. Sie haben das Gnu ins hohe Rietgras der Swamps gezogen, so dass wir nichts sehen können. Nur schwach können wir sie durch das Gras erahnen. Als sie aus dem Gras auftauchen sind ihre Mäuler blutverschmiert und die Bäuche prall gefüllt. Zu unserem Glück zieht es die meisten Katzen nach dem Fressen zum Wasser, um zu trinken. So kommen wir doch noch in den Genuss die Löwen in Bewegung zu erleben, bevor sie sich ein schattiges Plätzchen suchen, von dem sie sich wahrscheinlich den ganzen Tag nicht mehr fortbewegen.
Kaum haben sich die Löwen vom Kadaver entfernt, schweben die ersten Geier ein. Man sieht den Löwen an, dass sie kurz überlegen, die Reste der Beute zu verteidigen, sich dann aber aus Bequemlichkeit dagegen entscheiden.
Nachdem die Löwen das Wasserloch verlassen haben kommt ein Schwarm Flughühner um Wasser zu fassen.
Als nächstes tauchen Elefanten auf. Zunächst eine kleine Herde…
… und dann dieser starke Raucher.
Auf den Zigarettenpackungen wird ja u.a. davor gewarnt, dass Rauchen die Zähne zerstören kann; der Elefant ist ein sehr gutes Beispiel dafür. 😄 😗 😣 😎
Da unsere Unterkunft mit Vollpension gebucht war, fahren wir zum Lunch noch einmal zur Lodge. Auf dem Weg dorthin kommen wir an einem Wasserloch vorbei, dass auf dem Hinweg noch vollkommen ausgestorben war. Jetzt treffen sich dort mehrere große Herden. Es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell das wechselt.
Nach dem Essen heißt es dann Abschied nehmen von der Ndutu Area. Obwohl die Herden dieses Jahr noch nicht in der Gegend angekommen waren, gab es doch einiges zu sehen. Wie muss es erst sein, wenn sich hier die großen Herden der Migration treffen.
Die Plains auf dem Weg zur Hauptpiste sind noch vollkommen vertrocknet. Wir ziehen eine riesige Staubwolke hinter uns her. Obwohl hier alles so trocken ist, sind doch jede Menge Thommys auf der Ebene.
Die Hauptpiste zwischen Serengeti und Ngorongoro Crater ist eine äußerst unangenehme Strecke. Schlimmeres Wellblech in Kombination mit einer steinigen Piste ist kaum zu finden. Wir liegen gut in der Zeit und beschließen deshalb die einsame Parallelstrecke über die „shifting sands“ zu fahren. Dabei handelt es sich um eine Wanderdüne aus Vulkanasche, die von einem Ausbruch des Ol Donyo Lengai von vor über 100 Jahren stammt.
Um von dort wieder zur Hauptpiste zu gelangen, müssen wir die Olduvai-Schlucht durchqueren. Eine ziemlich ruppige Angelegenheit. Lt. Reiseführer soll die Schlucht auch extra Eintritt kosten, davon bekommen wir aber nichts mit.
Kurz nach der Schlucht steht ein Safariwagen mit Touristen am Rand der Piste und der Fahrer bittet um Hilfe. Er hat einen Platten und der eine Ersatzreifen ist ebenfalls bereits platt und der andere Ersatzreifen lässt sich nicht lösen. Ich schaue mir die Sache an und es ist eine für afrikanische Verhältnisse typische Situation. Die Muttern der Ersatzradhalterung sind so durchgenudelt, dass der Schraubenschlüssel keine Chance hat zu greifen. Da kommt niemand auf die Idee, die Muttern zu tauschen, solange sie sich noch irgendwie bewegen lassen. Irgendwann geht es dann natürlich gar nicht mehr. Vorbeugende Instandhaltung ist in Afrika ein absolutes Fremdwort. Da mit dem Bordwerkzeug der Fahrzeuge kein Herankommen an den Reifen ist, versuchen wir unseren Vermieter zu erreichen, um zu fragen, ob wir einen unserer beiden Reifen vorübergehend ausleihen können. Leider erreichen wir zunächst niemanden und als wir zurück gerufen werden, steht schon ein anderer Safariwagen bereit, der ein Ersatzrad zur Verfügung stellt.
Bei dem anderen Ersatzreifen, der jetzt montiert wird handelt es sich um eine Alufelge. Wer von Euch einen Wagen mit Alufelgen fährt kennt sicher die Ermahnung des Reifenhändlers, dass die Radmuttern ca. 50km nach dem Reifenwechsel noch einmal nachgezogen werden müssen. Wir werden nicht mehr gebraucht und fahren schon einmal weiter. Der Reifen ist anscheinend schnell gewechselt, denn nach wenigen Kilometern werden wir von den anderen in hoher Geschwindigkeit überholt. Da muss wohl einiges an Zeit wieder aufgeholt werden. Rund 20km weiter sehen wir den Wagen erneut am Straßenrand stehen. Diesmal in ziemlicher Schräglage. Wir halten kurz an und erfahren, dass sich das neue Rad gelöst hat, den Wagen überholt hat und dann den Hang runter gerollt ist. Das erklärt auch, weshalb dort gerade so viele Menschen durch die Büsche springen. Sie suchen das Rad. Bei der Aktion ist der Wagen fast umgekippt und es hat auch noch einen der Vorderreifen beschädigt, der nun ebenfalls platt ist. Ich fühle mich bestätigt in Afrika lieber selbst zu fahren, anstatt mich den Harakiri-Aktionen und dem Gottvertrauen der einheimischen Fahrer auszuliefern. Es sind bereits mehrere andere Fahrzeuge vor Ort, so dass unsere Hilfe nicht benötigt wird und wir weiterfahren können.
Im schönen Licht des späten Nachmittags geht es weiter durchs saftig grüne Hochland. Hier muss es deutlich mehr geregnet haben.
Wir erreichen den Kraterrand und es Ausblick ist wie immer überwältigend.
Auf der Simba Campsite dann das gleiche Bild wie immer. Auf der oberen Wiese drängen sich die Safarizelte dicht an dicht, während wir die untere Wiese ganz für uns alleine haben. Grund dafür sind sicherlich die Küchenkäfige an der oberen Wiese. Leider werden gerade auch an der unteren Wiese Küchengebäude errichtet, so dass es hier in absehbarer Zeit wohl auch mit der Ruhe vorbei ist. Durch die Höhe ist es hier ziemlich frisch. Da ist es schade, dass es diesmal kein warmes Wasser in der Dusche gibt.
In der Ferne können wir dann noch Wetterleuchten beobachten, bei uns bleibt es aber trocken.
Teil 3115. Sept. 2017
30. Tag (So. 22.01.2017) Ngorongoro Crater – Mto wa Mbu 170km
Diesmal ist es überhaupt kein Problem, ohne Führer in den Krater zu fahren. Unser Argument, keinen Platz im Wagen zu haben wird ungeprüft akzeptiert. Eine kurze Belehrung über die Regeln im Krater und schon können wir weiterfahren. Auch die zeitliche Aufenthaltsbeschränkung von 6h im Krater scheint derzeit nicht umgesetzt zu werden, denn bei den Regeln wurde sie nicht genannt.
Kaum im Krater angekommen, zeigt sich uns seine vielfältige Tierwelt. Über uns am Hang demonstriert eine Elefant wie geländegängig er ist und direkt neben dem Weg liegt ein Löwenpaar, dass den Eindruck erweckt, eine anstrengende Nacht hinter sich zu haben.
Was auch auffällt ist, dass die Vegetation hier überall saftig grün ist. Die Wege sind auch mit Pfützen übersäht. Hier scheint es regelmäßig Niederschlag gehabt zu haben. Ein Schlaraffenland für die hier lebenden Tiere, was sich auch daran zeigt, dass hier bei den Grasfressern die Geburten schon voll im Gange sind.
In der Ferne entdecken wir 2 Nashörner. Damit haben wir die Big5 voll. Wir fahren kreuz und quer durch das Grasland, erfreuen uns an der Tierwelt und halten immer wieder an um zu fotografieren und zu genießen.
Unser nächstes Ziel ist der Engitati Hill. Hier haben wir bei den letzten Besuchen im Krater immer Servale gefunden und wir werden auch diesmal nicht enttäuscht. Eine der kleinen Fleckenkatzen ist im hohen Gras auf der Jagd und ignoriert uns dabei komplett.
Anschließend fahren wir noch auf den Hügel, da man von hier einen perfekten Blick auf die Swamps hat, die die Kratermitte einnehmen und wo sich zahlreiche Elefanten aufhalten.
Inzwischen ist es schon Mittag und wir machen uns auf den Weg zu einer Picknicksite. Meine Wahl fällt auf die Ngoitokitok Picknicksite am gleichnamigen See. Diese Picknicksite gefällt mir mit Abstand am besten.
Bevor wir die Picknicksite erreichen fällt mir ein Thommy auf. Die ganze Körpersprache signalisiert, dass sich das Tier nicht im Normalzustand befindet. Schnell stellen wir fest, dass wir die Chance haben, die Geburt eines Thommys mit zu erleben. Schon bald ist der Kopf des Kalbs zu sehen, aber dann tut sich nichts mehr. Über einer Viertelstunde müssen wir mit ansehen, wie sich das Muttertier quält. Immer wieder steht es auf, um sich gleich darauf wieder hinzulegen. Irgendwann verschwindet es dabei hinter einem Hügel aus unserem Blickfeld, so dass wir nie erfahren haben, wie dieses kleine Drama ausgegangen ist.
Am See können wir uns dann endlich ein wenig die Beine vertreten.
Der Lake Ngoitokitok ist ideal um Vögel zu beobachten. Zum einen gibt es hier recht viele und zum anderen sind sie überhaupt nicht scheu. Ganz im Gegensatz sind sie zum Teil sogar sehr dreist und aufdringlich. Am dreistesten sind die Milane, die sich darauf spezialisiert haben, den unaufmerksamen Touristen ihren Lunch aus den Händen zu reißen. Auch Hedda muss den Verlust eines Stücks Käse beklagen. Zahlreiche andere Vögel hoffen, dass ein paar Krümel für sie abfallen.
Während unserer Mittagspause kommt ein starker Wind auf und weht Staub über den Platz. Gleichzeitig ziehen in kürzester Zeit Regenwolken auf. Kurz nachdem wir die Picknicksite verlassen haben, geraten wir dann auch in ein heftiges Gewitter und sofort verwandeln sich die Wege in Rutschbahnen.
Nachfolgendes Foto mit einer kleinen Episode dazu soll Euch mal verdeutlichen, wie glatt es hier werden kann.
Wie Ihr seht, gibt es eine Vielzahl leicht ausgefahrener Reifenspuren. Dummerweise kam mir ein anderes Fahrzeug in den gleichen Spuren entgegen, in denen auch ich fuhr. Als freundlicher Mensch wollte ich Platz machen und die Spuren wechseln. Das gelang zunächst auch recht gut, aber genau in dem Moment wo sich jedes Rad in einer anderen Spur befand war Schluss mit der Traktion und der Wagen bewegte sich nicht mehr vorwärts, sondern nur noch seitwärts. Zurück tat sich auch nichts mehr. Vorwärts bedeutete Krebsgang nach rechts und rückwärts bedeutete Krebsgang nach linkt. Letztendlich war ich mehrere 100 Meter seitwärts unterwegs bis ich eine Ecke fand in der die Traktion gut genug war, dass wir uns wieder auf 2 Spuren beschränken konnten. Hört sich alles recht lustig an, aber bei der Seitwärtsbewegung auf unebenen Untergrund besteht immer die Gefahr den Wagen aufgrund des hohen Schwerpunktes auf die Seite zu legen.
Da sich der Tag sowieso schon dem Ende nähert, beschließen wir uns Richtung Ausgang zu bewegen. Dabei stoßen wir noch auf ein großes Löwenrudel. Bei dem Wetter ist das Fotografieren natürlich nicht so einfach, aber ein Bild wollte ich schon mitnehmen, denn Löwen im Regen machen immer einen so niedlich bedröppelten Eindruck.
Die Ausfahrt aus dem Krater ist zum Glück inzwischen gepflastert, was gerade bei Regen sehr angenehm ist. Am Kraterrand angekommen hört es dann auch wieder auf zu regnen und wir haben von einem Aussichtspunkt noch einen schönen letzten Blick in den Krater.
Als Fahrer habe ich das Privileg, von den administrativen Dingen einer Reise komplett verschont zu werden. Während die Anderen sich am Gate um die Ausreise kümmern, kann ich im Auto bleiben und die sehr dreisten Paviane dabei beobachten, wie sie die Safarifahrzeuge ausrauben. Dabei stört es die Affen auch nicht, ob noch verängstigte Touristen im Auto sitzen. Zum Glück für die Fahrzeuginsassen haben es die Paviane nur auf Lebensmittel abgesehen. Ich halte gut sichtbar unsere Machete in der Hand und werde von den Affen vollkommen in Ruhe gelassen.
Unsere letzte Nacht in Tansania verbringen wir wieder in der Twiga Lodge in Mto wa Mbu. Die Lodge ist ideal um den Wagen aufzuräumen und die Sachen für den Rückflug zu packen.
In dem Wissen, dass morgen unser letzten Gamedrive der Reise stattfinden wird, kriechen wir leicht wehmütig in die Zelte.
Teil 3222. Sept. 2017
31.Tag (Mo. 23.01.2017) Mto wa Mbu – Arusha 183km
Da wir bereits gestern unser Gepäck für den Rückflug gepackt hatten und dieser erst am Abend startet, konnten wir noch einen schönen Ausflug in den Lake Manyara National Park unternehmen.
Gleich nach der Einfahrt überquert man einen klaren Bach, an dem sich gerade eine Gruppe Paviane aufhielt. Während einige das frische Wasser tranken, nutzen andere die Gelegenheit und dockten gleich mal an die beim Trinken erhobenen Hinterteile an. Praktisch denkende Tiere, diese Paviane. 😎 Aber wahrscheinlich müssen die rangniederen Männchen jede Gelegenheit nutzen, wenn der Boss mal nicht aufpasst.
Nur wenige 100m später standen wir im Stau. Eine Herde Elefanten stand mitten auf der Straße und fraß. Dabei ließen sie sich durch die Autos in keinster Weise stören. Aus dem Grundwasserwald mit seinem dichten Unterholz tauchten rechts und links von uns immer mehr Elefanten auf. Zum Glück sind die Elefanten hier im Nationalpark extrem entspannt. So störten sich die Dickhäuter überhaupt nicht an den Fahrzeugen, sondern gingen kreuz und quer zwischen den Autos spazieren. Dabei waren auch zahlreiche Elefantenkühe, die Jungtiere mit sich führten. Highlight dabei war ein erst wenige Tage altes Elefantenbaby, das noch ganz tapsig auf den Beinen war. Bei dieser Begegnung gingen die Elefanten oftmals so dicht an unserem Auto entlang, dass man nur den Arm hätte ausstrecken brauchen, um sie zu streicheln. Ich bewundere Kathrins Selbstbeherrschung, dass sie das unterlassen hat.
Als die Elefanten in den Wald abziehen, machen wir uns auf den Weg zum Picknickplatz an den Hotsprings. Unterwegs können wir feststellen, dass jetzt auch hier die Zeit der Gnu-Geburten angebrochen ist. In der Ferne sehen wir mehrere neugeborene Kälber.
Als Abschluss des Tages besuchen wir noch einmal die Hippopools. Das ist die Brackwasser-Region, wo die Bäche aus dem Hochland in den Salzsee fließen. Hippos haben wir nicht gefunden, aber dafür jede Menge Vögel. Ich könnte mir vorstellen, dass dies auch für eingefleischte Birder ein besonderer Ort ist. Selten konnte ich solche Massen und auch so viele unterschiedliche Arten an Wasservögeln beobachten wie hier. Dazu kommt man noch sehr nah ran, da der Fahrweg sich meist direkt an der Wasserkante entlangschlängelt.
Dann hieß es leider Abschied nehmen. Wir machten uns auf den Weg nach Arusha, wo wir mitten in der Rushhour ankamen. Das Fahren war hier anstrengender als in Daressalam. Wir brauchten 1h in der Stadt, um zu unserem Vermieter zu gelangen.
Die Fahrzeugrückgabe verlief dann sehr kooperativ und pragmatisch. Wir hatten nach der unfreiwilligen Badeaktion von Kathrin bei der Wasserfallwanderung leider keine lesbaren Quittungen mehr, um unsere Ausgaben für den Ersatzreifen und das Schweißen nachzuweisen. Gleichzeitig war da noch die Beule, vom Reifenwechsel. Mit dem Vorschlag, die Beule mit unseren Ausgaben zu verrechnen konnten wir gut leben.
Der Shuttle zum Flughafen stand dann auch schon bereit. Dort angekommen hieß es Abschied nehmen. Während Kathrin und ich nach Hause fliegen mussten, hatten Hans und Hedda noch eine Woche Sansibar vor sich.
So, das wars. Mit Abschluss dieses Reiseberichtes ist auch diese Reise endgültig Geschichte und es heißt nach vorne schauen. Wir werden ganz sicher wiederkommen. Die Idee für die nächste Reise nach Tansania ist es, sich für 4 Wochen nur auf den Bereich des Northern Circuits zu fokussieren. Vorher werden wir aber über den Jahreswechsel 2018/2019 für fast 8 Wochen durch Namibia und Botswana Reisen um dabei all unsere Highlights dieser beiden Länder auf einer Reise zu besuchen und auch den einen oder anderen weißen Fleck auf unserer Reiselandkarte mit Farbe zu versehen.
Ich hoffe Euch hat der Bericht gefallen. Meine größte Hoffnung ist, dass sich auch andere Reisende inspiriert fühlen, Tansania als Selbstfahrer auf eigene Faust zu erkunden. Es ist viel einfacher, als die meisten denken. 🙂