Von Löwen, Lämmern, Savanne & Süßigkeiten - Selfdrive Safari 1.0
Es ist schon einige Zeit vergangen, seit wir wieder daheim sind und nun endlich finde ich die Zeit mich bei allen fleißigen Forumsmitgliedern mit einem Reisebericht für Rat und Tat zu bedanken, auch bei denen, die einfach irgendwo irgendwann mal was hilfreiches geschrieben hatten 🙂 Ein besonderer Dank gilt dabei Muzungu, der uns tatkräftig bei der Reiseplanung unterstützt hat!
Am 24.09.2014 war es nun endlich so weit: Mein Freund Lars und ich (Nora) machten uns das allererste Mal auf nach Afrika. Schon immer wollte ich diesen mir so unbekannten und mich so faszinierenden Kontinent besuchen. Unzählige Dokus, Reiseberichte, Vorträge und ein Forumstreffen hatten mich dann endgültig mit dem Afrika-Fieber infiziert. Unser Ziel: Kenya. Gerade am Ende meines Studiums angekommen, sollte es nun 25 Tage lang mit einem gemieteten Defender quer durch den Süden Kenyas gehen. Und ja, spätestens beim Pfingst-Braai 2014 wurde uns klar- völlig Afrika-Unerfahrene fahren normalerweise nicht direkt selbstständig mit eigenem Auto durch Ostafrika... 🤨 Nun war es aber so weit - das Auto angezahlt, die Flüge und die erste Unterkunft waren gebucht, kein Zurück mehr möglich. Unsere Route, naja zumindest die geplante: Von Nairboi nach Naivasha, von dort aus zum Viktoria See um dann zur Massai Mara runterzufahren. Durch den Amboseli zum Tsavo Ost und ab in den indischen Ozean. Mittreißende, nervenaufreibende, wunderschöne und intensive 25 Tage erwarteten uns: Kenya - wir kommen! 🤩
Teil 208. Apr. 2015
Am 24.09214 um 11:30 heben wir also in Düsseldorf am Flughafen ab. Türkish Airlines fliegt uns zunächst nach Istanbul, von wo es weiter nach Nairobi geht. Die Flüge sind angenehm und ganz ruhig, das Essen super. Lars kündigt schon mal an, dass er nun ein Nickerchen macht - und bumm ist er weg. Eingeschlafen. Ich jedoch, finde weder auf dem ersten Flug noch auf dem Nachtflug von Istanbul nach Nairboi kaum Schlaf - ich bin viel zu aufgeregt! 🤪 Auch die Sorgen meiner Familie liegen mir noch im Magen, irgendwie ist Afrika doch was anderes als eine Rundreise in Europa…. Ganz selten kann ich dann von meinem Fensterplatz aus mal eine hell erleuchtete Oasenstadt erkennen, die Sahara allerdings bleibt für mich heute im Dunkeln verborgen. Schließlich finde ich doch etwas Schlaf und unsere Ankunft rückt immer näher.
Teil 308. Apr. 2015
25.09.2014.,00.55 Uhr. Wir landen in Nairobi. Lars hat Rückenschmerzen, ich bin erschöpft und aufgedreht zugleich. Der Flughafen liegt im Dunkeln, ich kann erstmal nicht viel mehr erkennen, als die schmutzigen betonartigen Gebäude des Flughafens. Immerhin gibt es einen Bus, der uns zum Eingang fährt. Wir stellen uns für ein Visum an. Ich habe aber nur noch genug Euro dabei, um meins zu bezahlen. Lars hingegen muss zum ATM im Gebäude rennen und kommt mit unseren ersten Kenia Schilling (KSh) wieder. Der Beamte am Schalter ist schon so von uns genervt, dass er uns erst gar keine Fingerabdrücke abnimmt. Stört uns auch nicht. Je schneller aus dem Flughafen, desto eher im Taxi vom Wildebeest, desto eher sehen wir endlich was. Wie wir an unser Gepäck kommen, weiß ich schon gar nicht mehr. Vor lauter Aufregung hat mein Gedächtnis wohl Einiges gelöscht. Beim Verlassen des Flughafens spricht mich plötzlich ein Sicherheitsbeamter an und will – auf ziemlich unhöfliche Weise – von mir wissen, woher wir kommen. Ich frage gegen, wieso er das wissen will und was das soll. Als Lars dazukommt und sagt wir kämen aus Deutschland, ist der Beamte auf einmal ganz nett. Am ersten Abend machen wir also schon unsere erste Begegnung mit Sicherheitsbeamten und nicht gerade eine angenehme. Ja, ich sage bewusst unsere erste – es wird nicht die letzte sein… 😐 Beim Ausgang wartet eine kleine Menschentraube mit Schildern auf uns Touris – unser Fahrer vom Wildebeest Eco Camp ist auch dabei. Er nimmt uns unsere Rucksäcke und Taschen ab und es kann direkt losgehen. Die unangenehme Begegnung ist schon wieder vergessen als aus dem Radio Dancehall strömt. Sehr gut, den gleichen Musikgeschmack haben wir schon mal! Da es dunkel ist und es auch kaum Straßenbeleuchtung gibt, sehen wir nicht viel. Unser Fahrer ist nett und erzählt uns, dass wir am Nairobi National Park vorbeifahren. Wir sehen unser erstes „Achtung Affen Schild“ 🤩 und erzählen, dass es sowas bei uns nicht gibt. Im Wildebeest angekommen, quartieren wir uns in unserem gemieteten Garden Tent ein und lauschen den neuen Geräuschen. Als ich einschlafe, habe ich noch lange nicht begriffen, dass ich nun in Afrika bin. Wir stehen relativ früh auf, gibt es doch nur bis 10 Uhr Frühstück. Außerdem sind wir mit Jackson verabredet, der uns unseren Landrover bringen soll. Ich sitze also im paradiesisch grünen Garten des Wildebeest und warte auf Jackson - Lars liegt mit Rückenschmerzen im Zelt und ruht sich aus.
Teil 408. Apr. 2015
Als Jackson dann mit unserer Old Lady ankommt, höre ich sie schon beim Reinfahren - sie knattert und klappert überall. Jackson selbst begrüßt mich geschäftsmännisch mit einem breiten Grinsen. Lars kommt dazu und wir inspizieren das Auto. Najam Lars inspiziert es. Ich habe davon keine Ahnung und frage einen Mitarbeiter vom Wildebeest, ob er mal mitgucken kann. Als Jackson über die Motorhaube versucht auf die Leiter des Dachzelts zu klettern, stellen wir fest, dass da doch irgendwas nicht stimmt... Das Dachzelt ist falschherum montiert 😄 Weitere Macken zu erkennen ist erstmal schwierig – schließlich ist das Auto mit einer fetten Schicht Schlamm und Staub bedeckt 🤢 Wir haben eh keine Wahl, handeln aus, dass das Dachzelt richtig montiert wird und sind happy. Jackson fährt mit uns zum Nakumatt und begleitet uns beim Einkaufen. Auch hiervon bekomme ich nicht viel mit außer einigen sehr eindrücklichen Ereignissen, es ist alles viel zu aufregend! Eine Kamera nehmen wir nicht mit, das trauen wir uns noch nicht. Alles ist irgendwie neu und ungewohnt: die rote Erde am Straßenrand, die Holzhütten, völlig unbewachte Schafe und Rinder, die über die „Hauptstraße“ rennen! Das erste Äffchen am Straßenrand gibt mir den Rest, für die nächsten Stunden hört mein Herz nicht mehr auf zu pochen wie bei einem Marathonlauf 😁 . Im Nakumatt kaufen wir alles was wir brauchen, sogar zwei gemütliche Kissen für unsere Dachzeltausstattung. Wir gönnen uns Müsli, auch wenn ein Päckchen 500 KSh kostet. Fertig mit dem Einkauf und glücklich darüber das Kreditkarten ganz normal funktionieren (ja, wenn man noch nie in Afrika war, dann findet man das faszinierend), fahren wir mit Jackson zum ATM. Hier können wir aber nur 50.000 KSh ziehen und danach ist Schluss. Wir wollten aber direkt das Geld fürs Auto bezahlen. Auch der nach einigem Anlauf doch noch engagierte Bankmitarbeiter konnte uns nicht sagen warum. Theoretisch sollten 200.000 KSH drin sein. Es bleibt mir nix übrig als mein Handy zu zücken und bei der Bank anzurufen. Die teilen mir mit, dass ich zwar 200.000 KSH am Tag zur Verfügung habe, aber nicht am ATM abholen kann, da es eine Bargeldgrenze über 500 Euro gibt. Ich sage der guten Frau, dass ich doch extra VOR dem Urlaub mit ihren Kollegen besprochen hatte, dass ein solche Limit herausgenommen werden soll – extra damit ich das Auto bezahlen konnte. Naja von Kenia aus ohne Unterschrift kann ich trotzdem nix machen. Es bleibt bei der Begrenzung. 😠 Jackson, der arme Kerl, der mittlerweile 1.5 Std im Auto gewartet hat, sieht das Ganze locker und sagt uns wir könnten das Geld später bezahlen. Eine Quittung über die erste "Ratenzahlung" bekommen wir aber, also sind wir happy. Zurück im Wildebeest laden wir ihn noch zu einem Kaffee ein, fragen ihn aus und besprechen mit ihm unsere Route: Als nächstes soll es zum Lake Naivasha gehen, von dort über Nakuru zum Lake Victoria und dann zur Mara runter. Wir bringen Jackson danach zur nächsten Kreuzung von wo er sich auf den Weg zurückmacht. Ab jetzt sitzt Lars rechts von mir am Steuer und fährt das erste Mal im ostafrikanischen Linksverkehr mit unserer Old Lady. Wir essen für 1.000 KSh pP im Wildebeest Abend und gesellen uns zu ein paar anderen Reisenden. Dann ist der Tag auch schon vorbei.
Teil 509. Apr. 2015
Der Tag beginnt wieder mit Frühstück auf der Veranda des Wildebeest mit Toast und gewünschter Beilage – für mich Rührei, für Lars Spiegelei. Leider ist kein Wasser im Teich, dennoch ist das Camp wirklich ein Gartenparadies. Wir beschließen, dass wir weiter wollen – zwar haben wir bis jetzt nicht viel gesehen, aber das was wir gesehen haben, war schon so anders, dass wir unbedingt mehr wollen. Lars packt also unser Equipment ins Auto. Ich putze das ganze Ding erstmal – schließlich ist es ein Wunder, das man durch die Scheiben überhaupt noch irgendwas sehen kann… 🙄 Ein paar Meter neben mir picken zwei Ibisse nach Futter. Unser Plan für heute: Auschecken und zum David Sheldrick Wildlife Trust düsen, um dort von 11 bis 12 Uhr die Elefantenweisen zu besuchen, um dann nach weiter nach Naivasha zu fahren. Dann lernen wir Robert und Doris kennen, zwei Deutsche, die genau wie wir Kenia als Selbstfahrer bereisen wollen. Sie waren abends mit einem Matatu angekommen und suchten nun erstmal ein Auto. Wir quatschen erst einmal und tauschen Handynummern aus. Wir geben ihnen auch die Nummer von LandroverSafaris - später erfahren wir dann, das sie dort ebenfalls einen Landrover mieten. Erst gegen Mittag machen Lars und ich uns dann auf den Weg. Damit können wir heute nicht mehr zum Trust. Die Elefantenweisen kann man nur von 11 bis 12 Uhr besuchen 🙁 Alleine, ohne Jackson, auf der linken Straßenseite fahren wir los. Zunächst geht es aber ganz gut - den Weg bis zum Nakumatt kennen wir ja schon 😄 Dort wird nochmal eingekauft – man weiß ja nie... 😗 Als die Angestellten unsere Tüten für uns einpacken wollen, finde ich das sehr befremdlich und packe einfach selber weiter mit. Dass die Angestellten daraufhin beleidigt sind, verwundert mich doch sehr. Vielleicht hätten sie gerne ein Trinkgeld gehabt oder vielleicht war es unhöflich von mir? Nun geht es aber auf den Highway nach Naivasha, wo wir auch tanken. Keine 100 KSh pro Liter, was uns sehr freut. Bei den ersten Verkäuferinnen am Straßenrand halten wir an und kaufen Obst. Die beiden freuen sich tierisch über uns – wahrscheinlich weil wir ihnen einfach den Betrag in die Hand geben, den sie uns nennen... Neulinge eben. 😗 Fotos machen durften wir auch. Die Straße ist voller Schlaglöcher, es gibt keine Spurkennzeichnung, und einfach jeder nimmt am Straßenverkehr teil. Auch Männer, die ihre riesigen Karren schieben (!) müssen und vor allem die verrückten Matatus, die hupen, überholen und drängeln wie bekloppt. 🤢 Komischerweise findet Lars sich da schnell ein.... Ich klammere mich an den Türgriff und versuche relativ gelassen zu wirken 😣
Am ersten Viewpoint mit den zusammengezimmerten Holzbuden mit Coca-Cola-Beschriftung halten wir an - ich will das Rift Valley sehen! Diesen atemberaubenden Spalt, an dem die Erde auseinanderbricht (vereinfacht gesagt). Unser erster Blick auf die afrikanische Landschaft gleitet erstmal über kleine Acker und wolkenverhangene Gipfel. Wir können leider nicht besonders viel entdecken. All mein Wissen über die geologische Beschaffenheit des Rifts sprudelt aus mir hervor, während Lars erstmal einfach nur dasteht und schaut.
Ja und tatsächlich holen ich jetzt die Kamera raus und probiere ein paar Fotos zu machen 😄 Leider sind viele Wolken am Himmel...
Teil 609. Apr. 2015
Schon werden wir von zwei engagierten Verkäufern begrüßt. Wir kaufen u.a. ein leuchtend rot-blaues Stoff-Tuch, und obwohl es mir schwer fällt, handle ich es runter. Schließlich wurde mir im Voraus gesagt, dass man sonst völlig überhöhte Preise bezahlt. Und das will ich als motivierter Afrika-Neuling ja auf keinen Fall mitmachen… Es sind keine anderen Touristen da, wir seien die ersten seit langem. Als wir fahren, hören wir aus dem Fenster noch wie eine junge Verkäuferin zu den beiden Männern sagt „Why haven´t they seen my shop?“. Ich blicke mich noch um und sehe wie die beiden sie abwinken. „Mist“, denke ich. „Wieso hast du nicht auch bei ihr geguckt?“. Als wir weiterfahren und sich Wellblechhütte an Wellblechhütte reiht, wird mir klar, dass dies alles Shops sind und ich nicht bei jedem etwas kaufen kann.... 😐 Die Fahrt wird für mich immer abenteuerlicher. Je höher wir kommen, desto mehr grün, aber auch desto verrückter der Verkehr. Ich würde gerne die Landschaft bewundern, kann aber nicht anders als mich festzukrallen und auf den Verkehr zu starren 😕 Viele hier kennen den (ost-)afrikanischen Verkehr wahrscheinlich schon länger, aber an diesem ersten Tag - ganz ehrlich - mache ich mir ziemlich in die Hose. Gott sei Dank bleibt Lars ruhig und gelassen und bewältigt diese außerordentliche Herausforderung mit respekteinflößendem Können. Unser Navi bringt uns dann zielgenau zum Lake Naivasha, den ich auf der linken Seite von der Steilkante der Straße bereits bewundern kann. Die Gegend wirkt trocken, es gibt immer mehr Euphorbien und Akazien. Naivasha selbst ist eine verrückte Anordnung von Wellblechhütten mit einem außerordentliche Gewusel und viel Dreck auf den Straßen. Da es schon 16 Uhr ist (wir hatten ja sowohl morgens als auch beim Viewpoint ziemlich getrödelt) fahren wir direkt zum See in Richtung Fisherman´s Camp. Am Straßenrand sind Kinder, ältere und jüngere Menschen zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs. Autos gibt es kaum. Die Kinder winken uns zu und zeigen mit dem Finger auf uns – wir grüßen fleißig zurück. Auch Erwachsene grüßen uns freundlich. In Deutschland sehe ich nie so viele Leute draußen auf den Straßen unterwegs, dafür viel mehr Autos. Am See im Fisherma´s Camp angekommen, muss ich erstmal tief durchatmen. Hier gibt es eine riesige Vielfalt an Vögeln und Pflanzen, die meine ungeübten Augen schier überfordern. Wir bewundern Marabus, Pelikane und andere Wasservögel und erfahren dass der kleine Pony-koppel-Elektrozaun doch tatsächlich dafür da ist Hippos fernzuhalten. Wir suchen uns einen Stellplatz ganz fern ab von der Bar und dem Rummel und ganz nah am Zaun aus. Wir haben einen tollen Blick auf den See und freuen uns über jedes Tier, dass wir sehen.
Als wir dann auch noch den ersten Hippokopf erspähen DIREKT in unserem Sichtbereich sind wir völlig aus dem Häuschen! Allerdings ist das noch nicht alles – als es dämmert gibt es ein Geraschel und Getöse, wir hören ein „chop chop chop“ und erspähen direkt vor unserem Zaun ein Hippo! Es grast friedlich. Wir versuchen es zu fotografieren, aber es ist schon zu dunkel für unsere Kamera (. Foto). Mit Blitz zu fotografieren kommt für mich nicht in Frage, da ich das Tier nicht erschrecken will. Als Lars es dennoch probieren will, springe ich mit einem Satz in den Kofferraum – es könnte ja sein, dass das Hippo Lars seinen Ärger durch Voll-Speed-Attacke ausdrückt. Meine Reaktion hat ihm dann wohl klar gemacht, dass er es besser sein lassen sollte. Deshalb gibt es leider kein Foto von unserer ersten Begegnung mit einem wilden Flußpferd.
Unsere erste Nacht im Dachzelt beginnt also, nachdem das Hippo an uns vorbeigegrast ist. Unsere Schuhe binden wir am Dachzelt fest, man kann ja nie wissen, vielleicht interessieren sich ja Äffchen dafür … (später lassen wir das sein, kein Äffchen interessiert sich für unsere Schuhe – die kann man ja auch nicht essen…). Was für Glück wir hatten, direkt ein Hippo zu sehen 🙂
Teil 709. Apr. 2015
4. Tag, 27.09.2014: Beim Müslifrühstück genießen wir einen herrlichen Blick auf den See, Vögel und Äffchen.
Wir machen uns auf den Weg zum nächsten Dorf. Wir brauchen eine Safaricom-Simkarte. In der nächsten Ansammlung von Hütten halten wir also. Wir werden misstrauisch beäugt und es dauert ein wenig bis das erste kleine Mädchen uns mit einem schüchternen „How are you“ begrüßt. Ich lerne schnell, dass dies keine Frage ist, sondern eine Art „Hallo“ zu sagen. Tatsächlich gibt es einen Shop für Safaricom-Karten 🙂 . Auf der anderen Straßenseite leihen wir uns dann in einem anderen Shop die nötigen Gerätschaften um die Simkarte so zu kürzen, dass sie auch ins I-Phone passt. Guthaben haben wir auch - wunderbar. 😄 Wir kaufen im Dorf noch Eier und eine Petroleumlampe und sind happy. Wir entdecken eine kleine Bar (Acacia Café), wo wir eine Sprite und ein Tusker trinken und auf das Dorf schauen können.
Wir fragen uns durch ob es irgendwo einen freien Zugang (ohne Zaun) zum See gibt und fahren dann begleitet von einer Schar Kinder einen Schotterweg runter zum See. Dort gibt es eine Art Picknick-Campingplatz, der von Einheimischen geführt wird. Wir lernen Joseph kennen, der mit uns zum See geht und das Glück hat von uns ausgequetscht zu werden. Wir schlendern mit ihm zusammen am See entlang und treffen Äffchen und Pelikane. Ich bewundere die Papyruspflanzen – ich muss unwillkürlich ans alte Ägypten denken...
Auf dem Weg zurück halten wir an und kaufen an einem kleinen Stand Bananen. Wir werden umringt von Kindern, die sich nur langsam trauen näher zu kommen und verarmt aussehen. Am liebsten würde ich jedem den Rotz unter der Nase wegputzen und ihnen was Gutes tun. Auf dem Weg zum Fisherman´s Camp schauen wir uns an und beschließen irgendwoher einen Fußball oder etwas Ähnliches für die Kinder zu organisieren. Nach einem leckeren Mittagessen in der Fisherman´s Bar fahren wir nach Naivasha zum ATM. Es ist grau und regnet, wir werden komisch beäugt und ich fühle mich nicht besonders wohl. Der ATM ist aber bewacht, da fühle ich mich etwas besser. Es klart dann tatsächlich wieder auf und als wir zurück zum See fahren, erspähen wir etwas im Buschland. Wir fahren an die Seite und steigen aus –Tatsächlich! Vor uns zeigt sich eine Giraffe! Unsere erste wilde Giraffe! Einfach so am Straßenrand… Als wir näher rangehen, sehen wir, dass es mehrere Tiere sind. Sie sind scheu und beobachten uns. Ich sehe auch einen Wasserbock, weiß aber zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass es ein Wasserbock ist. Nun sind wir endgültig verzaubert.
Wir verabreden uns per SMS mit Joseph, um am nächsten Morgen eine Bootstour zu machen. Morgens um 6 bei Sonnenaufgang. Leider ist inzwischen halb Nairobi im Fisherman´s angekommen und feiert eine Party (es ist Samstagabend). Es ist schwer ein Auge zuzukriegen, denn die Gesänge halten bis in den Morgengrauen an. Aber auch das ist irgendwie faszinierend.
Fortsetzung folgt...
Teil 810. Apr. 2015
5. Tag, 28.092014 : Der Wecker klingelt um 5:15 Uhr. 😵 Die Leute um uns herum sind gerade erst schlafen gegangen. Nun soll es im Morgengrauen mit einem kleinen Motorboot, Joseph und einem weiteren Begleiter auf den Lake Naivasha hinasgehen. Ich bin aufgeregt. Wir treffen uns am Camp der Locals, wo wir Joseph kennen gelernt hatten. Im Lonely Planet-Reiseführer steht das Camp nicht drin, deshalb kann ich dazu keinen Namen nennen. Da Joseph wohl ein bisschen unorganisiert ist und noch kein Boot da ist, trinken wir in der einfach Bar einen Kaffee. Es gibt einen Fernseher, wo ein Sender Musik lokaler Künstler rauf und runter spielt. Mich wundert, dass keine US-amerikanische Musik läuft. Die gibt’s doch überall… Das Boot ist da, wie steigen ein. Ich bekomme sogar eine Rettungsweste. Alles, was dann kommt, ist schwer zu beschreiben. Die Sonne geht gerade erst über dem See auf, die Luft ist noch kühl und es bildet sich Nebel. Das Licht ist einzigartig, sanft aber dennoch klar. Das Wasser wirkt dadurch mehr silbern als blau. Im Gegensatz zu mir, sind die Vögel schon putzmunter, dennoch ist die Atmosphäre sehr ruhig...
Direkt vor den Gewächshäusern für Blumen, die u. a. hier zu uns nach Deutschland geliefert werden, sehen wir die ersten Büffel im morgendlichen Nebel. Die Vielfalt der Vogelwelt beeindruckt mich sehr. Unsere beiden Reiseführer geben sich große Mühe, mir zu erklären, um welche Arten es sich handelt. Die beiden sind echt nett und Joseph grinst die ganze Zeit in seinem gelben Ölzeug vor sich hin.
Schließlich treffen wir zwischen den Akazien auf Wasserböcke (nun weiß ich endlich, welches Tier ich gestern von Weitem gesehen hatte) und auf ein beeindruckend großes Flusspferd. Da Joseph so nah ranfährt, wird mir schon etwas mulmig. Erstens schaut es mich so argwöhnisch an und zweitens fühle ich mich schlecht dabei die Ruhe dieses beeindruckenden Tieres zu stören. Schließlich fand meine vorletzte Begegnung mit einem Nilpferd in einem deutschen Zoo statt, wo es traurig seine immer gleich Runden schwamm. Hier will nun wirklich nicht ich diejenige sein, die dieses Tier stört. Besonders da es sich hier in seinem Territorium befindet, wo doch eigentlich ICH nichts zu suchen habe.
1.5 Stunden fahren wir über den See und werden so manches Mal überrascht, wenn plötzlich ein Hippo dort auftaucht, wo man vorher nur einen kleinen schwimmenden Ast vermutetet hatte. Ich stelle unter anderem fest, dass Nilpferde – zumindest in den Morgenstunden – viel aktiver sind, als man meinen würde, wenn man sie im Zoo sieht. Wir kommen an überschwemmten Bäumen und Häusern vorbei. Warum der See über die Ufer getreten ist, kann mir niemand sagen – nur, dass dies schon einmal passiert ist.
Teil 911. Apr. 2015
Wieder auf festem Boden holen wir unsere Stühle und den Gaskocher raus, um erstmal zu Frühstücken. Joseph und sein Begleiter bekommen natürlich den vereinbarten Betrag für die Bootstour und ein kleines Trinkgeld. Um uns rum sammeln sich immer mehr Locals. Kaum einer spricht uns tatsächlich an, die meisten schauen nur. Einer hat allerdings nicht so viel Scheu (eigentlich gar keine), er trägt einen kurzen Stab und scheint der Leiter oder Besitzer dieses Camps zu sein. Er fragt, wohin wir als nächstes wollen – er kenne sich gut aus und könne uns vielleicht helfen. Also wird die Landkarte auf der Motorhaube ausgebreitet. Es stellt sich allerdings schnell heraus, dass der Herr nicht sonderich daran interessiert ist, wo Lars und ich hinfahren wollen 🙄 – er beschließt einfach, dass wir doch eine andere Route nehmen, streicht den Viktoria See und plant dafür mehr National Parks ein 😄 . Gut, das ist vielleicht noch witzig. Aber als er dann verkündet, er werde nun unser Guide sein und mit uns fahren, platzt mir dann doch der Kragen 😣 . Joseph hingegen hat in der Zeit – auf meinen Wunsch - einen zugelassenen Guide organisiert, der uns in den Hell´s Gate National Park (NP) begleitet. Außerdem schafft einer von den Locals es tatsächlich Fußbälle für die Kids zu organisieren 🙂 . Daraufhin wird schon heiß diskutiert, wie man mit den Kids zwei Teams bilden könne und wie nun Training und Turniere aussehen könnten… Scheinbare haben nicht nur die Kinder Freude an den Bällen - diese laufen übrigens kreischend hinter den Bällen her 🙂. So verbringen wir unseren Morgen in einem Gewusel Einheimischer, während wir versuchen dem übereifrigen, aufdringlichen Mann zu erklären, dass wir keinen Guide wollen.
Irgendwann verabschieden wir uns einfach und fahren zum Hell´s Gate. Willy, unser Guide für den Park, sitzt auf der vollgepackten Rückbank. Die Landschaft hier ist sehr trocken, mir fallen die Felswände direkt ins Auge. Als ich dann die ersten Zebras und Gazellen sehe, bin ich ganz aus dem Häuschen. Leider kommen wir nicht näher an die Tiere heran, da sie sich relativ weit entfernt von der Straße aufhaletn. Witziger Weise wird uns später ein Freund von Lars sagen, der Hell´s Gate erinnere ihn an die Filme "Jurassic Park". Ich finde die Beschreibung sehr treffend, denn der Park hat etwas sehr Urtümliches. Wir fahren am Fischer´s Tower entlang, einer Vulkansäule, die aus der Landschaft heraussticht.
Unser erste Begegnung mit Zebras 🙂
Der Fischer´s Tower, eine Vulkansäule, fast 25 Meter hoch
Unsere erste Gazelle! Zwar von hinten, aber immerhin eine Gazelle! Später werde ich mein Buch rausholen müssen, um zu identifizieren, ob es eine Thomson oder eine Grant-Gazelle ist
Die Tiere hier kommen mir sehr scheu vor. An die ersten Warzenschweine, die wir erblicken, kommen wir kaum ran – sie nehmen sofort Reißaus. Ein Bild, das uns später in der Massai Mara noch oft zum Lachen bringen wird 😄
Die ersten Warzenschweine - oder Pumbas, wie Williy sie nennt.
Völlig begeistert von unserer ersten Pirschfahrt fahren wir die Strecken ganz langsam an jedem Busch vorbei – es könnte sich schließlich etwas Interessantes finden lassen… Also Aufmerksamkeit bitte! Und da tatsächlich! Auf einmal beobachtet uns eine Giraffe! Ein tolles Tier und sehr interessiert an uns. Ich steige ganz langsam und leise aus, versuche zu ignorieren, dass unser Motor viel zu viel Krach macht und beginne mich in die Nähe der Giraffe zu schleichen. Noch ein bisschen weiter... Jetzt! Foto gemacht! 😄 Faszinierend dieses schöne Geschöpf so aus der Nähe betrachten zu können. Dann läuft sie weg und verschwindet im Buschwerk.
Das Anpirschen hat sich gelohnt - eine Giraffe in voller Pracht!
Wir fahren zur Hell´s Gate Gorge. Es geht nun in die kleine Schlucht hinunter, die nicht sehr tief aber sehr schön ruhig ist. In der Mitte plätschert ein Bach, der bei Regen wohl auch größere Ausmaße annehmen kann. Die Schlucht wurde von eben diesem ausgewaschen und geformt. Leider stelle ich relativ schnell fest, dass ich Willy solche Informationen aus der Nase ziehen muss und er von selbst kaum was erzählt 🙁 Sehr doof, gerade für mich, die doch begierig nach jeder Information in Größe eines Strohhalms ist... Schwierig ist der Weg allerdings nicht. Mich begeistert besonders der Blick am Sandstein entlang zum blauen Himmel hoch. Genauso wie die waagerecht verlaufenden Auswaschungen an den Schluchtwänden. Es wird allerdings auch immer wärmer. Ab und zu gibt Willy uns (naja eher mir 😗 ) mal einen Tipp, wo wir am besten langlaufen und dirigiert den Weg. An einer Stelle muss ich mich zusätzlich an einem Seil hochziehen, um auf den nächsten Vorsprung zu kommen. Aber auch das bewältige ich mit links 😏 . Wir kommen ans Ende der Schlucht in eine runde Aushöhlung. Hier erzählt Willy, die Einhemischen würden sagen "Shitani", der Teufel habe hier geschlafen. Daher dann auch der Name des Parks? Ich finde es sehr passend - Gesteine vulkanischen Ursprungs, trockene Gegend, der Teufel der in einer Höhle schläft - klingt doch sehr nach einem Tor zur Hölle. Uns ist im Übrigen mittlerweile auch höllisch heiß...
Sandstein, kleiner Fluss und eine grüne Vegetation - ein lohnender Abstieg!
Die höhlenartige Auswaschung in der Schlucht - der Teufel lässt sich allerdings nicht dazu herab sich uns zu zeigen - hoffentlich ein gutes Zeichen
Witzigerweise ritzen die Menschen genau dort ihre Namen hin, wo sie es nicht wollen. Eine seichte Form der Reaktanz?
Auf dem Rückweg kommen uns tatsächlich andere Besucher entgegen und warnen uns aufgeregt vor einer Babykobra, die sich in der Schlucht aufhält. Naja, das Foto ist etwas unscharf, ich hab mich nicht getraut nahe ranzugehen, geschweige denn lange stehenzubleiben.... 🤪
Kleine Kobra in der Schlucht - ich hätte sie nie ohne Warnung entdeckt
Leider müssen wir Eigeninitiative zeigen, um von Willy zu erfahren, was die Kobra so gefährlich macht bzw. wie sie ihr Gift einsetzt (sie spuckt das Gift und zielt dabei genau auf ein sehr empfindliches Organ – die Augen). Als Lars ihn dann fragt, wie nah er denn ran darf und Willy sagt "Du bist schon zu nahe". Denke ich mir - "Okay, ER ist der Guide, WIR die Touris - KANN ER NICHT BESCHEID GEBEN, SOBALD LARS SICH DEM TIER ZU SEHR NÄHERT?" . Ist ja gut, dass wir eigenverantwortlich sind, aber wenn ein Touri etwas offensichtlich Gefährliches macht, dann sollte unser Guide doch mal Bescheid sagen 😠 Als wir es dann auch noch selbst in die Hand nehmen müssen, die nächsten Besucher, die wir treffen, vor dem Tier zu warnen, schauen Lars und ich uns an und fragen uns wozu wir einen Guide engagiert haben...Schade, denn wir hätten gern mehr über Willy, den Hell´s Gate, die Schlucht und die Tiere erfahren, aber das war wohl nicht drin. Da wir auch alleine in der Lage gewesen wären, die Schlucht zu bewältigen, ärgern wir uns ein wenig. Wir fahren Willy zum Tor, da wir den Rest des Parks alleine erkunden wollen. Willy bedankt sich noch einmal bei uns dafür, den Kids die Bälle geschenkt zu haben. Ich weiß nicht wirklich, ob es sinnvoll war, aber irgendwas wollte ich einfach tun. Wir bleiben selbst noch eine Weile im Park. Einen kleinen Hügel hoch stellen wir unsere Old Lady ab und setzen uns aufs Dach – und genießen die Eindrücke. Ich entdecke sogar einen Sekretär - leider ist er aber zu weit weg für ein schönes Foto... Im Tal unter uns grasen Impalas 🤩
Die ersten scheuen Impalas
Ein Zebra treffen wir auch - ein sehr fotogenes 🙂
Später auf dem Buffalo Circuit sehen wir eine große Herde Büffel mit bestimmt 40 Tieren (ja für uns ist das eine große Herde). Leider machen die kein besonders freundliches Gesicht in die Kamera... Im Nachhinein wäre ich gern noch ein bisschen hier geblieben, um noch etwas zu Fuß weiterzulaufen...
Ob´s daran liegt, dass Büffel so kurzsichtig sind oder sie einfach keinen Bock auf uns haben... Man weiß es nicht.
Unser Weg führt uns nun zum Ol Karia Gate, von wo wir uns nach Nakuru aufmachen wollen. Wir fahren einen Hügel rauf und den nächsten runter, einen Hügel raus und den nächsten runter - das Problem: Damit wir nicht zu schnell werden, gehts den Weg runter nur mit Fuß auf der Bremse. Nächstes Problem - die Bremse quietscht. Und sie quietscht nicht nur ein bisschen. Nein, sie quietscht ganz gewaltig. Irgendwann wird es schwer zu ertragen - noch ein Grund warum der Hell´s Gate seinen Namen verdient, schließlich quietschen unsere Bremsen hier wie die Hölle....
Teil 1011. Apr. 2015
In Nakuru wollen wir zum Kembu Camp etwas außerhalb. Der Plan ist uns in Nakuru mit Landrover-Safaris zu treffen, um noch ein paar klitzekleine Änderungen am Auto vornehmen lassen (Lars Anschnallgurt FUNKTIONIERT NICHT!!!!!!!) und die Bezahlung abzugeben. Der Highway ist horrormäßig 🤢 . Das Schlimmste sind gar nicht die schlechten Straßen, fehlende bis gar nicht vorhandene Markierungen, Schafe und Kühe am Rand, oder die verrückten Matatus – sondern der Gegenverkehr 🤨 .Der rast uns nämlich auf unserer Spur in einem Höllentempo entgegen und schert gefühlte 20 Meter vor unserem Auto wieder ein.
Wenn wir durch einen Ort fahren, warten schon jede Menge Verkäufer am Straßenrand und versuchen einfach alles zu verkaufen. Meistens sind es LKW-Fahrer, die einfach eine Flasche Wasser kaufen. Wir müssen anhalten, um den Weg zu finden, so ganz genau wissen wir nämlich doch nicht, ob wir es bis Nakuru schaffen. Am Straßenrand versuchen zwei Männer uns zu helfen und fragen, ob wir ihnen genug vertrauen, um sie mitzunehmen. In dem Fall würden sie uns den Weg zeigen. Die heraneilenden Frauen werden weggedrängt und jeder drängelt, um mal einen Blick auf unsere Karte zu werfen. Blöde Situation, aber wir danken ab. Kurz bevor wir – genauso unschlau wie vorher – weiterfahren, kommt dann doch noch eine der Frauen zum Zug und wirft an meinem Fenster einen Blick auf die Karte. Ich glaube nicht, dass sie überhaupt Englisch sprach. Wahrscheinlich ging es einfach nur darum, auch mal geguckt zu haben.
Nach einer holprigen Fahrt über eine kleine Straße kurz nach Nakuru, fahren wir nach Njoro und werden vom Guard am Tor auf die Kembu Ranch gelassen. Nach einem zweiten Tor landen wir schließlich in einem sattgrünen Garten, wo wir unser Dachzelt aufschlagen 😁 Ich schreibe noch Tagebuch und wir besorgen uns an der Bar was zu trinken. Unser zusammenfassender Rückblick der Begegnung mit Einheimischen: Männer, die gern helfen; Frauen, die gern helfen würden; startet bei hilfsbereit, geht bis übermotiviert und manchmal hat man das Gefühl das leitende Prinzip ist „Der weiße Mann hat Geld“ 🙁 . Dann ist der Tag vorbei – heute haben wir eine Menge gesehen und eine Menge gefühlt. Gute Nacht!
Teil 1111. Apr. 2015
6. Tag, 29.09.2015: Am nächsten Tag wachen wir im grünen Garten des Kembu Camps auf und ich schieße ein paar Fotos von den hübschen Vögelchen:
Ja auf diesem Foto ist tatsächlich ein kleiner Piepmatz zu sehen - findet ihn einer?
Ein Ibis stolziert gelassen durchs Camp...
... in unserer Nähe will er aber doch lieber auf den Baum
Dann fahren wir zurück nach Nakuru zum Nakumatt. Wir wollen Boxen haben, um sie ans Smartphone anzuschließen – ein guter Urlaub braucht Musik 🙂 . In Nakuru bemerke ich auch das erste Mal, dass es wohl besser wäre mir knielange Hosen anzuziehen – jedenfalls würde mir das die total verwunderten Blicke ersparen. Darüber hatte ich nicht nachgedacht 🙁 . Anpassungspanne meinerseits... Als wir zurückkommen, zieht Regen auf. Und es ist bereits dunkel. Ziemlich blöd, dass dann erst auffällt, dass ein Frontlicht nicht funktioniert – und zwar ausgerechnet an einer „Verkehrskontrolle“. Wir unterhalten uns mit dem Herrn in Tarnfarben und versprechen es zu reparieren. Der möchte allerdings gerne einen Kaffee von uns. Total verdutzt, denke ich „Woher sollen wir denn jetzt Kaffee bekommen?“ Lars manövriert uns geschickt aus der Situation, in dem er sagt, wir hätten nun keinen Kaffee dabei, aber der Polizist könnte doch zu uns auf die Campsite kommen und dort einen Kaffee bekommen. Schließlich können wir weiterfahren. Was sollte denn das?! 😮 Bestechung mit Kaffee? 🤨 Unglaublich…*Kopfschüttel*
Am Camp, das vorher alleine uns gehörte, ist eine große Gruppe Menschen eingetroffen. Es sind Engländer. Mit diesen verrückten Menschen verbringen wir den Abend und erzählen Geschichten. Sie haben doch tatsächlich Autos in Südafrika gemietet und fahren in 12 wöchiger Tour (!) bis Addis Abeba hoch. Von dort bringt eine zweite Gruppe die Autos wieder hinunter… Jetzt kommen sie gerade aus der Serengeti und beeindrucken mich mit einem Fernglas, das Videos abspielen kann – WAS?! Wirklich? WAU! 🤩 Diese Bilder – ich halte das Fernglas vor die Augen und sehe Löwen vor mir als wären sie echt und nicht digital – unglaublich… Wir sind begeistert von dieser Gruppe, essen gemeinsam und trinken ein, zwei Bier. Die netten Leutchen haben sogar Rotwein dabei und geben mir ein Schlückchen ab. Ich war nämlich zu geizig mir welchen zu kaufen und irgendwie liebe ich diesen Savannah Dry Cider – den irgendwer fatalerweise zum Pfingst-Braai mitgebracht hatte 🤪 , woraufhin ich eindeutig süchtig danach wurde… 😗 Da die Engländer unseren Platz geklaut haben, stellen wir uns etwas weiter oben hin. Heute war ein ruhiger Tag – Bis auf den Kaffee-Polizisten. 🤨 Gute Nacht!
Teil 1216. Apr. 2015
7. Tag, 30.092014: Guten Morgen, wir sind immer noch im satgrünen Garten des Kembu Camps. Bei klarem Wetter kann ich sogar übers Rift schauen – herrlich 🙂 Heute passiert nicht viel. Wir wollen uns mit Landrover Safaris treffen, bzw. in einer E-Mail heißt es wir treffen Dennis. Dieser soll für uns alles in Ordnung bringen. In MEINER Vorstellung ist es natürlich so, dass wir zu denen in eine Werkstatt fahren. Ich betone MEINE und ich betone VORSTELLUNG. Denn so ist es nicht. Nachdem Dennis herausgefunden hat, dass wir nochmal zum Nakumatt müssen (eine unserer Musik-Boxen funktioniert nicht 😠 grrrrrrr), macht Lars mit ihm aus, dass wir uns dort auf dem PARKPLATZ treffen 🙄 . Dort soll dann das Auto repariert werden…. Aha. Wir nutzen die Zeit bis zum Mittag um unsere Wäsche zum Waschen abzugeben und uns mit dem Besitzer der Kembu Ranch zu unterhalten. Der hat viele hilfreiche Tipps auf Lager. Wir erzählen ihm, dass wir zum Viktoriasee wollen. Da rät er uns kurzerhand ab und rät uns zu den Seen im Rift zu fahren – Bogoria oder Baringo. Er zeichnet uns eine Strecke ein, die wir danach weiterfahren können, die uns erstmal freilässt zum Viktoriasee zu fahren oder direkt in die Mara. Auch zum Amboseli und die Gegend um den Tsavo hat er einige Tipps parat. Gegen frühen Mittag laufen wir so auf dem Camp rum (langsam wird mir langweilig, ich bin schließlich nicht nach Afrika geflogen, um mir das Kembu Camp aus nem 360 Grad Blickwinkel anzugucken 🤨 ) und treffen eine Horde einheimischer Kinder. Den Uniformen nach zu urteilen eine Schulklasse. Sie hören gar nicht auf freundlich zu winken und mit dem Finger auf uns zu zeigen. Gut, gehen wir doch mal rüber und sagen Hallo, irgendwie scheinen die ja nur darauf zu warten, dass wir rüberkommen. Kurzerhand wird also der Zaun bewältigt, der die Campsite von den Ländereien der Ranch abgrenzt und schwups, stehen wir mitten in der Horde Kinder. Ich bei den Mädels, Lars bei den Jungs. Verlegen bin ich dann doch etwas, was soll ich denn nu sagen 😊 ? Kein Problem, das nehmen mir die Mädels schon ab – unter großem Gekicher werde ich gefragt, wie ich heiße und woher ich komme. Meine Haare werden inspiziert, genauso wie meiner Haut und ganz besonders meine quietsch-bunter Brille. Schnell sind alle Berührungsängste vergessen und ich höre mich selber giggeln, als ginge ich wieder in die sechste Klasse 😗 . Die Mädels haben ganz viele Fragen, über mich, über Deutschland, wie ich Kenia sehe, ob es mir gefällt, über Lars natürlich auch. Also lasse ich es mir nicht nehmen – ich muss ihn wenigstens einmal rufen –nur damit er sich umdreht und das Gekichere sofort von Neuem beginnt…. Ein wenig unangenehm ist es mir schon so mitten in der Menge zu stehen. Ich scheine für die Mädchen etwas ganz Besonderes zu sein, doch eigentlich wäre es mir viel lieber, wenn sie aufhören würden mich so auf „einen Thron zu setzen“ und meine helle Haut und meine blonden Haare zu bewundern. Dafür kann ich doch nix 🤨 und ich will doch auch alle meine Fragen stellen.... Als die Lehrerin kommt und sagt, die Mädchen müssen mit dem Schulbus weiterfahren, nutze ich nochmal die Gelegenheit, um den Mädchen zu sagen, was ich am wichtigsten finde: So viel wie möglich im Leben zu lernen und mitzunehmen, in der Schule, im Leben, in Freundschaften. Lernen und Erfahrung sind alles – sie prägen unser Denken und unser Denken setzt unserem Leben seine Grenzen. Gut, die Armen, müssen sich auch noch eine Standpauke von mir anhören und in dem Alter hat man doch gar nix dafür übrig. Zumindest bei uns in Deutschland ist das so. Vielleicht ist es hier anders? Egal, mir war es wichtig das zu sagen - vielleicht denkt ja eine von den Mädchen mal an unsere Begegnung zurück. Danach unterhalte ich mich noch mit dem Lehrer der Jungs über Gott und die Welt, er scheint vor allem an Politik interessiert – naja, nicht gerade mein Fachgebiet. Als auch die Jungs in den Bus müssen, verabschieden wir uns. Das war eine schöne Erfahrung. Die Kinder lachen und Lars und ich kriegen das Grinsen auch nicht mehr aus dem Gesicht. Dann fahren wir nach Nakuru zum Nakumatt, um dort unser Auto reparieren zu lassen… Jetzt, hier in Deutschland, erscheint mir das ziemlich abwegig. Aber als wir noch in Kenia waren, passte es doch irgendwie ins Bild. Auf dem Supermarktparkplatz schließlich treffen wir Dennis. Schließlich stehen er, zwei kenianische Handwerker, eine kenianische Handwerkerin, Lars und obedn drein noch ich ums Auto herum und versuchen, alles in Schuss zu bringen. Faszinierender Weise ist es immer nur einer, der arbeitet und alle anderen gucken zu. Eine Tatsache, die wir noch öfter beobachten werden. Schade, dass ich davon kein Foto hab. Aber irgendwie wäre es doch unhöflich gewesen von dem ganzen Chaos auch noch fröhlich von allen Seiten Fotos zu machen….So wird also der Gurt vom Rücksitz kurzerhand abgeschraubt und nach vorne gebaut 🙁 ( das ist bestimmt nicht normgerecht 😄 )Der Seitenspiegel kann allerdings nicht repariert werden. Es fehlen die nötigen Schraubenschlüssel in der Handwerker-Tasche 😣 Leider fehlt auch der versprochene Kühlschrank 😣 😣 . Dennis beteuert am nächsten Tag zu uns ins Camp zu kommen und ihn zu bringen. Dann wird auch der Seitenspiegel und das Licht repariert.Jaja, kennen wir schon. Also noch einen Tag Kembu Camp. Immerhin hat Lars nun einen Sicherheitsgurt, der es sogar tut. Licht, Seitenspiegel und Kühlscrank Fehlanzeige. Eine von Vier Reparaturen ereldigt innerhalb von zwei Tagen - besser als gar nix.... Langsam frage ich mich, ob ich mich darüber jetzt wirklich ärgern oder wundern soll, daran wie es ist und wie es morgen auch wieder laufen wird, wird es auch nix ändern. Slow Down in Afrika pur.... 😄 😠 🤢 Abends gibt’s dafür Gril-Süßkartoffeln – in Alufolie eingewickelt ans Feuer gelehnt und gegart schmecken die herrlich. Auch die gesalzene Butter dazu ist sehr lecker – in die hatten wir uns an der Bar des Camps verliebt und haben sie prompt nachgekauft =). Wir machen mit Dennis für den nächsten Tag aus, dass das Auto am Abend repariert werden soll, denn Morgen haben wir was vor…. 🙂 Fortsetzung folgt....
Teil 1316. Apr. 2015
8. Tag, 01.10.2014: Heute stehen wir um 7 Uhr auf, frühstücken Müsli, Haferflocken und Kaffee, entdecken einen Papagei und entscheiden uns für eine neue Route. Ab zum Lake Baringo, dann nach Kakamega Forest, und über Kisumu in die Mara. Es ist ein herrlicher Morgen, wegen des Gegenlichts kann man aber leider die Berge des Rifts nicht sehen….
Das Kembu Camp ganz für uns allein..
Heute allerdings führt uns unser Weg erstmal in den Lake Nakuru-National Park 🙂 . Der war zwar nicht eingeplant, aber wenn wir hier schon festsitzen, dann wollen wir doch auch was sehen. Endlich wieder Safari-Feeling 🤩 ! Das Main Gate finden wir von Nakuru aus ganz gut, dabei hilft uns u.a. der Reiseführer, weil das Navi ein wenig überfordert ist. Schon bevor wir das Tor passieren kurz nachdem wir aus Nakuru rausgefahren sind, finden wir die Tiere, von denen wir im Voraus die meisten Horrorstories gehört hatten: Paviane. Paviane am Straßenrand, Paviane auf Bäumen, Paviane, die direkt neben den Einheimischen sitzen. WIR finden das ganz toll, schließlich haben wir schon so viel von diesen Tieren gehört und bis jetzt nur ihre Silhouetten von gaaaaanz weit entfernt entdeckt. Außerdem liebt Lars Affen. Wir machen also schon bevor wir in den Park fahren unsere ersten Fotos 🙂 und stellen schnell fest – die Tiere sind überhaupt nicht scheu, ganz im Gegenteil: Schwups, da haben wir schon den ersten auf der Motorhaube sitzen 😄 . Das Innere des Autos wird sorgsam von dem kleinen Äffchen begutachtet – vielleicht lässt sich ja was finden, was man a) essen kann oder b) klauen kann, um damit Blödsinn anzustellen? 🤪
Paviane überall....
Ein Pavian auf unserer Motorhaube....
...ein ziemlich niedlicher, kleiner sogar 🙂 ...
.... der alles sorgsam unter die Luke nimmt. 😄
Als wir aussteigen werden wir neugierig beäugt. Gut, dass nur die kleinen Paviane rüberkommen, vor den großen hab ich nämlich echt Respekt, das sind ganz schöne Brocken…
Kleiner Pavian gar nicht scheu... Im Hintergrund Lars' noch weiß gebliebene Statur 😄
Diese Affen hier scheinen aber nicht zu der besonders frechen Sorte zu gehören, vor der wir im Voraus gewarnt wurden – jedenfalls versuchen sie nicht unser Auto zu kapern…. Naja, für eine freche Affenattacke haben wir ja noch genug Zeit... Wir fahren weiter zum Main Gate und bezahlen in den kleinen Häusschen davor den Eintritt - 80$ pro Kopf kostet uns ein Tag, plus 350KSh fürs Auto. Puh. 😐 Bezahlen können wir mit Kreditkarte, sodass das Geld auf die Safarikarte gebucht wird und wir am Tor durchfahren können. Das Safarifeeling steigt, das Fernglas wird ausgepackt und diemal ist auch das Artenlexikon mit von der Partie - auf gehts! 😎
Teil 1416. Apr. 2015
Für mich ist es zunächst ein wenig schwierig mir hier Wildtiere vorzustellen – kommen wir doch gerade aus einer verrückten, lauten Stadt und sind umzäunt. Dem Reiseführer kann ich entnehmen, dass wir hier Chancen haben Flamingos anzutreffen, sowie Rohtschildgiraffen, verschiedene Antilopenarten und Büffel. Ein absolutes Highlight sind die Nashörner: Spitz- und Breitmaul. Hier steht auch, dass es Leoparden gibt und … Löwen. Das wäre natürlich ein Traum einen Löwen zu sehen…. UND ein Nashorn! Das wäre ein absoluter Glücksfall! So machen wir uns also auf die Pirsch. Ich entdecke tatsächlich ein paar Flamingos, aber diese tummeln sich nicht im Lake Nakuru, sondern einem kleinen Tümpel nebenan…. Der liegt leider hinter einem kleinen Zaun und Büsche versperren die Sicht, sodass ich kein Foto kriege … Mein Versuche werden aber aufmerksam von einer Gruppe Wasserböcke beobachtet. Ich komme mir angestarrt vor… Eiegtnlich bin ICH doch zum Gucken hier… 😄
Aufmerksame Wasserböcke...
Wir fahren in ein kleines Waldstück in Richtung Flusspferd Sammelstelle und begegnen wieder einer tobenden Meute Paviane – den kleinen beim Spielen zuzugucken macht ziemlich viel Spaß. Ich gehe voll und ganz im Fotografieren auf und kriege nicht mehr viel vom Drumherum mit. Dann kommt ein großes Männchen auf uns zu – wahrscheinlich der Big Boss der Gruppe. Er setzt sich erstmal hin und präsentiert sich in all seiner Pracht. So wie er da thront – mit seinen verschränkten Armen und der mächtigen Statur - muss ich an das alte Ägypten und den Gott Anubis denken. Auch wenn der Gott eigentlich mit einem Hunde- oder Schakalkopf dargestellt wird, erscheint es mir doch logisch, dass diese Paviane Anubispaviane heißen…
Der Gott höchstpersönlich gewährt uns seine Gunst….
Äffchen ring um uns herum
Und dann geschieht etwas, womit ich nun überhaupt nicht rechne. Der Pavian stellt sich auf, schaut einmal nach links...
...schaut einmal nach rechts...
– und schwups habe ich das riesen Vieh direkt vor meiner Frontscheibe sitzen! Man hat der Zähne! Der ist riesig! Aber tolles Fell hat er ja….
Ganz schön groß und nahe der Affe....
Ich mache noch ein paar Fotos von den Äffchen, denn ich finde sie ultra niedlich. Besonders weil sie so aktiv sind, da macht´s richtig Spaß zuzusehen.
Die Weiterfahrt ist eine einzige Entdeckungstour – von überall werden wir von mindestens einem Tier beobachtet –sei es ein Gazellenbock, ein Zebrahengst oder eine Giraffe. Wir treffen auf eine kleine Versammlung von Huftieren und werden schon von weitem beäugt.
Ein aufmerksamer Beobachter....
Eine kleine Herde Impalas grast gemütlich im Grünen, aber auch hier werden wir von mindestens einem Tier beäugt.
Eine Impala-Herde ganz nah 🙂
Die Zebrafolen tun es mir besonders an, ihr Fell sieht noch ganz flauschig aus und ihre Streifen sind noch gar nicht schwarz sondern braun! 🤩
Gleich zwei Zebrafolen! Wir haben sehr viel Glück, den zwei Kleinen zu begegnen.... ... und das sie scheinbar gar nicht ängstlich sind! 🤩 So flauschig und niedlich!
Teil 1516. Apr. 2015
Von unserer Begegnung mit den Zebras machen wir uns auf in Richtung Osten, wir wollen zum Lion Hill Aussichtspunkt ( in meiner Naivität bin ich der Überzeugung, wenn es "Lion Hill" heißt, wird es dort wohl auch Löwen geben 😊 ). Da wir keinerlei Erfahrung damit haben, wo sich welche Tiere gerne aufhalten suchen wir überall. Und damit meine ich ÜBERALL. Jede Strecke wird im Schneckentempo gefahren und unter jedem Busch geschaut, ob wir vielleicht einen Löwen finden. Jede Antilope sieht von weitem für uns aus wie ein Löwe und jeden zweiten Büffel halten wir für ein Rhino 🤨 .Gut, wenn wir nahe genug rankommen, sehen wir unsere Fehler dann doch ein. Leider muss ich dabei feststellen, dass unser Fernglas nicht gerade das Beste ist, wirklich helfen Tiere zu identifizieren tut es nämlich nicht. Am Lion Hill View Point ist es nicht sonderlich aufregend. Wir haben eine schöne Aussicht, können uns ein wenig die Beine vertreten, aber Löwen? Fehlanzeige.
Lion Hill View Point. Nur weil´s so heißt, gibts hier noch lange keine Löwen 🙁
Nun wenden wir uns nach Süden und fahren durch eine von Savanne geprägte Landschaft. Wir kommen an einer Büffel-Herde vorbei, die in einem Wasserloch Siesta hält und entdecken genau Null Rhinos.
Büffel Siesta im Wassermatsch
Dann entdecke ich einen Vogelstrauß und freue mich riesig! Was für einen langen Hals er hat! Das sind ja mächtig große Vögel. Dann entdeckt Lars sogar, dass neben ihm etwas liegt, was nach einem Ei aussieht! Wow, wahrscheinlich brütet der Vogel! Toll 🙂 wir haben unseren ersten wilden Vogelstrauß gesehen!
Vogelstrauß im hohen Gras
Wir treffen erneut eine Herde Impalas und entdecken, wie erstaunlich gut Giraffen an das Leben hier in der Savanne angepasst sind und wieso sie immer die saftigsten Blätter abkriegen:
Leider ein bisschen unscharf…. Die perfekten Einstellungen habe ich noch nicht raus...
Dann wagen wir uns in den Acacia Forest südlich des Sees und finden uns auf einmal in einem grünen Meer aus Büschen und Bäumen wieder. Im Gegensatz zu der trockenen, ockerfarbenen Savanne ist es hier saftig grün und erstaunlich kräftig in allen Farben. Ein erstaunlicher Landschaftswechsel 🙂. An der ersten überschwemmten Stelle zwinge ich Lars auszusteigen bevor wir durchfahren – dabei schafft unser Defender das locker 😎 . Wir sind also weiter auf der Suche nach Großkatzen, so richtig wird es aber nichts. Irgendwie finde ich mich auch trotz Karte des Parks nicht so richtig zurecht, fahren wir gerade in den Süden oder in den Norden und welcher Weg ist das nun – der näher am See oder weiter weg? 😣 Irgendwie klappt das nicht so gut. Schließlich haben wir fein säuberlich unter jedem Busch nachgeguckt: Kein Löwe da. Noch weniger ein Rhino. Wir haben eine erstaunliche Ausbeute an Tiersichtungen gemacht, nämlich gar keine…. Puh. 😐 Nun nehmen wir doch lieber den Lake Cicuit, der um den See herumführt. Wir fahren weiter und spähen durch die Bäume in Richtung Tiersammelplatz bei den kleinen Wasserstellen und Moment – könnten das Rhinos sein? Könnten das wirklich Rhinos sein? Große graue Wesen, die das weit in der Ferne zu identifizieren sind? Diesmal hilft das Fernglas ein wenig und sagt: Ja wir haben Rhinos gefunden! 😄 Stolz sind wir ja jetzt schon ein bisschen, aber ein Problem bleibt: Wie kommen wir in Fotonähe? 🙄
Unsere ersten Nashörner! Die großen grauen da ganz hinten…. Jaaa sie sind ein bisschen weit weg, aber was macht das schon? Es sind Nashörner!
Wir beschließen am nächstmöglichen Punkt links abzubiegen, um näher an die Nashörner ranzukommen. Die Landschaft hier ist einmalig schön, völlig abwechslungsreich. Wasser, Sand, Steppengras und Akazienwälder wechseln sich ab.
Auch die Landschaft ist ein Foto wert...
Wir fahren auf einem Straßenabschnitt bei dem auf der Karte steht, es müsse gleich eine Brücke kommen. Es kommt aber keine. Wir sind noch verwirrter als vorher. (Im Nachhinein glaube ich, da auf beiden Seiten der Straße irgendwie Wasser war, war es eine Art Brücke. Nur irgendwie sah sie nicht aus wie eine…) Dafür kommen wir sehr nah an die Tiere heran, die sich hier versammelt haben und die herrliche Motive vor der wunderschönen Landschaft bieten.
Eine Herde Impalas steht stramm. Ich kann nicht erkennen wieso. Es sind erstaunlich viele Böcke vorhanden.
Wir werden mal wieder beäugt….
Und ich entdecke sogar zwei Königskraniche, leider etwas weit weg...
Wir sind nun genau auf der gegenüberliegenden Stelle angekommen, von der wir hofften einen prima Blick auf die Rhinos zu haben. Leider wird der uns verwehrt, die Tiere sind immer noch zu weit entfernt. Aber wenigstens kriege ich noch einen Büffel mit Gesellschaft aufs Bild.
Im Vordergrund: Büffel mit Begleitung. Im Hintergrund: Die zwei Nashörner, an die wir einfach nicht rankommen 🙁
Wir geben´s auf. Unser Zoom schafft die Entfernung einfach nicht. Es bleibt uns ja immer noch die Löwenjagd 🙂
Teil 1616. Apr. 2015
Nun fahren wir wieder durch die lichten Wälder am See entlang. Wir begegnen einer Rothschildgiraffe. Sie starrt uns an. Wir gucken zurück. Mit der festen Überzeugung dieses Duell gewinnen zu können, schauen wir sie die gesamte Zeit an. Schließlich geben wir auf. Glotzduelle gewinnen Giraffen einfach. 😄
Wer guckt länger? Giraffe gewinnt.
Als wir dann auch noch an eine Stelle kommen, an der der Schotterweg neu aufgeschüttet wird, verlieren wir endgültig die Hoffnung. „Hier gibt’s keine Löwen, Nora. Die buddeln doch hier,“ sagt Lars zu mir. So richtig wachsam sieht der beistehende Ranger mit seinem Gewehr auch nicht aus. Scheinbar kein gefährliches Terrain, in dem wir uns befinden. Wir quälen unsere Old Lady also über den frisch aufgeschütteten Schotter. Doch kaum verlassen wir das grüne Blätterdach entdecke ich eine Bewegung vor uns auf dem Weg. Ich zeige aufgeregt drauf und fange an zu gestikulieren, denn Lars sieht vor uns auf dem Weg überhaupt nichts. „Aber guck doch mal genau hin, dort siehst du sie denn nicht? Da vor uns auf dem Weg! Löwin, Lars. Eine Löwin!“ Sie trottet so den Weg entlang und bewegt sich dann langsam ins hohe Gras. Ich bin völlig aus dem Häusschen – ein Wunder, dass ich die Kamera noch gehalten kriege und weiterhin weiß, wie atmen funktioniert!
Löwin voraus! 🤪
Nun bleiben wir vorsichtig stehen, um sie zu bewundern. Ich weiß überhaupt nicht wie ich mich verhalten soll. Eine Löwin. Das ich sowas sehen darf. Als Neulinge haben wir keine Erfahrung und bleiben erst einmal ganz ruhig. Für mich ist es ein großartiger Moment. Ich beobachte einen Löwen in freier Wildbahn zum allerersten Mal in meinem Leben. Die Löwin schaut uns einmal an und nimmt dann nicht weiter Notiz von uns.
Dann setzt sie sich kurz und schaut auf den See. Als sie wieder aufsteht, fällt mir langsam auf, dass das Tier Ansätze einer Mähne zeigt. Es hat auch ziemlich dunkles Fell hat und sieht recht dürr aus. Vielleicht ist es doch ein männliches Jungtier. Das erscheint mir wahrscheinlicher.
Den Ansätzen der Mähne nach zu urteilen wahrscheinlich doch eher ein männlicher Löwe...
Dann legt er sich im hohen Gras hin und entzieht sich so unseren Blicken. So wie er da liegt, sieht er aus wie ein kleines Häufchen Elend. Mich macht das traurig. Schließlich sieht er nicht wirklich gut genährt aus.
Im hohen Gras kaum zu erahnen...
So bleibt er nun auch liegen und wir fahren weiter. Da kommt mir der Gedanke - von wegen „hier gibt’s keine Löwen“... Erste Lektion gelernt: Nur weil du ihn nicht siehst, ist er noch lange nicht weg. Als wir wieder zum Lake Circuit um den See herum kommen, sind wir umso wachsamer und wollen unbedingt mehr Tiere sehen, z.B. ein großes Löwenmännchen mit richtig viel Mähne. Soviel Glück werden wir nicht mehr haben. Schließlich treffen wir wieder etwas aktivere Gesellen: Meerkatzen! Sie laufen gerade die Straße entlang. Wir bleiben stehen, warten ab und werden neugierig beäugt.
Gibt’s bei euch was für mich?
Mist, das Ding klemmt, wieso funktioniert denn diese verdammte Schaukel heute nicht?
Dann kommen die größeren Gesellen (Paviane) dazu und verscheuchen die kleinen. Die Paviane scheinen allerdings gemeinsam mit Impalas unterwegs zu sein. Vielleicht nur ein Zufall? Oder profitieren sie gegenseitig von ihrer Wachsamkeit?
Paviane mit Impalas im Schlepptau. Sie machen ziemlich den Anschein zusammen auf Durchreise zu sein...
Wir kommen am alten Main Gate vorbei, das nun unter Wasser steht. Auch der Wasserpegel des Lake Nakuru ist offensichtlich um einige Meter angestiegen.
Unter Wasser stehende, abgestorbene Bäume.
Hier in der Region gibt es jede Menge Impalas. Und wir begegnen einem seltsam neugierigen Zebra, das direkt neben unserem Auto stehen bleibt und uns anguckt….
Neugieriges Zebra, das sich aber noch zurückhält. So wie es mich anguckt erübrigt sich für mich allerdings die Diskussion, ob Tiere ein Bewusstsein haben können.
„Wo so viele Huftiere sind, muss es doch auch Löwen geben“ denken wir. Auch Kadaver finden wir und einen hübschen Felsen, den man als Löwe gut als Aussichtspunkt nehmen könnte. Aber Löwen selbst sehen wir nicht. Dafür entdecken wir zwei spielende Schakale, die aber einfach nicht in Fotoposition bleiben wollen. Sie spielen halt. Dann entdecke ich Perlhühner mit ihrem schönen blauen Gefieder. Ich will ein Foto machen, doch Lars will einfach weiterfahren. Wieso denn bloß? „Nora, das sin nur Hühner….“. „Ja und? Auch ein Huhn hat das Recht fotografiert zu werden!“ antworte ich ihm und mache ein Foto. Besonders gut wird es nicht, Lars möchte gern eine Pause machen uns was Essen. Gut, er fährt ja auch schon den ganzen Tag…
Teil 1716. Apr. 2015
Am Baboon-Cliff finden wir den Pciknick-Platz. Wir packen unseren Gaskocher und zwei Stühle raus und essen Yumyum-Suppe 🙂 . Vorsichtshalber nehme ich die Steinschleuder mit. Es kommen zwei Asiatinnen mit einem Driverguide vorbei, der – kaum ist er aus dem Auto gestiegen – die Paviane verjagt. Die ältere der beiden Asiatinnen fragt uns, was wir hier machen. Wir erklären ihr, dass wir gerade essen. Sie fragt uns, wie das geht. „Naja, wir stellen einen Topf mit Wasser auf den Gaskocher und tun Tütensuppe rein…“ Die Frau fängt dann auch noch an uns zu fotografieren und ist dabei völlig aus dem Häusschen. Ich frage mich, wieso bloß? 🤨 Im Speziellen mich fotografiert sie gern. Ein wenig doof komme ich mir ja jetzt schon vor, besonders da wir mit immer mehr Frage gelöchert werden und offensichtlich wird, das wir für diese Touristin eine absolute, exotische Attraktion darstellen. Ob manche Einheimische sich auch so fühlen wie ich mich gerade, wenn Touristen sie belagern? 😣 Die Paviane hingegen verhalten sich ruhig. Ein Großer, der uns schon seit längerem beäugt, wartet brav bis wir unsere Sachen weggeräumt haben. Kaum gehen wir weg, schnappt er sich alles was unabsichtlich liegen geblieben ist. So schlimm sind die Affen doch gar nicht! Unser Zelt ist noch ganz, unsere Haare noch dran und keiner hat's geschafft ins Auto zu klettern. Wir genießen noch die wunderschöne Aussicht vom Cliff und lassen uns von den Affen nicht ärgern.
Eine wunderschöne Aussicht zum Genießen...
... das denken sich die Paviane auch 🙂
Der Guide der asiatischen Frau hatte uns netterweise noch einen Tipp gegeben, wo wir noch ein Nashorn sehen könnten. Wir müssen eigentlich nur wieder vom Cliff runter und ans Wasser. Wir wollen es noch versuchen, bevor der Park schließt. Wir haben zwar schon späten Nachmittag, aber noch lange nicht 18 Uhr. Am Wasser schließlich ist der Weg ziemlich überflutet und die Büffel sind übellaunig. Einer schnaubt mich herausfordernd an. Lars ist Gott sei Dank in dem Moment schon weg, in dem der Büffel aufgestanden ist. Dann ist die Straße vollkommen überflutet und wir können nicht weiterfahren. Außerdem wird es schon recht dunkel und der Himmel zieht sich immer weiter zu. Also beschießen wir heimwärts zu fahren.
Alles unter Wasser...
Auf dem Weg zum Gate treffen wir dann eine große Herde Büffel mit Jungtieren. Einer liegt in einer Pfütze am Wegrand. Irgendwie sieht es nicht nach einem Schlammbad aus und mir kommt der grobe Gedanke, dass der junge Löwe heute Nacht vielleicht doch noch eine ordentliche Mahlzeit bekommt. Ein Foto machen mag ich nicht. Wieder zurück im Kembu Camp planen wir unsere nächste Strecke – der Tag hat uns so viel Spaß gemacht – wir wollen unbedingt mehr! Wir sind uns einig, dass wir viele tolle Tiere gesehen haben und uns die Pirschfahrten viel Spaß machen. Müde und erschöpft sind wir auch, wir haben unser Eintrittsticket in den Lake Nakuru National Park gut ausgeschöpft…. Morgen verlassen wir dann das Kembu Camp 🙂. Gute Nacht.
Teil 1816. Apr. 2015
02.10.2014 – Auf zum Lake Baringo:
Wir stehen um 7 Uhr auf und siehe da, heute klappt es tatsächlich: Licht, Seitenspiegel werden repariert und sogar unser Kühlschrank ist vorhanden. 🙂 Wir fahren relativ früh los – unser nächstes Ziel ist das Robert's Camp am Lake Baringo. Die Landschaft ist schön, das fahren dank relativ gut geteerter Straßen (nicht wegen der Teerung sondern eher wegen des Mangels an Schlaglöchern) angenehm. Am Straßenrand winkt uns ein Polizeibeamter. Ob wieder etwas mit unserem Wagen nicht stimmt? Wir halten an. Nein alles okay mit unserem Wagen. Er will nur quatschen, und nun da wir Freunde sind – so stellt er fest – können wir ihm doch von Zuhause einen Laptop schicken. Ähm ja. Wir versuchen uns in Ausreden, dass wir ja nicht jedem etwas aus Deutschland schicken können. Am Ende hilft nur Beharrlichkeit. Er kriegt keinen Laptop von uns (d.h. auch kein Geld) und wir bleiben einfach so lange nett und freundlich, bis wir eine Gelegenheit zum Weiterfahren wittern. Langsam nerven die Polizisten. Nun wird die Gegend trockener und am Straßenrand sind riesige Felder von Aloe-Artigen Pflanzen zu sehen. Wir halten an und fragen nach, aber leider kann uns niemand den geläufigen Namen der Pflanzen sagen.
Riesige geheimnisvolle aloeartige Pflanzen (Später erfahre ich irgendwie, dass es sich um Sisal-Agaven handelt, aus denen Sisal-Fasern für Taue, Garn usw hergestellt werden).
Als wir ein Äquatorschild entdecken, wollen wir unbedingt stehen bleiben. Eine nette Afrikanerin macht ein Foto von uns.
Was wir nicht bemerken: Rund um die Schilder steht ein U-förmiger Häuserblock und in der Mitte vom Platz ein Haufen afrikanischer Verkäufer. Kaum sind wir fertig mit dem fotografieren, kommt der ganze Pulk auf uns zu geschossen – eine Hälfte auf mich, die andere auf Lars 😵 . Direkt vor meiner Nase werden mir Ketten, Ohrringe, Aschenbecher, Tücher und Holzfiguren dargeboten, vor lauter Händen sehe ich gar nix mehr. Der einzige Ausweg: Versprechen, dass wir in jedem Shop einmal gucken kommen. 😮 Das tun wir. Wir suchen uns auch ein paar Sachen aus und handeln einen Preis aus, den wir gerne bezahlen und als fair erachten. Leider ist die wunderschöne Holzantilope, die ich gern haben würde, doch zu teuer, denn viel Bares haben wir nicht dabei. Wir fahren völlig pleite weiter. Je weiter wir nach Norden kommen, desto trockener wird es. Die Landschaft erinnert mich eher an die Bilder, die ich von Australien kenne. Ziegen lösen Schafe ab, es ist kaum jemand mehr am Straßenrand unterwegs. Kleine Häuschen mit trockenem Land reihen sich aneinander.
Straße ins Nirgendwo...
Aber auch der Umstand, dass die Straße gut ist, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass unser Diesel zur Neige geht. Wir kommen an eingetrockneten Flüssen und Termitenhügeln vorbei.
Wir fahren über Flussbetten hinweg....
... und über ausgetrocknete Flussbetten...
Und sehen die ersten Termitenhügel 🙂
Hier langzufahren ist wirklich toll. Bis auf den zu Neige gehenden Sprit. So langsam ertappe ich mich dabei immer wieder einen Blick auf die Tanknadel zu werfen. Die Gegend hier macht ganz und gar nicht den Eindruck als gäbe es hier überhaupt irgendeine Tankstelle. Wir treffen ein wenig später eine Frau, die uns erklärt in Marigat gäbe es eine Tankstelle. Bei einer winkende Schar Kinder halten wir nochmal an und grüßen. Wir fahren also bis Marigat und siehe da – eine Tankstelle! Nur hat die leider keinen Sprit mehr. 😣 Aber Marigat hat tatsächlich noch eine Tankstelle. Nur nimmt die keine Kreditkarte. 😕 Und wo war nochmal unser Bares? Genau – bei den Verkäuferinnen am Äquator.... 😣 Aber tatsächlich hat Marigat sogar einen ATM. Puh... Glück gehabt.... So bekommen wir Sprit und Geld und alles ist gut. 🙂 Am Parkplatz vor dem ATM lernen wir Edward kennen, der uns mit tausend Fragen zu Deutschland bestürmt. Wir unterhalten uns über längere Zeit. Lars gibt ihm unsere Handynummer, vielleicht kann er uns das eine oder andere zeigen. Heute ist auch Markt. Allerdings schauen uns die traditionell gekleideten Einheimischen eher feindselig an. 😐 Mit ihrer roten Kleidung und dem Federschmuck wirken sie beeindruckend. Ich denke, es handelt sich um Samburu. Insgesamt macht die ganze Gegend den Eindruck als wären hier kaum Touristen oder überhaupt Weiße zu sehen. Wir fahren weiter, leider auf einer immer schlechteren „Straße“, die eigentlich nur noch aus Schlaglöchern und nicht mehr aus Teer besteht. 🤢 Am Straßenrand begegnet wir Kindern, die mit schriller Stimme etwas rufen, wenn wir vorbeifahren. Zuerst verstehen wir es nicht recht und grüßen. Die Erwachsenen freuen sich über jeden Gruß, aber dass die Kinder so schrill schreien ist komisch. Irgendwann fahren wir langsamer an einer Kindergruppe vorbei, um zu hören, was sie rufen – „Sweeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeets!“ Lars und ich gucken uns an – und verstehen die Welt nicht mehr. Süßigkeiten? Noch dazu kommt, dass das Gekreische immer schlimmer wird, desto weiter wir fahren. 🙁 Lars nimmt das ganz schön mit und er ist enttäuscht, dass die Kinder uns so anbrüllen, um etwas von uns zu bekommen. Wir wurden vorher doch auch immer freundlich empfangen… 😕 Wir reden ein wenig darüber, woher das kommen könnte, dass die Kinder so darauf gepolt sind von Weißen etwas zu bekommen. Seien das Süßigkeiten oder Geld. Ob Besucher so oft etwas mitbringen, dass die Einheimischen davon ausgehen, dass das normal ist? Oder ob wir in ihren Augen einfach sehr, sehr reich sind? Vielleicht versucht auch einfach jeder etwas vom Kuchen abzubekommen... Was uns schockiert: Selbst die Allerkleinsten brüllen mit, vielleicht gerade mal 4 oder 5 Jahre alt. Ob die sich das von den älteren abgucken? Traurig macht uns das Ganze schon. Nicht wegen uns, ich kann das aushalten, aber wegen der Kinder tut es mir Leid. Jedenfalls werden wir hier nicht mehr mit „How are you“, sondern überall mit „Sweeeets“ begrüßt 🙁 Uns geht das Ganz ziemlich nahe und wir grübeln ziemlich lange darüber.
Schließlich müssen wir an der Zufahrt zum Lake Baringo einen kleinen Betrag von 200 Ksh pP plus 100 Ksh fürs Auto bezahlen, um weiterfahren zu dürfen. Die Beträge sind einmlig und nicht pro Tag. Einer der Guards heißt Sam und bietet Bootstouren an - schnell die Handynummer mitgenommen (Handys haben die ja alle) und weitergefahren.
Teil 1916. Apr. 2015
Robert´s Camp - Lake Baringo
Nach einer sehr einsamen, holprigen Piste kommen wir im Robert's Camp an – als einzige Gäste. 🙂 Wir dürfen uns einen Platz aussuchen. Wir nehmen die Wiese neben der Bar nur ein paar Meter vom Ufer entfernt. Es ist traumhaft. Eine Wüstenrose blüht, die Bar ist schön, wir werden freundlich empfangen von den Verwaltern, die kaum älter sind als wir.
Wüstenrose Wüstenrose in Blühte
Wir entschließen uns hier zu essen. Als wir einchecken, werden wir aufgeklärt, dass im See Krokodile und Nilpferde leben und letztere auch auf das Grundstück kommen. Wir müssen eine Erklärung unterschreiben, dass wir das verstanden haben und das Camp nicht für etwaige Unfälle und Verletzungen verantwortlich machen können. Denn im Gegensatz zum Lake Naivasha gibt es hier keinen Zaun. Wir fragen, wie wir uns den Flusspferden gegenüber verhalten sollen 1. Komme nicht zwischen es uns das Wasser, denn das Wasser ist sein Schutzbereich. 2. Es flieht vor Licht (meist ins Wasser). Auch das Robert´s Camp ist von der Überflutung des Lake Baringo betroffen, viele ihrer Gebäude und der Häuser ringsum sind überschwemmt.
Überschwemmte Gebäude im Lake Baringo
Die Atmosphäre ist sehr familiär. Das Essen wird für alle zur gleichen Zeit serviert. Die Köchin ist für mich eine typische „African Mama“ – groß, füllig, laut und sie lacht herzlich – einfach toll! 🙂 Wir sitzen in der offenen Bar, keine zwei Meter vom Ufer entfernt und hören die Hippos lachen – wahnsinnig schön. Nach dem Essen, sobald es dunkel wird, machen wir uns bewaffnet mit einer Taschenlampe auf die Suche nach den Tieren. Wir entdecken kleine glühende Augen im Wasser – Krokodile. Es ist schon ein ganz besonderes Gefühl, so das Ufer entlangzugehen und zu wissen, dass Krokodile und Flusspferde im Wasser leben.
Long-tailed Cormorant
Das Ufer des Lake Baringo mit seiner ganz besonderen Atmosphäre
Die Nester der Webervögel
Das ganz besondere Gefühl am Wasser voller Krokodile entlang zu gehen.
Ich schaue sehr genau, wo ich hingehe und was um mich herum ist. Wir sehen etwas weiter weg eine Hippofamilie beim Grasen. Zwei große Tiere und mindestens ein kleines. Nah ran traue ich mich nicht. Ich will sie auch nicht stören, sie scheinen mir so friedlich. Fotografieren tue ich nicht, dazu bräuchte ich Blitz und ich will die Tiere nicht erschrecken... Als wir uns auf den Rückweg machen kommt plötzlich ein tropischer Regenguss herunter. Auf dem kurzen Weg zwischen Bar und Auto werden wir plitschnass. 😄 Ein verrückter Tag war das mit den eifrigen Business-Verkäuferinnen am Äquator und den Kindern, die uns um "Süßigkeiten" anbetteln... Im Laufe der Nacht werde ich immer wieder wach – vom Regen, der aufs Dachzelt prasselt und den Hippos, die die Wiese unter uns abgrasen und laut auf ihre eigentümliche Art und Weise lachen.
Vor unserem Zeltplatz sitzt derweil ein einsamer Hornvogel und schaut auf den See...
Teil 2016. Apr. 2015
03.10.2014 - Lake Baringo
Wir stehen um 6 Uhr auf und kommen so in den Genuss des afrikanischen Sonnenaufgangs über dem See.
Das Klima ist hier ganz anders als in Nakuru. Wir sind nur noch auf 900 Metern über dem Meeresspiegel, in Nakuru waren es 1700 Meter. Dementsprechend ist es hier heißer und auch schwüler. Wir bekommen Besuch von dem afrikanischen Hornschnabel, der sich schon gestern Abend im Geäst gezeigt hatte.
Ein neugieriger Geselle: Von Der Decken's Hornbill
Wir fahren mit Sam (oder auch Captain Sam wie er sich nennt) raus auf den See. Er und sein Begleiter erklären uns, dass der See (genau wie die anderen Seen im Rift) über die Ufer getreten ist. Wir fahren an den überschwemmten Gebäuden vorbei und entdecken unsere direkten Nachbarn: Die Flusspferdfamilie! Wie schon am Lake Naivasha ist es beeindruckend die Tiere zu sehen. Im Zoo wirken sie so gelangweilt, plump und eher faul. Hier bewegen sie sich mit außergewöhnlicher Eleganz. Sie schwimmen direkt an den Gebäuden des Camps – im Hintergrund sieht man eins der Bungalows, die auch momentan in Betrieb sind. Es macht ein wenig den Eindruck, als erobere die Natur diese Gegend wieder zurück…
Unsere Nachbarn 🙂 Flusspferd Sammelstelle direkt vor den ehemaligen Gebäuden des Camps.
Unsere beiden Captains erweisen sich als Vogelkenner und zeigen mir jedes Exemplar, das sie finden können.
Great White Egret – Ganz ehrlich, den Namen finde ich enttäuschend „Großer weißer Reiher“… Tse...
Seelandschaft
Zwei einsame Palmen mitten im See
Wildnis Baringo
Wir entdecken die ersten Krokodile – gut getarnt liegen sie mit geöffnetem Maul am Ufer und sind etwa so groß wie ich (also 1,50 Meter). Allerdings liegen sie direkt neben den Gebäuden!
Die ersten Krokodile, von denen wir mehr sehen als nur Augen...
... zum Glück sind die recht klein. 😊
Der See ist unbeschreiblich schön, eine riesige Wildnis. Drumherum erkenne ich kein einziges Dorf bis auf das, aus dem wir gerade kommen. Das ist noch einmal was ganz anderes als der Lake Naivasha. Wir gehen auf Bird Watching Tour. Ich glaube, Lars begeistert das nicht so sehr, aber ich bin hin und weg und versuche jeden Vogel mit meiner Kamera einzufangen 🙂
Teil 2117. Apr. 2015
Wir fahren langsam am Ufer des Sees entlang und es gelingt mir ein paar schöne Bilder zu bekommen – die Artenvielfalt der Vögel ist wirklich erstaunlich! Zudem bildet die Landschaft eine wundervolle Kulisse… 🙂
Bee-eater – Bienenfresser, ich bin nicht ganz sicher, ob er ein Madagascar Bee-eater oder ein Blue-cheeked Bee-eater ist. Er hat auch einen weißen Bauch… Das passt nicht so richtig. Weiß jemand Rat?
Auf den Ufersteinen entdecken wir einen „Agama Lizard“
Ein Vogelstraß, ob der zu dem Hotel gehört?
Wasserlilien und Wasserspiegelungen
Malachite Kingfisher 🙂
Pied Kingfisher
Goliath Heron
Nilkrokodil
Yellow-billed Storch (auch nicht sehr einfallsreich der Name)
Teil 2217. Apr. 2015
So mitten auf dem See ist es totenstill. Ab und zu hört man mal einen Vogel das ist aber auch alles. Der See sieht herrlich aus und langsam wird es auch schon ganz schön warm - eigentlich würde ich ja gerne ins Wasser spingen 🤪
Wir kommen an Inseln vorbei, die meisten sind völlig unbewohnt. Wir wollen zu einer von ihnen.
Grünlich verfärbtes Wasser und rötlich gefärbter Ufersand künden von dem Vorhandensein einer bestimmten Alge, der Sand färbt sich wieder sandfarben, wenn er nicht mehr nass wird.
Wir besuchen eine kleine Insel auf der es kleine, aber heiße Geysire gibt – ein Hinweis auf den vulkanischen Ursprung des Rifts. Dort treffen wir den Bewohner der Insel, als einziger Mann lebt er dort mit seinen fünf Frauen. Lars und Sam setzen sich in den Dampf der Geysire. Ich lass das lieber, es wäre wohl äußerst unangebracht, wenn ich hier jetzt im Bikini durch die Gegend rennen würde.
Inselfauna – Desert Rose
Kleine Geysire
Inselfauna und Lavasteine
Nachdem der Inselbewohner uns erklärt hat wie er hier lebt, dass seine Familie hauptsächlich Ziegen hütet und nur ab und zu etwas im Dorf kauft und sie sonst unabhängig sind, kommen seine Frauen und ein paar Kinder und breiten Waren aus. Wir kaufen uns zwei Armbänder. Ich verhandle erst gar nicht. 150 Ksh finde ich völlig in Ordnung für ein Armband aus Holz und kleinen blauen Perlen. Leider habe ich es schon kurz danach verloren 🙁 . Während der Bootstour erzähl Sam uns viel über sich und seinen Stamm – die Turkana. Er lacht, ist aber auch erschrocken, als er erfährt, dass Lars und ich in einem Zelt schlafen, obwohl wir nicht verheiratet sind. Bei den Turkana hat ein Mann eigentlich nichts, solange bis er heiratet. Die Frau, die ein Turkana-Mann heiraten wird, baut ihm ein Haus. Dann sind die beiden verheiratet. Ein Mann kann mehrere Frauen haben. Eine Frau kann nur einen Mann haben. Wenn ein Mann mehrere Frauen hat, dann hat der Mann auch mehrere Häuser und kann sich aussuchen, wo er gerade leben möchte, kündigt dies aber an, indem er an besagtes Haus einen Stab hängt. Zumindest habe ich es so in Erinnerung…
Wir fahren weiter zu einem Baum, in dem zwei Schreiseeadler nisten.
Sam hat einen Fischköder vorbereitet, um einen Adler anzulocken. Das funktioniert auch tatsächlich! Ich peile den Fisch an, gleich wird der Adler kommen, gleich, gleich…. Jetzt! Ach Mist, zu langsam gewesen 🙁
Nach der Bootsfahrt treffen wir direkt vor der Bar des Camps einen Nilwaran – wau! Der läuft hier einfach so frei rum im Camp! Wahnsinn 🤩
So und jetzt wird erst einmal gefrühstückt!
Teil 2317. Apr. 2015
Nach dem Frühstück bekommen Lars und ich Besuch von unserem neuen neugierigen Freund von heute Morgen, dem Hornvogel. Der zeigt ein reges Interesse an unserem Frühstück. 😄
Diesmal bringt er sogar seine Freundin mit (links im Bild). Weibchen erkennt man daran, dass ihr Schnabel schwarz-gräulich ist, hatte Sam uns erklärt. 🤪
Das Päärchen scheint sich hier niedergelassen zu haben. Wir verbringen den Tag im Camp, das seine ganz eigene Wildnis zu bieten hat. Ich entdecke Spuren eines nächtlichen Hippobesuchs.
Das Hippo scheint ebenfalls ungefähr Schuhgröße 36 zu haben – genau wie ich! 😄
Ich lerne den Nilwaran kennen, der im Erdhaufen neben unserem Auto wohnt, entdecke einen Hammerkopf und ein Flußpferd, das ich von unserem Frühstückstisch aus unter einem Baum sehen kann. Lars verbringt den Tag im Schatten der Bar und versucht Musik auf sein Handy zu laden.
Im Vordergrund das rote ist die Kante unseres Frühstückstisches 🙂 Ein faszinierendes Geschöpf!
Kaum herrscht einen Augenblick Aufregung wegen einer vermeintlich gefährlichen Schlange, die sich als zweiter Waran herausstellt, klaut ein freches Äffchen mir eine Banane und versucht unseren Müllbeutel anzuknabbern.
Äffchen mit seiner Beute… 😣
Direkt unter dem Baum, den ich von meinem Tisch aus sehen kann, versteckt sich ein Flusspferd.
Und Lars freundet sich mit dem Hornschnabel an, der aber nur an unserem Seitenspiegel interessiert ist… Im Nachhinein wäre ich gern noch länger dort geblieben, denn das Camp ist ein wunderschöner Platz – einer der wildesten, den wir gesehen haben, an dem die Tiere kommen und gehen, wie sie wollen und nicht verjagt werden und die Besucher selber dafür verantwortlich sind, wenn ein Dieb in Affengestalt ihnen das Obst klaut, weil sie es rumliegenlassen. Wir essen wieder in der Bar. Ein paar Besucher aus Nairobi sind fürs Wochenende hierhergekommen, so ist etwas mehr los. Ich probiere sogar einen echten kenianischen billigen Fusel und finde ihn furchtbar – na, wenigstens haben die anderen was zu lachen. Abends machen wir uns wieder auf die Suche nach den Nilpferden. Und auch damit ist ein wunderschöner Tag vorbei. Aber in diesen Ort hier habe ich mich furchtbar verliebt. Nur zieht mein Herz mich weiter – die Massai Mara ruft nach mir. Morgen wollen wir in Richtung Eldoret aufbrechen, diesen Abschnitt fahren wir mehr, weil die Strecke dorthin sich lohnen soll und nicht, weil wir gerne nach Eldoret wollen. Nun gehen wir aber erstmal schlafen. Fortsetzung folgt…
Teil 2420. Apr. 2015
11. Tag: 04.10.2015 Lake Baringo - Eldoret
Heute frühstücken wir gemütlich zusammen mit den zwei Hornvögeln. Es sind wieder allerlei Wildtiere im Camp. Ganz gemütlich packen wir unser Dachzelt und unseren Tisch zusammen und trinken noch eine Cola an der Bar. Um ca. 12 Uhr geht’s dann los Richtung Eldoret. Die Straße dorthin soll sich lohnen - hatte der Besitzer des Kembu Camps zumindest gesagt.... 😕 Naja, zuerst müssen wir wieder über die gruselig schlechte „Straße“ nach Marigat. Wäre es eine unbefestigte Straße wäre es halb so schlimm. Da aber mehr Schlaglöcher vorhanden sind als Teer, fahren wir die Straße in Schlangenlinien, um den größten Löchern auszuweichen. 😠 Vorbei an Kindern, die uns ihren Kriegsschrei erneut entgegenrufen – Sweeeeeeeets! Mit offenen Händen bleiben sie am Straßenrand stehen sobald wir vorbeikommen. Dieses Mal sind wir wenigstens innerlich darauf vorbereitet. 😐 Völlig unvorbereitet sind wir allerdings auf eine Begegnung mit einem wirklich schönen Vogelstrauß, dem wir einfach so am Straßenrand begegnen! Wirklich der Hammer, wilde Tiere einfach so am Straßenrand zu treffen. Mich beeindruckt das zutiefst, sieht man doch in Deutschland höchstens mal einen Hasen. 😄
Die Flussbetten haben nun wieder etwas Wasser, vielleicht Überbleibsel des Regengusses zwei Abende zuvor. Die Aussichten lohnen die ein oder andere Pause und wir sind wirklich versucht mit dem Landrover einfach in das Flussbett reinzufahren und zu schauen, wo es hinführt. Wahr machen wir diesen Wunsch aber nicht …
Wo der wohl hinführt?
Und ob man da durchfahren kann?
Die kleine Straße, die der Besitzer des Kembu Camps uns eingezeichnet hat, finden wir gut. Die Gegend hier scheint völlig unbewohnt, es kommen uns auch kaum Autos entgegen. Eigentlich ist hier so gut wie keiner unterwegs. Die Straße ist ausnahmsweise gut geteert und sehr schön befahrbar. 🙂 Rund um uns herum ist eigentlich nur endloser trockener Busch. Wahnsinn. Shcon nach den ersten Kilometern haben wir das Gefühl – das heute, das wird gut! Die einzigen, die wir antreffen sind ein paar Ziegen und ihre Hirten. Sonst bleibt es still um uns herum. Die Straße schlängelt sich immer weiter bergauf. Gerade deshalb fahren wir sie – sie bewegt sich einmal die erste Bergkette des östlichen afrikanischen Grabenbruchs hinauf und dann in die Täler des Grabenbruchs hinab. Danach geht es auf der anderen Seite wieder rauf. Wir halten oft an und machen Fotos, da wir die Route wirklich herrlich ist.
Unsere Route für heute - richtig schön geteert und teilweise sogar mit Mittelstreifen 🤨
Dank unseres schlauen Navis wissen wir auch immer genau, wie hoch wir uns befinden. Von ursprünglich 900 Metern am Lake Baringo sind wir nun schon auf 1900 Meter hochgeklettert. Nun verändert sich die Landschaft langsam: je höher wir kommen, desto grüner wird es.
Kaum bewohnte Gegend mit kleinen Dörfchen Die Route schlängelt sich dahin...
Wir fahren an wunderschönen Bäumen mit grell leuchtenden Blüten vorbei und genießen die Fahrt. Da hier keine verrückten Matatus fahren macht die Reise richtig Spaß. Zwar gibt es hier keine großen Säugetiere zu beobachten wie in einem National Park, aber satt sehen können wir uns trotzdem nicht. Wir fahren durch kleine Dörfer mit Gärten voller Bananen und Mango-Pflanzen. Schließlich sind wir oben am Rift angekommen.
Die Flora (in diesem Fall nicht die Fauna 😉 ) präsentiert sich in ihrer Farbenpracht
Aussicht von oben übers Tal hinweg zur gegenüberliegenden Bergkette
Hier sind wir in einer sattgrünen Umgebung mit bunt blühenden Blumen unterwegs, mit roter Erde und riesigen Bananenstauden, die am Straßenrand lagern. Hier kaufen wir auch die bislang besten Bananen – etwa 2/3 so groß wie die, die wir aus Deutschland kennen, aber ungleich schmackhafter. Die Umgebung strozt nur so vor Intensität in ihren Farben, ihren Lauten und ihren Gerüchen. Gemüse für den Abend nehmen wir am Stand gleich auch noch mit.
Teil 2521. Apr. 2015
Nun geht es wieder bergab – Lars genießt das sichtlich, denn unser Auto nimmt richtig Fahrt auf! Ein bisschen ist es wie Achterbahnfahren, so kurvig ist die Strecke. Fast die gesamt Zeit über können wir direkt ins Rift hinabschauen auf die flachen Ebenen voller Sträucher.
Runter gehts - leider ist es in der Ferne diesig....
Ganz in der Mitte des Rifts schlängelt sich eine Linie durch das Tal. Auf der gegenüberliegenden Seite steigen bereits die Flanken der Bergmassive wieder an. Nur vereinzelt sieht man dort kleine Häuser von denen Rauch aufsteigt. Mit einer kalten Cola oder Fanta in der Hand und leckeren Bananen als Proviant lässt es sich so im Auto wirklich leben… 😎 Im Tal schließlich kommen wir an Schulkindern vorbei, die auf den Straßen unterwegs sind. Ich entdecke die schlängelnde Linie, die wir schon von oben gesehen hatten – ein rotbrauner Fluss. Wir fahren gerade auf die Brücke, als ich links von mir einen Canyon entdecke und unbedingt stehenbleiben will. Dort baden tatsächlich Kinder im Fluss – zwischen den rostroten Wänden einer Schlucht – ich will das auch! 😄 Der Canyon sieht toll aus und wir wollen gerne den Kindern zusehen, die so viel Spaß haben. Es sind noch mehr Kinder hier, die nur zögerlich zu uns kommen. Aber Neugierige finden sich überall und so kommt ein älterer Junge mit ein paar Jugendlichen auf uns zu. Einer spricht sogar ein paar Worte Deutsch – das Eis ist gebrochen 🙂 . Wir lassen unser Auto stehen und lassen uns von den Kids das ausgewaschene Flussbett zeigen. Atemberaubend. Und bis jetzt – ganz umsonst! Das gibt’s doch gar nicht! Die Jungs sind gut drauf und echt nett. Allerdings habe ich etwas Bedenken unser Auto auf der gegenüberliegenden Straßenseite einfach stehen zu lassen. 😕 Mag sein, dass ich echt paranoid bin, aber so eine Idylle scheint ja perfekt, um ein paar ahnungslose Touris hochzunehmen. 🤨 Andererseits sieht‘s hier nicht aus, als kämen hier überhaupt Touris lang. Da die Kids uns aber etwas zeigen wollen, müssen wir dem Auto wohl oder übel den Rücken zu drehen. Wir gehen mit zur Schlucht und erzählen. Die Jungs wollen uns zeigen, wie sie von den Klippen springen können – was sie uns dann auch tatsächlich demonstrieren 🤩 Sie erzählen auch, dass hinten auf der Sandbank ein fettes Krokodil wohnt – das glaub ich gern. Wäre ich ein Krokodil, ich würde mich hier pudelwohl fühlen… 🤪 Hoffentlich landet nicht einer der Jungs in seinem Maul. Eine ältere Frau, die indisch angehaucht aussieht, versucht nun immer wieder mir Bananen zum Verkaufen anzubieten. Ich soll sie kaufen, damit die Kinder sie essen können… Schöne Masche, um Profit zu machen. 😛 Auch ein paar Mädels finden sich ein – wie immer wird gekichert. Da mach ich doch mal mit. Da die Mädels aber furchtbar schüchtern sind, spreche ich sie nur vorsichtig an. Wirklich ein herrlicher Platz um ein Picknick zu machen (wäre da nicht die penetrante Inderin, die mir jetzt auch noch erzählt, die Bananen zu kaufen wäre eine Geste „from the heart“… puh… 🙄 ). Wieso gibt es hier eiegentlich keine Campsite? Obwohl… Gäbe es hier eine Campsite müssten mehr Touristen her und mehr Touristen würden auch wieder bedeuten, dass dieses Idyll kaum so ursprünglich bliebe….
Planschende Kinder...
... und verrückte Jugendliche, die von den Felsen springen
Wir müssen dann weiter, schließlich brauchen wir tatsächlich noch einen Schlafplatz, den wir ja in Edoret finden wollen. Unser Weg führt uns nun wieder rauf bis auf 2300 Meter. Oben finden wir ein paar herrliche Stellen, um stehenzubleiben und Fotos zu machen. Die Aussicht ist Wahnsinn. Für mich ist dies eine absolute Panorama-Route!
Wahnsinnsaussicht - einmal über das Tal des ost-afrikanischen Grabenbruchs. Unten erkennt man den Fluss, der sich durch die Landschaft zieht... Von sowas kann ich nicht genug kriegen!
Wir kommen zu einem Viewpoint und wollen ein wenig die Aussicht genießen. Da kommen ein paar Kinder. Sie sehen ziemlich arm aus und erzählen, dass sie hier Ziegen hüten. Als einer mich dann fragt, ob ich 20 KSh für ihn habe, Platz mir fast der Kragen. 😮 Ich bin nicht sauer auf die Kinder. Ich weiß auch nicht genau, worauf ich so sauer bin. Vielleicht, dass die Leute hier so arm sind, vielleicht, dass ich sie nicht alle versorgen kann, vielleicht, weil ich den Eindruck habe, dass die Kids nicht anders können, als zu lernen, dass sie bei Touristen etwas abstauben können, vielleicht bin ich auch sauer, weil es nicht nachhaltig hilft den Kindern ein paar Münzen zu geben. Deshalb entscheide ich mich auch den gesamten Urlaub über bettelnden Kindern kein Geld zu geben. Ob das das Richtige ist, weiß ich nicht, aber einfach Geld hinschmeißen will ich auch nicht…. 🙁 Und dann kommt wieder das unvermeidbare – Polizeikontrolle. Wir müssen stehen bleiben. Dieser Herr allerdings versucht es erst gar nicht auf die nette Art, weder witzelt er, noch erklärt er uns zu seinen neuen Freunden. Es ist ziemlich offensichtlich, dass er einfach nur Geld von uns haben möchte – und das sagt er auch. Als wir fragen, ob wir nun weiterfahren können, da er ja unsere Papiere gesehen hat und auch an dem Auto nichts zu beanstanden ist, antwortet er ganz frech. „ Nein, könnt ihr nicht, aber 100 KSh, die könnt ihr mir hierlassen.“ Dann werden daraus 200 KSh, dann 300. „Nein,“ sagen wir, „wofür denn?“. Fahren lässt er uns trotzdem nicht. Gott sei Dank merkt er irgendwann, dass bei uns nix zu holen ist. Er fragt also schließlich nach einer Zigarette. Die gibt Lars ihm dann ab und damit fahren wir weiter. Ziemlich genervt. 😠
Die Gegend um Eldoret hat nun nichts mehr von dem Charme der kleinen Bergdörfer. Es ist ziemlich vermüllt. 🤢 Die Naiberi Campsite ist okay, sie hat einen Pool und ist schön grün, allerdings wirkt sie auf mich wie die Centerparks in Holland. Wir bleiben nicht bei den Kochstationen, sondern entschließen uns ganz hinten auf der Wiese zu campen, dort gibt es einen kleinen Galeriewald an einem Bach 🙂 . Leider fängt es dann fürchterlich an zu regnen. Zu allem Überfluss habe ich Bauchschmerzen und mir ist schlecht. 🙁 Direkt habe ich das Gemüse in Verdacht. Deshalb esse ich nur noch die Nudeln. Nun sitzen wir wie zwei Häufchen Elend hinten im Auto und wünschen uns, wir wären an der hässlichen Kochstation geblieben – die war immerhin überdacht…. 😣 Bei dem Wetter kriegen wir auch kein Lagerfeuer an. Da bleibt nur eins: Ab ins Dachzelt und schnell einschlafen… Fortsetzung folgt…
Teil 2621. Apr. 2015
12. Tag, 05.10.2015: Aufbruch von Eldoret - Tag der Planänderungen
Heute gibt es mal wieder eine Planänderung. Nachdem wir mit dem Besitzer des Kembu Camps gesprochen hatten (Wieso weiß ich denn seinen Namen nicht?) war unsere Idee: von Eldoret zum Kakmega-Regenwald fahren und von dort Richtung Süden. Langsam komme ich aber in´s Schwitzen: Wir haben schon den 05.10! Am 19.10 morgens um 4 wird unser Flieger nach Hause gehen! Wir wollen aber noch in Die Massai Mara, den Amboseli, den Tsavo und an die Küste!!! 😮 Wie sollen wir das denn schaffen? 😮 Da Lars aber die Fotos vom Viktoriasee und den eher grünen und tropischen Regionen im Westen so gut gefallen hatten, wollte ich das nicht komplett streichen - wir hatten ja schon entschieden den Viktoriasee wegzulassen. Nun schauen wir uns die Karte an und sehen: Nach Kakamega wären wir einen weiteren Tag unterwegs, dann würden wir dort einen Tag bleiben. Dann würden wir in den Süden fahren. So würden wir wahrscheinlich erst am 08.10 in der Massai Mara ankommen. Dort wollen wir mindestens drei Tage bleiben. Und hätten dann nur noch eine Woche um den Amboseli, den Tsavo und die Küste zu besuchen…. Puh 🤨 Und zwischendurch wollten wir ja schon mal schlafen und uns ausruhen…. 😐
Da wir beide nun aber schon so viel Begeisterung für die Tiersucherei entwickelt haben, entscheiden wir uns kurz und gut dafür heute direkt in den Süden zu fahren in Richtung Massai Mara. Zwischen den grünen Teeplantagen Kerichos planen wir eine Übernachtung ein.
Die ersten paar Kilometer ab Eldoret sind wieder unschön anzusehen, aber das wird schnell besser. Hier können wir auch beobachten, wie das mit den Polizeikontrollen üblicherweise abläuft: Wir beobachten eine Polizistin, die einen LKW anhält. Sie stellt sich aufs Trittbrett um durchs Fenster schauen zu können – in dem Moment bekommt sie schon einen Schein in die Hand gedrückt 😮 . Sie musste gar nicht erst den Mund aufmachen. So läuft das also. 😠
Nun wird es sattgrün und es kündigen sich die ersten Teeplantagen an. Auch heute wird oft angehalten, um Fotos von der Landschaft zu machen.
Alles grün 🙂
Fein säuberlich angelegte Teeplantagen - leider heute ohne Pflücker mit Körben auf dem Kopf
Heute sind wir allerdings schon früh unterwegs und merken schnell, dass wir flott vorankommen. Schon gegen frühen Mittag sind wir in der Gegend um Kericho. Als wir dann dort auf Anhieb das Hotel nicht finden, bei dem wir Campen wollen, deuten wir das Hinweis, dass es heute noch weitergehen soll. (Also ich für meinen Teil wollte unbedingt weiter und hätte wahrscheinlich nur hier übernachtet, wenn das Hotel sich uns auf einem Tablett vor meiner Nase präsentiert hätte.)Also wieder eine Planänderung: Wir fahren heute noch nach Narok! 🤪
Die Schönheit der Gegend wirkt trotzdem auf mich – ein intensives Grün beherrscht die Landschaft. Es wäre eine schöne Region um etwas zu verweilen. Irgendwie habe ich das Gefühl hier könne man gut Energie tanken - die Farben geben mir so ein positives Gefühl, aber schaut selbst...
Unsere Route heute: Geteert, glatt, grün und gemütlich!
Auch der Ausblick von den Bergpässen lässt sich sehen - weit und breit nur grün!
Da kann man doch nicht anders als gute Laune kriegen!
Blumenpracht - Ich würde auch gerne schlaue Namen der Blumen drunterschreiben, aber leider habe ich kein Bestimmungsbuch. 🙁
Und so fahren wir die grünen Plantagen entlang...
Ich werde immer aufgeregter – viel schneller als erwartet werde ich nun schon die Massai Mara sehen. Das gibt´s doch nicht. Gott sei Dank ist die Autofahrt entspannt und die Straßen gut, so bringen mich wenigstens nicht noch mehr Aufreger durcheinander 🤪 . Fahren wir an Polizisten vorbei, so halten wir gar nicht mehr an, solange sie nicht eindeutig zeigen, dass wir es sollen. Manche winken auch einfach nur – wahrscheinlich weil hier nicht viele Muzungus unterwegs sind.
Je weiter wir in Richtung Massai Mara fahren, desto trockener wird es nun wieder. Auch die Straßen werden voller, unordentlicher und chaotischer. Aber wir kommen immer noch gut voran, trotz der verrückten Matatus.Die Ebenen um uns herum sind weitläufig aber irgendwie kahl. Es gibt ein paar Hütten und riesige Rinderherden. In Narok hoffen wir auf einen Supermarkt, der geöffnet hat, obwohl es Sonntag ist. 😣
Teil 2721. Apr. 2015
Dann kommen wir in Narok an. Für mich bedeutet Narok das Tor zur Massai Nara – auch wenn die Gates zum Reservat noch weit dahinter liegen. Aber die beiden sind direkt miteinander verknüpft.Es wirkt chaotisch. Überall hängen Schilder und Werbeplakate, es wird deutlich, dass hier viel Tourismus lang kommt. Und tatsächlich - der Navias hat offen und wir können einkaufen 🙂 . Frisches Trinkwasser muss dringend her! Allerdings ist dies ein Supermarkt unter Indischer Führung – alkoholisches Gesöff gibt es also nicht. Der freundliche Mitarbeiter sagt uns aber, es gäbe knapp Gegenüber einen Wine & Spirits Shop. Wir kaufen gut ein und ziehen einen Geldvorrat, denn wir wollen ja etwas in der Mara bleiben. Nun müssen wir nur noch zum Wine & Spirits Shop. 🙂 Der liegt mitten zwischen ein paar Holzbuden. Lars fackelt nicht lange und sucht unserem Auto einen Weg zwischen den Häusschen hindurch. Mir fällt allerdings auf, dass wir ein wenig komisch beäugt werden. 🤨 Mir scheint, als wären wir mitten in einer Art Markt gelandet, eigentlich gar nicht schlecht – wäre es nicht schon Nachmittag (d.h. wir brauchen noch eine Bleibe) und würden wir nicht so komisch angeschaut. Wir halten vor dem Shop. Das Angeschaut-Werden wird hier nicht besser. Ganz im Gegenteil. 😐 Wir beschließen, dass ich im Auto bleibe. Hier bekomme ich schnell Gesellschaft von allerlei Matatu-Fahrern, Driver-Guides und Einheimischen, die mir allesmögliche zum Kaufen anbieten....
Dann kommt Lars aus dem Shop. Aber ohne Bier. Auch das Savannah fehlt. Er lacht und die Einheimischen um ihn rum lachen auch, wirken aber auch verdutzt, einer klopft ihm auf die Schulter. Was ist denn da los? Kopfschüttelnd setzt er sich und lacht. „Das war kein Shop, Nora. Das war eine Bar. Und ohne Witz, der Barkeeper meinte, ich wäre wahrscheinlich der erste Weiße, der jemals da drin gewesen ist. Alle haben mich verdutzt angeschaut.“ Einheimische und Lars schienen also gleichermaßen verblüfft. Schade, das hätte ich zu gern gesehen. 😄
Bier gab´s dort, aber das sollte ja eigentlich dort getrunken werden. Lars hatte trotzdem versucht ein Sixpack zu ergattern, allerdings wollte der Barmann dann wohl völlig überzogene Preise dafür haben. Wir tanken noch und fahren nun weiter in Richtung Massai Mara. Es ist noch lange nicht dunkel und da wir nur noch 80 km vor uns haben, sind wir zuversichtlich heute noch im weltberühmten Reservat anzukommen 🤩 !
Kurz nach Narok ist die Straße gut und das Gelände öffnet sich. Wir treffen ein paar Kinder und werden lauthals nach Sweets angebrüllt… Ein Junge rennt neben dem Auto her. Wir hatten uns im Naivas ein paar süße Backwaren gekauft und bieten sie ihm an. Er schüttelt den Kopf. Nein, das will er nicht. „Why not?“ fragen wir – er öffnet die Hand und sagt: „Money!“ Wir schütteln den Kopf und fahren weiter. Langsam fühlen wir uns, als hätten wir draußen Süßigkeiten-Mobil draufstehen und fragen uns, woher das bloß kommt, dass die Kinder glauben, sie bekämen Geld von den Weißen. 😠
Nun fahren wir in relativ trockenes Buschland. Einschub: Wir fahren an einem Mann vorbei, der einen Hahn zum Verkauf hochhält - an der Straße einfach so 🙄
Und dann kommt´s: Die Straße zur Massai Mara. Sie ist der Teufel. Sie ist uneben. Sie ist Wellblech. Sie ist mal auf der rechten, mal auf der linken Seite löchrig. Eigentlich ist sie überall schlecht – wir haben die Wahl zwischen Pest und Cholera. Und wir kommen ungefähr mit 40 km vorwärts. Schneller geht es nicht den Löchern und Steinen auszuweichen. Es ist die pure Qual. Alles rappelt, lärmt und staubt. Wie sollen wir so 80 km aushalten? Und vor allem – wieso ist die Straße zur weltberühmten Massai Mara so Kacke? 🤢 😮 😠
Wir haben es nun ca. 16 Uhr. Unser Plan war um 17 Uhr am Gate zu sein noch einen 24 Stunden Eintritt zu bekommen, um dann zum Aruba Mara Camp zu Gerdi zu fahren. Schnell merken wir: Eine Stunde bringt uns hier nicht sonderlich viele Kilometer weiter. 😐 Wir schaffen ungefähr 30 kmh. Schneller fahren wollen wir nicht, denn wir haben Sorge, dass die Wellblechpiste unser Auto schrottet – wenn wir einen Platten haben werden, dann definitiv hier. 😠 Aber das muss nicht jetzt sein!
Meine anfängliche Zuversicht und Vorfreue schrumpfen immer mehr, die Strecke hört nicht auf, es ist schon nach 17 Uhr und ich fürchte, dass wir nicht mehr durchs Gate gelassen werden. So quälen wir uns dahin. Viel sehen wir auch nun nicht mehr von der Landschaft, um uns herum ist eigentlich nur trockene Buschsavanne und die Sonne geht unter.
Doch dann werden wir belohnt. Wir entdecken die ersten Gazellen und Bewegungen im Busch. Und dann: Zwei Giraffen im violetten Abendlicht. Ein kleiner Trost.
Silhouetten zweier Giraffen im abendlichen Licht
Eine haben wir wohl etwas aufgescheucht...
... aber sie fängt sich schnell wieder 🙂
Wir treffen drei Massai, die wir fragen, ob es hier ein Camp gibt. Es gibt wohl eins, aber das ist – soweit ich es verstehe – im Reservat. Die drei sind zwar engagiert, aber weiterhelfen mit einer konkreten Angabe tun sie uns nicht. Sie wollen uns den Weg zeigen, sagen aber, dass es noch mindestens eine halbe Stunde entfernt liegt. Wir bedanken uns und fahren erstmal zum Gate. Vielleicht kann da jemand helfen.
Das Gate kommt in Sicht. Wir sind zu spät. Ich bin schon völlig verzweifelt, habe im Reiseführer alles durchgesucht – hier gibt es kein Camp. Nur Lodges. Und die sind IM Reservat.Und sie sind teuer! Was machen wir denn jetzt? 😐 Erstmal mit dem Guard am Tor sprechen. Wir erklären ihm die Situation. Dass wir eine Campsite brauchen, das wir ins Aruba Mara wollen. Und dann passiert das unmögliche: Wir dürfen durchs Tor. Der Guard erklärt uns, wir sollen uns rechts halten. Das Camp wäre gar nicht soweit, deshalb dürfen wir noch fahren. 🙂 Jipieh!Bezahlen müssen wir nicht. An den Kassen ist ja auch niemand mehr. Erleichterung pur. 🙂 🙂
Schließlich findet auch unser Navi den Weg – so wissen wir wenigstens wo lang, denn mittlerweile ist es dunkel. Wir fahren also durch das Gate. Ich finde es sehr witzig, das es einfach so in der Landschaft steht. Im Lake Nakuru National Park gab es ja einen Zaun. Hier gibt es zwar ein Gate, aber keinen Zaun.
Wir fahren ins Reservat. Nun sind wir beide erleichtert. Alles ist gut geworden. Wir sind da. In der Massai Mara – das Safari-Fieber hat uns wieder voll im Griff… Und das Beste: Wir fahren durchs Reservat und zwar NACHTS! 🤩 Natürlich wissen wir aus den Reiseführern, dass das normalerweise nicht so einfach geht. Aber bei uns ist es jetzt einfach so gekommen. Irgendwie gar nicht so schlecht 😎 Es ist still um uns herum und dunkel. Wir erkennen die ersten Schemen, Fotos machen wir nicht. Wir wollen nicht den Eindruck erwecken, als hätten wir uns unter einem Vorwand nachts in die Mara geschummelt. Das würde uns noch fehlen, schließlich wissen wir, dass das eine Ausnahme ist. Toll ist es trotzdem und aufregend! Die Strapazen vom Tag sind vergessen. Wir fahren langsam, denn im spärlichen Licht unserer Scheinwerfer wollen wir uns die Reifen nicht kaputt machen – das wär´s ja noch: Ein Platten nachts in der Mara…. 😮 Nein danke!
Wir entdecken die ersten Guns – mein Gott sind das viele! Richtig große Gruppen! Ich erkenne allerdings eher das "muhen" , sonst sehe ich nur Umrisse. Dann fahren auf eine kleine Brücke zu und hören eine Hyäne lachen – Wahnsinn! Die Laute kenne ich aus Dokumentationen und kann es deshalb zuordnen. Und da plötzlich: Hyänen! Vor uns auf der Straße! 🤩 Sie haben ein Zebra gerissen! Doch im Scheinwerferlicht fühlen sie sich nicht wohl und laufen laut kichernd davon.
Nun sind wir hin und weg – was wir wohl noch alles entdecken? Wir kommen zu einer Stelle, an der wir seltsame Geräusche hören. Wie ein lautes Ploppen, aber ganz oft – Ähnlich wie wenn man einen Finger in die Öffnung einer Flasche taucht und rauszieht – Plop! Wir fragen uns was das ist, bleiben stehen und machen den Motor aus, um besser zuhören zu können. Auch andere Geräusche kommen dazu, aber beschreiben lassen die sich nicht. Es ist eine Wahnsinnslautstärke. Wir sind völlig fasziniert. 🙂 🙂
Nun müssten wir aber langsam im Camp ankommen, schließlich hieß es vorne am Tor, es sei nicht mehr weit. Mir fallen auch langsam die Augen zu. Schon seit wir hier in Kenia sind, bin ich abends immer furchtbar müde... Normalerweise habe ich eher Probleme einzuschlafen - hier nicht! Wir suchen noch einmal im Navi und erkennen: Das Aruba Mara Camp liegt außerhalb des Reservats – wir müssen also wieder am Talek Gate raus. Und die Strecke sieht nicht nach ein paar Hundert Metern aus, eher nach 10 Kilometern. Nun müssen wir uns doch etwas ranhalten. Und da kommen uns Lichter entgegen – Ranger. Was tun falls sie uns anhalten? 🤨 Gut, einfach erklären wie es ist. Aber erstmal so tun, als wäre es völlig normal das wir hier langfahren…. 😎 .............. ....................und tatsächlich - es klappt! Wir werden nicht angehalten!..... Gut, as erspart uns eine Menge Gestammel!
Am Talek-Gate müssen wir unsere Situation nochmal schildern. Der gute Mann ist etwas überfordert- verständlicherweise. Wir bekommen etwas probleme rauszukommen - obowhl der Guard sich immer wieder bei mir entschuldigt, dass ich so müde bin 🤨 das verwirrt mich leicht. Aber scheinbar tut es ihm einfach Leid, dass er nicht genau weiß, wie er sich nun verhalten soll. Wir haben ihn anscheinend in eine blöde Lage gebracht... Aber dann dürfen wir raus. Noch einmal über eine Brücke und da ist das Aruba Mara Camp. Mitlerweile ist es stockdunkel und wir haben es bestimmt 21 Uhr. Wir bauen nur das Dachzelt auf, keinen Tisch, keine Stühle und sind völlig ko. Man war das aufregend! Nun gehts aber ganz schnell ab ins Bett und genauso schnell fallen mir die Augen zu!
Teil 2821. Apr. 2015
13. Tag, 06.10.2015: Aruba Mara Camp
Heute bleiben wir im Camp und erholen uns. Das ist auch dringend nötig. Vor allem Lars braucht von der vielen Fahrerei dringend eine Pause. Wir schauen uns erstmal das Camp an und laufen – natürlich – direkt zum Talek-River. Wer es noch nicht weiß: Das Aruba Mara Camp liegt direkt am Talek Gate des Massai Mara National Reserve. Erstmal begegnen uns noch keine anderen Gäste, es ist recht still um uns herum. Wir begegnen Gerdi kurz, aber die scheint mit ihren Gedanken woanders zu sein – vielleicht erkennt sie uns auch nicht. Lars beschließt, dass wir hier frühstücken sollten und ist begeistert - es gibt zwei Spiegeleier, Speck und Bratkartoffeln, die ultra lecker sind. Da bin ich schon neidisch, hab ich mir doch nur Rührei bestellt. Dann bekommen wir Besuch von einer jungen Antilope. Die finden wir natürlich ultra süß – später erfahre ich von Gerdi, dass sie die kleine Antilope aufgenommen hat. Leider weiß ich nicht, ob ich mir den Namen der kleinen Antilope richtig gemerkt habe, ich glaube es war "matimba" ich weiß aber, dass ihr Name übersetzt „beautiful“ heißt – und schön ist sie wirklich 🙂 . Da sie eine Eland ist, nenne ich sie im Stillen einfach nur Elli. Süß ist sie zwar, aber auch richtig frech – und hungrig. Und so müssen Lars und ich unser Frühstück gleich verteidigen. 😄 Elli hat nur einen Vorteil – sie hat Hörner! 😮 Und die weiß sie auch einzusetzen, obwohl sie noch recht klein sind, kann das ganz schön weh tun. Ein angestellter verjagt die kleine Antilope dann allerdings mit einem Stock. Und sagt uns, dass wir das genauso machen müssen, wenn wir unser Essen die nächsten Tage selbst genießen wollen. 😐
An der Bar gibt es eine Feuerstelle und mehrere Banken von denen man direkt auf den Talek schauen kann. Hier flezen wir uns richtig hin. Zum Mittagessen treffen wir dann auch Gerdi, die wir schon kurz beim Pfingst-Braai im Bergischen Land kennengelernt hatten (Naja, eigentlich wurde die Arme damals direkt von mir mit Fragen überfallen... 😗 ). Am Nachmittag faulenzen wir hauptsächlich in Gesellschaft der kleinen Antilope. Lars entdeckt das Bier an der Aruba Mara Bar (das bis jetzt leider das teuerste ist) und ich genieße kühle Fanta! Wir dürfen Elli sogar streicheln und sie hat nichts dagegen Fotos mit uns zu machen 🙂 zumindest scheint es so 🙂
Und nun wisst ihr auch mal wie wir aussehen - Lars mochte die kleine Antilope besonders!
Und auch ich durfte sie streicheln! 🙂
Wir bewundern die Webervögel und entdecken am Restaurant eine riesige Ameisenstraße, die mehrere Meter lang ist!
Ein Baum voller Webervögelnester!
Galeriewald am Talek-River
Plötzlich hören wir ein lautes Rumps! Was war das? Es kam aus der Richtung des Restaurants! Hin da! Wir entdecken ein Rind, das wohl vom Ufer ins Wasser des Talek gefallen ist. Natürlich sitze ich nun gierig wie ein Geier dort und hoffe auf Raubtiere. Die scheinen aber Nachmittags was anderes im Sinn zu haben – naja, hätte ich mir ja auch denken können – viele Raubtiere sind ja nachtaktiv oder nur in den kühleren Morgen- und Abendstunden aktiv. Aber die Hoffnung stirbt natürlich zuletzt... 😛 Irgendwann will ich aber auch nicht mehr mit der Kamera hier rumsitzen. Das Handy muss genügen.
Lars schaut auf das Rind im Talek vor dem Aruba Mara Camp
Auch ein Foto von der kleinen Antilope mache ich noch: Sie ist wirklich hübsch! Wie grazil sie ihren Hals streckt.... und so schöne lange Wimpern hat sie- davon träumt doch jede Frau!
Als die Abenddämmerung einsetzt verändert sich die Geräuschkulisse im Camp. Wir gehen zwischen den Akazien hindurch, um von der Bar zur Campsite zu gelangen und finden uns in einem Getöse wieder – Hunderte von Webervögeln piepsen durcheinander und machen zusammen einen atemberaubenden Lärm! Wir bleiben mehrere Minuten stehen und nehmen das Ganze mit dem Handy auf! So etwas habe ich noch nie in meinem ganzen Leben gehört! So viele kleine Vögel müssen das sein! Und man sieht kaum einen.
Wir gehen dann doch nochmal nach dem Rind gucken. Wir entdecken Mungos eine ganze Schar! Bestimmt 30 Tierchen. Aber sie kommen nicht hin zum Kadaver. Anscheinend ist die Strömung zu stark. Schließlich kommt ein großes Krokodil hinzu - wo habe ich denn nur meine Kamera gelassen?!
Wir schleichen uns durchs Gebüsch um mehr zu sehen und bekommen Ärger von Eduard. Er ist Massai und Guard hier im Camp. Wir sollen nicht alleine rumlaufen! Er begleitet uns dann, so können wir noch zwei Hyänen das Ufer hinunter kommen sehen! Wahnsinn! Viel sehen können wir aber nicht mehr – unsere Taschenlampe ist zwar gut, aber dafür bräuchte man dann doch eher einen Scheinwerfer :-D
Ich schreibe abends noch Tagebuch und wir machen ein Lagerfeuer. Nun ist das Auto wieder organisiert, aufgeräumt und ein wenig geputzt und morgen dann geht es - ENDLICH in die Massai Mara hinein 🤩
Und trotz Vorfreude auf morgen schlafe ich wieder wie ein Stein....
Fortsetzung folgt....
Teil 2922. Apr. 2015
14.Tag. 07.10.2015: Massai Mara National Reserve
Heute wird früh aufgestanden und kurz gefrühstückt – wir wollen in die Mara! Lars ist morgens ziemlich schwer aus dem Bett zu kriegen, aber ich bin natürlich schon völlig aufgeregt, also wird er nicht verschont 😈 . Direkt um 6:00 Uhr am Tor zu sein schaffen wir allerdings nicht, es wird eher 6:30. Am Gate läuft dann auch noch Einiges schief – wir können nicht mit Kreditkarte bezahlen, denn der PC über den die Abrechnung läuft, hat keinen Empfang 😣 Also müssen wir warten. Wir lernen Dietmar vom Corcodile Camp kennen, der uns auch gleich mal zu sich rüber einlädt. Da sagen wir nicht nein. Aber nun beschließen die netten Angestellten am Gate erstmal, dass wir heute nicht mit Kreditkarte bezahlen können 😣 Wir bekommen trotzdem ein Permit für den Tag und müssen es dann später bezahlen. Ich lasse mir das Ganze ordentlich quittieren, damit es keine Schwierigkeiten gibt, falls wir im Reservat von Rangern angehalten werden. Wenigstens dürfen wir trotzdem in die Mara 🙂 Schnell nochmal auf Toilette gehen (gleich gibt’s ja keine mehr) und dann geht’s los! Oh mein Gott! Richtig fassen kann ich das nicht – richtig begriffen habe ich das Ganze glaube ich erst Wochen später. In dem Moment in dem wir ins Schutzgebiet fahren, bin ich einfach nur gespannt auf alles, was da kommt!
Wir fahren einfach drauf los. Es ist ungefähr sieben Uhr morgens. Ein bisschen was steht im Reiseführer, welche Tierart man wo auffinden kann... Vielleicht... Aber beim Blick aufs Navi und auf die Karte wird mir schnell klar: Die Mara ist riesig! Das ist nicht so wie im Lake Nakuru National Park… Wo sollen wir hin? 😄
Ganz klarer Wunsch meinerseits: irgendwohin, wo es Löwen gibt 😄 Im Reiseführer steht: „Wer auf Löwen steht, sollte das Marsh Pride … nahe dem Musiara Swamp und das Ridge Pride nahe dem Rhino Ridge ansteuern, die beide leicht zu finden sind…“ (Lonely Planet). Okay, also wollen wir uns in Richtung Westen und Musiara Gegend halten und bleiben uns dafür erstmal in der Nähe des Talek River, denn dessen Lauf verläuft ca. in die richtige Richtung!
Ich bin begeistert, denn die Mara ist voll von Tieren! Direkt hinter dem Gate sehen wir Antilopen über Antilopen und noch mehr Antilopen. Wir entscheiden uns für die kleineren Wege abseits der aufgeschütteten Straße, denn die nervt uns gewaltig. Es ist überraschend grün hier in der Gegend 🙂 Schließlich kommen wir an den Fluss, hier ist es nicht mehr so offen, es gibt mehr Büsche. Irgendwie kommen die mir vertraut vor, ähnliche habe ich schon häufig auf Reisen durch den Süden Frankreichs gesehen, wahrscheinlich handelt es sich aber um eine völlig unterschiedliche Art 😄 … Diese Büsche, die wären doch was für Löwen! Wir wenden also wieder unsere alte Taktik an und rollen ganz gemächlich an jedem Busch vorbei! Herrlich! Wir wollen nichts übersehen! Absolut nichts! Die Kamera in der Hand bin ich mehr als aufmerksam 🤩
Und da entdecke ich was! Da es liegt unter dem Busch! Was ist es ? Was ist es? Eine kleine Antilope! Aber was für eine?
Was bist du?
Zunächst denke ich an einen Buschbock. Die soll es hier ja viele geben. Aber diese Antilope hat keinen dunklen Streifen auf der Schnauze. Dem Gesicht nach könnte es auch ein Common Duiker sein, aber auch der ist in meinem Buch mit dunklem Streifen auf der Schnauze beschrieben. Der spitzen Nase nach würde ich sagen, es ist ein Klippspringer – aber der gehört doch auf Felsen! Warum zeigt denn auch das Tier nicht mehr von sich? 😛 Kann mir jemand helfen?
Wir bewegen uns weiter am Fluss entlang – hier könnte sich so Einiges verstecken! Vielleicht sehen wir auch ein Krokodil? 🙂
Immer am Fluss entlang…
Es zegt sich ein wirklich schönes blau gefiedertes Tier der Gattung Vogel
Dem Schnabel nach tippe ich auf Kingfisher der Marke Woodland. Aber meiner hat keine schwarze Umrandung vom Schnabel zum Auge – ich hab doch extraschon zwei Bücher und kann trotzdem nichts sicher zuordnen 🙁
Zunächst finden wir aber erstmal allerhand herumliegende Schädel – und einen ziemlich muffeligen Gnu-Kadaver :
Wer sich hier wohl gütlich dran getan hat? Riechen tuts ja nicht sehr appetiitlich 🤢
Wir fahren die Biegungen des Talek entlang und die erste Überquerungsmöglichkeit liegt vor uns – wir entscheiden uns dagegen. Das ist doch viel zu tief! Finde ich, Lars würde es gerne probieren, aber da wir noch nie durch nen Fluss gefahren sind und hier sonst absolut NIEMAND in der Umgebung unterwegs ist, lassen wir es lieber…. 😊
Plötzlich hören wir ein Getöse von hunderten von Hufen – hinter uns schießt eine Herde Gnus entlang – eine riesen Anzahl Tiere in Bewegung und das Hufgetrappel macht vielleicht Krach! Was sie wohl in Aufruhr versetzt hat? Die ersten Gnus zu sehen ist toll, stehen sie doch für den sich ewig wiederholenden Kreislauf der Wanderung zu den grünen Futtergründen.
Gnus in Aufruhr – endlich kann ich mal ein Tier sicher benennen 🙂
Und die Gnus hören gar nicht auf! Es nimmt kein Ende! So viele Gnus! Wahnsinn! Leider stehen sie genau auf der Hügelkante, deshalb ist ihre Menge vom Foto her kaum zu erkennen… Vielleicht mögen sie den Hügel, weil sie dort einen guten Überblick haben… Boah, haben wir ein Glück! Der erste Morgen und wir sehen eine große Herde Gnus!
Und dann haben wir direkt noch mehr Glück und entdecken einen Hippopool im Fluss 🙂 Wahnsinn! ich dachte immer man müsse die Tiere stundenlang suchen, aber hier findet man alle paar Meter welche 🤩
Hippos beim Bad in der Sonne
Leider zeigen sie nicht viel von sich...
... aber toll schauts in der Landschaft aus 🙂
Nun haben wir schon Gnus gesehen, eine kleine Antilope, einen kleinen bunten Vogel undHippos! Was mag wohl als Nächstes kommen?
Teil 3022. Apr. 2015
Unsere nächste Begegnung haben wir mit ein paar Warzenschweinen, die machen sich allerdings einen Spaß daraus sofort wegzurennen – Fotos? Nicht zu kriegen 🙁
Nun entdecken wir ein komisches Tier im Talek. Als der Weg uns näher an die Flussbiegung ranführt, sehen wir: Es WAR mal ein Tier. Jetzt nicht mehr…
Es ist schon nicht mehr viel übrig....Wau den Waran hinter dem Kadaver habe ich gerade zum ersten Mal entdeckt!
Das zweite macht auch keine bessere Figur 🤢
Das nächste Tier, das wir treffen ist gott sei Dank noch nicht halbiert und / oder aufgedunsen: Eine wunderschöne Giraffe schaut uns über die Büsche hinweg an 🙂 Wie immer neugierig und beharrlich - das gibt wunderbare Aufnahmen 🙂
Wie immer gewinnt die Giraffe den Starr-Wettbewerb
Nun öffnet sich das Land und wir gelangen in weite grüne Ebenen, die ab und zu nochmal von einem Flussarm mit Buschland durchzogen werden…
Und was entdecken wir da? Um Neun Uhr morgens? Zwei Hippos friedlich beim Grasen – und sie lassen sich durch nichts stören. Auch nicht durch uns.
Chop chop macht‘s und futtert munter Gras
10 Minuten später, wird’s dann wohl doch zu heiß (eigentlich sollten die beiden auch im Wasser sein – sie bekommen doch schnell Sonnenbrand!)
Ihr könnt sagen was ihr wollt, aber ich finde die zwei haben ihre ganz eigene Grazie!
Wunderschöne Steppe
Nun kommen wir zur Raubtierfraktion:
Geier halten im Flussbett ihren Rat
Und wir entdecken Köpfe, die faul im Gras herumliegen – wozu gehören die? Hyänen! In einem Schlammloch! Super! Die sehen mal richtig entspannt aus! Und ich finde die so puschelig!
Einmal kurz den Kopf anheben....
Poolparty Genuss pur
Puuuh... Lieber wieder hinlegen....
Tatsächlich kann ich erkennen, dass eins der Tiere einen Peilsender um den Hals trägt. Sehr interessant. Anscheinend zeichnet da jemand das Verhalten von Hyänen auf 🙂
Nun haben wir es gerade mal Viertel nach 9 morgens und wir haben schon so viel gesehen. Aus dem Reservat rausfahren, um eine Pause zu machen, sehen wir gar nicht ein! Wir wollen ganz schnell weitergucken 😄
Allerdings kündigt sich auf der Karte ein Hindernis an: Wollen wir weiter nach Westen - dann müssen wir über den Fluss........ 😵 😣
..... Fortsetzung folgt 🙂 ....
Teil 3123. Apr. 2015
Massai Mara. 2Etappe: Flussüberquerung zum allerersten Mal
.... Wir müssen also über den Fluss. Soviel können wir schon mal festhalten... Nur.... wir sind noch nie durch einen FLuss gefahren.... Lars hat da zwar Bock drauf - doch wir wissen beide nicht, wie das ist. Wie ist denn der Untergrund? Kann man sich festfahren? Vielleicht gibts auch eine Senke im Flussbett, die wir nicht sehen können - all sowas schießt mir durch den Kopf.... 😐
Immerhin ist die Stelle zum Überqueren im Navi markiert. Sie scheint also dafür geeignet zu sein. Andererseits fahren hier ja auch hauptsächlich Driverguides, die sich gut auskennen. Wire entdecken einen Landcruiser der gerade die Furt hinunterfährt – super! Die Gelegenheit packen wir beim Schopf und fahren genauso wie er das macht hinterher – und falls wir es verkacken, dann hilft uns der Vordermann hoffentlich 🙂.
Und runter gehts....
Lars fährt nun also das Ufer hinunter.... Schnell bemerken wir, dass das Flussbett nicht sandig und weich ist, wie wir dachten, sondern steinig. Wir halten uns links von den aus dem Wasser reichenden Steinen und … es klappt... Unser Auto fährt über die unter Wasser stehenden Steine – plötzlich erschrecken wir uns tierisch: Ein riesiger Nilpferdkopf taucht neben uns auf! Auf Lars Seite keine zwei Meter neben unserem Auto 😮 !!! Was für ein Schock! 😮 Was wäre denn bitte gewesen, wenn das Tier genau in dem Teil gelegen hätte, durch den wir gefahren sind? Wir haben es vorher nicht sehen können! Lars behält trotzdem die Nerven und wir fahren das Ufer wieder hoch. Geschafft!
Die eindrucksvollen Bewohnern des Flusses! Wahrscheinlich haben wir uns mehr erschreckt als die Hippos 🙂
Auf der anderen Seite sind wir nun schon mal – weiter geht die Safari 🙂 Zunächst entdecken wir eine Herde Impalas, auch ein paar jüngere Tiere sind dabei!
Wunderschöne Impalas im grünen Land
Und nun schaffe ich es tatsächlich endlich einmal eine meiner Lieblingssituationen zu fotografieren: Eine vor uns weglaufenden Familie von Warzenschweinen, alle mit sorgsam aufgestellter Rute 😄 Ein Bild für die Götter, das uns nun auch nach dem fünften Mal immer noch zum Lachen bringt. Besonders die Frischlinge sehen so knuffig aus!
Rute aufstellen und schnell weglaufen! Eine meiner Lieblingssituationen 🙂
Die Gegend wirkt nun etwas trockener und öffnet sich in weitläufige leere Steppenlandschaften! Ein Traum! Andere Leute finden die Landschaft vielleicht öde oder wenig aufregend – für mich ist sie der Inbegriff Afrikas! Weite Steppen soweit das Auge reicht, nur ab und zu erhebt sich eine Akazie. Diese Weite! Diese Farben! Das ist alles wovon ich je geträumt habe! Wo finde ich denn zuhause so eine Aussicht? So eine Natur? Nirgendwo!
Mitten in dieser Landschaft entdecken wir einen dunklen Fleck. Wir folgen dem Weg in dieser Richtung. Wieso ist uns der Fleck nicht früher aufgefallen? Bestürmt von den Gefühlen, die die weite Savanne in mir auslöst, bin ich völlig aufgeregt – könnte es ein Elefant sein? Es ist ein Elefant! Unser erster Elefant!
Ein Elefant! 🤩
Nun widme ich meine Aufmerksamkeit besonders den „Flecken“ in der Landschaft – Felsen, Steine und Erdhügel könnten sich ja wieder als ein Tier herausstellen! Die meisten tun es nicht 😣 Schließlich gelangen wir zum gefühlten zwanzigsten Fleck in der Landschaft. „Lars, schau mal, könnte das ein Löwe sein?“ „Quatsch, das ist ein Felsen.“ „Fahr da jetzt hin. Das ist KEIN Felsen!“ „Der letzte Felsen war auch kein Löwe, Nora“... Typisch – kein Vertrauen in mein Sachkundiges Auge 😄 Wir kommen näher ran: Es ist eine Löwin! Eine wunderschöne! Sie kaut gerade auf etwas rum... Wir positionieren uns und können Fotos machen – wie aufregend!
Lecker Frühstück! Man, das ist eine beeindruckende Katze.......
Dann steht sie auf – Huch!
Leichte Panikattacke, da Frau Löwin sich bewegt!
„Kurbel dein Fenster hoch, Nora, los, mach schon!“ Schnell kurble ich mein Fenster hoch. Mein Herz schlägt ganz schön! Die Löwin interessiert das scheinbar überhaupt nicht. Sie legt sich wieder hin. :-D Völlig umsonst panisch reagiert. Eine wirklich schöne Löwin können wir hier beobachten, das Fell glänzt und sie sieht gut genährt und kräftig aus. Die Muskeln sind ganz schön beeindruckend – mal abgesehen von den Zähnen...
Frau Löwin hat aber gar kein Interesse an einem weiteren Frühstückshappen 😄
Wau - wir haben eine Löwin gefunden! Einfach so mitten in der Steppe und keine Safariautos drumherum. Meine größte Sorge war, dass wir vielleicht keinen einzigen Löwen sehen 😊 und meine zweitgrößte (die Mara betreffend), dass wir einen Löwen sehen und 20 Autos drum herum stehen.
Toll, dass wir es alleine geschafft haben so ein beeindruckendes Tier zu finden!
Teil 3223. Apr. 2015
Massai Mara, 3. Etappe: Flecken in der Landschaft 2.0
Als wir weiterfahren treffen wir die nächsten Flecken in der Landschaft, dieses Mal sind es mehrere! Eine Elefantenherde und im Hintergrund Büffel.
Auch eine Horde Geier hat sich versammelt
Wir kommen näher an die Elefanten und entdecken sogar ein Junges - und verlieben uns sofort! Man sind die liebenswert, wie sie hinter den Großen herlaufen und sich immer direkt dahinter halten 🙂
Auch einen Sekretär treffen wir an – den hatte ich im Hell's Gate NP ja einfach nicht gut getroffen! Hier ist echt viel los!
Ha - jetzt hab ich doch ein Foto von ihm!
Nun versperren uns Zebras unseren Weg - hier tobt aber auch wirklich der Bär in der Gegend! Wenigstens bekomme ich so mein erstes brauchbares Foto von Zebras in der Mara 🙂 :
Wir treffen wieder auf Elefanten und bleiben stehen, um sie zu beobachten. Ein herrlicher Fleck, um zu schauen und dabei auszuruhen! Besonders niedlich ist das kleine Kalb 🙂. Dann kommen die Elefanten in unsere Richtung! Wie aufregend! Wie verhalten wir uns denn jetzt? Immerhin sind das Elefanten, die da in unsere Richtung laufen. Sollen wir einfach stehen bleiben? Was hatte Muzungu uns nochmal geraten? „Lasst das Tier entscheiden.“ Ok. Sie entscheiden sich herüberzukommen und wollen hier lang. Sie wissen ja, das wir hier stehen. Also bleiben wir. Dies ist unsere erste derartige Begegnung mit Elefanten. Wir kennen ihr Verhalten nicht und können sie nicht einschätzen. Deshalb sind wir etwas verunsichert. Andererseits ist es toll, dass die Tiere näher kommen:
Erst wird geguckt, dann entschieden, dass es hierlang gehen soll
Die Elefanten bleiben sichtlich entspannt
Wir kommen in die Nähe der Musiara Region. Hier ist es etwas hügeliger und steiniger.
Plötzlich entdeckt Lars etwas – Moment mal. Fehler. LARS entdeckt was? Ob das auch was ist?! 😄 😛 Tatsächlich – eine weitere Löwin! Sie klettert den Hügel hinauf – und was sieht man dort oben? Ein ganzes Rudel – fünf Köpfe kann ich zählen! Hier bleiben wir und versuchen Fotos zu machen. Nah ran können wir nicht – da oben auf dem Hügel hat das Rudel sich gut positioniert: Sie können alles sehen, keiner kann sie sehen UND es gibt Schatten! Perfekt! Zusätzlich sind die Löwinnen ziemlich faul und kommen nicht raus. So kann ich leider nicht viel beobachten...
Der aktivste Moment: Die Löwin kommt bei ihrem Rudel an – vom Ort her könnte es sich um das Ridge Pride handeln.
Dann wird der Chillmodus aktiviert.
Teil 3323. Apr. 2015
Massai Mara, 4. Etappe: Im Swamp gibt's viel Matsch!
Nun sind wir in der Region des Musiara Swamp am Mara-River angelangt. Dort entdecken wir wieder einen Hippopool und andere Tiere, die es sich hier im Grünen gut gehen lassen:
Ein Greifvogel versteckt sich zwischen den Ästen - leider ist sein Kopf deswegen nur unscharf zu erkennen.
Gedränge im Hippopool
Auch Giraffen finden liegen gemütlicher als Stehen - wie kommen die bloß wieder hoch?
Kronenkraniche - Grey-crowned Crane
Die Strecken werden immer matschiger – wir rutschen das ein oder andere mal etwas weg. Die Räder finden teilweise einfach keinen Halt... 😐 Das Low Differential kriegen wir nicht rein. Wir mussten es bis jetzt nie benutzten. Da ich ja in manchen Dingen eine Schissbuchs bin und Steckenbleiben eindeutig NICHT auf meiner Wunschliste steht, versuche ich Lars subtil mitzuteilen, dass wir vielleicht eine andere Strecke nehmen könnten 🤨 (immer ganz sachte, man will ja den männlichen Stolz nicht verletzten, sonst glaubt er noch es läge an seinen Fahrfähigkeiten... 😛 ). Zwischendurch klappt es ganz gut, deshalb beschließt Lars, dass die Strecke machbar ist. Aber dann wird es so richtig schön schlammig – genau das richtige für Lars! Der testet die Grenzen unseres Auto richtig aus! Auf einem nahe gelegenen Weg fahren zwei Safarifahrzeuge mit Driverguide und Gästen – und genau jetzt passiert's: Wir bleiben stecken! Die Räder drehen durch, der gesamte Schlamm fliegt durch die Luft und in unsere geöffneten Fenster und nichts, aber auch gar nichts geht mehr. Wir stecken fest. Aber so richtig. Wie weit entfernt war nochmal das Löwenrudel? 😮
Wir müssen aussteigen, um zu gucken, wie wir uns hier wieder raus manövrieren. Netter Weise kommen die zwei Safarifahrzeuge, um zu schauen was los ist – eine gelungene Vorstellung für die anderen Touristen! Der ein oder andere drückt schön die Daumen und die Kameras werden herausgeholt 😄 Schön, wenn wir für Unterhaltung sorgen können 😄 . Momentan können wir das Ganze aber noch recht locker nehmen. Immerhin sind wir nicht allein und Raubtiere sind auch nicht zu sehen (was -wie wir in Nakuru schon gelernt haben- nicht heißt, dass sie nicht da sind. Aber subjektiv fühlen wir uns sicher, schließlich wussten wir ja zumindest, dass EIN Löwenrudel hier gerade nicht unterwegs ist, sondern faul unterm Baum chillt.) Wenigstens ist es helllichter Mittag und nicht abends! Leider funktioniert die Kurbelwinde des einen Safarisfahrzeugs nicht. Das andere hat keine. Rausziehen gelingt folglich nicht. 😕 Was tun? 🤨 Einer der Guides setzt sich hinter unser Steuer und versucht uns rauszufahren, er kennt solche Situationen schon – aber vergeblich, es passiert rein gar nichts. 😣 Und nu? 😵 Die Touristen sind immer noch guten Mutes und lachen uns weiter an (oder auch aus). Gut, dass sie nicht verärgert sind, das wäre schlecht für die Guides, die uns helfen wollen und schlecht für uns, denn dann bekämen wir keine Hilfe mehr.... Einer fährt dann leicht versetzt hinter unser Auto, sodass er gerade eben nicht in die schlammigen Spurrillen kommt. Da mir keiner was sagt, versteh ich gar nicht was das soll. Lars hingegen scheint zu wissen, was der Plan ist, setzt sich hinters Steuer und gibt Gas – in dem Moment gibt das Auto hinter uns uns einen kleinen Schups – und da läuft es wieder – wir haben wieder Grip! 😁
Wunderbare Lösung! Wie kommen die bloß auf sowas? Wir bedanken uns herzlich. Die Guides freuen sich mit uns und Grinsen breit! 🙂 Das steht ihnen besonders gut – in ihrer traditionellen roten Massai-Kleidung sehen sie beeindruckend aus! Wir verteilen kalte Cola und Fanta aus unserem Kühlschrank, was mit einem weiteren Grinsen quittiert wird und bei dem auch keiner Nein sagt! Man haben wir ein Glück gehabt! Super die Jungs! 🙂
Lars in unserem völlig verdreckten Auto – selbst auch völlig verdreckt aber sichtlich glücklich 😄 – was für mich teilweise anspannend war, ist für ihn ein Riesen Abenteuer! Männer halt...
Gut, wieder eine Lektion gelernt: Vermeide riesige Schlammlöcher und wenn's nicht anders geht: FAHR NIEMALS IN DIE SPURRILLEN!
Die nächsten Schlammlöcher lassen wir lieber liegen oder inspizieren sie genauer... Leider gibt es hier teilweise im Gras gelegene Wasserpfützen, wo der Boden richtig schlammig ist – die sind besonders tückisch, denn von weitem sieht es aus, als würde der Weg ganz normal durch Grasebenen führen.... Für heute haben wir aber Glück – wir bleiben nicht mehr stecken.
Tatsächlich ist Mutternatur wieder gut zu uns und belohnt uns für unsere mittäglichen Strapazen: Wir treffen erneut eine Herde Elefanten, dieses Mal 15 Tiere! Sie kommen aus den Galeriewäldern des Mara. Ganz gemächlich entscheiden auch diese wieder, das die Stelle vor unserem Wagen genau diejenige ist, wo sie lang wollen. Keinen Schritt weichen sie aus und trotten ganz gemächlich an uns vorbei. Von Unruhe oder Angst keine Spur! So bekommen wir eine Elefanten-Parade wie aus dem Dschungelbuch zu sehen. 🤩 Auch hier haben wir großes Glück, denn es sind Jungtiere dabei! Wir sind total glücklich - wie kann man denn so viel Glück haben und zweimal an einem Tag einer Elefantenherde mit Jungen begegnen?
Ein Tier trottet voraus – wahrscheinlich die Leitkuh.
Wieder ist ein Jungtier dabei. Wieder hält es sich dicht hinter seinem Vorgänger
"Huuuui waret auf mich! Ich bin nicht so schnell!“
Dann trotten sie gemächlich von dannen....
Was könnte es Schöneres geben, als zu einer Pause gezwungen zu werden, weil Elefanten über die Straße wollen? 🤪
Daddle-billed Stork
Teil 3423. Apr. 2015
Massai Mara, 5. Etappe: Zurück in Richtung Talek-Gate
Nun fahren wir am Mara entlang. Der berühmte Fluss, durch den jährlich Hunderttausende Gnus und Zebras migrieren. Er sieht noch besser aus als in den Filmen! Jetzt entdecken wir auch die ersten Nilkrokodile – man sind die fett! Das ist aber mal ne ganz andere Hausnummer als die kleinen Krokodilchen im Lake Baringo...
Ein nachmittägliches Sonnenbad
Chillen am Ufer - wieso sind hier eigentlich alle Tiere so faul?
Wir fahren weiter, stellen aber schnell fest, dass die Ebenen teilweise recht verlassen sind. Nur selten kommen wir an größeren Herden vorbei, die sich am Horizont sammeln
Wunderschöne Savanne
Eine ganz kleine Antilope! Wie süß! Gattung: Topi (Damaliscus lunatus topi) Ja ich kann auch lateinische Bezeichnungen!
Eine einsame Topi-Antilope zieht durch die Weiten der ostafrikanischen Savanne... Eine meiner Lieblingsaufnahmen!
Wir fahren wieder zurück – vielleicht zeigt das Löwenrudel oben auf dem Hügel ja jetzt mehr von sich? Dank Navi finden wir es schnell wieder, man kann sich Punkte auf der Karte markieren und einen Weg dorthin suchen lassen! Nein. Wir sehen nichts. Angesteckt sind wir dennoch – wir würden so gern ein richtig großes schönes Männchen mit toller Mähne sehen 🙂
Wir sind wieder in der Talekregion und entdecken zwei Matatus. Da gibt’s bestimmt was zu sehen – also ab dahin! Es ist schon Nachmittag geworden, deshalb wollen wir uns hier aufhalten, um nicht zu spät aus dem Gate rauszufahren.
Die Matatus haben Giraffen gespottet – wirklich schöne Tiere!
Ein Stück weiter entdecken wir noch ein Matatu, das wieder an einer Ansammlung von Büschen positioniert ist. Wir fahren hin. „Das sind Löwenbabys!“ Wir stellen uns dazu und können unser Glück kaum fassen – Sechs Jungtiere liegen hier in der Abendsonne herum und spielen.
🤩 Boah, haben wir ein Glück! Ich kann´s nicht fassen!
Teil 3523. Apr. 2015
Massai Mars, 6. und für heute letzte Etappe: Löwenbabys! 🤩
Ach, ist das herrlich. Und wie süß die Kleinen sind...
Nur, wo Löwenjungen sind, da können auch Löwinnen nicht weit sein. Wir entdecken aber keine.... Wir knipsen fröhlich weiter und stellen eine nahe äußere Verwandtschaft von Löwenjungen zu Teddybären fest – so niedliche runde Köpfe gucken uns an. Dann rollt das Matatu ein wenig beiseite – und entblößt eine weitere Überraschung – ein Männchen! Es lag die ganze Zeit dort. Bemerkt haben wir ihn nicht. Ein Prachtexemplar mit richtig viel Mähne – so kullert er sich auf den Rücken und streckt seinen vermutlich völlig voll gefutterten Bauch himmelwärts:
Ich versuche weiter die Kleinen zu fotografieren – der Dicke bewegt sich eh nicht...
Goldig
Und dann erscheint zwischen den Kleinen ein Kopf – ein großer Kopf - größer als der der Jungen! Wir haben die Mutter entdeckt, oder die Tante. Löwinnen eines Rudels hüten ja gemeinsam die Jungtiere. Sie war hinter einem Gras bewachsenen Erdhügel versteckt – man konnte sie nicht sehen. Und wir stehen wirklich nur ein paar Meter entfernt.
Deckung pur: Der Erdhügel hat gereicht, um der Löwin perfekte Deckung zu geben! Meisterhaft!
Nun beginnt das Licht wärmer zu werden und die Abenddämmerung kündigt sich an. Das Matatu fährt nun weiter – wir haben die Löwen für uns ganz allein 🙂
Papalöwe liegt immer noch faul rum.
Auch die kleinen üben schon mal Anpirschen 🙂 Hier sieht man, dass die Jungen nicht mehr wirklich Babys sind – eher Kleinkinder.
Erwischt!
"Was seit ihr bloß? Irgendwie seit ihr mir nicht ganz geheuer!"
Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm – das Junge hebt schon genauso stolz den Kopf wie die Mutter
Ui – das war ja eine Flut von Bildern! Ich verknipse endlos viel Speicherplatz. Da werde ich wohl ein wenig was löschen müssen, wenn ich noch Fotos für den Rest des Urlaubs übrig haben möchte... 😄
Leider beginnt die Sonne unter zugehen und wir müssen los. Schnell wird die Stelle im Navi markiert. Auf dem Rückweg entdecken wir noch eine weitere Katze, die Lars zunächst für einen Gepard hält: Es ist ein Serval. Damit habe ich nicht gerechnet. In den Büchern heißt es immer, Servale bekäme man kaum zu sehen...
Ein Serval (Felis serval)
Am Gate bekommen wir keine Probleme wegen unseres Permits. Jetzt können wir unsere Rechnung aber auch nicht mehr begleichen. Die Kasse macht gerade zu. Wir wollen aber morgen nochmal in die Mara, also wollen wir das Geld morgen begleichen.
Teil 3626. Apr. 2015
Als wir abends im Camp ankommen sind wir glücklich, fix und fertig und vor allem hungrig! Tatsächlich stellen wir im Restaurant fest, dass heute etwas Besonderes im Gange ist – Tische sind zu Reihen aufgestellt, es gibt Buffet und es ist geschmückt – wir fragen, ob wir dazukommen können, was kein Problem ist. Aber was ist es denn, was hier vor sich geht? Irgendwas haben wir verpasst... Und erst dann wird uns klar: Gerdi hat Geburtstag! Und wir sind voller Schlamm... Eigentlich müssten wir erst duschen - aber gerade ist Essen das Wichtigste auf der ganzen Welt! 😄 Wir unterhalten uns mit den anderen Gästen und sprechen über unseren ersten Tag in der Mara. Wir erzählen von unseren tollen Sichtungen: Gnus in Aufruhr, einzelne Löwin beim Fressen, verstecktes Rudel Löwinnen, Elefantenherde mit Jungtieren, Elefantenparade direkt vor unserem Auto, Giraffen, Serval und natürlich Löwenbabys 🙂 Die anderen erzählen von einem Geparden, der den gesamten Tag unter einem Baum gelegen hat. Das spornt uns an, morgen auch einen Geparden zu sehen!
Es gibt Gesang und eine zuckersüße Torte und tatsächlich treffen wir noch Leute wieder, die wir schon auf dem Pfingst-Braai kennengelernt hatten. Wer hätte damit gerechnet? 🙂 Wir gratulieren Gerdi und werden noch zum Lagerfeuer eingeladen 🙂, allerdings wollen wir dann doch erst duschen und schon einmal unsere Rechnungen bezahlen - wir wollen versuchen am nächsten Tag eine Campsite im Reservat zu beziehen! Nach dem Duschen sind wir allerdings pappsatt und vor allen Dingen müde. Wir können uns kaum noch auf den Beinen halten und verkriechen uns dann doch ins Zelt. Schade ums gesellige Lagerfeuer, aber morgen wollen wir wieder früh raus und meine Augen fallen mir schon wieder zu! Ich habe unfassbar viel zu verarbeiten – an unserem ersten Tag in der Mara haben wir schon so unglaublich viel gesehen und hatten unheimlich viel Glück! Es ist schier unfassbar für mich, das nur ein einziger Tag vergangen ist....
Teil 3726. Apr. 2015
15.Tag. 08.10.2015: Massai Mara National Reserve – ein Raubtiertag
1. Etappe: Startschwierigkeiten Wieder stehen wir früh auf, d.h. ich stehe auf - erst wenn der Kaffee schon warm ist, kriege ich auch Lars aus dem Dachzelt.... Heute soll es wieder möglichst früh in die Mara gehen. Wir wollen in Richtung Mara Triangle fahren, um zu schauen, ob wir eine Camp Site bekommen können, die IM Reservat liegt – das wäre ein Traum! Für heute steht außerdem die Suche nach einem Geparden an. Wir wollen wieder den gesamten Tag im Reservat verbringen und organisieren unseren Kofferraum so, dass wir problemlos an kalte Getränke, Bananen, Erdnüsse und Yum Yum Suppe kommen können. 🙂
Aber auch heute gibt es Probleme mit dem bezahlen 😣 . Die Kassierer sagen uns, gestern hätte es kurz nachdem wir gefahren sind funktioniert. So um acht Uhr. Wir beschließen deshalb erstmal tanken zu gehen und dann hoffentlich bezahlen zu können. Die „Tankstelle“ ist ein Kanister voll Diesel mitsamt Schlauch. Wir lassen volltanken, denn unser Tank ist schon halb leer. Leider müsseb wir dann feststellen, dass die guten Herrschaften uns fast eine volle Tankfüllung, d.h. 65 Liter berechnen. Wie gesagt, unser Tank war halb leer (also passen bei einem 80 Liter Tank nur 40 Liter rein). Die netten Herrschaften versuchen also zu bescheißen. Gut, unser Fehler – wir hätten uns selbst einen Kanister befüllen lassen sollen, dessen Volumen wir kennen. Ich finde das gar nicht witzig und wehe dem, der sich mit einer wütenden kleinen, blonden Frau anlegt! 😠 Es wird also heftig diskutiert 1. Darüber dass die Menge getürkt ist und 2. Über den völlig überzogenen Preis von 150 KSh, was 150% dessen sind, was wir sonst bezahlt haben. Da wir an der Mara sind, sind wir bereit mehr zu bezahlen, das ist vollkommen ok. Aber nicht so. Schließlich fordern wir den Tankwart auf, den Sprit wieder rauszupumpen. Ich bin sauer, Lars ebenfalls, das ganze nervt, schließlich wollen wir heute noch ins Reservat. 😕 Anscheinend war das der Denkanstoß, jedenfalls lässt der „Chef“ der Truppe sich nun auf Verhandlungen ein. So bekommen wir unseren Sprit dann doch noch zu einem einigermaßen verträglichen Preis.
So eine improvisierte afrikanische Tankstelle mal gesehen zu haben war zwar cool, aber dass man wirklich bei jeder geschäftlichen Interaktion aufpassen muss wie ein Schießhund, dass man nicht verarscht wird, geht uns gerade gewaltig gegen den Strich.
Nun kommen wir erst gegen 9 Uhr wieder zum Gate – wozu sind wir bloß so früh aufgestanden? Für den Eintritt müssen wir 160 $ (In Ksh) bezahlen (Die Nachzahlung für gestern und heute) plus die Gebühren für das Auto. Der KSh Kurs, der hier vorliegt ist der von Ende September - d.h. wir bezahlen weniger als wir nach dem aktuellen Kurs müssten. Endlich klappt alles und ich hab es aus dem Kopf noch bezahlen zu müssen.
Mit einem gültigen Permit in der Hand fahren wir nun endlich ins Reservat rein und in Richtung Fig Tree Camp, um mal wegen Übernachtungsmöglichkeiten nachzuhorchen. Dort treffen wir die ersten Ranger, die unser Permit sehen wollen. Sie empfehlen uns wegen einer Campsite am Musiara Gate zu fragen, bzw. anzurufen, campen dürfe man nur in der Mara Triangle. Ich lese im Reiseführer und auf der Internetseite nach: Kostet 30 $ pro Person (oder 40 $ für eine Special Campsite) plus 4000 Ksh für einen Wächter – wir brauchen aber zwei Wächter. Das hieße 7000 Ksh pro Person für eine Nacht! What?! 🙄 Naja, wir beschließen, dass das nicht die einzige Möglichkeit sein kann. Schließlich hatte ich gehört, dass es direkt am Oloololo Gate außerhalb der Reservatsgrenzen auch Campsites gibt, die nicht so teuer sind. Gut, dass es hier noch Internet gibt, so finde ich sogar eine Nummer raus.
Nun fahren wir – was auch sonst – zum Spot, an dem wir abends das Löwenrudel mit den Jungtieren gefunden hatten! 🤩
Ich lese mir das Permit nochmal durch, ob auch alles richtig abgebucht wurde – nicht zu viel oder zu wenig und stelle fest: Das Permit ist gültig ab heute 10:00 Uhr (08.10.) bis zum 10.10. um 10 Uhr.... Moment Mal – die sollten doch zwei Tage abbuchen, weil wir für gestern noch nachbezahlen mussten! Nun haben die Kassierer aber zwei Tage ab heute gebucht! Ich zeige Lars den Ausdruck, der schaut auch nochmal drüber und tatsächlich – gültig ist´s bis zum 10.10! Lars und ich grinsen uns an und denken – Schicksal, das soll dann wohl heißen, dass wir am 09.10 auch noch in der Mara sein werden 🙂. Kurz überlege ich, ob wir das Ganze jetzt richtig stellen sollen. Das Bild von der Verwirrung, dem Gewusel und der Überfordertheit, die das Umbuchen wohl auslösen würde schreckt mich direkt ziemlich ab. 🤨 Nein, beschließen wir, man muss das Glück auch mal annehmen können, wenn es einem in den Schoß fällt – besonders, weil die Preise für die National Park / National Reserve Eintritte so unglaublich teuer sind!!! (Wobei mir wieder die Frage einfällt - wer bekommt das ganze Geld eigentlich WIRLKICH?) Irgendwie macht es auch das versuchte Bescheißen der Tankwarte wieder gut – zumindest in unserem Gefühl.
Wo fahren wir wohl als erstes hin? Dreimal dürft ihr raten: Wir tukern wieder mit rausgestreckten Köpfen am Talek entlang immer auf der Suche nach den Löwenbabys!!! Wir freuen uns schon total darauf! Ich fühle mich wie ein Kind am ersten Urlaubstag! Vorfreude pur!
Unsere erste Sichtung für heute: Riesenkrokodil
Das Tolle an unseren Tiersuchtouren: Wir begegnen kaum andern Autos! Bis plötzlich ein Matatu auftaucht – etwas abseits des Weges, aber es steht eindeutig da rum! Da muss doch was sein! Vielleicht die teddybärköpfigen Löwenbabies? Hin da!
Nein, keine Löwenbabies. Anstatt dessen: Ein wunderschönes Löwenpäärchen – ein Weibchen mit seinem beeindruckenden Männchen! Und wie schön er ist und kräftig und eine goldene Mähne hat er 🤩 ! Das gibt’s doch nicht. Ein Päärchen alleine – das kann doch nur eins bedeuten.... Genau! Ihr habt‘s erraten 😉 Alle 18 Minuten habe ich mal gelesen – man könne dir Uhr danach stellen 😄 das testen wir doch gleich mal aus =) Im Moment machen die zwei allerdings – wie immer - gar nichts.
Des Löwen Lieblingsbeschäftigung: Im Schatten dösen.
Ui – eine Bewegung!
Sogar ein Blick in unsere Richtung!
Er steht auf und nähert sich schnuppernd. Sie sagt: „Geh weg! Ich schlafe!“
Er so: Es sind aber schon 18 Minuten rum! Und sie: „Ok, wenn's denn sein muss.“
Kaum wieder hingelegt, sucht sich das Weibchen einen eigenen Busch. So geschafft, sieht er wirklich knuddelig aus!
Dann besinnt er sich aber wieder und schaut stolz in die Kamera!
Auch sie kann sich nicht entscheiden: Süß und knuddelig....
… vs. Stolz und stark!
Und dann – tatsächlich nach 20 Minuten – geht das Ganze wieder los....
Danach wird der Busch direkt neben unserem Auto gewählt... Bedrohlich sieht der Blick nun wirklich nicht aus!
Teil 3826. Apr. 2015
2. Etappe: Löwenbabysuche 2.0
Wir fahren in Richtung Fluss. Irgendwo hier müsste sich doch das Löwenrudel rumtreiben... Zunächst treffen wir aber eine Aasfresser-Tagung mitten im Fluss:
Marabus und Geier warten auf die nächste Lieferung Aas....
Und dann entdecken wir ihn:
Noch fauler kann man echt nicht sein!
Moment mal, die Pose kennen wir doch! So hat der Papalöwe doch gestern schon seinen Bauch himmelwärts gestreckt und seine Mahlzeit (die offensichtlich üppig war) verdaut! 😁 Wo hat Papalöwe also die Kidz gelassen? 🤪
Nun also: Im Schritttempo Büsche absuchen! Hoffentlich sehen wir die Kleinen nochmal – die Begegnung gestern war ein Geschenk, aber doch viel zu kurz! Bitte, bitte, lass sie sich nicht versteckt haben! 😕 Moment – was seh' ich da – es ist gold! Es hat Punkte! Es sitzt unter einem Busch: Löwenbaby! 🙂 Lars ist einfach der beste Fahrer. Er schafft es tatsächlich einen kleinen Weg dorthin zu finden – ob das ein offizieller Weg ist, wage ich zu bezweifeln, aber es ist erkennbar ein Weg, der schon mal benutzt wurde!
Ui wir wurden ertappt!
So und nun entschuldigt mal bitte – aber hier wird die Verwandtschaft mit Teddybären doch sehr eindeutig bestätigt... Wie könnte man was anderes behaupten? Picco gibt mir da nach seiner Begegnung im Nairobi NP sicherlich Recht 😄
Die stolze Mama
Kuschelparty!
So nun ist auch Lars hin und weg und ist überzeugt davon, dass wir einen der Kleinen mitnehmen sollten – wie lenken wir bloß die Mama ab?
Teil 3928. Apr. 2015
Die Weiterfahrt führt uns erneut durch weite Savannenebenen. Es ist nicht viel zu sehen, die Ebenen sind leer, nur einzelne Akazien erheben sich über die weiten Grasflächen. An einer Akazie stehen zwei Safarimobile und ein Jeep – spannend! Mal schauen, was wir nun wieder entdecken! Im Schatten des Baumes liegt etwas, das aber eindeutig zu klein für einen Löwen ist 🙂.
Es ist eine Gepardin! Und – wie kann man nur so ein Glück haben – auch sie hat Jungen – zwei kleine, puschelige Katzen liegen dort im Schatten! Anders als die Löwinnen ist die Gepardin aufmerksam und schaut sich ständig um. Sogar den Wind hat sie im Rücken – wir vermuten, dass sie auf diese Weise riecht, was aus ihrem Rücken kommt und sieht was von vorne auf sie zukommt. Manchmal fallen ihr die Augen zu – dann hebt sie wieder schlagartig den Kopf und öffnet die Augen erneut. Wir bleiben länger als eine halbe Stunde hier. Die Situation erinnert mich an einen Film von Disney "Im Reich der Ruabkatzen", in dem eine Gepardenmama ihre Jungen durchbringt - die Gepardin hat ihr eigenes musikalisches Thema, welches mir nun wieder einfällt und ich kann nicht anders als leise vor mich hinzusummen... Eine wunderbare Zeit.
Unsere erste Gepardensichtung
Hechelnde Gepardenmama im Schatten – im Gegensatz zu den Löwen, bei denen die Jungen im Rudel aufwachsen können, muss sie ihre Jungen ganz auf sich allein gestellt durchbringen! Eine wirklich starke Mama!
Ein Junges zeigt sich 🙂...
...und nun sieht man auch den Fellflaum auf dem Rücken sehr gut!
Natürlich wird jede kleinste Bewegung der Gepardenjungen sofort per Druck auf den Auslöser dokumentiert! Es macht einfach Spaß zuzusehen 🙂 Und dann entdecken wir, dass es nicht zwei Jungen sind sondern fünf!
Fünf Junge – Hut ab vor der starken Mama!
Teil 4028. Apr. 2015
3. Etappe: Sind wir hier im falschen Film?
Heute haben wir leider ein Problem mit unserem Navi: Es warnt uns ständig vor zu geringem Akkustand - anscheinend hat die „Steckdose“ zum Aufladen einen Wackelkontakt. In der Nähe des Mara-River halten wir deshalb beim nächsten Tented Camp an. Vielleicht gibt’s dort nen Mechaniker. Wir werden freundlich begrüßt, dass wir hier einfach halten ist überhaupt kein Problem. Allerdings ist der Mechaniker momentan nicht da. Eigentlich erwarten wir nun verzweifelte Gesichter und mindestens eine Traube von fünf Menschen, die uns was verkaufen wollen 🙄 Überraschenderweise bleibt dies aber aus und noch viel überraschender bietet der Manager uns an,solange hier zubleiben, um auf den Mechaniker zu warten 🤨 . Er bittet uns hinein und wir stehen vor fest installierten Safarizelten auf einer kleinen Lichtung mitten im Busch 🙂 . Es gibt kleine Wege zwischen den Zelten, von denen erstaunlich wenige vorhanden sind. Ich sehe auf Anhieb gerade mal fünf Wohnzelte. Das Aufenthaltszelt ist erstaunlich luxuriös – es gibt große gepolsterte Couchen, gemütliche Sessel und einen Schreibtisch im Kolonialstil, an dem ein Gast an seinem Laptop Fotos sortiert. Ich möchte nur mal erwähnen, dass sowohl Lars als auch ich Cappies auf dem Kopf, weite Hosen an den Beinen und Sneakers anhaben... 😐 . Ich dachte eigentlich wir wären auf Abenteuer-Safari-Kurs, aber hier fühle ich mich eher wie in den Bushcamps von „Jenseits von Afrika“. Vielleicht sind wir hier im falschen Film? 😄
Dank des freundlichen Managers finde ich mich in einem super gemütlichen Stuhl auf der Veranda wieder. Kaffee wird uns auch gebracht. Und sogar Kuchen! Den traue ich mich gar nicht anzurühren. Der kostet bestimmt 10 $ pro Stück! Dann kommt der Kellner und fragt mich, warum wir nicht den Kuchen essen. Okay, jetzt kann ich nicht mehr nein sagen..... 😊
So sitzen wir also in einem Luxuscamp und warten darauf, dass der Mechaniker unser schrottiges, total verdrecktes Auto repariert.... (Arme Old Lady, aber so fühlte ich mich nun mal). 😕 Irgendwie fühle ich mich ja schon etwas fehl am Platz! Wir quatschen mit dem Manager und fragen mal vorsichtig – nur des Interesse halber – nach, wie viel es denn kostet hier zu übernachten – 175 $ die Nacht pro Person! What?! 🙄 Wir müssen wohl ziemlich doof geguckt haben, das schließe ich jetzt mal aus dem herzhaften Lachen des Managers. 😄 Ob er wüsste, wo wir eine Nacht campen können, fragen wir ihn. Also bei ihm im Camp wäre das nicht möglich, sagt er. Aber er hätte eine Idee....
Dann kommt der Mechaniker. Ein junger Typ. Wie immer kommen auch vier andere, die gucken und drum herum stehen. Schön, dass wir erneut für Unterhaltung und Abwechslung sorgen! Das ist uns doch gestern auch schon gelungen 😛 Im Gegenteil zu der Reparatur-Aktion in Nakuru macht dieser Mechaniker einfach mal die Motohaube auf. Schraubt ein Kabel wieder an – und schwups – Wackelkontakt behoben 🙂 Wau! Das wird mit reichlich Trinkgeld und kalter Cola belohnt! Wieder lacht der Manager herzhaft! Toll, wie laut und intensiv der lachen kann – das kommt tief aus dem Bauch raus. Anscheinend sorgen wir nicht nur für die Unterhaltung der Angestellten! 😗
Nun gibt er uns einen seiner Angestellten mit, der uns dorthin lotsen soll, wo wir vielleicht Campen können. Für den Kaffee und den Kuchen will er nichts haben. Ich gucke Lars noch unsicher an und nuschle was von wegen „müssen wir das Essen nicht bezahlen?“. Aber nein, es wird keine offene Hand ausgestreckt. Anstatt dessen wir werden mit winkender Hand verabschiedet. Jetzt mal ernsthaft – es gibt was umsonst? Hier? In Kenia? Wir müssen im falschen Film sein! 🤨
Wir fahren einmal um das kleine Wäldchen rum, in dem das schöne Camp liegt und kommen zu einer Lodge. Moment mal - einer Lodge?! 😮 Ich schaue mich skeptisch um. Aber auch hier werden wir schon vom Manager empfangen. Eine völlig neue Erfahrung für uns, war doch bis jetzt jeder Service, den wir von den Kenianern empfangen haben gelinde gesagt ein wenig ( 😄 ) unorganisiert... Hier aber steht immer jemand bereit und es wird sofort jemand organisiert, der weiter weiß. Der Manager weiß schon worum es geht, muss ja schnell sein dieses Buschtelefon. Er hätte vielleicht etwas für uns. Ich bin etwas verwundert, lasse mir aber erst mal nichts anmerken, schauen können wir ja mal. Wahrscheinlich wird es eh viel zu teuer sein. Nun fahren wir erneut mit dem Angestellten weiter, der uns an einen Platz im Außenbereich der Lodge zeigt. Irgendwie haben wir aber das Gefühl, das hier nie ein Auto hinfährt. Aber das Ganze ist mitten im Busch und hat keinen Zaun. Und das wollten wir doch. 🙂 Der Manager ist anscheinend zu Fuß durch das Wäldchen gelaufen und steht nun auch schon hier. Er bietet uns an hier für uns ein Bushcamp einzurichten mit Toilette und Lagerfeuer. Erstaunlicherweise ist auch der Preis erschwinglich. 🙂 Wir wissen nicht so recht und lassen uns die Nummer geben, damit wir uns melden können – eigentlich ist es doch eine Lodge, wieso sollten wir dann hier campen können? 🤨
Nach dieser schönen Verschnaufpause fahren wir weiter durch die Ebenen. Wir wollen am Musiara Gate nochmal nachfragen. Ich rufe auch die Nummer an, die ich im Internet gefunden habe. Helfen tut der Mann am anderen Ende der Leitung mir nicht. Ich habe eher das Gefühl, er weiß noch weniger über Campingplätze als ich. Vielleicht versteht er auch gar nicht, was ich von ihm will 😠
Mitten in den Ebenen fällt mir dann eine Gruppe auf, die mitsamt Tisch und Toilettenhäusschen im Schatten einer Akazie picknickt 🤨 . Es scheint eine organisierte Gruppe von einem Camp zu sein. Ich dachte aussteigen wäre verboten? Hier anscheinend nicht - vielleicht da übersichtlich? Also, wenn die hier picknicken können, wieso sollen wir dann nicht eine Nacht in einem Buschcamp schlafen?
Am Musiara Gate schließlich kann uns auch keiner weiterhelfen. Weiß hier eigentlich irgendwer irgendwas? Willkommen in Afrika! 😣
Nun sehen wir zwischen den Bäumen des Musiara-Swamps eine weitere Gruppe, die sich hier zum Picknicken eingefunden hat. Fein säuberlich ist ein Tisch mit weißer Decke auf einer Lichtung an den Biegungen des Mara aufgestellt. Wahnsinn! Immerhin hat diese Gruppe Ranger dabei! Lars, wie immer gerade heraus, fragt einfach mal nach, ob man – wenn man hier tagsüber pcknicken kann – hier auch nachts zelten dürfe. Wir bekommen eine ausweichende Antwort „Mh.. I don really know. I feel like you have to speak with your organizer.“ „We don have one. We just want to camp.“ „Oh, okay. Mh maybe you should drive to the camp, to which this people belong to. Maybe they can organize something for you.“ 🙄 Das ist doch schon eher so, wie wir die Antworten in Kenia kennengelernt haben: Indirekt, undurchsichtig und vor allem: Alles offen lassend – es könnte sich ja was ergeben. 😄
Wir schauen nach zu welchem Camp diese Gruppe gehört und nehmen uns vor, dort vorbeizufahren, falls es ungefähr auf dem Weg liegt. Nun wird mir aber klar, dass es für die großen Camps anscheinend normal ist solche Camps zu organisieren. Ob das so richtig im Sinne des National Reservats ist, ist mir allerdings nicht ganz klar.
Wir wollen trotzdem nochmal versuchen, ob wir den Tag über jemandem von der Verwaltung des National Reservats erreichen – wenn da nichts geht, dann nehmen wir das Buschcamp! 🙂
Teil 4128. Apr. 2015
4.Etappe: Noch mehr Löwen
Ich bewundere weiterhin die wunderschöne Landschaft, die zusätzlich mit einer beeindruckenden Wolkendecke aufwartet
Wir müssen uns so langsam wieder auf den Weg Richtung Gate machen. Die Zeit heute ist viel zu schnell um gegangen. Wir haben nicht viele verschiedene Tierarten beobachten können, aber dafür stundenlang Löwenpäärchen, Löwenjungen und die Gepardenmama mit Familie! Und was passiert tatsächlich in der Nähe des Talek Gates wieder? Wir treffen Löwen! Einer liegt – was auch sonst? - ziemlich faul rum
Der andere jedoch hat ganz klar ein Ziel vor Augen – wir sind es glücklicherweise nicht! Und da Daddy nun aufbricht, wer kommt dann hinterher? Die gesamte Familie!
Wir beschließen für heute die Einladung von Dietmar ins Crocodile Camp anzunehmen. Wir werden herzlich begrüßt und dürfen uns einen Platz zum campen aussuchen – wie so oft sind wir die einzigen Camper. An der Bar sind tatsächlich noch andere muntere Gäste wach, so können wir noch quatschen. 🙂 Von unserem Campingplatz direkt unter einem uralten Baum haben wir freie Sicht auf die Savanne, wo wir Warzenschweine und Gazellen entdecken können. Wie an den meisten Abenden sitzen wir am Lagerfeuer, als der Himmel sich in den unterschiedlichsten Nuancen tiefrot verfärbt! Ein wunderschöner Sonnenuntergang denken wir. Doch einer der Angstellten klärt uns auf – das ist nicht die Sonne, sondern ein riesiger Mond, der durch den Sonnenuntergang eingefärbt ist. Wahnsinn! 🤩 Da sonst keine Camper da sind, dürfen wir Dusche und WC des Zeltes neben uns benutzen – Boden und Seiten des Bads sind mit Steinen im Giraffenlook ausgekleidet 🙂 Sehr schön! Dann geht’s aber auch schon ins Bett, viel haben wir hinter uns! Gute Nacht!
Teil 4228. Apr. 2015
1. Etappe: Löwen, was sonst?
Da ich einfach nicht genug kriegen kann, nötige ich den armen Lars wieder zu der Löwenfamilie zu fahren. Zuerst beobachten wir allerdings eine komische Art blaues Tier, das am Talek langschleicht
Haben die eigentlich keine Angst? Wir sind kaum weit entfernt von einer Löwenfamilie....
Gut, dass auch Lars die Kleinen gern beobachtet – mittlerweile sind wir echt Profis und finden die Kleinen relativ schnell – und wir haben sie wieder ganz für uns allein 🙂.
„Mama, ich will spielen!“ „Du siehst doch, dass ich faulenze!“
Teddybär oder Teddybär?
Heute haben wir wieder den Morgen über Glück und treffen auf eine Herde Elefanten! Wir bleiben in einigem Abstand stehen und freuen uns über die Tiere – Wahnsinn wie groß die Erwachsenen sind!
„Jipiiieh ich laufe, ich nehme Anlauf jipiiiiehhhh...... uuuuund......“
„…..... Wuuuuuu – seht nur wie ich meine Ohren fliegen lassen kann! Wuuuuu – gleich hebe ich ab!“ Stellt euch vor, wie das live aussah! 😄 😄 😄 Goldiger kleiner Kerl! Den muss man doch lieb haben!
Eine Kuh säugt ihr Kalb
Leider ärgern wir uns heute morgen auch ziemlich, denn zwischen den Tieren stehen Matatus, die viel zu nah ran fahren. Sie stehen nicht dort und warten ab, ob die Elefanten näher kommen, nein, sie fahren wirklich direkt mitten in die Herde rein, zwischen die Tiere, zwischen Mutter und Kalb! 😠 Was denken die sich eigentlich? 😠 Am liebsten würde ich denen auch mal beim Frühstück mitten über den Tisch gerollt kommen! Die spinnen ja wohl total. 😠 😠 Man merkt deutlich, dass die Elefanten, obwohl sie sich ruhig verhalten, eher den Abstand zu den Fahrzeugen suchen. Ich kann's ja verstehen, dass man schöne Fotos mit nach Hause bringen möchte, möchte ich auch – aber muss man den Tieren deswegen arg auf den Sack gehen? Denen sollten die großen Elefanten mal zeigen wo's langgeht... 😗
Teil 4328. Apr. 2015
2. Etappe: Gnus und noch mehr Gnus
Wir fahren weiter in den Süden in Richtung Mara-River - und sehen schließlich eine riesige Herde Gnus, die immer weiter wandert 🙂 . Plötzlich setzt sich die ganze Herde schlagartig in Bewegung und fängt an zu laufen. Tausende Tiere galoppieren mit einem ohrenbetäubenden Getrampelt an uns vorbei! Gut, dass wir in einiger Entfernung im Auto sitzen. Unter die tausenden Füße möchte ich nicht geraten! 😕 Ein faszinierendes Spektakel spielt sich vor unseren Augen ab – wir sehen eine der großen Gnuherden durch die Savanne ziehen und am Horizont zeichnen sich noch mehr Tiere ab, die sich der langen Reihe anschließen! 🤩
Leider kann man auf dem Foto nicht erkennen, wie groß die Herde war, da dass das Gelände abfällt
Gnus in Bewegung
Auch das Panoramafoto wird der Gewalt der Herde nicht gerecht.... Dies gehört zu den Dingen, die man gesehen, gehört und gefühlt haben muss, um sie sich vorzustellen....
Die Herde wirkt deutlich aufgeregt und bewegt sich zielstrebig immer einem Tier hinterher. Vielleicht gibt es ein Crossing? 🤩 Immerhin laufen sie In Richtung Mara-River.... Das wäre ja absolut genial! Wir schauen auf die Karte, ob Punkte markiert sind, an denen häufgier crossing passieren - Dietmar hatte uns empfohlen direkt gegenüber von der Mara Serena Safari Lodge zu schauen.
Nun fahren wir am Mara entlang. Ich versuche immer die Herde am Horizont im Blick zu halten. Hoffentlich gibt's ein Crossing! Hier in der Umgebung gibt es deutlich mehr Gnus als wir an den bisherigen Tagen gesehen hatten. Überall treffen wir kleine Herden an.
Und wo auch Gnus sind, da sind auch die Löwen nicht weit...
Ein Safarimobil bei lauschigem Plätzchen unter einem Baum - das kann doch nur eins bedeuten... Mit dem Bach im Hintergrund ein sehr schöner Platz!
Drei wunderschöne Löwen
Wunderschönes Fell!
Und wie immer am dösen
Lars ist allerdings etwas erschöpft. Ihm gehen langsam die Kräfte aus, deshalb steuern wir einen Viewpoint an, der oben auf einem Hügel gelegen ist. Leider hat der keinen Namen, mal abgesehen von "Aussichtspunkt auf einem Hügel" wie es bei mir im Lonely Planet heißt 😄 ...Hier kann man wunderbar zu allen Seiten sehen und aussteigen. Wir holen unseren Gaskocher raus und machen Yum yum Suppe zu Stärkung. Es zeigen sich einige Agamen, die die Mittagshitze auf den Steinen genießen. Der in den Südwesten in Richtung Mara-River ist wunderschön.
Aussicht auf den Mara-River
Die Agamen genießen die Mittagssonne sichtlich...
Panoramasicht vom Viewpoint aus
Wir halten weiterhin Ausschau nach der großen Gnusherde, die wir von hier oben noch sehen können. Allerdings scheint es als hätten die Tiere sich wieder beruhigt, denn nun bewegt sich dort nichts mehr. Vielleicht gibt es doch kein Corssing mehr? Wir wollen es trotzdem am Crossing Point versuchen! Nun könnten wir gut eine Siesta vertragen, allerdings wollen wir erstmal wieder an einen ruhigeren Ort, denn hier gibt es tatsächlich auch noch andere Touristen außer uns! Wir suchen uns eine Stelle mit schöner Sicht auf den Mara, bleiben einfach ein wenig im Auto sitzen und ruhen uns aus... 😎 So viel Faszinierendes haben wir heute schon gesehen, das muss erstmal verarbeitet werden - mal schauen, was der tag noch für kleine Überraschungen hergibt 😉
Fortsetzung folgt...
Teil 4429. Apr. 2015
3. Etappe: Überraschende Begegnungen
So stehen wir an einer schönen Stelle am Mara und genießen die Aussicht, Wahnsinn, welch steilen Ufer die Gnus überwinden müssen. Und schließlich entdecken wir etwas, was wir bisher so noch nicht sehen konnten: Ein Baby-Flusspferd tummelt sich mit seiner Mutter im braunen Flusswasser! Mein Gott ist das klein und süß! Es hat so eine niedliche kleine Schnauze und schaut irgendwie vergnügt aus!
Wir sehen sogar ein weiteres Baby-Hippo, das es anscheinend gar nicht einsieht, sich so faul zu verhalten wie alle anderen Tiere und deshalb auf der Suche nach neuen Freunden ist:
Als wir am Mara entlang in Richtung Mara Serena Safari Lodge zum kiboko Übergang fahren, kommen wir an mehreren Stellen vorbei, an denen es anscheinend vor kurzer Zeit crossings gegeben hat. Immer wieder liegen Gnu-Kadaver aufgedunsen auf den Felsen im Fluss. 🙁 Der Verwesungsgeruch dringt bis zu uns oben auf den Uferkanten vor... 🤢 Würg. Das riecht wirklich intensiv und abscheulich süß – schwer auszuhalten 🤢 Allerdings können wir Krokodile beobachten, die sich den Kadavern nähern oder einfach faul in der Sonne liegen.
Opfer der Migration: Kadaver im Mara-River
Anscheinend so viele, dass selbst die Krokodile schon satt sind....
Kroko kann es sich leisten faul rumzuliegen, das Essen liegt ja schon auf dem Servieteller.... 🤢
Das kleine Kroko hat anscheinend noch nicht genug.... Gut, dass Krodkodile selbst stark verdorbenes Fleisch dank ihres Immunsystems verdauen können. Uäh.
Wir fahren weiter durch lichte Galeriewälder und vorbei an kleinen Tümpel. Wir entdecken einen Giraffenkopf der über die Büsche schaut und rollen den Weg entlang in seine Richtung - wie immer in unserem langsamen Tier-Such-Tempo - als plötzlich ein Nilpferd aus einem Tümpel springt! 😮 Wie konnte sich denn dieses massige Tier in dem kleinen Tümpel verstecken? Wir konnten es vorher nicht sehen. Anstatt aber wieder ins Wasser zurückzukehren, wie man es doch meint von einem FLUSSpferd, das angeblich bei Gefahr ins Wasser flüchtet – versteckt dieses Exemplar sich hinter einem Busch! Ja genau, ihr habt richtig gehört – es versteckt sich hinter einem Busch! Und nein, es sucht dort nichts zu fressen – für mich ist die Situation eindeutig: Dieses riesige Tier mit den riesigen Zähnen und seinen geschätzten 2 Tonnen Gewicht, versteckt sich vor uns!
Hippo auf der Flucht
Hippo versteckt sich frei nach dem Motto - „Wenn ich euch nicht sehe, dann seht ihr mich auch nicht!“
Wir können nicht anders als lauthals zu lachen! 😄 Wer rechnet denn mit sowas? Irgendwie ist mir das Kerlchen total sympathisch! Einige scheinen unser Lachen aber als unangemessen zu empfinden....
Die Giraffe hat unseren Überraschungsbesuch voll im kritischen Blick...
Als das Hippo dann aber nach ein paar Minuten immer noch nicht zurückkehrt in sein heimatliches Wasserloch, bekomme ich ein schlechtes Gewissen – es traut sich wirklich nicht, weil wir immer noch hier sind! Wir müssen also weg, denn – so lustig die ganze Situation ist – das Hippo scheint ja doch unsicher und da es seine Haut vor der Sonne schützen muss – ziehen wir uns zurück!
Hippo versteckt sich immer noch...
Und als wäre das nicht genug gewesen, steht hinter dem nächsten Busch nicht nur das äußerst kritische Giraffenmännchen, sondern auch noch 11 weitere Giraffen, die uns angucken! Die Wildtierpolizei hat uns ertappt!
Offensichtlich erregen wir wieder Einiges an Aufmerksamkeit 😄
Und nun entdecken wir auch noch Etwas kleines, was sich über das Gras bewegt – was ist es bloß? Ein Pillendreher! Das gibt’s doch nicht! Ein heiliger Käfer hat uns bei unserer Schandtat auch noch erwischt! Den interessiert das Ganze aber herzlich wenig – er muss nämlich seine Mistkugel zu einem schönen Plätzchen rollen, um seine Eier dort hinein zu legen. Wir beobachten das Ganze.... Also das ist ja ein verdammt großer Käfer – aber würde das ganze nicht doch schneller gehen, wenn er die Mistkugel vorwärts rollen würde?
Skarabäus sacer – der heilige Mistkäfer - ähm, Pillendreher 😗
Cool, noch ein Tier, das wir vorher nicht gesehen hatten 🙂 Als wir durch das nächste Buschgebiet fahren, riechen wir einen intensiven Raubkatzengeruch! Wir tuckern noch langsamer den Weg entlang und strecken unsere Köpfe soweit raus wie es nur geht – wir hoffen einen Leoparden zu sehen! Man, wäre das cool auf unserer ersten Afrikareise eins der scheuen Tiere zu sehen! Zweimal machen wir das Ganze – finden tun wir die Raubkatze, welche es auch sein mag, nicht!
Fortsetzung folgt....
Teil 4501. Mai 2015
4. Etappe: Wildes Artengewusel
Nun kommen wir durch belebte Ebenen, in denen wir wunderbar viele Tiere antreffen: Giraffen, Antilopen und Paviane tummeln sich. Wir entdecken eine goldige Babygiraffe im Sitzen, die uns vertrottelt anschaut. So richtig komme ich allerdings nicht mehr dazu, Fotos zu machen. Lars scheint ständig weiter zu wollen...
Babygiraffe im Sitzen, sie sieht nicht aus, als fühe sie sich sonderlich wohl 🙄
Wir sichten einen Pavian, der was Komisches im Maul trägt – einen Fleischfetzen. Der sieht von der Form her aus wie eine Babygiraffe, ist dafür aber zu klein. Wir versuchen es zu erkennen, das Tier haut aber ab, sobald wir näher kommen. Es ist ein ziemlich fettes Männchen – kein Wunder, bei der Verkostung! Ich frage mich, ob das so eine Art Speiseplanerweiterung ist. Es gibt ja die Hypothese, dass bei der Weiterentwicklung des Menschen – unter anderem - der Fleischkonsum eine Rolle gespielt haben könnte. Ob dies auch ein Faktor ist, warum die Paviane hier so unglaublich groß werden? Wir haben nirgendwo so große gesehen, wie in der Massai Mara - wobei das auch damit zusammenhängen könnte, dass sie hier in so großen Gruppen leben... Naja, genug der biologischen Überlegungen... 😄
Das Riesenvieh hat sich irgendwo ein Stück Fleisch gemopst - leider hält er einfach nicht still! 😠
Wir entdecken auch eine große Herde Elandantilopen, zu der sich ein paar Grants Gazellen gesellt haben. Nun bekomme ich auch endlich die Grants Gazellen mal vor die Linse!
Elandantilopen (Taurotragus oryx) und Grants Gazelle (Gazella granti)
Ein Greifvogel auf Futterschau – möglicherweise ein Wahlberg´s Eagle?
Mitten in der Landschaft steht ein einsamer Baum an einer Weggabelung: Zwei Löwen und eine Löwin liegen dort im Schatten. Dies ist das zweite Mal, dass wir eine Gruppe von Löwen antreffen, in der zwei Männchen leben. Früher dachte ich, dass in einem Rudel immer nur ein Männchen lebt. Im Artenlexikon lese ich allerdings, dass Löwenrudel häufig von einer Koalition aus Männchen verteidigt werden. Sehr interessant 😎
Nicht sonderlich aktiv, dafür leicht zu entdecken...
Anscheinend darf nur ein Männchen sich paaren – das Andere legt solange beschämt seine Pfote über die Augen 😄
Kurzes Strecken....
... Und dann weiterschlafen. Beeindruckend sind die Zähne ja, aber der Blick… 🤪
Wir entdecken zwei ganz kleine, anscheinend erst vor kurzem geborene Topi-Jungtiere. Gut, dass die Löwen anderweitig beschäftigt sind…
Wir fahren zu den Crossing Points, an denen aber noch weniger los ist als gähnende Leere. Nur ein paar lauthals lachende Hippos treffen wir an – ja schön, dass ihr das witzig findet. Gnus gibt es zwar, aber die tummeln sich auf den Weiden in der Umgebung und sehen es gar nicht ein, irgendwo den Fluss zu überqueren... Also kein Crossing für uns! 🙁
Ich genieße die Landschaft sehr. Lars allerdings hat nicht besonders viel davon. Er ist völlig kaputt - ich muss das Steuer übernehmen....
Teil 4601. Mai 2015
5. Etappe: Buschleben pur
Wir haben uns nun entschieden im Buschcamp zu übernachten - das wird bestimmt aufregend und entgehen lassen wollen wir uns die Chance nicht 🤩 ! Wer bekommt schon die Chance mitten in der Nacht im Busch der Massai Mara zu übernachten? 🙂 🙂
Es geht über ziemlich holprige Pfade mit ziemlich spitzen Steinen im Boden – Gut, dass unsere Old Lady so viel Bodenfreiheit hat! Einigermaßen zu fahren ist sie ja, die Kupplung zu treten ist leicht anstrengend – gut, ich bin auch recht klein, wie ich zugeben muss. 😊 Nach ein paar Minuten macht es mir allerdings ziemlich viel Spaß über die Pisten zu fahren – ist doch was aufregender als die gut geteerten, normgerechten deutschen Straßen 😄 ! Klar, Lars behauptet ich hätte sein Leben das ein oder andere Mal vorsätzlich in ernsthafte Gefahr gebracht, aber ich sage, da war immer noch genug Platz zur Uferkante 😄.
Auf dem Weg zur Lodge entdecken wir dann doch tatsächlich noch ein Safarimobil! Was macht das denn hier? In letzter Zeit haben die sich doch eher rar gemacht! Die scheinen also was Feines gefunden zu haben! Wir fahren näher ran und entdecken Löwen – genial! Und so klein! Babylöwen! Dies sind aber keine Jungtiere, sondern noch richtige Babys! Klein wie normale Hauskatzen!
Auch kleine Löwen müssen sich mal strecken - der Bauch ist bestimmt ganz weich! Wie gerne würde ich mal streicheln...
EInmal kurz gewundert "Wer seid denn ihr?"
Auch kuscheln darf nicht zu kurz kommen
Und dann noch ein perfektes Foto für mich, um meine Sammlung von Lieblingsfotos zu vervollständigen! Ich bin sehr verliebt!
Wir müssen uns leider wieder aufmachen, denn auch wenn wir heute innerhalb der Reservatsgrenzen übernachten, dürfen wir trotzdem ab 19 Uhr nicht mehr fahren. Ich muss durch einen schmalen Flussarm – ganz geheuer ist mir das nicht, denn dort lauern zwei fette Krokodile. Wir stehen rum und beobachten die Tiere. Eins entdecken wir auch nahe bei in einem Flusslauf, der von den anderen abgeschnitten aussieht. In so einem flachen Gewässer hätte ich nie ein so großes Krokodil erwartet!
Leider geht mir langsam die Speicherkapazität aus, weshalb ich von so schönen Kleinigkeiten wie der Flussvegetation keine Fotos mehr machen kann 🙁 Im Nachhinein ist das eine der Sachen, die ich mit am meisten bereue – einfach nicht genügend Datenkapazität mitgebracht zu haben! Natürlich sind Fotos nicht so viel Wert wie Erinnerungen, aber wenn ich mir die Fotos anschaue, dann fallen mir immer wieder kleine Details ein, an die ich mich sonst vielleicht nie mehr erinnere.... Dann muss ich auch noch wirklich durch nen Fluss durch - aber dank Lars`anweisungen schaffe ich auch das, obwohl Frau! Haha! 😛
Ich fahre das erstemal selbst durch einen Fluss 😎 - das hält mich aber nicht davon ab, Lars zu nötigen Fotos zu machen 😈
Wir kommen zur Lodge, von wo aus wir nur ein Stückchen zu dem Platz fahren müssen, an dem wir heute übernachten werden. Als wir dort endgültig ankommen, wird uns klar: Hier hat wahrscheinlich noch nie irgendjemand gecampt. Wir sind zwar in der Nähe der Lodge, aber nicht im Bereich der Wohnzelte. Ganz weit durch den Busch kann man gerade noch so ein paar Zeltplanen erahnen... Eigentlich sind wir hier ziemlich mitten im Busch, nicht weit von einem Arm des Mara entfernt.
Einerseits scheint es ja völlig normal zu sein Buschcamps zu errichten und mit Gästen im Busch zu picknicken, andererseits kommt mir das Ganze komisch vor. Aber alle um uns herum tun so, als wäre das hier vollkommen normal. Okay, wir sind in Afrika, was weiß ich, was hier normal ist? 🤪
Unser Guard für heute Nacht hat bereits Holz organisiert und zündet das Feuer an. Neben dem Feuer breiten wir ein Massai Tuch zum sitzen aus. So sitzen wir mitten im Busch unter einem grünen Blätterdach und genießen die Nacht 🙂 Wir wickeln Süßkartoffeln in Alufolie ein und genießen sie mit zerlaufener Butter. Unser Guard hat sowas noch nie gegessen, probiert es aber tapfer und findet es gar nicht so schlecht! 🙂 Leider dürfen wir nur in einem bestimmten Bereich umher wandern. Für eine kurze Nachtwanderung zum Mara-River verlangt der Guard leider 50 $. Da hat er wohl was hoch gepokert... Denn der Fluss liegt wirklich nah. (Im Nachhinein denke ich wir hätten mit ihm handeln sollen – es wäre hundertprozentig ein Erlebnis wert gewesen so nachts durch die Mara zu schleichen..... 🙁 😐 andererseits auch ziemlich gefährlich 😮 )
Durch die Vegetation können wir die Flussarme erahnen und auch die Hippos hören wir lachen. Der Guard hängt Petroleumlampen in den Ästen auf und wir haben es richtig gemütlich hier im Busch. Der Wind rauscht durch die Äste und das Feuer knarzt.
Das Lagerfeuer als einziges Licht in der Dunkelheit drumherum...
In meinen Träumereien kommt jeden Moment ein Leopard vorsichtig angeschlichen – aber das bleiben leider Träumereien. So finden wir uns also nachts mitten im Busch der Massai Mara wieder – damit hatten wir nicht gerechnet. Ohne unser Feuer und die Petroleumlampen, die in den Ästen schaukeln, wäre es hier stockdunkel! Auch wenn ich mir am Anfang nicht sicher war, ob es so ganz legal ist, uns hier im Busch campen zu lassen, so bin ich mir doch mittlerweile bewusst, dass wir hier eine ganz besondere Chance bekommen haben. 🙂 Ich bin froh, dass wir uns auf dieses Abenteuer eingelassen haben – auch wenn das nächtliche Brüllen eines Löwen, auf das ich gehofft hatte, leider ausbleibt... 😏
Lars am Lagerfeuer - mittlerweile haben wir auch eine Buschbank aus einem großen Ast! Es gibt auch Bier und für mich Wein - gemüüüüüüüüüüütl ich!!!
Wir erzählen zu dritt am Lagerfeuer. Unser Guard wird zusammen mit einem Massai die ganze Nacht auf uns aufpassen. Einmal hören wir Geräusche und er erklärt uns, es seien Warzenschweine. Es raschelt zwischendurch im Busch aber es kommen keine Tiere ins Camp. Irgendwann müssen wir dann trotz der schönen Atmosphäre schlafen, denn müde sind wir. Und der kommende Morgen wird der letzte in der Mara sein... Gute Nacht!
Fortsetzung folgt...
Teil 4701. Mai 2015
17.Tag. 10.10.2015: Massai Mara National Reserve - Nairobi
Am nächsten Morgen wird rasch gefrühstückt. Sogar der Manager kommt zu uns und fragt uns, ob alles zu unserer Zufriedenheit wäre. Wir bedanken uns bei ihm und unseren Guards. Trotzdem packen wir relativ schnell zusammen - unser permit ist ja nur bis 9:30 gültig 🙁. Kaum fahren wir aus dem Buschwäldchen raus, das die Lodge umgibt, begegnen wir Giraffen und anderen Savannen-Bewohnern. Hui, da waren wir aber nah dran!
Südliche Hornraben, Southern Ground Hornbill oder auch Bucorvus leadbeateri in der wunderschönen Savanne
Schabrackenschakal, Black-Backed Jackal oder Canis mesomelas
Seltsame und vor allem riesige Spinnennetze? Die Spinne können wir allerdings nicht finden...
Dann geht es in Richtung Nairobi. Ursprünglich wollten wir uns in Richtung Osten zum Lake Magadi durchschlagen und dann zum Amboseli, aber als wir uns ein wenig umgehört haben hieß es, dass wir das besser nicht machen... Ein bisschen wehmütig bin ich ja schon, aber so viele schöne Gegenden warten noch auf uns! Also heißt es Abschied nehmen von der Massai Mara.... HOffentlich nicht zum letzen Mal!
Irgendwann kommen wir wieder auf die schreckliche Piste in Richtung Narok. Und nun hält Lars es nicht lange aus langsam zu fahren. Wir kommen ganz gut voran. Aber es passiert, was auf dieser Strecke passieren musste: Wir haben einen Platten. Also steigen wir aus, um den Reifen zu wechseln. Ein kleiner Junge von einer Farm kommt zögerlich herüber. Lars zeigt ihm, was wir machen und der Kleine versucht ihm zu helfen, obwohl er kaum ein Wort englisch spricht. Lars gibt ihm eine Cola. Als wir dann weiterfahren schaut er mit großen Kinderaugen auf Tiger - meinen Stofftierlöwen, den ich zum Geburtstag bekommen hatte und mitgebracht habe. Gerne würde ich ihm ein Stofftier oder Spielzeug schenken, aber meinen Tiger bekommt er nicht. So kann ich ihm nichts Anderes anbieten. Der Kleine ist trotzdem happy und läuft wieder zur kleinen Farm zurück. Nach Sweets werden wir tatsächlich diesmal nicht gefragt 🙂.
Der Highway in Nairobi lässt sich gut befahren, wir treffen allerdings wieder völlig verrückte Matatus und überladene Busse:
Nein, dieser Bus ist noch nicht voll! Was ist denn eigentlich, wenn jemand seine Sachen ganz aus der Mitte des verknoteten Etwas braucht?!
Als die Straßen sich wieder etwas höher schlängeln wird es immer voller. Die Straßen sind schmal, rechts geht’s den Abhang runter, gedrängelt, überholt und gehupt wird trotzdem wir verrückt.... An den Hängen, an denen die Fahrzeuge dank der wirklich alten und klapprigen LKWs kaum vorankommen, haben sich Maiskolben-Bratereien strategisch klug positioniert. In Nairobi wollen wir wieder im Wildebeest übernachten, dieses Mal aber im Dachzelt. Dort fällt mir ein, dass meine beste Freundin gestern Geburtstag hatte – oh Nein! 🙁 Ich bin völlig fertig mit den Nerven. Schreibe tausend Nachrichten und lösche sie wieder, versuche anzurufen und fühle mich furchtbar. Ich beschließe, dass ich wohl ein wirklich schönes Souvenir mitbringen muss und fühle mich elend. Abends essen wir am Buffet mit einer anderen Gruppe Reisender zusammen – leider ist das Buffet wieder (genau wie an den ersten zwei Tagen) etwas knapp. Meine Stimmung ist wieder etwas besser, da ich meine Freundin erreichen konnte. Ein schlechtes Gewissen habe ich aber immer noch...
Nun geht’s ab ins Dachzelt, morgen können wir zwar etwas länger schlafen, aber viel vor haben wir trotzdem! Gute Nacht!
Teil 4801. Mai 2015
18.Tag. 11.10.2015: Nairobi – Nirgendwo nahe der tansanischen Grenze
Heute frühstücken wir im Wildebeest und besuchen dann den David Sheldrick Wildlife Trust: Die Stiftung, gegründet von Dr. Dame Daphne Sheldrick, widmet sich der Bewahrung, Erhaltung und dem Schutz von Wildtieren in Ostafrika, sowie der Rettung und Aufzucht von wilden Elefanten- und Nashornweisen (und anderen Spezies). Einmal am Tag darf man die Elefantenweise für eine Stunde besuchen und bei ihrer Fütterung mit Milch dabei sein. Der Trust stellt jeden einzelnen Weisen vor, seine Geschichte, wieso er zu einem Weisen wurde (z.B. Wilderei der Mutter) und die Arbeit des Trustes und seine Prämissen. Wer hier hin möchte, sollte sich allerdings nicht chic anziehen – die kleinen Elefanten lieben roten Erdschlamm 😄 Es sind ziemlich viele Besucher hier, vielleicht weil Samstag ist. Es sind wirklich kleine Elefanten dabei, die gerade mal drei Monate alt sind und um die es mir wirklich leid tut – so wenig haben sie bis jetzt von ihren wilden Familien lernen können – das müssen nun die Pfleger übernehmen.
Die älteren Elefantenweisen sind teilweise schon 2 Jahre alt. Sind sie in diesem Alter gesund, kommen sie in eine der zwei Stationen im Tsavo Ost. Ihr Pfleger begleitet sie dabei und führt sie wieder in das Leben im Busch ein. Einmal schreit einer der Elefanten ganz furchtbar, ein zweiter hatte ihn runtergedrückt, als der Elefant aus dem Matsch aufstehen wollte Die Pfleger erzählen daraufhin, dass der zweite ziemlich frech und aufmüpfig ist und nun wahrscheinlich in die Gruppe der älteren Elefanten kommt, damit diese ihm Manieren beibringen! Sehr gut
Im Hintergrund sehen wir einen der ganz kleinen Elefanten. Er ist erst wenige Monate alt - also eigentlich noch ein Säugling... Armer Kleiner. Gut, dass er nun hier ist und sich jemand, um ihn kümmert 🙁
Ein ganz kleiner Elefant kommt zu Lars, sein Rücken ist nicht einmal hüfthoch. Wir können den Kleinen sogar ganz kurz berühren - seine Haut ist ganz trocken und hat ganz feine Häärchen.
Auf Grund der Körpergröße neige ich dazu, die Elefanten schon für Teenager zu halten. Tatsächlich sind sie aber kaum im Kindergartenalter... Kein Wunder, dass sie so viel spielen! Die Einnahmen durch diese Besuchszeiten bleiben übrigens innheralb der Stiftung und werden nur für diese verwendet. Ein toller Besuch, schließlich habe das Buch von Daphne Sheldrick gelesen (auf Empehlung, herzlichen Dank dafür :)) und wollte deshalb unbedingt den Trust besuchen! Und es hat sich wahrlich gelohnt! Der Trust leistet hier wirklich tolle Arbeit!
Als die Besucherzeit vorbei ist, machen wir uns auf in Richtung Amboseli: Im Reiseführer stehen zwei Strecken, wir entscheiden uns ungefähr so zu fahren wie vom Kembu -Camp -Besitzer empfohlen – seine Tipps waren immer gut. Gegen Mittag machen wir uns also auf und nehmen die A104 in Richtung Namanga an der tansanischer Grenze. Die Straßen sind teilweise gut, doch kommen wir zu Abschnitten, die aussehen, als wären sie nach der Vorbereitung der Straße vergessen worden – Teerstraßen werden zu Gravelroads oder zu einer einzigen Ansammlung von Schlaglöchern. Auf einmal kommt uns ein Esel mitsamt Karren entgegen – aber ohne Besitzer! Wir versuchen den Esel zu stoppen. Der Besitzer kommt uns entgegen gelaufen. Wir schaffen es, den Esel anzuhalten. Der Besitzer bedankt sich, hält das sture Tier aber nicht richtig fest – und was passiert? Der Esel läuft erneut davon! Es hat wohl nicht sein sollen...
Teil 4901. Mai 2015
Die Straße wird besser und wir können wieder schneller fahren – immerhin wollen wir die gesamte Strecke bis zum Amboseli (was eigentlich nur 230 km sind) heute noch schaffen. Hier ist niemand unterwegs. Trockene leere Ebenen umgeben uns – es sind riesige Viehweiden. Viele Gebäude und Grundstücke stehen zum Verkauf. Große Viehherden sehen wir auch nicht, nur kleine Schafherden ohne Hirten.
Dann läuft ein Schaf von der linken Straßenseite nach rechts und ein kleines Lämmchen läuft hinterher. Lars bremst. 😵 Ich frage, ob das Lämmchen entkommen ist. 🙁 Lars sagt, er hat es nicht erwischt, es ist noch zu dem Mutterschaf auf die andere Seite gelaufen. Gott sei Dank! 🙂 Armes Babyschaf! Wir haben uns ziemlich erschrocken. Wieder eine Lehre: Passe besser auf freilaufende Tiere an den Straßenseiten auf… 😐
Keine 10 Minuten später fährt auf einmal ein grüner Jeep mit Blaulicht neben uns 🙄 . Wir sollen anhalten. Der Mann sagt er sei Polizist und motzt uns an, warum wir nicht gebremst hätten, das Lämmchen wäre tot. Wir sind erstmal baff. 1. Weil der Typ uns anmotzt. 2. Weil Lars das Schäfchen doch noch weglaufen gesehen hatte… Gut, sagen wir, dann fahren wir zurück und schauen nach, ob das Lämmchen tot ist. Nein, sagt der Polizist, es ist tot und zurück können wir nicht – diese Hirten, dass seien Wilde, die würden uns umbringen 😠 . Tja, heikle Situation. Lars ist erstmal völlig durcheinander. 😕
Der Polizist sagt, zwei Einheimische, sozusagen zwei Vertreter seien mitgekommen, um mit uns zu sprechen. Sie sprächen aber kaum englisch, deshalb müsse er übersetzen. Zurückfahren lassen will er uns immer noch nicht – aus Eigenschutz. Wir könnten das entweder hier regeln oder wir müssten mit zur Polizeiwache, sagt er uns. 😣 Ich glaube denen ehrlich gesagt kein Wort. Lars hat gesagt, er hat das Schaf nicht erwischt und der Ton, wie der Polizist mit uns redet gefällt mir auch gar nicht. Vielleicht ist er nicht mal Polizist. Ich fürchte allerdings, wenn ich ihn jetzt nach seiner Marke frage, wird er nur noch aggressiver. Lars allerdings ist völlig verzweifelt. Er möchte zurückfahren, um zu schauen, ob das Lämmchen wirklich tot ist. Denn wenn ja, denn täte ihm das furchtbar Leid und er würde versuchen, den Schaden zu begleichen. Denn der Hirte verliert dadurch ja sein Eigentum. 🙁 Wir reden mit den zwei Einheimischen, bzw. der Polizist spielt Dolmetscher. Wir wissen also nicht mal, ob er uns tatsächlich sagt, was die beiden sagen. Er sagt, es wäre am besten, wenn wir ein wenig weiterfahren und dann die Sache klären. Wir fahren also hinterher. An einer Art sandiger Parkbucht mitten im Nirgendwo halten wir. Es gibt laut Polizist folgende Möglichkeiten: Wir fahren zur nächsten Polizeistation. Wir entschädigen die beiden Einheimischen. Oder wir fahren zurück zu den anderen wütenden Einheimischen, die uns umbringen wollen. 🤨
Jap.
Ganz toll.
Ganz, ganz toll. Das ganze ist doch dubios bis zum geht nicht mehr. Ich überlege, welche Möglichkeit wir haben. Mit zur Polizeistation? Bei der kenianischen Verwaltung? Das würde wahrscheinlich zwei Tage in Anspruch nehmen und wer weiß, ob man sich hier auf die Rechtssprechung verlassen kann – schließlich habe ich doch mit eigenen Augen beobachtet und immer wieder mitbekommen, wie die Beamten sich bestechen lassen. Und dann als Ausländer gegen Einheimische? Da ziehen wir doch auf jeden Fall den Kürzeren. Der Typ ist ja jetzt schon nicht auszustehen. 🤢
Zurückfahren? Das könnte Klarheit bringen. Es hört sich aber nicht an, als wäre es eine kluge Entscheidung und ich glaube auch nicht, dass der Polizist uns lässt. Wenn es dort kein totes Lamm gibt, dann denken die sich doch so oder so was Neues aus…
Entschädigen? Falls das Schäfchen tatsächlich tot ist, haben die Hirten natürlich ein Anrecht auf Entschädigung (gut, in Deutschland könnte man wahrscheinlich auch argumentieren, dass ungehütete Schafe nichts auf der Straße zu suchen haben, aber hier in Kenia ist es ja völlig normal, also hätten wir damit rechnen müssen), weil uns das natürlich auch Leid täte.
Gut, mit den Leuten zu diskutieren macht keinen Sinn. Aufs Polizeirevier fahren macht auch keinen Sinn. Zurückfahren scheinbar auch nicht. Ich entscheide mich also für die Entschädigung und frage Lars, ob das ok wäre. Der Polizist sagt, ein Schäfchen wäre 5000 KSh wert. Wir haben nur 2500 KSh bar dabei (der Rest ist im Auto versteckt, aber das müssen die ja nicht wissen. Hinterher nehmen die uns unsere kompletten Reserven ab). Die zwei Einheimischen sind sofort einverstanden und bedanken sich jetzt überschwänglich bei uns.... Nun können wir fahren. Was wir auch tun. So schnell es geht. 🤨
Wir sitzen allerdings erstmal still im Auto und sagen gar nichts. Lars ist immer noch durch den Wind.
Die Landschaft verändert sich nun – tatsächlich kommt der Kilimandscharo in Sicht! Meine Laune bessert sich dadurch ein wenig – wir fahren über eine gut geteerte Straße zwischen weiter Buschsavanne hindurch, die sich bis zu den Hängen der niedrigen Berge erstreckt. Die Landschaft ist wirklich herrlich.
Wir reden nochmal über unser Erlebnis – es geht uns ja doch nicht aus dem Kopf. Ich sage, was ich denke, wie es ist: 1.) Die Polizisten haben den Unfall mit dem Schaf beobachtet (denn sie waren ja innerhalb von Minuten da). Die Hirten waren aufgebracht. Die Polizisten haben zwei Vertreter mitgenommen, um mit uns zu sprechen. Das Schaf ist tot und für die Hirten ist das schlimm, schließlich sind Schafe ihre Lebensgrundlage. Als wir die Einheimischen dann entschädigen sind sie furchtbar dankbar, weil der Tod des kleinen Schafes ein finanzieller Rückschlag für sie ist.
2.) Die Polizisten waren nah bei dem (beinahe) Unfall oder haben ihn beobachtet. Die Einheimischen und die Polizisten haben sich gedacht: Die kriegen wir dran und haben sich überlegt, ob sich da nicht ein wenig Kohle holen ließe (egal, ob das Lämmchen nun tot ist oder nicht). Deshalb waren die Polizisten auch so aggressiv und haben behauptet, wenn wir zurückführen würden wir getötet. So konnten sie Druck aufbauen. Dann haben sie das Geld bekommen und haben es den Einheimischen gegeben um es sich dann mit denen zu teilen (oder komplett selbst in die Tasche zu stecken).
Wahrscheinlich haben die Polizisten so oder so einen Anteil bekommen, egal welche Version stimmt. Ich kann es nicht beurteilen, ich weiß nur, dass es für uns und unseren Urlaub so wie wir es gemacht haben eine passable Lösung darstellte. Polizeirevier in Kenia irgendwo im Nirgendwo hätte ich echt nicht haben müssen. Dafür haben wir ja auch mit solchen Situationen einfach zu wenig Erfahrung. Das nächste Mal würde ich wahrscheinlich ruhiger reagieren. Mir direkt die Marken zeigen lassen oder einen Anwalt anrufen. Aber letzteres hilft ja vermutlich irgendwo im Nirgendwo von Afrika auch nicht weiter, außer um seine eigene Position zu stärken.
Tja, da kann man halt nichts machen. So etwas wäre uns wahrscheinlich erspart geblieben, wenn wir nicht alleine unterwegs gewesen wären. Andererseits: Alle Gliedmaßen sind noch dran, die Bargeld-Socke noch im Auto versteckt, mit einer Waffe wurden wir auch nicht bedroht, also ist alles gut gegangen – auch wenn das Ganze ein sehr ärgerliches Ereignis war. Natürlich könnte ich mich jetzt tierisch über die Leute aufregen, wütend bin ich natürlich auch, über den Polizisten, die Korruptheit, die man hier miterlebt und das Gefühl, dass wirklich jeder einen ausnehmen möchte. Aber ich stecke nicht in den Menschen drin und so belasse ich es dabei, dass alles gut gegangen ist.
Bis zum Amboseli schaffen wir es heute nun auch nicht mehr. Wir müssen uns eine andere Übernachtungsmöglichkeit suchen. Wir entscheiden uns für das Namanga River Hotel, da im Lonely Planet steht, für einen Zwischenstopp biete es sich an. Uns fallen in Namanga selbst erstmals Frauen in Brukas auf. Die Stadt macht einen deutlich muslimisch geprägten Eindruck. Ist aber sonst ein einziges Gewühl von Baustellen und Lehmhütten. Das Hotel selbst hat zwar Hütten und eine Grasfläche auf der wir campen können. Für Camper ist es aber wirklich nicht besonders schön. Man fühlt sich, als stände man im Vorgarten des Hotels. Vorbereitet ist hier auch niemand auf Camper. Wir bekommen trotzdem Feuerholz.
Die Umgebung ist leider auch ziemlich laut und die Angestellten starren mich doch ein wenig zu auffällig an, was ziemlich unangenehm ist. Vielleicht weil ich erstens weiß bin, zweitens eine Frau und drittens blondes, unbedecktes Haar trage. Ich weiß es nicht. Wir sind hier auch irgendwie am Arsch der Welt, deshalb ist es wahrscheinlich auch kein Wunder, dass man uns anstarrt…. 🙄 🙁 Aus der Moschee in Namanga ertönt nun der abendliche Ruf zum Gebet. Da wir wegen unseres tollen Unfall-mit-Lamm-Erlebnisses total fertig sind, versuchen wir früh zu schlafen und wollen morgen auch nicht allzu früh los (lange bleiben wollen wir hier im Vorgarten aber auch nicht). Leider ist der Gebetsgesang relativ laut und ich geräuschempfindlich, was meinen Schlaf anbelangt. Keine gute Mischung 🙁. Es ertönt auch Musik aus der Stadt, anscheinend gehen die Menschen in Namanga gerade aus. Gut, dass ich Oropax dabei habe – ich will einfach nur noch schlafen…. 🙁
Fortsetzung folgt...
Teil 5005. Mai 2015
So nun gibt es aber endlich wieder eine - wenn auch kurze - Fortsetzung der Geschichte!
19.Tag. 12.10.2015:Namanga - Amboseli National Park
Irgendwie bin ich dann wohl doch eingeschlafen. Kaffee hilft dann erstmal. Ich beschieße, dass ein vernünftiges Frühstück uns gut tut und mache Spiegeleier – danach geht es uns schon besser. Gegen 9 oder 10 Uhr fahren wir weiter und sind froh, nun wieder in einen National Park zu fahren. 🙂 Wir suchen und erfragen uns den Weg durch Namanga und finden ihn auch. Der Hotelmanager hatte uns auch gesagt, dass die Straße zum Amboseli gut befahrbar wäre, obwohl der See zur Zeit Wasser hätte. In der Regenzeit käme man wohl ohne Geländewagen nicht dorthin. Glück gehabt. Das hätte ja jetzt noch gefehlt, dass wir die Strecke nicht fahren können und die gestrige Fahrt samt „Unfall“ unnötig gewesen wäre… 😣
Ein wenig komisch beäugt werden wir hier schon. Aber auch hier mitten im Nirgendwo werden wir wieder entschädigt. Und das auf völlig unerwartete Weise, denn – wir treffen eine Karawane aus Kamelen! Wow! 🤩
Eine Kamelkarawane am Rande der Welt zieht an uns vorbei. Etwas Passenderes könnte ich mir in dieser gegend kaum vorstellen!
Wir fahren auf einer staubigen Gravelroad – teilweise ist auch diese sehr wellblechpistig. Die Sonne scheint mit all ihrer Kraft auf uns runter. Es ist staubig, trocken und die Büsche sind verdorrt und dorrnig. 🤨 Die 71 Km lange Strecke von Namanga aus bis zum National Park ist ziemlich einsam. Die Menschen, die wir sehen, schauen uns scheu an. Einmal begegnen wir einer jungen Frau, die ein riesiges Bündel Feuerholz mit einem Stirnband trägt, mit tief gebeugtem Rücken schaut sie uns an. Sie spricht ein wenig Englisch und schaut scheu durch unsere Autofenster hinein – scheinbar wird sie von unserem Navi magisch angezogen – ihre Familie habe auch so etwas zuhause, ab und zu könne man abends darauf etwas sehen. Anscheinend hält sie es für einen Fernseher. Sie winkt und verträumt zum Abschied, als wir weiterfahren. 🙂
Wir brauchen für die 71 km wieder viel länger, als im Reiseführer steht. Am Tor vom Amboseli steht tatsächlich noch ein Safarifahrzeug das hinein möchte. Wir können zwar nicht mit Kreditkarte bezahlen, aber das ist hier gar kein Problem – wir bekommen ein permit, und eine Rechnung auf der auch gleich eine Übernachtung in einer Public Campsite berechnet wird, so wie vereinbart! Alles fein säuberlich aufgeschrieben. Das klappt viel besser als erwartet! 😄 Gleichzeitig ereignet sich allerdings wieder etwas, was in so einer verlassenen Gegend doch überraschend ist: Wir werden von einer Horde Massai-Frauen bewaffnet mit dem buntesten Perlenschmuck überfallen 😄. Ich schaue mir die Sachen kurz an, aber da die Frauen mir zu aufdringlich sind, ziehe ich mich ins Auto zurück. Als dann Hände und Waren auch noch ins Auto gehalten werden, kurbel ich kurz entschlossen die Fenster hoch. 😵 Gerade habe ich wirklich keine Lust auf so eine bedrängende Verkaufstaktik. 🙄
Nun fahren wir durchs Tor und laut Navi auf den Lake Amboseli zu. In der Ferne kann ich bereits den Kilimandscharo sehen – nur bleibt er von Wolken verhangen und durch die flimmernde Luft verschleiert… Ich muss mir ein Tuch ums Gesicht binden, denn teilweise kommen uns heiße Windstöße entgegen und vor lauter Staub kann ich kaum atmen – innerhalb von Minuten ist der Staub überall – in meinen Haaren, meinen Augen, unter meiner Kleidung und in meiner Nase 🤢 ! Auch meine Lippen werden rissig, da hilft selbst Labelo nicht mehr…. 🤢
Es ist trocken. Es gibt auch kein Gras. Die gesamte Ebene durch die die Spuren früherer Fahrzeuge führen besteht aus Sand. Nur an den Rändern des Amboseli-Beckens wachsen dornige Sträucher. Wo ist der See frage ich mich? Herrscht immer noch so schlimme Dürre? Weit und breit sind kaum Tiere zu sehen – das erste Tier, das wir treffen ist ein Vogelstrauß, der schnell das Weite sucht. Angesichts der wenigen Versteckmöglichkeiten hier, ein schwieriges Unterfangen für ihn…
Hier gibt es nichts, wohin Herr Vogelstrauß fliehen könnte...
Auf der staubigen Ebene entdecken wir Windhosen, die die warme Luft umherwirbeln… Ich komme mir vor, wie in einer Wüste.
Eine Windhose bringt Hitze, Trockenheit und Staub zum Ausdruck...
Die Landschaft hier ist mir so fremd wie eine Mondlandschaft. Sie hate twas von tausend und einer Nacht, nur ist sie rau, urtümlich und gnadenlos – nicht nur die Sonne zerrt an uns, sondern auch die heiße Luft, der Staub und die Aussicht, die scheinbar hoffnungslos ist. 🙁
Wir fahren gerade mitten durch die Ebene, als ich ein Flimmern bemerke – Wasser! 🙂 Dort entdecke ich auch Silhuoetten von Zebras – „Wir fahren genau auf den See zu!“, sage ich zu Lars. „Nein Nora, schau mal aufs Navi. Da vorne ist kein See. Das ist nur die Luft, die du siehst….“ Und tatsächlich, je näher wir dem vermeintlichen Wasser kommen, desto weiter scheint es entfernt... 🙁
Man hört ja davon, dass Luft in einer Fata Morgana erscheinen kann wie Wasser, manchmal kann man es auch in den südlichen Ländern Europas erahnen. Aber hier war ich sicher, dass ich Wasser sehe. Ich hatte nicht eine Sekunde daran gezweifelt… Ich hätte nie gedacht, diese Sinnestäuschung einmal so eindringlich an mir selber zu erfahren...
Was ihr als dunklen Schimmer am Horizont seht, das hielt ich für einen riesigen See…
Langsam beginne ich mich zu fragen, wie hier Tiere überleben können. Am Horizont konnte ich Zebras erkennen – also musste es doch irgendwo Wasser geben. Die Tiere müssen trinken… Die Frage ist nur - wie weit ist Wasser entfernt? Langsam befürchte ich, dass die schlimme Dürre immer noch nicht vorbei ist und hier nicht mehr viele Tiere übrig sind…
Nur trockenes Gras und weißer, feiner Sand…
Ein paar Sträucher kleiden sich in mattes Grün. Irgendwo muss es hier doch was zu trinken für die armen Tiere geben…
Erneut begegnen wir einem Vogelstrauß
Die Ebene scheint nun gerollig, nicht mal Gras wächst hier… Weit entfernt können wir ein paar Büsche ausmachen… Auf seine ganz eigene Weise nimmt dieses Land mich gefangen. Völlig unvrbereitet bin ich auf diese so einzigartige Landschaft! Hier scheint es nichts zu geben, was nicht absolut dieser Umgebung entspricht. Kaum Tiere und vor allem kaum Menschen. Das Land hat etwas so Ursprüngliches und Wildes, dass es mich völlig gefangen nimmt – nie hätte ich gedacht, dass diese trockene, feindselige Landschaft mich so verzaubern könnte!
Eine turmhohe Windhose türmt sich über einer kleinen Siedlung auf - und dort entdecken wir nun auch die ersten Anzeichen von Grün 🙂
Fortsetzung folgt...
Teil 5105. Mai 2015
19. Tag: Amboseli National Park: Landschaftskontraste
Langsam bewegen wir uns durch die weiten Ebenen auf das erste Grün zu. Später werde ich erfahren, dass wir den Lake Amboseli tatsächlich nördlich umrundet haben – nur dass der See ausgetrocknet ist. Laut dem Amboseli Trust for Elephants gab es 2009 im Amboseli Ökosystem die schlimmste Dürre seit 1961 und es erholt sich nur langsam davon.
Wir bewegen uns nun in Richtung des Enkongo Narok Swamps - dort hoffen wir noch Wasser und damit auch Tiere anzutreffen. Und dann geschieht etwas Seltsames – ein abrupter Streifen Grün erscheint am Horizont aus dem sich Palmen erheben! Hier grenzt saftiges Grün direkt an trockene Gräser und hier begegnen wir nun friedlich grasenden Gnus 🙂
Plötzlich verwandelt die ausgetrocknete Savanne sich in ein tropisches Paradies!
Hier gibt es eine üppige Vegetation, wir entdecken Dattel- und Doum-Palmen, die sich in mehrere Kronen verzweigen. Umgeben wird dieses Feuchtgebiet von weiten Grasebenen, in denen sich hunderte Gnus und Zebras tummeln...
Alle Tiere versammeln sich zum großen Fressen...
Die Fülle an Tieren auf so geringem Raum gibt mir dabei das Gefühl, als seien hier mehr Grasfresser versammelt als in der Mara... Leider sind die Hauptpisten am Sumpf entöang ziemlich besch... zu fahren, da es sich hauptsächlich um von Staub und Geröll bedeckte Wellblechpisten handelt... 😣 Aber auch das ganze Geruckel und Gerappel kann mir meine wiedergekehrte gute Laune nicht vermiesen 😛 Nördlich von uns erstreckt sich ein großes Feuchgebiet und südlich zum Kilimandscharo hin verwandelt sich die Landschaft wieder in trockene Svanne. Links von uns sehen wir üppiges Grün und rechts staubige Ebenen. Der Kontrast ist kaum zu begreifen. Hier treffen wir erneut auf eine Versammlung von Straußen, die ein tolles Motiv mit dem Kilimandscharo-Bergmassiv im Hintergrund abgeben! Naja, gut.... Eigentlich weiß ich nur, dass es der Kili ist, sehen tue ich ihn nicht wirklich, denn er hütet seinen Gipfel noch eifersüchtig hinter den Wolken... 😊
In den Tiefen des Swamps machen wir ein Hippo aus, dass sich seinen Pool mit mehreren weißen Reihern teilt, leider zeigt es sich uns nicht richtig.Dafür entdecken wir nun auch die ersten Elefanten, die sich an den hohen Sumpfgräsern und dem kühlen Wasser gütlich tun – anscheinend ein Muttertier mit einem Kalb.
Hier scheint sich jemand so richtig wohl zu fühlen 🙂
Ein wahres Paradies für die Reiher, hier lassen sich mit Sicherheit eine Menge Insekten und Frösche fangen! Vor allem, wenn die Elefanten die kleinen Tiere aufscheuchen!
Und nun entdecke ich auch erstmal etwas, was wie ein See aussieht, auch wenn es sich von der Lage her nicht um den Lake Amboseli handeln kann, der ja momentan auch trocken ist. Langsam verstehen wir, dass es sich bei den Swamp anscheinend um große Wasserreservoirs handelt, die nur in der Mitte offen sind, rund herum wachsen in ihnen hohe Gräser und erst außen wird der Boden wieder fest.
Nun wagt sich auch ein kleines Hippo aus dem Wasser
Wir fahren in Richtung des südlichen Swamps, denn dort liegt die Amboseli Serena Lodge, an der wir tanken können. Dorthin müssen wir erst unter einem hohen Zaun hindurch, dessen Tor offen ist – es besteht nur aus herunter hängenden Drähten. Eine komische Vorrichtung 🤨 Wegen der Höhe würde ich jetzt mal schwer davon ausgehen, dass diese Dinger Elefantenzäune sein sollen... Wir kurbeln vorsichtshalber die Fenster hoch, falls die Drähte elektrisch sein sollten... 😄 Man weiß ja nie - immerhin lässt sich ein Elefant nicht von ein wenig Draht abhalten, wenn auf der anderen Seite lecker saftig grünes Essen winkt 😄 oder doch?
In der Lodge werden wir freundlich empfangen. Wir wandern ein wenig durch die grüne Gartenanlage, froh, dass Auto mal wieder verlassen zu können. Lars, ganz Gentleman, lädt mich zu einem Drink ein – der sogar gar nicht so teuer ist, ein Bier 200 KSh - und so fletzen wir gemütlich auf der Veranda der wunderschönen Lodge herum und genießen den Blick. 🤪 Direkt vor der Anlage ist es saftig grün, es gibt viele Agamen und sogar ein Nilwaran zeigt sich. Was ich von der Sprinkleranlage halten soll, weiß ich nicht so wirklich. Hoffentlich geht das Wasser über den Boden wieder ins Grundwasser, sodass kein Wasser verschwendet wird. Hinter dem kleinen Zaun, der die Lodge umgibt, tummeln sich Zebras! 🤩 Ein toller Blick – so können sich die Lodge-Gäste ja schon fast die Gamedrives sparen!
Ausblick von der Veranda der Amboseli Serena Lodge
Je später es wird, desto mehr klart es auf und – endlich – zeigt sich auh die Spitze des Kilimandscharo, auch wenn der Berg seine Flanken weiterhin mit Wolken umhüllt, um noch nicht zu viel preis zu geben!
Eine Gruppe Zebras wandert in die Steppe am Fuß des Kilimandscharo...
Teil 5205. Mai 2015
19. Tag: Amboseli National Park: Amboseli im Abendlicht
Langsam kündigt sich die Abenddämmerung an und das Licht lässt die Farben des Amboseli wärmer und die Kontraste weniger hart erscheinen. Eine Gruppe Elefanten zieht an uns vorbei durch die herrliche Kulisse des Swamp...
Einige kreuzen nun die Straße und wenden sich in Richtung Süden – ich hoffe auf ein Bild von der Herde vor dem Kilimandscharo. Also bleiben wir stehen und warten ab
Und tatsächlich einige Tiere laufen in Richtung des Kili 🤩 Jetzt brauch ich nur noch ein Foto - Aber, was tut ihr denn da? Könnt ihr nicht auf mich ZUlaufen mit dem Kilimandscharo im Hintergrund? Müsst ihr mir jetzt wirklich eure Hintern präsentieren? 🙁 Gut, wer bin ich Elefanten zu sagen, was sie zu tun haben? Also bleibt dies eben mein einziger Schnappschuss von Elefanten vor dem höchsten Bergmassiv Afrikas (insgeheim bin ich ja auch ganz froh, dass ich überhaupt eins habe 😊 )
Vor dem Bergmassiv zeichnen sich Giraffen und Zebras im sanften Abendlicht ab - einfach nur wunderschön 🙂
Weitere Elefanten pilgern in Richtung Kilimandscharo und an unserem Auto vorbei...
Nun kündigt sich der magische afrikanische Sonnenuntergang an. Thomson Gazellen und Zebras grasen friedlich in den Ebenen und das Land verbreitet eine warme, ruhige Atmospähre. Endlich gelingt es mir einen afrikanischen Sonnenuntergang einzufangen 🙂 🙂
Wunderschön... Hier wird mir mein Herz ganz warm 🙂 in diesem Moment fühle ich mich angekommen und seelisch vollkommen ruhig.... So ein Gefühl hatte ich bisher nur in der Masai Mara beim Blick über die Weiten der Steppe... Die Farben nehmen mich so sehr gefangen, dass ich auch unterwegs aus dem Auto raus noch ein Foto schießen muss...
Dieses warme Gold werde ich wohl nie wieder vergessen...
Langsam müssen wir uns auf den Weg zum Gate machen, wo wir bezahlen können und sich auch unsere Campsite befindet. Wir nehmen noch eine Rangerin mit, da die Campsite hinter den Staff Houses liegt. Wir sehen Giraffen zwischen den Büschen und die Rangerin erzählt uns, sie sei früher im Lake Nakuru National Park gewesen und wie stolz sie auf die dort lebenden Nashörner ist 🙂 Wir erzählen, dass wir die Nashörner leider nur von ganz weit entfernt sehen konnte... 🙁 "No, that not possible, if u go to Nakurru u got to see a Rrhino! U got to com again!" sagt sie mit ihrem afrikanischen Akzent zu uns und lacht 😄
Wir setzen sie ab und finden uns in der Campsite wieder - sie spiegelt ganz die Trockensavanne des Amboseli wieder: Zwischen Akazien und Büschen gibt es sandige Stellen, wo wir uns hinstellen dürfen. Leider ist die Campsite zu einer Seite den Staff-Houses zugewandt und zu der anderen Seite befindet sich ein hoher Holzzaun. Von der Weite des Parks kriegt man hier leider nicht so viel mit. Es gibt Toiletten und Duschen, aber das Wasser ist kalt. Irgendwie ist das ok, immerhin befinden wir uns doch mitten in der Pampa. Irgendwie ist es aber auch frech vom KWS 30 $ für eine Übernachtung zu verlangen... 😮
Die Haushälterin der Campsite kommt vorbei, um zu fragen, ob wir etwas brauchen. Wir sagen, dass wir gern Feuerholz für ein Lagerfeuer kaufen würden. „No. No buying! We will bring it to you“ Sagt die gute Frau uns. Hä? Wir bekommen Feuerholz, aber wir sollen dafür nichts bezahlen? 😐 Komisch. Der Caretaker kommt, aber das Feuerholz bleibt aus. Wir sprechen ihn noch mal an. Daraufhin stürmt er überaus motiviert davon – und kehrt mitsamt eines riesigen Akazienstammes zurück! 😮 😄 Wir geben ihm Trinkgeld, da er sich so viel Mühe gibt – das Feuerholz an sich gibt es ja scheinbar gratis. Auf der Campsite selbst stehen große Esstische und Bänke zur Verfügung. Nur leider steht unsere zu weit weg von dem Platz, an dem das Feuer gemacht wird. Da das Feuer an geeigneter Stelle bleiben muss (wegen der Brandgefahr), ist es klar: Der Tisch muss zum Feuer! Ganz schön fett, das Teil, aber im Endeffekt haben wir es uns gemütlich eingerichtet und essen Spaghetti mit Pesto 😄
Als ich nun aber ins Dachzelt steige und schlafen möchte, finde ich nicht wirklich Ruhe... Er lässt mir einfach keine Ruhe... Dieser fette Akazienstamm... Der reicht so weit aus dem Feuer, dass ich befürchte, er könnte – einmal entzündet - das umliegende Gras in Brand setzen. 😮 Immerhin ist es hier trocken... Dafür fange ich mir zwar einen Augendrehr von Lars ein - trotzdem wird wieder runter geklettert und der Stamm zurecht gerückt, bis nichts mehr passieren kann - irgendwer muss die Welt ja vor durch übermotivierte Caretaker und unvorsichtige Greenhorns verursachte Buschbrände retten! 😛
Nun kann ich beruhigt schlafen und binde es Lars auch schön unter die Nase 😛 – gute Nacht!
Fortsetzung folgt...
Teil 5317. Mai 2015
20. Tag, 13.10.2014: Amboseli National Park – Lake Jipe Safari Camp
Wir stehen relativ früh auf, aber nach Sonnenaufgang. Zumindest ich bin durch ein lautes Polltern aufgewacht. Vom Dachzelt aus spähe ich über den Zaun und entdecke eine Horde Paviane, die warten wohl ab bis wir weg sind und sie den Platz plündern können... Vom Dachzelt aus kann ich den Kilimandscharo sehen – herrlich 🙂
Im Feuer brennt tatsächlich noch ein wenig Glut, der Stamm hat sich nicht entzündet und wir keinen Buschbrand ausgelöst – Gott sei Dank. Unser riesiger Tisch bietet genug Platz um in Gesellschaft einer Horde Vögel zu frühstücken 🙂 Webervögel und Starlings holen sich immer wieder ein paar Krümel ab. Nach einer mehr oder weniger erfrischenden Dusche, kann es nun wieder auf Gamedrive gehen. Bis zum Mittag ist unser Permit noch gültig.
Heute stelle ich mich einer großen Herausforderung: Tiere vor dem höchsten Berg Afrikas zu fotografieren. Elefanten habe ich ja schon – gut, nur in Hinteransicht – aber ich habe ein Foto mit Elefanten vor dem Kilimandscharo... 😄 Wenigstens ist der Berg gütig zu mir und zeigt seine Spitze 🙂 , auch wenn er weiterhin seine Flanken bedeckt 😠 ... Unter den sattgrünen Schirmakazien entdecken wir dann unser erstes Fotomotiv: Thomson-Gazellen grasen friedlich das gelbe Gras und stehen dabei wunderschön vor dem heißgeliebten Berg...
Schlanke Thomson Gazelle unter einer herrlich grünen Akazie vor dem schneebdeckten Kilimandscharo
Es treiben sich zu dieser Stunde erstaunlich viele Grasfresser herum – und auch ein Strauß posiert gekonnt und streckt seinen schmalen Hals.
Herr Strauß begibt sich in Pose
Die Natur ist mir weiter gnädig und eine Gruppe von drei Zebras zeigt sich vor dem umhüllten Berg:
Dann müssen wir auf der Straße warten, denn eine Gruppe Elandantilopen möchte die Straße gerne passieren
Nun kommen wir wieder zu dem Feuchtgebiet, das mich schon gestern beeindruckt hat. Hier wimmelt es nur so vor Leben. Und als wir stehen bleiben und die Tiere genauer betrachten, fällt uns auf: Hier halten sich unglaublich viele Elefanten auf! Ich versuche sie zu zählen und komme tatsächlich auf über vierzig Tiere in verschiedenen Herden – und das sind nur die, die ich mit einem Blick sehen kann 🙂 Wow so viele Elefanten, Zebras und Gnus – alles hält sich hier in den kleinen grünen Inseln im sonst so trockenen Amboseli auf!
Unglaublich viele Tiere versammeln sich hier in den grünen Lebensadern des Amboseli
Wir entdecken sogar zwei Elefanten, die sich miteinander messen. Allerdings scheint es kein Kampf zu sein, sondern eher ein Spiel
Zwei Elefanten erproben ihre Kräfte, links dahinter erscheint der große Bulle
Dann allerdings passiert etwas Seltsames. Im Vordergrund zu den zwei Ranglern frisst ein großer einzelner Elefant, der plötzlich unruhig wird und sich immer weiter von der Tierversammlung entfernt. Im Hintergund sehen wir einen großen Bullen in unsere Richtung kommen – ein beeindruckendes Tier
Der größte Bulle im Umkreis kommt in unsere Richtung
Und dann läuft der einzelne Elefant plötzlich los, wirft seinen Rüssel hoch und trompetet:
Er passiert vor unserem Auto die Straße – wie gebannt schauen wir zu. Denn der große Bulle folgt ihm...
Die Verfolgung hat begonnen...
Die beiden Elefanten halten sich links von der Straße, also nehmen wir dort eine Abzweigung und positionieren uns so, dass sie wahrscheinlich an uns vorbeikommen. Wir haben großes Glück und können die eigenartige Interaktion aus nächster Nähe beobachten! Der kleinere (ihn "klein" zu nennen wäre nicht wirklich zutreffend, denn auch dieser Elefant war wirklich groß) lief zuerst an unserem Auto vorbei und kam ganz nah heran... Der kleinere Elefant zieht an uns vorbei...
Der Kleinere schaute uns auf eine Art und Weise an, dass wir kurz den Eindruck hatten, er würde bei uns Hilfe suchen... Er ist so nah, dass ich hören kann wie er auftritt. Sein Röhren geht durch Mark und Bein. Es kommt von tief unten in seiner Brust. Wahnsinn diesem Tier so nahe sein zu können!Und diese Augen! Ich habe das Gefühl er schaut mich direkt an, als wolle er mir etwas sagen... Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Tiere kein Bewusstsein haben sollen....
Ihm folgte gemächlichen Schritts aber dennoch stetig der große Bulle: Ein beeindurckendes Tier mit riesigen Stoßzähnen!
Wir versuchen der Tieren zu folgen, doch irgendwann hört die Piste einfach auf und wir konnten nicht mehr weiterfahren... Was aus den beiden geworden ist, wer weiß...
Teil 5417. Mai 2015
Wir machen uns nun wieder auf die Tier-Pirsch. Auch wenn der Amboseli für seine große und friedliche Elefantenpopulation bekannt ist, so hoffe ich dennoch auf eine Raubkatze 🙂
Das einzige Raubtier, dass wir entdecken, ist aber eine freche Hyäne, die ganz schnell weg läuft...
Unser Weg führt uns wieder an einem Swamp vorbei, auch hier kann man die Tiere völlig ungestört beobachten. Andere Safarifahrzeuge sehen wir kaum.
Im Vordergrund der Swamp mit seinen Tieren, im Hintergrund die Trockensavanne, in der man sogar Windhosen erkennen kann...
Erst einen Drink...
...und dann eine Dusche!
Wir bleiben auf einer kleinen Brücke stehen. Es wird langsam immer heißer und wir brauchen eine Pause. Auch das pirschen nach Tieren kann manchmal anstrengend sein und mittags kann man doch ganz gut eine Siesta vertragen..
Während der Pause zeigt sich dieser klitzekleine Geselle: Ein striped skink oder Mabuya striata
Wir orientieren uns langsam in Richtung Kimana Gate und passieren eine Lodge. Und wo sich eine Lodge befinden, da befinden sich auch Menschen, und wo Menschen sind, da kann man Essen klauen und wer klaut am allerliebsten Essen? Paviane 🙂
Viele mögen Paviane ja nicht, aber manche der Rabauken sind wirklich süß
Andere eher frech und neugierig - wer bist denn du?
Und vor manchen muss man schon echt Angst haben. Den hat Lars wohl zu sehr geärgert....
Nun verlassen wir den Amboseli National Park und fahren zum Lake Jipe an der tansanischen Grenze in den äußersten Süden des Tsavo West. Im Reiseführer lese ich allerdings, dass man die Strecke besser im Konvoi fahren sollte, da es Raubüberfälle gibt. Wir fragen bei den KWS-Rangern am Tor nach. Die sagen uns, dass wir zu gegebener Zeit an eine Stelle kommen, ab der wir dann automatisch eine Eskorte kriegen. Ähm hehe... okay... MÜSSEN WIR DA LANG? 🙄 😮 Naja, erstmal gar nichts anmerken lassen und völlig gelassen tun. Im Moment fahren wir eh noch nicht weiter, denn irgendein metallisches Dings fehlt an unserem Dachzelt. Nichts Schlimmes nur so eine Unterlegscheibe oder ein Stift oder so. Ein Einheimischer schaut es sich mit Lars zusammen an und schlägt vor, er könne es im nächsten Dorf holen gehen. Keine Frage, das trauen wir dem jungen Mann sofort zu. Das verrückte hier in Afrika ist – jeder kann dir überall alles besorgen und weiß auch immer wen er anrufen muss – zumindest solange sie wollen. Lars ist mitlerweile auch der Überzeugung, dass man einfach in die nächste Metzgerei spazieren könnte, um dort eine Waschmaschine zu kaufen. 😄 🤩
Da es aber nur ein kleines Dings ist, das fehlt und es nicht wichtig ist, braucht der junge Mann nicht laufen und wir fahren los. Ich verlasse mich erstmal auf die Worte des Rangers, dass wir zur gegeben Zeit eskortiert werden. Etwas mulmig ist mir aber schon.... 😵
Teil 5517. Mai 2015
20. Tag: Amboseli National Park - Lake Jipe
So fahren wir weiter in den Süd-Osten Kenias, sind sehr aufmerksam, finden unsere Eskorte aber nirgendwo. 🤨 So richtig unsicher wirkt es hier auch nicht. Eigentlich ist einfach schon wieder nichts los. Wir hatten den Tipp hier langzufahren ja auch von einem Local bekommen, der hier sozusagen Urlaub macht. Dementsprechend kann es ja so schlimm nicht sein. In Oloitokitok tanken wir dann und sehen seit langem auch wieder die ersten Bleichgesichter – ungefähr seit der Campsite im Amboseli. Als wir nach Oloitokitok reinfahren, kommen wir an einer kleinen Polizeistation vorbei. Wir steigen aus und fragen nach der Sicherheit der Straßen. Eine Eskorte gibt es hier nicht, es wird aber auch nichts davon gesagt, dass sie hier notwendig sei. Nochmal im Reiseführer nachgeschaut: Hier steht die Strecke vom Amboseli zum Chyulu Gate des Tsavo West sei gemeint. Also die Strecke von der wir südlich abgebogen sind. Puh geschafft. Viel weniger aufregend als ich dachte 🙂
Wir fahren weiter von Oloitokitok (der Name ist doch einfach der Hammer!) nach Taveta gaaanz in den Süden. Langsam wird die Erde rötlicher und die Straße echt besch... Es gibt nur kleine Dörfer, ein paar Bananenbäume hier und da und sonst nicht viel. Schlangenlinien fahren ist angesagt, denn sonst macht das Auto einfach zu viel Krach und ein Platten muss in dieser Hitze auch nicht sein. Ich telefoniere rum und versuche das Camp zu finden, das uns empfohlen wurde. In der Nähe von Taveta biegen wir nun ab und das Gerappel der Wellblechpisten und Schotterstraßen hat ein Ende: Sanfte Staubpiste breitet sich vor uns aus... 🙂 Das intensive Rot schlängelt sich durch das Grün der Bäume, die von beiden Seiten bis an die Straße heranrücken. Zwischendurch sehen wir kleine Häuser mit kleinen Grundstücken. Die Landschaft ist beeindruckend schön – und hier bekomme ich auch eine Gelegenheit einen Baobab zu fotografieren 🙂
Als würden die Wurzeln in den Himmel ragen...
Vereinzelt sehe ich getrockneten Elefantendung im Busch – super! Wo Elefantenkacke ist, da sind auch Elefanten 🙂 (Worüber man so anfängt sich zu freuen...) Die Piste ist schmal, wir müssen teilweise durch relativ tiefe Senken. Hier und da sieht es auch, als würde eine kleine Brücke gebaut – noch sind sie nicht fertig. Entgegen kommen uns eigentlich nur Roller- und Radfahrer. Und wir immer: Menschen, die zu Fuß gehen.
Nun kommen wir am Lake Jipe an und ein herrliches Panorama bietet sich uns: Rote Erde, meterhohes grünes Schilfgras und graue Berge mit hohen Wolkenformationen im Hintergrund:
Und noch besser: Noch mehr Elefantenkacke! Überall! Hier muss es heimische Tiere geben! Und unser Pirsch-Glück verlässt uns auch heute nicht – vor dem Panoramablick zeigt sich im Abendlicht ein roter Tsavo-Elefant 🙂
Unser erste roter Tsavo-Elefant, dabei sind wir noch gar nicht im Tsavo National Park!
Ab hier können wir nicht mehr wirklich erkennen, wo die Straße langführt. Irgendwo mitten zwischen die kleinen Hütten eines Fischerdorfs, das scheinbar noch nicht mal in unserem Navi existiert. Allerdings weiß das treue Ding ungefähr wo der Weg lang läuft – daran orientieren wir uns. Vor uns breitet sich eine rote Ebene aus, die ab und zu von Sträuchern durchzogen ist. Rechts von uns liegt der See. Wir müssen über Erdhügel und durch Mulden, die scheinbar von Bächen ausgewaschen wurden. Hier geht’s nur noch querfeldein – die Straße ist eh nicht mehr zu sehen. Dahinter zeichnet sich wieder die Staubpiste ab und eine kleine Abzweigung führt uns zum Lake Jipe Safari Camp. Hier kommen wir an und stellen unser Auto hinterm Tor ab. Uns gefällt das Camp, aber es sieht sehr verlassen aus. Gut, dass ich vorher angerufen und uns angemeldet hatte. Eine kleine Afrikanerin kommt nun auf uns zu, sie trägt einen langen Rock, ein Tshirt und Milimeterkurz geschnittenes Haar – und begrüßt uns überaus herzlich! 🙂 Wir haben das Gefühl, als sei seit Monaten kein Gast mehr hier gewesen. Sie zeigt und den Essbereich im Giraffenlook – und dann entdecken wir den Pool! Es gibt einen Pool! Super! Ob wir hier essen mögen, fragt sie uns. Das Abendessen koste 400 KSh, sie bereite es selbst zu. Wir schlagen zu und sprechen eine Uhrzeit ab. Auf dem für Camper vorgesehenen Platz dürfen wir uns einen Platz aussuchen. Wir sind wie so häufig die einzigen Gäste... 🙂
Für die Hygiene kriegen wir das Badezimmer eines Bungalows zugeteilt, was auch gut so ist, denn als Lars von den Toiletten für die Camper kommt, ist er ganz und gar nicht begeistert. Wir vermuten, dass es daran lag, dass so lange keine Gäste hier waren. 🤢
Wir essen nun alleine im großen Barbereich – einfaches aber unglaublich gutes Essen. Es gibt Trinkwasser ohne Nachfrage und unendgeltlich dazu! Wow, was für ein Service. Immerhin handelt es sich hier nicht um eine noble Lodge, sondern ein kleines Camp mit 5 größeren Bungalows, ein paar kleineren, einer Campsite und einem Pool... Das Essen besteht aus Reis, Chapati und einem spinat-ähnlichen Gemüse, das ich schon häufiger an Marktständen gesehen habe. Lecker! Wir melden uns gleich auch noch fürs Frühstück an 🙂 Den Pool benutzen wir allerdings nicht mehr, denn nun gegen Abend wird es doch etwas kühl... Am Abend bereitet dann ein Caretaker ein Feuer für uns vor. Es werden Stühle für uns dazu gestellt und wir bekommen etwas zu trinken, wenn wir mögen. Wundervoll!
Danach klettern wir in unser Dachzelt, zwischen zwei Akazien – müde sind wir, waren wir doch früh auf uns lange unterwegs. Wir finden es hier so schön und fühlen uns hier so wohl, dass wir morgen nicht früh aufstehen und nicht morgens früh in den Tsavo West fahren werden, sondern uns erstmal ausruhen – und den Pool ausprobieren 🙂 Gute Nacht...