WAwakuThemenstarter18 Beiträge · seit 200819. Dez. 2008 · #1Hallo,
in einen Monat bin ich mit meinen Freunden auf der Reise durch Botswana, bis (wenn´s klappt) VicFalls.
Ich möchte die Gelegenheit nutzen und den Menschen dort was helfen, weiß aber ehrlich gesagt, nicht ganz, wie.
Einerseits stelle ich mir vor, Nahrungsmittel/Hygienenartikel in Botswana oder Namibia zu kaufen und nach Simbabwe zu bringen, weiß aber nicht, bei wem sollte man solche Artikel abliefern?
Anderseits kann ich paar Sachen aus D nehmen, die in südlichen Afrika schwer zu bekommen sind (was?)...
Und wieder die Frage: wer soll der Empfänger sein?
Ich möchte auf keinen Fall als "ein-Weißer-der-Sachen-verteilt" auftreten! Und werde vermutlich auch keine Zeit für aufwendige Suche nach geeigneten Empfänger vor Ort haben...
Kann ich von Euch Tipps bekommen, bitte?
Gruß,
waku
MAMatt415 Beiträge · seit 200819. Dez. 2008 · #2Diese Frage ist schwierig zu beantworten. Ich denke sogar, dass hätte man eine Antwort, man das "Problem" Afrika gelöst hätte.
Was Du aber sicherlich machen könntest wäre, ein paar T-shirts, Schreibzeug, Reis oder andere Grundnahrungsmittel einer Familie zu geben. Sicher kein Geld oder Süssigkeiten.
www.hafz.ch / Ein Projekt, welches privat finanziert und transparent ist. Informiert Euch. Für Fragen stehe ich Euch gerne zur Verfügung
WAwakuThemenstarter18 Beiträge · seit 200819. Dez. 2008 · #3Hallo Matt,
aber selbst die sachen, die Du aufgelistet hast: von Europa mitschleppen oder vor Ort kaufen, da vielleicht günstiger (=mehr fürs gleiche Geld)?
Gruß,
waku
DocHoliday272 Beiträge · seit 200819. Dez. 2008 · #4Vielleicht wäre es eine bessere Alternative, sich vor Ort oder von hier aus nach einem sinnvollen Hilfsprojekt in der Gegend umzusehen/umzuhören und dann dieses (kontinuierlich?) zu unterstützen?
MAMatt415 Beiträge · seit 200819. Dez. 2008 · #5Ja natürlich. T-shirts wenn möglich dort kaufen und verteilen. Hilfsprojekte sind immer gut, sofern man überblicken kann, wohin das Geld fliesst, aber das wäre dann wieder eine andere Diskussion...
In Zambia kenn ich dann eine gute Organisation, welche sämtliche Gelder direkt den Leuten zukommen lässt, da alles auf freiwilligenarbeit funktioniert...
www.hafz.ch / Ein Projekt, welches privat finanziert und transparent ist. Informiert Euch. Für Fragen stehe ich Euch gerne zur Verfügung
DocHoliday272 Beiträge · seit 200819. Dez. 2008 · #6Ich hätte einfach das Problem, wie ich vor Ort einen "geeigneten" Abnehmer finden soll, dem ich mit den T-Shirts/dem Sack Reis oder Getreide oder was auch immer wirklich helfen kann.
Da hat ein gut geführtes Hilfsprojekt wohl besser geeignet.
MAMatt415 Beiträge · seit 200819. Dez. 2008 · #7Ja natürlich. Es muss schlussendlich jeder seinen Weg finden, wie er/sie helfen möchte. Einfach Geld alleine ist auf jeden Fall schlecht (Alkohol)...
Frauen mit Kinder sind meiner Meinung nach am hilsbedürftigsten..
www.hafz.ch / Ein Projekt, welches privat finanziert und transparent ist. Informiert Euch. Für Fragen stehe ich Euch gerne zur Verfügung
VOVolker2'612 Beiträge · seit 200719. Dez. 2008 · #8Waku,
versuche es mal über folgendes Guest House in Vic Falls, wird von Deutschen betrieben:
www.amadeusgarden.comVielleicht haben sie konkrete Vorschläge.
Viel Erfolg,
Volker
SISilvy298 Beiträge · seit 200719. Dez. 2008 · #9Hallo Waku,
wir haben immer einige Hefte, Bleistifte, Radiergummi dabei (jeder nimmt welche mit in seinen Koffer) und Zahnbürsten! Diesen Tipp haben wir letztes Jahr in Namibia bekommen, weil die Kinder so gut wie keine Zahnhygiene betreiben. Auch nehme ich in Urlaub nur Kleidung und Schuhe mit, die ich hinterher (natürlich gewaschen) verschenke. Ich werde das Strahlen eines Boys nicht vergessen, der meine Bergschuhe "ergattert" hat. Wir haben die Sachen auf einer Farm gelassen, wo sie für 1 Nam. Dollar pro Stück verkauft werden, da sich dann jeder aussuchen kann, was er möchte und nicht das Gefühl hat, er bekäme ein Almosen. Das macht übrigens auch Lore auf der Farm Rooiklip nach diesem Verfahren. Der Erlös der "alten" Sachen wird natürlich sofort in ihr Kindergartenprojekt gesteckt. Eine gute Sache für beide Seiten, finde ich.
Gruß aus Bayern
Silvy
KOkonno1'457 Beiträge · seit 200619. Dez. 2008 · #10Das Beste: einfach sein lassen. Sachen verteilen birgt doch viel mehr Risiken als nur deinen eigenen Gefühlszustand beim Akt des Übergebens. Wer ohne Leistung bekommt, der bringt auch keine Leistung. Stichwort : Betteln.
Wer braucht denn Zahnbürsten ? Schulkinder? Welches von den 75 in einem Dorf ? Alle ? Was geschieht mit den Zahnbürsten ?
und vor Allem wer bekommt sie ? Ein kleines Schwarzes Kind ist nun mal nicht immer bedürftig und es gibt auch in einem kleinen Dorf soziale Strukturen, die man als einfacher Tourist so nicht durschauen kann. (zumal das Schenken im subsaharischen Raum eine besondere Rolle einnimmt. Stichwort: Erweiterung Soziales Netzwerk/ Bindungsstärkung.
Ich erinnere mich da an eine Freundin, die eine Plastiktüte aus einem Touristenauto bekommenhat ( im Khomashochland). Sie hatte beste Schulbildung und besuchte zu der Zeit eine Fachschule für Hotel und Farmmanagement. In der Plastiktüte waren grüne Plastikherrensandalen (die an jmden verschenkt wurden, der sie wirklich nötig hatte aber sicher auch nicht ARM war) Buntstifte und Sahnbonbons Campino mit erdbeergeschmack. Die wurden unter Anderem auch an mich weitergeben 😛 )
Also: zum Geben gehört auch Wissen!
Wirklich nachhaltig ist doch nur lange Projekte zu unterstüzten, die einerseits wissen WAS und WIE tun.
zum Beispiel höhere Bildung (auch andere klar) :
http://www.gnsf.org/000000987f1129604/index.html SISilvy298 Beiträge · seit 200719. Dez. 2008 · #11Hallo Konno,
das ist richtig, was Du sagst. Wir haben die Sachen in Schulen abgegeben oder auf Farmen gelassen. Jemandem direkt was in die Hand zu drücken, ist immer problematisch. Dabei fühle ich mich auch nicht wohl. Es kommt aber immer auf die Situation an.
Gruß Silvy
ULUlli931 Beiträge · seit 200619. Dez. 2008 · #12Wir haben uns angewöhnt immer eine Großpackung Reis, Gemüse und -falls nichts anderes zur Hand ist- Büchsenfleisch oder Corned Beef im Auto dabei zu haben. Wenn wir dann unterwegs bei einer Siedlung, einer Rangerstation etc. übernachten schlagen wir den Menschen oft vor zusammen zu kochen und zu essen. Die Locals stellen die Töpfe, machen Feuer und wir steuern die Zutaten bei.
Einen großen Reis-Topf, zusammen auf dem Feuer gekocht und anschließend auch zusammen gegessen, wirkt Wunder. Kaum jemand von den Einheimischen hat es jemals vorher erlebt das Weiße gemeinsam mit ihnen kochen und essen. Von so einer Aktion haben beide Seiten etwas: die Leute werden satt und sie erfahren das sich jemand wirklich mal ein bisschen für sie interessiert. Und man selbst lernt noch eine Menge über die jeweiligen Lebensumstände.
Kostest fast nichts, bringt aber unglaublich viel Eindrücke (auch für einen selber).
Wenn ihr 'noch einen drauf setzen' wollt: macht ein paar Fotos, lasst euch die Adressen geben und schickt den Leuten die Abzüge. Wenn ihr dann noch jeweils eine lokale Briefmarke hinzufügt werdet ihr erstaunt sein dass euch Menschen aus Afrika schreiben die nur unter großen Mühen ein Blatt Papier auftreiben und ein paar Sätze Englisch formulieren können. Übrigens: wir haben es nicht einmal erlebt das uns dabei jemand angebettelt hat.
Das alles nur mal so als Anregung. Vor dem Helfen ist es manchmal auch ganz gut ein wenig über Leute zu wissen denen man helfen will - und sie beißen ja nicht.
Und ganz nebenbei erschließt sich dann auch noch das Afrika nicht nur aus hübsch fotografierten Elefanten und Löwen besteht. Kann auch sehr spannend sein...
Gruss
Ulli
DocHoliday272 Beiträge · seit 200819. Dez. 2008 · #13@Ulli: Die Idee gefällt mir sehr gut! Hat nichts von Almosen durch die reichen Europäer sondern ist ein klarer Deal, von dem alle profitieren. Und wo kann man Menschen besser kennenlernen als bei einer gemeinsamen Mahlzeit?
MAMatt415 Beiträge · seit 200820. Dez. 2008 · #14Absolut. Die Idee bzw. die Art und Weise, mit Farbigen Menschen in Kontakt zu kommen, gefällt mir sehr gut! Das Verhältniss zwischen Weiss/Farbig ist ja schon genug "gestört", da kann ein solches "Dinner" absolut hilfreich sein. Vor allem möchte ich nicht zu jenen Touris gehören, welche jeweils in Deckung gehen, wenn ein Farbiger daher kommt, in seinem Lande...
www.hafz.ch / Ein Projekt, welches privat finanziert und transparent ist. Informiert Euch. Für Fragen stehe ich Euch gerne zur Verfügung
Reinhard728 Beiträge · seit 200620. Dez. 2008 · #15Ich möchte das unterstützen, was Konno und Ulli sagten. Bedingungsloses Schenken hat in unmittelbaren Notsituationen seinen Sinn (nach Überschwemmungen, Bränden oder sonstigen Katastrophen). Sobald die unmittelbare Gefahr vorbei ist, m.E. aber nicht mehr. Dann kann sich solche Hilfe in's Gegenteil verkehren. Wem einmalig etwa geschenkt wird (vom offensichtlich so reichen Weißen) mag sich noch unschuldig freuen. Beim 2., 3. oder 4. Geschenk kommt bei jedem Menschen der Gedanke, dass das Beschenken-lassen auch seine Vorteile hat und man wird seine Bemühungen darauf richten. Das nennt man Betteln. Daran sind leider die gutmeinenden Schenker nicht ganz unschuldig. Sie werden ihre Fähigkeiten auf das Betteln konzentrieren und eine Schul- oder Berufsausbildung aufgeben. Das gilt, fürchte ich, auch für die Schuhe und Kleidung, die offenbar manche/r am Ende der Reise im Lande an Einzelpersonen verschenkt. Besser wäre in so einem Fall die Übergabe an z.B. eine kirchliche Hilfsorganisation, die es in unmittelbaren Notsituationen einsetzen kann. Ich finde es besser, z.B. im Craft-Center in Windhoek einen handgemachten hölzernen Bilderrahmen für gutes Geld zu kaufen und damit einem Handwerker, in meinem Fall mit Namen Ndumba von der Cooperative Oshiwa Crafts and Framing (so steht es auf der Rückseite) seine Produkte abzukaufen. Ich finde, das hat etwas von fairem Bezahlen für eine Leistung, die ich an Anspruch nehme und es hat auch etwas von gleicher Augenhöhe.
Gruß
Reinhard
WOWoMaGast21. Dez. 2008 · #16Ich finde es schön dass hier so verantwortungsvoll über dieses schwierige Thema nachgedacht wird. Mit solchen Aktionen wie die von meinen Vorpostern kann die Bettelei auf jeden Fall eingeschränkt werden! Ich frage bettelnde Kinder immer für welche Leistung sie denn einen Dollar von mir bekommen sollten - und gleich danach warum sie eigentlich nicht in der Schule sind (natürlich nur wenn auch Schulzeit ist). Mitleid ist kein guter Erziehungsratgeber und kann alles nur noch schlimmer machen.
Eines muss ich aber noch loswerden: in Namibia bezeichnet man Menschen mit schwarzer Hautfarbe auch als Schwarze, nicht als Farbige (Coloureds). Letztere sind eine eigene Volksgruppe und hellhäutiger. Wenn ihr also in Namibia seid und euch mit Einheimischen dunkler Hautfarbe unterhaltet, solltet ihr schwarze Menschen als Black people bezeichnen und nicht als Coloured wenn ihr nicht hochgezogene Augenbrauen riskieren wollt 🤨
Ist anders als im deutschen Sprachgebrauch, ich weiß - dies soll auch nur als dezenter Hinweis verstanden werden und nicht als Schulmeisterei 🙂
Wünsche allen FoMis ein Frohes Weihnachtsfest und alles Gute fürs Neue Jahr!
LG
Maxi