GAGastThemenstarterGast04. Aug. 2005 · #1Hallo liebe Forumnutzer,
auf unserer Namibia/Botswanareise im Oktober möchten wir 2 Tage in der Region Tsumeb-Tsumke ein wenig über die Buschleute erfahren. Welche Camps oder Einrichtungen sind dafür am besten geeignet?
Am bekanntesten ist wohl der Muramba-bushmantrail. Außerdem habe ich noch einen Nacopta Campingplatz gefunden und ein neues Communityprojekt "Treesleeper", welches im September eröffnet werden soll.
Was bietet Nyae Nyae?.
Wer kann mir mit Informationen weiterhelfen?
Danke Biba
JOjoliThemenstarterGast04. Aug. 2005 · #2Hallo Biba,
ich kann Dir vielleicht insoweit weiterhelfen, dass ich Dir eine e-mail-Adresse gebe: namibia@bwana.de . Dahinter steckt Carsten Möhle und ich weiß, dass er seine Finger in einem Buschmannprojekt dort oben in der Ecke Tsumeb-Tsumkwe hat. Er wird Dir bestimmt dazu etwas sagen können.
Gruß Joli
CMCarsten MöhleThemenstarterGast23. Aug. 2005 · #3Sehr geehrte Biba,
von West nach Ost in der von Ihnen angegebenen Region gibt es folgende Möglichkeiten, mehr über die 30.000 Namibia Buschleute zu erfahren:
Etosha: Hier gibt es das Büchlein "Ortsnamen im Etosha Nationalpark" Viele der Wasserstellennamen sind Bezeichnungen der Buschleute.
Ombili-Stiftung: Beate Mais-Rische bietet ganzen Sippen die Möglichkeiten unter wohl definierten Rahmenbedingungen ins 20. - nicht 21. - Jahrhundert zu gelangen. www.ombili.de
Tsintsabis: Der Traumtanzplatz der Hai-//om - ( übersetzt "Baumschläfer" ) Buschleute. Das holländische Selbstverwirklichungscamp "Treesleeper" www.treesleeper.org wird ab Ende des Jahres 3 Campingplätze, Wanderungen, Tänze mit der lokalen Buschmannbevölkerung anbieten können.
Programme und Preise sind die gleichen wie im "Historic Living Museum" der Ju´-/hoansi in Grashoek.
Die Muramba Bushman Trails von Reinhard Friederich mit Buschmann Aaron und Benjamin sind der wichtigste Einstieg in die Buschmannkultur. Leider bietet Reinhard aus gesundheitlichen Gründen nur noch Mo - Fr Touren an, und in der Regel nur für größere Gruppen.
Grootfontein: Roy´s Camp hat keine eigenen Buschmannangestellte mehr.
Entlang der Strecke nach Tsumkwe: Direkt hinter dem Veterinärzaun auf der linken Seite: 6 km leichte Allradstrecke zum Lebenden Museum der Grashoek - Gemeinde. In meinem Augen die zur Zeit einfachste Möglichkeit Einblicke in das Leben der Buschleute vor 100 Jahren zu gewinnen. Die Buschmanndarsteller sind noch voller Leidenschaft. Einfacher Campingplatz ohne Wasser.
10 km weiter auf der rechten Seite das heruntergekommene Omatako Valley Restcamp der Nacobta - Organisation. Die guten englischsprachigen Übersetzer sind weg. Die Wasserpumpe ist geklaut.
Tsumkwe: Direkt am Ortseingang in den bunten Gebäuden auf der rechten Seite ist das Büro der Nyae-Nyae Conservancy. Vielleicht bekommt man eine gute Karte vom Pfannengebiet, ansonsten ist der Besuch nicht hilfreich. Guides oftmals betrunken, Raum-Zeitabsprachen selten erfolgreich. Die Nyae-Nyae Gemeinschaft bekommt zu viel Entwicklungshilfe, als dass sich die Arbeit für sie lohnen würde. Die Nyae-Nyae Lodge an den Pfannen ist bereits über ein Jahr aus dem Zeitplan. Ein Eröffnungsdatum steht immer noch nicht fest.
Tsumkwe Lodge von Aron und Estelle Oosthuizen organisiert zuverlässige Ausflüge zum Dorf Nhoma rechts unterhalb des Khaudoms, in dem man auch Buschmann -Style Hochzeiten durchführen kann.
Ein Dorf ist in der Nähe des "Hoolbooms", der von Lady Di´s Sohn Prince William miterbaute und von den Buschleuten dort betriebene Campingplatz ist nicht mehr existent. In Richtung Khaudom ist entlang des linken Weges das Dorf Klein Dobe, in dem noch drei echte Jäger leben.
Um noch "echte" Buschleute zu finden, muss man sich schon über die Grenze nach Angola trauen.
Literaturempfehlungen zur Vorbereitung eines Besuchs:
Frei,Rolf u.a.: Buschmänner. Klaus Hess Verlag Göttingen 2001, ISBN 3 933117 216, Das zur Zeit beste Buschmannbuch. Aufnahmen wurden bei den Buschmänner in Klein Dobe gemacht. Text von Buschmannexperten Reinhard Friederich kontrolliert.
Leffers, Arno: Gemsbok Bean + Kalahari Truffle ( Nyae Nyae Buschkost Führer ) ISBN 99916-0-491-X , Gamsberg Mac Millan Press, Windhoek Deutscher Entwicklungsdienst 2003
Howell,N.: Demography of the Dobe!Kung, 2.Auflage 2000, ISBN 0 202306 496
Malan, Johan S.: Die Völker Namibias, Klaus Hess Verlag Göttingen, 2.Auflage 2000, ISBN 3-933117-10-0
Hoffmann, Giselher: Die Erstgeborenen, Roman, Unionsverlag 1994 ISBN 3-29320229-2
Bleek, H. und Loyd, Lucy: Mythen und Märchen der Buschmann-Völker, Daimon Verlag 2002, ISBN 3-85630618-8
Post, Laurens van der: Das Herz des kleinen Jägers, Roman, Diogenes Verlag, ISBN-Nr. 3-25722821X
Liebenberg, Louis: The Art of Tracking The origin of Science, David Philip Publishers 2.Auflage 2001, ISBN 0 86486 293 8
Gordon, Robert J.: Picturing Bushmen The Denver African Expedition of 1925, Ohio 1997, ISBN 0864863330
Gordon, Robert J.: The Bushmen Myth: The Making of a Namibian Underclass, Westview 1992, ISBN 0813313813
Mit sonnigen Grüßen aus Windhoek
Carsten Möhle
GAGastThemenstarterGast23. Aug. 2005 · #4Danke Herr Möhle für die umfangreichen Informationen.
Gruß Biba
CACatbirdThemenstarterGast24. Aug. 2005 · #5Hi !
noch eine Literaturempfehlung hätte ich:
"Nisa erzählt" - Das Leben einer Nomadenfrau in Afrika - von Marjorie Shostak, Rowohlt Taschenbuch Verlag, ISBN 3 499 26492 7 🙂
Auf Anraten von Carsten (danke Carsten!) waren wir im Trail Blazers Camp (ein sehr schönes Camp übrigens), um eben hier ein wenig das "wirkliche Leben" und die Traditionen der Buschleute kennen zu lernen. Aber irgendwie ist das nicht mein Ding, wenn die Leute mit ihrem VW-Bus mit lauter westlicher Musik angebraust kommen, dann in voller Buschmanns-Ausrüstung aussteigen und traditionelle Tänze vorführen. Das wirkt auf mich sehr aufgesetzt und eben überhaupt nicht traditionell, sondern eher touristisch und zirkusmäßig.
Mit sehr sonnigen Grüßen aus der Pfalz 😄 von
Catbird 8)
GAGastThemenstarterGast24. Aug. 2005 · #6wie cartsen schon erwaehnt hat, "echte" buschmaenner gibt es nur noch in angola oder vereinzelt in der kalahari, alles andere ist fuer die touristen abgespielt, da braucht man sich nichts vorzumachen
IRIreneCHThemenstarterGast24. Aug. 2005 · #7 Das wirkt auf mich sehr aufgesetzt und eben überhaupt nicht traditionell, sondern eher touristisch und zirkusmäßig.
Naja, ungefähr so traditionell wie all die Bayern, die in Lederhosen rumlaufen, ständig schuhplatteln und in der Schweiz können auch alle jodeln 😄
Wir waren letztes Jahr in Ombili, und obwohl es mein gesundheitlich miesester Tag der ganzen Reise war, fand ich es sehr spannend und interessant.
LG Irene
TOTomcatThemenstarterGast25. Aug. 2005 · #8@111
Mir ist es lieber die Buschmänner machen etwas Folklore und verdienen damit ein weinig Geld, als dass sie rumhängen und den Alkohol verfallen...
Gruss Tom
GAGastThemenstarterGast25. Aug. 2005 · #9da gebe ich dir vollkommen recht, allerdings haben dies alles die touristen verursacht !!! sollte einem auch klar sein. in angola haengen die nicht rum und geben sich dem alkohol hin, da dort die touri-scharen eben noch nicht ueberhand nehmen und schoene photos von herumsingenden und -tanzenden buschmaennern machen wollen
GAGastThemenstarterGast13. Nov. 2005 · #10also sollte es in angola noch buschmänner geben, die rein traditionell leben, dann lasst sie um gottes willen auch in ruhe.
ich selbst war im mai im living museum (bestimmt das empfohlene "Lebenden Museum der Grashoek"), organisiert vom backpacker in tsumeb aus (als student ohne allrad-mietwagen wäre ich sonst da bestimmt nie hingekommen) und es war einfach toll.
gut, vielleicht wurde mir da was vorgegauckelt, aber den eindruck hatte ich nicht. eher im gegenteil, wahrscheinlich nur durch solche projekte werden tradition und kultur erhalten bleiben und an die nächste generation noch weitergegeben. und das dorf hat was davon (nein, nicht nur geld verdienen, anstatt alkohol zu trinken, die sichtweise ist wohl bisschen einseitig).
waren für mich (neben lesotho und transkei) die schönsten und vor allem lehrreichsten stunden meines aufenthaltes im südlichen afrika. und echt krass, was san (ach ja, das ist ja ihr richtiger name) alles so über pflanzen wissen.
KOkonnoThemenstarterGast13. Nov. 2005 · #11111, ich will dir heftigst widersprechen. In Sozialethnologie haben wir das Buch "Social organization of the !Ko bushmen" von Hans-Joachim Heinz gelesen. ( ich habe es bereits an anderer Stelle empfohlen)
In dem wird deutlich, wie die Gruppe der !ko und (auch der !kung) durch neuere Erscheinungen in ihrem Umfeld beeinflusst werden. Doch NUR Touristen sind das nicht. Etliche Männer verdienen Geld durch ihre Kenntnisse als Farmangestellte, die Frauen (auch über der Alkoholsucht) finden an den Fernstraßen Gelegenheit zur Prostitution.
Den Touristen die Schuld zu geben, wäre ein wenig simpel.
Man muß übrigens begreifen, dass sich Kulturen im Wandel befinden und nicht "zu schützen" sind wie Tiere.
Wir schützen doch auch nicht unsere Kultur der Schreibmaschine sondern tippen nun in Computer. Noch extremer: Lebt einer von euch in der Tradition des Mittelalters? Also.
Wer sollte es den zahlreichen Sangruppen übelnehmen, dass sie auch einmal mit dem Auto fahren wollen um eine Coke zu kaufen (oder viel wichtiger ins Krankenhaus), anstelle brackiges Wasser zu trinken. Oder in ein Flugzeug zu steigen um einmal zu sehen, wie wir so leben. (Und als Touristen würden sie auch hier in Tübigen viele Alkoholabhängige direkt am Bahnhof finden!)
Macht irgendjemand von euch in einer Trachtengruppe mit und pflegt damit unsere reichhaltige Kultur ?
Etwas zu erhalten, nur wegen der Fremde wegen und weil es ein abenteuerliches Schauspiel ist, dem muß ich doch einmal den Wind aus den Segeln nehmen.
Das gleiche in Lesotho lieber troemi. Was du in deinem Urlaub als so fanszinierend erlebt hast, habe ich bei meinem intensiven und tieferen Einblick während meines eineinhalbmonatigen Praktikum im Entwicklungshilfedienst dort zu verachten gelernt und alles daran gesetzt diese Umstände zu verbessern.