Spätnachmittag in Ruacana

18 Antworten · 5'465 Aufrufe · gestartet 07. Nov. 2007 von Gforce
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Themenstarter435 Beiträge · seit 200707. Nov. 2007 · #1
😎

In Ruacana hat sich seit meinem letzten Besuch nicht viel verändert. Neu sind eine Stromversorgungsanlage am Ortseingang, sowie eine Tankstelle direkt daneben. Zu dieser Tankstelle gehört ein moderner Supermarkt, in dem es, für diese weitentfernte Ortschaft, erstaunliche Dinge gibt. Zum Beispiel den weltberühmten, dreieckigen Schokoriegel aus der Schweiz.
😛
Die einzige feste Unterkunft am Ort ist das für jeden offene NamPower-Guesthouse. Es strahlt den soliden Charme eines Stromlieferanten aus. Solide, für die Ewigkeit gebaut, südafrikanische Architektur der sechziger Jahre. Die Zimmer sind einfach, aber sauber. Mit Dusche, zwei Betten, einem kleinen Kühlschrank, Tisch und Stühlen. Das Design der Betten ist dem der Hängematte abgeschaut. Tief ausgelegene Matratzen verhindern unbeabsichtigtes Herausfallen, sind allerdings eine Folter für den Rücken.
🤩
Die anheimelnde Atmosphäre des Gästehauses setzt sich mit dem Hinweisschild am „Restaurant“ fort. Wie in den staatlichen Restcamps sind auch hier die knappen Zeiten genannt, in denen man Mahlzeiten einnehmen kann, denen jeglicher Hauch von kulinarischer Güte fremd ist. Fragen nach dem Speiseplan sind nicht notwendig: es wird gegessen, was auf den Tisch kommt! Abends gibt es UFO´s (Unbekannte Fleisch Objekte). Morgens begrüßt der Kellner den nichtafrikaanssprechenden Gast mit einem knappen „So?“. Übersetzt heißt das ungefähr „Was, sehr geehrter Herr, darf es denn heute sein? Vielleicht Spiegeleier, oder Rühreier, gar ein kleines Omelett?“ Brilliant!
🤪
An Getränken bietet das Restaurant Tee, oder Kaffee, sowie Fruchtsyrup zum Verdünnen an. Erst zu knapp späterer Zeit kann man in dem auf dem gleichen Gelände gelegenen Ruacana Recreational Club Getränke aller Art konsumieren. 😊
Die Erleuchtung, um was für eine Art von Gästehaus es sich hier handelt, kommt in Form eines Schlüsselanhängers daher. Auf dem steht in Großbuchstaben: SWAWEK SINGLE QUARTERS RUACANA. Seit dem Bau im Jahre 1974 ist der Hauch des Fortschritts am Gästehaus vorbeigeweht. Schade eigentlich.
Der einzige Platz am Ort, wo es etwas weniger konservativ zugeht, ist der Kamatie-Bottlestore, in dem es auch eine kleine Bar gibt. Hier treffen sich nach Feierabend hauptsächlich die Angestellten von NamPower (dem größten Arbeitgeber am Ort) zum Sundowner. Dann kommt Leben in den Bottle Store. Was diese Menschen alles zu erzählen haben, dabei passiert doch hier eigentlich nichts. Doch das hindert keinen, mit größter Hingabe mitzureden. Aber mit größter Freude wird „neues Blut“ in der Runde begrüßt. Dem Fremden kann man all´ die alten Geschichte erzählen, die die Kumpels vor Ort schon lang e kennen. Aber nur der Schnellste der Ruacaner, der Bürgermeister (in Personalunion auch Angestellter von NamPower), mit der Sprechgeschwindigkeit eines Maschinengewehrs, ergriff seine Chance, mit dem Neuankömmling einen Plausch zu führen. Seit 18 Jahren lebt er nun schon hier (seine Frau betreibt das Stromgasthaus!), aber seine sprühende Lebensfreude hat er sich erhalten. Und Geschichten kann er erzählen! Gäbe es dafür einen Preis, so müsste er die große Auszeichnung des hohen Nordens bekommen.
In diese friedlich-freundlich-freche Männerrunde platzt urplötzlich eine alleinreisende deutsche Feministin hinein. In der unnachahmlichen Art dieser Geschöpfe, reißt sie sofort das Geschehen an sich. Die Manne erstarren ob diese unerhörten Vorfalls. Keiner wagt dem hereinbrechendem Schicksalsschlag entgegenzutreten. Mit ausgefeilt schwerem denglischen Dialekt wird die betretene Runde erheblicher Delikte beschuldigt. Die Höhe der namibischen Mietwagenpreise sei eine Frechheit. Sie, die emanzipierte Alleinreisende, hat ein ungutes Gefühl, an dem geplanten Campingplatz (Hippopools) die Nacht zu verbringen. Da seien „so zwei Typen“, die ihr überhaupt nicht behagen – und ihr Gefühl hat sie noch nie betrogen. Es möge jetzt aber ja keiner auf die Idee kommen, ihr eine Unterkunft im Ort anzubieten. Sie ist nämlich nicht dazu bereit, die völlig überhöhten Preise in Ruacana (?) im Speziellen, sowie in Namibia überhaupt (!) zu akzeptieren. Sie schläft nämlich im Bakkie, hintendrauf! Völlig unakzeptabel sei jeder Vorschlag, ihre Nacht entfernt vom Fluss zu verbringen. Deswegen ist sie ja schließlich hier. Und woanders Campen darf man sowieso nicht (?)! Und überhaupt, diese Männer haben ja von nichts eine Ahnung und keiner sei bereit, ihr zu helfen. Sprach´s und raste aus der kleine Bar zu ihrem (überteuerten!) Bakkie, warf den Motor an und zeterte noch minutenlang aus der geöffneten Tür herüber. Dann stob sie davon. Nachdem sich die Staubwolke gelegt hatte, kehrte die Beschaulichkeit zurück.
Nach einem kleinen Schluck des Besinnens erzählet ich den Männern von dieser Sorte Frauen in Europa, die so lange an ihren Kerlen herumerzogen haben, bis sich diese zu sockenstrickenden, Latzhosentragenden Sitzpinklern mutiert waren (den eigentlich keine Frau mehr haben wollte). Nach einem Augenblick des Nachdenkens setzte brüllendes Gelächter ein.
Es war ein netter kleiner Ort, um in Ruhe seien Drink zu genießen.

😉
ae
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Gast07. Nov. 2007 · #2
So sehe ich das auch. Namibia ist völlig überteuert. Mich sehen diese Abzocker in ihren den abgewohnten und z.T. völlig desolaten Lodges nie mehr wieder. Einzig allein einige Gästefarmen sind vom Preis-Leistung Verhältnis halbwegs akzeptabel. Auch die Unsitte knallhart die Kreditkarten zu belasten wenn man umbucht oder storniert gibt es nirgens sonst. Man sollte vor Namibia Reisen abbraten bis sich die Verhältnisse dort wieder einigermaßen normalisiert haben.
Themenstarter435 Beiträge · seit 200707. Nov. 2007 · #3
Hallo Cyberferkel,

warum fährst du dann immer noch nach Namibia? Nach deiner Reaktion ist das eigentlich nicht zu verstehen 😊 .

LG
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2'346 Beiträge · seit 200607. Nov. 2007 · #4
Hallo "Cyberferkel",

ich mache dir wenig Hoffnung, dass sich die Preise in Namibia "wieder einigermaßen normalisieren", wie du es ausdrückst. Es wird langfristig genügend Menschen geben, denen die neuen Preise vollkommen "normal" vorkommen, nur werden das nicht unbedingt Mitteleuropäer sein. Das sind Tatsachen, denen man ins Auge sehen muss, ob man will oder nicht.

Gruß
Armin
2'772 Beiträge · seit 200607. Nov. 2007 · #5
Ich glaube, so richtig teuer wird es (erst), wenn die reichen Russen Namibia entdecken (siehe Kitzbühl...)
LG
Pascalinah
Nimm dich vor Leuten in Acht, die damit angeben, wer sie sind. Ein Löwe wird dir nie sagen müssen, dass er ein Löwe ist. Fotobuch Caprivi/Botswana 2024: https://www.cewe-community.com/next/example/schwerpunkt-naturparadies-sambesi-region-und-botswana-69955 Fotobuch Kruger National Park 2025: https://www.cewe-community.com/next/example/kruger-national-park-november-2025-71278
Gast07. Nov. 2007 · #6
Die reichen Russen lieben Luxus und Unterhaltung. Beides ist in Namibia kaum zu kriegen.....
Gast07. Nov. 2007 · #7
Ich war vor einigen Wochen, zum Ersten mal, dort und habe diese Erfahrung gemacht. Ich fuhr nicht "immer noch" dorthin.
2'779 Beiträge · seit 200707. Nov. 2007 · #8
Gforce
herzlichen Dank für diese erfrischende Gschichte aus dem Bottle Store, am Schönsten ist es doch wenn zwei völlig andersartige Kulturen einen Aus-Moment mit einem geteilten herzhaften Lachen erleben können.

Gestimmt hast du noch mehr davon.....
Gruss Leona
Gast07. Nov. 2007 · #9
Hallo Gforce,

sehr schön geschrieben 🙂

Guido
45 Beiträge · seit 200607. Nov. 2007 · #10
zuletzt bearbeitet 07. Nov. 2007
Themenstarter435 Beiträge · seit 200707. Nov. 2007 · #11
Hallo Fomis,

jaja Ruacana. Das hat schon was! 🤨

Es wird bestimmt nicht billig(-er), weil die namibischen Anbieter leider völliog realitätsfern sind! Sie wollen sich keinen (Länder-) Vergleichen stellen. 🙁
Mal sehen, wie lange das noch gut geht. Wenn die Nat. Parks unrühmlich vorangehen, dann wirdb dir Privatwirtschaft nicht lange warten.

Die reichen Russen u.a. haben, zum Glück für Namibia Liebhaber, "bessere" Ziele. Da wo man es zeigen kann, da geht er lieber hin. Der, der alles schöner, besser, schneller hat. 🤩

Solche Geschichten habe ich natürlich endlos weil ich ja einige Jahre im südlichen Afrika gelebt habe. 😘

Warum Cyberferkel sich diesen Schuh anzieht, weiß nur sie allein. 😵

LG
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zuletzt bearbeitet 07. Nov. 2007
97 Beiträge · seit 200607. Nov. 2007 · #12
Hallo Gforce,
vielen Dank für dieses Kleinod an Story. Lange nicht mehr sooo geschmunzelt!
Verstehe nur nicht wieso sich daraus eine Diskussion zu den Preisen entwickelt hat 😉 😗 😄??
Bitte mehr davon!

Viele Grüße
Judith
http://www.sehnsucht-afrika.com
335 Beiträge · seit 200607. Nov. 2007 · #13
Spätnachmittag in Ruacana ...

hat mich für meine momentane Reiseplanung eigentlich nicht interessiert. Dann habe ich doch mal reingeschaut und mich köstlich amüsiert. 🤪

Würde mich auch über weitere Geschichten dieser Art freuen. So als kleines Schmankerl, um sich den grauen Novemberalltag ein wenig zu verschönern. Schade, daß nicht jeder deinen Schreibstil versteht.

Reiche Russen? Was meint ihr, wie viele Jäger es unter denen gibt. Für die ist Namibia doch das reinste Paradies.... 😠 😠
Mit der Zeit werden das sicher immer mehr....

Gruß
Uschi
http://www.pervan.de/reiseberichte/Autor*Uschi_Pohler*7179http://www.flugstatistik.de
Themenstarter435 Beiträge · seit 200707. Nov. 2007 · #14
Ja, Uschi, die russischen Jäger! 😮
Das ist eine nicht unberechtigte Frage. Jedoch glaube (hoffe) ich, das sich die Reichen mit ihren ebenso verwöhnten weiblichen Anhängseln in anderen Gefilden umtun werden.

😎

Ich drücke mir dafür die Daumen, oder sonstwas, oder so...😐

LG
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2'772 Beiträge · seit 200607. Nov. 2007 · #15
Ich will ja nicht unken, aber wartet mal die Zeit ab. Dieses Jahr haben wir in Südafrika auch schon viele Russen getroffen (auf früheren Reisen nach SA nie!). Bis Namibia ist es dann nicht weit! Und die, die es sich leisten können zu reisen, haben keine Probleme damit überhöhte Preise zu zahlen.
Pascalinah
Nimm dich vor Leuten in Acht, die damit angeben, wer sie sind. Ein Löwe wird dir nie sagen müssen, dass er ein Löwe ist. Fotobuch Caprivi/Botswana 2024: https://www.cewe-community.com/next/example/schwerpunkt-naturparadies-sambesi-region-und-botswana-69955 Fotobuch Kruger National Park 2025: https://www.cewe-community.com/next/example/kruger-national-park-november-2025-71278
Gast08. Nov. 2007 · #16
Gforce schrieb:
Ja, Uschi, die russischen Jäger! 😮
Das ist eine nicht unberechtigte Frage. Jedoch glaube (hoffe) ich, das sich die Reichen mit ihren ebenso verwöhnten weiblichen Anhängseln in anderen Gefilden umtun werden.
Genau wie nicht alle Polen klauen und nicht alle Deutschen gängige Ballermannklischees erfüllen, passen auch nicht auf alle Russen die "Russen-im-Urlaub"-Klischees. Ich habe beruflich mit ganz zivilisierten Russen zu tun 🙂 Im Zweifelsfall wird man ggf. protzigen, lauten Russen wohl entgehen können, indem man sich für Camping statt für Lodges entscheidet.

Guido
97 Beiträge · seit 200608. Nov. 2007 · #17
Ja,
da muß ich Guido Recht geben. Vorsicht mit den Klischees!
Wir hatten dieses Jahr aud Düsternbrook französische Jäger und die erfüllten das 'Russen-im-Urlaub-Klischee' total 😈

LG Judith
http://www.sehnsucht-afrika.com
Themenstarter435 Beiträge · seit 200708. Nov. 2007 · #18
Hallo Judith,

du beschreibst das Schicksal des Jagdanbieters recht anschaulich. 😠
Leider gibt es Jäger, die unterscheiden sich von Jägern und nicht nur beim Jagen!🤔
Deiner Anregung folgend, habe ich gestern noch eine gute Geschichte aus Zambia ins Forum eingestellt: Knapp am Mond vorbei. Hast du das gelesen? 😛

LG
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935 Beiträge · seit 200608. Nov. 2007 · #19
Köstlich -- erst dachte ich "Where the hell is RUACANA?" nun muss ich
wohl für die nächste Route überlegen, wie ich diesen beschaulichen Ort
einbauen kann.

Jagd:
Wir haben leider im Cafe Gathemann am Nebentisch ein Gespräch mitbekommen, bei der sich Leute mit deutlich osteuropäischem Akzent bei einem örtlichen Tourveranstalter sehr konkret nach der Möglichkeit erkundigt haben, Löwen und Leoparden zu schießen. Uns blieb fasst der Atem weg, vor Fassungslosigkeit. Aber solange einige Reiseunternehmen solchen Leuten (egal welchen Akzent sie sprechen!) auch noch die Gelegenheit dazu bieten, wird sich nichts ändern. Es ist wieder mal nur eine Frage des Geldes.
Zahlt der Kunde, ist alles möglich. Dem Kunden wird die Hose eng, wenn er einen Löwen oder Leoparden aus reinem Ego schießen kann und ich könnte nur noch kotzen, wenn ich so was höre.

Der Bericht passt dann auch noch wunderbar -- habe ich soeben bei Spiegel-online
entdeckt.
GELANGWEILTE MILLIONÄRE
Urlaub in der Unterschicht
Russische Reiche, denen Kaviarpartys im Flugzeug oder
Helikopter-Skitouren zu langweilig sind, haben eine neues
Freizeitvergnügen entdeckt: Sie dürfen für einen Tag Obdachloser in
Paris oder Schaffner in Genf spielen - und dafür jede Menge Geld ausgeben.
http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,516036,00.html