Reiseroulette mit alten Autos 1

8 Antworten · 2'886 Aufrufe · gestartet 24. Apr. 2007 von Carsten Möhle
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Themenstarter1'287 Beiträge · seit 200624. Apr. 2007 · #1
Sehr geehrte Foriker - Gemeinde,

wer tucke-tucke im Namen hat, muss natürlich auch mit allem rechnen können. Hier ein kleiner - streng wissenschaftlicher - Beitrag für die kühlen Rechner unter uns:

Ein altes Auto halten wir aus gutem Grund für weniger zuverlässig als
ein neues. Nehmen wir an, dass fünfzig funktionierende Komponenten (vier Zündkerzen, ein Vierteiler, Benzinpumpe und deren Einzelteile;
Wasserpumpe, Lichtmaschine, Keilriemen usw.) erforderlich sind, damit ein Auto fahrbereit ist.
Bei einem Neuwagen als Leihfahrzeug sind diese Komponenten auf den
ersten 40.000 Kilometern ( ca. 12 Namibia -Standardrundreisen ) mit 99,94-pronzentiger Sicherheit funktionstüchtig.
Die Wahrscheinlichkeit, diese 40.000 km pannenfrei zu überstehen,
beträgt somit 0,9994^50 Komponenten =0,97 oder 97 Prozent. Bei den verbleibenden 3 Prozent der Neuwagen gibt es Probleme; das ist einer von 33.
Mit der Zeit und den gefahrenen Kilometern nimmt die Zuverlässigkeit der Komponenten auf namibischen Strassen rapide ab. Nach ca. zwei Jahren ist sie auf 99,8 Prozent abgesackt.
Das klingt zwar immer noch sehr sicher, ist es aber nicht: Die
Pannenfreiheit ist auf nur 0,988^50 Komponenten =0,9 oder 90 Prozent reduziert. Mit zehnprozentiger Wahrscheinlichkeit bleibt der Wagen dann auf einer Tour stehen, im Mittel als einer von zehn.

Nochmals 2 Jahre später arbeiten die Einzelteile nur noch mit
99-prozentiger Sicherheit. Damit sinkt die Zuverlässigkeit des gesamten
Wagens auf 0,99^50 =0,605 oder 60,5 Prozent. Mit fast 40 Prozent
Pannenwahrscheinlichkeit auf zehntausend Kilometer werden mit diesem
Auto länger Reisen zum Glücksspiel.

Mit sonnigen Grüßen aus Windhoek

Carsten Möhle
Themenstarter1'287 Beiträge · seit 200624. Apr. 2007 · #2
Wahrscheinlichkeitsrechnung bei Mehrfachrisiken

Wenn Sie mit einem Auto die Wüste durchqueren wollen, dann steigen Ihre Überlebenschancen nicht nur mit der Zuverlässigkeit der
Einzelkomponenten, sondern auch mit der Einfachheit des Fahrzeugs.
Benötigt es fünfzig intakte Komponenten, um fahrbereit zu sein, so ist
es deutlich anfälliger als ein Wagen, für dessen Einsatz nur zehn
funktionsfähige Komponenten erforderlich sind:

Bei einer Zuverlässigkeit der Einzelteile von beispielsweise 99,94 Prozent weist ein 50-Komponenten-Schlitten einer Sicherheit von 97 Prozent auf, während der spartanische 10-Komponenten-Unimog 0,9999^10 =0,999) zu 99,9 Prozent fahrbereit ist.
Das Risiko, mit dem Unimog in der Wüste eine Panne zu erleben,
beträgt1-0,ßßß=0,001=0,1 Prozent. Einer von tausend bleibt also auf der
Strecke. ( Wir haben nur 280 in Namibia )

Wenn Ihnen dieses Risiko zu hoch ist, dann fahren Sie besser im
Konvoi mit beispielsweise zwei Autos, von dener zur Not ein einziges
ausreicht, die Wüste unbeschadet wieder zu verlassen. Die
Wahrscheinlichkeit, dass beide Autos ausfallen, beträgt (beim Unimogbeispiel ) 0,001X0,001=0,000001, was bedeutet, dass nur eine von einer Million Expeditionen wegen defekter Fahrzeuge misslingen wird.
Diese ist auch der Grund, weshalb nicht einzelne Kamelreiter, sondern stets Karawanen die Wüste durchqueren und bei Flug- und Raumfahrzeugen lebenswichtige Komponenten immer mindestens doppelt vorhanden sind.
( Bei manchen Tourplänen ist ja auch ein Raumschiff nötig )

Mit sonnigen Grüßen aus dem Elfenbeinturm

Carsten Möhle
2'721 Beiträge · seit 200624. Apr. 2007 · #3
Hallo Carsten
gibt es noch mehr?
Ich finde es spannend, aber doch sehr wahr. Hoffentlich lesen es Viele.
Gisela
Themenstarter1'287 Beiträge · seit 200624. Apr. 2007 · #4
verbrannte Kupplung
449 Beiträge · seit 200624. Apr. 2007 · #5
Ah ja ! Unbeantwortet allerdings die Frage:

- brauche ich nur 2x4 oder 4x4 ?
- Single oder Double Cab ?
- Toyo oder Nissan ? Oder doch nen Landy ?
- Reicht vielleicht doch der City Golf ?
- Warum gibt es keinen Toyota Condor oder Venture mehr ?
- Wohin mit dem Zusatzkanister ?
- WELCHE AUTOVERMIETUNG überhaupt ? 😈
- Wo bekomme ich den BILLIGSTEN Wagen ?
- Kann ich bei XY mit meiner Mercedes-TUI-ADAC-Visa Card bezahlen ?
- Was tun, wenn ich kein Sat-Telefon bei mir habe ?
(.....)
Sollte man der Statistik Glauben schenken, sollten dann Expeditionen nicht aufgrund der rechnerischen Wahrscheinlichkeit mit einem brandneuen, einem mittelalten und einem ganz alten Wagen durchgeführt werden ? Falls man nicht genügend Fahrer für drei Wagen hat, sollte man einen auf einem Trailor oder einer Abschleppstange mitziehen ??? Und falls ja, welchen ?

Herrlich Carsten, Danke ! 😃:😳<br><br>Post geändert von: African Traveller, am: 24/04/2007 16:07
Gruss A/T AUCH DIE LAENGSTE REISE BEGINNT MIT DEM ERSTEN SCHRITT...(chinesisches Sprichwort) Namibia-die Perle Afrikas
2'612 Beiträge · seit 200724. Apr. 2007 · #6
Das nenne ich mal nützliche angewandte Statistik. Könnte man an einer Uni bestimmt eine interessante Vorlesung draus machen - oder vielleicht eine Pseudo-Wissenschaftsshow im Fernsehen draus machen. Carsten, reiche doch mal ein Konzept bei ARD oder ZDF ein 😉
Bye bye Forum
26 Beiträge · seit 200624. Apr. 2007 · #7
Hi Carsten,

ich hab nen Magirus 150 d10
9,5l Hubraum 6 Zyl Luftgekühlt ( also ein Kühler
kann schonmal nicht undicht werden )

Allerdings isser Bj 1963

was meinste kannich damit los 😄

nelao
14 Beiträge · seit 200624. Apr. 2007 · #8
Hallo Carsten,

ich glaube auch nur den Statistiken, die ich selbst gefälscht habe.

Gruß

Karl-Heinz
573 Beiträge · seit 200724. Apr. 2007 · #9
In die Überlegungen sollte unbedingt die möglichen Ausweitung von Risikofaktoren durch die Mitnahme von südafrikanischem Wein in Glasflaschen einfließen. Denn wenn bei einem älteren Wagen die Heckklappe wegen eines defekten Schlosses während der Fahrt aufspringt und gleichzeitig der ebenfalls nicht neue Kühlschrank umkippt, sich auch dessen Verschluss öffnet, die Glasflasche mit südafrikanischem Wein herausfällt, auf einem Stein oder abgeworfenem Elefantenstoßzahn zerspringt und auf der Straße liegenbleibt, ich das aber erst Stunden später bemerke, mich entschließe zur nächsten Stadt zurüchzufahren, um am Abend am Lagerfeuer nicht ohne Wein zu sitzen und dann in meine eigenen Scherben fahre, muss ich einen der beiden Ersatzreifen aufziehen. Dann habe ich nur noch einen. Wenn ich jetzt noch durch einen Nagel fahre und ein weiterer Europäer leichtsinnigerweise ebenfalls südafrikanischen Wein in einer Glasflasche in einem alten Auto mitgenommen und auf die gleiche Weise wie ich verloren hat, und ich deswegen jetzt den dritten Reifen durchlöchere, habe ich ein Problem und ärgere mich, dass ich nicht mit dem Fahrrad unterwegs bin. Das könnte ich jetzt wenigstens schieben, vorausgesetzt, mich hat nicht längst ein Tiger gefressen - obwohl, die Wahrscheinlichkeit in Namibia von einem Tiger gefressen zu werden, ist vermutlich geringer, als mit einem alten oder einem neuen Auto liegenzubleiben.

Viele Grüße, Kanzler