Hallo Scholes,
schöne Gegend habt ihr euch ausgesucht. Meine Lieblingsregion in Namibia.
Ich versuch mal eine Antwort:
Ich gehe mal davon aus, dass du mit "Offroad" die ungeteerten, mehr oder weniger schlecht beieinander seienden C und D Straßen in Namibia meinst, gegebenenfalls ergänzt durch 4x4 Riverbed Tracks. Das ist für uns Europäer "Offroad"; in Namibia bist du aber "onroad", weil's ja eine "Straße" gibt. Echtes "Offroading", also das Fahren abseits von "Straßen" oder Tracks ist ganz schlecht, da die damit gemachten Spuren in dem sensiblen Gebiet "ewig" zu sehen sind.
Ich würde jedenfalls die erste Nacht in Windhoek verbringen. Rechne mit einem 4x4 mit Campingausrüstung *locker* 6-8 Stunden, bis du mit allem fertig bist. Vor allem, wenn du irgendwo in der Mitte des Flugzeugs sitzt und nicht als einer der Ersten zur Einreise kommst. Wir waren im Februar schnell durch die Einreise durch, fuhren dann aber erst insgesamt fünf Stunden nach der Landung vom Hof der Autovermietung. Da hatten wir aber noch nichts eingekauft und noch nichts eingeräumt. Das dauerte dann nochmal insgesamt rund 3 Stunden (und wir machten das nicht zum ersten Mal). Falls euer Plan also wäre, nach der Ankunft am ersten Tag zum Spreetshooge Pass zu fahren, würde ich das wirklich überdenken. Ihr macht euch unnötig Stress. Und die Strecke Windhoek - Sesriem schafft man ausgeruht dann leicht am nächsten Tag.
Normalerweise würde ich auch zu zwei Nächten in Sesriem raten, aber da ihr mit Mirabib ohnehin noch eine Nacht zwischen Sesriem und Swakopmund eingeplant habt, kann man das schon so machen. Ich find's dennoch ein wenig "Hetzerei", vor allem, wenn man früh aufsteht und Richtung Deadvlei und Soussusvlei fährt, um den Sonnenaufgang zu sehen.
Swakopmund, Spitzkoppe passt dann meiner Meinung nach gut, in Swakopmund müsst ihr halt schauen, was ihr da machen wollt. Mehr als eine Kombi-Tour (zB. Kajak und Sandwich Harbour) wird sich nicht ausgehen. Die meisten Touren starten in der Früh.
Messum Crater würde ich persönlich auslassen, die Möglichkeiten zu übernachten sind rar und in der Regel bläst immer ein ordentlicher Wind. Da würde ich weiter zum Rhino Ugab Camp fahren. Das ist mitten im Ugab und eher sehr "basic". Die Campsite wird kaum mehr erhalten, aber WC gibt's noch, ist eher auf der sehr "urigen" Seite angesiedelt.
Vom Rhino Ugab Camp geht's dann Richtung Norden durch's Desolation Valley und zum Huab. Dort würde ich irgendwo einen hübschen Platz suchen und übernachten. NICHT in der Nähe von Wasserlöchern oder Wasserstellen, ich würde auch nicht direkt im Flussbett übernachten,. sondern ausser- und oberhalb.
Am nächsten Tag dann nach Palmwag und ins Konzessionsgebiet. Die Strecke, die du in deinem Screenshot eingezeichnet hast, gibt's in der Form nicht, du musst auf jeden Fall bei Palmwag auf der "normalen" Straße durch den Veterinärzaun durch. Dort auch tanken! Im Konzessionsgebiet entweder auf die Campsite 3 oder 4. Die 3-er gefällt uns am Besten von allen.
Am nächsten Tag dann weiter den Crowthers Trail bis in den Hoanib und dort ins Elephant Song Camp. Chancen auf Elephanten-Sichtungen sind da besonders hoch.
Dann weiter wie du geschrieben hast, zurück durch den Hoanib aber dann den Sawurogab rauf Richtung Norden. Wir sind heuer die ganz westliche Strecke gefahren, die ist zumindest die ersten 30-40 Kilometer nach der Ausfahrt aus dem Hoanib absolut furchtbar. Tiefes Wellblech ohne Ende, dutzende Spuren verteilt und keine wirklich gut zu befahren.
2 Nächte Purros sind OK, da könnt ihr, falls befahrbar und nicht zuviel Wasser drin ist, den Canyon fahren.
Würde dann in etwa so aussehen:
Von Purros nach Etoscha würde ich über Sesfontein und danach bei Warmquelle über die D3710 zur C35 fahren. Irgendwo dazwischen einmal übernachten und danach in den Park nach Olifantrus. Also so:
Gesamtroute wäre also wie folgt:
1N Windhoek
1N Sesriem
1N Mirabib
2N Swakopmund
1N Spitzkoppe
1N Rhino Ugab Camp
1N Desolation Valley
1N Crowthers Trail
1N Elephant Song Camp
2N Purros
1N Warmquelle oder weiter östlich
1N Olifantrus (Etoscha)
und dann weiter mit deinen Nächten
2N Etosha
1N Okonjima
1N Windhoek
Wenn ihr drei volle Wochen habt, habt ihr da noch Tage übrig, die man leicht zusätzlich im Damaraland oder bei Purros verbringen kann.
Oder ihr plant auf dem Weg nach Sossusvlei eine Nacht auf der Ababis Farm ein und macht dort ein 4x4 Training (
https://www.ababis-gaestefarm.de/d/erleben/fahrtraining/). Sehr zu empfehlen!
Wenn ihr mit Discover fliegt und erst Abends aus Windhoek zurück fliegt, würde ich die letzte Nacht nicht in Windhoek verbringen, sondern ~ 2-3 Fahrstunden weiter im Norden.
Generelles zu dieser Route:Das ist alles sehr sehr einsam!
Wenngleich Ende September/Anfang Oktober durchaus ein wenig mehr Fahrzeuge dort unterwegs sein werden, aber rechnet nicht damit, dass ihr jeden Tag andere Fahrzeuge sehen werdet.
Ihr braucht *zwei* Reservereifen.
Und müsst damit umgehen können.
Lasst euch bei der Übernahme des Fahrzeugs zeigen, wo die entsprechenden Utensilien sind *und* verwendet sie testweise. Vor allem die Wagenheber. Nichts blöder, als am Crowtherstrail feststellen zu müssen, dass die nicht funktionieren.
Sonst gilt halt, was in allen Wüsten gilt, wenn man mit nur einem Fahrzeug unterwegs ist.
Take as much water as you can carry.
Verlasse bei einer Panne mitten in der Einöde NIEMALS das Fahrzeug. Personen, die irgendwo herumgehen sind aus der Luft nicht zu finden. Fahrzeuge schon.
Sat-Phone nehmt ihr eh mit, auch hier gilt, lasst euch die Bedienung zeigen falls es nicht euer eigenes ist. Und stellt sicher, dass Guthaben aufgeladen ist. Teilt der Vermietfirma (oder einer Kontaktperson vor Ort oder auch daheim) euren Plan mit. Und macht euch gegebenenfalls aus, an welchen Stellen ihr normales MTC Netz haben werdet und schickt dann entsprechend WhatsApp. Dann kann man eine eventuell erforderliche Suche auf ein kleineres Gebiet eingrenzen.
Sprit:Treibstoffversorgung ist dort ein wenig mühsam. Auf jeden Fall in Palmwag volltanken. Ich gehe davon aus, dass ihr einen ordentlichen 4x4 mit Doppel-Tank habt. Mit einem Jimney ist das tanktechnisch nicht zu schaffen.
In Sesfontein gibt's zwar eine Tankstelle, aber auf die würde ich mich nicht verlassen. Wenn's Diesel dort gibt, volltanken! Wenn ihr in Purros auf den Campsites Diesel bekommt, nehmt ihn, auch wenn er teurer ist. Macht vor der Abfahrt Richtung Etoscha den Wagen nochmal voll. Es gibt in Etoscha in den Camps keinen Sprit! Wenn's knapp wird oder ihr in Purros keinen Sprit bekommt, müsst ihr vor der westlichen Einfahrt nach Etoscha bis Kamanjab fahren um nachzutanken. Insgesamt sind das von Palmwag bis zum Südtor Etoscha, wo's eine Tankstelle gibt ~ 730 Kilometer (zuzüglich dem, was ihr in Purros bei einem eventuellen Tagesausflug fahren werdet). Das kann bei den Gegebenheiten (tiefer Sand etc.) dann knapp werden.
NavigationGoogle Maps vergiss' bitte in Namibia (zumindest was die Fahrtzeiten anbelangt) generell und in diesen Regionen ganz besonders.
Ich plane die Routen mit der elektronischen Tracks4Africa Namibia Karte plus Garmin Base Camp am PC daheim vor. Da sieht man ganz gut die Strecken und die erforderliche Zeit. Plane immer mindestens 20-30% Zeitbedarf zusätzlich! Vor Ort fahre ich dann mit einem Garmin Oregon, steige aber für die kommende Reise auf ein Tablet um mit OSM Karten. Sollte genauso gehen. Du solltest halt ein wenig Erfahrung haben, vor allem, wenn Umplanungen erforderlich sind. Zudem hab ich die Papierkarte auch immer dabei, gibt halt auf der Motorhaube ausgebreitet eine bessere Übersicht 😉.
Tiere:Fahrt NIEMALS zu nahe an Elephanten ran. Passt in den zugewachsenen Tracks in den Flussbetten besonders auf. Wenn ihr auf der einen Seite Elephanten seht, bleibt nicht sofort stehen, schaut zumindest auf die andere Seite, ob nicht dort auch welche sind. Ihr wollt nicht mit dem Auto zwischen zwei Gruppen zueinandergehörender Elephanten zu stehen kommen.
Übernachtet NICHT in der Nähe von Wasserstellen.
Übernachtet nicht in durch Büsche unübersichtlichem Terrain. Und geht vor allem nicht morgens zum Pinkeln durch Büsche, damit "euch niemand sieht". Ihr wisst nicht, was hinter dem nächsten Busch ist.
Mist:Dass ihr euren Mist wieder mitnehmt, ist hoffentlich klar. Wir haben auch immer einen großen Mistsack hinten am Auto und sammeln vor allem in diesen sensiblen Regionen den Mist, der herumliegt auch auf. Zumindest "in the middle of nowhere". In der Nähe von größeren Ortschaften wie Sesfontein, Purros oder Twyfelfontein ist es vergebene Liebesmühe, aber am Crowtherstrail kann man das schon machen.
Feuer:Lagerfeuer abends ist super, aber besorgt euch das Holz vorab! Nehmt es nicht von den Bäuen auch nicht von den Umgefallenen am Weg. Man kann praktisch überall um wenig Geld Holz kaufen, nehmt einen großen IKEA Sack mit und verstaut das entweder am Dach des Autos oder hinten im Fahrzeug.
Diverses:Mittlerweile schränken Autovermietungen die Versicherungen im Kaokoveld stark ein., Ihr müsst also damit rechnen, dass ihr eventuelle Schäden oder Bergungskosten im Kaokoveld selbst zahlen müsst. Fragt die Vermietfirma konkret wie das mit der geplanten Route ist. Generell sind Nachtfahrten immer ausgeschlossen. Plant eure Tagesetappen daher immer so, dass ihr spätestens 2 Stunden vor Sonnenuntergang aufn eurem Übernachtungsplatz seid. Dann habt ihr Puffer für Ungeplantes und im Besten Fall halt schön Zeit, alles gemütlich für die Nacht herzurichten, zu kochen und ein schönes Feuer zu machen.
So, das war's mal als Übersicht. Eventuell kommen von anderen auch noch Tipps, Ergänzungen oder auch Korrekturen 😉
Wenn du Fragen hast, einfach stellen.
Teile deiner geplanten Strecke sind wir heuer im Februar gefahren, den Link zu meinem Reisebericht findest du in der Signatur.
lg Wolfgang