Nachdem wir einen wirklich schönen Abend auf der Baobab Campsite verbracht haben, brechen wir am Morgen früh auf und fahren runter zum Fig Tree. Zunächst scheint wenig los zu sein, mit den ersten Sonnenstrahlen finden sich aber die ersten Tiere am Hang ein. Zaghaft laufen sie zum Wasser, aber mit Ausnahme der Baboons scheinen alle angespannt zu sein. Kein Wunder! Denn hier lauern Löwen - und zwar überall! Sie tauchen nahezu unbemerkt auf und platzieren sich auf jeder Seite des Hanges. Gefühlt könnte hinter jedem Baum und Strauch ein Löwe liegen, und tatsächlich sind wir überrascht, wie viele wir entdecken. Sie sind nicht besonders aktiv, ab und zu kommen aber einige Löwinnen zum Wasser, um sich dann wieder in den Sträuchern hinzulegen.
Wir sind sehr zufrieden mit der Löwen-Ausbeute des Morgens, beobachten die Baboons, die im Feigenbaum immer eine gute Show abliefern, und freuen uns besonders über Lilian's Lovebirds, die in großen Schwärmen immer wieder zum Wasser kommen.
Die Löwen ändern ab und zu ihre Position, aber alles sieht nach einem ruhigen Vormittag aus, und wir beschließen nach ein Paar Stunden, zurück zur Campsite zu fahren und ein ordentliches Frühstück zu machen. Die kühleren Morgenstunden, in denen die Tiere vermeintlich aktiver sind, sind immerhin vorbei, und wir freuen uns auf eine gemütliche Zeit auf der Campsite. Wie sich herausstellen wird, sollten wir nicht die einzigen bleiben, die ein großes Frühstück im Sinn hatten.
Teil 2225. Apr. 2026
Showdown? Erstmal Kaffee.
Wir fahren also zurück zum Camp, machen ein Feuer und tischen ein großes Frühstück auf. Das zweite Frühstück nach dem Gamedrive ist für uns immer ein Highlight. Früh morgens packen wir schnell zusammen, um möglichst früh loszukommen. Oft gibt es einen Kaffee und ein paar Rusks, das richtige Frühstück folgt dann aber nach der Rückkehr vom Gamedrive. Wir machen oft ein Feuer, brühen einen zweiten Kaffee auf und genießen die Entschleunigung. Kaffee nehmen wir auch im Urlaub sehr ernst, und so findet sich in unserem Equipment eine Aeropress, eine Kaffeewaage, Handmühle, und natürlich Single Origin Specialty Coffee, der vor jeder Zubereitung frisch gemahlen wird. In diesem Urlaub ist der Kaffee besonders lecker, und wir freuen uns wirklich jeden Tag darauf. Seit unserer Botswana-Reise im Vorjahr hat sich zusätzlich noch eine etwas seltsame Tradition bei uns ausgeprägt: wir haben jetzt immer eine Panettone oder Colomba (je nach Jahreszeit) dabei! Wie wir auf die Idee kamen, sie mitzunehmen, wissen wir nicht mehr genau, aber es ist eine herrliche Kombination mit einer guten Tasse Kaffee. Eine gute Panettone bleibt tatsächlich sehr lange frisch, und für die nächste Reise ist schon vorgesorgt.
Nach dem Frühstück kümmern wir uns noch um unseren Camper, filmen eine kleine Room Tour als Erinnerung und packen dann langsam zusammen. Unsere nächsten zwei Nächte werden wir auf der Chitake 2 Campsite verbringen, die am nächsten am Fig Tree gelegen ist.
Wir fahren allmählich zurück zum Feigenbaum und wundern uns, dass wir niemanden vorfinden. Ich habe direkt eine Vorahnung, dass etwas passiert ist, allerdings wäre es auch nicht ungewöhnlich, wenn die anderen Gruppen die Mittagszeit im Camp verbringen oder bereits abgereist sind. Dann sehen wir plötzlich auf der anderen Seite des Hanges 3 Personen. Es sind das französische Paar und ihr Guide. Wir fragen uns, was sie da machen, aber schließlich darf man in Mana Pools und Chitake Springs ja fußläufig unterwegs sein. Dann laufen sie den Hang hinunter, überqueren die Quelle und kommen direkt auf uns zu. Sie sind außer Atem und aufgeregt. Der Guide erzählt uns, dass die Löwen auf der anderen Seite einen Buffalo erlegt haben, und sie sind extra zurück auf unsere Seite gekommen, um uns Bescheid zu sagen.
Während wir also gemütlich Kaffee getrunken haben, haben auch die Löwen Lust auf Frühstück bekommen. Als drei Büffel zum Wasser kommen, sehen sie ihre Chance und greifen an. Die Büffel behalten in der ersten Runde die Oberhand und vertreiben die Löwen. Dann werden sie übermütig und gehen erneut runter zur Wasserstelle. Die Löwen erwischen diesmal den schwächsten der Büffel und verletzen ihn. Sie versuchen, zu entkommen und laufen den Hang hoch, werden aber von den Löwen verfolgt.
Wir sehen diese Szenen natürlich nur auf einem Handy-Video, denn oben auf der Campsite haben wir überhaupt nichts davon mitbekommen. Der Rest der Jagd und der Kill finden dann abseits des Publikums statt. Der Buffalo schafft es noch den Hang hoch, hat aber letztlich keine Chance gegen die Löwen.
Das Gefühl, diese Szenen verpasst zu haben, ist ziemlich seltsam. Wir ärgern uns natürlich, dass wir nicht dort geblieben sind und ausgerechnet so etwas Spektakuläres verpasst haben. Andererseits hatten wir eine schöne Zeit auf unserer Campsite. Inzwischen ist genau diese Ironie ein Teil der Geschichte, wir haben aber gelernt: solange die Löwen dort sind, bleibt man dort sitzen. Egal, ob morgens, mittags oder abends. Ohnehin haben wir in Mana Pools gemerkt, dass die Faustregel, dass man die besten Chancen früh morgens oder später am Nachmittag hat, nicht ganz hinhaut.
Jedoch hätten wir ohne die Hilfe des Guides wahrscheinlich alles verpasst. Er leitet uns an, wo wir hinfahren müssen, um die Löwen und ihren Kill zu finden. Dankenswerterweise gibt es einen Weg, der genau dorthin führt, und auch das hätten wir ohne den Hinweis des Guides natürlich nie gewusst. Wir steigen also ins Auto und fahren los. Was an Chitake interessant ist, ist dass es nur so wenige Besucher gibt. Als wir beim Kill ankommen, sind wir die einzigen. Die beiden französischen Gruppen mit ihren Guides haben das Spektakel vorher mitbekommen, und die anderen beiden Gruppen sind schon abgereist.
Was wir als nächstes beobachten, ist faszinierend und unbarmherzig zugleich. Trigger Warnung: die nächsten Bilder können Unbehagen auslösen. Wir haben die sehr expliziten Bilder ausgelassen, die Szene zeigt jedoch Löwen mit ihrer Beute.
Natürlich ist das ganze Rudel anwesend und schlägt sich die Bäuche voll. Die kleinen Löwen sind für uns faszinierend - sie sind niedlich und noch ziemlich tollpatschig, aber auch ziemlich hungrig. Wir bleiben eine Weile und fragen uns, wie lange die Löwen wohl brauchen werden, um den Büffel zu verzehren. Einige Geier warten schon in freudiger Erwartung, sie werden sich aber noch gedulden müssen.
Im Verlauf des Tages werden die Löwen nur vereinzelt runter zum Wasser kommen, um zu trinken. Es wird aber ein ruhiger Nachmittag und Abend, da das Rudel in der Nähe des Kills bleiben wird.
Mit gemischten Gefühlen kehren wir zu Fig Tree zurück. Die Szenen oben waren zweifelsohne Eindrucksvoll, aber das Wissen, etwas verpasst zu haben, nagt noch an mir. Dieses Gefühl wird noch eine ganze Weile vorhalten, aber so ist eben die Natur: voller Überraschungen und nicht planbar.
Zum Sundowner kehren wir nochmal zur Baobab Site zurück - diese ist heute unbewohnt, und wir treffen auf die andere französische Gruppe, die ganz geflashed sind von den Ereignissen des Tages. Im Abendlicht ist die Baobab Site immernoch wunderschön - aber das Gefühl, etwas verpasst zu haben, weil sie so schön ist, bleibt.
Der Rest des Abends auf Chitake 2 verläuft dann sehr ruhig. Wir sind zuvor gewarnt worden, uns zeitnah ins Fahrzeug zurückzuziehen, weil Chitake 2 mitten im Territorium der Löwen liegt. Heute Abend sind sie jedoch alle oben bei ihrem Kill, und so verbringen wir eine ruhige Nacht.
Teil 2329. Apr. 2026
Chitake Campsites
Chitake 2 als Campsite polarisiert. Bei unserer Vor-Recherche sind wir über einige negative Rezensionen gestoßen, die Chitake 2 als schlechte Campsite bezeichnen. Es gäbe keine View, und überhaupt sei das nur ein Stellplatz im Busch. Ganz falsch ist das nicht - im Direktvergleich mit Chitake 1, die schön am Flussbett gelegen ist, und Chitake Baobab mit der tollen Kulisse, kann Chitake 2 in Bereich "scenic" nicht mithalten. Wir sind trotzdem überrascht, als wir die Campsite beziehen. Es gibt einen schönen großen Baum, reichlich Platz, und eine Long Drop Toilette. Gar nicht so schlecht! Wir dekorieren die umliegenden Sträucher noch mit unserer Solar-Lichterkette, und voilà, hier lässt es sich aushalten!
An eine online Bewertung denke ich jedoch noch heute: "Chitake 2 is the best and most dangerous campsite". Die Guides, mit denen wir sprechen, bestätigen dieses Einschätzung - geschlossen stimmen auch sie für Chitake 2 als beste Campsite. Wenn man eben gerne nah dran am Geschehen ist. So richtig können wir uns nicht vorstellen, was das eigentlich bedeutet. Nicht umzäunte Campsites kennen wir natürlich sowohl von dieser Reise als auch aus Botswana, wo wir eines Morgens bei der Rückkehr vom Duschhäuschen auch mal zwei Löwinnen auf unserer Campsite erwischt haben, und Besuch von größeren und kleineren Tieren gehört zum Programm. Trotzdem hätten wir bisher keine Campsite als "most dangerous" bezeichnet.
Da das gesamte Löwenrudel auf der anderen Seite hinterm Hang abhängt, bleibt die erste Nacht auch ungefährlich. Nachts werden wir aber trotzdem von Besuch auf der Campsite geweckt. Es raschelt und knackt im Gebüsch, und wir versuchen, herauszufinden, wer die Ursache ist, sehen aber nichts. Trotz Vollmond und Night Vision Kamera dauert es wirklich lange, bis wir unsere Gäste identifizieren können: wir haben Besuch von Elefanten. Damit haben wir nicht gerechnet, denn um Chitake Springs herum gibt es sehr wenig Wasser. Wir hatten am Vorabend schon Elefanten in der Ferne gehört, tagsüber aber keinen einzigen gesehen. Wir hätten gerne einen besseren Blick auf unsere Besucher geworfen, sie sind aber erstaunlich gut darin, sich zu verstecken. Wir geben also auf und gehen wieder schlafen.
Ein bisschen aufgerecht bin ich trotzdem, denn im Seitenzelt des Autos fühlt sich alles nochmal näher als im Dachzelt an, und am liebsten schlafe ich auch mit "offenen Fenstern". Egal, ob es das erste Licht in der Dämmerung ist oder ein vorbeikommendes Tier - schlafen im Zelt mit offenem Blick ist einfach großartig!
In der nächsten Nacht machen wir die Fenster aber lieber zu. Dann bekommen wir ein Gefühl dafür, was es eigentlich heißt, wenn die Campsite im Revier der Löwen liegt.
Teil 2430. Apr. 2026
Im besten Licht abgestaubt
Der nächste Morgen bricht an, und wie man das so macht in Chitake Springs steuern wir direkt Fig Tree an. Wir haben es nicht weit - wären nicht potentiell ringsherum überall Löwen, könnte man von der Campsite auch kurz rüberlaufen, aber wir setzen uns brav ins Auto und fahren vor.
Meine FOMO ist natürlich auch schon hellwach, und so schwirren mir schon Gedanken durch den Kopf, ob denn heute überhaupt etwas am Fig Tree los sein wird, wenn die Löwen doch pappsatt hinter dem Hang rumliegen. Wir sind die ersten am Fig Tree, klappen unsere Stühle auf, und warten. Kurz nach uns kommt das französiche Paar mit ihrem Guide, und so hoffen und warten wir gemeinsam darauf, dass etwas passiert.
Und wie es der Zufall will, stimmt unser Timing an diesem Morgen perfekt. Es ist im wahrsten Sinne ein Spiel aus Licht und Schatten. Die verpasste Action am Vortag und der Rückzug der Löwen auf die andere Seite des Hanges führen uns genau zu diesem Moment.
Gegen 6:30 Uhr steht die Sonne bereits hoch genug hinter dem Hügel, um ihr Licht über die Szenerie zu legen. In diesem Moment erscheinen die Löwen am Kamm des Hanges und setzen sich in Bewegung, runter zum Wasser.
Zunächst erscheint eine Löwin, checkt die Lage und stillt ihren Durst.
Und dann sehen wir sie: immer mehr Löwen tauchen im Hintergrund auf.
Eine halbe Stunde später wäre es einfach nur ein weiteres, schönes Sighting gewesen. Doch jetzt entsteht etwas Besonderes: Licht, Staub und die Bewegung der Löwen verschmelzen zu einer unwirklich wirkenden Szene. Der aufgewirbelte Staub bricht die Sonnenstrahlen und legt einen goldenen Filter über den Hang.
Es ist nicht einfach, den Moment auf Bildern einzufangen - die Lichtverhältnisse sind schwierig, und der Augenblick flüchtig, aber er ist wunderschön anzusehen.
Ein paar Minuten später ist der Zauber vorbei - die Sonne hat sich schon ein Stück bewegt, und der magische Filter verschwindet. Als die letzte Löwin etwas später den Hang hinunterläuft, ist der Effekt nahezu vollständig vorbei. Dieser Kontrast zeigt: Timing ist alles. Manchmal klappt es einfach nicht, aber ein anderes Mal ist man vielleicht genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort.
Teil 2501. Mai 2026
Just an ordinary day at Chitake Springs: kleine und große Begegnungen
Nachdem das Highlight des Tages schon früh am Morgen abgehakt ist, beschließen wir, beim Buffalo Kill des Vortags vorbeizuschauen. Wir haben keine Vorstellung davon, wie lange ein Löwenrudel an einem Büffel frisst, und sind vor Ort überrascht: die Löwen sind schon fertig sind, stattdessen erwartet uns eine Geierparade. Die Geier sind eifrig damit beschäftigt damit, sich über die Reste herzumachen. Wir sehen ihnen eine Weile zu, bevor wir zurück zum Fig Tree fahren. Hier ist alles erledigt - die Löwen werden den restlichen Tag wohl woanders verbringen.
Als wir zurückkommen, ist es ruhig am Fig Tree. Die Löwen haben sich zurückgezogen, und die anderen Tiere scheinen ein Gespür dafür zu haben, dass heute nicht viel Gefahr an der Quelle lauert. Sie trauen sich nun, zum Wasser zu kommen und zu trinken, und es kommt sogar ein Elefant vorbei.
Am Nachmittag kommen dann die Löwen zurück und übernehmen wieder das Revier. Man sieht ihnen die vollen Bäuche richtig an, und sie scheinen durstig zu sein. Anders als am Vortag ziehen sie sich nicht in den Hang zurück, sondern verteilen sich im Flussbett. Jetzt, wo sie nicht mehr auf der anderen Seite lauern, merken wir, wie nah sie am Aussichtspunkt - und damit auch an uns - sind.
Auch bei den Baboons, die wie immer Unsinn am Fig Tree treiben, ist die Ankunft der Löwen nicht vorbeigegangen. Sie legen eine Zwangspause von ihrer Action ein und beginnen, sich zu verstecken. Ein kleiner Baboon ist sichtlich skeptisch ob dieser Situation 😄
Inzwischen ist auch eine neue Gruppe an Reisenden angekommen - sie haben einen Ranger dazu gebucht, der sie bei ihrem Aufenthalt in Chitake begleitet. Wir hatten vorher von dieser Möglichkeit gehört, haben sie aber nicht in Erwägung gezogen. An diesem Nachmittag sind wir dann aber ganz froh, dass Simon, der Ranger, dabei ist.
Denn nachdem die Löwinnen eine Weile im Flussbett geruht haben, bekommen sie Lust, heute mal auf der anderen Seite abzuhängen. Sehr nah an dem Arrangement der verschiedenen Camping Stühle kommt zuerst eine Löwin den Hang hinauf, und springt auf einen umliegenden Strauch. Diese Idee findet auch eine andere Löwin super, läuft gefühlt unmittelbar vor uns den Hang hinauf und am Feigenbaum vorbei, um sich auf demselben Strauch einzufinden. Die Szene ist ganz schön seltsam. Erstens sind wir es nicht gewöhnt, dass Löwen so nah an uns dran sind, während wir nicht in einem Fahrzeug sitzen. Zweitens: was machen die da eigentlich auf den Sträuchern? Wir erinnern uns an unsere Tanzania Reise, wo wir in Lake Manyara ausgerechnet nicht die auf den Bäumen sitzenden Löwen sehen haben, dann aber in der Serengeti Glück hatten. Hier hatten wir das nicht erwartet. Entweder wollen sie von den kleinen Insekten in Ruhe gelassen werden, eine bessere Aussicht genießen, oder vielleicht ist es auch einfach nur sehr bequem?
Auf den Stühlen sitzt natürlich schon längst niemand mehr, aber während wir alle die in der Nähe von Simon stehen, kommen uns die Löwen doch gleich viel größer vor als aus dem Auto.
Die Löwinnen sind nun also keine 20 Meter von uns entfernt und chillen auf dem Baum, als auch noch einer der beiden ausgewachsenen männlichen Löwen dazu kommt. Er lässt sich jedoch unter dem Strauch nieder.
Wir sind eigentlich schon spät dran. Die Sonne geht unter, und in der einsetzenden Dämmerung brechen wir auf zu unserer Campsite. Zum Glück - oder auch nicht - ist sie ja nicht weit. Zwischen dem Aussichtspunkt und unserer Campsite liegen vielleicht 200 oder 300m. Beziehungsweise: zwischen uns und den Löwen.
Teil 2606. Mai 2026
Unter Löwen
Es ist unser letzter Abend in Chitake Springs, und wir kehren vergleichsweise spät zur Campsite zurück, da uns die auf Bäume springenden Löwen am Aussichtspunkt beschäftigt gehalten haben. Nun wird das also nichts, mit der Empfehlung der Guides, alles schon vorbereitet zu haben, bevor es dunkel wird. Beeilen wollen wir uns trotzdem ein bisschen und machen schnell (so schnell das eben geht) ein Feuer. Ein Abendessen muss her. Die Resteverwertung aus dem Kühlschrank diktiert: Salat und Bratwurst, dazu was sich sonst noch finden lässt.
Ich mache mich also daran, den Salat zuzubereiten, und zu diesem Zeitpunkt denken wir noch, dass es die Wurst vom Grill gibt. Dann durchkreuzt ein Geräusch den Plan. Löwengebrüll. Klingt so, als wäre es nicht so weit weg. Was natürlich irgendwie Sinn macht, weil wir ja mitten im Löwenrevier campen, und die Löwen ja offensichtlich auf unsere Seite gekommen sind und unweit von uns am Aussichtspunkt die Aussicht genießen. Das Brüllen kommt jedoch aus der anderen Richtung - ungefähr von unserem Toilettenhäuschen.
Uns wird ein bisschen mulmig, und wir beschließen, die Angelegenheit zu beschleunigen: die Bratwurst gibts dann also aus der Pfanne überm Gaskocher gebraten - denn bis das Feuer so weit ist, dauert es zu lange. Plan B sollte dann also relativ schnell gehen.
Der brüllende Löwe interessiert sich wenig für unseren Zeitplan, und brüllt einfach weiter. Bald hört sich das Brüllen so an, als würde der Löwe auch noch näher kommen. Und dann: ein zweiter Löwe, akustisch in Richtung Feigenbaum verortet, bloß näher dran. Mindestens ein Löwe hinter uns, und mindestens 3 Löwen vor uns in Richtung Aussichtspunkt. Vielleicht unterhalten sie sich ja darüber, ob sie sich in der Mitte treffen sollen.
Ehrlich gesagt haben wir jetzt Schiss. Wir drehen das Gas aus, nehmen den Salat und die Bratwurst mit und fliehen ins Zelt. Zum Glück haben durch das Seiten- und Dachzelt ziemlich viel Platz, und wir sind erstmal froh, dass wir drinnen sind. Bloß ist die Bratwurst noch gar nicht fertig. Wir warten ein bisschen, und als wir erstmal kein Löwengebrüll mehr vernehmen und mit Taschenlampen und Nachtsichtkamera keine Aktivität verzeichnen, trauen wir uns nochmal raus. Ganz nah am Fahrzeug braten wir die Wurst fertig und schmeißen noch eine Dose Chakalaka dazu.
Als das Gebrüll wieder einsetzt, beschließen wir, dass das Essen jetzt einfach fertig sein muss und flüchten erneut ins Zelt. Alles ist ein bisschen komisch: das Menü, Essen im Zelt, und das Gefühl, so unmittelbar von den Löwen umgeben zu sein.
Jetzt muss man dazu wissen, dass es für mich das Größte ist, wenn Tiere auf die Campsite kommen! Genau deswegen entscheiden wir uns ja für nicht umzäunte Campsites, wenn möglich. Vor unserer ersten Botswana Reise hatte Martin die ganze Zeit suggestiv gefragt, ob ich denn dann Angst hätte, wenn die Tiere kommen. "Natürlich nicht!" war meine Antwort - ich will ja, dass sie kommen und freue mich immer riesig. Umso seltsamer fühlt es sich also an, dass ich jetzt auch nervös bin. Wahrscheinlich ist das dieser gesunde Menschenverstand, von dem ich schon viel gehört habe 😗
Wir trauen uns dann nach dem Essen ein letztes Mal kurz heraus, um das Feuer zu löschen und eine schnelle Katzenwäsche vorzunehmen - zum Glück ist der Wasserhahn direkt an der Hintertür des Fahrzeugs, sodass wir halb drinnen, halb draußen hängen. Als wir uns dann ins Zelt zurückziehen, ist aber wieder business as usual. Ich mache erstmal alle "Fenster" am Seitenzelt auf. Immerhin will ich mir ja hier nichts entgehen lassen. Und so schaffen wir es dann, uns zu entspannen und lauschen dem Löwengebrüll bis wir irgendwann einschlafen.
Am nächsten Morgen wachen wir später auf als sonst. Die Nacht war aber auch nicht besonders geruhsam. Wir beschließen, schnell zusammenzupacken und dann ein letztes Mal zum Aussichtspunkt zu fahren. Auf den wenigen Metern in Richtung Fig Tree entdecken wir auch schon die Übeltäter des Vorabends. Unweit von uns tun sie gerade so, als sei nichts gewesen.
Am Aussichtspunkt angekommen treffen wir unsere Bekannten der letzten Tage - sie scherzen schon, dass sie sich ein bisschen Sorgen gemacht hätten: Löwen in der Nähe, und Natascha und Martin sitzen morgens nicht schon am Feigenbaum 😣
Wir wollen gerade die Campingstühle ausklappen und uns einrichten, als die Löwen beschließen, ein bisschen Näher zu kommen. Der männliche Löwe hat wahrscheinlich auch nicht so gut geschlafen - denn er ist irgendwie schlecht drauf. Er knurrt und täuscht mehrfach eine Vorwärtsbewegung an. Wir sind wieder dankbar, dass Simon, der Ranger, dabei ist - und er ist die Ruhe selbst. Er stellt sich vor die Gruppe, und gibt mit einem bestimmten "Go back" den Ton an. Wir alle - anscheinend inklusive dem Löwen - sind beeindruckt von Simon, und der Löwe beschließt nach ein paar weiteren Scheinangriffen, sich unter einem Strauch niederzulasssen, dankenswerterweise mal nicht in unmittelbarer Nähe.
Nach dieser Begegnung brauchen wir erstmal Kaffee - wir klappen unsere Camping-Küche aus, mahlen unsere zweite Packung Bohnen, nachdem die besonders guten Bohnen von Coffee Collective leider schon aufgebraucht sind, und bereiten mit dem Löwen im Hintergrund ein kleines Frühstück zu. Es ist ein bisschen absurd, dass der Löwe in vielleicht 20 Metern Entfernung unter dem Strauch liegt. Wir starren ihn an, er starrt uns an, und wahrscheinlich weiß niemand von uns so recht, ob wir die Präsenz des jeweils anderen wirklich gut finden. Es ist aber auf jeden Fall ein Kaffee, an den wir uns noch lange erinnern werden.
Nach dem Frühstück wird es Zeit für uns, uns zu verabschieden und aufzubrechen. Wir checken schnell noch die Chitake 1 Campsite aus, um meiner Neugier nach Campsite-Vergleichen nachzukommen, und dann machen wir uns auf den Weg in Richtung Gate. Es ist eine relativ ereignislose Fahrt, bis uns auf den letzten ca. 5 Kilometern vor der Asphaltstraße ein Fahrzeug entgegenkommt und uns einen Steinschlag in der Windschutzscheibe beschert. Ich ärgere mich kurz, da wir aber ohnehin nichts dafür oder dagegen können, und unsere Selbstbehaltsversicherung, die in unserer regulären Haftplichtversicherung inkludiert war, noch bis genau einen Tag nach der Fahrzeugrückgabe läuft, beschließen wir, uns nicht weiter damit zu befassen und schließen diese Etappe unserer Reise voller intensiver Eindrücke ab.
Für uns ist es relativ ungewöhnlich, lange an einem Ort zu bleiben - meistens packen wir tatsächlich zu viele Programmpunkte rein und verbringen viel Zeit on the road. Im Simbabwe-Urlaub wollten wir es bewusst anders gestalten und haben uns in Mana Pools und Chitake Zeit gelassen. Die Tage ohne viel Fahrerei haben gut getan, nun erwartet uns aber ein langer Fahrtag.
Zurück auf asphaltierten Straße verspüren wir wieder wenig Lust, uns selbst um den Reifendruck zu kümmern. Wir stellen uns da wirklich ein bisschen an, aber der Kompressor in unserem Fahrzeug ist ein bisschen unbequem zu handhaben. Wir haben weder Lust, ihn von hinten aus einem schlecht zugänglichen Staufach rauszukramen, noch finden wir das Anklemmen an die Batterie besonders smart gelöst. Also versuchen wir, den Akt zu umgehen und fahren im nächsten Ort mal bei der Polizeistation vorbei, um uns zu erkundigen, wo denn jemand den Reifendruck für uns anpassen könnte. Die Polizisten - allesamt in in den Uniformen von Chelsea oder Arsenal gekleidet - sind überrascht, uns zu sehen, geben uns aber den Hinweis, dass es die Straße rauf einen Schrottplatz gibt. Zielstrebig steuern wir diesen an und wundern uns ein bisschen, wo wir denn gelandet sind, aber es klappt! Es ist natürlich eine seltsame Art, so etwas Banales wie Reifendruck anzugehen, aber wir freuen uns über die Begegnung auf dem Schrottplatz, und der nette Typ freut sich über sein Trinkgeld. Nahezu überall erleben wir die Leute in Simbabwe als sehr hilfsbereit und super freundlich!
Mit frisch aufgepumpten Reifen haben wir eine lange Strecke vor uns. Das Ziel ist, uns mit einem Zwischenstopp nach Matobo vorzuarbeiten, wo genau der Stopp sein wird, wissen wir aber noch nicht. Wir haben ein paar Zwischenziele ins Auge gefasst, wollen aber mal schauen, wie weit wir tatsächlich kommen. In Karoi tanken wir erstmal voll und kaufen noch ein paar Dinge im örtlichen Supermarkt und auf dem Gemüsemarkt ein, und dann geht der lange, monotone Teil des Tages los.
Wir fahren dieselbe Strecke wie auf dem Weg nach Mana Pools. Auf Höhe von Kwekwe zeichnet sich ab, dass wir den Tag ausreizen und bis zum Antelope Park bei Gweru durchfahren werden. Der Antelope Park ist eigentlich ein bisschen zu resort-y für unseren Geschmack, bietet sich als Zwischenübernachtung aber an, und wir haben Gutes über die Campsites gehört. Nach gut 520 km, was für die Straßenverhältnisse in Simbabwe eine wirklich lange Strecke ist, kommen wir bei Einbruch der Dunkelheit an der Rezeption von Antelope Park an, buchen eine Campsite und sind froh, die Tagesetappe erreicht zu haben.
Wir sind die einzigen Camper, und merken sofort, dass das Publikum im Resort anders ist, als wir es bisher in Simbabwe angetroffen haben. Wir würden unseren Urlaub nicht im Antelope Park verbringen wollen, aber für eine Übernachtung ist die Campsite sehr empfehlenswert. Es gibt alles, was man braucht, und wir freuen uns über eine Dusche zur Erfrischung. Als wir zurückkommen, erwartet uns auf der Wiese vor unserem Camper eine Herde Zebras. Vielleicht kommt sie in den frühen Morgenstunden nochmal vorbei - wir wissen es nicht genau, nehmen aber beim Aufwachen schnaubende Geräusche um uns herum wahr. Ob es wieder die Zebras waren, oder vielleicht Pferde, wissen wir nicht.
Wo wir den Dreh beim Camping noch nicht so wirklich raus haben, ist beim Thema Wäsche. Leider sind wir am nächsten Morgen zu früh dran, um die Laundy Facilities zu nutzen, am Vorabend waren wir zu spät dran. Also waschen wir unsere Wäsche per Hand, hängen sie dekorativ auf dem Campingplatz auf. Lange Zeit zum Trocknen hat sie nicht, denn wir wollen nach dem Frühstück direkt weiter.
Teil 3117. Mai 2026
Etappe 11 - Matobo
Wir verlassen Antelope Park am Morgen und steuern Brooks Cafe in Bulawayo an. Mit Ausnahme vom Ankunftstag in Johannesburg und einem Snack bei Saucey Sue's auf dem Weg nach Mana Pools haben wir uns in diesem Urlaub bisher selbst versorgt, und so ist es nett, mal einzukehren. Wir bestellen Cappuccino, Carrot Cake und Cheesecake und genießen ein bisschen das städtische Flair, bevor wir uns wieder ins Auto setzen und das letzte Stück zu The Farmhouse bei Matobo zurücklegen. Es ist unsere letzte Etappe in Simbabwe.
Im Farmhouse haben wir 2 Nächte eingeplant, als wir am Nachmittag jedoch unseren Permit für Matobo National Park erwerben möchten, kommt es zu einer plötzlichen Planänderung. Die Frau an der Park Reception erklärt uns, dass es der bessere Deal sei, im Nationalpark zu übernachten, und ich überzeuge Martin von der Planänderung, indem ich darauf bestehe, dass wir es so machen. Wir bekommen noch eine kleine Karte mit der Info "Hier sind die Nashörner" und fahren dann nochmal beim Farmhouse vorbei, um Bescheid zu geben, dass wir erst morgen bei ihnen campen werden.
Wir fahren zuerst in den Whovi Game Park, dem Teil des Nationalparks, wo es wohl mehr Wildlife gibt als im Hauptteil. Der Park ist wie ausgestorben und wir begegnen keinem anderen Fahrzeug. Leider gelingt uns die Navigation nicht besonders gut - die Beschilderung ist dürftig, unser Navi mit Tracks4Africa Karte kommt nur schlecht zurecht, und die Wege sind wirklich schwer zu fahren. Landschaftlich ist es wunderschön, wir beschließen aber, abzubrechen und in den Hauptteil des Parks zu fahren. Wir kommen auf den sehr steinigen Wegen nur so langsam voran, dass wir Angst haben, es ansonsten bei Tageslicht nicht mehr herauszuschaffen. Wer hier unterwegs sein möchte, sollte sich auf anspruchsvolle Wege gefasst machen und Zeit mitbringen, um die Landschaft genießen zu können.
Wir schaffen es dann aus dem Park heraus und queren die Straße in den Hauptteil des Nationalparks. Zielstrebig steuern wir eine der Campsites an, bis vor uns ein umgefallener Baum auf dem Weg liegt. Ich sehe schon wieder die nächste Planänderung vor uns, aber wir beschließen, den Baum offroad zu umfahren und hoffen auf das Beste. Irgendwie funktioniert es, und wir schaffen es, die Campsite sicher zu erreichen.
Die Campsites im Matobo Nationalpark waren wohl lange Zeit sehr heruntergekommen, auf iOverlander hatte ich aber eine aktuelle, bessere Rezension gelesen, und es sieht so aus, als gäbe es aktive Bemühungen, die Campsites wieder attraktiver für Touristen zu gestalten. Und tatsächlich können wir uns nicht beschweren - es gibt ein paar nette Plätze, die Ablutions haben funktionierende Toiletten und Duschen, und es gibt sogar warmes Wasser über Solarstrom. Außer uns sind nur noch zwei weitere Parteien da. Wir haben ein paar Schwierigkeiten, das Feuer gut in Gang zu bringen, schaffen es aber, ein Essen zuzubereiten und noch ein Brot zu backen. Seit unser Toastbroat bei Ankunft in Mana Pools verschimmelte, haben wir einfach kein neues mehr gekauft, sondern backen fast jeden zweiten Tag.
Teil 3217. Mai 2026
Matobo Hills
Am nächsten Morgen steht viel Programm bevor: wir wollen die Höhlenmalereien besichtigen, Nashörner finden, und World's View ansehen. Nswatugi Cave ist in der Nähe unserer Campsite, und so steuern wir diese als erstes an. Unser Navi führt uns natürlich wieder über den holprigsten Weg und wir fragen uns, ob wir wirklich richtig unterwegs sind - als wir später unsere Campsite Nachbarn an der Höhle treffen, erfahren wir, dass es einen normalen Weg mit einem normalen Parkplatz gibt.
Wir hatten ehrlicherweise keine Ahnung, was uns bei den Höhlenmalereien von Matobo Hills erwartet ,aber als wir zu Nswatugi Cave kommen, sind wir geflashed. Die Malereien sind wunderschön.
Wir sind ganz alleine vor Ort und freuen uns, die Malereien in der Stille bewundern zu können. Wie wir später erfahren, gehören die Malereien in Nswatugi Cave zu den am besten erhaltenen und schönsten im Park - umso beeindruckender war unser erster Stop, die weiteren Höhlen konnten dann aber nicht ganz mithalten.
Wir besichtigen noch das White Rhino Shelter und machen uns dann auf den Weg in Richtung World's View, dem Aussichtspunkt und der Hauptattraktion des Parks. Unterwegs denken wir noch daran, wie zielsicher die Frau von der Park Reception auf die Karte gezeigt und "the rhinos are here" gesagt hat - bloß leider können wir uns mit der dürftig skizzierten Karte nicht orientieren. Auf dem Weg zu World's View entdecke ich aber etwas unter einem Baum. Es ist grau, und gar nicht so nah dran. Ist es ein Stein? Ist es ein Nashorn? Martin muss anhalten und ein bisschen zurücksetzen. Wir zücken die Ferngläser und schließen aus, dass es sich um Steine handelt, denn unter dem Baum bewegt sich etwas.
Als bei unseren "Steinen" Öhrchen sichtbar werden, wissen wir: es sind Nashörner.
Schließlich steht eins der beiden auf, und nun ist es wirklich offensichtlich.
Wir scannen die Karte auf unserem Navi ab, um eine Möglichkeit zu finden, näher ranzukommen. Und wir haben Glück - tatsächlich geht einige hundert Meter hinter uns ein Weg ab, der genau zu den Nashörnern zu führen scheint.
Nachdem wir einen guten Blick auf die beiden bekommen haben, ziehen wir weiter. Was für ein Glücksfund! Wir freuen uns sehr, dass wir die Nashörner tatsächlich gefunden haben.
Angekommen bei World's View sind wir überrascht: das ist mit Abstand die Attraktion auf unserer Reise, wo am meisten los ist. Der Parkplatz ist voller Busse. Es ist ein beliebtes Ausflugsziel für Schulklassen, und vereinzelt trifft man auch auf ein paar Kolonialismus-Cosplayer. Das Grab von Cecil Rhodes ist jetzt kein Bucket List Item für uns, aber wir möchten gerne die Aussicht genießen, und so kaufen wir Tickets und erklimmen den Hügel. Es ist wirklich interessant, wie viel hier los ist, und wie oft wir gegrüßt und angesprochen werden.
Oben auf dem Hügel entdecke ich sogar die Nashörner, die wir unten gesehen haben. Leider haben wir unsere Ferngläser im Auto gelassen, aber wenn man weiß, dass sie da sind, erkennt man sie auch mit bloßen Auge.
Als wir mit einer Gruppe ins Gespräch kommen und ihnen die Nashörner zeigen, sind sie ganz aus dem Häuschen. Best day ever. Auf dem Weg zurück zum Parkplatz posieren wir noch für ein paar Fotos. Irgendwie ist das hier ein Ding, Fotos mit fremden Ausländern zu machen, aber die Leute freuen sich, und so machen wir mit. "This will be great on my Facebook" freut sich eine unserer neuen Freundinnen. Auch Facebook ist hier wohl noch ein Ding. Wir werden auch mehrmals gefragt, ob wir Nachkommen von Cecil Rhodes sind - nun ja, ich hoffe nicht 😗
Auf dem Rückweg kaufen wir ein paar Souvenirs, besuchen nochmal die Nashörner, um festzustellen, dass es eigentlich 3 und nicht nur 2 waren, und schauen uns noch die restlichen Höhlen, die in unserem Ticket enthalten sind, an.
Auf dem Weg raus aus dem Park passieren wir wieder unseren umgefallenen Baum, nun schon zum 3. Mal - mit dem Unterschied, dass es diesmal ringsum brennt, was das Umfahren ein bisschen abenteuerlicher gestaltet. Größere Flächen stehen nun in Brand und qualmen - kein schöner Anblick.
Dennoch war es ein schöner und wirklich abwechslungsreicher Tag im Park. Wir fahren am Gate aus und machen uns auf den Weg zum Farmhouse, wo wir unsere letzte Nacht in Simbabwe verbringen werden.
Teil 3317. Mai 2026
Views
Zurück auf der Farmhouse Campsite ist heute deutlich mehr los - auch unsere Nachbarn aus der Campsite im Nationalpark sind heute hier. Nachdem wir uns eine Campsite ausgesucht und uns niedergelassen haben, beschließen wir, einen Spaziergang zum Sunset zu machen und laufen den Trail, der direkt von der Campsite abgeht. Wir sind ein bisschen spät dran, erwischen aber doch noch das gute Licht zum Sonnenuntergang. Die Landschaft um Matobo ist beeindruckend, und wir könnten uns gut vorstellen, hier mehr Zeit zu verbringen. Zum Farmhouse gehört ein großes Stück Land, und gerne würden wir noch die anderen Trails erkunden. Der Trail für den Sunset ist für heute aber perfekt - er ist gut markiert, macht Spaß und bietet views for days! Ein wirklich toller Ort, und die Campsite bekommt eine absolute Empfehlung. Tatsächlich sind wir ziemlich zufrieden mit unserem Split, eine Nacht im Park zu übernachten, und die letzte Nacht auf der Farmhouse Campsite zu verbringen. Nächstes Mal würde ich noch mindestens eine Nacht dranhängen!
Unsere letzte Nacht in Simbabwe lässt mich ein bisschen wehmütig werden. Auch wenn der Urlaub noch nicht zu Ende ist, ist die Zeit in Simbabwe sehr schnell vergangen, und ich bin gedanklich eigentlich noch nicht bereit, das Land am nächsten Tag zu verlassen.
Um die Wehmut noch zu verstärken, wachen wir am nächsten Morgen vor einer wunderbaren Kulisse auf. Die Sonne geht direkt vor uns auf, und wir haben aus unserem Zelt einen tollen Blick auf die Landschaft.
Vor dieser Kulisse gibt es dann auch unser letztes Frühstück in Simbabwe, mit dem selbstgebackenen Brot, Spiegelei, Baked Beans - und viel Käse. Das mit dem Käse ist eigentlich keine Absicht, aber ich habe am Anfang der Reise vor dem Grenzübergang nach Simbabwe aus unerfindlichen Gründen zusätzlich zu der Packung, die wir schon gekauft hatten, noch einen Doppelpack von diesem Parmalat-"Käse" in den Einkaufswagen geschmissen. Ich weiß gar nicht warum, denn eigentlich essen wir solchen Käse nur auf Burgern, und dafür hätte eine Packung locker gereicht. Aber irgendwie schien es mir in dem Moment total logisch, noch einen Doppelpack mitzunehmen. Dies wiederum führte dazu, dass wir diese Käsescheiben nun überall draufmachen, um sie endlich los zu werden. Martin wundert sich heute noch darüber, und beim Einkauf für die nächste Reise wird er mir das bestimmt nicht wieder durchgehen lassen.
Wir machen uns nach dem Frühstück fertig, packen zusammen und brechen auf. Für heute steht eine weitere lange Etappe an. Wir verlassen Simbabwe und planen den Grenzübertritt nach Botswana.
Teil 3419. Mai 2026
Etappe 12 - Abschied von Simbabwe
Wie immer ist es so, dass ich mit einem Fuß in der Vergangenheit stehe und eigentlich lieber in Simbabwe bleiben möchte, als wir aufbrechen und uns auf den Weg in Richtung Plumtree Border machen. Für heute steht der Grenzübertritt nach Botswana an, nicht aber bevor wir das erste Mal auf dieser Reise selbst unseren Reifendruck justieren müssen. Zuvor hatten wir immer eine Stelle gefunden, an der wir es gegen Trinkgeld machen lassen konnten, jetzt müssen wir aber selbst ran.
Natürlich ist das komplett machbar, und wir stellen uns nur gerne ein bisschen an. Nachdem wir diese Hürde genommen haben, kommen wir bald an der Grenze an. Im Gegensatz zur Einreise nach Simbabwe haben wir dieses Mal keine Probleme, und es geht alles relativ fix auf der Zim-Seite.
In Botswana hingegen erwarten uns Lustlosigkeit und Prokrastination. Es ist überhaupt nichts los, und wir sind eigentlich schnell mit dem Papierkram fertig, der Schalter zum Bezahlen ist jedoch nicht besetzt. Wir geben Bescheid und erhalten die Info, dass bald jemand kommt. Nach 20 Minuten fragen wir nochmal nach. Ja ja, es käme bald jemand. Ich frage ein drittes Mal nach, und bin dann doch ein bisschen baff, als ich feststelle, dass die Person, die bald kommen sollte, die ganze Zeit mit im Raum gesessen und mitbekommen hat, dass ich schon 2 Mal nach ihr gefragt hatte. Nun fühlt sie sich tatsächlich angesprochen und bequemt sich, einen Raum weiter zu gehen und unsere Zahlung zu bearbeiten. Und dann sind wir auch schon in Botswana.
Das Ziel ist es, uns so weit wie möglich in Richtung Tuli Block vorzuarbeiten. Auf der inspirationslosen Strecke haben wir keine so richtig sinnvollen Stopps identifiziert, sodass wir beschließen, bis zur Limpopo River Lodge durchzufahren. Es ist zwar eine weite Strecke, aber so haben wir weniger für den nächsten Tag vor uns.
Dann lasse ich mich jedoch von iOverlander Bewertungen zu einer anderen Campsite ablenken und so steuern wir erst Longwope Farmhouse and Camp an. Die Campsite selbst ist schön, aber die Lage im Nirgendwo und ohne Blick überzeugt mich nicht, sodass wir wieder aufbrechen. Der Abstecher inkl. Besichtigung der Campsite kostet uns aber locker eine halbe Stunde Zeit, und Martin ist nicht begeistert, da wir schon eine lange Fahrt hinter uns haben und die Gravel Road sich ganz schön zieht.
Als wir dann endlich an der Limpopo River Lodge Rezeption ankommen, stellen wir fest, dass wir - anders als per Email abgeklärt - nicht mit Karte zahlen können. Unsere letzten Rand wollen wir nicht ausgeben, da wir diese für die Mautgebühren auf der Rückfahrt eingeplant haben, also einigen wir uns darauf, die Formalitäten hinterher per Email zu klären und steuern auf die Campsite zu.
Die Campsites sind wunderschön gelegen, und ich finde, dass es die richtige Entscheidung war, nicht bei Longwope zu bleiben, aber Martin ist sauer, weil sich die Fahrt so lange gezogen hat und er wenig Erholungszeit hat. Wir streiten uns also ein bisschen. Da ich keine Lust habe, mir die Laune verderben zu lassen, setze ich mich eben alleine an den Fluss und genieße den Ausblick.
Die Campsite ist für einen Zwischenstopp auf jeden Fall empfehlenswert - jede Site hat eigene Ablutions, die top in Schuss sind, und die gesamte Anlage wirkt sehr gepflegt. Allerdings ist es von der Hauptstraße bis zur Campsite noch ein ziemlicher Ritt.
Uns was wir auch unterschätzt haben, sind die zahlreichen Fliegen, die sich jetzt auf jede Lichtquelle stürzen. Bisher hatten wir in dem Urlaub noch keine größeren Probleme mit Insekten, hier ist es aber wirklich extrem. Wir versuchen also, die Lichtquellen so weit weg vom Auto wie möglich zu platzieren, sind aber eigentlich zu spät dran damit und um unser Fahrzeug tummeln sie sich zahlreich.
Am nächsten Morgen gehen wir den Tag nach der langen Fahrt entspannt an. Wir haben es nun nicht mehr so weit bis zum Serolo Safari Camp, wo wir 2 Nächte verbringen werden und mal ausnahmsweise nicht selbst fahren und uns nicht selbst versorgen werden.
Teil 3525. Mai 2026
Etappe 13 - Serolo Safari Camp
Bevor wir uns auf den nun nur noch überschaubar langen Weg nach Serolo machen, boxe ich durch, dass wir noch einen Morning Drive auf dem Gelände der Limpopo River Lodge machen. Wir suchen uns einen Loop aus und fahren los. Unterwegs stellen wir relativ schnell fest, dass der Drive nicht sehr ergiebig ist, und so beschließen wir, eine andere Runde zu fahren und die Angelegenheit abzukürzen. Die Karte, die wir beim Check-In erhalten haben, ist natürlich nicht besonders detailliert, und unser Navi hilft uns ebenfalls nicht, und so biegen wir vielleicht, vielleicht auch nicht, falsch ab und landen auf einem Weg, bei dem wir immer mehr zweifeln, ob wir hier wirklich lang fahren sollten. Hier ist sicherlich schon lange niemand mehr langgefahren, und wir haben keine Ahnung, ob und wo wir wieder zu einem richtigen Weg aufschließen werden, oder ob wir irgendwann nicht mehr weiterkommen. Es ist jedenfalls ziemlich unentspannt, und wir sind froh, dass wir es irgendwann zurück auf einen besser befahrbaren Weg schaffen. Als wir uns wieder orientieren können, beschließen wir, das gesamte Unterfangen abzubrechen, zurück zur Hauptstraße aufzuschließen und uns auf den Weg nach Serolo zu machen.
Im Serolo Safari Camp angekommen können wir schon einchecken, obwohl wir relativ früh dran sind. Wir bekommen das erste Chalet, und nach fast 3 Wochen ist es ganz nett, eine feste Unterkunft zu beziehen. Die Chalets sind alle relativ neu renoviert - was vorher Safari Zelte waren, sind jetzt Bush Chalets, und sie sind geräumig und schön gemacht.
Das Camp sowie das Schwester-Camp Mohave sind ausgebucht - eine Gruppe von Motorrad-Fahrern teilt sich zwischen den beiden Camps auf, wir bekommen aber fast nichts davon mit, dass es voll ist - denn das Team von Serolo bemüht sich sehr, dem anderen Paar, das nicht zu der Gruppe gehört, und uns eine ruhige und entspannte Erfahrung zu bieten.
Am Nachmittag kommen sie auf uns zu und teilen uns mit, dass wir uns beeilen sollen - wir müssten jetzt los. Eine kurze Fahrt später landen wir am Limpopo, wo uns ein gedeckter Tisch und der Afternoon Tea erwartet. Eine schöne Überraschung - um uns vom Trubel im Camp fernzuhalten, gibt es jetzt Snacks am Flussufer.
Nachdem wir gestärkt sind, geht es auch schon los auf den ersten Game Drive. Martin genießt es, nicht selbst fahren und auch mal nur schauen zu können. Für mich ist die Fahrt aber deutlich anstrengender - ich weiß nicht, ob es das Gelände ist, oder die Fahrt im offenen Safari-Fahrzeug, aber es poltert ganz schön, und wir werden gut durchgeschleudert. Eine Stelle hat es besonders in sich - und diese werden wir noch häufig passieren.
Es dauert nicht lange, bis wir im trockenen Flussbett des Motloutse Flusses die ersten Elefanten sehen. Ihr Verhalten haben wir so noch nicht beobachtet - mit ihren Rüsseln graben sie Löcher in das Flussbett und schlürfen dann das Wasser aus.
Wir legen eine relativ weite Strecke zurück und erreichen dann unser Ziel: ein Löwenrudel mit 3 kleinen Löwen. Die Eltern machen noch ein Nachmittagsschläfchen in der Nähe, aber die 3 Kleinen sind schon wach und posieren wie bestellt an einem Baum.
Wir hatten auf dieser Reise ja schon viel Glück mit Löwen und hatten einige tolle Sichtungen in Simbabwe, aber natürlich freuen wir uns über die weitere Sichtung, denn die Kleinen sind wirklich zuckersüß.
Als die beiden anderen Safari-Fahrzeuge aus Mohave dazukommen, brechen wir auf und machen uns auf den Weg zurück zum Camp, mit einem Zwischenstop für einen Sundowner. Wir freuen uns über ein Windhoek Lager, nachdem wir in Simbabwe das lokale Zambesi getrunken haben, was man aber wirklich nur sehr kalt trinken sollte.
Unterwegs freuen wir uns noch besonders über einen Hasen, den man sonst so leicht übersieht.
Zurück im Camp dauert es nicht mehr lange, bis es Zeit zum Abendessen ist. Es gibt ein 3-Gänge-Menü, und es ist zur Abwechslung ganz angenehm, die Camping-Routine auszusetzen und sich nicht selbst zu verpflegen. Zum Essen trinken wir unseren eigenen Wein, den wir am Anfang der Reise gekauft haben. Dann haben wir festgestellt, dass Wein beim Camping gar nicht so praktisch ist. Er nimmt zu viel Platz im Kühlschrank ein, und da wir eigentlich nicht mehr als ein Glas trinken, dauert es einfach zu lange, bis die Flasche leer ist. Kurz vor Ende unserer Reise müssen wir uns also ranhalten. Die Flasche ist nach Etikett und Namen ausgesucht, aber der Chardonnay ist relativ belanglos.
Nach dem Essen ziehen wir uns in unser Chalet zurück und schlafen das erste Mal seit ein paar Wochen mit einem festen Dach über dem Kopf ein.
Teil 3630. Mai 2026
Outcast
Am nächsten Morgen steht nach einem schnellen Kaffee der Morning Drive an. Im Camp hören wir Warnrufe der Baboons am Limpopo und brechen in diese Richtung auf. Ein Leopard wird in der Gegend vermutet, und wir finden auch seine Spuren, nicht jedoch den Leoparden. Wir haben auf dieser Reise noch keinen gesehen - in Mana Pools hatten wir auch nur frische Tracks gefunden, die dazugehörige Katze aber nicht. Auf der Wunschliste für Sichtungen in den letzten Tagen der Reise stehen also: Leopard, Giraffe, braune Hyäne und Eule. Die Giraffe ist vielleicht nicht das offensichtlichste Tier auf der Wunschliste, wir haben auf dieser Reise aber tatsächlich noch keine gesehen - sie sind in Zimbabwe nicht sehr weit verbreitet. Einige wenige gibt es wohl in Matobo, aber dort sind sie uns nicht vor die Linse gekommen.
Am Limpopo ist es wunderschön - auch wenn dieser Teil des Game Drives sehr ruhig ist, genießen wir die Landschaft und erfreuen uns an den Vögeln am Fluss, wie diesem Ibis.
Da es sonst sehr ruhig ist, verlassen wir die Gegend und wollen die Hauptstraße kreuzen, um wieder das Gebiet vom Vortag aufzusuchen. Unterwegs erfüllt sich dann schon ein Wunsch von der Sichtungsliste: die Giraffen-Sichtung ist geglückt! Es ist dann tatsächlich die einzige Giraffe der Reise, und ich freue mich sehr, dass es geklappt hat. Der gegenüber sitzende Bataleur muss sich also die Aufmerksamkeit mit der Giraffe teilen.
An der Hauptstraße sehen wir dann noch etwas, was wir noch nie gesehen haben: es ist ein kleiner Schakal mit seinen Eltern, und er ist wirklich sehr niedlich.
Dann begeben wir uns auf die andere Seite der Straße, kraxeln den Hügel hoch (nicht meine Lieblingsstelle) und legen einiges an Strecke zurück. Unterwegs sehen wir ein paar Elefanten und Klippschliefer - einige möchten jedoch lieber in Sträuchen als auf Steinen sitzen.
Dann kommen wir auch schon am Ziel des Morning Drives an: wir besuchen ein Löwenrudel. Es ist ein anderes Rudel als gestern, und die Geschichte zu diesem Rudel ist ein bisschen traurig. Unser Guide erzählt uns, dass eine Löwin zu jung geworfen hat und ihre zwei Jungen verstoßen hat. Die beiden haben sich eine Weile durchgeschlagen, seit kurzem sei aber einer der beiden nicht mehr gesichtet worden. Der andere versucht, sich in der Nähe des Rudels aufzuhalten, in der Hoffnung, akzeptiert zu werden, oder zumindest ein paar Reste abzubekommen. Das Rudel duldet ihn in einiger Entfernung, nimmt ihn aber nicht in die Gemeinschaft auf. Laut unserem Guide ist es aber zumindest ein gutes Zeichen, dass das Rudel ihn nicht verjagt.
Wir finden ihn in der Nähe der anderen Löwen, und es ist eine seltsame Szene. In der Umgebung haben wir Porcupine Stacheln auf dem Boden gesehen, und dann sehen wir, dass der Löwe einen Stachel mitten im Gesicht hat. Da er auf sich alleine gestellt nicht viele Optionen bei der Nahrungssuche hat, hat er wohl ausgerechnet ein Stachelschwein gejagt und gefressen. Es sieht nach einem unangenehmen Unterfangen aus. Auch sonst ist es nicht schön, den Löwen in einem so schlechten Zustand zu sehen - er ist sichtlich abgemagert und sieht ziemlich heruntergekommen aus. Aber das ist eben der Lauf der Natur.
Die anderen Löwen interessieren sich wenig für das Leid ihres Artgenossen (und Verwandten) und sind - wie so oft - in erster Linie damit beschäftigt, sich ein Plätzchen auszusuchen, auf dem sie bequem rumliegen und ein bisschen gähnen können.
Nach dieser Begegnung machen wir uns auf den Rückweg zum Camp, wo uns ein Frühstück erwartet.
Danach ziehen wir uns in unser Chalet zurück und verbummeln den Tag bis zum Afternoon Tea. Ich habe in diesem Urlaub angefangen, Dune zu lesen, und weil ich eigentlich so ziemlich alles im Leben ein bisschen obsessiv mache, muss ich in jeder freien Minute weiterlesen, während Martin sich erstmal um das Backup der Fotos kümmert. Wir sind froh, dass wir uns für den Aufenthalt im Serolo Camp entschieden haben, da wir hier zum Ende der Reise richtig zur Ruhe kommen.
Teil 3731. Mai 2026
Blondie
Nach dem Afternoon Tea geht es wieder los zum nächsten Gamedrive. Wir drehen nochmal die Limpopo-Runde. Es ist wenig Aktivität zu verzeichnen, aber wir haben Glück und finden eine schöne Eule, und auch die anderen Vögel sind sehr hübsch.
Mit der Eule hat sich Wunsch 2 von 4 erfüllt - so kann es weitergehen. Es sieht aber so aus, als würde dieser Evening Drive eher ruhig werden. Wir sind sind allein mit unserem Guide unterwegs - die anderen beiden Gäste waren, die sonst mit uns ausgefahren sind, sind mittags abgereist, nicht aber ohne am Vorabend davon zu erzählen, dass sie die braune Hyäne, die sie gesehen hatten, liebevoll Blondie getauft hätten, und sie Ähnlichkeit mit Julie, der Besitzerin des Camps, hätte.
Und dann können wir uns plötzlich selbst ein Bild davon machen, denn Martin entdeckt eine braune Hyäne. In Serolo hat man sehr gute Chancen, diese sehr scheuen Tiere zu sehen, und wir freuen uns riesig, dass es geklappt hat. 3 von 4. Und tatsächlich - die Hyäne hat eine auffällig gesträhnte Haarpracht. Dass sie Ähnlichkeit mit Julie hat, finden wir aber trotzdem nicht.
Es ist schon ziemlich spät bei dieser Sichtung, und der obligatorische Sundowner hat noch nicht stattgefunden, was für uns nicht so schlimm ist. Wir gehen eigentlich davon aus, dass wir ihn auslassen und bald zurückfahren, immerhin ist es schon fast dunkel. Unser Guide wirkt auch ein bisschen angespannt. Ich vermute, dass er nicht ganz zufrieden mit dem Ablauf des Gamedrives war, oder vielleicht auch einfach müde ist. Relativ abrupt halten wir nach meinem "Lieblingshügel", bei dem die Fahrt immer so arg schaukelt, und der Guide schlägt vor, dass wir hier unseren Sundowner trinken. Nun ja, es ist nicht die schönste Stelle für einen Sundowner, aber warum nicht. Der Guide kontaktiert währenddessen noch das Fahrzeug der anderen Gruppe. Sie sind eine andere Route gefahren und waren erneut bei den Löwen von heute Morgen.
Unser Guide ist immer noch angespannt, blickt auf die Uhr und sagt, dass gleich eigentlich das Löwenrudel vorbeikommen muss. So richtig glauben wir das nicht, es ist ja nicht so, als würden die Löwen auf Bestellung vorbeikommen.
Tja, da lagen wir ganz schön falsch. Unser Guide ist schon seit Jahrzehnten im Tuli-Block unterwegs, und wenn er sagt, dass die Löwen gleich hier entlangkommen, dann ist das so. Wir können es noch weniger glauben, als es dann passiert: einer nach dem anderen kommen 8 Löwen auf uns zu und queren die Straße, direkt an uns vorbei. Unser Guide, dessen Anspannung wohl darauf zurückzuführen war, das richtige Timing zu erwischen, erzählt uns, dass es ein gängiger Korridor für dieses Rudel sei, und sie hier regelmäßig um 18:15 anzutreffen sind. Jetzt macht natürlich auch der improvisierte Sundowner Spot Sinn!
Der Abendhimmel färbt sich wunderschön, und es wird Zeit, aufzubrechen.
Auf der Rückfahrt ist es schon dunkel, aber das ist uns gerade recht, denn schließlich fahren wir im Dunkeln nie selbst, und haben so selten die Gelegenheit, nachtaktive Tiere zu entdecken. Wir sehen eine African Wildcat, eine Ginsterkatze, und noch etwas, von dem ich nicht weiß, was es ist. Der Guide hat es uns sicher gesagt, aber jetzt, wo ich das körnige Foto sehe, frage ich mich, welches Tier es war. Leider können wir uns nicht genau erinnern, und da wir kein Reisetagebuch schreiben, können wir auch auf keine Notizen zurückgreifen. Auch unser Heft, in dem wir Tiere abhaken, gibt keinen Aufschluss darüber, was dieses Tier eigentlich ist. Vielleicht kann es hier ja jemand identifizieren? Wir haben auch noch die White-tailed Mongoose abgehakt, aber ich weiß wirklich nicht, was ich hier sehe.
Zurück im Camp gibt es ein sehr leckeres Abendessen - insbesondere die Sauce zum Fleisch ist so lecker, dass ich einfach nach einer Extraportion Sauce fragen muss. Das Essen war wohl schnell verschlungen, denn nur das Dessert hat es aufs Foto geschafft. Ein erfolgreicher Tag klingt aus, und wir sind gespannt, was unser letzter Drive am nächsten Morgen für uns bereit halten wird!
Nach einem schnellen Müsli am Morgen steht unser letzter Game Drive in Serolo an.
Wir sind früh unterwegs, und als erste Sichtung des Tages präsentiert sich Blondie, die braune Hyäne, im warmen Morgenlicht. Martin entdeckt sie, als sie zwischen den Felsen entlangstreift, und wir freuen uns über unser Glück. Die braune Hyäne ist schnell wieder verschwunden, aber wir kommen nicht weit.
Am Fuß des felsigen Hangs wird unser Guide langsamer, blickt nach oben, und fährt dann zielgerichtet näher ran. Wir wissen nicht, wie er das von der Straße aus entdeckt hat, aber oben auf dem Felsen liegt ein Leopard. Wir haben es beim letzten Drive kaum zu hoffen gewagt, aber tatsächlich haben wir jetzt alle Tiere von unserer Wunschliste zusammen.
Langsam nähert sich das zweite Fahrzeug von Serolo, welches über die Sichtung informiert wurde, als unser Guide beschließt, den Hang hochzufahren, um einen besseren Blick auf den Leoparden zu erhaschen. Es ist sehr holprig, und eigentlich geht dort kein Weg entlang, aber wir sind beeindruckt von seiner Entschlossenheit und seinen Fahrfertigkeiten. Oben angekommen findet der Leopard das aber nicht so entspannt und haut ab - wir sehen ihn noch kurz in Bewegung, und das andere Fahrzeug funkt uns zu, dass er sich am Hang entlang bewegt und wahrscheinlich bald an einer unzugänglichen Stelle verschwinden wird. Wir erhaschen dann noch einen Blick auf ihn, und dann ist er tatsächlich weg - auf dem steinigen Gelände oben können wir - und wollen wir - ihn nicht hinterherfahren. Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, ihn einfach von unten zu beobachten, aber man weiß ja nie. Wir treffen oben dafür aber nochmal die braune Hyäne, und dann ist es an der Zeit, wieder nach unten zu fahren.
Als letzten Stopp auf der Fahrt besuchen wir nochmals das Löwenrudel mit den kleinen Löwen. Sie haben sich ein schattiges Plätzchen am Flussbett gesucht und haben es sich bequem gemacht. Nun hatten wir auf dieser Reise ja viele schöne Löwensichtungen, und die Löwen haben sich ins Zeug gelegt, uns gute Fotomotive zu liefern.
Einer der kleinen Löwen sticht jedoch im Foto Contest hervor. Mit verträumtem Blick posiert er für uns und liefert ab. Wie kann ein Löwe nur so niedlich sein? Diese Wimpern! Dieser Blick! Wir sind verliebt.
Ob er die Fotogenität von der Mama hat, wissen wir anfangs nicht so recht.
Aber dann gibt es auch noch ein Shooting mit den Eltern, und wir sind mit den Ergebnissen auch sehr zufrieden!
Es ist die letzte Löwensichtung der Reise, denn nachdem wir zurück ins Camp kehren und noch ein ordentliches Frühstück zu uns nehmen, ist es an der Zeit, unsere Sachen zu packen und aufzubrechen. Wir lassen uns ein bisschen Zeit, und machen uns dann auf den Weg in Richtung Grenze nach Südafrika.
Der Aufenthalt in Serolo hat uns gut gefallen, und auch wenn wir gerne selbst fahren, ist es zur Abwechslung ganz nett, geführte Aktivitäten zu haben. Die braune Hyäne und den Leoparden, aber auch die kleineren, unscheinbaren Tiere, hätten wir auf eigene Faust bestimmt nicht gesehen!
Es ist ein bisschen schade, dass wir nun aufbrechen, denn nun haben wir nur noch eine Nacht vor uns, bevor diese Reise zu Ende geht.
Teil 4012. Juni 2026
Etappe 14 - Aufbruch
Wir verlassen Serolo und machen uns auf den Weg zum Platjan Grenzübergang, da Pont Drift nicht passierbar ist. Der Grenzposten ist klein und sehr überschaubar, und die Ausreise aus Botswana geht sehr fix. Bei der Einreise nach Südafrika interessiert sich der Grenzbeamte sehr für unseren Camperaufbau und lässt sich jedes Fach ganz genau zeigen. Besonders interessiert ist er an dem Seitenzelt, denn dieser Aufbau ist ja relativ ungewöhnlich. Nachdem wir ihm alles gezeigt haben, reisen wir ein und machen uns auf den Weg zu unserem letzten Stopp der Reise.
Wir hatten es bis zum Vortag offen gelassen, wo wir unsere letzte Nacht verbringen wollten, Matla Noka gefiel uns sehr gut, war aber leider ausgebucht. Netterweise haben wir von ihnen aber andere Empfehlungen bekommen, und sind so bei Matamba Bush Camp gelandet, was bequem auf halber Strecke zurück nach Johannesburg lag.
Die Fahrt dorthin war wegen der schlechten Straßen auf südafrikanischer Seite etwas zäh, aber unproblematisch. Als wir ankommen, sind wir sehr angetan - das Gelände ist sehr gepflegt, die Campsites sind schön angelegt, und es gibt sogar einen Pool. Auch die Ablutions sind sehr liebevoll gemacht, insbesondere die Outdoor-Dusche ist toll. Auf dem Gelände gibt es verschiedene Antilopen, aber keine Raubtiere, und so kann man verschiedene Spazierwege erkunden. Es ist einer der heißesten Tage unserer Reise, und der Spaziergang ist ein bisschen anstrengend, sodass wir bald wieder zu unserer Campsite zurückkehren und den Tag ausklingen lassen.
Am nächsten Tag packen wir alles weitestgehend ordentlich zusammen - unsere Koffer und Reisetaschen stehen noch bei Bushlore, aber wir sortieren trotzdem schon mal vor, damit wir bei der Rückgabe alles nur noch in die Koffer schmeißen müssen.
Die Fahrt zurück nach Johannesburg ist stressfrei, denn dieses Mal haben wir südafrikanische Rand dabei, um die Mautgebühr bar zahlen zu können, und so kommen wir ohne Drama und ohne Zeitdruck bei Bushlore an. Wir haben uns einen späten Rückgabezeitpunkt kurz vor Schluss ausgesucht, und die Mitarbeitenden haben nicht mehr so richtig Lust auf eine gründliche Übergabe.
Nach 4735km, die wir auf dieser Reise zurückgelegt haben, übergeben wir unseren treuen Gefährten also zurück an Bushlore. Es gibt noch eine kurze Diskussion, da wir den Wagen nicht vollgetankt haben - schließlich hatten wir ihn auch nicht vollgetankt übernommen. Wir reichen dann noch die Quittungen für den Gas-Refill ein, und die Warnwesten, die wir am Anfang der Reise kaufen mussten. Unsere Übernahme war ja ein bisschen verkorkst, und wir hatten uns extra vorab informiert, ob Warnwesten dabei seien, da sie in Zimbabwe verpflichtend mitzuführen sind. Nur um dann unterwegs festzustellen, dass sie nicht vorhanden waren. Alles jedoch keine großen Probleme - die Geste zur Kompensierung unserer Aufwände, die uns per whatsapp versprochen wurde, blieb jedoch aus. Wir haben aber auch nicht nachgehakt.
Zum Ende unserer Reise findet unsere Kühlbox mit den Hyänen-Bissen auch noch einen neuen Besitzer. Ich frage den Fahrer, der uns zum Flughafen bringt, ob wir die Kühlbox dort stehenlassen können, er packt sie aber direkt ein und lässt uns wissen, dass sich jemand anderes über die Kühlbox freuen wird.
Und dann ist es schon so weit: wir erreichen den Flughafen und läuten die nun wirklich letzte Etappe der Reise ein. Ich mache noch einen kurzen Abstecher in die Lounge, die reichlich aus der Zeit gefallen wirkt, bevor wir dann boarden und unseren ersten Flug nach Doha antreten. In Doha angekommen verbringen wir die Wartezeit auf den Weiterflug ebenfalls in der Lounge, die jedoch sehr voll ist, sodass es schwierig ist, überhaupt Plätze zu bekommen. Dennoch ist es ein angenehmer Aufenthalt an einem sehr guten Flughafen - wenn bloß alle Umstiegsverbindungen so komfortabel wären. Auch der zweite Flug ist komfortabel, und wir erreichen München am frühen Nachmittag. Wie immer verbringen wir mehr Zeit am Gepäckband als nötig, bevor wir unser ganzes Gepäck beisammen haben und uns auf den Heimweg machen.
Es war eine tolle Reise, und ich bin jetzt schon wehmütig, dass sie vorbei ist. Tatsächlich gibt es nicht viel, was wir rückblickend anders gemacht hätten, und das kommt bei uns gar nicht so oft vor. Simbabwe ist ein fantastisches Reiseland, das viel zu bieten hat. Ich bin mir sicher, dass es uns wieder dorthin verschlagen wird, und ich freue mich auf unsere nächste Begegnung mit diesem wunderbaren Land.
Und so endet unser erster Reisebericht, der uns eine schöne Möglichkeit bot, die Reise noch mal Revue passieren zu lassen, über Erinnerungen zu sprechen, und die Fotos aus den Untiefen der Festplatte hervorzuholen.