Wir fahren im September und Oktober 2025 als Selbstfahrer von Johannesburg quer durch Simbabwe und über den Tuli Block zurück, vier Wochen im Dachzelt und als Selbstversorger. Simbabwe ist wenig bereist, und genau das prägt die Reise: In Gonarezhou stehen wir auf Exclusive Campsites hoch über dem Fluss, ohne Infrastruktur und ohne andere Fahrzeuge — die Chilojo Cliffs im Abendlicht gehören zu den Bildern, die bleiben.
Den meisten Raum bekommt Chitake Springs. Dort gibt es keinen Zaun und kein Camp, nur die Quelle, an der sich alles trifft. Wir sitzen am Fig Tree und warten, ein Rudel lauert an der Quelle, einen Büffelriss verpassen wir, weil wir gerade Kaffee kochen — und nachts brüllen Löwen direkt neben dem Zelt. In Mana Pools sind es Long Pool und der Elefantenbulle Boswell, der sich auf die Hinterbeine stellt, um an die Akazienschoten zu kommen. Die Wild Dogs bekommen wir nicht zu sehen.
Dazu Great Zimbabwe, die Felsenlandschaft von Matobo und zum Schluss zwei Nächte im Tuli Block. Wer ähnlich fahren will, sollte wissen: Die Exclusive Campsites in Gonarezhou und an den Chitake Springs haben nichts — kein Wasser, keine Toilette, keinen Zaun. Man muss alles mitbringen und damit umgehen können, dass nachts Tiere durchs Camp gehen. Es ist unser erster Reisebericht, geschrieben Monate nach der Reise.
Reisezeitraum
20. September bis 15. Oktober 2025, 26 Tage inklusive Reisetagen
Löwen an der Quelle · Elefantenbulle Boswell · Braune Hyäne
Teil 131. März 2026
Unsere Simbabwe-Reise liegt nun schon mehrere Monate zurück, und wie so oft fehlte im Alltag nach Reiseende die Zeit, die Eindrücke (und Fotos) der Reise zu verarbeiten. Das versuchen wir nun mit unserem ersten Reisebericht nachzuholen und festzuhalten.
Wir sind Martin und Natascha aus München. Afrika haben wir erst in unseren frühen Corona-Jahren für uns entdeckt. Aus Mangel an anderen Reise-Alternativen ging es klassisch mit einer Namibia-Reise los, gefolgt von Südafrika, Uganda/Tansania, Botswana und nun Simbabwe in den Folgejahren. Wir sind gerne als Selbstfahrer und Camper unterwegs, haben wegen FOMO meist etwas zu viel im Programm, und schmeißen in der Planung auch gerne mal was um. Martin ist bei uns der designierte Fahrer und Foto-Verantwortliche, ich schaue gern aus dem Fenster, kümmere mich aber auch um die Planung.
Nun aber zu Simbabwe!
Es ist Januar 2025, und wir sind frisch zurück von unserer China-Reise, als wir auf Youtube bei einem Video vom Safari Expert über Simbabwe hängen bleiben. Relativ schnell formt sich der Gedanke, den nächsten Afrika Urlaub dort verbringen zu wollen. Wir beginnen mit der Recherche und planen eine ca. 3-wöchige Reise für September 2025. Einige Wochen später haben wir Flüge und ein Fahrzeug gebucht, eine Route erstellt und die Unterkünfte für die großen Stops gebucht.
Nach einigen Abwägungen beschließen wir, von München nach Johannesburg und Retour zu fliegen. Eine Woche vor Abflug wird unsere planmäßige Umstiegszeit in Paris CDG auf unter 1 Stunde gekürzt, was wir zum Anlass nehmen, den Flug kurzerhand zu stornieren und stattdessen mit Qatar Airways über Doha zu fliegen. Rückblickend ein Glücksfall, da Paris CDG genau an unserem Abreisetag vom Cyberangriff auf einen IT Dienstleister betroffen war.
Unterwegs waren wir mit dem HilCAM von Bushlore. Den HilCAM hätten wir eigentlich nicht ausgesucht, da er auf 4 Personen ausgelegt ist, es ist jedoch der einzige Bushcamper, der für unsere Daten verfügbar ist. Das Fahrzeug erweist sich als perfekt für uns - das Raumgefühl mit ausgeklappten Zelten ist großartig, und die Perspektive aus dem Seitenzelt erlaubt es, quasi auf Augenhöhe mit den Tieren zu sein.
Unsere geplante Route haben wir größtenteils beibehalten, aber es gab die ein oder andere Verschiebung an einigen Tagen. Mit Ausnahme der ersten Nacht in Johannesburg und dem Serolo Safari Camp am Ende der Reise sind wir komplett als Camper und Selbstversorger unterwegs, und würden das genau so wieder machen!
Zum Start ein Überblick über unsere Route. Vic Falls ist nennenswerterweise kein Bestandteil der Reise - dort waren wir im Vorjahr als Tagesausflug von Kasane.
Tag 0
Anreise München - Johannesburg
Tag 1
Ankunft Johannesburg
Tag 2
Übernahme Mietwagen und Fahrt zur Zvakanaka Campsite
Tag 3
Grenzübertritt Beitbridge, Fahrt nach Gonarezhou oder Stop in Chiredzi
Tag 4
Gonarezhou Chipinda Pools
Tag 5
Gonarezhou Chilojo Cliffs
Tag 6
Gonarezhou Chilojo Cliffs
Tag 7
Gonarezhou Hlaro
Tag 8
Transit Tag Gonarezhou - Great Zimbabwe. Übernachtung Clevers Lakeside Resort and Conference
Tag 9
Great Zimbabwe, Weiterfahrt Richtung Mana Pools. Übernachtung bei Chinhoyi
Tag 10
Mana Pools Nyamepi
Tag 11
Mana Pools Old BBC
Tag 12
Mana Pools Old BBC
Tag 13
Mana Pools Nyamepi
Tag 14
Chitake Springs Baobab Campsite
Tag 15
Chitake Springs Chitake 2 Campsite
Tag 16
Chitake Springs Chitake 2 Campsite
Tag 17
Transit Tag Mana Pools in Richtung Matopos. Übernachtung im Antelope Park
Tag 18
Matopos NP
Tag 19
The Farmhouse Matopos World's view
Tag 20
Grenzübertritt nach Botswana. Übernachtung Limpopo River Lodge
Rückfahrt nach Johannesburg, Mietwagenübergabe und Heimflug nach München
Teil 231. März 2026
Etappe 1: Ankunft in Johannesburg, Fahrzeugübernahme und Fahrt in Richtung Grenze
Wir landen morgens in Johannesburg und haben einen freien Tag zur Verfügung, weil unser Fahrzeug erst am nächsten Tag verfügbar ist. Wir haben für den Tag kein Programm geplant und verbringen den Tag im Hotel und der angrenzenden Mall.
Am nächsten Morgen werden wir von Bushlore abgeholt und sind die ersten Kunden für die Fahrzeugübernahme. Die Übernahme ist leider so la la. Die Elektronik des Fahrzeugs wird uns falsch erklärt, das Auto ist nicht vollgetankt, und wie wir später feststellen, ist die zweite Batterie leergefressen, weil der Kühlschrank auf -17 Grad eingestellt war und die Batterie das nicht gut verkraftet hat. Wir verfrachten unser Gepäck im Auto und lassen die Koffer bis zur Rückgabe bei Bushlore, und machen uns auf den Weg.
Als nächster Programmpunkt steht Einkaufen an. Wir steuern einen Super Spar an, werden dort mit der Auswahl aber nicht glücklich und machen einen Umweg zu Checkers Hyper. Fürs nächste Mal merken wir uns, einfach direkt zu Checkers zu fahren - das ist einfach der beste Supermarkt.
Dann sind wir auch schon auf dem Weg in Richtung Norden. Unser Ziel ist die Zvakanaka Farm, wo wir die erste Nacht auf einer der Campsites verbringen werden. Die gut 400km gestalten sich schwieriger als gedacht wegen eines absoluten Anfängerfehlers: wir haben kein Bargeld dabei, zumindest keine Rand. Nachdem wir die ersten Mautstationen problemlos passieren konnten, geht es plötzlich nicht weiter. Die Betreiber stellen ihre Zahlungsmodalitäten um, ausländische Kreditkarten werden aktuell nicht akzeptiert. Not macht kreativ: beim ersten Mal tauschen wir mit einem anderen Reisenden den Mautbetrag in ZAR gegen USD. An der nächsten Station kommen wir mit USD durch, fahren dann aber doch lieber mal ab und ziehen Geld aus dem Automaten. Lektion gelernt: die Beträge für die Rückfahrt haben wir sogar mit einkalkuliert 😎
Insgesamt brauchen wir für die Strecke deutlich länger als gedacht und kommen bei Einbruch der Dunkelheit auf der Campsite an. Dass wir öfter ein bisschen trödelig unterwegs sind, sieht uns ähnlich, fürs nächste Mal nehmen wir uns aber vor, zeitiger loszukommen und uns besser vorzubereiten.
Auf der Campsite brennt schon ein Feuer, wir machen ein einfaches Essen und lassen den Abend ausklingen.
Am nächsten Morgen sehen wir erst, wo wir überhaupt gelandet sind. Die Campsite in Zvakanaka ist wirklich wunderschön, und eine absolute Empfehlung. Wir haben uns Sam's ausgesucht, und nach ausgiebiger Inspektion der anderen Sites landet diese im Ranking auf der 1. Die Campsites sind super ausgestattet und schön angelegt, und noch dazu sind die Betreiber wirklich nett. Wir machen uns in Ruhe fertig, genießen einen Kaffee, und verquatschen uns dann noch mit den Besitzern, die uns empfehlen, auf jeden Fall nochmal Vorräte nachzukaufen.
Mit unserer morgendlichen Trödelei und dem erneuten supply run starten wir relativ spät in unsere zweite Etappe, was sich im weiteren Verlauf des Tages rächen wird.
Teil 331. März 2026
Etappe 2: Beitbridge und das Social Media Dilemma
Auf dem Plan für heute steht der Grenzübergang nach Simbabwe. Obwohl Beitbridge berüchtigt ist, sind wir hoffnungsvoll (und naiv), dass wir gut durchkommen werden und hoffen, dass wir am selben Tag noch nach Gonarezhou kommen. Unsere Camps sind zwar erst für den Folgetag gebucht, wir spekulieren aber auf einen walk-in. Dass daraus überhaupt nichts wird, ahnen wir noch nicht. Auch nicht, dass wir dem Endgegner schon bei Schritt 2 begegnen.
Nun ja, wir haben uns bemüht, vorab alles gut vorzubereiten. Ausgestattet mit E-Tip und vorab online ausgefülltem E-Einreiseformular dauert die Immigration bei mir keine 10 Minuten. Läuft. Bis es dann nicht mehr weitergeht. Martin steckt fest. Zunächst denken wir, dass es daran liegt, dass sie seine Online-Zahlung nicht zuordnen können. Tatsächlich ist das System noch so neu, dass sie die Zeitstempel der Zahlung abfragen und dann manuell Listen abgleichen. Doch auch nachdem sie die Zahlung gefunden haben, geht es nicht weiter.
Zum Glück bekommen wir Unterstützung von Cleopatra von Zimtourism, die uns erklärt, was da los ist. Leider leider hat Martin beim Einreiseformular seinen echten Job Titel eingetragen und keine pauschale Berufsbezeichnung. Er arbeitet im Social-Media-Bereich, und wie sich herausstellt, unterscheidet Simbabwe nicht zwischen Medien und Social Media - und schon ist Martin geflagged und erstmal zur Einreise gesperrt. Praxis-Tipp: Trigger-Begriffe wie Media am besten vermeiden 😎
Nachdem wir vermitteln konnten, dass Martin kein Journalist ist, sondern nur im Social Media Marketing arbeitet, wird ein Schreiben aufgesetzt, in dem Martin versichern muss, dass er nicht aus beruflichen Gründen nach Zim einreist und bekommt außerdem eine Wiedereinreisesperre von 90 Tagen. Das hochoffizielle Schreiben - immerhin eine halbe DIN A4 Seite - nimmt eine ganze Stunde in Anspruch, wir sind aber froh, dass es anscheinend eine Lösung gibt.
Oder auch nicht. Das E-Visum in Simbabwe ist zu diesem Zeitpunkt noch so neu, dass wohl nicht alle Fälle systemisch abbildbar sind. Im Vorjahr hatten wir noch ein handgeschriebenes Visum erhalten, nun druckt das System einen QR Code aus, der in den Reisepass geklebt wird. Das neue Problem: trotz Papier-Genehmigung zur Einreise versteht das System nicht, dass es nun den QR Code drucken darf. Anscheinend gibt es noch keine Hintertür für einen Override, und im System erscheint Martin noch immer als gesperrt. Die nächsten 2 Stunden verbringen wir damit, verschiedenen Leuten dabei zuzuschauen, wie sie sich vor dem Computer versammeln und auf den Bildschirm schauen. Ab und zu traut sich jemand, mal eine Taste zu drücken.
Dann plötzlich: ein QR Code kommt raus und wird in Martins Pass geklebt. Aber Moment - der war für einen anderen Reisenden und sie hatten die Pässe verwechselt. 😣
Schließlich schafft es die IT-Mitarbeiterin irgendwann und irgendwie, das System dazu zu bewegen, den richtigen QR Code auszudrucken und in den richtigen Pass zu kleben. Die Immigration ist geschafft.
Der anderen Stationen der Beitbridge Odyssee wie E-Tip, CVG (bei dem nie ganz klar ist, ob man es braucht oder nicht) und Zoll meistern wir dann noch irgendwie, sind aber nach der ganzen Ungewissheit, ob das überhaupt klappt, ganz schön k.o. und haben reichtlich Zeit verloren.
Unsere ursprüngliche Idee, direkt nach Gonarezhou durchzufahren, ist nicht mehr realisierbar, und wir kommen erneut bei Einbruch der Dunkelheit bei unserem Etappenziel in Chiredzi an.
Aus Mangel an Alternativen steuern wir den Hippo Valley Country Club als Campsite an. Wir sind froh, dass wir es geschafft haben, aber meine Güte, was für ein schrecklicher Camping Platz. Es gibt quasi keine Infrastruktur für Camper, sondern einfach eine große Fläche, auf der man stehen kann sowie eine total abgeranzte Gemeinschaftsdusche/Umkleidekabine anstelle von richtigen Ablutions. Aufgeräumt oder gar geputzt wurde das sicher das ganze Jahr noch nicht, und mit Gemeinschaftsdusche meine ich wirklich einen Raum mit Duschen, ohne Kabinen, dafür mit viel Schmutz. Wenn wir eine Alternative hätten, wären wir auf keinen Fall dort geblieben. Alternativlos habe ich den Preis auf 10 USD (immernoch frech für den Zustand) und die Nutzung von richtigen Waschräumen ausgehandelt, die es auch gibt, aber wohl nicht für Camper vorgesehen sind. Diese Adresse können wir in Chiredzi als Zwischenstopp jedenfalls überhaupt nicht empfehlen.
Trotzdem sind wir froh, dass wir es nach Simbabwe geschafft haben und einiges an Strecke zurücklegen konnten. Am nächsten Tag beginnt dann endlich der "richtige" Teil des Urlaubs: wir brechen auf nach Gonarezhou.
Teil 402. Apr. 2026
Etappe 3 - Gonarezhou, Place of Elephants Hyena
Heute geht es endlich nach Gonarezhou! Wegen unserer Grenz-Odyssee sind wir viel zu spät in Chiredzi angekommen und müssen vor der Fahrt in den Nationalpark noch unseren Supply Run bei Mnandi Meats (Empfehlung!) unterbringen und SIM-Karten besorgen. Wir besorgen zwei EcoNet SIM-Karten und jeweils Voucher für Datenvolumen und Telefonminuten. Die Mitarbeitenden helfen uns bei der Einrichtung und erklären uns die etwas gewöhnungsbedürftige Handhabung, insgesamt geht alles schnell und unkompliziert. Wir tanken voll und fahren dann endlich los.
Wir haben für die erste Nacht Chipinda Pools, eine der Developed Campsites, gebucht. Hier gibt es Ablutions und Wasser, aber keinen Standstrom. Für die Einfahrt von Chiredzi bietet sich Chipinda Pools als erster Stop an, wenn man früh dran ist, würde ich aber empfehlen, auf eine der Exclusive Campsites durchzufahren.
Wir bekommen die hinterste Campsite (ich glaube die 9). Es gibt genügend Abstand zu den Nachbarn, und insgesamt ist es eine schöne Campsite mit Blick auf den Runde. Bei unserer Ankunft gibt es im Flussbett schon ein bisschen Action (die am nächsten Tag in einem umgestürzten Baum endet).
Nachmittags fahren wir nochmal los, um die Gegend zu erkunden. Wir haben ehrlicherweise gar nicht so viel zu Gonarezhou recherchiert und fahren ohne viele Anhaltspunkte einfach mal los. Nach einem kurzen Stop am Masasanya Dam fahren wir zum Chivilla Falls View Point. Wir erwischen gerade so das goldene Licht, und der Anblick ist wunderschön. Landschaftlich sind wir jetzt schon total geflasht von diesem Park.
Nach einem kurzen Sundowner Stop finden wir uns wieder auf der Campsite ein, kochen und lassen den Abend im Camp ausklingen.
Nachts werden wir plötzlich von einem lauten Rumpeln geweckt. Ein Blick nach draußen offenbart nächtlichen Besuch von einer - in diesem Moment riesengroß wirkenden - Hyäne. In einem Anflug von Dummheit haben wir nicht nur den Gusseisentopf draußen stehen lassen, sondern auch Wasserkanister, eine Kühlbox und unsere Campingstühle/Tisch draußen stehen lassen. Jede Campsite verfügt über einen überdachten Bereich, der Verstaumöglichkeiten anbietet. Dass man dort am besten keine Sachen verstaut, hätte offensichtlich sein müssen, aber ohne ein paar Rookie-Fehler wäre es ja auch langweilig.
Wir beraten leicht panisch, was wir tun sollen, als die Hyäne mit der Kühlbox über die Campingstühle stolpert und vor Schreck abhaut. Nach einigen Minuten des vorsichtigen Ableuchten des Tatorts trauen wir uns nach draußen, um den Schaden zu begutachten und zu retten, was zu retten ist. Wir haben Glück: die Hyäne hat die Kühlbox nur am Deckel erwischt, welcher sich gelöst hat und die Hyäne aus dem Konzept gebracht hat. Der Inhalt der Box (Gemüse und Getränke) war wohl auch enttäuschend und bleibt unversehrt zurück. Ein Wasserkanister schafft es nicht, und der Deckel der Kühlbox erinnert uns fortan daran, nicht so blöde Sachen zu machen!
Nachts fängt es dann noch an zu regnen. Leider wurde uns der Regenschutz für das Seitenzelt bei der Übernahme auch nicht erklärt, sodass wir uns in das Dachzelt zurückziehen. Was für eine Nacht. Zum Glück können wir uns am nächsten Morgen über die Aufnahmen der Trapcam, die die Action festgehalten hat, amüsieren, bevor wir Chipinda Pools verlassen und unsere nächste Campsite ansteuern.
Am nächsten Tag brechen wir nach dem Frühstück leicht gerädert von der turbulenten Nacht zu unserem nächsten Ziel auf: Chilojo Cliffs. Wir verbringen die nächsten zwei Nächte auf dieser Exclusive Campsite. Exclusive bedeutet hier: keine Facilities, dafür aber Wildnis pur.
Zu Chilojo Cliffs als Campsite gab es vor unserer Reise fast keine aktuellen Informationen oder Fotos. Ursprünglich gab es zwei Campsites in Chilojo, diese wurden aber wegen der Windverhältnisse geschlossen und sind nun nur noch Picnic Sites. Statt 2 Chilojo Sites gibt es jetzt nur noch eine, die etwas weiter weg ist und eine andere Sicht auf die Cliffs hat. Wir wussten also nicht, was uns erwartet, können diese Campsite aber sehr empfehlen.
Unterwegs zieht das Wetter immer weiter zu, dunkle Wolken bilden sich am Horizont. Wir fahren ein Stück auf der Hauptstraße, wo wir Bateleuren und Löwen begegnen. Nach Verlassen der Hauptstraße auf den Sililijo Loop gibt es wenige Sichtungen, und der Loop wird nach den ersten 5km auch sehr holprig. Aus der Ferne erhaschen wir unseren ersten Blick auf die Cliffs - trotz des schlechten Wetters strahlen sie rot. Insgesamt fällt uns auf, wie scheu die Tiere in diesem Park sind, was sicherlich auch daran liegt, dass es hier keine großen Besuchermassen gibt. Insgesamt begegnen uns unterwegs 2 Fahrzeuge.
Auf der Campsite angekommen beschließen wir, den Rest des Tages im Camp zu verbringen und die Aussicht zu genießen.
Teil 602. Apr. 2026
Unseren Morning Drive am nächsten Tag halten wir kürzer als gedacht. Gonarezhou heißt nicht ohne Grund Place of Elephants - sie sind einfach überall, und nicht immer gut drauf, wenn ein Fahrzeug vorbeikommt. Wir cruisen ein bisschen in Richtung Bopomela Causeway, als wir dort aber nicht weiterkommen, kehren wir zurück zu unserer Campsite und machen erstmal Frühstück.
Es ist immer noch bewölkt, aber zumindest regnet es nicht mehr. Die Temperaturen sind bisher deutlich angenehmer als befürchtet - eigentlich hatten wir uns auf große Hitze eingestellt, es ist immerhin Ende September. Nach dem chaotischen Start sind wir froh, dass wir einen langsamen Tag im Camp einlegen und erst am Nachmittag wieder zu einem Game Drive aufbrechen. Denken wir zumindest, bis langsam ein paar Besucher in unserem Camp eintrudeln.
Die Chilojo Campsite ist von viel Grün umgeben, und in der Mitte steht ein großer Baum mit kleinen gelben Blüten. Meine Botanikkenntnisse sind nicht ausreichend, um den Baum zu benennen, aber wir stellen schnell fest, dass die Elefanten große Fans dieser Blüten sind. Zunächst haben wir nur einen Besucher, der genüsslich die Blüten vom Boden nimmt, mit der Zeit kommen immer mehr Elefanten direkt aus dem Fluss in unsere Campsite und genießen einen Snack. Wir platzieren uns nah an unserem Fahrzeug und verbringen den ganzen Nachmittag mit diesen wunderschönen Tieren. Schon bald ist der ganze Boden der Campsite mit Swirls verziert, die die Elefanten beim Aufsammeln der Blüten mit ihren Rüsseln hinterlassen. Auch einige andere Besucher lassen sich blicken - wir verzichten heute ganz darauf, nochmal rauszufahren. Mein Herz ist prall gefüllt nach diesem wunderbaren Erlebnis.
Teil 702. Apr. 2026
Etappe 5 - Gonarezhou Hlaro Campsite
Nach 2 entspannten Nächten in Chilojo Cliffs ist es Zeit, weiterzuziehen. Wir planen einen weiteren Stopp auf der anderen Seite des Runde Rivers in Hlaro. Hlaro ist ebenfalls eine der Exclusive Campsites und liegt hinter dem bekannteren Director's Camp, in mindestens genauso guter Lage. Außer einer Longdrop Toilette und einem fantastischen Ausblick gibt es nichts. Mehr braucht es aber auch nicht. Die Campsite ist sehr groß, und man findet eigentlich zu jeder Tageszeit Schatten, muss aber ggf. umparken, um nicht in der prallen Sonne zu stehen. Das Wetter ist am Vorabend aufgeklart, und so können wir die letzten beiden Tage in Gona richtig genießen.
Bevor wir umziehen, machen wir einen Morning Drive und beschließen, die Hauptstraße in Richtung Chipinda Pools zu fahren. Unterwegs treffen wir ein einziges Fahrzeug, jedoch mit dem entscheidenden Tipp: Nashörner im Sililijo Loop, und ein paar Buffalos in Richtung Chipinda. Wir cruisen ein bisschen auf der Hauptstraße, finden die Buffalos aber nicht und biegen dann auf den Sililijo Loop ab. Wir glauben eigentlich nicht so recht daran, die Nashörner tatsächlich zu finden. In Gona gibt es seit relativ kurzem wieder Black und White Rhinos, aber sie sind - wie die meisten Tiere hier - sehr scheu. Umso mehr freuen wir uns, dass wir unterwegs einen Long Tusker sehen.
Und dann finden wir sie tatsächlich. Zwei Rhinos auf einer Lichtung. Obwohl wir noch ein ganzes Stück von ihnen entfernt sind, bemerken sie uns sofort und fangen an zu rennen. Wir sehen sie noch eine ganze Weile laufen, bis sie im Gebüsch verschwinden, aber ein ordentliches Foto ist in der Action nicht entstanden. Wir freuen uns riesig, die beiden gesehen zu haben, da wir auf dieser Reise nur an zwei Orten eine Chance auf Rhinos und somit auf die Big 5 haben.
Auf der Hlaro Campsite angekommen geben wir unseren Vormietern, einer großen Gruppe aus 5 oder mehr Fahrzeugen, Zeit, die Campsite zu räumen. Die Site ist so groß, dass tatsächlich alle gleichzeitig unterkommen, ohne dass man einander stört. Wir machen erstmal Frühstück und erkunden die Gegend.
Hlaro ist dahingehend eine fantastische Campsite, als dass man einen super Blick auf die Klippen hat, aber auch relativ nah am Flussbett ist und das Geschehen sehr gut beobachten kann.
Nachmittags beschließen wir, noch zum Cliffs Viewpoint hochzufahren - die Entfernungen im Park sind relativ groß, aber diesen Programmpunkt wollen wir unbedingt noch absolvieren. Der Ausblick von oben ist wunderbar, und man bekommt ein ganz anderes Gefühl für Größe, wenn man die Elefanten von oben durchs Flussbett ziehen sieht. Landschaftlich ist dieser Park einfach unbeschreiblich - so vielseitig und einfach wunderschön.
Wir kehren im Abendlicht zurück zur Campsite, und während Martin noch das Auto parkt, springe ich raus und laufe zum Fluss. Gerade in dem Moment unserer Ankunft kreuzt eine riesige Herde Büffel den Runde. Was für ein Timing!
Wir genießen beim Abendessen den Anblick bis zum letzten Moment.
Teil 807. Apr. 2026
Etappe 6 - Unterwegs in Richtung Great Zimbabwe
Unser letzter Morgen in Gonarezhou bricht kurz vor Sonnenaufgang an. Aufwachen im Afrika-Urlaub ist immer ein kleines Mysterium für mich. Man kennt mich nicht als early bird, aber in Afrika hat das frühe Aufwachen eine Leichtigkeit und Natürlichkeit, die ich von zuhause nicht kenne. Nahezu jeden Morgen wachen wir vor Sonnenaufgang ganz von alleine auf, und unser Tagesablauf folgt auch sonst sehr stark der Sonne. Dadurch gehen wir natürlich auch viel früher schlafen, wenn wenn es erstmal dunkel ist, gibt es ja nicht mehr viel zu tun.
An diesem Morgen bin ich aufgeregt und wehmütig zu gleich. Der wunderbare Sonnenaufgang gibt mir einen Energie-Schub, gleichzeitig bin ich traurig, dass wir Gonarezhou heute wieder verlassen. Gerne hätten wir hier mehr Zeit verbracht, vor allem, weil es noch so viel zu entdecken gibt. Mit einem Blick auf unsere Route überlege ich kurz, ob wir eine Nacht dranhängen und irgendwoanders einsparen können. Da wir aber nicht wissen, welche Campsites heute verfügbar sind, und außerdem keine Ahnung haben, welche Straßenverhältnisse uns auf unserer Strecke tatsächlich erwarten, beschließen wir, unserem Plan zu folgen und weiterzuziehen. Da ich mich nicht von diesem Park losreißen kann, kehren wir nach einem kurzen Morning Drive nochmal ins Camp zurück und frühstücken ein bisschen länger als gewöhnlich. Dann ist es aber tatsächlich an der Zeit, aufzubrechen.
Heute steht die Fahrt in Richtung Great Zimbabwe auf dem Plan. Gail von der Zvakanaka Farm und ihr Mann hatten uns am Anfang unserer Reise eine landschaftlich schöne Route empfohlen. Da wir es nicht eilig haben, folgen wir der Empfehlung. In Chiredzi tanken wir nochmal auf. Weil wir wenig Lust haben, mit unserem Kompressor zu hantieren, überlassen wir den Reifendruck den Experten gegenüber der Tankstelle. Der Dollar dafür ist gut investiert, und so machen wir erst am letzten Tag in Zimbabwe Bekanntschaft mit unserem Kompressor.
Wir entscheiden uns - auf Basis von neueren Reviews - für eine Campsite im Clever's Lakeview Resort and Conferencing Center. Leider können wir die Campsite nicht empfehlen. Wir hatten sicher situatives Pech, aber auch abgesehen davon merkt man, dass das Resort das Konzept von Camping nicht wirklich versteht. Die Anlage des Resorts ansich ist sehr schön, mit einem tollen Seeblick und schönen Gartenanlagen, aber an den Camping-Plätzen merkt man, dass sie eigentlich nicht verstehen, wie Camping funktioniert.
Wir sind die einzigen Camper, aber die Stellplätze sind sehr eng konzipiert und nicht unbedingt für Camper mit Dachzelt geeignet. Die Braai facilities und Feuerstellen sind größtenteils kaputt. Immerhin sind die Ablutions ordentlich - hier gibt es nichts zu bemängeln.
Der Hauptgrund, warum wir das Resort nicht als Campsite empfehlen können, wird aber schon vom Namen der Unterkunft angedeutet "Resort and Conferencing Center". Das Conferencing Center liegt unmittelbar neben der Campsite, und wie der Zufall es wollte, findet am nächsten Tag tatsächlich eine Konferenz statt und die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Das ist ansich okay, wenn aber Kleinlaster und Autos direkt an der Campsite vorbeifahren, um Stühle anzuliefern und der Soundcheck lautstark durchgeführt wird, finden wir das nicht angemessen. Als nach 22 Uhr noch immer Stühle hin und her gekarrt werden, spreche ich mit dem Manager on Duty und bitte darum, dass die schweren Fahrzeuge nicht direkt vor unserem Fahrzeug passieren. Er verspricht, dass keine Fahrzeuge mehr durchfahren werden, aber erst nach der 3. Beschwerde ist kurz vor Mitternacht dann wirklich Ruhe.
Auch sonst ist unser Abend irgendwie verkorkst. Wir vertrödeln irgendwie den Nachmittag und beschließen, heute mal auf Gas zu kochen und kein Feuer zu machen. Nachdem wir alles vorbereitet haben, stellen wir jedoch fest, dass kein Gas aus der Gasflasche kommt. Komisch, wir hatten ihn nur einige wenige Male zum Wasserkochen benutzt, und er kann eigentlich unmöglich schon leer sein. Wir greifen zur zweiten Flasche, welche jedoch ungewöhnlich leicht ist. Auch hier kommt kein Gas heraus. Also überlegen wir, welche Alternativen wir haben. Im Restaurant essen? Blöd, weil die Zutaten ja schon kleingeschnitten sind. Feuer machen? Dauert zu lange. Wir erfahren an der Rezeption, dass es in der Nähe eine neue Tankstelle gibt, und obwohl wir ungern im Dunkeln loswollen, machen wir uns auf den Weg und lassen die Flaschen auffüllen. Zurück im Camp: kein Gas. Letztlich stellen wir fest, dass der Kocher-Aufsatz wohl kaputt ist. An unseren Kochfeldern, die wir aus Faulheit heute nicht nutzen wollten, funktioniert alles problemlos.
Ziemlich genervt vom Verlauf des Abends lassen wir uns noch vom Conferencing Center ärgern und gehen dann endlich ins Bett.
Am nächsten Morgen sind wir froh, diese Campsite zu verlassen - denn obwohl wir wirklich früh aufstehen, geht der ganze Conferencing-Trubel direkt wieder weiter. Natürlich findet nicht immer eine Konferenz statt, und so kann die Erfahrung natürlich viel positiver ausfallen - aber die Kombination aus Conferencing und Camping funktioniert einfach nicht, und wir hätten zumindest erwartet, dass sie uns vor dem Check-in vorwarnen, da wir dann sicherlich eine andere Option bevorzugt hätten.
Teil 908. Apr. 2026
Unsere Erfahrung bei Clever's war als Camper nicht die Beste. Ob man vor 6 Uhr morgens schon die Campsite fegen muss, sei dahingestellt, wir sind aber dennoch erleichert, als wir morgens zusammenpacken.
Was war passiert?
Wir erinnern uns, dass bei der Übernahme unseres Autos nicht alles reibungslos lief: das Auto war nicht vollgetankt, uns wurden einige Dinge nicht oder falsch erklärt, und dann war da ja noch der Kühlschrank, der wer weiß wie lange schon viel zu niedrig eingestellt war. Ich frage bei der Übergabe sogar noch, warum das Display des Kühlschranks eine rot blinkende Batterie anzeigt, das sei aber normal und würde sich erübrigen, wenn sich die Batterie beim Fahren auflädt.
Nun war es so, dass wir schon eine Woche ohne Standstrom unterwegs waren - zunächst hatten wir uns nichts dabei gedacht. Wir sind viel gefahren und haben darauf gesetzt, dass sich die Batterie durchs Fahren und/oder Solar auflädt. Das war leider nicht so, und wir bemerkten es erst in Gonarezhou, wo es keinen Strom, keinen Handyempfang, und an einigen Tagen auch wenig Sonne gab. Die Batterie war zu diesem Zeitpunkt schon so geschwächt, dass der Kompressor zum Kühlen zwar ansprang, dann aber nicht genug Energiezufuhr bekam und direkt wieder ausging. Das Ergebnis: der Kühlschrank kühlt nicht.
Nun muss man wissen, dass wir eine schwierige Beziehung zu Camping-Kühlschränken haben. Bei unserer ersten Reise mit Camper in Namibia war unser Kühlschrank einfach kaputt. Zwar konnte der Kühlschrank nach ein paar Tagen getauscht werden, das traurige Bild der geschmolzenen Butter ist aber nicht vergessen. Bei unserem Fahrzeug für die Botswana-Reise war der Kühlschrank auf der Rückbank montiert - praktisch, um dranzukommen. Nicht so praktisch, wenn die Sonne durchs Fenster knallt und der Kühlschrank überfordert ist. Kühlschranksorgen gehören also zum Programm. Auch diesmal macht mich der Kühlschrank fast wahnsinnig. Wie gebannt bleibe ich am Kühlschrank stehen, sobald der Kompressor anspringt und beobachte das Trauerspiel der roten Batterie-Anzeige.
Wir haben von Autos und Elektronik wirklich keine Ahnung und lassen uns von Gemini und ChatGPT mal erklären, was das Problem mit der Batterie sein könnte. Dabei stellen wir fest, dass uns das Elektro-Panel im Auto ziemlich falsch erklärt worden ist. Bei der Übergabe fragen wir explizit, was wofür ist, und bei "Solar" bekommen wir die etwas fragwürdige Antwort, dass dieser Knopf für die Warmwasser-Aufbereitung über Solarstrom sei. Das kommt uns komisch vor, weil wir ja gar keine Dusche haben, aber ahnungslos wie wir sind, verlassen wir uns auf den "Experten". Tja, das war einfach falsch. Ohne den Solar-Button funktoniert nämlich die ganze Geschichte mit dem Solarstrom überhaupt nicht. Gut, dass wir das mal rausgefunden haben.
Zum Glück wirkt die Nacht am Standstrom wunder - die Batterie schafft es, sich zu erholen. Ich werde in den nächsten Tagen dennoch immer einen Moment länger am Kühlschrank verbleiben, wenn der Kompressor anspringt, bis das Vertrauen wiederhergestellt ist.
Bushlore empfiehlt uns, die Batterie dennoch auszutauschen, da wir aber weiterziehen wollen, haben wir darauf nicht so viel Lust und setzen darauf, dass die Batterie es für den Rest der Reise schafft.
Guter Dinge und gespannt auf Great Zimbabwe verlassen wir die Campsite.
Teil 1008. Apr. 2026
Great Zimbabwe
Wir sind früh dran, als wir gegen 8 Uhr auf dem Park Platz von Great Zimbabwe ankommen. Wir zahlen den Eintritt und entscheiden uns für eine geführte Tour. Am Eingang treffen wir unseren Guide, der uns kurz erklärt, was uns die nächsten anderthalb bis zwei Stunden erwarten wird. Er weiß noch nicht, dass die 2 Stunden sehr optimistisch angesetzt waren.
Wir starten mit dem Hill Complex und entscheiden uns für die leichte, neue Route auf dem Weg nach oben. Danach geht es über die Upper Valley Enclosure zum architektonischen Höhepunkt, der Great Enclosure.
Es ist wenig los und wir treffen nur auf eine Hand voll anderer Touristen. Schon beim Aufstieg zum Hill Complex weiß ich: das ist genau mein Ding. Tatsächlich möchte ich jede Abzweigung erkunden, und eigentlich auch jeden Stein anschauen. Martin weiß jetzt schon, was kommt. Seit wir gemeinsam Pompeii besucht haben, hat er gelernt, die Situation besser einzuschätzen: während er dachte, dass wir ein paar Stunden durch die Ruinen schlendern, war natürlich klar, dass wir den ganzen Tag dort verbringen und die letzten sein werden, die den Komplex bei Torschluss verlassen. Unser Guide bekommt nun auch ein Gefühl dafür, dass es eventuell ein bisschen länger dauern könnte.
Der Hill Complex gefällt mir besonders gut - man hat einen tollen Ausblick, und man kann hinter jeder Ecke etwas entdecken. Den ein oder anderen Klippschliefer zum Beispiel.
Nach einiger Zeit verlassen wir den Hügel und arbeiten uns zu den neueren Bauten der Anlage vor - spannend ist, dass man den Fortschritt in der Technik wirklich gut erkennen kann. Unser Guide fragt uns unterwegs immer wieder ab, sodass wir stets gut aufpassen, um die Fragen beantworten zu können.
Zum "Abschluss" besichtigen wir die Great Enclosure, die mit ihrer Außenmauer sehr beeindruckend ist. Inzwischen sind schon deutlich mehr als 2 Stunden vergangen, ich möchte aber trotzdem noch ins Lower Valley, sodass wir noch einen Schlenker machen. Als unser Guide schon Anrufe vom Eingang bekommt, wo er denn bliebe, beschließen wir, dass Martin und der Guide schonmal langsam zurück zum Ausgang gehen, während ich nochmal eine Runde um die Great Enclore drehe. Ich kann mich nur schwer losreißen, aber nach knapp 4 Stunden Tour wird es doch Zeit, aufzubrechen.
Unser Guide verabschiedet uns mit einem schönen Zitat: the eagerness of the hearer quickens the tongue of the speaker.
Korrekt ist es wohl "the eagerness of a listener quickens the tongue of a narrator", aber die Bedeutung ist gefällt mir sehr. Auch unser Guide hat gemerkt, wie sehr wir uns für Great Zimbabwe interessieren, und obwohl er etwas länger als geplant mit uns unterwegs war, hatte auch er hoffentlich eine gute Zeit.
Teil 1109. Apr. 2026
Etappe 7 - Von langen Fahrtagen und dem Glück des Ankommens
Es ist gegen 12 Uhr, als wir auf dem Parkplatz von Great Zimbabwe stehen und nicht so recht wissen, wie es genau weitergeht. In unserer ursprünglichen Planung haben wir diesen Tag als Puffer gesetzt, da wir keine Ahnung hatten, wie gut wir vorankommen, wie lange wir Great Zimbabwe besichtigen würden und ob wir danach überhaupt noch Lust haben, weiterzufahren. Das grobe Ziel ist, uns in Richtung Mana Pools vorzuarbeiten. Wir fühlen uns fit und beschließen, einfach mal loszufahren.
Vorab haben wir recherchiert, wo wir die Strecke tendenziell unterbrechen könnten, haben aber auch den kurz vor unserer Reise ziemlich frisch erschienen Zimbabwe Self-Drive Guide dabei. Das Buch hilft uns, auch ohne Internet Routen- und Unterkunftsoptionen zu recherchieren. Heute erweist es sich als besonders nützlich.
Wir wählen die Route über Gweru und Kadoma in Richtung Chinhoyi, da wir Harare gerne umfahren wollen. Die Fahrt ist in erster Linie lang, und nicht besonders ereignisvoll. Mal wieder lernen wir, dass man nie so schnell vorankommt, wie man denkt. In Simbabwe gibt es sehr viel LKW Verkehr - mit sehr langsamen LKW. Hat man so einen auf einer schmalen Straße erstmal vor sich, verliert man spürbar Zeit, und oft ist es wirklich zäh. In den größeren Orten staut es sich ab und zu an der Ortseinfahrt und -Ausfahrt.
Wir passieren auch einige Police Blocks, die aber nie ein Problem sind. Auf der gesamten Reise müssen wir nur zwei Mal unsere Papiere inkl. eTIP vorzeigen. Die restlichen Male werden wir entweder direkt durchgewunken, oder unterhalten uns kurz mit den Polizisten. Viele interessieren sich für unser Ziel und wo wir schon waren, und scheinen sich über Touristen zu freuen.
Ein ganz anderes Bild als in Südafrika. Wir wundern uns noch immer über die Episode am ersten Fahrtag, als wir relativ plötzlich von einem Polizisten angehalten werden. Er springt quasi auf die Straße und winkt uns an den Straßenrand. Angeblich hätten wir die zulässige Geschwindigkeit überschritten. Wir wundern uns, da wir kein Schild mit einer neuen Begrenzung wahrgenommen haben, noch komischer kommt uns aber die Argumentation des Polizisten vor. Da sei ja ein Stadion, und daher wäre die Geschwindigkeit hier begrenzt. Tatsächlich sehen wir in der Ferne das Stadion, was das aber mit dem Tempolimit zu tun hat, erschließt sich uns nicht. Der Polizist legt nach: ja, es gibt ja auch noch eine Schule, daher nur 80. Er nennt uns irgendeinen Betrag in Rand, der uns im Licht der gesamten Situation absurd vorkommt. Wir sehen keine Schule, kein Tempolimit und auch sonst keinen Grund, uns darauf einzulassen. Trotz so viel Kreativität merkt auch er, dass wir nicht zueinander finden. "So you have nothing for me today?" Wir bestätigen und ziehen weiter.
Zum Glück ist uns soetwas in Simbabwe nicht mal annähernd untergekommen. Überhaupt sind die Menschen sehr freundlich. Im Freundlichkeitsranking für das südliche Afrika würden wir Simbabwe glatt auf die 1 setzen.
Wir fahren immer weiter, und gedanklich setzen wir uns Chegutu als potentiellen Zwischenstopp, denn dort habe ich eine Campsite markiert, die in Frage kommt. Als wir nach Chegutu einfahren sind wir jedoch zwiegespalten. Eigentlich ist es noch zu früh, um uns schon niederzulassen, vor allem, wenn es ja nichts sonderlich interessantes gibt. Andererseits ist die nächste mögliche Station Chinhoyi, und das ist noch ein Stück.
Wir beschließen, bis Chinhoyi weiterzufahren, um für den nächsten Tag einen besseren Ausgangspunkt zu haben. Laut Navi mit Tracks4Africa Karte sollten wir noch bei Tageslicht ankommen. Das Navi weiß bloß leider nicht, wie oft man hinter einem LKW rumgurkt. Da wir jetzt ein Ziel haben, mache ich mich daran, eine Campsite zu finden. Ich kontaktiere Chinhoyi Caves über whatsapp, wider Erwarten sind sie aber ausgebucht. In unserem Self-Drive Guide finde ich Romsey Farm als Alternative. Die Beschreibung klingt gut, ich schreibe die beiden Nummern auf Whatsapp an. Hier macht sich bezahlt, dass der Guide noch so neu ist - die Telefonnummern stimmen. Doug, der Besitzer, antwortet uns schnell, dass wir gerne kommen können und schickt eine detaillierte Wegbeschreibung mit. Wir sind froh, dass wir eine Campsite haben, auch wenn Romsey Farm noch ein Stück hinter Chinhoyi liegt.
Die Dämmerung setzt ein, als wir Lion's Den passieren - hier ist es irgendwie wuselig, und wir kommen mit der Wegbeschreibung irgendwie durcheinander und biegen falsch ab. Fälschlicherweise verlassen wir uns auf das Navi - spätestens, als wir auf irgendwelchen Feldwegen landen, kommt uns die Routenführung verdächtig vor. Inzwischen wird es dunkel, und wir zweifeln, ob uns der Feldweg zum Ziel führen wird. Auf Umkehren haben wir wenig Bock, befürchten aber, dass es darauf hinauslaufen wird. Dann sehen wir ein Licht und hoffen, dass es die Campsite ist, und diese auch von unserem Feldweg erreichbar ist.
Wir sind wirklich froh, als wir es dann tatsächlich geschafft haben! Crispin, der Campsite Attendant, erwartet uns schon. Er hat Feuer gemacht, Wasser aufgesetzt und auch sonst alles vorbereitet. Kurz nach unserer Ankunft kommt auch Doug auf seinem Motorrad angefahren - er hatte eigentlich an der Einfahrt zur Farm auf uns gewartet, hat dann aber Scheinwerferlicht in der Ferne gesehen und schon vermutet, dass wir uns verfahren haben. Er begrüßt uns herzlich, und wir quatschen noch ein bisschen.
Wir sind von dem Tag und der langen Fahrt ziemlich erschöpft. Da Crispin das Feuer schon in Gang gebracht hat, machen wir ein schnelles Abendessen. Food Prep scheitert bei uns normalerweise (auch im Alltag) an mangelnder Planung, aber zum Glück hatte ich am Tag zuvor Paneer eingelegt. Wir schmeißen die Paprika-Paneer-Spieße, ein Knoblauch-Baguette und eine Bratwurst auf den Grill und freuen uns über eine richtige Mahlzeit. Wir hatten tatsächlich keine Mittagspause und haben während der Fahrt nur Snacks gegessen. Insgesamt war die Tour wohl ein bisschen zu ambitioniert, aber wir haben es geschafft.
Am nächsten Morgen lassen wir es langsam angehen - immerhin haben wir eine größere Strecke als gedacht zurückgelegt und sind nicht in Eile. Wir frühstücken in Ruhe und beobachten die Vögel auf der Campsite. Die Ruhe am Morgen gibt uns neue Energie, und wir sind wirklich froh, dieses Kleinod entdeckt zu haben.
Die Campsite ist super ausgestattet, es gibt richtiges Geschirr und Besteck, einen mit Gas betriebenen Eisschrank mit Eis, und einem wirklich herzlichen Service! Romsey Farm bekommt von uns eine absolute Empfehlung! Crispin kümmert sich wirklich um alles. Morgens geht schon wieder ein kleines Feuer, heißes Wasser ist aufgesetzt, und dann putzt er auch noch unser Auto 🙄
Doug kommt beim Frühstück auch nochmal vorbei, und wir unterhalten uns länger über die Farm. Wir zeigen ihm den Zimbabwe Guide mit seinem Eintrag, den er noch gar nicht kannte. Es ist ein schöner Moment, weil er sich aufrichtig freut, gelistet zu sein und dass wir seine Campsite darüber gefunden haben. Als wir zum Abschied - diesmal auf dem richtigen Weg - noch am Eingang zur Farm vorbeifahren, leiht er sich das Buch sogar noch kurz aus, um es seinen Kollegen zu zeigen.
Teil 1210. Apr. 2026
Etappe 8 - Endlich Mana Pools
Nach dem entspannten Morgen auf Doug's Campsite fühlen wir uns wieder ziemlich erholt. Durch die lange Etappe am Vortag haben wir einen Tag gewonnen und werden früher in Mana Pools ankommen. Zuvor legen wir noch einen Stopp bei Lion's Den an, um unsere Vorräte aufzufrischen und Saucey Sue's bekannte Rolls zu probieren. Was direkt auffällt, ist wie viel touristischer es hier schon zugeht - wir sehen deutlich mehr andere Touristen und auch die ersten Camper-Mietfahrzeuge, aber im Vergleich zu Namibia oder Botwana sind dennoch wirklich wenige Touristen unterwegs.
Und dann sind wir unterwegs nach Mana Pools. Wir sind super gespannt, und die Erwartungen sind natürlich hoch - schließlich ist das neben VicFalls DIE Tourist Destination des Landes, und für uns der Hauptimpuls, diese Reise zu machen.
Wir haben vorab Schlimmes über den Straßenzustand zwischen Karoi und Mana Pools gehört, finden die Fahrt aber ziemlich okay - da hatten wir anderswo schon schlimmere Straßen. Wir kommen gut durch, registrieren uns im Marongora Parks Office und steuern dann den Nationalpark an. Am ersten Gate bittet uns der Ranger, eine Tüte Toastbrot für die "Polizei" mit nach Nyampei zu nehmen. Wir packen das Brot ein und wundern uns. Bei der Ausfahrt aus dem Park lassen wir die Aktion Revue passieren und können uns noch immer keinen Reim darauf machen. 🤪
Als erstes machen wir uns bei der Rezeption vorstellig. Wir haben (unnötigerweise) unsere Campsites vorgebucht, da wir aber einen Tag früher dran sind, brauchen wir eine zusätzliche Nacht.
Nyamepi ist das Hauptcamp in Mana Pools, hier gibt es Waterfront Campsites und normale Campsites, die Waterfront Sites sind etwas teurer, natürlich ist die Lage aber viel besser. Nicht alle Stellplätze sind gleich gut, einige verfügen über kaum Schatten. Wir hatten uns vorab die #21, eine der hinteren Sites ausgesucht, und für später die #27 (nicht empfehlenswert). Die Vorabbuchung ist für Nyamepi außerhalb des Annual Game Counts nicht notwendig, und wir würden das auch nicht wieder buchen. An der Rezeption bekommen wir auf Nachfrage eine Walk-In Rate und dürfen uns einfach eine Campsite aussuchen, die uns gefällt. Camping in Mana Pools ist sehr teuer, da die Preise auf Basis von 6 Personen berechnet werden, für 2 schlägt das natürlich sehr ins Gewicht. Mit Walk-Ins kann man zumindest ein bisschen sparen.
Die Bezahlung ist ein kleiner Akt - wir haben Bargeld (USD in kleinen Scheinen) angeschleppt, weil auf dem Buchungsformular von Mana Pools als Zahlungsmittel nur Bank Transfer (zu teuer) oder EcoNet (hab ich nicht) aufgeführt waren. Vor Ort fragt uns der Ranger, ob wir nicht lieber mit Kreditkarte zahlen wollen, aber irgendwo muss das Bargeld ja hin, und so müssen wir eben ein paar Scheine zählen.
Auf dem Weg begegnen uns die ersten Tiere, und ich bin aufgeregt. Wir fahren die Campsite an, suchen uns einen Platz aus, und warum auch immer will Martin dann unbedingt erst Feuerholz, Stühle, Tisch, etc. rausholen und aufbauen, während ich im Nachmittagslicht eigentlich direkt los will, um die Gegend zu erkunden. Wir kommen nicht auf einen Nenner, und ich bin ganz schön sauer, weil wir die beste Zeit des Tages verpassen. Als wir dann endlich losfahren, wissen wir eigentlich nicht so recht wohin und irren ein bisschen umher. Zu allem Überfluss haben wir hinten die Tür unseres Campers nicht richtig geschlossen und fahren ein Stück mit offener Tür. Verloren haben wir wohl nichts, jedenfalls vermissen wir bis heute nichts, aber alles ist natürlich total verstaubt. Ich reibe Martin unter die Nase, dass das wohl nicht passiert wäre, wenn wir einfach direkt losgefahren wären. Ein irgendwie unnötig blöder Start.
Wir, also eher ich, reißen uns zusammen, und finden dann doch noch Freude an den Sichtungen, auch wenn die Zeit wirklich schnell vorbeigeht und wir uns dann wieder im Camp einfinden.
Mana Pools hat irgendwie ein sehr spezielles Flair. Das Licht ist besonders, die großen Bäume bieten eine tolle Kulisse, und überhaupt ist alles so mehrschichtig. Irgendetwas passiert im Vordergrund, während im Hintergrund etwas ganz anderes los ist. Es ist gar nicht so einfach, das zu beschreiben, oder auf Bildern einzufangen, aber die nächsten Beiträge werden dennoch sehr fotolastig. 😄
Teil 1310. Apr. 2026
Mana Pools - Meet Boswell
Am nächsten Morgen sind wir wie immer früh wach und machen uns auf den Weg auf den Morning Drive. In Mana Pools scheint jedes Tier besonders fotogen zu sein. Wir erfahren, dass in Richtung von Mana Mouth Löwen gesichtet wurden, finden sie aber nicht. Nach dem Morning Drive steuern wir die Rezeption an und quatschen mit dem Ranger. Er erzählt uns, wie wir die berühmten Elefanten Fred Astaire (hängt gerne an der Rezeption ab) und Boswell (Long Tusker mit einer Entourage) erkennen können. Wir sprechen noch über die besten Campsites, und er schlägt uns vor, dass wir uns Mucheni 2 anschauen können, diese Exclusive Site sei heute noch frei, falls wir gegen Nyamepi upgraden möchten. In den nächsten Tagen werden wir noch öfter mit dem Ranger quatschen - er macht wirklich einen super Job, einige seiner Kollegen sind leider deutlich weniger kompetent.
Wir kehren zum Frühstück und Duschen zurück ins Nyamepi Camp - bei dem Ablutionsblock für Damen bin ich positiv überrascht. Die erste Dusche hat einen Duschvorhang mit Monstera-Muster und einen schönen cobble stone Boden, das hat schon fast Spa-Character 😄 Martin kann das nicht so recht glauben, denn die Männerduschen sind wohl ziemlich rough.
Wir beschließen, uns Mucheni 2 tatsächlich anzusehen und verbringen den ganzen Nachmittag dort. Wir klappen die Zelte auf, ruhen uns aus und lesen ein bisschen. Mucheni 1 ist nur für Tour Operator Gruppen, und Mucheni 3 ist eine der besten Sites in Mana Pools, die jedoch schon besetzt war. Etwas später werden wir auch erfahren von wem.
Nach ein paar Stunden nähert sich ein anderes Fahrzeug. Simon (@brousinafrica) ist mit seinem Landrover unterwegs und hat Eugenie mit dabei. Wir werden den beiden noch häufig über den Weg laufen. Sie sind auf der Suche nach jemandem, der sich eine Campsite mit ihnen teilt. Das ist in Mana Pools offiziell erlaubt, und wohl auch ziemlich gängig und natürlich kostenmäßig attraktiv. Leider haben wir Mucheni ja selbst nicht gemietet, wir verbleiben aber so, dass wir uns nachher in Nyamepi wiedertreffen können. Dann gibts noch eine Roomtour unserer jeweiligen Fahrzeuge, und die beiden machen sich wieder auf den Weg.
Als wir wieder alleine sind, werde ich auf eine Gruppe Elefanten im Fluss aufmerksam. Einer davon ist ein Long Tusker mit Sender, und ich erinnere mich, dass der Ranger erklärt hat, dass Boswell oft eine Gruppe junger Bullen um sich hat, die sich freuen, wenn er leckere Snacks von den Bäumen pflückt und sie auch etwas abbekommen. Es ist natürlich ein Long Shot, aber ich beobachte den Elefanten in der Ferne und verfolge seine Route.
Dann kommt er tatsächlich kurz hinter unserer Campsite aus dem Wasser und zieht in Richtung Mucheni 1. Ich beschließe, ihm zu folgen, weil ich irgendwie im Gefühl habe, dass das der berühmteste Elefant Mana Pools sein könnte. Mein Gefühl basiert natürlich viel mehr auf Hoffnung als auf Ahnung.
Dann passiert alles ganz plötzlich. Er richtet sich auf, steht auf zwei Beinen und rupft Äste vom Baum. Ich kreische vor Überraschung oder Verzückung. Dann renne ich ein Stück Richtung Camper und rufe Martin zu, dass er schnell kommen soll. Mit Kamera natürlich. Und dann haben wir wieder Glück - mindestens 5 Mal stellt sich Boswell immer wieder auf seine Hinterbeine und liefert eine Show für uns. Was für eine Sichtung, und das am ersten richtigen Tag!
Später erfahren wir zurück in Nyamepi, dass Simon und Eugenie bei einer Familie aus Zimbabwe untergekommen sind, und dass rund um Mucheni wohl den ganzen Tag Löwen rumlagen, wahrscheinlich direkt vor unserer Nase.
In diesem Beitrag hier ein kleiner Teaser. Boswell bekommt aber seine eigene Fotostrecke im nächsten Beitrag.
Teil 1410. Apr. 2026
Boswell 🤩 wenn man ganz schnell durch die Bilder flippt, kann man sich den Bewegungsablauf fast vorstellen.
Teil 1510. Apr. 2026
Eindrücke aus dem Afternoon Drive
Wir fahren wieder in Richtung Mana Mouth und treffen Elefanten, Büffel, Hyänen und Carmine Bee Eater, sowie jede Menge Elands. In keinem anderen Park haben wir bisher so große Eland Herden gesehen, wenn überhaupt, sind sie uns sonst nur vereinzelt begegnet.
Teil 1612. Apr. 2026
Mana Pools - Old BBC Campsite
Nach einem ruhigen Abend auf Nyamepi #21 werden wir heute zur Old BBC Exclusive Campsite weiterziehen.
Wir hatten ursprünglich, weil Old BBC zunächst nicht verfügbar war, New BBC gebucht. Die wenigen Informationen, die es zu den Camps online gibt, deuteten jedoch darauf hin, dass Old BBC die bessere der beiden sei. Sie wurde tatsächlich frei, über Whatsapp konnte ich bei einer wirklich hilfsbereiten Mitarbeiterin dann noch umbuchen - statt der eigentlich anfallenden Umbuchungsgebühr haben wir sogar noch einen Rabatt bekommen.
Zunächst unternehmen wir einen Morning Drive, der relativ ereignislos ist und kehren nochmal zum Nyamepi zurück. Unterwegs machen wir wie immer einen Stopp an der Rezeption, um uns nach den neuesten Ereignissen zu erkundigen. Anscheinend haben alle außer uns die mating lions bei Mucheni gesehen - die Chancen stehen aber gut, sie noch zu finden, da sich paarende Löwen sich wohl nur in einem kleinen Radius bewegen.
Auf der Rückfahrt zum Camp frühstückt ein Elefant genüsslich, und wir beschließen, dasselbe zu tun. Der Elefant könnte Fred Astaire sein, wir wissen es aber nicht sicher.
Während wir uns fertig machen, kommen Neuankömmlinge vorbei. Ein deutsches Paar sucht nach anderen Reisenden, die sich eine Campsite teilen wollen. Wir werden uns, wie fast alle, mit denen man Bekanntschaft schließt, noch oft wiedertreffen.
Nach dem Frühstück brechen wir nochmal auf einen Drive auf. Wir treffen unterwegs auf Simon und Eugenie, die von jemandem Koordinaten des Aufenthaltsortes der Löwen von heute Morgen bekommen haben. Die beiden selbst wollen nur noch einen Lunch-Stopp machen, bevor sie weiterziehen. Wir bieten ihnen unsere Old BBC Campsite an, und fahren nochmal los, um die Löwen zu finden. Als wir am Ziel ankommen, finden wir keine Löwen und sind ein bisschen frustriert, dass wir sie einfach nicht finden. Wir geben auf und brechen in Richtung Campsite auf.
Nun ist es so, dass die Beschilderung so la la ist und die Campsites bei Tracks4Africa komplett falsch eingezeichnet sind. Wir irren umher und finden die Campsite einfach nicht. Auf einem nicht sehr offiziell wirkenden Weg kommen wir irgendwie wieder bei der Rezeption raus, und der Ranger lacht. Es sei doch ganz einfach, Old BBC zu finden. Er schickt uns auf den richtigen Weg, und diesmal schaffen wir es tatsächlich. Simon und Eugenie nutzen maps.me und haben die Campsite besser gefunden als wir. Wir quatschen noch eine Weile, und sie empfehlen uns, morgens Long Pool aufzusuchen, da gäbe es ziemlich viel Action. Dann ist es Zeit, uns zu verabschieden.
Old BBC ist eine tolle Campsite. Es gibt eine Longdrop Toilette, ansonsten natürlich nichts, außer einen tollen Ausblick. Sie ist sicher eine der ruhigeren Campsites, gerade im Direktvergleich mit Mucheni, wo die Campsites näher beieinander liegen und auch öfter mal andere Fahrzeuge vorbeikommen.
Wir beschließen, uns heute nicht mehr von der Suche nach den Löwen treiben zu lassen. Heute wollen wir den Abend in der Nähe von Chikasiko Pools und dem für Mana Pools so typischen Wald verbringen. Diese Entscheidung erweist sich als im wahrsten Sinne goldrichtig.
Wir cruisen ein bisschen in der Gegend, als wir hören, dass Boswell und seine Entourage bei Chikasiko unterwegs sind. Der Tipp kommt von einem Fahrzeug, das wir noch nicht kennen (nach ein paar Tagen in Mana Pools kennt man eigentlich alle), der Fahrer kommt uns aber irgendwie bekannt vor. Es ist Francois (@forever.africa.travel), den wir aus Videos vom Safari Expert kennen. Sie sind die Mieter von Mucheni 3 und bestätigen, dass es eine der besten Campsites ist.
Im Wald vor Chikasiko versammeln wir uns alle auf dem "Parkplatz". Und tatsächlich, Boswell zieht durch den Wald, zeigt aber keine Tricks. Der Anblick der Elefanten im Wald ist dennoch wunderschön. Während die Elefanten im Wald die meisten Blicke auf sich ziehen, spielt sich neben uns eine zauberhafte Szene ab. Die Abendsonne taucht den Wald in ein unwirkliches, goldenes Licht. Ein paar Waterbucks ziehen vorbei und die Kulisse wirkt wie im Märchen.
Als das Licht schwindet, wird es Zeit, zur Campsite zurückzukehren. Wir beobachten noch den Sonnenuntergang und lassen den Abend ausklingen. Unser Toastbrot ist leider verschimmelt, ich backe also über dem Feuer noch für das Frühstück am nächsten Morgen.
Teil 1712. Apr. 2026
Mana Pools - Date Night
Am nächsten Morgen sind wir ein bisschen spät dran und kommen erst gegen 6:30 in Long Pool an. Es ist relativ ruhig, und wir nehmen uns vor, am nächsten Tag etwas früher herzukommen.
Den Tag gehen wir gemächlich an. Wir fahren ein paar neue Strecken ab und tauschen uns unterwegs mit anderen Reisenden/Suchenden aus. Eine der Hauptattraktionen in Mana Pools sind neben den Elefanten Wild Dogs - jedoch hat sie seit Tagen niemand gesehen, sie scheinen in die privaten Concessions gezogen zu sein.
Heute ist ein ruhiger Tag, wir verbringen viel Zeit im Camp, kümmern uns um Backups von unseren Fotos und loungen in unserem Camper, der für solche Tage einfach perfekt ist.
Nachmittags brechen wir zum Afternoon Drive auf und beschließen, nochmal die Gegend um Mucheni abzusuchen. Wir können einfach nicht glauben, dass die Löwen tagelang in der Gegend sind, und wir sie immer wieder verpassen. Zunächst scheinen wir wieder kein Glück zu haben. Aus einem Impuls heraus beschließen wir, uns nochmal die Stelle anzufahren, an der wir Boswell am ersten Tag gesehen hatten. Hier führt eine Sackgasse eigentlich nur noch zu Mucheni 1, aber wir schauen trotzdem mal vorbei. Und dann entdecken wir plötzlich eine Löwenmähne im Gebüsch. Ein paar Meter weiter liegt eine Löwin, es sind die mating lions, die hier seit Tagen gesichtet wurden. Es ist kompletter Zufall, dass wir sie finden. Von den Campsites sieht man sie nicht, und da hier keine richtige Straße entlangführt, kommt man normalerweise auch nicht einfach so vorbei. Wir sind lange das einzige Fahrzeug, bis wir ein anderes Fahrzeug herbeiwinken und sie auf die Löwen aufmerksam machen.
Die Löwen lassen sich bei ihrer Date Night nicht von uns stören. Für uns ist es das erste Mal, dass wir Löwen bei der Paarung sehen. Die Löwin steht auf und nähert sich dem Löwen an. Sie bestimmt genau, wann und wie lange es an der Zeit ist, und sobald der Akt verrichtet ist, lässt sich sich mit einer dramatisch anmutenden Art ins Gebüsch fallen.
Da der Löwe keine Aufmerksamkeit mehr von seiner Partnerin bekommt und die Date Night erstmal vorbei ist, bleibt ihm nichts anderes übrig, als den rest des Abends als der schönste Löwe von Mana Pools im Abendlicht zu posieren. Wir haben ja schon viele Löwen gesehen, aber in diesem Licht ist dieses Exemplar wirklich besonders schön, wenn nicht einer der schönsten Löwen. Ich kann mich gar nicht an ihm sattsehen. Auch jetzt finde ich ein Foto schöner als das andere. Wir wussten es an diesem Abend noch nicht, aber ab diesem Zeitpunkt sollte unsere Reise in einen löwenlastigen Trip umschlagen.
Im letzten Licht erreichen wir unser Camp als gerade ein mini kleiner Elefant mit seiner Mama die Campsite passiert.
Teil 1812. Apr. 2026
Mana Pools - Breakfast Buffet und Spurensuche
Am nächsten Morgen starten wir früher zu Long Pool, und siehe da - es ist einiges Los. Wir sind fasziniert von den verschiedenen Tieren, die miteinander interagieren und sich am Buffet in Long Pool bedienen. Krokodile schnappen nach Fischen im Wasser, verschiedene Vögel fischen auf den Rücken der Hippos nach ihrem Frühstück, und wir lernen eine andere Seite der kleinen, süßen Kingfisher kennen.
Die Kingfisher haben wir bisher nur dekorativ auf Ästen sitzen sehen, hier werden sie aber ihrem Namen gerecht und fischen. Was danach passiert, kennen wir noch nicht: ein Kingfisher zieht sich mit seinem Fang auf einen Baum zurück, und beginnt, den gefühlt für ihn viel zu großen Fisch mit ziemlich viel Schwung immer und immer wieder gegen den Baum zu schlagen. Es mutet ganz schön brutal an, das hätten wir dem Kleinen gar nicht zugetraut. Der Fisch zappelt noch eine Weile, bis er wortwörtlich erschlagen ist und der Kingfisher sich an den Verzehr macht. Wir haben Respekt vor ihm - das muss schließlich ziemlich anstrengend gewesen sein.
Wir verabschieden uns dann von der Old BBC Site, die wirklich sehr schön und empfehlenswert ist. Unsere nächste Nacht verbringen wir wieder in Nyamepi.
Wie gewohnt fahren wir erstmal wieder zur Rezeption. Hier erfahren wir vom Ranger, dass die Wild Dogs wohl weg vom Zambesi in Richtung Ingwe Camp gezogen sind und am Chiruwe River gesichtet worden. Man könne wohl an der Straße parken und einige Kilometer zum Fluss wandern. Er zeigt uns die Stelle auf der Karte und misst sogar die Entfernungen für uns aus. Wir zweifeln zwar daran, dass wir eine Wanderung durch den Bush unternehmen werden, beschließen aber trotzdem, Richtung Ingwe zu fahren.
Die Strecke dorthin ist wenig befahren - wenn man nicht im Camp übernachtet, verirrt man sich nicht dorthin. An der Abzweigung zu Ingwe bitte ich Martin, nach ein paar Metern nochmal zur Kreuzung zurückzukehren. Ich habe Spuren gesehen, die ich mir mal anschauen möchte. Man muss dazu sagen, dass wir vom Spurenlesen sehr wenig Ahnung haben, weil wir es einfach noch nicht so oft gemacht haben. Nicht jede Straße bietet sich dafür an, aber sandige Wege sind dankbar, einfach weil man überhaupt mal Spuren sieht. Meistens sind es natürlich irgendwelche Antilopen, diesmal werde ich aber stutzig. Mir sind kurz vor dem Abbiegen viele kleine Spuren aufgefallen, sie sahen nicht nach Huftieren aus.
Ich steige aus und begutachte die Szene. Ich habe aber nur einen Verdacht und traue mich fast gar nicht, diesen auszusprechen, weil ich wie gesagt ein ziemlicher Newbie im Spurenlesen bin. Ich rufe Martin, er soll sich das auch mal ansehen. Nicht, dass er viel mehr Erfahrung im Spurenlesen hätte als ich - schließlich sind wir ja immer gemeinsam auf Safari. Aber Martin ist mit Hunden aufgewachsen, und attestiert: das sind Spuren von Hundepfoten.
Die Spuren gehen eindeutig weg von der Abzweigung nach Ingwe und führen auf die Middle Ranger Road. Sie sehen frisch aus, und so beschließen wir, der Straße zu folgen und zu schauen, was passiert. Die Middle Ranger Road ist wahrscheinlich extrem wenig befahren - hier gibt es ja eigentlich nichts, und sie ist ziemlich weit ab vom Schuss. Wir folgen der Straße ziemlich lange, kreuzen trockene Flüsse und fahren quasi über Stock und Stein. Die Spuren nehmen kein Ende, hier ist eindeutig ein Wild Dog Pack unterwegs gewesen. Wir sind schon ziemlich nah an der Middle Ranger Station, als wir die Spuren nach einem weiteren Flussbett Crossing nicht mehr wieder finden. Uns war klar, dass die Wildhunde natürlich jeder Zeit einfach in den Bush abbiegen könnten und wir dann keine Chance mehr hätten, sie zu finden, und so war es dann auch.
Wir beschließen, umzukehren, und treffen an der Kreuzung von Ingwe ein Auto mit Rangern von der Painted Dog Conservation. Auch sie sind auf der Suche nach den Wild Dogs. Wir erzählen ihnen, dass wir lange den Spuren gefolgt seien, und sie sind etwas ungläubig, schließlich hätte dieses Pack Welpen dabei, und es wäre sehr ungewöhnlich, dass sie so weite Strecken laufen. Als wir ihnen die Fotos von den Spuren zeigen, bestätigen sie aber, dass es dieses Pack ist - man sieht auf einigen Fotos sogar die kleinen Tracks der Welpen. Unsere Wege trennen sich. Wir werden die Ranger später nochmal treffen, und es bleibt dabei, dass in diesen Tagen niemand die Wild Dogs findet.
Wir finden es ein bisschen schade, dass es nicht geklappt hat. Schließlich hatten wir nur in Sabi Sabi das Glück, Wildhunde zu sehen. Damals war es unsere zweite Safari, und ahnungslos wie wir waren, wussten wir damals noch nicht, wie selten man diese tollen Tiere zu Gesicht bekommt. Dennoch sind wir zufrieden, dass wir den Versuch unternommen haben, und es war spannend, die Spuren zu finden und ihnen zu folgen. Nun haben wir einen guten Grund, Mana Pools erneut zu besuchen - vielleicht wird es ein anderes Mal mit den Wild Dogs klappen.
Zurück in Nyamepi steuern wir die von uns gebuchte Campsite #27 an, die uns jedoch überhaupt nicht gefällt. Es gibt auch keinen Schatten. Kurzerhand fahren wir zur Rezeption, um uns zu erkundigen, welche Alternative frei ist. Der Ranger ist nicht mehr im Dienst, und seine Kollegin kann leider - wie sich später herausstellt - nicht mit dem Computer umgehen. Wir sollen uns einfach irgendwo, wo frei ist, hinstellen. Als wir die Rezeption verlassen wollen, wird es busy - das erste Mal kommt ein Gefühl von Trubel auf. Es kommen viele neue Fahrzeuge zum Check-in an. Während wir kurz noch das Wifi an der Rezeption nutzen, erfahren wir, dass ein englisches Paar die Reservierung für Chitake Baobab am nächsten Tag gegen Nyamepi tauschen möchte und kommen auf eine Idee.
Bevor sich diese manifestiert, verbringen wir aber noch einen schönen Abend um Nyamepi herum. Bei der Auswahl der neuen Campsite hatten wir natürlich ein bisschen Pech - genau die "freie" Campsite wurde kurz nach unserer Ankunft von einer Gruppe Südafrikanern angesteuert. Wir ziehen nochmal um und landen dann auf der #9, die wir ebenfalls empfehlen können.
Nach dem Afternoon Drive kochen wir ein Beef Stew mit den letzten Resten einer wirklich leckeren Curry Mischung aus Zanzibar.
Dann machen wir etwas absolut blödes (ja, schon wieder!). Wir lassen das restliche Stew weiter auf dem Feuer kochen, und gehen schon mal in die Ablution Blöcke, um uns bettfertig zu machen. Gusseiserner Topf mit Deckel auf dem Feuer, was soll da schon passieren! Fragt mal die Hyäne, die Curry Mischung aus Zanzibar auch gut findet. Als wir zurückkommen, sehen wir den Deckel auf dem Boden liegen - vom Täter gibt es nur Fußspuren. Glücklicherweise ist dem Stew nichts passiert. Wie die Hyäne den Deckel überhaupt abbekommen hat, ist mir ein Rätsel. In unserer Vorstellung wird sie gemerkt haben, dass Gusseisen und Hitze keine sehr angenehme Kombination ist. Der heiße Deckel fällt zu Boden, die Hyäne haut ab. Wir hoffen, dass sie sich nicht verbrannt hat, und dass beide Parteien ihre Lektion gelernt haben. Wir werden in der Wildnis jedenfalls kein Essen mehr unbeaufsichtigt lassen!
Teil 1916. Apr. 2026
Etappe 9 - Chitake Springs
Nach 5 Nächten in Mana Pools beschließen wir am Morgen, keine weitere Nacht in Nyamepi zu bleiben, sondern einen Tag früher nach Chitake Springs aufzubrechen. Da wir mitbekommen haben, dass die Baobab Campsite für heute frei ist, machen wir einen letzten Game Drive und brechen dann in Richtung Chitake auf. Logistisch ist es empfehlenswert, erst Mana Pools und dann Chitake Springs anzufahren, da die Ausfahrt aus dem Park dann deutlich kürzer ist.
Für unseren Game Drive schauen wir mal wieder bei Mucheni vorbei, und siehe da - diesmal liegt ein Rudel Löwen direkt am Rand der Mucheni 2 Campsite. Wir beobachten die Löwen eine Weile von der Straße aus, einige Fahrzeuge fahren aber auf die Campsite, um eine bessere Sicht zu haben. Das ist eigentlich ein No-Go, und die Gäste der Campsite fahren kurz darauf vor, um die Fahrzeuge zu bitten, die Campsite zu verlassen. Auch wir sind keine Fans davon, wenn gebuchte Campsites von anderen Fahrzeugen aufgesucht werden - auf der Old BBC Campsite hatten wir sogar ungebetenen Besuch von einem Tour-Fahrzeug, das zum Sundowner auf die Campsite gekommen war. Wenn sich ein Fahrzeug mal auf eine Campsite verirrt oder einfach mal einen kurzen Blick werfen möchte, finden wir das aber völlig in Ordnung, solange ein rücksichtsvoller Umgang herrscht.
Wir beobachten die Löwinnen noch ein bisschen und fahren dann in Richtung Hauptstraße. Obwohl es mit den Wild Dogs nicht geklappt hat, haben wir das Gefühl, dass wir alles "erledigt" haben - das Highlight für uns bleiben die Elefanten von Mana Pools vor der wunderbaren Kulisse, die dieser Park bietet.
Nun sind wir aber gespannt auf Chitake Springs. Wir haben vorab gemischte Meinungen über die Campsites gelesen. Chitake Baobab wird gemeinhin als Overflow Campsite gehandelt, und Chitake 2 - unsere Campsite für 2 Nächte - hat den Ruf, die schlechtesten Views zu haben. Als Premium Campsite wird Chitake 1 gehandelt. Diese gilt als die schönste, aber auch teuerste der Chitake Sites.
Wir brettern über die Hauptstraße und fahren dann vorbei am zweiten Gate in Richtung Chitake Springs. Weil wir nicht wissen, ob die Campsite uns überhaupt gefällt, steuern wir die Campsite direkt an ohne einen Stopp beim bekannten Fig Tree einzulegen. Oben angekommen stellen wir fest, dass die Campsite wunderschön ist. Sie liegt abgelegen von der Spring auf einer Anhöhe und bietet einen tollen Ausblick, die Baobabs sorgen zusätzlich für eine besondere Atmosphäre. Dass die Campsite als Overflow Site gehandelt wird, liegt wohl daran, dass sie weiter weg vom Geschehen ist, und dass es keinerlei Facilities - nicht mal eine Long Drop - gibt.
Da es uns gut gefällt, beschließen wir, hier zu bleiben. Nun setzt aber ein Dilemma ein. Wir wissen ja nur informell, dass Chitake Baobab für heute frei ist, sind aber offiziell auf Nyamepi gebucht. Natürlich könnten wir einfach dort bleiben, ich werde aber unruhig und fühle mich ein bisschen gestresst. Was, wenn die Mieter doch beschließen, zu kommen statt wie geplant in Nyamepi zu bleiben? Oder jemand anderes die Campsite spontan bucht. Blöd natürlich, dass wir mit den anderen Reisen nicht einfach offiziell getauscht haben. Für peace of mind frage ich Martin, ob wir zum Zwischengate zurückfahren können, um dort unseren Wechsel offiziell zu machen. Die Fahrt dauert nur ca. 30 Minuten, aber das hätten wir natürlich in einem Abwasch auf dem Hinweg erledigen können.
Am Gate angekommen erkläre ich die Situation, nach einem kurzen Telefonat mit der Nyamepi Rezeption ist der Tausch bestätigt, und wir bezahlen artig das Upgrade von Nyamepi auf Chitake bar am Gate. Wahrscheinlich hätten wir das gar nicht machen müssen, aber ich merke direkt, dass ich viel entspannter mit der offiziellen Lösung bin.
Und so beginnt der Chitake Teil unserer Reise.
Teil 2016. Apr. 2026
Safari: Chitake-Style
Safari in Chitake funktioniert etwas anders, als im sonstigen Teil von Mana Pools. Hier gibt es keine Game Drives. Die Hauptattraktion besteht darin, zu Fig Tree zu fahren, und dann an der Quelle zu sitzen und darauf zu warten, dass etwas passiert. Lange war diese Stelle die einzige Frischwasserstelle weit und breit, und die natürliche Lage im Hang in Kombination mit der einzigen Wasserquelle sorgte für viele dramatische Szenen. Inzwischen gibt es bei diversen Lodges künstliche Wasserlöcher, was sich auch auf die Chitake Experience auswirkt, dennoch hat man hier die Chance, ein besonderes Schauspiel zu beobachten.
Nachdem wir also offiziell auf der Chitake Baobab Campsite eingezogen sind, fahren auch wir runter zu Fig Tree, dem großen Feigenbaum mit Blick auf Chitake Springs. Wir bauen unsere Camping Stühle auf und sehen uns um. Chitake ist heute ausgebucht: zu uns gesellen sich eine Gruppe von 3 Franzosen mit ihrem Tour Guide, eine südafrikanische Familie, und ein französisches Paar, ebenfalls mit Guide. Eine weitere Gruppe - die Bewohner von Chitake 2 - zieht ohne Guide durch den Busch. Die anwesenden Guides schütteln den Kopf über diese Leichtsinnigkeit.
Es scheint ein ruhiger Nachmittag am Fig Tree zu sein, bis einer der Guides uns auf die Löwen aufmerksam macht. Wir sind überrascht, denn wir hatten überhaupt nicht gemerkt, dass sie sich aus verschiedenen Richtungen der Quelle angenähert haben. Mit geübtem Auge - oder den entsprechenden Hinweisen der Guides - entdeckt man aber, dass sich dort ziemlich viele Löwen versteckt halten. Die Chitake Pride ist berüchtigt dafür, an der Quelle zu lauern und zu warten, bis durstige Tiere nicht anders können, als sich trotz der Gefahr an die Quelle zu trauen.
In der langsam einsetzenden Dämmerung werden die Löwen aktiver, aber die Zeit läuft gegen uns. Leider müssen wir bald aufbrechen, bevor wir aber los müssen, kommen einige Löwen selbst zum Trinken ans Wasser.
Dann ist es auch schon an der Zeit, zurück zur Campsite zu fahren. Wir richten uns ein, machen ein Feuer und Abendessen. Als wir uns zum Essen an den Tisch setzen, erblicken wir neugierige Augen in der Nähe. 3 Hyänen haben uns entdeckt und sind hoffnungsvoll, zum Abendessen eingeladen zu werden. Wir vertreiben sie relativ einfach mithilfe unserer Taschenlampen. Martin scherzt, ob die Hyänen schlau genug sind, um nicht immer aus der gleichen Richtung angelaufen zu kommen. Wenige Minuten später stellen wir fest: ja, sind sie. Zu dritt beschließen sie, unsere Campsite zu umkreisen, und ein bisschen mulmig ist uns schon, als sie aus verschiedenen Richtungen kommen. So langsam haben wir den Dreh mit den Do's and Don'ts mit den Hyänen aber raus, und dieses Mal gehen sie leer aus. Wir wissen nicht genau, ob es jetzt eigentlich 1:2, oder doch 3:0 für uns steht, sind aber froh, dass es keinen weiteren Zwischenfall gibt.