Reisebericht

Immer wieder in den Süden

von solitaire · begonnen 01. März 2026 · 50 Teile

Teil 4124. Juni 2026
Im Jahr davor war ich auch auf 21 Dune, allerdings auf einer der Campsites. Beide haben eine große Schattenterrasse, bei der man die Seiten mit Planen verschließen kann, was bei starkem Wind eine super Sache ist. Das Häuschen mit Dusche und WC ist komplett abgedichtet, es türmen sich auch bei Sturm keine Dünen in der Dusche.
Der Ausblick war diesmal aber komplett unterschiedliche. Beide Bilder wurden von der Terrasse aufgenommen, mit einem geringfügig verschobenen Blickwinkel. Bei meiner vorigen Reise versprachen spektakulär Gewitterwolken mehr als sie halten konnten (sie entluden sich über Botswana) und die Schafe mussten die winzigen Grashälmchen mühsam suchen. Diesmal gab es Regen und Gras im Überfluss.

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Wie kurz drei Wochen doch sein können. Unsere gemeinsame Reise neigt sich dem Ende zu. Die letzten zwei Tage verbringen wir auf der Kalahari Anib Lodge. Ich mag sie als Abschluss einer Tour gerne, weil ich hier immer weit und lange wandern kann. In und um die Lodge sind wunderbare Beobachtungen möglich. Und der Pool ist nach einer anstrengenden Reise auch nicht zu verachten.
Einige Mitarbeiter begrüßen mich wie eine alte Bekannte, sie kennen mich von früheren Reisen, sind nun sehr erstaunt, dass ich nicht allein und nicht mit dem Buscamper unterwegs bin.
Die Freude am Pool ist leider getrübt, weil es sehr laut ist. Die Standard-Zimmer werden renoviert, wir wurden deshalb auf das Komfort-DZ upgegradet. Das ist zwar auch schon sehr in die Jahre gekommen, aber wir haben freiem Blick auf das hintere Wasserloch.

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Nach einer letzten Morgenwanderung brechen wir auf nach Windhoek.

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Teil 4201. Juli 2026
Windhoek ist ein Horror. Bisher war ich immer nur kurz in der Stadt unterwegs und am Wochenende oder an den Feiertagen. Heute ist Freitag, Arbeits- und Schulschluss. Die Eltern parken in erster oder zweiter Spur vor der Schule und warten auf ihre Sprösslinge. Absolutes Chaos und ein enormes Hupkonzert.
Nach einer Stärkung im Cafe des Craft Centers - wir genießen einen köstlichen Salat mit gebratenem Omajowa - bringe ich meine Nichte zum Flughafen, sie muss zurück nach Österreich. Ich werde noch weitere drei Wochen in Namibia unterwegs sein. Zum erste Mal fahre ich auf der neuen Autobahn. Ganz ungewohnt.
Ich tausche das Auto nicht wie gewohnt gegen den Bushcamper, sondern behalte den Double Cab und werde weiterhin in Selfcatering-Unterkünften unterwegs sein. Übernachtung in Arrebusch. Mein Bungalow scheint direkt auf der Straße zu liegen. Die ganze Nacht habe ich das Gefühl, die Autos preschen durch mein Schlafzimmer und die Sirene der Polizeiautos frisst sich in mein Gehirn. Ausgeruht bin ich am nächsten Tag nicht.
Meine kommende Route ähnelt der, die ich mit meiner Nichte gefahren bin, doch mit anderen Unterkünften und diesmal geht es runter bis an den Oranje. Danach im Südosten und ein Stück Südafrika wieder in den KTP (ich habe schließlich die wild card, die ich ausnutzen möchte 😎 ) und dann zurück nach Windhoek.

Die Stationen sind:
über den Spreetshoogte zu
Barkhan Dune
Bahnhofshotel Aus (da wollte ich immer schon mal übernachten)
über Maltahöhe und Rosh Pinah
Op My Stoep, Oranjemund
White House, Grünau
KTP (TR, Kieliekrankie, Nossob, KTC)
Kalahari Anib

Wie üblich gondle ich schön langsam dahin, bleibe immer wieder stehen zum Fotografieren und mache auch einen Stopp auf der Edenberry Strawberry Farm. Erdberren in Namibia, wie gibt's denn sowas. Die Erdbeeren gedeihen in Tunneln, um die Verdunstung und den Wasserverbrauch gering zu halten. Es darf selbst geerntet werden. Allerdings ist die Erntezeit schon zu Ende und es gibt nur mehr ein paar Beeren. Zudem gibt es dort ein Freizeitgelände mit Spielplatz und Pool und ein up side down house.

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Danach geht es weiter wieder einmal über den Spreetshoogte Pass. Leider bin ich wieder einmal am späten Nachmittag dort und die Fotos gegen die untergehende Sonne sind nicht besonders.

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Auf der Strecke gibt es keine Möglichkeit anzuhalten, die Straße ist zu eng und unübersichtlich. Erst an der Einfahrt zur Campsite bietet sich wieder eine Ausweichbucht. Da ich leider meine High Heels anhabe, darf ich den Campingplatz nicht betreten 😉

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Kennt jemand diese Pflanze?

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Die Sonne bereitet sich gerade auf den Untergang vor, als ich Barkhan Dune erreiche. Die letzten Strahlen genieße ich auf meiner Terrasse der Rustic Cabin,, rund einen Kilometer vom Haupthaus entfernt.

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Teil 4305. Juli 2026
Heute etwas zu lange geschlafen, es ist schon 6.30 Uhr als ich los marschiere, um den Berg hinter der rustic cabin zu erklimmen. Zum Glück verhindern beeindruckende Wolkenformationen, das die Kletterei allzu schweißtreibend wird. Trotzdem keuche ich bei jedem Höhenmeter mehr. Doch der Ausblick lohnt die Mühe.

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Da schmeckt um 10 Uhr das Frühstück dann besonders gut, auch wenn in meiner Schussligkeit wieder einmal ein Malheur in der Outdoorküche passiert.

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Besonders nett ist das Outdoor-Badezimmer mit meinen Mitbewohnern.

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Das angenehme an der rustic cabin ist, dass die großen Scheiben, die anstelle von zwei Wänden den Blick auf die grandiose Umgebung freigeben, beschattetet werden können. Die Rollos lassen sich runterziehen und so ist der Innenraum vor der sengenden Nachmittagssonne geschützt. Gemeinsam mit meiner eigenen Schattenplane auf der Terrasse lässt sich der Nachmittag gut in der Hängematte verträumen.

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Teil 4410. Juli 2026
Weiter geht es in den Süden. Diesmal nicht über meine heißgeliebte D707 (ich entwickle mich schon fast zum Gewohnheitstier). Nachdem ich erst vor drei Wochen diese Traumstraße gefahren bin, nehme ich die C14 Richtung Maltahöhe. Es ist heiß, staubig und trocken und obwohl es eine gute C ist, sehe ich außer 2 Farmautos kein anderes Fahrzeug. Das erste Mal auf dieser Reise sehe ich Wasser in Rivieren, Pfützen und gleich darauf Windhosen. Ansonsten ist die Fahrt eintönig und zieht sich, die Gegen bietet wenig Abwechslung.

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Ich überlege, ob ich nicht doch gleich bis Aus durchfahren und auf Maltahöhe verzichten soll, bin aber dann doch neugierig und biege ab.
Mein Ziel ist das Hotel Maltahöhe, mit einer sehenswerten Bar und zahlreichen kuriosen Fundstücken. Da ich mit dem Auto unterwegs bin, kann ich mich leider nicht an den gut gemeinten Rat auf dem Schild halten und nehme mit Wasser vorlieb. Ein Streifzug durch die Gasträume ist wie ein Blick in die Vergangenheit.

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Und allerlei Getier treibt sich dort herum.

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Teil 4519. Juli 2026
Ich plaudere mit der netten Besitzerin des Hotels, mache Fotos und frage sie um die Bewilligung, die Fotos in einem Buch zu veröffentlichen, an dem ich arbeite und in dem ich spezielle Begegnungen und Aktivitäten beschreibe. Sie gibt mir die Einwilligung und macht mich gleichzeitig aufmerksam auf ein besonderes Projekt, das es in Maltahöhe gibt. "Ruralrevive" ist eine bemerkenswerte Initiative, die Tourismus, Natur, Kultur und Nachhaltigkeit miteinander verbindet. Die Initiative fördert die Entwicklung der (Land-)Wirtschaft hier und kommt der einheimischen Bevölkerung zugute. Es ist ein Zentrum, entstanden in einer Region, die von der einst florierenden Karakul-Zucht profitierte. Nachdem das Interesse an Karakul-Fellen einbrach, brach für viele auch die Einkunftsmöglichkeit weg.
Ich bekomme eine "Privatführung" und bin total begeistert von dem, was ich hier sehe. Leider habe ich den Namen des engagierten Mannes vergessen, der mir alles zeigte. Es ist ein Paradebeispiel für Regionalentwicklung (wie wir es hier in Österreich nennen und was einst mein Beruf war - deshalb die besonders große Begeisterung). Die Gegend um Maltahöhe bekommt zwar kaum Regen ab, hat aber gutes Grundwasser, das über artesische Quellen zutage kommt. Es kann für Gemüseanbau genutzt werden. Dazu gibt es ein Versuchs- und Trainingszentrum für Gemüseanbau. Weiters wird Wäsche von Lodges in wasserarmen Regionen hier gewaschen, getrocknet und gebügelt (mit Solaranlage und Abwasseraufbereitung), es gibt einen Verkaufsladen, eine Plastik-Recyclinganlage und einen Transportservice für Wäschen, landwirtschaftliche Produkte und Menschen, die auf den Lodges arbeiten und in und um Maltahöhe wohnen.
Das ist jetzt zwar kein klassisches Touristenziel, aber ich muss euch trotzdem davon erzählen. Ich bin tief beeindruckt, hier "in the middle of nowhere" so etwas vorzufinden.

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Teil 4623. Juli 2026
Schon so oft habe ich es mir vorgenommen, nun mache ich es wahr - eine Übernachtung im Bahnhof Hotel Aus.
Ich komme am späten Nachmittag in Aus an. Es ist um einiges kühler als die Tage zuvor und es weht heftiger Wind. Da genieße ich es, auf der Hotelterrasse in der direkten Sonne zu sitzen. Als die Sonne verschwindet und der Wind kälter wird, hole ich sogar meine Fleece-Jacke aus dem Auto.
Am Abend plaudere ich mit Dieter, dem Besitzer, und er erzählt mir einige Geschichten über die Bahnverbindung, die nicht mehr existiert (einige Details habe ich dazu recherchiert). In Garub wurde Limo und Mineralwasser hergestellt und die auf der Schmalspurbahn fahrenden Dampfloks wurden mit Wasser betankt. Auch wurde von dort Trinkwasser nach Lüderitz gebracht, das selbst kein Trinkwasser hatte, sondern über Schiffe aus Südafrika versorgt wurde. Es wurden nicht nur Güter, sondern auch Personen transportiert. 1906 hatte Aus sogar zwei Hotels. Als die Dampfloks durch Dieselloks ersetzt wurden, verlor Garub seine Bestimmung, heute ist der Bahnhof ein beliebtes Fotomotiv.
Das Aus der Bahnverbindung nach Aus ( 😉 ) kam schleichend, aber unaufhaltbar. Der Wind wehte unermüdlich Sand auf die Geleise, das ständige Freischaufeln war mühsam und teuer. Auch wurde die Strecke immer wieder unterspült, die Dieselloks waren fast zu schwer für den weichen Untergrund und das Gefälle von Aus nach Garub (nahezu 800m) waren ein großes Sicherheitsrisiko. 2023 gab es einen schweren Unfall, ein mit Mangan beladener Zug entgleiste und zwei Menschen starben. Wahrscheinlich waren die Bremsen dem Gefälle nicht gewachsen. Und schließlich wurde die Straße immer mehr für den Güter- und Personenverkehr genutzt.
So einige Geschichten in Kurzform. Und heute ist das Bahnhof Hotel ein Bahnhof Hotel ohne Bahnhof ( 😉 ). Auch wenn das Schild immer noch vorhanden ist, der letzte Zug fuhr hier vor über einem Jahr.

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Teil 4731. Juli 2026
Von Aus geht es dann über die C13 weiter Richtung Oranjemund. Die Strecke ist oft furchtbar öd, kein Gegenverkehr, der zur Wachsamkeit mahnt, und schon gar keine Tiere. Ich muss aufpassen, dass ich nicht wie ferngesteuert fahre und ein unfreiwilliges Nickerchen mache. Das Einzige, das immer wieder meine Aufmerksamkeit auf sich zieht und mich zum Anhalten und Fotografieren zwingt, sind die wunderschönen Pflanzen am Straßenrand. Meine Bestimmungs-APP sagt mir, das ist Mesembryanthemum crystallinum. Lasse mich gerne korrigieren, wenn es jemand besser weiß.

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Um Rosh Pinah wird die Gegend dann bergig, überall tauchen Schilder auf, die darauf hinweisen, dass ich mich in einer Bergbau-Region befinde. Rosh Pinah ist eine private Stadt, errichtet für die Minenarbeiter. Es gibt ganz einfache Hütten, wie man sie am Rand einer jeden Stadt findet, und es gibt auch einheitliche Häuser, die darauf hinweisen, dass die Stadt am Zeichenbrett geplant wurde.

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Irgendwie sieht das Gelände in der Region zerschürft und durchbohrt aus, was es ja auch ist. Auch ziemlich öde. Bis zu dem Moment, wenn man das erste Mal den Oranje sieht. Unvermittelt taucht er vor mir auf, kostbares Wasser gibt es hier plötzlich im Überfluss. Und die entsprechende Wasservogelwelt gleich dazu. Ich stoppe an der ersten Möglichkeit am Straßenrand. Der Parkplatz ist leider gesperrt, weil die Straße erneuert wird.
Während ich mit dem Fernglas Grau- und Purpurreiher beobachte, nehme ich aus dem Augenwinkel eine Bewegung war und sehe, wie ein Seeadler sich in einer Baumkrone niederlässt. So ein Glück. Gerade zur richtige Zeit am richtigen Ort. Das Foto ist leider grottenschlecht, aber trotzdem muss ich es euch zeigen.


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Teil 4806. Aug. 2026
Der Stopp am Straßenrand ist nur eine "Notlösung", weil der Parkplatz aufgrund der Straßenarbeiten gesperrt ich, und ich suche nach einem weiteren Picknickplatz. Der ist "besetzt". Ein Polizeiauto steht dort und 2 Polizisten nehmen im Schattenplatz ihr Mittagessen ein. Naja, keine Ahnung, warum man bei Polizei immer gleich ein schlechtes Gewissen bekommt - ich fahre ohne Stopp weiter. Dass das schlechte Gewissen berechtigt ist, wird sich gleich zeigen ...

Die Straße entfernt sich wieder vom Fluss, ich fahre erneut durch die Berge. Alles ist grau und braun, Steine, Staub und Sand dominieren auch hier die Gegend. Ich entdecke ein undefinierbares Gebäude am Straßenrand, umgeben von ein paar Bäumen und Büschen. Dort bemerke ich Vögel. Da das Fernglas immer griffbereit am Beifahrersitz liegt, stoppe ich, um sie zu beobachten. Seit einer Stunde ist mir kein Auto entgegen gekommen, ich bleibe direkt auf der Fahrbahn stehen, da ich nach vorne und nach hinten gute Sicht habe und keine Gefahrenquelle für plötzlich auftauchenden Verkehr bin. Außerdem habe ich vor folgendem Schild gehörigen Respekt. Vielleicht sitzt ja irgendjemand irgendwo im Schatten und wartet nur darauf, endlich wen zu "ertappen" und zu strafen.

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Plötzlich sehe ich im Rückspiegel, dass sich tatsächlich ein Auto näher. Kein Problem, ich bin gut sichtbar und die Straße ist breit genug, um gefahrlos zu überholen.
Es sind die beiden Polizisten. Sie haben wohl ihre Mittagsrast beendet und sind nun wieder voller Tatendrang.
Das Auto bliebt genau neben meinen stehen, der Fahrer kurbelt das Fenster runter und sieht mich grimmig an. Trotzdem fragt er "how are you, madam?"
Ich, gleich ganz schuldbewusst, frage, ob ich hier nicht fotografieren dürfe und sehe im Geiste schon meine Kamera konfisziert. Das sei nicht das Problem, das dürfe ich, meint der Polizist. Doch ich dürfe nicht einfach auf der Straße stehen bleiben. Das sei gefährlich. Ich solle doch aufs Bankett fahren, dann sei ich mehr kein Hindernis.
Ich bedanke mich überschwänglich für den Tipp, dem Polizisten entkommt sogar ein kurzes Lächeln und dann fahren die beiden weiter.
Uff, gerade noch davongekommen.
Teil 4922. Aug. 2026
Auch auf meiner Weiterfahrt halte ich mich brav daran, aufs Bankett zu fahren, um bei Foto-Stopps niemanden zu behindern. Zwar gibt es niemanden, den ich behindern könnte, weil mit kein einziges anderes Auto begegnet, aber naja ... Die Stopps häufen sich, weil es so viele "bunte Juwele" am Straßenrand zu bewundern gibt. Ich bin fasziniert von der Farbenpracht, die in dieser Einöde zu sehen ist. Und von ihrer Strategie, Wasser zu speichern, um der Hitze und der Trockenheit zu trotzen.





Je näher ich Oranjemund komme, umso windiger wird es, die Luft ist voller Staub und die Sicht dementsprechend schlecht. Da ist es vielleicht ganz gut, dass Schilder vor Straßenbenutzer warnen, mit denen ich nicht rechnen würde. Vor allem ist zu erwarten, dass Strauße, Radfahrer und Fußgänger nicht auf der Fahrbahn auftauchen, sondern mir um die Ohren fliegen. 



Der Wind steigert sich zu einem Sturm, der Sand prasselt auf die Karosserie, sogar die erlaubten 60 km/h erscheinen mir für diese Bedingungen zu wagemutig. Der schwere Hilux wird immer wieder ordentlich durchgerüttelt, die rechte Fahrbahn versinkt unter einer unpassierbaren Sandschicht. Und dann nähert sich auch noch ein riesiger Transporter auf meiner Seite. Freiwillig gebe ich die Bahn frei und halte am Bankett. 




Teil 5030. Aug. 2026
Ich kämpfe mich also durch den Sturm Richtung Oranjemund. Eigentlich müsste ich schon einen schönen Blick auf den Fluss haben, jedoch ist dieser durch den Sandschleier nur schemenhaft zu sehen. 

Endlich nähere ich mich der Stadteinfahrt. Da ist auch die Abzweigung über die Brücke nach Südafrika und gleichzeitig Staatsgrenze. Schilder weisen darauf hin, dass ich meine Papiere bereithalten und die Zollformalitäten erledigen muss. Ich zwänge mich zwischen  riesigen Lastern in einen Parkplatz, gehe ins Zollhäuschen und frage die Beamtin, ob ich das auch alles erledigen müsse, wenn ich nur nach Oranjemund weiter wolle. Sie sieht mich an, als käme ich von einem anderen Planeten, denkt sich wahrscheinlich, sie habe es mit einer Analphabetin zu tun, und macht mich darauf aufmerksam, dass die Einfahrt nach Oranjemund gut beschildert auf einer anderen Spur ist. Tja, genau schauen und lesen kann manchmal hilfreich sein. Mit rotem Kopf verlasse ich das Häuschen, fahre gegen die Einbahn zurück zum Kreisverkehr und finde tatsächlich die richtige Spur und freie Fahrt. 

Mein Quartier Op My Stoep liegt etwas außerhalb, ich will mir aber gleich einmal die Stadt ansehen. Bis 2011 war Oranjemund eine private Stadt, Namdeb (die namibische Diamantengesellschaft) hat sie für ihre Arbeiter errichtet. Noch bis 2017 war der Zugang für Nicht-Bewohner nur mit einer Sondergenehmigung möglich, heute kann sich jeder Gast frei bewegen, es gibt Freizeiteinrichtungen und sogar einen Golfplatz. Auf den komme ich später noch zu sprechen.

Momentan weht zwar nur eine etwas stärkere Brise, aber Oranjemund kann nicht verleugnen, dass der Wind hier das Sagen hat. 


Nach einer Rundfahrt durch das Zentrum will ich endlich ans Meer. Die Oranje-Mündung ist Ramsar-Gebiet und ich will in Oranjemund in erster Linie Vögel beobachten. Doch darauf scheint der Wind nur gewartet zu haben. Als ich aussteige, traktieren mich wieder tausende Sandkörner wie mit Nadelstichen. Ich flüchte vom Strand in Richtung eines coffee shops nahe dem Campingplatz. Beide trotzen einsam und verlassen den Naturgewalten. Aber der Abstecher lohnt sich, denn plötzlich sehe ich nur mehr rosa. 





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