Hallo allerseits. Das ist mein erster Reisebericht. Hoffen wir, dass ich die Forumstechnik bewältige und das Ganze einigermaßen rund wird, vor allem aber die Bilder an die richtige Stelle kommen. Also...
Der Anfang
Im Herbst 2024 war ich im Oman. Afrika hat mich in meinem gar nicht mehr so jungen Leben mit zahlreichen Reisen in Europa, Asien, Ozeanien, Mittel- und Nordamerika eigentlich nie sonderlich interessiert. Marokko, Mauritius und die Kapverden hatte ich besucht, aber ein Land „mitten“ in Afrika stand bisher noch nicht auf meiner Wunschliste.
Dann habe ich im Oman in einem Wüstencamp eine Schweizerin und ihren Sohn getroffen, die mir von ihrer Tour auf den Kilimandscharo erzählt und vorgeschwärmt haben. Die Dame war deutlich älter als ich, was mich schon faszinierte, denn einfach stellte ich mir den Aufstieg auf knapp 5900 m schon in meinem Alter nicht unbedingt vor.
Die Idee mit dem Kili blieb in meinem Hinterkopf. Als ich dann im Frühling 2025 aus Vietnam zurückkam, habe ich begonnen, mich mit einer Reise nach Tansania zu beschäftigen. Recht schnell habe ich gemerkt, dass der Kili zwar hoch ist, aber ein bergsteigerisch eher unspektakulärer Wanderberg. Und so kam ich auf den Meru: Deutlich niedriger, aber technisch und – wie ich bald herausfand – auch landschaftlich etwas spannender. Natürlich auch kein alpiner Berg aber immerhin einer, für dessen Besteigung man seine Hände braucht. Und vor allem nicht von Massen bevölkert, die bei Instagram und Konsorten glänzen wollen…
Danach war schnell klar: Der Meru wird mein Bergprojekt.
Afrika - mal sehen
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich von der Serengeti zwar in meinen Kindheitstagen viel gehört hatte. Grzimeks „Ein Platz für Tiere“ habe ich als Kind regelmäßig gesehen. Aber mit Tansania oder dem Meru habe ich weder die Serengeti noch all die anderen Parks unmittelbar assoziiert. Auch wenn das hier in diesem Forum vermutlich Verwunderung hervorruft: Safari war bis dahin nicht unbedingt etwas, was ich als Urlaubsaktivität plante. Das kam eher zufällig, als ich bei der Recherche nach Aktivitäten in Tansania schnell merkte, dass der Standardabstecher nach Sansibar für mich nicht in Frage kommt. Inseln im indischen Ozean habe ich schon genug besucht...
Also Safari. An dieser Stelle habe ich dieses Forum entdeckt. Der Rest lässt sich hier nachlesen.
Mit der Unterstützung hier in diesem Forum kristallisierte sich für mich schnell heraus, dass Safari natürlich sein muss, wenn ich nach Tansania fahre. Die Idee einer geführten Safari mit Fahrer/Guide und Koch fand ich immer noch seltsam, denn ich bin es gewohnt, überall auf der Welt selbst zu fahren. Andererseits habe ich schon verstanden, dass man als Anfänger auf einer ersten Reise in Tansania vielleicht doch mehr sieht, wenn der Fahrer weiß, wohin er fahren muss…
Also entstand ein Kompromiss und damit auch die Dreiteilung der Reise:
Teil 1 im Arusha Nationalpark mit dem Aufstieg auf den Meru
Teil 2 auf einer privaten Camping-Safari mit Fahrer/Guide und Koch durch Tarangire, Serengeti, Ndutu und Ngorongoro-Krater
Teil 3 als Selbstfahrer durch den Mkomazi und an die Küste
Die Reise
Los ging es am Silvesternachmittag mit Qatar Airways. Eine gute Stunde vor Jahresende landete ich in Doha und begab mich mit meinem netten Business-Class Upgrade in die Lounge, um das neue Jahr mit den üblichen Getränken zu begrüßen.
Um 02:00 ging es weiter nach Kilimanjaro und am frühen Morgen des Neujahrstages landete ich zum ersten Mal in meinem Leben „mitten“ in Afrika. Der Blick auf Meru und Kili zu Sonnenaufgang aus dem Jet versprach einiges.
Angekommen funktionierte die Abholung gleich einmal nicht, weil der vorab bezahlte Fahrer nicht erschien. SIM-Karte gab es auch keine, weil an Neujahr um halb acht morgens offenbar kaum jemand Lust auf Arbeiten hatte. Kann man verstehen. Aber es herrscht ja kein Mangel an Angebot am Flughafen und so nahm ich ein lokales Taxi, um zur Meru View Lodge, der Unterkunft für meinen ersten Tag vor der Wanderung zu kommen.
Die Taxifahrt war ein Erlebnis. der nette Fahrer schlug schon wenige Meter hinter der Ausfahrt des Flughafens vor, die Plätze zu tauschen, als er hörte, dass ich demnächst mit einem Mietwagen durch das Land fahren möchte. Und so fuhr ich gleich meine ersten paar Kilometer vom Flughafen nach Usa River selbst. Die Lodge staunte ein wenig, als wir vor dem Tor hupten und der Touri auf dem Fahrersitz, der Fahrer aber nur daneben saß….
Fortsetzung folgt.
Teil 224. Jan. 2026
Auf dem Weg zur Lodge fuhr ich noch nach Usa River in der Hoffnung, dort mehr Glück mit dem Erwerb einer SIM-Karte zu haben. Der beifahrende Fahrer war wirklich sehr bemüht und hat die halbe Stadt angesprochen, um einen offenen Verkauf zu finden. Leider vergebens. Das war ein wenig blöd, denn am nächsten Morgen sollte die Wanderung beginnen und nach Arusha wollte ich vorher nicht mehr.
Die Meru View Lodge ist nur wenige Kilometer vom Momella Gate entfernt und hat mir gut gefallen. Freundlich, hilfsbereites Personal, sauber, gepflegte Anlage und preislich in einem vernünftigen Rahmen (ca. 1/4 bis 1/3 der Hatari Lodge).
Wer sich ein wenig umschaut, findet auch Bambus der größeren Sorte, ein kleines Feld und das Grab des früheren deutschen Eigentümers.
Für mich als Bayern interessant ist die kulturelle Ausbreitung meiner Heimat bis nach Ostafrika:
Wegweiser:
Und Tischdecke:
Fehlt nur noch:
Bayern ist überall! 😎 😄
Mein SIM-Karten-Problem hat die Lodge dann gelöst, indem sie mir eine SIM-Karte aus ihrem Bestand für die Wanderung geliehen haben. Für 10 $ habe ich sie aufgeladen und konnte damit in den nächsten Tagen die Zurückgebliebenen per Messenger mit Bildern unterhalten. Neben mir habe ich im Speisesaal und der Lounge nur eine Australierin mit ihrem Sohn gesehen, die gerade vom Kili kamen und mir ihr restliches Diamox weitergegeben haben. Ich habe es nicht gebraucht und dann später selbst weitergegeben. Mit einem Abendessen und dem Austausch mit den australischen Wandersleuten ging der Tag ruhig zu Ende und die Freude auf den Berg stieg.
Fortsetzung folgt.
Teil 324. Jan. 2026
Der Berg ruft
Am 02.01. geht es dann los Richtung Momella Gate zum Start der Wanderung. Ich hatte vor der Reise gehört, dass es mit der Pünktlichkeit in Afrika im Allgemeinen nicht so überragend aussehen soll. Umso erstaunter bin ich, als meine Bergcrew 45 min früher als verabredet da ist und ich noch nicht fertig bin. 😛 So kann man sich von Vorurteilen täuschen lassen. 😎
Auf dem Weg zum Momella Gate, dem Start der Wanderung und bereits am Ngongongare Gate, dem Eingang zum Arusha Nationalpark trifft man die ersten Tiere:
Und dann sind wir am Momella Gate und verlassen das Auto. Es gibt einen ersten Blick auf den Berg. Wow!
Am Momella Gate dauern die Formalitäten recht lange. Bis wir mit dem Aufstieg beginnen, ist es nach 12:00 Uhr. Also wird es heute nichts mit „pole, pole“, denn wir wollen ja noch im Hellen auf der Miriakamba Hütte ankommen. Auf der südlichen Route sollen es sechs Stunden sein. Das ist dann aber selbst für einen älteren Herren wie mich etwas übertrieben.
Wir sind insgesamt nur sieben Touristen in vier Gruppen, Ein Paar aus Ulm, ein Sportler aus München, der Läufe auf die Zugspitze unternimmt, drei Israelis und ich. Etwas beunruhigend finde ich die Altersstruktur: Mit Ausnahme eines der Israelis könnten alle anderen inklusive Bergführer und Träger ohne weiteres meine Kinder sein. 😕
Am bekannten Feigenbaum machen wird die erste Rast.
An Tieren gibt es neben ein paar Affen und einem Büffel in der Ferne vor allem Ameisen (die Bergführer nennen sie „Safari-Ants“, weil sie dauernd umherwandern) und mein - nach Aussage meines Bergführers - erstes Chamäleon zu sehen, das sich allerdings bei näherer Bestimmung wohl als Mwanza-Agame (Agama mwanzae) entpuppt:
Der erste Tag ist locker zu schaffen. Es ist eine Wanderung, die nicht anstrengender ist, als eine Halbtagestour in einem deutschen Mittelgebirge. Für einen halbwegs fitten Menschen überhaupt kein Problem.
Gegen 17:30 Uhr kommen wir an der Miriakamba Hütte auf ca. 2500 m an. Der Aussicht ist schon mal nicht schlecht. In der Ferne sieht man die Momella-Seen.
Am nächsten Morgen wird sie aber wesentlich besser. Für einen Moment könnte man meinen, man sei auf einer Sommerwanderung in den Alpen.
Der Kilimandscharo-Guereza sorgt aber dann doch für Klarheit:
Der Kili zeigt sich in seiner Pracht - und doch ganz anders als die Alpengipfel.
Die Israelis waren dann offenbar doch etwas überrascht, dass es fast dauernd bergauf geht und haben sich am zweiten Tag – ob geplant oder ungeplant weiß ich nicht – zum Abstieg entschlossen. Somit sind wir noch ganze vier Touristen, die auf den Gipfel wollen. Wanderer auf den Kili können davon vermutlich selbst in der Nebensaison nur träumen.
Der Aufstieg bleibt gut machbar und nur etwas steiler als am ersten Tag. 3050 m sind bald erreicht.
Und immer noch Wald.
Dann wird es aber bald und schnell lichter. Der Gipfel ist das natürlich noch nicht, nur der Little Meru mit 3820 m rückt in Sichtweite.
Am frühen Nachmittag erreichen wir die Saddle Hut auf 3500 m.
Der Kili lugt zuerst nur hervor und zeigt sich dann in voller Pracht.
Nach zwei Stunden Mittagspause geht es zur Akklimatisierung nochmal 320 Höhenmeter weiter auf den Little Meru (3820 m). Es wird steiler, aber immer noch gut machbar. Und es sind nur 320 Höhenmeter.
Frank, mein Bergführer ist fantastisch. Wie gut er ist, merke ich allerdings erst am Gipfeltag…
Er ist im übrigen der Beweis dafür, dass auch „Flachlandindianer“ in den Bergen eine ausgezeichnete Figur machen können. Aufgewachsen ist er am Victoriasee und geht erst seit vier Jahren in die Berge, vor allem natürlich auf den Kili, seit knapp zwei Jahren als Bergführer. Ich wünsche ihm, dass er sein Studium mit den Einnahmen aus dem Berggeschäft bald fortsetzen kann.
Die Bergtour habe ich mit Paradies Safaris gebucht. Mit Frank haben sie tatsächlich einen fachlich und - besonders wichtig - menschlich/charakterlich ausgezeichneten Bergführer gestellt. Ich wünsche allen, die eine solche Tour in Angriff nehmen, einen so guten Bergführer.
Insgesamt war ich mit der ganzen Crew - neben Frank, drei Träger und ein Koch - sehr zufrieden. Wobei ich mir vom Koch vielleicht etwas weniger Porridge pur (nicht mein Ding) gewünscht hätte. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau.
Alle Achtung habe ich vor der einzigen Frau unter den Trägern, die mich am letzten Tag beim Abstieg locker überholt hat. 😎
Nach der kleinen Gipfeltour zum Little Meru geht es wieder runter auf 3500 m zur Saddle Hut und zum Abendessen. Insgesamt verläuft auch der zweite Tag problemlos und ist keine extreme Anstrengung. Von der dünner werdenden Luft merke ich bis zum Little Meru auf 3820 m noch überhaupt nichts. Ich fühle mich gut und bin zuversichtlich, dass ich morgen auch zum ersten Mal in meinem Leben die 4000 m überschreiten kann und werde. Mein billiger Pulsoxymeter aus dem Supermarkt zeigt allerdings eine Sauerstoffsättigung von 34 % an. 🤩 Danach muss mein Tod bereits vor einiger Zeit eingetreten sein... 😄
Um 01:00 Uhr soll der Gipfeltag beginnen. Vor dem frühen Schlafengehen, gibt es noch einen fantastischen Blick auf den aufgehenden Mond. Die Gipfelnacht ist eine Vollmondnacht.
Fortsetzung folgt.
Teil 426. Jan. 2026
Auf geht’s zum Gipfel!
Um kurz nach Mitternacht werde ich geweckt. Der Waiter-Porter ist wie immer äußerst aufmerksam und gleichzeitig zurückhaltend beim Wecken eines überzeugten Spätaufstehers…
Dieses Mal ist das aber eigentlich nicht nötig, denn Schlaf habe ich von 20 Uhr bis Mitternacht genau keinen gefunden. Das ist einfach nicht meine Schlafzeit und wird es wohl in diesem Leben auch nicht mehr werden. Und dann noch die gespannte Aufregung wegen des bevorstehenden Aufstiegs!
So starte ich den Tag ohne Schlaf aber trotzdem mit einem guten Gefühl. Zum Frühstück gibt es unter anderem eine riesige Portion Popcorn – zum Glück ohne Zucker. Die wie immer reichlichen weiteren Speisen lasse ich leider links liegen. Frühstücken um Mitternacht ist auch nicht unbedingt meins.
Um kurz nach eins brechen wir – drei Touris und drei Bergführer/Träger – mit Stirnlampen ausgerüstet von der Sattelhütte zum Gipfel des Mount Meru auf. Die Vollmondnacht ist nun leider bewölkt, weswegen der Vollmond als Lichtquelle ausfällt.
Der vierte im Bunde, der Zugspitzläufer, hatte entschieden, dass ein Aufbruch um drei Uhr völlig ausreicht und davon auch seinen Bergführer überzeugt. Er sollte für sich Recht behalten…
Die erste Stunde ist nur wenig anstrengender als die Wanderung der vorausgegangenen Tage. Es geht zwar ordentlich bergauf aber auf einem guten Serpentinenweg. Nach etwas über einer Stunde erreichen wir den Rhino Point, eine Anhöhe auf ca. 3800 m. Es ist dunkel, denn der Vollmond bleibt hinter den Wolken verborgen.
Einige Zeit nach dem Rhino Point kommen vier oder fünf Ketten als Fixseile. Es geht dort (beim Aufstieg) bergab und man sieht in der Dunkelheit – zum Glück – nicht, was für eine Stelle das ist. Man läuft an einem Hang und kann sich dabei an den Ketten festhalten. Ich schätze, dass die Ketten insgesamt so an die 200 m lang sind. Einmal rutsche ich ein wenig ab und entscheide mich, die Kette zu nutzen, in dem Glauben, die sei dafür schließlich da. Mein Bergführer schaut etwas entgeistert und murmelt nur „don’t rely on the chain!“ Beim Abstieg werde ich verstehen, was er meint…
Fotos gibt es davon leider nicht, weil es zu dunkel ist. Dafür von Arusha.
Es geht weiter und es wird deutlich beschwerlicher. Der Weg weicht immer mehr einem felsigen Pfad und so ab ca. 4100 m merke ich recht plötzlich die Höhe. Es fühlt sich an, wie ich mir Muskelschwund vorstelle. Es fällt schwer, das angewinkelte Bein auf einen Fels/Stein zu setzen und das Knie durchzustrecken. Ich brauche mehr und mehr Pausen. Ich habe keine Kopfschmerzen, kein Schwindelgefühl, keine Übelkeit oder ähnliches. Nur keine Kraft mehr. Mein Bergführer meint, das sei normal und macht sich offenbar keine Sorgen. Das beruhigt.
Schon bald muss ich die beiden jungen Leute passieren lassen. Mein Bergführer will jetzt meinen Rucksack. Ich lehne ab. So weit ist es zum Glück noch nicht.
Ganz langsam verliere ich die anderen aus den Augen. Sie laufen nicht etwa davon. Aber sie sind eben auch nicht so langsam wie ich.
Das Frustrierende an dem Berg kommt mit der Dämmerung. Man sieht ständig einen vermeintlichen Gipfel, erklimmt diesen und stellt nur fest, dass dahinter der nächste „Gipfel“ liegt. Hinter fast jedem Gipfel geht es zudem wieder ein wenig bergab und dann natürlich nur noch höher bergauf.
Der Meru war einst höher als der Kili. Bei einer gewaltigen Eruption hat er wohl mindestens 2000 Meter Höhe eingebüßt. Entstanden ist eine Caldera. Bei einem weiteren Ausbruch vor etwa 6000 Jahren kollabierte die Ostwand und in der Caldera entstand ein neuer Schlot, ein Ashcone. Man läuft um diese Caldera herum von einem vermeintlichen Gipfel zum anderen und sieht das Ziel nicht. Das zerrt an den Nerven.
Kurz darauf kommt der Zugspitzläufer locker angetrabt und ist auch schon wieder weg. Später höre ich, dass er der erste auf dem Gipfel ist, also auch die beiden anderen noch überholt hat. Wow!
Aber auch etwas frustrierend.
Dafür entschädigt dann bald der Blick auf den Kili im Osten mit der aufgehenden Sonne. Zumindest wenn man das Glück hat, den Gipfel wolkenfrei zu erleben. Ein Bild, das ich vermutlich nicht mehr vergessen werde.
Es wird immer schwerer und schließlich lasse ich mir doch den Rucksack von Frank abnehmen. Peinlich, peinlich! 😊
Nach einem weiteren vermeintlichen Gipfel bin ich erschöpft und kurz davor aufzugeben. Vor mir sehe ich die nächste Wand, noch steiler als die letzte. Ich setze mich auf einen Fels und schaue Frank fragend an. Ich signalisiere, dass ich es nicht mehr weit schaffe. Ein Foto nach unten schieße ich noch; nach oben will ich nicht mehr schauen.
Frank bittet mich, doch mal hochzuschauen und meint, er wisse, dass ich es schaffe. Ich schaue nach oben und sehe tatsächlich zum ersten Mal den Gipfel und die anderen da oben. Das gibt einen gewaltigen Energieschub. Mehr kriechend als laufend geht es weiter und um halb sieben stehe ich endlich am Gipfel.
Auf dem Bild Frank und mein „Summit Porter“. Ich habe mich gefragt, was er in seinem Rucksack wohl trägt. Die Lösung: Notfallausrüstung, falls einer wie ich dann doch zusammenbricht. Deswegen soll kein Bergführer allein mit einem Touristen auf den Gipfel gehen.
Der Blick da oben entschädigt dann doch sehr. Gegenüber der Little Meru.
Die Caldera Krater mit dem Ashcone.
Und die anderen Touris auf dem Gipfel. Mehr werden es an diesem 04. Januar auch nicht mehr.
Regenbogen auf dem Gipfel.
Und dann beginnt der Abstieg. Ich kann nicht sagen, dass dieser nach der Anstrengung leicht fiel. Das Gelände ist schon teilweise etwas unwegsam.
Hier sieht man die Gegenanstiege ganz gut. Den Sendemasten in der Ferne muss man passieren.
Dann wird es wieder etwas leichter.
Der Gipfel wirkt schon fern.
Der neue Schlot von der anderen Seite.
Der Weg zieht sich.
Aber die Landschaft bleibt spektakulär.
Und dann kommen die Ketten/Fixseile. Dieses Mal, beim Abstieg, geht es dort bergauf.
Bei Helligkeit realisiert und sieht man zwei Dinge:
Zunächst erkennt man bei Helligkeit, wo es hingeht, wenn man den Halt verliert. Auf dem Foto ist das leider nicht zu sehen. Den Abgrund schätze ich im Mittel auf 150 m. Keine erfreuliche Aussicht.
Und dann sieht man die Stelle, wo die im Felsen verankerte Kette schon einmal ausgerissen ist. Also nicht die Kette ist gerissen, sondern der Fels ausgebrochen und die Kette daneben in einem neu gebohrten Loch eingehängt. Das Ergebnis nimmt sich aber nicht viel, wenn man sich zu dieser Zeit an der Kette festgehalten hätte. Hoffen wir, dass es jetzt hält. Ich verstehe jetzt, warum Frank mir auf dem Hinweg gesagt hat, ich soll mich nicht auf die Kette verlassen...
Vor allem aber fällt jetzt mit der Erschöpfung der Anstieg richtig schwer und auf die Kette verlassen möchte ich mich auch nicht mehr unbedingt. So bin ich recht erleichtert, als ich die Passage hinter mir habe.
Bald ist dann wieder der Rhino Point erreicht. Ich denke mir, dass es doch auf dem Hinweg bis dort nicht besonders anstrengend war. Auf dem Rückweg sehe ich das jetzt doch etwas anders. Der Weg erscheint mir plötzlich unendlich lang in einer endlosen Zahl an Serpentinen. Man sieht die Sattelhütte am Anfang an einer Stelle zwischen Rhino Point und den Serpentinen in der Ferne. Aber sobald die Serpentinen beginnen, sieht man nichts mehr und hofft irgendwann hinter jeder Kurve, das es die Letzte sein möge.
Endlich gegen 10:30 Uhr erreichen wir die Sattelhütte. Mir reicht’s und die Aussicht, am Nachmittag nochmal 1000 Höhenmeter absteigen zu müssen, erscheint mir wie eine Horrorvorstellung. Ich will nur noch liegen und frage, ob es nicht möglich wäre, auf der Sattelhütte zu übernachten und lieber morgen die gesamten 2000 Höhenmeter bis zum Momella Gate abzusteigen, statt heute nochmal 1000 und morgen den ganzen Tag nur 1000 Höhenmeter.
Das geht aber nicht, weil es auf der Sattelhütte nicht genügend Proviant gibt. Alles was es dort gibt, muss hoch getragen werden, nur das Wasser ausgenommen. Die Träger lassen natürlich alles, was nur für den letzten Tag gebraucht wird, in der Miriakamba Hütte 1000 Meter tiefer. Verständlich.
Also mache ich mich mit der Vorstellung vertraut, eineinhalb Stunden zu schlafen, dann Mittag zu essen und danach für den Abstieg zur Miriakamba Hütte zu packen.
Als ich zum Mittagessen geweckt werde, geht es mir wieder erstaunlich gut. Kein Zwicken, kein Muskelkater, kein gar nichts und die Aussicht auf weitere zweieinhalb Stunden Wanderung bergab, will mir gar nicht mehr so unerfreulich erscheinen. Wie schnell man doch regenerieren kann!
Gegen 14:00 Uhr geht es schließlich mit den Bergführern, einem Ranger und den beiden anderen hinunter zur Miriakamba Hütte auf 2500 m. Der Vierte ist bereits voraus gelaufen und steigt heute noch die gesamten gut 3000 m bis zum Momella Gate ab. Das macht dann an einem Tag 1065 Höhenmeter hoch und 3065 Höhenmeter runter. Für meine alten Knochen zu viel, wenn es nicht unbedingt sein muss.
Die Tour wird auch als Drei-Tages-Tour angeboten. Ich empfehle das aber nur wirklich sehr fitten Leuten, die eine Ahnung davon haben, was über 4000 Höhenmeter an einem Tag bedeuten. Für die anderen dürften die gut 3000 Höhenmeter auf alle Fälle die bessere Option sein.
Bis zur Höhe von 3500 Metern, also bis zur Sattelhütte und natürlich auch beim Abstieg ist ein bewaffneter Ranger als Begleitung vorgeschrieben. Es gibt dort Büffel, meistens ältere Bullen, die manchmal dazu neigen, ihr Territorium gegen Menschen zu verteidigen. Wir haben am Berg zwei oder drei gesehen, die aber nicht aggressiv waren. Auf ca. 3800 m Höhe hatte allerdings ein Büffel ganz offensichtlich Durchfall, weshalb die Regel mit der Rangerbegleitung bis 3500 m eher nicht so plausibel ist.
So gegen 16:15 Uhr haben wir dann wirklich fertig für heute und erreichen die Miriakamba Hütte für eine letzte Nacht am Berg. Zum Fotos machen bin ich zu müde.
Die Betten sind für eine Berghütte erstaunlich bequem. Auch die Speisesäle sind sauber und gepflegt. Was auf beiden Hütten fehlt, ist fließendes Wasser. Die Sattelhütte hat wohl gar keinen Wasseranschluss, die Miriakamba Hütte hat einen, der jedoch aktuell außer Betrieb ist. Auch in den Sanitäranlagen gibt es kein fließendes Wasser. Einer der Träger, der „Waiter-Porter“ versorgt mich aber jeden Morgen mit einer Schüssel warmen Wassers, was für eine Gesichtswäsche etc. völlig reicht. Das Wasser aus einer Quelle wird für die Touristen abgekocht. Eigene Fotos habe ich vom Inneren der Hütten nicht gemacht. Wenn ich noch welche bekommen sollte, reiche ich sie nach.
Beim Aufstieg waren beide Hütten fast leer. Wir waren nur sieben Touristen und jeder konnte ein Zimmer für sich alleine haben. Nun ist aber eine Horde von rund 30 lautstarken Amerikanern und dazu noch einige Franzosen eingetroffen und es wird eng. Ich vermute aus Respekt vor meinem hohen Alter schlägt man mir nicht vor, das Zimmer mit anderen zu teilen. In jedem Zimmer stehen nämlich zwei Etagenbetten, so dass jeweils vier Personen pro Zimmer übernachten können. Das Paar, das mit mir auf dem Gipfel war, muss das Zimmer hingegen mit einem Neuankömmling teilen.
Als ich mir einige der Amis im Speisesaal ansehe, verspüre ich das Bedürfnis Wetten darauf abzuschließen, wer es wohl bis zum Gipfel schaffen wird. Einige sind bereits ohne Rucksack mit nicht unbeträchtlichen Zusatzlasten ausgestattet. Ich werde die Auflösung meiner fiktiven Wetten wohl nie erfahren. Vielleicht auch gut so, denn Gehässigkeit ist wahrlich kein schöner Charakterzug.
Der Trubel durch die vielen Leute legt sich erstaunlich schnell, als es dunkel wird und ich schlafe nach diesem anstrengenden und ereignisreichen Tag ganz vorzüglich.
Fortsetzung folgt.
Teil 530. Jan. 2026
Abstieg letzter Akt
Am Abend hatte es stark geregnet und es sieht aus, als stünde für den letzten Tag eine Rutschpartie bevor. Besonders bergaufwärts ist am Morgen viel los und alle richten sich auf eine Regenwanderung ein. Dann wird der Regen weniger und pünktlich zu unserem Aufbruch, gerade als alle sich in Regenkleidung gepackt hatten, hört es auf. Der Weg ist griffig und kein Problem.
Es wird eine lockere und kurze Wanderung von vielleicht zweieinhalb Stunden. Dafür geht es hinunter durch eine bezaubernde Landschaft. Es sieht teilweise aus wie ein Zauberwald mit Bäumen, von denen lange weiße und grüne Bärte herabwachsen.
Der Abstieg folgt einer anderen, etwas kürzeren aber steileren Route als der Aufstieg. Unterwegs treffen wir zunächst einen scheuen Büffel.
Es geht über eine Brücke und vorbei an einem Wasserfall,
an dem Giraffenknochen herumliegen.
Kurz darauf sehen wir Giraffenknochen mitsamt Giraffen.
Und auch die "Safari-Ants" (Treiberameisen) sind so zahlreich wie faszinierend anzusehen, solange man auf nähere Bekanntschaft verzichtet.
Nach etwa zwei Stunden Abstieg nähern wir uns dem Momella Gate. Der Wald hört auf, das Gelände ist jetzt fast eben und offen. Es sind immer mehr Tiere zu sehen und in der Ebene sind auch einige Spaziergänger unterwegs. Man sieht uns offensichtlich an, dass wir nicht auf einem Tagesausflug/Spaziergang sind, denn manche Spaziergänger auf Tierbeobachtung machen anerkennende Bemerkungen.
Dann erreichen wir das Momella Gate den Start und das Ende der Wanderung. Dort werden die Urkunden für die Besteigung und die Trinkgelder überreicht sowie ein Abschiedsfoto mit der Bergcrew gemacht. Ein letztes Foto von Meru und Little Meru lassen die Wolken zu.
Auf dem Weg aus dem Park sehen wir aus dem Auto noch einige Tiere. Langsam geht das Wandern in den Safariteil über.
Gleich zu Anfang ein recht scheues Wesen. Mein Bergführer sagt Duiker, meine Erkennungssoftware meint: eindeutig Buschbock.
Die anderen Tiere sind für mich klarer identifizierbar:
Und zu guter Letzt noch ein Schwarzkopfreiher mit stoischer Ruhe.
Dann geht das Abenteuer Meru zu Ende. Mein Bergführer und der Koch gehen mit mir noch in Usa River essen und bringen mich anschließend zur Meru View Lodge zurück. Den Rest des Tages faulenze ich dort zwischen Biergarten und Speisesaal.
Teil 1 der Reise geht damit zu Ende und die Fortsetzung mit Teil 2 folgt.
Teil 606. Feb. 2026
Resümee Mount Meru
Die Besteigung des Meru war eine tolle Erfahrung und am Gipfeltag für mich eine Herausforderung. Sie ist meines Erachtens auch für einen untrainierten Menschen fortgeschrittenen Alters machbar, wenn eine gewisse Grundfitness vorhanden ist. Die ersten beiden Tagen sind recht locker zu machen, so dass man den Gipfeltag durchaus etwas unterschätzen kann.
Der Berg hat definitiv Lust auf mehr gemacht, auch auf größere Höhen. Eine vage Idee habe ich auch schon….
Ich hatte mit Frank einen wirklich tollen Bergführer und war mit dem Team auch im übrigen sehr zufrieden.
Fragwürdig finde ich das Trinkgeldsystem, bei dem es sich eigentlich nicht um ein Trinkgeld handelt, sondern um einen mehr oder weniger fest mit geringer Spanne vorgegebenen Lohn für die Bergcrew. Das gilt natürlich genauso für die anschließende Safari.
Wenn das Trinkgeld auf der Webseite mancher Unternehmen der Branche angegeben ist, kann man wohl nicht mehr von einem Trinkgeld sprechen. Ich finde, die Leute sollten von ihrem Arbeitgeber zumindest so bezahlt werden, dass sie nicht auf einen mehr oder weniger vorgegebenen Tagessatz an Trinkgeld angewiesen sind. Ein Trinkgeld gebe ich gerne, wenn ich zufrieden bin. Ein „Trinkgeld“, auf das der Empfänger angewiesen ist, weil es einen wesentlichen Teil seines Einkommens ausmacht, ist in meinen Augen kein Trinkgeld, sondern ein fester und moralische verpflichtender Teil der Reisekosten. Diese amerikanische Seuche, Arbeitnehmer die mit Trinkgeld rechnen können, nicht ordentlich zu bezahlen und stattdessen den Kunden die Entlohnung zu übertragen, breitet sich leider auf der Welt immer mehr aus. Wie man als Tourist dagegen etwas unternehmen kann, weiß ich momentan nicht, freue mich aber über Anregungen.
Darüber und über die bevorstehende Safari denke ich an meinem „Ruhetag“ am 06.01.2026 nach. Ansonsten unternehme ich an diesem Tag nach meiner Rückkehr in die Meru View Lodge nur kürzere Spaziergänge zwischen Lounge, Speisesaal, Biergarten und meinem Bungalow.
Am Abend kommt dann meine Tochter an und wir essen gemeinsam mit meinem Bergführer zu Abend.
Morgen geht es in den Tarangire.
Teil 709. Feb. 2026
Safari
Am Morgen werden wir abgeholt und der Safariteil beginnt mit Zepha unserem Fahrer und Guide und Salim, unserem Koch.
Erstaunlich, wie schnell so ein Auto auch mit nur zwei Gästen voll ist. Ich frage mich, wie Leute das auf einer Safari in einer offenen Gruppe machen.
Dann geht es auf den Weg zum Tarangire. Arusha können wir umfahren und so kommen wir zügig voran. Unterwegs sehen wir immer wieder Gruppen von Massai-Jungen in der traditionellen schwarzen Kleidung nach der Beschneidung.
Das Land ist teilweise schon sehr trocken und man fragt sich, wie die Tiere der Massai dort genug zu fressen haben.
Dann erreichen wir gegen Mittag den Tarangire-Nationalpark, sehen die ersten Tiere kurz nach dem Eingang auf dem Weg zum Campingplatz. Das allererste Wildtier ist, glaube ich, diese Grünmeerkatze.
Dann sehen wir die ersten Zebras und diese recht stattliche Schirmakazie.
Für einen kurzen Stopp fahren wir die Public Campsite N° 1 an und laden dort Zelte etc. sowie die Verpflegung aus. Damit lassen wir unseren Koch zurück. Dann geht es weiter mit einem farbenfrohen Vogel, vermutlich einer Gabelracke,
sowie einer kleinen Familie von Zwergmangusten.
Und dann ist es soweit: Wir sehen die ersten Elefanten, für die der Tarangire so bekannt ist.
Der Kleine hat sichtlich Spaß im Minipool und lässt sich kaum mehr zum Aufstehen überreden.
Schließlich zieht die Herde dann aber doch weiter.
Die erste Antilope, die wir sehen, ist ein Wasserbock.
Der Tarangire hat – wie mir berichtet wurde – vor unserer Ankunft einige Tage Regen bekommen und hat die trotz der kleinen Regenzeit aufgetretene ungewöhnliche Trockenperiode einigermaßen hinter sich gelassen.
Dann treffen wir zum ersten Mal auf das Huhn mit Helm und Perlengefieder, das offenbar lieber wegrennt als zu fliegen. Zumindest haben wir die Art im weiteren Verlauf der Reise noch oft gesehen und zwar immer nur rennend vor unserem Auto flüchtend jedoch nie fliegend.
Und dann treffen wir „Pumbaa, den Snack der Löwen“, wie unser Guide das Tier beschreibt.
Kaum gesagt, sehen wir tatsächlich die erste Katze. Für uns ist es tatsächlich das erste Mal, dass wir eine Großkatze in freier Wildbahn beobachten können. Wow!
Zebras sehen wir reichlich im Park. Für regelmäßige Safariurlauber vermutlich nichts Besonderes, für uns auf unserer allerersten Safari schon.
Einer meiner liebsten Vögel, der Grauhals-Kronenkranich. Schon etwas farbenfroher als die Kraniche, die ich im vergangenen Herbst in Brandenburg beobachtet habe.
Der Dreifarben-Glanzstar ist am ersten Tag wirklich sehr hübsch anzusehen, nach ein paar Tagen Safari aber so häufig anzutreffen, das er schon nicht mehr auffällt.
Für unser erstes Dikdik halten wir natürlich auch an.
Und auch Herr und Frau Wasserbock sind am ersten Safaritag noch recht imposant anzusehen.
Diese drei Gesellen sehen – wie eigentlich ihre Art immer – eher ein wenig schlecht gelaunt aus.
Elefanten sehen wir im Tarangire so viele wie nie mehr auf dem Rest der Safari.
An einer hohlen Akazie machen wir eine kurze Fotopause für Menschenfotos, bevor es weitergeht.
Kurz darauf sehen wir die ersten Impalas. Interessante Geschichten und Interpretationen weiß unser Guide über deren Leben und Paarungsverhalten zu erzählen. Kurzfassung: Zu einer größeren Gruppe Weibchen gehört immer ein dominantes Männchen – solange bis das Männchen von all den Weibchen erschöpft und geschwächt ist und von einem noch nicht erschöpften anderen Männchen vertrieben wird. Ob das so stimmt, habe ich nicht überprüft.
Ich kann nicht beurteilen, wie der Tarangire Anfang Januar aussehen sollte. Aber es gibt zumindest einige Stellen mit recht sattem Grün. Es soll aber immer noch zu wenig geregnet haben.
Bei einer Gruppe Pavianen bleiben wir, um das Gruppenverhalten der Tiere zu beobachten. Die Bilder sind mit Ausnahme einiger Einzelaufnahmen leider nichts geworden.
Warum sich diese Giraffe dem Bodenwuchs zuwendet, statt der Akazie auf normaler Kopfhöhe, weiß ich nicht.
Und immer wieder tauchen Elefanten auf.
Und am späteren Nachmittag auch immer wieder Giraffen. Was für ein elegantes Tier!
Ob diese Elefantenkuh wohl trächtig ist oder nur etwas korpulent?
Sieht aus wie ein Kaktus, ist aber kein Kaktus: Der Kandelaberbaum.
Der Tag neigt sich dem Ende zu. Die Schabrackenschakale erwachen zum Leben.
Und auch nicht schlecht, finde ich diesen Herrn Specht, genauer gesagt Flammenkopf-Bartvogel.
Gnus haben wir an diesem ersten Tag kaum gesehen. Dafür war eine Einzelaufnahme möglich. Die einzige von einem Gnu auf der gesamten Safari.
Der erste Safaritag endet mit Mutter und Kind.
Der Campingplatz ist kaum besucht. Neben uns und dem Personal ist dort in dieser Nacht nur noch ein Selbstfahrer-Paar. Die erste Nacht im Zelt verläuft ohne Besucher. Ein paar Löwen hört man in der Ferne brüllen aber zu Gesicht bekommen wir in der Nacht nichts. Und auch am Morgen gibt es – von den Affen in der Umgebung abgesehen – nichts zu entdecken. Die Bäume in der Umgebung des Campingplatzes sehen allerdings schon so aus, als hätten sie regelmäßig Elefantenbesuch.
Fortsetzung folgt
Teil 811. Feb. 2026
Vom Tarangire in die Seronera
Von der Planung für den nächsten Tag hat man mir von mehreren Seiten abgeraten. Vom Tarangire bis in die Seronera an einem Tag verspricht eine zu lange Fahrerei mit wenig Erlebnis zu werden. Unsere Ziele, nämlich Tarangire, NCA mit Ngorongo-Krater und Ndutu sowie Serengeti habe ich vorgegeben, die Reihenfolge aber nicht. Es wurde dann eine Tour in der (Übernachtungs-)reihenfolge Tarangire, Serengeti, Serengeti, Ndutu, Kraterrand von Wakanda zusammengestellt. Ich habe noch versucht, die Reihenfolge der Tagesziele etwas zu ändern und vorgeschlagen, am zweiten Tag vom Tarangire nur bis zum Kraterrand zu fahren. Es schien mir sinnvoller, dafür lieber am letzten Tag die etwas längere Rückfahrt von Ndutu zum Flughafen in Kauf zu nehmen. Das ging aber nicht mehr und so machen wir uns am Morgen auf eine lange Autofahrt ohne besondere Ereignisse gefasst.
Soviel vorab: Es wird wesentlich besser als befürchtet.
Nach dem Frühstück geht es zeitig los. Bis zum Kraterrand des Ngorongoro ist es eine ereignislose Fahrt. Aber ab dort wird die Fahrt recht kurzweilig, weil unser Fahrer immer wieder an den richtigen Stellen anhält.
Auf dem Weg vom Krater hinab sieht man zahlreiche Massai-Siedlungen und die Nutztiere stehen teilweise direkt neben den Wildtieren auf dem Weideland.
Noch vor dem Tor zur Serengeti sehen wir immer wieder Giraffen, Zebras und Gnus. Ein Vorgeschmack auf Ndutu, wo um diese Jahreszeit die Migration ist.
Dann ist es soweit, wir erreichen das Tor, das eigentlich gar keines ist.
Und fahren kaum 10 Minuten, bis wir diese satte Dame treffen.
Wenig später treffen wir diesen Herrn, der offenbar gerade einen Wie-posiere-ich-am-besten-für-Touristen-Kurs erfolgreich absolviert hat und sich bei unserem Anblick entscheidet, das ihm gebührende Podest zu betreten.
Munter geht es gleich weiter mit der Raubtiershow.
Am ersten Kopje sehen wir zwar keine Raubtiere, dafür diese stahlblaue Felsenagame.
Dann treffen wir auf dies Gepardenmutter mit zwei Jungtieren.
Wir kommen kaum weiter, denn die nächsten Katzen liegen fast am Wegesrand.
Bei so vielen Katzen braucht es natürlich auch ein paar Beutetiere.
Langsam wird es Abend und wir sind immer noch unterwegs. Für die Hippos nehmen wir natürlich gerne noch einen Umweg in Kauf.
Als wir die Public Campsite in der Seronera erreichen, muss der Zeltaufbau fix gehen, weil es bereits dämmert.
Fazit: Die Fahrt war lang aber überhaupt nicht langweilig. Der Nachmittag war im Prinzip ein normaler Gamedrive. Im Nachhinein bin ich froh, dass die Stopps so geplant wurden und keine Verschiebung mehr klappte. Sozusagen 3 von 5 haben wir bei der Durchreise beobachtet. Für uns, die wir zum ersten Mal eine Safari in Afrika erleben, ist der Tierreichtum kaum zu fassen.
Nach dem Abendessen und dem Kilimanjaro-Bier (oder war es ein Safari – egal, Hauptsache kein Serengeti) befestige ich meine Wildtierkamera noch an einem Baum in der Nähe meines Zelts. Man hört einen Löwen recht nah brüllen und unser Koch erzählt noch Schauergeschichten von Leoparden in der Toilette. Mein Tochter ist etwas verunsichert und muss zum Zelt begleitet werden…
Und so geht Tag zwei zu Ende.
Fortsetzung folgt.
Teil 916. Feb. 2026
Ein Tag in der zentralen Serengeti
Im nächsten Morgen sehe ich als erstes nach, was meine Wildtierkamera so eingefangen hat. Und siehe da, eine Hyäne gegen halb elf und ein Dikdik ca. 04:20 Uhr morgens waren da.
Die Parkmitarbeiter im Camp meinen, dass sie in der Nacht auch den Löwen gesehen hätten, den wir nur gehört haben.
Dann geht es noch vor Sonnenaufgang los. Weit kommen wir nicht, bis uns dieser Kerl mit offensichtlichen Verdauungsbeschwerden begegnet, der ziemlich viel Gras frisst und auch sonst nicht besonders glücklich dreinschaut.
Schließlich reicht es ihm vom Gras fressen und er schaut lieber nach der gleich aufgehenden Sonne.
Oder etwa doch nach seinem Rudel?
Dann kommt die Sonne wirklich über den Horizont und der Anblick ist umwerfend, egal mit welcher Fotografiermaschine. Vielleicht sollte ich öfter mal früh aufstehen. Sonnenaufgänge kenne ich eigentlich wenig.
Es werden immer mehr Löwen.
Der Durst wird gestillt.
Mietzekatze, große Katze mit Mietzekatzen.
Die ersten Ballone steigen mit der Sonne auf.
Die Marabus warten gemeinsam mit ein paar Gänsegeiern auf ein Frühstück.
Die Löwen scheinen aber gerade nicht im Jagdmodus zu sein.
Eine Gabelracke und zwei Rüppelwürger genießen den Morgen.
Dann treffen wir auf ein paar Büffel, die sich die Parasiten entfernen lassen und gewohnt finster dreinschauen.
Ein Sekretär kreuzt unseren Weg.
Zwei Serengeti-Topis stehen auf der Wiese.
Unsere Krokodil-Sichtungen waren auf der gesamten Safari leider äußerst begrenzt. Mehr wurde es auch in den folgenden Tagen nicht mehr.
Mit den Flusspferden haben wir aber mehr Glück.
Auch Herr und Frau Strauss kreuzen unseren Weg, bzw. blockieren ihn.
Am Nachmittag treffen wir ein riesiges Löwenrudel. Ich schätze, es waren mindestens 35 Tiere. Zuerst sehen wir sie recht schläfrig herumliegen. Der Schatten der Autos wird ausgenutzt.
Ein Jungtier sitzt im Baum.
Kurze Zeit später sehen wir den Grund der Ruhe – die fast verspeiste Beute. Überraschenderweise frisst ein Männchen als letztes Tier die nur noch wenigen Reste. In der Regel frisst der Kater zuerst. Allerdings besteht dieses Rudel aus zwei erwachsenen Katern. Unser Guide meint, dass dies nur dann möglich sei, wenn die beiden Kater Brüder sind. Einer ist dann allerdings dominant – sicher nicht der Kater, der zuletzt frisst.
Und dann treffen wir den anderen Kater – offensichtlich längst satt unter einem Baum mit einer Löwin.
Zwei gar nicht scheue Dikdiks.
Langsam geht es zurück zum Campingplatz. Auf der Rückfahrt sehen wir unter anderem Elefanten.
Zuletzt kreuzt eine junge Pantherschildkröte unsere Piste.
Kurz vor Beginn der Dämmerung erreichen wir nach einem vollen Tag in der zentralen Serengeti wieder den Campingplatz, wo unser Abendessen bereits fast fertig ist. Hier verbringen wir die zweite Nacht in der Seronera. Morgen geht es langsam südwärts nach Ndutu.
Fortsetzung folgt.
Teil 1025. Feb. 2026
Von der Seronera nach Ndutu
Nachdem am gestrigen Morgen die Wildtierkamera angeschlagen hat, habe ich mein Glück erneut versucht. Am Morgen erzählen uns die Parkmitarbeiter, dass wir Besuch von einem Flusspferd hatten. Leider hat sich das Flusspferd entschlossen, nicht vor meine Kamera zu laufen und so habe ich kein nächtliches Hippo, sondern nur einen erneuten Besuch einer Tüpfelhyäne kurz vor Mitternacht aufgenommen.
Fotos unserer Zelte in der Seronera habe ich die letzten beiden Tage vergessen und hole sie jetzt nach.
Nach dem Frühstück geht es noch einen Vormittag durch die zentrale Serengeti, bevor wir am Nachmittag Richtung Süden nach Ndutu fahren, wo wir am Abend zur Abwechslung mal in einer Tented Lodge, nämlich dem Safari Haven Migration Camp übernachten werden. Aber bis dahin gibt es noch ein paar Sichtungen.
Der Tag beginnt mit einem weiteren Löwenrudel, das sich ebenfalls an den Resten eines erlegten Büffel erfreut. Büffel scheinen bei Serengeti-Löwen im Januar ganz oben auf der Speisekarte zu stehen.
Unser Guide hat den Ehrgeiz, noch Leoparden zu finden. So liegt unser Fokus darauf und wir verlassen die fressenden Löwen recht bald.
Es dauert tatsächlich nicht lange, bis wir fündig werden. Eine Leopardenmutter hat ihren fast ausgewachsenen Nachwuchs zwar noch in Sichtweite. Der Mutter-Kind-Abstand ist aber schon beträchtlich.
Das fast erwachsene Kind liegt leider recht ungünstig für eine Aufnahme.
Und etliche hundert Meter weiter die Leopardin, leider ebenfalls sehr gut getarnt und deswegen weniger gut abzulichten.
Auf der Rückfahrt vom Baum der Mutter bekommen wir mit Geduld eine bessere Perspektive auf das Jungtier.
Die Straussenfamilie scheint ein recht konservatives Familienbild zu haben. Die Henne wird von den Küken begleitet, der Hahn spaziert ein wenig unbeteiligt daneben.
Ein paar Kongoni-Kuhantilopen sehen wir hier zum ersten Mal.
Der letzte Vormittag in der Serengeti geht langsam zu Ende und die Rückfahrt verläuft, wie der erste Tag begonnen hat – mit Löwen, Giraffen und Geiern. Das Löwenrudel ist jetzt endgültig fertig mit dem Büffel. Viel ist nicht übrig geblieben. Aber es sieht fast aus, als hätten sie den Kadaver aufgeräumt, damit er nicht mitten auf der Wiese herumliegt.
Zum Mittagessen kommen wir zum letzten Mal zum Campingplatz, wo Salim nicht nur gekocht sondern auch gepackt hat. Nach einem leckeren Essen geht es dann ein letztes Mal durch die Serengeti nach Süden Richtung Ndutu. Wir fahren zwar entlang der „Hauptstraße“, aber in gemächlichem Tempo mit offenem Dach und halten noch ein paar Mal an. Nach den letzten zwei Tagen kommen uns Zebras, Antilopen, Büffel, Giraffen und Elefanten so alltäglich vor, dass wir bei den meisten Sichtungen schon auf die Kamera verzichten. Ein Landschaftsfoto mit Giraffen muss aber noch sein.
Von diesem Unzertrennlichen weiß ich nicht, was für eine Unterart es ist. Vielleicht kann das ja jemand eindeutig bestimmen. Zuerst dachte ich Pfirsichköpfchen. Aber dazu passen die weißen Augenringe nicht. Das Erdbeerköpfchen ist laut Wikipedia woanders beheimatet, wobei ich dazu widersprüchliche Angaben gefunden habe: Einerseits vom Süden Tansanias bis nach Mosambik und Malawi und an anderer Stelle West- und Zentralafrika von Kamerun bis DR Kongo. Bleibt noch Schwarzköpfchen. Das passt zwar wohl zur Sichtung in der Serengeti aber der Kopf ist sicher nicht schwarz und auch eher nicht braun, sondern rot bis orange. Ich bin daher ratlos. Wer weiß weiter?
Bei den Kopjes haben wir kein Glück mit Sichtungen gehabt. Schön anzusehen sind sie auch ohne Tiere allemal.
Und dann die Sichtung, auf die ich besonders gehofft habe. Leider in recht beachtlicher Entfernung und ohne dass der Serval uns den Gefallen tut, einmal zurückzublicken.
Am Abend erreichen wir das Safari Haven Migration Camp und freuen uns auf eine warme Dusche und ein echtes Bett. Das Camp sieht nett aus und gefällt uns. Was das Essen anbelangt, schlägt Salim, unser Safarikoch das Camp allerdings deutlich.
Morgen geht es dann durch Ndutu und wir hoffen auf Eindrücke von der Migration.
Fortsetzung folgt.
Teil 1102. März 2026
Durch Ndutu
Im Bett schläft es sich doch ganz vorzüglich, wenn man davor im Zelt geschlafen hat. Und so geht es am Morgen deutlich später los als geplant. Aber sei’s drum. Urlaub ohne ausreichend Schlaf ist auch blöd.
Das Packen geht dafür recht schnell, weil es wenig einzupacken und nichts abzubauen gibt. Unser Gepäck wird zum Auto getragen, obwohl ich protestiere. Mit ist es nach wie vor peinlich, mit leeren Händen zwischen Leuten zu laufen, die mein Gepäck tragen. Gewöhnen werde ich mich daran nicht, so lange ich zwei gesunde Arme und Beine habe. Aber gut, das scheint wohl zumindest in Tansania üblich zu sein. Womöglich auch in anderen afrikanischen Ländern. So extrem wie in Tansania habe ich das aber auf anderen Reisen noch nicht erlebt, weder in Asien noch in Mittelamerika noch in Ozeanien.
Dann geht es los nach Osten durch Ndutu bis zum Abend, wo wir in der Simba Campsite eine letzte Nacht im Zelt verbringen werden.
Vor den wilden Tieren passieren wir eine Gruppe Massai mit ihren Nutztieren. Ndutu ist nicht Teil des exklusiv den Wildtieren vorbehaltenen Serengeti-Nationalparks. Es gehört zur Ngorongoro Conservation Area (NCA).
Man hört, dass die Regierung Tansanias die Massai gerne von dort vertreiben möchte und es dagegen verständlichen Widerstand gibt. Ich hoffe sehr, dass die Massai nicht erneut Opfer der Tourismus-Industrie werden.
Der erste Eindruck am Morgen ist Weite.
Ansonsten beginnt der Tag mit Vögeln. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Mit wilden Vögeln.
Auf der Suche nach der Migration finden wir zunächst – ein Katze…,
…kurze Zeit später dann aber doch, was wir gesucht haben…,
…aber auch den Beweis, dass die Migration Begleiter hat.
Wobei dieser Begleiter wohl eher nicht das Gnu gerissen hat…,
…hingegen die schon eher.
Und auch diese Kumpanen kommen in Betracht.
Aber wenden wir uns lieber den lebendigen Beutetieren zu, wegen derer wir nach Ndutu wollen. Sie sind viel zahlreicher und zudem viel schöner anzusehen. Zwar bei weitem nicht so, wie es vermutlich am Mara-Fluß aussehen muss. Aber auch hier hangabwärts mit einer gewissen Dynamik.
In der Ebene sind es viele.
Eines zu isolieren ist nicht nur für die Jäger schwierig, sondern auch für die Fotojäger.
Gnus und Zebras in Symbiose.
Was wir leider nicht sehen, ist die Geburt der Gnus. Wir sind offensichtlich ein bisschen zu früh da, denn frisch geborene Kälber sehen wir keine. Und auch eine Jagd sehen wir auf der Safari nicht. Unsere Löwensichtungen sind entweder müde Katzen oder fressende Katzen. Hier etwa wieder die erste Sorte.
Einen letzten Blick auf die Migration gibt es trotzdem noch.
Insgesamt fand ich Ndutu weniger spannend als erwartet. Die Herden sind sicher spektakulär und über zu wenig Tiersichtungen will ich mich wirklich nicht beklagen. Aber nach den Tagen in der Serengeti und der Vielfalt dort sind wir verwöhnt. Hätten wir die erhofften Kälber gesehen oder eine Jagd, wäre das Fazit sicher etwas anders.
Am späteren Nachmittag erreichen wir dann den Abzweig zur Olduvai-Schlucht, auch bekannt als die Wiege der Menschheit, mit dem auffälligen Denkmal.
Bevor wir den Simba A Campingplatz erreichen, gibt es noch einen Blick auf diese immer wieder erstaunlich eleganten Bewohner, die es morgen im Krater nicht zu sehen geben wird.
Und dann erreichen wir Simba A und verfolgen diesen Besucher, während die Zelte aufgebaut werden.
Der Campingplatz wird von einer mächtigen Akazie dominiert, an der ich sogleich meine Wildtierkamera befestige.
Am Abend wird es noch recht amüsant mit einer Gruppe Koreanerinnen und Japanerinnen, die beim Essen immer wieder verängstigt aufspringen, weil einige durchaus große Käfer im Speiseraum herumschwirren und am Tisch der Gruppe Landungen trainieren. Das Geschrei steht im totalen Gegensatz zu dem coolen Guide der Gruppe, der schweigend mehrere Tiere mit der Hand einfängt und rauswirft.
Morgen beginnt der letzte Tag der Safari und es geht in den Ngorongoro-Krater. Wir haben uns wieder einmal vorgenommen früh aufzustehen…
Fortsetzung folgt.
Teil 1208. März 2026
Finale im Krater
Die Nacht im Zelt auf ca. 2300 m Höhe am Kraterrand des Ngorongoro ist erstaunlich warm. Um 01:30 sind es noch 14° C und selbst am frühen Morgen vor Sonnenaufgang erreichen wir noch zweistellige Temperaturen. Tatsächlich schaffen wir es aber für unsere Verhältnisse einigermaßen früh aufzustehen, weshalb es mir gelingt, um 06:40 Uhr und 06:57 Uhr diese Fotos vom Sonnenaufgang zu schießen.
Die Beute in meiner Wildtierkamera ist erheblich. Die KI sagte dazu allerlei Unsinn wie Tüpfelhyäne aber meines Erachtens sind das – neben den Zebras – ein Kaffernbüffel, vier Kongoni-Kuhantilopen (Hartebeest) und danach noch ein Büffel. Was meint Ihr?
Es ist also durchaus etwas los auf der Simba A Campsite in dieser Januarnacht.
Und dann geht es hinunter in den Krater. Schon die Fahrt ist wirklich eindrucksvoll, auch wenn ich aus dem fahrenden Auto keine Fotos mache. Es ist übrigens überraschend wenig Verkehr. Nach den Berichten, die ich vorher gelesen habe, rechne ich mit Fahrzeugkolonnen bei jeder Sichtung. Weit gefehlt. Mit einer Ausnahme, die später noch kommt, ist der Andrang eher mäßig. In der Serengeti waren es teilweise deutlich mehr Fahrzeuge. Teilweise sind wir im Krater alleine. An einem Picknickplatz zum Frühstück ist neben uns nur ein weiteres Fahrzeug mit einem Paar aus Indien zugegen. Ich bin positiv überrascht.
Die erste Sichtung ist ein alter Elefant, der uns aber nur sein Hinterteil zuwendet und uns beim sehr langsamen Fressen ignoriert.
Dann treffen wir diesen Herren auf morgendlicher Streife.
Wir fahren in den hinteren Teil des Kraters, wo zum Teil dichte Vegetation ist und treffen dort diese grüne Meerkatze mit Nachwuchs.
Von weitem sieht man ein Gehege mit Breitmaulnashörnern, die im Jahr 2025 aus Südafrika importiert wurden. Die Tiere befinden sich noch in der Eingewöhnungsphase und sollen später im Krater freigelassen und angesiedelt werden. Etwas befremdlich, denn die Art war dort noch nie heimisch. Da es sich aktuell sowieso um ein Gehege handelt, haben wir auf einen Blick aus der Nähe verzichtet und uns lieber auf eine Sichtung eines Spitzmaulnashorns konzentriert, das dort bekanntlich hingehört, frei herumläuft und nicht importiert ist.
Aber zunächst gibt es wieder zahlreiche Vogelsichtungen. Los geht es mit Pelikanen und Störchen.
Diese Kaffernbüffel haben offenbar eine andere Vorstellung von Morgentoilette als die meisten Vertreter des Homo sapiens.
Am Picknickplatz, der fast leer ist, wird dieser gelbe Freund, ein Maskenweber von unserem Frühstück angelockt.
Dazwischen ein paar Zebras zuerst auf der Weide und dann beim Fangen spielen.
Und schließlich Flamingos, ich denke Zwergflamingos? Oder doch rosa Flamingos?
Bei diesen wunderschönen Kronenkranichen bin ich mir sicher. Ich finde, einer der schönsten Vögel.
Schließlich treffen wir einige Katzen, von denen ich vor lauter Videos das Bilder machen fast vergessen hätte. Die Kleinen sind recht drollig, wie sie miteinander raufen.
Nach ein paar weiteren Kronenkranichen, die nochmal abzubilden ich mir hier spare, ist es dann so weit: Die Nummer fünf der Big Five steht an, das Spitzmaulnashorn. Das Tier ist freilich so weit weg, dass ich ohne Fernglas nur erahnen kann, was für ein Tier da auf der Weide steht. Entsprechend sind auch die Bilder recht bescheiden. Der Strauss ist beinahe klarer zu erkennen.
Und dann geht es hinauf und hinaus aus dem Krater. Von oben gibt es einen letzten Blick auf das Weltnaturerbe, bevor es zurück zum Campingplatz geht, wo Salim gekocht und gepackt hat.
Nach einem kurzen Stopp am Campingplatz zum Einladen geht es weiter. Gegessen wird unterwegs. Die Rückfahrt ist ohne besonderes Ereignis. Salim, unseren Koch setzen wir auf dem Rückweg bei seiner Familie in der Nähe von Mtowa Mbu ab und machen noch ein Abschiedsfoto.
Mit der Rückfahrt in einen Vorort von Arusha endet auch der zweite Teil der Reise. Wakanda organisiert noch einen Transfer zum Flughafen mit einem Pkw mit einem anderen Fahrer. Am Abend werden wir am Flughafen unseren Nissan X-Trail übernehmen und ohne feste Planung aber mit der Absicht den Mkomazi zu durchfahren nach Osten aufbrechen.
Insgesamt fanden wir den Krater schon recht sehenswert und sind froh ihn nicht ausgelassen zu haben. Vermutlich hatten wir mit dem geringen Besucherandrang wirklich Glück und ich kann mir gut vorstellen, dass es auf dem verhältnismäßig kleinen Kraterboden bei mehr Fahrzeugen schnell unschön werden kann.
Die Nashornsichtung war allerdings eher enttäuschend. Das Tier war vielleicht 250 m oder weiter entfernt. Aber die Landschaft ist umwerfend und die beiden Löwinnen mit Jungen waren schon sehr speziell, weil dies das einzige Mal auf der Safari war, dass wir über die gesamte Zeitdauer das einzige Auto bei einer Löwensichtung waren. Also sehen muss man den Krater. Ob man da bei den Preisen zweimal hin muss, denke ich eher nicht.
Bald geht's weiter mit dem dritten Teil der Reise.
Teil 1308. März 2026
Vom Flughafen nach Moshi
Um 17:00 Uhr wollen wir unseren Mietwagen am Flughafen übernehmen. Schon recht bald ist klar, dass wir das zeitlich nicht ganz schaffen werden. Zepha, unser Guide ist entspannt und weist darauf hin, dass wir in Afrika seien. Eine halbe Stunde später sei überhaupt kein Problem. Als wir in einem Vorort von Arusha umsteigen um mit einem klimatisierten Pkw zum Flughafen gebracht zu werden, ist es 17:00 Uhr. Wir reden nochmal mit unserem neuen Fahrer und der meint, wir sollten vielleicht doch Bescheid geben, dass wir uns so 35 Minuten verspäten. Er fragt nach der Nummer und kümmert sich um den Anruf. Alles klar meint er und hakuna matata.
Die Fahrt geht zügig, weil wir eine neue, trotz Berufsverkehr wenig befahrene Umgehungsstraße nehmen und um kurz nach halb sechs sind wir am Jambo Café, wo wir unseren Wagen bekommen sollen. Weil noch niemand da ist, nehmen wir im Café Platz. Unser Flughafenchauffeur ist ein freundlicher geselliger Mensch und wir unterhalten uns angeregt. Unsere Idee ist, am Abend noch ein kleines Stück bis Moshi zu fahren, dort zu übernachten und morgen bis Same zu fahren. Dort wollen wir erkunden, wie es mit einer Durchfahrt durch den Mkomazi Nationalpark aussieht. Wir wollen nämlich über den Haupteingang, das Zange Gate, einfahren und dann möglichst weit nach Osten durch den Park fahren, um damit einen Teil der Strecke zur Küste zu bewältigen, statt wie wohl die meisten, zurück zum Zange Gate zu fahren. Informationen darüber, ob das geht, welche Gates dafür geöffnet sind und was man so beachten muss, haben wir online wenig bis gar nicht gefunden und wollten uns daher in Same am Gate schlau machen. Alternativ haben wir uns überlegt, durch die Usambara-Berge zu fahren.
Die Zeit vergeht und der Sonnenuntergang naht. Irgendwie hatte man mir, dem Afrikaanfänger doch geraten, Nachtfahrten in Afrika unbedingt zu vermeiden. Wir wollen aber noch bis Moshi fahren, damit es morgen nicht ganz so weit bis Same ist und wir dort noch den nächsten Tag planen können. Und auf eine Unterkunft in Flughafennähe habe ich sowieso grundsätzlich keine Lust.
Gegen 18:30 bitten wir unseren Chauffeur, der die ganz Zeit mit uns im Jambo Café gewartet hat, nochmal die Mietwagenfirma anzurufen. Wir hören, dass der Fahrer, der den Wagen bringen soll, in 10 Minuten da sein soll.
Um 19:15 Uhr, es ist natürlich bereits dunkel, taucht ein roter Nissan X-Trail vor dem Café auf und ein entspannter Fahrer steigt aus. Vor dem Café ist zumindest genug Licht, um den Wagen ein wenig zu überprüfen und Fotos zu machen. Der Wagen ist nicht neu aber völlig in Ordnung, wäre da nicht ein kleines Problem: Ich hatte ausdrücklich einen 4WD bestellt. Bekommen haben wir einen 2WD. Auf die Automatik hätte ich gerne verzichtet aber 4x4 ist mir wichtig. In den Usambara-Bergen sind für einige Strecken auch 4x4 empfohlen. Hakuna matata, meint der Mietwagenvertreter, es sei ja zur Zeit trocken. Dass wir in den Mkomazi wollen, kann ich ihm allerdings nicht sagen…
Ich einige mich mit ihm darauf, das Problem morgen mit seinem Chef zu besprechen und wir übernehmen schließlich den Wagen. Und so sieht das rote Automobil bei Tageslicht aus.
Was ich gelernt habe: Wenn man sich in Tansania 30 Minuten verspätet, sollte man darüber besser kein Wort verlieren. Sonst können aus 30 Minuten Verspätung schnell zusätzliche 100 Minuten Wartezeit werden.
Als wir los fahren, ist es stockdunkel und meine erste Fahrt mit dem Wagen ist eine Nachtfahrt. Ich bin ganz sicher kein Fahranfänger, habe seit 41 Jahren einen Auto- und noch länger einen Motorradführerschein. Auch mit Linksverkehr habe ich bestimmt um die 5000 km Erfahrung. Zu Hause mache ich auf größeren Strecken gerne Nachtfahrten, weil ich dann mit entsprechender Motorisierung „etwas zügiger“ fahren kann…
Der Verkehr zwischen Arusha und Moshi an diesem Montagabend ist allerdings schon etwas anstrengender als sonst. Am störendsten finde ich, dass trotz dichtem und teilweise stockendem Verkehr gefühlt jeder Zweite mit Fernlicht fährt, ein Viertel mit viel zu hoch eingestelltem Abblendlicht und der Rest, vor allem Mopeds, entweder vorne oder hinten oder ganz ohne Licht. Und dann die Fahrweise der meisten Busfahrer, Wahnsinn! Es wird völlig unabhängig vom Gegenverkehr überholt, gehupt und der schwächere Gegenverkehr, also Pkw, Zweiräder und Fußgänger erbarmungslos von der Straße gedrängt. Die Busse kommen mit dieser Fahrweise natürlich bei weitem am schnellsten voran. Es ist, als hätten sie ein virtuelles Einsatzhorn, das ihnen gegenüber allen anderen Fahrzeugen Vorrang einräumt. Generell gilt ganz offensichtlich als wichtigste Verkehrsregel das Recht des Stärkeren.
Ich fahre so defensiv wie selten, konzentriere mich höllisch auf allerlei nicht oder kaum beleuchtete andere Verkehrsteilnehmer am Straßenrand und schwimme, soweit das geht, im relativ dichten Verkehr mit. Ich habe den Eindruck, dass die Straßen auf diesem Abschnitt besonders schmal sind; aber vermutlich kommt der Eindruck nur von dem stark blendenden Licht der Massen an Fernlichtfahrern und der Sorge, jemandem am Straßenrand zu nahe zu kommen.
Gegen 20:15 Uhr erreichen wir Moshi. Auf dem Weg dorthin hatte meine Tochter eine Unterkunft gebucht, die allerdings im Norden der Stadt liegt. Wir müssen daher zunächst einmal durch die Stadt. Zum Fahren ist es in der Stadt zunächst angenehmer als auf der Landstraße vom Flughafen bis Moshi. Die Suche nach der Unterkunft wird allerdings auf den letzten Kilometern ein echtes Abenteuer. Es geht über längere, natürlich unbeleuchtete Schotterpisten mit ordentlichen Schlaglöchern immer wieder sehr steil bergauf und bergab. Teilweise fühlt man sich mehr im Wald als in der Stadt und Google ist im Nahbereich der Unterkunft keine besondere Hilfe mehr. Wir suchen die Unterkunft, kommen aber nicht wirklich heran, weil Google uns immer wieder einen längeren Fußweg vorschlägt. Personen zum Fragen sind in dieser etwas außerhalb liegenden Wald- und Wohngegend um diese Zeit auch keine auf der Straße und so irren wir umher bei dem Versuch, die Unterkunft von zwei Seiten anzufahren,mal fahrend, mal wendend und wieder fahrend. Es ist zum Glück wirklich trocken, denn einige Steigungen mit größeren Schlaglöchern könnten mit dem 2WD bei Regen tatsächlich etwas kritisch sein.
Nach einem kleinen Chat mit der Unterkunft schickt diese einen Sohn mit dem Moped, um uns zu eskortieren. Das Versenden eines Placemarks funktioniert nur bei uns, nicht aber bei der Unterkunft. Es stellt sich heraus, dass wir tatsächlich keine 800 m entfernt waren. Aber den letzten Abzweig in den Wald hätten wir wohl nie gefunden, weil er wie eine Grundstücksauffahrt aussieht.
Unsere Unterkunft ist das Shimbwe Meadows Home -3.258549,37.372882. Sie liegt bereits in Sichtweite zum Kilimandscharo National Park. Es ist ein Homestay, natürlich mit der gesamten Familie im gleichen Haus und wir werden sehr herzlich willkommen geheißen. Trotz der für afrikanische Verhältnisse recht vorgerückten Stunde erhalten wir nach 22:00 noch ein recht opulentes Abendessen. Der älteste Sohn des Hauses ist ein Bergführer und wir unterhalten uns fast bis Mitternacht über meine Meru-Besteigung und die besten Routen auf den Kilimandscharo, dessen Besteigung er mir sehr ans Herz legt. So endet der Tag gegenüber den letzten Tagen spät aber im Prinzip wieder zu meinen von zu Hause gewohnten Schlafzeiten.
Ich denke, der Rat Nachtfahrten in Afrika sein zu lassen, hat auf alle Fälle seine Berechtigung. Für nicht wirklich sichere oder gar unerfahrene Autofahrer ist das ganz sicher ein sehr angebrachter Rat. Unmachbar schien mir persönlich die Nachtfahrt allerdings auch nicht, wenngleich deutlich anstrengender als tagsüber.
Fortsetzung folgt.
Teil 1410. März 2026
Von Moshi nach Same, oder: Der Tag der Irrfahrten
Da das Internet recht stabil funktioniert, nutzen wir den kommenden Morgen für berufliches. Davor frühstücken wir aber auf der Terrasse und genießen dabei die wunderschöne Aussicht auf den Kili.
Insgesamt kann ich die Unterkunft für die Durchreise empfehlen. Man sollte sie nur finden und das möglichst bei Tageslicht.
Der Chef der Mietwagenfirma meldet sich unaufgefordert. Offenbar hat sein Mitarbeiter berichtet, dass ich mit dem Downgrade auf einen 2WD nicht zufrieden bin. Er meint allerdings, dass das ein Fehler der deutschen Vermittler sei. Das überzeugt mich wenig, denn in meiner Buchungsbestätigung steht ausdrücklich 4x4. Nach einigem Hin und Her schlägt er vor, dass ich für die fünf Tage statt der inkludierten 500 km den Wagen ohne Mehrkosten mit unlimitierten Kilometern fahren darf. Das klingt tatsächlich nach einem Geschäft, denn wir beabsichtigen etwa 1.000 km zu fahren und sparen bei 0,51 € / Mehrkilometer damit über 250 €. Da es sowieso keine Aussicht auf ein anderes Auto gibt, willige ich ein und verzichte dafür auf eine weitere Reklamation bei meinem deutschen Vermittler.
Gegen Mittag brechen wir Richtung Same auf. Meine Tochter hat leider seit einigen Tagen hartnäckige Halsschmerzen, weshalb wir uns auf dem Weg nach einer Apotheke und einem Geldautomaten umsehen. Eine Apotheke ist etwas außerhalb von Moshi schnell gefunden, ein funktionierender Geldautomat benötigt drei Versuche.
Dann geht es auf der gut ausgebauten Straße Richtung Same. Es ist wenig Verkehr und mit Ausnahme einer längeren Baustelle ist die Straße durchgehend und recht ordentlich asphaltiert. Das Autofahren am Tag ist auf dieser Straße überhaupt kein Problem. Ich bin durchaus versucht, meine weniger erfahrene Tochter fahren zu lassen, die noch nie im Linksverkehr gefahren ist. Aber wir entscheiden, uns doch an die Regeln zu halten und auf einen bei der Anmietung nicht angegebenen weiteren Fahrer zu verzichten.
Die Landschaft ändert sich. Der Kili im Rücken verschwindet und vor bzw. links von uns tauchen die nördlichen und dann die südlichen Pare-Berge auf. Sehr schön anzusehen aber Fotos aus dem Auto machen wir mit einer Ausnahme nicht.
Dann erreichen wir Same, ein gegenüber den Dörfern entlang der Strecke etwas größeres aber doch recht beschauliches Städtchen. Kurz hinter dem Ortseingang sehen wir ein Hinweisschild zum Zange Gate und folgen diesem spontan, um uns wegen unseres geplanten Besuchs und einer Durchfahrt zu erkundigen. Die asphaltierte Straße endet an einem offenen Schlagbaum mit einem Häuschen. Wir fahren langsam heran und halten. Aus dem Häuschen werden wir durchgewunken und wundern uns ein wenig. Es geht weiter auf der etwas wellblechigen Schotterpiste. Gegenverkehr gibt es keinen und die rechte Seite ist in einem besseren Zustand als die eigentlich korrekte linke Seite. Mit Ausnahme einer Gruppe Ziegenhirten mit ihren Tieren begegnet uns niemand. Nach ein paar Kilometern sehen wir Hinweisschilder zum Zange Gate und wollen diesen nach links abbiegend folgen. Der Weg ist von hohem Gras bewachsen und sieht nicht frequentiert aus. Wir kommen keine 100 m, wo ein offenbar absichtlich auf den überwucherten Weg gelegter großer Baumstamm die Weiterfahrt versperrt. Mit einem Land Cruiser wäre der Stamm wohl zu überwinden gewesen; mit unserem 2WD X-Trail lasse ich es lieber bleiben. Wie sich herausstellt, ist das die richtige Entscheidung.
Wir steigen aus und erkunden die Gegend zu Fuß. Wie ein Nationalpark-Eingang sieht es hier beim besten Willen nicht aus. Nach ein paar Hundert Metern zu Fuß kehren wir um. Hier ist niemand und es sieht auch nicht so aus, als wäre in den letzten Wochen jemand dort gewesen. Netz gibt es keines, eine spontane Navigation scheidet deswegen aus. Wir fahren zurück in den Ort, um von dort zu navigieren. Bis wir wieder Netz haben, ist es ein gutes Stück zu fahren. Dann die Erleuchtung: Wir waren am Zange Gate, dem früheren Eingang zum Mkomazi. Der aktuelle Eingang ist aber das New Zange Gate, noch ein Stück weiter die soeben befahrene Same-Kisiwani Road entlang. Im Hinterkopf hatte ich diese Information schon. Beim spontanen Versuch zum Gate zu fahren war mir das aber nicht mehr präsent und Hinweise gibt es an der Straße bis zum alten Gate leider keine. Also machen wir uns mit frischem Wissen ausgestattet erneut auf zum aktuellen Haupteingang des Mkomazi, dem New Zange Gate. Es ist tatsächlich nur ein paar Kilometer weiter als das alte, verlassene Gate. Den Weg zweimal hin und zurück fahren, kostet trotzdem ordentlich Zeit. Aber Umwege erhöhen bekanntlich die Ortskenntnis…
Am richtigen Gate angekommen werden wir freundlich begrüßt. Wir sind die einzigen Besucher zu dieser vorgerückten Nachmittagsstunde. Der äußerst freundliche und hilfsbereite Ranger schlägt vor, sofort in den Park einzufahren, auf dem Campingplatz kurz hinter dem Eingang zu übernachten und morgen weiter zu fahren. Was die Durchfahrt anbelangt, so bestätigt er, dass das möglich ist, wenn man bei der Einfahrt Bescheid gibt, wo man ausfahren möchte. Es stehen drei weitere Gates für die Ausfahrt zu Verfügung:
Das Umba Gate liegt am weitesten im Osten aber es wird schnell klar, dass eine Fahrt dorthin an einem Tag kaum zu machen ist, wenn man nicht gerade ohne anzuhalten zügig durchfahren will. Auch die Ranger bestätigen, dass der östliche Teil des Parks kaum erschlossen ist und eine Fahrt dorthin etwa elf Stunden dauert. Also nichts für uns mit unserem 2WD.
Das Kamakota Gate ist unser eigentlicher Favorit, denn es liegt ebenfalls recht weit im Osten und eignet sich daher für unsere Weiterfahrt zur Küste sehr gut. Als der Ranger beginnt, mir den Weg dorthin zu erklären, wird mir aber schnell klar, dass das mit unserer Ausrüstung eher nichts ist. Ich bilde mir zwar ein, einigermaßen Auto fahren zu können, aber Orientierung gehört leider nicht zu meinen Stärken. Offroad-Karten für den Park haben wir nicht und Mobilfunk gibt es dort nur sporadisch. Bereits die Erklärung des Weges und aller Kreuzungen überfordert mich. Auch das Kamakota Gate ist gewiss sieben bis acht Stunden vom Zange Gate entfernt. Falsch abzubiegen kann man sich da nicht oft erlauben, ohne im Park übernachten zu müssen, denn das Gate schließt um 18:00 Uhr. Wir beschließen, dass das für uns nichts ist.
Es bleibt das Njiro Gate. Zwar kein großer Zeitgewinn gegenüber einer Rückfahrt nach Same aber immerhin eine Durchfahrt statt zweimal der gleichen Strecke. Und so entscheiden wir uns für diese Alternative.
Die Preise sind wie überall in Tansanias Nationalparks gesalzen. Besonders die Concession Fee / Camping Fee veranlasst uns, auf eine Übernachtung zu verzichten und statt dessen am nächsten Morgen in den Park zu fahren. Am Abend ein paar Kilometer in den Park zum Campingplatz einzufahren und dort für viel Geld in einem geliehenen Zelt zu übernachten, ergibt aus unserer Sicht keinen Sinn. Statt dessen entscheiden wir uns, das Angebot eines jungen Praktikanten der Parkverwaltung TANAPA anzunehmen, der uns auf dem Weg vom Zange Gate zum Njiro Gate begleiten und dann mit dem Bus zurück fahren will. Natürlich übernehmen wir das Busticket und er bekommt ein ordentliches Trinkgeld, wie alle Guides auf Safari. Für uns bedeutet das, ohne Sorge um die Orientierung durch den Park zu fahren. Wir verabreden uns für den nächsten Morgen und fahren zum zweiten Mal zurück nach Same.
Da es langsam auf den Abend zugeht, kümmern wir uns nun um eine Unterkunft. Meine Tochter bucht die „Grace Villa“. Diese soll sich in der Same-Kisiwani Road befinden, wo wir gerade sind und die aus der Stadt heraus zum Zange Gate – egal ob „old“ oder „new“ führt. Wie üblich gibt es natürlich keine Hausnummer zur Unterkunft und die Same-Kisiwani Road ist mehrere Kilometer lang. Unter der Telefonnummer, die bei der Buchung angegeben ist, antwortet niemand. Unseren diversen Messengerdiensten ist die Nummer auch nicht bekannt.
Aber wozu hat man einen Mund, denken wir uns und fragen den Ersten, den wir auf der Straße sehen, nach dem Weg. Wir werden ans andere Ende der Straße geschickt und stellen dort fest, dass die Auskunft falsch war. Dort ist eine Art Bar für die Dorfjugend und es kennt zunächst niemand die Grace Villa. Wie immer auf unserer Reise versucht man uns zu helfen und wer keine Antwort weiß, sucht nach jemandem, der die Antwort hat. So auch hier und auf dem Parkplatz findet sich dann so jemand, der uns wiederum dorthin schickt, woher wir gekommen sind. Es sei ein Neubau, erst kürzlich eröffnet, etwas abseits der Straße und außerhalb der Ortschaft, also zurück Richtung Zange Gate. Die Beschreibung ist recht präzise, wir danken und machen uns wieder – nun zum dritten Mal – auf den Weg in die Richtung, aus der wir gerade gekommen sind.
Wir finden das hell beleuchtete Haus, das wirklich neu und recht herrschaftlich aussieht, genau so, wie es uns beschrieben wurde, nach gut zehn Minuten Fahrt und denken, dass die Lage für unseren morgigen Tag optimal ist, weil kaum zehn Minuten vom Zange Gate entfernt. Leider gibt es am Gebäude keinerlei Hinweis und man sieht auch niemanden auf der Straße. Das Tor ist verschlossen. Wir überlegen was wir machen können, als jemand zum Tor kommt und uns freundlich nach unserem Anliegen fragt. Es stellt sich heraus, das auch dieses Gebäude nicht die gesuchte Grace Villa ist und wir ein Hotel erreicht haben, welches zwar kurz vor der Fertigstellung steht aber noch nicht eröffnet ist. Der freundliche Portier weiß leider mit dem Namen Grace Villa nichts anzufangen. Er beginnt zu telefonieren und es scheint, dass die Grace Villa keine besonders bekannte Lokalität in Same ist. Es kommen zwei weitere Personen aus der falschen Grace Villa und einer weiß dann tatsächlich Bescheid. Leider spricht keiner der drei ausreichend Englisch, um uns den Weg zu erklären. Aber hilfsbereit wie die Menschen in Tansania sind, rufen sie einen Mopedfahrer, der uns zur Grace Villa eskortieren soll.
Keine fünf Minuten später erscheint unsere Eskorte und bringt uns schließlich zur richtigen Grace Villa. Diese hat erst vor wenigen Tagen eröffnet. Wir sind die zweiten Gäste, sagt uns der sehr bemühte und stolze Hotelchef. Allerdings ist die Adresse bei Booking.com schlicht falsch angegeben. Grace Villa befindet sich in der Lusingu Street im Ort Same, ca. 600 m abseits der kilometerlangen Same-Kisiwani Road. Für einen Ortsunkundigen ohne Hilfe unmöglich zu finden. Die falsche Adressangabe hat wohl bis heute Bestand. Nicht unbedingt förderlich für ein neues Unternehmen.
Das Hotel selbst ist wirklich nagelneu erbaut. Der Kühlschrank in unserem Zimmer ist noch originalverpackt und ich mache mich daran, ihn auszupacken und anzuschließen, damit mir das Eisfach alsbald ein gekühltes Kilimanjaro Premium Lager spendieren kann.
Der Bau selbst ist allerdings ein einziges Fiasko. Die Badezimmertür ist so schief eingebaut, dass sie sich nicht schließen lässt. Die Elektroinstallation im Bad ist zumindest für Personen über 1,80 m Körpergröße beim Duschen lebensgefährlich. Isolation des elektrischen Durchlauferhitzers nebst Zuleitungen? Nicht vorhanden. Die anstelle von Sockelleisten im Speisesaal verlegten Fliesen hat man teilweise angebracht, teilweise weggelassen, wodurch Lücken von 30 cm bis 60 cm Länge entstehen. Offenbar war kein Werkzeug zum Zuschneiden von Fliesen vorhanden, weshalb man sich entschlossen hat, am Sockel nur da welche anzubringen, wo die Einheitsgröße der Sockelfliesen genau passt. Beim Lackieren der Türen hat man die silberfarbenen Beschläge, Klinken und Schlösser gleich ein wenig mit lackiert, wodurch ein interessantes Farbgemisch von Silber zu Bronze entstanden ist. Dass man eine Holztür eventuell lackieren sollte, bevor man die Drückergarnituren anbringt, scheint sich dort noch nicht herumgesprochen zu haben. Ich könnte noch bis morgen aufzählen, was ich in einer Nacht dort an Absurditäten sehe. Ich bin kein Baufachmann. Aber so viel für jeden Laien offensichtlichen Pfusch habe ich an einem Neubau noch nie gesehen.
Für eine Nacht ist es okay und wenn man weiß, dass über einem eine nicht durchgehend isolierte Stromleitung verläuft, duscht man halt ein bisschen vorsichtiger und gebückter. Aber das Wichtigste: Der koreanische Kühlschrank tut seinen Dienst postwendend, nachdem ich ihn ausgepackt und angeschlossen habe und so gibt es ein oder sogar zwei kühle Biere.
Eine Bewertung habe ich auf Booking.com trotz mehrmaliger Bitte des stolzen Inhabers nicht abgegeben. Sie hätte ihm vermutlich nicht so gefallen.
Und so geht auch dieser Tag nach einer weiteren nächtlichen Suchfahrt nach der gebuchten Unterkunft zu Ende.
Fortsetzung folgt
Teil 1511. März 2026
Durch den Mkomazi nach Tanga
Am Morgen machen wir uns zum vierten Mal auf den Weg zum Zange Gate und werden dort schon erwartet. Außer uns sind weit und breit keine Besucher zu sehen, weshalb sich gleich drei oder vier offenbar weniger ausgelastete Mitarbeiter um uns kümmern. Wir erhalten eine Einführung in die Tierwelt des Mkomazi und man versucht uns die Nashorn-Aufzuchtstation schmackhaft zu machen. Da wir dafür einen größeren Umweg fahren müssten und wohl zwei Tage bräuchten, lassen wird das aber. Ich finde den Aufpreis auch durchaus überzogen.
Gegen die Wildhund-Aufzuchtstation haben wir uns bereits auf Grund von @Piccos Reisebericht von Januar 2025 entschieden. Ich fahre nicht durch einen Wildtierpark, um dort ein großes Hundegatter zu besuchen. Die Arbeit dort mag wichtig und gut sein. Als Attraktion empfinde ich sie nicht.
Wir entscheiden uns daher, vom Zange Gate mit einem kleinen Umweg zum Njiro Gate zu fahren. Dafür reichen ca. vier bis fünf Stunden im Park. Wir sind uns schließlich über unser Vorhaben einig und der junge Praktikant scheint sich auf die Abwechslung zu freuen.
Bevor es los geht, müssen allerlei Gebühren bezahlt werden und der Ausdruck der gefühlt 37 Dokumente sowie das Stempeln und Tackern derselben dauert halt. Die richtige Person für jede dieser Tätigkeiten muss auch bereit stehen, weil die Verrichtungen schon angesichts der vielen wenig beschäftigten Mitarbeiter am Gate gerecht verteilt werden. Während ich warte, bis ich zahlen und die Dokumente einsammeln kann, macht meine Tochter mehr aus Langeweile ein paar Fotos vom Parkeingang und den dortigen Sammlungen von Tierpräparaten, Fundstücken und Exkrementen.
Dann geht es los und unser Begleiter erweist sich gleich als echter Kenner des Parks. Er ist sehr gesprächig und weiß über alle Tierarten etwas zu berichten. Er hat enormes Wissen und spricht wie ein Student, der bald noch eine Prüfung vor sich hat. 😗
Vor allem aber weiß er, wo im Park man mit Tiersichtungen rechnen kann. Das ist in dem Park durchaus kein Selbstläufer. Der Mkomazi ist mit den bekannten Parks im Nordwesten nicht vergleichbar. Die Tiere sind viel scheuer und man muss schon wirklich wissen, wohin man fährt. Auf dem direkten Weg zum Ausgang am Njiro Gate gibt es über rund eine Stunde kein einziges Säugetier zu sehen. Aber der von unserem Begleiter vorgeschlagene Umweg führt uns zu einigen Sichtungen.
Los geht es kaum 15 Minuten vom Eingang entfernt mit einem Elefanten. Man sieht schon den deutlich größeren Abstand, den das Tier hält.
Die Impala-Mutter mit ihrem Jungen ist auch nicht so nah, wie etwa die Impalas im Tarangire zu Beginn unserer Safari.
Noch mehr Impalas.
An die Zebras kommen wir etwas näher heran.
Besonders beeindruckend ist die Vogelschar im Park. Hier ein Scharlachspint oder ein Karminspint. Ich kann sie nicht sicher unterscheiden….
...gefolgt von einer Gabelracke…
...und ein paar Nilgänsen, für die man wohl nicht unbedingt nach Ostafrika reisen muss.
Von der nächsten Tiersichtung gibt es keine Fotos. Das Tier, das wir schon die ganze Zeit über erwartet haben, ist nur etwa 1 cm groß und gar nicht scheu. Es kommt sogar ins Auto und ließe sich gut fotografieren, weil es wirklich zutraulich werden kann. Die meisten Menschen und auch wir sind da keine Ausnahme, sind davon trotzdem nicht angetan und versuchen es zu töten. Es handelt sich um die Tsetsefliege, mit der wir im Mkomazi erstmalig Bekanntschaft machen.
Unser Guide erweist sich auch da als echter Profi und fängt die Dinger mit der Hand. Er meint, dass sie nicht stechen oder besser beißen können, wenn man sie richtig anfasst. Ich verzichte auf einen Test, wobei ich ohnehin die Hände am Steuer habe. Eines der Viecher erschlage ich aber bei einem Halt mit einem Stück Papier und der Inhalt der Fliege ist recht üppig, flüssig und von roter Farbe. Wen sie erwischt hat, finden wir nicht heraus. Von uns hat keiner etwas gespürt. Es gibt im weiteren Verlauf der Fahrt noch zwei weitere Attacken dieser Fliegen aber unser Guide sieht sie so rechtzeitig, dass wir die Fenster noch schließen können. Penetrant umkreisen sie das fahrende Fahrzeug und suchen nach einem Einlass. Die Fenster sind aber dicht. Der X-Trail hat gegenüber einem reinen Safarifahrzeug auch Vorteile.
Die schönste Giraffe unserer Reise sehen wir eindeutig im Mkomazi.
Aber auch die anderen Vertreter sind immer wieder schön anzusehen.
Und zu guter Letzt noch ein weiterer Bienenfresser, entweder Typ Scharlach oder Typ Karmin.
Wir sehen noch diverse Antilopen, die aber alle zu weit entfernt sind, um mit unserer Ausrüstung (Sony Alpha 6000 mit 70-350 Telezoom, Panasonic Lumix DC-TZ202 und Telefone) ein vernünftiges Foto zu machen. Die einzigen Kudus unserer Reise sehen wir hier. Leider im dichten Busch nicht zu fotografieren. Außerdem noch Kuhantilopen und die allgegenwärtigen Warzenschweine. Da wir von den Sichtungen in den anderen Parks bereits verwöhnt sind, schauen wir uns statt zu fotografieren lieber die schöne Landschaft an, die sich doch sehr von Tarangire, Serengeti und NCA unterscheidet.
Die Fahrt durch den Park ist an einigen Stellen, besonders kurz vor dem Njiro Gate mit dem X-Trail etwas kniffelig, weil es dem Wagen ein wenig an Bodenfreiheit mangelt. Andere Fahrzeuge sehen wir während der rund vier Stunden im Park genau zwei.
Am frühen Nachmittag verlassen wird den Park wie geplant durch das Njiro Gate. Obwohl der Wärter mit unserem wohl per Funk angekündigten Besuch rechnet, tut er sehr geschäftig und will alle Papiere genauestens kontrollieren. Dumm nur, dass ich just dieses eine Stück Papier, auf dem „Permit“ steht, zum Erschlagen der Tsetsefliege verwendet habe. Er schaut recht grimmig, lässt uns dann aber doch passieren. Was der Kerl an diesem Posten wohl den ganzen Tag macht, würde mich interessieren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er dort jeden Tag Menschen zu Gesicht bekommt. Vielleicht wird man bei diesem Job auf Dauer zum Misanthropen. Er war jedenfalls der unfreundlichste Tansanier, den wir getroffen haben, eigentlich überhaupt der Einzige, auf den das Adjektiv unfreundlich passt.
Vom Gate fahren wir noch ca. 15 Minuten zur nächsten Siedlung nach Kisiwani, wo wir unseren wirklich tollen Guide absetzen. Er nimmt von dort den Bus zurück nach Same und freut sich offensichtlich über einen Tag mit Extralohn.
Von Kisiwani starten wir den Weg zur Ortschaft Mkomazi, wo die Schotterpiste wieder auf die B1 Richtung Küste trifft. Es sind ca. 70 km Schotterpiste, die in den Ortschaften immer wieder ein kürzeres Stück asphaltiert ist. Eine zwar nicht spektakuläre aber wie ich finde sehr ansehnliche Gegend. Vermutlich ist es kaum oder gar kein Zeitgewinn gegenüber der Rückfahrt nach Same. Aber die Fahrt ist landschaftlich reizvoll und die Piste in einem ganz ordentlichen Zustand. Mit unserem Auto ist sie problemlos zu machen. Das Fahren macht mir Spaß.
Die (Kultur-)Landschaft ist recht grün.
Reisfeld und Palmen sind eine recht ansehnliche Kombination.
Im Hintergrund sieht man die südlichen Pare-Berge.
Im Vordergrund ein Reptil und im Hintergrund ein weiteres. Ich vermute weibliche Felsenagamen.
Bei einer Rast treffe ich auf diverse Ziegen verschiedener Couleur.
Am späten Nachmittag erreichen wir schließlich wieder die B1 und fahren ohne größere Stopps noch bis Tanga. Nachdem ich vorgestern schon eine Nachtfahrt gemacht habe, erreichen wir Tanga kurz bevor es vollständig dunkel ist.
Nach der Erfahrung der letzten Tage mit gebuchten Unterkünften, die recht schwierig zu finden waren, beschließen wir, in einer belebten Gegend zu parken und zu Fuß nach einer Unterkunft Ausschau zu halten. Wir werden sehr schnell fündig und übernachten in einer sehr lebhaften Unterkunft, deren Namen ich entweder nie erfahren oder wieder vergessen habe. Aber die blöde Datenschleuder aus Cupertino, mit der meine Tochter unterwegs ist, speichert zu jedem Foto die Koordinaten und deswegen finde ich, während ich diesen Bericht schreibe heraus, dass wir im Sengiya Inn, Chumbageni übernachtet haben, wo die Zimmer einfach aber sauber sind.
Es gibt dort außer uns nur Einheimische. Im Obergeschoss sind die Zimmer, unten die Musik und der Alkohol. Tanga ist zwar überwiegend muslimisch geprägt, der Alkohol fließt in unserer Unterkunft trotzdem.
Die Übernachtung ist im Vergleich zu den Touristenpreisen in Tansania spottbillig. Bei 25.000 TZS pro Zimmer (ca. 8,50 €) entscheiden wir uns für zwei Zimmer. Bezahlen kann man nur bar, was mich in Verlegenheit bringt, weil ich nur noch zwei 100 US$ Scheine habe. Damit will ich nicht bezahlen, weil das nach meiner Erfahrung in Unterkünften für Einheimische selten gut ankommt. Ein Mitarbeiter der Unterkunft wird mit mir zum nächsten Geldautomaten geschickt und das Problem ist gelöst.
Die freundliche junge Frau, die uns die Zimmer zeigt, spricht leidlich Englisch und ist äußerst interessiert an den Haaren meiner Tochter und so tauschen sich die beiden jungen Damen über die verschiedenen Styling-Möglichkeiten afrikanischen Haares aus. Als sie hört, was man in Deutschland für das Haare flechten bezahlt, fällt sie fast in Ohnmacht und möchte meine Tochter gleich an ihre Friseurin vermitteln.
Es wird ein toller Abend und ich sitze bis fast Mitternacht an der Bar, wo neben Bier auch Fußball (Afrika-Cup Halbfinale Senegal – Ägypten!) läuft. Auch wenn die Safari mit all den Tiersichtungen eine tolle Sache war, sind es doch in erster Linie solche Abende wie dieser, für die ich Fernreisen mache. Das sind allerdings Erinnerungen, die man nicht auf Fotos festhalten kann.
Zufrieden mit dem Tag schlafen wir nach Mitternacht ein.
Fortsetzung folgt.
Teil 1613. März 2026
Zwei Tage an der Suaheli-Küste
Am Morgen sind wir schon gegen 08:00 Uhr zur Abreise fertig und machen uns auf den Weg nach Süden entlang der Suaheli-Küste Richtung Pangani. Unser Plan ist, so lange die Küste entlang zu fahren, bis wir einen Ort sehen, an dem es uns gefällt, maximal aber bis Pangani.
Leider verschlimmern sich die Halsschmerzen meiner Tochter und sie wirft schon seit gestern eine Ibuprofen nach der anderen ein. Wir überlegen, in Tanga einen Arzt aufzusuchen, verwerfen das aber, weil es noch so früh am Morgen ist.
Die Küstenstraße von Tanga nach Süden, die Pangani Road, ist eigentlich keine Küstenstraße, wie wir schnell merken. Sie verläuft etwas landeinwärts in einiger Entfernung zur Küste und es ist überwiegend noch eine Schotterpiste. Das wird sich aber bald ändern, denn offenbar mit chinesischer Unterstützung wird dort eine Straße gebaut, so glatt, dass man in Deutschland nur davon träumen kann. Ein Abschnitt von ca. 15 km ist bereits fertig und dieser Teil ist mit Abstand die beste Straße, die ich in Tansania gesehen habe. An vielen Stellen stehen die Baumaschinen mit chinesischen Schriftzeichen herum.
Landschaftlich interessant ist die Strecke leider nicht, von dem Gegensatz zwischen (vermutlich) chinesischer Straßenbaukunst und lokaler Piste einmal abgesehen. Aber die Menschen auf den Straßen, der etwas chaotische Verkehr am frühen Morgen auf dem Weg aus Tanga heraus geben doch viele Eindrücke. Da meine letzte Fernreise nach Vietnam ging, kommt mir der Gedanke, wie gegensätzlich diese Kultur doch ist. Das Stadtbild in Vietnam, wo man am frühen Morgen überall Menschen diszipliniert in Gruppen beim Sport beobachten kann und dagegen die Tansanier, die zwar ebenfalls recht früh unterwegs sind, aber eben ein eher anarchisches Stadt- und Straßenbild abgeben.
Kurz vor Pangani beschließen wir, doch das WWW zu Rate zu ziehen, um einen netten Platz für unsere letzten ein oder zwei Tage zu finden. Zu dem Zeitpunkt haben wir noch nicht entschieden, ob wir es riskieren sollen, den Rückweg frühmorgens am Abflugtag anzutreten, denn unser Rückflug geht am 17.01. um 18:10 Uhr. Eigentlich reicht die Zeit, um am frühen Morgen von Pangani zum Flughafen Kilimandscharo zu fahren und vor dem Abflug noch den Mietwagen zurückzugeben. Aber andererseits darf dann natürlich nicht viel schief gehen. Mehr als ein platter Reifen, der sich ohne Komplikationen wie festsitzende/ausgeleierte Radschrauben oder ähnliches Unbill zügig tauschen lässt, wäre dann schon eine kleine Katastrophe. Andererseits wären zwei Nächte an der Küste aber schon schön.
Wir vertagen die Entscheidung und konzentrieren uns auf die Suche nach einem schönen Ort. Unsere Wahl fällt auf das Juani Pangani ca. fünf km vor Pangani.
Das Haus ist sehr offen und man ist der Natur wirklich nahe. Es ist momentan eigentlich ein Wohnhaus mit ein paar „Fremdenzimmern“, wie man das früher bei uns genannt hat. Statt in einem der Zimmer, kann man auch in einem Bett auf der Veranda übernachten und sich dann nur von einem Moskitonetz umgeben das Abendkonzert der Affen anhören, die auch gerne auf der Veranda herumtollen und in dem recht offenen Haus nach Essbarem suchen.
Die Unterkunft ist recht abseits gelegen. Alles ist sehr naturverbunden. Man ist umgeben von Palmen, Gebüsch und hohem unberührtem Gras. In den Bäumen sitzen die Affen. Der Gastgeber ist ein guter Handwerker und was er vor allem aus Holz schafft, sieht sehr vielversprechend aus. Es entsteht daneben noch ein weiteres Gebäude, in dem man dann übernachten kann.
Das Areal wurde von ein paar Deutschen (und einem Österreicher, wenn ich mich richtig erinnere) erworben und wird von diesen wohl auch abwechselnd bewohnt. Sie haben den Strand aufgeräumt, so dass es dort keinen Plastikmüll gibt und lassen das Land zu einem großen Teil so wie es ist. Größere Siedlungen gibt es in der Umgebung nicht, die nächsten Häuser sind einige Minuten zu Fuß entfernt. Zur Selbstversorgung wird ein kleiner Teil bewirtschaftet, aber das Areal ist groß.
Wir sind zunächst die einzigen Gäste und tauschen uns mit den deutschsprachigen Gastgebern aus. Wir hören, dass sie das Areal im Zuge der Corona-Pandemie erworben haben. Bei mir macht es Klick und ich erinnere mich daran, dass Tansania damals als Land in den Schlagzeilen war, das die in den meisten Ländern üblichen Schutzmaßnahmen und Impfungen abgelehnt hat. Meine Ahnungen werden bald bestätigt und über einiges, was ich im Verlaufe dieses Gesprächs am späten Vormittag so höre, kann ihr nur fassungslos den Kopf schütteln. Aber man muss ja nicht alle Auffassungen seiner Gastgeber teilen…
Zum Strand läuft man keine fünf Minuten und man hat mehrere Strände zur Auswahl. Wer sich an einem Seil herablässt, findet auch einen komplett privaten Strand mit reizvollen Mangroven.
Ich versuche es zunächst mit dem öffentlichen Strand, wo außer mir aber niemand ist.
Und später mit dem „Privatstrand“, der über ein Seil zu erreichen ist und von vielen Mangroven umgeben ist.
Auf der Terrasse lässt es sich auch gut aushalten.
Die Strände sind sicher keine Traumstände, wie es sie am indischen Ozean so zahlreich gibt. Mit Thailand, Mauritius, Sri Lanka, den Malediven und vielen anderen sind die Strände, die wir sehen nicht vergleichbar. Aber sie haben ihren Reiz. Es gibt, zumindest da wo wir sind, kaum Besucher und die Mangroven geben ein schönes Bild. Einen recht ordentlichen Tidenhub gibt es natürlich schon. Aber er scheint dort längst nicht so extrem wie auf Sansibar zu sein. Wir haben zum Glück am Nachmittag gute Bedingungen.
Wir verbringen den restlichen Tag mit Gesprächen, erkunden ein wenig die nähere Umgebung, vor allem die Strände und sehen uns die Bauprojekte des Gastgebers an, der handwerklich wirklich etwas drauf hat.
Der Sonnenuntergang gehört allerdings nicht zu den Highlights.
Am Abend kommen noch drei weitere Gäste, drei Dänen. Wobei eine der beiden Däninnen aus Nicaragua ist, was mich, der vor zwei Jahren einen tollen Urlaub in Nicaragua gemacht hat, besonders interessiert. Und so reden wir auf einer Veranda bei Pangani über San Juan del Sur und meinen Lieblingsort in Nicaragua, die Insel Ometepe.
In der Unterkunft wird Verpflegung von der Nachbarin nach den Wünschen der Gäste gekocht und auf meinen Wunsch gibt es sehr lecker zubereiteten frischen Fisch vom Markt, mit Reis und den üblichen Beilagen in Grün, über die ich nicht viel sagen kann, denn Grünes esse ich in aller Regel nicht.
Wir lassen uns von unserem Gastgeber zu der Frage beraten, ob man es riskieren kann, am Tag des Abflugs hier loszufahren, oder es besser ist, einen Tag früher aufzubrechen. Er sieht da überhaupt kein Problem und überzeugt uns schließlich davon, zwei Nächte zu bleiben. Wobei die Überzeugungsarbeit nicht schwierig ist, denn das wollen wir ohnehin lieber.
Unsere Gastgeber lebt mit ein paar Unterbrechungen seit rund vier Jahren in Tansania und hat in der Zeit noch keinen einzigen Nationalpark besucht. Das will er mit seiner Partnerin nun nachholen und so entscheiden sich die beiden, am nächsten Morgen mit dem Bus nach Arusha aufzubrechen. Da auch die drei Dänen nur für eine Nacht bleiben, werden wir die Unterkunft am zweiten und letzten Tag ganz für uns alleine haben. Das Essen kommt weiter von der Nachbarin.
Am nächsten Morgen klagt meine Tochter über weiter verschlechterte Halsschmerzen und Schluckbeschwerden. Außerdem hat sie am Abend die letzte Ibuprofen genommen und die Tabletten aus der Apotheke in Moshi erweisen sich als wenig wirksam. Wir entscheiden daher am Vormittag nach Pangani in die Klinik zu fahren.
Pangani selbst ist keine besonders spannende Ortschaft. Die Brücke über den Fluss Pangani ist leider immer noch nicht fertig, obwohl die Fertigstellung schon für letztes Jahr angekündigt wurde. Auch Stand Mitte März 2026 ist die Brücke noch nicht fertig. Interessant ist allerdings der Besuch im Pangani District Hospital, wo sich meine Tochter mit ihren seit nun acht Tagen anhaltenden Halsschmerzen und Schluckbeschwerden vorstellt.
In der Aufnahme finden wir fast nur Mütter mit meist Säuglingen oder kleinen Kindern. Die Prozedur läuft dort schnell und reibungslos. Zwar fehlen auf der Computertastatur einige Buchstaben, aber ein Stift hilft. Auch sonst wird improvisiert, wo man sich in unserem Gesundheitswesen vermutlich bitter beschweren würde. Es erfolgt zunächst ein Bluttest auf Plasmodien, die Erreger der Malaria. Das Labor dauert ca. 45 Minuten. Davon träumen vermutlich die meisten Ärzte bei uns. In den Rachen wird mangels medizinischer Ausstattung mit der Taschenlampe eines Smartphones geschaut. Medikamente werden direkt vom Krankenhaus abgegeben. Das wäre für die Lobby der Apotheker hierzulande wohl der Albtraum. Etwas gewöhnungsbedürftig ist, dass man nach jeder Leistung zunächst zur Kasse und dort bezahlen muss. Die Gebühren sind natürlich minimal. Die Aufnahme- oder besser Konsultationsgebühr etwa beträgt 3.000 Schilling, also etwas mehr als einen Euro.
Der Aufenthalt dauert insgesamt vielleicht zwei Stunden. Untersuchung, Bluttest, Ibuprofen sowie ein Antibiotikum kosten insgesamt ca. 11 Euro, zahlbar in drei „Raten“. Die Medikamente kommen aus Indien und China.
Meine Tochter ist zufrieden. Sie hat bereits einmal eine stationäre Behandlung in einem Krankenhaus in Ghana erlebt und empfindet die sie untersuchende Ärztin als recht zugewandt. Befremdlich ist allerdings, dass die Krankenschwester bei der Blutabnahme keine Sekunde ihr Smartphone aus den Augen verliert, wo TikTok-Videoclips laufen. Handschuhe trägt sie wohl auch nicht. Es wäre vermutlich blöd, wenn bei der Bedienung des Smartphones Handschuhe im Weg wären.
Nach dieser ungeplanten Vormittagsaktivität fahren wir zurück in unsere Unterkunft, um die letzten Stunden mit ein paar Sonnenstrahlen am Strand zu verbringen und die Mangroven zu bewundern.
Zum Abschied gibt es noch einen einigermaßen ansehnlichen Sonnenuntergang.
Auch wenn die Zeit kurz war: Insgesamt bin ich schon froh, die Küste besucht zu haben. Das hat sich für mich schon alleine wegen des Kontrastprogramms zu den üblichen Touristenveranstaltungen gelohnt. Touristen haben wir jedenfalls Mitte Januar an der Küste fast gar keine gesehen.
Morgen geht es dann sehr zeitig auf den langen Weg zum Flughafen. Wir beschließen, nicht später als 6:30 Uhr loszufahren. Ob das und die Rückreise geklappt hat, gibt es dann demnächst hier zu lesen.
Fortsetzung folgt.
Teil 1715. März 2026
Abenteuer Straße: Von Pangani zum Flughafen Kilimandscharo
Am frühen Morgen pünktlich zum Sonnenaufgang machen wir uns auf den langen Weg zurück zum Flughafen Kilimandscharo und hoffen, dass alles glatt geht. Statt über Tanga fahren wir eine Abkürzung über eine Piste, die Google nur teilweise kennt, von Pangani auf direktem Weg nach Muheza. Unsere Gastgeber haben uns versichert, dass es da eine durchgehende Straße gibt, die auch gut befahrbar ist.
Kurz vor Pangani bei Boza geht es von der Hauptstraße ab. Am Abzweig nehmen wir zwei Anhalter mit, einen Mann mit seinem vielleicht sechsjährigen Sohn und einem großen Röhren-Fernsehgerät. Die Kiste passt nicht ohne weiteres in unseren vollgepackten Kofferraum. Ich habe wegen der Wanderung auf den Meru sowohl einen Rücksack als auch einen großen und einen kleinen Koffer dabei und platzsparend gepackt haben wir auch nicht. Egal, der Fernseher nimmt halb auf dem Schoss des Mannes und halb auf der Rückbank Platz. Sind ja nur rund 50 km Schotterpiste.
Es geht durch Dörfer auf überwiegend roter Erde und einer ganz ordentlichen Piste. Überall winken die Menschen freundlich, wenn wir durch die Dörfer fahren. Wer sich die Route genauer ansehen will: Boza – Bushiri – Mivumoni – Masaika – Mkuzi – Mafere – Muheza.
Fotos mache ich in solchen Situationen grundsätzlich nicht.
In Muheza lassen wir unsere beiden Mitfahrer an einer Tankstelle im Zentrum, vermutlich der einzigen, aussteigen, die sich recht nett bedanken. Verständigen können wir uns kaum, denn die beiden sprechen kein Englisch. Aber die Gesichter sagen genug.
Es ist jetzt etwa 08:15 Uhr und ab Muheza weicht die Anspannung etwas, denn jetzt gibt es abgesehen von ein oder zwei Baustellen eine durchgehend asphaltierte Strecke; zuerst die A14, dann die B1 und schließlich die A23 bis zum Flughafenzubringer. Das Risiko einer zeitintensiven Panne ist nach der erfolgreichen Passage der Schotterpiste im Nirgendwo deutlich gesunken.
Wir kommen gut voran und mit der Zeit passe ich meinen Fahrstil langsam an. Die Tempolimits scheinen mir ohnehin eher eine unverbindliche Empfehlung zu sein und auf der gut ausgebauten Straße lässt sich auch dann mit wenig Risiko überholen, wenn mal wieder eher sinnbefreit eine durchgezogenen Linie verläuft. Und so machen wir ordentlich Kilometer und denken schon darüber nach, dass eventuell noch ein Mittagessen in Moshi drin sein könnte.
Während ich so entspannt mit knapp 100 km/h dahingleite, an einem Tempo-50-Schild den Fuß vom Gas nehme und ausrollen lasse, taucht plötzlich eine Kelle in meinem Sichtfeld auf, die anscheinend mir gilt. Ich halte an und ein freundlicher Polizist will die Papiere sehen. Den internationalen Führerschein habe ich schon irgendwo verpackt aber der Nationale reicht ihm. Er sagt dann ein mir gänzlich unbekanntes Wort, das phonetisch etwa so klingt wie „ouwerspieding“.
Keine Ahnung was das heißt, jedenfalls meint er, dass ich 30.000 Schilling (ca. 10 €) zahlen müsste und zwar per Smartphone-App. Ich habe aber keine App zum Bezahlen von Verwarnungs- und Bußgeldern, denn als rückständiger Deutscher zahle ich Verwarnungsgelder entweder gar nicht (wie das geht, kann ich hier leider nicht schreiben) oder per Banküberweisung. Er geht zunächst weg und redet mit einem Kollegen. Dann wird das nächste Auto angehalten und wir müssen warten. Nach einiger Zeit kommt er zurück und ich biete ihm 30.000 TZS in bar. Er überlegt einen Moment. Dann fragt er, woher wir kommen, wohin wir fahren und ob uns Tansania gefalle. Ich antworte wahrheitsgemäß, worauf er sagt, er belasse es für diese Mal bei einer Ermahnung und „have a good journey, God bless you“. Mein Suaheli wird plötzlich viel besser und ich erwidere „asante sana“. Das gefällt ihm und er winkt uns noch hinterher – wohlgemerkt in Uniform!
Die Kontrolle hat insgesamt über 10 Minuten gedauert, was unsere Pläne für ein Mittagessen in Moshi etwas zurückwirft.
In der Hoffnung, die bei einer längeren Strecke wohl unvermeidliche Kontrolle nun gut hinter uns gebracht zu haben, setzen wir unseren Weg fort. Wo entlang der Straße Siedlungen sind, passe ich jetzt aber besser auf und bremse auch mal, statt nur den Fuß vom Gaspedal zu nehmen.
Wir fahren vielleicht weitere 30 Minuten, da erblicke ich die nächste Kelle und wieder sieht es so aus, als wäre ich gemeint. Diese Kontrolle ist komplett im Nirgendwo und ich wundere mich. Wieder werde ich freundlich von einem Uniformierten um die Papiere gebeten und es werden fast exakt die gleichen Fragen gestellt. Und wieder vernehme ich ein Wort, das wie englisch „overspeeding“ klingt. Der Polizist fragt, wohin wir heute vom Flughafen aus wollen. Als ich „Berlin“ antworte, meint er sinngemäß „oh dann seid Ihr wohl in Eile; fahrt vorsichtig und kommt gut an!“ Wir können weiterfahren. Die tansanische Polizei wird mir nun richtig sympathisch, wenngleich ich mir einbilde, bei dieser Kontrolle gar nicht zu schnell gewesen zu sein.
Auch dieser Stopp hat natürlich Zeit gekostet, was einerseits ein wenig ärgerlich aber andererseits doch eine Erfahrung ist, die mir gefällt und auch einiges über das Land und seine Leute aussagt.
Ich denke, dass ich nun mit den Kontrollen durch bin und wir setzen unseren Weg fort. Etwa eine Stunde passiert nichts. Dann – tatsächlich – die Kelle Nr. 3. Dieses Mal stehe ich in einer Reihe von angehaltenen Fahrzeugen und muss warten. Die Behandlung ist erneut äußerst höflich und kein Vergleich zum preußischen Kasernenhofton, den die meisten Berliner Polizisten so perfekt beherrschen. Man sollte unser Personal tatsächlich mal zum Erlernen eines erfreulicheren Umgangstons nach Tansania schicken. Wieder soll ich die Papiere vorzeigen, wieder reicht der deutsche Führerschein, wieder werde ich gefragt, wohin, woher etc. Dieses Mal muss ich allerdings aussteigen und zu einem aufgebauten Tisch, an dem offenbar der Einsatzleiter sitzt und die Verwarnungsgelder kassiert. Wieder soll ich 30.000 TZS per App und Smartphone bezahlen und wieder teile ich mit, dass ich keine tansanische Verwarnungsgeld-Bezahl-App habe, aber natürlich bar bezahlen kann. Die Kontrolleure diskutieren und erklären mir, dass es ihnen gesetzlich verboten sei, Verwarnungsgelder in bar zu kassieren. Ich bräuchte die App. Die habe ich aber nicht und stelle mich auch dumm. Daraufhin entscheidet der Chef, dass er es für dieses Mal doch bei einer Ermahnung belassen könne und ich das nächste Mal aber wirklich bezahlen müsse. Ich bedanke mich und gehe mit einem unterdrückten Grinsen zurück zum Auto.
Wir kommen weiter gut voran und kurz vor dem Ballungsraum um Moshi sind wir richtig gut in der Zeit. Wir beschließen noch einen kleinen Laden hinter einer Tankstelle aufzusuchen, um ein paar Mitbringsel zu erstehen und zu tanken. Zufrieden machen wir uns auf die letzten gut 70 km zum Flughafen. Der Verkehr nimmt um Moshi herum stark zu und wir entscheiden, dass wir nicht zum Mittagessen in die Stadt fahren, weil das nach viel Zeit im Stau aussieht. Vor allem die vielen bergauf äußerst langsamen Lkw kosten viel Zeit und nerven beim Fahren. Die durchgezogenen Linien werden von den anderen Fahrern meist ignoriert. Ich bin der Meinung, dass man sich den Landessitten anpassen sollte und mache es an einer Stelle, die gut einsehbar ist, den anderen nach. Ihr dürft raten, was danach passiert.
Dieses Mal hängt an der Kelle der Arm einer Polizistin, die recht vergnügt grinsend an meine Seitenscheibe kommt, mich freundlich begrüßt, sich nach meinem heutigen Wohlbefinden erkundigt und mir nach Kontrolle meiner Papiere erklärt: „Sir, I have to fine you for wrong overtaking. 30.000 Schilling“. Und wieder soll ich per App bezahlen, wieder das gleiche bereits geübte Gespräch. Am letzten Stopp haben wir allerdings unsere restlichen Schilling fast ausgegeben und wir haben nur noch 11.000 Schilling in bar. Die letzte 100 US$ Note will ich natürlich nicht gegen Wechselgeld in Schilling opfern und verschweige sie lieber. Ich biete an per Kreditkarte zu bezahlen, wissend, dass das nicht geht. Sie schaut mich halb grinsend halb fragend an, macht dazu ein recht sorgenvolles Gesicht und fragt mich, „so tell me what can I do“? Ich antworte „have mercy“. Meine Tochter sieht aus als kämpfe sie gegen einen Lachanfall. Ich ergänze noch „I will never do it again“. Sie überlegt und meint, sie könnte dieses Mal auf die 30.000 Schilling verzichten. Aber ganz umsonst ginge es nicht, zumindest 10.000 Schilling müsse ich schon bezahlen. Und ich müsse ihr versprechen sie nicht zu verpfeifen. Dabei schaut sie wirklich besorgt. Ich verspreche es natürlich, gebe ihr unsere letzte 10.000 Schilling-Note und verabschiede mich freundlich von diesem Straßenverkehr mit seinen wirklich außerordentlichen Gesetzeshütern. Es beschleicht mich das Gefühl, dass meine 10.000 Schilling nicht der Landeskasse, sondern einer Familie zugute gekommen sind und das freut mich sehr.
Auf den letzten Kilometern passiert nichts mehr und wir erreichen den Flughafen gegen halb zwei, also fast fünf Stunden vor Abflug. Insgesamt haben wir für die Strecke von rund 400 km, davon ca. 50 km Piste, etwa sieben Stunden gebraucht, das Mitnehmen und Absetzen der Anhalter, vier erzwungene Pausen für die Kontrollen und eine Pause von weiteren ca. 30 Minuten zum Tanken und Einkaufen eingeschlossen. Die reine Fahrtzeit hat unter sechs Stunden gelegen. Hakuna matata.
Auf den Kerl, der uns vor fünf Tagen das Auto übergeben hat und es jetzt wieder übernehmen soll, müssen wir natürlich wieder warten. Obwohl wir ihm eine Stunde vor Ankunft Bescheid gegeben haben und uns wegen der letzten Kontrolle noch ein klein wenig verspäten (dieses Mal natürlich ohne Bescheid zu sagen), kommt er ähnlich wie bei der Abholung des Wagens fast eineinhalb Stunden später. Die Rückgabe dauert dann auch noch über 30 Minuten, weil ich offenbar am Morgen unbemerkt einen Steinschlag an der unteren Heckschürze abbekommen habe und der Schaden nach mehreren Fotos und Telefonaten auf 60 US$ taxiert wird. Kein Problem, den Betrag bezahle ich per Kreditkarte und erhalte ihn später von der Versicherung erstattet. Als wir mit allem fertig sind und ich gefühlt 42 Unterschriften geleistet habe, sind es bis zum Abflug immer noch drei Stunden. Wer den Flughafen kennt, weiß, dass vermutlich auch eine Stunde ausreichend wäre.
Im Flughafen selbst geht alles reibungslos und es gibt nichts zu erzählen. Überpünktlich heben wir kurz nach 18:00 Uhr ab.
Ich mache noch ein paar Fotos von „meinem“ Berg, der mir den Gefallen tut, gerade so unterhalb der Wolkendecke zu bleiben. Die Erinnerung an meinen ersten Aufstieg auf über 4500 m und an die Aussicht da oben, vor allem aber an den Sonnenaufgang über dem Kilimandscharo wird bleiben.
Und so fliegen wir nach Norden, den Sonnenuntergang auf unserer Fensterseite.
In Doha ist – wie fast immer – mitten in der Nacht am meisten los und wir gönnen uns überteuerten Kaffee und belgische Waffeln im Chac’late, meinem dortigen Lieblingscafé mit dem so schön kitschigen Porzellan. Danach zeige ich meiner Tochter noch diesen Eumel mit dem Namen „Small Lie“ des Pop-Art-Künstlers Brian Donnelly und wir besuchen den Flughafendschungel, bevor es zum Flieger nach Berlin geht.
Vom letzten Flugabschnitt gibt es nichts besonderes zu berichten: Essen für eine Flugzeugverpflegung sehr gut, Nachtflug nach Berlin unspektakulär und pünktlich.
Wobei mir, wenn ich so nachdenke, doch noch eine Besonderheit einfällt:
Am Flughafen Berlin-Brandenburg sind die Rolltreppen in Betrieb und es gibt keine verspätete Gepäckausgabe. Wer den Flughafen kennt, weiß, dass beides eher selten der Fall ist und beides gleichzeitig etwa die Wahrscheinlichkeit eines mittleren Lottogewinns hat.
Was der arme Willy Brandt wohl davon halten würde, dass man ausgerechnet den schlechtesten und unfreundlichsten Flughafen Deutschlands nach ihm benannt hat, während man dem Widerling Strauss einen viel besser funktionierenden Flughafen gewidmet hat?
Ein Fazit und einen Ausblick gibt es demnächst noch, dann habe ich fertig.
Fortsetzung folgt…
Teil 1816. März 2026
Das erste Mal mitten in Afrika – Fazit und Ausblick
Das war sie also, meine erste Reise mitten hinein nach Afrika.
Es war für mich eine außergewöhnliche Reise und in vielerlei Hinsicht extrem:
Der Meru ist mit 4.566 m der höchste Berggipfel, den ich je erreicht habe.
Die Tierwelt in den Parks, vor allem in der Serengeti übertrifft alles, was ich an Tieren bisher gesehen habe.
Das Land ist unter den – je nach Zählweise – so zwischen 50 und 60 Ländern, die ich bisher besucht habe, das Ärmste. (Laos war 1989, als ich dort war, absolut betrachtet ärmer, ist aber heute vermutlich etwas wohlhabender.) Die Unterschiede zwischen den Menschen, die dort leben und uns als Touristen sind wegen dieses wirtschaftlichen Gefälles vermutlich größer, als ich es irgendwo bisher erlebt habe. Setzt man das durchschnittliche Monatseinkommen von angeblich ca. 90 – 100 US$ in Relation zu dem Eintrittsgeld für einen Tag in der Serengeti, ist es eigentlich erstaunlich, dass unter den vielen Menschen, die in solcher relativen Armut leben, so wenige versuchen, sich eines Teils unseres Reichtums zu bemächtigen. Jeder Einheimische der diese Preise ja auch kennt, kann sich vermutlich ausrechnen, dass ein durchschnittlicher Tourist, wo er auftaucht, praktisch immer genug „Taschengeld“ und/oder Wertgegenstände bei sich hat, dass ein einzelner Diebstahl oder Raub locker ein durchschnittliches Monatsgehalt oder ein Mehrfaches davon einbringen würde. Trotzdem scheint recht wenig in dieser Richtung zu passieren. Unsicher haben wir uns zu keiner Zeit an keinem Ort im Land gefühlt und ich rede dabei nicht von den Parks.
Ganz im Gegensatz zum armen Land und den überwiegend armen Menschen war das der teuerste Urlaub, den ich je gemacht habe. Selbst Bora Bora und St. Moritz waren wesentlich günstiger (okay, ich gebe zu, vor 37 bzw. 35 Jahren; zumindest Bora Bora ist heute nicht mehr günstiger).
Absurd finde ich das Trinkgeldsystem. Das Land ist bettelarm, die Safaris exorbitant teuer und die Trinkgelder - absolut betrachtet - höher als bei uns. Ich würde jedenfalls einem Bergführer in den Alpen auf einer Viertagestour keine 80 bis 100 US$ Trinkgeld in die Hand drücken und auch für eine geführte Wattwanderung an der Nordseeküste, würde ich keine 15 – 20 € Trinkgeld springen lassen. Vielmehr gehe ich selbstverständlich davon aus, dass die Leute von meinem Reisepreis vernünftig bezahlt werden. Diese amerikanische Seuche, Menschen in serviceorientierten Berufen nicht anständig zu bezahlen, breitet sich offenbar – wie so unglaublich viel anderer Dreck aus den USA auch – weltweit aus.
Selten habe ich in einem Land so offene, hilfsbereite und trotzdem nicht aufdringliche Menschen erlebt. Für die Art zu reisen, wie ich sie mag, ist das ein unschätzbarer Vorteil. Die Begegnungen an der Küste und auf dem Weg dorthin, auch die Umwege und Schwierigkeiten, haben die Reise definitiv stark bereichert. In den Parks mag ein Fahrer, der sich auskennt, schon gut sein. Durch das Land würde ich immer wieder selbst fahren wollen.
Wenn ich auf die Situation außerhalb der Tourismusindustrie schaue, sehe ich leider ziemlich schwarz für das Land. Viel scheint nicht zu funktionieren. Meine letzte Fernreise vor Tansania ging nach Vietnam – vor wenigen Jahrzehnten noch eines der ärmsten Länder der Welt. Heute ist der dortige Wohlstand gegenüber Europa immer noch bescheiden. Aber von dem Lebensstandard in Tansania ist Vietnam heute meilenweit entfernt. Ähnliches dürfte vermutlich auch für Bangladesch, Nepal oder Indonesien gelten; von China und Indien mit deutlich anderen Voraussetzungen einmal ganz abgesehen. Was in Tansania im Vergleich zu diesen Ländern so gewaltig schlechter läuft, würde mich durchaus näher interessieren.
Dieses war mit hoher Sicherheit nicht meine letzte Reise nach Afrika, wenn auch in naher Zukunft nichts geplant ist. Namibia steht aber auf meiner Liste auch dank dieses Forums und Äthiopien mit seiner Jahrtausende alten Hochkultur interessiert mich ebenfalls sehr.
Bin ich jetzt, wie man es hier oft liest, „mit dem Afrikavirus infiziert“? Eher nicht, denn dazu interessieren mich zu viele andere Länder außerhalb Afrikas mindestens genauso. Eine totale Begeisterung für die Tierwelt habe ich trotz der großartigen Eindrücke auf der Safari nicht. Tatsächlich interessieren mich die Berge nach dieser Wanderung noch mehr als vorher und Menschen samt deren Leben sowieso schon immer mehr als Tiere. Der Zugang zu den Lebensumständen der Menschen scheint mir zumindest in Tansania herausfordernder zu sein als etwa in Asien oder Zentralamerika.
Anfang August werde ich – dann mit meiner Partnerin – einen Kurzurlaub mit dem Fahrrad von Passau nach Budapest machen. Auf die Slowakei, besonders Bratislava, wo ich noch nie war, freue ich mich schon sehr. Aber auch auf Linz, Melk, die Wachau, Wien und Budapest.
Ab Ende November werde ich dann zum ersten Mal seit meiner Studentenzeit wieder länger als zweieinhalb Wochen am Stück verreist sein:
Ca. vier Wochen werden wir Neuseeland erkunden und auf dem Rückweg dann Borneo. Nach aktueller noch offener Planung werden wir wahrscheinlich Brunei Darussalam und den Kutai Nationalpark in Ost-Kalimantan mit einem Dschungeltrecking zu den dortigen wild lebenden Orang-Utans besuchen. In Indonesien (Inseln von Sumatra bis Flores) und Neuseeland (nur Nordinsel) war ich bereits je einmal vor Jahrzehnten. Aber wer aktuellere Tipps, speziell für Borneo und die Südinsel von Neuseeland für mich hat, nur her damit.
Und dann ringe ich für Herbst 2027 sehr mit einem Bergprojekt, von dem ich mir noch nicht sicher bin, ob es wirklich realistisch ist: Imja Tse und – seit ich @Piccos Reisebericht gelesen habe – Lobuche Ost. Oder aber ein anderer Gipfel in dieser Gegend der Welt. Wer mir dazu etwas sagen kann, vielleicht gar schon mal einen der beiden Berge bestiegen hat oder sonst Erfahrung mit Trekking in diesem Teil der Welt hat, soll sich bitte unbedingt melden.
So, nun habe ich endgültig fertig und freue mich über Feedback.