27. Oktober 2025: Makanga Camp/ Bangweulu Wetlands (Teil2)
„Die Suche nach dem Schnuhschnabel“ – oder „Welches Schuhwerk nehme ich nach Afrika mit“.
Diese Schuh-Threads waren schon immer ein Quell der Heiterkeit für die Eulenmuckels, Matte und mich gewesen 😄 – und angesichts Ruths mit Sorgfalt ausgewählter Fußkleider (liebevoll dekorierte „Wander“-Crogs, Uggs,…) haben wir unterwegs auf unseren Touren oft versucht sie zu überreden, bei solchen Themen ihr Expertenwissen den Fragenden dort zuteil werden zu lassen. Leider hat sie sich immer verweigert…. 🙄 „Die Suche nach dem Schnuhschnabel“ – oder „Welches Schuhwerk nehme ich nach Afrika mit“.
Dass dieses Thema mich einmal ernsthaft beschäftigen sollte – und dann auch noch in Zusammenhang mit einem Schuhschnabel, was ja durchaus ganz witzig klingen mag 🤨 , hätte ich nie gedacht 🤩 . Den Hinweis in der Reisebeschreibung, alte, aber feste Schuhe mitzunehmen, die gegebenenfalls auch dort gelassen werden können, habe ich ignoriert, weil mich das Thema „Schuhe“ von je her viel zu wenig interessiert 😗 .
Als dann Andrew schon einige Tage vor unserer Anfahrt in die Bangweulu Wetlands das Thema aufgriff und meinte, er könne uns in Mpika einen Händler zeigen, wo man (falls man seine eigenen alten Schuhe vergessen habe) Turnschuhe kaufen könne, wurde ich langsam hellhörig 😐 . Laut seiner sehr dramatisch klingenden Schilderungen müsse man nämlich auf der Suche nach dem Schuhschnabel in tiefem, teilweise hüfthohem Morast und Wasser waten und seine eigenen Schuhe würde man danach nicht mehr wiedererkennen (so ein Quatsch, meine guten Lowa erkenne ich immer wieder!). Jaja, das wird wohl eine Werbekampagne für einen Kumpel in Mpika sein, der dort Schuhe verkauft…. 😗 .
Doch zurück ins Makanga-Camp, wo wir nun also kurz vor Abfahrt zur Vogelsuche stehen und uns final entscheiden müssen, welche Schuhe wir für dieses Event tragen werden. Matte (der sogar alte Schuhe mitgebracht hatte, sich aber nicht sicher ist, ob sie dieses Abenteuer überleben werden) und ich entscheiden uns solidarisch für unsere Crogs, mit denen zumindest ich daheim auch Gartenarbeiten erledige. Mit dem Riemen hinten über die Ferse gezogen wird das schon passen und praktischerweise kann man die Dinger ja später dann einfach unter dem Wasserhahn abspülen (sofern es hier bis heute Abend fließend Wasser geben wird) 😎 .
Auch der Rest der Gruppe zerbricht sich natürlich den Kopf und entscheidet sich dann jeweils für das passende Schuhwerk. Derart durchdacht und perfekt ausgerüstet 😉 starten wir Richtung Sümpfe.
An dieser Stelle muss ich gestehen, dass ich diesen Teil der Reise sehr blauäugig angegangen bin, man könnte es auch schlecht vorbereitet nennen 😣 . Statt die Erzählungen von Ruth und Uwe, die einige Monate vor uns in den Bangweulu Sümpfen (wenn auch an anderer Stelle) waren, mir noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen und eventuell zu hinterfragen sowie ein bisschen im Reiseführer zu lesen bzw. die Bilder dort zu betrachten (Hupe S.64), sah ich vor meinem inneren Auge eine idyllische Bootsfahrt durch kristallklares Wasser und einen Schuhschnabel, der sich mitten in grün schimmerndem Papyrus und vor bunt leuchtenden Seerosen sowie strahlend blauem Himmel, der mit schneeweißen Schäfchenwolken verziert ist, dekorativ in Positur stellt 😘 .
Nun lande ich – leider später auch wortwörtlich 😣 – unsanft auf dem immerhin weichen Boden der Tatsachen 🤩 .
Es gibt hier zwar einen kleinen Kanal und auch Mekoro sind darauf zu erkennen, aber das war es dann auch schon mit der Idylle. Zusammen mit einem Guide und einigen Helfern machen wir uns zu Fuß auf den Weg zu dem Schuhschnabel, den man von Weitem schon erkennen kann, auch wenn er sich, graubraun vor beigem Gras und bleigrauem Himmel, kaum von seiner Umgebung abhebt (der Vogel befindet sich links oberhalb des grünen Abzeichens des Rangers).


Wir sind ja aber schon froh, dass er nicht ans Abheben im anderen Sinne denkt, sondern ruhig stehenbleibt und uns durchaus interessiert beobachtet.


Vermutlich hat er seinen Spaß daran, wie wir uns durch tiefen Morast quälen, der mit diversen Fußangeln von umgeknickten Schilfrohren durchsetzt ist und uns immer wieder zum Stolpern bringt.




Ein bisschen Beifang gibt es auch:

Da es hier immer wieder Buschbrände gibt, ist das Wasser nicht nur von Schlamm, sondern auch von Ruß verunreinigt. So viel zum Thema „kristallklar“….


Das wäre aber alles nur halb so schlimm, würde ich nicht nach wenige Schritten meine Schuhwahl zu tiefst bereuen. Zunächst störe ich mich nur an dem schmatzenden Geräusch 🤢 , welches sie dank der Adhäsionskräfte, die ich hier hautnah erleben darf, bei jedem Schritt von sich geben. Bisschen peinlich, finde ich…. 😊 Und warum schmatzen die Crogs von Matthias nicht genau so laut? Das ist unfair 🤩 .
Je tiefer wir in den Schlamm(assel) hineingeraten, desto stärker versucht der Sumpf, meine Crogs in Besitz zu nehmen. Immer öfter bin ich kurz davor, ins Taumeln zu geraten, weil mein Schuh andere Pläne hat als mein Fuß, ganz zu schweigen von dem anderen Bein, das gerne weitergehen würde. Kurze Zeit später passiert es: ich verliere den Kampf gegen Sumpf und unentschlossenen Crogs, gepaart mit einer gewissen körperlichen Schwäche bedingt durch meine Erkältung. Platsch – ich liege mit meiner rechten Körperhälfte im Matsch! Wäre das nicht schon peinlich genug, ist das Aufstehen auch nicht sehr elegant möglich, und ich lasse mir dabei sogar helfen. Es ist ja nicht so, dass es nicht genug Einheimische gäbe, die uns begleiten und vor allem den Trägerinnen von schwerer Kameraausrüstung helfen würden, aber als knapp die Älteste der Gruppe bin ich dazu dann dummerweise zu stolz 🤢 .
Als ich am Tag unserer Rückkehr abends bei einem langen Telefonat von Ruth erfahre, dass sie sich selbstverständlich hat helfen lassen 🤩 , ärgere ich mich gleich noch einmal über meine Dickköpfigkeit… 😣
Aber egal, da steh ich nun wieder auf zwei Beinen und versuche, mich mehr oder weniger graziös 😎 weiter zu dem urigen Federvieh vorzuarbeiten 😊 .
Als wir dann so nahe wie möglich vor ihm stehen (was immer noch sehr weit weg ist, ganz und gar nicht wie auf dem Foto im Hupe Reiseführer), meine ich zu Matthias, dass ich mir diesen Vogel ein wenig farbenfroher, zumindest kontrastreicher vorgestellt hätte und ich ihn schon sehr schmuddelig und matschfarben fände. Mit hochgezogenen Augenbrauen und einem süffisanten Lächeln im Gesicht schaut mein Reisekumpan mich an, sein Blick gleitet langsam von oben nach unten und er meint: „ Na schau doch dich mal an!“ 🤩 😈
+++++++++++++ 🙄 🙄 🙄 🙄 🙄 🙄 🙄 🙄 ++++++++++++++++++ Wir waren mal gute Freunde.... 😛
Zurück zum Objekt unserer Begierde: für einen Schuhschnabel ist er schon fast hyperaktiv,

er putzt sich

kuckt hin und her

und legt sich dann zum Schlafen nieder (das würde ich jetzt auch gerne tun, aber bitte - frisch geduscht - in meinem Zelt).
Hier sieht er jetzt sogar richtig schön grau aus, keine Ahnung, warum nur im Liegen..

Immerhin: wir haben ihn gefunden, er ist nicht weggeflogen und wir konnten trotz schlechter Lichtverhältnisse (wobei ab und zu sogar ein bisschen Sonne durchkam und dies nicht mal aus der falschen Richtung) ein paar Fotos von ihm schießen 🙂 🙂 🙂 . Und: wir mussten nicht durch hüfthohes Wasser waten - was will man mehr? 😎
Der Rückweg gestaltet sich - wenig überraschend- ebenfalls herausfordernd, einmal will der Sumpf gleich beide Crogs auf einmal behalten und bevor ich das Gleichgewicht noch einmal verliere, gebe ich freiwillig nach und stehe lieber kurzzeitig strümpfig im Schlamm 🤩 🤢 ! Inzwischen ist mir völlig egal, wie dreckig ich bin, ich würde mich auch wie ein Warzenschwein im Schlamm suhlen, wenn es nötig wäre… 😗 . Nachdem ich meine Schuhe gerettet habe, bin ich aber doch sehr froh, dass wir uns endlich unserem Fahrzeug nähern.


Ein schöner Abendhimmel verabschiedet uns

und wir sind auf der Rückfahrt nun sehr gespannt, ob wir unsere schlammigen Beine (oder auch mehr…) unter einer erfrischenden Dusche reinigen können.
Und tatsächlich, als wir im Camp ankommen, erfahren wir, dass wir Waschbecken, Dusche und Toilette, diese allerdings mit einer kleinen Einschränkung, benutzen können 🙂 . Es ist Andrew ganz peinlich, dass wir jedes Mal das Ventil zudrehen müssen, nachdem wir gespült haben, weil wohl der Schwimmer nicht funktioniert und sonst die Spülkästen ständig überlaufen würden. Es wäre zeitlich nicht möglich gewesen, dass die Verantwortlichen nach Mpika fahren, um die entsprechenden Ersatzteile zu kaufen. Auf diese Idee wären wir nie gekommen 🤩 – das ist doch kein Problem! Wir sind jetzt vor allem überglücklich, eine funktionierende, wenn auch kalte Dusche zu haben und säubern uns in der hereinbrechenden Dunkelheit, bevor es Abendessen gibt.
Andrew erklärt uns das Programm für den nächsten Morgen: wir werden noch einmal auf Shoebill-Pirsch gehen, allerdings an einer anderen Stelle 🙄 .
Huch, da werde ich wohl mein Schuhkonzept überdenken müssen 😮 ! Dazu dann mehr im nächsten Kapitel.
(Sorry, dass dieses Kapitel so textlastig ist....wird nicht mehr vorkommen!)


























































































































































































