Ausrüstung für Namibia

36 Antworten · 11,8k Aufrufe · gestartet 01. Apr. 2024 von Cloudy
Bilder klein
Antworten
20 Beiträge · seit 202407. Dez. 2024 ·
Ein wenig spät, aber vielleicht hilft es dem einen oder anderen.
Wir sind für unsere Reisen schon lange auf "Hosentaschen-Kameras" umgestiegen.
Klein, immer dabei, sofort "schussbereit", kaum Gewicht und fast unsichtbar.
Sicher nichts für hochwertige Vogelbilder oder knackige Tele-Aufnahmen. Aber niemand interessiert sich für unsere Bilder, ausser wir selbst. Und für die Anzeige auf dem TV-Schirm reicht die Qualität völlig. Der große Vorteil: auch Menschen lassen sich damit gerne fotografieren, weil die nicht das Gefühl haben "abgeschossen" zu werden. Und deswegen sind wir mit zwei Canon S120 unterwegs und mit einem Pixel-Handy für gute, stabilisierte Filmaufnahmen. Und als Fernglas reicht uns ein Danubia 25x10, auch das passt in die Tasche.
152 Beiträge · seit 201708. Dez. 2024 ·
Max_K schrieb: Aber niemand interessiert sich für unsere Bilder, ausser wir selbst. Und für die Anzeige auf dem TV-Schirm reicht die Qualität völlig.
Sehe ich bei uns genauso. Keiner unserer Freunde oder Bekannten hätte Interesse mehr als 100 Bilder gemeinsam mit uns zu schauen. Wär für sie zu langweilig, weil sich viele, insbesondere Tieraufnahmen ähneln. Anders wäre es, wenn die Mitanseher schon selber in dieser Urlaubsgegend gewesen wären.
Da wir in den letzten 35 Jahren schon viele Urlaube gemacht und fotografiert haben, schauen wir uns selten unsere eigenen Bildern nach Jahren an.
7'315 Beiträge · seit 200608. Dez. 2024 ·
Namdu schrieb:
Max_K schrieb: Aber niemand interessiert sich für unsere Bilder, ausser wir selbst. Und für die Anzeige auf dem TV-Schirm reicht die Qualität völlig.
Sehe ich bei uns genauso. Keiner unserer Freunde oder Bekannten hätte Interesse mehr als 100 Bilder gemeinsam mit uns zu schauen. Wär für sie zu langweilig, weil sich viele, insbesondere Tieraufnahmen ähneln. Anders wäre es, wenn die Mitanseher schon selber in dieser Urlaubsgegend gewesen wären.

Bei mir ist es andersrum. Ich werde immer mal wieder gefragt, wann es mal wieder einen Bilderabend gibt und auch von Leuten, die noch nie in der jeweiligen Region waren. Ich verzichte sogar auf das Zeigen von Tieraufnahmen, sondern versuche, die Bedingungen im Land und das Leben in Afrika zu zeigen und davon zu erzählen.
Wie ein Elefant oder Löwe aussieht, das wissen meine Bekannten. Davon machen andere auch bessere Fotos.
Aber wie eine einfache Dorfkneipe auf dem Land von innen aussieht, wie abenteuerlich die Elektroinstallation ist oder warum kaum ein Europäer Chibuku trinken kann, das interessiert die Leute. Und dafür braucht man in der Tat keine Top-Kamera.

DSCF2898.jpg


DSCF2987.JPG


Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
20 Beiträge · seit 202408. Dez. 2024 ·
Danke für die Antwort und vor allem für die Bilder.
Wir suchen bei unseren Reisen immer den Kontakt zu den Normalos im Land.
Um besser zu verstehen, wie sie leben und mit welcher Kultur. In SA war das so schwierig wie nie zuvor. Kontakt hatten wir nur mit Weissen, manchmal Indern, und bedient wurden wir von Schwarzen. Aber erst der Typ im Hintergrund des Tembe Camps, der morgens den Dreck wegmacht, der hat mir erzählt, dass auch heute noch in SA nicht standesamtlich heiraten kann, wer nicht die 11 Rinder (cattle) für den Brautpreis aufbringen kann. Und dass er mit seiner Frau schon einen 19jährigen Sohn hat, aber erst bei 6 Rindern angekommen ist. Ich habe ihn dann mit 10% cattle unterstützt und einen neuen Freund gewonnen.
Auch hier im Forum kommt auf 100 Tierbilder nur eines von der örtlichen Bevölkerung. Ist das bewusst so oder spiegelt das nur die Reiseerfahrungen der Mitglieder wieder?
Danke an alle, die hier so schnell antworten und uns SA-Newbies weiterhelfen
Max
7'315 Beiträge · seit 200608. Dez. 2024 ·
Max_K schrieb:
Wir suchen bei unseren Reisen immer den Kontakt zu den Normalos im Land.
Um besser zu verstehen, wie sie leben und mit welcher Kultur. In SA war das so schwierig wie nie zuvor.

Ich kann mir vorstellen, dass das immer noch die Folgen aus der Zeit der Apartheid sind. Wenn ich zurückblicke, hatte ich in Südafrika selbst als Radreisender wenig Kontakt zu schwarzen Einheimischen. Nebenan in Eswatini war es schon deutlich anders.

Auch hier im Forum kommt auf 100 Tierbilder nur eines von der örtlichen Bevölkerung. Ist das bewusst so oder spiegelt das nur die Reiseerfahrungen der Mitglieder wieder?


Wenn ich mir die Reiseberichte anschaue, geht es nur wenigen wirklich um den Kontakt zur Bevölkerung. Es geht um tolle Unterkünfte, Tiere und landschaftliche Highlights.

Ich bin ja meist mit dem Fahrrad unterwegs und da quatschen einen die Leute einfach aus Neugier an (auch während der Fahrt) oder man hält mal an so einer Lehmhüttenkneipe an wie hier. da entsteht zwangsläufig Kontakt durch die Neugier der Einheimischen.

24291641_151537138806270_7943428448082626325_o.jpg


Als Autotourist hält ja kaum jemand an so einer Hütte an. Ich war selbst auch als Anhalter, mit öffentlichen Verkehrsmitteln und mit dem Auto unterwegs. Es ist viel schwieriger, als Autotourist Kontakt zu Einheimischen zu bekommen als bei den drei anderen Reisearten. Das geht auch, braucht aber auch einen Reisepartner, der dafür auch offen ist, wenn man nicht alleine unterwegs ist.
Ich kann mich noch gut erinnern, als ich mit meiner Reisepartnerin 2001 in einer Spelunke im Ovamboland einen Cousin von Sam Nujoma kennenlernte und wir dann vor der Polizeistation im Auto übernachten durften. Es gab dort eine Toilette, die von der halben Dorfbevölkerung benutzt wurde. Meine Reisepartnerin wollte auf die Damentoilette und stand plötzlich in einer Ziegenherde, die dort offenbar aus Schutz vor Raubtieren über Nacht dort untergebracht wurde. Männer und Frauen benutzen halt die Herrentoilette. Das sind so kleine Erlebnisse, die ein durchschnittlicher Tourist nicht erlebt und auch gar kein Interesse daran hat.

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
zuletzt bearbeitet 08. Dez. 2024
20 Beiträge · seit 202408. Dez. 2024 ·
ich sage danke.
20 Beiträge · seit 202408. Dez. 2024 ·
ich sage Danke.
Bei dem Versuch, der örtlichen Bevölkerung in Kenia zu entkommen, habe ich mir den Knöchel verknackst.
Nur weil wir Stifte und ein paar Tennisbälle mitgebracht hatten brach, nach unserer sehr offiziellen Verabschiedung durch den Lehrer, das Chaos aus.
7'315 Beiträge · seit 200608. Dez. 2024 ·
Genau solche Kaschemmen muss man aufsuchen, um die Menschen im Land kennenzulernen. Dann erfährt man auch aus erster Hand, wie es den Leuten geht.

Dazu ein Zitat von Erich Kästner:
"Toren besuchen im fremden Land die Museen. Weise gehen in die Tavernen."
Man bekommt dort z.T. auch Essen für ca. 50 Cents. Mein billigstes an einer Straßenküche in Kenya hat (allerdings schon vor 20 Jahren) umgerechnet 6 Cents gekostet und die Betreiberin war noch stolz, dass dort mal ein Weißer gegessen hat.

Um Deine Bilder in groß einzufügen, musst Du übrigens nach dem "Datei hinzufügen" noch an passender Stelle "Einfügen" klicken. Dann wird es direkt in den Text eingebaut.

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
2'462 Beiträge · seit 200609. Dez. 2024 ·
@BikeAfrica

Ich hätte mir die abenteuerliche Stromversorgung einmal sehr gewünscht, als wir in ZIM Billard in einer Wellblechhütte mit Einheimischen spielten und wir anfangs die Getränke aus der vorhandenen Kühltruhe entnahmen, diese hatten nur Raumtemperatur. Wir haben dann unsere Vorräte aus dem Engel verteilt. War eine tolle Erfahrung, hat Spaß gemacht, wenngleich nun viele in ZIM überzeugt sind, dass Deutsche überhaupt kein Billard spielen können. 😛
Deine Berichte sind immer so eindrücklich, eben weil Du die Menschen und ihr Leben zeigst. Vor vielen Jahren hast Du mal Bilder von einem Fußballspiel von Bürgerkriegsversehrten gezeigt. Mir hat das so imponiert, dass ich auch wegkam vom Tiere, Landschaften fotografieren und mit Menschen auf dem Land in Kontakt kommen wollte. Ich habe es nie bereut. Auch weil ich erfahren durfte, wie sehr sich das Gegenüber über ehrliches Interesse freut.
"Der letzte Beweis von Größe liegt darin, Kritik ohne Groll zu ertragen." Victor Hugo
zuletzt bearbeitet 09. Dez. 2024
207 Beiträge · seit 202309. Dez. 2024 ·
BikeAfrica schrieb:
...Wenn ich mir die Reiseberichte anschaue, geht es nur wenigen wirklich um den Kontakt zur Bevölkerung. Es geht um tolle Unterkünfte, Tiere und landschaftliche Highlights.

Ich bin ja meist mit dem Fahrrad unterwegs und da quatschen einen die Leute einfach aus Neugier an (auch während der Fahrt) oder man hält mal an so einer Lehmhüttenkneipe an wie hier. da entsteht zwangsläufig Kontakt durch die Neugier der Einheimischen.
Als Autotourist hält ja kaum jemand an so einer Hütte an. Ich war selbst auch als Anhalter, mit öffentlichen Verkehrsmitteln und mit dem Auto unterwegs. Es ist viel schwieriger, als Autotourist Kontakt zu Einheimischen zu bekommen als bei den drei anderen Reisearten ...
Hallo Wolfgang,
wenn du mit dem Fahrrad durch die afrikanischen Länder reist, bekommst du mit Sicherheit viel von der Lebensweise und den Sorgen
der einfachen Bevölkerung mit. Wahrscheinlich bist du auch eine lange Zeit im jeweiligen Land unterwegs, was nicht jeder so kann
und vielleicht auch gar nicht möchte.
Wir haben auch schon mehrere Länder Afrikas besucht, mal in Kleingruppe, Privatreise mit Transfers und auch als Selbstfahrer in Namibia und Südafrika (jeweils max. 3 Wochen). Die wenigsten Kontakte zu Einheimischen hatten wir bei unseren Selbstfahrertouren mit Auto als Lodgehopper.
Die interessanteste Begegnung hatten wir 1994 in einem Camp in der Massai Mara in Kenia: Mit einem Massai, der das Camp vor dem Eindringen wilder Tiere bewachte, saßen wir fast die ganze Nacht auf der Veranda vor unserem Zelt. Julius erzählte uns sehr viel aus dem Leben der Massai, aber auch er war an unserer Lebensweise interessiert. Es waren Gespräche auf Augenhöhe, obwohl er in einer ganz anderen Welt lebte. Am Tag unserer Abreise kam er, um unser Gepäck zum Fahrzeug zu bringen, obwohl er dafür gar nicht zuständig war. Als stolzer Massai nahm er dafür kein Trinkgeld an. Im Gegenteil, Julius zauberte zwei Massai-Ketten hervor und legt sie uns zum Abschied um den Hals. Und zum Thema dieses Threads: Damals haben wir bewusst keine Fotos gemacht, um die idyllische Atmosphäre nicht zu stören.
Wie du siehst, kann man auch auf weniger abenteuerlichen Reisen Kontakte zu Einheimischen knüpfen. Der Ort der Unterhaltung ist allerdings nicht so authentisch wie z.B. in einer Lehmhüttenkneipe 😄
Viele Grüße, Sabine
20 Beiträge · seit 202409. Dez. 2024 ·
Das ist jetzt ein bisschen weg vom Thema Ausrüstung.
Solche Begegnungen sind bereichernd.
Wir waren in Kenia mit einem Massai auf einer "walking safari" - nur mal so für 2 Stunden um das Camp herum. Wir bekamen viel erklärt über Pflanzen, Tierspuren und -Dung und besuchten die Hippos an ihrem Badestrand. Er kam in traditioneller Tracht mit Schmuck und Totschläger, aber auch verstecktem Nokia.
Wir waren so begeistert, dass wir ihn gefragt haben, ob wir das am nächsten Tag vor unserer Abreise wiederholen könnten. "Sure, see you tomorrow".
Und Mr.Lakatho holte uns in zivil ab, mit Hemd und Hose. " We now go just as friends".
Es wurde ein sehr lustiger und lehrreicher Vormittag.

Lakatho.jpg
7'315 Beiträge · seit 200609. Dez. 2024 ·
Sanne schrieb:
Ich hätte mir die abenteuerliche Stromversorgung einmal sehr gewünscht, als wir in ZIM Billard in einer Wellblechhütte mit Einheimischen spielten und wir anfangs die Getränke aus der vorhandenen Kühltruhe entnahmen, diese hatten nur Raumtemperatur. Wir haben dann unsere Vorräte aus dem Engel verteilt. War eine tolle Erfahrung, hat Spaß gemacht, wenngleich nun viele in ZIM überzeugt sind, dass Deutsche überhaupt kein Billard spielen können. 😛

Ich habe in Zimbabwe dazu keine Gelegenheit gehabt, aber in Zambia, Namibia und Südafrika konnte ich einen anderen Eindruck hinterlassen. 😉
Tischtennis habe ich in Ghana auch mal gespielt. Da haben zwei Vereinsspieler am Rande eines Marktes vor der Clubhütte trainiert und es haben eine handvoll Leute zugeschaut. Nach dem Spiel drückte mir der Gewinner einen Schläger in die Hand und forderte mich raus. Zu dem Zeitpunkt hatte ich sicherlich zehn Jahre nicht mehr gespielt. Als ich an der Platte stand, kamen gleich noch einige Zuschauer mehr dazu. Und beim Baogame habe ich mich in Malawi und auf Zanzibar auch versucht.

Übrigens haben die Lehmhüttenkneipen im Kaokoveld auch alle eine Kühltruhe, wenn außen Werbung von Coca Cola angebracht ist. Die Kühltruhe hat die gleiche Werbung. Offenbar wird das alles von Coca Cola gesponsert und die Leute dort auch geschult. Immer, wenn sie etwas aus der Kühltruhe entnehmen, legen sie etwas nach.
Natürlich sind die Kühltruhen auch nirgendwo angeschlossen. In den fensterlosen Hütten mit Blechdach heizt es sich über 50 Grad auf (ich hatte ja schon draußen im Schatten bis 47 Grad). Über Nacht wird der Deckel geöffnet und dann kühlt der Inhalt auf vielleicht 40-45 Grad runter und morgens macht man den Deckel dann wieder zu.

Übrigens wird Bier in den Kneipen für Einheimische in Afrika meist auch nicht gekühlt, wenn es Kühlmöglichkeiten gibt. Das Cola, Fanta, Wasser und in den besseren Lokalen auch Rotwein im Kühlschrank, aber das Bier steht draußen. Und wenn es Gläser gibt, versucht man, so einzuschenken, dass möglichst kein Schaum entsteht.

Deine Berichte sind immer so eindrücklich, eben weil Du die Menschen und ihr Leben zeigst. Vor vielen Jahren hast Du mal Bilder von einem Fußballspiel von Bürgerkriegsversehrten gezeigt. Mir hat das so imponiert, dass ich auch wegkam vom Tiere, Landschaften fotografieren und mit Menschen auf dem Land in Kontakt kommen wollte. Ich habe es nie bereut. Auch weil ich erfahren durfte, wie sehr sich das Gegenüber über ehrliches Interesse freut.

Schön, dass Du es ausprobiert hast und es Dir gefallen hat. Drei Tipps noch in diese Richtung;
- Besuche mal einen Gottesdienst in einer Kirche, die nur Schwarze besuchen. Das ist immer wieder ein Erlebnis. Es kann allerdings sein, dass Du vom Pfarrer nach vorne gebeten wirst und Dich kurz vorstellen sollst.
- Wenn Du in einem Land bist, in dem Fußball populär ist, dann besuche mal eine Dorfkneipe, wenn ein Fußballspiel der Champions League oder Afrika Cup oder ein sonstiges Länderspiel übertragen wird. Da ist meist eine grandiose Stimmung und viele Afrikaner können die Mannschaftsaufstellung der deutschen Nationalmannschaft oder Bayern München runterbeten.
- In einer Dorfkneipe mal die Einheimischen fragen, wie bestimmte Gegenstände in deren Sprache heißen und versuchen, es nachzusprechen. Je nach Sprache kann das sehr lustig für die Leute enden, aber wenn sie dann wissen wollen, wie es auf Deutsch heißt, merken sie, dass sie bei der Aussprache der deutschen Wörter meist die gleichen Probleme haben. Kann ein lustiger Abend werden ...

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
7'315 Beiträge · seit 200609. Dez. 2024 ·
Makalani schrieb:
wenn du mit dem Fahrrad durch die afrikanischen Länder reist, bekommst du mit Sicherheit viel von der Lebensweise und den Sorgen
der einfachen Bevölkerung mit. Wahrscheinlich bist du auch eine lange Zeit im jeweiligen Land unterwegs, was nicht jeder so kann
und vielleicht auch gar nicht möchte.
Wir haben auch schon mehrere Länder Afrikas besucht, mal in Kleingruppe, Privatreise mit Transfers und auch als Selbstfahrer in Namibia und Südafrika (jeweils max. 3 Wochen).

Das ist klar, dass die meisten das nicht möchten, denn eine solche Reise stellt andere Anforderung und diese sind für manche Menschen purer Stress. Ich radle so in den Tag rein und schaue ab ca. 16 Uhr mal, wo ich einen Platz zum Übernachten finde ... ohne Telefon und Internet.
Andere würden wahnsinnig, wenn sie morgens nicht wissen, wo sie abends übernachten. Ich werde wahnsinnig, wenn ich morgens weiß, wo ich abends sein muss und keine Zeit für spontane Begegnungen habe. Da tickt halt jeder anders.
Schwierig ist auch der Umgang mit Reifenpannen. Mancherorts passiert ja wochenlang nichts spannendes für die Kinder. Jetzt kommen ganze Schulklassen von der Schule nach Hause und sehen eine weißen Radfahrer, der einen Reifen flickt. Für die ist das das Highlight der letzten Wochen und man selbst ist schon genervt, weil es vielleicht schon der dritte Platten am Tag ist. Jetzt stehen noch 50 Kinder (habe schon mehr gezählt) um einen herum, kommentieren jeden Handgriff und lachen und freuen, sich, weil sie zu Hause was zum Erzählen haben. Da muss man sich schon ein bisschen im Griff haben. Das ist echt nicht immer einfach.

Und die Reisedauer bei meinen Radtouren lag auch immer bei mindestens vier Wochen. Ich brauche ja im Schnitt einen Tag für die Strecke, die ein Autofahrer in einer Stunde fährt.

Damals haben wir bewusst keine Fotos gemacht, um die idyllische Atmosphäre nicht zu stören.

Dieses Fingerspitzengefühl sollte man haben, um manche Situation nicht zu zerstören. Ich habe ganz viele Situationen nicht fotografiert, sondern nur in einem Reisetagebuch festgehalten. Ein Gespräch mit ehemaligen Kindersoldaten z.B. kann man mit Fotos sowieso nicht festhalten. Die Eindrücke entstehen durch deren Schilderungen, die man sich merken und/oder notieren muss. Diese kann man nur durch Worte weitergeben und nicht durch Fotos. Aussehen tun sie wie jeder andere normale junger Mensch, aber was sie erlebt haben, sieht man auf den Fotos nicht. Im Gespräch erfährt man, dass sie von Anfang an ein zerstörtes Leben hatten. Gerade bei diesem Thema macht man sich meist gar keine Gedanken, weil das Wort "Kindersoldaten" einem so gar keine weiteren Infos mitliefert. Bis man sich mit dem Thema mal beschäftigt, aber das kann schlaflose Nächte bescheren ...

Wie du siehst, kann man auch auf weniger abenteuerlichen Reisen Kontakte zu Einheimischen knüpfen. Der Ort der Unterhaltung ist allerdings nicht so authentisch wie z.B. in einer Lehmhüttenkneipe 😄

Man kann solche Kontakte auch während anderer Reiseformen haben, aber es ist schwieriger. Wenn ich z.B. fünf Stunden durch Kaokoveld radle bei 45 Grad im Schatten, dann halte ich einfach bei jeder Lehmhüttenkneipe an. Mein Wasser in den Flaschen ist ätzend warm, hat evtl. den Geschmack von Chlor und zusätzlich den von Plastik angenommen. Da halte ich an und bekomme mal 'ne Cola oder ein Bier. Das ist brühwarm, aber das ist egal. Das schmeckt immer noch besser als das Wasser, das ich dabeihabe.
Mit dem Auto fährt man an solchen Kneipen einfach vorbei. Man sitzt im Auto mit Klimaanlage und hat kaltes Bier und Wasser dabei. Warum sollte man jetzt hier anhalten und so brühwarmes Zeug trinken? Das macht niemand.
Dazu kommt, dass man als Autotourist von den Einheimischen automatisch als reich betrachtet wird. Als Radler bin ich mit dem Verkehrsmittel der einfachen Bevölkerung unterwegs. Da bin ich ein Stück weit "einer von ihnen". Das macht es viel einfacher als wenn ich mit dem Auto da vorfahre. Die Leute sprechen mich von sich aus an und das ist für mich viel einfacher.
Die stellen komische Fragen wie "Bist du im Auftrag der Regierung unterwegs?" und solche Sachen.

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
7'315 Beiträge · seit 200610. Dez. 2024 ·
Max_K schrieb:Das ist jetzt ein bisschen weg vom Thema Ausrüstung.

Manchmal entwickeln sich solche Threads in eine andere Richtung als ursprünglich gestartet. Diese ist nicht immer gut, aber in diesem Fall schon, wie ich finde. Es ist nämlich einfach interessant.
Für mich persönlich war es auch spannend, zu erfahren, dass jemand wie Sanne mal aufgrund eines Vortrags von mir einfach mal neue Dinge ausprobiert und dann auch gut findet.
Der Kopf ist rund, damit die Gedanken leichter ihre Richtung ändern können. 😉

Solche Begegnungen sind bereichernd.

Das sind die Momente, an die man später auch ohne Fotos zurückdenkt. Und die bleiben oft am längsten in Erinnerung.

Eines meiner spannendsten Erlebnisse war z.B., wie mein Reisepartner und ich den Polizeichef einer Region in Surinam unter den Tisch getrunken haben. Dabei konnten wir da gar nichts dafür. Großes Indianerehrenwort.
Der wollte das offenbar so. Eines meiner schönsten Erlebnisse, weil total unplanbar und völlig "abgefahren". Und die meisten interessanten Erlebnisse entstehen durch völlig Zufälle.
In meinem Fall sind es sogar ganze Reiseziele, die so entstehen.

Der wurde am Ende von zwei seiner Mitarbeiter vom Tisch weggeschleift, weil er nicht mehr laufen konnte. Unfassbar, was man innerhalb von 3-4 Stunden verlernen kann. 😉

Mein Reisepartner und ich gingen nach dem Bezug einer Unterkunft in einer Kleinstadt los, um eine Kneipe zu finden, um den tagsüber erlittenen Flüssigkeitsverlust auf isotonischem Weg auszugleichen.
Wir fanden eine und setzten uns im Außenbereich an den letzten freien Tisch. Drinnen ging schon die Party los - brasilianischer Karneval.
Wir hatten unser erstes Bier (0,3 Liter) noch nicht fertig, als der Polizeichef der Region in Uniform an unseren Tisch trat und höflich fragte, ob sie sich dazu setzen könnten. Auch seine Mitarbeiter hatten eine Ausgehuniform an. Natürlich durften sie. Warum sollten wir zu zweit einen Tisch für 6-8 Personen für uns beanspruchen?

Kaum haben sie gesessen, kam der Besitzer des Lokals mit einer Flasche Whisky im Karton, einem Glas und einer Prostituierten im Schlepptau zurück. Alles klar, Korruption in Reinform. Der Polizeichef forderte noch zwei Gläser für uns und seine zwei Mitarbeiter tranken den Abend über nur Wasser und sagten gar nichts. Er selbst erzählte im Verlauf des Abends aber immer mehr über die Korruption im Land, so lange er noch erzählen konnte. Als er später nicht mehr vernünftig sprechen konnte, haben ihn seine zwei Mitarbeiter unter den Achseln eingehakt und weggeschleift.
Die Prostituierte saß mir die ganze Zeit gegenüber und sah dem traurigen Ende des Abends entgegen und saß mit bedröppeltem Gesicht dort. Als man den Polizeichef wegschleifte, lächelte sie zum ersten Mal und küsste mich vor Freude.

Der Polizeichef goss die Gläser voll und kippte seines direkt in den Hals. Wir brauchten etwas länger und er schenkte sofort wieder ein und kippte es wieder direkt weg. Beim dritten Glas sagte ich, ich pausiere mal 'ne Runde und und beim vierten Glas pausierte Thomas. So hielten wir es abwechselnd und pausierten auch mal gleichzeitig, während der Polizeichef immer weiter soff.
Es waren noch etwa 30 Grad und am Ende waren fast drei Flaschen Whisky geleert. Wir waren ziemlich über den Berg, aber letztlich war es ja für 'nen guten Zweck. Wir haben der Prostituierten eine beschissene Nacht erspart und der ganze Abend hat uns am Ende nicht mal was gekostet.

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
2'462 Beiträge · seit 200610. Dez. 2024 ·
BikeAfrica schrieb:
Für mich persönlich war es auch spannend, zu erfahren, dass jemand wie Sanne mal aufgrund eines Vortrags von mir einfach mal neue Dinge ausprobiert und dann auch gut findet.
Der Kopf ist rund, damit die Gedanken leichter ihre Richtung ändern können. 😉
Wie Du Dich vielleicht aus unseren Gesprächen auf Forumstreffen erinnerst, habe ich ja mit Lodging und Fly-In in Afrika begonnen und so schön es auch war, etwas fehlte immer. Ich wusste nur wenig über die Menschen im Land, aber ich traute mich auch nicht, meine Neugier zu zeigen, zu sehen, wie Menschen leben, was sie bewegt, was sie erlebt haben. Deine Berichte zeigten mir, dass ich es versuchen sollte. Dass etwas, das mir in anderen Ländern selbstverständlich erscheint, auch hier möglich ist - die Länder nicht auf Unterkunft, Tiersichtungen, Landschaften und Lokalkolurit zu reduzieren.

Ich war je einmal in einem "Outdoor-Gottesdienst" unterm Baum in ZIM und einmal in einer winzigen Kirche in ZAM. In letzterer war der Krach ohrenbetäubend. Wenn nicht lauthals gesungen wurde, war die Ansprache des Pfarrers per Lautsprecher beeindruckend. 😉 Ich war unheimlich gerührt, dass wir später eingeladen wurden - das ungefilterte Bier mit knapp 40 Grad Temperatur aus dem Ölfass war weniger "berührend" 😄
"Der letzte Beweis von Größe liegt darin, Kritik ohne Groll zu ertragen." Victor Hugo
20 Beiträge · seit 202410. Dez. 2024 ·
Dann sind wir ja wieder im Thema.
Und ich habe endlich das Bild wieder gefunden, bei dem beides vorkommt:
Der Besuch bei der Familie und im Haus unseres kenianischen "beachboys" und unsere "Hosentaschenkamera", mit der sich eigentlich alle Menschen problemlos fotografieren lassen.
Und für gute 43° und ohne Blitz sind die Bilder ganz ordentlich geworden.
Nur der Fotograf sieht etwas derangiert aus.
Kamera.jpg
7'315 Beiträge · seit 200611. Dez. 2024 ·
Man muss regional aufpassen, da auch heute noch Menschen denken, dass ihnen ein Foto die Seele raubt. Man sieht es gut auf folgendem Foto und ich habe die Reaktion der Menschen erst später auf dem Foto bemerkt, weil mein Blick auf den Typ fokussiert war, der die ganzen Bierkästen auf den Gepäckträger stapelt.
Ein Teil der Leute dreht den Kopf weg und andere halten sich noch das zugewandte Auge ab. Ich hätte das Foto nicht gemacht, wenn ich das in diesem Moment bemerkt hätte. Aber jetzt ist es gut zur Veranschaulichung der z.T. vorhanden Ängste.

260131393_919719871987989_2136100150895896077_n.jpg


Manchmal kann man das z.B. als Trick nutzen, wenn man z.B. im früheren Beitrag erwähnten Fall eines platten Reifens ein bisschen mehr Ruhe möchte. Man packt die Kamera raus und ein großer Teil der Kinder rennt verängstigt weg. Aber zwei Dörfer weiter passiert schon das Gegenteil. Jetzt will jedes Kind mit aufs Bild und sie haben noch mehr Spaß. Ja, Mist - ins Knie geschossen ...

Das Zeitalter der Digitalfotografie hat den Vorteil, dass man Fotos sofort zeigen kann. Auf der anderen Seite hat heute fast jeder Afrikaner ein Handy und kann selbst Fotos machen.
Zu Zeiten der analogen Fotografie war es was ganz besonderes, wenn man fotografiert wurde. 1998 lief ich mal über den Holzschnitzermarkt in Okahandja. Schon am ersten Stand quatschte mich der erste voll und kaum war ich den los, war der nächste da. Dann habe ich einen gefragt, ob ich ihn vor seinem Stand fotografieren dürfe und der hat sich gefreut und eingewilligt. Das haben die an den anderen Ständen mitbekommen und plötzlich wollte jeder fotografiert werden. Keiner wollte mir mehr etwas aufschwatzen. Ich habe einige vor ihren Ständen fotografiert und dann weitere Anfragen irgendwann beantwortet, dass leider der Film voll sei. Aber ich konnte plötzlich weiterhin ungestört über den Markt laufen.
2000 war ich wieder dort und hatte Papierabzüge der Fotos mit und habe mich zu den Ständen durchgefragt und die Fotos verteilt und neue gemacht (die ich dann 2001 vorbeigebracht habe). Ich konnte wieder ungestört über den Markt laufen. An demjenigen, dem ich das erste Foto überbrachte, kam ich am Ende nach ca. einer halben Stunde wieder vorbei. Der schaute immer noch ganz ungläubig auf sein Foto (war auch "bisschen" größer in 18x13 cm). Er hat mir dann noch einen geschnitzten Holzelefanten geschenkt, den er mir im Vorjahr wahrscheinlich noch hätte aufschwätzen wollen. Dass er ein Foto von sich vor seinem Stand hatte, hatte für ihn offenbar einen sehr großen Wert. Für mich war es halt einfach ein Foto mit der ursprünglichen Absicht, ungestört über den Markt gehen zu können ...

Man erkennt irgendwann, dass es unterschiedliche Blickwinkel gibt. Man muss versuchen, den der anderen Seite zu erreichen.

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...