mruniThemenstarter172 Beiträge · seit 201017. Okt. 2022 · #1Hallo zusammen,
wir werden ab April ein halbes Jahr mit unserem Defender durch Namibia, Botswana und Südafrika reisen, und obwohl ich schon 2x dort war, habe ich auf eine Sache nie richtig geachtet:
Hat das Wasser auf Campsites und Gästefarmen Trinkwasserqualität? Wir haben einen 100l Wassertank, und möchten diesen so weit es geht auch nutzen. Zum Vorfiltern des Wassers benötigen diverse Wasserfilter 3-4 Bar Druck (filtert das Wasser bevor es bei uns in den Tank kommt). Da die Wasserversorgung auf Farmen / Camps ja oft durch riesige Tanks bereitgestellt wird: liegt da solch ein hoher Druck am Wasserhahn überhaupt an, oder muss es ein druckloser Vorfilter tun?
Ich weiß dass es "überall" die 5l Wasserkanister gibt, aber zum einen benötigt man dafür sehr viel Platz, und zum anderen entstehen dadurch riesige Mengen Müll, daher ist das für uns nur die Notfall Option.
Gibt es außer evtl in WDH silberfreies Trinkwasser Desinfektionsmittel auf Chlorbasis zu kaufen, oder müssen wir das direkt mitbringen?
Danke für eure Tipps, auch wenn das kein Standard Thema bei Campern ist.
Skotch123 Beiträge · seit 201917. Okt. 2022 · #2Hallo mruni,
zumindest zu dem Thema Trinkwasser desinfizieren kann ich etwas beisteuern, da ich mich für unsere anstehende Botswans-Tour damit beschäftigt habe.
Für die Desinfektion des Trinkwassers braucht es Chlor. Das tötet vorhandene Keime ab, wirkt aber nur zeitlich begrenzt und baut sich ab. Die Silberionen hingegen konservieren das Trinkwasser (wichtig für die Lagerung in Tanks etc.). Das heißt du brauchst im Prinzip ein Kombipräparat was desinfiziert und dann konserviert. Da gibt es z.B. Micropur was vorhandenes Trinkwasser konserviert, und Micropur Forte, was Leitungswasser mit Chlor desinfiziert und mit Silber konserviert. Ohne Silberionen wird das wohl schwierig und das Wasser wäre nur kurze Zeit desinfiziert und genießbar.
Lasse mich da aber auch gerne eines Besseren belehren 😉
LG Skotch
Logi16,9k Beiträge · seit 201217. Okt. 2022 · #3Guten Abend,
über die Trinkwasserqualität auf Farmen hat Christian (travelNAMIBIA) bereits hier geschrieben =>
https://www.namibia-forum.ch/forum/11-diverses/301237-erfahrungen-mit-empfindlichem-magen.html#638243LG
Logi
mruniThemenstarter172 Beiträge · seit 201017. Okt. 2022 · #4Hallo Skotch & danke für die Antwort,
ich kann dich zwar nicht belehren, aber Silber ist keine Option für uns. Zum einen ist es umstritten und zum anderen ist es im gewerblichen Bereich inzwischen nicht mehr erlaubt. Da zwei Kinder mitfahren, gehen wir auf Silber bezogen kein Risiko ein, daher meine Frage explizit nach Chlor. Auch Chlor muss richtig dosiert werden.
Weiterhin gibt es die Möglichkeit das Wasser über einen Ozongenerator zu desinfizieren, was eigentlich unschlagbar vorteilhaft ist, jedoch kann es bei bromidbelastetem Wasser durch die Reaktion mit Ozon zu der Entstehung von Bromat kommen, und das ist wiederum giftig.
Auch toll sind UV-C Lampen durch welche das Wasser fließt, jedoch sind diese unverschämt teuer (500€).
Daher bleibt noch das gute alte Chlor, welches als Zusatz im Trinkwasser getestet und erlaubt ist.
(Das waren meine Gedanken bisher 🙂
mruniThemenstarter172 Beiträge · seit 201017. Okt. 2022 · #5Logi schrieb:
über die Trinkwasserqualität auf Farmen hat Christian (travelNAMIBIA) bereits hier geschrieben => https://www.namibia-forum.ch/forum/11-diverses/301237-erfahrungen-mit-empfindlichem-magen.html#638243
Danke, durchgelesen und verinnerlicht!
BikeAfrica7'302 Beiträge · seit 200617. Okt. 2022 · #6Ich kann Dir nur sagen, wie ich es gemacht habe, aber nicht, ob das richtig war.
In Namibia habe ich überall Leitungswasser einfach so getrunken. Das waren in ca. 22 Wochen per Rad und über 6.000 km dort pro Tag oft über 10 Liter und so kamen einige Hundert Liter so zusammen. Nur im Bereich Caprivi wäre ich da bisschen vorsichtiger. Namibia war aber auch das einzige Land in Afrika, in dem ich das so gehandhabt habe.
Schon in Südafrika war ich vorsichtiger und habe lieber jeweils nachgefragt. Oft rieten mir die Einheimischen bzw. Betreiber einer Unterkunft davon ab, das Wasser einfach so aus der Leitung zu trinken.
Mein letzter Versuch mit Micropur ist ca. 20 Jahre her. Das Wasser hat nach der vorschriftmäßigen Dosierung mit dem Zeug so fürchterlich geschmeckt, dass das pur nicht zu trinken war. Vielleicht ist es jetzt besser.
Ich selbst nehme zum Filtern einen Keramikfilter (Katadyn Combi), mit dem man die gängigen Krankheitserreger rausfiltern kann. Schwermetalle wie Quecksilber z.B. bekommt der Filter aber auch nicht raus, aber das wird auch Micropur nicht unschädlich machen. Damit filtet man per Handpumpe etwa einen Liter pro Minute und dann würde ich das halt bei Bedarf aktuell filtern und mir die Haltbarkeitmachung sparen. Der Katadyn Combi verwendet Aktivkohle dazu, aber diese Komponente habe ich noch nie verwendet. Ich habe den Filter z.B. in Kamerun über Wochen täglich benutzt und Wasser aus jedem Bach, Tümpel oder Fluss verwendet.
Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
SESeyko1'097 Beiträge · seit 200918. Okt. 2022 · #7Hi,
also wir sind aktuell seit Anfang Mai unterwegs und haben bisher, wenn es hoch kommt, 10 von den 5Liter Kanistern gekauft. Wir haben KEINE Filter im System verbaut - wir haben uns für einen mobilen Lifesaver als Jerrycan entschieden, mit dem wir, wann immer nötig, aus jedem Wasserloch Trinkwasser gewinnen können.
Einfachheit gewinnt immer, das haben wir wieder einmal gelernt und immer noch etwas zu kompliziert gebaut (Leitungen, etc.). Wir hatten nirgends Probleme mit dem Wasser und haben alle paar Tage unseren 120 Liter Edelstahltank aufgefüllt. Wir verbrauchen aktuell um die 10 Liter pro Person und Tag, was bedeutet, dass der Tankinhalt für ca 12-14 Tage reicht. In dieser Zeit wird kein Wasser faulig 😉
Unser Lifesaver ist nach wie vor ungebraucht und ich bin froh, dass wir ihn angeschafft haben und unser „backup“ leicht ist (ca 3 kg) und gut verstaubar. Die von dir genannten Länder sind überhaupt kein Problem und du wirst immer Unterkünfte finden, die "gutes" Bohrlochwasser haben.
Eins verstehe ich allerdings nicht ganz. Wenn Ihr euch um das Thema sehr sorgt, warum habt Ihr die Filter nicht hinter den Tank gesetzt?
Liebe Grüsse
Guido
PS: beim Wasserdruck bin ich raus, denn wir füllen unseren Tank mit Schwerkraft, was wunderbar funktioniert und keine Anforderungen hat.
174369 Beiträge · seit 202220. Okt. 2022 · #8Hi,
wir sind jetzt fast 6 Monate in der Gegend unterwegs. Der Wasserdruck war meist recht niedrig. Wir nehmen zum befüllen einen Gardenaschlauch zum aufrollen. Der Wasserdruck hat meist nicht mal gereicht, dass der sich selbst entfaltet hat, wenn es Knickstellen gab.
Von daher, wenn Du beim befüllen filtern willst wäre eine Pumpe vor dem Filter bestimmt hilfreich.
Wir filtern beim befüllen prinzipiell immer mit feinen Keramikfiltern. Das Wasser wäre ohne Pumpe praktisch nie durch die Filter gegangen.
Bei So gefiltertem Wasser ist alles an potentiellen Krankheitserregern raus. Dieses Wasser hält dann auch problemlos ohne irgendwelche Zusätze zwei / drei Wochen und dann haben wir es eh aufgebraucht.
Hilft aber nix bei z.B. zuviel Eisen im Wasser.
MImitglied19210Gast20. Okt. 2022 · #9Du kannst für unter 100 EUR eine kleine 12V Membranpumpe kaufen. Die erzeugt dann 3-4 bar Druck und pumpt um die 10 Liter pro Minute. Da solche Pumpen selbstansaugend sind, ist das generell ganz komfortabel, falls man z.B. druckloses Wasser in den Tank bekommen will. Mit einem kleinen Duschkopf kann man die Pumpe dann auch umgedreht verwenden und hat eine hübsche Dusche, wenn man mal irgendwo wild campt oder auf Campsites in Botswana kein Wasser zur Verfügung steht.
Grüße, Torsten
mruniThemenstarter172 Beiträge · seit 201020. Okt. 2022 · #10Hallo zusammen,
danke für die weiteren Antworten!
Eins verstehe ich allerdings nicht ganz. Wenn Ihr euch um das Thema sehr sorgt, warum habt Ihr die Filter nicht hinter den Tank gesetzt?
Wir haben einen "YACHTICON Inline Wasserfilter" vor dem Wasserhahn. Trotzdem sollte das Wasser im Tank keine Brutstätte werden, und daher immer so sauber es geht betankt werden. Deswegen die Idee mit dem zusätzlichen Befüllfilter.
Der Wasserdruck hat meist nicht mal gereicht, dass der sich selbst entfaltet hat, wenn es Knickstellen gab.
Wir filtern beim befüllen prinzipiell immer mit feinen Keramikfiltern. Das Wasser wäre ohne Pumpe praktisch nie durch die Filter gegangen.
Danke für die wichtige Info - das entspricht ja fast meiner Befürchtung. Sagst du mir welchen Keramikfilter ihr benutzt?
Du kannst für unter 100 EUR eine kleine 12V Membranpumpe kaufen. Die erzeugt dann 3-4 bar Druck und pumpt um die 10 Liter pro Minute
In die Richtung habe ich auch bereits gedacht. Wir haben hinter dem Tank genau so eine Pumpe welche Richtung Wasserhahn (inkl Filter) sowie Richtung Wassersteckdose für die Dusche fördert. Mit ein paar T-Stücken sowie Kugelhähnen könnte ich die Pumpwirkung so umlenken, dass die Pumpe aus einem Schlauch ansaugt und den Wassertank befüllt. Ein evtl vorhandener (Keramik) Filter müsste dann allerdings in die Druck- und nicht in die Saugleitung.
Falls dann die Pumpe ausfällt verdursten wir 😉
@Torsten, gehört jetzt nicht zum Thema, aber wo kann man denn "vernünftig" Wildcampen? Privatgelände und NPs sind natürlich tabu. Dann wohl eher entlegene Gebiete wie z.b. Kaokoveld? (Offiziell vermutlich überall verboten...)
MImitglied19210Gast21. Okt. 2022 · #11Ja, im Kaokoveld gibt es Gegenden, wo man wild campen kann. Pauschal wild campen funktioniert auch da nicht. Aber ich schrieb ja auch weiter gefasst von Campsites ohne Wasser. Davon gibt es wirklich viele, u.a. CKGR, Mabuasehube, Palmwag Concession, Nyae-Nyae
Grüße, Torsten