Der Regen fesselte uns an die Lodge. Wir haben keine geführte Wanderung durch das Lodge-Reservat gemacht und auch keinen Ausflug auf dem Fluss, so wie ich das ursprünglich vorhatte. In den kurzen Abschnitten, in denen es trocken blieb, bin ich an der Lagune entlang marschiert, denn in dem Buch von Bence Maté habe ich Fotos gesehen von einem über das Wasser laufenden Basilisken, grandiose Bilder. Auch hier liegt übrigens die Vermutung nahe, dass der Fotograf der Natur etwas nachgeholfen hatte, denn das übers Wasserlaufen ist ein Fluchtverhalten der Basilisken. Ich vermute mal, dass die Basilisken in irgendeiner Weise zu diesem Verhalten provoziert wurden – heißt zumindest aufgescheucht, das war keine zufällige Begegnung, da sich der Fotograf dafür extra ins Wasser begeben hat, um auf Augenhöhe des Basilisken zu sein.
Das Ehepaar Great Curassow / Tuberkelhokko traf ich im Garten
Irgendwo müssen sie sein, also Augen auf! Meine Suche mit Fokus auf Basilisken wurde belohnt, von weitem sahs aus wie ein übrig gebliebenes Blatt im braunen Gestrüpp über dem Wasser.
Regungslos sass er auf den kleinen Ästchen, ich bin schnell ins Zimmer um das Stativ zu holen, denn es wurde schon dämmrig. Nach Einbruch der Dunkelheit bin ich nochmals los, hatte mir einen kräftigen Strahler an der Rezeption ausgeliehen, und habe vom Basilisken diese Aufnahme hinbekommen. Das gleiche Spiel am folgenden Morgen, unser Abreisetag. Der Basilisk sass immer noch regungslos im Gestrüpp, also noch’n paar Fotos geschossen. Zusätzlich habe ich ein weiteres Exemplar am gegenüber liegenden Ufer entdeckt, war aber leider zu weit entfernt für ein gutes Foto, hier nur ein Beweisfoto.
Schildkröte Green Kingfisher
Noch ein paar weitere Fotos, bevor wir abfuhren zum nächsten Stop
Northern Jakana / Gelbstirnblatthühnchen
Teil 2220. Feb. 2022
Nach ein paar Wellness-Tagen im Bayrischen Wald gehts jetzt weiter!
Monteverde
Nachdem wir uns in La Fortuna in den letzten Tagen einige Male verfahren hatten, weil die Ticos nicht viel Wert auf Richtungsschilder legen, kannten wir die Gegend nun sehr ausführlich und sind nur in Pital etwas herumgeirrt, aber durch La Fortuna ging es ohne uns einmal zu verfahren in Richtung Monteverde. Die Hinweisschilder der German Bakery auf dem Weg dorthin konnte man gar nicht übersehen, also haben wir dort angehalten und uns etwas gestärkt. German Bakery, na ja… so in etwa muss sich der aus China kommende Besucher auch bei uns fühlen, wenn er zum gemeinen Dorf-Chinesen in Deutschland geht.
Das Wetter war einfach öde, Regen, Regen, Regen. Wir haben uns für einen Skywalk im Selvatura Park entschieden, das Leben in den Baumkronen soll ja phänomenal sein, alles spielt sich oben ab, keiner geht mehr auf dem Waldboden, so hört man. Der Park, in dem man auch Zipline fahren kann, bietet 8 Hängebrücken auf Höhe der Baumwipfel, und wir sind diese innert 2 Stunden abgelaufen.
Leider haben wir in den Baumkronen so viel Leben gesehen wie auch auf dem Waldboden, nämlich recht spärlich. Hätten wir nicht an einer der Hängebrücken eine Horde Brüllaffen angetroffen, hätten wir gar keine Fauna gesehen. Das liegt sicherlich auch daran, dass die Brücken einige Meter von den Bäumen entfernt sind, und man weiss gar nicht wohin man schauen muss, um tierisches Leben zu entdecken. Vielleicht bucht der nächste hier mal einen Guide, vielleicht kommt dann mehr Leben in die Bude.
Es hat mich erstaunt, wie ungelenk sich dieser Affe vom Baum zum Stahlgerüst gehangelt hat, das hätte auch ein Mensch nicht ungeschickter anstellen können.
Die Zipliner haben wir mehr gehört als gesehen bei dem dicken Nebel. Monteverde ist für seinen Nebelwald bekannt, d.h. vor Nässe triefende Wolken, die an den Bergen hängen und die Sicht auf die umliegende Gegend verhindern, und das für mindestens 2/3 des Jahres. Zumindest diese Attraktion haben wir voll erfahren dürfen. Nachmittags bin ich dann nochmal alleine, wieder in der Nähe des Selvatura Parks, einen kleinen verkehrsarmen Waldweg, der zu irgendwelchen Hütten führte, gegangen in der Hoffnung auf etwas Leben. Die fotografische Ausbeute waren die folgenden 2 Kleinvögel.
Costa Rican Warbler?
irgendein Flycatcher?
Abends riss doch tatsächlich die Wolkendecke auf, und es bot sich ein netter Anblick.
Teil 2320. Feb. 2022
Für abends hatte ich einen Nightwalk gebucht über unser Hotel. Der Veranstalter (Kinkajou) holt die Teilnehmer mit einem Kleinbus der Reihe nach aus ihren Hotels ab und bringt sie in das Nightwalk-Gebiet. Dies ist privates Gelände, in dem die Walk-Gruppen in drei Schichten (18:00, 20:00, 22:00 Uhr) durch den Wald geführt wurden. Wir waren 8 Personen in einer Gruppe, und es gingen 3 Gruppen in meiner Schicht um 20 Uhr durch den Wald. Nach der etwas frustrierenden Tagestour mit sehr wenigen Sichtungen hatten wir hier fast schon Sichtungsgarantie, denn die Guides wissen welches Tier sich wo aufhält, und der Walk hinterlies ein wenig den Eindruck, dass wir die Punkte wie anhand einer Checkliste abliefen. Aber trotzdem, es war interessant und sehr empfehlenswert. Green parrot snake irgendeine Viper
Von einigen Tieren wie vom Stachelschwein und vom Oppossum konnte ich keine vorzeigbaren Bilder schiessen. Vor dem folgenden Sechsbeiner standen wir als Gruppe im Halbkreis, ohne es erkannt zu haben, obwohl der Guide uns darauf hingewiesen hatte, dass es ein Tier zu sehen gibt. Selbst als er seinen Lichtstrahl direkt auf das Insekt hielt, hat es keiner aus der Gruppe entdeckt. Stabinsekt
Bark scorpion im Schwarzlicht der gleiche Skorpion im weissen Licht blue-crowned motmot rufous-eyed stream frog Vogelspinne
Abfahrt nach 2 Nächten aus Monteverde. Mein Fazit zu diesem in den Reiseführern als Highlight angepriesenen Gebirgsdorf: kann man machen, muss man aber nicht.
Ich weiss nicht, ob es Euch genauso geht. Es gibt bestimmte Bilder aus der Kindheit, die sich in meinem Gedächtnis eingebrannt haben und mich seit etwa 50 Jahren begleiten. Meine Eltern hatten mir, als ich anfing zu lesen, ein Kinder-Sachbuch geschenkt. Ich glaube das Erscheinungsjahr war Anfang der 1970er, denn es enthielt ein Bild des in Fertigstellung befindlichen Sydney Opera House. Ich war als Kind damals schockiert, wie man nur ein so häßliches Haus bauen konnte. Als ich dann im Jahr 2000 leibhaftig vor der Oper stand und sogar eine Aufführung in diesem Haus besuchte, überkam mich eine große Befriedigung, dieses innere Bild aus der Kindheit mit dem realen Leben abgleichen zu können, und ich empfand das Opernhaus gar nicht mehr häßlich, sondern war so begeistert von dessen Anblick, dass ich jeden Abend meines Sydney-Aufenthaltes dort vorbei gegangen bin.
In diesem Kinderbuch war auch eine Abhandlung und ein Bild von der Panamericana, wie sie sich durch Mittelamerika schlängelt. Das Buch habe ich nicht mehr, aber nach meiner Erinnerung war es ein Foto mit die Strasse einhüllenden hohen Bäumen. Auch dieses Foto kann ich mein Leben lang nicht vergessen, und ich finde es wahnsinnig toll, dass ich jetzt tatsächlich diese Panamericana entlang gefahren bin unter hohen die Strasse einschliessenden Bäumen. Ein Gänsehautmoment meines Lebens. Vielleicht können die Älteren unter Euch mir mal verraten, ob die Panamericana in den 70er Jahren bereits asphaltiert war oder ob es damals noch Schotterpiste war, an dieses Bild-Detail kann ich mich nämlich nicht mehr erinnern.
Mein Foto habe ich irgendwo in der Ebene, aus Monteverde kommend, vor El Roble geschossen. Später im Gebirge der Cordillera Talamanca gen Süden gab es dann nicht mehr diesen Anblick, die Bäume hatten einen niedrigeren Wuchs, und über der Straße war eigentlich fast immer ein Streifen Himmel.
Das dritte und letzte Bild aus diesem Kinderbuch, das sich bei mir eingebrannt hat und ich nicht vergessen kann, ist übrigens eine sehr hohe, aus langen Baumstämmen gefertigte Kinder-Schaukel, auf der Indianer-Kinder schaukelten, und diese Schaukel stand direkt vor einem gewaltigen Berg-Abgrund. Die Perspektive des Fotos war so gewählt, dass das schaukelnde Kind bereits über dem Abgrund schwebte. Diese Geschichte spielte irgendwo in den USA, diesen Ort kann ich nicht mehr rekonstruieren, daher wird mir dieses Bild wohl niemals im richtigen Leben begegnen, zumal die Schaukel sicherlich nicht mehr steht.
Die Panamericana heisst in Costa Rica Inter-American Highway und bietet in diesem Land den dem Himmel nächstgelegenen Streckenabschnitt, aber dazu später. Heutiges Fahrtziel ist San Gerardo de Dota im Quetzales National Park; wir werden dort 4 schöne Nächte im Savegre Hotel verbringen.
Teil 2423. Feb. 2022
Quetzales National Park Die Fahrt auf der Panamericana ging zuerst entlang der Route 1, bevor auf die Route 2 zu wechseln ist. Das Problem daran: das passiert irgendwo im Stadtzentrum von San Jose. Wo genau, das hat sich mir nicht erschlossen, die Route 1 ging mehrspurig nach San Jose hinein und mit der Zeit wurde sie immer schmaler bei stop-and-go Verkehrsdichte, bis sie im Zentrum allmählich zu einer normalen Strasse schrumpfte. Wir haben offensichtlich den Abzweig verpasst und befanden uns irgendwann in vorstädtischen Gebieten Richtung Cartago. In Cartago haben wir dann einem Polizeibeamten nach der Route 2 gefragt, und dann ging es wieder. Hinter Cartago ging es hinauf ins Talamanca-Gebirge auf der einspurigen Route 2. Einspurig + bergauf = Schrittempo, da der ganze Schwerlasttransport über das Gebirge muss. Teilweise Stau, weil ein LKW umgekippt war, beladen mit Imperial-Bierkisten. An der Unfallstelle roch es ziemlich nach Kneipe. Irgendwann war der Anstieg auf die Bergkette geschafft, ab dann entzerrte sich der Verkehr und es ging zügig voran.
Einige Kilometer vor dem Abzweig nach San Gerardo de Dota
Die Strecke von knapp 240km hat uns so einen ganzen Tag gekostet. Die Abfahrt in das Tal von über 600 Höhenmeter war recht steil, ich hatte den Eindruck, die Bremsleistung ließ immer mehr nach, war aber nur so ein Gefühl, am nächsten Tag war wieder alles normal.
Das Savegre Hotel ist das am tiefsten gelegene der größeren Hotels. Es hat schön angelegte Gärten, in denen zumeist Kolibris die Gäste zu fotografischen Höchstleistungen anspornen. Wir hatten das romantic package gebucht, Halbpension mit 2 Massagen. Meine Massagen habe ich an meine Frau abgetreten, ich mache mir nichts aus Massagen, und meine Frau ist verrückt danach. Aufgrund der Gebirgslage ist die Luft klar, tagsüber kann man im T-Shirt laufen, nachdem die Sonne untergegangen ist, kühlt es merklich ab. Wie in allen anderen Hotels auch, haben wir uns nachmittags den Kaffee auf dem Zimmer, der in Portionspäckchen daher kommt, schmecken lassen, einen Wasserkocher gab es dafür auch in allen Hotels. Am besten hat mir der Kaffee der Marke Britt geschmeckt, der übrigens am Flughafen in der Abflughalle in einem riesigen Verkaufsladen sehr teuer verkauft wird. Hauptgebäude mit Rezeption und Restaurant direkt vor unserem Cottage unsere Cottage-Reihe
Das Hotel führte zwar nicht Lodge im Namen, es kam aber mehr Lodge-Feeling auf als in der Monteverde Country Lodge. Die Verpflegung war hier wohl das beste, was wir auf unserer Reise hatten, das Ambiente war auch gehoben im Vergleich zu den meisten anderen Unterkünften.
Warum fährt man nach San Gerardo de Dota? Natürlich wegen des Göttervogels, den Quetzal. Man kann dafür einen Guide über das Hotel buchen, was wir auch getan haben, wir wollten nichts dem Zufall überlassen, sondern Sichtungsgarantie. Anscheinend kostet so ein Guide, der unabhängig vom Hotel auf eigene Rechnung arbeitet, unterschiedlich je nach Hotel, und hinterher habe ich im Internet gelesen, dass das Savegre Hotel den höchsten Preis anbietet, wir haben 90 Dollar gelöhnt. Dafür geht es dann auch um 5:15 Uhr, eingepackt in dicken Klamotten, die den einstelligen Temeraturen trotzen, im Jeep 3km die Strasse wieder hinauf. Am Ziel angekommen, stiegen wir aus und: warteten mit einer Menschenansammlung von ca. 30 Personen an einem wilden Avocadobaum direkt an der Strasse. Ausgerüstet mit Feldstechern und Riesenkameras, manchmal auch mit Handys, warteten die Touristen darauf, dass ihre Guides ihnen den Quetzal präsentierten. Die Guides hatten allesamt jeweils ihre Spektive auf Stativ geschnallt einsatzbereit, unser Guide hatte noch ein Lautsprecher dabei, um den Quetzal anlocken zu können. Auf der Strasse war ein weisser Strich gezogen, der die voyoristische Meute davon abhalten sollte, dem Avocadobaum zu nah auf die Pelle zu rücken. Denn der wilde Avocado ist die Lieblingsspeise des Quetzals, und der Quetzal liebt es nicht, wenn Menschen dem Baum zu nahe kommen, denn dann bevorzugt er es, dem Baum fern zu bleiben.
Und tatsächlich, die Göttlichen zeigten sich, nachdem die Rufe aus dem Transistor der Batterie schon mächtig zugesetzt hatten. Zuerst in Gestalt der Frau Gemahlin, plötzlich, niemand hatte sie kommen sehen, war sie mitten unter uns, bzw. genauer gesagt über uns, sass auf der Stromleitung, begutachtete ihre Fans von oben herab, bevor sie sich dem Avocadobaum widmete.
Regungslos starrten und fotografierten wir. Spektakulärer war das Herabschweben ihres Göttergatten, denn der wurde von weitem schon erspäht. Und es kam Bewegung in unsere Menschengruppe, gleich einer La Ola Welle im Stadion. Denn der männliche Vogel hielt nicht schnurstracks auf den Avocadobaum zu, sondern – wo ist er hin? Die Guides wechselten ihre Stellung und suchten die Hangböschung ab, und alle taten es den Guides nach. Die Guides huschten zurück zum Avocadobaum, und alle Jünger taten es ihnen nach. Wieder zurück zur Hangböschung, ein flüchtiger Moment im Glanz der aufgehenden Sonne nur, aber er reichte aus:
Dafür hat es sich allemal gelohnt, zu nachtschlafener Zeit den Wecker zu stellen. Wo ist er nun hin? Alle wieder zurück zum Avocadobaum, doch er sass auf der gegenüber liegenden Strassenseite im Baum.
Auch dort nur Sekunden, dann wechselte er wieder den Baum.
Und dann war die Show vorüber. Die beiden waren nicht mehr auffindbar und würden den heutigen Tag nicht mehr wiederkommen. Erst morgen früh um die gleiche Zeit wieder wird die Chance auf ein Wiedersehen bestehen. Wo sie hin sind? Was sie tagsüber so machen? Unser Guide meinte, irgendwo tief im Gebirgswald, wo kein Pfad hinführt, führen sie ihr Leben, ungestört von der menschlichen Zivilisation. Götter eben, die weilen ja auch nicht unter uns, sondern schauen dem menschlichen Treiben von oben mit distanziertem Amusement zu.
Unser Guide konnte sehr geschickt mit seinem Spektiv umgehen, ein Handyphoto durch sein Spektiv sah beeindruckend scharf aus:
Und nun noch die notwendige dröge Wissensvermittlung über den Quetzal: Der Quetzal gehört zur Familie der Trogone. Nur dem männliche Quetzal wachsen die Schwanzfedern lang, die bis zu 80cm Länge erreichen können, und auch das nur zu Zeiten der Balz. Bei den Mayas galt noch das Gesetz, wer einen Quetzal wagte zu töten, musste selbst mit der Todesstrafe rechnen. Ja, so war das in der guten alten Zeit! Es gibt übrigens laut Wiki 2 Unterarten von Quetzales, alle leben in den Bergwäldern Mittelamerikas, und die in Costa Rica vorkommende Art ist der Resplendent Quetzal. Nach anderen Quellen gibt es bis zu 6 Unterarten. Auch Monteverde rühmt sich des Quetzals, wir haben ihn aber dort nicht gesehen.
Teil 2523. Feb. 2022
Zurück im Hotel nach 1 ½ Stunden Quetzal Hype haben wir uns erst einmal am Frühstückstisch ausgiebig gestärkt. Danach steht uns der Tag zur Verfügung, vormittags in Form des Hotel-eigenen Gartens. Am Hauptgebäude hängt ein Futterspender für Kolibris, der eignet sich hervorragend zum üben. Hier mal ein Foto am mit Futtertrog. Natürlich sieht so ein Foto mit Plastik drauf doof aus, daher präsentiere ich des weiteren Fotos, auf denen der Futtertrog geschickt aus dem Bild geschnitten wird 😄 Green violet ear
Aber natürlich sind mir auch Fotos gelungen abseits des Futtertrogs - ich hoffe meine Bestimmungen sind zutreffend, ansonsten bitte ich um Hinweise White-throated mountain gem Rufous-collared sparrow Scintillant hunningbird female / Orangenkehlelfe Dieser Kolibri kroch praktisch über die Pflanzen rüber mit schlagenden Flügeln, er mag kleinwüchsige Pflanzen wie er selber auch eher ein kleiner Vertreter der Kolibris ist
Dieser Green-violet-ear Kolibri baute grade sein Nest in einem Rosenbogen-Gestell.
Wilson warbler female / Mönchswaldsänger
Ein kleiner Spaziergang aus dem Hotel heraus die Strasse runter war nicht sehr ergiebig, die Strasse hörte nach ca. 1km vor einem Privatgrundstück auf, der südlichste Punkt der Häuseransammlung San Gerardo.
Wir haben einen kleinen Abzweig von der Strasse gefunden, von der ein Wanderweg sich in den Bergwald schlängelte. Er führte zu einem kleinen Gebirgsbachlauf, insgesamt waren wir dann 2 Stunden unterwegs. Yellow-thighted brushfinch / Gelbschenkel-Buschammer fasciated tiger-heron / Streifenreiher yellowish flycatcher / Gilbufertyrann
Zurück im Hotel noch ein letzter Kolibri, bevor es zur Kaffee-Routine im Hotelzimmer ging. purple-throated mountain gem / Purpurkehlnymphe
Teil 2624. Feb. 2022
Vielen Dank Kathrin für Dein Lob, es geht auch sofort weiter.
Quetzales National Park 1. Fortsetzung
Am nächsten Morgen das gleiche Spiel: der Wecker klingelt früh, und diesmal weiß ich ja, wo ich den Quetzal finde auch ohne Guide. Also mit eigenem Auto los, unser Guide von gestern ist mit einem anderen Kunden dort, erkennt mich und gibt dann auch mir einige Tipps bei der Suche. Erst einmal passiert aber gar nichts, nur ein Black Guan steht auf der Wiese rum, dort wo auch ein Esel in der Früh sein penetrantes Wiehern nicht lassen kann, es klingt als würde er abgestochen werden. Black Guan
Heute hatten die zahlenden Kunden nicht viel Glück mit der Quetzalsichtung, für mich reichte es ausschliesslich für dieses Schattenphoto. Hätte ich heute für den Guide zahlen müssen, ich wäre arg enttäuscht gewesen, 1 ½ Stunden für dieses eine Foto, wobei der Vogel schon anwesend war, er hat allerdings Schabernack mit den Touris getrieben und hat nie richtig still gesessen. Ehe die Kamera im Anschlag war, war er schon wieder zum nächsten Baum unterwegs.
Das Spiel „wo ist der Quetzal hin?“ bedeutet ja immer, dass wir alle den Guides hinterher rennen, die ihn aber auch nur für Sekunden sehen. Kaum hat man die Guides eingeholt, die sich an verschiedenen Punkten der Strasse positioniert haben und dann bei Sichtung alle verständigen, hat der Quetzal den Abflug gemacht.
Meine Frau blieb im Bett, wir haben uns am Frühstückstisch verabredet. Danach wieder auf der Pirsch in die Gärten. black-faced solitaire / Maskenklarino green violet-ear green spiny lizard - auch wenn er nicht grün ist green violet-ear long-tailed silky flycatcher
Nachmittags sind wir auf den hoteleigenen Pfaden gewandert. Das Hotel rühmt sich damit, aber ich glaube es kann jeder drauf wandern auch ohne Eintritt zu bezahlen. Es geht den Berg hoch, man kann einige Stunden auf verschiedenen Wegen bergauf verbringen.
Wildtierkameras haben wir in Costa Rica einige gesehen, so auch hier. Wir wissen nicht, was die Kameras so alles einfangen, aber ich gehe mal stark davon aus, dass auch Pumas und Jaguare dabei sind. Manchmal sind es aber auch blanke menschliche Hintern, die auf der Suche nach einem geeigneten Pinkelplatz der Kamera zu spät Gewahr werden… Collared trogon / Jungferntrogon
Der Baumläufer pickt sich die Insekten aus dem Moos oder Stamm heraus, und wirft sie sich in hohem Bogen in den Schlund, da ja der Schnabel ziemlich lang ist. Ähnlich gehen die Tukane mit Beeren oder Bananenstücken vor.
Das Wetter war die 4 Tage über fast beständig regenfrei, aber zumeist wolkenverhangen. Die Luft war angenehm trocken aufgrund der Höhenlage, eine Wohltat nach den feuchtklebrigen Tagen in den tiefer gelegenen Zielen zuvor.
Abends im hoteleigenen Restaurant
Übrigens hat unser Zimmer eine Aircon, mit der wir abends das Zimmer beheizt haben. Ansonsten würde es spätestens ab 18 Uhr unangenehm kalt werden.
Teil 2725. Feb. 2022
Quetzales National Park 2. Fortsetzung
Der Tag beginnt, die Zeit verrinnt, er zögert noch ein wenig Da ist der Schweif Es ist kein Greif, Rumms – es fällt der… So ähnlich hätte mans singen können (frei nach Trio), aber der Quetzal macht sich rar. Und dafür wieder so früh aufgestanden und die Beine in den Bauch gestanden an der weissen Linie auf dem Asphalt. Er zeigt sich, sogar für Minuten, aber er sitzt weit hinten im Dickicht der Bäume, man kann seine Silhouette und die Farbenpracht nur erahnen. Dafür gebe ich keinen Speicherplatz her, ich habe ja schon recht akzeptable Fotos.
Also müssen nach dem Frühstück wieder die Kolibris im Garten dran glauben als Ersatz für den Quetzal. purple-throated mountain gem female green violet-ear
Heute ist Abreisetag, aber nicht ohne meinen Quetzal! Wecker auf 5 Uhr, rein in die warmen Klamotten, Auto im ersten und zweiten Gang den Berg hoch zur weissen Linie am Avocadobaum. Ich komme fast zu spät, der Vogel ist heute überpünktlich, ich habe Angst dass der Stativaufbau zu lange dauert, hastig wird alles zusammengeklickt, die Beine ausgefahren, angepeilt – und Schuss! Insgesamt zeigen sich kurz hintereinander drei Quetzale: ein Weibchen, ein Männchen mit kurzem Schwanz und ein Männchen mit langem Schweif.
Er fliegt auf eine Anhöhe an den Rand des Waldes weit entfernt von der Strasse, und ich nehme mir vor, ein Flugfoto zu versuchen. Es wird nicht gut werden, dafür ist er viel zu weit weg. Entgegen der Erfahrungen am Avocadobaum hat er jetzt die Ruhe weg und bewegt sich fast 20 Minuten nicht vom Ast. Irgendwann ist es so weit und ich erwische ihn im Abflug.
Tschüß Savegre, es waren schöne Tage im Tal des Quetzals.
Auf der Route 2 ging es dann hoch zum höchsten Punkt der ganzen Panamericana Nord-, Müttel- und Südamerikas, es war nicht weit vom Quetzal Nationalpark entfernt.
Ich hatte gehofft, bei gutem Wetter sowohl die Karibik- als auch die Pazifikküste sehen zu können, aber das Wetter spielte nicht mit, es war neblig oder wolkig. Danach ging es beständig seicht abwärts.
Ein kleiner Zwischenstop in Palmar Norte zum Mittag in einer Fastfood-Pizzeria. Auch hier vorbildliche Einhaltung der Hygienevorschriften.
Teil 2828. Feb. 2022
Corcovado NP
Unseren ersten von drei Roadkills haben wir auf der Panamericana Richtung Osa-Halbinsel gesehen, und es war ein Hund, kein Wildtier. Die anderen beiden Roadkills waren Nasenbären, soweit ich das erkennen konnte. Eigentlich überrascht mich das, ich hätte mit unzähligen Roadkills gerechnet, so voll von Getier doch der Regenwald sein soll.
Ausserhalb des Central Valleys fährt man generell durch Regenwald, es ist dann überwiegend unbewohnt. Warum trotzdem so wenig? Ist der Verkehr so dünn oder so rücksichtsvoll? Gibt es wirklich so viel Getier in Costa Rica wie immer behauptet wird oder ist es schon stark dezimiert? Oder ist eine Strasse ein unüberwindliches Hindernis für Wildlife des Regenwaldes? Werden Roadkills schnell weggeräumt? Ich erinnere mich an Australien in 2000, Northern Territory, dort gab es alle 2 Kilometer ein totes Känguruh am Strassenrand. Habt ihr eine Theorie dazu?
Wieder Ananas Monokultur, ganze Täler bedeckt die Fruchtpflanze.
Wir fahren recht lange an einem Fluss entlang, den Rio General. Dieser Streckenabschnitt ist echt sehr schön, es lohnt sich diese Strecke mit dem Auto zu fahren.
Die great-tailed grackle / Dohlengrackel ist in Costa Rica was für uns in Deutschland die gemeine Krähe ist: schwarz, laut und diebisch, ein Kulturfolger.
Nach Ananas weiter nördlich kommen Ölpalmen im Süden, Wälder von Palmen, Monokultur übelster Art. Einer der Hauptabnehmer des Palmöls ist die EU. Die Ölpalme hat aber anscheinend nur eine andere Monokultur in dieser Region abgelöst, die Banane, die laut Erklärungen einen ausgelaugten Boden hinterlassen hat.
Wir sind eigentlich recht zügig voran gekommen, kein LKW hat uns dauerhaft den Weg versperrt, die Strasse war bis auf ein paar isolierte tiefe Schlaglöcher gut in Schuss. Dann kam das letzte, 40 km lange Teilstück hinter Puerto Jiminez bis zum Carate Beach, und das hatte es in sich. So viele Schlaglöcher hatte ich noch nicht gehabt, wir mussten überwiegend Schrittempo fahren, ich hatte Bedenken, dass die Achsen in Mitleidenschaft gezogen werden. Für 40km über 2 Stunden ist schon heftig, und die Dunkelheit machte es mir auf dem unbekannten Weg nicht einfacher. Am Ende sind wir aber mit unserem 2WD heil angekommen an der Laguna Vista Villas. Auf dem Weg gab es noch den Gelbkopf-Caracara und den Crested Caracara sowie die wie immer sehr lauten red-lored parrots.
Die Laguna Vista Villas sind eine oberhalb der Lagune gelegene Lodge, man kann mit und ohne Halbpension buchen, wir hatten mit Halbpension. Es gab eigentlich nichts zu meckern, bis auf dass abends trotz Moskito-Türschutz die sehr kleinen schwarzen Fliegen zu hunderten in unser Zimmer eindrangen und sich auf dem weissen Bettlaken niederliessen. Ästhetisch unschön, aber nicht wirklich störend. Das große Bad ist im Außenbereich.
Slender Anole
Teil 2928. Feb. 2022
Am ersten Morgen sind wir hinunter zur Lagune und zum Strand gegangen. Von unserer Terrasse konnten wir einige Krokodile in der Lagune schwimmen sehen, sie zeigten sich aber nicht am Ufer.
Whimbrel / Regenbrachvogel evtl schwarzer Leguan (aber recht klein dafür) irgendein Reiher Scarlet Macaw / hellroter Ara Hecale Longwing
Einige Fregattvögel patroullierten über der Lagune. Ich finde es sind elegante Gleiter der Lüfte, auch wenn sie ja einen fiesen Charakter haben. Sie jagen nicht selber ihr Essen, sondern schnappen es anderen Vögeln weg. Leider reicht die Bildqualität nur für ein Beweisfoto, unsere Terrasse lag etwas oberhalb ihrer Flughöhe.
Der Pool war nicht nur für uns eine Erfrischung, sondern auch Aufenthaltsgebiet von Echsen (stream anole), und: endlich wieder Blattschneiderameisen.
Teil 3002. März 2022
Corcovado National Park 1. Fortsetzung
Für den zweiten Tag haben wir eine geführte Tour in den Corcovado Nationalpark gebucht, Kosten zu zweit incl. Umsatzsteuer 200 US-Dollar, wir werden vom Guide auf dem Motorrad abgeholt um 8:30 Uhr, fahren also mit eigenem Auto hinter ihm her zum Start. Ein Schweizer Ehepaar, einen Tag später angekommen als wir, hatte ebenfalls eine solche Tour zur gleichen Zeit gebucht. Wir wurden gefragt, ob wir nicht zusammen gehen wollen. Das war o.k. für uns, so sind wir zu viert mit einem Guide gewandert. Glaubt mal nicht, dass uns ein Preisnachlass angeboten wurde dafür, dass der Veranstalter einen Guide gespart hat.
Morgens vor der Abfahrt habe ich noch ein komisches asseliges Getier entdeckt auf unserer Terrasse auf einem von Blattschneiderameisen angenagten Blatt.
Ausgangspunkt der Wanderung in den Park war ein Flugzeug Landing Strip etwa 2 km von Laguna Vista Villas entfernt.
Der Guide war zwar nicht sehr gesprächig, aber natürlich wusste er die Tiere zu finden bzw uns darauf aufmerksam zu machen. Wir wären an vielen Dingen achtlos vorbei gegangen.
Im Gegensatz zu Afrika leben Termiten nicht unter der Erde, sondern auf Bäumen, es regnet einfach zu viel, in der Erde würden sie ersaufen. Vor dem Schutz vor Sonne bauen Termiten dafür Laufröhren an den Bäumen, um zu ihrem Bau zu kommen. Das Klima im Corcovado NP ist heiß-feucht auch ohne Regen, spätestens ab 10 Uhr ist man durchtränkt vom eigenen Schweiss.
Die Stacheln der Stachelpalme sind erschreckend lang, die Früchte haben wir nicht probiert, sie werden aber in Mittel- und Südamerika komerziell weiterverarbeitet. Bei unserer Wanderung haben wir ein wildes Exemplar gesehen.
auch mitten im Regenwald wurde Wert auf Corona-Massnahmen und Maskenschutz gelegt. Dies ist die Rangerstation und gleichzeitig Grenze des Nationalparks, sie liegt etwa 2 oder 3 km von unserem Parkplatz am Landing Strip entfernt. Weiter geht es nur nach Zahlung der Parkgebühr, wie ich bei nochmaliger Wanderung ohne Guide festgestellt habe. Hier konnte man seine Frischwasservorräte auffüllen, es gab eine Toilette und Waschmöglichkeiten.
Der Pfad geht etwa 100m vom Strand entfernt innerhalb des Waldes immer entlang der Küste. Auf dem Rückweg sind wir einige Abschnitte über den Strand gelaufen. Hier im Bild rechts unser Guide mit Spektiv ausgerüstet.
Gesehen haben wir Spider Monkeys…
…Aras…
…Kappuzineraffen…
…und Nasenbären – wieviele Schwänzchen sind in die Höh gestreckt?
Teil 3102. März 2022
Das Sichtungshighlight des Tages war ein Tayra. Das ist ein schwarzer Marderartiger, nur erheblich größer, mit Schwanz über 1 Meter lang. Er ist ein guter Kletterer und hält sich häufig auf Bäumen auf. Er hat sich nicht groß um uns geschert, allerdings war er ständig in Bewegung und sehr flink unterwegs, er ist leider recht schnell aus unserem Sichtfeld verschwunden. Fotos waren schwer zu fokussieren, da immer Bäume oder Lianen im Wege waren, und meine Kamera hat immer darauf fokussiert und nicht auf das Tier. Daher kann ich hier nur suboptimale Fotos zeigen.
Unser Guide meinte, wir können uns sehr glücklich schätzen einen Tayra zu Gesicht bekommen zu haben, er würde nur etwa alle 3 Monate so ein Tier sehen. Allerdings hat das Schweizer Ehepaar den Tayra den Folgetag nochmals gesehen und mir Handyaufnahmen gezeigt, die ich auch gerne mit meiner Ausrüstung gemacht hätte.
Wir waren bereits auf dem Rückweg, als uns eine Bande Squirrel Monkeys / Totenkopfäffchen entgegenkam, ca. 15 Individuen. Auch bei denen hatte ich fototechnisch kein Glück, zu flink unterwegs bei schlechten Lichtverhältnissen. Da hilft beim nächsten Mal – als Tipp für Euch – ISO rauf bis über die Schmerzgrenze hinweg, meine Bilder habe ich schon mit ISO 3.200 gemacht, eigentlich zu hoch für Olympus, aber nicht hoch genug.
Bei dem folgenden black-throated Trogon / Schwarzkehltrogon hatte ich mehr Glück, und er mehr Einsehen mit mir. Er saß brav auf seinem Ast, bis ich meine Kamera aufs Einbein aufgebockt hatte, und ich hatte in Ruhe Zeit mit ISO 1.250 bei gleichen Lichtverhältnissen wie bei den Affen Bilder zu machen.
Teilweise führt der Heimweg über den Strand, wo sich ein Great Black Hawk / Schwarzbussard niedergelassen hatte.
Braun-Pelikane patroullierten den Wellensaum und stürzten sich immer wieder ins Wasser. Das Wetter wurde immer schlechter und ging in Regen über, so dass auch am Strand keine guten Bilder mehr möglich waren.
juveniler White Ibis
Teil 3204. März 2022
Corcovado Nationalpark 2. Fortsetzung
Ohne Guide bin ich dann nochmals am Folgetag den gleichen Weg wie mit Guide durch den Regenwald gegangen, wobei der Tayra nicht mir, aber dem Schweizer Ehepaar begegnet ist. Zuerst habe ich den Einstieg in den Wald nicht wiedergefunden und bin am Strand längsgegangen, um dann auf gut Glück einfach in den Wald hinein zu stossen, um den Weg zu finden. Der war dann auch schnell sichtbar. Allerdings bin ich dabei zufällig in eine Gruppe Kapuzineraffen hineingeraten, die sofort in heller Aufregung Drohgebärden gegen mich veranstalteten.
Der Typ mit der Kokosnuss konnte sich nicht entscheiden, ob er gegen mich vorgehen oder doch lieber die Kokosnuss bearbeiten soll. Und so donnerte er die Nuss abwechselnd auf den Baumstamm und bleckte die Zähne gegen mich.
Die anderen Affen schauten dem Bearbeiten der Kokosnuss interessiert, aber reserviert zu. Irgendwann hatte er sie dann aufgeknackt bekommen. Das Verhalten seiner Kumpels änderte sich schlagartig: sie suchten seine Nähe, mit zeitlupenartig-langsamen Bewegungen versuchten sie, ihre Hände an die Kokosnusshälften zu bekommen und hofften auf Seine Gunst, um Almosen zu erhaschen. Er jedoch blieb standhaft, er nahm seine beiden Kokosnuss-Hälften in die Hand und in den Mund und separierte sich von der Gruppe. Für mich wurde es auch Zeit, weiterzugehen.
Ich traf wieder auf die Nasenbären des Vortags.
Bereits bei der geführten Wanderung sind wir natürlich auf Ameisenstrassen gestoßen, aber mir blieb keine Zeit, mich mit ihnen fotografisch zu beschäftigen. Wer nimmt sich schon die Muße, sich darin so zu vertiefen wie ich. Jetzt hatte ich alle Freiheit, mich den Ameisen zu widmen.
Die Ameisenstrasse, auf die ich gestoßen bin wie auf eine lebende Goldader, habe ich zurückverfolgt: wo kommen die eigentlich her, was sind das für Blätter? Bei der Rückverfolgung sah ich, dass die alle von einem hohen Baum herabgestiegen sind, Baumkrone hoch oben. Das hatte fotografisch gegenüber einem Motiv am Boden den Vorteil, dass ich nicht gekrümmt in der Hocke auf matschigem Untergrund operieren muss, sondern bequem ausgestreckt und breitbeinig die Kamera auf dem ausgefahrenen Einbein platzieren kann. Körperliche Ermüdungserscheinungen wie bei einer Hockhaltung halten sich damit in Grenzen. Ausserdem konnte ich mir Stellen aussuchen, an denen die Sonne den Baum bescheint, was die Verschlusszeiten positiv beeinflusst.
Irgendwann habe ich mich von den Krabbeltieren losgerissen, um weiter auf Entdeckungstour zu gehen. Stream Anole
Einsiedlerkrebs
Ich weiss es nicht warum, aber diese Mücke hat mich gereizt. Sie sass auf einem großen Blatt genau auf Augenhöhe. Great Black Hawk / Schwarzbussard Howler Monkey / Brüllaffe
Teil 3304. März 2022
Hier fällt mir wieder ein Spruch von Torfrock ein, den ich mal der Gegebenheit frei anpasse: wer lang hat, lässt lang hängen, wer länger hat, hängt seine Auslage über die Astgabel Gelbkopfkarakara
Auf der Rückfahrt zur Lodge ist mir ein Nest der warrior wasp aufgefallen, bin ausgestiegen und habe es aus nächster Nähe fotografiert. Gut, dass ich erst hinterher gelesen habe, dass diese Wespenart sehr aggressiv werden kann, wenn man sie am Nest stört, und dass deren Stich vergleichbar einer Bullet Ant äusserst schmerzhaft ist.
Der nächste Morgen bringt unser letztes Frühstück in der Lodge, bevor wir abfahren.
Die Fahrt wird wieder sehr lange dauern, da wir wieder den gleichen Schlagloch-Weg zurück müssen, wie wir ihn hingefahren sind. Allerdings dieses Mal wussten wir, was auf uns zukam, das Wetter war einigermassen sonnig und somit keine Fahrt in der Dunkelheit, so dass wir die Rückfahrt nicht mehr als belastend empfanden wie noch die Hinfahrt.
Auf diesem Weg hielt ein PKW und die ausgestiegenen Insassen schauten interessiert in einen Baum am Wegesrand hinein. Wir hielten ebenfalls an und fragten was es zu sehen gibt. Es stellte sich heraus, dass ein professioneller Guide seinen touristischen Kunden einen Vogel zeigte, der auf einem Ast hockte. Ich musste drei mal nachfragen, wo denn der Vogel ist, ich hätte ihn sonst nicht entdeckt, obwohl er sich wie auf dem Tablett präsentierte: lesser night hawk / Texas-Nachtschwalbe
Zum Mittag hielten wir im Norden der Osa-Halbinsel an einem Restaurant mit schöner Aussicht, um unser Mittagessen einzunehmen. Das Essen war einfach, aber sättigend.
Schule. Das war so ein Thema, was beim Autofahren ständig aufgefallen ist. Hier mal zwei typische Schulgebäude, wie sie an der Strasse gelegen sind.
Jedes Dorf hatte eine Schule, manchmal waren die Schulzonen sogar ausserhalb der Dörfer. Der Hinweis auf eine Schule war immer mit einem Strassenschild verbunden: sofern Schüler anwesend sind, sollte nicht schneller als 25 km/h gefahren werden. Anders herum gedacht: sollte man hier schneller fahren als 25 km/h und in einen Unfall mit einem Schüler verwickelt werden, wird man schnell als Hauptschuldiger des Unfalls angeklagt werden können. Also habe ich mich immer an diesen Geschwindigkeitshinweis gehalten, bin häufig von anderen Autos überholt worden. Jedoch: wie auf den Bildern zu sehen, gab es weit und breit keine Schüler. Nirgendwo. Die Schulgebäude waren leblos, keiner ging zur Schule. Es war keine Ferienzeit. Warum war das so? Keine Ahnung, vielleicht haben alle Schulen auf online-Unterricht umgestellt?
Unser nächstes Ziel ist Dominical an der Pazifikküste.
Teil 3407. März 2022
yp-travel-photography schrieb: Gestern habe ich fleißig Enten, Gänse ... knipsen geübt; fast das Gleiche 😉
mmh naja, der Schwierigkeitsgrad die gewünschten Vögli zu fotografieren ist in CR nochmal ne Stufe höher, vermute ich 😎
Dominical
Dominical war nun so ganz anders als die übrigen Orte, die wir im Programm hatten. Hier ging es nicht um Wildlife, sondern der Ort atmete Fun und Coolness. Hier ging es um junge Leute, Backpacking, Beach, durchtrainierte Körper, Cocktailbars - und vor allem Surfing. Niemand interessierte sich für Leguane, Papageien, Blattschneiderameisen, Spechte und Basilisken- sie waren auch da, ja, aber weitgehend unbeachtet vom Partyvolk. Anderswo sind die Tiere die Stars, hier fristen sie ein Schattendasein, die Stars sind hier die Naturgewalten der Wellen und deren muskulöse Bezwinger.
Ungeachtet des dörflichen Mainstreams habe ich weiterhin Ausschau gehalten nach meinen Lieblingen, und gleich an der Hotelrezeption begrüßte uns ein schwarzer Leguan.
Das Hotel war etwas abseits des Trubels gelegen, etwa 500 Meter vom winzigen Dorfkern, 800 Meter vom Beach entfernt. Das Zimmer war recht einfach, aber mit der notwendigen Klimaanlage ausgestattet. Wir hatten zwei getrennte Doppelbetten. Es hatte zwei Pools, die wir auch gelegentlich nutzten.
Das Frühstück war schon das schlechteste der ganzen Reise. Wir wurden satt, aber Gourmet geht anders. Dafür waren die Kosten mit etwa 80 Euro pro Nacht auch am unteren Ende unserer Skala. Hier mal ein Tipp für diejenigen, die vorhaben, den Ort zu besuchen. Uns hat Phat Noodle sehr gefallen, wir haben dort zwei mal zu Abend gegessen, so nett fanden wir es dort. Es ist ein schmackhaftes Asian Fusion Restaurant, coole laute Musik dröhnt aus den Boxen, das Restaurant ist überdacht, aber halb offen zu zwei Seiten.
Am nächsten Morgen nach dem Frühstück und Vogelknipsen direkt vor unserer Tür sind wir zum Strand gelaufen. evtl. Wilson Warbler
Der Poser musste erstma über Insta den Daheimgebliebenen übermitteln, dass er am geilsten Flecken Erde das coolste Bier des Urlaubs schlürft - yo bro
Einige fahren aber auch neben der Spur und müssen absteigen
The dude
The dudette – konnte auch gut mit den Wellen umgehen
Dominical – fest in US-amerikanischer Hand, überall hört man diesen breiten Akzent. Eines anderen Tages kreuzte ich den Weg eines weissbärtigen und weisshaarigen Hippies, der in Flipflops mit etwas abgeranzter weissen Shorts und ehemals weissem T-Shirt (hey dude, what`s up) mir ungefragt und im Vorbeigehen zuruft, er wohne nun schon 28 Jahre in diesem Kaff. Ahhh ja, schön zu wissen, Träume wurden wahr. Ein bißchen beneide ich ihn, leider bin ich nicht vor inzwischen 32 Jahren in Kalifornien hängengeblieben.
Zum frühen Mittag ging es für Nachos und Chips zur Beachbar. Auch auf den Toiletten darf der Coolness-Faktor nicht fehlen.
Zurück zum Hotel, da läuft mir doch direkt ein brauner Basilisk über den Schotterweg.
Teil 3510. März 2022
Dominical 1. Fortsetzung
Am nächsten Morgen nach dem Frühstück musste erstmal der Hotel-eigene Naturpfad entdeckt werden. Es ist ein 1 Kilometer langer Rundweg, den ich aber nicht vollständig laufen konnte, er war vom Regen so dermassen eingematscht, dass ich stellenweise mit meinen Wanderschuhen über den hohen Schaft hinaus eingesunken wäre.
Buff-rumped warbler / Schmätzerwaldsänger
Nach dem Mittag sind wir noch einen Kaffee trinken gegangen im Café Mono Congo, auch meine Empfehlung an Euch. Kann man cool abhängen, nach hinten raus sitzt man an der Flussmündung. Das große AAAber: weil das so ein cooles Café war und uns der Kaffee so geschmeckt hat, haben wir den dazu gehörigen coolen Kaffee in der 340g-Packung (12 oz) gemahlen gekauft. Wir zehren immer noch von unseren insgesamt 2 Kilo Kaffee, die wir aus Costa Rica mitgenommen hatten. Der Mono Congo war der schlechteste und dabei teuerste Kaffee, er hat im Vergleich zu den verschiedenen anderen Sorten kaum Geschmack. Besser ist es, eine Kaffee-Finca zu besuchen, mehr dazu im Orosi-Tal später.
Auch in Dominical gilt:
Wieder unser Haustier im Hotel
Vor dem Hotel führt ein Schotterweg den Fluss entlang, den bin ich mal gegangen um zu schauen was es so gibt am Wegesrand. yellow-headed gecko da kommt man schon mal ins Schielen
wenn ich so ein Bildhintergrund doch bloß nach Belieben reproduzieren könnte... der Hintergrund war gar nicht schwarz, sondern er ist schwarz geworden dadurch, dass es hellster Sonnenschein auf dem Motiv (Libelle) war, der Hintergrund im Schatten und ich 0,7 Schritte unterbelichtet habe. So wird das eigentliche Motiv stärker betont. Nun weiss ich es und hoffe, das nächste mal dran zu denken.
Ohne Natur geht es nicht. Es gab einige Optionen, u.a. den 50km entfernten Manuel Antonio NP. Da wir aber schon in so vielen Parks waren, wollten wir es etwas gemütlicher und ohne große Erwartungen an Sichtungen angehen und haben uns zum Nauyaca Wasserfall aufgemacht, 10 km von Dominical entfernt. Einfach mal ein Spaziergang ohne Hintergedanken, allerdings auch hier selbstredend Eintritt zu zahlen. Der Feldweg war recht matschig und aufgeweicht vom Regen, aber trotzdem gut zu begehen.
Auch in der freien Natur immer wieder Hinweise auf Abstand und Maske, sehr vorbildlich. Es war ja noch Delta-Variantenzeit. Der Wasserfall ist zweistufig, baden ist auch im leichten Sprühregen erlaubt, was sich die jungen Leute natürlich nicht zweimal sagen lassen.
Brahman-Rind und sein Cowboy
Die Cowboys waren zu zweit und wollten sich aus der Herde ein Rind mit dem Lasso fangen. Sie haben sich dabei allerdings nicht sonderlich geschickt angestellt. In den Western-Filmen sieht das alles sehr viel cooler aus, aber die beiden hatten einen schweren Stand, die Rinderherde ist immer wieder ausgebüchst, sobald die Cowboys näher kamen. Und auch aus weniger als 5 Meter Entfernung haben sie mit dem Lasso nicht getroffen, und keines der Rinder hat stillgehalten, um sich ein Lasso einfach mal so überstreifen zu lassen. Wir sind dann nach dem Beobachten einiger Fehlversuche gegangen.
Was wäre ein Tag ohne Blattschneiderameisen. Gefunden am Wegesrand zu den Wasserfällen
Teil 3612. März 2022
Dominical 2. Fortsetzung
Auch der nächste Tag beinhaltete Blattschneiderameisen. Mir war mittlerweile aufgefallen, dass die Ameisen direkte Sonne meiden, größere Strecken laufen sie nicht in der Sonne, sondern ihre Strassen verliefen normalerweise wo Bäume Schatten spenden. Am Parkplatz unseres Hotels blieb ihnen aber anscheinend nichts anderes übrig als durch das sengende Sonnenlicht zu laufen, es war einer der seltenen Tage, an dem sich die Sonne in ihrer ganzen Pracht für ein paar Stunden zeigte.
Der eine knechtet, der nächste schwingt das Zepter und irgendwer muss dabei die Verantwortung tragen.
Auf dem Weg ins Orosi-Tal müssen wir noch einen Abstecher zurück zu San Gerardo de Dota fahren, da meine Frau dort ihr Notebook im Hotelzimmer vergessen hatte. Da wir unsere Reisen nicht im Minutentakt verplanen, war das aber kein Problem. Das Hotel hatte ihn sicher verwahrt. Dabei entstanden diese Bilder. Crested Caracara Magnificent Hummingwird Acorn woodpecker / Eichelspecht
Teil 3714. März 2022
Orosi Tal
Die Anfahrt zum Orosital war nicht einfach – wo von der Panamericana abfahren? Laut Papierkarte gibt es einen Stichweg von der Route 2 noch in den Bergen vermeintlich direkt ins Tal. Da ich aber noch den Reisebericht von Bettina hier im Forum im Hinterkopf hatte, haben wir das gar nicht erst versucht, auch weil wir kein 4WD haben. Wir sind bis nach Cartago gefahren und haben uns hoffnungslos im unbeschilderten Strassengewirr verloren. Mehrfach sind wir zurückgefahren zum Ausgangspunkt der Abzweigung, immerhin das haben wir wiedergefunden. Die Zeit schritt immer weiter voran, wir würden im Dunkeln erst ankommen, was die Orientierung im Orosital auch nicht einfacher werden liess. Als wir uns beim wiederholten Versuch verfranst hatten, haben wir in einer Werkstatt nach dem Weg gefragt. Wie durch Geisterhand bin ich dann dieser Beschreibung, die ich mangels Spanischkenntnissen mit keinem Wort verstehen konnte, gefolgt und kam ohne mich ein weiteres Mal zu verfahren, durch die Stadt und zum Abzeig mit dem Hinweisschild zum Orosital. Von da an war es ein Kinderspiel.
Casona del Cafetal hieß unsere Unterkunft, gelegen direkt am durch Menschenhand aufgestauten Lago de Cachi. Dazugehörig gab es ein Restaurant, was abends eher aussah als wenn es geschlossen wäre, es waren kaum Gäste dort und der große Saal wurde daher nur halb beleuchtet. Es wurde wohl nicht geheizt, die Aussentemperatur entsprach der Innentemperatur. Eine große nett überdachte Terrasse beherbergte etliche Tische. Das Wetter war auch hier phasenweise recht bescheiden, es war unangenehm kühl, die Feuchtigkeit kroch in die Wäsche. Dafür waren die Zimmer sehr gepflegt, wir haben uns sehr wohl gefühlt.
Der See muss einen extremen Pflanzenbewuchs verkraften, der den See zeitweise komplett bedeckte. Allerdings gab es Tagesabschnitte, an denen die Wasserfläche komplett frei zu sein schien, anscheinend wandern die Pflanzen, verdichten sich und ziehen sich wieder auseinander. Der Wind oder andere Erklärungen? Hier ein Bild mit kompletter Bedeckung.
Eine Tour über eine Kaffeeplantage haben wir uns für ganz zum Schluss aufbewahrt. Unser Hotel schickt ihre Gäste immer zur Finca Cristina, dort haben wir für 15 Dollar pP über 3 Stunden verbracht mit Erläuterungen über die Zucht, Beschattung und Pflege der Bäume, der Kaffeeherstellung und die Vermarktung sowie der Kompostierung und Kreislaufwirtschaft auf der Finca erhalten. Weiters wurden wir aufgeklärt, welche Tiere und Vögel von den einzelnen Pflanzen profitieren.
rechts die frische rote Kaffeekirsche, links die beiden frischen Hälften aus der Frucht herausgepresst, hinten getrockneten Früchte
Eigentümer dieser Finca ist ein älteres amerikanisches Ehepaar, Ernie und Linda. Linda hat uns durch die Plantage geführt, während Ernie uns seinen Maschinenpark erläutert hat. Das Orosital liegt hoch genug um als Highland Coffee qualifiziert zu sein, zusätzlich gilt diese Finca als organic, viele Abfälle werden kompostiert und auf die Plantage ausgebracht, zu Öl verarbeitet etc. Die komplette Farm ist beschattet mit hohen gepflanzten Bäumen, was man kaum auf den anderen umliegenden großen Plantagen sieht. Das Ehepaar hat den Anspruch, so weit wie möglich autark zu wirtschaften. Als Saisonarbeiter werden ausschließlich Bewohner der umliegenden Dörfer beschäftigt und langfristig gebunden. Kaffeefrüchte am Baum auf der Finca
Trocknung der Kaffeehund Green spiny lizard an der Wand des Trocknungsraums Linda erklärt die Röstung - je langsamer geröstet wird bei niedriger Temperatur, desto besser für den Kaffeegeschmack. Sie zeigte uns auch ihre Diagramme, die sie im Laufe der Jahre für ihre Maschine angefertigt hat.
Wir haben einen großen 1kg-Bohnenbeutel mitgenommen, er ist zu unserem Lieblingskaffee geworden. Leider liefert die Finca nicht nach Europa, sonst würden wir nachordern. Diese Farm ist jeden Besuch wert.
Unsere Unterkunft ist so etwas wie eine kleine Doppelhaushälfte mit Terrasse, auf der wir unseren Nachmittags-Wohlfühlkaffee getrunken haben. Es kamen einige Waldbewohner vorbei. Bananaquit an der rosa Bananenstaude rufous-tailed hummingbird - Braunschwanzamazilie Muscovy duck
Man konnte einen kleinen Streckenabschnitt am See spazieren gehen. crimson-fronted parakeet white-crowned parrot / Weißkopfpapagei buff-throated saltator / Buntkehlsaltator Libelle Broad-winged hawk / Breitflügelbussard blue-black grassquit yellow-crowned night-heron / Krabbenreiher
Teil 3816. März 2022
Blattschneiderameisen – das Finale
Versprochen – dies werden die letzten Ameisen-Bilder dieser Reise werden. Das Hotel war umgeben von Kaffeeplantagen. Der Spazierweg führte zwischen See und Plangage durch hohe Bäume. Hier lag auf dem Waldweg ein achtlos weggeworfer Zweig eines Kaffeebaums, der von den Blattschneiderameisen bearbeitet und abgetragen wurde.
24 Stunden später sah der Zweig dann übrigens so aus
Nun konnte ich mit diesem gefundenen Zweig das erste Mal den Ameisen beim Schneiden bequem zusehen.
wer am Ast sägt, auf dem er sitzt...
Der Abtransport dieser Blattstücke ging übrigens sehr gemächlich vonstatten. Während die Ameisen auf ihren Strassen rennen als ginge es um ihr Leben, war die Aufnahme des Blattes zum Abtransport sowie das Balancieren auf dem Zweig eher Zeitlupentempo. Auf der Ameisenstrasse folgen die Ameisen einer Duftspur, aber dort, von wo sie abtransportieren, existiert ein solcher Duft nicht uns sie müssen sich mühselig orientieren.
Es ist kaum zu glauben, aber die Tritte der Ameisen interlassen tiefe Furchen; diese Ameisenstraße führte wie ein ausgetretener Trampelpfad über den Rasen unseres Hotels. Hinter dem Busch war übrigens ein Eingang ins Unterirdische:
Auch andere hoch frequentierte Ameisenstrassen sind übrigens als Erdspur deutlich sichtbar.
Eines anderen Tages haben wir spät entschlossen uns aufgemacht zum Tapanti Nationalpark. Vor dem Gate konnten wir uns aber nicht entschliessen, den Eintritt zu zahlen und einzufahren, da wir erst 2 Stunden vor Tagesschluss dort ankamen. Die Anfahrt dorthin war recht zeitaufwändig, und wir sind erst nach dem Mittagessen, das wir in Orosi eingenommen haben, losgefahren. Auf dem Rückweg gab es auf halber Strecke die Termales Hacienda Orosi. Es war eine Spa-Einrichtung, wir fragten am Gate ob wir auch nur auf einen Kaffee einfahren dürfen. Durften wir, und wir haben die Aussicht über das Orosi-Tal genossen. Die Hacienda hat eine eigene Kaffeeplantage, auch von dort haben wir 12 oz Kaffee mitgenommen.
Teil 3919. März 2022
Orosital – Ende der Reise Hier noch ein paar lose Bilder von Spaziergängen um unsere Unterkunft herum. Broad-winged hawk / Breitflügelbussard grey-headed chachalaca
Die Bäume und Palmen hinter unserer Unterkunft dienten den Papageien als Schlafplätze, und ab 16 Uhr fielen die Vögel ein, so dass in den Bäumen der Geräuschpegel stark anschwoll. Die Papageien hatten sich viel zu erzählen, was sie den Tag über erlebt hatten, oder aber sie zankten sich um die besten Plätze. Jedenfalls ging das so bis zum Einbruch der Dunkelheit. Morgens so ab 7 Uhr flogen sie wieder davon. crimson-fronted parakeet
Frühstück auf der Terasse wieder kein Sonnenschein
rufous-tailed hummingbird / Braunschwanzamazillie Brown jay / Braunhäher
Am Tag der Abfahrt sind wir auf dem Weg zum Flughafen noch an der Kirchenruine von Ujarras vorbei gefahren. Sie ist etwa 350 Jahre alt und ist ein Nationalmonument, ein Zeugnis der kolonialen Vergangenheit. Sie liegt in einem kleinen Park mit alten knorrigen Bäumen.
Ich habe ja schon mehrfach über die Verkehrswirren im Zentraltal geschrieben, es erging uns nicht besser am letzten Tag. Wir haben uns zwar nicht mehr verfahren, aber die Verkehrsdichte hat uns fast die Ruhe geraubt, obwohl wir sehr rechtzeitig losgefahren sind und vermeintlich ausreichend zeitlichen Puffer hatten. Ich verweise mal auf mein voriges Geschreibsel.
Zu Hause angekommen, hat meine Frau alle Kaffeetüten aufgereiht und fotografiert. Die kleineren Tütchen im Vordergrund sind die Hotelportionen.
Teil 4019. März 2022
Fazit Es war eine sehr schöne Reise mit bisher unbekannten Eindrücken. Eine Wiederholung in diesem Teil der Welt ist nicht ausgeschlossen. Allerdings ist unsere Devise: keinen Urlaub zweimal machen, es kann nur schlechter werden. Daher tendiere ich eher dazu, beim nächsten Mal ins nördliche Südamerika zu fliegen. Die Wildlife-Sichtungen werden dort ähnlich sein bis zu einer gewissen Höhe, aber irgendwann höher kommen die Vikunjas und Condore dazu.
Rekapitulation unserer Sichtungshighlights - Grüne und braune Basilisken sowie Leguane - Alle 4 Affenarten - Der King Vulture - Der Quetzal - Ein Tayra - Crocs und Alligatoren - Zweizehenfaultiere - Mehrere verschiedenfarbige Trogonarten inklusive des Quetzals - Blattschneiderameisen - Ein Ameisenbär - Bunte Großvögel wie Tukane und Aras - Unzählige bunte Kleinvögel, besonders hervorzuheben sind die Kolibris, die meinen fotografischen Eifer weckten - Die Pfeilgiftfrösche und der Rotaugenfrosch in der freien Natur, die mir nochmals auf einem Tisch für die Makrofotografie präsentiert wurden Die unerwähnt gebliebenen Sichtungen waren jedoch nicht minder toll. Insgeheim gehofft habe ich natürlich auf einen Jaguar oder einen Puma sowie auf einen Tapir, Fischotter und bunte Schlangen, leider ist uns das Glück dazu verwehrt geblieben.
Es hat viel geregnet. Es hat uns nichts ausgemacht, da wir vorbereitet waren und uns auch mental vorher darauf eingestellt hatten: Es gibt ja kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Wir sind bewusst zu dieser Jahreszeit geflogen.
Alle Stationen unserer Reise waren es wert besucht zu werden – o.k., vielleicht bis auf Monteverde. Trotzdem müsste ich mich von einigen Zielen mehr trennen, um Platz zu schaffen für neue bei einer zweiten Reise. Am ehesten wären dies La Fortuna und Orosi. Meer würde ich wieder einbauen wollen, es muss nicht immer Dominical sein, obwohl cool war es schon dort. Aber es gibt noch so viel mehr Strände links wie rechts, oben wie unten. Dringend einen zweiten Besuch hat die Laguna del Lagarto Lodge verdient, auch wenn es diverse Lodges gibt, die sich auf Vogelfotografie spezialisiert haben. Viele preisgekrönte Naturfotografen kehren immer wieder zu dieser Lodge zurück, dies lässt sich im Internet recherchieren (siehe zB Petr Bambousek). Ich habe zwar keine Fotografenkrone, aber die Lodge fand ich trotzdem echt affengeil.
4WD ist nicht notwendig. Autofahren in den großen Städten des Zentraltals ist das Grauen. Ein Navi-Gerät könnte Abhilfe schaffen. Ausserhalb vom Zentraltal: Pura Vida.
Die Welt der Blattschneiderameisen ist hoch interessant. Trampelt nicht achtlos auf ihren Pfaden herum, sondern beugt Euch zu ihnen hinunter und begebt Euch auf Augenhöhe mit ihnen. Es lohnt sich.
Ich hoffe, Ihr habt Anregungen für Eure eigene Reise aus meinem Reisebericht erhalten. Oder zumindest, dass ich Euer Fernweh mal in eine andere Richtung gelenkt habe. Würde mich freuen.