Reisebericht

Reisebericht: Drei Wochen Äthiopien mit dem Rotel

von CrocV · begonnen 18. Jan. 2020 · 71 Teile

Teil 4126. Jan. 2020
Exkurs 2: Axum, ein afrikanisches Reich der Antike ?
Ab 150 v. Chr. entwickelt sich im Norden Ähiopiens, der heutigen Region Tigray das Reich Axum. Hier werden in der Architektur neben den bisherigen sabäisch-jemenitschen Einflüssen neu auch hellenistische, ägyptische und römische Einflüsse sichtbar. Axum entwickelt sich zu einem großen Reich, das einen festen Platz im Gefüge des spätantiken Mittelmeerraums hatte. Über die Handelshäfen an der Küste des roten Meeres unterhielt das Reich einen regen Handelsaustausch mit den Ländern des Mittelmeeres, aber auch zu den Ländern des Indischen Ozeans bis Indien, wie griechische Quellen des 1. Jahrhunderts n. Chr. belegen. Ab dem 3. Jahrhundert n. Chr. wurden nach griechischem Vorbild Münzen eingeführt, ab dem 4. Jahrhundert n. Chr. wurde das Christentum Staatsreligion. Axumitische Gesandte weilten am Hof der römischen Kaiser und später des Papstes, aber auch in Jerusalem. Sprachlich entwickelte sich Ge´es, die axumitische Sprache aus einer Mischung der Sprache der Sabäer und der Sprache der abessinischen Bergvölker der Region. Daneben war im Reich aber auch das Griechische die internationale Handelssprache, die auch am axumitischen Hof zeitweise als Herrschaftssprache diente.
Unser europäischer Blick auf die Antike fiel bisher immer nur auf den Mittelmeerraum und hört in Ägypten auf. Die Archäologen und Historiker erweitern diesen Blick aber in den letzten Jahrzehnten: Das Reich Axum gehörte mit zu den antiken Hochkulturen und war während seiner Hochphase ab 300-600 n. Chr. auch mit dem Mittelmeerraum eng verbunden.
Die äthiopischen Herrscher beziehen sich alle auf König Salomon und die Königin von Saba, die sogenannte salomonische Linie. Der Legende nach reiste die Königin von Saba nach Jerusalem und wurde von König Salomon schwanger. Der Spross wurde als Menelek I. der Stammvater des äthiopischen Herrscherhauses. Auch in dieser Legende spiegeln sich also die Verbindungen zu Arabien und dem Mittelmeerraum wieder.
Teil 4202. Feb. 2020
29.11.2019 Axum
Mit all diesen Informationen, die wir von unserer Reiseleiterin während unserer langen Fahrten Richtung Axum erhalten haben, sind wir nun also endlich in Axum.
Wir starten am Morgen mit einem einheimischen Bus samt lokalen Führer zu unserer Besichtigung von Axum. Zunächst müssen wir aber erst mal (wieder) einen Umweg machen. Klar, das zieht sich wie ein roter Faden durch die Reise 😎 Die Innenstadt von Axum ist wegen der Marienfeiertage Hidar Zion gesperrt.
Schließlich erreichen wir doch das nördliche Stelenfeld vom Axum. Das Stelenfeld wird dominiert von den drei großen Stockwerkstelen.

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Die Oberflächen sind mit Reliefs versehen, die an die turmartigen Bauten im Jemen erinnern.

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Zu sehen sind neben Scheintüren etliche Stockwerke mit Scheinfenstern.

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Die größte Stele (Stele 1) liegt umgestürzt und zerbrochen am Boden.

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Wahrscheinlich stürzte sie bereits beim Aufstellen um. Vermutlich entstand sie als letzte im 4. Jahrhundert n. Chr. zur Zeit von König Ezana, als das Christentum bereits Einzug gehalten hat. Es könnte sogar sein, dass der Einsturz der Stele beim Aufstellen als Machtbeweis des neuen christlichen Gottes gegenüber diese aus heidnischer Zeit stammenden Tradition des Stelenbaus angesehen wurde. Und die zerborstene Stele daher als Mahnmal liegen gelassen wurde. Danach kann jedenfalls in Axum kein Stelenbau mehr nachgewiesen werden. Wir beobachten auch einige christliche Äthiopier, welche in Andacht versunken die am Boden liegende Stele berührten.

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Eine umgestürzte und dabei in sechs Stücke zerbrochene Stele (Stele 2) wurde während der italienischen Besatzungszeit (1936-1941) als Beutegut nach Italien geschafft und erst vor wenigen Jahren zurück gegeben.


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Leider wurde sie einige Meter von ihrem ursprünglichen Standort ohne ausreichendes Fundament neu aufgestellt, so dass sie nun mit einer Konstruktion aus Masten und Seilen gestützt werden muss, um nicht erneut umzufallen.
Interessanterweise haben Archäologen nachgewiesen, das diese Stele irgendwann absichtlich untergraben wurde, um sie zu Fall zu bringen. Möglicherweise im 10. Jahrhundert bei der Zerstörung der Stadt Axum ?

Einzig Stele 3 steht seit ihrer Aufrichtung unverändert an ihrem Platz.

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Betrachtet man die Stelen genauer, stellt man fest, das sich oberhalb der Scheintür ein Stockwerk mit quadratischen Fenstern befindet, darüber dann längliche Fenster.

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Diese quadratische Fensterreihe stellt wohl die Oberlichter einer Eingangshalle dar, die länglichen Fenster darüber dann Zimmerfenster. Man geht daher davon aus, das die Stelen reale Paläste der axumitischen Herrscher abbilden. Zumal hier die real existierende turmartige altäthiopische Holzbauweise mit ihren das Mauerwerk durchbrechenden Querbalkenenden (sog. Affenköpfe) in Stein gemeißelt dargestellt wird. Am oberen Abschluss der Stelen befinden sich Löcher. Hier waren wohl Metallplatten aus Gold, Silber oder Bronze befestigt. Vermutlich mit Inschriften und heidnischen Symbolen, die den vorchristlichen, auch in Südarabien verehrten Gestirngottheiten (Sonne, Mond, Venus) huldigten.

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Daneben gibt es auch noch etliche kleinere Stelen ohne Reliefs.

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Mehrere mit Reliefs verzierten Stelen liegen am Boden in der näheren Umgebung des Areals. Insgesamt gibt es allein in Axum und Umgebung fünf Stelenfelder mit meist schmucklosen Stelen. Alle diese Stelenfelder waren Nekropolen.
Die Stelen des nördlichen Stelenfeldes hier in Axum waren Teil der Begräbnisstätte der axumitischen Elite. Die als Bauten stilisierten Stelen waren als Heimstatt der Verstorbenen im Jenseits gedacht. So gibt es neben der umgestürzten Riesenstele eine unterirdische Kammer, das sogenannte Mausoleum.

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Es wird ebenfalls in die Zeit von König Ezana im 4. Jahrhundert n. Chr. datiert. Weitere Grabkammern und Katakomben, deren Zugangstreppen bis zu 10 Meter unter die Erdoberfläche führen, wurden bei anderen Stelen gefunden.
Die Stelen stammen aus den 5 Kilometer westlich von Axum liegenden Gobreda-Steinbrüchen, zu denen wir am Nachmittag auch noch kommen werden.
Teil 4302. Feb. 2020
Etwas abseits der Stelen liegt das sogenannte Scheintürgrab.

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Am Rand sehen wir Vertiefungen für Eisenklammern, mit denen die Steine zusammengehalten wurden und tatsächlich ist hier noch eine dieser alten Klammern erhalten.

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Über eine Treppe gelangt man hinunter in einen Vorraum, vom dem aus wir in die Grabkammer mit einem liegenden Steinblock blicken können.

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Unser örtlicher Guide steigt in die Kammer und klopft mit einem Stein auf den Block. Es erklingt ein Ton ähnlich den Klangsteinen in Namibia. Das Grab wird auf das 4. bis 5. Jahrhundert n. Chr. datiert.
Auf dem Gelände gibt es auch ein archäologisches Museum, in dem leider nicht fotografiert werden darf. Hier sind etliche der bei den Ausgrabungen entdeckten Keramiken, Figuren, Steinblöcke mit Reliefs und auch einige gefundene Münzen aus verschiedenen axumitischen Perioden zu sehen.
Zu guter Letzt beobachten wir noch einige Minuten die sich im Gelände tummelnden Borstenhörnchen.

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Teil 4402. Feb. 2020
Dann laufen wir zum nahen Kirchenkomplex St. Maria von Zion.

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Schon im umzäunten Gelände des modernen Kirchengebäude sehen wir viele Gläubige, die hier teils unter Bäumen ihr Nachtlager eingerichtet haben. Wir laufen um die Kirche, ziehen unsere Schuhe aus und betreten den sehr geräumigen Innenraum.

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Es ist der ersten der beiden Marienfeiertage. Daher ist der Andrang der Pilger noch gering und wir schaffen es ohne Probleme ins Innere zu kommen. Am Marienfeiertag liegt es wohl, das überwiegend Frauen in der Kirche sind.

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Der Raum selbst ist mit vielen farbenfrohen Bildern ausgeschmückt.

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Ein altes Bild befindet sich auch in der Kirche. Es zeigt die Entführung der Bundeslade durch Menelik, der Sohn von König Salomon und der Königin von Saba, dem Gründer der salomonischen Herrscherlinie.

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Im 1. Buch der Könige wird im Alten Testament der Besuch der Königin von Saba bei König Salomon geschildert. Laut der äthiopischen Überlieferung handelte es sich bei der Königin von Saba um eine abessinische Prinzessin. Und aus einer Liebesnacht mit König Salomon gebar sie auf der Rückreise nach Äthiopien einen Sohn. Laut der Legende wuchs der junge Menelik in Äthiopien auf, wollte aber als junger Mann seinen Vater Salomon in Jerusalem kennenlernen. Dieser war natürlich hocherfreut und erklärte ihn zu seinem Thronerben. Nach einiger Zeit wollte Menelik aber doch zurück nach Äthiopien. König Salomon soll daraufhin seinen Hofstaat verpflichtet haben, das sein Erstgeborener von deren Erstgeborenen begleitet wird. Diese jungen Adligen der zwölf Stämme wollten aber ihre Heimat nicht ohne die heilige Bundeslade mit den Gesetzestafeln verlassen. Bei ihrem Aufbruch nahmen sie diese daher heimlich mit. Als das Verschwinden bemerkt wurde, schickte man ihnen Verfolger hinterher. Aber Gott verbarg sie vor ihren Verfolgern. Was sie als Zeichen dafür nahmen, das es Gottes Wille sei, die Bundeslade nach Äthiopien zu bringen. Menelik soll von der Entführung der Bundeslade erst bei der Ankunft in Äthiopien erfahren haben.
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Neben der Kirche gibt es ein Museum. Hier müssen wir unsere Fotoapparate, Rucksäcke, Handys etc. in Schrankfächer einschließen. Erst dann dürfen wir das Museum betreten. Es ist ähnlich dem Museum in Lalibela ein langgezogener Raum mit Vitrinen an den langen Wandseiten und in einer Doppelreihe in der Mitte. Da scheint es einen Masterplan zu geben, wie die äthiopische Kirche sich Museen vorstellt. Der Raum ist etwas größer. Zu sehen sind deutlich mehr Ausstellungsstücke. So zum Beispiel sehr viele Kronen der Herrscher ab dem 17. Jahrhundert. Reich verziert. Und daneben noch zwei „sehr alte“ Kronen, die in ihrer Schlichtheit auffällig den vier Kronen in Lalibela ähneln. Hinten im Raum befindet sich das Bett von Kaiser Haile Selassie. Dazu wie in Lalibela diverse Kreuze, Hostienbehälter, alte Gewänder und Musikinstrumente. Aber trotz der Vielzahl der Ausstellungsstücke bleibt bei mir doch der Eindruck, hier viele „neuere“ Gegenstände ab dem 17. Jahrhundert zu sehen. Jetzt wird mir erst richtig klar, dass wir im Museum in Lalibela tatsächlich sehr alte Stücke gesehen haben. Die Zeitangaben unseres Führers dort, die ich ehrlich gesagt etwas angezweifelt habe, erscheinen mir nun im Vergleich durchaus realistischer. Vor allem fehlen hier im Museum in Axum die uralten, auf Pergamentpapier geschriebenen großen Folianten, welche wir in Lalibela im Museum bewundern konnten. Das Museum in Axum hat mich nicht so beeindruckt. Der Besuch war aber dennoch wichtig. Hat er mir doch noch mehr verdeutlicht, wie besonders unser Museumsbesuch in Lalibela war.
Nach dem Museum heißt es für die Frauen mal wieder zurückbleiben. Mit einem neuen Guide gehen wir Männer zur alten Kathedrale St. Maria von Zion, vorbei an dem Bau, in dem die Bundeslade aufbewahrt wird. Jedenfalls sind sich da alle Äthiopier sicher. Wir dürfen bis zu einer Markierung etwa 10 Meter vor dem Gebäude heran treten. Er hat schon was, dieser legendenumwobener Bau.

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Natürlich mache ich mir Gedanken, was an der Geschichte mit der Bundeslade dran sein könnte. Steckt in solch überlieferten Legende nicht oft ein wahrer Kern ? Erst vor kurzem lief hierzu auf Arte ein interessanter Bericht. Ein Historiker führte dort aus, das es wohl mehrere Bundesladen gab. Die Bundeslade sollte nach seinen Worten als Symbol für den Pakt Gottes mit dem jüdischen Volk gesehen werden. Möglicherweise war es daher so, das jeder der 12 Stämme eine Truhe besaß, welche die Bundeslade als Symbol dieses Paktes darstellte. Die Stämme führten demnach dieses machtvolle Symbol auch mit, wenn sie zu Kriegszügen aufbrachen. Wurde die Bundeslade dabei zerstört oder verfiel das Holz im Lauf der Zeit, wurde eben eine neue Truhe/Bundeslade als Symbol für den Pakt mit Gott gebaut. So gesehen könnte es durchaus sein, das frühe jüdische Auswanderer in den ersten Jahrhunderten tatsächlich solch eine Truhe mit sich führten und sich somit eine Bundeslade in Äthiopien befindet. Die aber dann bestimmt auch in späteren Jahrhunderten erneuert wurde. Denn Holz ist nun mal vergänglich. Wir werden es wohl nie erfahren, denn die äthiopische Kirche verweigert konsequent jegliche Untersuchungen durch Wissenschaftler, nicht nur hier in Axum.
Auf dem Platz vor der alten Zionskatherdrale wurden wohl schon die axumitischen Herrscher, später bis in die Neuzeit jedenfalls die äthiopischen Kaiser gekrönt.

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Durch ein "Torhaus" kommt man zu einer Art Prozessionsweg. Gesäumt von etlichen sockelartige Thronunterbauten, die wohl von verschiedenen axumitischen Herrschern errichtet wurden, um an bedeutende Siege zu erinnern. Leider sind wohl wirklich nur noch die Fundamentsteine dieser „Throne“ erhalten. Weshalb uns unser neuer Guide aus nicht dorthin geführt hat. 🙁
Außerdem wurde auf einer Mauer direkt bei der alten Kathedrale das Fragment einer weiteren Stele abgelegt. Es liegt so unscheinbar auf der Mauer neben einem ebenfalls hier „gelagerten“ alten axumitsichen Wasserspeier auf einem in die Mauer eingearbeiteten Stein mit alter Inschrift, das ich es vor Ort leider komplett übersehen habe.

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Und unser kurzzeitiger neuer äthiopischer Guide fand dies natürlich auch nicht erwähnenswert. 😈
Sein Auftrag war ja, uns Männer in die alte Kathedrale zu führen. Ich habe es zufällig auf einem der Bilder, die ich von diesem Platz machte, entdeckt und entsprechend recherchieren können: Das Fragment stammt von der als Stele 4 bezeichneten vor der heutigen Rundkirche Enda Yesus liegende Stele mit sechs Reliefstockwerken. Es handelt sich um oberste Stockwerksfenster mit zwei Lanzen darüber. Man kann auch noch ein kleines Stück des darüber beginnenden Kopfendes der Stele erkennen. Die dargestellten Lanzenspitzen sind einzigartig und ihre Bedeutung unklar. Keine andere Stele weist solche Reliefs auf.

Jetzt heißt es wieder Schuhe ausziehen. Diesmal sollen wir sie laut unserem Guide mit in die Kirche nehmen und Innen an der Wand abstellen. Draußen seien schon mehrfach Schuhe verschwunden. Im Inneren der Kathedrale zeigt uns unser Führer ein altes Buch, das in etliche Tücher eingewickelt ist.

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Nach und nach packt er es aus und zeigt uns einige Seiten. Es ist sichtbar abgegriffen von den vielen Gottesdiensten im Lauf der Zeit.

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Wir sehen noch einige Reste des alten Mauerwerks eines der Vorgängerbauten. Sie stellen die Form des Gebetsstabes sowie ein Kreuz mit Früchten darunter dar.

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Im Hauptraum sind einige Gläubige und Priester im Gebet.

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Das große Gemälde oben am Eingang zum Allerheiligsten stellt oben die heilige Dreifaltigkeit (Selassie) dar.

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In der Mitte sind die 12 Apostel mit Engeln abgebildet. Und unten links König Salomon und die Königin von Saba, unten mittig die Versuchung im Garten Eden und unten rechts die Vertreibung aus dem Paradies.
Ein weiteres Gemälde stellt unter der Gottesmutter mit Jesuskind den Kaiser Fasilidas und darunter die „neun Heiligen“ dar.

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Unter Kaiser Fasilidas wurde um 1650 n. Chr. die etwa 100 Jahre zuvor zum wiederholten Male von Feinden zerstörte Kathedrale im bis heute erhaltenen frühen Gondar-Stil neu aufgebaut. Über Kaiser Fasilidas werden wir bei unserer nächsten Station in Gondar mehr hören. Neben weiteren Bildern sehen wir hier zwei unterschiedliche Darstellungen der Maria: Einmal als die uns vertraute Version als Europäerin, einmal als Afrikanerin.


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Teil 4602. Feb. 2020
Nachdem wir vor dem modernen Kirchenbau die Frauen wieder getroffen haben, laufen wir zum sogenannten Bad der Königin von Saba, dem Wasserbecken May Shum.

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Das Wasserreservoir wird ausschließlich durch die zwei Regenzeiten des Jahres mit Wasser gefüllt und diente wahrscheinlich auch in der Antike schon als Zisterne. Heute findet hier auch die Wasserweihe (Timkat-Fest) statt.
Nun ja, und außerdem dient es den Menschen immer noch als Wasserquelle, wie wir bei unserem Besuch beobachten konnten.
Mit dem Bus fahren wir ein Stück weiter bis zu einer kleinen Hütte. Im Innern in einer Glasvitrine der dreisprachige Stein des Ezana.

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König Ezana ließ diese Stelen als Grenzsteine aufstellen, auf denen in sabäisch, Alt-Griechisch und Ge´es von seinem siegreichen Feldzug im heutigen Sudan berichtet wird.

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Unter König Ezana wurde Axum christlich und es begann eine mehr als 200jährige Blütezeit.
Unser letztes Zeil am Vormittag ist eine Doppelgrabanlage etwa zwei Kilometer nördlich von Axum. Es handelt sich vermutlich um die Gräber von König Kaleb (um 500-540 n.Chr.) und seinem danach regierenden Sohn Gebre Masqal. Ursprünglich bestand der Komplex aus zwei großen, länglichen zweistöckigen Gebäuden, die sich gegenüber standen. Im Innern der Gebäude, die wohl als Gedenkstätten errichtet wurden, gelangte man über Treppen hinunter in die jeweilige Grabkammer.

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Heute ist von den Gebäuden außer ein paar Mauerresten nichts mehr erhalten. Wir gehen zuerst in die Grabkammer von Gebre Masqual. Die eigentliche Grabkammer wird flankiert von zwei leeren Kammern. In der Grabkammer stehen noch drei offene Steinsärge. Mehr ist leider über die Jahrhunderte nicht zurück geblieben. In der Grabkammer seines Vaters Kaleb ist sogar die Grabkammer leer. Dafür erkennt man hier deutlich, wie exakt die großen Steinblöcke bearbeitet wurden, um passgenau aufeinander gesetzt zu werden.

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Mich erinnert diese sehr exakte Bearbeitung etwas an die Bauten der Inka, die knapp 1000 Jähre später in Peru entstanden und von aller Welt (zurecht) bewundert und bestaunt werden.
Jetzt kehren wir aber erst mal zur Mittagsrast zurück zum Hotel.
Teil 4702. Feb. 2020
Am Nachmittag fahren wir Richtung Westen aus Axum heraus. Unser Ziel ist zunächst der als „Palast der Königin von Saba“ bezeichnete Palast von Dungur. Viel ist über diesen Palast leider nicht bekannt. Die Mauerreste, die wir sehen, wurden vor einigen Jahrzehnten entsprechend der im Boden liegenden originalen Grundmauern „restauriert“.

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Entsprechen aber in ihrer Bauweise leider keinesfalls der Originalbauweise. Die wenigen sichtbaren Reste des originalen Mauerwerken zeigen, das hier ursprünglich mit wesentlich größeren, aufwendig zurecht gearbeiteten Steinquadern gebaut wurde.

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Sicher ist nur, das es sich um einen Palast der adligen Elite Axums gehandelt hat. Daneben haben Archäologen die Überreste eines Handwerkerviertels mit Brennöfen und Schlacken aus der Kupfergewinnung entdeckt. Ob es ein Königspalast war, darf bezweifelt werden, da in Axum selbst die Fundamente eines größeren Palastareals nachgewiesen werden konnte. Teils leider durch moderne Bauten überlagert. Auch gibt es keinerlei historische Belege für die tatsächliche Existenz der „Königin von Saba“.

Ein Stück weiter liegt der Gobreda-Hügel, an dem sich mehrere Steinbrüche befanden. Wir steigen den Hügel ein Stück hinauf durch eine wunderbare Pflanzenwelt.

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Vorbei an etlichen blühenden Pflanzen erreichen wir das Felsrelief des „Löwen von Gobreda“.

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Ob das Relief zeitgleich mit der Steinbruchnutzung entstanden ist, lässt sich nicht sagen. Anhand eines neben der Löwin befindlichen Kreuzes wird es aber vorsichtig auf das 4.-5. Jahrhundert n.Chr. datiert. Ein Stück oberhalb des Löwenreliefs kann man noch einige der Bohrlöcher im Gestein erkennen, in die dann die Holzkeile getrieben und befeuchtet wurden. Das ausdehnende Holz entwickelte die notwendige „Strengkraft“, um die Felsblöcke aus dem Gestein zu lösen.

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Die Rohlinge wurden vermutlich über Rampen zu ihrem Aufstellungsort gebracht und erst dort von Steinmetzen und Bildhauern fertig bearbeitet.
Auf der Fahrt zurück nach Axum passieren wir einen Check-Point der Tigray-Police, an dem etliche Kleinbusse Schlange stehen. Aufgrund des wichtigen Marien-Feiertages sind die Kontrollen besonders sorgfältig und dauern entsprechend. Daher lassen etliche Kleinbusse ihre Gäste hier aussteigen, wenden und fahren zurück aufs Land, um weitere Touren zu machen. Hinter der zeitraubenden Kontrolle stehen TukTuks und andere Kleinbusse bereit, um die „verlassenen“ Fahrgäste aufzunehmen und weiter in die Stadt zu befördern. Unser lokaler Fahrer manövriert seinem Kleinbus mit uns an Bord durch das Gewirr und wird von der Tigray-Police ohne Kontrolle durchgewunken. Man kennt sich eben.
Zurück im Hotel sehen wir, das die Vorbereitungen für die zusätzlichen Übernachtungsgäste aufgrund des Marienfeiertages im Untergeschoss weiter fortgeschritten sind. Im rechten Teil des Untergeschosses wurden kleine Zelte aufgebaut. Daneben jeweils ein Stuhl mit Handtuch, Toilettenpapier und Seife für die Pilger. Die andere Hälfte des Untergeschosses wurde als Matratzenlager hergerichtet. Für uns ungewohnt: Die Matratzen liegen auf Tischen.

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Vor dem Abendessen möchte ich noch unsere Wasservorräte aufstocken für die nächsten Tage. In einem kleinen Laden ein Stück vom Hotel entfernt werde ich fündig. Aber hier fasziniert mich vor allem die Verkäuferin, welche unter einem Kopftuch dennoch deutlich sichtbar eine beeindruckende Frisur trägt. Wir haben die traditionelle Shiruba-Frisur vor allem der älteren Tigray-Frauen in den letzten Tagen während unserer Fahrten durch die Region Tigray schon öfters gesehen. Und auch die deutlich prachtvolleren Shiruba-Frisuren der jüngeren Frauen. Hier stehe ich aber direkt vor einer Trägerin dieser sehr schönen Haartracht. Da sie aber leider kein englisch spricht, kommt keine Verständigung zustande. Mit dem Wasser zurück am Hotel erzähle ich meiner Frau davon und wir beschließen, nochmals dorthin zu laufen, damit auch sie die Frisur bewundern kann. Mittlerweile ist im Laden auch der Ladeninhaber und Ehemann der Frau sowie der kleine Sohn anwesend. Da der Mann englisch spricht, können wir jetzt endlich auch näheres zu der Frisur erfahren. Mich interessiert zunächst, wie lange es denn am Morgen dauert, bis die Frisur hergerichtet ist. Das gehe recht schnell, übersetzt der Ehemann. Keine 30 Minuten.
Die Frau nimmt sogar das Kopftuch für uns ab, so das wir die Frisur noch besser bewundern können. Und dann verrät sie uns ein Geheimnis: Es handelt sich um die moderne Form der Shiruba. Das sich so extrem prachtvoll entfaltenden Haar am Hinterkopf kommt zustande – durch ins Haar geflochtene Extensions aus Kunsthaar. Diese Extension wird einfach in die eng am Kopf anliegenden Zöpfe aus Echthaar, die denn vorderen Teil der Shiruba-Frisur darstellt, eingeflochten.
Tatsächlich bemerke ich am nächsten Tag jetzt auch vor einem Friseurladen die angebotenen Packungen mit Extensions.

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Wir würden gerne ein Foto von der Frau machen, merken aber schnell, das dies dem Ehemann nicht recht wäre und verzichten daher. Wir bedanken uns bei beiden ganz herzlich für ihre Freundlichkeit und gehen lächelnd zurück zum Abendessen ins Hotel.
Nach dem Abendessen machen wir noch einen kleinen Spaziergang durch die anliegenden Straßen und beobachten das beginnende Nachtleben. Hierbei kommen wir auch wieder an dem kleinen Laden vorbei. Als uns die Inhaber bemerken, winken sie uns durch das Schaufenster nochmals sehr freundlich zu. Anscheinend haben sie diese kurze Begegnung mit uns Ferenji genauso genossen wie wir die Begegnung mit ihnen.
Teil 4802. Feb. 2020
Exkurs: Beta Israel, Christentum und das Reich Axum
Bereits weit in vorchristlicher Zeit müssen jüdische Einwanderer in die Berge Abessiniens gekommen sein. Woher sie kamen, ist ungewiss. Evt. aus Ägypten oder dem Jemen. Jedenfalls tauchen sie irgendwann unter den kuschitischen Bergvölkern auf. Sie bezeichnen sich bis heute als Beta Israel oder Fallaschas. Ihr Glaube ist sehr archaisch und geht auf das Judentum vor dem babylonischen Exil zurück. Alles danach folgendes Entwicklungen des Judentums lehnen sie ab. So kennen sie auch keinen Talmud und feiern weder Purim noch Chanukka. Als das Reich Axum christlich wurde, soll sich nordwestlich davon in Semien das jüdische Königreich Semien, teils auch als Königreich Beta Israel bezeichnet, gegründet haben. Der Legende nach kam der Stammvater dieser jüdischen Königslinie zusammen mit Menelik und der Bundeslade nach Äthiopien.
Das Christentum kam durch zwei schiffbrüchige Brüder einer christlich-phoenikischen Familie nach Äthiopien. Ihr Schiff wurde im Roten Meer gekapert und sie als Sklaven an den Hof des in Axum regierenden Königs Ousanas verkauft. Nach seinem Tod ließ die Witwe die beiden Brüder frei und machte einen von ihnen, Frumentios aufgrund seiner umfassenden griechischen Bildung zum Hauslehrer des Thronfolgers Ezana. 327 n. Chr. reiste Frumentios nach Alexandria zum Bischof Athanasios und bat um die Entsendung christliche Missionare. Der Bischof weihte daraufhin Frumentios selbst zum Priester und sandte ihn mit mehreren Mönchen zurück. Eine der ersten Handlungen nach seiner Rückkehr war die Taufe des mittlerweile gekrönten Königs Ezana und des Hofes und so wurde bereits 340 n. Chr. das Christentum zur Staatsreligion in Axum.
Nach dem Konzil von Chaldekon (Türkei) im Jahr 451, auf dem sich von den vielen unterschiedlichen christlichen Glaubensrichtungen die römischen, orthodoxen und altorientalischen Richtungen durchsetzen, wurden die syrische und ägyptische (und somit auch die äthiopische) Glaubensrichtung der Häresie bezichtigt. Viele ihrer Anhänger mussten daher aus dem übrigen Mittelmeerraum fliehen. Damit hängt vermutlich die Ankunft der sogenannten neun Heiligen in Äthiopien zusammen. Die legendären Heiligen waren wohl syrische und ägyptische Mönche auf der Flucht und sie leiteten die Missionierung weiterer Landesteile in Äthiopien und Eritrea ein.
Ab 600 n. Chr. verlor das Reich Axum langsam an Bedeutung. Beschleunigt wurde der Niedergang durch den Siegeszug des Islam. Die Gebiete am Roten Meer unter axumitischen Einfluss (Eritrea, Somalia) gingen an muslimische Herrscher verloren und damit der Zugang zu den Handelsrouten über das Meer Richtung Mittelmeer, Arabien und Indien. Axum verlor rasch an Einfluss. Das Reich erstreckte sich aber weiterhin über große Gebiete Nordäthiopiens. In dem dunklen Jahrhunderten des Niedergangs des Reiches Axum kam es zu Konflikten mit dem jüdisches Königreich „Beta Israel“. Deren König Gideon IV. führte im 10. Jahrhundert n. Chr mehrere Angriffskriege gegen Axum. Bei diesen Kämpfen starb er. Angeblich erbte seine Tochter Judith (die historisch nicht belegt werden kann) von ihm das Reich, eroberte die Stadt Axum, tötete den König und zerstörte aus Rache für ihren Vater alle Monumente der Stadt. Aufgrund dieser Ereignisse verlagerte sich das Zentrum des christliches Reiches in die Lasta-Berge nach Lalibela und die Bundeslade soll in den Süden Äthiopiens in Sicherheit gebracht worden sein. Eben auf die Insel Tullu Gudo im Ziway-See, bevor sie dann nach dem wieder erstarken der salomonischen Dynastie nach Axum zurückgebracht wurde.
Teil 4909. Feb. 2020
30.11.2019 Auf zu neuen Höhen
Am Morgen verlassen wir Axum auf der B30 Richtung Westen. Als wir nach nach einiger Zeit die Stadt Shire erreichen, ist dort wegen einem Radrennen die Hauptdurchgangsstraße gesperrt. Wir müssen mit dem Rotel auf engen Nebenstraße durch die Stadt. Eine besondere Herausforderung sind dabei die teils sehr niedrig hängenden Stromleitungen über die Straße. Zu niedrig für unseren hohen LKW. Etliche Male müssen mit Besenstiel und ähnlichen Hilfsmitteln die stromführenden Leitungen angehoben werden, damit unser Fahrzeug langsam passieren kann. Wir können dabei das Leben in den Seitenstraßen ausgiebig beobachten.

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Fast bedauern wir es, als wir wieder die große Hauptstraße erreichen. Dann nähern wir uns der Schlucht des Flusses Tekeze erneut.

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Unser 1. Versuch, den Tekeze weiter östlich vor Mekele zu überqueren scheiterte ja wegen dem auf der Serpentine runter ins Tekeze-Tal verunglückten LKW, der unsere Umkehr und den anschießenden Gewaltmarsch nach Axum zur Folge hatte.
Wir halten oberhalb der Schlucht. Buschpause mit kombinierten Fotostopp. Wir können gut den weiteren Verlauf der Straße sehen, wie diese sich in Serpentinen in die Schlucht hinab windet.

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Aber wir können auch nochmals die traditionelle Shiruba-Frisur einer Frau bewundern, die zu Fuß entlang der Straße aus der Schlucht gelaufen kommt.

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Bei der Weiterfahrt sehen wir überall an den Hängen der Schlucht Weihrauchbäume stehen.

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Unten am Fluß angekommen, ist vor der Brücke ein Check-Point der Tigray-Police. Aber sie lassen uns problemlos passieren. Danach können wir uns wieder der schönen Landschaft widmen.

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Hier im Flusstal wachsen auch Baobabs.

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Danach fahren wir über lange Serpentinen erneut ins Hochland.

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Wieder traumhafte Panoramablicke auf die abessinische Bergwelt.
Aber leider holt uns hier auch die harte Realität ein. Wir passieren ein UN-Flüchtlingslager, in dem viele Flüchtlinge des langen Krieges mit Eritrea leben. Mittlerweile entstehen im Lager bereits viele feste Gebäude. Irgendwann wird darauf wohl eine richtige Stadt. Deren Bewohner aber weiterhin auf Lebensmittelhilfe angewiesen sind, da das umliegende Land niemals so viele Menschen ernähren könnte.
Auffällig viele Check-Points der Tigray-Police und des Militärs gibt es in der Gegend und verzögern immer wieder kurz unsere Weiterfahrt. In der Region sehen wir auch viele bewaffnete Zivilisten. Wir haben uns mittlerweile aber schon daran gewöhnt hier im Land überall Bewaffnete, auch Zivilisten, zu sehen. Wir verlassen jetzt die Tigray-Region und kommen wieder in die Amharen-Region.

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Teil 5009. Feb. 2020
Kurz darauf machen wir Mittagspause in der kleinen Bergstadt Addi Arkay. Schon bei der Einfahrt sehen wir, das hier heute ein regionaler Markttag ist. Das Marktgelände am Ortseingang wimmelt vor Menschen und auch auf der Hauptstraße sind viele Fußgänger unterwegs. Wir halten an einem Lokal und setzen uns auf die Stühle vor dem Lokal, um das Treiben zu beobachten. Dazu trinken wir einen Kaffee.
Danach mischen meine Frau und ich uns unter die Menschen und laufen zum Markt.

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Dabei genießen wir, zwischen den Häusern hindurch, immer wieder den Blick auf die umliegende Bergwelt.

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Beim Markt angekommen haben wir schnell einige kleine Kinder als Begleitung. Sie rufen immer wieder etwas, was ich nicht verstehe. Auf deutsch antworte ich ihnen immer wieder lachend mit erhobenen Finger, das ich sicher bin, das ihr Schlingel uns hier veräppelt mit euren Rufen. Sie kreischen vor Begeisterung und toben immer wieder wild um uns herum, auch als wir die Hauptstraße zurück laufen. Wir wiederholen das Spiel immer wieder, bis wir zurück beim Lokal sind. Wir hatten dabei alle unseren Spaß und oh Wunder, keines der Kinder hat uns angebettelt. Der Spaß mit den lustigen Ferenji war ihnen genug. Fotos gibt es davon nicht, denn manche Bilder mache ich lieber mit dem Herz.

Nach der Pause geht unsere Fahrt durch die Bergwelt weiter.

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Am späten Nachmittag schraubt sich die von den Italienern während der Besatzungszeit gebaute Straße, abenteuerliche, immer enger und steiler werdende Serpentinen hoch durch die Semien Mountains Richtung Wolkefit-Pass auf 3.050 Meter.

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Als wir eine schmale Einbuchtung finden, machen wir eine kombinierte Busch- und Fotopause. Die Landschaft und Vegetation sind atemberaubend.

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Aufgrund der hohen Feuchte hier im Gebirge wächst ein dichter Bergwald. Aber dazwischen finden sich immer wieder auch Blüten, unter anderem von der abessinischen Rose.

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Aus der asphaltierten Straße ist eine schmale Piste geworden, die sich abenteuerlich an den Bergflanken direkt an tiefen Abgründen entlang schlängelt.

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(Im Bild rechts auf halber Höhe in der Steilwand verläuft die Piste.)

Als wir die Passhöhe erreicht haben, öffnet sich ein Hochplateau. Nach einiger Zeit erreichen wir die Stadt Debark auf 2.850 Metern. Von hier aus starten viele Trekkingtouren in die Semien Mountains. Im Hof des neu errichteten Jemala Hotels bauen wir unser Rotel auf. Die Betreiber des Hotels sind wirklich mit sehr viel Enthusiasmus um uns bemüht und so genießen wir hier einen schönen Abend mit gutem Essen. Die ganze Nacht hören wir die Gebetsgesänge des christlichen Gottesdienstes anlässlich des Marien-Feiertages.
Teil 5109. Feb. 2020
01.12.2019 Gondar
Im ersten Morgenlicht kann ich längere Zeit zwei Erzraben vor am Nachbargebäude beobachten.

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Zwei unserer Nachtwächter wärmen sich auch im ersten Sonnenlicht.

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Nach dem Frühstück fahren wir über die Hochebene weiter Richtung Gondar.

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In der ländlich geprägten Region sehen wir immer wieder viele Gläubige in ihren weißen Festtagsgewändern auf dem Heimweg von den nächtlichen Andachten in den Kirchen aufgrund des Feiertages.

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Immer wieder beeindruckend: Die äthiopischen Baugerüste.

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Teil 5209. Feb. 2020
Nach gut 2 Stunden erreichen wir Gondar. Unser erstes Ziel ist die wegen ihrer Wandmalereien berühmte Kirche Debre Berhan Selassie. Die Malereien stammen aus dem 17 Jahrhundert und diese Kirche ist die einzige nicht von den Anhängern des Mahdi zerstörte Kirche in Gondar. Nach dem Fall von Karthoum 1885 kam es auch am Grenzgebiet zwischen Sudan und Äthiopien immer wieder zu Zusammenstößen zwischen Mahdisten und Äthiopiern, die mal von der einen, mal von der anderen Seite ausgingen. 1887 eroberten die Mahdisten schließlich Stadt und Region Gondar für kurze Zeit. Hierbei kam es auch zur Zerstörung fast aller Kirchen.
Am Eingang der Kirche stehen bewaffnete Wachen.

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Die Kirche wird rund um die Uhr bewacht, da in den letzten Jahren von Moslems mehrere Brandanschläge auf diese verübt wurden. Wir werden wieder einer Leibesvisitation unterzogen und dürfen dann das von Mauern und Türmen umgebene Kirchengelände betreten.

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Mit unserem örtlichen Guide betreten wir die Kirche und staunen ob der Pracht und Vielzahl der Malereien. Alle vier Wände sowie die Decke sind komplett bemalt. Die Malereien wurden auf Stoffe/Leinwände aufgebracht und diese dann an die Wände geklebt.

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(Hier am unteren Absatz der Wand erkennt man dies gut)

Unser Guide erklärt uns die Bedeutung jedes einzelnen Bildes, während der anwesende Priester tief und fest auf seinem Stuhl halb sitzend, halb liegend schläft. Auch er hat die ganze Nacht hindurch aufgrund des Marien-Feiertages gebetet.
An der Stirnseite des Raumes ist zentral die heilige Dreifaltigkeit abgebildet, auf die während des Gottesdienstes die Priester schauen.

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Die Gläubigen stehen sich dabei, getrennt nach Männern und Frauen, im Raum gegenüber. Die Männer schauen dabei auf die Längsseite der Kirche mit den Abbildungen des Leben Jesu, während die Frauen auf die Wand mit den Darstellungen des Lebens der Maria blicken.
Bei den Malereien im Gondarstil sind böse bzw. unwissende oder ungläubige Menschen stets im Profil mit nur einem Auge dargestellt. So ist zum Beispiel beim letzten Abendmahls nur Judas so dargestellt.

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Wir sehen auf den Wänden unter anderem den abgeschlagenen Kopf von Johannes, der nach der äthiopischen Legende von Gott mit Flügeln versehen wurde und so noch Jahre weiter das Christentum verbreitete.

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Auf der Marienseite sehen wir den heiligen Thomas, der zur Zeit von Marias Tod in Indien weilte und so nicht persönlich bei ihrer Himmelfahrt anwesend sein konnte, auf einer von Gott gesandten Wolke, die in doch noch zu Marias Himmelfahrt trug.

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(Rechts oben Maria umringt von 5 Engeln und Thomas auf der Wolke.)

Wir hören auch, das sich laut der äthiopischen Version Maria bis zu ihrem 15. Lebensjahr in einer Klosterschule aufhielt und schwanger aus dem Kloster kam. Später soll sich Maria auch einige Zeit in Äthiopien aufgehalten haben.
Besonders beeindruckt die reich verzierte Decke, die komplett mit geflügelten Engelsköpfen bemalt ist.

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Weitere Eindrücke der Malereien, die alle vier Innenwände zieren. Leider konnte ich mir zur Bedeutung nicht alles merken, was wir unserem Guide in Gondar dazu erklärt bekamen. 🙁

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Teil 5309. Feb. 2020
Nach der Besichtigung fahren wir ins Zentrum zur Mittagspause. Meine Frau und ich mögen (wie fast immer) nicht im Lokal sitzen und laufen einige Zeit in einem großen Bogen durch die Straßen bis hin zu den Außenmauern des Gemp, den wir nachmittags besichtigen werden. Dann kaufen wir uns eine Flasche Wasser, machen es einigen äthiopischen Senioren nach und setzen uns auf eine Bank unter den Bäumen vor einem kleinen, parkähnlichen Restaurant mit Blick auf die Piassa mit dem Standbild von Kaiser Theodor II. (1818-1868), der heute aufgrund seines tragischen Kampfes gegen die Engländer als Nationalheld Äthiopiens gefeiert wird.

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Er war eine schillernde Persönlichkeit der äthiopischen Geschichte. Als Sohn eines Statthalters sollte er zunächst Priester werden, floh dann wegen einer blutigen Familienfehde in die Berge, wo er Anführer einer Räuberbande wurde. Später selbst zum Statthalter ernannt, besiegte er in rascher Folge etliche lokale Machthaber in der Region um Gondar und wurde schließlich 1855 selbst zum Kaiser von Äthiopien gekrönt. Er stabilisierte und modernisierte das Land und stemmte sich vehement gegen jede Einflussnahme seitens des Osmanischen Reiches oder Englands über Äthiopien. Als er 1862 in einem Schreiben die englische Königin um Beistand beim Kampf gegen die Osmanen bat, blieb dieses Schreiben unbeantwortet. Erbost über diese Missachtung seiner Person nahm er einige Europäer, darunter Missionare und Gesandte, als Geiseln. Die Engländer schickten letztlich ein Expeditionsheer zur Befreiung der Geiseln. Theodor verschanzte sich in der Bergfestung Magdala. Kurz vor der Erstürmung durch die Engländer nahm er sich das Leben, um der Schmach der Gefangennahme zu entgehen. Er wurde am Tag nach der Erstürmung mit allen Ehren beerdigt. Das Expeditionsheer zog sich mit den befreiten Geiseln zurück, nicht ohne alle ihnen hier in die Hände gefallenen Wertgegenstände des Kaiserhauses als Beute mit zu nehmen. Die Stücke befinden sich wohl noch heute in britischen Museen und deren Depots. Einer unserer lokalen Guides hat uns bei den Besichtigungen am Nachmittag auf die Frage, ob denn Gegenstände aus der Kaiserzeit Gondars erhalten seinen, nur lakonisch geantwortet: „Wissen wir nicht. Fragt mal die Engländer.“
Teil 5409. Feb. 2020
Nach der Mittagspause fahren wir die kurze Strecke zum Eingang des Gemp, des Palastbezirkes von Gondar. Nach Jahrhunderten erbitterter kriegerischer Konflikte, die auf die Zagwe-Dynastie mit ihrer Hauptstadt Lalibela folgten und die salomonischen Herrscher veranlassten ohne feste Residenzstadt durch das Reich zu ziehen um immer wieder vor Ort persönlich die politische Stabilität zu sichern, wurde von Kaiser Fasilidas (1632-1667) ab 1636 Gondar zur neuen Hauptstadt des Reiches ausgebaut. Im Jahrhundert vor Fasilidas war es den äthiopischen Kaisern, auch mit Hilfe der Portugiesen gelungen, den Griff der muslimischen Sultanate ( z.B. Sultan Adal in Region Harar) nach dem abessinischen Hochland nach langen, erbitterten Kämpfen abzuwehren. Infolge dieser verlustreichen Kämpfe waren beide Parteien so geschwächt, das aus Kenia eine große Expansionsbewegung der Oromo stattfinden konnte, welche sich im Süden, Osten und dem Zentrum des heutigen Äthiopiens ansiedelten.
Mit König Fasilidas begann eine neue Blütezeit Äthiopiens, die unter der Herrschaft seiner Familiendynastie bis zum Ende der Regierungszeit der Kaiserin Mentewab 1755 anhalten sollte und während derer nach und nach etliche Gebiete des heutigen Äthiopiens erobert wurden. Danach kam es aufgrund von Streitigkeiten und Rivalitäten in der Herrscherfamilie zu einem Jahrhundert der feudalen Zersplitterung, die dann eben von Theodor II. beendet wurde. In dieser Zeit musste das Kaiserreich weite Teile des Oromo-Gebietes wieder aufgeben und mehrere Königreiche der Oromo entstanden. Diese wurde dann erst Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts von Kaiser Menelik II. , den Helden von Adua, neu annektiert. Menelik II. war es auch, der weite Teile des heutigen Südens Äthiopiens mit der Region Kaffa und das Gebiet der Afar eroberte und so das heutige Staatsgebiet von Äthiopien entscheidend mitgestaltete.
Wir betreten durch das Wember-Tor den Palastbezirk, in dem die Herrscher im Lauf der Jahrhunderte nach und nach Palast um Palast hinzugefügt haben. Natürlich nicht ohne die übliche Leibesvisitation. Der Gemp wird von einer 900 Meter langen Stadtmauer mit 12 Türmen umschlossen. Sofort fällt der Blick des Besuchers auf das Schloss von Kaiser Fasilidas, das eher an eine trutzige schottische Burg erinnert.

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Über eine große Freitreppe steigen wir zum Eingang empor.

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Die Innenräume sind alle leer. Wir bewundern die Holzbalkendecke, die mit Rundbögen gestalteten Durchgänge, den offenen Kamin und die teils noch im Original vorhandenen schweren, eisenbeschlagenen Holztüren.

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Auch die Äthiopier identifizieren sich sehr mit der Geschichte ihres Landes - und machen Selfies im Königsschloss. 🙂

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(Der Schreiber dieses Reiseberichts musste dann auch noch für eine Selfie mit der junge Dame herhalten. Merke: Äthiopische Touris sind genauso fotoversessen wie wir. 😎 )

Daneben war einst ein Bau von Johannes I., von dem allerdings kaum noch etwas übrig geblieben ist. Als nächstes kommen wir zum Palast von Iyassu I. (1682-1706).

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Hier ist leider sowohl die Zwischendecke des einst mehrstöckigen Palastes wie auch das Dach des großen Saals zerstört.

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Im daneben liegenden kleineren Raum ist die Dachkonstruktion mit ihren Steinbögen aber noch vorhanden und lässt uns erahnen, wie eindrucksvoll dieser Palast einst war.

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Blick auf den seitliche Ausgang des kleineren Raumes des Palastes.

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Blick auf Rückseite das Schloss des Fasilidas.

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Rückseite des Palast von Iyassu I.

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Und beide Paläste nebeneinander. Rück- und Vorderansicht.

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Teil 5509. Feb. 2020
Wir laufen einige Meter durch das parkartige Gelände und kommen zur Festhalle des Kaisers Dawid III. (1716-1721), von der ebenfalls nur noch die eindrucksvollen Außenmauern erhalten sind.

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Vorbei an den Löwenkäfigen, in den die Herrscher stets mehrere Exemplare des Königs der Tiere hielten kommen wir zum Sauna- und Badehaus.

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Der Wellness-Oase der damaligen Herrscher. Hier sind nur noch die Grundmauern und der unterirdische Teil mit den Feuerkammern für die Sauna erhalten. Weiter geht es zur sehr großen und langgezogenen Festhalle des Kaisers Bekaffa (1721-1730) und den daneben liegenden, ebenfalls sehr lang gezogenen Pferdeställen des royalen Gestüts.

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Rechts daneben liegt schließlich noch das Schloss der Kaiserin Mentewab (1730-1755).

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Quasi in der Mitte des Gemp umringt von den Palästen der Herrschen befinden sich noch zwei kleinere Bauten: Das kaiserliche Archiv und die Bibliothek.

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(Kaiserliches Archiv)


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(Links Bibliothek, rechts Schloss Fasilidas)

Zum Abschluss der Besichtigung kaufen wir bei einem Aufseher der Anlage zwei sehr schöne Ansichtskarten. Eine absolut erwähnenswerte Sache, denn Ansichtskarten sahen wir nur selten angeboten in den drei Wochen. Und wenn dann waren Karten mit schönen Motiven und guter Fotoqualität die absolute Ausnahme.

Mit einem letzten Blick auf das Schloss von Fasilidas verabschieden wir uns vom Gempp.

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Teil 5609. Feb. 2020
Dann ging es mit dem Rotel weiter durch den Verkehr in Gondar zum „Bad des Fasilidas“.

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Hierbei handelt es sich wohl um einen Sommerpalast, der mitten in ein Wasserbecken gebaut wurde und heute malerisch von alten Bäumen mit mächtigen Wurzeln umringt daliegt. Als wir darauf zulaufen, bietet sich uns ein eindrucksvoller Anblick, denn dutzende große Vögel kreisen in der Thermik über dem Schloss.

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Der Bau wurde entweder von Kaiser Fasilidas oder seinem Enkel Iyassu I. erbaut. Das Wasserbecken wird heutzutage einmal im Jahr über einen kleinen Kanal mit Wasser aus dem nahen Fluss gefüllt. Was immerhin eine ganze Woche dauert. Und dann wird hier das Timkat-Fest gefeiert, in dem tausende Gläubige sich mit dem von den Priestern geweihten Wasser reinigen oder gleich ganz hineinspringen.

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Durch die mächtige Wurzeln der umstehenden Bäume, die teils über, teils durch die Umrandungsmauer wuchern, erhält das ganzen Areal das Flair eines vergessenen, verwunschenen Platzes.

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Da der Nachmittag bereits weit fortgeschritten ist, fahren wir durch Gondar über mehrere steile und sehr enge Spitzkehren hoch zu unserem Übernachtungsplatz beim Goha Hotel.
Das Goha Hotel liegt in traumhafter Lage über der Stadt. Neben einem Swimming Pool gibt es noch einen großen Springbrunnen mit leuchtendem Farbenspiel.

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Im letzten Abendlicht kreisen unzählige Vögel über der Stadt. Wir genießen diese traumhafte Aussicht zum Abschluss des heutigen Tages.

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Teil 5709. Feb. 2020
2.12.2019 Fahrt zum Tana-See
Am Morgen verlassen wir Gondar in Richtung Tana-See. Vor uns auf der A3 fährt ein Konvoi völlig überfüllter Busse mit Fußballfans, die gestern ein Spiel in Gondar besucht haben. Ein unglaublicher Anblick, denn selbst auf den Dächern sitzen einige Fans und schwenken sogar Fahnen.

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Der Buskonvoi wird angeführt von einen Pickup, auf dessen Ladefläche etliche Bewaffnete sitzen. Ein Stück außerhalb der Stadt wird die Fahrt bei einem Check-Point gestoppt. Als wir uns an den Bussen vorbei quetschen, werden wir von den Uniformierten zum Glück durchgewunken. Wir sehen einen Soldaten an der Sperre etwas ratlos telefonieren. Klar, wenn sie jetzt all diese Fahrgästen in und auf den Bussen einzeln kontrollieren sollen, wird das zig Stunden dauern. Eine Entscheidung von oben muss her. Außerdem fällt uns auf, das auch die Busse auf den Dächern Bewaffnete als Begleitschutz dabei haben.

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Die Sicherheitslage in Äthiopien ist eben sehr volatil.

Danach geht es wieder durch eine ländlich geprägte Gegend. Viele Bauern ernten auf ihren Feldern.

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Oder bereiten die Äcker bereits für die nächste Aussaat vor.

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Am sogenannten Geierfelsen machen wir einen kurzen Fotostopp.

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Dann geht die Fahrt weiter. Wir merken langsam, das wir tiefer kommen. Die A3 verläuft hier parallel zum Tana-See, der auf 1.500 Meter liegt. Es ist deutlich wärmer und feuchter. Die Felder sind üppiger bewachsen.

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Gegen Mittag erreichen wir Bahir Dar am Südende des Sees. Hier machen wir Mittag in einem Restaurant. Die Gegend wirkt nicht besonders einladend, so das hier sogar unser Fahrer im Führerhaus des Rotel zurückbleibt. Sicher ist sicher.
Teil 5809. Feb. 2020
Nach der Mittagspause fahren wir zu den Tissisat-Wasserfällen. Nach wenigen Kilometern auf der B31 folgen 35 Kilometer Piste. Auf den ersten Kilometern der Piste geht es an einer permanenten Bebauung vorbei. Hier steht Hütte an Hütte. Uns kommt es vor wie die Außenbezirke der Stadt, in dem die neu ankommenden Menschen vom Land notgedrungen ihre Hütten gebaut haben. Hier haben wir wieder den Eindruck, das es nicht nur freundliche Blicke in unsere Richtung gibt. Erst nach und nach lockert sich die die Bebauung auf und wir kommen wieder an den für den ländlichen Bereich so typischen einzeln stehenden Gehöften vorbei.
Nach über einer Stunde Fahrt erreichen wir das Dorf Tissisat. Von hier aus laufen wir eine halbe Stunde zu den Wasserfällen. Zunächst geht es hinunter und auf einer sehr alten Steinbrücke über eine Schlucht.

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Danach führt der Pfad leicht ansteigend entlang eines Bergrückens bis zur Schlucht mit den Wasserfällen.

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Hier geht es auf einer Seilbrücke über die Schlucht und dann kann man bis an den Fuß der Fälle laufen.

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Seit für ein Kraftwerk ein Großteil des Wassers des Blauen Nils abgeleitet wird, sind die Fälle aber nur noch einen Bruchteil so mächtig wie früher. Dennoch genießen wir die schöne Wanderung und den Anblick des herab stürzenden Wassers.

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Nachdem wir zurück gelaufen sind, müssen wir einige Zeit warten, bis auch die letzten unserer Gruppe endlich den Weg zurück geschafft haben. In der Zeit wird unser Rotel von den einheimischen Kindern und Jugendlichen natürlich immer mehr umringt. Kugelschreiber, Wasserflaschen und und und. Die Kinder fragen nach allem.
Es ist schon recht spät als wir endlich die Rückfahrt starten können. Auf den letzten Kilometern der Piste kommen wir wieder an der dichteren Bebauung vorbei. Und die Stimmung ist nicht besser geworden. Ein kleines Mädchen wirft mit einer Handvoll Kiesel nach uns, ein Jugendlicher deutet einen Steinwurf an. Zum Glück hatte er doch keinen in der Hand. Zwei Jungs heben vor unserem näher kommenden Fahrzeug demonstrativ Steine von der Piste auf. Hier schaut unser Fahrer beim Vorbeifahren ganz genau aus dem Fenster und lässt die Jungen nicht aus den Augen. Es ist das einzige Mal auf dieser Reise, das ich mich persönlich etwas unwohl gefühlt habe. 🙁 So bin ich froh, als wir endlich die asphaltierte B31 erreichen und die Hütten hinter uns lassen.
Wenig später erreichen wir unser Hotel direkt am See. Es ist bereits dunkel, als wir im Garten neben dem Tana Hotel (Blue Nil Resort) unser Rotel aufbauen. Und ordentlich Mückenschutz auftragen.
Teil 5909. Feb. 2020
3.12.2019 Auf dem Tana-See
Früh morgens gehe ich auf Fotopirsch. Teils im Sitzen direkt vom Frühstückstisch aus. 😁

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Brillenweber ?

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Abessinische Drossel ?

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Palmtaube ?

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Graukopfspecht ?

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Waaliataube ?

Nach dem Frühstück fahren wir mit TukTuks zum Hafen. Dabei müssen wir (mal) wieder einen Umweg machen. Denn heute ist ein Feiertag zu Ehren von St. Georg und für die große Kirchenfeier wurden einige Straßen um die Kirche herum gesperrt.
Im Hafen wartet bereits unser Ausflugsboot auf uns. Etwa drei Stunden fahren wir nun über den See. Beobachten einzelne Fischer auf Papyrusbooten (Tankwa) sowie einzelne Pelikane oder eine ganz langsam vorbei ziehende Insel.

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Unser Ziel ist die Rundkirche Narga Selassie auf dem kleinen, der Insel Dek vorgelagerten, Inselchen Narga.

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Die Kirche wurde 1746 auf Befehl der Kaiserin Mentewab erbaut und enthält einige der schönsten Malereien des späten Gondar-Stils.
Der Priester empfängt uns, als wir das Gelände der Rundkirche betreten.

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Er erklärt uns, dass die Rundkirche 29 Säulen hat, die für die 29 Heiligen im Himmel stehen. Wieder ziehen wir unsere Schuhe aus. Und der Priester erklärt uns diesmal auch den Grund dafür: Gott habe Moses schließlich auch geheißen, barfuß zum Berg Sinai zu laufen, um die 10 Gebote zu erhalten.
Teil 6009. Feb. 2020
Die Kirche wird fast komplett von einem viereckigen Innenbau ausgefüllt, in dessen Inneren das Allerheiligste liegt, welches nur die Priester betreten dürfen. Die vier Seitenwände des Allerheiligsten sind außen prachtvoll bemalt und ein recht schmaler Rundweg führt uns zu allen vier Seiten.

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Auch hier bekommen wir wieder Bilder für Bilder erklärt von unserem lokalen Guide.
Wir sehen unter anderem Darstellungen von der Flucht aus Ägypten. Interessant ist, das die im Roten Meer versinkenden ägyptischen Soldaten Schusswaffen haben.

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Unter einem Marienbild ist liegend die den Bau stiftende Kaiserin Mentewab abgebildet.

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Und wir sehen auch eine seltene Abbildung der Maria, wie diese Jesus stillt.

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Interessant auch die bildliche Darstellung, wie Eva aus der Rippe Adams erschaffen wurde.

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(Ziemlich in der Bildmitte)

Natürlich darf auch der heilige Georg samt den heiligen Reitern nicht fehlen.

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Und auch Moses, der die 10 Gebote erhält.

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(Rechts oben)
Die Engel Gabriel und Michael stehen als Wächter am Eingang zum Allerheiligsten.

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Und auch König Fasilidas ist abgebildet: Einmal als Heiliger, einmal als Kaiser.

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Und noch eine Szene mit Maria im Bett nach dem ihr ein Giftbecher gereicht worden war. Wieder eine Erzählung aus der Zeit, als Maria sich in Äthiopien aufgehalten haben soll ?

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Die Versuchung Jesu.

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Die Bilder sind mehrere Meter hoch übereinander gemalt. Hier mal der Versuch, dies zu zeigen:

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Weitere Eindrücke der Malereien:

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