Bedenklich

3 Antworten · 1'812 Aufrufe · gestartet 12. Juli 2018 von solitaire
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Themenstarter1'942 Beiträge · seit 201112. Juli 2018 · #1
Hallo allerseits,
mir macht das Sorgen:
https://www.az.com.na/nachrichten/gentechnisch-vernderte-produkte-gutgeheissen2018-07-11
Nicht nur in punkto Ökologie, sondern auch hinsichtlich Abhängigkeit von Saatgut, Spritzmitteln, Düngemitteln ...

Ich versteh zwar die Suche nach Sorten, die bestimmte klimatische Bedingungen aushalten und guten Ertrag bringen, aber das ist für mich ein bedenklicher Weg. Das ist eine Entwicklung in der Landwirtschaft, von der hauptsächlich einige Konzerne profitieren.

Gibt's Formis, die sich damit bechäftigen? Das gibt sicher Stoff für Diskussionen (aber bitte nicht unter der Gürtellinie).

Liebe Grüße
Solitaire

PS. War übrigens auch lange in der Landwirtschaft und kenne Probleme und Herausforderungen.
www.margit-noehrer.com FB und Insta: reisende.autorin Buch: Der glühende Atem der Wüste Meine Solo-Reise von der Namib in die Kalahari
33,1k Beiträge · seit 200613. Juli 2018 · #2
Hi Solitaire,

es wäre das, was Südafrika seit Jahren macht und damit Namibia aus dem eigenen Markt verdrängt. Ich vermute das ist der Hintergrund. Das "Problem" zeigt sich auch bei der heimischen Milch, die eben laut namibischen Gesetzten nicht "hormonbehandelt" (wie in Südafrika, Uruguay etc) sein darf.

Anekdote zum Thema (aber nicht auf Namibia bezogen): Ich habe einen Freund in Deutschland, der konventionelle Großbauer ist. Er sagt, wenn man "den ganzen Kram machen soll, wie die Ökos wollen", dann gibt es einen ganz einfachen Weg: Genmanipulation. Er würde etwa 2/3 der Nutzfläche bei gleichem Ertrag stilllegen können und der Natur überlassen. Dann hätten die "Grünen" ihre Natur zurück mit seltenen Schmetterlingsarten etc und die Menschheit weiterhin so viel zu essen wie bisher. - Ich kenne mich aber mit der Materie en detail viel zu wenig aus um mir eigentlich eine eigene Meinung dazu zu bilden.

Viele Grüße aus Windhoek
Christian
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
388 Beiträge · seit 201713. Juli 2018 · #3
Na ja, die Leute in Afrika sind halt manchmal fortschrittlicher und weniger wissenschaftsfeindlich, als die meisten Deutschen. Dass Gentechnik richtig angewandt viele Vorteile bringt und dann dafür weniger Pestizide, Herbizide, und weniger Bewässerung notwendig ist bei weniger Ernteausfall, kann ja niemand bestreiten. Und die ganzen Ängste kann sich halt der reiche Westen leisten, wo das Brot im Vergleich zum Nettoeinkommen 90% weniger kostet als in Namibia!
Themenstarter1'942 Beiträge · seit 201114. Juli 2018 · #4
Obwohl ich natürlich Sorge um die ökologischen Auswirkungen habe, sehe ich auch die Situation, dass man nach guten, einfachen Lösungen sucht. Du hast schon Recht, CartenS - wir in Europa brauchen uns keine Sorgen um unsere Ernährung machen. Trotzdem ist nicht alles, was Fortschritt und wissenschaftliche Leistung ist, per se gut.
Was mir hier wie dort zudem Sorgen macht, ist die Abhängigkeit, in die sich Bauern durch genmanipuliertes Saatgut begeben. Sie liefern sich dadurch einigen wenigen großen Konzernen aus, die alles diktieren und dann auch die Bedingungen nach ihrem Willen ändern können. Vor dem Hintergrund der Glyphosat-Diksussion in Europa und dem Deal Monsanto - Bayer ist das eine Entwicklung, die den Bauern mehr schadet als nutzt. Und dann fragt sich nämlich, ob Fortschritt um des Profitwillens einiger Weniger auf den Rücken der auswegsuchenden Bauern legitimiert werden kann. Auf lange Sicht gesehen ensteht hier meiner Meinung nach genau das Gegenteil. Der reiche Westen wird noch reicher und der "arme Rest" noch abhängiger.
Christian - ich schätze dein Wissen und deine Stellungnahmen sehr (und werde es auch weiterhin), aber deine Anekdote trägt genau dazu bei, dass ein völlig falscher Eindruck der Notwendigkeit von Biodiversität entsteht. Erstens ist die Natur nicht nur für die "Grünen", sondern wir alle brauchen eine intakte Natur, sonst können wir nicht überleben, und zweitens braucht auch die Landwirtschaft Diversität, sprich möglichst vielfältige/s Pflanzen und Saatgut.
Und: Gerade auf Europa bezogen - hier hat die (europäische) Menschheit mehr als genug zu essen. Man braucht nur zu lesen, wie viel an Lebensmittel weggeworfen wird. Vor Hunger braucht sich hier keiner zu fürchten.
Ich weiß leider auch keinen Ausweg aus der Misere, aber gentechnisch verändertes Saatgut ist es sicher nicht.

Liebe Grüße
Solitaire
www.margit-noehrer.com FB und Insta: reisende.autorin Buch: Der glühende Atem der Wüste Meine Solo-Reise von der Namib in die Kalahari