Martin Luther Museum

2 Antworten · 1'378 Aufrufe · gestartet 31. Jan. 2018 von Logi
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Themenstarter16,9k Beiträge · seit 201231. Jan. 2018 · #1
Gestern zählte ich noch in einem anderen Beitrag das Martin-Luther-Museum zu den "Totgeburten" auf, da berichtet die AZ doch heute schon über den aktuellen Zustand:

Museum wird zum „Ramschladen“



Trödelmarkt-Stil des Martin-Luther-Museums in Swakopmund stößt auf Kritik

Ein gutes halbes Jahr hat das Martin-Luther-Museum in Swakopmund jetzt nach langer Schließung wieder geöffnet. Neu ist, dass dort Kunst und Trödel verkauft werden. Das missfällt dem Deutschen Kulturrat.

Die Dampfmaschine „Martin Luther“ wurde vor rund zehn Jahren beim Ausbildungsinstitut NIMT in Arandis komplett saniert. Um sie vor erneuter Verwitterung zu schützen, errichtete das Bauunternehmen Nexus das Museumsgebäude. NIMT-Chef Eckhart Mueller, zugleich Vorsitzender des Deutschen Kulturrates, findet die Kombination des Denkmals mit Kunst und Trödel „unmöglich“ und hat der Stadtverwaltung deshalb Ende 2017 eine Alternative vorgeschlagen. Seither warte er auf Antwort.

Este Carstens bietet im gepachteten Martin-Luther-Museum Kunst und Trödel an. „Die Leute mögen das“, sagte sie der AZ.


Rund vier Jahre hatte das Martin-Luther-Museum vor den Toren von Swakopmund geschlossen. Der Stadtverwaltung, die für das Gebäude und die darin befindliche Dampfmaschine verantwortlich ist, fehlte Geld und Personal, um einen normalen Betrieb der Einrichtung zu gewährleisten. Also schrieb sie das Objekt im Jahr 2015 aus. Den Zuschlag bekamen nach langer Zeit Este Carstens und Odette Labuschagne, die das Museum im Mai 2017 wieder öffneten, nun im Stil einer öffentlich-privaten Partnerschaft: Die Unternehmerinnen pachten das Gebäude von der Stadt und präsentieren dieses seither als „Martin-Luther-Museum & Vintage Farm Stall“.

Das gesamte Gebäude ist mit Kunst und Trödel sowie sonstigen Dingen gefüllt: Kleidung, Taschen, Bilder, Bücher, Geschirr, Schmuck, Möbel, Haushaltszubehör, Holzkohle usw. werden zum Verkauf angeboten. Dadurch soll die Pacht bzw. das Unternehmen finanziert werden, während der Eintritt ins Museum gratis sei, erklärte Carstens. „Die Leute mögen das“, fügte sie hinzu und verwies auf das Gästebuch, das Kommentare in mehreren Sprachen aufweist, beispielsweise: „Amazing“, „Viel Glück“ und Baie oulik“. Es kämen viele Touristen aus Deutschland und Südafrika ins Museum, so Carstens; aber sie habe auch schon Gäste aus Australien, Finnland, Island, Kanada, der Schweiz und den USA begrüßt.

Der Pachtvertrag habe eine Laufzeit von fünf Jahren, sagte Carstens, räumte aber ein, dass die Geschäfte besser laufen könnten. Deshalb plane man den Bau eines Cafés nebenan. Problem: An dieser Stelle gebe es weder Strom- noch Wasseranschluss. Die Stadtverwaltung sei gefragt, so Carstens.

Handlungsbedarf bei der Stadtverwaltung sieht auch Eckhart Mueller, Vorsitzender des Deutschen Kulturrates in Namibia (DKR) und Leiter der Ausbildungsstätte NIMT (Arandis), in der die Dampfmaschine „Martin Luther“ einst saniert wurde. „Das Museum ist zum Ramschladen geworden, das ist inakzeptabel“, sagte er auf AZ-Nachfrage. Das habe er bereits der Stadtverwaltung mitgeteilt und vorgeschlagen, dass neben dem Museum ein Gebäude für den Verkauf der Sachen gebaut werden soll. „Wenn die Stadt das Baumaterial zur Verfügung stellt, werden unsere NIMT-Lehrlinge das Haus als Sponsorleistung errichten“, so Mueller. Allerdings liege ihm noch keine Antwort vor. Die Versuche der AZ, mit der verantwortlichen Person bei der Stadtverwaltung zu sprechen, schlugen gestern fehl.


Persönliche Anmerkung: Anfang Januar versuchten wir das Museum während unseres Aufenthaltes zu besichtigen, leider hatte das Museum an allen Tagen geschlossen... 😉

LG
Logi
4'129 Beiträge · seit 200831. Jan. 2018 · #2
...es war sowieso eine dämliche Idee, die/"den" Martin Luther derartig "geleckt" mit Hochglanzlack anzupinseln und unter Glas zu stellen 😮

Total schrecklich!

Alles was zuvor den Ort ausmachte wurde damit ausgelöscht.
Nicht mehr fotografierbar, sowas! - Also, knipsen kann man es natürlich, sieht aber entsprechend aus... 🤢

Es hätte ganz andere Möglichkeiten gegeben.

Die Entwicklung zum "Vintage Farm Stall" ist da nun doch eher eine Bereicherung...
bloß kein Extra Gebäude, dann steht der Martin Luther da wieder so einsam in unpassender kahler Umgebung...

Gruß lilytrotter
Gruß lilytrotter Always look on the bright side of life... :-) Walvisbay boomt
zuletzt bearbeitet 31. Jan. 2018
Themenstarter16,9k Beiträge · seit 201201. Feb. 2018 · #3
Denkmal-Würde und Geschmack

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Von Stefan Fischer
Mit der Wiedereröffnung des Martin-Luther-Museums vor den Toren von Swakopmund ist in dem Gebäude ein Verkaufsladen für Kunst und Trödel etabliert worden. Das ist alles andere als ansehnlich, denn es gilt: Gut gemeint, schlecht umgesetzt, Ziel verfehlt.

Wir erinnern uns: Nach der Restaurierung der Dampfmaschine „Martin Luther“ kam diese in ein Gebäude, das eigens dafür errichtet wurde, um das historische Gerät vor erneuter Verwitterung und somit substanziellen Schäden zu schützen. Das alles wurde von Sponsoren bezahlt und geleistet, nur die Verantwortung für den Betrieb des Museums ging in die Hände der Stadtverwaltung Swakopmund über - die daran aber wenige Jahre später scheiterte. Nach einigen kläglichen Betreiberversuchen wurde das Museum kurzerhand geschlossen und dümpelte jahrelang verwaist vor sich hin.

Nach einer erneuten Ausschreibung ging der Zuschlag an zwei Unternehmerinnen, die den Raum dann mit Kunst und Trödel füllten. Der Nebengedanke, somit einen Erwerb zu haben, während der Eintritt ins Museum gratis bleibt, ist plausibel. Die Umsetzung aber sprengt die Grenze des Zumutbaren. Zwar gibt es vereinzelt positive Kommentare im Gästebuch. Die sind aber kein Maßstab. Wie viele Besucher haben beim Anblick dieses Trödelmarktes die Nase gerümpft und knurrend auf einen Schmäheintrag im Gästebuch verzichtet?

Eckhart Mueller, Vorsitzender des Deutschen Kulturrates (DKR), nennt das Museum „Ramschladen“ und die Situation „inakzeptabel“. Sehr treffend. Er hat angeboten, neben dem Museum mit NIMT-Lehrlingen einen Laden zu errichten, in dem Verkauf stattfinden kann, sofern die Stadt das Baumaterial sponsert. Die Stadt ist gefordert. Sie kann sich nicht vor der Pflicht drücken und muss nun über eine Lösung nachdenken. Auch wenn es etwas länger dauert. Ein „Weiter so“ darf es nicht geben. Das hat nichts mit unterschiedlichem Geschmack zu tun. Solch Trödel gehört nicht in dieses Museum. Er lenkt von der Hauptattraktion ab und zerstört die Würde des Denkmals.