Völkermord an Herero

371 Antworten · 44,5k Aufrufe · gestartet 14. Jan. 2018 von Old Women
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Themenstarter1'543 Beiträge · seit 201314. Jan. 2018 · #1
Ein herzliches "hallo" in die Runde,

soeben entdeckt. Schön, dass dieses Thema wieder aufgegriffen wird, damit es nicht in Vergessenheit gerät. Was ist denn so schwierig an der Aufarbeitung unserer Geschichte?

https://www.zdf.de/nachrichten/heute/voelkermord-an-herero-wut-auf-deutschland-waechst-100.html

Herzliche Grüße und einen schönen Sonntag
Beate
Reiseberichte: Patagonien 2020: Zwischen Anden, Pampa und Eis: https://namibia-forum.ch/forum/weiterelaender/299353-patagonien-2020-zwischen-anden-pampa-und-eis.html Das schönste Ende der Welt-Südafrika März 2017 https://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/292402-das-schoenste-ende-der-welt-suedafrika-maerz-2017.html Südafrika 2018-Ohne Braai gibt es keine Katzen https://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/296432-suedafrika-2018-ohne-braai-gibt-es-keine-katzen.html
2'060 Beiträge · seit 201314. Jan. 2018 · #2
Hallo Beate,

als wir im Juni 2013 in Okahandja waren, habe ich mich für die Herero fremdgeschämt. Wir wollten die Gräber der Häuptlinge besuchen, es gab keinerlei Hinweisschilder - sie sind ja über drei Stellen verteilt. Das von Samuel Maharero haben wir überhaupt erst nach mehrmaligem hartnäckigen Nachfragen gefunden. Einige Einheimische wussten entweder nicht Bescheid oder wollten uns keine Auskunft geben. Vielleicht schämten auch sie sich wegen des Zustands der Gräber, sie waren verwahrlost, zugewuchert, mit Abfällen bedeckt! Halbwegs gepflegt schauten nur die der später Gestorbenen aus, sie hatten protzige Marmorgrabmäler, während die alten Helden nur einfache Steinplatten hatten, deren Namen man kaum mehr entziffern konnte. Nur anhand eines Heftes mit Beschreibung konnten wir mutmaßen, welches das von Maharero sein könnte.

Am Hererotag wird ein riesiger Zirkus gemacht mit Paraden und Uniformen, aber ansonsten scheint sich niemand einen Deut um die Gräber der alten Häuptlinge zu kümmern, das fand ich sehr beschämend. Für mich wirkte es so, als ob den heutigen Herero diese Verstorbenen völlig egal sind, und es ihnen nur darum geht, von der BRD Geld zu bekommen.
Liebe Grüße von Gabriele ----------------------------------------------- Jeder Augenblick ist von unendlichem Wert. (Seneca)
zuletzt bearbeitet 14. Jan. 2018
33,1k Beiträge · seit 200614. Jan. 2018 · #3
Hi Beate,
der letzte Stand der Dinge (ich meine Dezember oder November 2017) war die gemeinsame Aussage beider Seiten, dass man hoffe bis Ende 2018 (!) eine gemeinsame Erklärung abzugeben. Warum das ZDF nun versucht "Druck aufzubauen" oder es besser weiß, ist mir unklar. Die Führung der Herero, obwohl sie ja immer sehr proaktiv tun, hat eigentlich gar nicht so eine Eile. Sie würden eben "ihr Thema" verlieren, wenn alles geklärt ist. Und die Hoffnung auf Milliarden aus Deutschland, die direkt an "Erben des Völkermodes" gehen, wird es so in dieser Form eh nicht geben. Denn da würde ein rechtlicher und politischer Schwanz dranhängen, den keine ehemalige Kolonialmacht (die heute eben "am längeren Hebel sitzen") will.

OFF TOPIC
--------------------------
Hi Gabriele,
Nur anhand eines Heftes mit Beschreibung konnten wir mutmaßen, welches das von Maharero sein könnte.
hmm, komisch, denn es ist ein riesiger Grabstein mit deutlicher AUfschrift.
Maharero_monument_Okahandja.jpg

(Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/2a/Maharero_monument_Okahandja.jpg)

Viele Grüße aus Windhoek
Christian
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
348 Beiträge · seit 201114. Jan. 2018 · #4
Hallo zusammen
Die Journalisten brauchen wieder mal Brot, ist saure Gurken Zeit vor dem WEF.
Die Namibier sind alles andere als schlecht drauf gegen die Deutschen, ein paar Herero "Häuptlinge" die profitieren wollen, das war's dann.
Macht euch mal schlau über Namibia des 18. und 19. Jahrhunderts, wer da wen abgeschlachtet hat, Witbooi, Maharero, Jonker Afrikaner und Konsorten.
Die Stämme haben sich gegenseitig bekriegt, beziehungsweise bestohlen und umgebracht und erst die Missionarszeit Mitte des 18. Jahrhunderts brachte halbwegs Ruhe da rein, dank den Missionaren.
Maharero unterstellte sich aber auch weiterhin dem Oberbefehl Jonker Afrikaners und unterstützte diesen bei den folgenden Raubzügen gegen andere Herero-Stämme so wirkungsvoll, dass der bekannte Afrika-Forscher Dr. Heinrich Vedder später zum Jahr 1858 feststellen konnte: „Das Hererovolk hat, soweit wir es kennen, aufgehört zu bestehen“ (Vedder, Das Alte Südwestafrika, S. 369).
das war noch zu Samuel Mahareros Vaters Zeiten.

Lest mal die 19 Handbücher des Walter Moritz, alles Zeitzeugen dieser Zeit.

Ich habe nichts mit der Kirche am Hut, die haben aber vielmals schlimmeres verhindert und zwar bei den Stämmen untereinander, bis sie selbst in’s Schussfeld gerieten.
Sogar die deutsche Regierung schreibt, dass man den Stämmen in Namibia ihr Land weggenommen hat, was sie aber nicht schreibt ist, dass der grösste Teil des Landes durch die Führer der Stämme, zu ihren Gunsten, von denen, verscherbelt wurde.

Samuel Maharero hat seinen 8000 Mann befohlen alle Deutschen zu töten, da diese in der Unterzahl waren, schickte die deutsche Regierung Truppen zur Verstärkung.
Maharero führte seine Leute in die beinahe wasserlose Wüste und sie wurden von den Deutschen verfolgt, aber erst nachdem sie mehr als 150 Farmer umgebracht hatte, niemand hat sie in die Omaheke Wüste gejagt, sie wurden verfolgt.

Dazu kommt , dass die deutsche Regierung seit Jahren mehr als 70 Millionen an Entwicklungshilfe an Namibia bezahlt.
Teilen wir doch das Geld auf und geben davon was den Herero, mal sehen was Mister Geingob dazu meint.

Gruss Turi
Wenn man die Ruhe nicht in sich selbst findet, ist es umsonst, sie anderswo zu suchen.
16,9k Beiträge · seit 201214. Jan. 2018 · #5
Berg-Eule schrieb:als wir im Juni 2013 in Okahandja waren, habe ich mich für die Herero fremdgeschämt. Wir wollten die Gräber der Häuptlinge besuchen, es gab keinerlei Hinweisschilder - sie sind ja über drei Stellen verteilt. Das von Samuel Maharero haben wir überhaupt erst nach mehrmaligem hartnäckigen Nachfragen gefunden. Einige Einheimische wussten entweder nicht Bescheid oder wollten uns keine Auskunft geben. Vielleicht schämten auch sie sich wegen des Zustands der Gräber, sie waren verwahrlost, zugewuchert, mit Abfällen bedeckt!
Völlige Zustimmung!
Der Gedenkstätten-Friedhof in Swakopmund, um den damals so ein Tamtam gemacht wurde, sieht auch nicht anders aus.

Abgesehen davon, wir können und dürfen den Herero keine Gelder direkt in die Hand drücken. Das wissen sowohl Deutschland als auch Namibia. Das würde nur einen Bürgerkrieg unter den Stämmen und verschiedenen Häusern herauf beschwören.

Wer sich für damalige Zeitdokumente interessiert, dem empfehle ich "Else Sonnenberg" und "Margarethe von Eckenbrecher".

LG
Logi
Themenstarter1'543 Beiträge · seit 201314. Jan. 2018 · #6
Hallo Christian und Gabriele,

ich habe immer gedacht, dass der Herbst 2017 als Marge für eine offizielle Entschuldigung seitens der Bundesregierung angepeilt war. Eine offizielle Entschuldigung bedeutet nämlich Anerkenntnis einer Schuld, und ich dachte immer, dass eine schnelle Umsetzung äußerst wichtig sei. Dass die Nama und Hereros es gar nicht so einig haben mit einer Erklärung unserer Regierung habe ich nicht gewusst. Ich dachte immer, dass, da ja eh kein Geld fließen wird, zumindest eine offizielle Schuldanerkennung als "Wiedergutmachtung" formuliert werden sollte. So geschehen ja auch in Australien, welches sich für Jahrhunderte langes Unrecht bei den Aboriginees entschuldigt hat.
Okay,ich lasse mich gerne belehren, vielleicht hat das ZDF hier Fehlinformationen weitergegeben. Das kann ich leider nicht beurteilen, da müsste ich erst gründlicher recherchieren.

Herzliche Grüße
Beate
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16,9k Beiträge · seit 201214. Jan. 2018 · #7
Es geht hier doch gar nicht um ein Schuldanerkenntnis, sondern um Bares....

LG
Logi
348 Beiträge · seit 201114. Jan. 2018 · #8
Hallo Beate
So geschehen ja auch in Australien, welches sich für Jahrhunderte langes Unrecht bei den Aboriginees entschuldigt hat.
Das lässt sich meiner Meinung nach nicht vergleichen, die Aboriginees haben meines Wissens gegen die Engländer keinen Krieg geführt.
Die Herero haben mobil gemacht mit dem klaren Befehl alle Deutschen umzubringen, erst nachdem mehr als 150 Farmer umgebracht wurden, haben die Deutschen die Truppen verstärkt und sind gegen sie vorgegangen.
Ich hätte als Deutscher, damals vermutlich genauso gehandelt , nur hätte ich mich nicht zu der Aussage von Lothar von Trotha verleiten lassen.
Krieg ist immer Sch...e aber, wen macht man mal verantwortlich in Syrien, wen machte man verantwortlich im Irak usw.

Gruss Turi
Wenn man die Ruhe nicht in sich selbst findet, ist es umsonst, sie anderswo zu suchen.
2'060 Beiträge · seit 201314. Jan. 2018 · #9
travelNAMIBIA schrieb:
Hi Gabriele,
Nur anhand eines Heftes mit Beschreibung konnten wir mutmaßen, welches das von Maharero sein könnte.
hmm, komisch, denn es ist ein riesiger Grabstein mit deutlicher AUfschrift.
Hallo Christian,

zunächst einmal war dieser Platz. der ja nur einige wenige Gräber enthält, kaum zu finden, da eben jeglicher Hinweis an der Straße fehlte, es gab nicht einmal einen richtigen Weg dorthin, wir fuhren einfach in ein kleines Wäldchen. Dann standen wir vor einer Einfriedung und hatten diesen Blick:



Die Aufschrift auf dem Grabkreuz wäre zum damaligen Zeitpunkt nur mit einem Fernglas zu entziffern gewesen, und ich hätte es als pietätlos empfunden, die Einfriedung zu betreten - ebenso pietätlos empfinde ich aber auch diese ganze lieblose Anlage. 🙁
Liebe Grüße von Gabriele ----------------------------------------------- Jeder Augenblick ist von unendlichem Wert. (Seneca)
Themenstarter1'543 Beiträge · seit 201314. Jan. 2018 · #10
Hallo Turi,

belehre mich gerne, wenn es sich damals nicht so zugetragen hat, dass die Herero systematisch von den Kolonialherren unterdrückt wurden und als Menschen 2. bzw. 3.Klasse angesehen wurde. Unter Maharereo haben sie sich dann erhoben und zwar von Existenzangst geleitet, da das deutsche Reich plante, arbeitslose Deutsche dort anzusiedeln und sich abzeichnete, dass für die Ureinwohner nichts mehr übrig bleiben würde. Besonders die Herero-Frauen hatten wohl nicht zu lachen, und dass man dann einen Aufstand macht, von Existenzangst getragen, dessen unrühmliches Ende wir ja alle kennen, ist ja durchaus zu verstehen.
Ich habe mein Wissen einmal kurz wieder abgerufen, und ein schon etwas älterer Artikel im Spiegel fasst die Geschehnisse eigentlich ganz gut zusammen:

http://www.spiegel.de/einestages/suedwestafrika-der-deutsche-voelkermord-an-den-herero-a-1073974.html

Was hat die Deutschen berechtigt, die Herero so zu behandeln? Gar nichts, aber es geschah einfach, und wer jetzt für den Krieg im Irak und in Syrien verantwortlich ist, möchte ich an dieser Stelle gar nicht erörtern, das steht auf einem anderen Blatt.
Nach damaliger Auffassung war wohl nichts Verwerfliches darin zu erkennen, die systematische Ausrottung der Juden/Roma/Sinti/Behinderten etc. schien ja auch völlig in Ordnung zu sein. Nur verhält es sich Gott Lob heutzutage anders, und da ist es in der Politik durchaus üblich, in einem offiziellen Akt durch eine Entschuldigung das Unrecht zu benamen. Auslöschen wird man es dadurch natürlich nicht können. Es ist passiert, aber man sollte sagen: das war falsch, und ich war wirklich davon ausgegangen, dass der offizielle Akt jetzt in Kürze stattfinden würde.

Herzliche Grüße
Beate
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3'491 Beiträge · seit 200614. Jan. 2018 · #11
Hallo Turi,
in Deinem Beitrag wird die friedensstiftende Tätigkeit der Missionarein besonderer Weise herausgestellt. Gestatte mir dazu bitte den Hinweis, dass es gerade die Missionare waren, die die Raubzüge der namibischen Stämme untereinander, wenn auch ungewollt, gefördert haben und zwar dadurch, dass sie "ihre Schäfchen" kontinuierlich mit Schusswaffen und Munition versorgt haben. Der Sinn dieser "Aufrüstung" war zwar nicht, die Waffen gegen andere Stämme einzusetzen, sondern die Sesshaftigkeit der zu missionierenden Stämme zu fördern, denn nur mit Hilfe von Schusswaffen war es möglich, trotz abnehmenden Wildbestandes im Umfeld der Missionsstationen noch ausreichend für Fleisch zu sorgen. Der missbräuchliche Einsatz gegen andere Stämme dagegen war durchaus nicht im Sinne der Missionare. Aber wie so häufig: " Gut gedacht" ist die Zwillingsschwester von "schlecht gemacht".
Gruß Joli
348 Beiträge · seit 201114. Jan. 2018 · #12
Hallo Beate
Es ist passiert, aber man sollte sagen: das war falsch, und ich war wirklich davon ausgegangen, dass der offizielle Akt jetzt in Kürze stattfinden würde.
2004: Entschuldigung der damaligen Entwicklungsministerin Heide Wieczorek-Zeul
"[…] Vor hundert Jahren wurden die Unterdrücker – verblendet von kolonialem Wahn – in deutschem Namen zu Sendboten von Gewalt, Diskriminierung, Rassismus und Vernichtung.

Die damaligen Gräueltaten waren das, was heute als Völkermord bezeichnet würde – für den ein General von Trotha heutzutage vor Gericht gebracht und verurteilt würde.

Wir Deutschen bekennen uns zu unserer historisch-politischen, moralisch-ethischen Verantwortung und zu der Schuld, die Deutsche damals auf sich geladen haben. Ich bitte Sie im Sinne des gemeinsamen "Vater unser" um Vergebung unserer Schuld. […]"

Auszug aus der Rede von Bundesministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul bei den Gedenkfeierlichkeiten der Herero-Aufstände am 14. August 2004 in Okakarara. Rede-Manuskript auf der Website der Deutschen Botschaft in Windhuk
Und wer muss sich alles für was entschuldigen? Die Herero bei den Nama, die Nama bei den San, die deutsche Regierung bei den Herero usw.?
Das ist alles lange her, keiner der Verantwortlichen lebt noch, die heutige Regierung kann auch nichts dafür, die Bevölkerung sowieso nicht.
Sicher war vieles nicht richtig, allerdings auf beiden Seiten.
Es ist geschehen, und eine formelle Entschuldigung wird es vermutlich nicht geben, sonst kommen gewisse Anwälte noch auf die Idee eine Entschädigung zu fordern, die im übrigen schon hundertfach beglichen ist.
Ich denke man sollte sich auf das Heute konzentrieren und versuchen nicht immer wieder die gleichen Fehler zu machen, aber anscheinend lernt die Classe Politique nichts dazu, würde jede Generation aus den Fehlern der vorherigen lernen, so hätten wir schon lange eine perfekte Welt, ist leider nicht so.
Gruss Turi
Wenn man die Ruhe nicht in sich selbst findet, ist es umsonst, sie anderswo zu suchen.
663 Beiträge · seit 201614. Jan. 2018 · #13
Hallo,

Wer ein wenig die Geschichte lesen möchte dem kann ich
folgendes Buch als Einstieg empfehlen.

Es gib noch ein weiteres ganz interessantes Buch über den Nama-Aufstand.

Gruss
Gerhard
Namibia 1998/2002/2005/12-2020 & 05+06/2021 Namibia/Botswana/Vic-Falls 1987/1995/2017 Namibia 1980 (u. a. 2 Monate auf einer Rinderfarm nördl. Okahandja)
zuletzt bearbeitet 14. Jan. 2018
348 Beiträge · seit 201114. Jan. 2018 · #14
Hallo Beate
belehre mich gerne, wenn es sich damals nicht so zugetragen hat, dass die Herero systematisch von den Kolonialherren unterdrückt wurden und als Menschen 2. bzw. 3.Klasse angesehen wurde
Das ist natürlich seeehr pauschaliert, das ist das gleiche als würde man heute von einer unterdrückten Arbeiterklasse reden.
Das ist auch das was die Spiegel Leute rauslassen, da wird nur eine Seite beleuchtet.
Da hat es sehr wohl lange Zeit überwiegend ein friedliches Miteinander gegeben.
Und Gott sei Dank haben die Missionare ihnen Gewehre gegeben, sonst hätten sie weiter mit Speeren und Macheten gemetzelt, allerdings wäre dann der Krieg auch schneller entschieden gewesen.
arbeitslose Deutsche dort anzusiedeln und sich abzeichnete, dass für die Ureinwohner nichts mehr übrig bleiben würde
schon das ist ein Irrglaube, die Herero, wie im übrigen alle Schwarzen sind auch einmal in's südliche Afrika eingewandert und haben die damalige Urbevölkerung vertrieben, nur ein paar hundert Jahre früher, wie auch heute noch die San vertrieben werden und sich kein Schwanz darum schert, zumindest nicht nachhaltig, oder haben die etwa ein Anspruch auf Entschädigung?
Wie weit wollen wir also zurückgehen in der Geschichte, wer war zuerst die Henne oder das Ei.
Meiner Meinung nach haben Generationen von Weissen im südlichen Afrika das gleiche Recht zu bleiben und ihr Land zu verteidigen wie die Schwarzen, denke der überwiegende Teil des Landes ist nicht unrechtmässig erworben worden.
Erschlossen hat das in jedem Fall nicht der Schwarze.
Frag dich mal, wieso herrscht Frieden im südlichen Afrika, oder anders gesagt, schau in die Länder die ausschliesslich von Schwarzen regiert werden, da rollen vor und nach den Wahlen die Köpfe.
Im Moment der Kongo um Kabila, oder Kenia, mal sehen was in Südafrika noch passiert.

Ich denke die Herero sollten das ruhen lassen, oder eben gezwungen werden es ruhen zu lassen, sie stiften damit nur Unruhe, erreichen werden sie vermutlich nichts, ausser Unfrieden im Land.

Gruss Turi
Wenn man die Ruhe nicht in sich selbst findet, ist es umsonst, sie anderswo zu suchen.
Themenstarter1'543 Beiträge · seit 201314. Jan. 2018 · #15
Hallo Turi,

danke für deine überaus sachlichen Hinweise. Ich schätze es sehr, mich auf diese ruhige, sachliche Art auszutauschen. Um zumindest ein gewisses wissenschaftliches Niveau halten zu können, müsste ich ein ausgiebiges Quellenstudium betreiben. Dazu fehlen mir hier an meinem Schreibtisch natürlich die Möglichkeiten.
Eine durchaus interessante Sichtweise, die du da vertrittst. Ich habe mich nicht näher mit der Politik der schwarz regierten Länder Afrikas beschäftigt und kann daher auch nichts dazu sagen.
In Südafrika fällt mir auf der Durchreise natürlich auf, dass der Großteil der farbigen Bevölkerung mit Sicherheit benachteiligt ist. Wie lange das noch gut geht, dazu wage ich mal keine Prognose.
Nun zu den Herero: für mich ging es beim Eingangspost lediglich um das Versprechen der Bundesregierung, sich offiziell zu entschuldigen. Ich muss gestehen, ich war nicht hinreichend informiert, dass den Herero eine Entschuldigung wohl nicht reicht und Deutschland auf Zahlung von Entschädigung verklagt haben. Auch möchten sie wohl, dass die deutsche Regierung mit ihnen direkt verhandelt und nicht ausschließlich mit der namibischen Regierung, da auch wohl viele Hereros mittlerweile in Botswana und anderen Staaten ansässig sind. Du siehst also, so ein Thread kann auch dazu dienen, noch etwas zu lernen. Entwicklungshilfe, die zweifelsohne in hoher Summe geleistet wurde, und direkte Entschädigung für begangenes Unrecht sind natürlich zweierlei und wiegen sehr unterschiedlich. Ob die Herero es allerdings auf sich beruhen lassen sollten, darüber müsste ich noch einmal gründlich nachdenken. Das kann ich so nicht auf die Schnelle beurteilen. Ein Pauschalurteil, dass es den Hereros bei dieser Angelegenheit lediglich um den finanziellen Aspekt geht, mag ich so auch nicht fällen. Bei der Beurteilung dieser Sache habe ich immer noch jene unzähligen schrecklichen historischen Fotografien über dieses geknechtete Volk vor Augen.
Nichts desto Trotz: ein interessanter Austausch. So habe ich mich an einem Sonntag Nachmittag mit dem Genozid an den Herero und Nama beschäftigt.

Herzliche Grüße
Beate
Reiseberichte: Patagonien 2020: Zwischen Anden, Pampa und Eis: https://namibia-forum.ch/forum/weiterelaender/299353-patagonien-2020-zwischen-anden-pampa-und-eis.html Das schönste Ende der Welt-Südafrika März 2017 https://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/292402-das-schoenste-ende-der-welt-suedafrika-maerz-2017.html Südafrika 2018-Ohne Braai gibt es keine Katzen https://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/296432-suedafrika-2018-ohne-braai-gibt-es-keine-katzen.html
zuletzt bearbeitet 14. Jan. 2018
568 Beiträge · seit 201414. Jan. 2018 · #16
Ich fürchte, wir kommen in dieser Sache zu keinem "Ergebnis".
Das Thema ist gleich mehrfach vermint: politisch, juristisch, diplomatisch und ethisch.
Ja, die Vorgänge waren schrecklich und die erhöhte Entwicklungshilfe seitens D für Namibia steht damit in Zusammenhang.
Auch bin ich im Gegensatz zu einigen meiner Landsleute der Meinung, D sollte in gewissem Maß Kompensationen leisten.

Schwierig wird es immer dann, wenn sich ein Land ethisch verpflichtet fühlt und gewisse Kreise das erpresserisch ausnutzen, während Länder mit härterer Gangart wg. Aussichtslosigkeit gleich gar nicht an den Pranger gestellt werden.

Beispiele gibt es in der Geschichte haufenweise. Wo fangen wir an:
Alexander der Große, Dschingis Khan, die europäischen und asiatischen Kolonialisten, die Einwanderer nach Amerika?

Im Falle der Herero gibt es dann noch den Dualismus zwischen dem Nationalstaat Namibia und partikularen Stammesinteressen z.B. der Herero. Wie so oft, ist eine "Gerechtigkeit" nicht zu erzielen. Gesten sind das maximale, was nach hundert Jahren und mehr zu erreichen ist. Alles andere führt erfahrungsgemäß zu neuen Revanchegedanken und endet im unendlichen Regress (hier auch im Wortsinn, nicht nur in philosophischer Bedeutung).

Aus monetären Gründen Haß ewig zu schüren, hat noch kein Volk weitergebracht.
Man denke an die Aufrechnungen deutscher Vertriebenenverbände gegenüber den Weltkriegsgegnern
oder an innerafrikanische Genozide wie z.B. in Ruanda.

Am Ende fühlen sich immer alle von der Geschichte benachteiligt.
Das ist wohl die einzige Art der "Gerechtigkeit", zu der die unvollkommene Menschheit fähig ist...
33,1k Beiträge · seit 200615. Jan. 2018 · #17
Zum Thema.

Viele Grüße
Christian

We have Von Trotha’s extermination order: Rukoro
OKAHANDJA, 15 JAN (NAMPA)
An authentic copy of General Lothar von Trotha’s extermination order against the Ovaherero and Nama communities has been discovered, Ovaherero Traditional Authorities (OTA) Paramount Chief, Advocate Vekuii Rukoro has said.
Rukoro made the revelation at a mass prayer session held in Okahandja on Saturday.
The session was called in support of the federal class action lawsuit that descendants of victims of the 1904-08 genocide have in New York later this month.
Addressing a congregation of about 400 people, Rukoro said the proclamation in which Von Trotha ordered the mass killing of indigenous Namibians was in their possession.
He said antagonists have questioned for some time the credibility and existence of Von Trotha’s extermination order.
To this, Rukoro said: “I have news for you. Last month, through our tireless efforts, we managed to find the signed copy of Von Trotha’s extermination order after so many years… even the translated copy in Otjiherero, to actually demonstrate the intention that these people must understand in their own mother tongue the intent to kill and exterminate them… we got it.”
He added: “As we speak, the extermination order is hand delivered to my lawyers, we will file it in court in New York. German government, you are fighting the wrong enemy this time around.”
This further strengthens and substantiates the case that Namas and Ovaherero people suffered genocide at the hands of German imperial forces, according to Rukoro.
At this juncture, Rukoro announced that the German government instructed lawyers to represent it in the US Federal Court after a “full year of refusing to accept legal papers”.
“After saying that they are a sovereign state and that they will not come to the American court and [that] we are wasting our time, yesterday (Friday) they changed their tune. They are starting to sing a different song and dance to different music. The German government has now instructed lawyers to appear for them on 25 January and to face us in court,” he stressed.
If Germany fails to appear in the US court, Rukoro threatened to apply for a default judgement.
This means Germany will be found guilty as charged “for genocide against the Hereros and Namas; for expropriating our land; our livestock – all of which should have been our inheritance today,” he explained.
The OTA chief added: “This time and because of the arrogance they have displayed all this time against us, we will not be talking of a few hundred millions of dollars. Not even billions. Now we talk trillions.”
The lawsuit was filed in the US Federal Court by Rukoro and late Chairperson of the Nama Traditional Authorities Association, David Frederick.
(NAMPA)
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
348 Beiträge · seit 201115. Jan. 2018 · #18
Hier noch die Übersetzung dazu:
Wir haben Von Trothas Ausrottungsbefehl: Rukoro
OKAHANDJA, 15. JAN (NAMPA)
Eine authentische Kopie des Ausrottungsbefehls von General Lothar von Trotha gegen die Ovaherero- und Nama-Gemeinschaften wurde entdeckt, sagte Ovaherero Traditional Authorities (OTA) Paramount Chief, Anwalt Vekuii Rukoro.
Rukoro machte die Offenbarung bei einer Massengebetssitzung am Samstag in Okahandja.
Die Sitzung wurde zur Unterstützung der föderalen Sammelklage aufgerufen, die Abkömmlinge von Opfern des Genozids von 1904/08 in diesem Monat in New York haben.
In einer Versammlung von etwa 400 Menschen sagte Rukoro, die Proklamation, in der Von Trotha die Massentötung der indigenen Namibier befahl, sei in ihrem Besitz.
Er sagte, Antagonisten hätten für einige Zeit die Glaubwürdigkeit und Existenz von Von Trothas Vernichtungsbefehl in Frage gestellt.
Dazu sagte Rukoro: "Ich habe Neuigkeiten für dich. Im vergangenen Monat gelang es uns durch unsere unermüdlichen Bemühungen, die signierte Kopie von Von Trothas Vernichtungsbefehl nach so vielen Jahren zu finden ... sogar die übersetzte Kopie in Otjiherero, um tatsächlich die Absicht zu demonstrieren, dass diese Menschen in ihrer eigenen Muttersprache die Absicht verstehen müssen töten und vernichten sie ... wir haben es. "
Er fügte hinzu: "Während wir sprechen, wird der Ausrottungsbefehl an meine Anwälte übergeben, wir werden ihn in New York vor Gericht bringen. Deutsche Regierung, Sie kämpfen dieses Mal gegen den falschen Feind. "
Dies bestärkt und bekräftigt den Fall, dass Namas und Ovaherero nach Angaben von Rukoro Völkermord durch die deutschen Reichskräfte erlitten haben.
An diesem Punkt kündigte Rukoro an, dass die deutsche Regierung Anwälte angewiesen habe, sie vor dem US-Bundesgericht nach einem "vollen Jahr der Verweigerung der Annahme von juristischen Dokumenten" zu vertreten.
"Nachdem sie gesagt haben, dass sie ein souveräner Staat sind und nicht zum amerikanischen Gericht kommen werden und wir unsere Zeit verschwenden, haben sie gestern (Freitag) ihre Meinung geändert. Sie fangen an, ein anderes Lied zu singen und zu anderer Musik zu tanzen. Die deutsche Regierung hat Anwälte angewiesen, am 25. Januar für sie zu erscheinen und uns vor Gericht zu stellen ", betonte er.
Sollte Deutschland nicht vor dem US-Gericht erscheinen, drohte Rukoro mit einem Antrag auf ein Versäumnisurteil.
Das bedeutet, dass Deutschland für den Völkermord an den Hereros und Namas als schuldig befunden wird; für die Enteignung unseres Landes; unser Vieh - das hätte heute unser Erbe sein sollen ", erklärte er.
Der OTA-Chef fügte hinzu: "Dieses Mal und wegen der Arroganz, die sie die ganze Zeit gegen uns gezeigt haben, werden wir nicht von ein paar hundert Millionen Dollar sprechen. Nicht einmal Milliarden. Jetzt reden wir Billionen. "
Die Klage wurde von Rukoro und dem verstorbenen Vorsitzenden der Nama Traditional Authorities Association, David Frederick, beim US Federal Court eingereicht.
(NAMPA)
kleine Anmerkung, unter was geht der Befehl von Samuel Maharero?
„Ich kämpfe, tötet alle Deutschen“



Okahandja, den 11. Januar]
An alle Großleute meines Landes. Ich bin Samuel Maharero, Oberhäuptling der Herero. Ich habe einen Befehl für alle meine Leute angefertigt, daß sie nicht weiter ihre Hände legen an folgende: Engländer, Bastands, Bergdamara, Nama, Buren. Alle diese rühren wir nicht an. Tut dies nicht! Ich habe einen Eid geschworen, daß dieser Beschluß nicht bekannt werden darf, auch nicht den Missionaren
Hätte er es damals geschafft alle Deutschen im Land zu töten, wäre es dann auch unter Völkermord gegangen?
Ist es ein Unterschied ein kleines Volk versuchen auszurotten oder ein Teil eines grösseren Volkes, weil man ja an den anderen Teil nicht rankommt und hätte Maharero nicht alle Deutschen ausgerottet, hätte er die Möglichkeit dazu gehabt?
Macht euch mal Gedanken darüber!

zum"gestohlenen" Land
Dennoch sieht Leutwein seinen langjährigen Verbündeten im Vergleich mit anderen Häuptlingen in Deutsch-Südwestafrika sehr kritisch: „Ihm legten Genusssucht, Neigung zum Alkohol und endlich auch ... zu den Frauen fortgesetzt Fallen. Auch waren die unaufhörlichen Farmverkäufe des Oberhäuptlings der Mission ein Dorn im Auge.

Leutwein versuchte es auf diplomatischen Weg zu lösen, erst als das nicht gelang wurde Lothar von Trotha von der deutschen Regierung entsenden.
1897 allerdings verschlechterte sich die wirtschaftliche Situation der Herero dramatisch. Die von Südafrika hereinbrechende Rinderpest und eine verheerende Heuschreckenplage kostete die Herero 70 Prozent ihres Viehbestandes und zwang sie zu weiteren Landverkäufen und schließlich sogar zur Lohnarbeit bei den deutschen Siedlern.
Man muss sich einen Gesamtüberblick verschaffen, soweit das möglich ist und hinterher die Schlüsse ziehen.
Die Aussage von Lothar von Trotha ist gegeben, die von Samuel Maharero aber auch, sie entsprechen in etwa dem Gleichen, der eine wollte die Herero vernichten, der andere die Deutschen, ich sehe da keinen Unterschied.

Im Krieg gibt es immer Gewinner und Verlierer , nur dass die Verlierer Forderungen stellen, das ist mir neu!

Es ist also alles relativ und die damalige Zeit war eine andere als heute.

Gruss Turi
Wenn man die Ruhe nicht in sich selbst findet, ist es umsonst, sie anderswo zu suchen.
16,9k Beiträge · seit 201215. Jan. 2018 · #19
Turi schrieb:zum"gestohlenen" Land
Dennoch sieht Leutwein seinen langjährigen Verbündeten im Vergleich mit anderen Häuptlingen in Deutsch-Südwestafrika sehr kritisch: „Ihm legten Genusssucht, Neigung zum Alkohol und endlich auch ... zu den Frauen fortgesetzt Fallen. Auch waren die unaufhörlichen Farmverkäufe des Oberhäuptlings der Mission ein Dorn im Auge.
Maharero benötigte ebenfalls viel Geld - sehr viel Geld - um seinem Sohn nebst Entourage einen angemessenen Lebensstil in Berlin am Hofe des Kaiser zu finanzieren. Auch dafür wurde von ihm das Land seines Volkes, der Hereros, verscherbelt.

Und als die Schulden in Berlin nicht mehr zu begleichen waren bzw. die Schuldner sich nicht mehr beruhigen ließen, da machte man sich geflissentlich aus dem Staub.

LG
Logi
1'715 Beiträge · seit 200615. Jan. 2018 · #20
Da ich weder Historiker noch Jurist bin, kann ich nicht beurteilen ob die Forderungen der Hererors berechtigt sind.
Wenn sie allenfalls Recht bekämen bezweifle ich aber, dass sie mit dem zugesprochenem Geld etwas vernüftigtes zustande bringen würden, dass der Allgemeinheit diente.

Es gibt schon zuviel Projekte welche mit Geld und Know How von aussehalb unterstützt wurden welche nicht unterhalten und/oder genutzt werden.

Gruss
Emanuel
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zuletzt bearbeitet 15. Jan. 2018