Hallo Matthias,
_Matthias_ schrieb: die Eigentumsverhältnisse immer noch auf dem Stand von 1917, fast alles gehört den Weißen und die Schwarzen müssen für Hungerlöhne die Arbeit machen. Es geht doch nicht um Subsistenzwirtschaft, sondern um Teilhabe.
"Teilhabe" ist ein hübsches Etikett, aber Teilhabe woran denn? Was ist denn zu verteilen, wenn jeder Schwarze ein paar tausend Quadratmeter semiarides Land bekommt? Welchen Benefit haben die davon? Sparen die dann irgendwas? Zahlen die im ländliches Namibia heute irgendwo Pacht oder Miete für die irgendwo errichtete Hütte? Zahlen die bisher Pacht für das Weideland ihrer 10 Ziegen? Errichten die da alle ein Business drauf? Auf welcher Basis? Am Ende läuft es meines Erachtens auf Subsistenzwirtschaft hinaus. Spätestens bei der nächsten mehrjährigen Dürre versinkt alles im Elend.
Es gibt in Simbabwe, Südafrika und Namibia überall die gleichen Probleme mit den Landübertragungen
1. Da wo man Land an "einfache Schwarze" gegeben hat, lag das Land danach häufig unproduktiv brach. Es fehlten Knowhow und Kapital um das produktiv zu nutzen. Volkswirtschaftlich betrachtet hat man die Lage durch Landübertragungen dann verschlechtert.
2. Es profitieren am Ende ein paar Fat cats. Die reiche, weiße "Elite" wird durch eine gleich große, reiche, schwarze Elite ersetzt. Für die Masse ändert sich gar nichts.
Das ist ja auch keine Erkenntnis von mir, sondern das sagen auch eine Reihe (schwarze) Politiker in Namibia und Südafrika. In der Analyse sind wir uns ja einig: Es kann nicht dauerhaft so sein, das eine kleine weiße Minderheit große Teile des Landes auf sich vereint. Aber man muss erst mal die Voraussetzung für erfolgreiche, sukzessive Landübertragungen schaffen. Das bedeutet Bildung, Bildung, Bildung. Das bedeutet bessere Infrastruktur (u.a. auch Wasserversorgung, Telekommunikation). Das bedeutet vielleicht auch Finanzierungskonstruktionen wie in Deutschland die KfW*. Vielleicht staatliche Inkubatoren für Unternehmensgründungen. Das hat man meines Erachtens in den letzten 25 Jahren weitgehend versäumt. Und weil gerade große Flaute in der Staatskasse herrscht, überlegt Namibia nun, die Ausgaben für Bildung zusammen zu streichen. Das würde ein weiterer Rückschritt sein.
Wenn es der breiten Masse besser gehen soll, dann muss man meines Erachtens vor allem schauen, dass der zu verteilende Kuchen deutlich größer und dann fair verteilt wird. Einmalig den alten Kuchen umzuverteilen, wird auf Dauer nichts ändern.
_Matthias_ schrieb:Hauptwirtschaftszweige in Namibia sind die Landwirtschaft, Bergbau und Tourismus, sie alle sind an Landbesitz gebunden, da ist es doch natürlich, dass Landbesitz einen hohen Stellenwert hat.
Das stimmt meines Erachtens nicht. Für den Bergbau ist der Landbesitz wenig relevant. Relevant ist, wer die Förderlizenz von der Regierung bekommt. Zum Bergbau hat sich der vorherige Präsident Pohamba kurz vor dem Ende seiner Amtszeit geäußert. Sinngemäß: Alle fordern immer, das wir Bergbaulizenzen an schwarze Namibier vergeben. Wir haben das gemacht. Alle diese Bergbau-Lizenzen liegen brach und nirgends wird etwas gefördert.
Zum Tourismus: Sehr viele Lodges wurden auf Conservancy-Land errichtet. Um nur ein paar zu nennen Wilderness: Damaraland, Serra Cafema, Hoanib, Rhino; Mowani, Okahirongo. Die besitzen das Land nicht, die pachten es von den Conservancies. Die haben da profitable Tourismusunternehmen ganz ohne Landbesitz errichtet. Offensichtlich ist Landbesitz nicht der entscheidende Parameter.
Naja, wie auch immer: wir haben da ja den Vorteil, dass wir den Entwicklungen in Südafrika und Namibia von außen zuschauen und entspannt klugscheißen können. 😉 Wir werden sehen, ob man das in Namibia und Südafrika A durchzieht und ob es dann B wie in Simbabwe endet. Bisher spräche meines Erachtens recht viel dafür, weil man bislang keine grundlegend andere Ausgangslage als in Simbabwe geschaffen hat.
Beste Grüße
Guido
*Für den Tourismusbereich gibt es aktuell glaube ich Überlegungen, Öffentliche Finanzierungsmodelle ähnlich der KfW in Deutschland zu schaffen. Ob das angesichts der Staatsfinanzkrise finanziert werden kann, wird sich zeigen.