Namibia will Elfenbeinhandel legalisieren

43 Antworten · 6'566 Aufrufe · gestartet 01. Sept. 2016 von Riedfrosch
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Themenstarter1'335 Beiträge · seit 200601. Sept. 2016 · #1
Dieser Artikel ist erschienen:

http://www.n-tv.de/wissen/Elefantenbestaende-schockieren-Forscher-article18544041.html

Namibia möchte den Elfenbeinhandel legalisieren, steht in diesem Artikel.
Ob das die Elefantenbestände sichert?

Da die Elefantenbestände durch Wilderei dezimiert werden, halte ich einen Elfenbeinhandel für destruktiv.

Die Elefanten im South Luagwa haben sich bereits wegen der Wilderei evolutionär verändert (gerichtete Selektion!):
Ein hoher Prozentteil der Population hat keine Stoßzähne!
Ich konnte Fotos von adulten Tieren schiessen, die keine Stoßzähne mehr besitzen!
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33,1k Beiträge · seit 200601. Sept. 2016 · #2
Hi Riedfrosch,

die gemeinsame Initiative von Namibia, Südafrika, Botswana und Simbabwe läuft bereits seit Jahren. Es gab ja auch schon Genehmigungen zum legalen Verkauf des Bestandes an zertifizierte Käufer. Ist also eine relativ alte und vor allem langwierige Geschichte. Hintergrund ist eben, dass man sich durch legalen Handel erhofft die Nachfrage zu bedienen und somit den Schwarzmarkt "abschalten" kann.
Elefantenbestände durch Wilderei dezimiert werden
das ist vor allem in Ostafrika der Fall. Im südlichen Afrika bzw. insbesondere in den genannten Staaten hat die - durchaus vorhandene - Elfenantewilderei kaum einen Einfluss auf den immensen Bestandszuwachs.

Viele Grüße aus Windhoek
Christian
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zuletzt bearbeitet 01. Sept. 2016
Themenstarter1'335 Beiträge · seit 200601. Sept. 2016 · #3
travelNAMIBIA schrieb:
das ist vor allem in Ostafrika der Fall. Im südlichen Afrika bzw. insbesondere in den genannten Staaten hat die - durchaus vorhandene - Elfenantewilderei kaum einen Einfluss auf den immensen Bestandszuwachs.
n
Na, ist da der Wunsch Vater des Postings?
Schau mal hier:
http://www.poachingfacts.com/poaching-statistics/elephant-poaching-statistics/
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33,1k Beiträge · seit 200601. Sept. 2016 · #4
Hallo Riedfrosch,
Na, ist da der Wunsch Vater des Postings?
. Um den Bestand in Botswana durch Wilderei nur auf dem gleichen Niveau zu halten, müssten zig Mal so viele Elefanten gewildert werden, wie tatsächlich Wilderern zum Opfer fallen. Die Bestände in den genannten Staaten sind ja seit Jahren mindestens stabil... ansonsten würde man ja auch nicht einen Antrag auf legalen Elfenbeinhandel stellen. Von vielen, auch bei CITES bzw. IUCN, wird der Antrag der Staaten unterstützt. Es ist ein ernsthaft diskutierte Anfrage, die noch diesen Monat entschieden wird. Unter anderem die EU unterstützt den Antrag der Staaten auf legalen, stark überwachten Handel (siehe z.B. http://theconversation.com/eus-new-stand-on-ivory-trade-upsets-east-africa-ahead-of-key-decision-62236). Vor allem die ostafrikanischen Staaten (die sehr viel mehr Probleme mit der Elefantenwilderei haben(, darunter insbesondere Kenia und Tansania (die in den letzten fünf Jahren gut 60 Prozent des Bestandes verloren haben; https://www.theguardian.com/environment/2015/jun/02/tanzania-epicentre-of-elephant-poaching-census-reveals), sind absolut gegen die Vorschlag (z.B.http://voices.nationalgeographic.com/2016/06/03/south-africa-and-kenya-seek-consensus-on-ivory-trade/).

Zum Hintergrund empfehle ich Dir z.B. https://cmsdata.iucn.org/downloads/african_elephant_summit_background_document_2013_en.pdf von CITES/IUCN.

Bestandszahlen (2013; Veränderung gegenüber 2007; Quelle: "African Elephant Status Report" 2007/2013, IUCN):
Botswana - 133.000 bis 173.000 (130000 bis 170.000)
Namibia - 13.000 bis zu 18.000 (12.500-18.000)
Simbabwe - 68.000 bis 100.000 (84.000-98.000
Südafrika - 20.000 bis 25.000 (17.500-18.000)
Südliches Afrika - 278.000 bis 350.000 (297.000-350.000)

Beste Grüße
Christian

P.S. Ob nun der erlaubte Handel Gut oder Schlecht ist vermag ich nicht zu sagen. Ich weiß auch nicht ob es Beispiele an anderen Tierarten gibt, die die Hintergrundidee der Staaten die für den Handel sind, stützen können.
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zuletzt bearbeitet 01. Sept. 2016
33,1k Beiträge · seit 200601. Sept. 2016 · #5
Hi zusammen,

http://www.greatelephantcensus.com/final-report (gerade veröffentlicht) -> wie zuvor beschrieben; Rückgang um 30 Prozent in den letzten Jahren, außer in den weitesten Teilen des südlichen Afrika (u.a. Namibia wurde nicht einmal gezählt). Die Tagesschau hat es hier http://www.tagesschau.de/ausland/elefanten-afrika-101.html "professionell" aufgearbeitet.

Viele Grüße aus Windhoek
Christian
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857 Beiträge · seit 201403. Sept. 2016 · #6
Danke Christian, das war mir jetzt mal eine Mail an die ARD wert.. derart schwach recherchierte Berichte sind bei diesem Milliarden-Subventionskoloss einfach eine Unverschämtheit. Wenigstend eine 2. Quelle und Gegenposition hätte genannt werden müssen...

@Riedfrosch
Die Diskussion ist hier im Forum immer wieder aktuell, deshalb nur kurz: Im südl. Afrika gibt es (für diese Schutzgebiete) oft zuviele Elefanten, diese zerstören den Lebensraum vieler anderer Arten, wenn sie überhand nehmen. Die Menschen rund um die Schutzgebiete kannst Du nicht einfach umbringen. Intelligente Lösungen, die Rechte von Menschen und Tieren achten, sind nicht trivial, und Namibia hat (wie Botswana) insgesamt riesige Schutzgebiete ausgewiesen.
Generell sollte man auch klar zwischen Tier- und Artenschutz unterscheiden. Ein Keulen von Beständen (oder Einzeltieren), kann durchaus für die Gesamtpopulation nützlich sein (Beispiel: Das Abschiessen von einzelnen Hippo-Bullen in den Dürregebieten).

Viele Grüße
Alexander
Themenstarter1'335 Beiträge · seit 200604. Sept. 2016 · #7
Hallo Alexander,

es ist in der Tat schwierig Überpopulationen zu begegnen.

Ich habe mich ausschließlich auf die WILDEREI bezogen!
Da wirst Du mir zustimmen, dass WILDEREI kein Mittel bei Überpopulation ist.

Es grüßt
Riedfrosch
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33,1k Beiträge · seit 200626. Sept. 2016 · #8
Hi zusammen,

ein Update zur Konferenz, die seit Samstag in Südafrika stattfindet.

Viele Grüße
Christian

"Namibia, Südafrika und Simbabwe haben vehement ihre Position bei der CITES-Naturschutzkonferenz in Johannesburg verteidigt. Die Staaten wollen den Elfenbeinhandel unter strengsten Auflagen legalisieren. Der Bestand in den drei Staaten sowie Botswana ist stabil bis wachsend. Dieser Vorschlag wird von der Europäischen Union geschlossen unterstützt, wie die EU zum Auftakt der Konferenz unterstrich. Tier- und Naturschutzorganisationen sowie ostafrikanischen Staaten reagierten mit Entrüstung. Die USA sprechen sich für ein uneingeschränktes Verbot des Elfenbeinhandels und dafür aus, dass alle Elefanten in Anhang I des Washingtoner Artenschutzübereinkommens eingestuft werden." (Quelle: Hitradio Namibia)
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Gast26. Sept. 2016 · #9
Hallo,
Riedfrosch schrieb:es ist in der Tat schwierig Überpopulationen zu begegnen.
Es ist vielleicht auch noch die Frage, ob es die Elefanten-Überpopulation überhaupt gibt. Man geht davon aus, das vor der Kolonialisierung bis zu 20 Millionen Elefanten durch Afrika streiften. Noch für Anfang der 1930er Jahre wird die Population je nach Studie auf 3-10 Mio. geschätzt. Selbst wenn die Elefanten seit dem 80-90% ihres Habitates verloren haben, wäre die Frage, ob 300.000-600.000 für die verbliebenen Gebiete wirklich zu viel wäre? Ich kann das nicht beurteilen, ich habe nur Zweifel, ob die immer wiederholte Behauptung tatsächlich wissenschaftlich so zweifelsfrei gesichert ist. Es gibt in jedem Fall Wissenschaftler mit abweichenden Meinungen.
Namibia, Südafrika und Simbabwe haben vehement ihre Position bei der CITES-Naturschutzkonferenz in Johannesburg verteidigt. Die Staaten wollen den Elfenbeinhandel unter strengsten Auflagen legalisieren.
Man kann über vieles Nachdenken, aber ich fürchte, die angeblich "strengsten Auflagen" sind dann wieder nur Lippenbekenntnisse. Angesichts all der Korruption und unzureichender Finanzen und Kapazitäten für eine effektive Kontrolle funktioniert das dann mit einiger Wahrscheinlichkeit wieder nicht und legales Elfenbein ist nicht von illegalem Elfenbein zu unterscheiden?

Nebenbei bemerkt: Am Wochenende hat Südafrikas Präsident Zuma die überaus große Bedeutung der Trophäenjagd in Südafrika betont. Laut Zuma - und ich glaube er bezieht sich auf offizielle Angaben des Statistikamtes in Südafrika - sorgen Trophäenjäger für gut 1 Milliarde Rand an Einnahmen pro Jahr und ohne geht es im Naturschutz nicht. Die Einnahmen umfassen die Trophäengebühren und die bei der Jagd typischerweise fälligen Tagesraten an den Jagdveranstalter. Der Tourismus insgesamt sorgt je nach Zählweise für 100 bis 330 Milliarden Rand an Einnahmen in Südafrika. Die Trophäenjagd hat also einen Anteil von 0,3 bis 1 % an den Tourismuseinnahmen. Ich sehe durchaus einige hilfreiche Effekte der Trophäenjagd (z.B. in puncto Löwenknochennachfrage aus Asien) und will nicht alles pauschal verteufeln, aber zumindest das wirtschaftliche Argument ist fast überall Unsinn. In Südafrika. In Namibia. In Simbabwe. Überall wird die angebliche wirtschaftliche Bedeutung der Trophäenjagd regelmäßig absurd überhöht. Wenn man wollte, könnte man die 0,3 bis 1% recht einfach kompensieren, so wie das Botswana nun auch versucht.

Beste Grüße

Guido
zuletzt bearbeitet 26. Sept. 2016
33,1k Beiträge · seit 200626. Sept. 2016 · #10
Hi Guido,
aber zumindest das wirtschaftliche Argument ist fast überall Unsinn.
auf Länderebene sehe ich das auch so. Für Namibia (Südafrika...) ist der Anteil der Trophäenjagd am BIP absolut zu vernachlässigen.
Wenn man wollte, könnte man die 0,3 bis 1% recht einfach kompensieren, so wie das Botswana nun auch versucht.
Aber auf kommunaler Ebene ist es eben teilweise anders. Es ist nicht einfach im Kaokoveld Industrie anzusiedeln oder anders Arbeitsplätze zu schaffen. Gerade dort, wo eben v.a. Elefanten und Nashörner als Trophäen gejagt werden, soll der Einkommensanteil der Trophäenjagd bei bis zu 60 Prozent liegen (kann natürlich nicht sagen, ob die Zahlen stimmen). Das ist dann schon ein entscheidender lokaler Wirtschaftszweig. Wenn nun (bei einem Verbot der Trophäenjagd generell z.B.) dieses wegfällt, landest das Nashorn (Elefant...) eben im Kochtopf (oder wird im besten Fall einfach am Leben gelassen - ohne, dass es Einkommen bringt).

Ich weiß nicht en detail wie der Verkauf von Elfenbeinlagerbeständen durch Namibia, Botswana etc. vor einigen Jahren stattgefunden hat. Aber es hat wohl "gut geklappt" (sagen sogar die Tierschutzgruppen, CITES, IUCN etc, die dieses überwacht haben).

Viele Grüße
Christian
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Gast26. Sept. 2016 · #11
Hallo,
travelNAMIBIA schrieb:ist der Anteil der Trophäenjagd am BIP absolut zu vernachlässigen.
Es ging hier ja noch nicht mal um den Anteil am BIP sondern den Anteil an den Tourismuseinnahmen insgesamt.

Ansonsten: Klar gibt es in der Realität Conservancies ohne Camps und Lodges, für die Trophäenjagd heute die Haupteinnahmequelle sind. Genauso wie es private Jagdfarmen gibt, für die das die Haupteinnahmequelle ist. Und für die hat das bislang überragende Bedeutung. Das ändert aber nichts daran, dass es bezogen auf das ganze Land um wenig Geld und wenige Arbeitsplätze geht und es möglich erscheint, das anderweitig zu kompensieren. Gerade jetzt, wenn der Tourismus wächst. Teilweise entsteht ja der Eindruck, dass die Trophäenjagd für die Mehrheit der Tourismuseinnahmen sorgt und ohne Trophäenjagd gar keine Wildtiere überleben würden.
travelNAMIBIA schrieb:Ich weiß nicht en detail wie der Verkauf von Elfenbeinlagerbeständen durch Namibia, Botswana etc. vor einigen Jahren stattgefunden hat. Aber es hat wohl "gut geklappt" (sagen sogar die Tierschutzgruppen, CITES, IUCN etc, die dieses überwacht haben).
Cites empfiehlt aber glasklar, die Anträge von Namibia und Zimbabwe abzulehnen, die den beiden Ländern den Elfenbeinhandel erlauben würde.
https://cites.org/sites/default/files/eng/cop/17/Proposals_for_amendment_of_Appendices_I_II.pdf

Beste Grüße

Guido
zuletzt bearbeitet 26. Sept. 2016
33,1k Beiträge · seit 200626. Sept. 2016 · #12
Hi Guido,
Das ändert aber nichts daran, dass es bezogen auf das ganze Land um wenig Geld und wenige Arbeitsplätze
für Simbabwe, Botswana und Südafrika kann ich nicht sprechen, aber in Namibia sollen alleine bis zu 7000 Arbeitsplätze nur in den Conservancies an der Trophäenjagd hängen (laut Umweltministerium; Zahlen also mit Vorsicht zu genießen). Das ist für Namibia nicht unerheblich, wenn man nur mal betrachtet, dass der größte Arbeitgeber (außer dem Staat) im Land keine 5000 Angestellten hat.

Es geht ja auch bei dem Antrag nicht nur um die Trophäenjagd, sondern auch um sonstige Elfenbeinbestände (so wie die, die eben schonmal verkauft werden durften). Was macht man mit den Stoßzähnen von gefundenen Tiere. Kenia und Tansania verbrennen sie, Namibia bewahrt sie auf. Aber wie gesagt, ich kenne da auch nicht im Detail genau, was Namibia & Co nun wollen (oder nicht). Die EU spricht sich ja ganz klar für den kontrollierten Handel aus, die USA & Ostafrika dagegen. Was man hier hört, geht Namibia auch schon davon aus, dass der Antrag abgelehnt wird. Nur wurde ja schon die Drohung von den 4-5 Staaten ausgesprochen, dass Washingtoner Artenschutzübereinkommen "zu kündigen". Davon hat dann natürlich niemand etwas (weiß auch nicht wie und ob das so einfach möglich ist?) 🙁

Beste (bewölkte :-)) Grüße aus Windhoek
Christian
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2'664 Beiträge · seit 201226. Sept. 2016 · #13
So mancher Betrieb/ Geschäft in NAM und ZA haben nicht unbeträchtliche Lagerbestände an Souvenirs und auch Elefenbeinschnitzereien aus den 1980iger Jahren liegen, die plötzlich nicht mehr verkauft werden durften bzw. konnten. Touristen kauften sie auch nicht mehr, weil sie Zuhause trotz Ausfuhrpermit erheblichen Ärger bekamen. Die wenigsten Firmen haben ihre Restbestände in der Illegalität verkauft. Da hofft man wohl auch totes Kapital revitalisieren zu können. Das ist bestimmt nicht wenig.

Die Naturschutzbehörde hat in den 1980igern noch Auktionen für Elefanten-Stoßzähne abgehalten, Zähne die von verendeten Tieren stammten. In der Zeit ging sogar einiges in das Städtchen der Elfenbeinschnitzer, Erbach am Neckar.
zuletzt bearbeitet 26. Sept. 2016
Gast26. Sept. 2016 · #14
Hallo Christian,
travelNAMIBIA schrieb:aber in Namibia sollen alleine bis zu 7000 Arbeitsplätze nur in den Conservancies an der Trophäenjagd hängen (laut Umweltministerium; Zahlen also mit Vorsicht zu genießen).
Köstlich, genau so funktioniert das wohl: Jagdlobbyisten und/oder NAPHA legen irgendwelche Fantasiezahlen vor und das Ministerium plappert munter nach. NACSO das zusammen mit dem Umweltministerium jährlich eine detaillierte Statistik für die Conservancies erstellt, gibt im letzten Bericht (2014/15) 134 Vollzeitstellen und 108 Teilzeitstellen durch Trophäenjagd in den Conservancies. an. Weicht halt um mehr als 5.000 Prozent ab. Kleine Ungenauigkeiten... Selbst wenn man alle Jobs in den Conservancies zusammen zählt und sämtliche Teilzeitjobs voll mitzählt, kommt man nicht auf 7.000 Conservancy-Jobs und insofern ist das völliger Schwachsinn.

Genau so läuft das immer. Irgendwo steht, dass Namibia ein Drittel seiner Einnahmen durch Trophäenjagd erzielt, dass die Mehrheit der großen Wildtiere in Namibia auf privaten Farmen zu finden ist usw. Gibt immer genug Leute, die dann nur das lesen und bei denen das hängen bleibt und die Trophäenjagd dann unverzichtbar wichtig finden.

Die Trophäenjagd hat den Vorteil, dass man diese Einnahmequelle in den Conservancies sofort nutzen kann. Das braucht kein Investitionen, kein großes Knowhow. Aber die Höhe der Einnahmen ist begrenzt und die Option Jobs zu schaffen noch viel mehr. Wenn es 2-3 Hilfsarbeiter für den jeweiligen Jagdkonzessionär in der Concervancy gibt, dann reicht das für den völlig aus und deswegen ist die NASCO-Zahl von 134 Vollzeitstellen plausibel. Es wird ja auch nicht in allen Conservancies Trophäenjagd betrieben.
Nur wurde ja schon die Drohung von den 4-5 Staaten ausgesprochen, dass Washingtoner Artenschutzübereinkommen "zu kündigen". Davon hat dann natürlich niemand etwas (weiß auch nicht wie und ob das so einfach möglich ist?) 🙁
Klar kann man das als Staat einfach kündigen. Irgendwo stand, dass man stattdessen im südlichen Afrika eine eigene Artenschutzorganisation schaffen könne. Sowie man im südlichen Afrika ja auch problemlos ein eigenes Gerichtsequivalent zum EuGH schaffen kann. So wie der erste ernsthafte Prozess ansteht (gegen Genosse Mugabe), löst man das Gericht dann wieder auf, weil so unabhängige Organisation, die auch noch ein gewisse Macht haben, dann doch zu lästig sind..

Beste Grüße

Guido
zuletzt bearbeitet 26. Sept. 2016
33,1k Beiträge · seit 200626. Sept. 2016 · #15
Hi Guido,

wie gesagt, ich gebe nur wieder was man so liest und hört. Ich finde aber grundsätzlich, dass man sich nicht einfach Statistiken raussuchen sollte, die einem passen und andere als falsch abtut. Wer sagt einem, dass NACSO irgendwie den besseren Durchblick hat als Andere (z.B. NAPHA etc)? Ob irgendeine richtig oder falsch ist, kann ich (kannst Du es?) als Außenstehende und Nicht-Experte kaum beurteilen.
Beispiel: Die NACSO-Wildtierzählung geht von bis zu 136.000 Springböcken (Juni 2016) in der Region Kunene aus. MET (und der subjektive Eindruck vieler) sagt, dass der Bestand aufrund von Wilderei deutlich abnimmt. Laut NACSO ist dies gegenüber 2015 jedoch ein Zuwachs von etwa 90% (was Nachwuchstechnisch kaum möglich erscheint). Wem wollen wir in dem Fall glauben? NACSO?

Das mit den Jobs ist sicherlich eine Auslegung der Statistiken durch den Umweltminister 😉 NACSO spricht 2013 von "community conservation facilitated 6,472 jobs in 2013" (http://www.nacso.org.na/sites/default/files/2013_CCR_Poster_2_At_a_glance_Final_lr.pdf) und ich vermute, dass diese Zahl (des gesamten Naturschutzes) nun aufgegriffen wurde. Man geht wohl davon, dass ohne Trophäenjagd ein Großteil der Einnahmen für diese Menschen dort weg fällt und das eben die Konsequenz das rigorose Abschießen zur Eigennutzung wäre. Damit würde der gesamte Tourismus - und somit dann vielleicht die +- 7000 Arbeitsplätze - in den Gebieten wegfallen. Keine Elefanten im Kaokoveld mehr, kein Tourismus mehr!

Aber wie es auch sei. Wir werden die Auswirkungen (oder eben nicht) dann ja sehen (hoffentlich gibt es keine negativen in jeglicher Hinsicht) Ich bin ja auch keineswegs davon überzeugt, dass nun ein generelles Verbot von Elfenbeinhandel oder die Jagd auf Elefant & Nashorn irgendwas grundsätzlich ändert; weder bei den Conservancy-Einnahmen noch beim Druck durch Wilderei.

Viele Grüße
Christian
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
2'664 Beiträge · seit 201226. Sept. 2016 · #16
I am beaten von solchen Wahnsinnszahlen:
Im Mai vorigen Jahres haben wir in der gesamten Kunene-Region vielleicht ganze zehn Springböcke gesehen, genauso viele Zebras und vielleicht 5 Oryx, und die sind weggerannt wie Irre. Keine Elefanten. Wohl Massenabknallerei die da statt findet..... Da ist kein Wild mehr, und der Jagdverband scheint die Politiker mit Nasenring durch die Arena führen zu können aufgrund Inkompetenz.
zuletzt bearbeitet 26. Sept. 2016
Gast26. Sept. 2016 · #17
Hallo Christian,
travelNAMIBIA schrieb:Ich finde aber grundsätzlich, dass man sich nicht einfach Statistiken raussuchen sollte, die einem passen und andere als falsch abtut. Wer sagt einem, dass NACSO irgendwie den besseren Durchblick hat als Andere (z.B. NAPHA etc)? Ob irgendeine richtig oder falsch ist, kann ich (kannst Du es?) als Außenstehende und Nicht-Experte kaum beurteilen.
Was die Gesamtheit der Conservancies anbetrifft ist wohl niemand in Namibia näher an den Conservancies als NACSO. NACSO auditiert die Conservancies schließlich jährlich. NAPHA nicht. Und NACSO ist einzig und allein dazu da, die Conservancies zu unterstützen und das Conservancy-Modell zu promoten. Die bemühen sich ungemein die Vorteile des Conservancy-Modells heraus zu arbeiten. NACSO unterstützt die Trophäenjagd in den Conservancies. Erkläre mir mal logisch, welches Motiv die haben sollten, die Benefits der Trophäenjagds klein zu reden?

Welches Motiv NAPHA hat, die Trophäenjagd als die wichtigste segensreichste Naturschutzmaßnahme überhaupt darzustellen, liegt auf der Hand.
travelNAMIBIA schrieb:Das mit den Jobs ist sicherlich eine Auslegung der Statistiken durch den Umweltminister 😉 NACSO spricht 2013 von "community conservation facilitated 6,472 jobs in 2013"
Das ist keine "Auslegung" sondern Schwachsinn. Die Zahlen sind im NACSO-Report doch aufgeschlüsselt, da muss man nicht "auslegen". Wenn 961 Menschen in den Conservancies mit der Herstellung und dem Verkauf von Schnitzereien, Ketten usw. beschäftigt sind, die sie an Touris verkaufen, hat dann die Trophäenjagd die Jobs geschaffen? Wenn 938 in Lodges und Campsites in den Conservances arbeiten, hat dann die Trophäenjagd diese Jobs geschaffen? Ja vielleicht sind 1% der Übernachtungsgäste Jäger, aber das ist dann nicht maßgeblich.

Zu welcher Politik soll es denn führen, wenn ein Umweltminister ständig völlig falsche Zahlen und Angaben verbreitet und aufgrund dieser Falschangaben seine Entscheidungen fällt? Der Herr Umwelt- und Tourismusminister hat auch vor der Presse erzählt, dass die KORA-Awards 700 Millionen Menschen gucken würden und das eine tolle Werbemöglichkeit für den Tourismus in Namibia wäre. Das NTB hat daraufhin sein Jahresbudget zum Fenster rausgeworfen. Der nette Herr Shifeta spricht einfach alles nach, was ihm Lobbyisten vorlegen. Eigenes Denken scheint nicht so die Stärke zu sein.
travelNAMIBIA schrieb:Beispiel: Die NACSO-Wildtierzählung geht von bis zu 136.000 Springböcken (Juni 2016) in der Region Kunene aus. MET (und der subjektive Eindruck vieler) sagt, dass der Bestand aufrund von Wilderei deutlich abnimmt. Laut NACSO ist dies gegenüber 2015 jedoch ein Zuwachs von etwa 90% (was Nachwuchstechnisch kaum möglich erscheint). Wem wollen wir in dem Fall glauben?
Ich kann das logischerweise nicht prüfen, finde die NACSO-Zahlen für das Kaokoveld aber plausibel. Sie zeigen bei Springböcken einen Anstieg von 82% gegenüber dem Vorjahr, liegen aber trotzdem immer noch deutlich unter den Werten früherer Jahre. Der Anstieg um 82% ist plausibel. Im nördlichen Bereich des Kaokoveld gab es extremen Regen. Marienfluss- und Hartmannsstal haben Weide wie seit vielen Jahren nicht mehr. Das wir da dieses Jahr Springbokherden mit 200 Tieren gesehen habe, hatte ich ich hier im April schon geschrieben. Ist natürlich nicht repräsentativ, passt aber ins Bild. Ansonsten geht die Kunene-Region bis 50km östlich von Outjo und umfasst viel privates Farmland. Das Kaokoveld macht nur ca. 10% der Fläche der Kunene-Region aus. Zum Rest weiß ich wenig und kann da nichts sagen.

Beste Grüße

Guido
Gast30. Sept. 2016 · #18
Hallo,

erneut etwas zu falschen Zahlen vom Umweltministerium:
Anscheinend hat das namibische Umweltministerium falsche (zu niedrige) Zahlen hinsichtlich Nashorn-Wilderei an die gerade laufende 17. CITES-Konferenz gemeldet. Aus offiziellen CITES-Dokumenten (erstellt am 27.07., geändert. am 15.09.2016) geht hervor, dass Namibia für 2015 90 gewilderte Nashörner an CITES gemeldet hat. Gegenüber der staatlichen Zeitung NewEra hat der Umweltminister selbst am 04. August 2016 die Zahl von 125 gewilderten Nashörnern für Januar bis Dezember 2015 genannt.
https://cites.org/sites/default/files/eng/cop/17/WorkingDocs/E-CoP17-68-A5.pdf
https://www.newera.com.na/2016/08/04/125-rhinos-poached-year/

Ich kenne die Gründe für die unterschiedlichen Zahlen nicht. Spontan fallen mir als potentielle Ursachen ein: Mal wieder Unfähigkeit beim MET. Oder man will mit manipulierten Zahlen sicher stellen, dass man weiter Quoten für die Nashorn-Trophäenjagd bekommt. Vielleicht gibt es ja noch einen anderen Grund, aber die namibische Presse hakt bei so etwas ja nicht nach 🙁.

Bezüglich des Elfenbeinhandels: Namibia feiert sich immer für seine Erfolge und nennt aktuell eine Elefantenpopulation von ca. 22.000 - davon der größte Teil im Caprivi. Im Rahmen des Great Elephant Census hätte Namibia die Möglichkeit gehabt, seine Elefantenpopulation unabhängig aus der Luft zählen zu lassen. Das ist sehr teuer, hätte Namibia dieses Mal aber keinen Cent gekostet (finanziert von Microsoft-Milliardär Paul Allen). Das hat Namibia nicht gewollt und die Zusammenarbeit verweigert - anders als Botswana, Zambia, usw.. Warum?

Beste Grüße

Guido
zuletzt bearbeitet 30. Sept. 2016
33,1k Beiträge · seit 200630. Sept. 2016 · #19
Hi Guido,

das Zählproblem (also bei den gewilderten Nashörnern) zieht sich vom MET durch alle Medien. Der Namibian sprach vor wenigen Tagen von 127 in 2015 (201 seit 2011) unter Berufung auf MET: http://www.namibian.com.na/45958/read/Poaching-could-wipe-out-rhino-population
Bezüglich des Elfenbeinhandels: Namibia feiert sich immer für seine Erfolge und nennt aktuell eine Elefantenpopulation von ca. 22.000 - davon der größte Teil im Caprivi.
Als aktuelle Zahl laut IUCN werden sogar 30.000 Elefanten angegeben. Ist natürlich auch immer der Zeitpunkt der Bestandsaufnahme, da diese ja relativ offen zwischen Sambia, Namibia, Botswana etc. umherziehen. Der Great Elephant Census - an dem Namibia wie gesagt nicht teilgenommen hat - geht übrigens von 23.000 geschätzten Tieren in Namibia aus.

Beste Grüße
Christian

P.S. Heute ist ein Kommentar dazu im Namibian: http://www.namibian.com.na/46173/read/If-illegal-trade-is-a-crisis-make-it-legal
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
zuletzt bearbeitet 30. Sept. 2016
Gast30. Sept. 2016 · #20
Hallo,
travelNAMIBIA schrieb:das Zählproblem (also bei den gewilderten Nashörnern) zieht sich vom MET durch alle Medien. Der Namibian sprach vor wenigen Tagen von 127 in 2015 (201 seit 2011) unter Berufung auf MET:
Das ist auch nicht optimal, aber der Unterschied zwischen 125 und 127 ist nicht groß. Der Unterschied zwischen 90 und 125 ist dagegen groß - fast 40%. Und es ist eben nicht so, dass das CITES-Dokument schon 1 Jahr alt ist und ggf. einfach veraltete Zahlen enthält.
travelNAMIBIA schrieb:Der Great Elephant Census - an dem Namibia wie gesagt nicht teilgenommen hat - geht übrigens von 23.000 geschätzten Tieren in Namibia aus.
Ja, aber die Zahl hat GEC vom MET übernommen. Das MET ist für genau keine Zahlenangabe eine vertrauenswürdige Quelle und insofern ist das in keinster Weise eine Bestätigung für Angaben des MET. Die Frage wäre ja schon, ob das MET etwas zu verheimlichen hat und deshalb keine vom MET komplett unabhängige Elefantenzählung wollte?

Das macht für die Tiere ad hoc zwar keinen Unterschied, aber mich würde ja noch interessieren, ob all diese Dinge beim MET aus Unfähigkeit passieren oder weil der ganze Laden von Korruption und Leuten mit eigenen Interessen an der Trophäenjagd durchsetzt ist?

Beste Grüße

Guido