Abbau von Marinedenkmal in Swakopmund gefordert

15 Antworten · 3'550 Aufrufe · gestartet 25. Juli 2015 von Okavango
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Themenstarter118 Beiträge · seit 200625. Juli 2015 · #1
So kann man einen Tourismusstandort demontieren. Demnächst folgt dann wahrscheinlich das Kaiserliche Bezirksgericht und der Leuchtturm.

Fraglich, ob sich irgend ein Deutscher oder Tourist aus anderen Ländern der Welt auf den weiten Weg machen würde, um die Nachfolge-"Denkmäler" aus Nordkorea zu betrachten.

Es ist eigentlich keine Überraschung mehr. Ich traue der politischen Führung in Swakopmund aber noch so viel Sachverstand zu, dass sie dieser Forderung nicht nachkommt. Aber wie man am Reiterdenkmal sieht: Nichts ist unmöglich!

Allgemeine Zeitung

Viele liebe Grüße
zuletzt bearbeitet 25. Juli 2015
5'538 Beiträge · seit 200825. Juli 2015 · #2
Hallo Okavango,

nur ein ganz kurzes Statement von mir. Ich staune ja immer wieder, welche Relikte es aus Kaiserszeit noch in Namibia gibt, die ich als Einheimischer - egal ob schwarz, weiß, gelb oder gründ - schon lange abgebaut hätte. Das hat nichts mit Rassismus oder "Schuld"-Eingeständnis zu tun. Aber jede Zeit hat(te) ihre Helden und solche Denkmäler wurden und werden überall ausgetauscht. Warum nicht auch in Namibia? Es ist deren Land und sie sollen entscheiden - nicht wir.

Für mich ist das kein Grund für Diskussionen, die ja leider sehr schnell emotional werden.

Liebe Grüße
Gerd
284 Beiträge · seit 201425. Juli 2015 · #3
Okavango schrieb:
Fraglich, ob sich irgend ein Deutscher oder Tourist aus anderen Ländern der Welt auf den weiten Weg machen würde, um die Nachfolge-"Denkmäler" aus Nordkorea zu betrachten.
Glaubst du wirklich, dass Touristen wegen irgendwelchen veralteten deutschen Denkmälern nach Namibia fahren? Die werden vielleicht mitgenommen wenn man eh da ist aber deswegen einfahren? Da gibt es doch wesentlich interessanteres zu sehen. Ich war schon in Swakopmund, aber das Marinedenkmal kannte ich nicht und selbst wenn hätte ichs mir nicht angesehen.
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5'479 Beiträge · seit 200927. Juli 2015 · #4
Ich war schon mehrfach in Swakopmund. Hat mir immer sehr gut gefallen, obwohl ich bislang gar nicht wusste, dass es dort solch eine herausragende Touristen-Attraktion gibt. 😎
Unser Reise-Blog: KaTho_VanTour Staub & Schlamm (Kenia 21/22) 7 Wochen in der Regenzeit !? (NAM/BOT 18/19) Leoparden hautnah (Tansania 2016/2017) Elefantös - Zimbabwe 2016 Auf Großer Fahrt (Reisebericht SA-NAM-BOT-ZIM 2014/2015) Rivers & Sand (Reisebericht Namibia/Botswana 2013) Reisebericht Tansania 2013: "Das volle Programm"
Themenstarter118 Beiträge · seit 200628. Juli 2015 · #5
_Matthias_ schrieb:
Glaubst du wirklich, dass Touristen wegen irgendwelchen veralteten deutschen Denkmälern nach Namibia fahren? Die werden vielleicht mitgenommen wenn man eh da ist aber deswegen einfahren? Da gibt es doch wesentlich interessanteres zu sehen. Ich war schon in Swakopmund, aber das Marinedenkmal kannte ich nicht und selbst wenn hätte ichs mir nicht angesehen.
Das hängt wohl vom persönlichen Geschmack ab. Ich fahre unter anderem nach Namibia, weil man dort Geschichte in ziemlich lebendiger Form erleben kann. Vielen anderen geht es genauso, wie ich im Bekanntenkreis sowie bei Bekanntschaften, die sich auf Reisen immer mal wieder ergeben haben, erfahren durfte. Ich gehe auch davon aus, dass dies einem großen Teil der deutschen Touristen so geht, denn was Landschaft und Tierwelt angeht, gäbe es sonst durchaus gleichwertige, wenn auch nicht identische, Reisealternativen.

Seit wann kann ein Denkmal veraltet sein? Diesen Satz verstehe ich nicht.

Sicherlich wird niemand eine Reise absagen, wenn EIN Denkmal demontiert wurde. Betrachtet man aber die Äußerungen und Handlungen der politischen Führung in Namibia, so hat man den Eindruck, dass es dort darum geht, sämtliche Erinnerungen an alles vor 1990 aus dem Straßenbild zu verbannen. Und dies verändert sehr wohl den Charakter einer Stadt und ggf. auch eines ganzen Landes. Ich persönlich würde dann davon Abstand nehmen, mein Geld nach Namibia zu tragen, um die örtlichen Machthaber bei der Durchsetzung ihres "Wahrheits"anspruches nicht zu alimentieren.


Viele Grüße
5'538 Beiträge · seit 200828. Juli 2015 · #6
Hallo Okavango,

wann warst Du das letzte Mal in den ehemaligen Ostblockstaaten? Vor allen Dingen in denen, die jetzt zur EU gehören. Was findest Du dort noch an "Erinnerungen" und Denkmälern aus der Leninzeit? Denn so lange bzw. noch länger ist das mit den deutschen Denkmälern her. Es dreht sich nun einmal nicht alles um uns und "unsere" Geschichte und darum wie wir sie sehen.

Liebe Grüße
Gerd
Themenstarter118 Beiträge · seit 200628. Juli 2015 · #7
Lieber Gerd,

der Unterschied zwischen den Ostblockstaaten und Namibia ist folgender:

Die kommunistischen Regierungen haben eine bestehende Infrastruktur übernommen, teilweise erneuert, im Großen Stil verfallen lassen, und durch ihre Denkmäler ergänzt. Diese machten aber nicht den Charakter der viel älteren Städte mit ihrer uralten Geschichte aus, siehe zum Beispiel Prag oder auch Krakau.

Unter anderem Windhuk und Swakopmund sind in ihrem historischen Kern überwiegend von Deutschen erbaut worden und dies spiegelt sich auch im Stadtbild unverkennbar wieder. Dazu gehören auch die Denkmäler in ihrer Gesamtheit. Sie geben der jeweiligen Stadt ihr Gesicht. Das Marinedenkmal steht an ziemlich prominenter Stelle. Ich bin sicher, dass Ihr jedenfalls dort gewesen seid. Auch der Südwestreiter war schon immer das Wahrzeichen der Stadt.

Wie gesagt, bisher sind es Fragmente, die der Stadt aus dem Herzen gerissen wurden. Ich befürchte jedoch aufgrund der Aussagen der Politik in Namibia, dass es langfristig beabsichtigt ist, die Vergangenheit regelrecht auszulöschen. Ob man dort inzwischen in der Lage ist, ähnlich Beständiges und Unverwechselbares zu schaffen, darf bezweifelt werden. Anders ist es nicht zu erklären, dass Nordkoreaner selbst zum Bau von (sachlich unzutreffenden) in Stein gemeißelten Abbildungen herangezogen werden.

Viele liebe Grüße
33,1k Beiträge · seit 200628. Juli 2015 · #8
Hi Okavango,
Ich befürchte jedoch aufgrund der Aussagen der Politik in Namibia, dass es langfristig beabsichtigt ist, die Vergangenheit regelrecht auszulöschen.
beim Marinedenkmal ist doch noch gar nichts passiert und zudem, anders als beim Reiter in Windhoek, ist diesmal nicht die Regierung an dem Abbau interessiert, sondern ein paar "halbstarke Lobbyisten". Der Bürgermeister hat sich gerade vergangene Woche, im Rahmen der Vorstellung der neuen Tourismusstrategie für Swakopmund, für den Erhalt des Stadtkerns ausgesprochen. Im übrigen ist in Swakopmund, anders als in Windhoek, das Gesamtaussehen des Stadtkerns geschützt (was Formen, Farben, Abriss etc von Gebäuden, Denkmälern etc. angeht).

Viele Grüße aus dem windig-kühlen Windhoek
Christian
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Themenstarter118 Beiträge · seit 200628. Juli 2015 · #9
Hallo Christian,

diese Nachrichten sind nicht bis zu mir durchgedrungen, freuen mich aber. Vielen Dank für die Information!


Viele liebe Grüße
zuletzt bearbeitet 28. Juli 2015
284 Beiträge · seit 201429. Juli 2015 · #10
Okavango schrieb:
Ich befürchte jedoch aufgrund der Aussagen der Politik in Namibia, dass es langfristig beabsichtigt ist, die Vergangenheit regelrecht auszulöschen.
Könnte eventuell daran liegen, dass die Namibier den Teil der Vergangenheit nicht so toll fanden und finden. Irgendwie finde ich das verständlich, ich würde auch kein Denkmal für Leute wollen, die meine Vorfahren unterdrückt und massakriert haben. Auf der einen Seite wird Verständnis erwartet für ein Denkmal für die getöteten Kolonialisten, andererseits gibts kein Verständnis für ein Denkmal der getöteten Einheimischen. Versteht ich nicht.

Und das Denkmal ist ganz offensichtlich deswegen veraltet, weil es von fast der gesamten namibischen Bevölkerung als nicht als gedenkenswert eingestuft wird.

Ich glaube nach wie vor, dass der Großteil der deutschen Touristen nicht wegen Denkmälern nach Namibia fährt, andere Touristen sowieso nicht. Auch hier im Forum sind die wenigsten Tipps für Swakopmund in der Form " du muss dir unbedingt das Marinedenkmal anschauen". Wie gesagt, als ich dort war hab ichs vielleicht gesehen, aber weder wahrgenommen und schon gar nicht fotografiert.
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18 Beiträge · seit 201429. Juli 2015 · #11
Hallo Okavango,
das Auftreten einiger Touristen, die sich gerne das Marinedenkmal ansehen, scheint ebenfalls ein Teil des Problems zu sein:
“I have been a resident for long in Swakopmund and through the years I have seen people, especially tourists, coming and taking pictures at the monument. And watching how excited they are when they do this made me realise that this monument is mocking Namibians.”
(Quelle: https://www.newera.com.na/2015/07/17/coastal-activists-call-removal-marine-denkmal/)
Das sagt Laidlaw Peringanda, Intitiator der Aktion „Operation back 2 Germany“, der auch meint: “Where is the Berlin Wall? It is gone because it represented the ugly and brutal past. We should also be allowed to remove whatever reminds us of the painful past of colonial conquest and genocide.”
In diesem Interview setzt er sich übrigens keineswegs dafür ein, alle Spuren deutscher Lokal-Geschichte zu tilgen.
Sollte aber das Marinedenkmal tatsächlich „back2Germany“ geschickt werden, dann kann ich nur sagen: Ich möchte in meiner Stadt kein Denkmal für Soldaten, die planmäßig Menschen in der Wüste verdursten ließen.

Schöne Grüße aus Berlin
5'538 Beiträge · seit 200829. Juli 2015 · #12
Lieber Okavango,

Dazu gehören auch die Denkmäler in ihrer Gesamtheit.

nein, das gehören sie genau so wenig wie das Stalin-Denkmal heute noch nach Berlin gehören würde, hätte man es nicht abgerissen. Ich habe es in meiner ersten Post zu diesem Thema offensichtlich nicht deutlich genug zum Ausdruck gebracht. Ich habe ja gar nichts gegen dieses und viele andere Denkmäler aus der Schutztruppenzeit. Und ich bin auch kein Verfechter der Falschbehauptung, dass nur die Deutschen an den blutigen Ereignissen vor über 110 Jahren schuld sind, sondern ich empfehle allen Leuten, sich

1. den zweiten Teil dieses Befehls an die deutsche Truppenangehörigen zu lesen und
2. sich daran zu erinnern, dass Berlin damals diesen Befehl sofort widerrufen hat. Aber da waren die mit der Kommunikation nicht so schnell wie heute und als der kaiserliche Widerruf kam, war es zu spät.

Ich weiß, ich bin jetzt wieder weit abgeschweift, aber ich möchte Dir damit nur verdeutlichen, dass ich kein Idealist bin, der alles Deutsche in Afrika beschönigt oder verteufelt. Ansonsten gebe ich Dir Recht, dass die Deutschen seinerzeit erst eine Infrastruktur aufgebaut haben und dass diese noch bemerkenswert gut funktioniert. Das nehme ich auch gerne und oft zur Kenntnis, wenn ich in Namibia bin.

Und gerade deshalb kann ich nicht verstehen, dass die über 90-%ige Mehrheit der jetzigen namibischen Bevölkerung diese Denkmäler und Gedenktafeln bis heute stehen gelasssen hat. Im ehemaligen Ostblock hat das nicht so lange gedauert.

Liebe Grüße und hab bitte Verständnis, dass ich für mich den Post schließe. Sonst führen wir wieder eine Endlosdiskussion, denn unser Problem scheint mir zu sein, dass wir unterschiedliche Standpunkte haben. Und bekanntlich kommt man dann nie zu einer Einigung, wenn keiner seinen Standpunkt verlässt.

Liebe Grüße
Gerd
54 Beiträge · seit 201529. Juli 2015 · #13
Guten Tag,
Gerd1942 schrieb:wann warst Du das letzte Mal in den ehemaligen Ostblockstaaten? Vor allen Dingen in denen, die jetzt zur EU gehören. Was findest Du dort noch an "Erinnerungen" und Denkmälern aus der Leninzeit? Denn so lange bzw. noch länger ist das mit den deutschen Denkmälern her.
Das ist wieder die Sache mit den Äpfeln und Birnen...

Es geht nicht um eine Statue von General von Trotha oder dem deutschen Kaiser. Du vergleichst Monumente, die ausschließlich dem Personenkult um historisch fragwürdig Personen dienen, mit einem Denkmal zum Gedenken an gefallene Soldaten. Das ist eine ganz andere Kategorie.

Und fahr mal wirklich durch den Osten Deutschlands. Die Leninstatuen sind weg, ja. Aber da stehen noch jede Menge Denkmäler zum Gedenken an die sowjetischen Soldaten, die bei der Befreiung Deutschlands gefallen sind. Denkmäler mit einem feuerroten Sowjetstern oben drauf. Der Sowjet-dominierte Sozialismus ist seit 25 Jahren in Europa vorbei. Und die sowjetischen Soldaten waren mitnichten nur die Helden, sondern haben auch massenweise Frauen in Deutschland vergewaltigt. Trotzdem ist man anscheinend nicht überall kleingeistig genug, diese Denkmäler in Deutschland weg zu reißen. Selbst der historisch stark belastete Sowjetstern darf teilweise bleiben. Das ist auch gut so. Das alles gehört zur Geschichte Deutschlands und den gefallenen Soldaten darf man durchaus Gedenken, auch wenn es rund um diese Soldaten auch negative Aspekte gibt und man Russland gegenüber heute eher negativ eingestellt ist.

Für den Tourismus in Namibia spielt das Denkmal keine Rolle. Da muss man jetzt nicht fabulieren. Der kriminelle Abriss des weit bedeutendere Reiterdenkmals in Windhoek hat auch keine negativen Folgen für den Tourismus gehabt.

Gruß

Martin
33,1k Beiträge · seit 200629. Juli 2015 · #14
Hallo Okavango,

vielleicht beruhigt Dich dieses:
https://www.az.com.na/lokales/tausch-denkmal-f-r-sch-del.426178

Grüße aus dem heute sehr windigen Windhoek
Christian
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
16,9k Beiträge · seit 201230. Juli 2015 · #15
Heute schon die Suchfunktion genutzt? 🤪
zuletzt bearbeitet 26. Juni 2026