ftl53Themenstarter47 Beiträge · seit 201410. Juli 2015 · #1
Ich fahre seit 2000 oft alleine durch das südliche Afrika ( ein Auto, eine Person) und geniesse es. Bei mir geht es von Kapstadt aus nach Angola, ZAM, ZIM oder MOZ, da ich mein Auto via Carnet hier her gebracht habe. Kaokoveld, Gonarezhou, Botswana Pans fahre ich oft alleine. Sobald es geht, bin ich auf Gravel unterwegs, nach 4-5 Tagen Bushcamp geniesse ich jedoch eine heisse Dusche in einer Lodge oder Campsite. Ich erlebe Begegnungen mit Menschen völlig anders, als wenn ich zu zweit oder mit mehreren unterwegs bin. Mich würde ein Erfahrungsaustausch interessieren, bin mir aber nicht sicher, ob das ein Thema für das Forum oder eher für pm' s geeignet ist. Ich freue mich auf Eure Meinungen.
Gruß
Rene
BikeAfrica7'296 Beiträge · seit 200610. Juli 2015 · #2
Hallo Rene,
ftl53 schrieb:Ich erlebe Begegnungen mit Menschen völlig anders, als wenn ich zu zweit oder mit mehreren unterwegs bin. Mich würde ein Erfahrungsaustausch interessieren, bin mir aber nicht sicher, ob das ein Thema für das Forum oder eher für pm' s geeignet ist. Ich freue mich auf Eure Meinungen.
Deine Erfahrungen sind meines Erachtens ganz normal. Als Alleinreisender bist Du einerseits "gezwungen", selbst mehr auf die Leute zuzugehen, wenn Du nicht die ganze Zeit alleine verbringen willst und andererseits ist die Hemmschwelle der Einheimischen niedriger, mal irgendwo auf einen Einzelnen zuzugehen als auf eine Gruppe.
Als Radfahrer ohne Auto drum herum und mit viel langsamerer Geschwindigkeit erlebe ich das noch viel intensiver. Da strecken die Menschen die Hand raus zum Abklatschen während der Fahrt oder man wird vom am Straßenrand sitzenden Menschen oder überholenden Autofahrern spontan zum Essen oder Übernachten eingeladen. Dafür kann man sich ja entsprechend revanchieren.
Ich reise maximal zu zweit, damit dieser Kontakt zur Bevölkerung nicht verloren geht und gehe gerne in sehr einfache Lokale, von denen ich denke, dass Weiße dort normalerweise nicht hingehen. Da finden sich auch die interessantesten Gespräche ...
Gruß Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
ftl53Themenstarter47 Beiträge · seit 201410. Juli 2015 · #3
Jeep und Danke für die Antwort.
Gruss
Rene
lilytrotter4'129 Beiträge · seit 200810. Juli 2015 · #4
Wir fahren eigentlich immer allein (dieses Jahr das erste Mal seit 15 Jahren wieder mal mit Freunden). Allerdings sind wir auch entsprechend ausgerüstet und haben die entsprechenden Kenntnisse. Wir gehen immer nur soweit, wie es unserem persönlichen Sicherheitsbedürfnis entspricht. Man muss ja auch an Notfälle denken. Diese Grenzen sind immer wieder neu zu stecken, je nach Situation. Bei extremen Touren tut man sich zu Zweckgemeinschaften zusammen. Das kann eine Bereicherung oder auch manchmal völlig daneben sein... - das muss man dann unter Erfahrungen abhaken...
Weiterhin viel Spaß beim Reisen Gruß von lilytrotter
Ach, ich seh grad, du meinst ganz allein, eine Person
nee, wir reisen immer allein zu zweien...
aber nun lass ich es trotzdem stehen
Gruß lilytrotter
Always look on the bright side of life... :-)
Walvisbay boomt
reisetiger281 Beiträge · seit 201410. Juli 2015 · #5
Ich selber habe mich bisher noch nicht getraut ganz alleine durch Namibia zu reisen. Aber auf meiner letzten Reise haben wir drei Alleinreisende getroffen, mit denen wir sehr schnell in Kontakt kamen. "Wir" sind kein Ehepaar, sondern zwei Kumpels, die gerne zusammen reisen meist per Segelboot und seit neuestem per Hilux durch NAM 😄
Es war eine junge Frau (nach dem Studium und vor dem Berufseinstieg) die mit Dachzelt unterwegs war und Freunde und Verwandte besucht hat, aber vorher noch nicht alleine in NAM unterwegs war.
Es war ein Student, der nach seiner Studienarbeit in SA sich einen einfachen Pritschen-PKW mit "Glas" Canopy gemietet, die Scheiben mit Packpapier zugeklebt und eine Matratze auf die "Ladefläche" gelegt hatte. Wir haben zwei Tage etwas gemeinsam unternommen.
Es war ein Organist aus der Nähe von Wolfsburg. Er ist in einem ganz kleinen Auto von Kapstadt bis zur Etoschapfanne gefahren und hat auf dem Beifahrersitz geschlafen. Er hat uns in einem Cafe in Lüderitz angesprochen, um in unserem roten Reiseführer zu lesen. Wir haben ihn später im Sossusvlei wiedergesehen und einen Abend verquatscht.
Ich hatte auf dieser Reise mehr Begegnungen und Gespräche mit Einheimischen, als auf den Reisen mit der Familie meiner Schwester, da "wir" uns oftmals auch alleine und autark bewegen und wohl so auch wahrgenommen werden, zudem hat man als Camper schon alleine durch die Einkäufe und dem Urlaubsstil mehr Kontakt zu Einheimischen, als der klassische Lodgereisende. Ich habe ein riesen Problem mit Bettlern und bin aufgrund der Campingreise in diesem Punkt selbstsicherer geworden.
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carpe diem
Burschi4'140 Beiträge · seit 200910. Juli 2015 · #6
Hallo Rene, ich bin jahrelang allein in Namibia unterwegs gewesen. Richtig, aus dieser Zeit hatte ich viele Begegnungen und habe Freunde kennen gelernt, mit denen ich bis heute in Kontakt bin. Dann meinte meine Frau, doch auch mitfahren zu müssen, da man einen älteren Mann nicht alleine fahren lassen kann. Dabei ist sie auch auf den Geschmack gekommen und ist jetzt immer dabei. Aber ehrlich: Manchmal vermisse ich die selbstgewählte Einsamkeit, vor allem auch den Vorteil kurz vor Sonnenaufgang aufstehen zu können und loszuziehen, was nun nicht mehr so gut funktioniert. Auch die Geduld am Wasserloch oder bei der Vogelbeobachtung ist bei meiner Frau nicht so groß. Außerdem ist das Reisen teurer geworden, nicht nur, weil ich zu zweit unterwegs bin, sondern auch, weil nun fast immer Lodges angesteuert werden. Camping ist nun passe. Aber natürlich hat das zu Zweit Fahren auch Vorteile, die ich auch genieße, besonders wenn man längere Strecken fährt oder in größeren Städten unterwegs ist. Genieße es allein zu fahren, solange du kannst! 😉 Gruß: Burschi
In Afrika war ich bisher immer alleine mit einem Mietwagen unterwegs. Zweimal in Namibia und eben zurück aus Uganda. Namibia war völlig stressfrei, in Uganda hatte ich einige Male meine Zweifel, ob dies die richtige Entscheidung war, alleine zu fahren. Namibia ist sicherlich touristischer und man trifft (auch auf der Straße) immer wieder Tourifahrzeuge (außer man fährt an die angolanische Grenze hoch). In Uganda war ich oft über viele, viele Kilometer der einzige Weiße und aufgrund der Witterungsverhältnisse waren die Straßen teilweise wie Schmierseife und ich hatte im wahrsten Sinne des Wortes alle Hände zutun um auf der Fahrbahn zu bleiben. Soweit ist alles gut gegangen aber im Falle einer Panne, eines Unfalles oder sonstigen Ereignisses kommt man alleine schnell an seine Grenzen, ganz abgesehen vom Sicherheitsaspekt. Sicherlich wenn man zu zweit fährt ist man vor einem Überfall auch nicht gefeit aber alleine scheint mir die Hemmschwelle für dunkle Gestalten schon niedriger. Wobei ich betonen möchte, ich hatte nirgends Probleme oder das Gefühl nicht sicher zu sein, man braucht eben auch ein wenig Glück.
Der wesentliche Vorteil des Alleinreisen ist eben, dass ich machen kann was ich will, ob ich nun zwei Stunden in einem NP umherfahre oder 6 Stunden und ob ich 100 mal stehen bleibe oder nicht, wen juckts. Mit Fahrer oder dann eben in einer organisierten Tours muss man immer Kompromisse eingehen und steht oft unter Zeitdruck. Leute hab ich auch stets kennengelernt und sehr nette Gespräche geführt, egal ob mit Einheimischen oder anderen Touris.
Wenn du mich fragst, ob ich nochmal alleine fahren würde - Uganda wohl nicht mehr. Namibia sehr wohl! Aber dies sind eben nur meine ganz persönlichen Erfahrungen.
LG Peter
Rodrigo1'125 Beiträge · seit 200610. Juli 2015 · #8
Hallo, guten Nachmittag, René, ich denke, es ist eine Frage des Lebensabschnitts, in dem man sich befindet. Ich war, ich habe nachgezählt, bis jetzt 32x im südl. Afrika. Die Hälfte davon habe ich absolut alleine absolviert. Ich habe in meinem LR (s. Avatar) übernachtet und gelebt. Was ich seit den 80erJahren gemacht habe, würde ich mich heute nicht mehr trauen. Sind es die geänderten Verhältnisse oder mein Lebensalter? Ich weiß es nicht. Alleine oder nicht? Die intensivsten Erlebnisse gab es immer während der Solo-Reisen. Wenn Du auf einer Düne sitzt und aus dem Sandgeklingel Mozart hörst, magst Du nicht die Frage, ob man sich ein Steak besorgen solle. Ich übertreibe, ich weiß. Andererseits. Seine Erlebnisse und Empfindungen mit jemandem teilen zu können und darüber zu reden, das ist sehr, sehr viel wert . Ich habe die Einsamkeit genossen, aber jetzt sind mir andere Dinge wichtig. Und Du wirst Dich bestimmt nach den Bedürfnissen Deines Lebensalters richten. Genieße. Rodrigo
Omnia vincit amor
Berg-Eule2'060 Beiträge · seit 201310. Juli 2015 · #9
Hallo allgemein,
ich kann es schon verstehen, wenn man sagt, man kann die Natur am besten allein genießen. Zum einen hat nicht jeder einen Partner, zum anderen scheinen manche nicht so gut geeignet zu sein für derartige Erlebnisse.
Doch so ganz unterschwellig habe ich das Gefühl, dass die Partnerinnen hier nicht so gut wegkommen. 😉 Für meinen Mann und mich war es jedenfalls immer wunderbar, Erlebnisse der Stille und Weite wie Dünen, Grootbergpass, Etambura, Etosha-Pfanne, ... gemeinsam zu genießen.
Man schaut, staunt, schweigt, lehnt sich vielleicht mal kurz aneinander oder hat einen kleinen Blickkontakt. Jeder weiß, was der andere denkt und fühlt, es bedarf keiner Worte. Geteilte Freude ist doppelte Freude - heißt es.
Vielleicht sollte ich mich mal als ideale Reisepartnerin verdingen - ich frage garantiert nicht nach einem Steak! 😄
Liebe Grüße von Gabriele
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Jeder Augenblick ist von unendlichem Wert. (Seneca)
Tomcat1'155 Beiträge · seit 200610. Juli 2015 · #10
...alleine sein ist ein Menschenrecht...! ... bin auch heute in "Halbgefangenschaft" lebend 😄 .. immer wieder einmal alleine unterwegs...in Asien irgendwo in der Pampa untertauchen, in Paris oder eine Woche irgendwo im Busch...ich der Wein, die Zigarre und das Feuer...kein Stress mit irgendetwas...
Früher war ich monatelang alleine irgendwo in Asien, Australien oder Afrika unterwegs...aber ganz" alleine" ist man ja dort auch nicht immer... 😎
Hallo Rene, seit ich 2013 zum ersten Mal ganz allein durch Namibia gefahren bin, von Campsite zu Campsite, bin ich zur Wiederholungstäterin geworden. Es ist unglaublich spannend und entspannend allein durch dieses herrliche Land zu reisen. In diesem Jahr war ich wieder so was von allein und konnte manchmal kaum aushalten. Dann fahre ich auch mal auf eine Lodge zum Lunch oder Dinner und verziehe mich wieder in meine Einsamkeit wenn ich genug habe. Diese Erfahrung allein durch Namibia zu reisen und im letzten Jahr auch allein in Südafrika unterwegs zu sein, möchte ich nicht missen. Als allein reisende Frau bin ich aber auch ganz besonders vorsichtig und meide alles was mir nicht geheuer erscheint. Ich wechsle da auch schon mal die Campsite, wenn ich dort ein ungutes Gefühl habe. Nächstes Jahr toure ich zu dritt durch Namibia. Da bin ich gespannt wie das dann sein wird. 😄