11. Tag (Di. 30.12.2014)
Namib Desert
95kmGeweckt werde ich durch die Schreie eines Schakals direkt neben unserem Zelt. Nach dem Aufstehen sehe ich auch gleich seine frischen Spuren.
Hier in der Wüste beginnt der Tag immer mit einem netten Spaziergang und einem kleinen romantischen Lagerfeuer.
😗 😎
Gegen 8:00Uhr steht das Frühstück bereit und um 9:00Uhr brechen wir auf. Dies werden die üblichen Zeiten auf der gesamten Tour sein.
Zu Anfang geht es auch heute wieder durch kleine mit Gras bewachsene Dünen, bevor wir das erste historische Relikt aus der Zeit des Diamantenabbaus erreichen. Es ist ein nach Motorschaden in der Wüste gestrandeter Ford-Truck, welcher in den 50er Jahren die Diamanten Minen bei Saddle Hill versorgte. Gegen das Einsinken im Sand hatte man die Trucks mit großvolumigen Flugzeugreifen ausgerüstet. Noch immer steht der Truck mitsamt Ausrüstung so, wie er vor rund 60 Jahren hier zurück gelassen wurde. Im Fahrerhaus brüten aber inzwischen Vögel.
Nach diesem Stop werden die Dünen so langsam etwas größer. Bald kommt über Funk die Ansage von Len, dass auf der Rückseite der nächsten Düne das erste etwas höhere Slipface auf uns wartet.
Das durchqueren der Dünenfelder läuft vom Prinzip nach immer dem gleichen Muster ab. Man fahrt auf der flachen & festeren, dem Wind zugewandten, Seite die Düne hoch und dann auf der steilen und weichen Seite im Windschatten wieder herunter. Hört sich ganz einfach an, ist es aber nicht.
Auch die vermeidlich festere Seite ist zum Teil ganz schön weich und flach ist auch ein sehr dehnbarer Begriff. Deshalb muss man mit recht viel Schwung bergauf fahren.
Vor sich sieht man nur die Kammlinie der Düne, weiß aber nicht, wie tief und steil es auf der anderen Seite wieder hinunter geht. Wenn man auf der Kante ist, sieht man nur noch Himmel, bis der Wagen nach vorne kippt und man gewahr wird, wie tief und steil es hinunter geht. Dabei ist das exakte Timing entscheidend. Ist man zu langsam, erreicht man erst gar nicht den Dünenkamm, sondern fährt sich vorher fest und muss rückwärts den ganzen Hang wieder runter. Nicht ganz ungefährlich, denn dabei besteht ein nicht zu unterschätzendes Risiko quer zu driften und umzukippen. Bremst man auf dem Dünenkamm zu früh, hängt man mit allen vieren in der Luft und ist man zu schnell, fliegt man über die Kante und überschlägt sich.


Ist man dann im Slipface, rutscht man in einer Sandlawine nach unten. Dabei dröhnt und brummt die Düne in einem tiefen Ton, der direkt in die Magengrube geht. Dabei ist es wichtig, dass die Räder nicht blockieren, um den Wagen weiterhin lenken und auf Spur halten zu können, denn wenn man hier nur ein wenig quer kommt, ist der Überschlag unausweichlich.
Nach diesem ersten Adrenalin-Kick kommen wir zum Bulldozer. Dieser hatte die gleiche Aufgabe wie die Suzy und hat auch das gleiche Schicksal erlitten. Motorschaden durch Überhitzung. Es ist schon sehr skurril, hier inmitten der Wüste diese Fahrzeuge anzutreffen und zeigt, was Menschen für die Hoffnung auf Reichtum so alles auf sich nehmen. Während wir uns den Bulldozer ansehen, beobachtet uns auf der Ferne ein Schakal, mit der für diese Tiere typischen Mischung aus Neugier und Scheu. Es ist inzwischen Mittag und wir machen hier Lunch.
Vom Bulldozer aus geht es durch ein weites Tal hinunter in eine große Pan. Hier bei festem Untergrund besteht die strikte Anweisung in der bestehenden Spur zu fahren. In den Dünen hat der Wind die Spuren in einem Tag verweht, so dass man dort auch eine eigene Spur legen kann.
Wie man auf den nachfolgendem Foto gut sehen kann, türmt sich auf der anderen Seite der Pan ein mächtiges Sandgebirge auf.
Dort geht es für einige Kilometer in tiefem Sand durchgehend bergauf. Das bedeutet die ganze Zeit Vollgas, denn wer hier anhält, darf wieder von ganz unten beginnen. Willis Landcruiser nimmt sich ein Beispiel an der Suzy und dem Bulldozer, wird zu heiß und oben angekommen explodiert der Kühler. So etwas habe ich auch noch nicht erlebt (noch nicht einmal von gehört) – es hat den kompletten oberen Teil vom Kühler abgerissen. Der Schaden ist mit unseren Mitteln nicht zu reparieren, so dass wir das Fahrzeug zurücklassen müssen. Im Gegensatz zur Suzy und zum Bulldozer wird der Landcruiser aber nur kurzfristig hier stehen. Schon die nächste Tour wird einen passenden Ersatzkühler mitnehmen und des Wagen bergen.
Diese Episode zeigt aber auch deutlich, dass man bei dieser Tour auch immer riskiert, dass der Spaß in einem finanziellen Desaster endet. Ich fühle mich jedenfalls darin bestätigt, unseren Wagen so sanft wie möglich durch die Wüste zu chauffieren.
Jetzt gilt es aber erst einmal, die Insassen und deren Ausrüstung auf die anderen Fahrzeuge zu verteilen. Dummerweise war der Wagen mit 5 Personen besetzt und ziemlich überladen, was wahrscheinlich zu dem Schaden mit beigetragen hat. Wir sind mit unserem kleinen Wagen im Innenraum komplett voll, so dass wir leichte aber voluminöse Campingausrüstung übernehmen und aufs Dach schnallen.
So langsam wird das Gras immer weniger und wir kommen in ein Gebiet mittelgroßer runder Dünen. Wie auf Carving-Ski cruisen wir durch die sanften Hügel.
Zwischenzeitlich hat immer mal wieder Markus mit seinem Pajero Probleme. Sein Automatikgetriebe führt ein merkwürdiges Eigenleben so dass die ausgewählten Gänge nicht immer zu den Anforderungen passen und er sich dadurch so manches Mal festfährt. Okkie hingegen weiß inzwischen, wie er seinen schwach motorisierten Landrover durch die Dünen bewegen muss – immer mit dem Gaspedal am Bodenblech.
Als Highlight des Tages erreichen wir am späten Nachmittag Sylvia Hill, ein direkt am Meer gelegener Hügel. Hier gibt es auch eine riesige Seelöwenkolonie. Das Meer ist geradezu am brodeln vor lauter Robben. Unten am Strand sehen wir viele Spuren, die auf Meeresschildkröten hindeuten, was mich wundert, da ich diese Tiere nicht in einer kalten Meeresströmung erwartet hätte.
Kathrin und ich sind die einzigen, die zum Sylvia Hill hochklettern. Wir sind verwundert, als wir auch hier oben zahlreiche Seelöwen treffen. Warum machen sich die Tiere die Mühe bis hier hinauf zu klettern? Auch viele Robbenbabys finden wir hier oben.
Unabhängig von den Seelöwen, lohnt die Besteigung des Sylvia Hill allein schon wegen des grandiosen Ausblicks über die Küste.
Der Wind hat hier am Meer zu Sturm gewechselt und peitscht den Sand über die Dünenkämme. Wir fahren nur noch ein paar Kilometer ins Landesinnere und schlagen dort an schöner Stelle ein Camp zwischen den Felsen auf. Der kalte Wind weht aber auch hier.
Wieder müssen wir nur wenige Schritte gehen, um einen traumhaften Sonnenuntergang zu erleben.
Die ganze Zeit über umkreisen einige Schakale das Camp, in der Hoffnung ein paar Reste abstauben zu können. Wir können sie immer mal wieder vorbei laufen sehen. Vor allem aber können wir ihre typischen Schreie hören.
Heute sind die Temperaturen max. auf 28°C gestiegen. Wahrscheinlich, weil wir und deutlich näher an der Küste bewegt haben.
Da wir hinten so tief hängen, ziehen wir den ohnehin schon vorgeschädigte Stoßfänger immer mal wieder durch den Sand. Damit er nicht noch weiter Schaden nimmt, habe ich die Halterung mit Spanngurten verstärkt.