von Topobär · Dez. 2014 – Jan. 2015 · 38 Tage · Selbstfahrer · 38 Teile
Über diesen Reisebericht
Zu zweit sind wir von Dezember 2014 bis Januar 2015 fünf Wochen lang durch Südafrika, Namibia, Botswana und Simbabwe unterwegs – unsere erste Reise während der Regenzeit im südlichen Afrika. Über den Richtersveld-Nationalpark treten wir bei Sendelingsdrift nach Namibia über, erreichen den Fish River Canyon und fahren dann mit einer geführten Kolonne mehrere Tage durch die Dünen der Namib von Lüderitz bis Walvis Bay. Ab Windhoek sind wir mit einem Landcruiser-Bushcamper allein weiter unterwegs, durch Botswanas Wildreservate bis nach Simbabwe und zurück über Südafrika.
In der Namib rasen wir mit Schwung über die Dünenkämme, ziehen andere Fahrzeuge aus dem Sand und feiern Silvester zu zehnt am Lagerfeuer mitten in den Dünen. In Botswana ist die Regenzeit dann kein Zusatz mehr, sondern das Programm: Auf dem Weg von und nach Savuti verwandelt ein Wolkenbruch die Pisten in eine über 100 Kilometer lange Wasserschlacht, bei der wir kaum aus dem zweiten Gang kommen und die Bremsen des Landcruisers so verschleißen, dass wir in Kasane einen zusätzlichen Tag für die Werkstatt einplanen.
Dafür erleben wir im Moremi eine halbe Stunde lang einen Leoparden aus nächster Nähe, sehen zweimal Wildhunde, eine Gruppe von drei Geparden und mehrfach Löwinnen mit Jungtieren, während uns in Hwange der einsame Ranger Godfrey von seinem Alltag in Simbabwe erzählt. Die Dünentour durch die Namib werden wir auf jeden Fall wiederholen, und unsere nächste Afrikareise ist schon in Planung.
Diese Zusammenfassung wurde automatisch erstellt und vom Autor freigegeben.
Teil 129. Jan. 2015
Auf großer Fahrt
Normalerweise sind mir die Titel für meine Reiseberichte immer ganz spontan eingefallen. Dieses Mal war aber die Reise so vielschichtig und die Erlebnisse und Aktivitäten so unterschiedlich, dass es schwer für mich war, einen gemeinsamen Nenner zu finden. Letztendlich waren es diese Rahmenbedingungen selbst, die die Reise bestimmt haben, denn bislang waren wir weder von der Zeit noch von der Strecke so lange in Afrika am Stück unterwegs. Somit war der Titel gefunden.
Eine andere Frage war, in welchem Unterforum ich den Bericht posten soll. Einen Bereich für länderübergreifende Reisen gibt es nicht und das Zerstückeln kam für mich nicht in Frage. Ich hab mich dann ganz pragmatisch für das Land entschieden, in dem wir die meisten Tage auf unserer Reise verbracht haben.
Wie immer werde ich mich bemühen, eine ausgewogene Mischung aus Informationen für nachfolgende Reisende und unseren persönlichen Erlebnissen und Eindrücken zu finden.
Ich hoffe natürlich wieder auf zahlreiche Mitreisende und freue mich auf Eure Kommentare und Anmerkungen. Wer die nicht lesen will, kann auf die Sonne klicken und sich allein auf den Bericht konzentrieren.
Für uns war es das erste Mal, dass wir im Sommer zur Regenzeit im südlichen Afrika unterwegs waren. Wir waren gespannt, was das für die Tour bedeutet.
Die Tage vor dem Abflug hatten wir immer die Sorge vor weiteren Streiks der Lufthansa im Hinterkopf, denn unser Flug nach München sollte mit der Kranich-Linie erfolgen. Glücklicherweise einigten sich die Tarifparteien darauf, den vorweihnachtlichen Reiseverkehr nicht durch weitere Streiks zu behindern und so kamen wir ohne Schwierigkeiten nach München.
Dort erfuhren wir, dass es Exit-Plätze nur gegen Zuzahlung gibt und wir derzeit sowieso noch keine Bordkarten bekommen könnten, da die Maschine überbucht sei. Letztendlich saßen wir dann doch auf Exit-Plätzen, da dies die einzigen noch freien Plätze in der gerammelt vollen Maschine waren. Interessanterweise bekamen wir auf dem Rückflug in Johannesburg Exit-Plätze ohne Zuzahlung in einer halb leeren Maschine. Da scheint es auch keine einheitliche Linie zu geben. 😕
Das Entertainment-System in unserer Reihe verweigert zunächst seinen Dienst und ich befürchte schon eine extrem langweilige Nacht, als ein Reset des Systems, es doch noch zum Laufen bringt.
So bequem so ein Exit-Platz auch bezüglich der Beinfreiheit ist, schlafe ich nicht besonders gut. Bin wahrscheinlich vor lauter Vorfreude zu aufgeregt.
Die Fahrzeugübernahme bei Bushlore geht wie üblich zügig und kompetent über die Bühne und es wird flexibel auf unsere Sonderwünsche reagiert. Wir stellen fest, dass wir im Vorfeld vergessen hatten, ein Sat.Fon zu buchen, was aber auch kein Problem ist, da vor Ort glücklicherweise noch eins zur Verfügung steht. Für die erste Hälfte unserer Tour haben wir einen Toyota Fortuner gebucht, da Motorleistung und Automatik-Getriebe die entscheidenden Punkte für diesen Teil unserer Reise sind. Der Wagen hat erst 57.000km gelaufen und macht einen guten Eindruck. Lediglich die Stoßstangen vorn und hinten sind schon stark beschädigt, was mir aber nur recht ist, für den Fall, dass ich mal irgendwo anstoße. Mit den Reifen sind wir auch sehr zufrieden. 265er auf 17 Zoll Felgen sind genau das was wir brauchen. 5 Reifen sind fabrikneu; lediglich der 2.Reservereifen ist ein geflicktes und recht abgefahrenes Exemplar.
Dann geht’s erst einmal auf die Straße, die ersten Kilometer hinter uns bringen. Bei der doch recht langen Strecke am ersten Tag finde ich es angenehmer, die Distanz zu teilen und auf der Hälfte für unseren Großeinkauf eine längere Pause einzulegen. Bei uns ist das in Potchefstroom, wo wir für 2.400R zwei Einkaufswagen randvoll machen. Danach ist der Fortuner zum bersten voll, denn Platz ist in diesem recht kleinen Fahrzeug Mangelware. Erst recht, wenn man mit Bodenzelt anstelle eines Dachzeltes unterwegs ist.
Die Landschaft ist die ganze Zeit saftig grün. Was für ein Kontrast zu der vertrockneten gelben Landschaft im Mai. Es sind bis zu 35°C und am Himmel zeigen sich nur einige Schäfchenwolken.
Als Krönung des Tages fahren wir uns noch den abgerissenen Befestigungshaken einer LKW-Plane in den Reifen und haben unseren ersten Platten. Der Spaß kostet uns 500R. Dreiviertel des Preises ist Wochenendzuschlag, denn der Monteur kommt extra zur geschlossenen Werkstatt. Fairerweise muss ich aber sagen, dass er uns diesem Umstand schon im Vorfeld am Telefon mitgeteilt hatte.
Die Campsite am Bloemhofdam ist gerammelt voll mit Anglern und somit ordentlich laut. Es laufen mehrere Generatoren und ständig piepsen irgendwelche Bissmelder. Dafür steht man direkt am Wasser. Die Sanitäranlagen sind leider recht schmuddelig, dafür kommt aber reichlich Wasser aus der Dusche.
Da die Campsite am Westufer des Sees liegt, geht die Sonne leider in unserem Rücken unter.
Als wir mit dem Braai beginnen wollen stellen wir fest, dass sich jeder beim Einkauf des Salates auf den anderen verlassen hat und wir somit heute Rindfleisch pur essen müssen. Besser als anders herum. Unser Feuerholz scheint noch recht frisch zu sein, denn es raucht recht stark, was man leider auch im Fleisch schmeckt. Das habe ich schon besser hinbekommen. 😠
Nach dem Essen verschwinden wir recht bald in der Koje, denn der Schlafmangel der letzten Tage macht sich deutlich bemerkbar und außerdem nerven die vielen Eintagsfliegen.
Teil 302. Feb. 2015
2.Tag (So. 21.12.2014) Bloemhofdam – Mokala National Park 308km
Ich habe geschlafen wie ein Toter. Von den Generatoren und den üblichen Geräuschen einer vollen Campsite habe ich rein gar nichts mitbekommen. Geweckt werden wir von einem traumhaften Sonnenaufgang über dem See, den wir aus unserem Zelt erleben. Dazu mussten wir nur das Fliegengitter hochrollen.
Beim Frühstück am See sind die Temperaturen noch angenehm, so dass wir ohne Sonnenschutz auskommen. Es deutet sich aber schon an, dass der Tag wieder heiß wird.
Kurz vor Kimberley kommt man auf der N12 an einem See vorbei. Hier sind hunderttausende an Schwalben unterwegs. Die Stromleitungen sind über Kilometer mit Schwalben besetzt, die dicht gedrängt, Körper an Körper auf den Leitungen sitzen. Gleichzeitig ist die Luft erfüllt mit unzähligen dieser Vögel. Ein beeindruckendes Naturphänomen von dem ich für diese Gegend bislang noch nicht gehört habe.
In Kimberley besuchen wir das Big Hole mit angeschlossenem Museum. Beeindruckender Blick auf den ehemaligen Tagebau und eine sehr gute Ausstellung zum Diamantenbergbau. Sehr gut hat uns vor allem der 20 minütige Film gefallen, der in eindrücklichen Spielszenen die Anfänge des Diamantenbergbaus und die Gründung von De Beers Ende des 19.Jahrhunderts auferstehen lässt. Im angeschlossenen Museumsdorf, in dem das historische Kimberley erhalten wurde, gibt es einige Restaurants, so dass wir die Gelegenheit zum Lunch ergreifen.
Noch kurz die Dinge eingekauft, die wir gestern vergessen haben und dann brechen wir auf zum Ziel unseres heutigen Tages, dem Mokala National Park. Inzwischen mussten wir auch feststellen, dass der geflickte Ersatzreifen einen schleichenden Platten hat, darum müssen wir uns dann morgen kümmern.
Im Mokala National Park erhalten wir anstelle unseres ursprünglich gebuchten Stellplatzes auf der Motswiri Campsite einen Bungalow in der Mosu Lodge. Da das ohne Aufpreis geschieht, haben wir keine Einwände. Keine Ahnung, was die Hintergründe dieser Umbuchung waren. Wir erhalten einen Bungalow am Rand der Anlage mit weitem Blick. Wir sind zufrieden mit der Lage und das Häuschen macht auch einen sehr guten Eindruck.
Es hat inzwischen wieder 35°C und es haben sich recht große Wolken gebildet, deren Regen aber nicht den Boden erreicht.
Um kurz nach 16:00Uhr starten wir auf einen Gamedrive. Wir haben keinerlei Erwartungshaltung an diesen relativ unbekannten Nationalpark und werden positiv überrascht.
Bevor aber die spektakuläreren Tiere kommen, entdecken wir eine recht große Schildkröte auf dem Weg. So eine Schildkröte ist doch mal genau das richtige Tier, um in Ruhe Nahaufnahmen von ihm zu machen, denke ich, und werde davon überrascht, dass es sich anscheinend um eine Rennschildkröte handelt. Das Viech hält einfach nicht still und rennt ständig aus dem Bild. Aus dem erhofften Portrait wird‘s deshalb nix.
Interessant ist dann ein dunkler Springbock, der sich deutlich von seinen Artgenossen unterscheidet, allem Anschein nach aber voll in der Herde integriert ist. Daran sollten sich die Menschen mal ein Beispiel nehmen.
Auf dem Kameeldoring Loop entdeckt Kathrin dann die Hauptattraktion des Nationalparks: Breitmaulnashörner. Eine Gruppe mit insgesamt 4 Tieren. Die Tiere zeigen keine Scheu vor uns, sind gleichzeitig aber sehr ausgeregt und hektisch. Keine Ahnung, was da los war, aber so viel Action hatten wir bei Nashörnern noch nie.
Obwohl der Mokala National Park zu den Desert Parks gezählt wird, findet sich überwiegend Buschland in hügeligem Gelände. Selbstverständlich finden sich auch überall die für diese Landschaft typischen Webervogel-Siedlungen.
Auf dem Matopi Loop kommen wir dann endlich einmal an Elands vorbei, die nicht ängstlich sind und sofort davon laufen, wenn man sich Ihnen nähert. Die Bullen sind echte Muskelprotze.
Für Kathrin endet der Tag dann perfekt, als wir zum Abschluss noch Giraffen an einem Wasserloch entdecken.
Da man bis 19:00Uhr zurück in der Lodge sein muss, fällt der Sundowner in der Wildnis aus. In der Mosu Lodge kann man nicht mit den Autos an die Bungalows fahren. Wir haben keine Lust die ganzen Lebensmittel hin und her zu schleppen und so entscheiden wir uns dafür, im Restaurant zu Abend zu essen. Eine Entscheidung, die wir nicht bereuen. Ich Esse einem leckeren Bobotie und Kathrin wählt Fisch. Auf dem Rückweg sehen wir noch eine Eule beim Aufbruch zur nächtlichen Jagd und nach einem Absacker auf der Terrasse verschwinden wir recht bald in der Koje.
Teil 406. Feb. 2015
3.Tag (Mo. 22.12.2014) Mokala National Park – Riemvasmaak Hotsprings 591km
Die Nacht war die Hölle. Der Bungalow hatte sich extrem aufgeheizt und es wimmelte nur so vor Mücken. Bereits kurz nach Mitternacht lag ich wach. Alles juckte und ich hörte beständig das feine Nerv tötende Sirren der Mücken. Glücklicherweise erinnerte ich mich, dass es lt. Reiseführer keinerlei gefährliche Raubtiere im Mokala National Park gibt. Also schnappte ich mir die Matratze des dritten Bettes und meinen Schlafsack und richtete mir ein Biwak auf der Terrasse ein. Hier war es deutlich frischer und von Mücken war auch nichts zu bemerken. Kurz bevor ich wieder einschlief hörte ich ein Rascheln. Mit der Taschenlampe sorgte ich für Licht und es zeigte sich, dass ich mich Auge in Auge mit einem Stachelschwein befand, welches soeben in Begriff stand, auf die Terrasse zu kommen. Leider erschrak das arme Tierchen so sehr, dass es schnellstmöglich zurück in den Busch flüchtete. Der Rest der Nacht verlief ruhig und erholsam.
Einigermaßen entsetzt bin ich von dem Umstand, dass meine liebe Frau weder in der Nacht, noch morgens beim Aufstehen bemerkte, dass neben Ihr etwas fehlte. Erst als sie auf der Terrasse fast über mich stolperte, wurde sie darauf aufmerksam.
Für den heutigen Tag stand eine reine Überführungs-Etappe auf dem Programm. Da kommt man bei einer so langen Reise hin und wieder nicht drum herum. Da müsst Ihr mit durch.
Die Strecke bis Upington war dann auch wirklich ausgesprochen öde. Da muss ich dann schon gegen das Einschlafen am Steuer ankämpfen.
In Upington lasse ich dann erst einmal den schleichenden Platten flicken. Ich hatte ja gleich bei der Fahrzeugübernahme meine Bedenken hinsichtlich des geflickten alten Reservereifens geäußert und vorsichtshalber auch diesen bei der ersten Panne montiert, um ihn zu testen. Wie vermutet hielt der Stopfen nicht dicht, aber die Vermieter wissen es ja immer besser, als die europäischen Greenhorns.
Sowohl das Navi, als auch ich waren der Überzeugung, dass die kürzeste und schnellste Strecke von Norden von der N10 zu den Riemvasmaak Hotsprings führt. Das wäre sicherlich auch so gewesen, wären nicht einige der Gravelroads inzwischen für den allgemeinen Verkehr gesperrt, so dass wir einen weiten Umweg mit viel Wellblech bis an den Oranje fahren mussten, um von dort zu unserem Ziel zu gelangen.
Die Hotsprings und die direkt daneben befindliche Campsite befinden sich am Grund eine beeindruckenden Schlucht. Die Zufahrt ist nicht ohne. Erstmals auf dieser Reise müssen wir Allrad einschalten.
Obwohl wir erst gegen Abend ankommen, ist es uns viel zu heiß für die Hotsprings. Es ist wolkenlos und hatte heute bis zu 37°C. Da ziehen wir die erfrischende Dusche den heißen Quellen auf jeden Fall vor.
Es hat hier auch einiges an Kleingetier. Wir sehen Paviane, Dassies und Mangunsten. Während ich unter der Dusche stehe besucht sogar ein Genet unsere Campsite. So ein Ärger, dass ich das verpasst habe.
Das Grillen klappt heute sehr gut. Das Feuerholz ist sehr trocken und verwandelt sich innerhalb kürzester Zeit in perfekte Glut, auf der wir eine ordentliche Portion Lammfleisch grillen. Dazu gibt es ein Gemüse-Curry.
Nach der nicht sehr erholsamen vorherigen Nacht habe ich diese Nacht wieder hervorragend geschlafen.
Beim Frühstück fliegen immer wieder riesige Schwärme Webervögel über unsere Köpfe hinweg durch die Schlucht. Man hört jedes Mal ein kräftiges Rauschen, wenn so ein Schwarm über einen hinweg fliegt.
Nach der Ausfahrt aus dem Tal kommt man an einem Aussichtspunkt vorbei, der einen schönen Blick auf das Areal erlaubt.
Hinten, direkt unter der Felswand, befindet sich die Campsite.
Auch aus der geplanten Weiterfahrt Richtung Südwest wird es nix. Die bei T4A eingezeichnete Piste, auf welche uns auch unser Navi schicken will, ist in der Praxis nicht zu finden. Wir müssen zurück bis Kakamas, wo wir auf die N14 stoßen, die uns dann nach Westen führt. Danach erst einmal hunderte Kilometer Überführungs-Etappe. Teilweise öde Landschaften, aber zwischendrin immer mal wieder interessante Abschnitte.
In Springbok ist die Hölle los. Das gesamte Namaqua-Land scheint hier gerade die letzten Weihnachtseinkäufe zu tätigen. Wir stürzen uns ins Getümmel, denn wir brauchen für eine Woche Lebensmittel und sogar für 2 Wochen Alkohol, denn die nächste Einkaufsmöglichkeit werden wir ausgerechnet an einem Sonntag erreichen. Kathrin findet in Springbok auch endlich einen kompetenten Handyfachmann, der unsere lokale SIM-Karte zum laufen bringt.
Wir haben uns für die Anreise zum Richtersfeld National Park gegen die Standard-Route über Port Nolloth entschieden. Stattdessen fahren wir zum Grenzübergang Vioolsdrift, von wo aus es dann parallel zum Oranje zur Richterfeld Conservancy geht.
Waren es bislang angenehme Temperaturen, steigt das Thermometer hier am Fluss rapide an und erreicht 34°C.
Bei der Strecke weg vom Oranje, nach Ecksteenfontein handelt es sich dann um einen etwas anspruchsvolleren Track. Alles erinnert mich hier stark ans Damaraland. Man kommt vorbei an Felsen, mit Felsmalereien der San, die leider von modernen Kritzeleien verschandelt wurden.
In der trockenen Landschaft wächst nicht viel. Nur Steinmänner scheinen prächtig zu gedeihen.
Ab Ecksteenfontein sind wir dann wieder auf geschobener Gravelroad unterwegs, deren Qualität zwischen glatt gebügelt und heftigen Wellblech hin und her schwankt. Die karge Gebirgslandschaft ist im rötlichen Licht des späten Nachmittags ein Traum
Das Mountain Valley Guesthouse macht einen geschlossenen Eindruck. Es sieht jedenfalls so aus, als wäre schon lange niemand mehr hier gewesen. Da es schon spät ist, beschließen wir trotzdem auf dem Gelände zu übernachten. Ein Farmer kommt mit seinen Enkelkindern vorbei und bestätigt uns, dass es hier sicher sei und wir problemlos übernachten können.
So ganz problemlos ist es dann aber doch nicht, denn es herrscht ein Sturm, wie ich ihn bislang noch nicht in Afrika erlebt habe. Nur zu zweit schaffen wir es mit Mühe und Not das Zelt aufzubauen. Stühle, Teller, Becher – alles wird weggeweht, wenn es nicht gefüllt ist. Dazu ist noch reichlich Sand in der Luft. Es ist so ungemütlich, dass wir gleich nach dem Abendessen im Zelt verschwinden.
Teil 611. Feb. 2015
5.Tag (Mi. 24.12.2014) Kuboes – Richtersveld National Park 132km
Der Wind hat sich über Nacht zum Glück gelegt und so können wir ein entspanntes Frühstück genießen. Während dessen kommt auch der schwarze Farmer von gestern wieder vorbei und erkundigt sich, ob wir die Nacht gut verbracht haben. Ein sehr angenehmer Mensch, mit dem wir uns nett unterhalten, während seine Schar niedlicher Enkelkinder uns aus neugierigen Kinderaugen beobachtet.
Von Kuboes nach Sendelingsdrift geht‘ fix auf gutem Gravel.
Die ersten Kilometer im Nationalpark sind noch geschobene Piste mit starkem Wellblech. Das hat dann auch ein Ende, als wir die Auffahrt zum Akkekis Pass erreichen. Ab hier ist man in 4x4-Gelände.
Als Liebhaber karger Landschaften gefällt es mir hier im Richtersveld National Park auf anhieb. Nach dem Pass kommen wir auf eine große Hochfläche. Hier fallen mir eigenartige Blumen auf, die mich stark an See-Anemonen erinnern. Weiß jemand, was das für Blumen sind?
Von der Hochfläche in Richtung Oranje fahren wir über den Domorogh Pass. Man könnte ihn auch als van Zyl‘s light bezeichnen. Wie beim großen Bruder gibt es am Beginn des Passes einen sehr schönen Aussichtspunkt und dann geht es steil nach unten. Die Stufen sind nicht ganz so groß und es besteht keine seitliche Absturzgefahr, aber genauso steil wie beim Original ist es schon.
Bei den Köcherbäumen scheint es sich hier im Richtersveld National Park um eine andere Art zu handeln, als diejenigen, die wir aus der Gegend von Keetmannshop kennen. Die Bäume haben viel weniger Äste und die Verzweigung der Äste erfolgt schon kurz über dem Boden.
Von Süden erreichen wir durch ein Seitental des Oranje unser heutiges Tagesziel, die Richtersberg Campsite, welche traumhaft direkt am Flussufer liegt. Die auf dem Hochufer gelegenen Ablutions sind einfach, aber zweckmäßig und sauber.
Wir sind schon kurz nach Mittag auf der Campsite angekommen und genießen es, hier einen entspannten Nachmittag zu verbringen. Unsere Campsite hat dafür einen perfekten Schattenbaum zu bieten.
Von unserm Sitzplatz können wir gut die Wasservögel am Fluss beobachten. Hauptsächlich African Darter und Pied Kingfisher. Zwischenzeitlich taucht auch ein Goliathreiher auf. Leider muss ich zu Hause auf dem Computerbildschirm feststellen, dass die Fotos dieses schönen Vogels alle nicht richtig scharf geworden sind, da der Autofocus sich leider für das Schilf hinter dem Vogel entschieden hat. 🙁
Eigentlich hatte ich mich schon im Vorfeld auf ein schönes Bad im Oranje gefreut. Leider erweist sich der Fluss vor Ort als ziemlich trüb und schlammig, so dass mir die Lust vergeht und ich mich doch für die Dusche entscheide.
Unser Schattenbaum beherbergt auch eine Gruppe grüner Meerkatzen. Zu Anfang sind sie noch scheu und vor allem die Halbwüchsigen sind echt niedlich. Mit der Zeit werden die kleinen Biester aber immer dreister und versuchen permanent uns zu beklauen. Kathrin sieht sich sogar fortgesetzter sexueller Belästigung durch den Clanchef ausgesetzt. So kommt unsere Schleuder erstmals auf dieser Reise zum Einsatz und innerhalb kürzester Zeit ist das Kräfteverhältnis wieder klargestellt und wir haben unsere Ruhe.
Einen wirklichen Sonnenuntergang erleben wir nicht, da die Sonne schon lange vor Einbruch der Dunkelheit hinter den Bergen verschwunden ist. Dafür werden die Berge am namibischen Ufer in goldenes Licht getaucht.
Wieder geht ein perfekter Sommertag zu Ende. Hier am Fluss hatte es bis zu 34°C und auch nach Sonnenuntergang bleibt es angenehm warm. Wir grillen wieder. Es gibt Lamm mit Gemüsereis.
Im Dunkeln sind zahlreiche Glühwürmchen unterwegs. Gegen diese fliegenden Blinklichter sehen unsere europäischen Vertreter im wahrsten Sinne des Wortes ziemlich blass aus.
Teil 713. Feb. 2015
6.Tag (Do. 25.12.2014) Richtersveld National Park – Fishriver Canyon 288km
Der Frühstückstisch übt mit seinen vielen Leckereien eine enorme Anziehungskraft auf die Meerkatzen aus. Wir werden von der ganzen Bande regelrecht belagert. Selbst das Drohen mit der Schleuder hilft nichts. Erst als ich gezielt schieße können wir ungestört Frühstücken.
Nachdem wir zusammengepackt haben, fahren wir entlang des Oranje bis zur De Hoop Campsite. Wir wurden am Parkeingang vor dieser Strecke gewarnt, da sie sehr tiefsandig sei. Ich persönlich fand das nicht so dramatisch, da es für fast alle tiefsandigen Stellen eine feste Umfahrung gab. Viel störender war der Bulldust, der häufig den ganzen Wagen in eine Staubwolke hüllte. Landschaftlich lohnt sich diese Strecke aber auf jeden Fall.
Auf der De Hoop Campsite war fast jeder Stellplatz belegt. Dagegen war es bei uns auf der Richtersberg Campsite richtig einsam – nur noch ein weiteres Auto. Vermutlich liegt es daran, dass sich die Anfahrt zur De Hoop Campsite nicht so anspruchsvoll wie bei der Richtersberg Campsite ist.
Über das Tal des Kooksriver verlassen wir den Oranje. Für ein kurzes Stück verwandelt sich dieses Tal in eine grüne Oase, da es hier eine Quelle gibt, die einen kleinen Bach speißt. Dieser versickert jedoch schon nach wenigen hundert Metern wieder.
Bezüglich Tieren hatte ich im Richtersveld Nationalpark keinerlei Erwartungen, aber ich wollte unbedingt einen Halfman sehen. Wenn man die Berichte und Fotos des Parks sieht, scheinen diese skurrilen Pflanzen hier an jeder Ecke zu wachsen. In der Praxis sieht das anders aus. Es gibt Massen an Aloen, aber ein Halfman wollte sich nicht zeigen.
Ich hatte die Hoffnung schon aufgegeben, da entdeckte ich, kurz bevor wir den Park verließen, auf der Abfahrt vom Akkekis Pass, oben am Hang, einen einzelnen Halfman. So kam ich heute noch zu ein bisschen Bewegung, um die Pflanze ablichten zu können.
In Sendelingsdrift überqueren wir für 110R mit der Fähre den Oranje und erreichen schon bald die kleine namibische Grenzstation. Die Ausreise aus Südafrika erfolgte bereits in Sendelingsdrift direkt neben dem Visitors-Center. In Namibia werden für unser südafrikanisches Auto erst einmal 220N$ Roadtax fällig.
Die Strecke entlang des Oranje in Richtung Aussenkehr gefällt uns sehr gut. Das grüne Band des Flusses in dieser ansonsten kargen Berglandschaft ist ein toller Kontrast. Kurz vor Aussenkehr verlassen wir das Tal in Richtung Ai-Ais.
Inmitten einer absolut vegetationslosen Hochebene stelle ich dann unseren nächsten Platten fest. Wieder haben wir uns ein Metallteil in den Reifen gefahren. Wo kommt bloß der ganze Schrott auf den Straßen her? In Deutschland passiert mir das einmal in 10 Jahren. Da wir ein eingespieltes Team sind, ist der Reifenwechsel in weniger als 10min. über die Bühne gegangen. Trotzdem ist man danach bei der herrschenden Hitze und dazu noch in der prallen Sonne vollkommen verschwitzt und entsprechend durstig.
Den Fishriver-Canyon besuchen wir am Haupt-Aussichtspunkt, wo ein großes Visitors-Center mit zahlreichen Infotafeln steht. Sehr informativ. Unter den Schattendächern machen wir Picknick und entdecken dabei mit dem Fernglas ein einsames Pferd, welches an einem der Tümpel im Canyon trinkt. An dieser Stelle hätte ich kein Wildpferd vermutet.
Zur Übernachtung haben wir uns heute für die Campsite des Canyon Roadhouse entschieden. Wir stehen auf der sehr schönen Campsite Nr. 1. Der große Schattenbaum steht mit seinen tief hängenden Ästen wie ein Baldachin über unseren Sitzplätzen. Ich liebe solche Plätze zum lesen.
Die Sanitäranlagen der Campsite lassen keine Wünsche offen und auch unserem Reifen wird hier wieder Luft eingehaucht. War der günstigste Reifenflicker unserer Tour und hat dicht gehalten.
An diesem Abend wird nicht selbst gekocht, sondern wir besuchen das Restaurant des Canyon Roadhouse. Dort müssen wir uns zwischen dem stickigen Innenraum und der windigen Terrasse entscheiden. Die Entscheidung fällt eindeutig zugunsten der Terrasse aus. Es gibt Buffet, welches nicht ganz billig, dafür aber sehr lecker ist. Ich glaube, so zarten Oryx habe ich noch nie im Leben gegessen.
Zwischenzeitig sorgt noch ein großer Skorpion für Unterhaltung, der an der Mauer entlang über die Terrasse läuft. So einen großen Skorpion habe ich noch niemals zuvor gesehen.
Das Frühstücks-Buffet im Canyon Roadhouse ist eine Enttäuschung. Brot gibt es nicht. Auch das Toastbrot ist anscheinend ausgegangen und so versucht man dem Engpass mit selbstgebackenen Brötchen zu begegnen. Die sind zwar sehr lecker, man kann bei den vielen Gästen aber bei weitem den Bedarf nicht decken, denn die Unterkunft ist mit Bus-Gruppen gut gefüllt. Auch bei den anderen Bestandteilen des Buffets kommt man mit dem Nachlegen nur sehr schleppend voran. So besteht dieses Frühstück in erster Linie aus Warten.
Nach dem eher kargen Frühstück – uns ist irgendwann die Geduld ausgegangen – wollen wir uns einen leckeren Lunch im Helmeringhhausen Hotel gönnen. Bevor es dazu kommt, müssen wir uns aber wieder einmal um einen Platten kümmern, den wir entdecken, als wir vor dem Hotel parken. Also erst die Arbeit und dann das Vergnügen. Der Reifen ist aber wieder schnell gewechselt. Glücklicherweise ist direkt gegenüber des Hotels eine Tankstelle mit Reifenservice, die sich um unseren Reifen kümmern, während wir essen. Irgendwie ist bei dieser Aktion unsere T4A-Papierkarte von Namibia verschwunden. Beim Aussteigen halte ich sie noch in der Hand und lege sie irgendwo hin, als ich den Platten entdecke. Nach dem Reifenwechsel ist sie verschwunden und taucht nie wieder auf. Ein Rätsel!
Das Hotel selbst wirkt mit seinen Strohrollenfiguren am Eingang wie eine Deutsche Landgaststätte. Dazu passt auch, dass man in einen sehr schönen „Biergarten“ im Schatten großer Bäume sitzt und auch die Speisekarte sehr Deutsch ist. Nur der zahme Springbock, der in den Blumenrabatten liegt passt da nicht so ganz ins Bild. Das Essen ist sehr lecker und wir können eine Rast im Helmeringhausen Hotel nur empfehlen.
Unser heutiges Ziel ist die Campsite der Gästefarm Koiimasis. Von Herlmeringhausen aus wollen wir die Ostzufahrt nehmen, welche von der C27 aus durch die Tirasberge zur Farm führt. Diese ist an der Abzweigung auch ausgeschildert und das Weidegatter ist offen. Nachdem wir einige Kilometer gefahren sind, kommen wir an das nächste Weidegatter, welches mit einem Zahlenschloss verschlossen ist. Sind das hier Auswanderer aus Schilda? Was für ein Blödsinn ist das bitte, die Leute erst auf die Strecke zu locken um sie dann vor verschlossener Tür wieder zur Umkehr zu zwingen. Aber was wundere ich mich eigentlich, nachdem unser Versuch einer vorherigen Reservierung auch im Chaos endete und ich darauf beschloss, dass wir versuchen ohne Reservierung hin zu fahren und unser Glück zu versuchen. 😵
Uns bleibt jetzt erst einmal keine andere Wahl, als einen Umweg von 80km in Kauf zu nehmen und von Norden via D707 Koiimasis anzusteuern. Landschaftlich ist das sicherlich kein Nachteil, denn die Strecke wird Ihrem Ruf als eine der schönsten Straßen Namibias durchaus gerecht.
In der momentanen Regenzeit scheint hier im Süden aber noch kein Regen gefallen zu sein. Die Landschaft sieht jedenfalls ganz anders als auf den meisten Fotos aus. Von den wogenden goldgelben Grasflächen ist nichts geblieben. Man sieht nur unendliche Sandflächen.
Auf der Zufahrt von Westen sind dann glücklicherweise alle Farmtore unverschlossen und es gibt auch noch freie Campsites. Die sind dann auch ein echter Traum. Allein schon die Lage in einem Talschluss der Tirasberge, umgeben von roten Felsen sucht ihres Gleichen. Aber auch von der Ausstattung her ist Koiimasis in der Top-Liga anzusiedeln. Die Sanitäreinrichtungen sind besser als auf vielen Lodges. Toiletten-Fotos o.ä. wird es bei mir aber nicht geben, da müsst Ihr meinen Aussagen vertrauen. 😉
Unsere Campsite Nr. 1 ist ein kleines zwischen Felsen gelegenes Paradies. Ein Schattenbaum schützt uns vor der Sonne. Hier lässt es sich gut aushalten und so genießen wir faul die letzten Stunden des Tages. Zu einer Wanderung können wir und bei Temperaturen von 30°C im Schatten nicht aufraffen.
In den Felsen bei unserer Campsite leben auch viele Dassies und bieten zusammen mit einem guten Buch die perfekte Unterhaltung.
Auf einen Sonnenuntergang müssen wir auch heute wieder verzichten, denn die Sonne verschwindet schon lange vor Einbruch der Dunkelheit hinter den hohen Bergen, die Koiimasis umgeben. Es kommt dann auch ein recht kräftiger und kühler Wind auf, so dass ich erstmals auf dieser Reise mir lange Hose und Windstopper überziehe. Insgesamt habe ich Afrika noch nie so windig erlebt, wie auf dieser Tour.
Wie fast jeden Abend grillen wir. Heute ist wieder Rind dran und dazu gibt es Gemsquash mit gesalzener Butter.
Teil 919. Feb. 2015
8.Tag (Sa. 27.12.2015) Tirasberge – Aus 199km
Der breite Ersatzreifen unter unserem Auto reduziert unsere Bodenfreiheit schon ganz erheblich. In schwerem Gelände hatte der Reifen schon einigen Bodenkontakt. Da ich bei der Tour durch die Namib keinen Sandanker unter dem Wagen haben will, beschließe ich, auch den zweiten Reservereifen auf den Dachgepäckträger zu schnallen. Da die heutige Etappe recht kurz ist, wir Zeit haben und ich vor der Wüstentour wissen will, ob die Verlagerung des zweiten Reifens das Fahrverhalten verändert, mache ich das gleich heute nach dem Frühstück. Um es gleich zu sagen, ich merke keinen Unterschied.
Auf dem Weg zurück zur D707 hat Kathrin dann ein wenig Frühsport, denn es sind etliche Weidegatter zu öffnen.
Auch die restliche Strecke auf dieser Traumstraße gefällt uns sehr gut. Hier müssen wir noch mal vorbei schauen und auch die anderen Farm-Campsites antesten. Da soll es ja noch das Eine oder Andere Kleinod geben. Die Landschaft besticht vor allem durch ihre Weite. Das läst sich nur schwer auf Fotos abbilden.
Rund 30km vor Aus bemerken wir auf der C13 ein Tier, welches sich vor uns schnell in die Büsche am Straßenrand verzieht, als wir uns nähern. Wir halten an der Stelle an und versuchen es wieder zu finden, haben aber keinen Erfolg. Nix zu sehen. Wir wollen schon weiter fahren, da flitzt plötzlich eine African Wildcat unter einem Busch hervor und verschwindet schnell in Richtung Horizont. Hätte die kleine Katze nicht die Nerven verloren, hätten wir sie nie entdeckt. Für ein Foto ging das aber alles viel zu schnell.
Schon mittags erreichen wir unser heutiges Ziel, die zu Klein Aus Vista gehörende Dead Horse Campsite. Diese ist bestens ausgestattet, sehr sauber und liegt in einem schönen Seitental, ca. 3km von der Lodge entfernt. Allerdings sind die einzelnen Stellplätze etwas näher beieinander. Das wichtigste ist in dieser Jahreszeit aber der große Schattenbaum über den fast jeder Stellplatz verfügt. In der Lodge kaufen wir Feuerholz und ordern ein Braai-Paket für den Abend.
Heute ist es relativ kühl. In der Sonne hält man es zwar nach wie vor kaum aus, unter dem Schattenbaum, bei kühlem Wind brauche ich aber selbst tagsüber etwas langärmeliges.
Da unser Wagen hier auf der Campsite direkt neben einem anderen Fortuner steht, bemerke ich, dass die geringe Bodenfreiheit im Heck daher kommt, dass unser Wagen dort wesentlich tiefer liegt. Wenn ich mir jetzt das zum Teil sehr schwammige Fahrverhalte unseres Wagens in Erinnerung rufe, gehe ich davon aus, dass Stoßdämpfer und Federn im Heck ziemlich durch sind. Jetzt mache ich mir ernsthaft Sorgen, ob man uns mit unserem tiefer gelegten Auto überhaupt mit auf die Wüstentour nimmt. Da morgen Sonntag ist, haben wir auch keine Chance, den Wagen noch reparieren zu lassen.
Gegen Abend fahren wir zum Garub Wasserloch. Als leidenschaftliche Reiterin will Kathrin natürlich unbedingt die wilden Artgenossen ihrer Lieblinge treffen. Wir haben großes Glück. Am Wasserloch und in der Umgebung halten sich jede Menge Wildpferde auf. Unter anderem auch ein ganz junges Fohlen mit plüschigem Fell und staksigen Beinen. Man sieht den Pferden das entbehrungsreiche Leben in der Wüste an. Bei allen kann man die Rippen zählen und die Hengste sind gezeichnet von vielen Biss- und Trittspuren, die von den Machtkämpfen innerhalb der Herden zeugen. Das Fell glänzt jedoch und die Tiere machen einen gesunden Eindruck. Wahrscheinlich sind die Reitpferde in Deutschland alle übergewichtig. Kathrin ist happy und als sich eines der Pferde kurz von Ihr streicheln lässt ist Ihr Glück vollkommen.
Auf der Rückfahrt zur Campsite halten wir am Straßenrand an und genießen den ersten richtigen Sundowner dieser Reise; mit weitem Blick über die Wüste und den im letzten Sonnenlicht leuchtenden Bergen im Süden.
Das Braai-Paket ist super. Fleisch, Beilagen, Dessert, Geschirr und Besteck – alles dabei. So hat man außer dem Grillen keinerlei Arbeit und ein perfektes Dinner. Man kann sich übrigens aussuchen, ob man Lamm, Rind oder Wild möchte.
Teil 1024. Feb. 2015
9.Tag (So. 28.12.2014) Aus – Lüderitz 192km
Heute lassen wir uns Zeit, denn wir wollen erst um 10:00Uhr in Kolmannskuppe sein und bis dorthin ist man auf Asphalt schnell gefahren. Die Nächte sind hier im Südsommer für afrikanische Verhältnisse sehr kurz und so ist es auch mal ganz angenehm etwas länger zu schlafen und nicht jeden Tag mit der Dämmerung um 5:30Uhr aufzustehen.
Über Kolmannskuppe habe ich schon viel gelesen, so dass ich sehr gespannt bin, diesen Ort endlich in Natura zu erleben. Als wir ankommen ist schon ein Riesentrubel. Auf dem Parkplatz stehen jede Menge Autos und es sind mehr Touristen unterwegs, als wir in den vergangenen Tagen insgesamt gesehen haben. Da wir die Geschichte der Stadt schon selbst vorbeten können verzichten wir auf die geführte Tour und stromern selbstständig durch die Ruinen der Stadt. Schön, dass das möglich ist, denn so haben wir die Häuser meist ganz für uns allein und vom Rummel der geführten Tour bekommen wir nichts mit.
Ich liebe es, solch verlassene Orte zu erkunden und hinter jede Ecke zu schauen, was sich da verbirgt. Kolmannskuppe ist in dieser Beziehung ein ganz besonderer Ort. Manche Gebäude sind schon arg in Mitleidenschaft gezogen, aber in anderen hat man den Eindruck, man müsste nur mal durchfegen und könne dann erneut einziehen.
Obwohl ich schon massenhaft Fotos der Geisterstadt gesehen habe, ist es doch etwas ganz anderes, live hier zu sein. Trotzdem macht gerade das Fotografieren unheimlich viel Spaß, denn es gibt hier ungewöhnliche Motive, wie man sie nur ganz selten zu Gesicht bekommt. Kolmannskuppe war für mich ganz klar eines der großen Highlights dieser Reise.
Bei einigen Gebäuden ist das Betreten wegen Einsturzgefahr verboten, aber ansonsten gibt es keinerlei Restriktionen.
Im Verhältnis zur Größe des Ortes war das Krankenhaus riesig. Das lässt auf die harten Lebensbedingungen an diesem unwirtlichen Ort, zu Beginn des letzten Jahrhunderts schließen.
Mittags verlassen wir Kolmannskuppe, da wir noch letzte Einkäufe für unsere Wüstentour machen müssen, bevor die Läden schließen. Der Spar ist dann allerdings schon sehr geplündert. Ist das hier immer so, oder liegt das an der Zeit zwischen Weihnachten und Sylvester? Mit ein wenig Improvisation bekommen wir aber alles, was wir benötigen.
Unseren Plan auf Shark Island zu zelten stampfen wir umgehend ein, als wir dort ankommen. Es stürmt und in den felsigen Boden kann man keinerlei Heringe einschlagen. Hier würde uns unser Zelt mit Sicherheit davon fliegen. So machen wir uns auf die Suche nach einem B&B für diese Nacht. Nach einiger Rumfahrerei, da die Stadt ziemlich ausgebucht zu sein schein, finden wir im „Zur Waterkant“ noch ein freies Zimmer. Ein nettes kleines Haus mit nur 4 Zimmern. Rundherum ein blühender Garten und vom Balkon ein schöner Blick auf das Meer und den Hafen.
Den Nachmittag verbringen wir an der Küste südlich von Lüderitz. Am Diaz-Point kann man auch ohne die zerstörte Brücke problemlos zum Kreuz gelangen; da behindert einen der starke Sturm viel mehr. Auf der vorgelagerten Insel liegen zahlreiche Seelöwen.
In dem kleinen Cafe am Diaz-Point finden wir ein windgeschütztes Plätzchen in der Sonne und lassen uns einen leichten Lunch schmecken.
Bei der Weiterfahrt können wir mit dem Fernglas die Pinguine auf Halifax Island beobachten. Kathrin mag eigentlich keine Ferngläser, aber um Ihre Lieblingsvögel zu sehen nimmt Sie es doch in die Hand.
Wir fahren weiter an der Küste entlang bis zur großen Bucht. Zwischendurch steigen wir immer mal wieder aus, um kleine Spaziergange zu unternehmen, aber der Wind treibt uns immer wieder schnell zurück ins Auto. Einen großen Teil des Nachmittags verbringen wir dann lesend im Auto mit Blick auf das Sturm umtoste Meer.
Zurück in unserem B&B wechsele ich noch die Reifen, so dass wir jetzt die 4 Besten montiert haben. Ich habe keinerlei Verlangen nach einem Platten in den Dünen.
Um 19:00Uhr treffen wir uns mit unserer Gruppe im Obelix Village zum Braai und vor allem zum Briefing und ersten kennenlernen. Wir sind eine sehr große Gruppe. Von URI Adventures sind Len als Guide im Führungsfahrzeug und Luciano & Percy im Besenwagen dabei. Außer uns kommen alle anderen Teilnehmer aus Südafrika und sind mit ihren eigenen Fahrzeugen unterwegs. Insgesamt 12 Teilnehmerfahrzeuge mit insgesamt 30 Personen, davon 7 Kinder. In der Beziehung sind die Südafrikaner echt schmerzfrei. Was für uns eine aufregende Expedition ist, ist für die ein Familienausflug. Da muss ich schon schmunzeln, wenn ich an die Diskussionen hier im Forum zu Afrikareisen mit Kindern denke.
Außer uns sind noch zwei englischsprachige Familien dabei, so dass Englisch zur offiziellen Toursprache erklärt wird. Das ist für uns sehr angenehm. Auf Afrikaans hätten wir ziemlich im Abseits gestanden.
Zwischenzeitlich hatte ich mir auch mal die Fahrzeuge der anderen Teilnehmer angesehen. Abgesehen von einem Landrover überwiegend hochbeinige PS-Monster. Wenn ich die so sehe habe ich schon ordentlich Muffensausen. Beim Briefing dann noch eine kurze Schrecksekunde, als Len verkündet, jedes Dieselfahrzeug müsse min. 200l Sprit an Bord haben (die Benziner sogar 280l). Bei der Anmeldung war nur von 160l die Rede und genau die haben wir auch dabei: 120l im Tank und 2 Kanister auf dem Dach. Len fragt daraufhin gleich, ob wir den weißen Fortuner fahren würden, da bei diesem Wagen tatsächlich 160l ausreichen würden, weil der Motor sehr sparsam ist. Demnach hat auch Len schon die Fahrzeuge inspiziert und keinerlei Einwände gegen unseren tiefergelegten Fortuner. Das beruhigt zwar, aber das Lampenfieber bleibt.
Um 8:00Uhr ist Treffpunkt auf der Tankstelle am Ortsausgang von Lüderitz. Hier quetscht jeder noch die letzten Tropfen Sprit in den Tank und alle Fahrzeuge werden mit Funkgeräten ausgestattet. Es handelt sich um leistungsstarke Geräte, die direkt an die Batterie angeschlossen werden und eine Reichweite von rund 100km haben. Sie sind so geschaltet, dass jeder jederzeit sprechen kann und dann von allen gehört wird.
Es geht los. Wir nehmen die letzten Kilometer Asphalt für lange Zeit unter die Räder. Rund 40km fahren zurück in Richtung Aus. Dann biegen wir nach Norden in Gravelroad zur Koichab Depression ab, der wir für weitere 40km folgen bevor für die nächsten 6 Tage nur noch reines Offroad fahren ansteht.
Bevor es weitergeht wird aber zunächst der Luftdruck auf 0,7bar reduziert. Mit so platten Reifen war ich selbst auf den berüchtigten Tiefsandstrecken Botswanas noch nie unterwegs.
Als Eingangsprüfung zur Tour kommt sofort eine größere Düne. Ich komme gut hoch und ohne Probleme über den Dünenkamm. Dann setzt aber mein Vordermann zurück und ich muss direkt am tiefsten Punkt einer Senke anhalten. Der Sand ist hier so weich, dass ich mich sofort eingrabe. Damit bin ich der erste, der auf dieser Tour freigeschleppt werden muss. Im Laufe der nächsten Tage wird es jeden etliche Male erwischen. Das Rausziehen wird zur Routine.
Nachdem die erste größere Düne geschafft ist, kommen wir in sehr kleinteiliges Gelände, mit niedrigen Dünen. Dieses Jahr wächst viel Gras und so ist die Fahrt sehr unruhig und hubbelig, da man permanent Slalom um die Grasbuckel fährt.
Mittags machen wir einen ausgiebigen Lunchbreak. Die Crew bereitet ein leckeres kaltes Buffet. Da kann man sich herrlich frische Sandwiches belegen. Der erste Eindruck von der Tourverpflegung ist ein sehr guter. Damit hatte ich allerdings auch fest gerechnet, denn Len, unser Tourguide und Chefkoch hat die stattliche Figur eines Sumo-Ringers.
An dieser Stelle bietet es sich dann auch an, ein paar Worte zu unserer Crew zu verlieren. Len ist der perfekte Tourguide: Souverän, ruhig, gelassen, motivierend, umsichtig – alles wichtige Attribute, die auf ihn zutreffen. Gute Kenntnisse der Natur und Geschichte der Namib-Desert. Er kann die Dünen lesen, wie ein Buch und findet immer die ideale Linie durch dieses Labyrinth aus Sand. Darüber hinaus ist er natürlich auch ein exzellenter Autofahrer. Luciano & Pearcy, die beiden Helfer, die den Besenwagen steuern sehen noch so jung aus, dass wir uns zu Anfang gefragt haben, ob die überhaupt schon einen Führerschein besitzen. Sie haben Ihren Wagen aber ebenfalls perfekt beherrscht und die meisten Bergungen der Tour gehen auf Ihr Konto. Die beiden versprühten ständig gute Laune und hatten sichtlich Spaß an ihrem Job und wir mit ihnen.
Bald nach der Mittagspause folgt die größte Herausforderung des ersten Tages. Es geht steil und kurvig in ein Loch hinunter, so dass es schwierig ist Schwung zu holen, um auf der anderen Seite wieder hinaus zu kommen. Der Landrover von Okkie hängt dann auch gleich fest und braucht mindestens ein Dutzend Anläufe, um heraus zu kommen. Len gibt dabei über Funk Anweisungen, so dass die Tour auch immer ein Offroad-Fahrkurs ist. Ich frage Len, ob wir das Loch nicht auch links herum umfahren können, denn da führt ein breiter Dünenrücken zu der Stelle, wo er auf uns wartet. Das wäre wesentlich einfacher, aber Len will, dass wir alle diese Prüfung absolvieren. Insgesamt hängen 4 Fahrzeuge in dem Loch für einige Zeit fest und zu meiner Überraschung sind wir nicht dabei.
Weiter geht es durch niedrige Dünenfelder mit jeder Menge Bushmangras. Das Automatikgetriebe ist permanent am schalten und bei Temperaturen von 43°C wundert es mich nicht, als die Kontrolleuchte für die Getriebeöltemperatur aufleuchtet. Zum Glück fährt sich bald darauf wieder jemand fest und das Getriebe kann ein wenig abkühlen.
Wenn die Strecke zwischendurch mal leichter wird, gibt Len über Funk auch immer wieder Informationen zur Umgebung und zur Natur. Darüber hinaus dient der Funk zur Warnung vor gefährlichen Passagen und um mitzuteilen, ob nicht einsehbare Passagen frei oder besetzt sind.
Die Wüste ist nicht so tot, wie man denkt. Immer mal wieder sieht man Vögel und wir entdecken auch Strauße und Oryx.
Rund zwei Stunden vor Sonnenuntergang schlagen wir unser Lager auf. Ein traumhafter Platz. Eine große ebene Sandfläche zwischen den grasbewachsenen Dünen. Hier ist ausreichend Platz, dass jeder ein bisschen Privatsphäre hat. Die Crew errichtet sofort das zentrale Camp, zu dem der Esspavillon mit Windschutz, ein Duschzelt, ein Toilettenzelt und das Lagerfeuer gehören. Das Wasser für’s Duschen muss jeder selbst mitbringen, kann es aber gegen am Lagerfeuer erhitztes Warmwasser eintauschen. Die Toilette ist nur für die Frauen. Wir Männer müssen mit der Schaufel auf Wanderschaft gehen; das Toilettenpapier muss eingesammelt oder verbrannt werden.
Es ist angenehm, dass wir so frühzeitig im Camp sind. So kann man nach der aufregenden Fahrerei ein wenig entspannen. Die Kids nutzen die Gelegenheit zum spielen.
Zum Unterhalt der Küche müssen alle Teilnehmer beitragen. Das heißt, jedes Fahrzeug muss im Laufe der Tour zwei Säcke Feuerholz und 20l Wasser bei der Küche abliefern. Da wir unser Feuerholz auf dem Dach transportieren müssen und ich unseren Schwerpunkt so schnell wie möglich verringern will, gebe ich unser Feuerholz gleich heute ab. Die Idee hatten noch Mehrere, aber ich war glücklicherweise schneller.
Wir haben uns ein schönes Plätzchen am Rande der Sandfläche, am Übergang zu den Dünen gesucht. Zum Sundowner steigen wir auf einen nahe gelegenen Dünenrücken und genießen den ersten richtig schönen Sonnenuntergang in der Natur auf dieser Reise.
Der Fortuner hat sich deutlich besser geschlagen, als ich je vermutet hätte. Ich bin jetzt wesentlich entspannter, was die nächsten Tage angeht.
Das Dinner ist dann genauso lecker wie der Lunch. Gegrillte Hähnchenkeilen und Schaschlik mit griechischem Salat und Gemsquash. Danach genießen wir an diesem lauen Abend noch ein paar GinTonic bzw. Savanna, bevor wir müde ins Zelt krabbeln.
Teil 1202. März 2015
11. Tag (Di. 30.12.2014) Namib Desert 95km
Geweckt werde ich durch die Schreie eines Schakals direkt neben unserem Zelt. Nach dem Aufstehen sehe ich auch gleich seine frischen Spuren.
Hier in der Wüste beginnt der Tag immer mit einem netten Spaziergang und einem kleinen romantischen Lagerfeuer. 😗 😎
Gegen 8:00Uhr steht das Frühstück bereit und um 9:00Uhr brechen wir auf. Dies werden die üblichen Zeiten auf der gesamten Tour sein.
Zu Anfang geht es auch heute wieder durch kleine mit Gras bewachsene Dünen, bevor wir das erste historische Relikt aus der Zeit des Diamantenabbaus erreichen. Es ist ein nach Motorschaden in der Wüste gestrandeter Ford-Truck, welcher in den 50er Jahren die Diamanten Minen bei Saddle Hill versorgte. Gegen das Einsinken im Sand hatte man die Trucks mit großvolumigen Flugzeugreifen ausgerüstet. Noch immer steht der Truck mitsamt Ausrüstung so, wie er vor rund 60 Jahren hier zurück gelassen wurde. Im Fahrerhaus brüten aber inzwischen Vögel.
Nach diesem Stop werden die Dünen so langsam etwas größer. Bald kommt über Funk die Ansage von Len, dass auf der Rückseite der nächsten Düne das erste etwas höhere Slipface auf uns wartet.
Das durchqueren der Dünenfelder läuft vom Prinzip nach immer dem gleichen Muster ab. Man fahrt auf der flachen & festeren, dem Wind zugewandten, Seite die Düne hoch und dann auf der steilen und weichen Seite im Windschatten wieder herunter. Hört sich ganz einfach an, ist es aber nicht.
Auch die vermeidlich festere Seite ist zum Teil ganz schön weich und flach ist auch ein sehr dehnbarer Begriff. Deshalb muss man mit recht viel Schwung bergauf fahren.
Vor sich sieht man nur die Kammlinie der Düne, weiß aber nicht, wie tief und steil es auf der anderen Seite wieder hinunter geht. Wenn man auf der Kante ist, sieht man nur noch Himmel, bis der Wagen nach vorne kippt und man gewahr wird, wie tief und steil es hinunter geht. Dabei ist das exakte Timing entscheidend. Ist man zu langsam, erreicht man erst gar nicht den Dünenkamm, sondern fährt sich vorher fest und muss rückwärts den ganzen Hang wieder runter. Nicht ganz ungefährlich, denn dabei besteht ein nicht zu unterschätzendes Risiko quer zu driften und umzukippen. Bremst man auf dem Dünenkamm zu früh, hängt man mit allen vieren in der Luft und ist man zu schnell, fliegt man über die Kante und überschlägt sich.
Ist man dann im Slipface, rutscht man in einer Sandlawine nach unten. Dabei dröhnt und brummt die Düne in einem tiefen Ton, der direkt in die Magengrube geht. Dabei ist es wichtig, dass die Räder nicht blockieren, um den Wagen weiterhin lenken und auf Spur halten zu können, denn wenn man hier nur ein wenig quer kommt, ist der Überschlag unausweichlich.
Nach diesem ersten Adrenalin-Kick kommen wir zum Bulldozer. Dieser hatte die gleiche Aufgabe wie die Suzy und hat auch das gleiche Schicksal erlitten. Motorschaden durch Überhitzung. Es ist schon sehr skurril, hier inmitten der Wüste diese Fahrzeuge anzutreffen und zeigt, was Menschen für die Hoffnung auf Reichtum so alles auf sich nehmen. Während wir uns den Bulldozer ansehen, beobachtet uns auf der Ferne ein Schakal, mit der für diese Tiere typischen Mischung aus Neugier und Scheu. Es ist inzwischen Mittag und wir machen hier Lunch.
Vom Bulldozer aus geht es durch ein weites Tal hinunter in eine große Pan. Hier bei festem Untergrund besteht die strikte Anweisung in der bestehenden Spur zu fahren. In den Dünen hat der Wind die Spuren in einem Tag verweht, so dass man dort auch eine eigene Spur legen kann.
Wie man auf den nachfolgendem Foto gut sehen kann, türmt sich auf der anderen Seite der Pan ein mächtiges Sandgebirge auf.
Dort geht es für einige Kilometer in tiefem Sand durchgehend bergauf. Das bedeutet die ganze Zeit Vollgas, denn wer hier anhält, darf wieder von ganz unten beginnen. Willis Landcruiser nimmt sich ein Beispiel an der Suzy und dem Bulldozer, wird zu heiß und oben angekommen explodiert der Kühler. So etwas habe ich auch noch nicht erlebt (noch nicht einmal von gehört) – es hat den kompletten oberen Teil vom Kühler abgerissen. Der Schaden ist mit unseren Mitteln nicht zu reparieren, so dass wir das Fahrzeug zurücklassen müssen. Im Gegensatz zur Suzy und zum Bulldozer wird der Landcruiser aber nur kurzfristig hier stehen. Schon die nächste Tour wird einen passenden Ersatzkühler mitnehmen und des Wagen bergen.
Diese Episode zeigt aber auch deutlich, dass man bei dieser Tour auch immer riskiert, dass der Spaß in einem finanziellen Desaster endet. Ich fühle mich jedenfalls darin bestätigt, unseren Wagen so sanft wie möglich durch die Wüste zu chauffieren.
Jetzt gilt es aber erst einmal, die Insassen und deren Ausrüstung auf die anderen Fahrzeuge zu verteilen. Dummerweise war der Wagen mit 5 Personen besetzt und ziemlich überladen, was wahrscheinlich zu dem Schaden mit beigetragen hat. Wir sind mit unserem kleinen Wagen im Innenraum komplett voll, so dass wir leichte aber voluminöse Campingausrüstung übernehmen und aufs Dach schnallen.
So langsam wird das Gras immer weniger und wir kommen in ein Gebiet mittelgroßer runder Dünen. Wie auf Carving-Ski cruisen wir durch die sanften Hügel.
Zwischenzeitlich hat immer mal wieder Markus mit seinem Pajero Probleme. Sein Automatikgetriebe führt ein merkwürdiges Eigenleben so dass die ausgewählten Gänge nicht immer zu den Anforderungen passen und er sich dadurch so manches Mal festfährt. Okkie hingegen weiß inzwischen, wie er seinen schwach motorisierten Landrover durch die Dünen bewegen muss – immer mit dem Gaspedal am Bodenblech.
Als Highlight des Tages erreichen wir am späten Nachmittag Sylvia Hill, ein direkt am Meer gelegener Hügel. Hier gibt es auch eine riesige Seelöwenkolonie. Das Meer ist geradezu am brodeln vor lauter Robben. Unten am Strand sehen wir viele Spuren, die auf Meeresschildkröten hindeuten, was mich wundert, da ich diese Tiere nicht in einer kalten Meeresströmung erwartet hätte.
Kathrin und ich sind die einzigen, die zum Sylvia Hill hochklettern. Wir sind verwundert, als wir auch hier oben zahlreiche Seelöwen treffen. Warum machen sich die Tiere die Mühe bis hier hinauf zu klettern? Auch viele Robbenbabys finden wir hier oben.
Unabhängig von den Seelöwen, lohnt die Besteigung des Sylvia Hill allein schon wegen des grandiosen Ausblicks über die Küste.
Der Wind hat hier am Meer zu Sturm gewechselt und peitscht den Sand über die Dünenkämme. Wir fahren nur noch ein paar Kilometer ins Landesinnere und schlagen dort an schöner Stelle ein Camp zwischen den Felsen auf. Der kalte Wind weht aber auch hier.
Wieder müssen wir nur wenige Schritte gehen, um einen traumhaften Sonnenuntergang zu erleben.
Die ganze Zeit über umkreisen einige Schakale das Camp, in der Hoffnung ein paar Reste abstauben zu können. Wir können sie immer mal wieder vorbei laufen sehen. Vor allem aber können wir ihre typischen Schreie hören.
Heute sind die Temperaturen max. auf 28°C gestiegen. Wahrscheinlich, weil wir und deutlich näher an der Küste bewegt haben.
Da wir hinten so tief hängen, ziehen wir den ohnehin schon vorgeschädigte Stoßfänger immer mal wieder durch den Sand. Damit er nicht noch weiter Schaden nimmt, habe ich die Halterung mit Spanngurten verstärkt.
Teil 1305. März 2015
12.Tag (Mi. 31.12.2014) Namib Desert 41km
Heute hat Laetizia Geburtstag und Ihr Freund Rudolf hat ein großes Buffet für die ganze Gruppe angerichtet. Dazu gehört natürlich auch reichlich Sekt und eine tolle Geburtstagstorte, die er vor Laetizia verborgen bis hierher geschmuggelt hat. Laetizias Geschenk befindet sich in einer großen, mit Sand gefüllten Kiste und muss von Ihr ausgegraben werden. Schon bald hat Sie einen dünnen Faden entdeckt und zieht …und zieht …und zieht …und zieht, bis sie am Ende des Fadens einen Diamantring aus dem Sand zieht, worauf Rudolf vor Ihr niederkniet und Ihr einen Heiratsantrag macht. Das ist so romantisch, dass uns allen vor Rührung die Tränen in den Augen stehen. Darüber hinaus passt die Darbietung natürlich perfekt hier ins ehemalige Diamanten-Sperrgebiet.
Es hat heute starken Nebel und wir es wird Mittag werden, bevor er sich so langsam auflöst. Über 25°C wird das Thermometer aber den ganzen Tag nicht kommen.
Was dann den ganzen Tag folgen wird sind Sandkastenspiele für große Jungs. Wie Ihr an den zurückgelegten Tageskilometern unschwer erkennen könnt, geht es erstmals so richtig zur Sache. Heute kommt außer den beiden Tourfahrzeugen niemand durch, ohne sich festzufahren.
Zu Anfang habe ich noch Schwierigkeiten, den richtigen Bremspunkt vor den Slipfaces auf den Dünenkämmen zu finden. Ich will ja schließlich nichts riskieren und bremse im Zweifelsfall eher ein bisschen zu früh. So schaffe ich es auch einmal, genau auf dem Kamm aufzusitzen, so dass alle Räder ohne Traktion sind.
Ein anderes Mal komme ich zu nah ein einen Sandtrichter und mein Heck rutscht zur Seite weg, so dass wir richtig heftig festsitzen. Das Ganze dummerweise mitten in einem Bereich mit sehr weichem und tiefem Sand. Normales rausziehen funktioniert nicht. Der ziehende Wagen gräbt sich dabei nur selbst ein. Letztendlich bekommen wir den Fortuner nur mit einer Winde wieder frei. Zwischenzeitlich hatten sich bei der Bergungsaktion bis zu 4 Fahrzeuge festgefahren. Das hatte schon etwas vom gordischen Knoten, den wir dort lösen mussten.
Immer wieder geht es steil die Dünen rauf und runter. Hier zeigt sich, weshalb Motorleistung bei der Tour oberste Priorität hat. Okkies Landrover leidet extrem. Der Wagen ist mit Abstand am schwächsten motorisiert und so muss er häufig mehrere Anläufe nehmen, um die steilen Hänge hochzukommen. Zweimal bekommen wir den Landrover nur aus einem Dünentrichter weil Len das Steuer übernimmt und den Wagen rauskreiselt. Dabei kreischt der Wagen als wenn er Schmerzen leidet.
Zwischendurch erreichen wir einen hoch über dem Meer gelegenen Aussichtspunkt. Es ist für mich sehr beeindruckend, wie die riesigen Dünen direkt ins Meer übergehen. Der Blick ist grandios und im Meer wimmelt es von Seelöwen.
In der Mittagspause fragt mich Len, ob er mal eine kleine Runde mit dem Fortuner drehen darf, da er dieses Fahrzeugmodell noch nie gefahren ist und URI Adventures überlegt, sich eigene Mietfahrzeuge für Teilnehmer aus Übersee anzuschaffen. Also wechsele ich auf den Beifahrersitz und was ich dann erlebe lässt jede Achterbahn alt aussehen. Len jagt mit einer Geschwindigkeit die Dünen rauf und runter, die ich mich bislang nie getraut hätte. Er ist begeistert vom Fortuner und meint, es wäre das beste Fahrzeug, wenn man nur mit 2 Personen unterwegs ist. Ein großer Vorteil ist vor allem das deutlich niedrigere Gewicht gegenüber den anderen Fahrzeugen. Auch ich bin in der Zwischenzeit voll von unserem Wagen überzeugt. Das er hinten etwas tiefer hängt macht sich in keiner Situation negativ bemerkbar und durch das sehr gute Leistungsgewicht haben wir nie Probleme die steilen Auffahrten hochzukommen. Wir bleiben die gesamte Tour nicht an einer einzigen steilen Auffahrt hängen. Dazu trägt auch das Automatikgetriebe maßgeblich bei. Während sich die anderen meist beim runterschalten festfahren, haben wir permanenten Kraftschluss an den Rädern. Wer auch immer diese Tour fahren will – nehmt Euch auf jeden Fall einen Wagen mit Automatikgetriebe.
Vor dieser Tour hätte ich nicht gedacht, dass man solche Dünen auch mit einem Auto befahren kann. Das ist selbst gegenüber den Ergs der Sahara noch einmal eine Steigerung.
Pechvogel des Tages ist Markus. Auch er fährt sich auf einem Dünenkamm fest. Da das Slipface dahinter sehr tief ist, können wir ihn nicht nach vorne rausziehen, obwohl der Schwerpunkt des Wagend schon auf dieser Seite des Dünenkamms ist. Beim Versuch den Wagen wieder über den Kamm zurück zu ziehen, reißt es die komplette Anhängerkupplung aus dem Chassis. Wieder ein sehr kurioser Schaden, den ich so nie erwartet hätte. Die Anhängerkupplung hatte ich bislang immer als unkaputtbar angesehen.
Unser für heute geplantes Ziel Fisherbrunn erreichen wir nicht mehr. Dazu hatten wir heute einfach zu viele Probleme. Somit gibt es ein weiteres Camp in den Dünen. Leider zieht hier auch sehr bald der Nebel rein und ein kalter starker Wind kommt auf.
Obwohl heute Sylvester ist, treibt der kalte Wind die meisten Teilnehmer vorzeitig in die Zelte. Um 23:00Uhr stehen wir nur noch mit 10 Personen und 5 Flaschen Sekt dicht ums Lagerfeuer gedrängt. Praktisch veranlagt wie wir sind, beschließen wir schon jetzt mit der Vernichtung des Sekts zu beginnen, so dass wir pünktlich um Mitternacht mit der letzten Flascht anstoßen können, um dann auch schnell in die warmen Schlafsäcke zu verschwinden. Es ist für uns das erste Mal, dass wir in Afrika an Sylvester bis Mitternacht durchhalten.
Die nächsten beiden Tage werden wir uns wieder stärker der Natur und der Historie der Namib Wüste widmen.
Teil 1409. März 2015
13.Tag (Do. 01.01.2015) Namib Desert 49km
In der Nacht hat der Wind dann doch noch nachgelassen. Dafür ist es am morgen sehr nebelig und alles ist klitschnass vom Tau.
Heute gibt es nur ein kleines schnelles Frühstück, denn wir müssen ein Stück am Strand entlang fahren und die Flut kommt. Außerdem ist es nicht weit bis zu unserem nächsten Camp und wir werden dort frühzeitig ein umfangreiches Lunch-Buffet erhalten.
Nur wenige Slipfaces und wir sind aus den Dünen bis hinunter an den Strand gefahren. Im ersten Moment erscheint die Fahrerei hier recht einfach, aber die Strecke ist tückisch. Der Sand ist tief und schwer. Dazu kommen immer wieder kurze Stufen und Abbrüche, die die Brandung in den Sand gefressen hat. Das kann einen schnell aushebeln und einige fahren sich in dem schweren Sand auch fest.
An einer Stelle muss man eine scharfe Kurve fahren, um im richtigen Winkel die darauf folgende Stufe anzufahren. Hier erwischt es Theo. Durch die seitlichen Kräfte drückt es ihm den Reifen von der Felge. Dafür hat er sich so ziemlich die ungünstigste Stelle ausgesucht, die man sich vorstellen kann, denn die Flut drängt heran und sitzt uns im Nacken. Aber alle packen mit an und der Wagen ist schnell wieder flott. Wurde auch höchste Zeit, den die Brandung umspült bereits die Reifen.
Bereits am späten Vormittag erreichen wir unser nächstes Camp in Fisherbrunn und es dauert nicht lange, bis es was zu essen gibt. Fisherbrunn befindet sich in der Mündung des Tsauchab. Von hier sind es Luftlinie nur ca. 40km bis zum Sossusvlei. Das besondere an Fisherbrunn ist, dass es hier in nur 1-2 Metern Tiefe Süßwasser gibt. Das sieht man an dem Pflanzenbewuchs in der Gegend und es gibt auch ein Wasserloch. In Folge dessen lebt hier auch eine größere Population Oryx. Für uns bedeutet der Brunnen von Fisherbrunn in erster Linie Körperpflege.
Eine besondere Bedeutung hatte Fisherbrunn in der Zeit des Diamantenabbaus, denn hier wurde das für die Minen benötigte Wasser gefördert und mittels einer 80km langen Pipeline zu den Abbaugebieten gepumpt.
Nach dem Essen fahren wir mit einigen anderen zurück an den Strand. Hier treffen wir einen großen Schwarm Seeschwalben.
Leider verschwindet die Sonne recht bald und wir stehen wieder im Nebel. Okkie hat eine Angel mit und ist damit auch sehr erfolgreich, so dass es beim abendlichen Braai ein paar Fische als Vorspeise gibt.
Wir sind nicht die einzigen, die hier Fische fangen.
Pearcy zeigt mir, wie man White Mussels fängt, eine weit verbreitete Muschelart, die im Sand der Brandungszone lebt. Dazu trippelt man im Schlick der Brandungszone schnell auf der Stelle, so dass man um Schlick einsinkt. Wenn man dann etwas Hartes unter den Fußsohlen spürt, heißt es schnell zupacken, denn die Muscheln können sich erstaunlich schnell durch den Schlick bewegen. Die Muscheln werden dann sofort geöffnet und der feste Muskel herausgeschnitten. Mit einem Spritzer Tabasco schmeckt das ganz ausgezeichnet. Es hat etwas sehr archaisches. Anscheinend werden in uns schlummernde Urinstinkte befriedigt, wenn man sein Essen selbst fängt und an Ort und Stelle verspeist. Ich fühle mich jedenfalls großartig.
Irgendwann zieht es uns aber auch wieder in die Sonne und wir fahren mit einigen Autos zum Sandboarden in die Dünen im Hinterland. Besonders für die Kids ist es ein Riesenspaß. Das geht schon damit los, dass sie bei Len auf der Ladefläche seines Pickups mitfahren dürfen.
Selbstverständlich nutze auch ich die Gelegenheit zum sandboarden. Ist wie Schlitten fahren und die Bretter sind überraschend schnell. Nur ist es hier nicht kalt und nass, sondern warm und kratzig, denn der Sand ist danach in jedem Kleidungsstück.
Als die anderen zurück ins Camp fahren, setzen wir uns noch mit Bier und Savanna auf eine Düne und genießen die fantastische Landschaft um uns herum. Für einen Sundowner ist es zwar noch zu früh, aber wir gönnen uns auch ohne diesen Vorwand unser Kaltgetränk.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch ein paar Worte zu unserer Gruppe verlieren, mit der wir großes Glück hatten. Alles sehr angenehme Menschen. Jeder hat jedem geholfen und alle haben mit angepackt, wenn es etwas zu tun gab. Dabei war die Truppe bunt gemischt. Angefangen von einem 4-jährigen Mädchen, die jedes Mal wieder mit großen Augen in diesem riesigen Sandkasten stand und ihr Glück nicht fassen konnte, sich hier nach Herzenslust auszutoben, bis hin zum 75-jährigen Großvater, der mit Sohn und Enkel eine 3-Generationen-Männertour machte. Der Alkoholkonsum bewegte sich voll im Rahmen. Wir waren sicher keine Abstinenzler, aber es hat auch niemand so viel getrunken, dass er aus der Rolle viel. Dazu viele interessante Gespräche am Lagerfeuer, bei denen wir viel über den Alltag in Südafrika erfuhren und viel über den Alltag in Deutschland berichten mussten. Aufgrund unseres Exoten-Bonusses waren wir immer sehr gefragte Gesprächspartner.
Teil 1510. März 2015
14.Tag (Fr. 02.01.2015) Namib Desert 158km
Wir folgen weiterhin dem Strand und erreichen als erste Sehenswürdigkeit des Tages Meob Bay. Auf der vorgelagerten Hollamsbird Island befand sich früher eine Walfangstation und von diesem traurigen Kapitel zeugen die zahlreichen Walknochen, die als Abfall ins Meer gekippt wurden und hier am Strand angeschwemmt wurden, so dass wir für einige Kilometer durch einen gigantischen Walfriedhof fahren. Die größten Knochen eines Walskeletts sind erstaunlicherweise die Kieferknochen.
Danach fahren wir durch eine riesige mit Muschelschalen bedeckte Ebene.
Meob Bay war auch für den Diamantenabbau von großer Bedeutung, Die einzige Versorgungsmöglichkeit der Diamantenfelder bestand damals über das Meer. Es gab noch keine Fahrzeuge, die die Dünen durchqueren konnten. Da es weder einen geschützten Hafen, noch eine Jetty gab, mussten alle Waren von den auf Reede liegenden Frachtschiffen auf Landungsboote umgeladen und an Land gerudert werden. Aufgrund der meist sehr starken Brandung ein gefährlicher Job und es gingen dabei immer wieder Boote verloren. Die Überreste einiger Landungsboote kann man noch immer am Strand sehen.
Für uns heißt es in Meob Bay auch, den Reifendruck auf 1,5bar zu erhöhen, denn das Diamantengebiet besteht nicht aus Dünen sondern aus weiten Schotterebenen, durchsetzt mit felsigen Passagen.
Die Diamantenfelder sind die mit Abstand trostlosesten Gegenden der Namib. Weiße gleißende Flächen, auf denen einem die Sonne das Hirn aus dem Schädel brennt. Ohne die Verheißung auf Reichtum hätte sich mit Sicherheit keine Menschenseele je in diese Gegend verirrt, aber wenn es um Geld geht, ist der Mensch ja zu vielem bereit. Dabei konnte man hier noch nicht einmal mit großen Diamanten rechnen. So weit von der Mündung des Oranje entfernt gab es nur noch sehr kleine Exemplare. Der Vorteil lag einzig darin, dass man hier nie tiefer als einen Meter buddeln musste, da sich die Diamanten in der obersten Sedimentschicht befanden.
Im Diamantengebiet gab es mit Grillenberger, Hosatia und Charlottenfelder drei Orte. Nach Ausbeutung der Gebiete wurde hier alles zurück gelassen und so kommt man sich heute vor, wie in einem großen Freilichtmuseum. Alles war damals sehr einfach gehalten. Die Diamantenschürfer von Kolmannskuppe lebten dagegen in purem Luxus. Auf dem Weg zu den drei Orten sieht man auch immer wieder die Pipeline, die das Wasser aus Fisherbrunn hierher leitete.
Bevor es zurück in die Dünen geht, wird wieder Luft aus den Reifen gelassen und dann folgen zunächst weite sanfte Dünen, durch die man genussvoll carven kann, bis zum Strand, den wir beim Wrack der Eduard Bohlen erreichen. Leider sind wir hier auch wieder im dichten Nebel.
Die Eduard Bohlen war eines der Schiffe, die für die Versorgung der Diamantenfelder zuständig waren und teilt sich Ihr Schicksal mit zahlreichen anderen Wracks, die hier an der Küste liegen. Allein heute kommen wir an 3 Wracks vorbei und der Kapitän der Eduard Bohlen hat es während seiner Laufbahn als Schiffsführer auf insgesamt 4 Schiffe gebracht, die an Namibias Küste gestrandet sind.
Wie sehr hier die Natur die Küste permanent modelliert erkennt man daran, dass das Wrack der Eduard Bohlen heute fast einen Kilometer vom Wasser entfernt in den Dünen liegt.
Bald darauf haben wir Conception Bay erreicht und fahren über Kilometer an Seelöwen vorbei. Da fragt man sich schon, ob Cape Cross tatsächlich die größte Robbenkolonie Namibias ist, oder nur die größte touristisch vermarktbare Kolonie. Insgesamt leben an der Küste der Namib auf jeden Fall deutlich mehr Seelöwen als bei Cape Cross.
Wo viele Seelöwen sind, finden sich naturgemäß auch viele Seelöwen-Kadaver und so ist die Küste der Namib ein wahres Schlaraffenland für Aasfresser. Von braunen Hyänen haben wir zwar nur Spuren und einen Schädel gesehen, dafür sind Schakale unsere ständigen Begleiter.
Die lange Wand soll ja mit Ihren hohen direkt ins Wasser abfallenden Dünen sehr beeindruckend sein. Wir sehen davon leider überhaupt nichts, denn es herrscht dichtester Nebel, als wir diese Passage fahren und die Sandhänge verschwinden nur wenige Meter über uns im trüben Grau.
Nach der langen Wand fahren wir nur noch ein kurzes Stück aus dem Nebel in die Dünen und machen dort dann unser letztes Camp in der Wüste. Leider folgt uns der Nebel und kaum ist das Camp errichtet, ist auch der Himmel wieder bedeckt.
Teil 1611. März 2015
15. Tag (Sa. 03.01.2015) Namib Desert 130km
Endlich mal ein Morgen ohne Nebel. Das hieß Frühstück in der Sonne. Wie schön. Trotzdem ist alles nass vom Tau und der Sand klebt dem entsprechend überall fest.
Wer heute mit einem lockeren Austrudeln in Richtung Walvis Bay gerechnet hatte, wurde schnell eines besseren belehrt. Es ging noch einmal voll zur Sache und die Dünen boten nochmals alles auf, um uns das Leben schwer zu machen.
Schon bald nach Beginn kommen die ersten riesigen Dünentrichter, die es zu durchqueren gilt. Len legt eine Spur, um zu prüfen, dass es keine Absätze oder ähnliches gibt. Danach werden wir über Funk durch die Passagen gepeitscht. Noch bevor es runter in den Trichter geht, kommt über Funk: „Gas, Gas, Gas“. Also Kickdown. Dort, wo es abwärts geht, hat man das Gefühl abzuheben und dann rast man dem Grund des Trichters entgegen, so dass man das Gefühl hat, sich gleich ungespitzt in den Sand zu bohren. An Boden des Trichters hat man 130-140km/h drauf und die Kompression drückt uns mächtig in die Sitze - das Auto in die Stoßdämpfer und Federn. Gleich darauf sieht man nur noch das Blau des Himmels vor sich, denn jetzt geht es steil bergauf und der Motor hat ordentlich zu kämpfen. An diesem Punkt wird jedem klar, weshalb man zum Schwung holen mit Vollgas in die Tiefe rasen muss. In solch einem Kessel hängen zu bleiben erfordert zumeist eine sehr aufwendige Bergungsaktion. Was für ein Adrenalin-Kick.
Richard fährt sich zweimal auf einer Dünenkante fest und da ich direkt hinter ihm bin ist es an mir sein Schlachtschiff da runter zu ziehen. Der Prado ist rund eine Tonne schwerer als der Fortuner. Beim ersten Mal ist das noch einfach, aber beim zweiten Mal ist sein Schwerpunkt schon jenseits der Dünenkante. Das geht nur mit einem Kinetikseil, denn hier muss man ganz anders agieren, als man es normalerweise vom Abschleppen gewohnt ist. Nicht langsam anfahren, sondern sofort Vollgas. Das gibt einen ordentlichen Ruck, aber nach dem dritten Anlauf ist der Prado ist wieder frei.
Dann kommt Sandwich Harbour in Sicht. Unglaublich wie viele Blautöne das Meer hier hat. Es sind mehrere Paragleiter in der Luft. Wir sind nicht mehr weit von der Zivilisation entfernt
Es ist heute sehr schwierig die Spur zu erkennen, die Len in den Sand gelegt hat. Zum einen weht ein kräftiger Wind, der die Spuren schnell wieder verwischt und zum andern lässt die steil über uns stehende Sonne nur wenige Konturen erkennen.
Die schlechte Sicht wird fast noch Theo zum Verhängnis. Er übersieht eine Kurve und den sich dahinter befindlichen Abhang, den er dadurch seitlich hinunter rutscht und dabei fast umkippt. Wir können den Wagen gerade noch sichern und dann vorsichtig mit einer Winde wieder gerade ziehen.
Den Abschluss unserer Tour bildet dann ein gemeinsamer Lunch im Yacht Club von Walvis Bay. Leckerer Fisch, allerdings ist die Küche durch unser spätes Erscheinen und die vielen Personen leicht überfordert, was zu langen Wartezeiten führt, so dass wir erst um 16:00Uhr etwas zu Essen bekommen. Die Wartezeit nutzen wir, um unsere Dolphin Tour für den morgigen Tag zu buchen.
Danach heißt es Abschied nehmen, von den lieb gewonnenen Mitreisenden. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht und für uns steht bereits jetzt fest, dass wir die Tour auf jeden Fall noch einmal fahren werden.
Wir stocken noch unsere Vorräte im Spar auf und dann geht es nach Swakopmund, wo wir wie bei unserer letzten Reise wieder in Sophia Dale übernachten. Da wir die einzigen Gäste sind und uns nicht vorher angemeldet hatten, hat das Restaurant leider geschlossen. Schade, da hatten wir uns so drauf gefreut. Aber wir können selbstverständlich Grillfleisch einkaufen, denn das ist für uns einer der Hauptgründe in Sophia Dale zu übernachten.
Teil 1713. März 2015
16. Tag (So. 04.01.2015) Swakopmund – Windhoek 320km
Heute hieß es früh aufstehen und auf keinen Fall verschlafen, denn bereits um 8:30Uhr war Treffpunkt in Walvis Bay zu unserer Dolphin Tour mit Mola Mola. Wir wurden der Kalina von Kapitän Nick zugeteilt. Ein kleines Boot und es waren incl. uns auch nur 10 Passagiere an Bord. Von Anfang an werden wir von Pelikanen und Möwen begleitet, die die ganze Zeit darauf hoffen, dass etwas für sie abfällt.
Wir erhielten viele Information über den Hafen und das lokale Ökosystem. Es war nicht eine Minute langweilig, denn Nick war ein klasse Erzähler.
Natürlich sahen wir auch Delphine, aber bei denen versuchte ich erst gar nicht, ein Foto zu machen. Das ist mir auch in der Vergangenheit nie gelungen und so widme ich mich lieber dem Live-Erlebnis.
Die meiste Zeit sind wir aber von Seelöwen umgeben. Zu Kathrins großem Bedauern kommt aber nicht ein einziger an Board. Laut Kapitän Nick sind es in erster Linie Bullen, die sich auf die Boote wagen und die haben in der derzeitigen Paarungszeit halt andere Interessen. 😊 Da müssen wir wohl noch einmal wiederkommen und dann auf unser Glück hoffen.
Während der Tour floss der Alkohol in strömen. Zur Begrüßung wurden wir gleich mit einem Bier willkommen geheißen. Am Umkehrpunkt wurde mit einem leckeren Sherry angestoßen und zum Buffet gab es dann reichlich Sekt. Zwischendurch gab es natürlich auch alkoholfreie Getränke. Das Buffet war sehr gut und die namibischen Austern sind für meinen Geschmack wesentlich leckerer als ihre hoch gelobten französischen Verwandten; das Fleisch bei den namibischen Austern ist wesentlich fester und hat einen intensiveren Geschmack. Daneben gibt es noch allerlei weitere Köstlichkeiten. Es war die richtige Entscheidung, heute auf ein Frühstück verzichtet zu haben.
Da keine Seelöwen an Bord waren, ist noch reichlich Futterfisch übrig, der auf der Rückfahrt an die Möwen und Pelikane verfüttert wird.
Blöderweise verschafft sich eine Möwe direkt über mir Erleichterung und meine heute Morgen erstmals angezogene frische Hose sieht ziemlich Scheiße aus. Elendes Mistviech! Ich hatte es sogar kommen sehen, auf dem engen Raum an Bord aber keine Möglichkeit auszuweichen. 😠
Für die Fahrt nach Windhoek haben wir uns für die Nebenstrecke via D1982 und D1412 entschieden. Das war auf jeden Fall eine gute Wahl. Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich und es ist uns kaum eine Menschenseele begegnet. Zum Teil ist die Strecke allerdings sehr ruppig, so dass man mit einem Geländewagen hier sicherlich entspannter unterwegs ist. Auf der D1412 hat es dann zahlreiche Weidegatter. Kathrin musste mindestens ein Dutzend Mal aus dem Wagen springen, um für freie Bahn zu sorgen.
Hier im Landesinneren ist es auch wieder deutlich wärmer. Die Temperaturen steigen auf 37°C. Die Vegetation ist hier im Khomas Hochland sehr vertrocknet. Anscheinend lässt die Regenzeit noch auf sich warten.
Zur Übernachtung steuern wir die Campsite des Daan Viljoen Gameparks an. Unserer Meinung nach die mit Abstand beste Campsite im Großraum Windhoek. Die Sanitäranlagen sind noch immer in Topzustand und im Restaurant haben wir wieder lecker zu Abend gegessen.
Morgen werden wir unseren treuen Fortuner gegen einen für die weitere Reise besser geeigneten Wagen eintauschen.
Teil 1817. März 2015
17.Tag (Mo. 05.01.2015) Windhoek – Ghanzi 566km
Als wir das letzte Mal im Daan Viljoen Gamepark übernachtet haben, hatte es Nachtfrost. Diesmal können wir bei angenehmen sommerlichen Temperaturen frühstücken. Vor den neugierigen Straußen sind wir glücklicherweise durch eine Mauer geschützt. So müssen wir unser Essen nicht verteidigen, denn auch die Paviane tauchen erst auf, als wir schon fertig sind und beklauen dann lieber unsere Campnachbarn.
Bushlore ist schnell erreicht, denn das Unternehmen ist auf einen neuen Standort umgezogen. Der Firmensitz befindet sich jetzt auf einem deutlich größeren Areal im südlichen Industriegebiet, ganz in der Nähe der B1. Super zu erreichen.
Unser Gefährt für den zweiten Teil der Reise ist ein Toyota Landcruiser Bushcamper. Wir haben uns für den Fahrzeugwechsel entschieden, weil ich für den zweiten Teil der Reise ganz andere Prioritäten setze, als für die Namib-Durchquerung. Ich rechne in Botswana und Zimbabwe mit Regen und Schlamm. Deshalb waren mir eine Winde, eine Marquise und ein festes Dach über dem Kopf wichtig. Dazu natürlich beste Geländeeigenschaften. Das alles vereint unser neuer Wagen.
Der Landcruiser ist mit 57.000km gerade einmal eingefahren. Der Camperaufbau macht sogar einen nagelneuen Eindruck. Aufgrund der vielen Features, die der Bushcamper bietet, dauert die Fahrzeugübergabe 2h.
Danach ist erst einmal Großeinkauf im Superspar in der Merua Mall angesagt. Für mich der beste Supermarkt in Afrika, denn hier bekommt man auch die kleinen Leckereien, die man als Deutscher häufig in Afrika vermisst. Zum Beispiel dunkles Brot. Wir müssen für die nächste Woche komplett autark sein und der Alkohol muss sogar für 12 Tage reichen, da wir in Maun an einem Sonntag einkaufen werden. Insgesamt sind 3 volle Einkaufswagen im Bushcamper zu verstauen, was aber aufgrund der reichlich vorhandenen Stauräume so gut geht, wie bislang bei keinem anderen Mietwagen, den wir je in Afrika hatten.
Um 13:00Uhr kommen wir aus Windhoek los. Beim Fahren zeigt sich gleich, dass der Landcruiser das komplette Gegenteil zum Fortuner ist. Da der Bushcamper auf der Station-Variante basiert, ist der Wagen riesig, dazu mit Schaltgetriebe und sehr schwach motorisiert. Es ist immer wieder erstaunlich, wie wenig Leistung man aus 4,2l Hubraum herausholen kann. Da ich noch im Hellen in Ghanzi ankommen will, gebe ich ordentlich Gas, denn die Straße lässt ein zügiges Fahren durchaus zu. Allerdings steigt die Kühlertemperatur jenseits der 130km/h deutlich an, so dass die Maximalgeschwindigkeit für den Rest der Reise somit feststeht.
Auf der Tankstelle in Gobabis treffen wir mehrere unserer Mitfahrer der Wüstentour, die sich auf der Rückreise nach Johannesburg befinden und jetzt erst einmal unser neues Auto in Augenschein nehmen.
Je weiter wir nach Osten kommen, umso grüner wird die Landschaft. Hier scheint es schon den einen oder anderen Regenschauer gegeben zu haben.
Die Grenze nach Botswana ist schnell passiert. Leider übersehen wir bei der Roadtax, dass es für Mehrfach-Einreisen einen vergünstigten Tarif gibt.
In Botswana haben wir dann die üblichen Probleme mit dem Nutzvieh auf der Straße. Einige Male muss ich eine Vollbremsung einlegen. Hat aber auch den Vorteil, dass man auf der ansonsten sehr monotonen Strecke nicht einschläft.
Pünktlich zum Sonnenuntergang kommen wir in der Tautona Lodge an. Es war ein anstrengender Fahr- und Orga-Tag, aber lieber mal einen Tag Vollgas, als zwei Reisetage dafür zu verschwenden.
Nach solch einem Ritt habe ich verständlicherweise keine Lust noch zu kochen und wir haben das Restaurant auch noch als sehr gut in Erinnerung. Das diese nicht getrogen hat, zeigt mir das erstklassige Rinderfilet, welches ich serviert bekomme. So perfektes Fleisch ist selbst im südlichen Afrika etwas Besonderes.
Als wir dann auf der Campsite zum Tagebuchschreiben und den einen oder anderen Absacker draußen sitzen, werden wir von zahlreichen Nachtfaltern umschwirrt. Die sind zwar recht hübsch, mit ihren orange glühenden Augen, nerven auf Dauer aber schon, wenn sie ständig im Drink notlanden. So verziehen wir uns doch früher als geplant. Gute Nacht.
Teil 1920. März 2015
18.Tag (Di. 06.01.2015) Ghanzi – Passarge Valley 283km
Das Bett im Bushcamper ist selbst bei meiner Größe ausreichend lang; allerdings nicht sehr breit. Man muss sich schon sehr lieb haben, um hier zu zweit zu schlafen.
Vor der Abfahrt noch einmal unter die gute Dusche auf der Campsite. Auf solchen Luxus werden wir die nächsten Tage verzichten müssen. Kurz in Ghanzi noch voll getankt und am ATM Geld gezogen, dann geht es zum dortigen DWNP-Office um die Nationalpark-Gebühren für die nächsten 12 Tage zu bezahlen. Glücklicherweise ist Kathrin für solch administrative Dinge zuständig, denn das Prozedere dauert gut eine Stunde, was unter anderem an den grandiosen Rechenkünsten der Beamten liegt. Wenigstens haben wir die Prozedur für Botswana jetzt hinter uns und konnten hier im Office mit Kreditkarte zahlen.
Bis zum Vet.-Gate am Kuke-Fence bleiben wir auf der Asphaltstraße nach Maun. Direkt vor dem Gate zweigt dann ein unscheinbarer Fahrweg nach rechts ab, der uns auf eintöniger Strecke 40km parallel des Veterinär-Zaunes zum Tsau Gate des Central Kalahari Game Reserve (CKGR) bringt. Nach dem Gate folgen wir dem Zaun noch weitere 30km. Hier, wo der Zaun den Nationalpark begrenzt wird er anscheinend nicht mehr gewartet und ist an vielen Stellen niedergetrampelt bzw. beschädigt. Das ist sehr positiv für die Tierwelt dieses Gebietes, da so die traditionellen Wanderrouten wieder begehbar sind. Früher sind massenhaft Tiere am Zaun verdurstet.
Endlich können wir die Cutline verlassen und zweigen nach Süden ab. Als erstes erreichen wir die Motopi Pan, wo wir die ersten Wildtiere entdecken. Wie nicht anders zu erwarten, mit Springbock, Oryx und Strauß die üblichen Verdächtigen. Danach ist erst einmal wieder tote Hose. Allerdings können wir anhand von Spuren und Hinterlassenschaften feststellen, dass hier vor kurzem mindestens ein Elefant unterwegs war. Die verirren sich nur selten ins CKGR und wir bekommen auch keinen zu Gesicht.
Als wir das Passarge Valle erreichen öffnet sich die Landschaft. Die Dornenbüsche treten zurück und vor uns erstreckt sich das flache Tal mit seinen weiten Graslandschaften. Darin immer wieder Bauminseln, die das Ganze auflockern
Hier finden sich dann auch jede Menge Tiere. In erster Linie natürlich Springböcke und auch wieder viele Oryx.
Meist sind die Tiere auf den weiten Flächen aber so weit entfernt, dass es sich für ein Foto nicht lohnt.
Sehr stolz bin ich, als ich in einem dichten Dornenbusch am Wegrand ein junges Löwenmännchen entdecke. Damit habe ich bei unserer internen Spotter-Rangliste erst einmal die Nase vorn. Der Löwe beobachtet ein in der Nähe grasendes Oryx. Wir ziehen uns ein wenig zurück und beobachten die nächste halbe Staunde was passiert – leider gar nichts. Irgendwann ist das Oryx verschwunden, ohne gefressen zu werden und wir fahren weiter.
Danach entdeckt Kathrin weiter entfernt ein Paar Schakale und dann recht nah eine Familie Löffelhunde. Die sind aber so wuselig, dass ich einfach kein scharfes Foto bekomme.
Bei den Korhans scheint derzeit Paarungszeit zu sein. Alle paar hundert Meter kommen wir an einem Hahn vorbei, der in Ohren betäubender Lautstärke nach Frauen schreit.
Bereits gegen Mittag hatte sich reichlich Quellbewölkung gebildet und am Horizont hatten sich große Wolken aufgetürmt. Zum Abend hin löst sich die Bewölkung dann aber wieder auf. Dazu ist es den ganzen Tag brutal heiß. Leider hat der Landcruiser im Gegensatz zum Fortuner kein Thermometer, so dass wir ab jetzt nichts mehr zu den tatsächlichen Temperaturen sagen können.
Kurz vor 18:00Uhr erreichen wir unsere Campsite Passarge Valley Nr. 2. Super schön am Hang gelegen, mit weitem Blick über das Tal. Wir beschließen auf den abendlichen Gamedrive zu verzichten und lieber von hier aus den Blick über das Tal schweifen zu lassen. Wir richten uns häuslich ein und es bleibt nicht bei einem Sundowner.
Die Einsamkeit ist wahrscheinlich die herausragenste Eigenschaft des CKGR. Seit dem Gate sind wir heute den gesamten Tag keiner Menschenseele begegnet.
Der Sonnenuntergang selbst ist dann ein kitschiger Traum.
Als es dann endlich dunkel ist, stimmen die bellenden Geckos ihr Konzert an. Dann geht der Vollmond blutrot auf. Das ist beeindruckender als viele Sonnenaufgänge. Rings um uns brüllen die Löwen. Wir können drei verschiedene Parteien aus unterschiedlichen Richtungen ausmachen; eine davon ganz in unserer Nähe im Tal.
Als dann noch weit im Süden Wetterleuchten zu sehen ist, kann man nur noch von einer perfekten afrikanischen Nacht sprechen.
Teil 2024. März 2015
19.Tag (Mi. 07.01.2015) Passarge Valley – Piper Pan 200km
Wir starten ohne Frühstück bei Sonnenaufgang zum Gamedrive. Das ist ein weiterer Vorteil des Bushcampers; der Wagen ist morgens sehr schnell abfahrbereit.
Im Passarge Valley hat es eine enorme Tierdichte, so dass wir voll auf unsere Kosten kommen. Nachdem wir die ganze Nacht Löwen gehört haben, hoffen wir natürlich jetzt auch welche zu sehen. Wir sind erst wenige Kilometer unterwegs, da entdecken wir ein Pärchen am Wegesrand. Die würdigen uns allerdings keines Blickes, drehen uns den Rücken zu und verschwinden bald darauf im Gebüsch.
Später sehen wir wieder eine Familie Löffelhunde, die weit entfernt mitten auf der Grasfläche liegt und schläft. Auch Schakale gibt es wieder reichlich. Ich mag diese schlauen kleinen Räuber und Diebe sehr.
Am Rande der Lengau Pan machen wir bei einem kleinen Wäldchen Frühstückspause. Hier bewährt sich unsere Markise erstmals, denn ohne diesen Sonnenschutz wäre es schon jetzt um kurz nach 9:00Uhr viel zu heiß, um in der Sonne zu sitzen.
Es ist ein fantastischer Platz für unsere Pause und so lassen wir uns viel Zeit. Auf der Pfanne können wir vom Tisch aus Springböcke, Oryxe und Gnus beobachten und in den Bäumen des Wäldchens müssen dem lauten Gezwitscher nach, tausende Webervögel sitzen.
Via Sunday Pan erreichen wir die Cutline, welche wie mit dem Lineal gezogen die Landschaft von Ost nach West durchzieht. Solche Strecken sind langweilig und machen keinen Spaß zu fahren, zumal es hier keinerlei Tiere gibt.
Das ändert sich erst wieder im Bereich um die Tau Pan. Allerdings scheint es hier weiter im Süden deutlich weniger geregnet zu haben, als im Passarge Valley. Heute wird sich daran auch nichts ändern, denn es zeigen sich kaum Wolken und es ist extrem heiß. Dazu weht ein starker Wind. Es ist als wenn einen ständig ein warmer Fön anpustet. Den Springböcken scheint das wie immer nichts auszumachen. Die sind echt hitzeresistent.
Bei der Phokoje Pan entdecken wir eine Löwin, die uns sehr aufmerksam beobachtet und uns nicht aus den Augen lässt. Der Grund für ihre Aufmerksamkeit zeigt sich dann auch bald, denn im Busch liegt noch eine weitere Löwin und jede Menge Nachwuchs. Der ist, wie es sich für Katzen gehört, neugierig und kommt bald aus dem Versteck heraus um uns genauer in Augenschein zu nehmen. Das Interesse ist natürlich beiderseits und wir freuen uns über die vielen kleinen Katzen. Das kleinste Löwenjunge sieht mit seinem Knick-Ohr besonders witzig aus. Wir hoffen, dass es nur ein optisches Phänomen ist und ansonsten keinerlei Beeinträchtigung mit sich bringt. Ein Schlaraffenland für Löwen scheint die Gegend aber nicht zu sein, denn die ganze Gruppe sieht ziemlich mager aus.
Immer wieder sehen wir auch Gnus. Allerdings so gut wie nie als Herde, sondern fast immer Einzeltiere, die sich einer Gruppe Oryx angeschlossen haben. Anscheinend befinden sich die Gnus des CKGR gerade in einer Identitätskrise.
Von den Fleischfressern sehen wir auch weiterhin Schakale am häufigsten.
Zu unserem heutigen Ziel, der Piper Pan führt dann ein tiefsandiger Track mit starkem Wellblech. Ausgerechnet diese Strecke müssen wir morgen auch wieder zurück fahren.
Die Campsites sind ja im CKGR immer recht große, nicht ganz klar umrissene Bereiche. Bei unserer Campsite Piper Pan Nr.1 finden wir zum Beispiel zwei Feuerstellen. Eine hinten in der Nähe von Klo & Dusche zwischen den Büschen und ohne Blick. Eine weitere 50m weiter vorne mit Blick auf die Pfanne. Selbstverständlich wählen wir die vordere und richten uns häuslich ein. Gerade sind wir damit fertig und stoßen mit unserem ersten Sundowner an, kommt das erste Fahrzeug vorbei, welches wir im CKGR sehen. Es ist ein Ranger, und der hat nichts Besseres zu tun, als uns aufzufordern, nach hinten umzuziehen, da die Stelle an der wir stehen nicht mehr zur Campsite gehören würde. Woran soll man das bitte erkennen? Das Schild steht jedenfalls in Sichtweite und ist näher an unserem derzeitigen Stellplatz als an dem Platz wo wir hinziehen sollen. Dem Ranger ist die Situation auch unangenehm, er bekommt es aber auch nicht auf die Reihe, mal über seinen Schatten zu springen und sich damit zu begnügen, unsere Permits und Reservierungen zu überprüfen. Letztendlich bleibt uns nicht anderes übrig, als unseren Plunder nach hinten zu schleppen. Glücklicherweise geht auch das mit einem Bushcamper leichter als mit Zelt oder Dachzelt. Mit den kleinkarierten Rangern in Botswana stehen wir echt auf Kriegsfuß, aber wenigstens mussten wir für unser heutiges Vergehen nicht zur Polizei.
Nachdem wieder Ruhe eingekehrt ist, weihen wir unsere selbstgebaute Outdoor-Dusche ein. Das ist nichts anderes als ein 5l-Mineralwasserkanister, wie man ihn überall zu kaufen bekommt und dessen Schraubverschluss wir perforiert haben. Den Tipp zu dieser Konstruktion haben wir hier aus dem Forum und das System hat sich gut bewährt. Selbst als wir beide mit dem Duschen fertig sind, ist der Kanister noch nicht leer.
Im Gegensatz zur letzten Nacht ist hier an der Piper Pan echt tote Hose. Außer dem zirpen der Zikaden ist nicht zu hören.
Teil 2126. März 2015
20.Tag (Do. 08.01.2015) Piper Pan – Sunday Pan 149km
Auch die Nacht über war nix los und wir haben ungestört durchgeschlafen, wobei man hier in der Wildnis ja für die eine oder andere nächtliche Störung ganz dankbar ist.
Wieder sind wir morgens sehr schnell zum Gamedrive aufgebrochen. Dieser führt uns um die Piper Pans herum. Hier sehen wir erstmals im CKGR Giraffen, worüber Kathrin sich mal wieder sehr freut.
Ansonsten die üblichen Verdächtigen. Was auffällt sind aber die unzähligen Falken welche am Rand der Pfannen unterwegs sind. Unmengen der schnellen Jäger sind in der Luft. Zum Teil große Schwärme. So etwas habe ich bei Greifvögeln noch nie gesehen.
Nachdem wir die Gegend um die Piper Pans ausgiebig erkundet haben, kehren wir auf dem üblen Wellblech-Track ins Letiahau Valley zurück, wo wir am gleichnamigen Wasserloch unser Rastlager zum Brunch aufschlagen. Es ist wie gestern sehr windig und brutal heiß, so dass wir erneut sehr dankbar für die Markise sind, ohne die man bei den klimatischen Bedingungen tagsüber keine Pause außerhalb des Wagens machen könnte.
Irgendwann haben wir genug gefaulenzt und es treibt uns wieder auf die Piste. Nur wenige Kilometer sind wir gefahren, da entdecken wir in einem Busch 2 Löwinnen mit Nachwuchs. Da das kleine Knick-Ohr nicht dabei ist, muss es sich um eine andere Familie in gleicher Konstellation wie die gestrige Gruppe handeln. Große Rudel gibt es aufgrund des Nahrungsangebotes im CKGR nicht.
Solch ein direkter Blickkontakt ist immer wieder ein sehr berührender Moment.
Den Abstecher zur Deception Pan nehmen wir ebenfalls mit und werden mit dem Highlight des Tages belohnt. Unter einem Busch liegen 3 Geparde, die aber leider sehr scheu sind und bei unserem Auftauchen sofort das Weite suchen. Glücklicherweise hatte Kathrin Ihre Kamera einsatzbereit, so dass wir zumindest ein Beweisfoto haben.
Aber es gibt natürlich auch noch andere Tiere bei der Deception Pan.
Um 15:00 Uhr erreichen wir unser nächstes Nachtlager, die sehr schön gelegene Campsite Sunday Pan Nr. 4. Sie liegt ganz oben auf eine alten Düne und bietet einen weiten Blick über die Pfanne. Ein großer Baum sorgt für ausreichend Schatten.
Bis 18:00Uhr bleiben wir auf der Campsite und die Zeit vergeht wie im Fluge. Unglaublich, was hier so los ist, wenn man mit offenen Augen die Natur um sich wahrnimmt. Zunächst sehen wir einen Mahaliweber, der über eine Stunde lang eine Schlange attackiert, die sich in den Baum über uns geflüchtet hat.
Weiß einer der Fachleute, um was für eine Schlange es sich handelt?
Dann entdeckt Kathrin eine Baum-Maus, die in einer Baumhöhle wohnt und ab & zu mal heraus schaut. Darüber hinaus besuchen uns weitere Vögel und ein Schlank-Ichneumon huscht über die Campsite.
Um 18:00Uhr brechen wir zu einem kleinen Gamedrive um die Sunday Pan auf.
Auffällig ist vor allem die große Anzahl an Riesentrappen in der Pfanne.
Beim Abendessen nerven dann die vielen Insekten, die gerne auch mal auf dem Teller notlanden.
Teil 2210. Apr. 2015
21.Tag ( Fr. 09.01.2015) Sunday Pan – Makgadikgadi National Park (Kumanga Campsite) 225km
Nachts bin ich einmal aufgewacht, als die Löwen laut in der Sunday Pan brüllen. Damit steht das Ziel des morgendlichen Gamedrives schon fest. Wir starten mit Sonnenaufgang und umrunden die Pfanne, finden aber keine Löwen, sondern nur Oryx.
Was wir jedoch finden sind frische Löwenspuren, die in den Track zur Leopard Pan einbiegen. Ich vermute, dass die Löwen in der Nacht zur dieser nahe gelegenen Pfanne gewechselt sind und wir beschließen, diesen Spuren zu folgen. Es ist immer wieder interessant, dass vor allem Löwen sehr gerne den Fahrspuren folgen, anstatt sich durchs Gebüsch zu schlagen. Das macht es deutlich einfacher sie zu finden. Als wir die Leopard Pan erreichen, können wir gut nachvollziehen, weshalb die Löwen gewechselt sind, denn auf dieser Pfanne tummeln sich erheblich mehr Beutetiere als auf der Sunday Pan. Die Löwen finden wir dann exakt an dem Platz, wo wir vorgestern unsere Pause zum Brunch abgehalten hatten.
Ein wenig später entdecken wir eine Familie Löffelhunde mit mehreren sehr süßen Welpen. Die kleinen Biester verarschen mich nach Strich und Faden, so dass ich kein einziges wirklich scharfes Foto hin bekomme. Erst verstecken Sie sich hinter Gras, so dass der Autofocus nie an der richtigen Stelle scharf stellt. Kaum habe ich daraufhin auf manuellen Focus umgestellt, fangen sie an herumzuwuseln. Da ist man mit dem manuellen Focus natürlich viel zu langsam. Kaum habe ich dann auf Autofocus zurück gewechselt verschwinden die Tierchen im dichten Gebüsch. Das nachfolgende Foto ist noch das Beste.
Die Ohren sind aber wirklich klasse. Die Kleine hebt gleich ab.
Fürs Frühstück nutzen wir eine unbesetzte Campsite im Deception Valley.
Dann müssen wir leider das CKGR auch schon wieder verlassen. So gut wie dieses Mal in der Regenzeit hat es uns hier noch nie gefallen.
Vom Gate nach Rakops führt uns dann eine sehr wellige, aber gut zu fahrende Piste. Die Tankstelle in Rakops hat Diesel, so dass wir uns bezüglich der weiteren Strecke keine Sorgen machen müssen. Wahrscheinlich hätte der Sprit aber auch sonst gerade noch ausgereicht. Es sieht so aus, als seien auf der Tankstelle vor kurzem nagelneue Zapfsäulen installiert worden. Vielleicht ist dies als Indiz dafür zu sehen, dass die Treibstoffversorgung in Rakops zukünftig zuverlässiger ist. Ich bin auf die Erfahrungen nachfolgender Reisender gespannt.
Auf perfektem Asphalt geht es nach Kumanga und dort mittels Fähre über den Boteti in den Makgadikgadi National Park. Die Fähre wurde ja schon vielfach beschrieben, aber erst wenn man davor steht sieht man, um was für ein uriges Gefährt es sich handelt. Nicht nur, das man bei Auf- und Abfahrt ein Stück durch den Fluss fahren muss. Man muss auch auf der Fähre mehrfach vor und zurück fahren, damit sie je nach Bedarf vorne oder hinten weiter aus dem Wasser kommt. Um vom Ufer weg zu kommen muss man ganz nach vorne fahren, damit sich das Heck vom Grund löst; dann während der Überfahrt ganz nach hinten zurück setzen, damit der Bug möglichst nah bis ans Ufer kommt.
Es ist erst kurz nach Mittag und so checken wir zunächst einmal auf der Campsite ein. Wir haben einen großen Schattenbaum und die nahe gelegenen Sanitäranlagen machen einen ordentlichen Eindruck. Allerdings hatte ich mir von der Lage direkt am Boteti einen schönen Ausblick auf den Fluss versprochen, den es aufgrund der dichten Ufervegetation leider nicht gab. Schade!
Der Abend-Gamedrive führt uns dann selbstverständlich entlang des Boteti. Das Blaue Band des Flusses mit den saftig grünen Wiesen am Ufer ist eine Freude für die Augen.
Wir sehen mehrere Elefantenherden den Fluss durchqueren. Im starken Gegenlicht kann man die Fotos der vom Wasser dunklen Riesen jedoch vollkommen vergessen. Einmal beobachten wir eine Herde, die vor uns den Weg überquert und übersehen dabei einen einzelnen Bullen der plötzlich hinter uns steht und droht. Es geht alles gut, aber der Puls schnellt in solch einer Situation schon mächtig in die Höhe.
Im Boteti gibt es zu meiner Überraschung auch schon Hippos. Erstaunlich wie schnell die Tiere diesen erst seit wenigen Jahren wieder fließenden Fluss wieder besetzt haben.
Während des Gamedrives sehen und vor allem riechen wir viele gerissene Zebras. Die Kadaver stinken zum Teil wirklich bestialisch. Dagegen ist Cape Cross Wellness für die Nase. Wir entdecken jedoch zu unserer Verwunderung kein einziges lebendiges Zebra und auch von den Beutegreifern ist nichts zu sehen.
Den Sundowner genießen wir dann selbstverständlich am Ufer des Boteti, wo auf der anderen Seite des Flusses die Sonne hinter den Palmen versinkt
Nach dem Abendessen sitzen wir dann noch lange mit unseren Camp-Nachbarn zusammen und klönen. Fritzi und Moritz hatten wir schon auf der Tankstelle in Rakops kennengelernt. Sie sind auf Hochzeitsreise und das erste Mal in Botswana. So spät sind wir ansonsten nur Sylvester ins Bett gekommen.
Teil 2315. Apr. 2015
22.Tag (Sa. 10.01.2015) Kumanga Campsite – Nxai National Park (South Camp) 288km
Der Morgengamedrive führt uns wieder entlang des Boteti. Groß andere Möglichkeiten hat man hier leider nicht. Viel los ist nicht. Eine ganze Zeit lang beobachten wir zwei verbissen miteinander kämpfende Impala-Böcke, dann noch den einen oder anderen Vogel, das war’s dann auch schon.
Die Gabelracke war echt und keine Projektion vor einem Bluescreen.
Wir hatten gehört, dass der Nordosten des Nationalparks landschaftlich sehr schön sein soll und so entscheiden wir uns dafür, zum Brunch nach Tree Island zu fahren. Bei der Gelegenheit kann man auch gleich die kleine Campsite dort erkunden. Der erste Teil der Strecke führt langweilig durch dichtes Buschland. Dann werden die Büsche aber bald weniger und es geht über eine riesige Grasebene, die sich in alle Richtungen bis zum Horizont erstreckt.
Der Magen ist schon am knurren, als wir in der Ferne eine Baumgruppe entdecken. Der kleine Hain ist wirklich wie eine Insel im weiten Grasmeer, welches hier schon mit einzelnen Salzpfannen durchsetzt ist. Da Campsite Nr.1 nicht besetzt ist, machen wir dort im Schatten der Bäume Pause. Ein traumhafter Ort. Hier müssen wir unbedingt einmal eine Nacht verbringen. Es gibt zwar kaum Tiere, aber die Ruhe und Einsamkeit in Verbindung mit der grandiosen Landschaft lohnen auf jeden Fall.
Während wir essen, zieht ein einsames Oryx über die nahe gelegene Pfanne, das war alles an Tieren.
Auf der weiteren Fahrt Richtung Nordosten tauchen dann immer mehr Makalani-Palmen am Horizont auf. Hier sehen wir viele Zebras. Für Grasfresser scheint diese Gegend derzeit attraktiver als die Region am Boteti.
Wir verlassen den Makgadikgadi National Park in der äußersten Nordost-Ecke, wo wir auch gleich auf die Asphaltstraße von Nata nach Maun treffen, der wir bis zum Gate in den Nxai National Park folgen. An der selben Stelle, an der ich 2005 ein Ticket für zu schnelles Fahren bekommen habe, steht auch diesmal wieder ein Blitzer. Es ist der einzige Baum am Straßenrand auf der gesamten Strecke und die Polizisten wollen auch nicht in der prallen Sonne stehen. Wahrscheinlich steht hier jeden Tag so ein Wegelagerer und wartet auf Opfer. Ich bin aufgrund des niedrigen Reifendrucks diesmal sowieso recht langsam unterwegs und brauche noch nicht einmal für den Blitzer abzubremsen.
Die Zufahrt vom Gate in den Nationalpark hat sich in den letzten 10 Jahren auch nicht gebessert. Eine so unangenehm zu fahrende, tiefsandige und extrem verspurte Strecke findet man nur selten.
Auf halber Strecke machen wir einen Break und biegen zu den Baines Baobabs ab. Laut der Rangerin am Gate ist nur die nördliche Zufahrt befahrbar, da die Pfannen, welche die südliche Zufahrt quert, unter Wasser stehen. Hier hat die Regenzeit somit schon voll begonnen.
Auf dem Weg treffen wir auf einen extrem aggressiven Elefantenbullen. Zunächst droht er einem vor uns fahrenden Safariwagen und dann startet er laut trompetend einen Angriff auf uns, obwohl wir mit der Weiterfahrt abgewartet hatten, bis er mehr als 100m vom Weg entfernt war und sich weiter von uns weg bewegte. Plötzlich macht er kehrt und startet durch – da bin ich dann lieber auch durchgestartet.
Am Rande der Pfannen stehen dann sehr viele Oryx.
Die Baines Baobabs sind dann wirklich ein sehr beeindruckendes Ausflugsziel. Zum einen durch die isolierte Lage, zum anderen durch die Anzahl und Größe der Bäume. Wir machen in ihrem Schatten Pause und genießen die Natur.
Ich hatte beobachtet, dass die Safariwagen nicht auf der Nordroute zurück fahren, sondern einer Fahrpur entlang der Pfannen folgen. Da letztendlich alle Wege zur Hauptpiste führen müssen, fahre ich den Spuren hinterher. Es zeigt sich, dass es bei allen Pfannen, die die südliche Zufahrt quert auch eine Umfahrung am Rande gibt, so dass wir doch eine schöne Rundtour zu den Baines Baobabs fahren konnten.
Im South Camp erhalten wir die Campsite Nr. 1. Wie alle Campsites von dichter Vegetation umgeben und ohne Aussicht. Ansonsten aber sehr schön, sauber und nicht allzu weit vom Waschhaus entfernt.
Für den abendlichen Gamedrive entscheiden wir uns, die östlichen Bereiche des Parks zu erkunden. Viel ist hier leider nicht los. Im Buschland ist tote Hose, aber wenn sich die Landschaft zu den Plains öffnet sieht man zumindest eine große Zahl an Zebras und Giraffen. Wir rechnen schon damit, dass die Tour eher unspektakulär zu Ende gehen wird, da sehen wir wenige Minuten bevor die Sonne hinter dem Horizont verschwindet einen einzelnen stattlichen Geparden über die Ebene ziehen. Was für ein Anblick. Die Krönung des Tages.
Der Sundowner ist damit natürlich ebenso wie das obligatorische Foto vom Sonnenuntergang passè. Man muss halt Prioritäten setzen und zumindest die Drinks kann man ja auf der Campsite nachholen.
Als wir dann noch im letzten Licht eine Familie Löffelhunde beobachten können wissen wir, dass uns Afrika mal wieder mit einem perfekten Tag verwöhnt hat.
Teil 2416. Apr. 2015
23.Tag (So. 11.01.2015) Nxai Pan National Park – Moremi National Park (South Gate Campsite) 306km
Der morgendliche Gamedrive ist das genaue Gegenteil zum gestrigen Abend. Wir sehen die ganze Zeit über massenhaft Tiere. In erster Linie Zebras und Giraffen. Dafür fehlen die spektakulären Sichtungen. Die Fahrt führt uns auf dem Baobab Drive einmal um die zentrale Nxai Pan herum.
Unterwegs verweilen wir lange an einem Wasserloch, wo über eine halbe Stunde lang eine Zebra-Gruppe nach der anderen zum Trinken erscheint. Als wir weiterfahren ist noch längst nicht Schluss.
Die weiten, immer wieder mit Bäumen und Büschen durchsetzten, Grasebenen erinnern uns an Ostafrika. Kathrin ist happy, weil es hier vor Giraffen nur so wimmelt.
Da wir auf unserem Gamedrive keinen geeigneten Pausenplatz finden, kehren wir zum Frühstück noch einmal auf unsere Campsite zurück.
Dann steht uns wieder die üble Tiefsandstrecke zur Asphaltstraße bevor, aber auch dass haben wir nach einer Stunde hinter uns.
In Maun ist dann Großeinkauf angesagt, denn es gilt sich für die nächste Woche im Moremi und Chobe zu versorgen. Leider ist der Deli im Riley Complex Sonntags geschlossen und so steht uns nur die recht bescheidene Fleischauswahl im Superspar zur Verfügung. Aber letztendlich werden wir auch dort fündig. Alle anderen benötigten Lebensmittel bekommen wir dort problemlos.
Natürlich wird auch wieder voll getankt und Feuerholz gekauft. Es zeigt sich, dass wir es auch ohne die Tankstelle in Rakops knapp geschafft hätten. Allerdings ist man dann zum Ende hin immer etwas unentspannt.
Für ein leichtes verspätetes Mittagessen kehren wir im „Bon Arrivè“ ein, welches direkt am Flughafen liegt und ein beliebter Treffpunkt der Buschpiloten ist. Ein uriges, nett eingerichtetes Restaurant mit sehr leckerem Essen. Können wir nur wärmstens empfehlen.
Die tiefen Weichsandlöcher auf der Piste zum South Gate wurden seit unserer letzten Tour immerhin ausgebessert, aber auch so ist die Strecke noch immer sehr ruppig. Umso erstaunter sind wir, als wir von einem Buschlore-Fahrzeug überholt werden, welches ohne Rücksicht auf Verluste über die Piste und durch die Schlaglöcher brettert. Am South Gate treffen wir das Fahrzeug wieder und sehen, dass es sich um ein Mechaniker-Team handelt. Gut zu wissen, wie das eigene Personal mit den Fahrzeugen umgeht. Bislang hatte ich jedes Mal ein schlechtes Gewissen, wenn ich ein Schlagloch zu spät gesehen hatte und mit zu hoher Geschwindigkeit da durch geknallt bin, aber jetzt…
Zum Gamedrive Gebiet um die Black Pools ist es vom South Gate eine halbe Stunde fahrt. Da es schon 16:00Uhr ist, verzichten wir heute auf den abendlichen Gamedrive und verbringen einen ruhigen Nachmittag auf der Campsite mit Lesen und Körperpflege. Die Black Pools laufen nicht weg und Morgen haben wir den ganzen Vormittag für dieses Areal eingeplant.
Zum Abendessen wandert natürlich gleich eine ordentliche Portion Fleisch auf dem Grill, damit der Kühlschrank wieder etwas leerer wird. Zum Glück sind wir gerade mit dem Essen fertig, als die erste Hyäne auftaucht. So brauchen wir unser Essen nicht zu verteidigen und zunächst lässt sie sich auch noch recht gut verscheuchen, so dass wir auch noch unseren Abwasch erledigen und Tagebuch schreiben können.
Irgendwann sind die Hyänen dann zu zweit. Sie sind dann zwar immer noch nicht aggressiv, lassen sich aber auch nicht mehr so leicht verscheuchen. Wir bekommen mit, dass anscheinend noch eine weitere Campsite belegt ist, denn wenn die Hyänen bei uns verschwinden, ziehen sie immer in die Gleiche Richtung und kurz darauf erschallt aus dieser Richtung lautes Geschrei.
Wir ändern unsere Sitzordnung. Die Stühle kommen mit der Rückenlehne direkt ans Auto und vor uns wird der Tisch aufgestellt. Griffbereit liegen der Spaten und das große Küchenmesser. So fühlen wir uns sicher genug, um bei ein paar Drinks den weiteren Verlauf dieses spannenden Abends zu verfolgen.
Man glaubt gar nicht, wie gut sich Hyänen anschleichen können. Wir haben sie nie kommen gehört, sondern immer nur durch die Reflektion der Augen im Lichtschein bemerkt. Einmal stand eine der Hyänen schon direkt hinter dem kleinen Busch, den Ihr auf dem Foto rechts des Autos seht, als wir sie endlich entdeckten.
Teil 2520. Apr. 2015
24.Tag (Mo. 12.01.2015) Moremi National Park (South Gate Campsite – 3rd Bridge Campsite) 122km
Die Nacht verlief nach dem spannenden Abend dann sehr ruhig. Wir haben tief und fest in eins durch geschlafen.
Der Morgen-Gamedrive begann dann gleich mit einem Paukenschlag. Nur wenige Meter nachdem wir von der Hauptpiste in Richtung Black Pools abgebogen sind, entdeckt Kathrin einen Leoparden direkt neben dem Weg im hohen Gras liegend. Das sie den entdeckt hat ist wirklich bemerkenswert. Wir halten an und stehen keine zwei Meter neben dem prächtigen Kater, der sich jetzt, wo wir ihn entdeckt haben, langsam erhebt, ohne jedoch wegzulaufen. Vielmehr scheint auch er sehr an uns interessiert zu sein und so verbringen wir bestimmt 10 Minuten Seite an Seite.
Dann läuft er plötzlich zügig auf der linken Seite hinter unser Auto. Für mich ist er dort dummerweise im toten Winkel, aber Kathrin kann beobachten, wie er dort kurz eine Leopardin begrüßt. Die beiden springen spielerisch aneinander hoch und dann geht jeder seines Weges. Diese Begebenheit kenne ich nur aus Kathrins Erzählungen, denn ich konnte davon nichts sehen. 🙁
Danach markiert der Leopard erst einmal sein Revier und setzt sich dann dekorativ auf einen Termitenhügel, wie ein König auf seinen Thron.
Wir verbringen sicher eine halbe Stunde mit dem Leoparden, bevor er sich dann ins dichte Unterholz verabschiedet. Ein solch langes und intensives Erlebnis mit Leoparden hatten wir auf all unseren Reisen durch Afrika noch nie.
Wir brechen dann auf in die Black Pools Area. Diese Gegend ist neu für uns, da erst vor wenigen Jahren erschlossen. Uns gefällt es hier sehr gut. Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich, mit (wie der Name schon vermuten lässt) vielen Pools. Die Wege sind gut zu fahren und vor allem vorbildlich ausgeschildert. Hier besteht keine Gefahr sich zu verfahren, wie es im Wege-Labyrinth um Xakanaxa zum Alltag gehört.
Bei den Pools hat es zahlreiche Tiere. Vor allem Lechwe sind in Massen anzutreffen. Ich bewundere immer wieder die Sprungkraft dieser Antilopen. Die haben nicht ohne Grund solch ein ausgeprägtes Hinterteil und können in diesem sumpfigen von Wasserläufen durchzogenen Gelände den Beutegreifern wesentlich besser entkommen als die anderen Grasfresser. Dafür sind sie langsamer.
In beinahe jedem Pool wohnt eine kleine Hippofamilie.
In der Black Pool Area gibt es auch einen schön unter großen Bäumen gelegenen Picknickplatz, welchen wir zum verspäteten Frühstück aufsuchen. Während man angenehm im Schatten der Bäume sitzt, genießt man einen weiten Blick über die freien Grasflächen rings umher.
Von den Black Pools fahren wir direkt zur Xini Lagoon, wo sich uns ein ganz ähnliches Bild bietet. Auch dieses Gebiet ist Neuland für uns.
Da wir keine Lust haben, den Main Track zur 3rd Bridge Campsite zu fahren, entscheiden wir uns dafür, den Umweg über den Bodumatu Loop zu nehmen, da hier die Landschaft viel schöner ist und es auch mehr Tiere gibt.
Hier stehen wir dann auch bald vor den ersten Furten. Wenn die Umgebung übersichtlich ist, ziehe ich es vor, die Furten zunächst zu Fuß abzugehen. Das beschert mir zwar häufig eine nasse Hose, welche aber einem Wasserschaden am Motor allemal vorzuziehen ist. Bei Furten, die ich nicht erkunden kann, taste ich mich langsam mit gesperrten Differentialen vor an und wenn ich höre, dass der Fan durchs Wasser schlägt, trete ich den Rückzug an.
Die Furten stellen aber letztendlich kein Problem auf dem Loop dar. Zwar lässt sich nicht jede fahren, es findet sich dann aber immer eine Alternative, die nicht so tief ist.
Spannend wird es aber mal wieder mit den Elefanten. Die hatte ich hier im Moremi schon immer etwas aggressiver erlebt und durch die dichte Vegetation sieht man die Viecher teilweise auch erst recht spät. Jedenfalls kommt plötzlich so ein Dickhäuter laut trompetend auf uns zugelaufen, ohne dass wir ihn vorher bemerkt hätten. Vollgas & weg!
Wenn vor uns Elefanten den Weg queren ist das auch immer eine spannende Sache, da man häufig nicht erkennen kann, ob die Tiere weiter gezogen sind, oder noch hinter einem Busch direkt am Weg stehen, um einen zu erschrecken.
Wir erreichen den Main Track von 3rd Bridge nach Xakanaxa nahe der 4th Bridge. Die neue Brücke scheint schon wieder kaputt zu sein, jedenfalls ist sie gesperrt. Der alte Knüppeldamm erfüllt dagegen noch immer treu seinen Dienst.
Die 3rd Bridge ist seit unserem letzten Besuch noch weiter verfallen, so dass ich auch hier lieber erst einmal zu Fuß durchgehe. Ist grenzwertig, aber die Alternative wäre ein Umweg von 50km. Da gehe ich im Angesicht der direkt am anderen Ufer liegenden Campsite doch das Risiko ein und alles geht auch gut. Jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, ist die Brücke repariert worden, so dass dieser Nervenkitzel entfällt. Man wundert sich, dass es mindestens 2 Jahre gedauert hat, bis diese kleine Holzbrücke repariert wurde. Dabei hat sie verkehrstechnisch enorme Bedeutung.
Am Office informiert man uns dann, dass die 3rd Bridge offiziell sogar gesperrt ist und die Befahrung auf eigenes Risiko erfolgen würde. Als wenn es in Afrika irgendetwas gäbe, was nicht auch eigenes Risiko erfolgt. Ich gehe jedenfalls immer davon aus, dass es uns Europäern nie gelingen wird, in Afrika Andere für erlittene Verluste haftbar zu machen.
Wir bekommen Campsite Nr. 1, welche einen schönen Blick auf eine angrenzende Lagune bietet.
Der Abendgamedrive soll uns zur 2nd Bridge führen. Allzu weit kommen wir nicht, denn vor uns überquert eine nicht enden wollende Elefantenkarawane die Piste. Kaum ist eine Herde durch, erscheint schon die nächste. Über eine Stunde lang gibt es kaum ein fortkommen. Ich nutze die Zeit, um ein paar Vögel in der Nähe abzulichten. Durch die vielen Birder hier im Forum sind auch bei uns die Vögel stärker in den Fokus geraten.
So erreichen wir die 2nd Bridge nicht mehr, sondern drehen vorher um, da wir noch einen gemütlichen Sundowner genießen wollen ohne in die Dunkelheit zu geraten. Einen idealen Platz finden wir auf den weiten Plains westlich von 3rd Bridge. Dabei entdecken wir auch ein sehr hungriges Hippo, was anscheinend nicht mehr bis zur Dunkelheit abwarten wollte, sich den Bauch voll zu schlagen.
Beim Grillen des Abendessens begleiten uns dann wieder die typischen Geräusche einer afrikanischen Nacht. Die Reet Frogs geben mit ihrem Klinkern und Klonkern die Grundlage und dazu mischen sich immer wieder die Hippos der nahen Lagune.
Beim Essen bemerken wir auch unseren kleinen Untermieter, der in einer Baumhöhle direkt neben unserem Abendbrots-Tisch wohnt.
Später grast dann noch ein Hippo keine 10m von uns entfernt, direkt am Rande der Campsite. Da sind mir ja fast die Hyänen lieber. Bei denen fühlte ich mich zumindest mit Spaten und Messer gut gewappnet. Bei einem ausgewachsenen Hippo mutet das eher lächerlich an.
Teil 2627. Apr. 2015
25.Tag (Di. 13.01.2015) Moremi National Park (3rd Bridge Campsite – Xakanaxa Campsite) 57km
Nachts hören wir, wie sich auf unserer Campsite die Hyänen zoffen. Wie ich den Spuren am nächsten Morgen entnehmen kann, war darüber hinaus auch ein Leopard zu Besuch.
Auf eigenes Risiko geht es dann gleich wieder über die kaputte 3rd Bridge, denn will man keinen Umweg von 50km in Kauf nehmen, bleibt einem gar nicht anderes übrig.
Nur wenige Minuten später entdecken wir einen Serval bei der Jagd. Er nimmt überhaupt keine Notiz von uns. Leider entfernt er sich immer weiter von uns und wir sehen ihn die ganze Zeit über nur von hinten.
Auch danach können wir uns nicht über die Tierwelt beklagen, die sich uns zeigt. Zwar nix besonderes, aber trotzdem nie langweilig. Besonders die Vögel sind auch bei der großen Hitze aktiv. Die scheinen damit am besten klar zu kommen.
Die Gegend zwischen 3rd Bridge und Xakanaxa ist ein wahres Labyrinth. Was sind wir hier in den Zeiten vor GPS doch so manches Mal herum geirrt, bis wir wieder wussten wo wir waren. Auch die Campsites hatten wir seinerzeit eher langsam eingekreist, anstatt sie zielgerichtet anfahren zu können.
Immer wieder trifft man auch auf Furten und steht vor der Entscheidung, ob man hindurch fahren soll oder lieber eine Alternative sucht. Dabei kann man sich leider auch nicht auf die Erfahrungen verlassen, die man bei anderen Reisen gemacht hat. Manche Furten, die wir beim letzten Mal gefahren sind, lasse ich diesmal lieber weg, andere fahre ich dafür, obwohl sie mir beim letzten Mal zu riskant erschienen. So verzichten wir diesmal auf Dead Island. Ein Problem sind hin und wieder auch die Schlammlöcher, die von vorherigen Regenfällen noch übrig geblieben sind.
Selbst ohne die Tierwelt wäre die Landschaft in diesem Teil des Deltas ein Traum. Der hohe und lichte Baumbestand und die vielen Wasserflächen wirken wie eine Parklandschaft. Hier hat die Natur geschaffen, was in Mitteleuropa vielerorts die Menschen mit viel Aufwand künstlich geschaffen haben.
Schon vor Mittag erreichen wir Xakanaxa, wo wir die sehr schön gelegene Campsite Nr.1 zugeteilt bekommen. Xakanaxa ist die am schlechtesten gepflegte Campsite dieser Reise. Die Ablutions könnten man wieder auf Vordermann gebracht werden. Auch der Stellplatz selbst wurde nicht von den Hinterlassenschaften der vorherigen Camper gereinigt. Das ist besonders ärgerlich, wenn dass solche Schweine wie bei uns waren. Die hatten doch glatt Ihren gesamten Müll in der Feuerstelle entsorgt.
Bis zum nächsten Gamedrive hatten wir noch viel Zeit, die wir gemütlich auf der Campsite verbrachten, nachdem wir diese gesäubert hatten. Die Natur bot auch wieder ein interessantes Programm, für das wir uns noch nicht einmal aus den Campingstühlen erheben mussten. Während wir im Schatten saßen und lasen, lies sich ein ganzer Schwarm Drosselinge vor uns nieder, welcher sich im Gras lautstark auf die Nahrungssuche machte und auch immer mal wieder bei uns vorbei schaute, ob sich da nichts abstauben lässt. Zwischendurch besuchte uns auch eine Schirrantilope mit Ihrem Kitz. Wir verhielten uns ganz still uns so kam das Kitz ganz nah an uns heran, bis es uns bemerkte und erschrocken davon rannte.
Dann geht es los zum abendlichen Gamedrive und wir werden auch gleich mit der nächsten Katzensichtung belohnt - wofür eigentlich? Wieder ist es Kathrin, die nahe des Weges einen Leoparden entdeckt, welcher dann auch ganz entspannt vor uns her läuft, und bald darauf wieder ins Gras abbiegt. Dort begiebt er sich in Sichtweite zur Ruhe. In Sichtweite bedeutet aber leider nicht als gutes Fotomotiv, denn ringsherum ist hohes Gras.
Inzwischen liegt Kathrin bei den Sichtungen uneinholbar in Front. Die Wege sind einfach zu anspruchsvoll, als dass ich mich nur aufs Spotten konzentrieren könnte.
Wenig später entdecken wir noch ein Löwenpäärchen, welches sich im schönsten Abendlicht auf einer großen Wiese räkelt. Wir bleiben lange bei Ihnen. Man ist versucht die beiden zu knuddeln, was vermutlich aber den Verlust wichtiger Körperteile mit sich bringen würde. Deshalb verzichten wir schweren Herzens.
In der Nähe der Campsite trinken wir dann die Sonne hinter den Horizont.
Zurück im Camp wird sofort der Grill entzündet und während wir noch auf die Glut warten, zuckelt schon wieder ein fressendes Hippo am Rande unseres Stellplatzes entlang. Für uns gibt es Boerewurst mit Gemsquash.
Teil 2730. Apr. 2015
26.Tag (Mi. 14.01.2015) Moremi National Park (Xakanaxa Campsite – Khwai North Gate Campsite) 111km
Der Morgen-Gamedrive führt uns erst durch die großartigen Wälder zwischen Xakanaxa und 3rd Bridge. Daran anschließend fahren wir zu den Paradise Pools. Auch ohne besondere Tiersichtungen sind wir sehr zufrieden. Vor allem die Region um die Paradise Pools hat es uns angetan, so dass wir uns dort auch einen schönen Platz für unser Frühstück suchen.
Die Landschaft mit ihren vielen toten Baumgerippen erinnert uns stark an Dead Tree Island, hat aber den Vorteil, dass wir keine tiefe Furt durchqueren müssen.
Vom Frühstückstisch aus können wir Impalas und zahlreiche Wasservögel beobachten.
Nach dem Frühstück fahren wir weiter in Richtung Khwai. Unser erstes Ziel ist der Dombo Hippo Pool. Diesmal kommen wir von der „falschen“ Seite und unser Navi führt uns über Wege, die wahrscheinlich seit Jahren niemand mehr gefahren ist. Irgendwann haben wir es dann aber geschafft und Kathrin kann vom Hide aus Ihre dicken Lieblinge beobachten.
Entlang der Floodplains des Khwai führt uns die Fahrt zum North Gate, wo sich unsere Campsite für die folgende Nacht befindet. Wir sehen zahlreiche Lechwes und natürlich Unmengen von Vögeln.
Kurz nach Mittag erreichen wir unsere Campsite und richten uns erst einmal häuslich ein. Es ist heute nicht nur heiß, sondern auch drückend schwül. In der Ferne haben sich auch schon große Wolken gebildet.
Um 16:00Uhr starten wir zum abendlichen Gamedrive, bei dem wir die Floodplains des Khwai östlich des North Gates erkunden wollen. Auch hier sehen wir in erster Linie Lechwes. Wie schon am Vormittag stimmen auch hier Karte und GPS nicht mit der Realität überein. So manches Mal schlagen wir uns durchs dichte Unterholz in der Annahme einen Loop entlang des Ufers zu erreichen, enden dann aber in einer Sackgasse.
Es hat sich in der Zwischenzeit auch ein erstes starkes Gewitter gebildet, welches wir aus der Distanz beobachten können. Es sieht so aus, als würde es sich direkt über unserer Campsite entladen. Dabei stellen wir fest, dass wir sowohl die Campingstühle, als auch das Feuerholz auf der Campsite stehen lassen haben.
Auf dem Rückweg zur Campsite geraten wir dann auch selbst ins Gewitter und die Wege verwandeln sich augenblicklich in Rutschbahnen. Man fährt wie auf Schmierseife. Ich kann mich teilweise kaum auf den Beinen halten, wenn ich bei unübersichtlichen Schlammpassagen aussteige, um die Lage zu erkunden. Manche Stellen lassen sich nur fahren, wenn ich alle Differentiale sperre.
So schnell wie das Gewitter gekommen ist, ist es auch wieder verschwunden und der Himmel klart rasch auf. So kommen wir auch heute wieder in den Genuss eine stilvollen Sundowners.
Beim letzten Licht kommen wir zu unserer Campsite zurück. Die Stühle sind natürlich komplett durchweicht und auch das Feuerholz ist klitschnass. Mit Hilfe von Grillkohle und Grillanzündern bekommen wir unser Campfire dann aber doch zum Laufen und so steht auch heute unserem Braai nicht im Wege
Abkühlung hat das Gewitter nicht gebracht. Es ist lediglich noch schwüler geworden, was ich bis dahin nicht für möglich gehalten hätte.
Wir sind gerade mit Essen fertig, da erscheint eine Hyäne auf unserem Platz. Ein Riesentier. Dagegen waren die beiden am South Gate Zwerge. Außerdem zeigt sie keinerlei Scheu. Sie kommt ohne zu zögern auf uns zu und stellt sich erst einmal direkt neben das Lagerfeuer. Soviel zu dem Gerücht, Wildtiere hätten Angst vor Feuer. Sie trollt sich erst, als wir sie laut anschreien. Kaum haben wir dann den Tisch verlassen um aufzuräumen und mit dem Abwasch zu beginnen, steht die Hyäne am Tisch und leckt unsere Teller ab. Nur wenn man sehr aggressiv auf sie zugeht, verschwindet sie. Danach umkreist das Tier die ganze Zeit unser Camp. Wir können sie nicht einen Augenblick aus den Augen lassen, denn niemand möchte plötzlich den warmen Atem einer Hyäne im Nacken spüren. So halte ich zunächst mit dem Spaten bewaffnet Wache, während Kathrin den Abwasch erledigt. Danach nehmen wir unseren Absacker im Stehen vor der Heckklappe ein, um im Zweifelsfall in den Wagen flüchten zu können, sollte die Hyäne noch Verstärkung erhalten. Aufs Tagebuch schreiben verzichte ich diesen Abend erstmals auf dieser Reise. Ist viel zu stressig. Man will wissen, was um einen herum vor sich geht. Da passt es überhaupt nicht, den Blick in ein Buch zu vertiefen. Das Kathrin immer mal wieder kurz aufschreit, weil sie von bissigen Ameisen traktiert wird, trägt auch nicht gerade zur Entspannung bei.
Teil 2805. Mai 2015
27.Tag (Do. 15.01.2015) Khwai North Gate – Savuti 146km
In der Nacht hat es dann richtig heftig angefangen zu gewittern. Das war ein Schauspiel! Der Regen war so stark, dass wir die Seitenwände des Dachaufbaus komplett schließen mussten.
Morgens ist der Niederschlag dann in einen leichten Nieselregen übergegangen. Wir verzichten auf Frühstück und Gamedrive. Fürs Frühstück ist es uns zu ungemütlich und der Gamedrive wäre mir in dieser Gegend bei den Bedingungen zu stressig. Außerdem stellt sich die Frage, in welchem Zustand die Strecke nach Savuti ist und wie lange wir dafür brauchen. Lieber erst einmal am nächsten Etappenziel ankommen und dann dort entscheiden, wie es weiter geht.
Bei Auschecken am Gate fragt uns die Rangerin, ob wir gestern auch die Wildhunde gesehen hätten. Gegen 18:00Uhr hätte ein Rudel ein Impala quer durchs Camp gejagt. So spielt das Schicksal. Wir durchstreifen den Busch und währenddessen ist auf der Campsite Highlife.
Nächster Stop ist die Furt hinter Khwai Village. Man gut, dass ich die auch dieses Jahr wieder ablaufe, denn die Fahrspur ist jetzt eine ganz Andere als beim letzten Mal. Wäre ich einfach die bekannte Linie gefahren, hätte ich den Wagen wahrscheinlich versenkt.
Die befestigte Piste Richtung Mababe Village ist noch gut zu befahren, aber das ändert sich schlagartig, als wir in den Track Richtung Mababe Gate einbiegen. Inzwischen hat sich das Wetter zum kräftigen Landregen entwickelt und der Track ist eine einzige Aneinanderreihung von Pools. Manche waren so groß und tief, dass ich mir Sorgen machte, ob dort schon Hippos eingezogen sind. Viele Pools sind tiefer als die Furt.
Dies ist noch ein einfacher Abschnitt. Bei den tieferen Abschnitten, habe ich mich nicht getraut anzuhalten. Immer in Bewegung bleiben hieß dort die Devise.
Gleich nach dem Abzweig und somit weit außerhalb der Nationalparks kamen wir an vielen Elefantenbullen vorbei, die links und rechts der Strecke auf Futtersuche waren. Während die meisten Tiere bei Regen Schutz suchen, habe ich bei Elefanten immer den Eindruck, dass sie den Regen genießen.
Nach dem Mababe Gate fahren wir auf der Sandridge Road nach Savuti. Die Marshroad ist bei diesen Verhältnissen absolut unpassierbar. Selbst auf der Sandridge Road, die normalerweise für ihre Tiefsandpassagen berüchtigt ist, sind die unter Wasser stehenden Passagen gegenüber den sandigen Abschnitten in der Überzahl. Bei über 100km Wasserschlacht am Stück verspannt man sich ganz schön und abends brauchte ich dann erst einmal eine Massage von Kathrin, um wieder etwas geschmeidiger zu werden.
Als wir die Savuti-Region erreichen klart der Himmel im Osten auf und der regen lässt nach. Wir ändern unseren Plan und fahren nicht direkt zur Campsite, sondern zunächst zum großen Baobab, um dort in Ruhe zu Mittag zu essen. Inzwischen knurrt uns nämlich heftig der Magen.
Nicht weit entfernt zieht ein Elefant vorbei und der Regen hört ganz auf. Immer wieder lässt sich die Sonne blicken. Wir entspannen so langsam.
Für die restliche Strecke zur Campsite nehmen wir nicht den Hauptweg, sondern fahren über die zahlreichen kleinen Tracks. Hier gibt es auch reichlich Tiere zu sehen.
Besonders beeindruckend ist, wie sich hier innerhalb kurzer Zeit die Landschaft komplett verändert. Kommt man sich zum Ende der Trockenzeit vor wie in einer lebendfeindlichen Wüste…
Oktober
… fährt man 3 Monate später durch eine von saftigem Gras umgebene Seenplatte.
Januar
Jetzt sind auch zahlreiche Wasservögel anwesend.
Als wir die Savuti Campsite erreichen gewinnt endgültig die Sonne die Oberhand. Uns kommt das sehr gelegen, denn wir haben inzwischen so einiges zum trocknen.
Wir teilen unsere Campsite mit zahlreichen Baumhörnchen, die keinerlei Scheu zeigen und sehr neugierig sind. Mit denen wird es nicht eine Sekunde langweilig.
Unser Abend-Gamedrive führt uns auf der Südostseite des Channels bis in die Savuti-Marsh. Die Wege stehen zwar fast alle unter Wasser, sind aber gut zu befahren, da der Untergrund aus Sand besteht und wir dadurch keine Probleme mit Schlamm haben.
Savuti ist Elefantenland und so gehören die Dickhäuter zu unseren ständigen Begleitern. Normalerweise mag ich keine Arschfotos von Tieren, aber keine Regel ohne Ausnahme.
Wir sehen viele Vögel. Besonders interessant ist das Verhalten der Karmesinspinte. Sie haben anscheinend gelernt, dass die Autos Insekten aufscheuchen und fliegen deshalb immer mit Fahrzeuggeschwindigkeit vor oder neben der Motorhaube. Hält man an, lassen sie sich auf nahe gelegenen Ästen nieder und sowie man wieder startet fliegen sie wieder neben einem her.
In der Marsh nutzen wir die Furt durch den Savuti-Channel um auf die Westseite zu gelangen. Witziger weise herrscht hier während der Regenzeit Niedrigwasser und so lassen sich die Furt und weite Teile der Marsch besser als während der Trockenzeit befahren.
Auf dem Rückweg zur Campsite läuft ewig ein Elefant vor uns auf dem Weg entlang und blockiert uns. Zeitplanung ist in Elefantengebieten immer Glückssache. Als er sich in einem neben dem Weg befindlichen Schlammloch ausgiebig der Körperpflege widmet, werden wir für unsere Geduld großzügig entlohnt.
Für einen Sundowner ist es dann zu spät. Man muss halt Prioritäten setzen. So fahren wir direkt zurück zu unserer Campsite und stoßen dort auf den vergangenen Tag an.
Als es dunkel ist ertönt ein Ohren betäubendes Froschkonzert. Das ist auch gut so, denn dadurch hört man den Generator nicht, der inzwischen direkt am Waschhaus steht und nicht mehr einige hundert Meter entfernt am Abzweig zum Airstrip.
Es knackt auch die ganze Zeit laut im Unterholz auf der anderen Seite des Channels. Wir können aber nicht heraus bekommen, wer dort unterwegs ist.
Ich hab mir tagsüber einen Akaziendorn in den Finger gerammt und der Einstich tut noch immer sehr weh. Ich frag mich, ob die Dornen mit einer Schmerz verstärkenden Substanz überzogen sind. Wenn man sich mit einer Nadel sticht oder mit einem Messer schneidet, vergeht der Schmerz wesentlich schneller.
Teil 2912. Mai 2015
28.Tag (Fr. 16.01.2015) Savuti – Ihaha 190km
Der Morgen-Gamedrive führt uns auf der Marshroad nach Süden, soweit es die Pistenverhältnisse zulassen. Wir kommen bis zur Marabou Pan. Hier wimmelt es nur so von Tieren. Zebras, Gnus, Warzenschweine und Giraffen in Massen.
Auf dem Rückweg geht des dann durch die Marsh. Skurilerweise lässt es sich hier derzeit am besten fahren, da Niedrigwasser herrscht und das Wasser der letzten Regenfälle besser von den Pisten abläuft.
Da einem die großen Weidetiere ohnehin immer ins Auge springen, widmen wir uns heute wieder viel den kleineren Vertretern der Fauna. Primär sind dies die Vögel, von denen es in der Gegend reichlich gibt.
Es ist aber auch wieder die eine oder andere Schildkröte aus dem Weg zu räumen, was Kathrin besonders gefällt, da es die einzigen Tiere sind, für die das afrikanische Tier-Paradoxon nicht gilt. Was, Ihr wisst nicht was das ist? Ganz einfach: Alle Tiere, die man gefahrlos streicheln könnte, laufen weg. Alle Tiere, die nicht weglaufen, kann man leider nicht gefahrlos streicheln. Einzige Ausnahme sind die Schildkröten.
Brunch gibt es wieder unter dem großen Baobab. Einen besseren Picknickplatz kann man sich kaum vorstellen.
Dann heißt es Abschied nehmen, von unserem liebsten Gebiet in Botswana. Savuti war wieder ein Traum und wird auch zukünftig bei keiner Botswana-Tour fehlen.
Die Strecke zum Goha Gate und weiter bis zur Asphaltstraße in Kachikau ist dann wieder eine Wasser- und Schlammschlacht. Wieder sind viele Pfützen tiefer als die Furten im Moremi. Über den zweiten Gang kommen wir nicht hinaus. Der Wagen quietscht inzwischen sehr erbärmlich. Über 300km Wasser/Sand-Schleifemulsion gehen auch an einem Geländewagen nicht spurlos vorüber und dies ist auch ganz besonders bei den Bremsen des Landcruisers ein Schwachpunkt. Das hatten wir auch schon auf anderen Reisen.
Am späten Nachmittag erreichen wir die Chobe Riverfront. Gegenüber in Namibia wird mal wieder Gras abgebrannt. Machen die das eigentlich das ganze Jahr über? So langsam nervt es mit dem Rauch. Ich möchte hier auch mal wieder einen nicht vom Rauch getrübten Himmel erleben.
Wir fahren direkt zur Campsite Ihaha. Beim Checkin erfahren wir, dass in der vorherigen Nacht ein Auto aufgebrochen worden sei und man deshalb jetzt einen Sicherheitsdienst vor Ort hätte.
Unser Stellplatz liegt traumhaft schön und bietet einen weiten Blick über die Flussniederung. Wir beschließen, heute das Auto stehen zu lassen und die Natur von hier aus zu genießen. Schon bald kommt ein einzelner Elefant bei der Futtersuche ganz dicht hinter uns vorbei.
Unten am Fluss tummelt sich zunächst eine große Büffelherde, die schon bald von einer Elefantenherde abgelöst wird.
Während dessen braut sich im Westen ein Gewitter zusammen, welches uns recht bald erreicht. Der Wolkenbruch hält nur kurz an, aber danach nieselt es noch eine ganze Zeit lang. Da sind wir mal wieder dankbar für unsere Markise. So können wir schon mit dem kochen beginnen. Aufs Grillen verzichten wir heute angesichts des Wetters, denn es sieht die ganze Zeit so aus, als könne es jeden Moment wieder mit dem Regen losgehen.
Die Gewitterstimmung hat aber auch ihr Gutes. Durch ein Wolkenloch bricht die Sonne hindurch und zaubert einen wunderschönen Sonnenuntergang mit Regenbogen in die Landschaft.
Die Paviane, von denen es hier reichlich gibt, habe die Bäume rings um unsere Campsite zum schlafen erwählt. Dumm gelaufen, für eine Meerkatzen-Mama mit Baby, die die gleiche Idee hatte und nun um ihr leben fürchten muss, denn die Paviane versuchen sie für ein Betthupferl zu erwischen. Gerade so gelingt Ihr durch einen spektakulären Sprung auf unser hoch geklapptes Dach die Flucht.
Überrascht hat uns, dass die Paviane hier nicht ein einziges Mal versucht haben, sich bei uns zu bedienen. Das sind wir anders gewohnt.
Nach dem Abendessen genießen wir noch das Wetterleuchten über Namibia. Unten in der Flussniederung ziehen zwei Hyänen vorbei und wir hören laut die Löwen brüllen.
Teil 3019. Mai 2015
29.Tag (Sa. 17.01.2015) Ihaha – Kasane 103km
Um die Sicherheit auf der Campsite zu gewährleisten, wurden in der Nacht Patrolien gefahren und die Umgebung mit Taschenlampen ausgeleuchtet. Dadurch war zwar alles save, aber leider auch recht unruhig und wir haben nicht so gut geschlafen, wie die letzten Nächte.
Es ist kein Vergnügen, wenn eine Pavian-Gruppe die umliegenden Bäume der Campsite als Schlafplätze auswählt. Wirklich unglaublich, was für Mengen die Biester scheißen. Die ganze Zeit über hört man es um sich herum aus den Bäumen nach unten platschen. Entsprechend penetrant stinkt es am nächsten Morgen. 🤢
Aus diesem Grund starten wir auch sofort zum Gamedrive. Hier kommt kein Appetit auf. Doch auch beim Gamedrive dominieren zunächst die Paviane. Wir treffen eine Gruppe nach der anderen und jede davon kommt uns riesig vor.
Ein paar Kilometer weiter treffen wir am Ufer einen bildhübschen Junglöwen. Aus der Entfernung hatten wir zunächst eine Löwin vermutet, bis wir dann beim Näherkommen das entscheidende Detail bemerkten und feststellten, dass dem Jüngling lediglich noch der Bartwuchs fehlte.
Östlich von Serondela steht dann ein Schild, welches die Weiterfahrt nur mit einem River-Ticket erlaubt. Davon hatten wir bislang noch gar nichts gehört und auch die Ranger am Gate hatten dieses Ticket mit keiner Silbe erwähnt. Also beschließen wir, das Schild zu ignorieren. Aufgrund der Einbahnstraßenregelung geht es zunächst oben am Hang weiter nach Osten, um dann vom Sedutu-Valley aus den River-Drive zurück nach Serondela zu fahren.
Wir werden für unsere Risikobereitschaft auch schon bald belohnt. Kurz bevor wir das Sedutu-Valley erreichen, stehen links von uns jeder Menge Marabus. Als ich anhalte, um sie zu fotografieren, entdecke ich im Hintergrund noch etwas viel interessanteres.
Unten auf den Überschwemmungswiesen liegt ein Rudel Wildhunde. So bleiben wir nicht lange bei den hässlichen Vögeln, sondern sehen zu, dass wir so schnell wie möglich auf den River-Drive und zu den Wildhunden gelangen. Die sind dann glücklicherweise noch an Ort und Stelle.
Im weiteren Verlauf des River-Drives sehen wir dann einige Hippos außerhalb des Wassers. Die scheinen hier besonders verfressen zu sein und nachts nicht satt zu werden.
Wir gelangen zurück nach Serondela, ohne bezüglich eines River-Tickets kontrolliert worden zu sein. Bei unserem Glück mit den botswanischen Rangern grenzt das schon an ein kleines Wunder.
Die Picknick-Site von Serondela nutzen wir dann auch zum Frühstück. Hier gibt es sehr viele diebische Meerkatzen. Anscheinend sind es die dreisten Biester gewohnt, dass die Touristen Angst vor Ihnen haben, denn einer springt gleich auf unseren Tisch, um sich zu bedienen und obwohl wir daran sitzen. Da hat er aber die Rechnung ohne Kathrin gemacht, von der er sich gleich einmal eine ordentliche Kopfnuss einfängt und daraufhin schleunigst das Weite sucht. Danach kommt die Schleuder zu Einsatz und damit ist auch für den letzten Affen klar, wo die Bannmeile um unseren Frühstückstisch beginnt. So begnügen wir uns damit, uns gegenseitig zu beobachten.
Nach dem Frühstück geht es dann durchs Hinterland direkt nach Kasane. Unterwegs gibt’s in erster Linie Impalas zu sehen.
In Kasane führt uns unser erster Weg zum Supermarkt, um unsere Vorräte wieder aufzustocken. Die Frischwaren kaufen wir aber erst, wenn wir Kasane wieder verlassen.
Danach checken wir in unserer üblichen Unterkunft in Kasane ein, der Campsite der Chobe Safari Lodge. Wir haben beschlossen zwei Tage zu bleiben. Die Huntersroad ist nach den Regenfällen der letzten Tage wahrscheinlich unbefahrbar und bei unserem Wagen müssen dringend die Bremsen gemacht werden. Da bietet sich ein voller Tag in Kasane bestens an.
Nach kurzem Telefonat kommt auch bald ein Mechaniker von Bushlore vorbei und untersucht den Wagen. Er bestätigt unsere Diagnose und sagt uns eine Reparatur für den folgenden Tag zu, obwohl es sich dabei um einen Sonntag handelt.
Um 15:00Uhr starten wir dann auf den Boatscruise, den wir bei der Chobe Safari Lodge gebucht haben. Wie üblich auf einem sehr großen Boot, welches aber nur zu einem Viertel besetzt ist, so dass man viel Bewegungsspielraum zum fotografieren hat.
Zu Beginn befürchten wir noch, dass wir komplett verbrutzeln, da wir unseren Sonnenschutz vergessen haben. Schon bald müssen wir allerdings feststellen, dass sich von hinten ein starkes Gewitter angeschlichen hat. Wir sind noch keine Stunde unterwegs, da bricht es mit aller Macht los. Durch den Sturm werden die heruntergelassenen Regenplanen immer wieder losgerissen und bald sich alle an Bord bis auf die Haut durchnässt. Eine Fortsetzung der Fahrt hat keinen Sinn und so beschließen wir einstimmig die Rückkehr. Tiere haben wir kaum gesehen, dafür aber ein Naturschauspiel hautnah miterlebt.
Beim Sprint vom Boot in die Bar lege ich mich erst einmal ordentlich auf die Fresse. Bei Nässe ist der Fußboden der Lodge mit Crocs spiegelglatt. Mit einem Heißgetränk warten wir ab bis der Regen nachlässt und ziehen dann auf die Campsite um. Hier hat es eine sehr gemütliche Bar direkt am Fluss, wo wir einen wunderschönen Sundowner erleben, da die Sonne zu guter Letzt doch noch durch die Wolken bricht.
Zum Dinner gehen wir zurück in die Lodge. Das gute Buffet ist einer der Hauptgründe, weshalb wir in Kasane immer auf der Campsite der Chobe Safari Lodge übernachten.
Teil 3129. Mai 2015
30.Tag (So.18.01.2015) Kasane 0km
Der Tag startete mit einem geführten Gamedrive an der Chobe River Front. Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht, da ich so gut wie keine hatte. Ich wollte lediglich gemütlich durch den Nationalpark kutschiert werden und mich um nichts kümmern müssen. Das eine oder andere Tier wird schon vorbei schauen. So ist es dann auch. Wir sehen die üblichen Verdächtigen, aber keine Highlights. Der Safariwagen war mit 9 Personen komplett gefüllt, ich hatte hinten links aber einen guten Platz zum fotografieren.
Da war unsere Ausbeute auf den eigenen Gamedrives meist deutlich besser, was mein Vorurteil bestätigt, dass geführte Gamedrives im Bezug auf die Sichtungen keinen Vorteil bieten. Lediglich der Fahrer kann ausnahmsweise mal entspannen.
Bei Serondela machen wir Kaffeepause. Die Aufdringlichkeit der Affen wundert mich nicht, als ich sehe, wie eine Japanerin die Tiere mit Keksen füttert. Als das der Guide sieht, kassiert sie einen ordentlichen Anschiss – richtig so.
Eigentlich sollte unser Wagen um 9:00Uhr zur Reparatur abgeholt werden. Da uns unser Guide unbedingt, aber leider vergeblich, noch Katzen zeigen wollte, haben wir ordentlich überzogen und verpassen dadurch unseren Termin. Wir können uns jedoch auf einen neuen Termin um 12:00Uhr verständigen, der dann auch klappt.
Den Tag verbringen wir dann mit lesen auf unserer Campsite. Ist es morgens noch bedeckt, so kommt gegen Mittag die Sonne raus und wir müssen uns in den Schatten der Bäume flüchten.
Um 15:00Uhr starten wir auf einen privaten Boatscruise mit unserem Skipper Cherry.
Wie üblich sind die Wasservögel das erste, was man sieht.
Krokodile findet man auch jede Menge. Von ganz klein bis riesig. So ein großes Krokodil hatten wir im südlichen Afrika noch nie gesehen. Das kannten wir bislang nur vom Mara River.
Mit Elefanten haben wir eigentlich nicht gerechnet, da es in den letzten Tagen sehr viel geregnet hatte und die Tiere auch im Busch ausreichend Wasser finden und somit nicht zum Fluss kommen müssen. Cherry hatte aber eine Idee, wo wir trotzdem fündig werden können. In der Nähe der Puku Flats gibt es am Ufer eine Salzlecke, die sehr häufig von Elefanten besucht wird, da sie hier anschließend gleich ihren Durst löschen können. Wir hatten Glück und es waren tatsächlich mehrere Gruppen dort. Wir waren das einzige Boot aus Kasane, die normalen Boatcruises fahren nicht so weit.
Über eine halbe Stunde lang hielten wir uns bei den Elefanten auf. Wie schon zuvor bei dem Riesenkrokodil zeigte Cherry ein gutes Gespür für die perfekte Fotoposition, so dass ich nur ganz selten einen Wunsch äußern musste. Ich saß die ganze Zeit vorne auf dem Bug und niemand machte mir diese Position streitig.
Als dann noch zwei Jungbullen eine Wasserschlacht starteten und kräftig miteinander rangelten, konnte man nur noch von einer perfekten Tour sprechen.
Inzwischen hatte sich über Kasane eine große Gewitterwolke aufgetürmt und da wir alle keine Lust auf eine Dusche hatten, fuhren wir zügig zurück. Trotzdem kam es noch zu einigen Fotostops.
Hinterher stellten wir uns die Frage, weshalb wir noch nie vorher einen privaten Boatcruise gemacht haben. Ein schwerer Fehler, der uns ganz sicher nie wieder passieren wird. Man hat eine viel größere Reichweite, kann sich die beste Fotoposition im Boot aussuchen und das Boot in die Position manövrieren, die man gerne hätte. Der Tipp hier aus dem Forum, den Boatscruise bei Nkwe Bookings zu buchen war goldrichtig.
Als wir zu unserer Campsite zurückkommen, schallt uns laut Mittelalter-Rock entgegen. Das Mittelalterliche Phantasie Spektakulum ist auf seiner jährlichen Winterreise mit 12 Fahrzeugen auf der Campsite angekommen. Zum Glück mag ich die Musikrichtung recht gern und habe bei den Campsites in der Zivilisation auch kein gesteigertes Ruhebedürfnis. Andere Afrikafahrer wären da wahrscheinlich nicht so begeistert.
Unser Auto ist auch fertig und steht bereits wieder auf der Campsite. Die hinteren Bremsen waren wie vermutet komplett runter. Trommelbremsen sind bei Schlamm einfach unpraktisch. Außer uns stehen noch mehrere andere Fahrzeuge von Bushlore auf der Campsite. Da haben die extremen Pistenverhältnisse der letzten Tage noch erheblich höheren Tribut gefordert und die Mechaniker können sich über mangelnde Arbeit wahrlich nicht beschweren.
Als es dunkel wird türmt sich ein gewaltiges Gewitter am anderen Flussufer auf. Es blitzt und donnert in einer Tour, aber auf unserer Seite bleibt es trocken. Trotzdem gehen wieder in die Lodge zum Dinner. Selbstverpflegung haben wir die nächsten Tage noch mehr als genug.
Dann bricht die Käferinvasion los. Überall fallen tote schwarze Käfer in der Größe von Maikäfern vom Himmel. Überall liegen sie in letzten Zuckungen am Boden und auch das Buffet wird nicht verschont. Da hatten dann selbst die vegetarischen Gerichte eine Fleischeinlage. 😉
Teil 3204. Juni 2015
31.Tag (Mo. 19.01.2015) Kasane – Hwange National Park „Deteema Dam“ 197km
Bevor wir uns wieder in die Wildnis verabschieden, gönnen wir uns als letzten Luxus noch einmal das Frühstücks-Buffet der Chobe Safari Lodge. Danach kaufen wir noch die Frischwaren für die kommenden Tage im nahe gelegenen Checkers ein und los geht’s.
Der Grenzübergang Pandamatenga ist rasch erreicht – ist ja echt niedlich. Hier sagen sich Fuchs und Hase gute Nacht. Auf der botswanischen Seite führt zumindest noch eine Asphaltstraße bis an die Grenze. Auf zimbabwischer Seite führt dann nur noch eine einspurige unbefestigter Buschpiste weiter.
Der Grenzübertritt kostet uns insgesamt 130,-US$. 2x30,-US$ Visa; 30,-US$ Carbon Tax; 30,-US$ Autoversicherung und 10,-US$ Road Fee. Alles korrekt und mit Quittung. Die Offiziellen auf beiden Seiten der Grenze sind sehr freundlich. Nach einer Stunde haben wir die Grenze passiert.
Am Gate in den Hwange National Park werden wir von einem sehr netten Ranger willkommen geheißen und das setzt sich in Robins Camp so fort. Dort kann man unsere Buchungen für die nächste 2 Nächte zwar nicht nachvollziehen und hat auch keine Unterlagen, dass wir bereits bezahlt haben. Da aber auch keine gegenteiligen Informationen vorliegen, glaubt man unseren Angaben, und will im Nachhinein unsere Angaben überprüfen. Wir hatten selbstverständlich gebucht und bezahlt und so hörten wir in dieser Sache auch nichts weiter.
Der Weg vom Gate bis Robins Camp war sehr tierarm. Wir sahen zunächst nur ein einziges Tier – ein einsames Impala. Nur wenige hundert Meter vor Robins Camp kamen dann noch 13 weitere Tiere dazu, die es aber in sich hatten, denn es handelte sich um ein großes Rudel Wildhunde. 7 Alttiere und 6 Halbwüchsige. Die Jungtiere waren im Gegensatz zu den Alttieren deutlich scheuer.
Auf dem Weiterweg zum Deteema Dam sahen wir dann wieder nur sehr vereinzelt Tiere. Die Vegetation ist hier im Park schon sehr dicht.
Deteema Dam ist ein Traum. So einen schnuckeligen Übernachtungsplatz findet man nur selten. Dazu sieht man hier mehr Tiere als auf unseren bisherigen Gamedrives im Park.
Wir beschließen, auf den Abend-Gamedrive zu verzichten und lieber die Stimmung hier am Dam zu genießen. So verbringen wir einen sehr relaxten Nachmittag mit Zebras und Impalas am Ufer und Hippos im Wasser. Dazu noch zahlreiche Vögel. Ich versuche mich an Flugfotos, was aber kläglich scheitert.
Irgendwann tauchen der Caretaker und ein Ranger auf. Sie kommen zu Fuß aus dem Busch. Da fragt man sich, wo die wohnen. Obwohl schon bei unserer Ankunft alles sehr sauber war, wird noch einmal komplett durchgeputzt. Auch Feuerholz wird uns gratis gestellt. Der Platz hat Toiletten und Wasser. Eine Dusche muss man sich selbst installieren.
Zum Abend hin zieht sehr schnell eine Gewitterfront auf, so dass ich hektisch anfange das Braai vorzubereiten, denn wir haben ein ganzes Rinderfilet, welches es zusammen mit einem kleinen Salat zum Abendessen geben soll. Letztendlich geht alles gut, denn das Gewitter zieht in der Nähe vorbei und bei uns fallen nur einige wenige Tropfen. Allerdings weht ein heftiger Wind. Wir sind auf jeden Fall froh über unseren geschützten Sitzplatz im Hide.
Als es dunkel ist, zoffen sich ganz in der Nähe Schakale oder kleine Katzen. Es hört sich zumindest genauso an, als wenn sich unsere Nachbarskatzen bei uns im Garten prügeln.
Teil 3312. Juni 2015
32.Tag (Di. 20.01.2015) Deteema Dam – Masuma Dam (Hwange National Park) 127km
Nachts sind Löwen direkt an der Campsite vorbei gezogen. Wir haben sie mehrfach laut brüllen gehört.
Der Himmel ist mit dunklen Wolken bedeckt und das wird sich auch den ganzen Tag über nicht ändern. Einen Großteil des Tages regnet es und die Landschaft erscheint dadurch sehr düster.
Unser Morgengamedrive führt uns zur Salt Pan und zum Crocodile Pool. Durch das schlechte Licht und die dichte Vegetation finden sich keine lohnenden Fotomotive. Der Hide am Crocodile Pool wird gerade neu eingedeckt. Es freut mich, dass man versucht, die Infrastruktur zumindest teilweise wieder instand zu setzen. Dringend nötig wäre dies auch bei den Wegen. Früher müssen die Pisten einen vergleichbaren Stand wie im Etosha Nationalpark aufgewiesen haben. Da zumindest die Nebenstrecken seit langem nicht mehr gepflegt wurden, hat hier in vielen Fällen der Verfall eingesetzt. Jetzt in der Regenzeit waren einige Abschnitte nur noch unter Einsatz aller Differentialsperren zu befahren.
Zum Frühstück kehren wir nach Deteema Dam zurück.
Dann brechen wir zu unserem nächsten Übernachtungsplatz auf, zum Masuma Dam. Auf dem Weg dorthin sehen wir zweimal kurz Elefanten, die aber sofort im Dickicht verschwinden und nicht mehr zu sehen sind.
Mit Masuma Dam haben wir wieder eine sehr schöne Campsite erwischt. Man kann direkt hinter dem Hide stehen, der einem bei diesem Wetter einen trockenen Platz zum Kochen und Essen bieten. Dazu der Blick über die Wasserstelle, die mit erstaunlich vielen Tieren aufwartet. Hippos und Krokodile leben im Dam und dazu sehen wir Impalas, Warzenschweine, Wasserböcke, Kudus und einen Schakal.
Nachmittags machen wir noch einen kurzen Ausflug zur Shumba Pan. Tiere sehen wir hier nicht. Wir schauen uns dann noch die Campsite an, welche sehr schön unter gewaltigen uralten Bäumen liegt. Leider ist die vorherige Nacht das Toilettenhäuschen durch einen Blitzschlag abgebrannt. Ich hoffe, man bekommt rasch die Mittel für einen Wiederaufbau.
Den Rest des Tages verbringen wir dann im Hide auf Masuma Dam. Es wuseln hier auch reichlich Kleintiere rum.
Bei Masuma Dam ist auch ein Ranger stationiert, der für die Campsite und die Region ringsum zuständig ist. Er heißt Godfrey und ist ein ausgesprochen höflicher und sensibler Mensch, der sehr unter der Einsamkeit leidet, denn momentan ist absolute Nebensaison. Die letzten Übernachtungsgäste hatte er vor 2 Wochen und der letzte Kontakt zu Durchreisenden ist auch schon 4 Tage her. Er ist jetzt schon seit 6 Wochen hier. Die meiste Zeit davon allein, so auch über Weihnachten. „2 Wochen muss er noch durchhalten, bis er abgelöst wird und zu seiner Familie fahren kann.
Im Hide sitzend unterhalten wir uns lange und intensiv mit Godfrey, der uns viel über das Leben im heutigen Zimbabwe berichtet. Das Leben ist in den letzten Jahren immer schwieriger geworden, auch für ihn. So wurden die Ranger auf den Außenposten früher wöchentlich aus den Hauptcamps mit Lebensmitteln versorgt. Heute müssen Sie die gesamte Verpflegung für die 8-Wochen Schicht selbst mitbringen, so dass es nur noch Reis, Maismehl und getrocknete Hülsenfrüchte gibt. Als wir dies hören, ist es für uns selbstverständlich, dass wir unsere Notfallreserven anbrechen, um unser Abendessen zu verlängern und mit Godfrey zu teilen. Er hat vor Dankbarkeit Tränen in den Augen.
Zum Abschied fragt uns Godfrey nach englischsprachiger Lektüre für die einsamen Stunden hier in der Wildnis. Unser einziges englisches Buch ist ein Bestimmungsbuch für die Säugetiere des südlichen Afrikas. Da wir es schon seit Jahren nur noch mit uns rumschleppen, ohne darin nachzuschlagen, überlassen wir es ihm gerne. Er freut sich riesig, da das Buch auch noch einen direkten Bezug zu seiner Arbeit hat, die er trotz allem aufrichtig liebt.
Kurz bevor wir ins Bett gehen, können wir im Licht der Taschenlampe noch Hyänen unten am Dam beobachten.
Teil 3418. Juni 2015
33.Tag (Mi. 21.01.2015) Masuma Dam – Sinamatella (Hwange National Park) 97km
Der Morgengamedrive führt uns über den Lukosi River Loop zum Mandavu Dam. Hier gibt es eine sehr schöne, direkt am großen See gelegene, Picknicksite mit Hide. Diesen nutzen wir für unser Frühstück, denn das Wetter ist weiterhin unbeständig und es fällt immer mal wieder etwas Regen.
Auf der Fahrt sehen wir immer mal wieder vereinzelt Tiere, Fotos haben aber keinen Sinn. Das Licht ist schlecht und die Viecher sind immer zum großen Teil von Pflanzen verdeckt. Die Vegetation ist derzeit enorm dicht.
So beschließen wir, direkt nach Sinamatella zu fahren und schon bald taucht der Tafelberg, auf dem dieses Camp liegt, vor uns auf.
Den Tag verbringen wir dann auf unserer Campsite, die direkt an der Abbruchkante des Berges liegt und einen weiten Blick über die Landschaft bietet.
Am Nachmittag zeigen sich dann endlich erste Löcher in der Wolkendecke, als wir zum Gamedrive aufbrechen. Das wird unsere mit Abstand tierreichste Fahrt hier im Hwange National Park. Dies liegt unter anderem auch daran, dass die Landschaft zu Füßen von Sinamatella viel offener ist, als in den Gebieten, die wir bislang befahren hatten.
Erst geht es noch klein los, aber ein Hornrabe ist mit seiner schwarz-roten Zeichnung auch immer ein schönes Fotomotiv.
Dann gibt es endlich Elefanten, die nicht gleich flüchten, sondern in Ruhe weiter fressen und später sogar auf uns zukommen.
Nach diversen anderen Antilopen kommen wir dann noch an einem Kudu vorbei, der sich auf einem Felsvorsprung so schön in Positur gestellt hat, dass man ihn einfach fotografieren muss.
Rechtzeitig zum Sonnenuntergang sind wir zurück in Sinamatella. Es gibt jetzt wieder ein kleines Restaurant auf Sinamatella, welches sehr schön direkt an der Abbruchkante liegt. Da wir noch recht viele Lebensmittel dabei haben, können wir dort zwar nicht zu Abend essen, aber doch zumindest zum Sundowner einkehren. Der ist dort auf der Terrasse richtig schön, denn die Sonne ist tatsächlich noch rausgekommen und hat zum Ende des Tages die Wolken weitgehend verdrängt. Es gibt hier auch einige Dassies und mit dem Fernglas kann man die Tiere unten in der Ebene beobachten. Da stört es auch nicht, dass die Sonne leider in unserem Rücken untergeht.
Unser abschließendes Fazit zum Hwange National Park fällt sehr positiv aus, obwohl wir nur wenige Tiere gesehen haben. Dies ist aber in erster Linie der Jahreszeit und der damit verbundenen dichten Vegetation anzurechnen. Gleichzeitig hat aber auch die saftig grüne Landschaft einen besonderen Reiz. Darüber hinaus sind allein schon die traumhaft gelegenen Campsites einen Besuch im Hwange National Park wert. Wir werden bei unserer nächsten Reise auf jeden Fall wieder vorbei schauen. Mal sehen, wie sich der Park Ende Mai präsentiert.
Teil 3506. Juli 2015
34.Tag (Do. 22.01.2015) Sinamatella – Matopo National Park 451km
Nachts werden wir wach, als es auf unserer Campsite laut scheppert. Im Licht der Taschenlampe können wir eine Hyäne dabei beobachten, wie sie die Mülleimer plündert. Danach müssen wir tatenlos mit ansehen, wie sie sich unseren Grill schnappt und damit davon zieht. Wir haben aber Glück und die Suche am nächsten Morgen ist erfolgreich. So ein Grill schmeckt vielleicht ganz lecker, macht aber nicht satt. So muss unser geplantes Abschlußgrillen am letzten Abend doch nicht ausfallen.
Heute war in erster Linie ein Fahrtag. Wir verzichteten auch auf einen Morgen-Gamedrive, da wir nicht abschätzen konnten, wie schnell man auf den Straßen Zimbabwes voran kommt und am Ende des Tages keinen Stress riskieren wollten.
Gleich nachdem man den Nationalpark verlassen hat, durchquert man ein großes Kohle-Abbaugebiet. Die Kohle wird hier anscheinend im Tagebau abgebaut. Die Straßen sind vom Kohlestaub pechschwarz.
Die Hauptstraße nach Bulawayo führt zunächst durch abwechslungsreiche hügelige Landschaft mit vielen kleinen Dörfern, wird dann aber immer eintöniger.
Es gibt auf der Strecke jede Menge Roadblocks. Habe irgendwann aufgehört zu zählen. Ich frage mich immer wieder, was für einen Sinn diese Roadblocks haben? Meistens werden wir durchgewunken. Einmal werden wir angehalten und nach Waffen gefragt. Ansonsten geht es immer darum, dass unser Auto so dreckig ist. Was erwarten die bei deren Pistenverhältnissen während der Regenzeit? Da ich die Scheinwerfer, Blinker und Rücklichter aber wohlweißlich geputzt hatte, hatten sie keine Handhabe gegen uns und wir durften immer unbehelligt weiterfahren.
Wir müssen einmal komplett durch Bulawayo hindurch. Immerhin die zweitgrößte Stadt in Zimbabwe. Die quirlige Stadt macht einen sehr ordentlichen Eindruck. Ich habe den Eindruck, dass man sich hier mit allem versorgen kann, was man als Selbstfahrer benötigt.
Dann ist es nicht mehr weit bis zum Matopo National Park, den wir am frühen Nachmittag erreichen. Die Landschaft ist wirklich einzigartig. So etwas schönes habe ich selten gesehen.
Wir machen einen kurzen Spaziergang zum White Rhino Shelter, um die dortigen Felsmalereien zu bewundern. Es ist schön, mal wieder ein paar Schritte zu Fuß zu gehen und der Felsüberhang ist sehr schön gelegen.
Danach machen wir erst einmal unsere Campsite am Maleme Dam klar. Alles ganz easy, denn wir sind die einzigen Gäste. Die Sanitäreinrichtungen sind anscheinend recht neu und in gutem Zustand.
Zum Sundowner besuchen wir den View of the World mit dem Grabmal von Cecil Rhodes. Es gibt wahrscheinlich kaum ein schöneres Plätzchen für die letzten Momente des Tages.
Zurück auf der Campsite gibt es Nudeln mit Thunfischsauce, denn unsere Fleischvorräte sind inzwischen erschöpft.
Teil 3615. Juli 2015
35.Tag (Fr. 23.01.2015) Matopo National Park – Francistown 237km
Der Whovi Game Park ist ein Teilbereich des Matopo National Parks. Hier soll es mehr Tiere zu sehen geben, als in den anderen Teilen des Nationalparks. Unter anderem Nashörner. Wir machen uns somit früh auf den Weg zum Gamedrive.
Der Gamedrive ist dann leider eine ziemliche Enttäuschung. Wir sehen weder Nashörner, noch anderes Wild. Es ist absolut tote Hose. Auch an den schön gelegenen Hides ist kein einziges Tier zu entdecken.
Wenigstens ist die Landschaft wie in den anderen Teilen Matopos wunderschön, so dass man zumindest in dieser Hinsicht etwas für die Tierarmut entschädigt wird.
Zum Frühstück suchen wir dann die sehr schön an einem Stausee gelegene Mpopoma Picknick Site auf. Die Infrastruktur ist verfallen, aber wir haben ja was wir brauchen dabei und die Lage entschädigt für alles. Außerdem gibt es im See Hippos – endlich Tiere.
Dann heißt es auch schon Abschied nehmen von Zimbabwe. Bis zur Grenze ist es nicht weit und die Roadblocks bis dahin winken uns alle durch.
Die Ausreise aus Zimbabwe gestaltet sich absolut problemlos.
Dieser erste Test bezüglich Zimbabwe als Reiseland ist aus unserer Sicht sehr positiv verlaufen. So positiv, dass unsere nächste Afrikareise komplett in Zimbabwe stattfinden soll. Dann wollen wir weitere Teile des Landes kennenlernen.
Bei der Einreise nach Botswana erleben wir dann mal wieder den Irrsinn, der sich immer mal wieder in der afrikanischen Bürokratie finden lässt. Ganz besonders an den Grenzübergängen. Wie an allen Grenzen während dieser Reise findet sich auch hier bei der Einreise eine zusätzliche Gesundheitskontrolle aufgrund der Ebola-Epidemie in Westafrika. Dort sollen wir auf einmal unsere Gelbfieberimpfung nachweisen. Grund dafür ist unsere mehrere Jahre zurück liegende Reise nach Uganda, die aus unseren Reisepässen zu entnehmen ist. Es ist reiner Zufall, dass wir unsere Impfpässe auch bei dieser Reise dabei haben und vor allem, dass die Gelbfieberimpfung noch immer gültig ist. Das wäre bestimmt eine interessante Diskussion geworden, hätten wir die Impfpässe nicht dabei, oder wäre die Impfung bereits abgelaufen.
An der Veterinärkontrolle werden wir dann unsere Tomaten los, welche wir noch in Kasane gekauft hatten. Es hat immer einen Hauch von Glücksrad, welche Waren gerade auf dem Index stehen und herausgefischt werden.
In Francistown müssen wir dann noch schnell unsere Tomaten ersetzen, bevor es dann zum Marang Gardens Hotel geht, welches eine schöne Campsite bietet, die angenehm unter riesigen Schattenbäumen liegt. Hier entspannen wir den Nachmittag und auch am Abend lassen wir es gemütlich angehen. Wir kochen heute nicht selbst, sondern gehen ins Restaurant des Hotels. Alles Lecker, jedoch kein besonderes Highlight.
Teil 3721. Juli 2015
36. Tag (Sa. 24.01.2015) Francistown – Marakele National Park 520km
Obwohl wir erst noch ein wenig verschlafen haben, kommen wir doch sehr früh los. Inzwischen sind wir gut eingespielt, was viel Zeit spart.
Die Hauptstraße von Francistown nach Gaborone ist in bestem Zustand, aber sowie wir sie verlassen, heißt es Slalom um die Schlaglöcher fahren. Erst in Südafrika wird es wieder besser.
Für die Grenze brauchen wir eine halbe Stunde. Eigentlich recht schnell, aber ich finde es trotzdem immer wieder verwirrend, das die Abläufe auch innerhalb eines Landes von Grenzübergang zu Grenzübergang unterschiedlich sind. Da scheint noch viel Willkür zu herrschen.
Kurz vor Lephalale knallt uns dann bei Tempo 120km/h ein dicker Kamikaze-Käfer gegen die Windschutzscheibe. Das Ergebnis ist ein ca. 15cm langer Riss direkt im Blickfeld des Fahrers. So ein Ärger – da fahren wir 5 Wochen lang die übelsten Strecken durch die Wildnis und auf Gravel, ohne dass etwas passiert, nur damit es einen dann auf der Zielgeraden erwischt. Im Nachhinein haben wir aber Glück, denn Bushlore stellt uns die Scheibe nicht in Rechnung.
In Lephalale kaufen wir dann für unser letztes Busch-Dinner dieser Reise ein. Etwas Wehmut kommt auf.
Im Marakele National Park beschränken wir uns heute auf den westlichen Parkteil. Hier leben nur ungefährliche Tiere und hier befindet sich auch die Campsite, welche aus diesem Grund auch nicht umzäunt ist. Auf einem kurzen Gamedrive sehen wir zwar einige Tiere, aber die meisten kann man beobachten, wenn man sich einfach mit einem Stuhl auf der Campsite in den Schatten setzt. Direkt neben der Campsite liegt eine große Wiese mit Wasserloch, wo sich Zebras, Gnus, Warzenschweine, Impalas und eine Giraffe tummeln.
Kurz vor dem Sundowner fängt es an zu blitzen und zu donnern und eine dunkle Wolke schiebt sich vor die Sonne. Wir fürchten schon um unseren Braai, aber das Gewitter zieht ganz knapp vorbei.
Das Rinderfilet, welches wir uns zur Feier des Tages gönnen ist erstklassig, so dass wir einen perfekten letzten Abend erleben. Dazu passt auch der reichhaltige Tierbesuch in der Dunkelheit. Erst kommt eine sehr große Herde Zebras & Impalas beim Grasen bis auf weniger als 10m an uns heran, während wir noch beim Abendessen sitzen und dann begleiten uns die Rufe der Schakale durch den weiteren Abend. Was für ein Erlebnis. Kathrin meint, dass sei der schönste Abend der ganzen Reise.
Teil 3828. Juli 2015
37. Tag (So. 25.01.2015) Marakele National Park – Johannesburg 350km
Heute wollen wir uns den Big5-Bereich des Nationalparks ansehen. Wir hatten dabei jedoch außer acht gelassen, dass heute Sonntag ist und alle Tiere ihren freien Tag hatten. Wir sahen weder ein Exemplar der Big5 noch ein anderes Säugetier. Absolut tote Hose.
Als Entschädigung dafür ist die Landschaft und die Fahrt zum Leowong View-Point noch einmal ein echtes Highlight dieser Reise. Dies in vielerlei Hinsicht, denn der Aussichtspunkt liegt auf über 2000m Höhe.
Die schmale Straße, die sich den steilen Hang hochschlängelt hat es wahrlich in sich. Hier sollte man schon schwindelfrei sein. Vor allem wenn einem ein anderes Auto entgegen kommt und man selbst auf der Talseite passieren muss.
Oben hatten wir dann einen weiten Blick über den Nationalpark und seine Umgebung.
Hier hatten wir auch unsere erste Tiersichtung.
Zurück auf der Campsite haben wir noch Zeit. Die verbringen wir lieber hier als auf dem Flughafen. Wir setzen uns in den Schatten zum lesen. Nach einiger Zeit kommt ein Strauß vorbei, der unseren Platz nach essbarem absucht, aber nicht fündig wird.
Auch wenn die Tierausbeute sehr mager war, hat uns der Marakele Nationalpark doch sehr gut gefallen. Ein großer Kritikpunkt sind lediglich die Öffnungszeiten, während der man die Campsite verlassen darf (7:00 – 18:00). Dadurch sind weder frühe Gamedrives noch ein Sundowner im Park möglich.
Als wir um 16:00Uhr bei Bushlore in Johannesburg ankommen, ist niemand dort um uns in Empfang zu nehmen. Ein Telefonat klärt das Problem schnell auf. Wir wurden am Flughafen erwartet. So heißt es warten, dass unser Abholer hierher kommt. Glücklicherweise haben wir bei unseren Planungen einen Zeitpuffer eingebaut, nachdem es bei der letzten Reise so knapp geworden ist.
Während wir warten braut sich ein gewaltiges Gewitter über der Stadt zusammen, welches sein Zentrum genau über dem Flughafen hat. Wir erleben ein Stakkato von Blitz & Donner, wie noch niemals zuvor. Das Wort Starkregen erhält eine ganz neue Dimension.
Der Flughafen muss für 2h den Flugbetrieb komplett einstellen, da das gesamte Gelände incl. Start- und Landebahnen bis zu 20cm hoch unter Wasser stehen. Infolge dessen herrscht ein ziemliches Chaos auf dem Flughafen. Es kommt zu zahlreichen Gate-Verschiebungen. Dies wäre an sich kein Problem, aber hier in Johannesburg dürfen immer nur die Passagiere im jeweiligen Gatebereich sitzen, deren Flug als nächstes von dort startet. So werden wir von Pontius zu Pilatus geschickt. Alle Sitzbereiche außerhalb der Gates sind bereits von anderen „Obdachlosen“ besetzt. Das ist echt eine blödsinnige Regelung. Auf anderen Airports kann man sitzen, wo man will.
Irgendwann bekommt dann auch unser Flug ein Gate zugewiesen und mit nur geringer Verspätung starten wir zurück nach Deutschland.
Vielen Dank an die zahlreichen Kommentatoren und Danke-Button-Drücker. Ich hoffe es hat Euch gefallen und Ihr könnt die eine oder andere Info für Eure eigenen Reisen nutzen. Wir sind bereits in der Planung unserer nächsten Afrikareise, auch wenn es bis Mai 2016 leider noch eine ganze Zeit hin ist.