Nach mehreren gemütlichen Tassen Tee und Kaffee spülten wir unser Geschirr und fuhren zu den etwas entfernt gelegenen Waschhäuschen. Dort duschten wir und machten uns anschließend auf den nachmittäglichen Gamedrive. Als erstes fuhren wir ein Stück nach Osten, sowohl am Khwai entlang als auch durch den angrenzenden Wald. Aber außer einigen Vögeln und den bereits bekannten Antilopen entdeckten wir nichts Besonderes. Ein Drongo verzehrte seine Beute, nachdem er das Insekt zuerst mehrere Male gegen einen Ast geschlagen und dann sorgfältig die Flügel entfernt hatte.
Zurück führte uns der Weg über North Gate Richtung Süden. Da entdeckten wir neben der Straße ein paar Goldbugpapageien. Sie saßen auf dem Boden und pickten die Körner aus Flugsamen, die aussahen wie große Pusteblumen.
Einen letzten Abstecher machten wir nach Westen durch den Wald und anschließend über die Ebene. Ein paar Elefanten versperrten uns den Weg und machten auch keinen erfreuten Eindruck, als wir langsam vorbeifahren wollten.
Also warteten wir ab, bis sich die Gruppe ein Stück zwischen die Bäume verzogen hatte. Kurz vor Sonnenuntergang entdeckten wir noch einen Gaukler, der ein wenig sein Gefieder in Ordnung brachte.
Zurück auf dem Campingplatz klappten wir das Zelt auf und machten Feuer. Es gab wie gestern Boerewors vom Grill und Möhrengemüse aus dem Potije. Während des Abendessens brach sich wieder ein Elefant lautstark seinen Weg durchs Gebüsch. Über uns fiepte ein Flughund im Baum, und in der Nähe reflektierten die Augen einiger Spinnen bläulich im Licht unserer Stirnlampen.
Das Essen war sehr lecker. Den ganzen Abend über grunzten die Hippos in unserer Nachbarschaft. Dieses beruhigende Geräusch werden wir schon bald vermissen.
Kilometer: 49
Teil 2220. Nov. 2014
Donnerstag, 17. Juli 2014 – Nach Savuti
North Gate, Moremi – Savuti, Chobe NP
Heute Morgen hatten wir es nicht sehr eilig. Bevor wir aufstanden, konnten wir einige Geräusche bestimmen. In der Nacht hatten uns die Elefanten geweckt, als sie lautstark mit viel Geplatsche durch den Fluss und an unserem Auto vorbeigekommen waren. Außerdem fiepte ein Flughund ohne Pause. Am Morgen hörten wir Tauben, Coucals, Frankoline und Hippos. Wir lieben dieses Orchester. Wir meldeten uns am North Gate ab und erkundigten uns nach dem weiteren Weg. Kurz nach dem Khwai Village sei der Fluss zu durchqueren. Die Rangerin beschrieb uns die Route. Nach der ersten Holzbrücke kamen wir durch das Dorf und kauften noch ein Bündel Feuerholz. Am Fluss angekommen schauten wir uns erstmal um. Das sah nicht gut aus. Die Beschreibung, sich möglichst weit rechts zu halten, war mehr als vage, und Ruth verspürte nur wenig Lust, durch den schwarzen Pröddel zu waten. Außerdem war die Wasserquerung doch recht breit. Zwar sahen wir keine Krokodile, aber das musste ja nichts heißen. Einfach zu fahren, trauten wir uns auch nicht, wollten wir das Auto schließlich nicht im Fluss versenken. Wahrscheinlich wären wir umgekehrt, aber zum Glück dauerte es nicht lange, bis ein Safarifahrzeug eintraf und durch das Wasser fuhr. So konnten wir uns die genaue Route abgucken. Tatsächlich war die Furt gar nicht so tief.
Auf der anderen Seite machten wir eine kleine Pause und beobachteten einen Nimmersatt, einen Klaftschnabel, ein paar Moorrallen und Graufischer, die geschickt ins Wasser tauchten und Fische erbeuteten.
An einer Brücke sahen wir den rasanten Flugmanövern der Schwalben zu.
Einige Zebras hinderten uns kurz an der Weiterfahrt.
Die Strecke bis zum Mababe-Gate des Chobe-Parks dauerte nicht sehr lange, abgesehen davon, dass wir einen Abzweig verpassten und so ein paar Minuten in die falsche Richtung fuhren.
Nachtflughuhn
Am Tor gab uns der Ranger Tipps für die zu fahrende Strecke und teilte uns mit, dass in etwa 20 Kilometern Löwen direkt neben der Straße gesichtet wurden. Wir fuhren los und sahen zunächst eine Herde Giraffen mit ein paar Jungtieren und kurz darauf ein paar Pferdeantilopen.
Die angemeldeten Löwen entdeckten wir jedoch nicht.
Die Strecke war anfangs gut zu fahren, dann ziemlich holprig, später über lange Abschnitte tiefsandig. Immer wieder kamen uns Fahrzeuge entgegen, und manchmal wichen sie aus, manchmal wir. An einer Stelle passierten wir einen Landcruiser mit österreichischem Kennzeichen und anschließend zwei weitere Bushcamper von Savanna. Wir stoppten und unterhielten uns mit den Österreichern, die alle zusammengehörten. Lustigerweise saß das letzte Paar in genau demselben Wagen, den wir letztes Jahr gemietet hatten. Über weite Strecken verlief die Straße permanent bergauf und bergab. Wir wurden kräftig durchgeschüttelt. Kurz nach Mittag erreichten wir Savuti und besetzten unseren Campingplatz. Der Ranger am Tor gab uns noch den Hinweis, nicht zu nahe am großen Baum auf dem Platz zu parken, da nachmittags immer ein Elefant vorbeikäme, um den Baum zu schütteln. Na, diese Immer-Versprechen kennen wir schon! Trotzdem taten wir natürlich brav, was er uns geraten hatte. Zum Picknick gab es Avocadosalat mit Tunfisch und Brot mit Rauchfleisch, Tomaten und Gurke. Dabei wurden wir von ein paar aufdringlichen Tokos belagert.
Teil 2320. Nov. 2014
Anschließend gingen wir duschen. Auf dem Nachbarstellplatz waren zwei andere deutsche Familien mit Savanna-Autos eingetroffen. Froh darüber, mal wieder ein wenig deutsch sprechen zu können, gingen wir hinüber und störten hoffentlich nicht allzu sehr beim Mittagessen. (Grüßle!) Irgendwann am Nachmittag kam dann tatsächlich der angekündigte Elefantenbesuch.
Schnell verschwanden wir hinter den Autos und achteten darauf, ihm nicht zu nahe zu kommen. Der Elefant beachtete uns jedoch gar nicht, lief zielstrebig von Baum zu Baum und von Stellplatz zu Stellplatz, legte seinen Rüssel an den Stamm, rüttelte an der Akazie, sah sich ein wenig um und trollte sich wieder, als er keine heruntergefallenen Schoten mehr finden konnte. Das war ein beeindruckendes Erlebnis für alle.
Dann spülten wir schnell unser Geschirr und machten uns auf zu einem späten Gamedrive. Eine Horde Zwergmangusten kletterte über tote Baumstämme und grub ein wenig nach Krabbeltieren.
Bald entdeckten wir eine Büffelherde, die leider gerade vom Wasserloch abzog. Die großen Tiere liefen nahe am Auto vorbei und warfen uns finstere Blicke zu, bei denen man sich nicht wirklich wohl fühlte. Bleibt nur zu hoffen, dass sie wissen, dass wir ihnen nichts Böses tun wollen und sie umgekehrt genauso empfinden.
Weißscheitelwürger
An den Wassertümpeln standen ein paar Elefanten. Sie tranken oder meditierten, den Rüssel entspannt vor sich hängend oder auf einem Stoßzahn abgelegt und ein Bein hinter dem anderen verschränkt. Nur an einem gelegentlichen Auffächern der Ohren oder einer leichten Bewegung ihres Schwanzes konnte man erkennen, dass sie keine Statuen waren.
Wir sahen ihnen lange beim Elefanten-Joga zu und kehrten dann zurück ins Camp, wo wir Feuer machten und die letzte Boerewors grillten. Dazu gab es ein Knoblauchbrot und Salat.
Uwe knetete den Teig für ein Brot, das wir im Potje backten.
Bei unseren Nachbarn hatten wir einen sehr netten Abend mit vielen Afrika-Geschichten.
Kilometer: 142
Teil 2423. Nov. 2014
Freitag, 18. Juli 2014 – Ein guter Tipp
Savuti, Chobe NP
Heute standen wir schon deutlich vor Sonnenaufgang auf und machten uns bereit. Schnell war das Dach eingeklappt. Die Schweißnaht an dem einen Bügel des Daches hatte leider nur bis gestern gehalten. So müssen wir einen starken Kabelbinder verwenden, um das Dach geschlossen zu halten. Wie es aussieht, funktioniert diese Lösung. Kurz hielten wir noch am Waschhäuschen und machten uns dann gegen halb sieben auf in den Park. Zunächst versuchten wir, nördlich von Savuti die Büffelherde vom gestrigen Abend zu finden, aber leider vergebens. Dann zog es uns nach Süden in die Savuti Marsh. Den ganzen Vormittag trieben wir uns in diesen Grasebenen herum und suchten nach Tieren. Eine besondere Entdeckung waren zwei kleine Perlkäuze, die zusammen in einem Baum saßen. Da es noch kalt war, hatten sie ihr Federkleid weit aufgeplustert. Als winzige Federpuschel schauten sie uns mit ihren großen Augen an.
Später beobachteten wir eine Familie Zwergmangusten, die den Morgen auf ihrem Termitenhügel verbrachte und sich wärmte. Bei mindestens zehn Familienmitgliedern war das ein ganz schönes Gewusel. Einige von ihnen schienen noch sehr müde. Ständig wurde gegähnt, und manchem sackte mit halb geschlossenen Augen der Kopf auf die Pfoten.
Mehrmals trafen wir auch die beiden Autos unserer Campnachbarn. Dann tauschten wir uns über Tiersichtungen und die weitere Streckenplanung aus. Wir begegneten auch verschiedenen Autos eines Filmteams, das wohl eine Dokumentation drehte. In einigen Büschen und auf dem Boden darunter saßen mindestens vier Dutzend Tokos. Eine solche Ansammlung dieser Vögel hatten wir noch nie zuvor gesehen.
Auf der Ebene sahen wir viele Impalas, Tsessebes, Gnus und einige Warzenschweine.
Außerdem waren Strauße, Riesentrappen, Kiebitze, Stare und Gabelracken unterwegs.
Obwohl wir immer wieder die Spuren von Löwen und auch die einer Gepardenfamilie fanden und ihnen über eine längere Strecke hinterherfuhren, konnten wir keine Katzen entdecken. Entweder endeten die Spuren im dichten Gestrüpp oder führten in großem Bogen vom Weg weg, und man konnte ihnen in beiden Fällen nicht weiter folgen. An manchen Stellen endete die Fahrspur im Wasser in der Nähe des Savuti Channels, und wir mussten wieder umkehren. Häufig wurden wir von großen Elefanten begleitet, mussten länger warten, wenn sie den Weg überquerten oder direkt daneben einige Büsche zerlegten.
Als der Vormittag bereits weit fortgeschritten war und Ruth das Gefühl hatte, dass sich sämtliche großen Elefantenbullen der Gegend langsam um unser Auto herum versammelten, schlugen wir den Weg zurück nach Norden ein und fuhren ins Camp, bevor wir der Elefantenumzingelung nicht mehr entkommen konnten. Bei einer langen Mittagspause verarbeiteten wir unsere restlichen Eier zu zwei leckeren Omeletts mit Tomaten und Käse.
Dann spülten wir, duschten, wuschen Wäsche und kochten Nudeln für das Abendessen vor. Ruth schlich einigen Vögeln hinterher. Besonders freute sie sich über eine Schar Steppenbaumhopfe direkt neben unserem Stellplatz. Mit viel Geschrei hüpften sie in den Ästen umher.
Elsterdrossling
Zwischendurch kam ein Angestellter des Camps vorbei und fragte uns, ob wir die Löwen entdeckt hätten. Er erzählte, dass sie bei Jackal Island einen Büffel gerissen hätten. Bisher hatten wir es noch nicht erlebt, dass wir von Mitarbeitern ohne Nachfrage auf eine besondere Sichtung hingewiesen wurden und freuten uns sehr darüber. Wir schauten uns den Ort auf der Karte an und stellten fest, dass dieser nur wenige Kilometer von dem Punkt entfernt war, an dem wir vormittags umgedreht hatten. Nach nun bereits 10 Tagen in Nationalparks und einer Katzenausbeute von gerade mal einem Leoparden und einem Löwen in sehr weiter Entfernung entschieden wir, dass hier noch deutlich Nachholbedarf bestand. Egal, ob selbst entdeckt oder nicht oder ob noch andere Fahrzeuge dabei stehen würden, stand für uns fest, dass wir am Nachmittag erneut in die Marsh fahren und dann noch diesen Abstecher bis zu den Löwen nehmen würden.
Teil 2523. Nov. 2014
Bereits kurz vor drei Uhr machten wir uns auf den Weg. Auch wenn die Strecke zügig zu fahren war – da wir ja wussten, wo wir hinwollten – dauerte es dennoch fast eine Dreiviertelstunde, bis wir den Süden der Marsh erreicht hatten. Auch die Elefanten vom Vormittag waren noch dort.
Aber leider fanden wir keinen Weg zu Jackal Island. Ein Blick auf die GPS-Koordinaten zeigte unseren Irrtum. Unser Ziel lag östlich des Channels, und alle Spuren endeten früher oder später in einer Wasserdurchfahrt, die wir unmöglich wagen wollten. Denselben Fehler hatten wir bereits vor zwei Jahren gemacht. Wie konnte man denn so dämlich sein? Uns blieb nichts anderes übrig, als den gesamten Weg bis zum Camp zurückzufahren, dort die Brücke zu nehmen und anschließend über zwanzig Kilometer wieder nach Süden zu fahren. Wir waren nicht sicher, ob wir das zeitlich überhaupt noch schaffen würden. Auf der anderen Seite des Wassers hatten wir Glück. Ein Safariwagen mit einer Gruppe Gäste ließ Giraffen, Zebras und Gnus unmittelbar neben der Pad links liegen und schlug zielsicher die von uns ebenfalls angepeilte Richtung ein. Schon heute Mittag hatten wir ja alle Eitelkeiten bezüglich des „Selbst-Entdeckens“ über Bord geworfen und hängten uns an das Safariauto. Das war gar nicht so einfach, denn es fuhr viel schneller, als wir das eigentlich taten. Der Weg zog sich, aber wir kamen gut voran, da wir an Weggabelungen keine Entscheidungen treffen mussten und zeitaufwändige Loops einsparen konnten. Zum Glück wusste unser unfreiwilliger Führer tatsächlich, wohin wir wollten, und schon bald sahen wir bei Jackal Island bereits mehrere Fahrzeuge stehen. Dort lag ein größeres Löwenrudel im Schatten der angrenzenden Büsche. Zuerst entdeckten wir etwas abseits eine Löwin mit einer blutigen Wunde am rechten Hinterlauf. Der Büffel hatte wohl nicht kampflos das Feld geräumt. Immer wieder leckte die Löwin mit ihrer rauhen Zunge über die klaffende Wunde. Als sie sich etwas später erhob, um zu den anderen Rudelmitgliedern zu gehen, belastete sie das verletzte Bein ganz normal und humpelte nicht.
Zur Gruppe gehörten auch vier Jungtiere unterschiedlichen Alters, die miteinander spielten und umhertollten. Sie schlichen sich an, sprangen auf- und übereinander und jagten sich im Gras.
Manchmal droschen sie mit den Pranken aufeinander ein oder hieben sich auf die Nasen und bissen ihren Müttern oder einigen Halbstarken in die Ohren und Schwänze. Die älteren Löwen ließen alles geduldig über sich ergehen. Schließlich wurden zwei Babylöwen unter einem großen Busch gesäugt.
Während sich die Löwendamen, die Heranwachsenden und die Junglöwen miteinander beschäftigten und wir gar nicht wussten, wohin wir zuerst schauen sollten, lag der männliche Löwe etwas weiter entfernt im Schatten. Mit vollem Bauch war er unfähig, sich zu rühren und verschlief den ganzen Rummel um seine Familie.
Die Reste des Büffelkadavers lagen in einem Gebüsch, in das regelmäßig die Raubkatzen verschwanden, um weiter zu fressen. Die kleinen Löwen nagten ebenfalls ein wenig an den Fleischbrocken.
In den umliegenden toten Bäumen versammelten sich langsam die Geier und warteten auf ihren Anteil an der Beute. Aber noch waren die Löwen nicht bereit, mit ihnen zu teilen, obwohl bereits alle erwachsenen Tiere dicke Bäuche hatten.
Es war ein tolles Erlebnis, mal wieder ein ganzes Rudel Löwen zu beobachten, und wir blieben, so lange es möglich war. Dann fuhren wir im Konvoi die Strecke zurück zum Camp.
Die Sonne ging langsam unter, und wir mussten uns beeilen, noch rechtzeitig zum Torschluss anzukommen, was uns ein paar Minuten vor halb sieben auch gelang. Zum Abendessen kochten wir eine Tomatensauce zu den Nudeln. Anschließend gingen wir wieder zum Nachbarcamp und verbrachten dort einen sehr netten Abend. Bei knapp 10 Grad kletterten wir ins Zelt.
Kilometer: 140
Teil 2625. Nov. 2014
Samstag, 19. Juli 2014 – Löwen satt
Savuti, Chobe NP – Kalizo Lodge, Ost-Caprivi
Wieder ging unser Wecker bei Dunkelheit. Unser Plan war, vor dem Verlassen des Parks noch einmal zu den Löwen bei Jackal Island zu fahren. Wann hat man schon mal eine Fast-Garantie, ein ganzes Rudel zu erwischen? Da unsere Tankanzeige auf ziemlich leer stand, füllten wir die beiden Reservekanister ein. Dann brachen wir mit entsprechend hohen Erwartungen auf. Kurz vor Sonnenaufgang war außer uns noch niemand unterwegs. Da wir die Strecke nun kannten, kam sie uns nicht mehr so lang vor, obwohl wir uns deutlich mehr Zeit ließen als bei der Rückfahrt am gestrigen Abend. Als wir Jackal Island erreichten, sahen wir bereits die Geier in den Bäumen sitzen.
Nicht weit von der Stelle, an welcher wir gestern das Rudel gesehen hatten, lag eine einzelne Hyäne in unserer Fahrspur und sondierte die Lage. Als wir uns näherten, stand sie auf und verschwand über die Ebene. Alleine hätte sie ohnehin keine Chance gehabt, den Löwen den Rest ihrer Beute streitig zu machen.
Das Rudel war noch da. Den Rest des Büffels hatten die Löwen freundlicherweise wieder aus dem Gebüsch gezogen. Viel mehr als das Gerippe mit ein paar Fetzen Sehnen, der Schädel, ein Bein und der Schwanz waren allerdings nicht mehr von dem armen Rindvieh übrig.
Die erwachsenen Tiere fraßen, beleckten und beknabberten, was noch übrig war.
Die kleinen versuchten, ihre Mütter und Tanten zu imitieren, indem sie mit ihren winzigen Zähnchen am Knochenberg herumnagten und ebenfalls an Hautstücken kauten. Oft turnten sie aber auch nur darauf herum, benutzten das Gerippe als Klettergerüst, pirschten sich an und erklommen es mit ein paar hohen Sätzen, um dem nächsten Familienmitglied von erhöhter Position auf den Rücken oder den Kopf zu springen.
Wir blieben fast zwei Stunden dort, und es wurde keine Minute langweilig, denn so früh am Morgen war mehr oder weniger das ganze Rudel noch in Aktion. Wir sahen die erwachsenen Löwen beim Fressen, Schmusen und sich gegenseitig Reinigen.
Teil 2725. Nov. 2014
Die beiden Paschas schliefen die meiste Zeit und erhoben sich nur kurz, um sich woanders wieder abzulegen, wenn ihnen ein vorwitziger Junglöwe zu sehr auf den Nerven herumtanzte.
Besonders die fünf kleinen hatten es uns angetan. Sie sprangen übereinander, kugelten sich im Gras und schleppten immer wieder einzelne Stückchen des Büffels durch die Gegend.
Dabei ließen sie sich von jeder zuckenden Schwanzspitze und jeder Bewegung eines anderen Löwen ablenken. Sofort wurde das Ziel anvisiert und gejagt.
Das ständige Gewusel bescherte uns einen unvergesslichen Löwenmorgen, da wir Löwen bislang häufig nur recht träge erlebt hatten.
Die Geierversammlung in den umliegenden Büschen, die die Balgereien der Jungen beobachtete, verdichtete sich. Doch sobald sich ein Vogel den ohnehin schon abgenagten Resten näherte, wurde er sofort von einem halbstarken Männchen mit leichtem Mähnenansatz vertrieben.
Geier Nr. 10 (junger Kappengeier)
Alter Kappengeier
Weißrückengeier
Andere Safarifahrzeuge trafen ein, und das Rangieren um die besten Plätze begann. Als es uns zu voll wurde, brachen wir auf.
Fortsetzung folgt.
Teil 2827. Nov. 2014
Samstag, 19. Juli 2014 – Fortsetzung
Zurück im Savuti-Camp nahmen wir die inzwischen trockene Wäsche ab. Unsere Nachbarn waren ebenfalls noch dort, und wir verabschiedeten uns erneut. Die Strecke zum Ghoha Gate betrug zwar nur 30 Kilometer, zog sich aber dennoch, weil es einige schlechte Abschnitte gab. Hinter dem Gate bogen wir ein Stück nach Norden Richtung Linyanti ab, um dann nach Osten weiter zu fahren.
Bis Kachikau bestand die Straße aus Sand, dann wechselten wir auf Teer. Dazu hielten wir an und pumpten Luft in die Reifen. Sofort kamen Kinder aus dem Ort angelaufen und fragten nach Süßigkeiten, Geld oder Stiften. Wir halten nur wenig davon, auf Bettelei einzugehen. Also machten wir lediglich ein paar Fotos und verteilten einige Abzüge, was auch zu großer Begeisterung führte.
Bis Ngoma Bridge kamen wir schnell voran und überquerten zügig die Grenze nach Namibia. Wir entschieden, heute noch nicht in Katima Mulilo einzukaufen und sofort zur Kalizo Lodge zu fahren. Auf dem Weg tankten wir voll und kauften ein paar Kleinigkeiten im Shop der Tankstelle. Das letzte Wegstück zur Kalizo-Lodge verlief anders als beim letzten Mal. Dieses Jahr hatte es so viel Wasser gegeben, dass die Lodge zeitweise nur per Boot erreichbar gewesen war. Daher mussten einige andere Wege angelegt bzw. ausgeschildert werden. Wir suchten uns einen Campingplatz etwas weiter abseits von den anderen Stellplätzen direkt am Sambesi und empfanden die Wiese im Gegensatz zu den staubigen und sandigen Untergründen bisher als sehr angenehm.
Ruth pirschte sofort mit der Kamera los, um die zahlreichen Vögel zu fotografieren, während Uwe ein kleines Picknick vorbereitete und uns zum Abendessen anmeldete. Zahlreiche kleine Vögel wie Angola-Schmetterlingsfinken, Buntastrilde und Senegal-Amarante pickten flink auf dem Boden umherhüpfend nach Körnern. Leider waren sie sehr scheu und flogen ins Dickicht davon, sobald man sich ihnen näherte.
Die Zeit bis zum Abendessen verbrachten wir gemütlich am Flussufer, wo wir vom Platz aus viele Eisvögel und Bienenfresser beobachteten.
Weißstirnspint
Malachiteisvogel
Auch einige Schmetterlinge flatterten von Blüte zu Blüte. (Lieber Matthias, jetzt bist du dran!)
Außerdem sahen wir Graulärmvögel, verschiedene Tauben, einen Weißbrauenrötel, Bülbüls und einige Braundrosslinge, die lärmend über die Wiese hüpften.
Schon jetzt stellten wir uns wie beim letzten Mal auch die Frage, warum wir hier nur eine Nacht geplant hatten. Für entspannte Vogelbeobachtungen ist Kalizo wirklich nur zu empfehlen. Allerdings standen wir am hinteren Ende des Campingplatzes auch sehr für uns alleine. Die Stellplätze weiter vorne liegen dagegen recht dicht beieinander. Auf der Hoppelpiste hatte es uns heute Vormittag einen Fünfliter-Kanister Wasser zerdeppert, und nun war die gesamte Ladefläche nass. So ließen wir die Hecktür offen stehen, damit die Feuchtigkeit ein wenig verdunsten konnte. Aber leider kamen dadurch auch viele Mücken in unser Schlafzimmer, wie wir später genervt feststellen mussten.
Wir sahen einen wunderschönen, friedlichen Sonnenuntergang über dem Sambesi.
Zum Abendessen gingen wir ins Restaurant und aßen Hühnchen, Reis und Salat. Es war angenehm, heute mal nicht selbst kochen zu müssen.
Der Morgen bei der Kalizo-Lodge war sehr gemütlich. Wir schliefen aus, und Uwe verließ (wie immer) als erster das Zelt. Es war sehr feucht. Die Stühle, der Tisch, das ganze Auto waren nass vom Tau. Da half nur, alle Sachen in die aufgehende Sonne zu stellen und den Tag langsam angehen zu lassen. So blieben wir bis kurz nach Mittag auf dem Campingplatz. Die meiste Zeit beobachteten und fotografierten wir die Vögel in Sichtweite. Es gab viele Graufischer, die zu kurzen Beuteflügen über den Fluss aufbrachen und dann mit einem kleinen Fisch im Schnabel zurückkehrten. Stolz präsentierten sie ihren Fang auf einem Ast sitzend. Manchmal schlugen sie den noch zappelnden Fisch gegen das Holz.
Ruth hatte der Ehrgeiz gepackt. Nicht nur Kingfisher auf Ast sollte es sein, sondern Kingfisher im Flug, am besten noch mit Fisch im Schnabel. Und nein, es stimmt nicht. Die Wish-Card erfüllt nicht sofort jeden Wunsch. Von den gefühlten 1000, aber doch bestimmt 200 Graufischer-Fotos waren mindestens die Hälfte total unscharf, bei den meisten anderen fehlte die linke/ rechte Flügelspitze, der Schwanz oder gleich der ganze Vogel. Und so blieb schließlich nur eine kleine Auswahl übrig.
Nach diesem kleinen Erfolg wurde Ruth aber dann doch ein wenig größenwahnsinnig. Der Plan, den Moment zu erwischen, in dem der Vogel in den Fluss eintaucht, gelang in diesem Urlaub jedenfalls nicht. Auf sämtlichen Fotos waren nur mal weniger, mal mehr unscharfe Wellenbewegungen und in den meisten Fällen nicht mal eine einzige Feder zu erkennen. Müssen wir wohl nochmal wiederkommen. Schwärme von Weißstirnspinten zogen ebenfalls los, um Mücken zu jagen. Eine grüne Fruchttaube saß im Baum, Bülbüls, Finken und viele andere Vögel hüpften und flatterten in den umliegenden Sträuchern. Wir tranken Kaffee und Tee, aßen Brote mit Marmelade und Nutella und hatten einen sehr schön ruhigen Morgen in der Sonne. Um dem Titel unseres Reiseberichts ein wenig gerecht zu werden, folgen nun einige Vögelchen. Bei der Bestimmung des ein oder anderen nehmen wir gerne eure Hilfe in Anspruch.
Grüne Fruchttaube
Kleine Streifenschwalbe
Graulärmvogel
Gelbsteißbülbül
Unser Tipp: Fiskalwürger (Common Fiscal). Weiß es jemand besser? Herzlichen Dank an Matthias: Swamp Boubou
Braunbürzelamarant oder Großer Pünktchenastrild
Weißbauch-Nektarvogel
Weber, aber welcher?
African Golden Weaver? Auch hier glauben wir fotomatte mit dem "large golden weaver", aber leider gibt es den in unserem Buch gar nicht.
Nachdem alle Fotos der vergangenen Tage gesichert, ein paar Akkus geladen waren und das Geschirr gespült war, bezahlten wir unsere Rechnung und machten uns auf den Weg. Auf der Fahrt zur Hauptstraße sahen wir noch fünf Hornraben, die uns aber mal wieder nicht in ihre Nähe ließen und schleunigst das Weite suchten.
Zur Auswahl stehen: weibliches Schwarzkehlchen oder irgendein Zistensänger (Cisticola)
Schnell waren wir in Katima Mulilo, wo am Sonntag der Pick’n’Pay Supermarkt geöffnet hatte. Wir kauften für die nächsten Tage im Etosha einige Lebensmittel ein, da unsere Vorräte ziemlich erschöpft waren. Dann ging es Richtung Westen durch den Caprivi. Die Straße zog sich wie immer endlos dahin. Entlang des Weges brannten immer wieder Buschfeuer und verschlangen das trockene Gras. Teilweise schwelte es noch, oder weite Streifen waren bereits vollständig verkohlt. Auch hier sahen wir ein paar Hornraben. Am späten Nachmittag bogen wir hinter Divundu von der Hauptstraße ab und fuhren ein paar Kilometer zur Mobola-Lodge. Diese relativ neue Lodge mit Campingplatz liegt wunderschön unmittelbar am Fluss. Zum Gelände gehört auch eine kleine Insel, zu der eine Hängebrücke führt. Die Lodge ist liebevoll angelegt. Es gibt Chalets, einen Campingplatz, einen Pool sowie ein Restaurant. Wir waren heute die einzigen Gäste und hatten freie Auswahl zwischen den Stellplätzen. Wir wählten einen direkt am Fluss. Unter einer Freiluft-Dusche stellten wir uns unter das eiskalte Wasser, obwohl zusätzlich ein leichter Wind blies, der die Angelegenheit nicht gerade angenehmer machte. Trotzdem lieben wir die Duschen unter freiem Himmel im Binsengeflecht und würden sie jederzeit dem durchaus nett angelegten Häuschen vorziehen. Mit warmem Wasser kann ja schließlich jeder!
Dann machten wir Feuer und grillten ein Rindersteak, legten Folienkartoffeln in die Glut und aßen Salat. Immer wieder flog eine Fledermaus über unsere Köpfe hinweg. Im Gras saßen Glühwürmchen und blinzelten in der Dunkelheit. Wir verbrachten einen sehr entspannten Abend mit dem Gezirpe von Grillen und dem Rauschen des Flusses, vom Sternenhimmel ganz zu Schweigen.
Kilometer: 387
Teil 3005. Dez. 2014
Montag, 21. Juli 2014 – Richtung Etosha
Mobola-Lodge, Divundu – Onguma, Etosha Ost
Heute gab es für uns eine längere Strecke zu fahren. Wir standen zwar mit Sonnenaufgang auf, frühstückten aber noch ganz gemütlich auf dem wunderschönen Campingplatz in der Sonne.
Dann spülten wir und packten alle Sachen zusammen. Schon längst sind alle Handgriffe wieder Routine, und es geht flott. An der Rezeption bezahlten wir die Rechnung und verabschiedeten uns. Ein kurzes Wegstück fuhren wir noch entlang des Flusses. Hier herrschte noch reges Treiben.
Dann bogen wir auf eine Verbindung zur Teerstraße ab. Die erste Etappe führte nach Rundu. Die Fahrt war wenig spektakulär. In Rundu hielten wir an der großen Tankstelle, füllten Diesel auf und verdrückten eine Pommes im Wimpy-Schnellimbiss. Weiter ging es nach Grootfontein. Bei Maori sagten wir Peter und Conni kurz hallo und kauften eingefrorenes Wildfleisch für die kommenden Tage. Bei Onguma vor dem Etosha hatten wir einen Stellplatz auf der Tamboti Campsite gebucht. Wir waren sehr positiv überrascht. Jeder Stellplatz verfügt über ein eigenes, blitzsauberes Dusch- und Toilettenhaus, Licht und Strom. An zentraler Stelle gibt es einen Mini-Shop, einen Pool und eine Terrasse mit Blick auf ein beleuchtetes Wasserloch. Wir duschten und zogen uns ein paar ordentliche Klamotten an. Schließlich waren wir mit einem von Uwes Kollegen zum Abendessen verabredet und das nicht im Busch am Lagerfeuer, sondern in einer Lodge. Kurz gingen wir noch zur Aussichtsterrasse und sahen zwei Dikdiks sowie zwei Kronenducker, die sich sehr scheu der Wasserstelle näherten.
Dann fuhren wir zum Mushara Outpost, einer sehr schönen Lodge. Den ganzen Luxus mit gepolsterten Loungemöbeln, Wollen-Sie-noch-etwas-trinken hier und Kann-ich-Ihnen-noch-etwas-bringen da sind wir so gar nicht gewohnt. Obwohl uns diese Bedienerei immer etwas befremdlich ist, genossen wir es sehr, uns nicht selbst um das Essen kümmern zu müssen. Wir trafen Michael, dessen Frau, seinen Bruder mit Frau und ein weiteres befreundetes Ehepaar, die auf ihrer ersten Namibia-Reise unterwegs sind. Alle sechs waren begeistert von den bisherigen Erlebnissen. Wir aßen lecker und unterhielten uns sehr nett. Es war ein schöner Abend. Spät verabschiedeten wir uns und machten uns im Dunkeln auf den kurzen Rückweg. Entlang der Hauptstraße sahen wir ein paar kleine Antilopen, auf den letzten Kilometern in Onguma lief uns noch ein Stachelschwein über den Weg. Morgen freuen wir uns auf den Etosha.
Kilometer: 620
Teil 3106. Dez. 2014
Dienstag, 22. Juli 2014 – Groß und Klein bei Kalkheuvel
Onguma, Etosha Ost – Namutoni, Etosha
Das eigene Duschhäuschen beim Campingplatz der Onguma-Lodge war so luxuriös, dass Ruth entschied, am Morgen gleich noch einmal zu duschen. Uwe trank Kaffee, und so war die Sonne bereits aufgegangen, als wir fertig waren. An der Rezeption bezahlten wir noch die Getränke, dann ging es zum Etosha.
Schnell bezahlten wir in Namutoni den Parkeintritt für die kommenden Tage, dann fuhren wir zu den ersten Wasserlöchern. Zuvor hatten wir bereits Impalas und Giraffen gesehen. Bei Koinachas saßen lediglich zwei Nilgänse. Bei Chudop war heute Morgen ebenfalls nicht viel los. Dann ging es zum Wasserloch Kalkheuvel.
Dort verbrachten wir einige Stunden. Ruth entdeckte alle paar Minuten einen neuen Vogel, den wir in diesem Urlaub oder sogar noch nie zuvor gesehen haben.
Graulärmvogel
Bronzefleckentaube
Akaziendrossel
Shikra (vielen Dank an Matthias)
Besonders freuten wir uns über eine Königswitwe, die mit sehr langen Schwanzfedern schön in einem Busch saß. Eigentlich dürfte das Männchen zu dieser Jahreszeit gar nicht im Prachtkleid zu sehen sein.
Später kam noch eine weitere dazu, und beide versuchten, sich gegenseitig zu vertreiben. Sahen sie in den Zweigen sitzend mit ihren prächtigen Schwanzfedern sehr edel aus, wirkten sie im Flug eher unbeholfen und flatterhaft. Der protzige Schmuck ist in der Luft doch eher hinderlich. Es war ein ständiges Kommen und Gehen. Wir sahen Kudus, Zebras und immer wieder Impalas.
Teil 3206. Dez. 2014
Gegen Mittag trafen mehrere größere Elefantenherden ein. Aus allen Richtungen strebten die Tiere dem Wasser zu, und die Wanderung stoppte nicht. Selbst wenn wir gewollt hätten, hätten wir das Wasserloch nicht verlassen können, denn die Zufahrtsstraße wurde von immer neuen Elefanten versperrt.
Gut, dass wir auch gar nicht weg wollten. Zumindest noch nicht! Am Wasser war ein reger Betrieb. Mindestens 100 Elefanten tummelten sich an der Rinne und den verschiedenen Wassertümpeln.
Zunächst wurde getrunken und ein wenig herumgespritzt, dann gab es ein Schlammbad und schließlich eine Staubdusche. Man konnte den Tieren ansehen, wie viel Spaß sie dabei hatten.
Sehr viele Baby-Elefanten wuselten zwischen den Beinen und Körpern der Erwachsenen herum, stolperten teilweise noch sehr tollpatschig durch das Wasser und schlackerten mit ihrem Rüssel.
Besonders die wippenden Dehnübungen eines Winzlings hatten es uns angetan. Völlig fasziniert filmten wir aus dem linken Autofenster und bekamen deshalb auch nicht mit, dass die beiden Autos neben uns auf Grund der Ankunft einer weiteren Herde schnell das Feld geräumt hatten. Als wir uns etwas später wieder nach rechts wandten, waren wir doch überrascht, wie nah uns einige Tiere gekommen waren, die augenscheinlich das Wasserloch verlassen wollten. Um nun noch den Motor zu starten, war es zu spät, denn das hätte die Elefanten sicher nur erschreckt. Blieb also nur, lieb und harmlos zu gucken und entschuldigend zu lächeln, dass wir so blöd im Weg rum standen. Ruth war selbst dazu nicht mehr in der Lage. Vor lauter Schreck vergaß sie sogar zu zittern, und auch das gewisperte „Die tun nichts!“ von Uwe konnte sie nur wenig beruhigen, stand der Elefant doch zunächst unmittelbar vor der Motorhaube und schließlich an ihrer Autoseite. Zur Sicherheit hatte Uwe noch schnell das Fenster geschlossen. Der Elefant rüsselte noch ein paar Sekunden neugierig in unsere Richtung, bevor er an uns verbeilief und mit seiner Gruppe weiterzog.
Erst nach ein paar weiteren Sekunden wagten wir wieder zu atmen. Unsere Herzen klopften. Und die Insassen der Autos, die zuvor noch neben uns gestanden hatten, schauten mit großen Augen und dachten sich wahrscheinlich, wie man nur so dämlich sein konnte, auf der Elefanten-Pad zu stehen. Nach diesem überstandenen Abenteuer merkten wir, wie hungrig wir waren und fuhren am Nachmittag zurück nach Namutoni. Wir wählten uns einen Stellplatz auf dem Campingplatz und machten eine Pause mit Avocado-Thunfisch-Salat. Nach dem Spülen brachen wir auch schon wieder auf. Im Sichtungsbuch im Büro hatten wir von einem Geparden-Riss nahe Twee Palms gelesen. Als wir jedoch dort ankamen, war weit und breit nichts mehr davon zu sehen. Der Weg um die Fischers Pan zog sich lange dahin. Außer unzähligen Gabelracken sahen wir kaum Tiere. Mit dem Wasserloch Klein Okevi werden wir uns wohl auch nicht mehr anfreunden. Entweder es herrscht gähnende Leere, oder man kann nach längerem Hinsehen vielleicht eine einsame Möwe und zwei Schildkröten am Ufer erkennen. Bisher haben wir dort auf jeden Fall noch nichts Spektakuläres gesichtet.
Wieder ging es zurück zu den Wasserlöchern bis Kalkheuvel. Eine Hyäne kreuzte unseren Weg, verschwand aber schnell über die Ebene.
Bei Kalkheuvel waren die riesigen Elefantenherden verschwunden. Nur ein paar aufgescheuchte Perlhühner rannten herum, und so drehten wir um und kamen wenige Minuten vor Torschluss wieder in Namutoni an.
Während das Feuer herunterbrannte, putzten und schnibbelten wir den Salat und die Kartoffeln. Auch wenn wir jeden Abend dasselbe Menü zu essen scheinen, schmeckten uns auch heute Abend die Impala-Steaks mit Knoblauchbutter wieder ganz hervorragend. Diesen Abend wird sicherlich kein Vampir versuchen, in unser Zelt einzudringen.
Kilometer: 158
Teil 3309. Dez. 2014
Mittwoch, 23. Juli 2014 – Warten
Namutoni, Etosha
Wir waren früh auf und gehörten zu den ersten, die in den Park fuhren. Bei Koinachas und Chudop war nichts los, ebenso wenig bei Kalkheuvel. Allerdings begegnete uns auf dem Weg dorthin eine Oryxherde mit einer kleinen Kinderschar.
Wir drehten eine Runde bei Ngobib und entdeckten ein paar interessante Vögel.
Lappenstar
Rußnektarvogel (Männchen und Weibchen)
Anschließend stellten wir uns wieder mal an das Wasserloch Kalkheuvel. Dort blieben wir fast fünf Stunden. Zunächst beobachteten wir wieder Vögel. Je länger wir in die umliegenden Büsche starrten, umso mehr verschiedene Arten konnten wir entdecken. Zu den Witwen, den Angolaschmetterlingsfinken und den Granatastrilden von gestern kamen noch unglaublich viele Tauben und einige Papageien hinzu.
Goldbugpapagei
Ab und zu stoben die trinkenden Tauben auseinander, wenn ein Falke oder ein anderer Greifvogel vom Himmel stieß.
Weißbürzel-Singhabicht
Einige Kudus und verschiedene kleinere Zebraherden kamen zum Wasser, um zu trinken.
Hier war ständig etwas los, und so frühstückten wir Brot und Müsli umgeben von vielen gefiederten und haarigen Freunden. Uwe hatte in weiser Voraussicht schon alles gut erreichbar im Auto deponiert, wollte er doch nicht wieder bis in den frühen Nachmittag Hunger leiden. Schon gestern hatte er ganz dünn ausgeschaut. Zwei Gaukler kamen uns besuchen, und schon näherte sich die nächste Zebraherde, als wir plötzlich im hohen Gras an der gegenüberliegenden Seite des Wasserlochs einige Löwinnen mit ein paar Halbstarken entdeckten.
Wahrscheinlich hatten sie schon die ganze Zeit dort im Gebüsch gelegen. Sie machten zunächst keine Anstalten, zum Wasser hinunter zu laufen. Als sie sich wieder in den Sträuchern niederließen, waren sie fast nicht mehr auszumachen. Nur weil wir wussten, wo wir zu schauen hatten, konnten wir die Umrisse eines Kopfes, das Zucken des Schwanzes oder das Wackeln eines Löwenohres erkennen. Eine ganze Weile passierte nichts. Hin und wieder hob mal einer den Kopf. Die Zebras konnten unbehelligt ihren Durst löschen, selbst eine Giraffe, die nach mehrmaligem Umkehren doch ausreichend Mut gefasst hatte, begab sich an die Wasserstelle.
Teil 3409. Dez. 2014
Gegen Mittag kam ein junger Löwe ein Stück aus dem Gebüsch in Richtung Wasser gepirscht. Er bewegte sich sehr langsam und blieb im hohen Gras meist unsichtbar. Wie es aussah, schlich er sich an ein paar Impalas heran, jedoch nicht sonderlich gekonnt. Irgendwann verlor er die Geduld, zeigte sich, und die Antilopen liefen Warnrufe ausstoßend davon. Der junge Löwe trabte zum Wasser, trank und verschwand wieder zu den anderen.
Nicht, dass hier der Eindruck entsteht, es wäre ständig etwas passiert. Es gab immer wieder stundenlange Pausen, in denen nichts los war (Uwe). Ruth meint jedoch, dass Kudus, Zebras, Giraffen und vor allem viel Flattervieh nicht nichts sind. Das war für Uwe sehr traurig. Wie dieser Drongo schaute er bedröppelt zu den unsichtbaren Löwen im Gebüsch.
Als es im Auto zu heiß und endlich auch Ruth zu unbequem wurde, fuhren wir zurück nach Namutoni. Dort suchten wir uns einen Stellplatz am Rand und duschten. Anschließend brachen wir erneut auf. Direkt hinter dem Fort standen ein paar Fahrzeuge an der Straße. Im Gebüsch war gut versteckt ein Nashorn vage zu erkennen. Über Chudop ging es an einer kleinen Giraffenfamilie und einem Weißbürzel vorbei erneut nach Kalkheuvel.
Kurz wendeten wir an der Einfahrt noch einmal, da eine Strichelracke unmittelbar neben der Pad auf einem Zweig saß.
An unserem Lieblingswasserloch sahen wir, wie drei Löwen zum Wasser liefen, tranken und wieder verschwanden. Außer der Löwin waren noch fünf junge mit ihr unterwegs. Alle verschwanden aber nacheinander, ohne sich noch einmal umzusehen, in den Sträuchern, und so entschieden wir, dass es mit unserer Löwengeduld heute zu Ende ging.
Wir wollten ins Camp zurück. Natürlich nicht, ohne zuvor noch den Schlenker über Chudop mitzunehmen. Man könnte ja etwas verpassen!
Dort sahen wir einigen Giraffen und Elefanten beim Trinken und bei der Körperpflege zu.
Eine einzelne Tüpfelhyäne lag faul herum, marschierte dann einmal zum Wasser und wieder zurück an ihren Ausgangspunkt.
Zum Abendessen gab es heute Gnu-Steaks, Kartoffeln und Salat. Nach dem Spülen liefen wir kurz zum Wasserloch. Dort saß lediglich eine große Eule in einem Baum. Sehr müde von dem anstrengenden Gucken an diesem Tag krabbelten wir wie nach einem 9-Stunden-Arbeitstag ins Zelt.
Kilometer: 132
Teil 3510. Dez. 2014
Donnerstag, 24. Juli 2014 – Quer durch
Namutoni, Etosha – Okaukuejo, Etosha
Wieder standen wir vor Sonnenaufgang auf, und während wir alles zusammenpackten, kochte Uwe eine Thermoskanne mit Kaffee.
Gegen halb sieben verließen wir Namutoni Richtung Westen. Koinachas, Chudop und Kalkheuvel waren die ersten Stationen, an denen aber im Grunde kaum Tiere zu sehen waren. Ein einzelner Elefant und eine recht ramponiert ausschauende Giraffe veranlassten uns zu zwei kurzen Stopps.
Wieder fuhren wir die Runde bei Ngobib. Auf dem Weg zum Wasserloch sahen wir in kurzem Abstand zwei Tüpfelhyänen. Die erste sah so aus, als hätte sie erst vor kurzem an einer Beute gefressen. Aber beide Hyänen waren sehr scheu und suchten schnell das Weite. Leider begegneten wir auf der restlichen Runde keinen weiteren Raubtieren mehr, dafür aber landeten die kleinen Sunbirds wieder neben uns, als wir wegen eines anderen Vogels an einem Busch angehalten hatten.
Sabotalerche
Rußnektarvogel
Weiter ging es über Okerfontein am Rand der Etosha-Pfanne entlang. Hier grasten viele Kuhantilopen. Wir waren erstaunt, wie viele dieser Tiere verteilt waren, da wir in unseren ersten Urlauben vor 10 Jahren nur sehr selten mal ein Exemplar erspäht hatten. Bei Kuhantilopen haben wir immer den Eindruck, dass sie ein Anflug leichten Wahnsinns umgibt. Entweder schauen sie wie Ruths Schüler, wenn man sie nach den versäumten Hausaufgaben fragt, oder als hätten sie gerade noch ein paar Pillchen eingeworfen und vergessen, wer sie sind. Auch bei dieser hier könnte man meinen, ihre Augen würden gleich aus den Höhlen purzeln.
Einige Zeit standen wir bei zwei schon alten Elefantenbullen und sahen ihnen beim Fressen zu.
Als wir auf den Weg nach Goas abbogen, löste sich gerade ein Auto-Knäuel auf. Gutgelaunt teilte uns ein Fahrer ungefragt mit, dass wir den Leoparden gerade um eine Minute verpasst hätten. Na schönen Dank auch! Ob er wohl bemerkte, dass sich die Luft um ihn herum gerade um einige Grad abkühlte? Dafür haben WIR sehr lange bei den Kühen gestanden und Tiefenpsychologie betrieben, indem wir ihren Blick zu deuten versuchten. Wer will denn einen Leoparden, noch dazu direkt vor dem Auto? Kuhantilopen sind die wahren Helden! Frustriert blieben wir noch eine ganze Zeit an dem Wasserloch stehen, aber die Kuhantilopen (!) kehrten leider nicht zurück! Außer einigen Impalas und ein paar Nilgänsen waren keine Tiere anwesend.
Maricoschnäpper
Bei Halali machten wir eine längere Mittagspause. Wir kauften ein paar Brötchen, Getränke und Biltong. Bei einer Campsite hielten wir und picknickten.
Ruth duschte. Dann statteten wir dem Moringa-Wasserloch einen Besuch ab. Einige Kudus tranken.
Weiter ging es nach Nuamses. Dort konnten wir Impalas und Kudus sehen sowie eine Schlankmanguste.
Bergammer
Teil 3610. Dez. 2014
Beim Lookout-Point in der Pfanne hielten wir kurz und fuhren dann nach Salvadora, Charitsaub und Sueda. Immer wieder erblickten wir große Zebraherden. Auch wenn wir viele Springböcke, Gnus und Impalas sahen, hatten wir den Eindruck, dass die Zebras den größten Anteil ausmachten.
Dann schlugen wir den Weg nach Aus ein. Weder dort noch bei Olifantsbad waren außer Impalas Tiere zu sehen, nicht einmal Vögel, und so ging es rasch weiter. Diese Strichelracke saß erst ein wenig später am Wegrand.
Bei Gemsbokvlakte entdeckten wir zwei Löffelhunde. Zwei Giraffen und zwei Elefanten standen am Wasser. Die Elefanten hatten die Köpfe aneinander gelehnt und ihre Rüssel verschränkt. Nach einiger Zeit lösten sie sich voneinander, wandten sich einander zu und schoben sich ein wenig hin und her. Als sie sich davon machten, fuhren wir ebenfalls.
Unser Stellplatz in Okaukuejo lag sehr nah am Wasserloch, das wir zum Sonnenuntergang besuchten. Über ein Dutzend Giraffen war am Wasser und trank.
Zum Abendessen gab es heute Kudu und wieder Salat aus Tomaten, Gurke und Feta und die letzten Folienkartoffeln. Für morgen müssen wir uns eine andere Beilage ausdenken. Nach dem Spülen setzten wir uns noch ein wenig ans Wasserloch. Als wir ankamen, standen dort zwei Elefanten, ein Nashorn und – wir konnten unseren Augen kaum trauen – eine braune Hyäne. Mit der hatten wir am allerwenigsten gerechnet, noch nicht einmal geahnt, dass es im Etosha welche gibt. Natürlich hatten wir keinen Fotoapparat dabei, denn vom Flutlicht beleuchtete Nashörner haben wir ja schon genug. Uwe sprintete los, um ihn zu holen. Doch als er zurück war, war das braune Zotteltier natürlich längst davongetrottet. Trotzdem freuten wir uns über die Sichtung. Nachdem alle Tiere verschwunden waren, kamen zwei weitere Spitzmaulnashörner – eine Mutter mit ihrem Jungen. Später traf ein weiteres Nashorn ein. Spontan entschieden wir, auf einmal doch nicht genug Fotos von flutlichtbeschienenen Dickhäutern zu haben.
Später liefen ein paar Schakale um das Wasser, doch schon bald wurde es uns zu kalt, und wir gingen zum Auto. Obwohl sich alle Leute am Wasserloch Mühe gegeben hatten, leise zu sein, freuen wir uns schon wieder auf die etwas einsameren Zeiten. Gerade im Zelt verschwunden, brüllte ein Löwe. Sein Gebrüll kam näher, aber bei uns siegten Kälte und Müdigkeit über die Neugier.
Kilometer: 252
Teil 3714. Dez. 2014
Freitag, 25. Juli 2014 – Rund um Okaukuejo
Okaukuejo, Etosha
Da es ein wenig windig war, fühlte es sich heute Morgen etwas kälter an als sonst. Uwe kochte wieder Kaffee und packte das komplette Frühstück vorne ins Auto, während Ruth kurz beim Wasserloch vorbeischaute – ein Schakal – dann ging es los. Wir fuhren Richtung Nebrownii. Auf dem Weg sahen wir parallel zur Straße eine einzelne Tüpfelhyäne laufen. Wir vermuteten, dass sie zum Wasserloch wollte. Leider kam gerade in diesem Moment in ziemlichem Tempo ein Bus von hinten angebraust, und die Hyäne verschwand.
Weiter ging es nach Gemsbokvlakte, wo nichts los war.
Kronenkiebitz
Dann nahmen wir den Weg nach Ombika, auf dem wir ebenfalls lediglich Zebras und Springböcke sahen. Als wir bei Ombika eintrafen, verschwand gerade eine einzelne Löwin im Gebüsch. Wir versuchten, ihr zu folgen, verloren sie jedoch schnell. Etwas frustriert fuhren wir zurück nach Okaukuejo und tankten. Dann kauften wir ein paar Postkarten und fuhren Richtung Okondeka. Zwei Honigdachse schlenderten auf Futtersuche zwischen Büschen umher, und ein Schakal schleppte einen alten Knochen davon. Auf dem Abstecher nach Wolfsnes sahen wir ein paar Doppelbandrennvögel, die gut getarnt durch das Gras liefen.
Bei Okondeka waren sehr viele Gnus, Oryx, Springböcke und Strauße versammelt. Bis weit in die Ebene hinein standen die Tiere. Eine einzelne Hyäne lag nahe am Wasser. Ständig trafen neue Antilopen ein. Wir standen eine Weile dort und aßen Brötchen, während wir die langen Reihen der Tiere beobachteten, die sich dem Wasser näherten oder davonzogen. Dann ging es über Leeuwbron wieder nach Okaukuejo.
Sabotalerche
Gelbbauchgirlitz
Dort saßen wir bei einer ausgedehnten Mittagspause über zwei Stunden am Wasserloch und sahen einigen Elefanten und unzähligen Zebras, Springböcken, Oryx und Kudus beim trinken zu. Ein Elefant legte sich zur Abkühlung komplett in das Wasserloch, bis nur noch sein Rüssel als Schnorchel aus dem Wasser schaute.
„Knattertier“, welches beim Fliegen einen ganz gehörigen Lärm verursacht.
Königswitwe, auch hier noch mit ihren langen Prachtfedern.
Später trafen noch zwei Elefantenherden ein. Große, kleine, alte und junge, ängstliche und vorwitzige Elefanten wuselten durcheinander. Sie wateten ins Wasser, bespritzten sich und warfen sich danach Staub über den Rücken und den Kopf. Einige drängelten sich um den besten Trinkplatz, an welchem das frische Wasser in den Tümpel einlief und schubsten sich gegenseitig zur Seite, mussten dann aber ihrerseits den Platz räumen, wenn ein größeres Tier diese Stelle für sich beanspruchte. Da durch die Elefantenduschen ausgesprochen viel Staub in der Luft und das Licht von vorne gleichzeitig sehr ungünstig war, fotografierten wir kaum, sondern genossen das Elefantenspektakel ganz einfach pur. Die Tiere prusteten und schnauften, gelegentlich konnte man ihr tiefes Brummen oder ein vereinzeltes Trompeten vernehmen. Was uns ein wenig nervte, waren die teils lautstarken Gespräche, das Rascheln in Chipstüten und vor allem die verschiedenen künstlichen Geräusche der einzelnen Kameras und Fotoapparate, die alle mit einer Begleitmelodie ihre Bereitschaft signalisieren mussten. Das müssen sie übrigens gar nicht. Man kann dieses Kling-Klong-Klang auch abstellen!
Es war sehr angenehm, nicht immer im Auto unterwegs zu sein, und wir brachen daher nur zu einer kleinen Nachmittagsrunde auf. Wieder waren Ombika, Gemsbokvlakte und Olifantsbad die Stationen. Nirgendwo gab es etwas Spannendes zu entdecken.
Weibliche Weißflügeltrappe
Zum Abendessen machten wir aus dem letzten Stück Gnu ein Gulasch mit Tomaten. Dazu gab es Nudeln. Nach dem Abwasch setzten wir uns wieder ans Wasserloch. Auch heute Abend waren einige Elefanten und Nashörner dort. Es wurde keine Minute langweilig. Entweder kamen neue Elefanten dazu, trompeteten und verdrängten sich von der besten Stelle am Wasser. Oder die Nashörner liefen hin und her. Manchmal grollten die Elefanten, manchmal grunzten die Nashörner. Schakale, Giraffen und Oryxe hielten respektvollen Abstand.
Als es uns zu kalt und unbequem wurde, gingen wir ins Zelt. Leider ist der letzte Tag im Etosha nun zu Ende.
Kilometer: 200
Teil 3822. Dez. 2014
Samstag, 26. Juli 2014 – An die Küste
Okaukuejo, Etosha – Meikes Gästehaus, Swakopmund
Die Abschlussrunde im Etosha bestand heute Morgen aus Gemsbokvlakte, Olifantsbad, Nebrownii und wieder Okaukuejo. Bei knapp über drei Grad war es den meisten Tieren aber wohl noch zu kalt. Wir sahen nur einige Springböcke und Oryx.
Weißflügeltrappe
In Okaukuejo machten wir neben der Tankstelle Jagd auf einen Nektarvogel. Das hyperaktive Kerlchen war ständig in Bewegung und flog hektisch von einem Sitzplatz zum nächsten, wo es aber nie länger als ein paar Sekunden verweilte. Glücklicherweise hatten ein paar Aloenblüten aber genau seinen Geschmack getroffen, so dass er dieses Ziel immer wieder anflog.
Bindennektarvogel
Kurz vor der Ausfahrt aus dem Etosha besuchten wir noch das Wasserloch Ombika. Dort sahen wir die wohl letzten Zebras für diesen Urlaub. Dann verließen wir den Park und fuhren die knapp 100 Kilometer nach Outjo. Zu unserer großen Freude hatte die Bäckerei dort wieder geöffnet, und wir setzten uns in den sonnigen Hof und bestellten uns ein Omelett, strammen Max und Kaffee. Es war herrlich, sich am späten Vormittag dort aufzuwärmen und ein leckeres Frühstück zu genießen. Da unser Tisch der einzige war, der Platz in der Sonne bot, fanden wir aber schnell ungefragten Anschluss, als es sich eine Reisegruppe wie selbstverständlich neben und um uns herum bequem machte. Halt, stopp! Wir gehören doch gar nicht zu dieser Gruppe. Eigentlich sind wir ja gar nicht so kontaktscheu, ein klein wenig Höflichkeitsabstand wäre hier aber nett gewesen. Trotzdem beschlossen wir, nicht ganz doof zu sein und ließen uns in ein Gespräch verwickeln. Die Gruppe war gerade mit einem Tag Verspätung und dem Umweg über Leipzig mit Air Namibia und einigen Scherereien angekommen und auf dem Weg in den Etosha. Wir hörten Geschichten über verlorengegangenes Gepäck, Zwischenlandungen und Zeitverlust, wollten uns mit diesen Dingen aber jetzt noch nicht beschäftigen. Ist doch bisher immer alles gutgegangen bei uns und der Rückflug noch ein wenig hin. Anschließend fuhren wir weiter Richtung Süden. Zunächst nahmen wir die M63 und freuten uns, wieder auf einer namibischen Schotterstraße unterwegs zu sein. Die Aussicht über die hügelige, endlos weite Landschaft war traumhaft. Am Straßenrand trippelten unzählige Familien von Warzenschweinen durch das gemähte Gras. Das Antennenschwänzchen steil aufgerichtet liefen sie in der Reihe vor unserem Auto davon oder wühlten völlig unbeeindruckt direkt neben der Straße mit ihren Hauern im Sand. Wir hofften jedes Mal, dass sie es sich nicht doch anders überlegten und noch schnell vor unserem Wagen kreuzen würden. Wir sahen jede Menge rote Termitenhügel, die in die Landschaft eingestreut waren. In Kalkfeld war nicht viel los, und die Unterkünfte lagen im Gegensatz zum regen Treiben im Caprivi und vor Rundu recht verlassen da.
Über die C33 kamen wir über Omaruru nach Karibib und von dort über die B2 nach Usakos und gegen halb vier schließlich nach Swakopmund. Es war ziemlich windig und auch nicht besonders warm. Wir wurden wie immer sehr herzlich von Meike und Klaus begrüßt. Bei Kaffee und Keksen erzählten wir ein wenig. Dann räumten wir das Auto aus und verwüsteten das gemütliche Zimmer der Pension mit unserem Krempel. Bei einer Dusche spülten wir den gefühlten Staub der letzten drei Wochen ab, da es mit Meike und Klaus zum Abendessen ins Cosmopolitan ging. Dort gefiel es uns ausgesprochen gut. Wir saßen auf gemütlichen Polstermöbeln und aßen ganz besonders leckeren Kingklip. Es war wieder ein sehr netter Abend mit den beiden.
Kilometer: 575
Teil 3922. Dez. 2014
Sonntag, 27. Juli 2014 – Auftragsarbeit
Meikes Gästehaus, Swakopmund
So eine Nacht in einem weichen Bett hat schon etwas. Wir schliefen aus und gingen den sonnigen Tag sehr gemütlich an. Also frühstückten wir spät und lange. Dabei unterhielten wir uns nett mit Lara, Meikes Mitarbeiterin. Am späten Vormittag saßen wir ein wenig im Hof in der Sonne. Meike hatte eine Flasche mit einer süßen Lösung in die Büsche gehängt, auf welche die Sunbirds sehr flogen. Die Blüten der Aloen gefielen ihnen aber ebenso gut.
Rußnektarvogel
Gegen Mittag gingen wir in die Innenstadt und bummelten etwas ziellos durch die Gässchen. Die Sonne schien, und es gab keinen Nebel. Am Meer schlugen hohe Wellen um, in denen ein paar Surfer ihr Geschick versuchten. Dann suchten wir den Souvenirmarkt in der Nähe des Leuchtturms auf, da Ruth von einem Freund den Auftrag erhalten hatte, einen Affen aus Afrika mitzubringen. Nun sind Affen scheinbar nicht die beliebtesten Tiere und daher auch nicht so gefragt, so dass alle ihre bisherigen Versuche, ein solches Tier aufzutreiben, vergebens waren. Neben Reihen aus Holzelefanten, Hippos, Tokos und den Big 5 gab es auf dem ganzen Markt nicht das kleinste Äffchen aus Holz. Nein, wir wollten weder Tischdecken, noch Schmuck, keine „Seiffenschallä“ oder ein Salatbesteck, ein Affe musste her! Gerade wollte Uwe die Makalani-Nussverkäufer abwimmeln, als Ruth ihre Chance witterte. Ob die Jungs wohl noch eine nackige Nuss hätten, keine solche, in der bereits die schönen, typischen Tiere, wie Zebra, Kudu, Nashorn oder Elefant eingeschnitzt wären, sondern eine, in welcher noch Platz für einen Affe wäre? Solche Makalanis hatten die beiden Nussverkäufer zum Glück noch, aber einen Affen konnten die beiden nicht zeichnen. Daher wurde aus Ruths Wunsch schnell ein Spezialauftrag, der in Gemeinschaftsarbeit erstellt wurde. Wir folgten den beiden zu ihren Freunden und sahen zu, wie einer der Jungs den Affen malte, ein anderer die Buchstaben zeichnete, die Ruth ihm zuvor auf einem Schnipsel Papier vorgeschrieben hatte und sich ein dritter an der Schnitzerei versuchte.
Eine solche Nuss hatten sie in ihrem ganzen Leben noch nicht geschnitzt. Neben dem Namen von Ruths Fußballfreund durften die Buchstaben BVB 09 neben dem Affen, der vielleicht ein ganz klein wenig an ein Pferd mit einer etwas zu langen Schnauze erinnerte, natürlich nicht fehlen. Dazu gesellte sich auf der anderen Seite noch ein Fußball, bis Ruth endlich mit dem Ergebnis zufrieden war. Während zwei der Jungs mit Ruths speziellen Motiven beschäftigt waren, führte ein dritter mit uns die Preisverhandlungen. Zunächst wollte er gar nicht über Geld sprechen, versicherte uns, dass Borussia Dortmund ebenfalls sein Lieblingsverein wäre (;-)) und machte uns klar, wie viel Arbeit doch an dieser besonderen Nuss hängen würde. Schließlich startete er sein Angebot bei aberwitzigen 350 Dollar, und wir konterten mit 30. Das Feilschen zog sich in die Länge, und wir hatten wirklich Spaß mit den Nussschnitzern. Es war schon erstaunlich, welche Geschichten sie sich einfallen ließen, um uns doch zu einem höheren Preis zu überreden. Hungrige Familien, stundenlanges Schnitzen an den kompliziertesten Motiven, die einzige Kundschaft heute zu sein wurden dabei ebenso in die Runde geworfen wie der Zusammenhalt unter zwei Dortmund-Fans. Hatte Uwe noch gehofft, es bald geschafft zu haben und endlich einen Kaffee trinken zu dürfen, gab Ruth nach der ersten fertigen Nuss gleich noch eine zweite in Auftrag. Auch hier war das Motiv nicht weniger speziell. Erdmännchen sollten es sein. Uwe ergab sich resigniert in sein Schicksal und nahm auf der Bank neben den Schnitzern Platz.
Doch auch für ihn hatten die Verhandlungsgespräche mit den Jungs erstaunlichen Unterhaltungswert, und wir können einen Besuch bei ihnen nur empfehlen, wenn man in Swakopmund genügend Zeit und Humor für solche Spielchen hat. Nach einer guten Stunde ließen wir uns schließlich auf einen Preis von 100 Dollar für beide Nüsse ein. Das ist sicherlich nicht günstig, war uns den ganzen Spaß aber allemal wert. Zurück in der Pension wollten wir mit dem Auto noch eine kurze Runde zum Swakop-Fluss fahren, um vielleicht den ein oder anderen Wasservogel zu fotografieren. Aber leider sprang der Wagen nicht an. Der Anlasser gab kaum einen Mucks von sich. Die Autobatterie war leer. Das konnte eigentlich nicht sein, da wir gerade gestern sehr lange gefahren waren. Die Batterie hätte voll geladen sein müssen. Wir hatten auch kein Licht oder sonstigen Verbraucher angelassen. Also telefonierten wir mit Savanna und verabredeten, uns morgen mit einer Werkstatt in Verbindung zu setzen. Zu Fuß gingen wir zur Jetty ans Meer und betrachteten den Sonnenuntergang.
Bis zum Ende der Landungsbrücke spazierten wir und ließen uns den kalten Wind um die Ohren wehen.
Als wir richtig durchgepustet waren, gingen wir ins Tug zum Abendessen. Dort gönnten wir uns ein tolles Menü. Es gab Zwiebelsuppe, Bruschetta mit Lachs und Butternut, scharf gewürzten Fisch und ein Oryx-Steak. Anschließend waren wir zwar schon pappsatt, ließen uns aber noch zu einem Nachtisch hinreißen: Ebony and Ivory sowie ein heißes Schokoladenküchlein mit flüssigem Schokoladenkern und Vanilleeis. Es war dermaßen mächtig, dass wir uns nicht vorstellen konnten, jemals wieder etwas zu essen. Super satt schleppten wir uns zur Pension.
Kilometer: 0
Teil 4026. Dez. 2014
Montag, 28. Juli 2014 – Walvis Bay
Meikes Gästehaus, Swakopmund
Wir standen etwas früher auf, und Uwe lief nach dem Duschen schnell über die Straße zu Diesel-Elektrik, um die Sache mit der Autobatterie zu klären. Sie versprachen, jemanden zu schicken. Dann frühstückten wir, und als die Starthilfe kam, warfen wir den Motor an und brachten das Auto zur Werkstatt. Dort wollte man die Batterie bis Mittag nochmal aufladen, um dann zu entscheiden, ob sie ausgetauscht werden müsse. So erledigten wir am Vormittag alles zu Fuß. Erst brachten wir alle schmutzigen Klamotten in die Wäscherei. Dann erstanden wir ein paar Souvenirs. Bei einer ziemlich großen Holzmaske war schnell klar, dass wir sie haben wollten, nicht aber, wie wir das Trumm nach Hause transportieren sollen. Also blieb sie vorerst an Ort und Stelle im Laden. Im Büro des NWR besorgten wir uns die Permits für den Namib-Naukluft-Park, die wir in den kommenden Tagen brauchen werden. Als das Auto fertig war – zum Glück hatte es eine neue Batterie – fuhren wir zu Fruit & Veg zum Großeinkauf. Dort bekamen wir neben Gemüse und Milchprodukten auch Rauchfleisch, eingeschweißte Wild-Steaks und Boerewors. So können die nächsten Lagerfeuer-Abende kommen. Im Bottlestore kauften wir noch Wein und verstauten bei Meike alles ordentlich im Wagen. Im Innenhof der Pension beobachteten wir ein paar Vögel am Wasserle.
Wellenastrilde
Orange River White Eye (ein Brillenvogel)
Es war schon nach drei Uhr, als wir uns auf den Weg nach Walvis Bay machten. Südlich der Stadt hielten wir an der Lagune und sahen unzählige Flamingos. Es waren bedeutend weniger als letztes Jahr, aber immer noch beeindruckend viele.
Bei den Salzfeldern schwammen Enten, und viele Watvögel liefen durchs flache Wasser. Wir fotografierten Regenpfeifer und Steinwälzer im späten Nachmittagslicht.
Weißstirnregenpfeifer
Sichelstrandläufer
Schwarzhalstaucher
Kapente
Wir waren froh, im warmen Auto zu sitzen, da ein eisiger Wind pfiff und am Wagen rappelte.
Als die Sonne unterging, kehrten wir um und fuhren in der Dunkelheit zurück nach Swakopmund. Zum Abendessen waren wir im Erich’s. Von dort hatten wir kürzlich sowohl bezüglich des Service als auch des Geschmacks nichts Gutes gehört, aber bei uns war wie in den letzten Jahren auch alles prima. Ruth aß einen Fischteller mit verschiedenen Sorten und Uwe das Fleisch-Pendant, den Safari-Teller. Es war wie immer superlecker. Leider neigt sich unsere Zeit bei Meike mal wieder dem Ende zu. Aber andererseits freuen wir uns auch auf die kommenden Tage im südlichen Namibia.