natürlich war auch das Ziel unser vergangenen Sommerferien schnell klar. Diskussionen gibt es längst keine mehr, höchstens noch bezüglich einiger kleinerer Zwischenstopps. Freunde und Bekannte haben aufgehört, sich zu wundern. Sie versuchen auch nicht mehr, uns ein anderes Ziel nahezulegen, und selbst das verständnislose Kopfgeschüttel über die ganzen Entbehrungen (bekommt ihr auch etwas zu Essen, ständig diese Kälte, Bett jeden Tag auf- und zuklappen, nur kaltes Wasser aus der Dusche, ist das nicht gefährlich … blablabla, blablablablaaaa …), die leicht spöttischen Fragen („Na, wo geht‘s denn diesmal hin? Doch nicht etwa nach Afrika?“) und die Bemerkungen zu dem ein oder anderen Foto („Wie? Da ist ja gar nichts! Ihr fotografiert ja nur Steine!“) verstummen so langsam. Sie haben es verstanden: Sie werden uns nicht mehr ändern! Und unsere Begeisterung für das südliche Afrika ist nach wie vor nicht zu bremsen. Spätestens beim Verfassen unseres letzten Reiseberichts im Winter waren die Rufe der Schakale wieder zu vernehmen, wurden mit der Reservierung der Camps immer lauter und eindringlicher und waren im Frühling nicht mehr zu überhören. Die Vorfreude stieg stetig, und so ging es für uns auch in diesen Sommerferien wieder nach Namibia und Botswana, wo wir einige unserer Lieblingsorte besucht haben. Der Schwerpunkt lag auf der Tier- und zunehmend Vogelbeobachtung. Es macht uns immer mehr Spaß, die Gefiederten zu entdecken, zu bestimmen und zu fotografieren. Aber auch die Vierbeiner sind nicht zu kurz gekommen. Auch wenn die Sichtungen der Reise des vergangenen Jahres 2013 kaum zu überbieten waren, hatten wir einige schöne Begegnungen. Der Titel bedeutet also nicht, dass wir ausschließlich über Vögel berichten werden.
In den kommenden Wochen wollen wir euch in verschiedene Nationalparks mitnehmen und gemeinsam Tiere entdecken. Fotos gibt es natürlich auch. Wir freuen uns über eure Begleitung.
Viel Spaß Ruth und Uwe
Teil 202. Nov. 2014
Freitag, 4. Juli 2014 – Auf geht‘s
Der letzte Schultag vor den Sommerferien, der erste Urlaubstag – da war doch was? Richtig: Heute geht es endlich los. Und das zum elften Mal. Bei dieser Reise machen wir das Jahr voll. Nehmen wir alle Urlaube zusammen, haben wir dann ein ganzes Jahr in Afrika verbracht. Aber eigentlich gibt es dieses Mal gar nichts Neues. Da unsere letzte Reise so wunderschön war, haben wir nur wenige Änderungen an der Route vorgenommen und hoffen, dass uns der Safarigott auch dieses Jahr wieder wohlgesonnen ist (und sich nach Möglichkeit nicht daran erinnert, dass er es letzten Sommer bereits mehr als gut mit uns gemeint hat). So werden wir wieder zunächst nach Botswana fahren und anschließend eine große Runde durch Namibia drehen, bis wir zum Abschluss der Reise einige Tage im KTP verbringen. Dieser Park hat sich in den letzten Jahren immer mehr zu unserem Lieblingspark entwickelt, und besonders die einsamen Camps haben es uns angetan. Außerdem hofft Ruth wieder auf die Begegnung mit einer braunen Hyäne. Sollen die Wünsche doch nicht zu klein sein: Ein Karakal könnte es gleich auch noch sein! Den kann man eigentlich im ganzen Land entdecken. Tut man aber nicht. Und so war der Plan schnell gefasst: Eine ganze Woche Zeit im KTP für die Hyäne und den Luchs mit den Puscheln auf den Ohren. Der Beginn unserer Afrikaurlaube ist immer ein wenig durch Stress geprägt. Um nur ja keinen Tag zu verschwenden, nehmen wir bereits den Flieger am Abend des letzten Schultags. Dies bringt es naturgemäß mit sich, dass wir die letzten Reisevorbereitungen parallel zu Zeugnissen und Klassenbuchsessions vornehmen müssen. Aber dennoch haben wir nur ganz wenige Dinge vergessen. Das fiel jedoch vorerst nicht weiter auf, denn wir hätten eh nichts Weiteres mehr schleppen können. Mit je einer Tasche in der linken und einer in der rechten Hand und einem mehr oder weniger schweren Rucksack für das Handgepäck waren unsere packeseltechnischen Ressourcen ausgeschöpft.
Uwes Eltern holten uns zu Hause ab und brachten uns dieses Mal zum Zug nach Siegburg. Den üblichen Freitagnachmittag-Stau auf der A3 wollten wir so umgehen. Alternativ hatten wir nette Stehplätze zwischen Koffern und Taschen im ICE, der aber nur 40 Minuten bis Frankfurt brauchte. Dort brachte uns dann ein Bus zum Terminal 2, und am Schalter zum Check-In bei Air Namibia war noch nicht viel los. Nachdem der Fluglinie kurzfristig doch nicht die Lizenz entzogen worden war, rechneten wir mit keinerlei Schwierigkeiten. Weit gefehlt! Nun wurde unser Gepäck hinsichtlich des Gewichts unter die Lupe genommen. Seit zwei Jahren sind wir aufgrund der wiederholten Flüge mit Air Namibia stolze Inhaber des sog. Gold-Status im Vielfliegerprogramm. Dies berechtigt zur Mitnahme von mehr Gepäck: Zwei Taschen zu je 23 kg anstelle einer (pro Person). Lieber hätten wir eine größere Tasche mit etwas über 30 kg mitgenommen, dies war aber ausdrücklich untersagt worden, als wir vorab per Email nachfragten. Nun teilte uns die Dame am Check-In jedoch mit, dass wir trotz Gold-Status in der Economy-Klasse doch nur eine Tasche mitführen dürften. Als Platin-Kunde wären zwei Taschen erlaubt. Auf unsere Nachfrage, welchen Vorteil der Gold-Status denn habe, meinte sie, wir hätten Zutritt zu irgendeiner Lounge. Na großartig! Während Ruth im Geiste schon die Taschen umpackte und entschied, welche Dinge wir vielleicht doch in der dritten Tasche im Schließfach für knapp sechs Wochen am Flughafen zurücklassen könnten, war sich Uwe seiner Sache auf Grund des regen Mail-Kontaktes im Vorfeld ganz sicher. Das Spielchen zwischen ihm und der kompetenten Dame am Check-In: Sie dürfen definitiv keine zwei Gepäckstücke mitnehmen! – Doch! – Nein! – Doch! – Nein! setzte sich sehr zur Freude der immer länger werdenden Schlange an Mitreisenden hinter uns einige Minuten fort. Dummerweise bekam die Dame Unterstützung von einer weiteren Mitarbeiterin, die ihre Aussage bestätigte. Was tun? Das unwillige Gemurmel der anderen Fluggäste war nicht mehr zu überhören. Gerade als Uwe die entsprechende Email von Air Namibia herausgesucht hatte, um den entsprechenden Beweis zu liefern, konnte auch die Mitarbeiterin am Schalter die Regelung finden bzw. verstehen. Sie entschuldigte sich mehrfach bei uns, und wir wunderten uns mal wieder, warum sich niemand so genau mit den eigenen Gepäckregelungen auskennt. Wir können doch nicht die einzigen oder ersten Leute sein, die unter solchen Bedingungen nach Namibia reisen wollen. Nun war das Handgepäck an der Reihe. Und die Vorschriften hierbei waren leider allen Beteiligten ganz klar. Hatten wir doch gehofft, um das Wiegen des Handgepäcks herumzukommen, denn der Fotorucksack wog 15 kg. Das waren mindestens 5 kg zu viel. Weder die beiden Damen noch wir hatten Lust und Nerven für eine weitere Diskussion, zumal wir diesmal auch wirklich im Unrecht waren. Trotz der rappelfesten Verstauung in den einzelnen Fächern Uwes Fotorucksacks wanderten ein paar Objektive lose in Ruths Handgepäck, und am Ende wogen beide Gepäckstücke knapp 10 kg. Puh!
Nun durften wir endlich zum Boarding. Zuvor aßen wir noch eine Kleinigkeit und sahen uns das Fußball-WM Spiel an. Ruth stellte befriedigt fest, dass der einzige Dortmunder Spieler den Treffer, der zum Sieg gegen Frankreich genügte, erzielte. Das Flugzeug war nur zu ca. zwei Dritteln belegt, das Essen in Ordnung. Schlafen konnten wir nicht besonders gut, so dass wir entsprechend müde und bei frischen null Grad in Windhoek landeten. Ein Foto vom Flugzeug nach dem Aussteigen zu machen, wurde uns verboten.
Teil 302. Nov. 2014
Samstag, 5. Juli 2014 – Ankommen, einkaufen und wurschteln
Casa Piccolo, Windhoek
Wir reisten nach Namibia ein, zogen unsere Taschen vom Band und fanden sofort den Fahrer von Savanna. Die Begrüßung ist mittlerweile schon sehr herzlich, fast wie bei einem länger nicht gesehenen Familienmitglied. Nachdem wir noch einige Zeit auf eine weitere Familie gewartet hatten, die jedoch nicht mehr auftauchte, ging es in die Stadt zur Autovermietung. Dort verlief alles zügig und unkompliziert. Unser Wagen ist wie im Vorjahr ein Bushcamper mit Klappdach, diesmal jedoch bereits zwei Jahre alt. Der erste Weg führte uns zur Pension Casa Piccolo, wo wir ein zweites Frühstück und unser Zimmer bekamen. Alle Taschen ließen wir dort und brachen zur großen Einkaufsrunde auf: Geld holen, Bottlestore, Superspar, Metzger, Tankstelle. Anschließend war der Wagen mit Kartons und Tüten randvoll.
Am Nachmittag verstauten wir in der Pension unsere Sachen sowie die Einkäufe in sämtlichen Fächern des Autos. Dafür wurde der halbe Hof der Pension belegt. Gefühlte hundert Mal liefen wir um unser Auto, bestiegen den Innenraum, öffneten und schlossen Reißverschlüsse, Klappboxen und Autoklappen, bis auch das letzte Bestimmungsbuch, die warmen Wolldecken für den plötzlichen abendlichen Kälteeinbruch, die Stirnlampen, die Hängematte, sämtliche Klamotten, Essensvorräte und das ganze Gedöns mit Kabel seine optimale Wohnung für die nächsten Tage oder auch länger gefunden hatte und wir endlich nach mehrfachem Um- und Ausgeräume zufrieden waren.
Als dies schließlich geschafft war, waren wir fix und fertig und brauchten dringend ein wenig Ruhe. Im Zimmer legten wir uns kurz aufs Ohr und wollten zum Abendessen fast nicht mehr aufstehen. Eigentlich hatten wir vor, wie immer zu Joe’s Beerhouse zu fahren. Aber zu unserem Glück, das wir zu dem Zeitpunkt noch gar nicht ahnen konnten, war dort aufgrund der Fußball-WM samstags alles ausgebucht. So wichen wir auf das Restaurant „Am Weinberg“ aus, von dem wir bereits gehört hatten. Das war ein Volltreffer. Es stimmte einfach alles: Die Menüauswahl, das Ambiente, die Bedienung. Wir aßen unglaublich leckere Vorspeisen (kalte Gurkensuppe bzw. Brühe mit selbstgemachten Wild-Tortellinis und Käse) und ein zartes Oryx-Steak. Lediglich ein Stück Möhre lebte noch und sprang Uwe vom Teller auf die Jacke, von dort auf die Hose und dann auf den Boden, hinterließ dabei eine Spur aus Soße. Bereits am ersten Tag die einzige gute Hose versaut! Das konnte unsere Freude über das leckere Essen aber nicht trüben. Mit dem Taxi fuhren wir wieder in die Pension und fielen todmüde ins Bett.
Teil 403. Nov. 2014
Sonntag, 6. Juli 2014 – Nach Botswana
Casa Piccolo, Windhoek – El Fari, bei Ghanzi
Das Aufstehen fiel uns etwas schwer. Zum letzten Mal für lange Zeit verließen wir ein weiches Bett und schwärmten noch ein bisschen von dem sensationellen Abendessen. Während Ruth duschte, sortierte Uwe Dinge, die noch im Auto verstaut werden mussten. Bei so einem Camper wird man ja niemals fertig mit der Räumerei! Gestern hatten wir bereits festgestellt, dass wir unser Bohnensack-Stativ für das Autofenster vergessen haben. Zu blöd! Müssen wir uns halt mit einem alten Handtuch begnügen. Noch einmal ließen wir uns Rührei mit Speck schmecken und brachen schließlich gegen 9.00 Uhr auf. Bei Savanna ließen wir noch schnell zwei leere Reisetaschen und unsere Ausrüstungskiste zurück. Dann ging es auf die B6 nach Osten. Letztes Jahr waren wir die Strecke zusammen mit Freunden gefahren, nun spulten wir alleine die Kilometer ab. Wir vertrieben uns die Zeit damit, Warzenschweine zu zählen. Die Grenzformalitäten dauerten auf beiden Seiten zusammen nicht mehr als 20 Minuten, und so kamen wir zügig voran. Während in Namibia noch wenig Verkehr herrschte, war in Botswana fast gar kein anderes Auto mehr unterwegs. Am Nachmittag hielten wir an einem Rastplatz neben der Straße und machten ein kleines Picknick. Leider besuchten uns sehr viele Fliegen und Wanzen. Letztere hatten es besonders auf das weiße Auto abgesehen, flogen aber auch gerne ins Innere, wenn wir eine Türe öffneten. Wir versuchten so gut es ging, den Wildschinken, das Brot und die Tomaten zu genießen und nicht aus Versehen ein Insekt mitzuverspeisen. Was uns beunruhigte, war die Tankanzeige. Bereits nach 200 Kilometern hatte der Zeiger angefangen, sich zu bewegen. Bisher waren wir es von den Doppeltank-Systemen gewohnt, dass die Tankuhr erst zu sinken beginnt, wenn einer der beiden Tanks vollständig leer ist. Nun ging es schon viel früher los. So waren wir sehr gespannt, als wir gegen 16.30 Uhr nach Ghanzi kamen, Geld holten und tankten. Nach den gefahrenen 500 Kilometern passten zum Glück nur die erwarteten 60 Liter in den Tank. Nach der letzten Etappe erreichten wir das El-Fari Camp, wo wir die einzigen Gäste waren. In Ruhe bereiteten wir das Abendessen zu.
Es gab Paprika-Tomaten-Feta-Salat, Folienkartoffeln mit Knoblauchbutter und zwei zarte Rindersteaks. Das Lagerfeuer wärmte uns und sorgte für schöne Afrika-Atmosphäre. Nach den anstrengenden letzten Tagen konnten wir uns heute bei der Fahrt erholen und den ersten Campingabend in vollen Zügen genießen. Nach dem Spülen ging Uwe duschen und machte noch ein paar Aufnahmen vom Sternenhimmel. Im Dunkeln hörten wir zwei Weißgesichtohreulen, die sich miteinander unterhielten und den markanten Ruf einer Zwergohreule. Morgen freuen wir uns auf die Zentralkalahari.
Kilometer: 592
Teil 503. Nov. 2014
Montag, 7. Juli 2014 – Sagen Schilder die Wahrheit?
El Fari, bei Ghanzi – Passarge Valley, CKGR
Heute schliefen wir ein wenig aus und ließen uns erst außerhalb des Zeltes blicken, als es bereits hell und das Thermometer auf drei Grad geklettert war. Nachts war es doch ein wenig frisch geworden.
Mahaliweber
Die Sonne wärmte uns von außen, Tee und Kaffee von innen. Dann packten wir alles zusammen, bezahlten unsere Rechnung bei El-Fari und starteten Richtung CKGR. Nach etwa 40 Kilometern wollten wir am Kuke Veterinärzaun rechts in Richtung Tsau Gate abbiegen. Doch auf einem Schild stand unmissverständlich, dass man die Eintrittsgebühren für den Nationalpark auf keinen Fall am Gate, sondern beim Wildlife-Büro in Ghanzi zu bezahlen hätte.
Oh je. Wir hatten zwar bezahlte Reservierungen für die Campingplätze, aber noch keinen Eintritt bezahlt. Was tun? Da hatte das Reisebüro Eulenmuckels wohl ein wenig geschlampt. Kurzerhand entschlossen wir uns, in den sauren Apfel zu beißen und die 110 Kilometer bis Ghanzi zurück zu fahren. Nicht, dass wir gestern und heute Morgen die Strecke schon einmal gefahren waren! Wir versuchten, uns über diesen Umweg nicht lange zu ärgern. Die Alternative wäre gewesen, die verbleibenden 45 Kilometer entlang des Zaunes bis zum Tsau Gate zu fahren, um zu fragen, ob wir nicht doch dort den Eintritt bezahlen könnten. Falls nicht, wäre der Umweg dann aber umso länger. In Ghanzi fragten wir uns zum Wildlife Büro durch. In einem Gebäude, das von innen wie ein Gefängnis aussah, geleitete man uns zu einem hinteren Büro. Eine Dame berechnete umständlich die Gebühren, füllte das entsprechende Formular aus und stempelte wild mehrere Durchschläge. Weder das Büro, noch die Angestellten machten auf uns den Eindruck, als ob hier regelmäßig Parkeintritte abgerechnet und Permits ausgestellt würden. Anschließend kauften wir noch ein paar Kleinigkeiten im Spar und tankten mal wieder voll. Die Strecke nach Nordosten kam uns dann schon ein wenig bekannt vor. Die netten Straßenarbeiter, die damit beschäftigt waren, die weißen Mittelstreifen nachzumalen, hatten in der Zwischenzeit weitere hundert Meter geschafft. Dazu legten sie eine rechteckige Schablone mitten auf die Straße und rollten die Form mit einem weißen Farbroller aus. Am Kuke Fence ging es dann endlich nach Osten, und am Tsau Gate erfuhren wir, dass wir dort natürlich problemlos die Eintrittsgebühren hätten bezahlen können, sehr gerne auch per Kreditkarte. Warum auch nicht? Vielleicht deswegen, weil es auf einem nicht zu übersehenden offiziellen Schild unmissverständlich geschrieben stand und vermutlich auch in 20 Jahren noch da stehen wird. Ach, das Schild! Die Frau am Gate winkte lässig ab, und wir erkannten mal wieder, immer noch viel zu Deutsch zu denken. Selber schuld!
Außerdem erzählten uns die Ranger, dass es dieses Jahr Elefanten in der Zentralkalahari gebe. Ihre Spuren und Hinterlassenschaften sahen wir später, fanden aber leider keinen Dickhäuter. Nach dem Gate ging es nochmal 35 Kilometer am Zaun entlang, bevor wir nach Süden abbogen. Vor drei Jahren waren wir schon einmal hier gewesen. Im Gegensatz zu damals kommt uns die Landschaft sehr verbuscht vor. Entlang des Weges ins Passarge Valley stehen die Sträucher teilweise so eng, dass es unmöglich ist, den Wagen ohne das Kratzen der Äste hindurch zu fahren.
Wir sahen nicht sehr viele Tiere, also solche auf vier Beinen. Es gab lediglich ein paar stattliche Kudumännchen und später die dazugehörigen Weibchen, zwei Steinböckchen, die in großen Sätzen davonsprangen und einige Oryx, die unmotiviert herumstanden. Wir fuhren lange Strecken, ohne einen einzigen Springbock, geschweige denn eine Giraffe oder etwas anderes zu sehen. Nun ist die Mittagszeit natürlich auch nicht die günstigste Zeit für Tierbeobachtungen, und wir hatten durch unseren Umweg über Ghanzi einfach zu viel Zeit verloren. Dafür entdeckten wir viele Vögel, die uns über die Fahrerei durch karges, ausgetrocknetes Grasland hinweg trösteten. Ständig saßen Termitenschmätzer und vor allem Gabelracken in den Ästen von Büschen oder einzelnen Bäumen. Eine von ihnen hatte sich gerade eine grüne Gottesanbeterin geschnappt. Nach einigen geschickten Drehungen und mehrmaligem Wenden des Leckerbissens schlang sie den fetten Happen im Ganzen hinunter. Es ist immer wieder verwunderlich, welch Riesenbrocken Tiere am Stück hinunterwürgen können, ohne dabei zu ersticken.
Teil 603. Nov. 2014
Weder am Motopi-Wasserloch noch an der Wasserstelle an der Einfahrt zum Passarge Valley war viel zu entdecken. Ein einzelnes Oryx löschte seinen Durst, und eine Schar Perlhühner rannte mit wackelnden Köpfen flügelschlagend in wildem Zickzack genau in der Fahrspur vor unserem Auto her.
Weißflügeltrappe
An unserem Campingplatz machten wir Feuer und grillten Boerewors. Dazu gab es Salat und Grillbrote. Nach dem Essen schrieb Ruth noch ein wenig mit der Taschenlampe.
Die erste Nacht in der Kalahari war kalt. Am Morgen zeigte das Thermometer –0,4 Grad. Daher beeilten wir uns damit, alle Sachen zusammen zu packen und verschoben das Frühstück auf später.
Rebhuhnfrankolin
Riesentrappe
Ein paar Kilometer fuhren wir bis zum Passarge Wasserloch. Dort blieben wir etwa eine Stunde stehen, konnten aber außer Tauben und Flughühnern keine Tiere beobachten. Falsch: Als Highlight kam ein einzelner Schakal vorbei und stillte seinen Durst. Zu einer spannenden Taubenjagd kam es aber nicht. Einige Riesentrappen näherten sich im Gebüsch, aber auf sie wollten wir dann nicht mehr warten.
Fleckenflughuhn
Weiter ging es Richtung Süden. Der Weg führte über einige Schleifen durch Buschland und über Ebenen. Immer wieder sahen wir unterschiedlich große Herden Oryx und Springböcke. Manchmal waren ein paar Kuhantilopen oder Gnus unter ihnen. In den Bäumen saß ab und zu ein Falke, Weißbürzel-Singhabichte sahen wir erstaunlich oft am Boden. Ein einzelner Gaukler saß in einem Baum und fraß an einer Beute, die wir jedoch nicht mehr erkennen konnten. Kurz nach Mittag machten wir Pause an einem Stellplatz der Tau-Pan. Uwe aß Müsli, Ruth Brote mit Frischkäse und Rauchfleisch. Dann kochten wir Wasser mit der Kelly und spülten auch das Geschirr vom Vorabend. Die Sonne war warm, und wir genossen die Ruhe und Einsamkeit.
Eine große Schar Perlhühner kam vorbei und ließ sich durch unsere Anwesenheit nicht stören. In wenigen Metern Entfernung scharrelten sie an uns vorüber. Besonders auffällig waren die unzähligen Naramelonen, die zu hunderten überall herumlagen. Sie sind wohl ein Zeichen für den vielen Regen, der dieses Jahr gefallen war.
Teil 804. Nov. 2014
Auf dem weiteren Weg kamen uns zwei Gruppen Südafrikaner entgegen, die zweite bestand aus sechs Fahrzeugen mit Anhängern, die eine lange Staubfahne hinter sich herzogen. Danach war es aber wieder ruhig, und zu unserer großen Freude sahen wir mehrere Familien Löffelhunde. Die drolligen Kerlchen waren allerdings sehr scheu und sprinteten meist in vollem Galopp davon, sobald wir anhielten. Ein paar Sekretärvögel stolzierten durch das hohe Gras.
Gegen Nachmittag erreichten wir unseren Stellplatz Letiahau, fuhren aber noch ein paar Kilometer weiter zum gleichnamigen Wasserloch. Dort stand eine Herde Oryx, die sich aber schnell entfernte. Leider passierte in der kommenden Stunde nichts, obwohl es in der näheren Umgebung keine weitere Wasserstelle mehr gab.
Schurrbärtchen
Und so fuhren wir wieder zurück zum Stellplatz. Bereits vor Sonnenuntergang kühlte die Luft ab, daher machten wir Feuer und richteten uns ein. Der Campingplatz liegt ein paar hundert Meter abseits des Wegs und verfügt weder über eine Dusche noch eine Toilette. Das finden wir sehr schade, denn überall im Gebüsch liegt Klopapier herum.
Als es dunkel wurde, hörten wir ein merkwürdiges Geräusch, welches wir nicht auf Anhieb zuordnen konnten. Während die bellenden Geckos ja eine sehr angenehme Stimmung schaffen, hörte sich dieses Husten für uns aber sehr nach einem Leoparden an. Der Ruf wiederholte sich, kam näher und umkreiste unser Lager. Mit unserer Handy-App (mammals) überprüften wir verschiedene Tierlaute. Den ganzen Tag hatten wir lediglich ein paar Oryx gesehen. Vielleicht husten Oryx ja auch?! Schließlich spielten wir den Laut der Katze ab. Anstelle uns zu beruhigen, dass sich ein Leopard ganz anders anhörte, war es nach kurzer Analyse der Stimme mit der Gemütlichkeit schnell vorbei. Die beiden Laute waren erschreckend ähnlich. Wir grillten in Windeseile unsere Steaks (die müssen ja auch gar nicht durch sein!) und aßen, wobei wir immer wieder mit der Taschenlampe die Umgebung ableuchteten. Da die Vegetation aber recht hoch und die Büsche nahe standen, konnten wir nichts entdecken. Wir kamen uns sehr beobachtet und gleichzeitig selbst recht blind vor, so dass wir nach dem Essen schnell im Zelt verschwanden. Das Husten entfernte sich, und in sehr weiter Entfernung hörten wir unser erstes Löwengebrüll in diesem Urlaub.
Kilometer: 125
Teil 905. Nov. 2014
Mittwoch, 9. Juli 2014 – Vogel-Invasion
Letiahau, CKGR – Tiaan’s Camp, Khumaga
Wir standen kurz nach Sonnenaufgang auf und packten zusammen. Der erste Weg führte uns wieder zum Letiahau Wasserloch. Doch auch heute waren dort keine Tiere zu entdecken, obwohl es im Umkreis von vielen Kilometern die einzige Wasserstelle ist. Lediglich Tauben und Trauerdrongos saßen in den Ästen. Mehr war nicht zu sehen, da half auch kein mehrmaliges Umrunden der Wasserstelle.
Ein einsames Oryx überlegte es sich anders und drehte vor dem Wasser ab.
Da wir den Park bis 11.00 Uhr verlassen mussten und es nichts gab, weswegen es sich zu bleiben lohnte, machten wir uns auf den direkten Weg zum Matswere-Gate. Einen kleinen Umweg nahmen wir über eine Campsite. Auf dem Weg dorthin sahen wir eine große Herde Giraffen, die aus über 20 Tieren bestand. Die Wege wurden zunehmend schlechter. Die vergangene Regenzeit war in den tiefen Furchen und Spuren noch deutlich zu erkennen. Hier kamen wir nur langsam voran.
Gegen halb zwölf erreichten wir das Matswere-Gate. Dort checkten wir aus und sahen auf der Sichtungstafel, dass wir Löwen und Geparden nur knapp in der Zentralkalahari verpasst hatten. Dafür entdeckten wir vor der Toilette noch ein haariges Ungeheuer. Eine gar nicht mal so ganz kleine Spinne kauerte sich in den Winkel und spazierte dann auf ihren acht Beinen entlang der Wand. Die Rangerin am Tor versicherte uns, dass es sich um ein äußerst giftiges Exemplar handelte. Von ihrem Biss könne man sterben! Allerdings hatten wir nicht den Eindruck, als würde sie sich wirklich mit Spinnen auskennen. Vielleicht gibt es unter euch ja einen Experten?
Sehr fasziniert von dieser Begegnung (es ist halt immer eine Mischung aus Neugier und Grusel bei einer solchen Entdeckung und hängt auch davon ab, ob man von dem Tierchen überrascht wird oder sich ihm aus freien Stücken langsam annähert) hielten wir doch lieber Abstand. Lange beobachteten wir dafür das Getümmel von zahlreichen Blutschnabelwebern, die sich in einigen Büschen am Gate versammelten. Das Gezwitscher war unbeschreiblich, und die Äste bogen sich unter dem Gewicht der Vögel. Es war ein ständiges Landen und Abfliegen, ein Hin und Her von einem zum Nachbarbusch, verbunden mit Flattern und Flügelschlagen.
Die ca. 40 Kilometer nach Rakops waren gut zu fahren. Im Ort tankten wir und bogen dann auf die Teerstraße nach Norden ab. Doch schon nach wenigen Kilometern hielten wir wieder an. Dunkle Rauchschwaden erschienen am Horizont, kamen rasch näher und waberten über die Straße. Schnell stellte sich der vermeintliche Qualm als Vogel-Invasion heraus. Hatten wir vorhin noch gedacht, einen großen Schwarm zu beobachten, sprengten diese Zahlen sämtliche Dimensionen. In Wolken zogen riesige Schwärme von Blutschnabelwebern von Horizont zu Horizont.
Sie überflogen in einem einzigen, nicht enden wollenden Strom die Straße, auf der wir fuhren, und wir parkten unser Auto unmittelbar darunter am Fahrbahnrand. Es waren Tausende, nein Millionen von Vögeln. Das Geräusch ihrer Flügelschläge wie das von fließendem Wasser passte zu dem nicht abreißenden Strom. Über eine Stunde lang saßen wir wie gebannt unter diesem Schauspiel und beobachteten, wie die Weber über uns hinwegzogen. Nur gelegentlich stoben sie auseinander, wenn vereinzelt Greifvögel in das Getümmel stießen. Es kam uns wie ein Wunder vor, dass nicht ständig Vögelchen vom Himmel regneten, die in der ganzen Hektik versehentlich gegeneinander flogen.
Fotos können dieses Spektakel leider nur annähernd erahnen lassen. Außerdem war es auch recht schwierig, das Objektiv ungeschoren aus dem Fenster zu halten. Die Armee über uns landete einige nicht wirklich erfreuliche Treffer auf Ruths Armen und in ihren Haaren. Als wir schließlich weiterfuhren, war der Vogelzug keinesfalls abgebrochen. Munter folgten die Gefiederten ihren Artgenossen von Osten nach Westen. Es war unvorstellbar, woher die Massen der Vögel kamen und wohin sie wollten. Wo findet eine solche Anzahl noch genügend Körner? Und wie sieht es nach einem solchen Einfall hinterher dort aus? Schon am frühen Nachmittag erreichten wir Khumaga und das Tiaans Camp. Dieses liegt sehr schön direkt am Boteti. Von einer Aussichtsplattform kann man über den Fluss und in den Magkadigadi Nationalpark schauen. Es gibt viele Vögel zu beobachten. Besonders freuten wir uns über ein paar Goldbugpapageien, die im Baum unmittelbar über unserem Campingplatz saßen.
Wir genossen den ruhigen Nachmittag, spülten, duschten und sicherten Fotos. Da wir etwas Zeit hatten, wusch Ruth bereits ein bisschen Wäsche. Zum Abendessen meldeten wir uns bei Heike an, der Teilhaberin des Camps. Sie machte eine Art Frühlingsrolle als Vorspeise und Kudusteaks mit Kartoffeln und Spinat als Hauptspeise. Beim Essen unterhielten wir uns mit ihr und Tiaan, dem südafrikanischen Besitzer des Camps. Er ist schon viele Jahre Safari-Guide und konnte interessante Geschichten erzählen. Als es uns zu kalt wurde, gingen wir in die Bar und schauten noch ein wenig Fußball. Das Halbfinale zwischen Holland und Argentinien sahen wir nicht zu Ende. Zur Halbzeit waren wir so müde, sei es, dass es am Spiel oder an den ganzen Eindrücken des Tages lag, dass wir ins Zelt krabbelten und rasch einschliefen, um von vielen kleinen Vögeln mit acht haarigen Beinen zu träumen.
Kilometer: 226
Teil 1006. Nov. 2014
Donnerstag, 10. Juli 2014 – Magkadigadi
Tiaan’s Camp, Khumaga – South Camp, Nxai Pan
Der Morgen bei Tiaan‘s Camp war frisch. Bei unter drei Grad standen wir auf, und Uwe kochte Tee und Kaffee. Die Wäsche auf der Leine war noch nicht ganz trocken, und so spannten wir hinten im Auto eine kurze Wäscheleine. Bei Tiaan bezahlten wir unsere Rechnung und verabschiedeten uns von ihm und Heike. In diesem Camp hat es uns sehr gut gefallen. Unmittelbar neben dem Camp legt die Khumaga-Fähre über den Boteti zum Magkadigadi-Nationalpark ab. Der Fährmann verhandelte ein wenig mit dem Preis und stellte sich ein bisschen mit dem Wechselgeld an, dann aber manövrierte er seine kleine Fähre senkrecht zum Ufer und winkte uns zu kommen. Langsam und vorsichtig fuhren wir in den Fluss und kurz danach auf die beiden Rampen auf die Fähre. Es klappte ohne Schwierigkeiten. Der Fährmann setzte den Motor in Gang und brachte uns ans andere Ufer. Dort fuhren wir von dem Ponton herunter und die Böschung hinauf zum Gate des Nationalparks.
Zunächst ging es ein kleines Stück nach Süden, aber außer Impalas sahen wir keine Tiere. Also wendeten wir und fuhren parallel zum Fluss entlang nach Norden. An einer Stelle konnten wir unmittelbar am Wasser entlang fahren. Dort sahen wir viele Vögel.
Graureiher
Sporengans
Gabelracke mit Schnapp
Elsterwürger
Elsterdrossling
Unser eigentliches Ziel waren die sog. Hippo Pools. Am Abzweig zum Fluss ging es jedoch so steil die sandige Böschung hinunter, dass wir uns nicht sicher waren, dort wieder hinauf zu kommen. Also fuhren wir weiter auf dem Hauptweg parallel zum Wasser. Der nächste Abzweig führte ebenfalls wieder recht steil durch Tiefsand ans Flussufer. Da wir dort nach Tieren schauen wollten, wagten wir einfach die Abfahrt. Hinunter war es auch kein Problem, am Fluss ging es jedoch leider nicht allzu weit, bis die Fahrspur im Wasser endete. Unsere Hoffnung, an einer anderen Stelle wieder die Uferböschung weniger steil hinaufzufahren, zerschlug sich also rasch.
Während wir eine kleine Gruppe Kudus beobachteten, die zum Fluss kam, hineinwatete und das nasse Gras fraß, überlegten wir, was jetzt zu tun sein. Das heißt, Uwe überlegte, und bei Ruth machte sich ein Anflug von Panik breit. Das Trauma vom letzten Urlaub, bei welchem wir nach mehrmaligem Versuch nicht aus dem Sandtrichter am Elefantenkopf-Felsen herausgekommen und jedes Mal auf halber Strecke verhungert waren, klopfte leise im Hinterkopf an. Außerdem war auch hier die Sandpiste tief und sehr schmal, und wir sahen auf Anhieb keine Möglichkeit zum Wenden. Aus dem leise Anklopfen wurde schnell ein Hineinsteigern und dann ein sich Absolut-Sicher-Sein, dass wir unser Auto hier nie wieder aus eigener Kraft fortbekämen. Die Leute vom Tiaan‘s Camp waren doch sicherlich per Sat-Phone erreichbar!? Was es wohl kosten würde, das Auto bergen zu lassen? Ob man das heute noch schaffen konnte? Man konnte es aber auch einfach wie Uwe machen: genügend Luft aus den Reifen lassen und anschließend in Untersetzung eben das ganze Stück rückwärts wieder senkrecht 😉 die Wand hochfahren. Glücklicherweise meisterte das Auto dieses Manöver, ohne sich festzufahren. Lediglich die eng stehenden Büsche kratzten ein wenig am Lack. Juhu! Trauma ade.
Da die Tierausbeute auch heute morgen nicht sehr üppig war, schlugen wir den Weg nach Norden zum Phuduhudu-Tor ein, wo wir den Park verließen. Entlang der Strecke sahen wir einige Steinböckchen und eine große Herde Giraffen. Auf der Hauptstraße ging es zehn Kilometer nach Osten, dann fuhren wir schon wieder in den Nxai-Pan-Teil des Nationalparks. Die Strecke kannten wir bereits vom letzten Jahr und erreichten am frühen Nachmittag das South Camp. Auf unserem Campingplatz machten wir Pause und picknickten. Uwe aß Müsli, Ruth Brot mit Rauchfleisch. Anschließend spülten wir und brachen zum nachmittäglichen Gamedrive auf. Wir kamen jedoch nur bis zum Wasserloch. Dort lag kaum sichtbar in einem Gebüsch ein einzelner Mähnenlöwe. Es war ein sehr schönes Tier, das sich jedoch fast nicht bewegte und sich immer wieder zum Schlafen hinlegte. Dann war nicht viel mehr als das linke Ohr erkennbar.
Wir blieben bis zum Sonnenuntergang dort und hofften, dass sich der Löwe doch noch erheben und vielleicht zum Wasserloch laufen würde. Aber leider tat uns nur ein einzelner Weißstorch, nicht jedoch der Löwe diesen Gefallen.
Nach Sonnenuntergang waren wir zurück im Camp und machten Feuer. Zum Abendessen grillten wir eine weitere Portion des sehr leckeren Rinderfilets und machten Folienkartoffeln und Möhren- und Blumenkohlgemüse in Alufolie. Als wir gerade fertig waren mit dem Essen, hörten wir lautes Elefantengrollen unmittelbar neben uns. Wie sich das riesige Tier so leise durch das Gestrüpp hatte anschleichen können, ist uns ein Rätsel. Ein Schakal streifte um den Campingplatz, und wir packten unsere Sachen zusammen und gingen ins Zelt. In weiter Entfernung brüllte wieder ein Löwe.
Kilometer: 91
Teil 1108. Nov. 2014
Freitag, 11. Juli 2014 – Nxai
South Camp, Nxai Pan – Baines Baobabs
Heute Morgen standen wir bei drei Grad kurz nach Sonnenaufgang auf. So langsam haben wir uns an die Temperaturen gewöhnt, denn es kam uns gar nicht kalt vor. Schnell hatten wir alles zusammengepackt und die Morgentoilette erledigt. Dann konnte es auch schon losgehen. Der erste Weg führte uns zum Wasserloch der Nxai Pans. Dort waren jedoch nur Tauben, Flughühner und der einzelne Weißstorch, den wir um diese Jahreszeit hier nicht erwartet hätten. Weiter fuhren wir über die Pfanne nach Westen zu der Stelle, an der wir vor einem Jahr die beiden sich paarenden Löwenpärchen gesehen hatten. Irgendwie denkt man ja immer, dass man an denselben Stellen wieder Glück haben wird. Doch so sehr wir auch schauten, war das komischerweise nicht der Fall. Die Löwen, die in der Nacht gebrüllt hatten, waren entweder weitergezogen, oder sie hatten es sich abseits der Pisten im hohen Gras gemütlich gemacht. Das war ihnen wohl nicht übel zu nehmen, denn wenn wir Löwen wären, würden wir es wahrscheinlich ähnlich machen. Schon oft haben wir uns gedacht, dass so ein Tier doch recht geduldig ist, wenn eine Schar Autos um es herumrangiert und jeder das beste Foto ergattern möchte. Das Vorankommen war sehr mühsam, da sich über lange Strecken tief in den getrockneten Schlamm eingegrabene Spuren entlang der Fahrbahn zogen. Plötzlich passte Uwe nicht auf und rutschte mit den Rädern in die tiefen Furchen. Einmal abgerutscht gab es kein Entkommen mehr. Uns blieb nichts anderes übrig, als bis zum Ende der Bahn durch die tiefe Spur zu hoppeln. Wir drehten eine große Runde um den nördlichen Teil der Pfanne. Aber auch hier war heute Morgen alles sehr ruhig. Ein kleiner Greifvogel hockte auf einem Termitenhügel und betrachtete von seinem Ausguck die Umgebung.
Wir tippen auf einen jungen Sperber (Shikra). Was meint ihr?
Etwas später sahen wir eine große Herde Giraffen, zu der auch vier Jungtiere gehörten. Zu unserer Freude änderten sie ein wenig ihre Laufrichtung und kamen genau auf uns zu, bevor sie in einiger Entfernung an unserem Auto vorbeischritten.
Eine der jungen Giraffen hatte eine große Wunde am Hinterteil. Es sah aus, als sei sie einem Löwen nur knapp vom Teller gesprungen. Eine Schar Madenhacker begleitete sie und pickte an der Wunde herum.
Gegen Mittag kamen wir wieder am Wasserloch vorbei und beobachteten eine sehr große Herde Springböcke. Es waren mehrere hundert Tiere. Die meisten tranken friedlich, aber ab und zu verwickelten sich manche in kurze Kämpfe.
Ein paar Kronenkiebitze veranstalteten einen Mordskrach und zeterten lautstark, wenn ihnen ein Springbock zu nahe kam.
Außerdem besuchte noch eine kleine Familie Kudus das Wasser.
Wir entdeckten noch einen auf den ersten Blick recht unscheinbaren kleinen Vogel, der schwanzwippend und flügelschlagend auf dem Boden herumhüpfte. Es war ein Erdschmätzer, der oft innehielt, um von einem Termitenhügel oder einer anderen erhöhten Stelle Ausschau zu halten. Bisher war uns dieser kleine Freund noch nie aufgefallen, obwohl er bei genauerem Betrachten doch eigentlich eine recht schöne Zeichnung hat.
Teil 1208. Nov. 2014
Wir entschieden uns, in einem Bogen zum Campingplatz zu fahren. Da kam uns ein einzelner Elefant entgegen. Er wirkte gestresst und wackelte mit Ohren und Rüssel. Wir hielten entsprechenden Abstand und folgten ihm im Schritttempo zurück zum Wasserloch. Dabei verloren wir ihn immer wieder aus den Augen, wenn er hinter Bäumen oder in einem Wäldchen verschwand. Am Wasserloch verscheuchte er alle anderen Tiere und machte es sich gemütlich. Für uns war es nun Zeit, endlich eine Pause zu machen. Wir fuhren auf kürzestem Weg zur Campsite. Dort frühstückten wir ausgiebig.
Anschließend spülten wir und duschten. Nach einer weiteren Pause packten wir endgültig zusammen und fuhren ein letztes Mal um die Pfanne zum Wasserloch. Aber da dort nichts zu sehen war, ging es zurück zum Gate. Dort trafen wir auf eine kleine Herde von fünf Elefanten. Sie wirkten sehr friedlich, und wir beobachteten sie eine kurze Zeit. Da sie aber sehr im Gebüsch versteckt waren und auch keine Anstalten machten, ein wenig näher zu kommen, machten wir uns zu den Baines Baobabs auf, da der Nachmittag auch schon fortgeschritten war.
Gleitaar
Zunächst führte die Strecke durch Tiefsand, anschließend bogen wir nach Osten ab und fuhren durch eine Grasebene und später über eine Salzpfanne.
Bei den großen Baobabs waren wir leider nicht alleine. Als wir dort ankamen, waren etwa sechs Autos mit ca. 20 bis 30 Leuten dort, darunter viele Kinder. Sie kletterten mit Coladosen und Chipstüten bewaffnet auf den Bäumen herum und machten einen Riesenlärm. Schön für die Kinder, endlich einmal das Auto verlassen und so richtig toben zu dürfen. Trotzdem waren wir enttäuscht, da wir uns gerade an dieser Stelle mehr Einsamkeit gewünscht hätten. Es war unmöglich, auch nur ein einziges Foto von den Bäumen ohne eine halbe Schulklasse darauf zu machen. So suchten wir schnell das Weite und fuhren zu unserem Campingplatz über die Pfanne gegenüber der Baines Baobabs.
Dieser Platz ist wirklich traumhaft schön. Die Lage am Rande der Pfanne unter einem Baobab mit Blick auf die Baines ist unbeschreiblich. Wir klappten das Zelt auf, machten Feuer, und Ruth kümmerte sich um das Abendessen. Zwischendurch fotografierten wir die untergehende Sonne und die Bäume. Die Stimmung war traumhaft.
Weniger traumhaft war das Remmidemmi, das von den Baines herüberschallte. Als die Sonne unterging, fuhren zwei Autos in Richtung Nxai Pans und zwei weitere zu einem der anderen Campingplätze. Zwei blieben jedoch stehen, und die Kinder lärmten weiter, so dass wir es über die Pfanne hören konnten. Was hatten die denn noch vor? Eigentlich war es ja verboten, im Dunkeln durch die Gegend zu fahren, dort zu campen aber auch. Nun hatten wir Sorge, dass die Gäste dort unberechtigterweise bleiben würden und das Spektakel mit dem Taschenlampenkegel, dem Schlagen von Autotüren und dem Geschrei von Baum zu Baum so weiter ginge. Als es schon fast stockdunkel war und die Leute noch immer keine Anstalten machten zu fahren, wurde es uns zu bunt. Wir klappten unser Zelt wieder zusammen, fuhren die paar hundert Meter zurück über die Pfanne und fragten die Südafrikaner, ob sie vorhätten, hier zu übernachten. Glücklicherweise verneinten sie. Sie hätten doch eine Campsite hier reserviert, und wir sollten uns keine Sorgen machen. Ob sie wohl ein wenig zu laut gewesen wären? Ein wenig? Nun ja! So versuchten wir, uns nicht weiter ärgern zu lassen und fuhren wieder zurück. Als die Südafrikaner kurz darauf ebenfalls abfuhren, schrien die Kinder auf dem Autodach gegen das laut aufgedrehte Autoradio an und leuchteten noch einmal zum Gruß mit ihren Taschenlampen. Wie nett von ihnen! Danach war zum Glück Ruhe. Wir aßen Rinderfilet, Salat, Folienkartoffeln und Möhrengemüse. Auch wenn unser Speiseplan nicht sehr abwechslungsreich erscheint, schmeckt es jeden Abend prima. Leider haben wir nur noch eine Portion des tollen Filets übrig. Im Dunkeln hörten wir viele Mäuse im trockenen Gras rascheln und konnten ein paar von ihnen mit der Taschenlampe aufspüren. Kein Wunder, dass es bei dieser Anzahl an Nagetieren auch so viele Greifvögel gibt. Wir hörten das schnarrende Zischen der Schleiereulen, die es sich in der Baumkrone über unseren Köpfen gemütlich gemacht hatten. Ein paar Mal konnten wir die beiden im Flug beobachten, wenn sie aus dem Baum starteten oder wieder darin landeten.
Bevor wir ins Zelt gingen, startete Uwe die nächtliche Zeitrafferaufnahme. Mal sehen, was daraus bei Vollmond wird. Leider nicht viel, das müssen wir nochmal üben.
Samstag, 12. Juli 2014 – Erledigungen in Maun und Abendbesuche
Baines Baobabs – Kaziikini Community Camp
In der Nacht hörten wir außer dem regelmäßigen, leisen Klicken des Fotoapparates draußen weiterhin die Rufe der Schleiereulen. Irgendwann erwachten wir, da eine der beiden unser Zelt als Aussichtspunkt erkoren hatte. Sie landete auf dem Dach unseres Campers und kratzte mit ihren Krallen am Metall herum. Entweder fand sie auf der glatten Oberfläche keinen guten Halt und rutschte immer wieder ab, oder es machte ihr einfach Spaß, ein wenig an unseren Nerven zu zerren. Als Eulentoilette eignete sich der neue Ausguck auf jeden Fall ganz prima, wie wir am nächsten Morgen feststellen mussten. Na super! Wir standen auf, als es bereits hell war.
In den ersten Sonnenstrahlen war es gar nicht kalt. Uwe kochte Kaffee und Tee und frühstückte ein wenig Müsli (Grüßli, liebe Anita!). Ruth stapfte ein wenig in der Gegend herum und versuchte, eine Schleiereule aufzuspüren, die immer noch rief. Wie sich herausstellte, versuchte die Eule, einen Gleitaar zu vertreiben, der ihr wohl zu nahe im Baum saß. Nach dem Frühstück fuhren wir noch einmal zu den Baines Baobabs. Dort waren inzwischen zwei junge Amerikaner angekommen, die sich nach ihrer Doktorarbeit ein wenig Urlaub im südlichen Afrika gönnten. Einer der beiden interessierte sich auch sehr für Vögel, und wir tauschten ein paar besondere Sichtungen aus.
Zurück nahmen wir den nördlichen Weg, der etwas weiter, aber dafür weniger sandig war. Immer wieder hielten wir an und versuchten, Termitenschmätzer zu fotografieren. Aber meistens flogen die scheuen Vögel bereits auf, wenn wir nur in ihre Nähe kamen.
Der Weg zurück zum Gate war sehr rappelig, und die hohen Bodenwellen waren anstrengend zu fahren. Nach der Ausfahrt aus dem Park pumpten wir wieder Luft in die Reifen. Zuerst wollte der Kompressor nicht anspringen, aber zum Glück fanden wir einen Wackelkontakt, und es funktionierte doch. Die Strecke nach Maun war gesät mit fiesen Schlaglöchern, bei denen es Uwe nicht immer gelang, rechtzeitig auszuweichen. In Maun hatten wir ein ordentliches Programm. Zuerst ging es zum Wildlife Office, wo wir den Parkeintritt für die kommenden sechs Tage im Moremi und Chobe bezahlten. Anschließend fuhren wir zum Büro von SKL und versuchten, für die mittleren zwei Tage einen Campingplatz am Khwai zu bekommen. Obwohl wir eigentlich nicht damit gerechnet hatten, war noch etwas frei. Vor einigen Monaten, als wir diesbezüglich nachgefragt hatten, war selbstverständlich alles ausgebucht gewesen. So freuten wir uns über unsere Wunschcampsites. Nun fuhren wir zum Supermarkt und kauften Lebensmittel für die kommende Woche. Nur das Fleisch gefiel uns nicht sonderlich. Beim Tanken stellte Uwe fest, dass eine Metallschnalle gebrochen war, mit der das Zelt unseres Buschcampers verschlossen ist. Nun stand es hinten links einen Spalt offen, so dass es hineinstaubte. Der Tankwart wies uns den Weg zu einem Reparaturservice. Drei Jungs saßen mit ihrem Schweißgerät am Straßenrand und werkelten. Innerhalb von fünf Minuten hatten sie die losen Enden der Metallschnalle wieder professionell miteinander verbunden. Wir waren begeistert.
Zwischendurch bekamen wir einen Schrecken, weil Ruth vermutete, dass sie ihre Kreditkarte im Supermarkt verloren hatte. In ihrer Hosentasche war sie nicht mehr. Zum Glück fand sie sie bald wieder zwischen den Polstern des Autositzes. Puh! Solche Vorkommnisse sind auch der Grund, warum ausschließlich Uwe bei uns die Vorherrschaft über die Autoschlüssel innehat. Der nächste Stopp war bei einem Metzger, der jedoch leider schon geschlossen hatte. Dann hielten wir beim Souvenirladen in der Airport Road und erstanden zwei kleine handgetöpferte Schalen von Okavango Ceramics. Nun wollten wir uns bei Hillarys Coffee Shop ein wenig ausruhen und ein leckeres Sandwich, Suppe, Kaffee und Kuchen bestellen. Den ganzen Tag schon hatten wir uns auf diese kleine Auszeit gefreut, mussten nun aber erkennen, dass das kleine Café leider geschlossen war. Wir waren sehr enttäuscht und setzten uns stattdessen direkt am Flughafen in das nur wenig gemütliche Restaurant. Der Burger und die Fritten waren mit Hillarys liebevollen Speisen nicht zu vergleichen. Danach holten wir Geld und versuchten unser Glück bei der Jagd auf Fleisch im zweiten Spar des Ortes. Doch auch hier sagte uns das Angebot nicht zu. Wenigstens ein annehmbares Stück Beef hätte es geben dürfen. So begnügten wir uns mit ein paar Portionen Boerewors. Nach diesen vielen Besorgungen brachen wir Richtung Moremi auf. Am Straßenrand kauften wir noch ein paar Bündel Holz. Nun war der Laderaum gut gefüllt. Es war schon kurz vor Sonnenuntergang, als wir das Kaziikini Community Camp erreichten. Wir bekamen den letzten freien Stellplatz unmittelbar hinter dem Eingang. Ein wenig wunderten wir uns über den Preis, der seit letztem Jahr deutlich erhöht worden war. Wir bezahlten für eine Nacht stolze 512 Pula, also etwa 50 Euro. Die Dusche, die wir wählten, hatte leider nur kaltes Wasser. Heute war anscheinend nicht unser Tag. Außerdem bekamen wir, als wir gemütlich im Dunkeln saßen, noch weitere Gäste auf unseren Platz zugeteilt. Zwei Autos fuhren mit voller Beleuchtung knapp hintereinander bis unmittelbar hinter unseren Wagen. Aus dem aufgeregten, lautstarken Gerede aller Beteiligten konnten wir entnehmen, dass die dreiköpfige Familie soeben per Abschleppseil aus dem Moremi geborgen worden war. Wir konnten nachempfinden, dass ihnen die Aufregung und Anstrengung noch in den Knochen saß, hatten wir doch vor sechs Jahren auch für drei Tage mit einem Motorschaden in Xakanaxa festgesessen. Trotzdem war es mit der Ruhe natürlich vorbei: Zeltstangen wurden ineinander gesteckt, Heringe in den Boden geklopft und mehrere Luftmatratzen mit lautem Getöse aufgepumpt. Danach marschierten die drei nacheinander mit grellen Taschenlampen leuchtend direkt an unserem Tisch vorbei. Sind wir so empfindlich, oder ist ein kleines „Guten Abend!“ tatsächlich zu viel verlangt? Als die drei endlich beim Essen saßen, wurde es allmählich ruhiger. Auf Grund des späten Mittagessens hatten wir noch keinen großen Appetit. So saßen wir warm in unsere Decken gewickelt mit einem Getränk und einem Buch vor unserem Auto uns lauschten den Geräuschen der Nacht. Eine Hyäne heulte, und eine Ginsterkatze huschte an unserem Platz vorbei. Nach einiger Zeit hörte Ruth einen merkwürdigen Laut aus den Baumwipfeln über ihr. Zu unserer großen Freude bestätigte sich ihre Vermutung, dass er zu einem Buschbaby gehörte. Das kleine Wesen sprang mit riesigen Sätzen in einem Wahnsinnstempo über uns durch die Äste. Wir waren völlig aus dem Häuschen, da wir dieses flinke Äffchen erst einmal in den vergangenen zehn Jahren beobachten konnten. Als wir mit der Taschenlampe das Gebüsch um uns herum ableuchteten, reflektierten in einiger Entfernung immer wieder Augenpaare in den Ästen. Wir verzichteten auf ein Foto dieser wirklich drolligen Tiere, da wir sie nicht lange und unmittelbar mit dem Lichtstrahl anleuchten wollten. Außerdem bewegten sie sich so sicher und geschickt mit weiten Sprüngen, dass wir sie entweder sowieso nicht richtig erwischt hätten oder die reinste Lasershow mit unseren Taschenlampen hätten veranstalten müssen. Wir freuten uns auch ohne Foto wahnsinnig über diese tolle Sichtung und standen noch lange draußen. Mindestens sechs der kleinen Fellpuschel flitzten durch die Bäume, jagten sich oder sprangen mehrere Meter hinüber zum nächsten Baum. Wir waren ganz fasziniert und lauschten atemlos auf das näher kommende Geraschel im Gebüsch, mit dem sich ein weiterer kleiner Besucher ankündigte. Trotzdem konnten wir die Gemütlichkeit im Kaziikini Camp von früher leider nicht empfinden, und der hohe Preis schreckte uns ab. Insgesamt war sehr viel los. Ständig fuhren Autos hin und her, Menschen spazierten quer über unseren Platz, und es klang lautes Gerede von der Bar herüber.
Kilometer: 254
Teil 1412. Nov. 2014
Sonntag, 13. Juli 2014 – Black Pools
Kaziikini Community Camp – South Gate, Moremi
Wir standen bei Dunkelheit auf und klappten schnell das Zelt zusammen. Noch vor Sonnenaufgang machten wir uns auf den Weg zum South Gate des Moremi. Im ersten Tageslicht sahen wir eine Reihe Weißscheitelwürger, die sich dicht aneinander auf einen Ast gekuschelt hatten.
Elsterdrossling
Am Gate ließen wir Luft aus den Reifen und fragten die Ranger nach den Straßenzuständen. Die Parkangestellten hatten jedoch entweder keine Ahnung oder waren ziemlich wortkarg. So fuhren wir los in die Black Pools Region südlich des Gates. Dort trieben wir uns bis zum frühen Nachmittag herum.
Rotschnabelfrankolin
weiblicher Sattelstorch
Es gibt sehr viele Wege und Abzweige. Bereits letztes Jahr sind wir durch dieses relativ neu erschlossene Gebiet gefahren. Wir sahen fünf Hornraben, die mal wieder schnell das Weite suchten, als wir anhielten. Hinter jeder Kurve warteten neue Tiere. Es gab Leierantilopen, eine große Herde Büffel und zwei kämpfende Giraffenbullen. Sie standen mitten auf der Fahrspur und schlugen ihre Hälse aneinander, dass es krachte. Dabei versuchten sie mit ihren Hörnern möglichst empfindliche Stellen ihres Kontrahenten zu treffen. Der Rest der Herde blieb von diesem Schauspiel völlig unbeeindruckt und knabberte fröhlich weiter die Blätter von den Bäumen.
Wir aber sahen gebannt dabei zu, wie sich die beiden Bullen verdroschen. Ein klarer Sieger war nicht auszumachen. Als die beiden endlich den Weg freigaben, setzten wir unseren fort und entdeckten noch einige Elefanten, Letschwes, viele Impalas, Tokos und Gabelracken.
junger Waffenkiebitz
Gelbschnabel-Toko
Am Picknickplatz bei den Black Pools machten wir unter den großen Bäumen Rast und aßen ein paar Brötchen und Brote.
Ihr seht richtig: Es gibt Nutella und Leberwurst (nacheinander!) In den Bäumen über uns saßen zahlreiche Glanzstare und Graulärmvögel, die ein Heidenspektakel veranstalteten. Der Boden war übersät von kleinen, blauschimmernden Federn, und gelegentlich schlug ein Obststein neben uns ein. Die Vögel verspeisten kugelförmige, grüne Früchte, die in den Bäumen über uns wuchsen und machten sich – wie es schien – einen Spaß daraus, uns damit zu bespucken. Da ist uns die Gabelracke natürlich lieber.
Teil 1512. Nov. 2014
Wir versuchten, fast jede Strecke in der Region zu fahren. An zwei Stellen führte der Weg jedoch ins Wasser, so dass wir umkehrten. Wir entdeckten eine große Gruppe Zebramangusten, die so schnell über den Weg und davon huschte, dass wir kein einziges Foto machen konnten. Weiterhin sahen wir die unterschiedlichsten Wasservögel wie Sattelstörche, Klunkerkraniche, Ibisse, Blaustirnblatthühnchen, Enten, Gänse und Eisvögel.
Witwenenten
Die Gegend mit ihren Wassertümpeln gefiel uns so gut, dass wir den ganzen weiteren Tag ohne Pause unterwegs waren. Mal entdeckten wir einen scheuen Buschbock, dann standen wir lange bei einer Gruppe Hippos, die friedlich vor sich hingrunzte, oder wir beobachteten eine Herde Zebras.
Am Nachmittag besuchten wir die Xini-Lagoons, und anschließend fuhren wir ein Stück den Bodumatau-Loop bis zur Hidden Lagoon. Zwei wunderschöne Elefanten marschierten genau auf uns zu, schlugen dann aber ihren Weg zum Wasser ein. Überall lagen einzelne Letschwe am Ufer, und die Mengen an Waffenkiebitzen konnten wir schon gar nicht mehr zählen.
Waffenkiebitz
Auf dem Rückweg stießen wir wieder auf die Hauptstraße von Third Bridge nach South Gate. Zwei Fahrzeuge kamen uns entgegen. Ein Fahrer fragte uns nach dem Abzweig zu den Xini Lagoons. Wir erklärten, dass sie bereits daran vorbei gefahren seien. Etwa 20 Kilometer vor dem South Gate blockierte ein Lastwagen mit Anhänger die Fahrbahn. Es war eine Reisegruppe mit Fahrer und Guide. Der Motor des LKW hatte einen Schaden und sprang trotz funktionierendem Anlasser und ausreichend Diesel nicht mehr an. Wir suchten im Tiefsand eine Umfahrung um den Truck. Dabei mussten wir zunächst mit Schwung aus der tiefen Fahrrinne heraus und dann über mehrere kleine Büsche. Als wir wohlbehalten durch das Gesträuch wieder auf der Spur standen, boten wir der Gruppe unsere Hilfe an. Die beiden anderen Fahrzeuge, denen wir eigentlich den Abzweig zu den Xini Lagoons hatten zeigen wollen, hielten ebenfalls. Ein weiteres Safari-Fahrzeug traf ein. Die Lösung sah so aus, dass sich die Reisegruppe aus dem defekten LKW mitsamt Gepäck auf alle anderen Fahrzeuge verteilte. Zunächst wollten wir anbieten, den LKW bis zum South Gate abzuschleppen. Aber da dieser eine Druckluftbremse besitzt, die ohne laufenden Motor nicht funktioniert, war uns das zu gefährlich. So nahmen wir einen netten Kanadier mit, während Ruth hinten auf einer Tasche Platz nahm. Da wir nun später als geplant am South Gate eintrafen, blieb nicht mehr viel Zeit vor dem Sonnenuntergang. Zunächst suchten wir unseren Campingplatz, der ein wenig versteckt lag. Leider war dort bereits ein Zelt aufgebaut. Komisch, trotz gültiger Reservierung lange im Voraus, überrascht uns so etwas schon längst nicht mehr. Meist müssen wir bei der Planung von unseren Wunschterminen abweichen, Alternativen suchen und Abstriche machen, da immer alles „fully booked“ ist. Hat man dann endlich eine Campsite ergattern können, heißt das aber selbstverständlich nicht, dass man diese auch tatsächlich bekommt. Nur nicht ärgern! Wir wichen also auf die nächste Nummer aus, die noch frei war. Wie sich später herausstellte, hatten die drei Norweger auf unserer Nummer 9 eigentlich die Nummer 8 reserviert, die jedoch von einer Gruppe Südafrikaner belegt wurde. So beließen wir alles, wie es war und machten Feuer. Wir grillten das letzte Paket Rinderfilet und machten Salat und Grillbrote. Der Abend war recht warm, und so saßen wir gemütlich beim Essen, bis plötzlich eine Hyäne über Uwes Schulter schaute. Sie hatte sich tatsächlich völlig lautlos bis auf wenige Schritte herangepirscht, bevor Ruth sie entdeckte und verscheuchte. Es ist nicht sicher, worüber Uwe mehr erschrak. Über den plötzlichen Schrei von Ruth oder den Atem der Hyäne im Nacken. Im Dunkeln und so nah sehen die Schattenschleicher dann auch gar nicht mehr so nett aus, noch dazu, wenn man sitzt und ihnen auf Augenhöhe begegnet. Danach waren wir ein wenig wachsamer. Noch einige Male sahen wir die zwei Augenpaare unserer Hyänennachbarn im Lichtkegel der Stirnlampen reflektieren. Das Abendessen war sehr lecker (so dachten wohl auch die Hyänen). Das Spülen sparten wir uns wieder mal für den kommenden Tag auf. Während Deutschland das Finale der Fußballweltmeisterschaft bestritt, krabbelten wir ins Zelt.
Kilometer: 136
Teil 1613. Nov. 2014
Montag, 14. Juli 2014 – Einmal Xakanaxa und zurück
South Gate, Moremi
Mit Sonnenaufgang standen wir auf und machten uns fertig. Da wir bereits am Abend immer Tisch und Stühle einräumen, bleibt am Morgen lediglich das Zelt einzuklappen. So starteten wir schnell in den Park.
Der erste Weg führte uns wieder in die Black Pools Region. Wir hofften, die große Büffelherde vom Vortag erneut zu finden. Und tatsächlich lief sie uns über den Weg. Allerdings war das Licht äußerst ungünstig. (Der Beleuchter war kurzzeitig wohl von Bord gegangen!) Eine Familie Zwergmangusten saß auf einem großen Termitenhügel und wärmte sich das Fell. Die sonst so wuseligen Tiere waren noch recht schläfrig und blinzelten träge in die Sonne.
Dafür hatte ein Kampfadler in den Bäumen darüber aber schon seinen Hypnoseblick aufgesetzt und beobachtete alles umso genauer.
Coucal (keine Angst, wir eröffnen nicht wieder die Diskussion, um welche Art genau es sich handelt!)
Vorbei an der Fuchsmanguste, die auch auf einem Termitenhügel Ausschau hielt, ging es weiter zu den Black Pools. Die Gruppe Flusspferde vom Vortag war wie erwartet noch dort, und wir konnten sie lange beobachten. Sie sonnten sich ebenfalls, tauchten mit lautem Schnaufen entweder auf oder unter, spritzten kleine Wasserfontänen, kabbelten sich ein wenig oder spazierten an Land umher.
Dahinter zog grasend am gegenüberliegenden Ufer eine große Herde Letschwes vorüber. Zwei Böcke kämpften miteinander.
Krokodile lagen reglos am Ufer, und viele Jacanas staksten mit ihren riesigen Füßen durch das Grün im flachen Wasser. Es war sehr idyllisch.
Leider hatte sich ein Tourguide diesen schönen Platz als Picknickplatz ausgesucht. Es wird immer mehr zur Mode, dass jedermann, wo ihm gerade danach ist, anhält und einfach herumspaziert. Das Aussteigen ist aber im Moremi generell verboten, auch für die Besucher dieser geführten Touren (wir haben uns extra erkundigt). Natürlich war es eine gut einsehbare Stelle und daher auch für die Gäste nicht gefährlich, zumindest nicht gefährlicher als an der ausgewiesenen Picknick-Stelle ganz in der Nähe. Trotzdem verschwanden die zahlreichen kleinen Wasservögel in Ufernähe sofort. Das blieb den Black Pool-Wanderern aber wahrscheinlich verborgen.
Teil 1713. Nov. 2014
Wir brachen also zum echten Picknickplatz auf, suchten uns wie gestern eine Bank unter den Leberwurstbäumen und den Bäumen mit den grünen Früchten und den Steinspucker-Vögeln, kochten Kaffee und aßen Marmeladenbrötchen. Ruth entdeckte einige grüne Fruchttauben. Dabei war es gar nicht so einfach, die Kamera längere Zeit so steil nach oben in die Baumkronen gerichtet ruhig zu halten.
Nachtflughuhn
Silberreiher
Kurz vor Mittag schlugen wir den Weg nach Third Bridge ein. Dieser zog sich wie immer sehr dahin und war teilweise tiefsandig. Unter Brücke eins und zwei stand jeweils Wasser. Beide Brücken waren aber sehr gut in Schuss.
Bei Third Bridge machten wir Pause und spülten das Geschirr. Ruth duschte. Den Zustand der dritten Brücke konnte man schwer einschätzen, da sie fast vollständig unter Wasser lag. Wir fuhren sehr vorsichtig darüber und tauchten nur ganz am Ende ein wenig tiefer ein.
Über die vierte „Autobahn“-Brücke setzten wir unseren Weg nach Xakanaxa fort, welches wir nach keinen nennenswerten Sichtungen auch bald erreichten. Da Xakanaxa unser Lieblingscamp ist und natürlich „fully booked“ war, sahen wir uns den Platz einmal genauer an. Nur wenige Stellplätze waren belegt, und wir konnten uns beim besten Willen nicht vorstellen, dass sich das heute noch so drastisch ändern würde, dass sich nicht noch ein Plätzchen für uns finden ließe. Aber anstatt sich einfach unauffällig an den Rand zu stellen und abzuwarten, was passieren würde, wollten wir es ganz offiziell machen. So fragten wir am Gate, ob es möglich sei, unseren Stellplatz vom South Gate nach Xakanaxa zu tauschen. Bezahlt war eh alles, ein Preis, gleicher Verein, unsere Campsite am Southgate eh besetzt, hier dafür genügend Platz, also kein Problem, so dachten wir. Aber weit gefehlt! Ein netter Parkangestellter stimmte uns zu und war sich recht sicher, dass noch genügend Plätze in Xakanaxa frei seien. Gerne bestätigte er uns, nachdem er unsere Buchung für South Gate gesehen hatte, dass wir eine Nacht hier bleiben könnten. Doch nun kam Mr. Oberwichtig aus dem Hinterzimmer ins Spiel. Der Ranger meinte, er müsse zuerst am South Gate anrufen. Am Telefon wechselte er einige uns unverständliche Sätze, um uns dann zu versichern, dass wir mit einer Reservierung vom South Gate auch dort übernachten müssten. Unsere Argumentationskette, dass wir dort ja eh auf einen anderen Platz ausweichen müssten, brach zusammen, als er uns bestimmt mitteilte, dass unsere Campsite dort nun frei sei. Wir versuchten trotzdem den Platz zu tauschen, aber er blieb hart und bestand darauf, dass wir Xakanaxa verlassen. Hätten wir doch nicht gefragt! Ziemlich enttäuscht und übel gelaunt zogen wir von dannen, da wir nicht so recht einsehen wollten, warum er uns weggeschickt hatte.
Graufischer
Zurück am Southgate fuhren wir auch sogleich wieder zu unserem Platz und stellten zu unserer grenzenlosen Freude fest, dass er immer noch von den Norwegern besetzt war. Während Uwe noch überlegte, wie er möglichst diplomatisch der Frau im Büro seinen Ärger erklären konnte, war Ruth auf 180. Sie verlangte zu wissen, mit wem der Ranger aus Xakanaxa gerade eben telefoniert habe. Was? Telefoniert? Wer hat mit wem telefoniert? Keine Ahnung! Nein, das konnte die nette Dame ihr wirklich nicht sagen. Und warum wir denn überhaupt so aufgebracht wären? Uwe erklärte, dass von uns beim Wechsel der reservierten Stellplätze Flexibilität erwartet würde, man uns diese aber nicht entgegenbringe und unser Wunsch in Xakanaxa zu bleiben ignoriert und abgeschmettert wurde. Noch dazu, wo unser Stellplatz immer noch belegt sei. Aber das sei doch gar kein Problem. Sollen wir uns doch einfach wieder auf die Nummer 10 stellen. Ruth schnappte nach Luft, und Uwe erklärte, dass es uns darum ja gar nicht gegangen sei, sondern dass wir lieber in Xakanaxa geblieben wären. Die Bürotante verstand nur Bahnhof. Wir hatten auch nicht das Gefühl, dass sie sich sehr dafür interessierte, um was es uns eigentlich ging. Sie wollte uns nur möglichst schnell wieder loswerden. Daher schlug sie gutgelaunt vor, dass wir doch vielleicht JETZT mal eben wieder nach Xakanaxa fahren könnten, der Übernachtungspreis sei ja derselbe. Bevor ihr Ruth nach einem gepressten „Haben-Sie-mal-auf-die-Uhr-geguckt?-Man-darf-nicht-im-Dunkeln-fahren!-Und-wollen-Sie-uns-eigentlich-verarschen?“ über den Tresen springen konnte, schob Uwe sie kurzerhand aus dem Büro. Draußen tobte sie noch eine ganze Zeit lang weiter, hatte sie doch niemanden gefunden, den sie anschreien konnte. Also kapitulierten wir und zogen wieder auf Nummer 10.
Die letzte knappe Stunde vor Sonnenuntergang fuhren wir noch ein paar Kilometer Richtung Black Pools. Dabei sahen wir ein paar Schakale und Zebras.
Büffelweber
Zum Abendessen machte Ruth Wurstsalat. Uwe duschte. Durch einen Anruf zu Hause erfuhren wir, dass Deutschland Fußballweltmeister geworden ist. Heute Abend kam anstelle einer Hyäne ein Honigdachs zu Besuch. Auch dieser kleine Kerl brachte es fertig, uns zu erschrecken. Während wir diesmal mit dem Rücken zum Auto saßen, um dem Hyänenblick über der Schulter zu entgehen, beschwerte sich Ruth, warum Uwe seine Füße nicht ruhig halten konnte. Sie hätte es ahnen müssen. Es war kein hyperaktiver Uwe, sondern der Honigdachs, der von hinten unter dem Auto hindurchgeschlüpft war und seine Nase an ihren Schuhen und ihrem Bein rieb. Damit hatten wir nicht gerechnet und sprangen ähnlich wie gestern schnellstens auf. Dem Dachs imponierte das wenig, er war kein bisschen scheu und ließ sich weder durch Rufen noch durch Klatschen vertreiben. Ganz im Gegenteil. Er schnüffelte an unserem Tisch herum, und wir befürchteten schon, dass er die ganze Decke herunterziehen würde. Zwar würde uns so ein Dachs wahrscheinlich nicht gleich mit Haut und Haaren auffressen, aber einen Biss wollten wir trotzdem nicht riskieren. Und so blieb uns nach mehrmaligem Verteidigen unseres Wurstsalates und den erfolglosen Versuchen, den Störenfried zu vertreiben, nichts anderes übrig, als abzuräumen und ein schnelles Mahl im Stehen einzunehmen. Schließlich trollte er sich, um unsere Nachbarn zu erschrecken, was ihm auch gelang, wie uns lautes Rufen und In-die-Hände-Klatschen von der Campsite nebenan bewies. So wusste man immer, wo sich das kleine Kerlchen gerade aufhielt. Im Laufe des Abends schaute es auch noch einige Male bei uns vorbei. Bevor der Mond aufging, machten wir noch ein paar Sternenaufnahmen. Eine Hyäne rief. Wir wissen nicht, ob es an dem noch nicht ganz verblassten Ärger mit Xakanaxa liegt, an den vielen Stellen, wo wir uns über laute Mittouris geärgert haben oder insgeheim vielleicht doch an der Tatsache, dass uns trotz sechs Tagen Aufenthalts in Nationalparks der Katzengott noch nicht wirklich bedacht hat – Auf jeden Fall empfinden wir den bisherigen Urlaub doch als ein wenig anstrengend. Vielleicht können wir in den kommenden Tagen etwas mehr entspannen.
Kilometer: 166
Teil 1816. Nov. 2014
Dienstag, 15. Juli 2014 – Katzenglück?
South Gate, Moremi – North Gate, Moremi
Heute standen wir eine Viertelstunde früher auf. Das fiel uns auch nicht allzu schwer, weil wir bereits über 10 Grad hatten. Wir fuhren auf direktem Weg nach Xakanaxa. Auf der Verbindungsstraße sahen wir eine Herde Rappenantilopen mit Jungtieren. Leider waren sie sehr scheu und bereits in den Büschen verschwunden, bis wir den Fotoapparat bereit hatten. Noch mehr ärgerten wir uns aber über die nächste verpasste Gelegenheit. Etwas später stand etwa 50 Meter vor uns, mitten auf der Straße ein Tier. Viel mehr als „Tier“ können wir gar nicht sagen, da es in dem Moment, in dem wir es wahrgenommen hatten, auch schon wieder verschwunden war. Trotzdem waren wir uns relativ sicher, dass es sich um eine Katze handelte. Aber was war das gewesen? Für einen Geparden stimmte die Landschaft nicht, für einen Löwen war sie zu klein und für eine Ginsterkatze zu groß. Wir fuhren so schnell es ging zu der Stelle, an der wir das Tier auf der Straße vermutet hatten. Doch wir fanden noch nicht einmal seine Spuren. So sehr wir uns auch anstrengten und ins Gebüsch starrten, während wir langsam auf denselben fünf Metern immer wieder vor und zurück rollten, der Leopard blieb verschwunden. Oder vielleicht hatten wir auch gerade unseren ersten Serval verpasst? War die Katze nicht ein bisschen zu groß dafür gewesen? Hätte ja auch ein besonders riesiger Serval sein können. Es war zum verrückt werden! Bevor wir noch mehr halluzinieren konnten und die Schatten der Blätter und Äste vor unseren Augen zu immer absurderen Fell-Fleckenmustern verschwammen, machten wir uns wieder auf den Weg. Zu doof aber auch! Wir waren schon neugierig, was wir da gerade eben verpasst hatten. Wir trösteten uns mit ein paar Perlhühnern. Wenigstens die kamen nicht schnell genug von der Straße.
Bei Xakanaxa drehten wir eine Runde durch die Paradise Pools. Dort stand deutlich mehr Wasser als in den vergangenen Jahren, so dass unser Aktionsradius stark eingeschränkt war. Wir sahen viele Impalas, auf denen Madenhacker herumhüften und -pickten, Herden von Letschwe-Antilopen mit puscheligen Jungtieren und einen Trupp Meerkatzen. Relativ lange schauten wir ihrem eiligen Treiben am Boden und in den Bäumen zu.
Hammerkopf
Nach einiger Zeit schlugen wir den Weg Richtung North Gate ein. An einer tiefsandigen Stelle standen drei Fahrzeuge, von denen sich eines mit Anhänger im Sand festgefahren hatte. Der Fahrer arbeitete mit seiner Schaufel, um die Räder frei zu bekommen. Wir hielten und boten an, ihn aus dem Sand zu ziehen. Er lehnte jedoch ab. Sie seien genügend Fahrzeuge und wollten es alleine schaffen. Nun fuhren wir relativ zügig weiter. Es war schon halb zwölf, und wir hatten noch immer kein richtiges Frühstück. Trotzdem kehrten wir noch einmal um, als wir linkerhand eine große Impalaherde etwas abseits am Rand einer Lichtung grasen sahen. Uwe fand zwar, dass er für heute genügend Impalas gesehen habe, aber es waren auch ein paar Leierantilopen dabei. Daher bogen wir von dem Hauptweg in einen Seitenweg ein, um uns die Tiere aus der Nähe anzusehen.
Noch bevor wir die Herde erreicht hatten, stießen einige Impalas einen Warnruf aus. Ehe wir uns versahen, waren sie gemeinsam mit den Leierantilopen aufgesprungen und in einer Staubwolke auf die kleine Ebene gerannt. Auch dort beruhigten sie sich nicht und schnaubten weiter. Dabei blickten sie immer wieder an uns vorbei in dieselbe Richtung.
Wir waren uns sicher, dass ein oder mehrere Raubtiere in der Nähe sein mussten. Also suchten wir angestrengt die gegenüberliegende Seite ab. Solange die Antilopen so ein Spektakel veranstalteten, musste doch etwas zu entdecken sein! Tatsächlich wurde unsere Ausdauer diesmal belohnt, und Ruth rief ganz aufgeregt: „Da liegt der Leopard!“ Und tatsächlich: Nur etwa 10 Meter entfernt von unserem Wagen kauerte er sich ins hohe Gras.
Zwischen den Halmen war er ziemlich gut getarnt. Sicherlich hatte er es auf eines der Impalas abgesehen, und wir hatten ihm versehentlich die Tour vermasselt. Für einen Angriff war die Entfernung zwischen ihm und den Antilopen zu groß, und außerdem hatte er nun den Überraschungsmoment nicht mehr auf seiner Seite. Nach weiteren 10 Minuten hatte er das wohl auch erkannt, erhob sich und trollte sich ins tiefere Gestrüpp, wo er im Unterholz verschwand. Trotzdem waren wir glücklich! Ein selbst entdeckter Leopard.
Teil 1916. Nov. 2014
Kurz danach lief ein großer Waran über den Weg und huschte ins Gebüsch. Auf direktem Weg fuhren wir nun gutgelaunt zum North Gate und checkten auf der Campsite ein. Wir mussten noch für zwei Tage Parkeintritt bezahlen. Selbstverständlich trugen wir unseren Leoparden auf der großen Sichtungstafel ein. Auf unserem Campingplatz waren noch ein paar Jungs dabei, ihre Sachen zusammenzupacken. Wir setzten uns gemütlich hin und frühstückten. Anschließend pirschte Ruth einigen Vögeln hinterher.
Haubenbartvogel
Maskenpirol
Am späten Nachmittag drehten wir noch eine kleine Runde östlich des North Gates entlang des Khwai. Dabei sahen wir einige Wasserböcke und eine Familie Warzenschweine, die auf den Knien robbend mit ihren Hauern die feuchte Erde durchwühlte.
Durch teils recht hohes Gras ging es auf einer schmalen Fahrspur an ein paar Elefanten vorbei zu einer Flussschleife, in der einige Hippos herumplantschten.
Viele verschiedene Wasservögel wie Schreiseeadler, Sattelstörche und Klaftschnäbel standen am Ufer, und die unterschiedlichsten Reiher bemühten sich, an ihren gerade erwischten Happen nicht zu ersticken.
Ein Krokodil schwamm vorbei, Elefanten rupften Gras aus dem Boden und schlugen es durch das Wasser, bevor sie es fraßen, und wir ließen mit dem späten Nachmittagslicht die Stimmung auf uns wirken.
Gabelracke
Zufrieden ging es zurück zur Campsite. Wie entspannt man doch plötzlich durch die Gegend fährt, nur weil man für einige Minuten einen Leoparden erblicken durfte! Am Campingplatz machten wir Feuer. Ringsherum kletterten die Paviane in die Bäume, um zu schlafen. Ein Elefant riss nebenan dicke Zweige aus den Büschen, und wir waren ein wenig auf Hab-Acht, als er an unserem Platz vorbeikam. Wir kochten Gemüse im Potije, legten Folienkartoffeln in die Glut und grillten eine Boerewors. Kurz bevor wir alles zusammengepackt hatten und ins Zelt stiegen, besuchte uns noch eine Hyäne. Die Paviane in den Bäumen gaben beim Träumen leise Seufzer von sich.
Kilometer: 109
Teil 2019. Nov. 2014
Mittwoch, 16. Juli 2014 – Am Khwai
North Gate, Moremi
In der Nacht hörten wir ziemlich laut immer wieder die Hyänen rufen. Kurz vor dem Einschlafen kam auch noch ein Elefant sehr nah vorbei. Wir sahen, wie sich seine Silhouette unmittelbar an unserem Auto vorbeischob, bevor er direkt dahinter lautstark einen Baum zerlegte. Der Morgen war angenehm warm. Wie immer standen wir kurz nach Sonnenaufgang auf und fuhren schnell los. Vormittags trieben wir uns westlich vom North Gate herum und fuhren sehr viele Wege entlang des Flusses. Oft führte die Strecke mitten durch das Schilf, wobei gerade so die Spuren für die Räder zu erkennen waren. Hohes Gras wurde unter dem Auto hindurchgezogen, als wir uns den Weg bahnten. Wir sahen Elefanten, Letschwes, Zebras, Impalas und Wasservögel. Auch entdeckten wir eine Frankolin-Familie mit noch sehr kleinen Küken.
Sattelstorch
Grautoko
Ein Glanzstar saß auf der Erde und versuchte, einen erbeuteten Frosch zu fressen. Dieser war zwar nicht riesig, aber doch zu groß, als dass der Star ihn am Stück hätte schlucken können. Also versuchte er, ihn zu zerlegen. Als dies nicht gelang, ließ er den armen Frosch halbtot liegen und flog davon.
Da wir uns nicht allzu weit vom Camp entfernten, konnten wir gegen Mittag schnell zurück und eine lange Pause einlegen. Heute mussten wir umziehen und erhielten Platz Nummer vier. Darüber freuten wir uns, da wir nun näher am Fluss landeten und das Grunzen der Hippos hörten. Während wir picknickten, turnte eine ganze Familie Meerkatzen um uns herum. Eine Mutter kümmerte sich liebevoll um ihr Kleines, lauste und kraulte es ausgiebig.
Obwohl sie überhaupt keine Notiz von uns zu nehmen schien, beobachtete sie – wie der Rest der Bande auch – jede unserer Bewegungen ganz genau.
Es sah aus, als würden zwei von ihnen einen Plan gegen uns aushecken.
Wir passten höllisch auf und ließen unseren Tisch nicht eine Sekunde unbewacht, da immer wieder ein Spitzel vorbeigeschlendert kam, um unser Angebot aus der Nähe zu inspizieren. Aber wir hatten uns fest vorgenommen, uns nichts Essbares stibitzen zu lassen. Auch unser Auto wurde von allen Seiten belagert, und die Fenster wurden abgefingert, ob nicht irgendwo ein kleiner Spalt zum Eindringen gefunden werden könnte.
Das Affenpack ging sehr gründlich bei seiner Untersuchung vor. Nicht ein Fenster wurde vergessen, und zur Sicherheit prüften sie auch den Mülleimer, der aber gut gesichert war. Ein kleines Baumhörnchen war sehr zutraulich und kam bis an unseren Tisch, um nach herabgefallenen Krümeln zu suchen.
Wir hatten viel Spaß mit unseren Besuchern und waren stolz, diesmal keine Verluste bezüglich Brot oder Paprika verzeichnen zu müssen. Zwischendurch sprintete eine Herde Impalas mit großen Sätzen durch das Camp. Was die Tiere so erschreckt hatte, konnten wir aber nicht herausbekommen.
Teil 2119. Nov. 2014
Nach mehreren gemütlichen Tassen Tee und Kaffee spülten wir unser Geschirr und fuhren zu den etwas entfernt gelegenen Waschhäuschen. Dort duschten wir und machten uns anschließend auf den nachmittäglichen Gamedrive. Als erstes fuhren wir ein Stück nach Osten, sowohl am Khwai entlang als auch durch den angrenzenden Wald. Aber außer einigen Vögeln und den bereits bekannten Antilopen entdeckten wir nichts Besonderes. Ein Drongo verzehrte seine Beute, nachdem er das Insekt zuerst mehrere Male gegen einen Ast geschlagen und dann sorgfältig die Flügel entfernt hatte.
Zurück führte uns der Weg über North Gate Richtung Süden. Da entdeckten wir neben der Straße ein paar Goldbugpapageien. Sie saßen auf dem Boden und pickten die Körner aus Flugsamen, die aussahen wie große Pusteblumen.
Einen letzten Abstecher machten wir nach Westen durch den Wald und anschließend über die Ebene. Ein paar Elefanten versperrten uns den Weg und machten auch keinen erfreuten Eindruck, als wir langsam vorbeifahren wollten.
Also warteten wir ab, bis sich die Gruppe ein Stück zwischen die Bäume verzogen hatte. Kurz vor Sonnenuntergang entdeckten wir noch einen Gaukler, der ein wenig sein Gefieder in Ordnung brachte.
Zurück auf dem Campingplatz klappten wir das Zelt auf und machten Feuer. Es gab wie gestern Boerewors vom Grill und Möhrengemüse aus dem Potije. Während des Abendessens brach sich wieder ein Elefant lautstark seinen Weg durchs Gebüsch. Über uns fiepte ein Flughund im Baum, und in der Nähe reflektierten die Augen einiger Spinnen bläulich im Licht unserer Stirnlampen.
Das Essen war sehr lecker. Den ganzen Abend über grunzten die Hippos in unserer Nachbarschaft. Dieses beruhigende Geräusch werden wir schon bald vermissen.
Kilometer: 49
Teil 2220. Nov. 2014
Donnerstag, 17. Juli 2014 – Nach Savuti
North Gate, Moremi – Savuti, Chobe NP
Heute Morgen hatten wir es nicht sehr eilig. Bevor wir aufstanden, konnten wir einige Geräusche bestimmen. In der Nacht hatten uns die Elefanten geweckt, als sie lautstark mit viel Geplatsche durch den Fluss und an unserem Auto vorbeigekommen waren. Außerdem fiepte ein Flughund ohne Pause. Am Morgen hörten wir Tauben, Coucals, Frankoline und Hippos. Wir lieben dieses Orchester. Wir meldeten uns am North Gate ab und erkundigten uns nach dem weiteren Weg. Kurz nach dem Khwai Village sei der Fluss zu durchqueren. Die Rangerin beschrieb uns die Route. Nach der ersten Holzbrücke kamen wir durch das Dorf und kauften noch ein Bündel Feuerholz. Am Fluss angekommen schauten wir uns erstmal um. Das sah nicht gut aus. Die Beschreibung, sich möglichst weit rechts zu halten, war mehr als vage, und Ruth verspürte nur wenig Lust, durch den schwarzen Pröddel zu waten. Außerdem war die Wasserquerung doch recht breit. Zwar sahen wir keine Krokodile, aber das musste ja nichts heißen. Einfach zu fahren, trauten wir uns auch nicht, wollten wir das Auto schließlich nicht im Fluss versenken. Wahrscheinlich wären wir umgekehrt, aber zum Glück dauerte es nicht lange, bis ein Safarifahrzeug eintraf und durch das Wasser fuhr. So konnten wir uns die genaue Route abgucken. Tatsächlich war die Furt gar nicht so tief.
Auf der anderen Seite machten wir eine kleine Pause und beobachteten einen Nimmersatt, einen Klaftschnabel, ein paar Moorrallen und Graufischer, die geschickt ins Wasser tauchten und Fische erbeuteten.
An einer Brücke sahen wir den rasanten Flugmanövern der Schwalben zu.
Einige Zebras hinderten uns kurz an der Weiterfahrt.
Die Strecke bis zum Mababe-Gate des Chobe-Parks dauerte nicht sehr lange, abgesehen davon, dass wir einen Abzweig verpassten und so ein paar Minuten in die falsche Richtung fuhren.
Nachtflughuhn
Am Tor gab uns der Ranger Tipps für die zu fahrende Strecke und teilte uns mit, dass in etwa 20 Kilometern Löwen direkt neben der Straße gesichtet wurden. Wir fuhren los und sahen zunächst eine Herde Giraffen mit ein paar Jungtieren und kurz darauf ein paar Pferdeantilopen.
Die angemeldeten Löwen entdeckten wir jedoch nicht.
Die Strecke war anfangs gut zu fahren, dann ziemlich holprig, später über lange Abschnitte tiefsandig. Immer wieder kamen uns Fahrzeuge entgegen, und manchmal wichen sie aus, manchmal wir. An einer Stelle passierten wir einen Landcruiser mit österreichischem Kennzeichen und anschließend zwei weitere Bushcamper von Savanna. Wir stoppten und unterhielten uns mit den Österreichern, die alle zusammengehörten. Lustigerweise saß das letzte Paar in genau demselben Wagen, den wir letztes Jahr gemietet hatten. Über weite Strecken verlief die Straße permanent bergauf und bergab. Wir wurden kräftig durchgeschüttelt. Kurz nach Mittag erreichten wir Savuti und besetzten unseren Campingplatz. Der Ranger am Tor gab uns noch den Hinweis, nicht zu nahe am großen Baum auf dem Platz zu parken, da nachmittags immer ein Elefant vorbeikäme, um den Baum zu schütteln. Na, diese Immer-Versprechen kennen wir schon! Trotzdem taten wir natürlich brav, was er uns geraten hatte. Zum Picknick gab es Avocadosalat mit Tunfisch und Brot mit Rauchfleisch, Tomaten und Gurke. Dabei wurden wir von ein paar aufdringlichen Tokos belagert.
Teil 2320. Nov. 2014
Anschließend gingen wir duschen. Auf dem Nachbarstellplatz waren zwei andere deutsche Familien mit Savanna-Autos eingetroffen. Froh darüber, mal wieder ein wenig deutsch sprechen zu können, gingen wir hinüber und störten hoffentlich nicht allzu sehr beim Mittagessen. (Grüßle!) Irgendwann am Nachmittag kam dann tatsächlich der angekündigte Elefantenbesuch.
Schnell verschwanden wir hinter den Autos und achteten darauf, ihm nicht zu nahe zu kommen. Der Elefant beachtete uns jedoch gar nicht, lief zielstrebig von Baum zu Baum und von Stellplatz zu Stellplatz, legte seinen Rüssel an den Stamm, rüttelte an der Akazie, sah sich ein wenig um und trollte sich wieder, als er keine heruntergefallenen Schoten mehr finden konnte. Das war ein beeindruckendes Erlebnis für alle.
Dann spülten wir schnell unser Geschirr und machten uns auf zu einem späten Gamedrive. Eine Horde Zwergmangusten kletterte über tote Baumstämme und grub ein wenig nach Krabbeltieren.
Bald entdeckten wir eine Büffelherde, die leider gerade vom Wasserloch abzog. Die großen Tiere liefen nahe am Auto vorbei und warfen uns finstere Blicke zu, bei denen man sich nicht wirklich wohl fühlte. Bleibt nur zu hoffen, dass sie wissen, dass wir ihnen nichts Böses tun wollen und sie umgekehrt genauso empfinden.
Weißscheitelwürger
An den Wassertümpeln standen ein paar Elefanten. Sie tranken oder meditierten, den Rüssel entspannt vor sich hängend oder auf einem Stoßzahn abgelegt und ein Bein hinter dem anderen verschränkt. Nur an einem gelegentlichen Auffächern der Ohren oder einer leichten Bewegung ihres Schwanzes konnte man erkennen, dass sie keine Statuen waren.
Wir sahen ihnen lange beim Elefanten-Joga zu und kehrten dann zurück ins Camp, wo wir Feuer machten und die letzte Boerewors grillten. Dazu gab es ein Knoblauchbrot und Salat.
Uwe knetete den Teig für ein Brot, das wir im Potje backten.
Bei unseren Nachbarn hatten wir einen sehr netten Abend mit vielen Afrika-Geschichten.
Kilometer: 142
Teil 2423. Nov. 2014
Freitag, 18. Juli 2014 – Ein guter Tipp
Savuti, Chobe NP
Heute standen wir schon deutlich vor Sonnenaufgang auf und machten uns bereit. Schnell war das Dach eingeklappt. Die Schweißnaht an dem einen Bügel des Daches hatte leider nur bis gestern gehalten. So müssen wir einen starken Kabelbinder verwenden, um das Dach geschlossen zu halten. Wie es aussieht, funktioniert diese Lösung. Kurz hielten wir noch am Waschhäuschen und machten uns dann gegen halb sieben auf in den Park. Zunächst versuchten wir, nördlich von Savuti die Büffelherde vom gestrigen Abend zu finden, aber leider vergebens. Dann zog es uns nach Süden in die Savuti Marsh. Den ganzen Vormittag trieben wir uns in diesen Grasebenen herum und suchten nach Tieren. Eine besondere Entdeckung waren zwei kleine Perlkäuze, die zusammen in einem Baum saßen. Da es noch kalt war, hatten sie ihr Federkleid weit aufgeplustert. Als winzige Federpuschel schauten sie uns mit ihren großen Augen an.
Später beobachteten wir eine Familie Zwergmangusten, die den Morgen auf ihrem Termitenhügel verbrachte und sich wärmte. Bei mindestens zehn Familienmitgliedern war das ein ganz schönes Gewusel. Einige von ihnen schienen noch sehr müde. Ständig wurde gegähnt, und manchem sackte mit halb geschlossenen Augen der Kopf auf die Pfoten.
Mehrmals trafen wir auch die beiden Autos unserer Campnachbarn. Dann tauschten wir uns über Tiersichtungen und die weitere Streckenplanung aus. Wir begegneten auch verschiedenen Autos eines Filmteams, das wohl eine Dokumentation drehte. In einigen Büschen und auf dem Boden darunter saßen mindestens vier Dutzend Tokos. Eine solche Ansammlung dieser Vögel hatten wir noch nie zuvor gesehen.
Auf der Ebene sahen wir viele Impalas, Tsessebes, Gnus und einige Warzenschweine.
Außerdem waren Strauße, Riesentrappen, Kiebitze, Stare und Gabelracken unterwegs.
Obwohl wir immer wieder die Spuren von Löwen und auch die einer Gepardenfamilie fanden und ihnen über eine längere Strecke hinterherfuhren, konnten wir keine Katzen entdecken. Entweder endeten die Spuren im dichten Gestrüpp oder führten in großem Bogen vom Weg weg, und man konnte ihnen in beiden Fällen nicht weiter folgen. An manchen Stellen endete die Fahrspur im Wasser in der Nähe des Savuti Channels, und wir mussten wieder umkehren. Häufig wurden wir von großen Elefanten begleitet, mussten länger warten, wenn sie den Weg überquerten oder direkt daneben einige Büsche zerlegten.
Als der Vormittag bereits weit fortgeschritten war und Ruth das Gefühl hatte, dass sich sämtliche großen Elefantenbullen der Gegend langsam um unser Auto herum versammelten, schlugen wir den Weg zurück nach Norden ein und fuhren ins Camp, bevor wir der Elefantenumzingelung nicht mehr entkommen konnten. Bei einer langen Mittagspause verarbeiteten wir unsere restlichen Eier zu zwei leckeren Omeletts mit Tomaten und Käse.
Dann spülten wir, duschten, wuschen Wäsche und kochten Nudeln für das Abendessen vor. Ruth schlich einigen Vögeln hinterher. Besonders freute sie sich über eine Schar Steppenbaumhopfe direkt neben unserem Stellplatz. Mit viel Geschrei hüpften sie in den Ästen umher.
Elsterdrossling
Zwischendurch kam ein Angestellter des Camps vorbei und fragte uns, ob wir die Löwen entdeckt hätten. Er erzählte, dass sie bei Jackal Island einen Büffel gerissen hätten. Bisher hatten wir es noch nicht erlebt, dass wir von Mitarbeitern ohne Nachfrage auf eine besondere Sichtung hingewiesen wurden und freuten uns sehr darüber. Wir schauten uns den Ort auf der Karte an und stellten fest, dass dieser nur wenige Kilometer von dem Punkt entfernt war, an dem wir vormittags umgedreht hatten. Nach nun bereits 10 Tagen in Nationalparks und einer Katzenausbeute von gerade mal einem Leoparden und einem Löwen in sehr weiter Entfernung entschieden wir, dass hier noch deutlich Nachholbedarf bestand. Egal, ob selbst entdeckt oder nicht oder ob noch andere Fahrzeuge dabei stehen würden, stand für uns fest, dass wir am Nachmittag erneut in die Marsh fahren und dann noch diesen Abstecher bis zu den Löwen nehmen würden.
Teil 2523. Nov. 2014
Bereits kurz vor drei Uhr machten wir uns auf den Weg. Auch wenn die Strecke zügig zu fahren war – da wir ja wussten, wo wir hinwollten – dauerte es dennoch fast eine Dreiviertelstunde, bis wir den Süden der Marsh erreicht hatten. Auch die Elefanten vom Vormittag waren noch dort.
Aber leider fanden wir keinen Weg zu Jackal Island. Ein Blick auf die GPS-Koordinaten zeigte unseren Irrtum. Unser Ziel lag östlich des Channels, und alle Spuren endeten früher oder später in einer Wasserdurchfahrt, die wir unmöglich wagen wollten. Denselben Fehler hatten wir bereits vor zwei Jahren gemacht. Wie konnte man denn so dämlich sein? Uns blieb nichts anderes übrig, als den gesamten Weg bis zum Camp zurückzufahren, dort die Brücke zu nehmen und anschließend über zwanzig Kilometer wieder nach Süden zu fahren. Wir waren nicht sicher, ob wir das zeitlich überhaupt noch schaffen würden. Auf der anderen Seite des Wassers hatten wir Glück. Ein Safariwagen mit einer Gruppe Gäste ließ Giraffen, Zebras und Gnus unmittelbar neben der Pad links liegen und schlug zielsicher die von uns ebenfalls angepeilte Richtung ein. Schon heute Mittag hatten wir ja alle Eitelkeiten bezüglich des „Selbst-Entdeckens“ über Bord geworfen und hängten uns an das Safariauto. Das war gar nicht so einfach, denn es fuhr viel schneller, als wir das eigentlich taten. Der Weg zog sich, aber wir kamen gut voran, da wir an Weggabelungen keine Entscheidungen treffen mussten und zeitaufwändige Loops einsparen konnten. Zum Glück wusste unser unfreiwilliger Führer tatsächlich, wohin wir wollten, und schon bald sahen wir bei Jackal Island bereits mehrere Fahrzeuge stehen. Dort lag ein größeres Löwenrudel im Schatten der angrenzenden Büsche. Zuerst entdeckten wir etwas abseits eine Löwin mit einer blutigen Wunde am rechten Hinterlauf. Der Büffel hatte wohl nicht kampflos das Feld geräumt. Immer wieder leckte die Löwin mit ihrer rauhen Zunge über die klaffende Wunde. Als sie sich etwas später erhob, um zu den anderen Rudelmitgliedern zu gehen, belastete sie das verletzte Bein ganz normal und humpelte nicht.
Zur Gruppe gehörten auch vier Jungtiere unterschiedlichen Alters, die miteinander spielten und umhertollten. Sie schlichen sich an, sprangen auf- und übereinander und jagten sich im Gras.
Manchmal droschen sie mit den Pranken aufeinander ein oder hieben sich auf die Nasen und bissen ihren Müttern oder einigen Halbstarken in die Ohren und Schwänze. Die älteren Löwen ließen alles geduldig über sich ergehen. Schließlich wurden zwei Babylöwen unter einem großen Busch gesäugt.
Während sich die Löwendamen, die Heranwachsenden und die Junglöwen miteinander beschäftigten und wir gar nicht wussten, wohin wir zuerst schauen sollten, lag der männliche Löwe etwas weiter entfernt im Schatten. Mit vollem Bauch war er unfähig, sich zu rühren und verschlief den ganzen Rummel um seine Familie.
Die Reste des Büffelkadavers lagen in einem Gebüsch, in das regelmäßig die Raubkatzen verschwanden, um weiter zu fressen. Die kleinen Löwen nagten ebenfalls ein wenig an den Fleischbrocken.
In den umliegenden toten Bäumen versammelten sich langsam die Geier und warteten auf ihren Anteil an der Beute. Aber noch waren die Löwen nicht bereit, mit ihnen zu teilen, obwohl bereits alle erwachsenen Tiere dicke Bäuche hatten.
Es war ein tolles Erlebnis, mal wieder ein ganzes Rudel Löwen zu beobachten, und wir blieben, so lange es möglich war. Dann fuhren wir im Konvoi die Strecke zurück zum Camp.
Die Sonne ging langsam unter, und wir mussten uns beeilen, noch rechtzeitig zum Torschluss anzukommen, was uns ein paar Minuten vor halb sieben auch gelang. Zum Abendessen kochten wir eine Tomatensauce zu den Nudeln. Anschließend gingen wir wieder zum Nachbarcamp und verbrachten dort einen sehr netten Abend. Bei knapp 10 Grad kletterten wir ins Zelt.
Kilometer: 140
Teil 2625. Nov. 2014
Samstag, 19. Juli 2014 – Löwen satt
Savuti, Chobe NP – Kalizo Lodge, Ost-Caprivi
Wieder ging unser Wecker bei Dunkelheit. Unser Plan war, vor dem Verlassen des Parks noch einmal zu den Löwen bei Jackal Island zu fahren. Wann hat man schon mal eine Fast-Garantie, ein ganzes Rudel zu erwischen? Da unsere Tankanzeige auf ziemlich leer stand, füllten wir die beiden Reservekanister ein. Dann brachen wir mit entsprechend hohen Erwartungen auf. Kurz vor Sonnenaufgang war außer uns noch niemand unterwegs. Da wir die Strecke nun kannten, kam sie uns nicht mehr so lang vor, obwohl wir uns deutlich mehr Zeit ließen als bei der Rückfahrt am gestrigen Abend. Als wir Jackal Island erreichten, sahen wir bereits die Geier in den Bäumen sitzen.
Nicht weit von der Stelle, an welcher wir gestern das Rudel gesehen hatten, lag eine einzelne Hyäne in unserer Fahrspur und sondierte die Lage. Als wir uns näherten, stand sie auf und verschwand über die Ebene. Alleine hätte sie ohnehin keine Chance gehabt, den Löwen den Rest ihrer Beute streitig zu machen.
Das Rudel war noch da. Den Rest des Büffels hatten die Löwen freundlicherweise wieder aus dem Gebüsch gezogen. Viel mehr als das Gerippe mit ein paar Fetzen Sehnen, der Schädel, ein Bein und der Schwanz waren allerdings nicht mehr von dem armen Rindvieh übrig.
Die erwachsenen Tiere fraßen, beleckten und beknabberten, was noch übrig war.
Die kleinen versuchten, ihre Mütter und Tanten zu imitieren, indem sie mit ihren winzigen Zähnchen am Knochenberg herumnagten und ebenfalls an Hautstücken kauten. Oft turnten sie aber auch nur darauf herum, benutzten das Gerippe als Klettergerüst, pirschten sich an und erklommen es mit ein paar hohen Sätzen, um dem nächsten Familienmitglied von erhöhter Position auf den Rücken oder den Kopf zu springen.
Wir blieben fast zwei Stunden dort, und es wurde keine Minute langweilig, denn so früh am Morgen war mehr oder weniger das ganze Rudel noch in Aktion. Wir sahen die erwachsenen Löwen beim Fressen, Schmusen und sich gegenseitig Reinigen.
Teil 2725. Nov. 2014
Die beiden Paschas schliefen die meiste Zeit und erhoben sich nur kurz, um sich woanders wieder abzulegen, wenn ihnen ein vorwitziger Junglöwe zu sehr auf den Nerven herumtanzte.
Besonders die fünf kleinen hatten es uns angetan. Sie sprangen übereinander, kugelten sich im Gras und schleppten immer wieder einzelne Stückchen des Büffels durch die Gegend.
Dabei ließen sie sich von jeder zuckenden Schwanzspitze und jeder Bewegung eines anderen Löwen ablenken. Sofort wurde das Ziel anvisiert und gejagt.
Das ständige Gewusel bescherte uns einen unvergesslichen Löwenmorgen, da wir Löwen bislang häufig nur recht träge erlebt hatten.
Die Geierversammlung in den umliegenden Büschen, die die Balgereien der Jungen beobachtete, verdichtete sich. Doch sobald sich ein Vogel den ohnehin schon abgenagten Resten näherte, wurde er sofort von einem halbstarken Männchen mit leichtem Mähnenansatz vertrieben.
Geier Nr. 10 (junger Kappengeier)
Alter Kappengeier
Weißrückengeier
Andere Safarifahrzeuge trafen ein, und das Rangieren um die besten Plätze begann. Als es uns zu voll wurde, brachen wir auf.
Fortsetzung folgt.
Teil 2827. Nov. 2014
Samstag, 19. Juli 2014 – Fortsetzung
Zurück im Savuti-Camp nahmen wir die inzwischen trockene Wäsche ab. Unsere Nachbarn waren ebenfalls noch dort, und wir verabschiedeten uns erneut. Die Strecke zum Ghoha Gate betrug zwar nur 30 Kilometer, zog sich aber dennoch, weil es einige schlechte Abschnitte gab. Hinter dem Gate bogen wir ein Stück nach Norden Richtung Linyanti ab, um dann nach Osten weiter zu fahren.
Bis Kachikau bestand die Straße aus Sand, dann wechselten wir auf Teer. Dazu hielten wir an und pumpten Luft in die Reifen. Sofort kamen Kinder aus dem Ort angelaufen und fragten nach Süßigkeiten, Geld oder Stiften. Wir halten nur wenig davon, auf Bettelei einzugehen. Also machten wir lediglich ein paar Fotos und verteilten einige Abzüge, was auch zu großer Begeisterung führte.
Bis Ngoma Bridge kamen wir schnell voran und überquerten zügig die Grenze nach Namibia. Wir entschieden, heute noch nicht in Katima Mulilo einzukaufen und sofort zur Kalizo Lodge zu fahren. Auf dem Weg tankten wir voll und kauften ein paar Kleinigkeiten im Shop der Tankstelle. Das letzte Wegstück zur Kalizo-Lodge verlief anders als beim letzten Mal. Dieses Jahr hatte es so viel Wasser gegeben, dass die Lodge zeitweise nur per Boot erreichbar gewesen war. Daher mussten einige andere Wege angelegt bzw. ausgeschildert werden. Wir suchten uns einen Campingplatz etwas weiter abseits von den anderen Stellplätzen direkt am Sambesi und empfanden die Wiese im Gegensatz zu den staubigen und sandigen Untergründen bisher als sehr angenehm.
Ruth pirschte sofort mit der Kamera los, um die zahlreichen Vögel zu fotografieren, während Uwe ein kleines Picknick vorbereitete und uns zum Abendessen anmeldete. Zahlreiche kleine Vögel wie Angola-Schmetterlingsfinken, Buntastrilde und Senegal-Amarante pickten flink auf dem Boden umherhüpfend nach Körnern. Leider waren sie sehr scheu und flogen ins Dickicht davon, sobald man sich ihnen näherte.
Die Zeit bis zum Abendessen verbrachten wir gemütlich am Flussufer, wo wir vom Platz aus viele Eisvögel und Bienenfresser beobachteten.
Weißstirnspint
Malachiteisvogel
Auch einige Schmetterlinge flatterten von Blüte zu Blüte. (Lieber Matthias, jetzt bist du dran!)
Außerdem sahen wir Graulärmvögel, verschiedene Tauben, einen Weißbrauenrötel, Bülbüls und einige Braundrosslinge, die lärmend über die Wiese hüpften.
Schon jetzt stellten wir uns wie beim letzten Mal auch die Frage, warum wir hier nur eine Nacht geplant hatten. Für entspannte Vogelbeobachtungen ist Kalizo wirklich nur zu empfehlen. Allerdings standen wir am hinteren Ende des Campingplatzes auch sehr für uns alleine. Die Stellplätze weiter vorne liegen dagegen recht dicht beieinander. Auf der Hoppelpiste hatte es uns heute Vormittag einen Fünfliter-Kanister Wasser zerdeppert, und nun war die gesamte Ladefläche nass. So ließen wir die Hecktür offen stehen, damit die Feuchtigkeit ein wenig verdunsten konnte. Aber leider kamen dadurch auch viele Mücken in unser Schlafzimmer, wie wir später genervt feststellen mussten.
Wir sahen einen wunderschönen, friedlichen Sonnenuntergang über dem Sambesi.
Zum Abendessen gingen wir ins Restaurant und aßen Hühnchen, Reis und Salat. Es war angenehm, heute mal nicht selbst kochen zu müssen.
Der Morgen bei der Kalizo-Lodge war sehr gemütlich. Wir schliefen aus, und Uwe verließ (wie immer) als erster das Zelt. Es war sehr feucht. Die Stühle, der Tisch, das ganze Auto waren nass vom Tau. Da half nur, alle Sachen in die aufgehende Sonne zu stellen und den Tag langsam angehen zu lassen. So blieben wir bis kurz nach Mittag auf dem Campingplatz. Die meiste Zeit beobachteten und fotografierten wir die Vögel in Sichtweite. Es gab viele Graufischer, die zu kurzen Beuteflügen über den Fluss aufbrachen und dann mit einem kleinen Fisch im Schnabel zurückkehrten. Stolz präsentierten sie ihren Fang auf einem Ast sitzend. Manchmal schlugen sie den noch zappelnden Fisch gegen das Holz.
Ruth hatte der Ehrgeiz gepackt. Nicht nur Kingfisher auf Ast sollte es sein, sondern Kingfisher im Flug, am besten noch mit Fisch im Schnabel. Und nein, es stimmt nicht. Die Wish-Card erfüllt nicht sofort jeden Wunsch. Von den gefühlten 1000, aber doch bestimmt 200 Graufischer-Fotos waren mindestens die Hälfte total unscharf, bei den meisten anderen fehlte die linke/ rechte Flügelspitze, der Schwanz oder gleich der ganze Vogel. Und so blieb schließlich nur eine kleine Auswahl übrig.
Nach diesem kleinen Erfolg wurde Ruth aber dann doch ein wenig größenwahnsinnig. Der Plan, den Moment zu erwischen, in dem der Vogel in den Fluss eintaucht, gelang in diesem Urlaub jedenfalls nicht. Auf sämtlichen Fotos waren nur mal weniger, mal mehr unscharfe Wellenbewegungen und in den meisten Fällen nicht mal eine einzige Feder zu erkennen. Müssen wir wohl nochmal wiederkommen. Schwärme von Weißstirnspinten zogen ebenfalls los, um Mücken zu jagen. Eine grüne Fruchttaube saß im Baum, Bülbüls, Finken und viele andere Vögel hüpften und flatterten in den umliegenden Sträuchern. Wir tranken Kaffee und Tee, aßen Brote mit Marmelade und Nutella und hatten einen sehr schön ruhigen Morgen in der Sonne. Um dem Titel unseres Reiseberichts ein wenig gerecht zu werden, folgen nun einige Vögelchen. Bei der Bestimmung des ein oder anderen nehmen wir gerne eure Hilfe in Anspruch.
Grüne Fruchttaube
Kleine Streifenschwalbe
Graulärmvogel
Gelbsteißbülbül
Unser Tipp: Fiskalwürger (Common Fiscal). Weiß es jemand besser? Herzlichen Dank an Matthias: Swamp Boubou
Braunbürzelamarant oder Großer Pünktchenastrild
Weißbauch-Nektarvogel
Weber, aber welcher?
African Golden Weaver? Auch hier glauben wir fotomatte mit dem "large golden weaver", aber leider gibt es den in unserem Buch gar nicht.
Nachdem alle Fotos der vergangenen Tage gesichert, ein paar Akkus geladen waren und das Geschirr gespült war, bezahlten wir unsere Rechnung und machten uns auf den Weg. Auf der Fahrt zur Hauptstraße sahen wir noch fünf Hornraben, die uns aber mal wieder nicht in ihre Nähe ließen und schleunigst das Weite suchten.
Zur Auswahl stehen: weibliches Schwarzkehlchen oder irgendein Zistensänger (Cisticola)
Schnell waren wir in Katima Mulilo, wo am Sonntag der Pick’n’Pay Supermarkt geöffnet hatte. Wir kauften für die nächsten Tage im Etosha einige Lebensmittel ein, da unsere Vorräte ziemlich erschöpft waren. Dann ging es Richtung Westen durch den Caprivi. Die Straße zog sich wie immer endlos dahin. Entlang des Weges brannten immer wieder Buschfeuer und verschlangen das trockene Gras. Teilweise schwelte es noch, oder weite Streifen waren bereits vollständig verkohlt. Auch hier sahen wir ein paar Hornraben. Am späten Nachmittag bogen wir hinter Divundu von der Hauptstraße ab und fuhren ein paar Kilometer zur Mobola-Lodge. Diese relativ neue Lodge mit Campingplatz liegt wunderschön unmittelbar am Fluss. Zum Gelände gehört auch eine kleine Insel, zu der eine Hängebrücke führt. Die Lodge ist liebevoll angelegt. Es gibt Chalets, einen Campingplatz, einen Pool sowie ein Restaurant. Wir waren heute die einzigen Gäste und hatten freie Auswahl zwischen den Stellplätzen. Wir wählten einen direkt am Fluss. Unter einer Freiluft-Dusche stellten wir uns unter das eiskalte Wasser, obwohl zusätzlich ein leichter Wind blies, der die Angelegenheit nicht gerade angenehmer machte. Trotzdem lieben wir die Duschen unter freiem Himmel im Binsengeflecht und würden sie jederzeit dem durchaus nett angelegten Häuschen vorziehen. Mit warmem Wasser kann ja schließlich jeder!
Dann machten wir Feuer und grillten ein Rindersteak, legten Folienkartoffeln in die Glut und aßen Salat. Immer wieder flog eine Fledermaus über unsere Köpfe hinweg. Im Gras saßen Glühwürmchen und blinzelten in der Dunkelheit. Wir verbrachten einen sehr entspannten Abend mit dem Gezirpe von Grillen und dem Rauschen des Flusses, vom Sternenhimmel ganz zu Schweigen.
Kilometer: 387
Teil 3005. Dez. 2014
Montag, 21. Juli 2014 – Richtung Etosha
Mobola-Lodge, Divundu – Onguma, Etosha Ost
Heute gab es für uns eine längere Strecke zu fahren. Wir standen zwar mit Sonnenaufgang auf, frühstückten aber noch ganz gemütlich auf dem wunderschönen Campingplatz in der Sonne.
Dann spülten wir und packten alle Sachen zusammen. Schon längst sind alle Handgriffe wieder Routine, und es geht flott. An der Rezeption bezahlten wir die Rechnung und verabschiedeten uns. Ein kurzes Wegstück fuhren wir noch entlang des Flusses. Hier herrschte noch reges Treiben.
Dann bogen wir auf eine Verbindung zur Teerstraße ab. Die erste Etappe führte nach Rundu. Die Fahrt war wenig spektakulär. In Rundu hielten wir an der großen Tankstelle, füllten Diesel auf und verdrückten eine Pommes im Wimpy-Schnellimbiss. Weiter ging es nach Grootfontein. Bei Maori sagten wir Peter und Conni kurz hallo und kauften eingefrorenes Wildfleisch für die kommenden Tage. Bei Onguma vor dem Etosha hatten wir einen Stellplatz auf der Tamboti Campsite gebucht. Wir waren sehr positiv überrascht. Jeder Stellplatz verfügt über ein eigenes, blitzsauberes Dusch- und Toilettenhaus, Licht und Strom. An zentraler Stelle gibt es einen Mini-Shop, einen Pool und eine Terrasse mit Blick auf ein beleuchtetes Wasserloch. Wir duschten und zogen uns ein paar ordentliche Klamotten an. Schließlich waren wir mit einem von Uwes Kollegen zum Abendessen verabredet und das nicht im Busch am Lagerfeuer, sondern in einer Lodge. Kurz gingen wir noch zur Aussichtsterrasse und sahen zwei Dikdiks sowie zwei Kronenducker, die sich sehr scheu der Wasserstelle näherten.
Dann fuhren wir zum Mushara Outpost, einer sehr schönen Lodge. Den ganzen Luxus mit gepolsterten Loungemöbeln, Wollen-Sie-noch-etwas-trinken hier und Kann-ich-Ihnen-noch-etwas-bringen da sind wir so gar nicht gewohnt. Obwohl uns diese Bedienerei immer etwas befremdlich ist, genossen wir es sehr, uns nicht selbst um das Essen kümmern zu müssen. Wir trafen Michael, dessen Frau, seinen Bruder mit Frau und ein weiteres befreundetes Ehepaar, die auf ihrer ersten Namibia-Reise unterwegs sind. Alle sechs waren begeistert von den bisherigen Erlebnissen. Wir aßen lecker und unterhielten uns sehr nett. Es war ein schöner Abend. Spät verabschiedeten wir uns und machten uns im Dunkeln auf den kurzen Rückweg. Entlang der Hauptstraße sahen wir ein paar kleine Antilopen, auf den letzten Kilometern in Onguma lief uns noch ein Stachelschwein über den Weg. Morgen freuen wir uns auf den Etosha.
Kilometer: 620
Teil 3106. Dez. 2014
Dienstag, 22. Juli 2014 – Groß und Klein bei Kalkheuvel
Onguma, Etosha Ost – Namutoni, Etosha
Das eigene Duschhäuschen beim Campingplatz der Onguma-Lodge war so luxuriös, dass Ruth entschied, am Morgen gleich noch einmal zu duschen. Uwe trank Kaffee, und so war die Sonne bereits aufgegangen, als wir fertig waren. An der Rezeption bezahlten wir noch die Getränke, dann ging es zum Etosha.
Schnell bezahlten wir in Namutoni den Parkeintritt für die kommenden Tage, dann fuhren wir zu den ersten Wasserlöchern. Zuvor hatten wir bereits Impalas und Giraffen gesehen. Bei Koinachas saßen lediglich zwei Nilgänse. Bei Chudop war heute Morgen ebenfalls nicht viel los. Dann ging es zum Wasserloch Kalkheuvel.
Dort verbrachten wir einige Stunden. Ruth entdeckte alle paar Minuten einen neuen Vogel, den wir in diesem Urlaub oder sogar noch nie zuvor gesehen haben.
Graulärmvogel
Bronzefleckentaube
Akaziendrossel
Shikra (vielen Dank an Matthias)
Besonders freuten wir uns über eine Königswitwe, die mit sehr langen Schwanzfedern schön in einem Busch saß. Eigentlich dürfte das Männchen zu dieser Jahreszeit gar nicht im Prachtkleid zu sehen sein.
Später kam noch eine weitere dazu, und beide versuchten, sich gegenseitig zu vertreiben. Sahen sie in den Zweigen sitzend mit ihren prächtigen Schwanzfedern sehr edel aus, wirkten sie im Flug eher unbeholfen und flatterhaft. Der protzige Schmuck ist in der Luft doch eher hinderlich. Es war ein ständiges Kommen und Gehen. Wir sahen Kudus, Zebras und immer wieder Impalas.
Teil 3206. Dez. 2014
Gegen Mittag trafen mehrere größere Elefantenherden ein. Aus allen Richtungen strebten die Tiere dem Wasser zu, und die Wanderung stoppte nicht. Selbst wenn wir gewollt hätten, hätten wir das Wasserloch nicht verlassen können, denn die Zufahrtsstraße wurde von immer neuen Elefanten versperrt.
Gut, dass wir auch gar nicht weg wollten. Zumindest noch nicht! Am Wasser war ein reger Betrieb. Mindestens 100 Elefanten tummelten sich an der Rinne und den verschiedenen Wassertümpeln.
Zunächst wurde getrunken und ein wenig herumgespritzt, dann gab es ein Schlammbad und schließlich eine Staubdusche. Man konnte den Tieren ansehen, wie viel Spaß sie dabei hatten.
Sehr viele Baby-Elefanten wuselten zwischen den Beinen und Körpern der Erwachsenen herum, stolperten teilweise noch sehr tollpatschig durch das Wasser und schlackerten mit ihrem Rüssel.
Besonders die wippenden Dehnübungen eines Winzlings hatten es uns angetan. Völlig fasziniert filmten wir aus dem linken Autofenster und bekamen deshalb auch nicht mit, dass die beiden Autos neben uns auf Grund der Ankunft einer weiteren Herde schnell das Feld geräumt hatten. Als wir uns etwas später wieder nach rechts wandten, waren wir doch überrascht, wie nah uns einige Tiere gekommen waren, die augenscheinlich das Wasserloch verlassen wollten. Um nun noch den Motor zu starten, war es zu spät, denn das hätte die Elefanten sicher nur erschreckt. Blieb also nur, lieb und harmlos zu gucken und entschuldigend zu lächeln, dass wir so blöd im Weg rum standen. Ruth war selbst dazu nicht mehr in der Lage. Vor lauter Schreck vergaß sie sogar zu zittern, und auch das gewisperte „Die tun nichts!“ von Uwe konnte sie nur wenig beruhigen, stand der Elefant doch zunächst unmittelbar vor der Motorhaube und schließlich an ihrer Autoseite. Zur Sicherheit hatte Uwe noch schnell das Fenster geschlossen. Der Elefant rüsselte noch ein paar Sekunden neugierig in unsere Richtung, bevor er an uns verbeilief und mit seiner Gruppe weiterzog.
Erst nach ein paar weiteren Sekunden wagten wir wieder zu atmen. Unsere Herzen klopften. Und die Insassen der Autos, die zuvor noch neben uns gestanden hatten, schauten mit großen Augen und dachten sich wahrscheinlich, wie man nur so dämlich sein konnte, auf der Elefanten-Pad zu stehen. Nach diesem überstandenen Abenteuer merkten wir, wie hungrig wir waren und fuhren am Nachmittag zurück nach Namutoni. Wir wählten uns einen Stellplatz auf dem Campingplatz und machten eine Pause mit Avocado-Thunfisch-Salat. Nach dem Spülen brachen wir auch schon wieder auf. Im Sichtungsbuch im Büro hatten wir von einem Geparden-Riss nahe Twee Palms gelesen. Als wir jedoch dort ankamen, war weit und breit nichts mehr davon zu sehen. Der Weg um die Fischers Pan zog sich lange dahin. Außer unzähligen Gabelracken sahen wir kaum Tiere. Mit dem Wasserloch Klein Okevi werden wir uns wohl auch nicht mehr anfreunden. Entweder es herrscht gähnende Leere, oder man kann nach längerem Hinsehen vielleicht eine einsame Möwe und zwei Schildkröten am Ufer erkennen. Bisher haben wir dort auf jeden Fall noch nichts Spektakuläres gesichtet.
Wieder ging es zurück zu den Wasserlöchern bis Kalkheuvel. Eine Hyäne kreuzte unseren Weg, verschwand aber schnell über die Ebene.
Bei Kalkheuvel waren die riesigen Elefantenherden verschwunden. Nur ein paar aufgescheuchte Perlhühner rannten herum, und so drehten wir um und kamen wenige Minuten vor Torschluss wieder in Namutoni an.
Während das Feuer herunterbrannte, putzten und schnibbelten wir den Salat und die Kartoffeln. Auch wenn wir jeden Abend dasselbe Menü zu essen scheinen, schmeckten uns auch heute Abend die Impala-Steaks mit Knoblauchbutter wieder ganz hervorragend. Diesen Abend wird sicherlich kein Vampir versuchen, in unser Zelt einzudringen.
Kilometer: 158
Teil 3309. Dez. 2014
Mittwoch, 23. Juli 2014 – Warten
Namutoni, Etosha
Wir waren früh auf und gehörten zu den ersten, die in den Park fuhren. Bei Koinachas und Chudop war nichts los, ebenso wenig bei Kalkheuvel. Allerdings begegnete uns auf dem Weg dorthin eine Oryxherde mit einer kleinen Kinderschar.
Wir drehten eine Runde bei Ngobib und entdeckten ein paar interessante Vögel.
Lappenstar
Rußnektarvogel (Männchen und Weibchen)
Anschließend stellten wir uns wieder mal an das Wasserloch Kalkheuvel. Dort blieben wir fast fünf Stunden. Zunächst beobachteten wir wieder Vögel. Je länger wir in die umliegenden Büsche starrten, umso mehr verschiedene Arten konnten wir entdecken. Zu den Witwen, den Angolaschmetterlingsfinken und den Granatastrilden von gestern kamen noch unglaublich viele Tauben und einige Papageien hinzu.
Goldbugpapagei
Ab und zu stoben die trinkenden Tauben auseinander, wenn ein Falke oder ein anderer Greifvogel vom Himmel stieß.
Weißbürzel-Singhabicht
Einige Kudus und verschiedene kleinere Zebraherden kamen zum Wasser, um zu trinken.
Hier war ständig etwas los, und so frühstückten wir Brot und Müsli umgeben von vielen gefiederten und haarigen Freunden. Uwe hatte in weiser Voraussicht schon alles gut erreichbar im Auto deponiert, wollte er doch nicht wieder bis in den frühen Nachmittag Hunger leiden. Schon gestern hatte er ganz dünn ausgeschaut. Zwei Gaukler kamen uns besuchen, und schon näherte sich die nächste Zebraherde, als wir plötzlich im hohen Gras an der gegenüberliegenden Seite des Wasserlochs einige Löwinnen mit ein paar Halbstarken entdeckten.
Wahrscheinlich hatten sie schon die ganze Zeit dort im Gebüsch gelegen. Sie machten zunächst keine Anstalten, zum Wasser hinunter zu laufen. Als sie sich wieder in den Sträuchern niederließen, waren sie fast nicht mehr auszumachen. Nur weil wir wussten, wo wir zu schauen hatten, konnten wir die Umrisse eines Kopfes, das Zucken des Schwanzes oder das Wackeln eines Löwenohres erkennen. Eine ganze Weile passierte nichts. Hin und wieder hob mal einer den Kopf. Die Zebras konnten unbehelligt ihren Durst löschen, selbst eine Giraffe, die nach mehrmaligem Umkehren doch ausreichend Mut gefasst hatte, begab sich an die Wasserstelle.
Teil 3409. Dez. 2014
Gegen Mittag kam ein junger Löwe ein Stück aus dem Gebüsch in Richtung Wasser gepirscht. Er bewegte sich sehr langsam und blieb im hohen Gras meist unsichtbar. Wie es aussah, schlich er sich an ein paar Impalas heran, jedoch nicht sonderlich gekonnt. Irgendwann verlor er die Geduld, zeigte sich, und die Antilopen liefen Warnrufe ausstoßend davon. Der junge Löwe trabte zum Wasser, trank und verschwand wieder zu den anderen.
Nicht, dass hier der Eindruck entsteht, es wäre ständig etwas passiert. Es gab immer wieder stundenlange Pausen, in denen nichts los war (Uwe). Ruth meint jedoch, dass Kudus, Zebras, Giraffen und vor allem viel Flattervieh nicht nichts sind. Das war für Uwe sehr traurig. Wie dieser Drongo schaute er bedröppelt zu den unsichtbaren Löwen im Gebüsch.
Als es im Auto zu heiß und endlich auch Ruth zu unbequem wurde, fuhren wir zurück nach Namutoni. Dort suchten wir uns einen Stellplatz am Rand und duschten. Anschließend brachen wir erneut auf. Direkt hinter dem Fort standen ein paar Fahrzeuge an der Straße. Im Gebüsch war gut versteckt ein Nashorn vage zu erkennen. Über Chudop ging es an einer kleinen Giraffenfamilie und einem Weißbürzel vorbei erneut nach Kalkheuvel.
Kurz wendeten wir an der Einfahrt noch einmal, da eine Strichelracke unmittelbar neben der Pad auf einem Zweig saß.
An unserem Lieblingswasserloch sahen wir, wie drei Löwen zum Wasser liefen, tranken und wieder verschwanden. Außer der Löwin waren noch fünf junge mit ihr unterwegs. Alle verschwanden aber nacheinander, ohne sich noch einmal umzusehen, in den Sträuchern, und so entschieden wir, dass es mit unserer Löwengeduld heute zu Ende ging.
Wir wollten ins Camp zurück. Natürlich nicht, ohne zuvor noch den Schlenker über Chudop mitzunehmen. Man könnte ja etwas verpassen!
Dort sahen wir einigen Giraffen und Elefanten beim Trinken und bei der Körperpflege zu.
Eine einzelne Tüpfelhyäne lag faul herum, marschierte dann einmal zum Wasser und wieder zurück an ihren Ausgangspunkt.
Zum Abendessen gab es heute Gnu-Steaks, Kartoffeln und Salat. Nach dem Spülen liefen wir kurz zum Wasserloch. Dort saß lediglich eine große Eule in einem Baum. Sehr müde von dem anstrengenden Gucken an diesem Tag krabbelten wir wie nach einem 9-Stunden-Arbeitstag ins Zelt.
Kilometer: 132
Teil 3510. Dez. 2014
Donnerstag, 24. Juli 2014 – Quer durch
Namutoni, Etosha – Okaukuejo, Etosha
Wieder standen wir vor Sonnenaufgang auf, und während wir alles zusammenpackten, kochte Uwe eine Thermoskanne mit Kaffee.
Gegen halb sieben verließen wir Namutoni Richtung Westen. Koinachas, Chudop und Kalkheuvel waren die ersten Stationen, an denen aber im Grunde kaum Tiere zu sehen waren. Ein einzelner Elefant und eine recht ramponiert ausschauende Giraffe veranlassten uns zu zwei kurzen Stopps.
Wieder fuhren wir die Runde bei Ngobib. Auf dem Weg zum Wasserloch sahen wir in kurzem Abstand zwei Tüpfelhyänen. Die erste sah so aus, als hätte sie erst vor kurzem an einer Beute gefressen. Aber beide Hyänen waren sehr scheu und suchten schnell das Weite. Leider begegneten wir auf der restlichen Runde keinen weiteren Raubtieren mehr, dafür aber landeten die kleinen Sunbirds wieder neben uns, als wir wegen eines anderen Vogels an einem Busch angehalten hatten.
Sabotalerche
Rußnektarvogel
Weiter ging es über Okerfontein am Rand der Etosha-Pfanne entlang. Hier grasten viele Kuhantilopen. Wir waren erstaunt, wie viele dieser Tiere verteilt waren, da wir in unseren ersten Urlauben vor 10 Jahren nur sehr selten mal ein Exemplar erspäht hatten. Bei Kuhantilopen haben wir immer den Eindruck, dass sie ein Anflug leichten Wahnsinns umgibt. Entweder schauen sie wie Ruths Schüler, wenn man sie nach den versäumten Hausaufgaben fragt, oder als hätten sie gerade noch ein paar Pillchen eingeworfen und vergessen, wer sie sind. Auch bei dieser hier könnte man meinen, ihre Augen würden gleich aus den Höhlen purzeln.
Einige Zeit standen wir bei zwei schon alten Elefantenbullen und sahen ihnen beim Fressen zu.
Als wir auf den Weg nach Goas abbogen, löste sich gerade ein Auto-Knäuel auf. Gutgelaunt teilte uns ein Fahrer ungefragt mit, dass wir den Leoparden gerade um eine Minute verpasst hätten. Na schönen Dank auch! Ob er wohl bemerkte, dass sich die Luft um ihn herum gerade um einige Grad abkühlte? Dafür haben WIR sehr lange bei den Kühen gestanden und Tiefenpsychologie betrieben, indem wir ihren Blick zu deuten versuchten. Wer will denn einen Leoparden, noch dazu direkt vor dem Auto? Kuhantilopen sind die wahren Helden! Frustriert blieben wir noch eine ganze Zeit an dem Wasserloch stehen, aber die Kuhantilopen (!) kehrten leider nicht zurück! Außer einigen Impalas und ein paar Nilgänsen waren keine Tiere anwesend.
Maricoschnäpper
Bei Halali machten wir eine längere Mittagspause. Wir kauften ein paar Brötchen, Getränke und Biltong. Bei einer Campsite hielten wir und picknickten.
Ruth duschte. Dann statteten wir dem Moringa-Wasserloch einen Besuch ab. Einige Kudus tranken.
Weiter ging es nach Nuamses. Dort konnten wir Impalas und Kudus sehen sowie eine Schlankmanguste.
Bergammer
Teil 3610. Dez. 2014
Beim Lookout-Point in der Pfanne hielten wir kurz und fuhren dann nach Salvadora, Charitsaub und Sueda. Immer wieder erblickten wir große Zebraherden. Auch wenn wir viele Springböcke, Gnus und Impalas sahen, hatten wir den Eindruck, dass die Zebras den größten Anteil ausmachten.
Dann schlugen wir den Weg nach Aus ein. Weder dort noch bei Olifantsbad waren außer Impalas Tiere zu sehen, nicht einmal Vögel, und so ging es rasch weiter. Diese Strichelracke saß erst ein wenig später am Wegrand.
Bei Gemsbokvlakte entdeckten wir zwei Löffelhunde. Zwei Giraffen und zwei Elefanten standen am Wasser. Die Elefanten hatten die Köpfe aneinander gelehnt und ihre Rüssel verschränkt. Nach einiger Zeit lösten sie sich voneinander, wandten sich einander zu und schoben sich ein wenig hin und her. Als sie sich davon machten, fuhren wir ebenfalls.
Unser Stellplatz in Okaukuejo lag sehr nah am Wasserloch, das wir zum Sonnenuntergang besuchten. Über ein Dutzend Giraffen war am Wasser und trank.
Zum Abendessen gab es heute Kudu und wieder Salat aus Tomaten, Gurke und Feta und die letzten Folienkartoffeln. Für morgen müssen wir uns eine andere Beilage ausdenken. Nach dem Spülen setzten wir uns noch ein wenig ans Wasserloch. Als wir ankamen, standen dort zwei Elefanten, ein Nashorn und – wir konnten unseren Augen kaum trauen – eine braune Hyäne. Mit der hatten wir am allerwenigsten gerechnet, noch nicht einmal geahnt, dass es im Etosha welche gibt. Natürlich hatten wir keinen Fotoapparat dabei, denn vom Flutlicht beleuchtete Nashörner haben wir ja schon genug. Uwe sprintete los, um ihn zu holen. Doch als er zurück war, war das braune Zotteltier natürlich längst davongetrottet. Trotzdem freuten wir uns über die Sichtung. Nachdem alle Tiere verschwunden waren, kamen zwei weitere Spitzmaulnashörner – eine Mutter mit ihrem Jungen. Später traf ein weiteres Nashorn ein. Spontan entschieden wir, auf einmal doch nicht genug Fotos von flutlichtbeschienenen Dickhäutern zu haben.
Später liefen ein paar Schakale um das Wasser, doch schon bald wurde es uns zu kalt, und wir gingen zum Auto. Obwohl sich alle Leute am Wasserloch Mühe gegeben hatten, leise zu sein, freuen wir uns schon wieder auf die etwas einsameren Zeiten. Gerade im Zelt verschwunden, brüllte ein Löwe. Sein Gebrüll kam näher, aber bei uns siegten Kälte und Müdigkeit über die Neugier.
Kilometer: 252
Teil 3714. Dez. 2014
Freitag, 25. Juli 2014 – Rund um Okaukuejo
Okaukuejo, Etosha
Da es ein wenig windig war, fühlte es sich heute Morgen etwas kälter an als sonst. Uwe kochte wieder Kaffee und packte das komplette Frühstück vorne ins Auto, während Ruth kurz beim Wasserloch vorbeischaute – ein Schakal – dann ging es los. Wir fuhren Richtung Nebrownii. Auf dem Weg sahen wir parallel zur Straße eine einzelne Tüpfelhyäne laufen. Wir vermuteten, dass sie zum Wasserloch wollte. Leider kam gerade in diesem Moment in ziemlichem Tempo ein Bus von hinten angebraust, und die Hyäne verschwand.
Weiter ging es nach Gemsbokvlakte, wo nichts los war.
Kronenkiebitz
Dann nahmen wir den Weg nach Ombika, auf dem wir ebenfalls lediglich Zebras und Springböcke sahen. Als wir bei Ombika eintrafen, verschwand gerade eine einzelne Löwin im Gebüsch. Wir versuchten, ihr zu folgen, verloren sie jedoch schnell. Etwas frustriert fuhren wir zurück nach Okaukuejo und tankten. Dann kauften wir ein paar Postkarten und fuhren Richtung Okondeka. Zwei Honigdachse schlenderten auf Futtersuche zwischen Büschen umher, und ein Schakal schleppte einen alten Knochen davon. Auf dem Abstecher nach Wolfsnes sahen wir ein paar Doppelbandrennvögel, die gut getarnt durch das Gras liefen.
Bei Okondeka waren sehr viele Gnus, Oryx, Springböcke und Strauße versammelt. Bis weit in die Ebene hinein standen die Tiere. Eine einzelne Hyäne lag nahe am Wasser. Ständig trafen neue Antilopen ein. Wir standen eine Weile dort und aßen Brötchen, während wir die langen Reihen der Tiere beobachteten, die sich dem Wasser näherten oder davonzogen. Dann ging es über Leeuwbron wieder nach Okaukuejo.
Sabotalerche
Gelbbauchgirlitz
Dort saßen wir bei einer ausgedehnten Mittagspause über zwei Stunden am Wasserloch und sahen einigen Elefanten und unzähligen Zebras, Springböcken, Oryx und Kudus beim trinken zu. Ein Elefant legte sich zur Abkühlung komplett in das Wasserloch, bis nur noch sein Rüssel als Schnorchel aus dem Wasser schaute.
„Knattertier“, welches beim Fliegen einen ganz gehörigen Lärm verursacht.
Königswitwe, auch hier noch mit ihren langen Prachtfedern.
Später trafen noch zwei Elefantenherden ein. Große, kleine, alte und junge, ängstliche und vorwitzige Elefanten wuselten durcheinander. Sie wateten ins Wasser, bespritzten sich und warfen sich danach Staub über den Rücken und den Kopf. Einige drängelten sich um den besten Trinkplatz, an welchem das frische Wasser in den Tümpel einlief und schubsten sich gegenseitig zur Seite, mussten dann aber ihrerseits den Platz räumen, wenn ein größeres Tier diese Stelle für sich beanspruchte. Da durch die Elefantenduschen ausgesprochen viel Staub in der Luft und das Licht von vorne gleichzeitig sehr ungünstig war, fotografierten wir kaum, sondern genossen das Elefantenspektakel ganz einfach pur. Die Tiere prusteten und schnauften, gelegentlich konnte man ihr tiefes Brummen oder ein vereinzeltes Trompeten vernehmen. Was uns ein wenig nervte, waren die teils lautstarken Gespräche, das Rascheln in Chipstüten und vor allem die verschiedenen künstlichen Geräusche der einzelnen Kameras und Fotoapparate, die alle mit einer Begleitmelodie ihre Bereitschaft signalisieren mussten. Das müssen sie übrigens gar nicht. Man kann dieses Kling-Klong-Klang auch abstellen!
Es war sehr angenehm, nicht immer im Auto unterwegs zu sein, und wir brachen daher nur zu einer kleinen Nachmittagsrunde auf. Wieder waren Ombika, Gemsbokvlakte und Olifantsbad die Stationen. Nirgendwo gab es etwas Spannendes zu entdecken.
Weibliche Weißflügeltrappe
Zum Abendessen machten wir aus dem letzten Stück Gnu ein Gulasch mit Tomaten. Dazu gab es Nudeln. Nach dem Abwasch setzten wir uns wieder ans Wasserloch. Auch heute Abend waren einige Elefanten und Nashörner dort. Es wurde keine Minute langweilig. Entweder kamen neue Elefanten dazu, trompeteten und verdrängten sich von der besten Stelle am Wasser. Oder die Nashörner liefen hin und her. Manchmal grollten die Elefanten, manchmal grunzten die Nashörner. Schakale, Giraffen und Oryxe hielten respektvollen Abstand.
Als es uns zu kalt und unbequem wurde, gingen wir ins Zelt. Leider ist der letzte Tag im Etosha nun zu Ende.
Kilometer: 200
Teil 3822. Dez. 2014
Samstag, 26. Juli 2014 – An die Küste
Okaukuejo, Etosha – Meikes Gästehaus, Swakopmund
Die Abschlussrunde im Etosha bestand heute Morgen aus Gemsbokvlakte, Olifantsbad, Nebrownii und wieder Okaukuejo. Bei knapp über drei Grad war es den meisten Tieren aber wohl noch zu kalt. Wir sahen nur einige Springböcke und Oryx.
Weißflügeltrappe
In Okaukuejo machten wir neben der Tankstelle Jagd auf einen Nektarvogel. Das hyperaktive Kerlchen war ständig in Bewegung und flog hektisch von einem Sitzplatz zum nächsten, wo es aber nie länger als ein paar Sekunden verweilte. Glücklicherweise hatten ein paar Aloenblüten aber genau seinen Geschmack getroffen, so dass er dieses Ziel immer wieder anflog.
Bindennektarvogel
Kurz vor der Ausfahrt aus dem Etosha besuchten wir noch das Wasserloch Ombika. Dort sahen wir die wohl letzten Zebras für diesen Urlaub. Dann verließen wir den Park und fuhren die knapp 100 Kilometer nach Outjo. Zu unserer großen Freude hatte die Bäckerei dort wieder geöffnet, und wir setzten uns in den sonnigen Hof und bestellten uns ein Omelett, strammen Max und Kaffee. Es war herrlich, sich am späten Vormittag dort aufzuwärmen und ein leckeres Frühstück zu genießen. Da unser Tisch der einzige war, der Platz in der Sonne bot, fanden wir aber schnell ungefragten Anschluss, als es sich eine Reisegruppe wie selbstverständlich neben und um uns herum bequem machte. Halt, stopp! Wir gehören doch gar nicht zu dieser Gruppe. Eigentlich sind wir ja gar nicht so kontaktscheu, ein klein wenig Höflichkeitsabstand wäre hier aber nett gewesen. Trotzdem beschlossen wir, nicht ganz doof zu sein und ließen uns in ein Gespräch verwickeln. Die Gruppe war gerade mit einem Tag Verspätung und dem Umweg über Leipzig mit Air Namibia und einigen Scherereien angekommen und auf dem Weg in den Etosha. Wir hörten Geschichten über verlorengegangenes Gepäck, Zwischenlandungen und Zeitverlust, wollten uns mit diesen Dingen aber jetzt noch nicht beschäftigen. Ist doch bisher immer alles gutgegangen bei uns und der Rückflug noch ein wenig hin. Anschließend fuhren wir weiter Richtung Süden. Zunächst nahmen wir die M63 und freuten uns, wieder auf einer namibischen Schotterstraße unterwegs zu sein. Die Aussicht über die hügelige, endlos weite Landschaft war traumhaft. Am Straßenrand trippelten unzählige Familien von Warzenschweinen durch das gemähte Gras. Das Antennenschwänzchen steil aufgerichtet liefen sie in der Reihe vor unserem Auto davon oder wühlten völlig unbeeindruckt direkt neben der Straße mit ihren Hauern im Sand. Wir hofften jedes Mal, dass sie es sich nicht doch anders überlegten und noch schnell vor unserem Wagen kreuzen würden. Wir sahen jede Menge rote Termitenhügel, die in die Landschaft eingestreut waren. In Kalkfeld war nicht viel los, und die Unterkünfte lagen im Gegensatz zum regen Treiben im Caprivi und vor Rundu recht verlassen da.
Über die C33 kamen wir über Omaruru nach Karibib und von dort über die B2 nach Usakos und gegen halb vier schließlich nach Swakopmund. Es war ziemlich windig und auch nicht besonders warm. Wir wurden wie immer sehr herzlich von Meike und Klaus begrüßt. Bei Kaffee und Keksen erzählten wir ein wenig. Dann räumten wir das Auto aus und verwüsteten das gemütliche Zimmer der Pension mit unserem Krempel. Bei einer Dusche spülten wir den gefühlten Staub der letzten drei Wochen ab, da es mit Meike und Klaus zum Abendessen ins Cosmopolitan ging. Dort gefiel es uns ausgesprochen gut. Wir saßen auf gemütlichen Polstermöbeln und aßen ganz besonders leckeren Kingklip. Es war wieder ein sehr netter Abend mit den beiden.
Kilometer: 575
Teil 3922. Dez. 2014
Sonntag, 27. Juli 2014 – Auftragsarbeit
Meikes Gästehaus, Swakopmund
So eine Nacht in einem weichen Bett hat schon etwas. Wir schliefen aus und gingen den sonnigen Tag sehr gemütlich an. Also frühstückten wir spät und lange. Dabei unterhielten wir uns nett mit Lara, Meikes Mitarbeiterin. Am späten Vormittag saßen wir ein wenig im Hof in der Sonne. Meike hatte eine Flasche mit einer süßen Lösung in die Büsche gehängt, auf welche die Sunbirds sehr flogen. Die Blüten der Aloen gefielen ihnen aber ebenso gut.
Rußnektarvogel
Gegen Mittag gingen wir in die Innenstadt und bummelten etwas ziellos durch die Gässchen. Die Sonne schien, und es gab keinen Nebel. Am Meer schlugen hohe Wellen um, in denen ein paar Surfer ihr Geschick versuchten. Dann suchten wir den Souvenirmarkt in der Nähe des Leuchtturms auf, da Ruth von einem Freund den Auftrag erhalten hatte, einen Affen aus Afrika mitzubringen. Nun sind Affen scheinbar nicht die beliebtesten Tiere und daher auch nicht so gefragt, so dass alle ihre bisherigen Versuche, ein solches Tier aufzutreiben, vergebens waren. Neben Reihen aus Holzelefanten, Hippos, Tokos und den Big 5 gab es auf dem ganzen Markt nicht das kleinste Äffchen aus Holz. Nein, wir wollten weder Tischdecken, noch Schmuck, keine „Seiffenschallä“ oder ein Salatbesteck, ein Affe musste her! Gerade wollte Uwe die Makalani-Nussverkäufer abwimmeln, als Ruth ihre Chance witterte. Ob die Jungs wohl noch eine nackige Nuss hätten, keine solche, in der bereits die schönen, typischen Tiere, wie Zebra, Kudu, Nashorn oder Elefant eingeschnitzt wären, sondern eine, in welcher noch Platz für einen Affe wäre? Solche Makalanis hatten die beiden Nussverkäufer zum Glück noch, aber einen Affen konnten die beiden nicht zeichnen. Daher wurde aus Ruths Wunsch schnell ein Spezialauftrag, der in Gemeinschaftsarbeit erstellt wurde. Wir folgten den beiden zu ihren Freunden und sahen zu, wie einer der Jungs den Affen malte, ein anderer die Buchstaben zeichnete, die Ruth ihm zuvor auf einem Schnipsel Papier vorgeschrieben hatte und sich ein dritter an der Schnitzerei versuchte.
Eine solche Nuss hatten sie in ihrem ganzen Leben noch nicht geschnitzt. Neben dem Namen von Ruths Fußballfreund durften die Buchstaben BVB 09 neben dem Affen, der vielleicht ein ganz klein wenig an ein Pferd mit einer etwas zu langen Schnauze erinnerte, natürlich nicht fehlen. Dazu gesellte sich auf der anderen Seite noch ein Fußball, bis Ruth endlich mit dem Ergebnis zufrieden war. Während zwei der Jungs mit Ruths speziellen Motiven beschäftigt waren, führte ein dritter mit uns die Preisverhandlungen. Zunächst wollte er gar nicht über Geld sprechen, versicherte uns, dass Borussia Dortmund ebenfalls sein Lieblingsverein wäre (;-)) und machte uns klar, wie viel Arbeit doch an dieser besonderen Nuss hängen würde. Schließlich startete er sein Angebot bei aberwitzigen 350 Dollar, und wir konterten mit 30. Das Feilschen zog sich in die Länge, und wir hatten wirklich Spaß mit den Nussschnitzern. Es war schon erstaunlich, welche Geschichten sie sich einfallen ließen, um uns doch zu einem höheren Preis zu überreden. Hungrige Familien, stundenlanges Schnitzen an den kompliziertesten Motiven, die einzige Kundschaft heute zu sein wurden dabei ebenso in die Runde geworfen wie der Zusammenhalt unter zwei Dortmund-Fans. Hatte Uwe noch gehofft, es bald geschafft zu haben und endlich einen Kaffee trinken zu dürfen, gab Ruth nach der ersten fertigen Nuss gleich noch eine zweite in Auftrag. Auch hier war das Motiv nicht weniger speziell. Erdmännchen sollten es sein. Uwe ergab sich resigniert in sein Schicksal und nahm auf der Bank neben den Schnitzern Platz.
Doch auch für ihn hatten die Verhandlungsgespräche mit den Jungs erstaunlichen Unterhaltungswert, und wir können einen Besuch bei ihnen nur empfehlen, wenn man in Swakopmund genügend Zeit und Humor für solche Spielchen hat. Nach einer guten Stunde ließen wir uns schließlich auf einen Preis von 100 Dollar für beide Nüsse ein. Das ist sicherlich nicht günstig, war uns den ganzen Spaß aber allemal wert. Zurück in der Pension wollten wir mit dem Auto noch eine kurze Runde zum Swakop-Fluss fahren, um vielleicht den ein oder anderen Wasservogel zu fotografieren. Aber leider sprang der Wagen nicht an. Der Anlasser gab kaum einen Mucks von sich. Die Autobatterie war leer. Das konnte eigentlich nicht sein, da wir gerade gestern sehr lange gefahren waren. Die Batterie hätte voll geladen sein müssen. Wir hatten auch kein Licht oder sonstigen Verbraucher angelassen. Also telefonierten wir mit Savanna und verabredeten, uns morgen mit einer Werkstatt in Verbindung zu setzen. Zu Fuß gingen wir zur Jetty ans Meer und betrachteten den Sonnenuntergang.
Bis zum Ende der Landungsbrücke spazierten wir und ließen uns den kalten Wind um die Ohren wehen.
Als wir richtig durchgepustet waren, gingen wir ins Tug zum Abendessen. Dort gönnten wir uns ein tolles Menü. Es gab Zwiebelsuppe, Bruschetta mit Lachs und Butternut, scharf gewürzten Fisch und ein Oryx-Steak. Anschließend waren wir zwar schon pappsatt, ließen uns aber noch zu einem Nachtisch hinreißen: Ebony and Ivory sowie ein heißes Schokoladenküchlein mit flüssigem Schokoladenkern und Vanilleeis. Es war dermaßen mächtig, dass wir uns nicht vorstellen konnten, jemals wieder etwas zu essen. Super satt schleppten wir uns zur Pension.
Kilometer: 0
Teil 4026. Dez. 2014
Montag, 28. Juli 2014 – Walvis Bay
Meikes Gästehaus, Swakopmund
Wir standen etwas früher auf, und Uwe lief nach dem Duschen schnell über die Straße zu Diesel-Elektrik, um die Sache mit der Autobatterie zu klären. Sie versprachen, jemanden zu schicken. Dann frühstückten wir, und als die Starthilfe kam, warfen wir den Motor an und brachten das Auto zur Werkstatt. Dort wollte man die Batterie bis Mittag nochmal aufladen, um dann zu entscheiden, ob sie ausgetauscht werden müsse. So erledigten wir am Vormittag alles zu Fuß. Erst brachten wir alle schmutzigen Klamotten in die Wäscherei. Dann erstanden wir ein paar Souvenirs. Bei einer ziemlich großen Holzmaske war schnell klar, dass wir sie haben wollten, nicht aber, wie wir das Trumm nach Hause transportieren sollen. Also blieb sie vorerst an Ort und Stelle im Laden. Im Büro des NWR besorgten wir uns die Permits für den Namib-Naukluft-Park, die wir in den kommenden Tagen brauchen werden. Als das Auto fertig war – zum Glück hatte es eine neue Batterie – fuhren wir zu Fruit & Veg zum Großeinkauf. Dort bekamen wir neben Gemüse und Milchprodukten auch Rauchfleisch, eingeschweißte Wild-Steaks und Boerewors. So können die nächsten Lagerfeuer-Abende kommen. Im Bottlestore kauften wir noch Wein und verstauten bei Meike alles ordentlich im Wagen. Im Innenhof der Pension beobachteten wir ein paar Vögel am Wasserle.
Wellenastrilde
Orange River White Eye (ein Brillenvogel)
Es war schon nach drei Uhr, als wir uns auf den Weg nach Walvis Bay machten. Südlich der Stadt hielten wir an der Lagune und sahen unzählige Flamingos. Es waren bedeutend weniger als letztes Jahr, aber immer noch beeindruckend viele.
Bei den Salzfeldern schwammen Enten, und viele Watvögel liefen durchs flache Wasser. Wir fotografierten Regenpfeifer und Steinwälzer im späten Nachmittagslicht.
Weißstirnregenpfeifer
Sichelstrandläufer
Schwarzhalstaucher
Kapente
Wir waren froh, im warmen Auto zu sitzen, da ein eisiger Wind pfiff und am Wagen rappelte.
Als die Sonne unterging, kehrten wir um und fuhren in der Dunkelheit zurück nach Swakopmund. Zum Abendessen waren wir im Erich’s. Von dort hatten wir kürzlich sowohl bezüglich des Service als auch des Geschmacks nichts Gutes gehört, aber bei uns war wie in den letzten Jahren auch alles prima. Ruth aß einen Fischteller mit verschiedenen Sorten und Uwe das Fleisch-Pendant, den Safari-Teller. Es war wie immer superlecker. Leider neigt sich unsere Zeit bei Meike mal wieder dem Ende zu. Aber andererseits freuen wir uns auch auf die kommenden Tage im südlichen Namibia.
Kilometer: 101
Teil 4128. Dez. 2014
Dienstag, 29. Juli 2014 – Wind
Meikes Gästehaus, Swakopmund – Farm Wüstenquell
Heute ging es weiter. Wir duschten und packten unsere Sachen zusammen. Die Wäsche aus der Reinigung wurde sortiert und kam in die entsprechenden Fächer im Wagen. Auch alle anderen Rucksäcke, Taschen, Fotoapparate und Kleinkram wurden an ihrem Platz verstaut. Für die Souvenirs fanden wir auch noch eine passende Ecke. Nach dem leckeren Frühstück hatten wir uns endlich durchgerungen, die schöne afrikanische Maske zu kaufen, die wir gestern in einem Laden gesehen hatten. Uwe war sich erstaunlicherweise gleich sicher gewesen, Ruth auch, allerdings dass es keine Möglichkeit geben würde, sie zu transportieren. Hatten wir auf dem Hinweg jeder schon einen Rucksack auf dem Rücken, eine Reisetasche und ein zweites Gepäckstück in jeder Hand, blieb für die Maske eigentlich nur noch der afrikanische Weg, sie auf dem Kopf zu balancieren. Bei einer Länge von 2 Metern wahrscheinlich kein ganz einfaches Unterfangen. Egal, Uwe war der Meinung, dass sich das Problem schon lösen würde, und so verabschiedeten wir uns von Klaus und Meike. Zuerst ging es also zum Souvenirladen, wo wir glücklicherweise unmittelbar davor einen Parkplatz fanden. Flugs ward das hölzerne Trumm erworben und in viel Luftpolsterfolie sicher verpackt. Doch wo im Auto sollte es nun für die restliche Zeit unseres Urlaubs wohnen? Da Holz nicht gerade biegsam ist, schied der Innenraum im Canopy schnell aus. Selbst diagonal war da nichts zu wollen. Aber Uwe hatte sich ja gleich eine viel schlauere Lösung ausgedacht. Er verkündete stolz, dass das handliche, praktische Souvenir längs genau in unser „Schlafzimmer“ passen würde. Zwar 2 m lang, aber nur 30 cm breit und 3 cm hoch, konnte man es prima auf unsere Matratze betten. Die Vorstellung, ab sofort jeden Abend die Maske aus dem Bett zu wuchten, sie nachts zu hüten und zunehmend staubiger werdend, jeden Morgen wieder zwischen die Schlafsäcke zu schieben, erfüllte Ruth nicht gerade mit Begeisterung. So war sie auch nicht traurig, als sich herausstellte, dass es Uwe nicht gelang, den Fuß der Maske abzudrehen. Dieser war in seinem Plan nämlich nicht vorgekommen, denn so war unser Souvenir nun doch nicht platt wie eine Flunder, und das Dachzelt ließ sich nicht mehr schließen. Eine neue Lösung musste her. Uwe hatte sie auch schnell gefunden. Wofür hat man schließlich Klebeband? Mit einigen, nein, noch ein paar mehr Streifen Paketband klebte er sie kurzerhand auf dem Dach des Campers fest.
So fuhren wir dann zu einem Kurierdienst und schickten das Paket nach Windhoek voraus in die Pension, wo wir die Maske an unserem letzten Tag in Namibia hoffentlich unversehrt wieder in Empfang nehmen werden. Nachdem der Anfang nun schon so einfach abzuwickeln war, werden wir sie schon irgendwie im Flugzeug und im ICE transportieren können. Für Bauchschmerzen ist es noch ein wenig zu früh, die kann Ruth später ja immer noch bekommen. Anschließend ging es zum Spar, wo wir noch Wasser, Brot, Brötchen und ein paar andere Kleinigkeiten mitnahmen. Nächster Stopp war bei Plastilon. Dort bekamen wir endlich die Solar Jar, eine Solarlampe in einer Art Einmachglas. So eine haben wir Dank Clax bereits zu Hause (Danke! 😘). Zuletzt tankten wir den Wagen voll. Inzwischen hatte der warme Ostwind Swakopmund auf weit über 30 Grad aufgeheizt. Es fühlte sich wie ein warmer Föhn an. Als wir die Stadt verließen, zeigte das Auto-Thermometer 39 Grad. Kurz hielten wir noch bei der Überquerung des Swakop und sahen einigen Vögeln zu, die im niedrigen Wasser herumstaksten und nach Nahrung suchten. Der warme Ostwind hatte mittlerweile ganz gehörig an Kraft gewonnen, und wir hatten Mühe, beim Fotografieren die Kamera ruhig zu halten.
Zwergflamingo
Weiter ging es über die C28.
Wenige Kilometer außerhalb von Swakopmund brannte es. Wir konnten aus der Ferne nicht genau erkennen, was die Ursache war, aber wir sahen dunkle Rauchwolken in den Himmel steigen.
Beim Abzweig in die Mondlandschaft bogen wir ab und hielten an einem Aussichtspunkt.
Dabei bemerkten wir, dass unser Kühlschrank 12 Grad anzeigte. Irgendein Wackelkontakt sorgte dafür, dass der Engel ständig ausschaltete. Bei einer Pause schaute sich Uwe die Sache an und entdeckte ein blank gescheuertes Kabel hinter dem Kühlschrank. Ein wenig Ordnung im Kabelsalat und eine neue Verzurrung brachten das gewünschte Ergebnis: Der Engel tat wieder seinen Dienst. Wir hoffen nur, dass inzwischen keine Lebensmittel verdorben sind. Die Aussicht in die Mondlandschaft gefiel uns sehr, aber der starke Wind ließ uns eine geschütztere Stelle für eine Rast suchen.
So steuerten wir die Oase Goanikontes im Swakop-Rivier an. Dort aßen und tranken wir eine Kleinigkeit, und Ruth freute sich über die Vögel, die pausenlos durch den Garten flitzten.
Wir tippen auf Rostschwanzschmätzer (Familiar Chat), da das kleine Kerlchen häufig mit seinen Flügeln schlug.
weiblicher Maskenweber (Danke an Michael für die Bestimmung)
Dann ging es weiter zu den Welwitschia-Ebenen. Auf dem Weg dorthin war neben der Straße über weite Strecken eine Baustelle. Es wird eine Pipeline verlegt, vermutlich für die Uran-Minen. Bei den Welwitschias machten wir eine Pause und spazierten ein wenig durch die Gegend.
Dann ging es für uns weiter Richtung Wüstenquell. Die Landschaft wurde im Licht der Nachmittagssonne immer schöner. Der Ausblick über die Hügel und Ebenen war fantastisch. Das Grenztor der Farm war mit einem Vorhängeschloss gesichert. Wir sahen nicht, wie wir es öffnen sollten. Ein Anruf ergab, dass der Schlüssel direkt neben dem Tor an einer Kette hing. Das hätten wir wohl doch selbst erkennen können.
Auf dem Weg zum Farmhaus sahen wir Springböcke, Strauße und einige unterschiedliche Trappen. Bei ihrer Bestimmung kommen wir mit unseren Büchern jedoch nicht weit.
Bei der Farm erklärte man uns den Weg zu unserer Campsite „Papierbaum“. Dort kamen wir kurz nach Sonnenuntergang an. Der Stellplatz liegt sehr schön an einer Felsformation und verfügt über zwei Feuerstellen, eine Dusche, Toilette und ein Schattendach mit Tisch. Wir parkten den Wagen, klappten das Zelt auf und duschten. Danach machten wir Feuer und legten Kartoffeln in die Glut. Im Potije dünsteten wir Gemüse, und Uwe grillte Wildsteaks. Es schmeckte hervorragend. Selten haben wir in Namibia einen so milden Abend erlebt: Selbst als wir ins Zelt gingen, zeigte das Thermometer noch 23 Grad. Dazu wehte allerdings ein sehr kräftiger Wind und rappelte am Zelt.
Die ganze Nacht tobte ein regelrechter Sturm, und die Zeltwände wurden abwechselnd nach innen gedrückt und wieder nach außen gerissen. Dazu wackelte das Auto wie ein Schiff bei rauhem Seegang. Es war zwar sehr warm, aber aufgrund der Lautstärke unseres Flatterzeltes kaum auszuhalten. Wir schliefen wenig und fühlten uns am nächsten Morgen entsprechend ausgeruht. Leider hatte der starke Wind noch immer nicht nachgelassen, ganz im Gegenteil. Wir lagen nach Sonnenaufgang noch einige Zeit im Zelt und überlegten, was wir tun konnten. An Frühstücken war nicht zu denken. Auch hier hinter den Felsen blies es noch so heftig, dass uns alles vom Tisch geflogen wäre. So entschieden wir, zu fliehen und bereits heute weiter zu fahren. Obwohl wir uns sehr auf die Landschaft und die Wanderungen bei Wüstenquell gefreut hatten, wollten wir so ungemütlich hier nicht bleiben. Also packten wir im Sturm zusammen und kletterten noch ein wenig über die Steinhänge in der Nähe der Campsite. Ruth auf der Suche nach einem windgeschützten Plätzchen.
Doch auch auf der anderen Seite des Hügels war es nicht ruhiger, und so stand unser Entschluss endgültig fest, Wüstenquell zu verlassen. Am Farmhaus hatte man Verständnis für unsere Entscheidung und berechnete trotz Reservierung nur eine Nacht. Das fanden wir sehr fair.
Über die Welwitschia-Plains ging es wieder zurück zur C28. Ruth war von der schlaflosen Nacht so fertig, dass sie einnickte. Wir fuhren gegenüber dem Abzweig zur Blutkuppe nach Süden und nahmen ein paar Permit-pflichtige Straßen.
Unser Plan war, so weit wie möglich landeinwärts von dem blöden Wind wegzukommen. So erschien uns auch die Blutkuppe, die eigentlich unser nächstes Ziel hätte sein sollen, ungünstig, da sie ähnlich nah der Küste gelegen ist. Schade, denn auch auf diesen einsamen Platz hatten wir uns sehr gefreut. Wir steuerten das Camp Gecko in der Nähe von Solitaire an, wo wir vor vier Jahren bereits eine Nacht verbracht hatten. Über den Kuiseb- und Gaub-Pass zog sich die Strecke dahin. Obwohl wir sie schon oft gefahren sind, kam sie uns ziemlich lange vor. Wir waren ohne Frühstück aufgebrochen und fanden keinen schönen Rastplatz für ein Picknick. Also ging es ohne größere Pause weiter. Gegen halb drei erreichten wir Camp Gecko und wurden von Heidi begrüßt. Glücklicherweise war die Eagles View Campsite frei. Wie das Hilltop Camp liegt es auf einem Berg mit einer tollen Aussicht in die Ebene. Wir stellten das Auto auf, befeuerten den Donkey für heißes Duschwasser, und endlich gab es auch etwas zu essen.
Nach dem Duschen spannten wir die Hängematte auf. Nun konnten wir uns für den Rest des Tages ausruhen.
Priritschnäpper
Da wir erst so spät gegessen hatten, blieb die Küche heute Abend kalt. Es gab lediglich Avocado-Salat. Bei sehr angenehmen Temperaturen und herrlicher Windstille (!) krochen wir ins Zelt.
Donnerstag, 31. Juli 2014 – Zurück über den Tropic of Capricorn
Camp Gecko – Farm Rooiklip
Wie schon der Abend war auch die Nacht sehr ruhig. Kein Wind rührte sich, und so konnten wir wunderbar schlafen. Ohne Wecker standen wir nach Sonnenaufgang auf. Es war trotz der bedrohlich wirkenden Wolken angenehm warm.
Wir frühstückten mit Blick über die Ebene. Es gab Müsli mit frischer Nektarine und getoastete Brötchen, Kaffee und Tee. So macht Camping Spaß. Wie schon vor vier Jahren kam ein Bergschmätzer zu Besuch. Er war so zutraulich, dass er Uwe zwischen den Füßen herumhüpfte.
Lerchenammer?
Als wir alles gespült und eingepackt hatten, fuhren wir zur Farm. Dort bezahlten wir bei Heidi und verquatschten uns noch lange. Es war sehr nett. Erst gegen Mittag brachen wir auf. Eine kurze Etappe führte nach Solitär. Dort kauften wir im Laden Naukluft-Wasser, und Ruth bestand auf eine Vogeltränke in Form einer Flasche, wie sie bei Meike im Garten hing. (Bei uns in Königswinter kann sie sicherlich massenhaft Nektarvögel damit anlocken. ;)) Dann aßen wir in der Bäckerei leckeren Apfelkuchen und ein kleines Stück Pizza. Das war so prima, dass wir gleich noch eines kauften. Uwe trank Kaffee, und wir beobachteten die zahlreichen Vögel, die im Innenhof der Bäckerei umherflogen und wahrscheinlich ausschließlich von den Kuchenkrümeln leben, die Touristen dort für sie fallen lassen. Nach der Pause tankten wir und fuhren wieder nach Norden. Von der C14 bogen wir hinter dem Gaub-Pass auf die C26. Es dauerte nicht lange, und wir erreichten die Zufahrt zur Rooiklip-Farm ab. Wir waren vor zwei Jahren bereits dort gewesen und hatten die Strecke noch in Erinnerung. Aber diesmal kam sie uns etwas holperiger vor. Wir kamen nur langsam vorwärts, was uns bei dieser schönen Landschaft aber nur wenig ausmachte.
Eine Oryxfamilie mit zwei Kälbern kreuzte unseren Weg, und immer wieder wuselten kleine Scharen von Perlhühnern neben oder auf der Straße herum. Und ganz selten erinnern sie sich doch daran, dass sie fliegen können! 😉
Auf Rooiklip begrüßte uns Frans. Hannelore war noch in Windhoek. Wir unterhielten uns nett, dann fuhren wir zur Campsite Nummer drei. Auch wenn die Zufahrt ein wenig beschwerlich ist, gehört dieser Platz für uns zu den schönsten. Man steht unter einem Felsenüberhang und hat eine tolle Aussicht. Dazu gehören eine Freiluft-Dusche und –Toilette. Wir stellten das Zelt auf und bereiteten das Abendessen vor.
Als es bereits dunkel war, gingen wir duschen. Inzwischen war auch das Wasser heiß. Beim Duschen hörten wir einen Fleckenuhu rufen. Danach saßen wir bei angenehmen 22 Grad in der Höhle auf Rooiklip und genossen diesen exklusiven Ort, an dem man für sich alleine und dennoch mit ein wenig Komfort stehen kann. Beim Abendessen besuchte uns eine Maus, die sich unter den Tisch setzte und auch nicht wieder verschwand, als wir sie aus unmittelbarer Nähe betrachteten. Vielleicht hatte sie ebenfalls den Uhu gehört und fühlte sich bei uns sicherer. Da sie ständig um uns herumlief, mussten wir sehr aufpassen, nicht aus Versehen auf sie zu treten.
Wir grillten Oryx-Steaks, die sensationell schmeckten. Als absoluter Geheimtipp kann dieses Oryx-Filet aus dem Fruit & Veg in Swakop unserer Meinung nach mit dem besten Fleisch aus der Metzgerei spielend mithalten. Dazu gab es Folienkartoffeln und gemischten Salat. Satt und zufrieden musste auch heute Abend wieder ein Blick in die Sterne sein.
Wir schliefen bis Sonnenaufgang. Es war herrlich warm, und die Aussicht holte uns aus dem Zelt.
Wir frühstückten gemütlich, zumindest Uwe, denn Ruth fand es spannender, einen Nektarvogel zu fotografieren.
Rußnektarvogel
Bergschmätzer
Lerchenammer
Nach dem Abwasch packten wir alles zusammen. Dadurch, dass wir verglichen mit unserer Planung einen Tag zu früh waren, konnten wir überall einen Tag Pause einlegen. Heute überlegten wir zu bleiben, weil es uns so gut gefiel. Dann entschieden wir aber, doch schon weiter zu fahren und zu versuchen, einen Tag mehr im KTP zu haben. So ging es im Kriechgang die Abfahrt hinunter und hinüber zur Farm. Hannelore war gestern noch angekommen und begrüßte uns herzlich. Mit ihr verquatschten wir wieder eine Stunde. Sie erzählte uns, dass der Flughafen in Windhoek aufgrund mangelnder Brandschutz-Bestimmungen bis auf weiteres für große Flugzeuge gesperrt sei. Reisende von und nach Europa müssten über Luanda oder Gaborone gebracht werden. Bis Windhoek verkehrten dann nur kleine Maschinen. Wir sind schon sehr gespannt auf unseren Rückflug in eineinhalb Wochen. Nachdem wir uns verabschiedet hatten, rumpelten wir die Farmpad zurück zur Hauptstraße. Diese Zufahrt eignet sich definitiv nicht für einen PKW. Um langsam über steinige Auf- und Abfahrten zu holpern, schalteten wir sogar manchmal die Untersetzung ein. Es war bereits kurz nach Mittag, als wir die C26 erreichten. Weiter ging es nach Osten. Endlos schraubten wir uns die gewundenen Wege des Gamsberg Passes hinauf. Immer wenn wir um eine Kurve kamen und dachten, es sei geschafft, ging es erneut weiter nach oben. Belohnt wurden wir mit einer grandiosen Aussicht über die Schluchten und fernen Berge. Leider konnte Ruth dies nicht richtig würdigen. Sie hatte schlecht geschlafen, Kopfschmerzen und fühlte sich im Magen nicht besonders gut.
Nun mussten wir noch einige Kilometer hinter uns bringen, um nach Mariental zu kommen. Bis Rehoboth legten wir sie auf Schotter, danach auf Teer zurück. Ruth döste ein wenig. Als wir bei der Anib-Lodge ankamen, waren für den heutigen Tag alle drei Campingplätze bereits belegt. Kurzerhand verrechneten wir unsere Campingplatz-Reservierung für morgen mit einem Zimmer. Ruth legte sich sofort ins Bett und schlief ein. Vor dem Abendessen duschten wir. Ruth war kaum erholt, schleppte sich aber ins Restaurant, wo uns ein wirklich gutes Vier-Gänge-Menü erwartete. Anschließend fielen wir todmüde ins Bett. Hoffentlich fühlt sich Ruth morgen wieder besser.
Wir schliefen fast zehn Stunden. Das tat uns beiden sehr gut, insbesondere Ruth fühlte sich deutlich besser. In jedem Fall hatten die Kopfschmerzen aufgehört. Wir ließen es langsam angehen und frühstückten ausgiebig in der Anib-Lodge. Dort gab es auch WLAN, so dass wir wieder mal ein wenig Kontakt mit der Heimat aufnehmen konnten. Nach dem Bezahlen fuhren wir gegen halb zehn los. Die B1 nach Süden führte uns zunächst an Mariental vorbei und dann geradewegs Richtung Keetmanshoop. Auf den über 200 Kilometern gab es nichts Spannendes. In der Stadt tankten wir, holten Geld und kauften Brot. Dann fuhren wir auch schon weiter nach Osten zur Mesosaurus Farm von Giel Steenkamp. Zum Glück war der nette Herr dort und nahm uns sofort mit zu den Fossilien. Diese etwa einstündige Führung können wir jedem nur empfehlen. Giel erzählt mit so viel Wissen und Spaß, dass man ihm noch viel länger zuhören könnte. Die auf seiner Farm gefundenen Fossilien des Mesosaurus sind über 250 Millionen Jahre alt. Der frühere Kontinent Gondwana war zu großen Teilen mit Wasser bedeckt, in dem das Krokodil-ähnliche Tier lebte. Im Boden des Gewässers lagerte sich Staub ab, der nun in Form von Schiefer die fossilen Überreste der Tiere beinhaltet. Die meisten Fundstücke enthalten Abdrücke von Wirbelsäulen, Rippen, Beinen, Füßen oder sogar Zähnen. Wenige bestehen tatsächlich aus versteinerten Körperteilen oder Hinterlassenschaften.
Die Zeit verging schnell, und Giel nahm uns noch mit zu den Köcherbäumen und erklärte viel über diese Aloen und das Doleritgestein. Auf mehreren verschiedengroßen Felsen klopfte er uns mit einem Stein ein Lied. Anschließend konnten wir selbst noch bleiben, so lange wir wollten. Ruth versuchte, selbst eine Versteinerung zu finden und wendete sämtliche Steinplatten an einem kleinen Hang. Natürlich fand sie nichts. Bei einem winzigen Stückchen Schiefer bildeten wir uns ein, eine Minirippe zu entdecken und nahmen es mit. Gil erklärte, dass dieser Abdruck viel zu klein für eine Rippe sei, wir das aber trotzdem behaupten könnten. Ruth verstaute ihre „Rippe“ also stolz bei den restlichen Mitbringseln. Ein echtes Fossil hätten wir wohl auch gar nicht mitnehmen dürfen.
Tarnung ist alles
Wenige Kilometer weiter fuhren wir zum Buschcamp zwischen den Köcherbäumen. Wir parkten das Auto neben dem riesigen Webervogelnest.
Nachdem wir ein Picknick gemacht hatten, kamen die fleißigen Bewohner angeflogen und sausten in ihre Nestöffnungen. Nicht jedoch, ohne noch ein bisschen an dem Gemeinschaftsgebilde weiterzubauen. Jeder klemmte sich einen Halm in den Schnabel und flog damit ins Getümmel. Eine Zeit lang beobachteten wir das geschäftige Treiben und lauschten der Unterhaltung der Webers. Ruth saß in der Hängematte und las, Uwe schrieb ein paar Postkarten.
Zum Sonnenuntergang liefen wir ein wenig zwischen den endlos vielen Köcherbäumen umher. Hier könnte man sich verlaufen.
Anschließend duschten wir, saßen gemütlich zusammen und hörten zu, was sich die Vögel zu erzählen hatten. Als wir später noch Hunger bekamen, machten wir Feuer und kochten Möhren und Paprika im Potije. Dazu grillten wir eine Boerewors. Hinterher schrieb Ruth fleißig mit der Taschenlampe in die Nacht.
Der Mond ging spät unter und erhellte die Landschaft. Hier kommt der letzte Zeitraffer für diese Reise (am besten in HD und Vollbild):
Sonntag, 3. August 2014 – Durch das Auobtal nach Süden
Mesosaurus Camp, Keetmanshoop – Twee Rivieren, KTP
Die ganze Nacht über hatten sich die Webervögel etwas zu erzählen. Leicht verschlafen oder wie im Traum zwitscherte es vereinzelt aus dem riesigen Nest. Wir schliefen gut und wachten kurz vor Sonnenaufgang auf. Inmitten der beeindruckenden Köcherbaumlandschaft spülten wir und machten Frühstück. Die Vögel kamen ebenfalls aus ihrem Nest. Teilweise flogen sie davon, teilweise fingen sie sofort wieder an weiterzubauen. Als besonderer Bewohner verließ ein kleiner Zwergfalke das Webervogelnest. Manchmal leben sie in den Nestern und schützen die Erbauer vor Schlangen. Selbst ernähren sich die kleinsten Falken von kleinen Echsen und Insekten.
Ein Rotstirn-Bartvogel machte durch seinen lauten Ruf auf sich aufmerksam.
Nach einem langen, gemütlichen Frühstück verstauten wir alle Sachen an ihrem Platz und brachen auf. Diesen schönen Campingplatz haben wir sicherlich nicht zum letzten Mal besucht. Beobachtet von einigen Klippdachsen, die sich in der Sonne ihren Pelz wärmten, ging es den kurzen Weg zurück zur Straße.
Bei Giel bezahlten wir die Übernachtung und die Führung und verabschiedeten uns. Dann ging es auf die sehr gute Schotterstraße Richtung Koes. Danach begann der Straßenabschnitt quer zu den unzähligen Kalaharidünen. Permanent ging es auf und ab. Wir lieben diese Strecke. Auf der C15 fuhren wir das restliche Stück nach Mata Mata. Da wir einen Tag zu früh und nicht sicher waren, ob wir dort einen Campingplatz bekommen würden, wollten wir beim Kalahari Farmstall anhalten und schauen, ob dort noch ein Stellplatz frei wäre. Leider war der Farmstall heute geschlossen. So konnten wir auch kein Fleisch mehr einkaufen. Am Grenzübergang war gar nichts los. Ein einzelner Beamter fertigte uns ab. Das Ausfüllen der Formulare ging wie gewohnt sehr zügig. Beim Abstempeln meinte der Uniformierte, dass wir für unser Auto ein namibisches Länderkennzeichen als Aufkleber benötigten. Wenn wir keines hätten, würde er uns eines verkaufen. Der Wagen hatte zwar keinen solchen Aufkleber, wir waren uns aber unsicher, ob wir ihn tatsächlich brauchten, schließlich waren wir schon durch einige Länder des südlichen Afrikas ohne Aufkleber gefahren. Der Grenzbeamte beharrte jedoch auf seiner Position, und jede weitere Ablehnung unsererseits empfanden wir als problematisch. Schließlich kauften wir den blöden Aufkleber für 40 Dollar. Eigentlich hatten wir geplant, ihn an unser Auto in Deutschland zu pappen, aber der Beamte begleitete uns nach draußen. Unter seinem strengen Blick säuberten wir also unser Mietfahrzeug und klebten das Bapperle auf. Nun war auch der Officer zufrieden. In Mata Mata war natürlich kein Campingplatz mehr frei. Alles ausgebucht. Aber in Twee Rivieren hatten wir Glück. Es war zwar schon Nachmittag, aber in Ermangelung einer Alternative entschlossen wir uns dafür und machten uns direkt auf den Weg. Etwas zügiger als bei unseren sonstigen Game Drives klapperten wir die Wasserlöcher nach Süden ab. Wir sahen Springböcke, Strauße, Gnus, Kuhantilopen, Giraffen und Oryx.
Des Weiteren einen Schakal und viele Vögel, darunter Drongos, Gabelracken, Glanzstare und einige Schwalbenschwanzspinte. Diese bunten Vögel gefallen uns besonders.
Rotbauchwürger
Mahaliweber
Schwalbenschwanzspint
Kurz vor Twee Rivieren standen viele Fahrzeuge beisammen. Neben der Straße lag eine einzelne Löwin mit Senderhalsband. Auf einem Dünenkamm ruhte der Pascha.
Die weiteren Löwinnen mit ihrem Nachwuchs in wenigen Metern Entfernung bemerkten wir zunächst nicht, da sie sich ins hohe Gras geduckt hatten. Erst nach ein paar Minuten wurden wir auf den Rest des Rudels aufmerksam, als sich einzelne Tiere aufrichteten.
Es war bereits kurz nach Sonnenuntergang, und wir konnten nicht mehr lange bleiben. Hoffentlich ist das Rudel morgen früh immer noch in der Nähe. In Twee Rivieren suchten wir uns einen freien Stellplatz, duschten und machten Abendessen. Es gab wie immer Wildfleisch, Kartoffeln und Salat.
Kilometer: 344
Teil 4712. Jan. 2015
Montag, 4. August 2014 – Durch das Auobtal nach Norden
Twee Rivieren, KTP – Mata Mata, KTP
In Twee Rivieren begann unser Tag viertel vor sieben. Während wir andere Autos bereits fahren hörten, standen wir auf, zogen uns an und klappten in aller Ruhe das Zelt zusammen. Als um sieben das Tor zum Park öffnen sollte, stellten wir uns als ca. zehntes Auto in die Warteschlange. Kurz darauf wurde geöffnet. Wir hatten ja gehofft, dass die Löwen vom Vorabend noch immer in der Nähe wären. Aber leider fehlte von dem Rudel jede Spur. Unter vielen kleinen weißen Wattewölkchen fuhren wir noch einige Kilometer nach Nordosten und kehrten bei Rooiputs wieder um.
Wie immer saß der große Kampfadler im selben Baum wie in den letzten beiden Jahren bei seinem Horst.
Weißflügeltrappe
In Twee Rivieren holten wir Geld, kauften ein paar Kleinigkeiten, tankten und besorgten uns ein Permit für den Leeuwdril Loop. Auf diesem Abstecher durch die Dünen sahen wir lediglich ein paar Strauße und ein Pärchen Kaptäubchen, das nahe am Boden brütete.
Die Strecke verlief von Osten nach Westen durch die Dünen und am Ende an ein paar Stellen über wenige rote Kalahari-Dünen hinweg. Besonders anspruchsvoll war der Weg nicht, aber schön.
Ohne ein angekündigtes Löwenrudel würden wir ihn wohl nicht ein weiteres Mal fahren, zumal das Permit 180 Rand kostet. Auf dem weiteren Abschnitt Richtung Norden sahen wir die üblichen Antilopen und eine ganze Reihe von Gleitaaren.
Bei Kamqua legten wir die obligatorische Mittagspause ein, da uns das lange Fahren und angestrengte Gucken müde und hungrig gemacht hatte. Ein Nutella-Brot schmeckt auch im Liegen.
Teil 4812. Jan. 2015
Danach ging es weiter bis Dertiende Boorgat. Dort hatten sich unzählige kleine Vögel versammelt. Besonders gut gefielen Ruth die grell leuchtenden Gelbbauchgirlitze (ole ole ole).
Im Laufe der nächsten Stunde besuchten Springböcke, Oryx, Strauße und ein Schakal die Wasserstelle.
Da es bei der Weiterfahrt nichts Großes zu entdecken gab, hielten für eben für die kleinen Freunde.
Meisensänger
Ruth fand noch einen Fleckenuhu.
Kurz vor Mata Mata standen viele Autos beisammen. In der Nähe seien zwei Löwen gesehen worden, die ein Oryx gejagt hätten. Wir reihten uns am Wegrand in die Autoschlange ein und blieben eine ganze Weile, konnten die Raubkatzen jedoch nicht sehen. Währenddessen vertrieb uns ein Schwalbenschanz-Spint die Wartezeit.
Weißscheitelwürger
Auf die Gefiederten ist eben mehr Verlass! In Mata Mata suchten wir uns einen schönen Stellplatz am Rand des Geländes. Bald kam eine andere deutsche Familie an und schlug ihr Zelt neben unserem auf. Zum Abendessen kochten wir Nudeln mit frischer Paprika-Soße. Dabei hörten wir den Ruf der Kalahari: In der Umgebung stimmten alle Schakale in ein Heulkonzert ein. Es war großartig. Nach dem Essen setzten wir uns zu den Campnachbarn und unterhielten uns. Es war ein netter Abend mit den vieren aus der Nähe von Dortmund.
Kilometer: 187
Teil 4915. Jan. 2015
Dienstag, 5. August 2014 – Auch Uwe entdeckt mal was
Mata Mata, KTP – Rooiputs, KTP
In der Nacht und am Morgen hörten wir Löwengebrüll in der Nähe. Es war erstaunlich leise auf dem gesamten Campingplatz, als wir viertel vor sieben aufstanden. Es dämmerte bereits, überall wurden Reißverschlüsse geöffnet, und die ersten Leute liefen teilweise in kurzen Hosen und Badelatschen zur Toilette. Das war schon bemerkenswert, hatten wir schließlich minus 2,3 Grad. Wie erwartet war der Morgen in Mata Mata der bisher kälteste unserer Reise. Schnell hatten wir eingepackt und waren beim Öffnen des Gates startklar. Leider entdeckten wir in der näheren Umgebung des Camps keine Löwen. Zwar sahen wir Spuren, aber eben keine Tiere. So fuhren wir langsam in Richung Süden.
Auch heute nahmen wir die direkte Strecke nach Twee Rivieren. Auf dem ersten Abschnitt sahen wir hauptsächlich Springböcke. Vielleicht war es den meisten anderen Tieren inkl. der Vögel noch zu kalt.
Bei Kamqua machten wir eine Frühstückspause. Die Luft war zwar kalt, aber in der Sonne konnten wir es aushalten. Während wir Brötchen und Kaffee genossen, kamen Krähen und Spatzen und ein Rotschwanzschmätzer zu uns. Weiter ging es. Bei Auchterlonie hielten wir erneut an und schauten uns ein wenig um. Man kann dort ein paar Meter zu Fuß gehen und ein Mini-Museum besichtigen. Wir entdeckten Eidechsen, eine kleine Agame
und einen für uns neuen Vogel.
Rotbackensänger
Bei der Weiterfahrt sahen wir einen Zwergfalken, der von seinem Ast abhob, eine Runde in der Umgebung drehte, dabei eine Beute am Boden schnappte und wieder im Baum landete. Er hatte ein Familienmitglied unseres kleinen Freundes von vorhin in den Fängen und würgte es innerhalb weniger Sekunden hinunter.
Als wir an dem Bus einer Reisegruppe vorbeikamen, erzählte uns der Fahrer, dass in etwa sechs Kilometern Löwen in 100 Metern Entfernung zur Straße lägen. Leider fanden wir die Stelle bzw. die Löwen nicht, die Beschreibung was ja auch mehr als vage. In Twee Rivieren machten wir eine lange Pause, kauften Brötchen und H-Milch und füllten die Dieselvorräte auf. Auf dem Campingplatz gingen wir duschen und saßen in der Sonne. Wir machten den Rest Nudeln warm und spülten das Geschirr. Schließlich holten wir noch etwas Bargeld und fuhren los Richtung Rooiputs.
Teil 5015. Jan. 2015
Ruth sah kurz hintereinander zwei Gruppen Löffelhunde, doch die putzigen Gesellen suchten das Weite, sobald wir anhielten. Eigentlich war unser Plan, noch ein paar Wasserlöcher nördlich anzuschauen, aber daraus wurde nichts. Uwe wies auf einen Schakal auf der linken Straßenseite hin, aber den hatte Ruth natürlich längst vor ihm entdeckt. Schließlich war das „ihre“ Seite. Soll er doch bitte schön nach rechts aus dem Fenster schauen. Er jammerte schon, dass er auch einmal etwas zuerst erblicken wollte, als er abrupt anhielt. Da saß doch tatsächlich auf der rechten Seite ganz oben auf einem kleinen Dünenkamm, halb hinter den Büschen versteckt, eine Löwendame und blickte auf uns herab. Und die hatte Uwe zuerst gesehen. (Man höre auf die Lehrerin: Jeder guckt auf seiner Seite!)
Etwa zwei Kilometer vor unserem Stellplatz in Rooiputs war der Entschluss schnell gefasst, auf die Löwin zu warten und nicht länger durch die Gegend zu fahren. Sie schaute weiter in unsere Richtung und kam kurz darauf auf uns zu.
Wir waren begeistert, umso mehr, weil es nicht lange dauerte und drei weitere Löwen auf der Anhöhe erschienen. Sie folgten der ersten, die inzwischen an der Straße angekommen war und sich hinter unser Auto legte. Es waren wirklich wunderschöne Tiere, die sich freundlicherweise dafür entschieden hatten, direkt an unserem Auto vorbeizumarschieren. Nacheinander stiegen sie den Hang hinunter und zeigten keinerlei Eile.
Sie liefen über die Straße und machten es sich auf und an der gegenüberliegenden Düne bequem. Dort war das Licht zwar nicht mehr so toll, aber die Raubkatzen blieben in Sichtweite. Mittlerweile standen noch weitere Autos vor und hinter uns, die jedoch alle bald aufbrechen mussten.
Wir blieben bis Sonnenuntergang und konnten warten, bis alle anderen Wagen gefahren waren. Bis Rooiputs hatten wir es ja nicht weit.
Schließlich fuhren wir ebenfalls. Wir hatten denselben Stellplatz wie letztes Jahr, bauten das Zelt auf, machten Feuer und Abendessen.
Ruth schnippelte Salat, und Uwe grillte ein Stück Oryx. Um das Camp hatte Ruth einige Kerzen aufgestellt. So entdeckten wir einen kleinen Kapfuchs, der im Dunkeln näher kam und unser Lager untersuchte. Über diese Sichtung freuten wir uns besonders. Bisher haben wir diese kleinen Füchse immer nur in der Dunkelheit gesehen und noch nie fotografieren können. Dieser stille Besucher war aber nicht unser einziger Gast. Beim Essen leistete uns eine Fledermaus Gesellschaft, und in einiger Entfernung riefen zwei Eulen. So ließ es sich aushalten, obwohl wir ein wenig häufiger als sonst mit der Taschenlampe die Umgebung ableuchteten. Die Löwen waren schließlich nicht allzu weit!
Kilometer: 146
Teil 5116. Jan. 2015
Mittwoch, 6. August 2014 – Wolken und Regentropfen
Rooiputs, KTP – Nossob, KTP
Auf Rooiputs war es sehr ruhig. Lediglich das Löwengebrüll hörten wir morgens. Selbstverständlich führte unser erster Weg wieder zu der Stelle, an der wir gestern Abend die vier Löwen gesehen hatten. Aber wie zu erwarten war, gab es keine Spur von ihnen. Also drehten wir bald um und fuhren nach Norden unserem Tagesziel Nossob entgegen. Der Himmel war ein wenig bewölkt, so dass die ersten Sonnenstrahlen gut zu sehen waren.
Auf den ersten Kilometern sahen wir Antilopen und blieben an einem Baum stehen, auf dem ein Geier im Nest saß.
Das hätten wir besser nicht getan. Während wir ihn fotografierten, überholte uns ein anderer Wagen, den wir kurz darauf wieder einholten, da er in der Mitte der Fahrbahn stand. Der Fahrer erzählte uns ganz aufgeregt, dass soeben ein Karakal genau vor ihm über die Straße gelaufen sei. So ein Mist aber auch! Ruths gute Laune bewölkte sich spürbar. War doch der Plan gewesen, dieses Jahr im KTP den Karakal zu jagen. Um ein Haar hätte es ja geklappt. Blöder Geier aber auch! Beim Rastplatz Melkvlei hielten wir kurz für eine Toilettenpause und bekamen sogar noch ein paar Fotos des verpassten Karakals gezeigt. Bevor Ruth einen Mord begehen konnte, fuhren wir lieber schnell weiter. Mit dem „Jönne Könne“ ist das in unmittelbarer Abfolge auf die verpasste Chance so eine Sache. Bereits ein kleines Stück hinter dem Rastplatz entdeckten wir eine Familie Erdmännchen, die in der Morgensonne stand und sich wärmte. Leider waren sie recht weit entfernt und kamen auch nicht näher.
Die Strecke bis Dikbaardskolk zog sich dahin, wohl auch, weil wir nichts Besonderes mehr erspähen konnten. Als wir bei dem Rastplatz ankamen, war es sehr voll, und alle Tische waren bereits belegt. Da hielten wir am Rand und stellten unseren eigenen Tisch auf, kochten Wasser für Tee und Kaffee und setzten uns in die Sonne. Die weichen Brötchen mit Marmelade schmeckten hervorragend. Außerdem gab es Rauchfleisch, Kräuterfrischkäse und Möhren. Wir machten lange Pause und erfreuten uns an den kleinen Gästen auf der Picknicksite.
Kalahariheckensänger
Wiedehopf (Den mögen wir auch so gerne! Grüße an Claus und Friederike)
Kurz nach der Weiterfahrt sahen wir einen Weißbürzel-Singhabicht, der im Baum saß und eine kleine Schlange in den Krallen hielt. Ab und zu bearbeitete er sie mit seinem Schnabel, und die Schlange zuckte noch ein wenig. Wir blieben stehen, weil wir beobachten wollten, wie der Raubvogel seine Beute verschlang. Aber stattdessen flog er irgendwann davon und ließ die tote Schlange auf dem Ast liegen. Das konnten wir uns nicht erklären. Hoffentlich hatten wir ihn nicht gestört! Denn eigentlich war der Abstand zwischen dem Vogel und uns ziemlich groß gewesen.
Teil 5216. Jan. 2015
Der Fahrer eines entgegenkommenden Fahrzeuges teilte uns mit, dass beim nächsten Wasserloch eine Gepardin mit ihren drei Jungen sei. Das war doch mal eine Ansage! Solche Infos hören wir im Gegensatz zu den Um-eine-Minute-verpassten-Karakal-Hinweisen doch gerne. Mit etwas Glück könnten die Katzen vielleicht noch da sein. Also schenkten wir der abhängenden Schlange im Baum keine weitere Aufmerksamkeit (viel war da eh nicht mehr zu erwarten) und fuhren die kurze Strecke bis zur Wasserstelle. Als wir dort ankamen, sahen wir gerade, wie die vier Geparde sich entlang des Tals entfernten. Einige Zeit konnten wir sie beobachten und parallel auf der Straße fahren. Aber bald verschwanden sie in einer Senke, und die Straße lag zu tief, so dass wir die Raubkatzen aus den Augen verloren und sie leider nicht wieder entdeckten. Dennoch freuten wir uns über diese Begegnung sehr.
Auf dem weiteren Weg nach Nossob huschten immer wieder Mäuse quer über die Straße und verschwanden in einem der unzähligen Löcher, die sie in den losen Sand gegraben hatten. Einzelne Stellen waren völlig untertunnelt. Kein Wunder, dass es hier auch entsprechend viele Greifvögel gab. Ein weiterer Singhabicht verschlang eine Maus.
Mit diesem Burschen sind unsere Bestimmungsbücher (und wir) ein wenig überfordert. Falkenbussard?
In Nossob checkten wir ein, kauften Feuerholz und suchten uns einen einigermaßen schönen Stellplatz. Nach dem Aufklappen des Zeltes, dem Entfernen des gröbsten Staubes, dem Aufstellen von Tisch und Stühlen, duschten wir und spülten Geschirr. Während wir Feuer und Abendessen machten, leisteten uns einige Vögel und eine Fuchsmanguste Gesellschaft. Es ist schon beachtlich, was man alles entdecken kann, wenn man ein wenig die Augen offen hält und so viel draußen ist. Jedes Mal nehmen wir uns vor, zu Hause in Deutschland auch ein wenig genauer hinzugucken, aber da scheitert es meist schon daran, dass wir uns so wenig im Freien aufhalten.
Rotbauchwürger
Glanzstar
Kalahariheckensänger
Es gab Rosmarinkartoffeln aus dem Potije, das letzte Stück Wildfleisch und einen gemischten Salat. Nach dem Spülen liefen wir zum Hide, aus dem man auf das beleuchtete Wasserloch schauen kann. Wir erwarteten nicht viel. Bisher hatten wir dort bei vorangegangenen Besuchen lediglich mal einen Schakal und ganz viel Nix erblickt, und Uwe war vor Spannung jedes Mal im Kabuff eingeschlafen. So ließen wir den Fotoapparat auch gleich im Auto. Als wir nun dort ankamen, sahen wir im Halbdunkel eine Tüpfelhyäne an der Wasserstelle stehen, die sich aber recht bald entfernte. Zwei Springböcke kamen zum trinken. Dann tauchte plötzlich eine weitere Hyäne aus dem Dunkeln auf. Wir wollten unseren Augen nicht trauen, denn es war eine braune. Sie blieb nur etwa zwei Minuten, trank hastig und war bald darauf wieder verschwunden. Wir freuten uns wie irre. Anschließend kamen noch ein Schakal und ein Triel. Um 22.00 Uhr wurde der Strom und damit das Licht ausgeschaltet. So blieb uns nichts anderes übrig, als zurück zum Auto zu gehen. Noch während wir im Hide gesessen hatten, sahen wir hinter dem Horizont Wetterleuchten, einzelne Blitze zucken und hörten später auch Donnergrollen. Der Himmel war stark bewölkt, und plötzlich fielen ein paar Regentropfen. Und das in dieser Jahreszeit! Als wir beim Auto ankamen, gab es einen kurzen Schauer. Die Luft roch sehr intensiv nach feuchtem Staub. Wir krabbelten ins Zelt und hörten mehrfach Löwengebrüll, das immer näher zu kommen schien. In den Pausen heulten Schakale. Es war herrlich.
Kilometer: 156
Teil 5318. Jan. 2015
Donnerstag, 7. August 2014 – Rund um Nossob (Teil 1)
Nossob, KTP
Punkt sieben Uhr waren wir startklar und holten brav unser Permit im Büro von Nossob. Zuerst fuhren wir ein Stück nach Süden. Weit kamen wir nicht, als Ruth auf dem Weg zum Wasserloch Marie se Gat eine Löwin in der Ebene erblickte. Es war immer noch bewölkt, und trotz Sonnenaufgang war das Licht fahl (der Beleuchter war noch nicht aufgestanden).
Da die Wege im KTP hier mit dichtem Gesträuch bewachsen sind und recht tief liegen, so dass wir wie in einem Trichter fuhren, konnte man nicht besonders weit blicken. Erst einige Zeit später bemerkten wir daher, dass die Löwin ihren Nachwuchs – drei kleine Löwen – im Schlepptau hatte.
Und sie kamen freundlicherweise mal wieder genau auf uns zu.
Irgendwann standen sie so nah, dass der Autofokus des Objektivs nicht mehr scharfstellen konnte. Hatten wir uns gerade noch über unsere niedrige Position im Auto beschwert, war diese nun besonders glücklich, denn ein kleiner Löwe stand unmittelbar auf der Böschung neben dem Auto und schaute neugierig von oben hinab in unser Autofenster. Wir freuten uns riesig.
Nachdem das Löwenkind uns lange genug gemustert hatte und Ruth sich nur schwer beherrschen konnte, einfach die Hand aus dem Auto zu halten und es zwischen den Ohren zu kraulen, entfernte sich die Truppe wieder. Nun tauchten auch einige andere Wagen hinter uns auf, aber die Löwin lief immer weiter von der Straße weg. Einige hundert Meter konnten wir sie und ihr Gefolge hin und wieder zwischen den Gräsern erblicken, dann verloren wir sie im Gebüsch.
Was sind wir schon sich verlierenden Spuren gefolgt, haben das Verhalten anderer Tiere studiert, sind stundenlang durch die Gegend gefahren, oder haben uns endloses mehr oder weniger geduldiges Warten an leeren Wasserlöchern gegeben, haben Safariwägelchen gestalkt, ohne etwas zu sehen, und ein anderes Mal kann es so einfach sein, und die Löwenkinder purzeln uns fast ins Autofenster. Und wären wir eine Viertelstunde später gewesen, hätten wir überhaupt nichts mehr mitbekommen. Bei den verschiedensten Taktiken sind wir uns doch bewusst, dass ein Großteil einer tollen Sichtung wohl einfach Glückssache ist. Nach einer solchen Begegnung ist der Tag auch ohne Sonne plötzlich wolkenlos, die Laune bestens und die Motivation wieder aufgefrischt.
Teil 5418. Jan. 2015
Donnerstag, 7. August 2014 – Rund um Nossob (Teil 2)
Wir kehrten um und fuhren über Nossob nach Norden zum Wasserloch Cubitje Quap. Dort blieben wir lange stehen und aßen ein paar Brötchen mit Marmelade und Nutella. Zunächst waren viele kleine Vögel wie Kapsperlinge, Girlitze und Schnurrbärtchen zu beobachten, die permanent von einem Busch zum Wasser flogen und zurück.
Schnurrbärtchen (was für ein passender Name)
Irgendwann kamen nacheinander zwei Schakale, interessierten sich jedoch nicht für das Wasser, sondern legten sich ein paar Meter entfernt unter einen Busch. Es passierte eine ganze Zeit lang nichts, und die Schakale dösten vor sich hin.
Schließlich zogen mehrere Gruppen von Flughühnern Kreise im Himmel und steuerten wie auf Verabredung das Wasserloch an. Zunächst flogen sie mit lautem Geschrei eine Schleife nach der anderen.
Nun wurde auch einer der Schakale aktiv. Er setzte sich ans Wasser und wartete.
Immer wenn einige durstige Flughühner landen wollten, richtete er sich auf, und die Vögel starteten wieder durch. So ging es eine ganze Weile: Flughühner kamen geflogen, Schakal sprang auf, Flughühner starteten durch, Schakal legte sich wieder hin. Wenn doch mal einige Hühnchen im Wasser landeten, versuchte der Schakal, eines zu erwischen, schaffte es aber nicht und holte sich lediglich nasse Füße. Besonders gekonnt sahen seine Bemühungen auch wirklich nicht aus.
Bald sah es so aus, als würde der Schakal aufgeben, setzte sich etwas abseits und blickte betont gelangweilt in eine andere Richtung. Auch die Hühner wechselten ihre Taktik. Sie landeten nicht mehr direkt im Wasser, sondern an der gegenüberliegenden Seite, möglichst weit vom Schakal entfernt und pirschten sich zu Fuß an.
Doch sobald sich der Schakal aufsetzte, gab es ein großes Flügelschlagen, und sämtliche Vögel waren wieder in der Luft.
Wir waren uns recht sicher, dass dieser Schakal hungrig bleiben würde. Doch da legte er sich direkt neben das Wasserloch hinter die niedrige Steinmauer. Die Flughühner wurden mutiger oder durstiger (oder vergaßen einfach die Gefahr), landeten und tranken bzw. nahmen etwas Wasser in ihr Brustgefieder auf. Bei der ersten Gruppe blieb der Schakal ganz ruhig hinter seinem Steinversteck liegen. Als gerade die zweite Gruppe gelandet war, sprang er aber blitzschnell über das Mäuerchen und packte sich ein Flughuhn. Diesmal war er erfolgreich und schleppte den noch zappelnden Vogel aus dem Wasser.
Teil 5518. Jan. 2015
Er lief ein paar Meter und begann sofort, seine Beute zu verspeisen. Wir beobachteten fasziniert, wie er innerhalb weniger Augenblicke das komplette Huhn bis auf ein paar Federn verschlungen hatte.
Teil 5619. Jan. 2015
Donnerstag, 7. August 2014 – Rund um Nossob (Teil 3)
Nach der aufregenden Flughuhn-Jagd fuhren wir zurück nach Nossob. Auf dem Weg entdeckten wir noch einen Schwarzbrust-Schlangenadler.
In Nossob machten wir eine längere Pause. Nachdem wir im Auto bereits ein paar Brötchen gefrühstückt hatten, aßen wir nun Schwarzbrot mit Leberwurst und bereiteten für den Abend einen Wurstsalat vor. Dann setzten wir uns einige Zeit in den Hide ans Wasserloch. Dort sahen wir in erster Linie Springböcke, Oryx und ein paar Kuhantilopen. Nach dem Duschen fuhren wir erneut nach Marie se Gat und weiter nach Süden bis Kaspersdraai. Wir sahen ein paar Raubvögel und waren besonders beeindruckt von der Lichtstimmung, die der immer noch dunkle Himmel zusammen mit der Nachmittagssonne ergab.
Junger Gabarhabicht?
Turmfalke
Gabarhabicht im dunklen Federkleid
Den ganzen Tag über war es bedeckt gewesen, und nun kam die Sonne an einigen Stellen wieder hervor. Einmal sahen wir sogar einen Regenbogen. So ein Wetter haben wir zu dieser Jahreszeit im südlichen Afrika noch nie erlebt.
Zurück im Camp tankten wir und schlugen das Lager auf. Der Sonnenuntergang wirkte auf Grund der Wolken und der gewittrigen Stimmung fast unrealistisch.
Da wir den vorbereiteten Wurstsalat aßen, hatten wir nicht viel Arbeit mit dem Abendessen und konnten nach dem Spülen schnell in den Hide. Über eine Stunde lang passierte dort nichts. Uwe wollte schon aufgeben, aber das wäre sehr unhöflich gewesen, denn wir hatten ja noch eine Verabredung. Und tatsächlich erschien wie gestern auch schon die braune Hyäne und trank. Diesmal konnten wir sogar ein paar Beweisfotos schießen. Mission erfüllt, Verabredung eingehalten, Schlafenszeit!
Kilometer: 97
Teil 5720. Jan. 2015
Freitag, 8. August 2014 – Einmal Unions End und zurück
Nossob, KTP – Polentswa, KTP
Heute Morgen standen wir früh in Nossob auf, um pünktlich um sieben Uhr in den Park zu starten. Die Handgriffe sitzen, und so dauert es nur wenige Minuten, bis wir startklar sind. Das Camp Nossob gefällt uns zunehmend gut. Es war angenehm ruhig, die Angestellten professionell, und die Tiersichtungen in der Umgebung werden durch unser Glück positiv beeinflusst. Heute fuhren wir nach Norden. Der letzte Tag hatte bewölkt aufgehört, dieser begann ebenfalls mit Wolken. Die Sonne hatte ganz schön zu kämpfen.
Einige Wasserlöcher klapperten wir ab, sahen aber nichts Spezielles. Im Grunde sahen wir den ganzen Tag über hauptsächlich Springböcke, Gnus, Oryx, Strauße, einige Kuhantilopen und Riesentrappen. Auf den Bäumen saßen zahlreiche Singhabichte. Bei keinem Wasserloch machten wir eine größere Pause, und so erreichten wir am späten Vormittag Polentswa. An der Wasserstelle waren Springböcke, Kuhantilopen und Gnus.
Nach einiger Zeit fuhren wir zu unserem Campingplatz für die nächsten zwei Nächte. Wir hatten zum ersten Mal den Platz Nummer 1 mit Blick auf die Ebene, der ganz unten am Pfannenrand liegt. Hier gefiel es uns sehr. Wir inspizierten die Toilette, aßen den Rest Wurstsalat und kochten Tee und Kaffee. Ruth baute eine kleine Vogeltränke. Anschließend ging es noch einmal los. Mittlerweile wehte ein kräftiger Wind, der Staub und Sand in die Lust wirbelte. Die verrückten Gnus an der Wasserstelle rannten ständig hin und her oder wälzten sich im Sand, so dass man bald gar nichts mehr sehen konnte.
Wir fuhren weiter Richtung Nordwesten. Unser Ziel war Unions End. Vor zwei Jahren waren wir lediglich bis Grootkolk gekommen. Wegen des starken Windes sah die Fahrbahn stets wie frisch gegraded aus, und wir zogen eine neue Spur. Lediglich ein anderes Fahrzeug kam uns entgegen, und auch die Tiere hielten sich weitestgehend versteckt. An den Wasserstellen begegneten wir nur den üblichen Antilopen. Der Weg zog sich in die Länge. Irgendwann erreichten wir Unions End und hielten zunächst am Picknickplatz, später dann an der Informationstafel mit den Entfernungsschildern. Hier endete also die Straße durch den KTP. Bei unserem siebten Besuch im Park erreichten wir nun zum ersten Mal diesen Punkt. Aufgrund des starken Windes hielten wir uns nicht lange auf und kehrten am Zaun zu Namibia um.
Beim Rastplatz Unions End machten wir ein Picknick. Wegen des Windes blieben wir im Auto sitzen und aßen Leberwurstbrote.
Es war zwar sehr gemütlich, aber eigentlich ist es auch immer schön, sich ein wenig die Füße zu vertreten. Plötzlich entdeckte Ruth einen besonderen Vogel in einem Baum und sprang mit dem Fotoapparat aus dem Auto. Es war ein Priritschnäpper. So kam sie doch noch dazu, ein wenig herumzuspazieren. Eigentlich sah es mehr wie tanzen aus. Den Fotoapparat wild in den Windböen schwenkend hüpfte sie dem Vogel hinterher, dieser wiederum hüpfte ständig von einer auf die andere Seite im dicht bewachsenen Geäst des Baumes. Die Äste schwankten so gewaltig, dass auf jedem zweiten Foto ein angeschnittener oder gleich gar kein Vogel mehr zu sehen war. Schließlich war sie doch mit dem Ergebnis zufrieden und Uwe auch, denn er hatte ja genügend Zeit gehabt, in Ruhe zu essen.
Teil 5820. Jan. 2015
Dann ging es weiter. Da die Straße gut zu fahren war, kamen wir schnell wieder nach Süden. Recht bald sahen wir eine einzelne Surikate über die Straße huschen. Als wir anhielten, stand sie bereits in der Ebene zwischen Gras und spähte in die Gegend. Dann verschwand sie, um an einer anderen Stelle wieder aufzutauchen. Das war allerdings schon so weit entfernt, dass wir uns keine Hoffnungen machten, dass sie noch einmal zurückkommen könnte. Beim Wasserloch Lijersdraai überlegten wir kurz, ob wir auf eine braune Hyäne warten sollten. Wir hatten vor zwei Jahren dort eine beobachten können. Es ist schon verrückt, dass man immer denkt, man könnte eine tolle Sichtung an derselben Stelle noch einmal wiederholen. Wir waren zwar nicht fest verabredet, wäre aber ja möglich … Wir entschieden uns dagegen. Was für ein glücklicher Entschluss, denn genau in dem Augenblick, als wir zurück zum Wasserloch Polentswa einbogen, sprang Ruth gleich ganz aufgeregt auf ihrem Sitz herum. Das braune Zotteltier näherte sich zeitgleich mit uns von rechts.
Wir müssen schon sagen, besser als ewig an einem Wasserloch ohne Hyäne zu warten, ist doch auf jeden Fall gleich ein Wasserloch mit Hyäne vorzufinden. Unser Timing hätte nicht passender sein können. Schnell stellten wir den Motor ab, um das scheue Tier nicht zu vertreiben, aber die Hyäne lief zielstrebig zum Wasser.
Dort blieb sie nur etwa drei Minuten lang, spähte immer wieder in alle Richtungen und leckte sich die tropfende Schnauze. So aus der Nähe betrachtet sind wir uns immer noch nicht so ganz einig, ob sie nun wirklich schön oder nur selten sind. Auf jeden Fall werden wir dieses Exemplar wiedererkennen, wenn wir ihm noch einmal begegnen oder ein Foto sehen werden, da die Spitze des linken Ohres fehlte.
Nachdem sie ihren Durst gelöscht hatte, trottete sie in der ihr typisch geduckten Haltung mit windzerzaustem Fell davon und verschwand etwas später im hohen Gras.
Anschließend sahen wir noch einen Gaukler, und eine Herde Kuhantilopen kam zum Wasserloch. Dann fuhren wir hoch zum Campingplatz. Der Sundowner fiel leider ins Wasser oder besser in die Milch. Denn die lief uns im Kühlschrank aus, als wir die Getränke für den Sundowner herausholen wollten. So mussten wir erstmal alles trockenlegen.
Zum Abendessen machten wir Pizza. Dieses Jahr versuchten wir es – nach den mehr oder weniger misslungenen Versuchen einer Calzone auf dem Grillrost – im Potije und hatten Erfolg. Der Teig reichte für drei Pizzen, und sie wurden immer besser. Belegt mit Tomatenmark, Gewürzen, Knoblauch, Salami, Paprika, Zwiebeln und Käse wurden sie sehr lecker und kross. Das war eine tolle Abwechslung zu Steaks, Folienkartoffeln und Salat, die wir doch langsam nicht mehr sehen können.
Der Vollmond beleuchtete die Landschaft. Als es uns zu kalt wurde, gingen wir bei unter neun Grad ins Zelt.
Kilometer: 214
Teil 5925. Jan. 2015
Samstag, 9. August 2014 – Rund um Polentswa
Polentswa, KTP
Der Morgen in Polentswa war mit knapp unter zwei Grad frisch. Wir machten uns fertig und fuhren um kurz nach sieben los. Zunächst ging es den knappen Kilometer bis zum Wasserloch. Um die frühe Morgenstunde war dort noch nichts los außer ein paar Tauben, die in den Bäumen saßen. Da es uns noch zu kalt war, um auf Tiere zu warten, fuhren wir weiter zum nächsten Wasserloch südlich von Polentswa. Obwohl es dort eine befüllte Wasserstelle gab, sahen wir nie ein Tier dort, so oft wir bei Cousant vorbeischauten. Aber auf dem Weg dorthin entdeckte Ruth eine Tüpfelhyäne, die an irgendeiner Beute fraß. Leider war sie sehr weit entfernt. Zwei Schakale tauchten auf und versuchten, ein Stück zu ergattern. Aber die Hyäne passte gut auf und verscheuchte abwechselnd mal den einen, dann den anderen aufdringlichen Schakal.
Wir hielten uns nur kurz am wie erwartet verwaisten Wasserloch auf und kehrten schon bald wieder um. Die beiden Schakale waren verschwunden, und die Hyäne hatte den Rest eines Springbocks im Maul. Mit diesem Happen kam sie stolz geradewegs auf uns zu, überquerte die Straße und verschwand im Gebüsch.
Nun ging es zurück zum Wasserloch Polentswa. Dort verbrachten wir mehrere Stunden, und es wurde nicht langweilig. Wir sahen Springböcke, massenhaft Tauben und Greifvögel.
Gabarhabicht im Anflug
Es kamen Gnuherden, die tranken, sich im Schlamm und Sand wälzten und kleine Kämpfe untereinander ausfochten. Dabei wirbelten sie viel Staub auf.
Zwischen neun und zehn Uhr erschienen wie vorgestern bei Cubitje Quap die Flughühner. Zunächst drehten sie einige Runden, um sich dann neben oder direkt im Wasser niederzulassen.
Auch heute war ein Schakal gekommen, um sich sein Frühstück zu fangen.
Es gelang ihm gleich zweimal und sah sehr einfach aus. Das erste Huhn saß unbewegt auf der Erde und schien den Jäger gar nicht wahrzunehmen. Der Schakal brauchte im Vorbeilaufen nur zuzuschnappen.
Teil 6025. Jan. 2015
Nach ein paar Minuten war von dem armen Huhn schon nicht mehr als einige wenige Federn übrig.
Beim zweiten Huhn sprang er so plötzlich los, dass wir es gar nicht genau mitbekamen. Zwar hatte auch er zuvor mehrere Fehlversuche beim Beutefang, aber schließlich hielt er erneut ein mit den Flügeln schlagendes Flughuhn in der Schnauze. Schnell hatte er auch dieses Federvieh verschlungen.
Da konnte das Gnu auch noch so ungläubig schauen.
Gelbbauchgirlitz
Wir hätten noch ewig dort stehen und den kommenden und gehenden Gnus zuschauen können, wollten aber nochmal nach Nossob fahren.
Im Camp tankten wir, kauften Feuerholz und machten eine Mittagspause. Uwe sicherte Fotos, lud Akkus auf, und wir machten Rührei mit Speck. Anschließend duschten wir. Außerdem spülten wir das Geschirr. Ruth entdeckte beim Abscannen der Bäume über uns einen winzigen Perlkauz. Gut versteckt saß er weit oben im Geäst.
Etwas später als geplant brachen wir wieder auf. Auf dem Weg zurück nach Polentswa sahen wir viele Greifvögel. Bei Cubitje Quap saß ein Gaukler in einem Baum, ein anderer unmittelbar in der Wasserstelle. Um ihn herum schwirrten viele Bienen.
Bei Kwang näherte sich scheu ein großer Ohrengeier dem Wasser, trank und säuberte sein Gefieder.
Entlang der Straße hockten viele Weißbürzel-Singhabichte.
Vier Löffelhunde suchten auf der Ebene nach Futter. Zwei kleinere Tiere saßen in einiger Entfernung auf der Straße. Als wir näher kamen, liefen sie die Böschung hinauf und verschwanden. Obwohl das Gelände recht übersichtlich war, konnten wir nichts mehr entdecken. Entweder waren sie in einem Bau verschwunden oder hatten sich hinter einem Busch versteckt. Leider konnten wir nicht mehr herausfinden, ob es Löffelhunde, Kapfüchse oder etwas ganz anderes gewesen war. Auch beim Polentswa-Wasserloch hockte ein Gaukler-Pärchen im Baum. Sonst waren sehr viele Tauben am Wasser.
Fiskalwürger
Rechtzeitig zum Sonnenuntergang waren wir wieder auf dem Campingplatz. Wir machten ein großes Feuer und backten Brot.
Zum Abendessen grillten wir Boerewors und aßen Folienkartoffeln und Salat. Neben dem Schattendach, unter dem wir saßen, entdeckten wir einen winzigen Gecko. Da wir Angst hatten, ihn aus Versehen zu zertreten, brachte Ruth das kleine, steif gefrorene Kerlchen zwischen ein paar Steinen in Sicherheit. Durch die Wärme ihrer Hand wurde es wieder munter.
Der Vollmond schien, und eine Fledermaus drehte ihre Runden. Von Zeit zu Zeit heulten die Schakale.
Kilometer: 145
Teil 6101. Feb. 2015
Sonntag, 10. August 2014 – In die Kaa-Region
Polentswa, KTP – Thupapedi Pan, KTP
Wieder war der Morgen in Polentswa frisch, und wir verloren keine Zeit aufzubrechen. Mit dem Sonnenaufgang fuhren wir zum Wasserloch, sahen unzählige Tauben kommen, trinken und abfliegen.
Wir entschieden, nach Cousant zu fahren. Aber außer etwas Nebel, der noch dicht über dem Boden hing, war auch dort wieder mal nichts los.
Zurück bei Polentswa blieben wir auch nicht mehr lange. Ein Tawny Eagle saß im Baum.
Sonst war nichts Spannendes zu sehen. Die Fußabdrücke der nächtlichen Besucher der Wasserstelle ließen zwar Großes erahnen, aber da eine längere Strecke vor uns lag, machten wir uns auf den Weg nach Norden.
Beim Rastplatz Lijersdraai hielten wir und wollten eigentlich nur kurz zur Toilette gehen und dann Brötchen und Nutella nach vorne holen. Auf der Toilette wunderten wir uns über tote Bienen in der Kloschüssel und im Spülkasten. Wo sie vorgestern noch munter herumgesummt waren, lagen sie nun auf dem Boden und bildeten eine Schicht in der Kloschüssel. Einfach ertrunken sind sie wohl nicht, zumindest haben wir noch nichts von kollektivem Selbstmord bei Bienenvölkern gehört. Draußen entdeckte Ruth unter einem Busch eine riesige Mäusefamilie. Dort tummelten sich mindestens 50 kleine Streifenmäuse. Sie war so fasziniert, dass wir ein bisschen länger blieben und draußen mit Kaffee und Tee frühstückten.
Mit der Zeit verloren die Mäuse ein wenig ihre Scheu. Sie kletterten über die Zweige der Büsche immer näher zu uns heran und liefen uns schließlich fast zwischen den Füßen herum. Vielleicht hofften sie auf ein paar Krümel. Diese stibitzten aber schon andere Gäste von unseren Tellern.
Meisensänger
Glanzstar
Ein weiteres Auto traf ein. Ein deutsches Paar war ebenfalls auf dem Weg zum Kaa-Gate. Wir hatten die beiden schon zweimal in Nossob gesehen und unterhielten uns kurz.
Teil 6201. Feb. 2015
Dann setzten wir unseren Weg fort. Bald hielten wir auf dem Weg an einer Stelle mit sehr vielen Löwenspuren. Zahlreiche, unterschiedlich große Pfotenabdrücke waren noch gut im Sand zu erkennen, und am Straßenrand entdeckten wir Blut- und Schleifspuren. Wir waren uns relativ sicher, dass hier vor nicht allzu langer Zeit ein Kampf oder Riss stattgefunden hatte und suchten die Umgebung nach den Beteiligten ab. Doch die Böschung der Straße war wieder recht steil und dicht bewachsen. Man konnte nicht weit schauen, und selbst Ruth entdeckte die vermuteten Löwen nirgendwo. Da konnte sie Uwe noch so häufig zwei Meter vor- und wieder zurückfahren lassen. Das andere Auto vom Rastplatz traf ein und hielt einige Meter hinter uns. Nun blockierten wir auch noch die Straße. Und das für nichts außer ein paar Spuren. Irgendwann gaben wir auf und fuhren weiter. Als wir kurz danach wieder mal anhielten, holten uns auch die beiden wieder ein. Wir erzählten von unserer Löwenvermutung vor einigen Kilometern, und sie erklärten uns, dass ihnen die Löwen auch gut gefallen hatten. Auch? Wie bitte? Na, die beiden Löwen am linken Straßenrand, die sie wahrscheinlich hauptsächlich deswegen gesehen hatten, weil wir direkt an dieser Stelle mitten auf der Straße standen. Sie waren davon ausgegangen, dass wir ebenfalls die ganze Zeit Löwen beobachtet hatten. Das konnte doch nicht wahr sein! War unsere Idee also doch nicht ganz falsch gewesen. Wir drehten nochmal um und entdeckten das Rudel schließlich ebenfalls nahe der Straße. Allerdings etwa 10 Meter hinter dem Ort, an dem wir zuvor gesucht hatten. So schnell kann man nur ein klein wenig daneben liegen und eine Sichtung verpassen. Wir wollen gar nicht genau wissen, wie oft uns das schon unwissend passiert ist. Aber unwissend macht ja keine schlechte Laune, und außerdem ist es ja auch gerade der besondere Reiz, etwas selbst zu entdecken. Das Nicht-Entdecken gehört da wohl auch dazu. Nun sahen wir die Löwen also doch noch (ein herzliches Dankeschön an CuF)! Leider lagen sie gut versteckt, so dass wir nur dann etwas erkennen konnten, wenn sich ein Tier erhob. Sie taten uns auch nicht den Gefallen, uns ein wenig zu inspizieren und sich unserem Auto zu nähern, da sie ihre Beute wesentlich interessanter fanden. Diese hatten sie ins Gesträuch geschleppt und – wie unschwer an ihren blutverschmierten Gesichtern zu erkennen war – auch schon probiert. Die Löwen lagen im Schatten der Sträucher um ihren Riss herum, immer mal wieder erhob sich ein Tier, so dass wir für einen kurzen Augenblick einen Rücken, einen Schwanz oder ein Ohr erblicken konnten. Danach ließ es sich aber wieder nieder, und wir konnten mehr erahnen als erkennen, was dort oben vor sich ging. Leider ist es ja auch verboten, aus dem Auto auszusteigen, so dass Ruth nicht nachsehen konnte, was die Löwen da nun gerade fraßen. 😉 Obwohl nur sehr wenig zu erkennen war, blieben wir doch einige Zeit an dieser Stelle. Es hätte ja sein können, dass noch etwas Spektakuläres passiert. Zwischen den Büschen erspähten wir mindestens einen ausgewachsenen männlichen Löwen, mehrere Löwinnen und einige Halbstarke.
Als sich die Tiere nach einer Weile nach Löwenart zum Verdauungsschläfchen niederließen und wir immer seltener eine Katze erblicken konnten, machten wir uns wieder auf den Weg. Bis zum Abzweig nach Kaa war die Straße gut zu fahren. Danach wurde die Piste schmal und sehr ruppig.
Das Wellblech schüttelte das Auto und uns ganz schön durch. Anschließend war die linke Dachzelthalterung vollständig gebrochen, so dass diese Seite nun nur noch von unserem Kabelbinder zusammengehalten wurde. Auf der Strecke übernahm Ruth für ein paar Kilometer das Steuer und fuhr die sandige Wellblechstraße über ein paar Dünen. Es durfte ja nicht sein, dass sie in diesem Urlaub gar nicht gefahren ist. Anfangs hatte sie Schwierigkeiten mit dem Lenkspiel. Während Uwe ihr sagte, dass sie zu weit links fuhr und Ruth das Steuer zaghaft nach rechts drehte, fuhr der Hilux bereits links die Böschung hoch. Uwe lachte sich kaputt und hatte großen Spaß. Ruth weniger. Sie kam sich vor wie im Kinderkarussell, bei dem man das Lenkrad immer weiter im Kreis drehen kann, ohne dass etwas passiert. So war bereits nach einigen Kilometern klar, die Rollenverteilung bleibt bei uns wie sie ist: Uwe fährt, und Ruth entdeckt die Tiere. So wurden die Plätze bald wieder getauscht. Auf den 80 Kilometern bis zum Kaa-Gate sahen wir einige Steinböckchen. Uwe bremste für eine Schlange, die genau vor unserem Auto über den Weg huschte. Aber als wir angehalten und zurück gefahren waren, konnten wir leider keine Spur mehr von ihr entdecken. Am Gate erkundigten wir uns nach dem Weg zur Thupapedi-Pfanne, an der unsere Campsite liegt und machten eine kleine Pause mit einer bayrischen Brotzeit. Dazu machten wir Obazda und aßen das frische gebackene Brot – sehr lecker.
Dann fuhren wir die letzten 33 Kilometer nach Westen. Wir entdeckten einige Wiedehopfe, konnten sie aber nicht gut fotografieren.
Fiskalwürger
Der Campingplatz besteht aus einer einsamen Stellfläche mit Feuerstelle, sonst nichts. Trotzdem gefiel er uns ausgesprochen gut. Wir bauten unser Lager auf und genossen den warmen Abend. Ruth pirschte einigen Erdhörnchen hinterher.
Zum Abendessen wollten wir eigentlich das letzte Stück Rinderfilet grillen. Das roch aber so fies, als wir es auspackten, dass wir es lieber gleich wieder in die Tüte wickelten. So gab es Reste: Gemischter Salat, Brot mit Obazda, Rauchfleisch und Folienkartoffeln. Wir verbrannten das restliche Holz in einem großen Feuer und genossen unseren letzten Abend in der Wildnis. Als wir am Feuer saßen, flog eine riesige Eule vorbei. Auch eine Fledermaus drehte ihre Runden.
Kilometer: 176
Teil 6308. Feb. 2015
Montag, 11. August 2014 – Zurück nach Namibia
Thupapedi Pan, KTP – Zelda Farm, Namibia
Unsere für diesen Urlaub letzte einsame Nacht ging zu Ende. Als wir aufstanden, war der Vollmond, den wir am Vorabend noch hatten aufgehen sehen, gerade dabei, am gegenüberliegenden Horizont zu verschwinden. Für ganz kurze Zeit schaute er in die aufgehende Sonne, dann versank er. Da wir eine längere und vor allem unbekannte Strecke zu fahren hatten, ließen wir uns nicht viel Zeit. Zunächst ging es die etwas mehr als 30 Kilometer zurück zum Kaa Gate. Dort trugen wir uns in das Register für ausgehende Fahrzeuge ein. Anschließend fuhren wir ein paar Kilometer an der Parkgrenze entlang, bevor wir nach Norden abbogen. Die Straße war eine etwa 30 Meter breite Schneise in der Landschaft. Auf dem sandigen Untergrund gab es unzählige Fahrspuren, nur leider keine, die zur Spurbreite unseres Autos gepasst hätte. Wahrscheinlich fahren dort sonst nur größere Fahrzeuge. Wir schlingerten von links nach rechts, schwammen hin und her, mal im zweiten, mal im dritten und bei viel Glück sogar im vierten Gang. Über zig Kilometer drifteten wir wie ein Schiff durch die Sandwellen, bis wir schließlich eine Schotterstraße erreichten.
Über den ganzen Tag verteilt nahmen wir viele unterschiedliche Straßen unter die Räder: schmale und breite, aus Sand und Schotter, weiche und harte, schnurgerade und gewundene und das in sämtlichen Kombinationen. Jeder Abschnitt zwischen zwei Abzweigen war wieder anders. So wurde es auf keinen Fall langweilig.
Auf der Schotterstraße angekommen pumpten wir Luft in die Reifen und machten eine Pause, wieder mit frischem Obazda und Brot. Über mehrere Ortschaften kamen wir langsam Richtung Nordwesten. Die Strecke zog sich. Wir sahen sehr viele Steinböckchen, die in großen Sätzen davonsprangen. Irgendwann begann das bewirtschaftete Land, und Kühe und Ziegen säumten den Straßenrand. Uns fiel auf, dass die Ortschaften, durch die wir kamen, sehr ordentlich und sauber waren.
Bei Charles Hill ließen wir die Schotterstraße hinter uns und fuhren auf Teer bis zur Grenze. Die Formalitäten waren schnell erledigt. Nun mussten wir uns entscheiden, wo wir die Nacht verbringen wollten. Der ursprüngliche Plan war die Zelda-Farm gewesen. Da wir nun aber so gut vorwärts gekommen waren, reifte die Idee, direkt bis Windhoek durchzufahren. Bei unserem dritten Versuch erreichten wir die Pension Casa Piccolo, bei der wir die letzte Nacht bereits reserviert hatten. Leider waren sie ausgebucht. So bogen wir doch bei Zelda ein und suchten uns einen Stellplatz. Die Farm liegt sehr verkehrsgünstig nahe der Grenze zu Botswana. Der Campingplatz ist komfortabel mit Strom, Wasser, Grasfläche und Grillstelle. Wir suchten uns einen Platz und ruhten aus. Ruth knipste ein paar Vögel, darunter einen Brubru und mehrere Akaziendrosseln.
Um halb fünf nahmen wir an der Tierfütterung teil. Zuerst gingen wir zu den Emus und erhielten interessante Informationen zu den australischen Vögeln. Besonders fanden wir, dass diese Tiere ein sehr wertvolles Öl liefern, das sie in ihren Knien speichern. Dann wurde das Stachelschwein Pit gefüttert. Es war jedoch noch zu hell, und Pit kam noch nicht aus seiner Höhle. Zuletzt kamen wir zu einer Leopardin. Obwohl es ein wunderschönes Tier war, konnten wir es nicht gut in Gefangenschaft sehen. Waren wir in unserem zweiten Urlaub bei einer ähnlichen Fütterung noch ganz gespannt gewesen, konnten wir von dieser Faszination nichts mehr spüren. Ganz im Gegenteil. Das Fleisch wurde im Licht der untergehenden Sonne gut sichtbar auf einem Felsen drapiert, und die Leopardin sprang mit einem großen Satz direkt vor uns auf den Stein, wo sie ihr Futter verspeiste. Obwohl die Augen der Katze funkelten und die letzten Sonnenstrahlen in ihrem Fleckenpelz leuchteten, konnten wir kein einziges Foto schießen. Tiere gehören unserer Meinung nach einfach nicht hinter Maschendraht, egal welch rührselige Vorgeschichte es hierzu auch geben mag. Schließlich kehrten wir zu unserem Campingplatz zurück. Nun war auch Pit aus seiner Erdhöhle gekrochen.
Bei Sonnenuntergang flogen einige Fledermäuse über den Platz, und wir genossen die Rufe einiger Vögel in der Dämmerung, während wir einmal nichts vorbereiten mussten, da wir um sechs Uhr zum Abendessen der Farm gingen. Es gab eine Cremesuppe und ein Buffet mit Springbockfrikadellen, Kudurouladen, Möhren, Bohnen, Reis und Kartoffeln. Dazu eine Salatauswahl und Nachtisch. Wir fanden alles sehr lecker. Anschließend besuchten wir noch einmal das Stachelschwein. Pit war sehr aktiv und kam zu uns an den Zaun. Er versuchte, daran hochzuklettern und beschnupperte uns. Mit Ruth lief er einige Male am Zaun auf und ab. Stachelschweine sind einfach sehr beeindruckende Tiere. Wir hatten Pit sofort gern. Er tat uns leid, weil er alleine in einem kleinen Gehege lebt und nachts während seiner aktiven Zeit eigentlich nichts weiter zu tun hat, als das hingekippte Futter zu verspeisen. Als es uns zu kalt wurde, gingen wir bei neun Grad ins Zelt.
Kilometer: 396
Teil 6418. Feb. 2015
Dienstag, 12. August 2014 – Windhoek
Zelda Farm – Casa Piccolo, Windhoek
Der Morgen auf Zelda war noch frisch. Bei wenigen Grad Celsius stand Uwe auf, kochte Kaffee und bereitete sich aus dem Rest Müsli eine doppelte Portion. Ruth mümmelte das letzte Nutellabrötchen, dann spülten wir und verstauten alle Sachen im Wagen. Die Schlafsäcke nahmen wir bereits aus dem Bett, damit wir den Camper nicht wieder aufklappen müssen. An der Rezeption bezahlten wir die Rechnung und machten uns auf den Weg. In Gobabis tankten wir noch einmal, holten Geld, und da es einen Wimpy gab, wünschte sich Ruth eine Portion Pommes. Entlang der Strecke nach Windhoek waren kilometerlange Baustellen mit einspuriger Verkehrsführung. Glücklicherweise trafen wir immer dann ein, wenn unsere Fahrtrichtung fahren durfte. Kurz nach Mittag kamen wir bei der Pension an und konnten unser Zimmer beziehen, das wir innerhalb weniger Minuten mit sämtlichem Krempel aus allen Fächern und Ritzen des Autos verwüsteten. Aber anstelle aufzuräumen, fuhren wir mit dem nun leeren Wagen in die Stadt, brachten einen Stapel Handtücher in die Wäscherei, holten unsere Kiste und Reisetaschen bei Savanna und fuhren zum Craft Center in der Innenstadt. Dort bummelten wir ein wenig durch die Souvenirstände. Unser Hauptziel war aber das Craft Café, wo wir uns eine leckere Quiche und ein Sandwich schmecken ließen. Später ging es wieder zur Pension. Dort begann das große Aufräumen: Alles, was in Namibia bleiben sollte, kam ordentlich in die Ausrüstungskiste. Der Rest wurde nahezu vollständig auf die drei Reisetaschen verteilt. Am Ende (der Prozedur und auch unserem eigenen) hatten wir ein gutes Gefühl, für alles einen Platz finden zu können. Nun war es schon höchste Zeit für eine Dusche, denn pünktlich um sieben brachte uns ein Taxi zum Restaurant „Am Weinberg“. Am ersten Abend unserer Reise hatte es uns dort so gut gefallen, dass wir hier den Kreis schließen wollten. Wieder war es sehr lecker. Während Ruth als Vorspeise eine Ingwer-Möhren-Suppe aß, verzichtete Uwe und bestellte nach dem Oryx noch einen Nachtisch. Der Wein sorgte dafür, dass wir nach dem Essen Mühe hatten, die Augen offen zu halten. Auf unser Taxi warteten wir an der frischen Luft. Als eine Baby-Katze auftauchte, war es um Ruth geschehen, und die beiden spielten ein wenig. Die Betten in der Pension fingen uns auf, als die Schwerkraft mit voller Macht zuschlug.
Kilometer: 307
Teil 6518. Feb. 2015
Mittwoch, 13. August 2014 – Rückflug
Casa Piccolo, Windhoek
Obwohl die Betten weich und bequem waren, konnten wir nicht sehr gut schlafen. Die vielen Erlebnisse der vergangenen Wochen und Gedanken an das Ende unseres Urlaubs drängten sich ins Bewusstsein. Außerdem galt es ja noch das Abenteuer mit unserem gesamten Gepäck zu bestehen. Und zumindest bei Ruth kündigten sich deswegen gleich mal ein paar Bauchschmerzen an. Am Morgen duschten wir, frühstückten trotz aller Bedenken lecker und packten dann alles in die Rucksäcke und Taschen. Die Sachen ließen wir in der Pension bei unserer Maske, die schon vor einiger Zeit wohlbehalten aus Swakopmund eingetroffen war. Die Fragen, wie wir das viele Gepäck diesmal nach Hause bekommen sollten, verdrängten wir erneut. Stattdessen fuhren wir wieder zum Craft Center, bummelten ein wenig durch die Innenstadt, erstanden noch ein paar letzte Souvenirs (allerdings nur noch klitzekleine Sachen) und aßen im Café zu Mittag. Eigentlich hatte sich Uwe sehr auf den leckeren Applecrumble gefreut, hörte nach der Quiche aber doch auf den Verstand bzw. seinen Magen, der bereits satt war. So kommt dieser leckere Nachtisch eben beim nächsten Mal wieder auf den Tisch – nach der Reise ist vor der Reise, und was gibt es Schöneres, als sich den Abschiedsschmerz mit einer neuen Urlaubsplanung zu vertreiben?
Auf dem Weg zur Pension holten wir unsere sauberen Handtücher ab und packten sie in die Ausrüstungskiste. Ein bisschen Zeit vertrieben wir uns noch im Innenhof des Casa Piccolo. Da wir die Zwei-Meter-Maske nicht wieder umständlich auf das Autodach kleben wollten, ließen wir sämtliches Gepäck in der Pension, um es später auf dem Weg zum Flughafen mit dem Shuttlebus abzuholen. So brachten wir nachmittags das Auto zu Savanna und erläuterten dort alle Kleinigkeiten, die unserer Meinung nach zu richten sind. Insbesondere die eine Metallschnalle zum Schließen des Daches war vor wenigen Tagen vollständig gerissen und hielt seitdem nur noch mit einem Kabelbinder. Ansonsten hatte es auch dieses Mal wieder keine Probleme oder Pannen mit dem Wagen gegeben. Die Starterbatterie, die ausgetauscht werden musste, spielte für uns keine Rolle, da dieser Defekt an der dafür am besten geeigneten Stelle auftrat: in Swakopmund bei der Pension 50 Meter von der Werkstatt entfernt, als wir auf das Auto nicht angewiesen waren. Mit Rene und Berti unterhielten wir uns noch eine ganze Zeit über die Buschcamper. Als neue Variante werden diese auch auf Fahrzeuge mit Extra-Cab montiert. Unser langjähriger Fahrer brachte uns zum Flughafen. Da wir die einzigen Fahrgäste waren, störte der Umweg in Klein-Windhoek niemanden, und wir konnten uns mit sämtlichem Gepäck im Bus breit machen. Als wir den Fahrer fragten, auf wie viele Personen er von der Menge der Taschen schließe, vermutete er mindestens vier. 😗 Am Flughafen steuerten wir zunächst die erste Station für die Erstattung der Mehrwertsteuer an. Aus unseren Erfahrungen vom letzten Jahr kannten wir die Prozedur und waren uns sicher, diesmal mit den Belegen alles richtig gemacht zu haben. Die Beamtin hatte auch nichts zu beanstanden. Später stellte sich jedoch heraus, dass eine der vier Quittungen nicht bearbeitet werden konnte, weil es sich lediglich um die Seite eines einfachen Quittungsblockes handelte. Der Verkäufer im Craft Center hatte dort zwar alle notwendigen Informationen eingetragen (insbesondere VAT-Registration-Number und unseren Namen und Anschrift), aber leider nur per Hand. Eine solche Quittung könne ja jeder schreiben, und somit sei sie nicht gültig. Es fehle mindestens ein Stempel des Verkäufers oder eine Quittung auf einem eigenen Vordruck. Wir verstehen, dass so etwas selbstverständlich absolut fälschungssicher ist. 😉 In der Schlange zum Check-In trauten wir unseren Augen kaum, trafen wir doch überraschenderweise unsere ehemaligen Nachbarn aus Niederkassel. Inspiriert von unseren Erzählungen all die Jahre und Fotos, die wir ihnen noch vor einigen Monaten gezeigt hatten, waren die beiden Rentner mit einer geführten Tour zum ersten Mal in Namibia unterwegs gewesen und begeistert. Bei der Gepäckaufgabe gab es wider Erwarten keinerlei Probleme. Die dritte Reisetasche sowie die Maske wurden anstandslos akzeptiert, letztere als Sperrgepäck aufgegeben, das Handgepäck glücklicherweise nicht gewogen. Lediglich beim Durchleuchten gab es eine Überraschung, mit der wir niemals gerechnet hätten: Ruth hatte ja die kleine Vogeltränke gekauft. Sie besteht im Wesentlichen aus einer Flasche in einem Drahtgestell. Dieses Mitbringsel wurde nun beanstandet. Die Glasflasche sei gefährlich und dürfe im Handgepäck nicht mitgenommen werden. Bislang waren wir davon ausgegangen, dass lediglich die Flüssigkeiten, die sich in Flaschen befinden können, verboten seien. Da wir jedoch nicht so schnell auf das Souvenir verzichten wollten, wandten wir ein, dass man ja im Duty Free Shop ebenfalls Glasflaschen (mit Inhalt) kaufen und dann im Handgepäck mitnehmen könne. Ja, das stimme, aber die gekauften Alkoholika würden ja separat in einer Tüte eingeschweißt. Aha! Gut, dann wollten wir unsere „Waffe“ eben auch einschweißen lassen. Darauf ließ sich die Beamtin nicht nur ein, sondern verließ sogar ihren Posten und begleitete uns mit in den Laden. Dort schnappten wir uns die erstbeste Flasche Amarula und ließen sie an der Kasse zusammen mit unserer Vogeltränke einschweißen. Nun konnte damit zum Glück nichts mehr passieren, und wir durften sie behalten. Den Sinn dahinter verstanden wir mal wieder nicht. Afrika ist toll! Wir ließen uns in einer 30-minütigen Prozedur ein bisschen Mehrwertsteuer zurückerstatten und saßen dann mit unseren ehemaligen Nachbarn zusammen und erzählten uns Urlaubserlebnisse. Pünktlich ging es zum Flugzeug. Der Flug war in Ordnung, das Abendessen genießbar, nur schlafen konnten wir nicht sehr viel. Über Zentralafrika gab es einige Turbulenzen.
Teil 6618. Feb. 2015
Donnerstag, 14. August 2014 – Wieder zu Hause
Ziemlich unausgeschlafen verließen wir viertel nach sieben in Frankfurt den Flieger. Wir hatten schnell unsere Taschen, und auch das Sperrgepäckband spuckte als erstes und einziges Trum die verpackte Zwei-Meter-Maske aus. Unser – natürlich selbstgewähltes – Problem war der manuelle Transport unseres Gepäcks. So lange wir Gepäckwagen benutzen konnten, ließ sich alles einigermaßen bewegen. Aber für die Busfahrt von Terminal 2 nach Terminal 1 und vom Bahnhof zum Gleis stehen diese Gepäckwagen nicht mehr zur Verfügung. Uwe trug den Fotorucksack und in jeder Hand eine Reisetasche. Ruth hatte ebenfalls einen Rucksack, eine kleine Fototasche, eine Reisetasche mit Rollen und die Tüte mit den gefährlichen Flaschen. So wäre es gerade so gegangen. Nur die Maske war eindeutig zu viel. So mussten wir die Strecken ohne Gepäckwagen etappenweise und dreifach zurücklegen. Wir fuhren z. B. eine Rolltreppe, dann setzte Uwe die Taschen ab, fuhr zurück und holte die Maske hinterher. Dann war da noch die Sache mit dem Rail-and-Fly-Ticket. Die Zugfahrkarte für die Hinfahrt hatten wir vor der Reise zu Hause über das Internet erstellt und ausgedruckt. Für die Rückfahrt war das aufgrund des großen zeitlichen Vorlaufs jedoch noch nicht möglich gewesen. Nun wollten wir die Rückfahrtickets am DB-Automaten abholen. Doch leider akzeptierte dieser keine der eingegebenen Nummern. Ein Anruf bei der Hotline der Deutschen Bahn dauerte eine Viertelstunde, führte über drei Gesprächspartner, bei denen Uwe sein Sprüchlein aufsagte, endete jedoch ohne Ergebnis. Für die korrekte Aushändigung der Rail-and-Fly-Ticketnummern sei die Fluggesellschaft verantwortlich, bei der wir gebucht hätten. Vielen Dank, wir freuen uns, endlich wieder in Europa zu sein. Endlich funktioniert mal wieder was! Auch Deutschland ist toll! Völlig genervt wählten wir wieder die Internet-Variante und luden die Tickets als PDF ins Smartphone. Wie sich herausstellte, reichte dies für den Scanner der Schaffnerin im ICE aus. Im Gepäck-vor-zurück-vor-Verfahren erreichten wir sehr knapp den Zug. Während Ruth die Maske schon mal in die offene Zugtür schob, damit dieser nicht abfahren konnte, eilte Uwe noch mit zwei Taschen die Treppe herunter. Beim nächsten Mal lassen wir uns lieber wieder mit dem Auto in Frankfurt abholen. Im Zug führten wir noch ein sehr nettes Gespräch mit einer Familie, die ebenfalls aus Namibia zurückkam. Sie erklärten, dass sie schon seit Windhoek voller Mitleid unser ganzes Gepäck bestaunen würden. Allerdings könnten sie sich auch beim besten Willen nicht vorstellen, warum wir ein Bügelbrett transportieren würden. Zu Hause waren wir dann ziemlich fertig, aber glücklich.
Unsere elfte Afrikareise liegt hinter uns. Nach der Jubiläumsreise im Jahr davor war uns klar, dass wir die Erwartungen hinsichtlich Tiersichtungen erheblich herunterschrauben mussten. In 2013 haben wir so viel von unserem Glück verbraucht, dass dies sicherlich nicht so weitergehen konnte. Im Nachhinein können wir sagen, dass es wieder ein erlebnisreicher und sehr erfolgreicher Urlaub war. Gerade weil die vorherige Reise so perfekt gewesen war, hatten wir nicht viel an der Route geändert. Uwe sucht zwar immer nach neuen, für uns unbekannten Strecken, aber wir wollen stets auch bekannte Orte besuchen. Unsere persönlichen Highlights waren die riesigen Schwärme der Blutschnabelweber, die wir zum ersten Mal beobachten konnten, die unerwartete Sichtung der Bushbabies, der Leopard im Moremi, das große Löwenrudel bei Savuti, die braune Hyäne im KTP und natürlich die vielen unterschiedlichen und besonderen Vögel. Ruth macht sich sehr viel Mühe, alle Vogelsichtungen in ihrer Handy-App zu verzeichnen. So haben wir während dieser Reise 173 verschiedene Arten bestimmen können, darunter viele für uns zum ersten Mal. Die Anziehungskraft, die das südliche Afrika auf uns ausübt, ist ungebrochen. Es wird nie langweilig, dort unterwegs zu sein und Spannendes zu erleben. Die nächste Reise ist geplant.
Teil 6721. Feb. 2015
Am Ende unseres Reiseberichts wollen wir uns bei euch allen ganz herzlich bedanken: Für die unzähligen lieben Anmerkungen, PMs, das Danke-Knopf-Drücken und für eure Geduld, wenn es zwischen zwei Etappen mal etwas länger gedauert hat. Das Aussuchen der Fotos und Aufbereiten des Textes hat uns so viel Spaß gemacht, dass wir uns vorstellen könnten, mal wieder einen Reisebericht zu schreiben. 😉 Hoffentlich fahrt ihr dann wieder mit.
Bis dahin eure Eulenmuckels
Zum Schluss haben wir noch zwei Bilder für euch: unser Kalender-Titelblatt als eine Art Zusammenfassung der Reise und eine Zusammenstellung verschiedener Springbock-Portraits, die wir während des Urlaubs gesehen haben. Man begegnet diesen Antilopen ja sehr oft und könnte meinen, eine sieht aus wie die andere. Meist werden sie kaum beachtet, obwohl sie wirklich hübsch sind.