Es geht bergab

2 Antworten · 1'075 Aufrufe · gestartet 14. Okt. 2014 von Rodrigo
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Themenstarter1'125 Beiträge · seit 200614. Okt. 2014 · #1
Lässt sich leicht sagen. Aber manchmal fasst einen die Verzweiflung.. Ich bin fast verwurzelt in Mafikeng, der Gründerstadt der Pfadfinder; meine Schwester samt Familie lebt seit den Achtzigern dort - ich war seitdem etwa 30x dort.
Ich habe im vergangenen Sommer diese Stadt als die vermüllteste Stadt erlebt, die ich bisher gesehen habe. Die Müllabfuhr streikt - um irgendwelche Forderungen durchzusetzen. Irgendwann setzen sie sich durch (die Gewerkschaft und die herrschende Partei ANC lassen sich eh' nicht recht trennen), dann wird weiter gestreikt, um für die Streikzeit den vollen Lohn zu bekommen. Irgendwann setzen sie sich durch, danach wird weiter gestreikt, um auch für diesen Streik vollen Lohnausgleich zu erhalten. Nach einiger Zeit wird auch dies erfüllt - dann kommt der nächste Streik, um den letzten bezahlt zu bekommen - und so geht die Geschichte fort. Ergebnis: Seit Monaten wird kein Müll beseitigt. Nun hat man 'orangene Truppen' eingesetzt, bestehend aus Arbeitslosen, die alles aufarbeiten sollen, eine zweite Ebene sozusagen. Die gibt es. Ich höre, dass sie gelegentlich auch etwas tun. Ich selber habe sie vor Ort nie anders - von morgens bis abends -. als in der Siesta ruhend gesehen. Jetzt ist wegen Unregierbarkeit Mafikeng unter einen sog. 'Administrator' gestellt worden. Die Gemeindearbeiter streiken seitdem und haben angekündigt, das Trinkwasser vergiften zu wollen. Scheint nicht passiert zu sein, meine Verwandtschaft lebt noch. Aber sie wollen das Wasser abdrehen.
Ich bin alter Gewerkschafter - aber hier stehen mir die Haare zu Berge..
Und wer von uns SA-Urlaubern weiß davon? Kaum jemand.. Obwohl inzwischen aus eben diesen Gründen viele Städte unter die Oberherrschaft von 'Administratoren' gestellt worden sind.
Wir Touristen schweben. Wir schweben in idealisierten Landschaften und Sehnsüchten.. Die Realität seht anders aus, auch wenn es nicht immer wie in Mafikeng aussehen muss.
Und wie sieht es in Namibia aus?
Völlig desillusioniert
Rodrigo
Omnia vincit amor
1'324 Beiträge · seit 201314. Okt. 2014 · #2
Das sind afrikanische Momente.
Manches hat sich in diesem Land zum Besseren entwickelt, aber sicher nicht alles.

Die "orangenen Truppen" habe ich dieses Jahr das erste mal gesehen. Die säuberten die Straßenränder, was sogar einen gewissen Erfolg zeigte. Man sagte uns, die bekommen dafür Nahrungsmittelgutscheine.

Die ANC-Regierung begeht eine ständige Gratwanderung zwischen guten Ideen und Reformen auf der einen Seite. Und auf der anderen Seite weiter der alten Klientel zu gefallen.

Sehr schwierig das ganze.


Gruß!
der Joe
"I detest racialism, because I regard it as a barbaric thing, whether it comes from a black man or a white man." Nelson Mandela 10x Süfafrika, 2x Namibia, 1x Botswana, 1x Zimbabwe, 1x Tanzania
Gast14. Okt. 2014 · #3
Rodrigo schrieb:
Und wie sieht es in Namibia aus?
Gut - jedenfalls wurde seit wir hier sind der Muell jeden Mittwoch zuverlaessig abgeholt. Egal ob Weihnachten oder sonst ein Feiertag.
Gestreikt wird wohl gelegentlich auch mal - meist die Taxifahrer (was wohltuend fuer den Verkehr ist) und einmal bisher die Tankwarte. Hat unser Leben aber nicht sehr beeintraechtigt, ausser dass unsere Angestellten zu spaet zur Arbeit kamen.
Auch wir haben ab und an afrikanische Momente, aber sie sind auszuhalten 😉

lg
WoMa