Autofahren in Namibia

50 Antworten · 13,7k Aufrufe · gestartet 05. März 2014 von joli
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Themenstarter3'491 Beiträge · seit 200605. März 2014 · #1
Hallo zusammen,
ich wende mich mal an die Namibia-Neulinge, von denen es ja immer mehr zu geben scheint. Vielleicht habt Ihr den heutigen AZ-Artikel zum Thema "Verkehrstote" gelesen. Danach ist also Namibia das Land mit den meisten Verkehrstoten je Einwohner. Was ich fast noch bemerkenswerter fand, ist der Umstand, dass die meisten Unfälle ohne Fremdbeteiligung geschehen, also selbstverschuldet sind. Ich gehe, ohne das untermauern zu können, mal davon aus, dass wir Touristen dabei eine herausragende Rolle spielen, weil wir mit den Straßenverhältnissen nicht klar kommen bzw. uns überschätzen. Wenn ich mit dieser Einschätzung richtig liege, dann nehme ich das mal zum Anlass, alle Namibia-Selbstfahrer darum zu bitten, dass sie ihre Tages-Etappen so bemessen, dass sie ihr Ziel ohne Hast und bei Tageslicht erreichen - auch dann, wenn mal ein Reifenwechsel erforderlich ist oder man sich wegen der Fotostopps etwas verbummelt. Ein weiterer Grund für Hetze kann sein, dass die angedachte Unterkunft bereits ausgebucht ist und man deshalb etwas anderes suchen muss. Klärt das am besten telefonisch vor dem Aufbruch zum nächsten Ziel.
Namibia sehen und sterben, muss man nicht wörtlich nehmen !
Gruß Joli
709 Beiträge · seit 201105. März 2014 · #2
Hi,

ich kann Joli nur beipflichten.

In NAM gibt es weltweit die meisten Verkehrstoten je 1000 Touristen.

Viele überschätzen sich bzgl Pistenfahrten. In der Geschwindigkeit, der Fahrzeugtechnik, dem eigenen Können.

Lieber einen langen Allrader, als ein 4x2-PKW.

Die Zeiten der T4A-Karte sind Richtwerte zu denen noch Zeiten für Pausen, Fotostops usw hinzukommen.

60km/h sind für Pisten schon schnell genug, außer man beherrscht so zu fahren: http://www.youtube.com/watch?v=T0w54yGpTc8

Aber man ist ja nicht auf der Flucht! Viele Pauschal-Selbstfahrertouren sind auch mit tgl. viel zu langen Strecken kalkuliert.

Und empfehlenswert sind in der Vorbereitung Offroadlehrgänge. Die gibt es in EU bei Offroad-Vereinen, Firmen oder Offroad-Zeitschriften und auch in NAM vor Ort. Die Lehrgänge sollten 2d dauern, sonst kann das notwendige Wissen nicht vermittelt werden.

Gruß

Rocky
-------------------------- ...der schon öfter 4x4 in Afrika war... http://www.4x4club-leipzig.de/ http://www.baja-deutschland.de/
zuletzt bearbeitet 05. März 2014
727 Beiträge · seit 200805. März 2014 · #3
Rocky1964 schrieb:Hi,
Lieber einen langen Allrader, als ein 4x2-PKW.
Denkst Du nicht dieser Tipp ist etwas vereinfacht. Gerade Allrader sind oft hoch, haben einen hohen Schwerpunkt und rollen leichter. So ein "langer Allrader" ist oft schwerer und im Grenzbereich viel schwerer wieder "einzufangen".

Lieber vernünftig fahren, dann ist das Auto eher zweitrangig.

Gruß

Dino
zuletzt bearbeitet 05. März 2014
709 Beiträge · seit 201105. März 2014 · #4
dino schrieb:
Rocky1964 schrieb:Hi,
Lieber einen langen Allrader, als ein 4x2-PKW.
Denkst Du nicht dieser Tipp ist etwas vereinfacht. Gerade Allrader sind oft hoch, haben einen hohen Schwerpunkt und rollen leichter. So ein "langer Allrader" ist oft schwerer und im Grenzbereich viel schwerer wieder "einzufangen".
Lieber vernünftig fahren, dann ist das Auto eher zweitrangig.
Gruß
Dino
Vereinfacht schon, aber ein leicht beladener Pickup mit Hardtop im Allradbetrieb bricht auf Pisten später aus, als ein voll beladener 4x2-PKW. Denn ein Pickup hat einen längeren Radstand und eine deutlich höhere Zuladungsreserve als ein PKW, unter der Voraussetzung gleiche Ausrüstung und Gepäck.
-------------------------- ...der schon öfter 4x4 in Afrika war... http://www.4x4club-leipzig.de/ http://www.baja-deutschland.de/
zuletzt bearbeitet 05. März 2014
2'664 Beiträge · seit 201205. März 2014 · #5
Rocky1964 schrieb:

Lieber einen langen Allrader, als ein 4x2-PKW.

Sorry Rocky,
da muß ich Dir vehement widersprechen.
Ja, es ist leichter mit einem 4x4 fehlendes Fahrkönnen zu kompensieren. Dafür fällt er auch schneller um für europäische Autobahnraser auf Schotterpisten. Oder für die 4x4-Steckenbleiber, wo man mit einem normalen VW Käfer durchfährt!

Dennoch sind die meisten Fahrzeuge der Einheimischen 2x4, sowohl PKW als auch Pickup. Und die meisten kommen fast überall hin, wo ein 4x4 auch hin kommt. Selbst zwischen den Dünen und nach Sandwich Harbour sind wir früher mit VW Käfer und entsprechender Bereifung gefahren, Millionen km abgelegt! Oder mit den Chevies, Fords, Dodges, Internationals, Datsuns oder sonstigen 2x4 Bakkies.

In einem Großteil der Anmietungen sind 4x4 bloß modischer Schnickschnack für zahlungskräftige Touristen, die ein großer Teil dieser Leute aufgrund der abgefahrenen Strecken eigentlich garnicht benötigte. aber ein 4x4 gehört dazu, daheim über die eigene Safari zu berichten. Ob das Sinn gemacht hat oder nicht, das ist eigentlich unerheblich.

Danke Joli, daß Du daran erinnert hast, aber Du erinnerst mich an den einsamen Rufer am großen Ozean, den so wenige wahrnehmen (wollen)!

In NAM baut sich zur Zeit ein weiteres schlimmes Verkehrsproblem auf, und das ist der Anstieg des Schwerlastvekehrs, der fast schon wie heute in Deutschland zum Schlachtfeld mutiert mit massenhaften Unfällen in diesem nach europäischen Verhältnissen verkehrsarmen Land.
7'296 Beiträge · seit 200605. März 2014 · #6
Swakop1952 schrieb:
Ja, es ist leichter mit einem 4x4 fehlendes Fahrkönnen zu kompensieren. Dafür fällt er auch schneller um für europäische Autobahnraser auf Schotterpisten. Oder für die 4x4-Steckenbleiber, wo man mit einem normalen VW Käfer durchfährt!
... ja, so sehe ich das auch. Und der 4x4 verleitet durch den höheren Bodenabstand auch leicht zum schnelleren Fahren, weil das Geprassel der Schottersteine von unten nicht so heftig ist.
4x4 für Ungeübte bedeutet, dass man erst dort steckenbleibt, wo der Abschleppwagen nicht mehr hinkommt. 😉

Und der VW Käfer war ein geniales Auto. Ich habe vor Jahren mal einen Test gelesen, bei dem sie einen Käfer gegen einen Mercedes G antreten lassen haben. Da ist der Mercedes öfter gescheitert als der VW. Ob das allerdings auch der gleiche Fahrer war oder die Ergebnisse dem Fahrkönnen zuzuschreiben waren, stand nicht dabei.
Mein Nachbar hat seinen Käfer bei 15-16% Steigung im Winter immer selbst angeschoben. Der hat im Standgas die Hinterräder weiter angetrieben. Wenn die Gripp bekamen, ist er gemütlich nebenher gelaufen, hat sich ins Auto gesetzt und ist losgefahren. Das war immer ein sensationeller Anblick. 😉

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
7'296 Beiträge · seit 200605. März 2014 · #7
joli schrieb:nehme ich das mal zum Anlass, alle Namibia-Selbstfahrer darum zu bitten, dass sie ihre Tages-Etappen so bemessen, dass sie ihr Ziel ohne Hast und bei Tageslicht erreichen
... besonders die Sache mit der Hast und dem Tageslicht möchte ich hier unterstreichen mit einem Erlebnis, das ich wohl schon öfter hier geschrieben habe und das fast danebengegangen wäre.

Im Anschluss an eine Radtour war ich mit einem VW Golf I unterwegs zum Sossusvlei. Wie (fast) jeder Erstbesucher wollte ich natürlich bei Sonnenaufgang an der Düne 45 sein. Leider hatte ich verpennt und kam erst eine halbe Stunde später los. Damals war die Strecke noch eine ziemlich üble Piste.

Um rechtzeitig dort anzukommen, bin ich im Dunkeln mit 80-100 km/h dorthin "gefegt" und habe dabei den ein oder anderen Geländewagen ziemlich zügig überholt. Lange Zeit ging es geradeaus, dann plötzlich um eine Kurve. Ich bin vom Gas und das Heck drehte nach außen. Durch Gasgeben und -wegnehmen kam die Kiste recht stabil um die Kurve (bei Bremsen wäre es wohl schon rum gewesen). Direkt nach der Kurve ging es runter zu einem Trockenfluss. Alle vier Räder haben abgehoben und sind genau im tiefsten Punkt wieder aufgesetzt. Mal abgesehen von dem schreckhaften Moment und dem furchtbaren Geräusch wäre die Situation ganz schnell ganz böse ausgegangen, wenn die Kurve in der Senke weitergegangen wäre. Auf dem Rückweg bei Tageslicht bin ich nur noch zwischen 40 und 60 km/h gefahren und habe trotzdem eine Felge verbeult.

Nachtfahrten auf Straße sind schon gefährlich wegen Tieren, auf der Fahrbahn laufenden Menschen oder unbeleuchteten Fahrzeugen, aber auf Piste sollte man das wirklich unbedingt vermeiden. Ich habe meine Lektion gerade noch rechtzeitig gelernt. Andere haben weniger Glück.

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
71 Beiträge · seit 201306. März 2014 · #8
Hallo!

Also ich weiß ja nicht wie es sonst ist, aber die letzten drei Wochen in denen ich in Namibia war, empfand ich den Verkehr als äußerst gering. Das was wir in Windhoek als starken Abendverkehr berichtet bekamen, habe ich hier in Österreich an einem ausgestorbenen Sonntag 😄 Auf der Autobahn von München nach Linz (250km) war mehr Verkehr als die drei Wochen in Namibia 😉

Ich habe mich in keiner einzigen Sekunde unsicher gefühlt, weder beim selbst fahren, noch aufgrund anderer Verkehrsteilnehmer. Niemand kam mir auf meiner Spur entgegen, niemand hat mich beim Überholen bedrängt, niemand hat sonst etwas getan was mir gefährlich vorkam. Die anderen Autofahrer empfand ich sogar als sehr gesittet - bei uns würde bei derart langen Geraden auf denen keine Blitzer zu erwarten sind niemand so diszipliniert die Geschwindigkeitsbegrenzungen einhalten. Vielleicht ist jetzt aber aufgrund der Nebensaison einfach auch weniger los.

Allrad hatte ich glaube ich für vielleicht 100km der 4200km angeschaltet. Auf keiner normalen Schotterpiste empfand ich eine Notwendigkeit dafür. In Aus auf der sehr sandigen Strecke zum Eagles Nest war es ok, den Spreetshoogte Pass rauf musste die Untersetzung rein und im Norden nach den Regenfällen wars im Schlamm manchmal ganz praktisch, aber sonst sollte ein umsichtiger Autofahrer mit 2x4 alles bewältigen zu können. Die größeren Reifen, die höhere Sitzposition, die große Bodenfreiheit und den längeren Radstand empfand ich hingegen als Vorteil des Hilux.

Mich wundert die Statistik ehrlich, weil ich sie mir aus meinen Erfahrungen nicht so recht erklären kann. So schlecht sind die meisten Pads dann auch nicht, dass das Auto einfach ausbrechen würde. Kurven werden mit Schildern angekündigt, sind aus 10km Entfernung zu sehen und meistens so schwach, dass sie in Deutschland noch als Gerade durchgehen würden 😄 Aber vielleicht sind die Touristen in der Hauptreisezeit tatsächlich so abgelenkt und so schlechte Autofahrer, dass das zusammenkommt.

Besonnen fahren ist immer gut und letztendlich sparen 10km/h mehr nur ein paar Minuten ein, auf die es im Urlaub kaum ankommen dürfte und sollte.

Lieben Gruß,
Wolfgang
85 Beiträge · seit 201206. März 2014 · #9
Hallo,
also ich glaube nicht, dass hier umsonst gewarnt wird.
Ich selbst schätze mich durchaus als einigermaßen versierten Fahrer (mit 50 - 70000 KM/ Jahr) ein , aber Schotterpisten sind was Anderes als deutsche Autobahnen.
Und so bin ich dankbar für die hier ausgesprochenen Warnungen und Hinweise und werde versuchen sie auf unsere ersten Selbstfahrertour in Namibia im Oktober zu beachten.

DANKE!!!

Gruß Thomas
1'059 Beiträge · seit 200606. März 2014 · #10
Face schrieb:
...

Ich habe mich in keiner einzigen Sekunde unsicher gefühlt, weder beim selbst fahren, noch aufgrund anderer Verkehrsteilnehmer.

...
Hallo Wolfgang

Aber das ist doch genau das, was so verheerend sein kann. Die Statistik wird ja nicht von ungefähr kommen und aus meiner Sicht ist eben diese oft falsche Sicherheit genau das Problem.

Ganz ehrlich; ich bin kein sehr erfahrener Autofahrer und ich habe mich auch schon dabei erwischt, dass auf einer pfeifengeraden Gravelpad - ohne es wirklich zu wollen - plöztlich 90 oder 100km/h auf dem Tacho standen. Auch wenn die bevorstehende Kurve schon von weitem Sichtbar und mittels Warnschildern angekündigt wird, kommt man zu schnel ums Eck und dann fehlt so verdammt wenig, dass die Karre ausbricht. Man darf das einfach nicht unterschätzen. Niemals.

Die letzten zwei Reisen in Afrika war ich mit meinem Bruder unterwegs und er ist ein sehr erfahrener, guter Autofahrer. Der hat ein ganz anderes Gespür für das Auto, ihm traue ich ein viel besseres Urteil zu. Trotzdem hat er mir dann und wann auf den Gravelpads erklärt, "hier" und "da" könne man schon noch etwas schneller fahren. Aber eben, genau das wollte ich nicht und hab mich eben doch zurück gehalten. Was ich sagen will: man fühlt sich manchmal wohl einfach zu sicher - und dann wird's gefährlich.

Ich war - vom Verhalten der anderen Verkehrsteilnehmer her gesehen - schon in ganz anderen Gegenden in Afrika unterwegs. Da ist Namibia schon eher "easy" (nur im Vergleich). Aber dass du keine Dränglereien, gewagte Überholmanöver und ähnliches erlebt hast, erstaunt mich trotz des eigentlich schon geringen Verkehrsaufkommen doch etwas. Vieleicht bist du/ seid ihr einfach nie die B1 gefahren, dann mag das ja schon sein. 😛

Liebe Grüsse
Samuel
Reiseberichte: #safaribrothers on Tour Vol. IX- safaribrothers.ch Blog «In Gedenken - Kurzer Kgalagadi-Trip 2024» #safaribrothers on Tour Vol. VIII - safaribrothers.ch Blog «Du hast es so gewollt - 8 Wochen Campingsafari in Namibia und Botswana 2021/2022» #safaribrothers on Tour Vol. VII - «Kalahari» #safaribrothers on Tour Vol. VI - «Wo Problem?»
71 Beiträge · seit 201306. März 2014 · #11
kalachee schrieb:
Aber das ist doch genau das, was so verheerend sein kann. Die Statistik wird ja nicht von ungefähr kommen und aus meiner Sicht ist eben diese oft falsche Sicherheit genau das Problem.
Ich glaube ja dass die Statistik stimmt und ich habe auch auf dem Transfer vom Flughafen nach Windhoek ein ausgebranntes Wrack und einen frischen Unfall gesehen. Aber selbst habe ich es wie gesagt nicht erlebt. Weniger wegen falscher Sicherheit, sondern weil ich glaube ich ein ganz gutes Gefühl dafür habe, was wann geht (das lernt man wenn man zuhause über 300 heckgetrieben Pferde ohne elektronische Fahrhilfen bewegt). Manchmal gehen 90 auf festgepresster, fast asphaltähnlicher Erde, zwischen Duwisib und Sesriem war die Pad so mies dass 40 schon zuviel waren.

Ich glaube einfach - auch aus der Erfahrung hierzulande - dass sehr, sehr viele Autofahrer eigentlich schlechte Autofahrer sind und das wird sich in Namibia dann auch nicht ändern. Die wären in Grenzsituationen in Deutschland genauso überfordert und würden genauso einen Unfall bauen wie im Urlaub. In Namibia sind nur die Gefahren neu und daher passiert dann vermutlich eher etwas und auch schwereres, weil es viel unvorbereiteter passiert.

Meine Erfahrung ist nur, dass ich es mir nach all den Berichten hier im Forum viel, viel schlimmer vorgestellt habe und ich persönlich auf Eis & Schnee im europäischen Winter, auf regennasser Fahrbahn im Sommer, bei dichtem Nebel schon viel, viel gefährlichere Situationen erlebt habe als in Namibia. Vielleicht sind 3 Wochen keine geeignete "Stichprobe", vielleicht lag es auch an den vier nagelneuen Pneus die der Wagen drauf hatte aber mit besonnenem Fahrstil, deutlicher Geschwindigkeitsreduktion schon etwas VOR der Kurve (oder Kreuzungen) und aufmerksamer Fahrweise (scannen der Fahrbahn auf Schlaglöcher, obwohl auch davon letztendlich weniger waren als befürchtet) sollte meiner Meinung nach eigentlich jeder unfallfrei durch den Urlaub kommen.

BTW hatte ich zumindest beim Hilux das Popometergefühl dass der Wagen trotz Heckantrieb massiv über die Vorderräder schiebt und nicht eine Heckschleuder ist wo dich dein Hinterteil überholen will.

Lieben Gruß,
Wolfgang

PS: Die B1 bin ich vom Etosha bis nach Keetmanshoop gefahren und halbwegs Verkehr würde ich auch nur das nennen, was zwischen Tsumeb und Windhoek abging. Da kommt dann doch ca. ein Fahrzeug alle 2-3 Minuten entgegen und man wird wenn man 100km/h fährt 2-3x pro Stunde überholt und überholt ebensooft einen LKW.
195 Beiträge · seit 201306. März 2014 · #12
joli schrieb:Ich gehe, ohne das untermauern zu können, mal davon aus, dass wir Touristen dabei eine herausragende Rolle spielen, weil wir mit den Straßenverhältnissen nicht klar kommen bzw. uns überschätzen.
Bei den allermeisten Unfällen mit denen ich konfrontiert wurde (und das waren schon wirklich einige), handelte es sich um Unfälle von Einheimischen auf Teerstrassen häufig verbunden mit überhöhter Geschwindigkeit oder waghalsigen Überholmanövern.

Weiß also nicht, ob die Touris in den absoluten Zahlen tatsächlich eine so große Rolle spielen.

Trotzdem gibt es natürlich auch viel zu viele Touristenunfälle und die Hinweise auf langsames und angepasstes Fahren sicher richtig, alleine schon im Sinne eines entspannteren Urlaubs.
33,1k Beiträge · seit 200606. März 2014 · #13
Moin Joli,

schau mal hier: http://www.namibia-forum.ch/forum/11-diverses/281968-fahrt-vorsichtig.html (die AZ war eben knapp 14 Tage "zu langsam"). Aber bei dem Thema hält wirklich doppelt besser 🙂

Viele Grüße aus Windhoek
Christian
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
33,1k Beiträge · seit 200606. März 2014 · #14
Hi Piolet,
Bei den allermeisten Unfällen mit denen ich konfrontiert wurde (und das waren schon wirklich einige), handelte es sich um Unfälle von Einheimischen auf Teerstrassen häufig verbunden mit überhöhter Geschwindigkeit oder waghalsigen Überholmanövern.
das stimmt, bei Namibiern sind es vor allem die Frontalzusammenstöße bei waghalsigen Überholmanövern von Fahrzeugen, die mind. 10 Leute auf der Ladefläche geladen haben.
Weiß also nicht, ob die Touris in den absoluten Zahlen tatsächlich eine so große Rolle spielen.
Es gibt schon extrem viele Unfälle von Touristen. Deshalb sind Mietwagen (dank der Versicherung bzw. der Totalschadenrate) ja so teuer hier in Namibia und deshalb schließen Vermieter immer mehr Straßen aus bzw. regulieren die Fahrgeschwindigkeiten per Vertrag. Touristen haben aber meist Unfälle ohne andere Verkehrsteilnehmer, da sie z.B. auf Sandpads ihre Geschwindigkeit nicht anpassen und ihr Fahrzeug "rollen". Wie ich schon in dem anderen Thread vor 14 Tagen zu dem Thema schrieb: Man muss sich nur mal bei den großen Vermietern anschauen, was da für Totalschäden jede Woche auf den Hof geschleppt werden...

Viele Grüße aus dem heute sonnigen Windhoek
Christian
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
6'152 Beiträge · seit 200606. März 2014 · #15
Hallo,

ich schliese mich Piolet und Christian an, wir waren jetzt 4 Wochen unterwegs-
haben einige Unfälle gesehen , immer von einheimischen , weil mit überhöhter
Geschwindigkeit gefahren wurde , gerade auf der Teerpad Rundu - Divundu-
bei Regen, vor uns ein Auto raste kam in ein Schlagloch - drehte sich fuhr ins
Gelände und kam auf dem Dach zu stehen. Gottseidank ist nichts den Leuten
passiert. Auch in Botswana fiel und die Raserei der Einheimischen sehr stark
auf.
Muss jetzt gerade daran denken, als wir 1997 das erste Mal nach Namibia kamen- da sah man fast nur alte Autos - bei uns sagt man Rappelkisten - mit denen konnte nicht so gerast werden und heute man sieht nur neue Autos, da ist die Versuchung auch viel grösser schneller zu fahren.
Liebe Grüsse
Hanne
8 x Südafrika,1x Zimbabwe, 22x Namibia, 4x Botswana, 1x Lesotho, 1 x Swasiland
Gast06. März 2014 · #16
Face schrieb:
Meine Erfahrung ist nur, dass ich es mir nach all den Berichten hier im Forum viel, viel schlimmer vorgestellt habe und ich persönlich auf Eis & Schnee im europäischen Winter, auf regennasser Fahrbahn im Sommer, bei dichtem Nebel schon viel, viel gefährlichere Situationen erlebt habe als in Namibia.
Vielleicht warst du einfach durch das Forum hier schon sensibilisiert und hast darum umso mehr aufgepasst. Gerade aber die Ueberzeugung, dass es in Europa viel gefaehrlichere Situationen gibt und man ja schliesslich diese auch gemeistert hat, fuehrt aber bei vielen Touristen dazu, dass sie die Gravelpads in Namibia unterschaetzen.
Ich bin froh dass du unfallfrei geblieben bist, was sicherlich auch an deiner besonnenen Fahrweise gelegen hat.
Die Unfaelle von denen ich weiss folgen meistens einem Muster: man faehrt so dahin auf Gravel, die Strasse ist leer, kein Gegenverkehr, man unterhaelt sich nett mit der Familie, guckt sich die Gegend an - und erhoeht (vielleicht unbewusst) dabei die Geschwindigkeit. Irgendwann kommt etwas was man nicht vorausgesehen (oder unterschaetzt) hat: eine Fahrrinne, ein Schlagloch, ein Rivier, eine kleine Kurve. Vielleicht auch ein Tier das auf die Strasse rennt (muss ja nicht immer gleich ein Kudu sein). Man weicht aus, mit einer recht heftigen und ploetzlichen Lenkbewegung, bremst vielleicht gleichzeitig stark ab. Der Wagen stellt sich quer, mal lenkt dagegen, das Heck schwenkt in die andere Richtung. Abhaengig von der Anfangsgeschwindigkeit kann sich das dann so aufschaukeln dass sich das Auto irgendwann ueberschlaegt. Wie oft, haengt auch von der Geschwindigkeit ab. Ein Ueberschlag bei 90km/h ist keine Seltenheit.
Wir haben schon einige Autos nach solchen Unfaellen zu sehen bekommen. Unter anderem eins wo eine ganze Familie drin gesessen hat, mit Kindern. Zum Glueck ist niemand schlimm verletzt worden.
Leider ist die Einsicht, einen Fahrfehler begangen zu haben, hinterher meist nicht besonders ausgepraegt - da ist dann das Auto schuld, die Reifen, die Kupplung, die Bremsen, der Kudu der ploetzlich auf der Strasse stand. Die Erinnerung an den wirklichen Ablauf der Ereignisse ist auch oft getruebt. Man kann aber heutzutage relativ genau feststellen, wie es zu dem Unfall kam, und daraus ergibt sich eben das oben genannte Muster.
Wenn jeder so fahren wuerde wie du, Wolfgang, haetten wir das Problem nicht, Viele tun es wahrscheinlich, aber viele eben auch nicht. Einige haben Glueck und es passiert nichts, aber andere bauen Unfaelle, und haben vielleicht ein Leben lang darunter zu leiden.
Darum bin ich jedem dankbar, der auf einer solchen Plattform wie diesem Forum auf die Gefahren hinweist und warnt.
Wenn auch nur ein Unfall dadurch vermieden werden kann, finde ich hat es sich schon gelohnt.
Face schrieb:PS: Die B1 bin ich vom Etosha bis nach Keetmanshoop gefahren und halbwegs Verkehr würde ich auch nur das nennen, was zwischen Tsumeb und Windhoek abging. Da kommt dann doch ca. ein Fahrzeug alle 2-3 Minuten entgegen und man wird wenn man 100km/h fährt 2-3x pro Stunde überholt und überholt ebensooft einen LKW.
Auch da hast du Glueck gehabt, bist vielleicht nicht grad an einem Freitag nachmittag Richtung Norden bzw Sonntag nachmittag Richtung Sueden gefahren. Ich habe da schon einige abenteuerliche Ueberholmanoever und schlimme Raserei erlebt, und, ja, das sind meistens Einheimische die da schneller ans Ziel kommen wollen als es gesund ist.

Allen einen unfallfreien Urlaub
WoMa
2'060 Beiträge · seit 201306. März 2014 · #17
Wie schon geschrieben, passieren Unfälle häufig aus Selbstüberschätzung, sowohl von Touristen, die sich für gute Fahrer halten, aber die Verhältnisse im Land nicht kennen, als auch von Einheimischen, die die Verhältnisse zu gut kennen und sie zu beherrschen glauben.

Wir haben auf einer Namibia-Reise einen einheimischen Fahrer erlebt, der bei vollbesetztem Reisebus mit der höchstmöglichen Geschwindigkeit von Windhoek nach Rundu raste. Da unser Flugzeug 3 Stunden Verspätung hatte, kamen wir auf der Fahrt in die Dunkelheit, dazu gab es immer wieder grell blendende Blitze und Regengüsse, in den Dörfern liefen noch Menschen und Tiere herum - ein Wunder, dass da nichts passierte!

Da hätte ich ja noch gesagt: Was hätte er machen sollen? Wir waren in der Lodge angekündigt, und die hätten uns vielleicht nicht nach Mitternacht empfangen wollen.

Aber auf der Rückfahrt von Vic Falls nach Rundu lief es ähnlich, obwohl da nichts Unvorhergesehenes dazwischen kam. Der Fahrer war völlig übermüdet auf der sehr langen Strecke, die er praktisch ohne große Pausen fuhr, zumal er ununterbrochen in die tiefstehende Sonne schauen musste. Ein Planungsfehler, es hätte eine Zwischen-Übernachtung sein müssen!

Schließlich lieferte er noch ein "Bravourstück" ab: Während der Fahrt zum Hoba-Meteoriten regnete es ununterbrochen, Wasser stand auf der Sandpad. Der Busfahrer machte ein längeres Wettrennen mit einem PKW, wir dachten mehrmals, er würde wegrutschen und Schlimmeres! Der Fahrer war wohl sauer, weil dieser Ausflug zwar von uns bezahlt, aber nicht im ursprünglichen Plan enthalten gewesen war. Wir hatten Mühe, ihn zu beruhigen und sich auf der Rückfahrt vom Meteoriten einer vorsichtigeren Fahrweise zu befleißigen.

Deshalb waren wir sehr positiv überrascht, wie vor- und umsichtig voriges Jahr unser Guide mit dem Hilux fuhr, als wir ohne Gruppe unterwegs waren. Großes Kompliment und Dankeschön, das trägt doch wesentlich zum Genießen so einer Reise bei.
Liebe Grüße von Gabriele ----------------------------------------------- Jeder Augenblick ist von unendlichem Wert. (Seneca)
71 Beiträge · seit 201306. März 2014 · #18
Wichtig ist wahrscheinlich sich ein paar elementare Dinge einzuprägen, die generell das Unfallrisiko minimieren.

- immer beide Hände aufs Lenkrad (mache ich zuhause nicht immer, in Namibia außer zum Schalten schon)

- Ablenkungen vermeiden (Karten lesen kann der Beifahrer oder man bleibt stehen, zum Essen und Trinken kann man ebenso anhalten oder man nützt ein wirklich unbedenkliches Stück der Strecke)

- vor erkennbaren Hindernissen (dazu gehören Kurven, Senken, Kuppen, Schlaglöcher und Tiere am Fahrbahnrand) das Tempo frühzeitig reduzieren und auf alles vorbereitet fahren (Fuß über der Bremse)

- bei zu spät erkannten Hindernissen Tempo reduzieren aber keine wilden Manöver machen. Lieber mit dem etwas reduzierten Tempo durch das Schlagloch durch und das Lenkrad gerade halten, als den Wagen mit Ausweichmanövern aufschaukeln. (Ich persönlich würde sogar lieber ein Kudu nach Vollbremsung mit verbleibenden 50-60km/h rammen als mich beim Ausweichen mit dann eher 60-70km/h überschlagen)

- ausreichend Pausen einlegen, vor allem zum fotografieren stehenbleiben (wird eh besser als wenn man aus dem fahrenden Auto raus knipst)

Wenn man das beachtet, halte ich jedenfalls nach meiner Erfahrung Namibia für nicht gefährlicher als Deutschland.

Grüße,
Wolfgang
33,1k Beiträge · seit 200606. März 2014 · #19
Hi zusammen,

in Ergänzung zu Wolfgangs Liste gibt es eigentlich zwei bis drei Grundregeln:

1) Die runden Schilder wo 120 oder 100 (oder was auch immer drauf steht) sind nicht rund, weil die Zahl darin für jeden Reifen gilt 😉 sondern es ist schon die Maximalgeschwindigkeit für das gesamte Auto. Viele Vermieter legen diese in ihren Mietverträgen - nicht ohne Grund - auf 100 bzw. 80 km/h fest. Das macht auch durchaus Sinn! Man passt seine Geschwindigkeit der Straße an - nicht die Straße passt sich einem an!

2) Nachtfahrten unter allen Umständen vermeiden - und wenn es wirklich mal nicht anders geht, dann extrem vorsichtig (=langsam) fahren.

3) Immer links fahren! Auch wenn man denkt, dass man alleine auf der Gravelpad ist und ruhig - aus Sicherheitsgründen - in der Mitte fahren kann. Nein, man fährt link! Denn das erste entgegenkommende Fahrzeug kann auch schnell das letzte sein 🙁

Beste Grüße aus Windhoek
Christian
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
zuletzt bearbeitet 06. März 2014
5'479 Beiträge · seit 200906. März 2014 · #20
Face schrieb:Ich persönlich würde sogar lieber ein Kudu nach Vollbremsung mit verbleibenden 50-60km/h rammen als mich beim Ausweichen mit dann eher 60-70km/h überschlagen
Hallo Wolfgang,

bei allen anderen Punkten stimme ich Dir uneingeschränkt zu. Ein Kudu gehört aber zu den Tieren, bei denen ich einen Unfall unter allen Umständen vermeiden würde. Dem fährst Du die Beine weg und dann kommt er Dir durch die Windschutzscheibe entgegen.
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zuletzt bearbeitet 06. März 2014