Ein interessanter Beitrag. Danke Guido.
Ergänzend zu den bisherigen Ausführungen:
Einfach nur so, sind die Foto-Gegenüberstellungen zwar der Beweis einer Landschaftsveränderung, aber nicht ausreichend aussagekräftig, für die Richtigkeit der vorgetragenen These von Herrn Savory, dass Viehmassen DIE Lösung sei.
Zu einem Foto1: „deserfizierte Landschaft“ und Foto2: „grüner Bewuchs“ - gehören auch die Angaben zu den Regenmengen für die Zeiträume! Und die Jahreszeit.
Nicht selten haben wir schon am selben Ort nach einigen Jahren völlig andere Landschaften erlebt, einfach weil es unerwartet einige Jahre viel Regen gab (oder auch umgekehrt...) und natürlich auch einfach abhängig von der Jahreszeit.
Etwas ärgerlich finde ich die Aussagen von Herrn Savory in Bezug auf das angebliche „Nichtwissen“ zum Prozess der Desertifikation.
Soo unerforscht, wie er es darstellt, ist der Prozess der Desertifikation ja nun nicht.
Hier nur 2 Links von Hundert, die einen tagelang in Sachen Desertifikation an den Bildschirm fesseln könnten...
http://www.desertifikation.de/downloads_links.htmlund:
http://www.drfn.org.na/Das sind die, die in Namibia hervorragende Arbeit in dieser Angelegenheit leisten.
In Gobabeb. Sehr empfehlenswert.
In der Praxis leben alle Farmer und Nomaden in ariden Gebieten nach den Regeln:
Tierhaltung ja, - EXTENSIV = entweder viele Tiere, dann Weidewechsel oder wenig Tiere, dann am selben Standort.
Das hat nicht Herr Savory „entdeckt“, so machen es im Prinzip alle Farmer auf der Welt!
In Namibia wirtschaften die Farmer nach dem Prinzip: Dort wo genug Regen und der Bewuchs es hergibt: Rinderfarmen. Dort wo der Bewuchs und der Niederschlag es nicht mehr hergeben: Schafe...
Ein kluger Farmer passt im eigen Interesse auf, dass er nicht zu viele Rinder auf sein Land stellt und regelmäßig die Weide wechselt – tut er das nicht, so ist es sein Schaden, das ist ihm klar (machen unsere Bauern doch auch so, nur sind die Größenordnungen logischerweise etwas anders).
EXTENSIV ist dabei das Zauberwort – im eigenen Interesse beugt man mit extensiver Viehwirtschaft der Desertifikation vor.
Die Viehnomaden in den ariden Gebieten Afrikas ziehen nicht ohne Grund seit Jahrhunderten: Ihr Land zwingt sie dazu! Nomadentum ist ebenfalls: Extensive Viehwirtschaft!
Kluge durchgeführte nomadische Viehwirtschaft ist erfolgreich und hinterlässt keine Schäden, denn die Chiefs (bzw. ihre Hirten) wissen, wo ihre Grenzen sind und wie viel sie weiden lassen dürfen, sodass kein Schaden entsteht und sie bei der Rückkehr ihre Tiere nicht mehr ernähren können. Dafür sind sie monatelang unterwegs. Der Radius ist groß. Das müssen aber auch die Besitzverhältnisse hergeben, denn auch in ariden Gebieten gibt es Stammesgrenzen und die Wasserstellen sind in fester Hand!!
Große Probleme entstehen immer da, wo Nomaden sesshaft werden oder Leute, die keine Ahnung davon haben, plötzlich viel Vieh halten oder gar farmen.
A. Savoy empfiehlt: Tiermassen. Halte ich für dummes Zeug. Meist fehlt das Regulativ. Sie richten zuviel Schaden an! Man schaue mal nach Südamerika. Dort regen sich schon lange die Gemüter gegen den Raubbau der Rinderbarone.
Die Viecher müssen ja auch täglich saufen (außer Kamele)! Heißt dann also neue Tiefbrunnen. Wie es dort dann aussieht, wurde schon beschrieben. Und Massen an Tieren dürfen erst nach längerer Zeit wieder zum Fressen an denselben Platz, wo bleiben sie in der Zwischenzeit? Auf zum nächsten Tiefbrunnen, wenn es ihn gibt...
Tiermassen?? Ist nie gut.
Bisher kenne ich das in ariden Gebieten nur so, dass die Herden der Locals in guten Zeiten wachsen und wachsen, bis schlechte Zeiten kommen, dann überweidet das Vieh die vorhandenen Ressourcen, weil niemand sein Vieh schlachten will (das Vieh ist die eigene Bank, aber zu spät sind die Preise im Keller...) – und dann beginnt die Spirale abwärts – Desertifikation, - und bei weiterer Trockenheit: Viehsterben.
Selbstbeschränkung? Bis dahin ist noch ein weiter Weg. Die nächste Dürre erzwingt dann die Beschränkung und der Schaden ist dann groß. Ein immer wiederkehrender Kreislauf.
So läuft es leider, wenn es kein Regulativ gibt.
Die von piscator angesprochenen Tiefbrunnen sind dabei noch wieder ein weiteres Kapitel von Segen und Fluch des nicht selbst entwickelten Fortschritts.
Weder Man-Made-River noch Tiefbrunnen noch Tiermassen, - keine Lösungen.
Das Einzige, was eine Zukunft hat, ist extensives angepasstes wirtschaften. Und das ist, wie gesagt, nicht neu.
Gruß lilytrotter