Desertifikation und wie man sie umkehrt

15 Antworten · 3'595 Aufrufe · gestartet 15. März 2013 von Guido.
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ThemenstarterGast15. März 2013 ·
Hallo,

Desertifikation ist ein Problem, das Afrika massiv betrifft. Der Mann im nachfolgenden Video trägt ein bisschen spröde vor und ich kann nicht beurteilen, ob er in allem Recht hat. Aber der Ansatz ist interessant und er stellt das auf den Kopf, was man bisher gegen Desertifikation gemacht hat. Vielleicht interessiert es den einen oder anderen und vielleicht hat auch irgendwer eine Meinung oder Kenntnisse dazu...

Bei YouTube ansehen ↗



Der spricht ein gut verständliches English. Mit englischen Untertiteln gibt es das ansonsten direkt auf der TED-Website:
http://www.ted.com/talks/allan_savory_how_to_green_the_world_s_deserts_and_reverse_climate_change.html

Beste Grüße

Guido
1'287 Beiträge · seit 200815. März 2013 ·
Hallo Guido,

vielen Dank für den Hinweis. Sehr interessant und es zeigt mal wieder, dass die Zusammenhänge in der Natur viel komplexer ist, als wir es uns vorstellen.

Gruß
Carl
Madam und Boss Unterwegs (2014/15) "Bacon and Eggs - A day's work for a chicken; A lifetime commitment for a pig." (Anon) "I will go anywhere, provided it be forward" (David Livingston)
Gast15. März 2013 ·
Hallo Guido,

vielen Dank für den Link zu dem hochinteressanten Vortrag.

Spröde finde ich den Mann übrigens nicht - er ist überzeugt von seiner Sache und versucht das sachlich statt emotionsgeladen darzustellen.

Schade, dass ich nichts von der Sache verstehe...

Brüße baboon
1'483 Beiträge · seit 200916. März 2013 ·
Hallo Guido,
das ist ein interessanter Link zu einem wichtigen Thema. Du hast um eine Stellungnahme gebeten. Hier ist meine:
Die Desertifikation ist ein komplexes Phänomen, das seit den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts intensiv erforscht wurde, u.a. durch Experten auf UNO-Ebene.
Der die Vegetation begrenzende Faktor in semiariden Räumen ist der Niederschlag, der, je weiter man sich jenseits der agronomischen Trockengrenze bewegt, immer variabler fällt. Das heißt, dass die Abweichungen vom langjährigen Mittel immer größer werden, die dürregefhr wird immer größer. Das sind Zusammenhänge, die mit dem Klimawandel nichts zu tun haben.
Der Niederschlag fällt in diesen Räumen oft auch äußerst intensiv als Starkregen mit den bekannten „flash floods“, weil der Boden nach längerer Trockenperiode die Niederschlagsspende zunächst nicht aufnehmen kann ( vgl. das Gießen eines ausgetrockneten Blumentopfes ) weil die Kapillare mit Luft gefüllt sind, die das Eindringen erschwert. Die Folge ist eine von Natur aus hohe flächige Erosion ( Denudation). Die Vegetation in diesen Räumen ist eher spärlich, die Biomassenproduktion relativ gering.

In diese Räume ist der wirtschaftende Mensch aufgrund des hohen Bevölkerungsdruckes immer weiter eingedrungen, zunächst mit Vieh, wobei es sich dabei zunächst auch um extensive Weidewirtschaft gehandelt hat. Dabei gab es keine Brandrodung, die mit Feldbau verbunden ist ( Wanderfeldbau: Brandrodung mit anschließender Brache von 15-18 Jahren, Bildung von artenärmerer Sekundärvegetation, erneute Brandrodung). In Folge des Bevölkerungsdruckes und auch von Programmen zur Sesshaftmachung wurde auch diese Landnutzungsform weiter in Richtung agronomische Trockengrenze vorgeschoben. Damit ging man ein enormes Risiko von Missernten ein. Verbunden mit der Landnutzung ist dabei immer der Brennholzbedarf, was bei hohem Bedarf auch zur Vegetationszerstörung führt. Um das zu mindern hat die UNO zeitweise regional mit LKWs Brennholz in diese Räume gebracht.
Zusammenfassend muss man sagen, dass die Tragfähigkeit dieser Räume weit überschritten worden ist.
Diese Zusammenhänge vermisse ich bei Herrn Savory. Wenn er vorschlägt, viele (!!!) Tiere auf die Fläche zu treiben, kann ich mir nicht vorstellen, wie er denen „das Maul verbieten will“, sodass danach noch niedergetrampeltes Gras übrigbleibt. Ein Erosionsschutz ist es in diesem Zustand auch nur bedingt ( s.o. Niederschlagssituation). Um eine Weide-Wechselwirtschaft zu realisieren sind bei dem Nahrungsbedarf enorme Flächen erforderlich, da sich die Vegetation ja nur während der Regenzeit regenerieren kann. Die namibischen Farmer können ihre Rinder auch nur umtreiben, wenn das Gras nach dem Regen wieder gewachsen ist. Zu viel Vieh auf der Fläche schafft im Übrigen durch Viehtritt auch Schäden. Viehtritt verdichtet den Boden.
Meiner Meinung nach ist die Desertifikation so nicht umkehrbar. Das setzte voraus, dass die Übernutzung aufgehoben wird und ein ökologisch sinnvoller Besatz geschaffen wird. Ich habe im Moment keine Zahlen verfügbar, aber die Zahl der Rinder pro Fläche ist einfach zu hoch. Genannt werden muss auch die „Kuh des kleinen Mannes“: Die Ziege, die oft folgt, wenn die Rinder nicht mehr genug zu fressen finden, gibt der Vegetation dann den Rest.
Eine Bemerkung zu den Brunnen, die Savoy nicht angesprochen hat. Im Zuge der Entwicklungshilfe wurden Brunnen gebohrt. Dadurch wurde ( Wasser nicht mehr direkt limiterend) der Besatz weiter erhöht und um die Brunnen herum, wie auch um die Siedlungen, bildeten sich Desertifakationsringe, die immer größere Ausmaße annehmen.

Ich hoffe, ich konnte etwas zu den Zusammenhängen verdeutlichen. Hätte Herr Savory den Stein der Weisen gefunden, wären mit Sicherheit große professionelle Farmen schon lange überzeugt. Die autochtone Bevölkerung wird er nicht überzeugen können. Wie weit seine Erfolge realistischer Wirtschaftsweise entsprechen, lässt sich dem Film nicht entnehmen.

Gruß Reinhard
ThemenstarterGast16. März 2013 ·
Hallo,

vielen Dank für das Feedback. Ich finde das Thema und den Ansatz sehr spannend, kann es aber wie schon geschrieben nicht beurteilen. Als Laie sehe ich bei Savory Parallen zur Migration in der Serengeti. Da kommen auch sehr große Herden (die früher noch viel gigantischer waren*), fressen fast alles auf, trampeln kräftig herum und lassen ihre Stoffwechselendprodukte in großer Menge da. Dann ziehen sie weiter und kommen erst nach einem Jahr wieder. Inwieweit sich das mit Viehzucht wirklich imitieren lässt, weiß ich nicht.

* ich wollte schon immer mal auf das unglaubliche Foto "965 Elephants" verweisen Hier passt es in Bezug auf "gigantische Herden von früher". Es wurde vom bekannten Fotografen Peter Beard in den 60ern in Kenia aufgenommen. Mal abgesehen davon, dass es so gigantische Herden in Ostafrika nicht mehr gibt, fragt man sich , was da von der Vegetation übrig blieb, wenn die durchgezogen waren? Scheint aber irgendwie funktioniert zu haben?
965 Elephants

Beste Grüße

Guido
zuletzt bearbeitet 16. März 2013
2'664 Beiträge · seit 201216. März 2013 ·
Hallo Guido,
danke für den sehr interessanten Link. Das schafft Hoffnung, ist aber m.E. nur ein Teil des Problemes. Der andere Teil, speziell für Afrika, ist der Mensch, und seine Bereitschaft, eine konsequente Weidewirtschaft zu betreiben. Und da habe ich nur sehr geringe Hoffnungen, betrachtet man was aus verstaatlichten oder verteilten Farmen geworden ist. Es ist einfach erschreckend!

Warum?

Gut, vielleicht auch schade, daß es Zeitzeugen gibt, die den Finger erheben werden. Wer die Wahrheit und Tatsachen anspricht, macht sich nicht gerade beliebt.

In Namibia gab es früher Schaffarmen südlich des Ugab. Im Jahre 1964 gab es den Odendaal-Plan, wo diese Gebiete der Volksgruppe der Damara (wieder) zugeschlagen bzw. zurück gegeben wurden. Dieser Bereich macht Teil des heutigen sog. Damaraland aus, wohin die Damara sich im 19. Jahrhundert auf der Flucht vor den sie ewig verfolgenden und sie versklavenden Herero zurückgezogen hatten, zum Teil in die Berge (daher stammt die Bezeichnung Klipkaffer).

Der Staat kaufte die Farmen von den (weißen) Farmern, die systematisch Weidewirtschaft mit eingezäunten Camps betrieben hatten und erfolgreich Schafzucht betrieben haben.

Seit mehr als vierzig Jahren konnten wir dann den systematischen Verfall dieser Gebiete und den Vormarsch der Namib in vielen Gebieten beobachten. Und das war m.E. menschengemacht. Daß die Farmhäuser verfielen, mit deren Wellblech-Dachplatten nebenan Pontoks entstanden und die Wände der Häuser nachher als Bokkiekräle dienten, das hat nichts mit dem ökologischen Verfall zu tun. Was aber passierte, war, daß jede Menge Ziegen, Rinder und Esel den Einzug hielten. Wo vorher Karakulschafe waren. Zäune wurden nicht repariert, Vieh wurde nicht hinausgetrieben auf die Weide, nein es konnte sich frei bewegen. Was an Wasserstellen noch funktionsfähig war und blieb bzw. von staatlicher Seite unterhalten wurde, zeigte, daß die Vegetation rund um diese Wasserstellen verschwand, und diese Radien von Jahr zu Jahr größer wurden. Schafe fressen Gras, Ziegen fressen alles, inkl. die Blätter der Bäume und die Wurzeln der Gräser (Graspollen). Diese Gegenden wurden durch die falschen Tiere und menschliche Trägheit arid. Diese gleichen Probleme konnte man bei Berichten über die Sahel-Zone beobachten.

Auch wenn Namibia die vergangenen 20 Jahre jährlich ein vielfaches an Regen der Jahrzehnte davor bekommen hat (und die meisten im Forum dort noch keine wirkliche Trockenheit erlebt haben womit wir aufwuchsen) bleibt dieses Problem der Aridisierung latent bestehen. Und in kommunalen Gebieten fühlt sich niemand zuständig, die Menschen leben nur vor sich hin, und gibt es Hungersnöte, müssen der Staat und das Ausland einspringen.

Wir haben schon in der Schule gelernt, daß Land in Namibia, wo die Graspollen weg sind, mindestens 7 Jahre benötigt, bis es sich erholt hat und neues stabiles Gras aus Saat nachgewachsen ist. Voraussetzung: keine Weidewirtschaft und kein Vieh. Diese Gebiete werden sich nie erholen können, denn der Mensch ist zu einer Zusammenarbeit nicht bereit, und die Flora wird durch die falsche Bewirtschaftung und die falschen Tiere ganz einfach mechanisch vernichtet.

Wenn die Theorie des Vortrages stimmt, mag es wohl in vielen Gegenden der USA oder einigen ausgesuchten Gebieten Afrikas funktionieren. In den meisten kommunalen Weidegebieten Afrikas und durch reiche afrikanische Wochenendfarmer betriebene Farmen ist eine Rettung unmöglich. Deshalb werden diese Menschen auch nie aus der Subsistenzwirtschaft herauskommen. Meine persönliche leider absolut negative Meinung dazu.
zuletzt bearbeitet 16. März 2013
1'483 Beiträge · seit 200917. März 2013 ·
Swakop ergänzt meine Darstellung völlig zutreffend.
@ Guido: die großen Herden zogen durch und ließen Zeit zur Regeneration. Nichts anderes tat der Nomade, der der Vegetation folgte, bis ... Ja, siehe Swakop.

Reinhard
1'483 Beiträge · seit 200917. März 2013 ·
Nachtrag zu dir, Swakop:
Die Gegend war schon immer arid, nur war die Nutzung lange Zeit noch angepasst. Du meinst wahrscheinlich die Degradation der Vegetation, also die Desertifakation begann, Das beschreiben auch deine ringe um die Brunnen zutreffend.

Reinhard
4'130 Beiträge · seit 200817. März 2013 ·
Ein interessanter Beitrag. Danke Guido.

Ergänzend zu den bisherigen Ausführungen:
Einfach nur so, sind die Foto-Gegenüberstellungen zwar der Beweis einer Landschaftsveränderung, aber nicht ausreichend aussagekräftig, für die Richtigkeit der vorgetragenen These von Herrn Savory, dass Viehmassen DIE Lösung sei.
Zu einem Foto1: „deserfizierte Landschaft“ und Foto2: „grüner Bewuchs“ - gehören auch die Angaben zu den Regenmengen für die Zeiträume! Und die Jahreszeit.
Nicht selten haben wir schon am selben Ort nach einigen Jahren völlig andere Landschaften erlebt, einfach weil es unerwartet einige Jahre viel Regen gab (oder auch umgekehrt...) und natürlich auch einfach abhängig von der Jahreszeit.


Etwas ärgerlich finde ich die Aussagen von Herrn Savory in Bezug auf das angebliche „Nichtwissen“ zum Prozess der Desertifikation.
Soo unerforscht, wie er es darstellt, ist der Prozess der Desertifikation ja nun nicht.
Hier nur 2 Links von Hundert, die einen tagelang in Sachen Desertifikation an den Bildschirm fesseln könnten...
http://www.desertifikation.de/downloads_links.html
und:
http://www.drfn.org.na/
Das sind die, die in Namibia hervorragende Arbeit in dieser Angelegenheit leisten.
In Gobabeb. Sehr empfehlenswert.

In der Praxis leben alle Farmer und Nomaden in ariden Gebieten nach den Regeln:
Tierhaltung ja, - EXTENSIV = entweder viele Tiere, dann Weidewechsel oder wenig Tiere, dann am selben Standort.
Das hat nicht Herr Savory „entdeckt“, so machen es im Prinzip alle Farmer auf der Welt!
In Namibia wirtschaften die Farmer nach dem Prinzip: Dort wo genug Regen und der Bewuchs es hergibt: Rinderfarmen. Dort wo der Bewuchs und der Niederschlag es nicht mehr hergeben: Schafe...
Ein kluger Farmer passt im eigen Interesse auf, dass er nicht zu viele Rinder auf sein Land stellt und regelmäßig die Weide wechselt – tut er das nicht, so ist es sein Schaden, das ist ihm klar (machen unsere Bauern doch auch so, nur sind die Größenordnungen logischerweise etwas anders).
EXTENSIV ist dabei das Zauberwort – im eigenen Interesse beugt man mit extensiver Viehwirtschaft der Desertifikation vor.

Die Viehnomaden in den ariden Gebieten Afrikas ziehen nicht ohne Grund seit Jahrhunderten: Ihr Land zwingt sie dazu! Nomadentum ist ebenfalls: Extensive Viehwirtschaft!
Kluge durchgeführte nomadische Viehwirtschaft ist erfolgreich und hinterlässt keine Schäden, denn die Chiefs (bzw. ihre Hirten) wissen, wo ihre Grenzen sind und wie viel sie weiden lassen dürfen, sodass kein Schaden entsteht und sie bei der Rückkehr ihre Tiere nicht mehr ernähren können. Dafür sind sie monatelang unterwegs. Der Radius ist groß. Das müssen aber auch die Besitzverhältnisse hergeben, denn auch in ariden Gebieten gibt es Stammesgrenzen und die Wasserstellen sind in fester Hand!!

Große Probleme entstehen immer da, wo Nomaden sesshaft werden oder Leute, die keine Ahnung davon haben, plötzlich viel Vieh halten oder gar farmen.

A. Savoy empfiehlt: Tiermassen. Halte ich für dummes Zeug. Meist fehlt das Regulativ. Sie richten zuviel Schaden an! Man schaue mal nach Südamerika. Dort regen sich schon lange die Gemüter gegen den Raubbau der Rinderbarone.
Die Viecher müssen ja auch täglich saufen (außer Kamele)! Heißt dann also neue Tiefbrunnen. Wie es dort dann aussieht, wurde schon beschrieben. Und Massen an Tieren dürfen erst nach längerer Zeit wieder zum Fressen an denselben Platz, wo bleiben sie in der Zwischenzeit? Auf zum nächsten Tiefbrunnen, wenn es ihn gibt...
Tiermassen?? Ist nie gut.
Bisher kenne ich das in ariden Gebieten nur so, dass die Herden der Locals in guten Zeiten wachsen und wachsen, bis schlechte Zeiten kommen, dann überweidet das Vieh die vorhandenen Ressourcen, weil niemand sein Vieh schlachten will (das Vieh ist die eigene Bank, aber zu spät sind die Preise im Keller...) – und dann beginnt die Spirale abwärts – Desertifikation, - und bei weiterer Trockenheit: Viehsterben.
Selbstbeschränkung? Bis dahin ist noch ein weiter Weg. Die nächste Dürre erzwingt dann die Beschränkung und der Schaden ist dann groß. Ein immer wiederkehrender Kreislauf.
So läuft es leider, wenn es kein Regulativ gibt.
Die von piscator angesprochenen Tiefbrunnen sind dabei noch wieder ein weiteres Kapitel von Segen und Fluch des nicht selbst entwickelten Fortschritts.

Weder Man-Made-River noch Tiefbrunnen noch Tiermassen, - keine Lösungen.
Das Einzige, was eine Zukunft hat, ist extensives angepasstes wirtschaften. Und das ist, wie gesagt, nicht neu.

Gruß lilytrotter
Gruß lilytrotter Always look on the bright side of life... :-) Walvisbay boomt
zuletzt bearbeitet 17. März 2013
2'664 Beiträge · seit 201217. März 2013 ·
Dieses Bild, das die vergangenen Tage als Spaßmail "Rehoboth Christmas Tree" und "Namibia Christmas Tree" durchs Internet kursierte, zeigt das wirkliche Dilemma, wie schädlich z.B. Ziegen sein können.


image0011.jpg
Gast17. März 2013 ·
Danke für die Informationen zu diesem komplexen Thema, habe einiges gelernt. Als Laie verstand ich die „Methode Savory“ so, dass eine große Herde auf kaputtem Land als biologische „Sä- und Düngungsmaschine“ eingesetzt wird und zwar nur dafür. Die Herde muss dann das Land immer wieder verlassen, bis die angestrebte Verbesserung eingetreten ist. Das setzt voraus, dass diese Masse von Nutztieren in der Nähe ausreichende Bedingungen vorfindet, ohne Überweidung zu verursachen, was wohl nicht immer und überall der Fall sein wird.

So sehr man wünscht, dass das überall so einfach ginge, bin ich angesichts der bereits von anderen beschriebenen Realität doch skeptisch und pessimistisch. Denn neu sind derartige Erkenntnisse und Methoden ja eigentlich nicht und dass trotzdem zu wenig unternommen oder Falsches gemacht wird, hat andere Gründe, die bisher leider nicht überwunden werden konnten. Das ist schon ein Trauerspiel und großes Versagen, vor allem auch der Verantwortungsträger in diesen Ländern. Bleibt wohl nur die Hoffnung auf viele kleine Erfolge, wie im Video berichtet. Aber auch in unseren mediterranen Regionen spielt sich dieser Wahnsinn, entgegen besseren Wissens, auch heute noch ab (wie schon von Georg gesagt) und vielerorts sieht man schlimme Erosion.

Die vielen, für den Ganzjahrestourismus geschaffenen, künstlichen Wasserstellen in den Nationalparks können m. E. auch eine Überbelastung der Vegetation verursachen und wiederholen den Fehler mit Nutz- bei Wildtieren.

Die Verwüstung und Versteppung ist auch kein neues Phänomen, sondern war ein ständiger Begleiter der Menschheitsgeschichte und/oder, je nach Meinungslage, deren Konsequenz. Die Europäer haben ihr Problem der Übernutzung von Böden, Vegetation und Gewässern bloß „rechtzeitig“ in andere Länder und Kontinente ausgelagert, aber auch durch technologischen Fortschritt gemindert.
Die großen sozialen und Ernährungskrisen in Europa wurden bis vor kurzem durch Massenauswanderung gelöst (von Krieg und Eroberung mal abgesehen), unsere Art von „modernem Nomadentum“. Eine Wiederholung dieser Strategie ist nicht mehr möglich, die Welt ist voll und die Wanderungsströme kehren sich um, womit ich endgültig vom Thema abgeschweift bin.
Grüße Werner
PS: Das Bild von Peter Beard mit den vielen Elefanten im Beitrag von Guido stammt aus dem Buch „The End of the Game“ und das gibt es noch bei amazon, ebenso seine anderen: „Eyelids of Morning“ und „Longing for Darkness“.
ThemenstarterGast18. März 2013 ·
Hallo,

vielen Dank für die weiteren interessanten Beiträge. Auf jeden Fall ein spannendes und komplexes Thema. Falls noch jemand interessante Links zum Thema kennt: Gern her damit.

Beste Grüße

Guido
1'483 Beiträge · seit 200918. März 2013 ·
Hallo Guido,
normalerweise gebe ich keine Informationen weiter, wenn ich den Verfasser nicht benennen kann.
Im Link ein Referar zum Thema, das auf dem Niveau eine gute Zusammenfassung gibt. Ich habe es eben ergoogelt.

Referat

Anmerkung am Rande: Der im Literaturverzeichnis genannte "Mensching“ war mein Lehrer, zu seiner Zeit eigentlich DER Fachmann, der als Afrikaspezialist sich mit der Desertifikation und vor allem den geomorphologischen Vorgängen im ariden Raum beschäftigt hat. Obwohl er damals das Wort "ökologisch" nie in den Mund genommen hat, hat er ökologisch geforscht.

In dem Buch „Namibia -eine Landschaftskunde in Bildern“, Hrsg. Klaus Hüser ( meiner Meinung nach sehr! Empfehlenswert) schreibt mein zweiter Lehrer (Hartmut Leser), direkt auf Namibia bezogen die im Anhang (hoffentlich lesbaren) Zeilen:


Gruß von
Reinhard
zuletzt bearbeitet 18. März 2013
2'664 Beiträge · seit 201218. März 2013 ·
Danke Reinhard, letztendlich ist dieses die Zusammenfassung was Du beschrieben hast, und was ich vor Ort beobachten konnte.

Hajo