Lage in Südafrika

5 Antworten · 1'338 Aufrufe · gestartet 09. Okt. 2012 von Info-Namibia
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2'048 Beiträge · seit 200709. Okt. 2012 · #2
Hallo Sebastian,
die AZ berichtet heute auch über die Unzufriedenheit einer UN-Sonderberichterstatterin mit den sozialen Entwicklungen in Namibia seit der Unabhängigkeit von Südafrika.
Namibia hat sich sehr verändert. Viele von euch bereisen wie ich das südliche Afrika seit vielen Jahren. In einem Vortrag von Henning Melber habe ich 2010 erfahren, dass es seit der Unabhängigkeit nur einem kleinen Teil der Bevölkerung wirtschaftlich wirklich besser geht. Der Anteil, der sich wirtschaftlich verschlechtert hat ist weit größer und für die meisten hat sich nichts verbessert. Im Gegenteil: Die Schere der Einkommensdisparität nimmt eher deutlich zu und wird unabhängiger von der Hautfarbe. Hinter Angola liegt hier Namibia sehr weit unten. Durch die Politik wurden aber in Namibia und in Südafrika viele Erwartungen geweckt, die aber in den vergangenen 20 Jahren nicht erfüllt wurden. Für die SWAPO sind dafür immer die Folgen des Kolonialismus daran schuld, in Südafrika ist es die Apartheid. Die Menschen begreifen aber immer mehr, dass es so nicht - jedenfalls so einfach nicht ist.
Ca. 20% der namibischen Bevölkerung ist mit HIV infiziert. Trotz Behandlungsmöglichkeiten werden viele davon viel zu jung sterben. In Südafrika hat das große Sterben schon lange begonnen, aber die Maßnahmen sind immer noch halbherzig und viel zu ineffektiv. Hierdurch werden aber die sozialen Fehlentwicklungen massiv verstärkt. Da ich mich beruflich mit diesen Fragen befasse, war ich von dem Bericht in der AZ heute sehr erstaunt. Es ist nach dem Bericht über indigene Minderheiten in kurzer Zeit der zweite Bericht von UN-Vertretern, der der Regierung die Realität sehr deutlich aufzeigt.

Soziale Ungleichheiten sind ein idealer Boden für Radikalisierungen. Dann sind nur Agitatoren notwendig, die das Volk in eine bestimmte Richtung "aufmischen". In Südafrika sind dafür bereits einige Kandidaten unterwegs und die Gesamtstimmung ist auch wegen dem vorherigen Kampf gegen die Apartheid wesentlich radikaler als in Namibia. Die Probleme sind aber die gleichen.
Viele Grüße
jaw
Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden (Mark Twain)
zuletzt bearbeitet 09. Okt. 2012
1'723 Beiträge · seit 200909. Okt. 2012 · #3
hoffen wir jedoch schon mal das dieser vollknallkopf fuer ein weilchen hinter gittern verschwindet und nicht zur wahl ansteht .. denn das wuerde sicher eine katastrophe werden


http://www.spiegel.de/politik/ausland/suedafrika-anklage-gegen-frueheren-anc-politiker-malema-a-858055.html
[b]"eine der blamabelsten Angelegenheiten der menschlichen Entwicklung ist es, dass das Wort Tierschutz ueberhaupt geschaffen werden musste" theodor heuss
Gast09. Okt. 2012 · #4
Hallo Jaw,
jaw schrieb:Für die SWAPO sind dafür immer die Folgen des Kolonialismus daran schuld, in Südafrika ist es die Apartheid. Die Menschen begreifen aber immer mehr, dass es so nicht - jedenfalls so einfach nicht ist.
Ist das so? SWAPO und ANC fahren bei Wahlen immer noch zwei Drittel bis drei Viertel aller Stimmen ein und haben äußerst komfortable Mehrheiten. Die jeweiligen Abspaltungen RDP bzw. COPE, in die viele vor den letzten Wahlen große Hoffnungen gesetzt hatten, haben dann doch bescheiden abgeschnitten.
jaw schrieb:Soziale Ungleichheiten sind ein idealer Boden für Radikalisierungen.
Mindestens genau wichtig ist in dem Punkt meines Erachtens mangelnde Bildung. Je geringer der Bildungsstand um so eher fällt man auf politische Scharlatane herein. Es wird dann schwierig bis unmöglich überhaupt eine rationale Wahlentscheidung zu treffen.

Eigentlich glaube ich, das Namibia Chancen auf eine recht gute wirtschaftliche Zukunft hat. Wenn man sich die ganzen Rohstofffunde/-projekte der letzten Jahre anschaut, dann kann da eine Menge Geld generiert werden. Wenn jetzt tatsächlich noch Öl und/oder Gas vor der Küste gefunden wird, könnte man viel bewegen. Im Gegensatz zum ebenfalls rohstoffreichen Südafrika hat Namibia dabei den großen Vorteil, statt 50 Mio. ja nur gut 2 Mio. Einwohner versorgen zu müssen. In 20 Jahren könnte Namibia völlig anders aussehen als heute. Ob möglicherweise zukünftig sprudelnde Einnahmen nachhaltig zum Wohl der Bevölkerung investiert werden oder dem Modell Angola folgend nur eine kleine Clique profitiert, ist dann die Gretchenfrage.

Beste Grüße

Guido
2'664 Beiträge · seit 201210. Okt. 2012 · #6
Guido. schrieb:Hallo Jaw,
jaw schrieb:Für die SWAPO sind dafür immer die Folgen des Kolonialismus daran schuld, in Südafrika ist es die Apartheid. Die Menschen begreifen aber immer mehr, dass es so nicht - jedenfalls so einfach nicht ist.
Ist das so? SWAPO und ANC fahren bei Wahlen immer noch zwei Drittel bis drei Viertel aller Stimmen ein und haben äußerst komfortable Mehrheiten. Die jeweiligen Abspaltungen RDP bzw. COPE, in die viele vor den letzten Wahlen große Hoffnungen gesetzt hatten, haben dann doch bescheiden abgeschnitten.
jaw schrieb:Soziale Ungleichheiten sind ein idealer Boden für Radikalisierungen.
Mindestens genau wichtig ist in dem Punkt meines Erachtens mangelnde Bildung. Je geringer der Bildungsstand um so eher fällt man auf politische Scharlatane herein. Es wird dann schwierig bis unmöglich überhaupt eine rationale Wahlentscheidung zu treffen.

Eigentlich glaube ich, das Namibia Chancen auf eine recht gute wirtschaftliche Zukunft hat. Wenn man sich die ganzen Rohstofffunde/-projekte der letzten Jahre anschaut, dann kann da eine Menge Geld generiert werden. Wenn jetzt tatsächlich noch Öl und/oder Gas vor der Küste gefunden wird, könnte man viel bewegen. Im Gegensatz zum ebenfalls rohstoffreichen Südafrika hat Namibia dabei den großen Vorteil, statt 50 Mio. ja nur gut 2 Mio. Einwohner versorgen zu müssen. In 20 Jahren könnte Namibia völlig anders aussehen als heute. Ob möglicherweise zukünftig sprudelnde Einnahmen nachhaltig zum Wohl der Bevölkerung investiert werden oder dem Modell Angola folgend nur eine kleine Clique profitiert, ist dann die Gretchenfrage.

Beste Grüße

Guido
Das Problem ist, daß sich eine kleine politische Clique unermeßlich bereichert, und beim Volk nichts ankommt. Das Wenige reduziert sich auf nichts.

Vor einigen Monaten rastete der angeblich designierte künftige Präsident Hage Geingob auf einer politischen Versammlung aus, weil ihm seine eigene Sorte genau dieses vorwarf, und auch, daß es ihnen unter den Buren sehr viel besser ging und diese dafür sorgten daß sie keinen Hunger leiden brauchten ....
zuletzt bearbeitet 10. Okt. 2012