Hallo Sanne,
Sanne schrieb:Darüber hinaus sind mir Gefahren des Fuchses für Mensch und Haustiere nicht bekannt.
Er ist einer der Hauptverbreiter von Tollwut. Hühner, Enten, Gänse usw. sind natürlich auch durch den Fuchs bedroht, wobei man der Gefahr durch bauliche Maßnahmen leicht vorbeugen kann. Ebenso wie man Rinder und Ziegen durch bauliche Maßnahmen insbesondere nachts gegen Löwenschützen kann. Das nur nebenbei.
Sanne schrieb:Dort wo Mensch und potentiell gefährliche Tiere einen Lebensraum teilen, gehört es auch zum Tierschutz, darüber nachzudenken, ob eine Umsiedlung der Löwen denkbar und notwendig ist, wenn Entschädigungen der Bevölkerung, Aufklärung usw. nichts bringen. Was bringt es denn, das x-te Halsband zu sponsern oder die Arbeit eines Idealisten zu unterstützen, wenn am Ende in der Gegend immer noch Menschen leben, die Angst um sich und ihre Nutztiere haben und daher immer im Zweifel zur Waffe greifen werden, um sich der Gefahr zu entledigen?
Daher kommt für mich wohl nur in Frage, in entsprechende Entschädigungsfonds zu zahlen – in der Hoffnung, dass die Verteilung gerecht und sachbezogen erfolgt, mich für Schutzgebiete und letztlich dann für eine Umsiedlung stark zu machen.
Es stellen jetzt so Einige Vieles in Frage. Wenn Du 4 Seiten zurück blätterst, kannst Du nachlesen, dass ich das auch tue. Eine Umsiedlung halte ich aus einer Vielzahl an Gründen für einen untauglichen Ansatz. Was Du dabei zunächst mal vergisst: Zwischen Ugab und Hoarusib profitieren tausende Locals direkt oder indirekt vom Tourismus. Denen nimmst Du etwas weg; deren Lebensumstände verschlechterst Du, wenn Du potentielle Problemtiere wie (Wüsten-)Löwen und (Wüsten-)Elefanten umsiedelst, die gleichzeitig touristische Hauptattraktionen sind. Es ist ja in keinster Weise so, dass alle Locals gegen die Löwen sind. Davon abgesehen stellt sich auch die Frage, wo die Reise eigentlich hingehen soll? Dass die Viehhaltung in dieser semiariden Gegend nicht zu dauerhaften Wohlstand für die Bevölkerung führen wird, ist ein gesicherter Fakt. Wir hatten gerade erst 2 Jahre Dürre und teilweise Hunger. Soll das der Status für alle Ewigkeit sein, weil man die touristischen Hauptattraktionen zugunsten einiger Viehhalter ausradiert?
100 bis 150 Löwen zu fangen und umzusiedeln dürfte auch einen Millionenbetrag kosten (zum Vergleich: ein einziges Nashorn von Südafrika nach Botswana umzusiedeln kostet 40.000 bis 100.000 USD). Wo soll das Geld herkommen? Und bevor man solche Summen für eine Umsiedlung aufbringt, kann man zu geringeren Kosten noch eine Menge anderer Maßnahmen probieren.
Wenn man die Löwen umsiedeln wollte, dann müsste man sie in einen eingezäunten Nationalpark bringen. Bringt man sie nur hundert Kilometer weg, sind sie sonst wahrscheinlich nach einer Woche wieder da. Die Löwen in der Kunene-Region sind aber auch deshalb so wertvoll, weil sie abseits anderer Rudel und bestimmter Krankheiten übertragender Tiere leben und kerngesund sind. Die Löwenpopulationen in vielen Nationalparks in Afrika sind zu großen Teilen von Tuberkulose, "Katzen-Aids" und anderen Krankheiten befallen. Das würde die umgesiedelten Wüstenlöwen wohl auch ereilen.
Die EINE Lösung (wie z.B. Umsiedlung) wird es für das Projekt wohl nicht geben. Es wird wohl eher ein mühsamer, komplexer Mix aus verschiedenen Maßnahmen sein. Und es wird auch nicht der letzte Rückschlag gewesen sein. Trophäenjagd kann möglicherweise ein Teil der Lösung sein, aber im Moment ist es für mich ziemlich klar noch Teil des Problems und nicht der Lösung.
Beste Grüße
Guido