Moin zusammen,
neulich hat der Präsident des Kongos, Kabila, geäußert, dass die Wirtschaft seines Landes leider nicht wachsen könne, da 90% der Straßen zerstört seien. Diese 90% beziehen sich auf die vorhandenen Straßen im Jahr der Unabhängigkeit 1960! Kongo, der Staat Schwarzafrikas, der eines der schrecklichsten Schicksale während seiner Kolonialzeit, zunächst als Privatbesitz des belgischen Königs, später als Kolonie des belgischen Staates, hinter sich hat.
Nun, sollte man meinen, käme die Ankündigung, dass der Staat in den nächsten 10 Jahren jährlich n Millionen in die Hand nimmt, Ingenieure und andere Arbeitskräfte anheuert, um pro Jahr 5.000 km Straße anzulegen. Kommt aber nicht! Komisch, nicht?
Auf einem der innerafrikanischen Seen schippert immer noch ein Schiff aus der deutschen Kaiserzeit als einziges Transportmittel herum. Das Schiff bedient eine Nachfrage. Man sollte nun meinen, dass die Anliegerstaaten sagen: „Kommt, lasst uns zusammenlegen und eine moderne Flotte schaffen, damit der Handel zwischen unseren Ländern prosperiert.“ Kommt aber nicht! Komisch, nicht?
Außerhalb des Apartheid-Gürtels wurde nach Ende der Kolonialzeit nur eine einzige Eisenbahnlinie neu gebaut, die Tansam-Bahn, die den sambischen Kupfergürtel mit den tansanischen Hafen Daressalam verbindet -von den Chinesen! Der Erhaltungszustand aller Eisenbahnlinien ist in der Regel beklagenswert. Für eine wirtschaftliche Entwicklung der „Hinterländer“ wären funktionierende Bahnlinien sicherlich nicht das Schlechteste. Gibt`s aber nicht oder nur kaum! Komisch, nicht?
Kann mir jemand von Euch irgendein Beispiel dafür nennen, dass eine staatliche oder wirtschaftlich bedeutsame Einrichtung in Schwarzafrika unter ausschließlich einheimischen Management auch nur den übernommenen Standard hätte halten können? Ich gebe Dir uneingeschränkt recht, Guido, Bildung muss her! Aber genau das ist ja eine der staatlichen Institutionen, die regelmäßig zuerst geschrottet werden.
Und so kommt es dann halt immer wieder entweder zu weißen Elefanten oder zu solch kolossalen Missverständnissen, wie Ramatex in Namibia. In der Wochenendausgabe der Süddeutschen Zeitung vom 18.08. heißt es dazu:
Die Tage des Konzerns in Namibia sind ohnhin gezählt. Manager Ong bereitet den Abzug vor. „Uns bleibt nichts anderes übrig“, schimpft er, während er in einer Werkshalle, an schwarzen Arbeiterinnen vorbeischreitet. „Die Afrikaner verstehen nichts von Wirtschaft.“
Konnos Beitrag weist aber auf einen wahren Kern. Es könnte sich nämlich in der Nachsicht heraus stellen, dass das Zeitalter von Kolonialismus und Apartheid -trotz aller Verbrechen und Ungerechtigkeiten- das für die schwarze Bevölkerung materiell (Gesundheit, Lebensmittelversorgung und, ja, auch Bildung!) beste gewesen ist. Das schlimmstmögliche Armutszeugnis für die Selbstregierung.
Es geht mir hier nicht um ein Wiederherstellen der alten Zustände! Jeder hat das Recht, sich selbst ins Unglück zu stürzen! Es geht mir nur darum, dass wir Europäer endlich aufhören, in Sack und Asche zu gehen und auf die immer gleichen Ausreden der schwarzafrikanischen Regierungschefs herein zu fallen, wenn sie auf ihren Betteltouren mit ihren persönlichen 747 einschweben.
Gruß, Michael<br><br>Post geändert von: Yoshikawa, am: 26/08/2007 14:59