klaus63 schrieb:Hallo,
ein schön polemischer Artikel mit leider schlechten Argumenten."Leistung und Fairness sind nun gerade nicht mehr die prägenden Prinzipien unseres Systems."
Schade, aber dann müsste man doch gerade daran arbeiten, dass es wieder so wird und nicht einfach kapitulieren.
Auch ein Grundeinkommen wird in einem Land wie Deutschland die ganze Bürokratie und damit die "Entwürdigung" der Anspruchsteller nicht überflüssig machen. Dafür würde dann schon das Millionenheer derer, die wegen ihrer besonderen sozialen und gesundheitlichen Probleme mehr als 800 EUR brauchen, sorgen.
Was machen wir in einem freizügigen Europa mit den Millionen von Südosteuropäern, für die 800 EUR sehr viel Geld ist? Eine neue Mauer errichten?
Klaus
Hallo Klaus,
mir fällt auf Anhieb direkt ein Beispiel ein, was Deine zitierte Textpassage unterfüttert. Weshalb bekommen Leiharbeiter für gleiche Leistung weniger Gehalt als Festangestellte, für sog. "Berater" gilt aber eher das genaue Gegenteil? Wir dürfen unsere Augen nicht davor verschließen, dass im Zuge der Globalisierung, immer flexiblerer (internationaler) Arbeitsmärkte und starkem Bevölkerungswachstum in Entwicklungsländern nur wenig Platz für flächendeckende Reallohnsteigerungen und Vollbeschäftigung bleibt. Es wird eine der wesentlichen Herausforderungen der entwickelten Länder bleiben, wie mit Denen umgegangen wird, die nicht mehr leisten dürfen oder können - und das hat m.E. wenig mit Polemik zu tun.
Kapitalismus in unregulierter Form führt mittel- und langfristig zu unkontrollierbaren Riesenkonzernen unter zunehmender Ausschaltung des Wettbewerbs. Wer nach den Erfahrungen der letzten drei Jahren - ich schreibe hier bewusst nicht "nach der Wirtschafts- bzw. Finanzkrise" - weiterhin daran glaubt, dass eine prosperierende Wirtschaft automatisch für eine angemessene Verteilung des Gewinns in der Wertschöpfungskette sorgt, der ist einfach nur naiv.
Der hier im Forum bereits von Sambezi gepostete Link auf eine letzte Woche gesendete ARD-Reportage zur deutschen Entwicklungshilfe - so wie sie neuerdings das BMZ versteht, aber auch konträre Positionen humanitärer Organisationen ihren Platz finden - kann ich jedem Interessierten nur ans Herz legen.
http://www.namibia-forum.ch/index.php?option=com_kunena&Itemid=2&func=view&id=173708&catid=139#173708Leider ist die Co-Autorin Ende letzten Jahres relativ jung verstorben. Ein Blick auf in der Vergangenheit behandelte Themen zeigt auf (Homepage der Produktionsfirma), dass der Film von einem Team gedreht wurde, das mit der Thematik und der damit verbundenen Ambivalenz vertraut ist.
Viele Grüße,
Volker