Etwas anderes...........

14 Antworten · 3'400 Aufrufe · gestartet 08. März 2010 von Joerg
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Themenstarter3'175 Beiträge · seit 200608. März 2010 · #1
Eine Buschgeschichte....

In meinen Augen eine etwas andere Geschichte, die man nicht zu Ernst nehmen sollte , die aber auch zum Nachdenken anregen sollte...

Er hoerte ein tiefes ruhiges Atmen. Es kam aus dem nahestehenden Busch, keine 10 Schritt von ihm entfernt. Wie angewurzelt blieb er stehen und lauschte. Der Wind stand gegen ihn. SO, zu pirschen hatte sein Vater ihn gelehrt und sein Grossvater seinem Vater und jede andere Generation vor ihnen auch. Er wuerde auch bald seinem Sohn dasselbe beibringen, wenn er erst einmal geboren waere. Aber das sollte ja in ein paar Monden der Fall sein und die paar Jahre bis dieser dann laufen kann um mit ihm durch den Busch auf Jagd zu gehen werden wie im Fluge vergehen.


Ploetzlich hoerte er nicht nur das regelmaessige Atmen, sondern es war ein leichtes Schmatzen, wie nach einer guten Mahlzeit.
Da war er sicher , das konnte nur einer sein! Genau es war Xam, der Koenig der Steppe, der dort hinter dem Busch seinen Verdauungsschlaf hielt.
Er war ein Einzelgaenger, da er anscheinend unfruchtbar war, kam er bei den Loewinen nicht an.
Er hatte ihn schon oft beobachtet wie er so alleine im Busch lag. Irgendwie hatte er das Gefuehl er wuerde ihn respektieren und ihn nie angreifen. Naja , schliesslich gruesste er ihn ja auch immer hoeflich in seiner unverwechselbaren durch dauernde klicks durchsetzten Sprache, dem Kxoedam.
Tja , nicht viele hatten diese Gabe mit Katzen zu kommunizieren. Das hatte ihm Mahure erzaehlt, der grosse Zauberdoktor.
Dies ist eine Gottes Gabe und man muss sie hueten und beahren. Er war ein gesegnter, er konnte auch noch mit den Riesen dieser Erde reden. Das war schon sehr nuetzlich, weil sie gab es hier ja zu Unmengen.
Oft musste er Begleitung spielen, wenn andere aus seinem Clan Wasserholen wollten, aber die Quelle von vielen, dieser grauen Riesen besetzt war. Es war immer ein tolles Erlebnis mit den +Xoa zu reden. Stets verstanden sie ihn. Er hob immer erst den rechten Arm zur Nachahmung des Ruessels und begruesste sie dann mit:Mbamba und einigen andern Begruessungsfloskeln. Danach hoben die Riesen auch den Ruessel und klappten mit den Ohren zum Zeichen dass Alles ok sei. Kurz darauf gaben sie das Wasser frei und die kleinen wusseligen Frauen konnten ihre Behaeltnisse mit Wasser fuellen. Noch waren diese Behaeltnisse Strausseneier.....
Wie er so da stand, dachte und den Busch, hinter dem Xam lag beobachtete, da kam er hevor und bewegte sich ganz vorsichtig weg von ihm. Wittern konnte Xam ihn nicht, aber er hatte ihn klar gesehen. Naja er war ja auch satt und wollte einfach nur in den Schatten dieses grossen Marulabaumes. So legte Xam sich auch in einer Entfernung von ca. 50Metern gemuetlich hin um seinen Verdauungsschlaf zu halten. Dieser wuerde etliche Stunden dauern....
So schlich Cheddau um den Busch und genau wie er es erwartet hatte lag da ein angefressenes Kudukalb. Aber es lag da wie fuer ihn hindrappiert. Xam hatte nur die Eingeweide herraus geholt und verschlungen, danach noch ein bisschen an den Schlegeln rumgekieft und das war’s... Schnell das Messer zur Hand ein paar schnelle Schnitte und der Ruecken war ausgeloest. Er wusste er durfte nicht alles mitnehmen, abgesehen davon dass er es eh nicht haette tragen koennen. Nein, Er musste es fuer die anderen Tiere uebriglassen, so wollte es Xam. Jeder sollte zu seinem Recht kommen: Die Hyaenen und Schakale, aber auch die Geier und die Kraehen und wer sonst noch so, rechtzeitig des Weges kam.
Xam war ein echter Koenig, auch wenn er kein Rudel anfuehrte, aber er dachte an alle, das gefiel Cheddau, musste er ja auch an alle die Seinen denken.
Also schnell das Fleisch auf den Ast genommen und zurueck zum Lager. NA das wird eine Freude geben wenn er so um den Sonnenuntergang herum beim Lager eintreffen wuerde.
Im leichten Trab setzte er sich in Bewegung und hielt diesen Trab durch, bis er nach einer dreiviertel stunde an seiner Huette ankam, gerade als die Sonne den Horizont kuesste.
Da sass seine schwangere Frau und flocht gerade einen Korb aus Palmenblaettern und Gras. Seine zwei Toechter spielten daneben.
Wie gesagt nicht mehr lange und sein Sohn wuerde das Licht der Welt erblicken.......Mahure war sicher , es wuerde ein Sohn!!
Als seine Frau ihn erblickte begruesste sie ihn ehrfuerchtig, nahm ihm das Fleisch ab und begann es unverrichteter Dinge zu bearbeiten. Ein Festessen wuerde es geben. Seine Frau wuerde einen Brei aus Mangettinuessen kochen. Das Fleisch wuerden sie braten und dann mit dem von ihr heute frueh gesammelten wilden Spinat, der auch in Wasser gekocht wurde und mit wilden Zwiebeln gewuerzt wurde, verspeisen.
Er setzte sich ans Feuer, das fast immer brannte, wenn sie im Lager waren. Holz hatten sie Dank der Galeriewaelder entlang des Flusses ja zur Genuege. Trotzdem wurde immer ein sparsames , aber effektives Holzfeuer gemacht. Sternfoermig wurden einzelne vertrocknete Aeste zusammen geschoben und brannten an den Spitze mit denen sie zusammenstiessen langsam ab.
Wie er so die Aeste zusammen schob um das Feuer etwas zu entfachen, brachte ihm seine Groesste, sie war 4 Jahre alt eine Kalebasse mit Wasser gefuellt. Er dankte ihr nahm die Kalebassse und schuettete sich etwas von dem Wasser in die hohle Hand und wusch sich damit schnell das Gesicht und die Haende. Jetzt erst benetzte er seine ausgedoerrten Stimmbaender und genoss es wie das Wasser wohlig die Kehle hinunter rann...
Nun nahm er sich Zeit fuer seine Kinder und spielte mit ihnen und sie erzaehlten ihm dabei was sie heute erlebt hatten.
Es war eine ausgelassene Atmosphaere......
Natuerlich hatten sein Bruder und dessen Familie bemerkt dass er etwas von der Jagd mitgebracht hatte und kamen herbeigeeilt um zu sehen und zu hoeren was vorgefallen war und was es geben wuerde.....??
So erzaehlte Cheddau von seiner Begegnung mit Xam und alle preisten den ruecksichtsvollen Xam, sie alle an seiner Beute Anteil haben zu lassen.
Mit weitaufgerissenene Augen und Ohren folgten alle Anwesenden, ob gross oder klein seinen Worten. Die Zeit flog dahin und als er am Ende der Geschichte angelangt war , da war auch das Essen fertig. Dieses verspeiste man genuesslich, um danach bei der unvermeidlichen Pfeife, die die Runde machte die Geschehnisse des Tages nochmals und nochmals zu besprechen.
Das faszinierte mich schon immer, seit ich vor ein paar Jahren nach Afrika gekommen war, wie diese Menschen ueber ein Thema, das bei uns in fuenf Minuten abgehandelt war, Stunden um Stunden reden konnten. Naja sie hatten ja kein TV oder Radio und wenn etwas in ihrem Leben passierte zerpflueckte man es von Vorne bis Hinten und von von Links nach rechts. Dadurch, so schien mir erlebten sie es Alle sehr viel intensiver.....
Silbernes Licht fiel vom Himmel, der Mond, ihr Lebensmittelpunkt, stand in voller Groesse hoch am Himmel, als sie alle der Reihe nach ins Land der Traeume schwebten....

Ich hoffe ich kann solche Erlebnisse noch mehrmals in meinem Leben mit diesn Menschen teilen....................
Unglaublich.......
Gruss Joerg Es gibt NIX, das es nedd gibt
zuletzt bearbeitet 09. März 2010
1'723 Beiträge · seit 200909. März 2010 · #2
Wunderschoen...
Wenn ich kinder haette wuerde ich deine geschichten ausdrucken und sie ihnen abends am bett vorlesen.. Das ist besser als brueder grimm oder was auch immer..

toll, einfach toll.. nur weiter so .. mich bringt das immer ein bisschen in urlaub und ein bisschen zurueck in die kindheit. Solltest ein Buch schreiben, fuer kinder mit afrikanischen echten geschichten.. In einer zeit wo kinder nur noch vor dem TV und dem computer hocken, koennte das ein wenig ihre phantasie und die farben im kopf anregen..

vielen dank
[b]"eine der blamabelsten Angelegenheiten der menschlichen Entwicklung ist es, dass das Wort Tierschutz ueberhaupt geschaffen werden musste" theodor heuss
3'766 Beiträge · seit 200609. März 2010 · #3
Joerg schrieb:
Das faszinierte mich schon immer, seit ich vor ein paar Jahren nach Afrika gekommen war, wie diese Menschen ueber ein Thema, das bei uns in fuenf Minuten abgehandelt war, Stunden um Stunden reden konnten. .....

Eine schöne Geschichte, danke!

Aber das mit in 5 Minuten abgehakt....

nun das nennt sich bei uns politik 😄 😄

die reden auch Stunden um Stunden

Gruss Kurt
www.Kurt-und-Heidi.ch Reiseberichte - Bilder und noch mehr wir freuen uns über jeden Besuch
zuletzt bearbeitet 09. März 2010
5'538 Beiträge · seit 200809. März 2010 · #4
Hallo Jörg,

selbst ein alter Mann wie ich hat sich an dieser wunderbaren Geschichte richtig erfreut. Danke.

Liebe Grüße
Gerd
79 Beiträge · seit 200609. März 2010 · #5
Hallo Jörg,

auch von mir ein Dankeschön für die kurze Reise in eine andere Welt.

liebe Grüße Karin
403 Beiträge · seit 200609. März 2010 · #6
Wie alt ist denn der alte Mann Gerd?????
5'538 Beiträge · seit 200809. März 2010 · #7
Hallo Margrit,

danke für die Nachfrage. Aber weit über 65 - deshalb ja auch schon Pensionär.

Lieben Gruß
Gerd
1'723 Beiträge · seit 200910. März 2010 · #9
SIEHSTE JOERG
[b]"eine der blamabelsten Angelegenheiten der menschlichen Entwicklung ist es, dass das Wort Tierschutz ueberhaupt geschaffen werden musste" theodor heuss
1'723 Beiträge · seit 200910. März 2010 · #10
uops .. das ist zu schnell weggegangen..

Ich wollte sagen : SIEHSTE JOERG gefaellt ganz vielen, also doch schoen ein buch von solchen super geschichten machen.. das ist nette lekture, das oeffnet horizonte, das laesst den kopf reisen..
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[b]"eine der blamabelsten Angelegenheiten der menschlichen Entwicklung ist es, dass das Wort Tierschutz ueberhaupt geschaffen werden musste" theodor heuss
1'309 Beiträge · seit 200910. März 2010 · #11
Hallo Joerg,

du schreibst richtig tolle Geschichten.
Da freut man sich gleich noch mehr auf den Urlaub!

Liebe Grüße,
Nenette
Il n'y a pas un atome de cette poussière que je n'aime infiniment. Es gibt kein Atom in diesem Staub, das ich nicht unendlich liebe. (Elizabeth Riollet über Voi/Tsavo) Botswana 2010: http://nenette-f.over-blog.de/categorie-11610665.html Mein anderes Hobby: http://lauter-schoene-saetze.over-blog.com/
8'054 Beiträge · seit 200810. März 2010 · #12
Hallo Jörg,

Solche Geschichten musst Du unbedingt abends in der Rhino erzählen! 😄

Da können wir beruhigt einschlafen! 😛


Schönen Tag wünscht
Annick
Südafrika 2014 http://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/281763-miam-miam-und-mamamia.html Namibia 2014 [http://namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/283810/-die-frenchies-in-namibia.html] Tansania 2015 [http://namibia-forum.ch/forum/158-diverses/285247-tansania-auf-jeden-fall-wieder.html] Uganda/Ruanda 2015 {http://namibia-forum.ch/forum/160-diverses/286948-uga,html} Tanzania 2016 {http://namibia-forum.ch/forum/158-diverses/288428-rei,html} Südafrika/Simbabwe 2016 {http://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/290185.html} Südafrika Garden Road 2018 {http://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/295032-the-garden-road-ein-bisschen-anders.html Malawi 2018{http://namibia-forum.ch/forum/154-diverses/296097-reisebericht-malawi-august-2018.html}
1'309 Beiträge · seit 200910. März 2010 · #13
Hallo Annick,

dafür müssen die Rhinonauten ihn aber mal zu Wort kommen lassen! 😄


LG Nenette
Il n'y a pas un atome de cette poussière que je n'aime infiniment. Es gibt kein Atom in diesem Staub, das ich nicht unendlich liebe. (Elizabeth Riollet über Voi/Tsavo) Botswana 2010: http://nenette-f.over-blog.de/categorie-11610665.html Mein anderes Hobby: http://lauter-schoene-saetze.over-blog.com/
Themenstarter3'175 Beiträge · seit 200611. März 2010 · #14
Ein herzliches Danke an alle interessierten Leser und vor allem an diejeniegen , die mir so aufmunternde mails geschickt haben.

Vieln Dank noch mal und vielleicht bis bald....
Gruss Joerg Es gibt NIX, das es nedd gibt
Themenstarter3'175 Beiträge · seit 200615. März 2010 · #15
sieh bitte oben, Danke...
Gruss Joerg Es gibt NIX, das es nedd gibt
zuletzt bearbeitet 15. März 2010