hier wurde kurz die Frage aufgeworfen, ob die Einheimischen denn nicht rechnen können, das man ein lebendes Nashorn häufiger photographieren kann als totschießen. Nun kurz ein kleiner Exkurs, wie man in Namibia rechnet, um eine richtige Diskussionsgrundlage zu haben.
Feine Zahlen - Fein gemahlen
Man unterscheidet zwischen Trophäentier- Abschüssen und Problemtier - Abschüssen.
Ein Trophäentier in einer Conservancy wird auf in der Regel jährlichen Konzessionsversteigerungen des Ministeriums für Umwelt und Naturschutz an private Jagdsafarianbieter versteigert. Die dadurch eingenommenen Gelder werden entweder dem Hegegebiet direkt oder der Gemeinschaft durch den Wildtierprodukte-Treuhand-Fonds (Game Products Trust Fund) zugute kommen, fließen also nicht in das allgemeine Steuersäckel.
Das gleiche ist mit den 1,5 Mio N$ / ca. 140.000 Euro Konzessionsgebühr für den Nashornabschuß geschehen.
http://www.az.com.na/umwelt/trophenjger-schiet-nashorn.87974.phpAuf einer CITES Konferenz des Washingtoner Artenschutzabkommen wurde Namibia die Quote von 5 Spitzmaulnashörnern ohne größere Diskussion zur Bejagung zugesprochen, da der Nashornschutz und Bestand vorbildlich ist.
http://www.az.com.na/umwelt/naturschutz-heit-wild-und-frei.20964.phpDiese Bejagung ist bisher nur in Naturschutzgebieten vorgesehen, so dass die Konzessionsgebühren alle in den Treuhand-Fond fließen, aus dem vor allem die weitere Nashorn - Aufzucht speziell im Waterberggebiet bedient wird. Das war eine der Auflagen von CITES.
Zusatzinformation: Alle Nashörner in Namibia sind staatlicher Besitz. Sie werden aber für Gästefarmen - zum Teil gegen Gebühren - ausgeliehen, die dann privatwirschaftlich ohne Steuergelder ( Namibia hat nur 46.000 Steuerzahler ) für tierärztliche Versorgung, Bewachung und Nachzucht verantwortlich sind.
Die privaten Jagdanbieter versuchen dann, unter Ihren Jagdanfragen für Ihre verschiedenen Konzessionstiere einen möglichst hohen Preis für Ihr Produkt zu erhalten. Der Preis setzt sich dann aus Abschußgebühren, zu buchende Jagdtage - bei Elefanten in der Regel 14 Jagdtage - und Trophäenbearbeitungsgebühren inklusive der ganzen Dokumentation zusammen.
Aus der Praxis für die Praxis
Im letzten Jahr konnte in Namibia ungefähr 26.000 US$ /ca. 200.000 N$ für einen Wüstenelefantenabschuss erzielt werden. Davon erhält die Conservancy 50% direkt vom Jagdkonzessionär. Das Fleisch des geschossenen Tieres muß an die Conservancy mit abgeliefert werden. Da Elefanten in der Regel auch kleinere Wanderungen unternehmen, ist der Normalfall, dass sich zwei nebeneinanderliegende Conservancies die Einnahmen teilen. Das heißt, jede Conservancy erhält ca. 50.000 N$ auf einen Schlag ( oder besser gesagt: Auf einen Schuß ) wenn sich ein Jäger mit ca. 8 Jagdhelfern und 3 Fahrzeugen für ca. 14 Tage im Gebiet zweier Conservancys aufhalten.
Diesen Effekt muß die lokale Bevölkerung - zur Erinnerung, das sind die, die noch bei den Wildtieren zurückbleiben, während die Photographen ja ein Rückflugticket in der Tasche haben - abwägen gegen folgenden Ansturm:
100.000 N$ Ertrag geteilt durch 50 N$ Campinggebühr pro Person
Das bedeutet 2.000 einsamkeitsliebende Personen, die in der Gegend übernachten mit ca. 750 Fahrzeugen.
Ich glaube, da müssen viele Makalaninüsse zusätzlich verkauft werden, um die Einheimischen zu überzeugen, dass das das Erstrebenswertere ist.
Bei den Problemtierabschüssen kommt eine weitere zeitliche Komponente hinzu. Sobald das Problem(tier) auftritt, muß eine schnelle Lösung dafür gefunden werden. Umsiedeln mit wenigen Nationalparkrangern Ressourcen oder mit ablaufendem Haltbarkeitsdatum schnell einen "last minute" Jäger finden, der bereit ist, das dann unvermeidliche auch noch zu bezahlen.
Hierzu ist heute in der AZ ein sehr kluger Artikel mit den Aktuellen Problemtierabschußpreiszahlen erschienen:
http://www.az.com.na/umwelt/mensch-tier-konflikte-besser-lsen.88641.phpder zeigt, dass man in Namibia auch ständig an der Feinjustierung des Verhältnisses von Wildtieren zu Menschen arbeitet.
Schließlich ist Namibia Dank des bisher erfolgreich beschrittenen Weges fast das einzige Afrikanische Land, in dem man noch bei Fahrten in Dämmerung und Dunkelheit außerhalb von Nationalparks gegen Wildtiere knallen kann.
Ich hoffe, hier mit ein paar echten Zahlen ein wenig Klarheit geschaffen zu haben.
den diskutiert werden - teils sogar mit Meinungen - kann natürlich daran einiges:
zum Beispiel die Nachhaltigkeit: Sind die (Wüsten)- Elefanten Populationen wirklich schon so zahlreich, dass man pro Jahr ca. 4-5 Elefantenbullen dort herausnehmen kann?
Warum werden die Konzessionen überwiegend in der Kunene Region vergeben und weniger in den Gegenden wo ein an den Zerstörungen deutlich sichtbarer Elefantenüberschuß herrscht, also Caprivi und Khaudom Gebiet.
Der Druck der Bevölkerung nach dem schnellen Geld ist in der Kunene Region viel stärker.
Es bleibt also Raum für Meinungen. Da müssen dann jetzt aber andere ran.
Mit sonnigen Grüßen aus Windhoek
Carsten Möhle